stapf,
stapfe(n),
m.,
stapfe,
f. vestigium. II.
formelles. I@11)
eine westgerm. nominalbildung zu dem verb stapfen,
s. das. über weitere verwandtschaft. ags. stæpe, stepe (
plur. stæpas, stapas, stepe),
m. schritt, stufe, basis. Bosworth-Toller 908
b,
mittelengl. steppe,
neuengl. step
schritt, stufe, fuszspur, vgl. Skeat 595
b;
altfries. stap (
plur. stapen) Richthofen 1044
b;
nl. (
mnl. und holl.) stap,
m. schritt, fuszspur, vgl. Franck 956,
mnd. stappe (
nur 1
glosse) Schiller - Lübben 4, 365
b;
ahd. staph
und (
gewöhnlich) stapho
passus, gressus, incessus, ascensus, gradus. vestigium. Graff 6, 656
f.; mhd. stapfe,
m. f., selten stapf,
m. Lexer
handwb. 2, 1140.
vgl. Wachter 1587. Fick
3 3, 345. Weigand 2, 797
f. Kluge
6 376
a. (
über -stapp
als 2.
theil von namen, besonders mittelfränk. Siegestappus 1191, Sistappus 1200, Sigestapp
im 13.
jahrh., s. Müllenhoff
zeugn. u. exc. 26, 4,
zeitschr. f. d. alterth. 12, 358.) I@22)
im ags. und afries. weist das wort ein einfaches p
auf, dagegen erscheint im mittelengl. pp,
und dieses herrscht im deutschen durchaus. dem nd.-nl. pp
entspricht natürlich hd. pf.
dafür ahd. vereinzelt ff: forakântemu staffin
previo gradu. Murb. hymn. 20, 3, 3,
was sich als alter wechsel auffassen läszt, s. Kauffmann
bei Paul - Braune
beitr. 15, 524
f. solches staffe
findet sich selten auch noch im mhd. und nhd., s. oben sp. 515. (
beim mönch v. Heilsbronn, s. gr. 566
ist allerdings staffeln
überliefert, aber der reim auf schaffen
verlangt staffen.) —
im nördlichen mitteld. bleibt pp
erhalten (
s. pf. Wernher
unter 3);
dies findet sich sogar in der (
bair.)
übers. der '
plumen der tügent'
v. Arigo (
handschr. v. 1468): (
der löwe) sich von dan hebt und mit seinem zagel seine stappen prichte (
bringt in ordnung, ebnet), das der jager nicht gesechen müge, wo er hin aus sey.
zeitschr. f. d. phil. 28, 462,
vgl. Drescher Arigo (1900)
s. 169. I@33)
das wort ist zunächst und allgemein starkes masc., und zwar im ags. deutlich i-
stamm. die starke bildung ist im nd.-nl. geblieben. dagegen überwiegt im hd. von anfang an die schwache form stapfo.
doch begegnet daneben noch starke bildung; so bringt Graff 6, 656
f. zahlreiche belege für den acc. sing. staph
und den dat. plur. steiphim, stephin, stepfen;
weitere s. unten II, 2,
a. die pluralformen weisen umlaut auf, stimmen also zum ags. mit dieser verschiedenen stammbildung ist in der regel eine differenzierung der bedeutung verbunden. starkes stapf
gilt im sinne '
schritt' (
und hier ausnahmslos, s. unten II, 1);
dagegen steht stapfo, -e
in den bedeutungen '
stufe'
und '
fuszspur'. (
daher sind im mhd. wb. 2, 2, 555
b f. und bei Lexer
handwb. 2, 1140 stapf
und stapfe
in gesonderten artikeln behandelt.)
indessen gilt die unterscheidung nicht ohne ausnahmen; insbesondere findet sich spätahd. mehrfach staph
für '
stufe',
s. unten II, 2,
a, und selbst für '
vestigium'
scheint starke form vorzukommen: nû bin ich kumin an den rechtin stap propter quadrigas Aminadap. pf. Wernher 4
schîven 37
Köhn, vgl. die anm. s. 87.
