stufe,
f. ,
selten m., vestigium, gradus. form und verbreitung. 11)
westgerm. bildung. ahd. stuofa (
oder stuof,
m.?);
mhd. stuofe;
alts. stôpo;
mnd. stôpe;
altfries. mit anderer bedeutung in geldstōpe
beisteuer zum wergeld, s. van Helten
zs. f. dt. wortforschung 7, 284
f.; neufries. stoepe Dijkstra
friesch wb. 3, 212.
bedeutungsmäszig nahe liegt das zum selben stamm gehörende, auf derselben ablautstufe stehende ags. stôpel '
a footstep, mark left by the foot' Bosworth-Toller 924,
im suppl. 712
auch als '
treppenstufe'
belegt. zu einer mit idg. stēb, stəb
variierenden wurzelform step
gehört altkirchenslav. stepenь
treppe, stufe, stopa
fuszspur Walde-Pokorny 2, 625
mit der zugehörigen slavischen sippe Miklosisch 321. 22) stufe
gehört zu dem verbalstamm stap-, stōp '
auftreten, schreiten',
der im ags. afries. altsächs. als starkes verb erhalten, im hd. aber zu dem schwachen verb stepfen, stapfôn : stapfen
weiterentwickelt ist, vgl. teil 10, 2, 864; Braune
ahd. gram. § 347, 6; Paul
dtsche gram. II § 247, 4; Wissmann
nom. postverb. 1, 190.
die schwierigkeit, die s. v. staffel (
teil 10, 2, 515)
darin gesehen wird, dasz stufe
mit stapfen
nur auf grund der '
ungewöhnlichen'
bedeutung '
steigen'
zusammenzubringen sei, besteht nicht, da diese bedeutung im ahd. geläufig ist und auch später nicht fehlt, vgl. 10, 2, 865
sowie Notker 2, 545, 19
ff. und die compos. uberstephet unde ubersprungen
transiliente 2, 140, 21; kantemo instephentemo
ascendente (
eo in naviculum)
ahd. gl. 1, 711, 24; uzstafti
desiliat 2, 469, 22.
vgl. zudem tritt
zu treten, treppe
zu trappen
und das verwandte stapf
als gradus, teil 10, 2, 860. 33)
das wort stufe
zeigt für die verschiedenen bedeutungen keine einheitliche verbreitung; sein hauptgebiet ist das mitteldeutsche, wo auch die hauptbedeutung gradus '
treppenstufe'
zu hause ist; einzelne weniger entwickelte bedeutungen erscheinen auch auszerhalb dieses bezirks, im nd. '
stufe vor dem hause' (
s.B 2 b),
im obd. '
vertiefung im erdboden' (
s.A 2);
hier tritt in ahd. zeit vereinzelt auch die bedeutung '
gradus'
auf: Notker 1, 10, 29,
s.B 1 a;
diese geht dann aber dem obd. verloren, vgl. v. Bahder
wortwahl 9,
während sie mhd. für das sächs. und nordböhm. bezeugt ist bei Frauenlob
und Peter v. Reichenbach,
s. u.A 1.
von hier dringt sie durch Luther
in die schriftsprache C. Franke
schriftspr. Luthers 2, 56
b; H. Byland
wortschatz d. Zürcher alten testaments 65.
gebucht wird stufe
vom 15.
bis ins 17.
jh. fast nur von lexikographen dieses gebiets und von unmittelbaren nachbarn: trames (
i. lignum in scala) trepp
vel stuff Diefenbach
gloss. 592
b (15.
jh.);
prepugilium ein stuffe 456
a,
vor allem in der bedeutung gradus: stuff
gradus Alberus c 2
a (
neben staffel
und steig); Bas. Faber 911
b;
nomencl. lat.-germ. (
Hamb. 1634) 442; Corvinus
fons latinit. 394;
gradus treppe, tritt oder stuffe Zehner (1663) 514; Reyher (1668) 2, 2893; stafel ...
dicitur etiam die stufe Stieler
stammb. 2110;
erst seit dem ende des 17.
jhs. werden die grenzen weiter; neben staffel
verzeichnen es: stuffen
gradus Weismann
lex. bipart. (
Offenb. 1698) 2, 366; Kramer 2 (1702) 1023
a; Ludwig
teutsch-engl. (1716) 1911; Steinbach 2, 756; Frisch
teutschlat. 2, 215,
der staffel
als veraltend '
im saubern stilo',
aber oberdeutsch gebräuchlich nennt; Eggers
kriegslex. 2, 971;
dann allgemein, auch bei Adelung '
für das mehr oberdeutsche staffel' 4, 469.
negativ ist für die abgrenzung bemerkenswert, dasz noch Dentzler
clav. ling. lat. (
Basel 1716) stufe
nicht kennt; vgl. auch v. Bahder
a. a. o. die heutigen maa. bestätigen das bild: reicheren, z. t. nicht auf nur '
gradus'
beschränkten gebrauch haben das sächsisch-erzgebirg.-nordböhmische: Müller-Fraureuth 2, 583; Knothe 522;
auf der anderen seite das ostfriesische: ten Doornkaat-Koolman 3, 327;
gebucht ist stufe
fernerhin für das moselfränkische in Pennsylvania: [] pennsylv.-germ. dial. (1924) 145;
bei Block
id. von Eilsdorf (
ostfälisch) 94
und bei Fischer
Saml. 88.
jedoch wird man das sonstige schweigen der nicht obd. idiotika nicht durchaus auf unbekanntheit deuten dürfen, wenn auch in einem teil der md. maa. das obd. staffel (
s. teil 10, 2, 516),
in andern treppe (
s. d.)
concurrieren (
bei Askenasy
Frankf. ma. 112, Lenz
Handschuhsh. dial. 69
ausdrücklich vermerkt).
vereinzelt, aber in hinsicht auf die Notkerstelle (
s. o.)
bedeutsam ist die obd. notierung stueffe '
stufe einer treppe' Hunziker
Aargauer wb. 263. 44)
das genus ist masc. und fem.; nicht mit sicherheit zu bestimmen sind der ahd. nom. pl. stuofa Notker 1, 10, 29
und die mittelhochd. belege (
s. u.);
am masculinen genus ist kaum zu zweifeln bei as. nom. pl. stôpon
Heliand 2399;
das masc. neben sonstigem femininum einmal bei Luther: wenn du zum andern stuffen des glaubens kompst 32, 137
W.; sonst deutlich nur noch: da ieder stuffen ein marmelstein ist Lohenstein
Armin. 1, 641
b;
gebucht: der stuffen (
neben die stuffe) Steinbach 2, 756; der stufen
vestigium Knothe
schles. 522. 55)
die flexion ist stark bei Notker
und wohl auch bei Peter v. Reichenbach (
dat. stuof: ruof: geschuof
Kolm. liederhs. 232
Bartsch),
während der as. nom. pl. stôpon
Heliand 2399
und der für die nhd. schriftsprache entscheidende mitteldeutsche gebrauch schwach ist: acc. pl. stuofen Frauenlob 113, 11
Ettmüller. die zeugnisse für den schwachen singular reichen über das 17.
jh. nicht hinaus: dat. sing.: zum andern stuffen Luther 32, 137
W.; auff der obern stuffen Kirchhof
wendunm. 3, 498
lit. ver.; an dem obristen grad und stuffen
theatr. amoris h 3
b; von einer hohen stuffen D. v.
d. Werder
ras. Roland 3, 63 (23.
ges.); von der ersten stuffen Harsdörfer
secretarius 1, 705; von einer stuffen auf die ander Faber 363
a;
acc. sing.: eine gute stuffen 1.
