Menschheit ‘Menscheit’ GWB39,313,2
; gut ein Viertel der etwa 250 Belege in der (heute verblaßten) Bed 1, überwiegend im literar Bereich u in frühen Briefen; vielfach aber keine klare semantische Differenzierung möglich 1
wörtlich: das Mensch-Sein, die menschliche Existenz; öfter mit steigernden Attr: ‘rein(st)e, wahre, tiefe, höhere M.’ ua, auch ‘göttliche M.’ Christi [
Egmont, allein:] Und frisch hinaus, da wo wir hingehören! in's Feld..wo wir die
M. ganz, und menschliche Begier in allen Adern fühlen GWB8,281,26 Egm V die griechische Mythologie als höchst gestaltet, als Verkörperung der tüchtigsten reinsten
M. GWB41
2,233,6 LeGlobe Anm [
Lavater zeigt sich unzufrieden mit der Physiognomie porträtierter Persönlichkeiten] diese bei allen Vorzügen welche sie haben mochten, blieben doch immer zu weit hinter der Idee zurück, die er von der
M. und den Menschen hegte..Der Begriff von der
M., der sich in ihm und an seiner Menschheit herangebildet hatte, war..genau mit der Vorstellung verwandt, die er von Christo lebendig in sich trug.. GWB28,258,18u22 DuW 14 [
Madame Sommer zu Stella, die ihre Liebe zu Fernando bekennt:] Wie glücklich! Sie leben doch noch ganz in dem Gefühl der jüngsten [innigsten
Var], reinsten
M. GWB11,148,6 Stella II [
nach der Himmelfahrt Christi suchen die Jünger seine Gegenwart in den Sakramenten der Taufe u des Abendmahls] so blieb ihnen kein Zweifel übrig, daß ihr verherrlichter Bruder ihnen von dem Wesen seiner göttlichen
M. durch diese sinnliche Zeichen mittheile GWB37,167,20 BriefPastors [1773] 15
1,72 Faust II 6272 30,247,7 ItR 35,4,26 TuJ 1769-75 N11,131,18 MuR(577) B5,109,1 Lavater [9.?4.81]
uö mit stärker individuellem Bezug (zugl repräsentativ für die Gattung); dabei vereinzelt sich verfestigend zur Bed Mensch(enwesen), Persönlichkeit [
Wilhelm:] Wem ererbte Reichthümer eine vollkommene Leichtigkeit des Daseins verschafft haben..gewöhnt sich meist, diese Güter als das Erste und Größte zu betrachten, und der Werth einer von der Natur schön ausgestatteten
M. wird ihm nicht so deutlich GWB22,17,15 Lj IV 2~52,176,20 ThS V 13 [
Goethe sendet Lavater die Kopie einer physiognomischen Zeichnung] Da schick ich dir ein Profil. Der Kerl..war Steuermann, hat in der Sklaverey zu Tunis viel ausgestanden..Ich hab ihn nach dem Leben gezeichnet..das Original drückt besser den Eigensinn im Leiden, und das niedergedrückte einer starcken
M. aus GWBB2,157,2 Lavater 26.4.74 [
über Hamlet] Es ist eine außerordentliche Seele..Wer wünschte nicht zu wissen, was alles für wunderliche Gedanken und unvorgesehene Handlungen sich daraus entwickeln werden..denn da ist etwas zu sehen, was man nicht überall antrifft. Hier ist die
M. zu studiren in diesem so wunderlichen und doch so wahren Herzen GWB40,129,6 EnglSchausp Paris [
der Abbé:] sobald der Mensch an mannichfaltige Thätigkeit oder mannichfaltigen Genuß Anspruch macht, so muß er auch fähig sein, mannichfaltige Organe an sich..auszubilden. Wer alles und jedes in seiner ganzen
M. thun oder genießen will, wer alles außer sich zu einer solchen Art von Genuß verknüpfen will, der wird seine Zeit nur mit einem ewig unbefriedigten Streben hinbringen GWB23,251,9 Lj VIII 7 Da er [