später ist bei der apokope des auslautenden e
oft nicht zu entscheiden, welche form vorliegt (
s. z. b. Seuse
unter II, 2,
b). —
im nhd. hat Hulsius
teutsch-ital. (1618): stapff (= tritt,
s. II, 1,
also der regel nach stark, aber auch fuszstapff,
pedata, orma, segno lasciato da piedi, traccie. 237
b), Wachter 1587
giebt in allen bedeutungen stapf, stapp;
auch Kramer
dict. 2, 907
c hat stapf,
aber plur. stapfen,
also schwach; stapfe
bei Stieler 2134,
s. unten; bei Steinbach 2, 683
aber stapfen,
und diese form ist jetzt die übliche, soweit überhaupt noch das masc. gebraucht wird. —
vgl. weiter fuszstapfe,
theil 4, 1, 1044
f. I@44)
neben dem masc. taucht im nhd. das fem. auf, und zwar vereinzelt schon mhd. (
in besondern bedeutungen),
s. Lexer
handwb. 2, 1140
und unten II, 2,
c. im ältern nhd. herrscht dagegen durchaus das masc., so ausdrücklich angegeben in den genannten wörterbüchern und noch bei Wieland
deutlich (
s. unten II, 3,
b).
das fem. bietet von wörterbüchern erst Campe,
von litterarischen quellen C.
F. Meyer (II, 3,
d).
doch ist zu beachten, dasz stapfe
meist in den pluralformen vorkommt, die das geschlecht nicht erkennen lassen. (die fuoszstapffen
bei Maaler,
s. theil 4, 1, 1044.) I@55)
das einfache stapfe
ist jedoch im nhd. überhaupt nicht sehr häufig und wird meistens durch die deutlichere zusammensetzung fuszstapfe
ersetzt, s. das. die ältesten wörterbücher verzeichnen jenes gar nicht (Dasypodius, Maaler, Hulsius 1616;
über Hulsius 1618
s. oben 3
und unten II, 1);
auch Stieler
und Steinbach
bilden ihre beispiele durchweg mit fuszstapfe,
und Frisch 2, 320
b kennt nur noch dieses: stapf ist noch übrig im wort fusz-stapf,
vestigium, signum pedum calcando expressum. Adelung
läszt dementsprechend stapfe
ganz aus, und erst Campe
giebt es wieder (
fem., s. 4)
als ein veraltetes, aber von guten schriftstellern wieder erneuertes wort. das wird durch die litteraturbelege bestätigt. diese finden sich im 16.
jahrh. ganz vereinzelt (
bei W. Ryff 1545
und Fischart
Garg., s. II, 1,
c)
und fehlen dann bis 1720
ganz. der beleg aus Oest,
s. unten II, 3,
d, erregt noch den spott von Schönaich
ästh. in e. nusz s. 339
Köster. stapfe
kommt dann hie und da bei autoren der klassischen zeit vor (Wieland, Stolberg, Kosegarten, —
für Göthe
und Schiller
fehlen zeugnisse)
und wird erst im 19.
jahrh. wieder allgemeiner üblich. (
vgl. die ganz ähnliche gebrauchsgeschichte von stapfen,
s. das. I, 5). —
auch in mundarten ist das wort im allgemeinen erloschen, bei Schm.
