wehr,
wehre,
f. '
vertheidigung, waffe'.
zur wurzel *var- (
s. auch wehr
n. und wehren
verb.)
gehören die nomina gr. ἔρυμα '
schutz'
; ital. *vero '
thor'
in umbr. verisco '
bei der thür', verof-e '
in portam',
osk. veru '
portam' v. Planta
gramm. der osk.-umbr. dial. 1, 453. 2, 710,
lat. vestibulum (
aus *verostabulum) '
raum bei der thür' Walde
2 829;
aslav. vora '
verzäunung', zavorь '
mit stangen gesperrter durchgang', vrata '
thor'
; lit. va-tai
plur. 'thor';
ir. ferenn '
gürtel, strumpfband',
alle auf die grundbedeutung '
hemmung'
zu vereinigen. im germ. stellen sich hierzu, zunächst abgesehen von ags. asächs. wer (
diese unter wehr
n.),
die nomina anord. verja
f. '
vertheidigung, verwahrung', vǫrn
f. '
vertheidigung, schutz' Falk-Torp-Davidsen 1369
f.,
afries. were, wiri
f. '
vertheidigung, waffe' Richthofen 1136. 39,
mnd. were
f. '
vertheidigung, waffe' Schiller-Lübben 5, 677,
mnl. we(e)r
f. '
widerstand, waffe, kriegsmacht' Oudemans 7, 900. 921,
ahd. warî, werî
f. '
vertheidigung, befestigung' Graff 1, 929,
[] mhd. wer(e)
f. '
vertheidigung, waffe'
mhd. wb. 3, 510, Lexer 3, 767.
form. 11)
das starke fem. werî,
nomen actionis zu einem schwachen verb. der ersten classe wie mendî, restî, toufî, urlôsî, welî ( v. Bahder
verbalabstracta 89, Braune
ahd. gr. § 213)
ist ahd. reichlich belegt. treu im typus der alten abstractbildung auf -îni (Kluge
nom. stammbildungsl.2 § 148
f.)
ist der oberschwäb.-schweiz. plural auf -inen: die doppelhacken ... an der schwere das ine ein mann tragen und von einer wehr zur andern bringen ... mag ... sie werden gebraucht in den besatzungen, auff und an den wehrinen Fronsperger
kriegsbuch 1, 90
b (1573); und gewunnen die eidgenossen vil armbrusten, harnesch und setzschilten und ander werinen
chronik der stadt Zürich 229, 9
Dierauer; bevestigung, als thürn, ringkmauren, weerinen Stumpf
Schwytzerchronik 418
a (1606). —
in der bedeutung '
waffe'
erscheint wehr
bair. im 13.,
schwäb. und schweiz. im 16.
jahrh. gelegentlich als neutrum, offenbar nach dem vorbild von schwert
und gewehr,
daher wol auch das schwanken: auch sol iederman mit seiner wer berait sein, so best er mag, wann ain landgeschrai auferstuende, das er das hab
östr. weisth. 2, 224 (
Tirol 16.
jahrh.); dri kunige riten nach dem her, die fuorten totlichiu (
var.: totliche) wer. starchiu sper von Angeran man fuorte mit den fursten dan wol zweinzech fuoder ode mer Wirnt
Wigalois 10670; zwei tusent riter uʒ erwelt huoten hinden nach dem her die fuorten freislichiu (
var.: freisliche) wer: tusent schutzen mit starchen bogen 10680; dann er war auch vom spiesz kommen, und kam zum wehr, dasz ich mich sein wol betragen und erwehren mocht Götz v. Berlichingen 102
neudr. (
sonst wehr
f.); stiege er also bald vom pferde ... fasset das wehr in die faust, den schilt an den arme
Amadis I (1569) 15
Keller; hette ihm auch das haupt zerspalten, wo er nicht den streich mit seinem wehr auszgenommen hett 130; zucket er das wehr, des fürnemmens, im das haupt abzuschlagen 249; eilends hett er ein ander wehr, stache das durch herr Heinrichen
buch der liebe (1587) 334
a; doch (
trotz dem spuk) habe er ein hertz gfasset, syn gwör zuckt vnd vmb sich ghowen. da sye er von stund an von der vernunfft, vom whör, mantel, huott vnd hendschuoch kommen Brandstetter
Cysat § 116 (1573).
wie hier wol gwör
nachwirkt, so beeinfluszt gewehr
das genus in dem versprengten zeugnis: ein wehr [weer] heisst schantz' und damm, so wut und flut abwehrt; das wehr (gewehr) ist gut, wenn sich der feind empört Seume
kl. teutsches lexikon (1733) 274. 22)
umlautlose formen bieten im 8./9.
jahrh. die ältesten glossen: framea uuari Steinmeyer-Sievers 1, 144, 6,
propugnacula (g)iuuari 4, 677, 14.
auf offene aussprache deutet ä
in schwäb. quellen des 15./16.
jahrh.: hetten (
die bauern) ainander geholfen als biderleut und hetten sich zu wär gesetzt ... in wär kain laid nit geschechen
städtechron. 5, 41 (
Augsburg vor 1466); doch hat Pfaltz hoch zuuoran in mich getrungen, jch sol von der wäre lassenn, sein
f. g. künnde mir dises zugs nit gestatten Schertlin v. Burtenbach
leben 131; in der harnasch camer, darin Vlyssis waffen vnd wAeer verwaret wurden Schaidenreiszer
Odyssea (
Augsburg 1537) 2
b.
nachmals wird eine falsche etymologie für diese schreibung verantwortlich gemacht: andere schreiben indesz währ, leiten es von wahren, aufbewahren ab K. Müller
verdeutschwb. der kriegsprache (1814) 25,
möglich, dasz solche gedanken auch schon bei Zesen
mitgewirkt haben: dacht' ich ganz und gahr nicht, wie und womit ich mich zur währe ställen solte
Ibrahim (1644) 1, 73. 33) ö
aus umlaut-e
nach w
hat sich in wehr
nicht durchgesetzt wie in gewöhnen, schwören, wölben, zwölf,
ansätze finden sich (
wie bei gewöhr
th. 4 I 5401)
in allen bedeutungen des wortes, fast nie ungemischt aber weithin obd. und md. seit 450
jahren. der Freiburger drucker Johann Wörlin (
jetzt heiszt der name meist Wehrle)
führt seit 1520
einen dolch im wappen, leitet also seinen namen von [] wehr
ab; ein Baseler beleg steht nahe: anno Christi 1092. haben die juden in ettlichen stetten teütschs lands gros durch echtug erlitten. vnd als man sie zuo Speier auch angriff, flohen sie in des künigs pallast vnd in des bischoffs hof, stelten sich zuo der wOere, dann sie hetten ein rucken vom (
lies: am) bischoff Münster
kosmogr. (1550) 576.
auf der andern seite reicht die erscheinung bis Leipzig: dise amazones streytten nicht mit dem maul, sonderen mit der wöhre unnd faust Schumann
nachtbüchlein (1559) 255
Bolte. die masse der belege liefert in alter zeit Schwaben: des satzten sich die gesellen ze wör geen in und stachen die spiesz in sie und die rosz, dasz sie vielen
städtechron. 5, 17, 10 (
Augsburg vor 1466);
entspr. 4, 331, 28. 5, 221, 12. 317, 5; (
die heiden) wusten sich nit mer zuo eretten, lieszen sich on wöre zu todt schlagen
Pontus und Sidonia (
Augsburg 1498) D 2
a (1539: on gewehr); weyter rfft er der bapst den weltlichen arm ... vber mich an, als ob er in eynem schlag alle wör gegen mir brauchen wöll Hutten 1, 401
Böcking (
Tübinger druck); geschickt zum streit in bögen vnd andern wöhren Franck
weltbuch (1542) 139
a; (
man soll) in alweg vor alles versuchen, ehe man nach angebottnem fried zur wöhr greiff
kriegsbüchlin des friedes (1550) 163
a; (
Longinus wurde) dermaszen überwunden, das die überigen überbelibnen Römer geisel geben und das halbtail irer wöhr und güeter dahinden lassen muosten
Zimm. chron. 1, 4, 1;
entspr. 1, 4, 17. 22, 6. 38, 17 u. o.; wöhr
als einzige schreibung bei Weckherlin
sowie in Sprengs
Ilias und Äneis (
Augsburg 1610).