Lavater] nun Christum buchstäblich auffaßte..so diente ihm diese Vorstellung dergestalt zum Supplement seines eignen Wesens, daß er den Gottmenschen seiner individuellen
M. so lange ideell einverleibte, bis er zuletzt mit demselben..in Eins zusammengeschmolzen..ja eben derselbe zu sein wähnen durfte GWB29,142,9 DuW 19 37,347,7 PhysiognFragm 49
1,129,6 Philostrat
uö auch iSv Menschlichkeit, menschliches Verhalten, Gebaren [
mBez auf Elisabeth von der Recke] Denn ob sie gleich ein Muster der Tugend und..der Erbarkeit ist; so hat sie doch gestanden..daß sie eine besondere Freundinn und Verehrerinn von Fürsten sey die ihre
M. nicht ausgezogen haben GWBB6,419,10 CarlAug 26.12.84 ─
vielfach übergehend zur kollektiven Vorstellung iSv Pkt 2 [
Faust, vor Gretchens Kerker:] Mich faßt ein längst entwohnter Schauer,|Der
M. ganzer Jammer [Inneres Grauen der
M. GWB39,313 Urfaust Kerker 2] faßt mich
an.|Hier wohnt sie hinter dieser feuchten Mauer,|Und ihr Verbrechen war ein guter Wahn! GWB14,229 Faust I 4406 wenn ein munteres Lebensalter einen Wunsch haben darf und soll, so ist es der: in allem Geleisteten das Löbliche, Gute, Bildsame, Hochstrebende, genug das Ideelle, und selbst in dem nicht Musterhaften das allgemeine Musterbild der
M. zu erblicken GWB42
1,188,14 Carlyle,Schiller [
Entwurf einer Grabschrift für Anna Amalia] erhabenes verehrend|Schönes geniesend|Gutes wirkend|Förderte sie alles|was
M.|ehrt ziert und bestätigt GWB36,449 AndenkAnnaAm 1807 Plp [
mBez auf Schopenhauers Aufsatz ‘Über das Sehen der Farben’] muß ich denn..bewundern, wie ein selbstdenkendes Individuum sich so treu und redlich mit jenen Fragen befaßt, und..sie aus seinem Innern, ja aus dem Innern der
M. zu beantworten sucht GWBB26,111,10 Schopenhauer 23.10.15 Ich soll, ich soll nicht zu mir selbst kommen, wo ich hintrete, begegnet mir eine Erscheinung, die mich aus aller Fassung bingt. Heut! O Schiksal! O
M.! GWBAA108,4 Werth
1 II~Werth
2 38,68 KünstlersVergött 15 40,186,3 MuR(739) B4,153,21 ChStein 7.12.79 B6,140,2 Herder 20.3.83
uö(häufig) 2
die Menschen in ihrer Gesamtheit a
umfassend: das Menschengeschlecht, die menschliche Gesellschaft, Zivilisation uä; auch in bildh Zshg je mehr ich die Welt sehe, desto weniger kann ich hoffen, daß die
M. je Eine weise, kluge, glückliche Masse werden könne GWB31,238,16 ItR [
Faust zu Mephisto:] Mein Busen, der vom Wissensdrang geheilt ist,|Soll keinen Schmerzen künftig sich verschließen,|Und was der ganzen
M. zugetheilt ist,|Will ich in meinem innern Selbst genießen.. ..Was bin ich denn, wenn es nicht möglich ist|Der
M. Krone zu erringen,|Nach der sich alle Sinne dringen? GWB14,84u86 Faust I 1770u1804 [
Jarno:] Die meisten Menschen, selbst die vorzüglichen, sind nur beschränkt..Nur alle Menschen machen die
M. aus, nur alle Kräfte zusammengenommen die Welt GWB23,216,24 Lj VIII 5 Sehen wir nun während unseres Lebensganges dasjenige von andern geleistet, wozu wir selbst früher einen Beruf fühlten..dann tritt das schöne Gefühl ein, daß die
M. zusammen erst der wahre Mensch ist.. GWB27,277,28 DuW 9 [
Regentin, angesichts der gärenden Stimmung im Land:] O was sind wir Großen auf der Woge der
M.1)? Wir glauben sie zu beherrschen, und sie treibt uns auf und nieder, hin und her GWB8,184,21 Egm I 47,30,15 PropylEinl 24,378,15 Wj II 7 Gespr(He2,114) Luden [19.8.06] B2,282,17 Anna Louise Karsch 17.8.[75]