2 2, 774
wird stapf, stapfen
ausdrücklich als der ältern sprache angehörig gekennzeichnet; nur in der Schweiz ist es, mit wechselnder stammbildung, in einer bestimmten bedeutung lebendig geblieben, s. unten II, 2,
c. —
im nd. ist stap
wol nie recht üblich gewesen und so fehlt es auch in den meisten idiotiken. doch sagt man in der Altmark '
zuweilen noch' stapp (
und staff?)
für fuszstapfen, s. Danneil 208
a,
und ostfries. scheint stap(p)
in verschiedenen bedeutungen üblich zu sein (
unter holl. einflusse?),
s. Stürenburg 261
b. ten Doornkaat Koolman 3, 300
b. I@66) stapfe
tritt also nhd. (
und wol schon mhd.)
hinter fuszstapfe
zurück. da nun hier das s
des ausl. und das des anl. in der gesprochenen sprache zusammenflieszen muszten und fusz
als erstes glied deutlich war, während stapfe
als zweites weniger klar empfunden wurde, so lag die abtrennung fusz-tapfe
nahe. wirklich ist die schreibung fus(z)tapfe
seit dem 15.
jahrh. (
voc. v. 1470,
decam. u. s. w.)
häufig genug, s. theil 4, 1, 1050
ff. bei weiterer verdunkelung der bildung konnte dann hieraus ein grundwort tapfe erschlossen werden, das in der that vereinzelt vorkommt, s. das., theil 11, 134 (Göthe 57, 49);
besonders deutlich: doch fand ich von ihm weder tapfe noch stapfe. Rückert (1882) 11, 456 (31.
mak.; Rückert
ist in zweifel über die abtrennung, s. mak. 19, 10,
s. 370,
die stelle auch unter fuszstapfe 1).
so auch in neuern mundarten, besonders mitteld. tappe,
s.tapp 2
und tappe 2,
theil 11, 139
f.; für Handschuhsheim bezeugt Lenz 67
b,
dasz stapfe
fehlt, dafür fúustapə,
m., auch blosz tapə. —
im 4.
theil wird (
unter fuszstapfe 1
und -tapfe 1,
a, sp. 1045. 1050)
angenommen, dasz fusz-tapfe
nicht aus -stapfe
entstanden, sondern eine selbständige parallelbildung sei. diese ansicht ist aus folgenden gründen abzuweisen: a)
die ältere sprache kennt nur fuoʒstapfe; fus(z)tapfe
kommt erst spät im 15.
jahrh. vor und ist auf rein lautlichem wege vollkommen verständlich, beweist also nichts für die ableitung; b)
das einfache tapfe
kommt so spät und selten vor, dasz es einer nachträglichen rückbildung aus dem compositum sehr verdächtig ist; ein einfaches tapfe
in dem verlangten sinne entbehrt auch aller wahrscheinlichkeit, da das verb tappen
niemals mit pf
erscheint und offenbar von tappe,
f. gebildet ist, s. theil 11, 140
ff., dieses aber mhd. tâpe
lautet und '
pfote, tatze'
bedeutet, also weder in form noch in bedeutung sich zu fusz(s)tapfe
schickt. IIII.
bedeutung. II@11)
tritt, schritt. II@1@aa)
dies scheint die älteste und ursprüngliche bedeutung, die das wort als verbalabstractum zu stapfen
erweist. sie herrscht im ags. wie im späteren engl., im fries. und im nl., vgl.: stap, stip,
gradus, passus, vestigium. Kilian 2, 630
a.
aus dem nl. ist sie wol ins ostfries. eingedrungen: stapp,
schritt, tritt. Stürenburg 261
b; hê deid sükke grote stappen. ten Doornkaat Koolman 3, 300
b.
sonst ist sie im nd. nicht nachzuweisen. II@1@bb)
im hd. erscheint diese bedeutung in fester verbindung mit der alten starken bildung; so giebt Graff 6, 656
f.: a. s. staph
passum, ascensum; d. pl. stephin
passibus, stepfen
incessibus. (
doch auch: passus scritamal edho stapho,
gloss. Ker., scritamali
vel stapheo [
casus?].
ahd. glossen 1, 253, 1.)
weitere belege: quippe sescuplo fatigabat ascensum. uuánda hálbes téiles mêr, dánne éin tonus sî, lángta dén stápf.
