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proportion

mnd. bis spez. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Proportion

Bd. 16, Sp. 384
Proportion (lat.), Ebenmaß, Verhältnis; in der Mathematik eine Gleichung, die aussagt, daß zwei Differenzen oder zwei Quotienten (Verhältnisse) einander gleich (in Zeichen: =) sind. Im ersten Fall ist die P. arithmetisch, wie a-b = c-d, im zweiten geometrisch, wie a/b = c/d, wofür man gewöhnlich schreibt a:b = c:d, gelesen a [verhält sich] zu b wie c:d; der Quotient a/b = c/d heißt dann auch der Exponent dieser geometrischen P. Die vier Zahlen a, b, c, d nennt man die Glieder der P. und unterscheidet sie ihrer Stellung nach als erstes bis viertes Glied; a und d heißen äußere, b und c innere (mittlere) Glieder. Sind die innern Glieder gleich, b = c = m, so ist bei der arithmetischen P. a-m = m-d die Größe m = 1/2(a+d) das arithmetische Mittel aus a und d; bei der geometrischen P. a:m = m:d ist m = √(a. d) das geometrische Mittel aus oder die mittlere Proportionale zwischen a und d. Von praktischer Bedeutung sind allein die geometrischen Proportionen. In jeder geometrischen P. ist das Produkt der äußern Glieder gleich dem der innern. Hieraus folgt, daß man die beiden äußern und ebenso die beiden innern Glieder vertauschen darf, aus a:b = c:d ergibt sich also a:c = b:d und d:b = c:a. Man darf ferner die beiden ersten Glieder vertauschen, wenn man zugleich die beiden letzten vertauscht, und man darf die beiden ersten oder die beiden letzten Glieder mit derselben Zahl multiplizieren oder dividieren (kürzen), ohne daß die P. aufhört richtig zu sein. Endlich kann man aus einer P. eine große Anzahl andrer ableiten, die auch umgekehrt wieder die ursprüngliche P. nach sich ziehen, z. B. a+b:b = c+d:d oder a-b:b = c-d:d oder a-b:a+b = c-d:c+d u. s. s. Besteht die P. a:b = c:d, so sagt man, daß c und d den Größen a und b direkt proportional oder kürzer proportional sind, dagegen d und c den Größen a und b. indirekt (umgekehrt) proportional. Hat man zwei Größen, die verschiedene Werte annehmen können, die aber in solcher Beziehung stehen, daß durch den Wert der einen immer der Wert der andern bestimmt ist, und daß je zwei Werte der einen direkt (indirekt) proportional sind den zugehörigen Werten der andern, so sagt man, diese Größen seien direkt (indirekt) proportional; einer Vermehrung der einen entspricht dann immer eine Vermehrung (Verminderung) der andern. Direkt proportional sind z. B. Preis und Quantität (Menge) einer Ware, Lohn und Arbeitsleistung, Kapital und Zinsen; indirekt proportional dagegen Zahl der Arbeiter und erforderliche Arbeitszeit (bei gleicher Arbeitsleistung), Preis und Qualität (Güte) einer Ware etc. Die Proportionen dienen nun zur Lösung von Aufgaben über Größen, die in diesem Sinne direkt oder indirekt proportional sind. Gewöhnlich sind zwei Werte der einen Größe gegeben, von den zugehörigen Werten der andern aber nur der eine, während der zweite gesucht wird. Der gesuchte Wert wird als unbekannte Größe meist mit x bezeichnet, und man setzt die P. gewöhnlich so an, daß x das vierte Glied wird. Dann ist x gleich dem Produkt der beiden innern Glieder dividiert durch das erste Glied; z. B. in welcher Zeit werden 50 Arbeiter eine Arbeit vollenden, zu der unter sonst gleichen Umständen 35 Arbeiter 20 Tage brauchen? Da die Arbeitszeit umgekehrt proportional ist der Arbeiterzahl, so verhält sich: 50:35 = 20:x, also wird: x = (20. 