Thimoth. 3, 13; auf die erste stuffen Butschky
Pathmos 79. 66)
zur schreibung anzumerken ist ein stupf
nomenclator (
Hamburg 1634) 442,
wohl durch niederd. einflusz zu erklären; deutlicher stuffe, stupfe, stuppe
bei Wachter 1637 (
vgl. auch staffel — stapfel
th. 10, 2, 516).
bedeutung und gebrauch. AA. stufe '
die getretene stelle',
vgl.stapfen II 3. A@11)
vestigium, fuszstapfe: an êna starca strâtun, thar stôpon gengun, hrosso hôfslaga endi heliðo trâda
Heliand 2399,
durch das ags. stôpel
gestützt (
s. oben form 1),
im deutschen in nur wenigen sicheren spuren erhalten. die mhd. belege sind wegen ihres uneigentlichen gebrauchs nicht eindeutig: ei (
wächter) tue sie hœren schier den ruof des herren clâr der sie geschuof. der sie bring ûz der sünden stuof, daz sie ze lange iht dar inne slâfen Peter v. Reichenbach
in: Kolm. liederhs. 232
Bartsch; die mîner hilfe genzlîch gern, die mich an ruofen in riuwe stuofen, die wil ich friuntlîch gewern Frauenlob
ib. 214;
nhd. in deutlich ausgeprägter bedeutung nur auf schlesischem boden: kommt, seyd ihr männer, hohlt den raub! wir reiszen aus, verfolgt die stuffen; was säumt ihr denn? was steht ihr da? Günther
ged. 125; mich deucht, es hört mein ohr die angenehme stimme rufen; mich deucht, ich sehe deine stuffen mit mir spatzieren gehn
ib. 364; die hand, so alles trägt, erhalte deinen fusz, und lasz ihn nimmermehr in Jacobs stuffen treten
ib. 660;
vgl.stufen machen
sichtbare (
besonders nasse)
fuszspuren hinterlassen Knothe
wb. d. schles. ma. i. Nordböhmen 522;
hierher vielleicht noch: was hoffest du auch noch von deinen dreyen söhnen? von welchen einer schon auf deine stuffen tritt Besser
schr. 1, 77
König; (
und befahl) dasz jeder ja sey dahin bemüht, stets zu gehn der eintracht stufen
Reinicke fuchs (1650) 43.
[] A@22)
vertiefung im erdboden: stuff, ein loch, das man macht, pflantzkraut darein zu stecken Hulsius-Ravellus 314
b;
ebenso Stör (1663) 2, 470;
agricolis stufe ...
est porca (
furche) Stieler
stammb. 2110;
vgl. Rädlein 1, 857
b; Steinbach 2, 756,
sowie stuffen hacken '
in gut bearbeitetes land kleine löcher hacken zur aufnahme von saatkartoffeln oder krautpflanzen' Pfister 2, 39; stufe '
vertiefung in der erde zum setzen von kartoffeln u. a.' Lenz
Handschuhsh. 69; Fischer
schwäb. wb. 5, 1905; da man den mais im Elsasz weit von einander zu pflanzen pflegt, es daher auf dem sand nicht wirtschaftlich sein würde, den ... untergepflügten mist der verflüchtigung preiszugeben, ... so düngt man in die gruben oder stufen Schwerz
prakt. ackerb. 374;
vgl. dazu 1stufen 1,
vb., löcher für pflanzen graben. BB. stufe '
gradus',
die am meisten entwickelte und ausgebreitete bedeutung entsprechend der im ahd. vorwiegenden bedeutung von stepfen
als '
steigen'
s. oben form u. verbreitung 2. B@11)
der hauptgebrauch ist zu allen zeiten stufe
als teil einer treppe, leiter u. dergl., vgl. gradus sunt ex quibus scalae consistunt stuffen Faber 363
a. B@1@aa)
in verbindung mit dem übergeordneten begriff und als dessen teil gekennzeichnet; schon ahd.: samo so leitersprozen ... alde stegon stuofa
quidam gradus in modum scalarum Notker 1, 10, 29; es ist eine stiegen, die hat 100 stuffen, auf der ersten sitzet 1 taube, auf der zweyten 2 ... Harsdörffer
frauenz. gesprächsp. 8, 34; auf den untern stufen der schlosztreppe Körte
sprichw. 338;
im bilde: doch dermaszen, dasz beyde practiken solche ihre stuffen auff der leiter zum galgen haben Prätorius
abenth. glückstopf 163; Hans Unwirsch setzte den fusz auf die unterste stufe der leiter, welche an dem fruchtreichen baum der erkenntnis lehnt Raabe
hungerpastor (1864) 1, 44;
oft als hilfsbegriff für den bildlichen gebrauch von leiter: die leiter der ergröszerung hat nur drey sprüssel oder stuffen Harsdörffer
frauenz. gesprächsp. 5, 79; man wird den unterschied zwischen dem dümmsten menschen und dem schlausten thier sehr klein finden, von da erhebt sich die leiter nach und nach, eine unendliche menge stuffen steiget über einander hinauf Bodmer
v. d. wunderbaren 9; diese bestimmung führt durch eine beständige leiter vermittelst aller möglichen stufen ... von den planeten zu den kometen Kant 8, 282
Hart.; vgl. auch C. B@1@bb)
der plural stufen
häufig collectivisch für die gesamtheit der stufenanlage: dazu (
baute er) die mauren am teich Seloah bey dem garten des königs bis an die stuffen, die von der stad David herabgehen
Nehem. 3, 15 (
gradus vulg.; untz zuo den staffeln
erste dtsche bib. 6, 300); die (
Albaner und Thracier haben) geglaubet die sonne were nur eines tellers grosz und dasz man durch leitern und stuffen himmel auffsteigen könte Schupp
schr. 523; der prätor ... eilte ... die stufen des hügels hinunter Niebuhr
röm. gesch. 2, 510; die halle vor der kirche fällt gut in die augen, da man zu ihr auf neun stufen steigt Nicolai
reise d. Deutschl. 12, 92;
appellativ: sie hatten Rom gesehn, und gut darin gegessen, die heilgen stuffen auch gezählet und gemessen Zachariä
poet. schr. 2, 13.
gern in verbindung mit verben wie steigen, springen, betreten
u. ä., wobei die aufmerksamkeit vom ziele weg stärker auf das object gelenkt wird: ich ... sprang die stufen hinauf und rief in die hausthüre Göthe 24, 30
W.; sie steigt die stufen hastig hinab Droysen
Äschylus 120.
der treppe
gegenüber können die stufen
als ein ausdruck gehobener sprache empfunden werden: eilend stieg sie hinab die hohen stufen der wohnung Voss
Odyssee (1781) 13; da führte der wirth seine gäste vor die halle, feierlich betraten sie im zuge die stufen G. Freytag
ges. w. 8, 26;
die seltenheit des wortes in den maa. begünstigt den literarischen charakter dieses gebrauchs, vgl.: (
statt staffel) den im
nhd. geltend gewordenen, gleichsam vornehmern ausdruck die stufe Weigand
syn. 3, 753.