qui, s. ascensus, tonus ac dimidius habebatur. ánderhálb tonus uuás ter skríg. Notker
Mart. Cap. 152 (2, 38,
s. 123
Graff, 1, 831, 24
Piper); da an warn si halz, daʒ si den rehtin wech niht giengin. do rihte der gotis sun ir stepphe ... zuo dem wêge der himilischen heimôde.
spec. eccl. s. 10. II@1@cc)
mhd. kommt stapf
mehrfach im adverbialen gen. vor als bezeichnung einer gangart der pferde ('
im schritt reiten'): der künic Poydwîʒ von Raabs, weder stapfes noch drabs kom er gevarn in den strît: er fuor rehte als man dâ gît den orsen wunden mit den sporn (
also galopp). Wolfram
Willeh. 390, 10; hin riten sie den tzwein, doch nur stapphes, tzu.
Ludw. kreuzf. 5140.
in diesem sinne ist stapf
noch im 16.
jahrh. üblich: den pasz gahn, den mittelpasz, den trosz, den tritt, den schritt, den trab, den trott, ... den treischlag, den stapff (
lernt ein pferd).
Garg. s. 203
neudr., vgl. stapfen II, 2,
c. II@1@dd)
nhd.: stapff, tritt,
passo. Hulsius (1618) 237
b; stapf,
m. stapfen,
plur. passo sodo, fermo e grave. ... einen stapf thun auf die erde,
far' un passo sulla terra con lasciarvi come impresso il piè. Kramer
dict. 2, 907
c,
vgl. auch Wachter 1587.
belege aus der ältern litteratur fehlen. in neuerer zeit begegnet stapf
vereinzelt als ausdruck für einen einzelnen, groszen und schweren schritt (
vielleicht neubildung vom verb aus): das herz klopfte ihm so, dasz er statt mit einem forschen satz über den graben zu springen, ... mit einem langen und sehr ungeschickten stapf hinüberschritt. Frenssen
Jörn Uhl s. 148. —
den übergang von hier zu 3
bezeichnet eine ausdrucksweise wie: das erschreckende dirnchen entrann .., den pfad ihrer flucht mit rollenden früchten bestreuend. Ascanio, der seine traube in der hand hielt, hob hinter den flüchtigen stapfen noch zwei andere auf. C.
F. Meyer
novellen 2, 58. II@1@ee)
bei dem gewöhnlichen schwachen stapfe
scheint diese (
ohnehin seltne)
bedeutung nicht vorzukommen, ebenso im allgemeinen nicht bei der zusammensetzung fuszstapfe.
ganz vereinzelt begegnet fustapfen
für '
schritte'
bei Alberus
widder Jörg Witzeln mammeluken K 6
a und M 6
a,
s.fusztapfe 3,
theil 4, 1, 1052. II@1@ff)
die bedeutung '
schritt'
geht leicht in die eines längenmaszes über, so besonders ags. stæpe,
s. Bosworth-Toller 903
b (I,
b);
nl. stap,
spatium duorum pedum. Kilian 2, 630
a;
vereinzelt auch ahd. (
a. s. staph)
s. Graff 6, 656.
vgl.: stapf, stapp,
quatenus est verbale a stapfen
gradi, significat (1.)
actionem gradiendi et pedum vicissitudinem [
so ags.], (2.)
spatium inter duos pedes diductos. Wachter 1587. (
vgl. auch oberlausitz. es ist kein stappen bahne. Anton 13, 6.) II@22)
das, worauf man tritt. II@2@aa)
gewöhnlich '
gradus',
also synonym mit den aus derselben wurzel gebildeten wörtern staffel und stufe,
vgl. diese. auch diese bedeutung ist im engl. (
s. I, 1)
und im nl. (
s. oben Kilian)
vorhanden (
auch ostfries., s. Stürenburg 261
b);
im ahd. steht in diesem sinne die starke und die schwache form, letztere z. b. Murb. hymn. 20, 3, 3,
s. oben I, 2;
belege für erstere: der einlifte staph dera diemuoti.