Baiern folgt wenig später: furor arma ministrat, der zorn macht einem bald ein wöhr
monac. Augustin. bei Schmeller
2 2, 973; bei den tänzen, die dann durch den gemainen baursman, und als uns anlangt an etlichen orten mit püchsen, armbst, langen spieszen, helmparten, wurfhagken, pleikugeln, hiernheubeln, puchhandschuch, panzerstrichen und andern unzimlichen wören und harnasch ze tragen in groszer menig besucht werden
landpot in Ober- und Niederbaiern (1516) 17
b; imm tawf wirt ainer aufgenomen vnd beschriben zuo söldner. die firm gibt demselben söldner hellm, auch andere wäre vnd waffen Berthold v. Chiemsee
t. theologey (1528) 414; wöhr, seitenwöhr,
ensis, gladius lateralis. wöhr anhengen. ich greiff an d' wöhr
vocab. von 1618
bei Schmeller;
bei Aeg. Albertinus
kommen 7 wöhr
auf 2 wehr; (
ich lobe die alte schlichte zeit,) da nur nach ehr mit seiner wöhr mit streitten vnd obsigen ist von dem plan ein bidermann zur cron hinauff gestigen Balde
Agathyrsus (
München 1647) 43, 1; wann vnser feynd imm schwartzen hör beschützen dj mit arger wör Schwarzenberg
t. Cicero (1535) 152
b.
am längsten gilt ö
in Östreich: da ainer auf kürchtogen raufhändl anhebt 32 pf. pfening, wan er aber mit wöhr oder dollich zueschlieg oder mit einer pixen schieszen wolt 50 pf. pfening
östr. weisth. 6, 129 (
Niederöstr. 16.
jahrh.); unzimlich wörn. item niemand soll unzimblich wörn, als püxen, stäckl, armprost, wurfpeil, kreuzhacken, pleikugln und dergleichen tragen 3, 368 (
Tirol 16.
jahrh.);
das. 2, 83 (1586); 1, 14. 40 (
Salzburg 1625); 2, 22 (
Kufstein 17.
jahrh.)
u. ö.; mit wöhr und waffen Abr. a S. Clara
Judas 2 (1690) 77;
hierher auch gegenwöhr
das. 1 (1686) 299;
aus lebender mundart: wöre, wàsserwöre Lexer
kärnt. 255. 44) were
f. hat nach r
mit voraufgehendem kurzem vocal sein auslautendes e
obd. seit dem 11.
jahrh. verloren: er machet im einen rukke,uon dem gent dei rippe, dei pivgent sich furherdem herzzen ze wer
genesis 6, 23
Diemer. wer
ist normalform im Nibelungenlied, bei Hartmann, Wolfram, Wirnt, Gottfried, Walther, Heinrich v.
d. Türlin, Rudolf v. Ems, Konrad v. Würzburg, Enikel, Ottakar
usw., md. bleibt in der regel were: her greue nu sehet wie wir vnse were (: here) von prise wol haben bewart
graf Rudolf C
b 1
Grimm; sie doʒten vnd riffen an die were sie liffen der kvnic quam auch zv gewer Herbort v. Fritzlar
Troj. 1324;
[] di ... brachen den vride an im unde heimsuchten in mit gewapenter hant, mit gerukter were, mit howen unde mit stichen
Freiberger stadtrecht c. 28 § 9
u. o. (
um 1300); unde der (
der falsche Woldemar) sprach, her were lebinde worden unde hiesch seyn veterliches erbe weder unde wolde das habin, unde zouch mechtiglichen unde gestrengiglichen obir on (
markgraf Ludwig). unde her bestalte seyne were kegen om, szo her beste kunde J. Rothe
dür. chronik cap. 684 z. j. 1347
Liliencron; der abir had einen solchin mud daʒ her sinin glichin tar bestehin und in nœtin vordir (
von vorn, ins gesicht) were tud, der heiʒit kune, des mueʒ ich jehin Rothe
ritterspiegel 1883
Bartsch; und wel mich legen al da her, dasz ich auch thuwe were
Alsfelder passionsspiel 218, 6946; da irmante di gemeine zu Hademar unde stalten sich vigentlichen zur wehre (
var.: zu gewere) mit werfen, mit geschosse unde ander grosze arbeit
Limburger chronik 63, 18; wer vor armutt nit ein pantzer vermochte zu kauffen, daʒ derselb ein eisenhut oder sust ein were haben solte
städtechron. 3, 384, 6 (
Nürnberg 1440); wer es, das iemant ... bi nacht off der gassen one liecht und mit geverlichen waffen oder were betretten wurde
oberrhein. stadtrechte 1, 496 (
Heidelberg 1466).
mnd. gilt were
allgemein auszer im äuszersten westen: oich helpent dir der heilger coninge dri und steint dir mit truwen bi, mit alme hemelschen her doint si mit dir, Colne, wer
städtechron. 12 v. 5873 (
um 1280);
entspr. v. 363. 720. 6036.
im 16.
jahrh. gilt die zweisilbige form weiterhin in md. kanzleien: die pfarguter sollen alle wider zur pfarr kommen und fur aller peschwerung als mit were abreiszen, auch der schefer beschedigung mit abnutzung der fruchte ... beschutzt werden
mittheil. des alterthumsvereins Zwickau 7, 89 (1533).
unter den schriftstellern steht Luther
mit seiner normalform wehre
zunächst allein und bei der aufnahme, die sie im ausgang des jahrh. findet, ist wol mehr mnd. were
vorbild: wenn ein ander meint, wir sein noch weit von jhme, so hat er die wehre schon im leibe Heinr. Jul. v. Braunschweig 539
Holland (1593
Vinc. Lad. V 3); bat sie wölten jn auff die burg tragen, vnd auff die wehre setzen lassen Henneberger
erclerung der preusz. landtafel (1595) 50; zogen sie (
die frauen) harnisch und wapenröcke an und giengen auff die ringmauer mit ihren gewehren und traten an die zinnen und beweiseten sich zu der wehre Waissel
preusz. chronik (1599) 71
a; warff ine Vosz mit einer kandel biers an den kopff. so zuckte Ramelow seine wehre Kantzow
chronik v. Pommern 368
Gaebel. seit Opitz
steht wehre
bei md.-nd. dichtern: gott ist mein schlosz und hohe wehre
psalmen Davids 111 (59, 5); bey dem (
gott) ist mein heyl und ehre, meine stärcke, meine wehre Gerhardt 3, 437
a Fischer-Tümpel; eine gantze hamburgische schiffsflotte ausz vielen ... ländern zum ernst und wehre, als zur lust und ergätzung Rist
neuer t. parnass (1652) b iij
b; der jungfer lust wehrt keine wehre, wil sie, so hilfft kein halten nicht Stieler
geharnschte Venus (1660) 37
neudr.; dasz die mördliche wehre sein nachbegreifflichkeit zu theilen nicht vermag Treuer
d. Dädalus (1675) 1, 454.
die theoretiker lassen gern die wahl: wehr unbenanten geschlechtes das wehr oder gewehr ... ist eine schutzwehre, auch im wasser: sonsten ein degen ... damit man sich wehret ... sonst saget man auch eine wehre Gueintz
rechtschreibung (1666) 159; wehr
vel wehre (die)
defensio, propugnaculum Steinbach (1734) 2, 973; wehr, die, oder die wehre Voigtel
handwb. (1795) 3, 606; mit dem weiblichen e, wehre, ist dieses wort im hochdeutschen seltener, als ohne dasselbe Adelung (1801) 4, 1438.
damit ist der geltende zustand erreicht, der die seltnere zweisilbige form nach versbedarf stets erlaubt: jegliche wehre, die ihr getragen, doppelt und dreifach ist sie mir werth Göthe
Weim. I 11, 252;
[] wo engel durch das leben gehn und sanft die wege zeigen ... da steht das herz in guter wacht, und braucht nicht eigne wehre Förster
ged. 1, 16
Tieck; da wehrte sich der zwölft', und als ein held wollt' er gebaren. da sprach der menschenfresser: jetzt magst du die wehre sparen Rückert
ges. ged. 4, 389; der kaiser nimmt sein schwert von seiner hüfte schnell: hier will ich meiner wehre so lange sein beraubt, bis ich des kaisers ehre gerochen an ihrem falschen haupt Platen 320.
so sogar bei obd. dichtern: und die rohen seelen zerflieszen in der menschlichkeit erstem gefühl, werfen von sich die blutige wehre Schiller 11, 296 (
bürgerlied); herr Oliver war auch nicht froh, er sah auf seine wehre: es ist mir um mich selbst nicht so, wie um die Altekläre Uhland
ged. 355;
Füllenstein. gebt euch gefangen!