35)/50 = 14 Tage. Hier mußte aus drei bekannten Gliedern einer P. das vierte unbekannte berechnet werden, eine Aufgabe, deren Lösung man früher als sogen. Regeldetri (regula de tri) zu bezeichnen pflegte. Ebenso benutzte man zur Lösung verwickelterer Aufgaben, die auf eine Kette von Proportionen hinauskommen, die Regula multiplex oder zusammengesetzte Regeldetri und unterschied eine Regula quinque, Regula septem etc., je nachdem die Zahl der bekannten Größen 5, 7 etc. war. Alle diese Regeln und ihre verschiedenen Fassungen (Basedowsche Regel, Reessche Kettenregel) sind aber nur eine unnütze Belastung des Gedächtnisses, da man jede Aufgabe der betreffenden Art unmittelbar lösen kann; z. B. bauen 600 Mann in 21 Tagen bei 12stündiger Arbeitszeit eine Wegstrecke von 3500 m Länge und 4 m Breite, wieviel Tage brauchen 900 Arbeiter bei 8stündiger Arbeitszeit zur Fertigstellung von 12,000 m Länge und 4,5 m Breite? Läßt man alles außer der Arbeiterzahl ungeändert, so wäre die Zahl x1 der erforderlichen Tage durch die P. 900:600 = 21:x1 bestimmt, da die Arbeitsdauer der Zahl der Arbeiter umgekehrt proportional ist. Ändert man jetzt auch die tägliche Arbeitszeit, der die Arbeitsdauer ebenfalls umgekehrt proportional ist, so bekommt man x2 Arbeitstage, wo 8:12 = x1:x2. Nimmt man Rücksicht auf die verschiedene Weglänge, so ergeben sich x3 Arbeitstage und die P. 3500:12,000 = x2:x3; die neue Wegbreite endlich erfordert statt der x3 Tage deren x, wo x die wirklich gesuchte Zeit ist, und zwar wird: 4:4,5 = x3:x. Diese Kette von Proportionen ergibt: x1 = (600. 21)/900, x2 = (12. x1)/8, x3 = (12000. x2)/3500, x = (4,5. x3)/4 oder: x = (600. 21. 12. 12000. 4,5)/(900. 8. 3500. 4) = 81 Tage. Man kann aber auch das Aufschreiben der einzelnen Proportionen ganz vermeiden. Da nämlich die ursprüngliche Arbeitsdauer, 21 Tage, im Verhältnis von 900:600 zu verkleinern ist, dagegen im Verhältnis von 8:12, von 3500:12,000 und von 4:4,5 zu vergrößern, so hat man einfach 21 mit den Brüchen 600/990, 12/8 etc. zu multiplizieren und bekommt: x = 21.600/900.12/8.12000/3500.4,5/4 = 81 wie vorhin. Zahlreiche Beispiele für praktische Verwendung der Proportionen enthält Feller und Odermann, Das Ganze der kaufmännischen Arithmetik (18. Aufl., Leipz. 1906). Im ästhetischen Sinn ist P. eine gewisse, auf Zahlen- und Größenverhältnissen beruhende Beziehung, in der die einzelnen Teile eines Natur- und Kunstgebildes, namentlich auch der menschlichen Gestalt, zueinander stehen, und die auch in der Anschauung unmittelbar vom Sinn aufgefaßt wird, und zwar so, daß sie einen wohltätigen Eindruck macht. Näheres s. im Artikel »Mensch«, S. 608 u. 609. – In der ältern Mensuralmusik (s. d.) hießen Proportionen allerlei komplizierte, durch Brüche (3/2, 4/3 etc.) bestimmte Veränderungen der wirklichen Wertgeltung der Noten, besonders aber die der Proportio tripla (3/1) oder Sesqui altera (3/2), d. h. der ungerade Takt, nach vorausgegangener gerader Taktart. Daher ist »Proporz« auch der Name für den auf den im geraden Takt stehenden Reigen folgenden, im ungeraden Takt stehenden Springtanz (Nachtanz).
6460 Zeichen · 87 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    proportiônf.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    + proportie , proportiôn , f. : (mathem.:) Gleichartigkeit, Gleichheit im Verhältnis; — lat. proportio.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    proportionf.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +3 Parallelbelege