denkm. nr. 86 C, 6
d, 4 (
3 1, 285,
vgl. die krit. anm.); (de psalmis graduum.) einin uuisen iuden fragota man, uone uuiu dise salmen giheizin uurten sanc dera fimfcehen stephe. Notker
ps., Wiener handschr. 176
b (
s. 246
Heinzel-Scherer, 3, 288, 24
Piper); uffen den perc uuorhta er eina uffart, an dera uuaren finfcehen stephe, daz die uuerhlute manmente (
bequem) uf unde nidir gen mahtin. unde uuanda er sih firuuanta daz er daz uuerh folfrumen scolte, so liebsangota er sa demo selben uuerche, ih meino den fimfcehen stephin, mit samo manigemo salmen.
ebenda (289, 3. 7); der sehsto stafp. 177
b (290, 15); der zuelfte stapf. 177
d (290, 32); an demo drittecehenten staphe.
ebenda (291, 4); des fimfcehenten staphis sanc. 178
a (291, 12).
dagegen in der Windberger psalmenversion: daz sanch dere staphene,
canticum graduum. Schm.
2 2, 774 (12.
jahrh.). II@2@bb)
im mhd. hat sich in der bedeutung '
stufe'
die schwache bildung festgesetzt. so im 14.—15.
jahrh. nicht selten, zunächst eigentlich: acht stapfen liecht gevar giengen zu der sewle dar, di waren hoch und prait. Heinr. v. Neustadt
Apollon. 12004
Singer; Candor gie die stapfen
an. 12008; do er den vierden staphen dratt. 12010; er gie die stiegen frolich an ... an dem sibenden staphen er pegunde den atem schophen ... und viel nider auff den grat der di sechsten statt hatt. 12813; die stapfen vor allen crämen sollen nit verrer geraichen dann die strebpfeiler raichen.
Münch. stadtb., s. Schm.
2 2, 774; und wasen umb und umb hültzin stapfen über die gaszen.
d. städtechron. 5, 147, 1 (B. Zink
chron. v. Augsb. zu 1418); als man die stapfen hinauf gat von der strasze. 319, 10 (
desgl., s. auch 75
a,
anm.); der bapst, und alle cardinäl und bischofe giengen mit ... dem kaiser Friderich, bis für sant Peters münster und auch alle stapfen ab. 22, 325, 22 (
quelle v. 1452,
daneben stapfel,
s. das.); do gieng Esopus vier stapfen hin uff zu dem bild. Steinhöwel
Esop s. 61
Österley (
vorher: dar zuo man ain stiegen uff gan muost); ascende gradus quatuor. ... das ist in tütsch: gang uff fier stapfen. 62.
so auch: ob dû gotes sun nû bist, sô stîge von des krûzes staphen! J. v. Frankenstein
kreuziger 9421.
bildlich (
s. auch unter a): sihstu es reht an, so ist kein creaturli so kleines, es si dir ein stapf, got zuo nehen. Seuse 455, 19
Bihlmeyer (
kaum mit dem herausgeber als '
vestigium'
zu fassen). —
im nhd. scheint diese bedeutung erloschen. kein wörterbuch verzeichnet sie und für keine mundart ist sie bezeugt. nur in Davos bedeutet stapfa,
f., auszer der nachstehenden verwendung, auch '
fuszstapfe, z. b. welche in's eis, fels .
zum klimmen eingehauen' Bühler 1, 155,
was doch wol hierher zu ziehen ist; und eine ähnliche bedeutung scheint auch in folgender stelle vorzuliegen: kommst
Du mit? ich weisz stapfen an dem felsen empor. C.