[] B@1@cc)
wenige stufen
rufen die gesamtvorstellung der treppe nicht hervor: es war eines jener zum entzücken unregelmäszigen häuser, wo man, um aus einem zimmer ins andere zu gelangen, stufen auf- und abgeht Holtei
erz. schr. 5, 7;
vgl. die geläufige warnung: achtung! stufen! B@22)
ohne beziehung zu einem übergeordneten begriff. B@2@aa) stufen
als unterbau für erhoben vorgestellte gegenstände, zumeist auf den rand des abgestuften unterbaus, den anstieg, beschränkt; selten einfach feststellend im sinne eines gegliederten untergestelles: den deckel eines sarges, der auf stufen ruht Solger
nachgel. schr. 1, 30; die stufen des schaffots Schiller 12, 440
G.; sie machen euch das blut von den stufen der guillotine lecken G. Büchner
nachgel. schr. 133.
in der regel wird die räumliche erhöhung als ausdruck einer inneren wertung empfunden: drey männer von gesetztem geist, die man mit wahrheit gründlich heiszt, besteigen der katheder stuffen Gottsched
ged. (1751) 1, 158; es steigt der stolze candidat mit gröszerm trotz auf Themis stuffen
ib. 1, 178; die obere fläche trug den gewaltigen auf einem unterbau von sechzig stufen ruhenden tempel Mommsen
röm. gesch. 2, 30; der chor war um einige stufen erhöht H. Steffens
was ich erlebte 1, 148; in der kirche ist ein erhabener schauplatz von dreyen stuffen auffgebauet Olearius
persian. reisebeschr. 125;
als zeichen eines rangunterschiedes: allda finden wir sitzen ... die drei bürgermeister und obersten der stadt in der session neben einander, dreier stufen höher Schweinichen
denkwürd. 100.
typisch geworden sind in diesem sinne die stufen des thrones
und die stufen des altares.
stufe des thrones u. ä.: und der stuel (
des königs) hatte sechs stuffen
1. könige 10, 19; auff dem marckt hat sich der könig einen herlichen stuel mit dreien graden oder stuffen lassen zurichten Henr. Dorpius
warh. hist. (1536) f 2
a; besteige denn behertzt des vaters festen thron! die rosen werden dir um seine stuffen blühen Pietsch
gebund. schr. 51;
bildlich, von der sonnenbahn: mit jedem augenblick ersteigt sie eine neue stufe zu ihrem mittägigen thron
F. Th. v. Schubert
verm. schr. 3, 39.
uneigentlich: weil kleine herrn die gröszern heben und ihrem thron mehr stuffen geben Blumauer
ged. 79.
auch sonst uneigentlich in mannigfachem sinne: den thron, um dessen stufen zehntausend aufrührische sclaven krochen Kotzebue
s. dram. w. 1, 36;
oft noch ins eigentliche hinüberspielend: und festlich ward an die geschmückten stufen die huldigung der künste vorgerufen Göthe 16, 165
W.; sieh, göttin, mich an deines thrones stufen (
sc. als bittenden) Schiller 4, 23
G.; so liesz allda der herr, von einer hohen stuffen, für das gemeine volck ein new gebot auszruffen: wie dasz er geben dem wolt einen groszen lohn, wer den kunt thet, der ihm hett umbgebracht den sohn D. v.
d. Werder
ras. Rol. 3, 63 (23.
ges.); was jetzt hier von den stufen des thrones dem ganzen volke zugerufen wird Bismarck
red. 1, 15
Kohl; auch die autoritative besonderheit von thron
theilt sich der fügung mit: und vor des thrones stufen, wenn ihr nach meinem rechte fragt, will ich mit Hutten rufen: ich habs gewagt! Herwegh
ged. e. lebendigen 109;
im bildlichen bleibend wird dieser gebrauch in der mitte des 17.
jhs. ein ansatz zu übertragener verwendung, indem das wort thron (
wie auch leiter
s. oben b 1 a)
ein hilfsmittel für die wertvorstellung abgibt, vgl. C 2, 3; so wird sich alsdann leichlich absehen lassen, auf welchen stuffen zu solchem thron der ehren aufzusteigen Harsdörffer
[] teutsch. secretar. 1, 641; Salomon säzzet auf die erste stuffen zu dem throhne der weisheit das erkänntnüs des eitelen weltwesens Butschky
Pathmos 79.
stufe des altars: du solt auch nicht auff stuffen zu meinem altar steigen, das nit deine schame auffgedeckt werde
2. Mos. 20, 26;
besonders als stelle des cultes: an einem heiszen nachmittag des sommers lag auf den stufen des hochaltars ein fremder mönch in stillem gebet G. Freytag
ges. w. 9, 5; (
der) altar ..., an dessen stufen sich der ... feierlichkeitsakt vollziehen sollte Fontane I 6, 207.
im volksglauben infolgedessen als ein ort, wo sich wunder vollziehen: als sie (
die mutter) in den tempel trat, wurde das bündel (
mit dem toten kinde) immer schwerer, und endlich, als sie es auf die stufen des altars legte, fing das kind zu schreien an W. Grimm
sagen 1, 41;
wie altar
selbst ein ausdruck geheiligter unverletzlichkeit: das laster auch an den stufen des altars zu strafen
theater d. Deutschen (1768) 7, 221; seis an den stufen des altars, verfallen ist er meinem arm R. Wagner
ges. schr. 1, 79;
so formelhaft gelegentlich für altar
in uneigentlichem sinne überhaupt: keine kleine aufgabe, sich zwischen den stufen des altars und den büchern der philosophie durchzuwinden Dahlmann
gesch. d. frz. revolut. 24.
auch sonst sind derartige umschreibungen in diesem anwendungsbereich gebräuchlich: und zeuch mich auf die stufen der andacht und der freudigkeit P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 412;
ähnlich schon mhd.: bose lute werden rufen und scrien zu gotes stufen durch ir bosheit, durch di man si sere quelet und geiselt hi
Hiob 13287
Karsten; undeutlicher: es ist schon lange zeit, dasz ich von diesen stuffen (
d. hofleben), die du betreten wilst, zurücke bin gerufen v. Canitz
ged. 100. B@2@bb)
die steinerne treppe vor dem hause aus einer oder mehreren stufen: prepugilium id, quod ante fores ein stuffe Diefenbach
gl. 456
a (15.
jh. md.); stuffe, stupfe, stuppe
limen ante fores Wachter 1637; stoop, stope, stupe
erhöhter vorplatz eines hauses, zu welchem eine treppe hinanführt Stürenburg
ostfries. wb. 267,
vgl.stoepe
stoep voor em huis Dijkstra 3, 212,
nl. stoep
freitreppe van der Meer
gramm. d. nl. spr. 52;
sicher aus dem nl. das ostfries. stupe '
feststehende leiter mit trittbrett am ufer eines kanals, zum wasserschöpfen' Stürenburg
a. a. o.,
vgl. Verdam
mnl. hwb. 578; Franck
et. wb. 668. B@2@cc)
fuszschemel, niedrige bank: anabathrum, gradus scansilis, subsellium ein stuffen, eine erhabne banck, ein öberbank Faber
thes. 50
b; erhabne bänck, eine stuffen,
anabathrum, subsellium Henisch 182; Decimator (1608) 82
b; einem juden, der eine sabbathsmagd hält, die ... auf ihrer stuffe sitzt und zum zeitvertreib einen vers singt Zinzendorf
ein und zwanzig discurse (1748) 225.