Ottokar. eure wehre, Heinrich! ihr Ulrich Lichtenstein, graf Bernhard Pfannberg, ihr gebt die schwerter, und euch selbst in haft Grillparzer
sämtl. werke 6, 68
Sauer; die wehre an der seite Hauff 9, 32.
im schutz dieser licenz bewegt sich auch die obd. prosa freier: als der thurm gewonnen, als in die wehre gebrochen worden, spaltete das erste schwert des tapfern commandanten haupt J. v. Müller
sämtl. werke 24, 79; auch die wehre ist beim menschen fertigkeit, die er durch eigne freiheit sich erwerben musz Görres
ges. schriften 2, 134; alle gebildeten stände tragen noch die wehre, die freilich zum zierlichen degen eingeschrumpft ist Vischer
ästhetik 2, 285. 55)
selten ist diphthongirung des stammvocals zu ie: wirt yman begriffen vnd auf gehalten vom (
lies: von) dem richter oder von sinem gesinde, der sol ze buʒʒe geben ein schok groʒʒer pfenninge, vnd sol verlorn haben verpoten wier, ob man die bey im vindet
Altprager stadtrecht 14
Rössler (
statutarrecht v. 1329 § 20);
dazu aus neuer Tiroler und bair. mundart wiar
f. d. mundarten 3, 462, gwiər
n. Schmeller
2 2, 973. 66)
nhd. ist e
vor auslautendem r
gedehnt wie in der, er, her, meer.
dehnungszeichen kann schon ein rhein. i, y
sein: dese (
pforten) wunnen si al up einen daich, dat manich mit ougen anesaich, sunder vurrait, unde veingen de up de porten zo weire geingen
städtechr. 12, 93 v. 2479 (
Köln um 1280); to enen heyrgeweyde hoert ... alle tymmerreschop, ock alle weyr, de tho ener hant hoeren
codex trad. westf. 1, 191 (
ende des 15.
jahrh.).
viel häufiger bezeichnet ee
die länge: do hebbe wy al vnse weer vnd wapen affgelecht Rotmann
restitution (
Münster 1534) 107
neudr. hd. ist Nürnberg ausgangspunkt: item ain jar vor, ee sich der krieg anving, warnet man iederman, daʒ er sich fürsehe mit allerlei, daʒ da gehöret zu der weer
städtechr. 2, 243, 3 (1449);
entspr. 249, 16. 253, 23.
doch ist auch hier die schreibung längst nicht durchgeführt: unserr herrn vom rat hetten geben in idem virteil helmbarten und lang spiesz von der stat were; die selben wer gaben dann die genanten ... den haubtleuten ... die beschauten sie dann mit irer weer
städtechr. 2, 257
f. (1450); bey wem einich solich verpotten weere ... erfunden ... der sol zuvoran soliche getragne were verloren haben
Nürnberger polizeiordnungen 51
Baader. neben wehr
und wör
bei Schwarzenberg: ain weiser hauptman zuo der schlacht so er sein spitz vnd hauffen macht am nächsten ordent zuo dem streyt, den er guot weer vnd harnisch geyt
t. Cicero (1535) 131.
nächst Nürnberg in den ältesten drucken von Ulm, Eszlingen, Freiburg: als aber die sicilischen sahen, das sie sich redlich zur weer stelten und erwörten Stainhöwel
de claris mul. 315
Drescher; ebenso Äsop 202
Österley; sich der wǎffen oder der weere zegebruchen Niclas v. Wyle
translationen 209, 2
Keller; ebenso 146, 11. 147, 34; so hat die krafft des windes mich und mein bywoner über unsern willen und strenge weer har getriben Riederer
[] spiegel der rhetoric (
Freiburg 1493) 28
b;
genau so Straszburg 1505 23
b.
im Elsasz dehnt sich die schreibung nachmals aus: by Silo vor der hütten sich versamlet, vnnd flucks zur weer griffen Hedion
Josephus (1531) 85
b (1556: mit gewehrter handt 81
a); zuohandt sich ... mit rossz und harnasch und weer zuorichten liesz Wickram 1, 201, 25
Bolte; ebenso 2, 82, 35; mit welchen weeren er begert Fischart
nachtrab 25
v. 840
Kurz. hauptgebiet wird die Schweiz, zu doppelsetzung stets geneigt: min vatter hat zwen schön ochsen ghan, die wolt jm der vogt nemmen mit gwalt, darwider ich (
Melchthal) mich zuo weer stalt
schweiz. schausp. 3, 21, 154 (
Urner Tellensp. 1512); was kundt ich thuon, dann truren das, das ich nüt dann ein wybsbild was, on weer, ein schooff, dem wolff erloubt 1, 120, 259 (Bullinger
Lucretia 1533); wir hand kein weer noch schwerdter nitt 3, 127, 1904 (Ruff
Tellenspiel 1545); ein weyb sol nit manns weer tragen
Zürcher bibel (1531)
5. Mos. 22, 5; die weere schirm
propugnaculum Maaler (1561) 487
b; vil ross, weer vnd waaffen warden gen Reutlingen gebracht Stumpf
Schwytzerchronik (1606) 105
b;
entspr. 423
a,
dagegen wehr 39
b. 43
b, wehren 17
b. 320
a. 77)
durchgesetzt hat sich die schreibung wehr,
freilich (
wie gewehr
th. 4 I 5401)
nicht ohne widerstand. zunächst mag schon die schreibung weer
in einem theil der fälle einen gleitlaut mit treffen wollen, der sich mundartlich auch zwischen junger länge und auslautendem r
leicht entwickelt hat. noch näher läge es, an gleitlaut zu denken bei schreibungen wie wäer
und wäher,
wenn er je metrisch zu stützen wäre, doch ist das nicht möglich: in der harnasch camer, darin Vlyssis waffen vnd wäer verwaret wurden Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 2
b;
fluctibus moles opponere das wasser mit einem wäher auffhalten oder schützen Bas. Faber Soranus
Thesaurus eruditionis (1587)
s. v. moles.
so wird wäher
wie auch das viel häufigere weher
in der mehrzahl der fälle als doppelte bezeichnung der länge gemeint sein (
wie wehe
th. 14, 2). weher
gilt im 15.
jahrh. in Thüringen: auch was vor wehere im rathusse ader wo der rath von der stad wegen schencken (
läszt), gerückt wurden, sal sich der rath zu halden und die an den kagk slahen Michelsen
rechtsdenkm. aus Thüringen 228 (
Rudolstadt 1404); eyn rad hat macht das volk zu geschutcze buchsen unnd armbrost der stad zu nutcze unnd wehere alle jar zu thune unnd zu besserne
geschichtsquellen der prov. Sachsen 39, 409 (
Erfurt 1480);
entspr. 323. 373.
thür. noch 1691:
dicitur etiam wär, weher
et schutzwär ... abweher (
lies: ahlweher)
captura angvillarum Stieler 2512;
wol von da übernommen weher Rädlein 1, 1038.
sporadisch tritt die schreibung obd. auf: so sein alle Tyroler als purgkfrider schuldig in allen sorgfeltigen kriegsleuffen, so lang die weren, das furstlich schloss Tyrol tag und nacht bei den thorn und allen wehern und all ander weg ... zu bewaren
östr. weisth. 5, 3 (1505); so einer jemandt mit einem todtlichen waffen oder weher überlauffet, anficht oder schlecht
peinl. halsgerichtsordnung art. 140
Kohler (1507); darzuo glaub ich gentzlich, got habe mir in meinen syn geben die weher zuoerschliessen, auff das jr nit villeicht zwischen den trincken jrgent ain ruomor anfahet vnd zuo den wehren laufft, ainander damit belaidiget. dann das schwert oder weher macht ain fraidigen man noch fraidiger Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 69
a; wer wurfhacken und ander verpotne weher tregt oder aufstecket, dem sol es ain richter nemen
östr. weisth. 6, 431 (
Niederöstr. vor 1581). —
wenn man dann, gleichfalls noch im 15.
jahrh., auf doppelte bezeichnung der länge verzichtet, bleibt im thür. wie im obd. geltungsbereich von weher
gern das erste e
weg, zumal in unflectirter form: dem schulthessen geburen alle wher vnd wafen, damit gefreuelt wirt in der stad Michelsen
rechtsdenkm. aus Thüringen 352 (
Erfurt 1483); es soll inen auch ain haubtman harnisch, wher, pheil und pulfer mittailen
östr. weisth. 5, 702 (
Tirol 16.
jahrh.); wiewol grosze wher aus der stat geschach
Zimm. chron. 1, 37, 39;
entspr. 121, 16;
dann auch: wer vber den andern messer,
[] schwert oder ander where rücket Michelsen
rechtsdenkm. aus Thüringen 280 (
Königsee 1559).
demgegenüber ist es kaum zufall, dasz eh
zunächst stets in flectirten formen auftritt: ursachhalben das sie messer vnd gerackte wehre uff dem freyen huse ober studenten getzogen ... haben
quellen zur gesch. Leipzigs 2, 32
Wustmann (1472); dasz derselbe erwählte leibes halben eine starke, vermögende person, auch leidlich, arbeitsam und zu der wehre für andre seine nachbarn geschickt sey
bair. landtagshandl. 18, 431
Kremer (1512);
entspr. 432.
relativ jung ist die schreibung wehr
im einsilbigen wort: lief ein iglicher zuhaus und nam seinen harnisch und wehr und lief nach dem rathaus
städtechr. 27, 108, 24 (
Magdeburg 1525); ain jeder in seinem harnisch und mit guetter gefasster wehr
mittheil. des hist. vereins f. Steiermark 45, 242 (
Marburg 16.
jahrh.); der wurden ... tausent erstochen und gefangen, aber nit grosze wehr von in getan Wilwolt v. Schaumburg 39
Keller; entspr. 190.
entschieden ist zu gunsten der schreibung wehr
mit Sachs,
bei dem auf 14 wehr 2 weer
und 4 wer
kommen, und mit Luther:
während die eigenhändige niederschrift der bibelübersetzung noch 3 were
auf 2 wehre
bietet, steht 1545
neben 10 wehre
nur 1.