F. Meyer
nov. 2, 383. II@2@cc)
in der Schweiz eine einrichtung zum übersteigen eines zaunes oder einer hecke. so schon im 15. (?)
jahrh., vgl. Lexer
handwb. 2, 1140 (
für gew. mhd. stigele): daʒ zwô stapfen gân sont uber Uolrich Ortwins wisen, und sol die ain stapf sîn ûf dem graben
u. s. w. St. Galler stadtb., s. ebenda. (
die stelle ist zugleich der früheste beleg für das fem.)
ebenso in den heutigen mundarten, '
stück eines zaunes mit querstaken, worüber man steigt',
mit wechselnden formen, der stapf
in Luzern, Zug, Uri, daneben die stapfete
ebenda und in Zürich, im Berner Oberland die stapfe,
im Wallis der stapfen. Stalder 2, 392;
auch appenzell. stapfeta,
f. '
die zaunstufen, welche das schreiten über einen zaun erleichtern und eine gitterthüre vertreten'. Tobler 405
a;
in Davos stapfa,
f. '
staffel, vermittelst welcher man über einen zaun steigen kann'. Bühler 1, 155. II@2@dd)
die bedeutung '
steigbügel'
ist im deutschen selbst nicht nachgewiesen; sie scheint aber gefordert zu werden durch das offenbar daher entlehnte ital. (
und rhätorom.) staffa,
s. Diez
4 403.
im mittellat. ist stapha, staffa
schon zu 1170—7
bezeugt, s. Du Cange 7, 571
cf., auch stapia 583
a.
eine weiterbildung zu staffa
ist staffetta,
das auch im franz. und span. (
als estafette
bezw. estafeta)
vorhanden ist, s. Diez
a. a. o., und als staf(f)ette
wiederum ins deutsche übernommen ist, s. dieses, sp. 529
f. —
aus dem deutschen auch aserb. stapĭ
stegreif Miklosich 320
a ? II@33)
fuszspur, vestigium. II@3@aa)
diese bedeutung tritt in der ältern sprache auffällig zurück. im ags. ist sie gar nicht bezeugt, später im engl. vorhanden, aber nicht vorherrschend; im nl. gilt sie neben 1,
vgl. das. (Kilian),
und so auch ostfries.; im nd. liegt sie vor in dem einzigen beleg, den Schiller-Lübben 4, 365
b anführt (
vgl. das auch nicht häufige vôtstappe,
m. 5, 516
bf.):
calcaneus ... stappe, eyn vod stappe. Dief.
nov. gloss. 65
b;
neund. bei Danneil,
s. I, 5.
für das ahd. bringt Graff
nur 1
beleg, wo überdies die beziehung zweifelhaft ist (
ahd. glossen 2, 668, 71:
plantis staphun.
Tegernseer glosse des 11.
jahrh. zu Verg. Aen. 11, 573).
auch mhd. tritt diese bedeutung noch sehr zurück hinter 2 (
bei Lexer
nur 3
belege),
dagegen ist sie im nhd. die vorherrschende, ja in der gewöhnlichen sprache die alleinherrschende geworden. (
allerdings ist auch in diesem sinne die zusammensetzung fuszstapfe,
die —
mit éiner ausnahme, s. 1,
e —
nur so vorkommt, viel üblicher, s. oben I, 5.) stapfe, der,
plur. stapfen,
etiam fuszstapf,
et fuszstapfen, der,
vestigium. Stieler 2134; stapf, ...
it. pedata, pista, orma, traccia, vestigio. fuszstapf,
idem. Kramer
dict. 2, 907
c; stapfen (der)
vestigium, nota. Steinbach 2, 683; die stapfe, '
die spur, der abdruck des fuszes auf dem boden beim gehen'. Campe.
in hd. mundarten nirgends bezeugt. II@3@bb)
im eigentlichen sinne, von menschen: diese wege und stapfen führen im geisterlicht der firne durch ein beirrendes netz verstrickter thäler. C.