auch diese bed. im niederl.: stoepe, stoepbancke
holl. sicamb. exedra, sedile pro foribus, sedile vestibuli Kilian 532
b. B@2@dd)
auch von sonstiger für einen schritt berechneten anstiegshilfe, wobei in der regel eine gesamtvorstellung im sinne von B 1 b
mitschwingt: dort (
an einer mauer) fanden sie einen alten strebepfeiler, ... dessen verwitterte backsteine ... einem gewandten kletterer als stufen dienen konnten Moltke
ges. schr. 1, 62;
so vor allem in der alpinistik von stufen
im eise: um die passage (
über den gletscher) zu erleichtern, hat man stufen in das eis gehauen Ritter
erdk. 2, 331; dann hob der alte plötzlich seinen pickel ... und begann wie rasend stufen in den eishang zu hauen Stratz
d. weisze tod 11;
vgl.(
er) begann die mühsame arbeit des stufentretens H. v. Barth
Kalkalpen 64. B@33)
in erweiterter anwendung auf grund einer formähnlichkeit von abgestuften gebilden, die nicht mehr der function des steigens dienen. [] B@3@aa)
meist von der form der im ganzen der treppe gesehenen stufen
aus (
vgl.B 1 a
u. b): pyramiden ... steigen in stufen empor und enden in ebene gipfel Bodmer
Noah 77; die stufen oder sitze (
des amphitheaters) scheinen fast alle neu Göthe III 1, 206
W.; da hört man auf den höchsten stufen auf einmal eine stimme rufen Schiller 11, 245
G. (
kraniche des Ibykus).
bes. in der geologie von berg- u. gebirgsformationen, vor allem in der compos., vgl. D 2: dann bin ich mit ihm den Tessenberg hinan ... von einer stuffe des gebürges auf die nachfolgende gestiegen J. v. Müller
s. w. 4, 253; ohne stufe, ohne absatz, wie aus der form gegossen erscheint das gebirge H. v. Barth
Kalkalpen 84; das gebirge erhebt sich übrigens an dieser stelle in drei sehr sichtbaren stufen Steub
wanderungen 120; aus dem alten plateaumassiv ist ein terassenland geworden mit theilweise sanft geböschten, theilweise steilen stufen v.
d. Steinen
naturvölker Zentralbrasiliens 18;
vgl.stufe '
landstufe mit scharfer biegung in eine tiefer gelegene fläche' Kende
geograph. wb. 115
a.
in dichterischem bild: sie horcht, wenn ihrem schäfer ihr süszer nam entfällt, ihn von der berge stufen dir, echo, zuzurufen Tiedge
w. 5, 164;
in fügungen mit eigennamen oft appellativ: nächst den stufen des Kaiserstuhls Thümmel
reise (1853) 7, 24; über getrümmer zur stufe des Karlbodens H. v. Barth
Kalkalpen 89;
noch fester: damit war die steile der unteren Watzmannstufe überwunden
ib. 11.
mit verblassen der grundvorstellung zu einer bloszen lagebezeichnung (
vgl.D 2): stufe
oder etage
schichten mit überresten gleichartiger lebewesen, unterabtheilungen der serien, die wieder unterabtheilungen der formationen sind Kende
geogr. wb. 195
a. B@3@bb)
von der form der einzelstufe geht aus: sie stützt den arm auf eine stufe des felsen A. W. Schlegel
s. w. 9, 38; leget, schwestern, euer ohr an des ufers grüne stufe Göthe 15, 124
W.; es sonnt sich auf den stufen der seebespülten schwelle ein greis am rand der welle Platen
w. 1, 19
Redlich; B@3@cc)
in der heraldik ist stufe '
eine schildeintheilung, welche durch drei linien ... geschieht' Querfurth
wb. d. herald. terminologie 153. B@44)
bei stufe
können vorstellungen mitschwingen, wie sie zum teil auch den bezeichnungen für die übergeordneten begriffe treppe, leiter
u. a. eigentümlich sind und die zu einem besonderen uneigentlichen und bildlichen gebrauch zum teil in mehr oder weniger festen wortverbindungen geführt haben. die stufe
wird als weg oder ausgangspunkt zu einem meist erstrebten ziel gesehen, öfters mit dem begriff des mühseligen: wer die stufen zählt zum thurm hinauf, macht noch einmal so schwer den lauf Wander 4, 936; lasse deinen geist kühn jede stufe erklimmen Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz 118; damals ... wurden die niedern curulischen würden noch nicht als stufen zur höchsten betrachtet Niebuhr
röm. gesch. 3, 175; so manches buch, so mancher schatz, so manche stufe nach dem himmel Günther
ged. 141; die thaten deiner groszen ahnen als stuffen dir den weg zur folge bahnen Lohenstein
Sophonisbe (1680) 129; denkst du der stunde noch wohl, wie auf dem bretergerüste du mich der höheren kunst ernstere stufen geführt? Göthe 1, 282
W.; solche bemerkungen im tagebuch sind als stufen zu betrachten, auf denen man emporstieg Hebbel
tagebücher [] 2, 55
Werner. selten mit der vorstellung des hinuntersteigens: dein fusz betritt bereits die stufe deines falles Gottsched
dtsche schaubühne 4, 237; sein fusz berührte schon des grabes jähe stufen Pfeffel
poet. versuche 3, 16.
öfters enthält in diesem gebrauch stufe
die vorstellung eines absatzes, eines ruhepunktes auf dem wege zum ziel, die auch in der verbindung mit verben wie verweilen, stehen, sich befinden
u. ä. zum ausdruck kommt: und wurde nochmals durch ein erschwertes ziel zurückgeworfen, statt dasz ich ... ein weilchen auf den lorbeeren einer erreichten stufe ausruhen konnte G. Keller 2, 26;
weitere belege s. u. C 4, 6
und 8. die erste
und die letzte stufe
werden in diesem zusammenhang fast formelhaft: das (
todesurteil) ist der erste grad oder stufe zum tode Luther 32, 364
W.; dieses ist meine ringfügige meinung von der ersten stufe oder dem antritt zu der tugend Harsdörffer
secretarius 1, 705; (
in dem common council) zu sitzen war für die gewählten ... die erste stufe zu der magistratur selbst Ranke
2 16, 95; in die erhabne geisterwelt wart ihr (
künstler) der menschheit erste stufe Schiller 6, 267
G.; die falschen götter stürz ich; neuer gottesdienst, die erste stufe meiner (
Mohamets) grösze, lockt die herzen an Göthe 9, 304
W.; so gehts, falln auff der obern stuffen, der liegt bald unten überm hauffen Kirchhof
wendunm. 3, 498
lit. ver.; aller anfang ist leicht, und die letzten stufen werden am schwersten und seltensten erstiegen Göthe 24, 50
W. bei unklar gewordenem bilde erscheint in formelhafter anwendung die oberste, höchste stufe
als das ziel selbst, vgl. auch unter C 9 b
β: in jeder kunst giebts eine höchste stufe, dann wandert sie wieder bergab H. P. Sturz
schr. (1779) 1, 97; der mensch ist das wesen, welches die oberste stufe in der sichtbaren schöpfung einnimmt Nestroy 1, 238. CC.