Macc. 5, 43
noch were,
auszer der bibel kommen bei Luther
auf 17 wehre 5 were
und 1 weer.
bedeutung. von der grundbedeutung '
hemmung'
aus entfaltet sich wehr
nach zwei hauptrichtungen, zuständlich und gegenständlich, je nachdem der zusammenhang mit dem vorausliegenden verb. wehren
lebendig bleibt oder verblaszt. II.
die wehr
als handlung. I@AA.
als '
hemmung'
sucht die wehr
eine vorausgehende handlung aufzuheben, sie ist widerstand. I@A@11)
in der mehrzahl der fälle tritt der widerstand als that auf, sprachlich unterschieden nach dem thäter, der sie vollbringt, den attributen, die sie erhält, und den wechselnden verbalen zusammenhängen, in die sie gestellt erscheint. I@A@1@aa)
der thäter kann I@A@1@a@aα)
ein einzelner sein, ist er dann bestimmt bezeichnet, so findet die wehr
im einzelkampf statt: eʒ wart nie herter strît erkant, sprach Parzivâl. mîns bruoder hant twanc mich ze wer in grôʒer nôt. wer ist ein segen für den tôt
Parzival 759, 9
f.; zehant sach ich in ûf stân unde nâhen zuo mir gâ
n. weder wider mich sîn muot wære übel ode guot, desn weste ich niht die wârheit, und was iedoch ze wer bereit Hartm. v. Aue
Iwein 478; und wolt sich ouch mit wîben ze wer nicht gewerren Heinr. v.
d. Türlin
krone 14194; dar begrep he de were so langhe, dat de borghere eme to hulpe quemen
chronik des Lübecker lesemeisters Detmar 1, 46
Grautoff (1385); do der Wende furste Nyclotus dat vornam, do dachte hie to der were
geschichtsqu. des erzstiftes Bremen 63
Lappenberg (um 1400); dasz er sich mehr ... stercket vnd bald hernach durch gewaltige streich vnd wehr sie zu rück triebe
Amadis 1, 66
Keller (1569); wo auch gegentheil sich nicht in die wehr begeben, er vngeachtet dessen ihm einen stosz zu versetzen nicht vnderlassen wolte
Philander ges. (1650) 109; doch eh' er noch erwachend sich zur wehr gerüstet Zach. Werner
söhne des thales (1803) 1, 67; in wehr gegen hof und land, in wehr gegen dich selbst R. Wagner
ges. schriften 7, 75 (1859).
in minder kunstgerechtem einzelkampf vollzieht sich die wehr,
wo eine frau als kämpfer genannt ist: solch wer deheiner frouwen wæn ich immer mêr ergê
Nib. 101, 2 C; swie vaste si sich werte, ir wer wart ze jungest kranc 102, 4; die vrowe hielt sich enwer gegen dem manne
passional 378, 79
Hahn; [] mit torne he to or lêp bi oren haren he se grêp unde warp dar neder dat bose wîf unde vêl mit slegen up or lîf, dat se mit were klene wrak Gerhard v. Minden 28, 41
Seelmann. viel weiter ist der kreis des widerstands, wo die person des kämpfers unbestimmt bleibt: der man stet baʒ an sine wer wisende sin antlitze, wen her zu kampfe sitze Heinrich v. Hesler
apokalypse 9544
Helm; was gott pflantzt, das bleybt fur wind und gewesser, was gott nicht pflantzt, das wird ausgerodt und vergeen, da hilfft keyn wehr Luther
Weim. 18, 463 (1525); dan wo nit wehre ist, da hatt der teuffel die weyde bald vorterbet 10 I 1, 19; es musz die tapfferkeit verdrieszen, wenn kleinmuth ihren fortgang schwächt, und thränen statt des blutes flieszen. sie sucht nur wehr und widerstand, sie sucht mehr ruhm als leut und land Günther 133; doch ist ein gebot ausgerufen, dasz man aller elenden leute, so zu keiner wehr oder widerstand vermöglich wären, schonen sollte Liscow
sammlung sat. und ernsth. schr. (1739) 33; dem krieger hilft jetzt weder muth noch wehr. die schnelle pest ereilt die schnellsten boten Pyra
u. Lange 138 (29, 391)
neudr. auch widerstand im kampf der geister kann die wehr
des einzelnen sein: die gerechtest vrtail zetreffen, vnd hier zuo sin vernunft spitzet, vnd sin kunst vf die bane zuo der weere vf das best gewappnet bringen tuot Niclas v. Wyle
transl. 146
Keller. I@A@1@a@bβ) wehr
als widerstand einer gruppe von kämpfern, als that einer schiffsmannschaft, eines wachtpostens, einer besatzung, leibgarde o. ä. führt meist schon in krieg und schlacht: die galiot man fluchtech sach vor im vil diche uf dem mer: er het emschumpfiert ir wer Wirnt v. Grafenberg
Wigalois 10493; ze wer enthielt sich nieman von al der massenîe niwan ritter drîe Hartm. v. Aue
Erec 2662; sus wart dem grâven Âliere ungenædeclîchen schiere gevangen unde erslagen sîn her. dannoch entwelter ze wer mit einer lützelen kraft
Iwein 3762; wan der wahter sind viere, die den turn bewachent und sich in die wer machent, sô sie werdent gewar, daʒ iht lebendes kume dar Konrad Fleck
Flore 4278; die beseʒʒen in kurzem zil wurden mêr denn halbe wunt ... daʒ si ze dheiner wer tohten Ottakar
östr. reimchr. 74299
Seemüller; es ward gehalten in dem krieg, daʒ man schraib purger und gest, welch tüglich warn zu der weer von trabanten mit püchsen und mit armbrosten
städtechr. 2, 249, 16 (
Nürnberg 1450); uf die selbie czit, als er (
Karl d. Kühne) starb unnd erslagen wart, was vorsehelich, das von om ykeine wehere gescheen mochte, danne flien
geschichtsqu. der prov. Sachsen 39, 373 (
Erfurt 1477); nachdem er von inen umbringet, sein und seiner diener wher, dieweil iherer sovil, nit erschieszen möcht, ward er sampt denselbigen gefangen
Zimm. chron. 1, 121, 16.
selten einmal ist derartige wehr
minder zünftig: wir hatten beständig ein bloszes taschenmesser unter dem haupte zurechtgelegt und selbige allbereit zur wehre gefasset Schnabel
insel felsenburg 251
neudr. I@A@1@a@gγ) wehr
als widerstand einer menge ist die schlacht, ihr träger das heer; im reim sind die beiden gern gebunden: dâ für sî mîn triwe pfant, des inren hers dechein hant kumt durch mîne nôt ze wer. zwischem graben und dem ûʒern her wart gestætet dirre vride
Parzival 210, 1;
[] der kunic Dimitri was ein helt, vumf tûsent Rûʒen ûʒ erwelt mit den begreif er dô die wer. entriten was sîn ander her
livländ. reimchr. 7639
Meyer; die alten, die das gsehen handt, sagendt, das in dütsches landt der gecken kam ein grosses here, die sy vertriben handt mit were Murner
narrenbeschw. 1, 80
neudr.; als dann so wöllen wir das heer geschwind antreiben zu der wöhr Spreng
Ilias (1610) 21
a;
entspr. 31
a.
auch auszerhalb des reims läszt sich dieses wehr
mehrfach geradezu mit kampf
widergeben: welt ir den brunnen und daʒ lant niht verliesen âne strît, sô warnet iuch der wer enzît Hartm. v. Aue
Iwein 1860; o jr lieben ritter vnd knecht, eylet zu der wehr
buch der liebe (1587) 119
b; und schon ist blut aufs feld gefallen in wehr und gegenwehr Kretschmann
sämmtl. werke (1784) 1, 86; zur wehr und flucht gleich ungeschickt Ayrenhoff
werke (1814) 1, 279, 23; nie werde es von deutschen männern verkannt, wie ... deutsche weiber, ihnen gleich, den ältesten ruhm erneuerten, und zwar nicht auf dem felde der wehre, des ungestümes und der gewalt, sondern in den wohnungen des friedens ... gleichsam, was die männer herzustellen angefangen, das alte hochherzige deutschthum, das haben die frauen zu vollenden und zu runden gesucht J. Paul
herbstblumine 3, 23; Carus ist erschlagen! jeder thut auf kampf und wehr verzicht, und es folgt des heers verzweiflung auf die schöne zuversicht Platen
werke 1, 8
Hempel; durch Zions gassen rief ich auf zur wehr O. Ludwig
ges. schriften 3, 397 (
Makk. 4).
