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Menschheit

mhd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
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16 in 16 Wb.
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

Menschheit

Menschheit

Mensch m. höchstentwickeltes gesellschaftliches Lebewesen mit der Fähigkeit zu arbeiten und zu denken, ahd. mennisco m. ‘Mensch’ (8. Jh.), mhd. mensche, mensch m. n. ‘Mensch, Mädchen, Buhlerin, Magd, Knecht, das menschliche Geschlecht’, mnd. minsche, mnl. mensce, nl. mens sind aus einer Substantivierung des in ahd. mennisc (um 800), mhd. mennisch ‘menschlich, mannhaft’, asächs. mennisk, aengl. mennisc, anord. mennskr, got. mannisks vorliegenden Adjektivs germ. *manniska- hervorgegangen, einer Ableitung von dem unter Mann (s. d.) behandelten Substantiv. Das im Mhd. auftretende Neutrum steht bis ins 17. Jh. ohne abschätzigen Sinn neben dem Maskulinum, bezeichnet jedoch seit dem 15. Jh. häufig eine ‘weibliche Person’, besonders die ‘Magd’, und wird seit dem 18. Jh. durchgehend abwertend gebraucht; dazu auch der Plural Menscher (17. Jh.). – menschlich Adj. ‘den Menschen betreffend, ihm gemäß, hilfsbereit, gut’, ahd. mennisclīh (8. Jh.), mhd. menschlich ‘nach, von Menschenart’; dazu Menschlichkeit f. ‘Menschennatur, menschliche Würde, menschliches Gefühl, Freundlichkeit im Umgang mit anderen’ (16. Jh., Übersetzung von lat. hūmānitās, s. Humanität), geläufig seit dem 18. Jh., vereinzelt ‘Menschheit’ (nur 17. Jh.); vgl. spätmhd. menschlīcheit ‘Zustand des Menschseins, Menschheit’. Menschheit f. ‘Gesamtheit der Menschen’, ahd. mennischeit ‘alle Menschen, menschliche Natur, Menschwerdung’ (um 1000), mhd. menschheit, menscheit ‘alle Menschen, Natur und Leben eines Menschen, Menschlichkeit’. Menschenfeind m. ‘Menschenhasser, -verächter’ (16. Jh.), Übersetzung von griech.-lat. misanthropus (s. Misanthrop). Menschenfresser m. ‘Kannibale’, Übersetzung (17. Jh.) von gleichbed. lat. anthrōpophagus, griech. anthrōpophágos (ἀνθρωποφάγος); vgl. griech. ánthrōpos (ἄνθρωπος) ‘Mensch’ und phágos (φάγος) ‘Fresser’, phagé͞in (φαγεῖν) ‘essen, verzehren’. menschenmöglich Adj. ‘für einen Menschen möglich’ (18. Jh.), aus älterem menschmöglich (17. Jh.), das aus menschlich und möglich (16. Jh.) mit Ersparung der Suffixwiederholung zusammengerückt ist. Menschenrecht n. zunächst ‘von Menschen eingesetztes Recht’ (Ende 17. Jh.); Menschheitsrechte Plur. ‘dem Menschen von Geburt an zukommende Rechte und Würde’ (nach 1750). Danach (meist im Plur.) Menschenrechte ‘Reihe von Rechten, die die Stellung des Menschen in der Gesellschaft und sein Verhältnis zum Staat regeln’ (seit 1777). Durch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung (1776) und die französische Déclaration des droits de l’homme et du citoyen (1789) wird der Begriff zum politischen Schlagwort und mit seinem damaligen bürgerlichen Inhalt (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Recht auf Eigentum und Sicherheit sowie Widerstand gegen Unterdrückung) auch im Dt. geläufig; wahrscheinlich geht auch die vorherrschende Verwendung im Plural auf das frz. Vorbild zurück. Menschentum n. ‘Wesen des Menschen, das Dasein als Mensch’ (Anfang 19. Jh.), zuvor ‘Menschheit’ (17. Jh.). Übermensch m. in der Theologie gebildet (16. Jh.) aus übermenschlich Adj. ‘in jeder Weise über das durchschnittliche menschliche Vermögen hinausragend’ (Anfang 16. Jh.) zur Bezeichnung eines ‘moralisch überdurchschnittlichen Menschen, eines übermenschlichen Wesens’ (so noch im 18./19. Jh.); bei Herder im Sinne von ‘Heros, Halbgott, Genie’; bei Nietzsche (Zarathustra) im Gegensatz zum Durchschnittsmenschen ‘derjenige, der den Menschen überwunden hat’. Daran anknüpfend wird Übermensch (wie Herrenmensch, Gegensatz Untermensch, s. unten) zum Schlagwort der faschistischen Rassenideologie. Unmensch m. ‘brutaler, grausamer Mensch’, ahd. unmennisco ‘Nichtmensch’ (um 1000), spätmhd. unmensch ‘was nicht den Namen Mensch verdient, Bösewicht’, frühnhd. ‘Bestie, Kannibale, Zauberer’ (16. Jh.), ‘Menschenfeind’ (18. Jh.). Untermensch m. ‘niedriges Wesen, das sittlich unterhalb der menschlichen Stufe steht’ (18. Jh.); danach Schlagwort der Faschisten für die Opfer ihrer Unterdrückungs- und Ausrottungspolitik.
3952 Zeichen · 117 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    menschheitstf.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +3 Parallelbelege