übertragungen. die fülle des übertragenen gebrauchs, der stufe
als abschnitt eines continuums in beziehung zum ganzen setzt, ist in seinen anfängen in engem zusammenhang mit dem von grad (
s. d.)
zu verstehen, zu dem stufe
hier ebenso wie zu staffel (
s. d.)
vielfach in parallele steht. C@11)
in anlehnung an grad
oder als lehnübersetzung mit ihm zusammen auf lat. gradus
bzw. ital. grado
zurückgehend, bezeichnet stufe
bes. im 16.
u. 17.
jh. C@1@aa)
die maszeinheit einer kreisteilung, den '
grad'
; so die gradeinteilung an der sonnenuhr: da rieff der prophet Jesaja den herrn an, und der schatten gieng hinder sich zurücke zehen stuffen, am zeiger Ahas, die er war niderwerts gegangen
2. kön. 20, 11 (
decem gradibus vulg.; staffeln
erste dtsche bib. 5, 436);
mit beziehung auf diese stelle: wenn nur euer (
e. alten jungfer) lebenslauf wie des Ahas zeiger ginge! dieser rückte, wie wir lesen, zehen stuffen hinder sich. könt ihr disz zu wegen bringen, dan so seid ihr auch für mich Grob
versuchgabe 76;
weiter die geographischen breitengrade: zehlen soviel gegenden als am horizont stuffen (oder grad) und minuten vorhanden Fr. Francisci
lufftkreis (1680) 1036; die höhe des pols ist daselbst 40 stufen
l'elevatione del polo vi è di 40
gradi Kramer 2 (1702) 1023
a; ich habe diesen baum (
die tanne) noch unter der 40
ten stufe nördlicher breite ... angetroffen Popowitsch
ma. v. Teutschland 567;
ebenso von den graden des tierkreises: der sonne gleich ... die wenn sie stuffenweis bis an den krebs gegangen, gantz einen neuen lauff beginnet anzufangen Besser
schr. 1, 8
König; vgl. denselben gebrauch von gradus
und grad
oben 10, 2, 522.
am ende des 18.
jhs. wird der gebrauch von stufe
als grad eines kreises ausdrücklich abgelehnt von Stosch
gleichbed. wörter 1, 308; Eberhard
syn. 6, 150;
vgl. noch '
in einigen oberdeutschen gegenden werden auch die grade eines zirkels stufen
genannt' Adelung 4, 470.
[] C@1@bb)
ähnlich von temperaturgraden: denn die bäume richten sich nicht nach der ausmessung der himmelsstriche (
d. i. den breitengraden), sondern nach den stufen der kälte Popowitsch
ma. v. Teutschland 568;
in anderm sinne schon bei Prätorius: sie (
die schwalben) haben eine seele, aber weil sie (
die seele) keine gewisse stufe der wärme alsdenn besitzet, so unterlässet sie daher zu der zeit die bewegung
winterflucht der sommervögel (1678) 306. C@1@cc)
tonleiterintervall: von der chromatischen tonleiter: grado ... stuffe ... wenn nemlich die noten von einer linie in das nächste spatium, oder aus diesem in die nächste linie gehen Walther
mus. lex. (1732) 287;
von der diatonischen tonleiter: jede scala sieben stuffen hat Ph. E. Bach
art das clavier zu spielen 1, 28. C@1@dd)
als verwandtschaftsgrad: gradus, grad, stuffe z. e. die gradus consanguinitatis Wächtler
manual (1703) 147;
li gradi d'affinità die grad, stuffen der verwandtschaft Castelli
ital.-teutsch (1741) 1, 21
b. C@1@ee)
als grammatischer terminus in der steigerung: bey der stuffe (gradus) ist in acht zu nehmen der satz (
der positiv) und die stuffe ... die stuffe ist entweder die mittlere (
der comparativ) oder die oberste (
der superlativ) Gueintz
dtsch. sprachlehre entwurf (1641) 51; man ... den nahmen der grade für unterabtheilungen des zweyten standes sparet, welches wahre grade, stufen oder staffeln sind (
der positiv dagegen ist kein grad) Adelung
umständl. lehrgebäude d. dtsch. spr. 2, 93.
isoliert als prosodische bezeichnung: die stuffen (pedes) unserer worte meistentheils bestehen in doppellängen ( spondaeis) oder langkurtzen ( trochaeis) Harsdörffer
gesprächspiele 2, 201. C@1@ff)
auch andere zweige des später selbständigen gebrauchs scheinen sich zunächst an grad
zu entwickeln: (
Christus hat) so offte den gelindesten vorsichtigsten weg und die gewisse stuffen in zurechtbringung (
bekehrung) vorgeschrieben Arnold
kirch. u. ketzerhist. 8
b (
zu vergleichen etwa: der erste grad (
der liebe zu gott) haysst ain verwunte lieb ... Tauler
serm. [1508] l 2
d); wenn du zum andern stuffen des glaubens kompst Luther 32, 137
W.; welche aber wol dienen, die erwerben jnen selbs eine gute stuffen und eine grosse freidigkeit im glauben (
vulg. gradum bonum; erst. dtsch. bib. wirdigkeit 2, 215) 1.
Thim. 3, 13. C@22)
unter den selbständigen übertragungen sind diejenigen begünstigt und daher verhältnismäszig früh bezeugt oder zu erschlieszen (
vgl. 1stufen 2 a),
die sich auf continua beziehen, denen an sich schon die vorstellung der höhe, des ansteigens anhaftet. von der stellung innerhalb einer beruflichen oder gesellschaftlichen ordnung, '
rang'
; deutlich aus dem bildlichen kommend und anscheinend zunächst oft mit leichter sonderfärbung als hoher rang: dasz uns die gelehrsamkeit nicht zu den stufen der ehre ... erhebt Gellert
w. 5, 91; so tritt er endlich heut auf die geweihten stufen (
d. h. er erlangt die doctorwürde), wohin ihn sein verdienst und fleisz vorlängst gerufen Triller
poet. betracht. 2, 256;
vgl.ehrenstufe
grado d'honore Kramer 2 (1702) 1023
a,
aber bald alle rangstufen unter einander beziehend: die einsame tugend, von niedrigen stufen erhöht Dusch
verm. w. 9; um schnell über die niedern stufen der ehre wegzuspringen Klinger
w. 4, 91.
das synonyme staffel
behält jedoch diese specialisierung: (
der musketier) musz eine noble ambition besitzen, um mit der zeit von dieser niedrigsten stufe durch seine meriten sich auf eine höhere staffel zu schwingen Fleming
vollk. teutscher soldat 145; staffel
figürlich für stufe,
höherer grad, gradus altior dignitatis Frisch 2, 315
b.
in anwendung auf die mannigfachsten gebiete: von dem kaiser gehn die befehle durch stuffen von immer niedrigern staatsbedienten bisz zum gemeinen landmann Haller
Alfred 110; nach art weltlicher abtheilungen entstanden itzt höhere und niedere stufen geistlicher würden Raumer
gesch. d. Hohenstaufen 1, 19; die stufen von lehrling,
[] gesell und meister müssen aufs strengste beobachtet werden Göthe 25, 221
W.; auch von den etappen einer berufslaufbahn: das amt eines auditors beim staatsrathe galt damals für ein besonderes glück und führte leicht zu höheren stufen J. Grimm
kl. schr. 1, 10; (
prälaten) welche sich gestehen müssen, dasz sie ihre jetzige stufe nicht mehr überschreiten werden Justi
Winckelmann 2, 1, 102; dagegen soll ihnen ... erlaubt sein, ... alle stufen im soldatenstande rühmlichst anzuführen
briefe die neueste litt. betr. 13 (1762) 49.
weiterhin: allergelehrteste, hochgelehrte, gelehrte, und den stuffen der hohen schule nach, immer weniger, doch gleichwohl gelehrte männer v. Petrasch
s. lustsp. 1, 165; die candidaten aller stufen Pfeffel
poet. vers. 7, 69; das war das schönste bei diesem heiligen eifer und fröhlichen gewimmel, dasz alle unterschiede von ständen und klassen, von altern und stufen vergessen und aufgehoben waren E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 335.