uö öfter unter entwicklungsgeschichtl Aspekt [
Karlsbad] Mit Fürst Reuß über die gegenwärtigen politischen Verhältnisse. Mit dem Landgrafen von Hessen über Urgeschichte und Gang der
M. GWBT3,142,16 v 20.7.06 Durchaus giebt es überall in der Welt solche Männer denen es um das Gegründete und von da aus um den wahren Fortschritt der
M. zu thun ist GWB42
2,503,11 Stud zWeltlit Nichts ist stillstehend. Bei allen scheinbaren Rückschritten müssen
M. und Wissenschaft immer vorschreiten, und wenn beide sich zuletzt auch wieder in sich selbst abschließen sollten..Der Kreis, den die
M. auszulaufen hat, ist bestimmt genug, und ungeachtet des großen Stillstandes, den die Barbarei machte, hat sie ihre Laufbahn schon mehr als einmal zurückgelegt GWBN3,VII,11 u VIII,1 FlH Einl Auf Herders dritten Theil [
der ‘Ideen zur Philosophie der Geschichte’] freu' ich mich sehr..Er wird gewiß den schönen Traumwunsch der
M., daß es dereinst besser mit ihr werden solle, trefflich ausgeführt haben.. GWB31,253,15 ItR~B8,233,10 ChStein 8./9.6.87 Autorität. Ohne sie kann der Mensch nicht existiren, und doch bringt sie eben so viel Irrthum als Wahrheit mit sich; sie..ist hauptsächlich Ursache daß die
M. nicht vom Flecke kommt GWBN11,112,22 MuR(1174) 24,121,17 Wj I 7 18,55,16 Aufgeregten IV 2 N3,214,1 FlH IV
uö b
für eine bestimmte, begrenzte Gesamtheit von Menschen (Zeitgenossen, soziale Schichten, Berufsgruppen uä); durchgehend attribuiert: ‘gebildete, gesittete, gefühllose M.’ ua Das chromatische Zartgefühl der Alten..wie sollt' es auch einer so harmonischen
M. an diesem Hauptpuncte gerade gemangelt haben? GWB36,171,10 TuJ 1820 Man erinnert sich welch ein schmerzliches Gefühl über die Freunde der Dichtkunst..sich verbreitete, als die Persönlichkeit des Homer..bestritten wurde. Die gebildete
M. war im Tiefsten aufgeregt GWB36,189,27 TuJ 1821 [
Faust, angesichts der Inhaftierung Gretchens:] Als Missethäterin im Kerker..das holde unselige Geschöpf!..Gefangen!..Bösen Geistern übergeben und der richtenden gefühllosen
M.! GWB14,225 Faust I TrübTag 14~39,308 Urfaust TrübTag 10 49
1,183,14 Üb:Zahn,Pompeji 49
1,390,6 Üb:Gérard,Collect des portraits hist 49
1,64,4 Philostrat
uö c
abgeblaßt für: die Menschen, die Leute [
unter dem Eindruck bayerisch-kath Barockarchitektur] Jesuitenkirchen, Türme, Dekoration überhaupt! Etwas groses in der Anlage, das allen Menschen insgeheim Ehrfurcht einflöst. Gold, Silber, Metall und Pracht..und hie und da etwas abgeschmacktes, daß die
M. versöhnt und angezogen werde GWBT1,151,3 v 3.9.86 [
mBez auf Basedows pädagogische Ambitionen] Ihm war einzig darum zu thun, jenes große Feld..besser anzubauen, damit die
M. künftig bequemer und naturgemäßer darin ihre Wohnung nehmen sollte GWB28,272,16 DuW 14 [
Faust zu Mephisto:] Auch diesmal imponirt mir nicht|Die tiefe Wuth mit der du gern zerstöhrtest..|Die
M. hat ein fein Gehör,|Ein reines Wort erreget schöne Thaten GWB15
2,180 Faust II Plp 24,51,4 Wj I 4 B2,31,1 Kestner [10.10.72]
Syn zu 1 die M-en) Menschenart Menschenfamilie Menschengattung *Menschengemeine Menschengeschlecht Menschenstamm 1) dasselbe Bild schon im Brief an Lavater v 31.12.75 (WA IV 3,12,19) Nikolaus LohseN.L.