in der regel wird doch auch hier der sinn '
vertheidigung'
gewahrt: dô der herzoge daʒ gesach daʒ sîn wer was sô kranc, mit dem vanen er dô dranc durch daʒ kreftige her unz vil nâhe zuo dem mer
herzog Ernst 3815
Bartsch; si wurden kranc an ir wer
Dietrichs flucht 6604
Martin; und slugen sich mit gantczer macht und rechter were van en
liv-, esth- und curländ. urk.-b. 10, 395
Bunge (1447); zu wehr und krieg,
ad defensionem et offensionem Frisch (1741) 2, 430
a; auf den starken wällen reiheten sich bogenschützen zur wehre an das hunderttödtende geschütz Ritter
erdkunde 5, 503.
so auch, wenn in der dichtung gelegentlich der träger der wehr
viel weiter gegriffen ist als '
heer': (
die götter bethörten die menschen) dô was daʒ liut an witzen kranc. ir vreise, ir zouberlist sie twanc, daʒ ir wer was gên in blûc Rudolf v. Ems
Barlaam 329, 33
Pfeiffer; auch schafft zuostillen mich kein wer, kein bann, kein acht Hutten 1, 450, 27
Böcking; wenn nicht mehr will fruchten and're wehre Rückert
werke (1867) 1, 20; es bebt das land. der feind an unsern grenzen er fordert auf zu wehr und widerstand Grillparzer
sämtl. werke5 9, 211 (
Jüdin v. Toledo 5). I@A@1@a@dδ)
sogleich an diese ursprünglichste bedeutung von wehr
schlieszen sich sonderentwicklungen an. in der fechtkunst wird die '
vertheidigung'
zum '
kunstgriff, durch den man den hieb abwehrt'.
in diesem sinn ist ausnahmsweise ein plural möglich und im 16.
jahrh. beliebt: (
bei einem fechtmeister) da war einr von denselben gsellen, der thet der kunst fleiszig nachstellen, vnd an denselben meister bgern, das er jn wolt in allen wehrn als leren, was er selber wüst Waldis
Esopus 4, 72
v. 10
Kurz; übt sich in summa inn allen ritterlichen wehren Fischart
Garg. (1575) 73
neudr.; hie brauchten sich geübte und wolerfahrne fechter in allerley wehren Kirchhof
wendunmuth 2, 40
Österley. —
im kampfe gegen das feuer wird [] wehr
früh als '
widerstand durch die that'
verwendet: wu fuer uszkumpt unde beruffen wirt, da sal eyn iglicher mitteburger by libe und gute zculowffen und sich mit redelicher were bewisen by der stad hochsten busse
codex dipl. Saxoniae II 15, 66, 32 (1438); das ein yderman der zcu dem fewr laufft ... sullen ane were ader wasser dorzcu nicht kommen
Görlitzer statuten 133.
der widerstand wird, wenn er erfolg hat, zur abhilfe: mein unauszleschlich feuererkennet keine wehr, kehm Thetis mir zu steuerund gösz auff mich ihr meer — iedoch würd' aus den wellendie flamme schlagen für Stieler
geharnschte Venus (1660) 50
neudr. so lag, als spät im 19.
jahrh. die abhilfe organisirt wurde, der name feuerwehr
nahe, wie er seit begründung der ersten freiwilligen feuerwehr in Meiszen 1841
schnell durchdrang und alsbald auch concrete bedeutung '
gesamtapparat der abwehr, löschmannschaft'
annahm: die feuerwehr ist ein institut, an dessen vorzüglichkeit jedem gelegen seyn musz Magirus
alle theile des feuerlöschwesens (
Stuttgart 1850) 1; nimmermehr weicht die feuerwehr, droht gefahr auch noch so sehr
lieder für deutsche feuerwehren (
Freiburg o. J.) 80 (
zum 26.
aug. 1860); lieder der Augsburger feuerwehr 1862;
gleichzeitig o. th. 3, 1607;
belege aus Auerbachs
Waldfried 1874
und Landolin 1879
bei Sanders
Erg. zur amtlichen geltung hat sich der gute name feuerwehr
nicht unbestritten durchgesetzt, er findet sich in keinem preuszischen gesetze, statt dessen ist von gemeinde- oder schutzwehren und vom feuerlöschen die rede, s. handwb. der staatswiss.2 4, 83.
in neuester zeit bevorzugt gerade die fachsprache wider das einfache wehr: als erster löschzug war die städtische wehr zur stelle
Freiburger zeitung v. 25.
jan. 1911. —
der letzte vorgang widerholt sich, wenn in obd. mundart aus dem alten nothwehr (
th. 7, 955)
das grundwort isolirt wird: geschossen ist geschossen, nur ob man's aus lust oder aus wehr thut, das ist der unterschied Rosegger
schriften (1895) 1, 353.
nach dem vorbild der feuerwehr
wird in den letzten jahren auch von öffentlicher organisation der wasserwehr
gesprochen. I@A@1@bb)
die attributiven adjectiva, die den widerstand als that näher bestimmen, enthalten kaum je einen tadel. das mag damit zusammenhängen, dasz diese art der charakteristik wesentlich dem waffenfrohen mittelalter angehört und dasz sie nur in kampfschilderungen vereinzelt bis ins 17.
jahrh. reicht. I@A@1@b@aα)
wo das attribut ein urtheil über die art der wehr
ausspricht, ist es lob mit mehr oder weniger sachlichem inhalt: ir rîterschaft diu werte unz in daʒ lant vuor der künec Artûs, alser swuor, zuo dem brunnen mit her. dô bedorfter guoter wer: im entoht ze herren niht ein zage Hartm. v. Aue
Iwein 2450; noch wil ich dir der nennen mê, die dô in der alten ê daʒ guote israhêlsche her beschirmden mit ir hôher wer Rudolf v. Ems
Barlaam 60, 2
Pfeiffer; læg al diu welt gemeine dervor (
vor Troja) mit werken und mit her, wir möhten uns mit hôher wer dar inne wol gevristen Konrad v. Würzburg
Troj. 17838.
das mhd. häufigste attribut ritterlich,
vorgedeutet bei Wirnt: sin hant vil manigen in daʒ grap mit riters were hat geleit
Wigalois 7800;
und bei ihm gleichmäszig beliebt: mit riterlicher were er reit durch die poinder mit slegen wider 7811; si fünden ritterliche wer, strengen tjost und herten strît, ob si kæmen im en zit mit manlichem muote, 10327;
ist auch im volksepos und in der zweiten hälfte des 13.
jahrh. vorhanden: wir müesen doch ersterben,sô sprach dô Gîselher. uns enscheidet niemenvon rîterlîcher wer
Nib. 2043;
[] er spielt die schar alsam den schûm ein kiel zetrîbet ûf dem mer. sich huop von ritterlîcher wer vil hurteclich gedrenge Konr. v. Würzburg
turnier zu Nantes 780
Bartsch; Hector der mante ouch sîne schar und sînes werden vater her, daʒ si mit ritterlîcher wer die Kriechen wider slüegen
Troj. 25256.
durch zufall lebt der ausdruck in einer 330
jahre jüngeren darstellung des Trojanerkriegs wider auf: wen es (
das los) wird treffen vnder euch, derselbig streit ohn alle scheuch in krafft vnd ritterlicher wöhr Spreng
Ilias (1610) 86
b.
das schon mhd. vorhandene subst. nôtwer
scheint eine fügung nôtlîchiu wer
vorauszusetzen. als subst. waffenwehr (
s. th. 13, 324)
sollte fortleben: daʒ er ubirwant dî her nicht mit wâpenlîchir wer noch ouch mit des lîbis macht, sundir mit wortin der andâcht Nikolaus v. Jeroschin 2197
Strehlke. I@A@1@b@bβ)
der begriff des widerstands wird mit wechselnden attributen verstärkt: ein ander burc sie sûchten dô gewaldeclîchen mit ir her. dâ vunden sie vil grôʒe wer
livl. reimchr. 6848
Meyer; bleven de Fransoysere alleweghe in groter were Korner
Lübecker chronik bei Schiller-Lübben 5, 677; ain statt dj stuond in grosser wehr, als sj verlegt das römisch hör Schwarzenberg
t. Cicero (1535) 113; dar nach zohe Lavienus ausz geheisz Julii mit seinem here ym zugeordent fur die stat Tryer ... und belegert die, und nach handlung mercklicher were des ernsts, den sie etlich zeit gegen ym ubten, gewan er doch am lesten die stat durch verreterey
städtechr. 3, 270, 16; von dannen zoch er in Stellnuswerf, darin eine kleine versammlung kam, doch nit so stark, auf das sie sich eniger gwaltigen wer understeen darften Wilwolt v. Schaumburg 193
Keller; dann sie bereit durch vngläublichen streit des Gargantua baums vnd des Gimnastis ... vnd anderer gewaltiger wehr also geringert waren, dasz jnen die katz inn alle macht den rucken hinauff lieff Fischart
Garg. (1575) 409
neudr.; der Griechen vnd Troyaner heer, welche biszher mit starcker wöhr gegen einander sich gesetzt Spreng
Ilias (1610) 32
a;
entspr. 41
a; 81
a. I@A@1@b@gγ)
rein sachlichen inhalt fügen die fristbestimmungen lang
und kurz
bei: seht, wie der strît gêt entwer! die Tiutschen treip man vaste her und von Mitschier die heiden. geloubt, daʒ an den beiden (
die vom könig abgefallen des tages al sîn êr gelac:
waren) daʒ er sô langer wer phlac, von den zwein scharen daʒ geschach Ottakar
östr. reimchr. 674
Seemüller; von den egyptischen streitwägen ist er nach langer wer erlegen Sachs
werke 20, 270, 20
Keller-Götze; hierher, nicht zu währe
f. IV '
dauer',
an das man denken könnte, wenn es nicht nach th. 13, 765
blosz ostmd. wäre: derselbigen kranckheiten ist morphea eine, darin schrepffen
etc. gut ist, nicht heylung halben, sonder auff ein schein vnd glantz ein kurtze wehr Paracelsus
opera 1, 730
a Huser (1616). I@A@1@cc)
reich entwickelt sind mhd. wie nhd. verbalfügungen mit wehr
in formelhaftem gebrauch. I@A@1@c@aα)
die einzige, in die wehr
als accusativobject gefügt ist, (grosze) wehr thun,
zeigt zugleich die bedeutung '
widerstand als that'
am deutlichsten, denn so oft sie, von anfang des 13.