    proportion , f. verhältnis, verhältnismäszigkeit, im 17. jh. entlehnt aus franz. proportion vom lat. proportio, wovon im…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Proportion

    Goethe-Wörterbuch

    Proportion -zi- GWB LA II 10A,96,130 a (Größen-, Mengen-)Verhältnis unterschiedlicher Dinge, bes ‘nach P.’ u ‘in P. (zu)…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Proportion

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Proportion , lat.-deutsch, Ebenmaß, Verhältnißmäßigkeit, in der Mathematik 2 durch das Zeichen der Gleichheit mit einand…

  5. Spezial
    Proportion

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Pro|por|ti|on f. (-,-en) proporziun (-s) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit proportion

26 Bildungen · 18 Erstglied · 6 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von proportion 2 Komponenten

pro+portion

proportion setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

proportion‑ als Erstglied (18 von 18)

proportional

Pfeifer_etym

Proportion f. ‘Verhältnis’ (Ende 15. Jh.), auch ‘Verhältnisgleichung’ (Ende 17. Jh.), entlehnt aus lat. prōportio (Genitiv prōportiōnis) ‘Eb…

Proportionalität

Herder

Proportionalität , Verhältnißmäßigkeit , die Harmonie der Größenverhältnisse (Carus: Proportionslehre der menschlichen Gestalt, Lpz. 1854; Z…

Proportionallehre

GWB

proportional·lehre

Proportionallehre Lehre vom (richtigen) Verhältnis der Substanzen/Reagenzien zueinander Chemisches: P., Aufsieden, leichtere Flüssigkeit übe…

proportionieren

GWB

proportion·ieren

proportionieren auch -nn-; stets -ir- bemessen, in ein bestimmtes Verhältnis setzen daß wir durch zwei Prismen von einerlei Glasart, wenn wi…

proportionieret

Lexer

proportionieret part. adj. proportionatus. proportionieret wol mit vollen ist ir lîp gedrollen Ls. 3. 531,165.

proportionierlich

GWB

proportionierlich mehrf Subst; -ir- außer GWB B30,14,14 a relativ, vergleichsweise, entsprechend Die Basen der ältesten Tempel waren Stufen.…

proportioniert

Pfeifer_etym

Proportion f. ‘Verhältnis’ (Ende 15. Jh.), auch ‘Verhältnisgleichung’ (Ende 17. Jh.), entlehnt aus lat. prōportio (Genitiv prōportiōnis) ‘Eb…

proportionîren

MNWB

proportion·iren

+° proportionêrn , proportionîren , swv. : 1. gleichmäßig abmessen, ebenmäßig gestalten, (passiv.:) wente sî hebben grôte starke dicke lîve …

Proportionsmangel

GWB

proportion·s·mangel

Proportionsmangel zu ‘Proportion’ b Andere..regeln ihr Urtheil nach unverdauten Schönheitsbegriffen, verlangen nie weniger als das Vollkomme…

proportionēren

KöblerMnd

proportion·ēren

proportionēren , sw. V. nhd. „proportionieren“, gleichmäßig abmessen, ebenmäßig gestalten, in ein gleichartiges Verhältnis setzen ÜG.: lat. …

proportionērn

KöblerMnd

proportionērn , sw. V. Vw.: s. proportionēren*

proportionīren

KöblerMnd

proportionīren , sw. V. Vw.: s. proportionēren*

proportion als Zweitglied (6 von 6)

DISPROPORTION

DWB2

dis·proportion

DWB2 DISPROPORTION f. DWB2 lehnwort aus frz. disproportion f. mißverhältnis: DWB2 1640 dass die beide städte Brandenburg allein .. eben sovi…

Menschenproportion

GWB

menschen·proportion

Menschenproportion Pl: übertr für die allg-menschlichen Verhältnisse, Maßstäbe in literar Darstellung GWB B12,109,27 Meyer 28.4.97 [ Zit s v…

urproportion

DWB

-proportion Varnhagen v. Ense Rahel 3, 374 ,

zahlproportion

DWB

zahl·proportion

zahlproportion , f. : diese harmonie der theile ( des menschlichen körpers ) war nicht etwa blos eine zahlproportion ihrer länge und breite;…

Ableitungen von proportion (2 von 2)

urproportion

DWB

-proportion Varnhagen v. Ense Rahel 3, 374 ,