ähnlich von socialen unterschieden: jeder vater sucht das glück seiner tochter — man steigt wohl lieber eine stufe hinauf, als — als — wollt ich sagen Bauernfeld
ges. schr. 2, 68; ich habe nicht unter den komtessen des landes gewählt und bin, von unserm standpunkt aus angesehen, eine gute stufe herabgestiegen Fontane
ges. w. I 5, 63;
sprichwörtl.: eine stufe hinauf soll man den freund und eine stufe hinab die frau wählen Wander 4, 936;
in diesem sinne häufig stufe des glücks: das gewisseste mittel, zu den höchsten stufen des glücks empor zu steigen Wieland
Agathon (1766) 1, 120; da ich ... mich, weib und kind zu erheben, auf hohe stufen von glück und ehre zu bringen träumte Iffland
theatral. w. 4, 10; der eine kann alle stufen äuszern glückes ersteigen Ludwig
ges. schr. 5, 333. C@33)
von geistigen eigenschaften und fähigkeiten, unter denen graduelle unterschiede gesetzt werden: ob man auf dieser ersten stuffe der weisheit stehe Lessing 10, 83
L.-M.; nach und nach bin ich in der klugheit so fortgeschritten, dasz ich jetzt diese stufe einnimm Bäuerle
kom. theat. 6, 14;
auch negativ: sie ist in ihrem hochmuth auf eine solche stuffe gerathen, dasz ich glaube ... Gottsched
vern. tadlerinnen 1, 227;
in dieser verwendung mit allgemeiner wertungskraft: auf welcher stufe der geister steht, wer den gottesleugner nicht für rasend hält? Klopstock
oden 2, 62
Muncker-Pawel; unser geliebter Göthe ersteigt hierin vielleicht eine höhere stufe des anpreisens, wenn er von werken verschiedener ... art ... das beste zu sagen sucht Jean Paul 52-53, 3
Hempel. mit einer charakterisierung der qualitäten durch mehr oder weniger entsprechende vertreter: er sollte den haushofmeister spielen und stand kaum auf der stufe des portiers Gutzkow
ritter vom geiste 3, 86; wenn einem in der kunst untergeordneten manne, der nur auf der stufe des liebhabers steht, ein rath erlaubt ist Stifter
s. w. 14, 100;
ohne solche attribute ist der inhalt der ergänzten reihe oft nur der ausdruck einer allgemein gehaltenen hoch- oder geringwertung: ich fühl, dasz ich von einer viel niederen stufe, zu dir hinanrufe, ob dies und das so ist Bettine
die Günderode 1, 149; meine rächende antwort ..., die mich just auf eben die niedere stufe setzte, auf welcher mir meine tante den unedlen vorwurf gemacht hatte S. v. Laroche
gesch. d. frl. v. Sternheim 1, 183; gros o Rieger, gros war deine stufe, gros ein geist, zu deinem grossen rufe, grösser war — dein herz! Schiller 1, 357
G. C@44)
ähnlich auch von sonstigen vorzügen, auf persönliche und unpersönliche subjecte bezogen; allgemein gefaszt, vgl. auch 9 b
β: und da sie die sprache zu der gröszten stufe ihrer vollkommenheit gebracht Morhof
unterr. v. d. dtsch. sprache (1682) 1, 78; die stufen der vollkommenheit
li gradi della perfettione Kramer 2 (1702) 1210
c; doch dieses stille, friedliche entsagen ist der vollendung nahe stufe schon Zach. Werner
söhne d. thales (1803) 1, 2;
[] näher bestimmt: seine recitation (
stieg) ... zu einer hohen stufe von wahrheit, freiheit und offenheit Göthe 22, 119
W.; dieses sind die ... wahrheiten, welche die offenbarung ... durch ihr göttliches ansehen zur höchsten stufe der gewiszheit erhebt J. A. Cramer
d. nord. aufseher (1758) 1, 71; unter ihm gelangte Athen zur höchsten stufe der macht und des reichthums J. v. Müller
w. 1, 142; einzelne kühnheiten ... erheben ihn zu einer bewundernswürdigen stufe der kraft Solger
nachgel. schr. 1, 102; stufen der schönheit v. Cronegk
schr. (1771) 1, 262; beide erklommen ... die höchsten stufen menschlichen ruhms und glücks
bei Moltke
ges. schr. u. denkw. 1, 265. C@55)
die das einzelne aus dem ganzen heraushebende aussagefähigkeit macht das wort geeignet zur bezeichnung von gradweisen unterschieden irgendwelcher qualitäten, nicht notwendig mit wertvorstellung: die lautverschiebung ... hat es nur mit den stufen der stummen consonanten zu thun, deren grundbeschaffenheit dadurch nicht angegriffen wird J. Grimm
kl. schr. 5, 438; und zwar sind die stufen der deutlichkeit folgende, gelb, grün, blau, gelbroth und blauroth Göthe II 2, 108
W.; die stufenlehre, dasz Matth. 5, 3-10 stufen von tugenden und seeligkeiten seyn Lavater
schr. 2, 180; unter den witzigen köpfen giebt es stufen Gerstenberg
br. über merkwürdigk. i. d. literatur 232
lit. denkm.; freundschaft ... hat verschiedene stufen der vertraulichkeit Gottsched
beob. 142; und dasz die menschengattung über den thieren nicht an stufen des mehr oder weniger stehe, sondern an art Herder 5, 27
S.; sehr selbständig: aber die vaterlandsliebe hat keine stufen; wer nicht alles thut, hat nichts gethan, wer nicht alles hingiebt, hat alles verweigert Börne
ges. schr. 3, 147.
in der anwendung auf vorgänge wird dieser bedeutungsgehalt zum ausdruck des allmählichen (
vgl. auch unten C 9 von stufe zu stufe
und stufenweise): alle änderungen in der menschlichen natur geschehen durch stufen, nach und nach Rabener
s. w. 1, 15; weil jede realität ihren grad hat, der bei unveränderter extensiver grösze der erscheinung bis zum nichts (dem leeren) durch unendliche stufen abnehmen kann Kant 3, 156
akad., oder er dient zur steigerung der intensität eines ablaufes: er kann sich nicht genug thun in der schilderung seiner heldin, er jagt sie durch alle stufen der erniedrigung hindurch Treitschke
hist. u. polit. aufsätze 1, 100. C@66) stufe
als einzelner schritt in einem methodischen prozesz: jede höhere stufe im prozesz der induktion ist der untersten an und für sich ähnlich Schleiermacher
w. 3.
abt. 4, 2, 348; der alte ging (
im unterricht) jetzt um eine stufe weiter vor Hauff
s. w. (1890) 4, 161; seine blödigkeit ... und der mangel an sprachkunde hatten ihn jedoch leider gezwungen, auf dieser ersten stufe des kourmachens stehen zu bleiben Gaudy
s. w. 13, 85;
beachtenswert ist die vorbereitung im bildlichen: man musz auff der trepffe von einer stuffe zur andern schreiten Petri
d. Teutschen weish. 2, O 1
r; stufe für stufe kommt man auf den thurm Wander 4, 936.
ohne jedes moment einer intensitätssteigerung nur von der aufeinanderfolge der einzelnen zugeordneten vorgänge: sie hatten sich getreu an ihrem lebensgange gehalten, dagegen mir das wunderbare loos beschieden war, durch manche stufen der prüfung, des thuns und duldens durchzugehen Göthe 33, 187
W.; (
er) fiel in 'ne traurigkeit; dann in ein fasten; drauf in ein wachen; dann in eine schwäche; dann in zerstreuung, und durch solche stufen in die verrücktheit, die ihn jetzt verwirrt
Shakespeare 3, 202. C@77) stufe
als unterabteilung einer übergeordneten einheit: sieben glieder der philosophischen naturkette, davon jedes, um die heilige zahl herauszubringen, wieder sieben stufen hat
allg. dtsch. bibl. anh. zu bd. 25-36, 1985;
fachsprachlich als fester specialbegriff: erscheint ... die untereinheit für die bedürfnisse des kleinen verkehrs zu grosz, so wird eine weitergehende teilung (
des münzsystems) erforderlich. man erhält dann mehr stufen, so beim englischen pfund sterling L. v. Ebengreuth
münzk. u. [] geldgesch. (1926) 193; in der bilanz sind ersichtlich zu machen ... die zahl der zur deckung der hypothekenpfandbriefe bestimmten hypotheken und deren vertheilung nach ihrer höhe in stufen von hunderttausend mark
hypoth.-bankges. v. 13.