F. Meyer
nov. 2, 293; die stapfen des linken fuszes sind länglich, ungleichmäszig, schleifend. P. Lindau
spitzen 175 (
vgl.: dasz ein besonderer gang wohl solche fuszstapfen zurückgelassen haben könne. 189); flosz ein flusz aus seinen stapfen. Freiligrath
5 6, 13 (
Hiawatha 1).
gern in verbalen fügungen: die stapfen von jemand kennen,
conoscere le orme, pedate etc. di uno. Kramer
dict. 2, 907
c; nun seh' ich dich schon lang' am meergestad' ... umlauschen Aias zelte, sehe dich aus frischgetretnen stapfen prüfen, ob er drinnen oder drauszen sei. Stolberg 14, 167 (
Soph. Aias v. 6).
besonders in eines seine stapfen
ò fuszstapfen tretten,
pestare, premere, calcare le orme, tenere le orme, le pedate di uno. Kramer
dict. 2, 907
c; sie ... ging eine weile nachdenklich neben ihm, während der gravitätische knabe ... sorgsam in die zierlichen stapfen trat, die seine herrin dem boden eindrückte. Heyse
kinder der welt 1, 190; mein könig lustwandelte eines tages in seinen gärten, ... und ich ging nach meiner gewohnheit von ferne in seinen stapfen. C.
F. Meyer
d. heilige 164; die vom wirbel zur zehe in eisen gehüllten höflinge schlenderten mit gleichgültiger miene und hochfahrender geberde in den erlauchten stapfen (
Karls d. gr.).
novellen 2, 272.
auch freier, von nachfolge im bildlichen sinne (
vgl. Campe): herr, lasz mich nimmermehr auf böses beispiel sehn, vielmehr mit aller treu in Christi stapfen gehn!
hannov. gesangb. 369, 3 (J. Fr. Starck 1680—1756); dort, wo bewundert ward Fouqué und wer in dessen stapfen trat. Platen 292
b (
romant. Oed. 3).
seltneres: daneben empfahl sie mir auch, besonders als ein treffliches mittel ihm die Phöbis zu erleiden, ich sollte auf ihre fuszstapfen acht geben, und so wie Phöbis den fusz zurückgezogen hätte, sollte ich den stapfen mit dem meinigen auslöschen, so dasz mein rechter fusz auf den stapfen ihres linken, und umgekehrt mein linker auf ihren rechten zu stehen käme. Wieland
Luk. 3, 358; wir wollten endlich nach Jerusalem, das heilge grab des auferstandnen sehn, die stapfen küssen seiner süszen füsze. Tieck 1, 44. II@3@cc)
von thieren: hirsch-
etc. stapfen,
piste di cervo etc. Kramer
dict. 2, 907
c;
sprichwörtlich: an den stapfen kann man sehen, ob ein pferd oder fuchs gegangen ist. Wander 4, 777.
so schon mhd.: als er des wurmes staphenalsô bluotic vant.
Ortnit 585.
nhd. (
s. auch Arigo
unter I, 2): wenn es (
das pferd) mit dem forderen fusz fürschreittet, das alsbald der hinder fuosz inn denselben stapffen volge, ausz wellichem es den vorderen fusz auffgehaben hat. W. Ryff
thierb. (1545) C 3
b (
vgl.stapfen,
verb. II, 2,
c); so ein tragend mutterpferdt auff ein spr oder stapffen eines wolffs kompt, soll sie sehr ergrimmen. E 1
b; er (
der schnee) verbarg die fährten der wölfe und die stapfen der raubvögel. Freytag 11, 3 (
ahnen 4,
c. 1); gern nistet, gerne singt der hänfling dort, und kleine stapfen prägen leicht den boden. Kosegarten
rhaps. 3, 66. II@3@dd)
übertragen: die grausamen stapfen des krieges lagen überall. Storm 3, 213; überall, wohin ich darin (
in meinem leben) zurückblicke, sehe ich nichts als thörichte larven, hohlheit, neid und nichtigkeit ... nirgends eine reinliche stapfe, wo erinnerung den fusz hinsetzen könnte, ohne ihn zu beschmutzen! C.