bis ende des 16.
jahrh., vorkommt, steht sie stets in kriegsschilderungen, fast nur in chroniken: Parzivâl reit niht eine: dâ was mit im gemeine er selbe und ouch sîn hôher muot, der sô manlîch wer dâ tuot
Parzival 737, 16;
[] vert dan der buschof over berch mit her unde deit da vur dat rîche wer
städtechr. 12, 42 v. 720 (
Köln um 1280); hei daichte, we hei dis dede wer, und samende stillich ein her, mit dem hei si maichde eme underdain, de den Coelneren zo staden wolden stain 12, 193 v. 6036; mit storme dede he solke weren gegen den hispanigeschen heren
van Flosse un Blankflosse 13
bei Bruns
romant. u. a. gedichte in altplattd. sprache (1798) 226; die Rûʒen hatten sulche schar, daʒ ie wol sechzic man einen dûtschen ritten
an. die brûdere tâten wer gnûc, idoch man sie dar nider slûc
livl. reimchr. 2255
Meyer; die unsern teten van en zere grosse were
liv-, esth- u. curländ. urk.-b. 10, 395
Bunge (1447); di von Limpurg traden zu in unde daden grosze wehr (
var. gewere) mit werfen unde schiszen
Limb. chron. 76, 10
Wyss; man sagite ouch, wie der keiser lege zu Andarnach, unnd is legen bie vier tusent mannen vor Linss, die hetten on eyn bolwerg an gewonnen unnd vorbrant, do die von Linss grosse were von gethon hatten Konr. Stolle
geschichtsqu. der prov. Sachsen 39, 345; bisz Titus Manlius vff der rechten sytten grosz ritterliche wer thett Carbach
Livius (1514) 73
b; wiewol Hanno grosz wer thet, noch ward er zuoletst in eynem treng, da der stryt am aller herttesten was, von den Römern tod geschlagen 91
a;
putatis, quod non fecimus istis 6
annis ein wer gethan
nostris orationibus Luther
Weim. 28, 58, 16; sein doch herr Waldmar freiherr von Zimbern, und herr Engelhart von Wolfhartshausen, ritter, demnach sie baide grosze wör gethan ... von den feinden umbgeben, endtlichen umbgepracht worden
Zimm. chron. 1, 38, 17; der sich mannlich hielt vnnd grosse wehr vnd schaden thet
buch der liebe (1587) 341
a; die Hessen thatten grosze wehr, erwarben sieg, auch guth und ehr
hess. reimchr. 272
Adrian (
nach 1567). I@A@1@c@bβ)
sonst immer ist wehr
mit präposition eingefügt, vereinzelt mit an: wan Morgân was an sîner wer, der bestuont in ofte mit her und tete in dicke schadehaft
Tristan 361,
öfter mit in: ob sich kainer gen uns in were wolt stan, den sullen wir pald nider schlan
fastnachtspiele 1, 419, 29
Keller; darnach erwelt er (
Romulus) tusent vsz den jungen, die sölten mit jm in der wer sein vnd die stat beschirmen, die nant er milites Carbach
Livius (1514) 4
b; (
Camillus) was in allen nötten ein tröstlicher heldt, vnd kund sich nit mynder wyszlich dann kecklich in die wer schicken 56
b; von welchem lermen dann nicht allein der bauer, sondern auch die gantze nachbarschafft erwachte und sich einbildete, es wären krieger vorhanden, wessenwegen ein theil ausrisse, das ander aber sich in die wehr schickte Grimmelshausen
Courage 3, 132, 10
Kurz; des deden ze em eyn wedderstand vnde zetten zik in de were vnde wolden em vntfaren mit welde vnde mid wöld. in der züluen were bleuen iuwer twe döt
meckl. urk. 18, 85 (1371); zoch darnach von einer stat zu der andern, die sich in kain wehr setzten Wilwolt v. Schaumburg 190
Keller; das pantherthier förcht sich dermassen für jm, dass es sich gegen jm gar nicht in die wehr stellet Heyden
Plinius (1565) 164. I@A@1@c@gγ)
die häufigste, in späterer zeit einzige verbindung ist zu wehr,
ein ansatz schon ahd.: ni uuard ther thar tho funtan,ther uuolti uuidarstantan, thaʒ zi thiu gigiangi,zi uueri tho gifiangi Otfrid 2, 11, 28; I@A@1@c@g@aaaa) zu wehr sein
ist auf die ältere mhd. dichtung beschränkt und bedeutet da in kampfschilderungen '
auf widerstand gerüstet sein': im wârn al ein beidiu her: gein den was sîn hant ze wer
Parzival 380, 16;
[] er reit gein Meljanzes her. dâ wârn die burgær ze wer, daʒ mans in danken mohte; wan daʒ in doch niht tohte daʒ velt gein überkraft ze behaben: si wârn entwichen geime graben 383, 18;
entspr. 802, 26; sus lac der frouwen Larien schar gegen einer porten bi dem mer. do waren beidenthalp ze wer daʒ uʒʒer und daʒ inner her Wirnt v. Grafenberg
Wigalois 10925; sô hilfet uns des recken hant daʒ wir dem Etzelen her sîn al deste baʒ ze wer
Biterolf u. Dietleib 5108
Jänicke; entspr. 9581; der wirt sprach: nu sît ze wer, her gast, man wil iuch bestân Heinr. v.
d. Türlin
krone 20497.
von der schlacht wird die formel auf ethisches gebiet übertragen, etwa wie in neuer sprache 'zu feld liegen': gein der riwe sult ir sîn ze wer
Parzival 662, 7; daʒ was Thesereiʒes her, der ie gein schanden was ze wer, unt dem diu minne nam den lîp
Willehalm 378, 14. I@A@1@c@g@bbbb) zu wehr stehen
ist anschaulicher und hat sich in der sprache des rechts wie der dichtung länger behauptet: ne ghen borghere uan Lubeke schal uan rechte hereuart uaren, danne to siner were schal he stan vnde weren sine stat
altes lübisches recht (1294) 338
Hach; die ungetriuwen brâhtenfürʒ hûs ein michel her. die ellenden knehtedie stuonden wol ze wer
Nib. 1935 B; am ohrt, da itzt wird auffgefuhrt die starke und vehste munition, dem feindt desto besser zu wehren stohn
zs. des Harzvereins 34, 39 (
Braunschweig 1588); gegen den Amor bin ich in meinem busen gewaffnet durch die vernunft; ich steh einer dem einen zu wehr, ich ein sterblicher ihm dem unsterblichen. aber ist Bacchus ihm zur seite, wer mag gegen zwei götter bestehn? Herder 26, 86
Suphan; ob er erklimme die höh'n, und dort, die entfesselnden sclaven waffnend, stehe zur wehr', und fall' im rühmlichen tod nur Pyrker
Tunisias (1832) 12, 575. I@A@1@c@g@cccc)
wechselnde wendungen, aus denen früh die beiden einzigen, die bleiben sollten (
s. dd und
ee)
herauswachsen, gehen stets auf thätlichen kampf und sind meist reflexiv: iedoch bereite ich mich ze wer Hartm. v. Aue
Iwein 698; waʒ sol mir geschehn? ich möhte nu wol kumbers jehn: wil sich mîn kumber mêren? ze wer sol ich mich kêren
Parzival 571, 10; iekelich zv wer sich balde schuf
passional 40, 7
Hahn; de hertoge vernam dat wol, dat he to hove nicht komen ne mochte, he ne hadde verlorn sin lif. he saged' it sinen mannen unde vrunden unde scop sich te were gegen deme keisere, so he best mochte
sächs. weltchronik 108, 39
Weiland; stelle dich 〈vnd schicke dich〉 zur wehre Luther
Jer. 46, 14
erste niederschrift; wie die feind ir ordnung und hauffen machen und sich zur wehr schicken Fronsperger
kriegsbuch (1573) 1, 170
a; nun waren aber die pauren daselbst stark uf der wacht, die hetten sich zu der wehr gerichtet
Zimm. chron. 3, 291, 26.