juli 1899 § 28;
in der elektrotechnik die durch schaltung gleichmäszig regulierbaren strommengen: stufe
sectionnement Blaschke
wb. d. elektrotechn. 1, 121
a. C@88) stufe
als abschnitt eines zeitlichen continuums: C@8@aa)
zunächst allgemein im hinblick auf den ablauf eines vorgangs: wie eine jede handlung und begebenheit fünf theile und gleichsam stufen hat, den anfang, den fortgang, den stand, die abnahme und das ende Winckelmann (1812) 5, 210;
seit dem 17.
jh.: so fertiget auch Franckreich die meisten perigrinanten mit keinem andern künsten ab, als dasz sie ... die stuffen der Frantzosen oder neapolitanischen sucht erzehlen können Butschky
Pathmos (1677) 28; manchmal ist er mager und zusammengefallen wie ein kranker auf der letzten stufe der schwindsucht Göthe 45, 4
W.; was die menschen hierbey nicht wenig verwirren muszte, war, dasz sie eben dieses ab- und zunehmen (
des mondes) nach allen seinen stufen zuweilen in einer zeit von wenigen stunden vorgehen sahen Lichtenberg
verm. schr. 6, 249; die völkerwanderung ist die erste stufe der zerstörung ... der blüthe Italiens Niebuhr
röm. gesch. 2, 454. C@8@bb)
speciell mit bezug auf das menschliche leben (
vgl.stufenjahr);
in ausgeführter bildlichkeit vorbereitet: dein muntrer fusz betritt die stuffen hoher jahre, doch grünet kraft und muth im schnee der grauen hare Weichmann
poesie d. Niedersachs. 5, 40; halte dich an die züge, die einer jeden stuffe des menschlichen lebens natürlich sind Ramler
Horazens dichtk. 63; so wie sich das alter nach seinen verschiedenen stufen in der stimme des menschen abbildet Schubart
leb. u. gesinn. 2, 151. C@8@cc)
seit dem späten 18.
jh. gern mit dem begriff der entwickelung verbunden. C@8@c@aα)
oft mit einem wertungsaccent, wenn es sich um historische entwickelung cultureller zustände handelt, so in den überaus häufigen verbindungen stufe der kultur, der bildung
u. ä.: Brabanter und Böhmen, Siebenbürger und Lombarden, stehen sie auf einer stuffe der cultur? Herder 17, 59
S.; preisaufgabe die stufen der cultur betreffend Göthe III 3, 12
W.; alle völker auf den ersten stuffen der bildung sind liebhaber von räthseln Herder 12, 192
S.; negerhorden, die auf den mannigfaltigsten stufen der civilisation gefunden werden A. v. Humboldt
ansicht. d. nat. 1, 41; auf der ersten und niedrigsten stufe der menschheit Lessing 13, 431
L.-M. die zugrunde liegende anschauung zeigt die seit dem anfang des 19.
jh. belegte verbindung stufe der entwickelung: mehr aber hat es auf sich, solche meinungen in ihrem zusammenhange zu begreifen und ihre nothwendige gründung in anlagen der menschlichen natur und auf gewissen stufen der entwickelung einzusehen
Europa (1803) 2, 66; mit einer einrichtung ..., die auf einer gewissen stufe der geistigen entwicklung mit innerer nothwendigkeit zu tage getrieben wird Jhering
geist d. röm. rechts 3, 288;
vgl. auch β.
weitergreifend in verbindung mit einer fülle von begriffen, die irgendwie unter die vorstellung einer geschichtlichen entwickelung gestellt werden: dasz jene sprachen noch garnicht die stufe grammatischer bildung erlangt haben W. v. Humboldt
br. an Welcker 54; so steht die germanische poesie im wesentlichen noch auf arischer stufe Scherer
gesch. d. dtsch. lit. 13; eine stufe der naturerkenntnis du Bois-Reymond
ü. d. grenzen d. naturerk. 5; in dem raschen aufsteigen jener jahre bezeichnet dieser gedanke vielleicht die höchste stufe der kirchlichen politik Nitzsch
dtsch. stud. 17; in der frühern stuffe der wissenschaft Fr. Schlegel
pros. jugendschr. 1, 59; (
ein) sogenanntes kopfgeld — die niedrigste stufe der classensteuer Bismarck
pol. red. 4, 236.
[] diese vorstellungsverbindung wird so eng, dasz absoluter gebrauch von stufe
als cultur-, entwickelungsstufe sich einstellt: Karl Ritter erklärte die niedrige stufe seiner bewohner aus der geringen entwickelung der küsten im verhältnisse zu seinem äuszerlichen umfang Peschel
völkerk. 223;
ähnl. die nation hat der stufen zu erreichen noch vor sich; andere nationen sind ihr in diesem, in jenem stücke zuvorgekommen; sie ist auf gutem wege J. J. Engel
schr. 3, 150. C@8@c@bβ)
einen zustrom erhält dieser gebrauch durch die anwendung von stufe
auf organische entwickelung in der naturwissenschaft; mit bezug auf den einzelorganismus: ein fünftes ei, welches sich auf der hier besprochenen stufe der entwickelung befunden haben soll Sömmerring
bau d. menschl. körpers 7, 98;
vor allem durch die annahme einer graduellen entwicklung der organismen bis zum menschen: in allen übergängen der organischen natur, die aus einer stufe der metamorphose in die andere tritt Göthe III 4, 120
W.; auf den höher entwickelten stufen der schöpfung Ritter
erdk. 1, 9; unser geist steht noch auf der stufe der amphibien Bettine
dies buch geh. d. könig 2, 460,
auch hier der gebrauch von stufe
schlechthin als entwicklungsstufe: die empfindsamkeit, die fähigkeiten und triebe der tiere nach ihren arten und stuffen Herder 5, 24
S.; eine instanz aus dem thierreich der niedrigsten stufe führen wir ... hier vor Göthe II 6, 13
W.; die hypothese, dasz die seelen verschiedene stufen durchmachen Lange
gesch. d. materialism. 224; auch verschlägt es nichts, wenn diese urzeugung nicht auf der erde, sondern anderswo angenommen wird und man dann mit Arrhenius keime irgendwelcher stufe sich durch den weltraum fortbewegen und die erde befruchten läszt Lämmel
die mod. naturwissensch. u. d. kosmos (1929) 107. C@99)
die immer stärkere erweiterung des anfänglich bildlichen gebrauches zu solchen inconcreten übertragungen erlaubt vereinzelt schon in der zweiten hälfte des 18.
jh., allgemein im 19.