    mensch-heit , menscheit stf. BMZ ältere form mennisg heit Wack. pr. 8,21. mennischeit Parz. Gen. D. 15,16. 109,14. Exod.…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Mênschheit

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Mênschheit , plur. car. das Abstractum des Hauptwortes Mensch, die menschliche Natur zu bezeichnen. 1) Überhaupt. Di…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Menschheit

    Goethe-Wörterbuch

    Menschheit ‘Menscheit’ 39,313,2 ; gut ein Viertel der etwa 250 Belege in der (heute verblaßten) Bed 1, überwiegend im li…

  4. modern
    Dialekt
    Menschheit

    Schweizerisches Idiotikon · +3 Parallelbelege

    Menschheit Band 4, Spalte 339 Menschheit 4,339

  5. Sprichwörter
    Menschheit

    Wander (Sprichwörter)

    Menschheit Wer an der Menschheit bricht, muss mit der Menschheit bessern. – Graf, 337, 318. Wer ein Menschenleben vernic…

  6. Spezial
    Menschheit

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Mensch|heit f. (-) 1 umanité f. 2 jënt f. 3 (Menschengeschlecht) sort umana f. ▬ die Geschichte der Menschheit la storia…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit menschheit

10 Bildungen · 7 Erstglied · 1 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von menschheit

mensch + -heit

menschheit leitet sich vom Lemma mensch ab mit Suffix -heit.

menschheit‑ als Erstglied (7 von 7)

menschheitlich

DWB

menschheit·lich

menschheitlich , adj. zur gesamtheit der menschen in beziehung stehend: jene alten demokratien waren, nach menschheitlichem masze gemessen, …

Menschheitliebend

Campe

○ Menschheitliebend , adj . u. adv . die Menschheit, d. h. die Menschen liebend. Hört was im Traum mir gerufen ein menschheitliebender Welt …

menschheitmörder

DWB

menschheit·moerder

menschheitmörder , m. : doch weg, zergliedrer stahl! du menschheitmörder, der mörder aller reiz und lebensfreuden, weg in des kalten todes h…

menschheitsrecht

DWB

menschheit·s·recht

menschheitsrecht , n. : behauptete er, dasz es die grausamste verletzung der menschheitsrechte sein würde, diesen handel nach einem andern a…

menschheitsreihe

DWB

menschheit·s·reihe

menschheitsreihe , f. : Adam, als anfang und begründer der sündigen menschheitsreihe. Sydow wunderbare geburt Jesu (1872) 16 .

menschheitswerk

DWB

menschheit·swerk

menschheitswerk , n. werk zu gunsten der menschheit: auch der reichthum ist eine kraft, so gut wie weisheit und stärke, kann werden nicht mi…

menschheit als Zweitglied (1 von 1)

unmenschheit

DWB

unmensch·heit

unmenschheit , f. , gth. der menschheit, mangel derselben. mhd. unmenschheit abhominatio, inhumanitas, sodomia, saevitia; indolentia, stupor…

Ableitungen von menschheit (2 von 2)

unmenschheit

DWB

unmenschheit , f. , gth. der menschheit, mangel derselben. mhd. unmenschheit abhominatio, inhumanitas, sodomia, saevitia; indolentia, stupor…

unmenschheitlich

DWB

unmenschheitlich , adj. , gth. v. menschheitlich: Fr. L. Jahn 2, 674 ; 1, 162.