sichtlich secundär ist nicht-reflexiver gebrauch: des morgens fruo mit krache reit gein Jôflanze Artûses her. sîn nâchhuot schuof er ze wer: dô die niht strîtes funden dâ, si kêrten nâch im ûf die slâ
Parzival 667, 6; darna von des alden koninges rade namen des jungen koninges lude uppe der Mose groten schaden. do vor de alde to Colne unde schop de stat herlike to were
sächs. weltchronik 186, 41
Weiland; auch der der ainen wie vormelt tätlich anfiel oder zu wer schicken (tät), die solten von der ganzen gemain ... angriffen (werden)
östr. weisth. 4, 85 (
Tirol 16.
jahrh.). I@A@1@c@g@dddd) sich zur wehr setzen
ist vom 12.
jahrh. bis in neue mundart und schriftsprache hinein häufig und bedeutet bis auf Göthe
stets widerstand als that. die formel geht wol aus vom festen zurechtsetzen im sattel, selten ist sie durch zusätze gestört: [] ich sach di vîende bî mir stân, der chom dô ein michel her: dô satzte ich mich ze deheiner wer, si sluogen mir verchwunden
bruchstück eines lehrgedichts des 12. jahrh. in Wackernagels
lesebuch2 1, 272; pusawn und gehurne ward geplasen auf das here. sie satzten sich zu starcker were Heinrich v. Neustadt
Apollonius 3452
Singer. den artikel kann sie, weil alt und fest, hd. wie nd. entbehren: ouch satzten sich ze wer die rîter vonme lande Hartm. v. Aue
Iwein 3706;
entspr. 4658; sie sazten sich gên in ze wer und gâben niht ein brâmber umb die Rœmær gelîch Enikel
weltchr. 21611
Strauch; entspr. 27783; dô wurden si enein, daʒ si sich gegen der heiden her wolden setzen ze wer als verr si werte (
willfahrte, th. 13, 790) daʒ leben Ottokar
östr. reimchr. 48952
Seemüller; der was ain so grosser meister von zouberlisten: wenne sine vigande uf in zogetent, das er sich mit keyme volke noch mit harnesche zuo were satte, sunder er ging in sinen palast und beswuor die tyfel
städtechr. 8, 300, 7; da gab er die flucht in sein stadt, genandt Gonia, und setzett sich zu wer in der stadt Schiltberger
reisebuch 10, 9
Keller; ihrer sechshundert, die sich in einem festen hause bei Ingolstadt zu wehre gesetzt, wurden alle bis auf siebzehn niedergemacht Ranke
werke 2, 154; als de bischop vorvore, dat de borgere sik to were satten unde appellacien makeden, do dede he als ein clok here
städtechr. 7, 244, 33 (
Magdeburg 1363); hê settde sük to wër Doornkaat Koolman 3, 537
b.
regel ist aber, zumal in neuerer sprache, der artikel. von mitte des 15.
jahrh. bis in moderne mundart ist ein absoluter gebrauch häufig, bei dem sich der gegner doch stets aus der situation ergibt: do seden se alle, se wolden by em blyven, unde wolden syk ok setten to der were
chronik des Lübecker lesemeisters Detmar 2, 185
Grautoff (1456); he settet sik to'r were
brem. wb. 6 (1869) 405
f., so namentlich in nhd. prosa: sie aber auch nicht faul, setzen sich zur wehre Hennenberger
erclerung der preusz. landtafel (1595) 27; indessen dasz die übrigen (
seeräuber) ... sich von ihnen (
den Thrakierinnen) meister machten, ehe sie zeit und muth hatten, sich zur wehr zu sezen Wieland
Agathon (1766) 1, 11; sein nachfolger Vithimer setzte sich zur wehre, blieb aber im gefechte
M. J. Schmidt
gesch. der Deutschen (1778) 1, 129;
entspr. 3, 209; (
die schmuggler) führen grosze hunde und schiffsbeile mit sich, und man hat beyspiele, dasz sie, wenn sie von den beschauern (oder mauthsoldaten) entdecket werden, sich zur wehr gesetzt haben Nicolai
reise durch Deutschland (1783) 2, 478; da sie uns nun ganz unversehens auf den nacken kamen, so jagten sie uns alle in die flucht, erschlugen viele unsrer krieger, die sich zur wehr setzten, und führten andere gefangen mit sich fort Wieland
Lucian (1789) 4, 47; Schnaps (den säbel ziehend und sich zur wehre setzend) Göthe I 17, 292
Weim.; entspr. 21, 272; alsbald rückte ein anderer in seine stelle, trat auf den leichnam seines vorgängers und setzte sich zur wehr J. G. Forster
sämtl. schriften 2, 355; oder glaubt ihr vielleicht, ich werde mich zur wehr setzen? Schiller 2, 107 (
räuber 2, 3); sie wollen mich prügeln — aber ich leide es nicht, ich setze mich zur wehre Iffland
theatr. werke 2, 9
f. (
jäger 1, 2); da geschah es denn einige male, dasz die rauhen schüler sich ... zur wehre setzten Steffens
was ich erlebte 2, 42; einen bund ... worin sie sich verpflichteten ... falls einer von ihnen angegriffen werde, sich gemeinschaftlich zur wehre zu setzen Ranke
werke 4, 49; stoszt alles nieder, was sich zur wehre setzt Bauernfeld
ges. schriften 6, 45; man musz nicht ... nicht ohne sich zur wehr gesetzt zu haben v. Ebner-Eschenbach
ges. schriften 3, 215.
wird der gegner ausdrücklich genannt, so tritt er ausnahmsweise in den dativ: da hielt er, bis sie kamen und setzte allen sich zur wehr Rückert
werke (1867) 3, 33,
[] in der regel wird er mit gegen
angeknüpft: sich gegen einem zur wehr setzen,
defendere se ab aliquo Steinbach (1734) 2, 973; unser könig denn voran, ihm gebührt die ehre. gegen inn- und äuszern feind setzt er sich zur wehre Göthe I 1, 122
Weim.; wie die einwohner der übrigen stadttheile des rechten ufers der Moldau sich dagegen zur wehre setzen ... ist eine furchtbare geschichte 42 i 26; ich setze mich gegen euch alle zur wehr Tieck
schriften (1828) 1, 121; er ... setzte sich ... gegen mich zur wehre Chamisso
werke (1836) 1, 314; sie versprachen einander sich gegen fremde, die ... sie ... beleidigen würden, gemeinschaftlich zur wehre zu setzen Ranke
werke 1, 68;
entspr.2 16, 125.
verstärkend können seit alters adverbia hinzutreten: end sich der hêre Ênêas vaste satte te were (
var. zu gewer) Heinrich v. Veldeke
Eneide 5003
Behaghel; du würdest dich auch heftiger zur wehre setzen Stoppe
Parnasz (1735) 28; des Otto feinde griefen auch seine erbgüter an; er setzte sich jedoch tapfer zur wehre
M. J. Schmidt
gesch. der Deutschen (1778) 2, 254; er setzte sich aber hartnäckig zur wehre, wenn man sein verjährtes amt ihm zu nehmen gedachte Immermann
werke 5, 100
Hempel; dort aber setzten die vertheidiger sich lebhaft zur wehr, und ein lebhafter häuserkampf dauerte bis nachmittags Moltke
ges. schriften 3, 255.
wo adverbiale wendungen an die stelle treten, wird die formel stets auch inhaltlich bestimmt: die lieb, ein huren-lieb, begehret dein (
der festung Magdeburg) in unehr, drum hast mit ruhm und ehr dich gesetzt zu der wehr Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 262; wogegen sich die Angelsachsen ... aus allen kräften zur wehre gesetzt hatten ... das ward nun ... vollzogen Ranke
werke2 14, 33; wenn ich mich mit scharfen waffen zur wehr setze Brunn
kl. schriften 3, 105.
auch von thieren wird gesagt, dasz sie sich zur wehr setzen: ein flügellahmgeschossener (
fischreiher) ... setzt sich ... sofort zur wehr Naumann
naturgesch. der vögel 9, 40; die katze setzte sich zur wehr gegen schneiders hund Holtei
erz. schriften 1, 37; Pavel wurde ... überwältigt, obwohl er raste und sich zur wehr setzte wie ein wildes thier v. Ebner-Eschenbach
ges. schriften 5, 21. I@A@1@c@g@eeee) sich zur wehr stellen
ist nicht ganz so alt wie sich zur wehr setzen,
theilt sich aber seit mitte des 14.
jahrh. mit jenem in das gebiet und bezeichnet gleichfalls bis ins 18.