jh. eine reihe adverbieller verbindungen, die nurmehr beziehungsfunction haben: C@9@aa)
vergleichend; ausdrücke der gleichheit: mein geschmack blieb auf eben der stuffe stehen, worauf sein genie stehen blieb Ramler
einl. i. d. schön. wissensch. 1, 105; mit meinen körperlichen leiden blieb es ... auch hier beinahe immer auf derselben stufe Kerner
bilderb. 218; ich weisz wohl, dasz wir beide nicht auf einer stufe stehen Bauernfeld
ges. schr. 5, 53;
vor allem auf einer, der gleichen stufe mit: mit den frauen steht nicht einmal der teufel auf gleicher stufe Düringsfeld
sprichw. 1, 247
b; sie finden sich ... auf einer stuffe ... mit einander Herder 23, 60
S.; mit recht verlangt er (
der gebildete) von dem dichter, ... dasz er im intellectuellen und sittlichen (
leben) auf einer stufe mit ihm stehe Schiller 6, 316
G.; das gewissen steht nie und nirgends auf einer stufe mit der fähigkeit zu essen, zu trinken und zu verdauen P. de Lagarde
dtsch. schr. 52; dort hatte man ihn auf eine stufe gestellt mit dienstboten Polenz
Grabenhäger 1, 233.
ausdrücke der ungleichheit: es ist ... zur mode bei den schrifftstellern geworden, dasz sie sich allzeit um etliche stufen über ihren gewöhnlichen vortrag erheben Lichtenberg
nachlasz 7, 24
Leitzmann-Schüddekopf; der unfreie dienstmann stand in dieser beziehung nur eine stufe unter dem vollkommen freien Eichhorn
dtsche staats- u. rechtsgesch. 1, 458; der mensch erholt sich, er beginnt, vielleicht auf einer höheren stufe, sein altes spiel Göthe 42, 1, 91
W.; da Abdias bei jedem neuen fehlgeschlagenen versuche seine hoffnung auf eine tiefere stufe herabstimmte Stifter
s. w. 3, 84;
vor allem als masz bei höher, tiefer
u. ä.: auf der bühne soll der mensch eine stufe höher stehen, als im leben Börne
ges. schr. 1, 34; was den ackerbau betrifft, merkte man jetzt, dasz die nation um eine ziemliche stufe weiter gekommen, als sie zu Tacitus zeiten war
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 356; eine stufe niedriger Thümmel
reise (1791) 8, 245. C@9@bb)
in quantitativ unterscheidenden aussagen: so dasz wir endlich ihre revolution überwältigten, die aristokratie
[] bei ihnen bis zu einer gewissen stufe wiederherstellten H. Heine
w. 3, 465
Elster; C@9@b@aα)
besonders in der verbindung von stufe zu stufe, für die allmähliche entwicklung eines vorgangs (
vgl.stufenfolge): nothwendig wird unsre existenz von stuffe zu stuffe immer freier ... werden Herder 15, 325
S.; wodurch wir uns durch die betrachtung dieser erschaffenen ding um uns her von stufe zu stufe höher noch schwingen zu gott Zachariä
poet. schr. 7, 163;
lockerer: die pilgerin führte ihn unmerklich von einer stufe der lust zur andern Klinger
w. 3, 89;
als audruck geordneten fortschreitens zu einem ziel (
vgl.stufengang): denn ich wollte sie von stufe zu stufe ihm zuführen, und ihrem zarten geiste nur langsam das merkbar machen Klinger
w. 8, 227; er wuszte im bau der erdoberfläche ... fast auf jedem schritte von stufe zu stufe eine merkwürdige thatsache in der natur aufzudecken Ritter
erdk. 1, 35;
zur bezeichnung der reihenfolge zugehöriger dinge (
vgl. stufenfolge): so vernimm von stuf zu stufe ihren (
der heiligen) sieggekrönten streit Brentano
ges. schr. 1, 217; leider ist es uns nicht vergönnt, die innere entwickelungsgeschichte des merkwürdigen volkes ... von stufe zu stufe zu verfolgen Mommsen
röm. gesch. 3, 215.
bei starker zielbetonung drückt die verbindung eine steigerung innerhalb des vorganges aus (= '
immer mehr'): deine gedanken werden bleiben, und du wirst sie deinem geschlecht von stufe zu stufe mehr enthüllen Herder 13, 11
S.; ein umstand, der mich hernach von stufe zu stufe, bis an die gränze der verstockung brachte Schubart
leb. u. ges. 1, 69; willst du mich durch immer neue geburten und immer neue schauplätze des elends von stufe zu stufe — zur vernichtung — führen? Schiller 2, 163
G. C@9@b@bβ)
als summarischer ausdruck für gesteigertheit, vgl. auch B 4
u. C 4;
noch bildhaft: ihr spraach ... stehet ja beynah an dem obristen grad und stuffen
theatr. amoris (1626) x 3
b; in der that hatten die leistungen der Wiener bühne damals eine hohe stufe erreicht O. Jahn
Mozart 3, 33; der physikalische unterricht in Österreich (
steht) auf einer weit höheren stufe L. Boltzmann
popul. schr. (1905) 99;
formaler: Plautus und Terenz, welche die lateinische comödie auf die höchste stufe brachten, die sie jemals erreicht hat R. W. Ramler
einl. in d. schön. wiss. 2, 373; es musz ja deine lust auf höchsten stuffen stehen Weichmann
poes. d. Niedersachs. 2, 122; so darf man im grunde nichts im auge haben, als jene völlige lossagung von der gesetzlosen kunst ..., (
die) hier und da auf die niedrigste stufe geführt hat Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht. 5, 89;
ganz unanschaulich (
wohl durch grad
beeinfluszt): persönlich kann er auf höchster stufe jenes züchtige und ehrbare geschlecht vertreten Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht. 5, 59;
ähnl.: vor einigen tagen rühmte er eine übersetzung ... von einigen oden des Horaz, die bis zu der untersten stufe schlecht ist J. H. Voss
in W. Herbst
J. H. Voss 1, 73. DD. stufe
in der composition. in zusammensetzungen, denen ausschlieszlich die bed. '
gradus'
zugrunde liegt, erscheint das wort in seinem mitteldtsch. verbreitungsherd und im ostd. colonialgebiet vereinzelt schon im 14.
u. 15.
jh., vgl. stuphennail (
d. i. stufennagel) 1399
cod. dipl. Lusatiae sup. 3, 331; sthuffenholz
Marienb. treszlerb. 161
Joachim (
s. u.);
auch das 16.
jh. hält sich mit den lehnübersetzungen stufenlied Luther 15, 363
W. und stufenjahr (1586) B. Quinos
disce mori 17; stufenweise
adv. J. Barth
weiberspiegel (
Lpz. 1565) c 2
a in diesen grenzen. erst in der zweiten hälfte des 17.
jh. erscheinen die compositionen allmählich häufiger: stufengerüst Reyher
thes. (1686) 34; -gesang (
lehnübers.) Scheräus
spr. schule (1619) 58; -haar Corvinus
fons lat. (1646) 394; -ziel Francisci
eröffn. buszhaus (1676) 1387;
im 18.
jh., besonders in seiner [] zweiten hälfte, werden fast alle andern gebildet, sodasz das 19.
nur noch gewisse technische erfindungen wie stufenanker, -batterie
zu benennen hat, vgl. Blaschke
wb. d. elektrotechnik 121.
das compositionselement ist fast ausnahmslos der schwache genitiv stufen-; stuff-
nur in stuffnail 1429
cod. dipl. Lus. sup. 2, 40
und stuffjahr Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 24
belegt, einmal stuffens-
in stuffensweise Harant
christl. Ulyss. (1678) 117. D@11)
die eigentliche bedeutung von stufe B 1
u. 2
erscheint in den zss. seit dem 14.
u. 15.
jh., häufig in zum teil rein technischen bezeichnungen, die mit dem treppenbau zusammenhängen: stufenansicht vorderseite einer stufe Mothes
baulex. 4, 286;