F. Meyer
Ang. Borgia 153; so zeigt die wollust sich in viele moden, und anders steht ihr pelz, und anders seide, doch überall wirst du die stapfen finden. (J. H. Oest)
brem. ged. (1721) 24 (
vgl. oben I, 5); wir wollen seinen (
des königs) dünnen, schmutz'gen mantel mit unsern reinen ehren nicht verbrämen, noch folgen seinem fusz, der stapfen bluts, wo er nur wandelt, nachläszt.
Shakesp. 1, 55 (
kön. Joh. 4, 3). II@44)
abweichende bedeutungen, deren ursprung sich nicht feststellen läszt, finden sich hier und da. II@4@aa) auch sal nymandt bei der nacht auf der gasse ader in der
stappe mit wuschen (
fackeln) gehen.
statuten der st. Frankenhausen v. 1564
bei Michelsen
rechtsdenkm. aus Thüringen (1863)
s. 484 (
in der anm. erklärt: '
ein lokal des salzwerks, der platz, auf welchem die sölden liegen'); sal kein pfenner feuerwergk aus der stappen tragen lassen. 486 (
dazu die anm.: '
der platz des salzwerks. stappenleute sind dort die unmittelbar mit dem sieden des salzes beschäftigten'). II@4@bb)
stuhlbein: hinter-
und vorderstapfen
nennt der stuhlmacher die hintern und vordern füsze des stuhls, vgl. Brosenius
technologie (
Leipzig 1806) 2, 12.
vgl.staffel III, 2,
sp. 523. II@4@cc)
ähnlich mnd. stappe.
m. schindel (
im wappen),
s. Schiller-Lübben 4, 365
b (1). II@4@dd)
ostfries. stappe, stapp,
demin. stappke '
hölzernes, eimerförmiges gefäsz mit einer längern daube (staff, —
vgl.stab II, 3,
b, sp. 333),
die als handhabe dient; nds. stappen;
nordfr. staab
melkeimer'. Stürenburg 261
b. ten Doornkaat Koolman 3, 301
b. stappen
für butter schon mnd. Schiller-Lübben 4, 365
b (2,
Bremer stat. v. 1489
und fries.; dazu stappenmaker
böttcher, küfner. ebenda).
brem. 'stappen,
nom. melk-stappen,
ein kleiner milchkübel mit einer empor stehenden handhabe, wobey er mit einer hand kann getragen werden, in welchen die kühe gemelket werden. im ditmarsischen bedeutet diesz wort die kleineren gefässe, in welche die milch, nachdem sie von den kühen gekommen, zum ramen gegossen wird. id. ditm. vielleicht ist diesz wort von staf,
faszdaube. von einem, der seine wohlthaten ... selbst wieder verdirbt, sagt man im sprüchwort: he maakt idt as de ko, de enen stappen vull melk gift, un em mit dem vote wedder um stot.'
brem. wb. 4, 1002;
ditm. stappen (=
holst. settjens),
s. auch Richey 425. Schütze 4, 188). II@4@ee)
daher auch bezeichnung eines maszes (
vgl. I, 1,
f).
der 4.
theil eines gröszern gemäszes; so mnd. Schiller-Lübben 4, 363
b. 365
b (
Bremer stat. v. 1489,
vgl. d);
ostfries. Stürenburg 262
a (¼
oder ⅕
scheffel, 4
kroos). ten Doornkaat Koolman 3, 301
b ('
früher', 4
krug oder ⅕
scheffel). II@4@ff)
ostfries. stappe, stap '
eine falle zum fangen von ratten, iltis u. ähnlichen thieren'. ten Doornkaat Koolman 3, 302
a;
westfäl. stappen,
m. falle für füchse u. dergl. Woeste 253
b.
so schon: zu dem wird den eingesessenen verpotten, das nemants hasen, antvogel, velthonder scheite, oder sonst heimlich in stappen oder panden fange.
weisth. 3, 132, 9 (
aus Bakenfeld),
vgl. Schiller-Lübben 4, 365
b.