jahrh. stets widerstand als that. den artikel kann die wendung namentlich obd. bis in neue mundart entbehren: ist daʒ den peinen honigs geprist in irm vaʒ, so raisent si mit groʒer ungestüemickait auf die næhsten und die selben stellent sich zuo wer und streitent mit enander Konrad v. Megenberg 291, 10
Pfeiffer; also stunden wir ab von den pferden und giengen zu füessen gegen in und stalten uns zu were Schiltberger
reisebuch 13, 24
Keller; ain beer der richt sich auff vnd stellt sich zuo wöre ... ain löw wenn man mitt jm streitten will, er stellet sich auch zuo gewöre. so hatt das häszlin kain annder gewöre, dann es wüscht auff und lauft hinweg Keisersberg
has im pfeffer (1510) A
a 6
d; also verachteten sie auch die hauptlüt der von Cartago, gedachten nit das sie sich wyter zuo wer stellen wurden Carbach
Livius (1514) 143
a; etliche aber ... wolten sich mit dem psalterbuoch ... zuo wehr stellen Nas
antipap. eins und hundert (1567) 1, 106
b; als er sich aber nicht ergeben wöllen, sonder mit einem sebel zu wehr gestelt Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 43
b; nym war, der stein ist dir (
Maximilian) gesantt. dich mant gott in dim eigen landt das du dich stellen solt zu wer Brant
code histor. et dipl. de Strasbourg 1, 2, 104; nach diesem hat belägert das kaiserliche heer Mannheim, die sich hart wegert, stellt sich ernstlich zu wehr Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 160;
[] aus lebender mundart: sich ż gwér stellen Schmeller
2 2, 973.
regel ist aber die bestimmte form. selten geschieht die bestimmung durch possessivpronomen: das schiff (
sich) zuo seiner were stellte Arigo
decamerone 275, 30
Keller; so nahn die englischen mit heereskraft, und über alle sorgen liegt uns ob, zu unsrer wehr uns königlich zu stellen (to answer royally in our defences) Shakespeare
Heinrich V. 2, 4.
norm ist der bestimmte artikel, alt ohne zusammenziehung: das schiffe sich nicht saumet, balde zuo der were stellet Arigo
decamerone 315, 9
Keller, danach Montanus
schwankb. 244
Bolte; später nur bei schlechten dichtern im zwang des verses: und wer sich denn stelt zu der wehr, der wurd ermordt und kam in gfehr Thym
Thedel v. Wallmoden 1751
neudr.; dasz sie sich von uns trennen wölln und gegen uns zu der wehr stelln Ayrer 1, 176
Keller; allda sich das troyanisch heer und jhre helffer zu der wöhr stellten wider die feind mit grausz Spreng
Ilias (1610) 27
b.
sonst ist schon im 15.
und 16.
jahrh. sich zur wehr stellen
die regel in versen und prosa: ob si sich zur wer wolten stellen, das wir si alle nider vellen
fastnachtsp. 1, 419, 29
Keller; er jagt die monhund (
Türken) umb im feldt und stürtzt was sich zur wehr jhm stelt Fischart
Stauff. 594
Hauffen; also liesz Camillus uszruoffen und gebott, dasz man ... nyemant mer zuo tod schlahen solt, dann der sich zuor wer stält Carbach
Livius (1514) 50
b; euch widder jn jnn kampff und zur wehre stellen Luther 34 ii 380, 14
Weim.; sagent mir Reynhart: wolt jr euch gfangen geben, oder zur wehr stellen?
eyn schön lustig geschicht von Aymont (
Simmern 1535) O 1
b; da war keiner under den 30 000 christen, der sein bürd von sich hett geworffen und sich zuor were gestelt Franck
chron. Germ. (1538) 144
a; als aber die teufel das fänly und das roth creutz darinnen ersahend, erschracken sie hart ... und stelten sich zuor wehr Frey
gartenges. (1556) 59, 13
Bolte; danach B. Hertzog
schiltwache F
v; die auszspeher ... gegen dem Indianer, so sich zur were stellt, mit steinen worffen Heyden
Plinius (1565) 96; Tristrant gürtet sein schwerdt umb sich und stellet sich zur wehr
buch der liebe (1587) 91
a.
so allein auch in den wörterbüchern: Duez
nomencl. (1652) 203; Rädlein (1711) 1, 1038; Nieremberger (1753); Adelung (1801) 4, 1437; Campe (1811) 5, 628
b.
im 17., 18.
jahrh. bleibt die wendung nicht so häufig, wie sich zur wehr setzen,
die beziehung auf widerstand als that wird noch lange gewahrt: es ist jüngst ein grosser Hercules auffgestanden ... der hat grosse feuermörser, gantze und halbe cartaunen mit lügen und verleumbdungen wider mich geladen und losz geschossen. als ich mich kaum ein wenig gegen demselbigen verschantzet und zur wehr gestellet, kommet ein anderer armer stümper Schupp
schriften (1663) 786; ob nun wol alsobald ... sich ein ieder nach mögligkeit zur wehre stellte, so war es doch wegen der unordnung und der zertheilten kräffte unmöglich, dem feinde einigen widerstand zu thun Ziegler
Banise (1687) 721;
Schelmuffsky: wenn sie sich nur alle so gewehret, wie ich gethan habe, wir hätten die victorie erhalten.
Clarille: stelten sie sich denn auch zur wehre? Reuter
ehrl. frau (1695) 37
neudr.; einige von den bewohnern, die sich bey dieser gelegenheit in ihren eigenen häusern zur wehre stellten, wurden getödtet
M. J. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 5, 325; man sieht, wie es hohe zeit gewesen, sich zur wehr zu stellen Görres
ges. briefe 1, 474; wage keiner der gesellen hier zur wehre sich zu stellen; schon gefangen seid ihr nun Göthe I 11, 280
Weim. zögernd und selten schiebt sich der widerstand durch gesinnung an die stelle der that: nun wandte er alle verführerischen künste an, um ein junges herz zu gewinnen,
[] das noch nicht gelernt hatte, sich gegen betrügerische anlockungen zur wehre zu stellen Nicolai
Nothanker (1773) 2, 104; (
wir) stellen uns allein mit gottes schutz zur wehre doch freunde laszt uns sein Langbein
schriften2 4, 29 (1841). I@A@22)
die fälle der letzten art wären kaum gewagt worden, hätte nicht schon längst vorher wehr
auch widerstand andrer art als den durch die that bezeichnet. aus alter freiheit lebt bis in die neueste prosa die möglichkeit fort, widerstand mit worten wehr
zu nennen. I@A@2@aa)
widerrede mannigfachster art, ausrede, sträuben, weigerung kann wer
in mhd. und mnd. dichtung sein: iwer wer ist mir hie ze kranc ... ir müeʒet hie mit mir bestâ
n. diu rede sol ein ende hân Hartm. v. Aue
Erec 3832; dô brâht' er ritter ein her; sine beschirmte des kein wer ... er brâhtes mit im alle Stricker
pfaffe Amis 606
Lambel; herre, wiltu mit uns genesen, so wirff den doten ane were ausz dem scheff auff das mere Heinrich v. Neustadt
Apollonius 2505
Singer; went al or (
der bösen frau) sin de stunt na were, was he in hogen, so was se ere (
irr, ärgerlich), was he ere, so was se in hogen Gerhart v. Minden 28, 5
Seelmann. I@A@2@bb)
der widerstand in worten tritt ganz besonders im rechtsleben an die stelle thätlicher gegenwehr, wehr
in diesem sinn ist darum weithin rechtlich bestimmt, namentlich nd. im 14.
und 15.
jahrh. in unfesten anfängen kann mnd. were '
schutzbündnis, landfrieden'
bedeuten: wi Johan, van der gnade ghodes biscop des ghodeshus tuo Camin, bekennen ... dat wi dorch menigherleye stratenroves ... met den wollgheboren luden ... hebben eyne were unde eyne hulpe ghesettet
meckl. urk. (1356) 14, 16,
weiter als folge eines solchen landfriedens '
gerichtlicher schutz': Jan Kruger ist komen vor gehegit ding unde hat geclait czu Mewes Kerskens, daʒ her dy were an im gebrochen hat und in uʒwendig gerichte geczogen
geschichtsqu. der prov. Sachsen 14 ii 207 (
Halle 1423),
aber auch '
widerklage vor gericht'
: reconuentio were Diefenbach
gloss. 487
c aus e. voc. rerum von anfang des 15.
jahrh. fest wird were
civilrechtlich als '
einrede im prozess',
exceptio' Lübben-Walther 573
b: in al dessen dinghen scolen de domhern hebben dat drudden del ane were
meckl. urk. (1332) 8, 323; sunder were, hulperede unde arghelist (1367) 16, 268; dat wille wy to grunde holden zunder ienegherleye hulperede edder were
pomm. geschichtsdenkm. (1414) 1, 317
Kosegarten; zcum ersten uff die excepcien und were der antworth ... dormit sy sich der antwert zcu schütczen vermeynen
etc., sprechin wyr scheppen zcu Magdeborgk uff dy selbtige schutzewere und excepcien vor recht
Magdeburger schöffensprüche (
um 1450) 1, 319;
exceptio: exception behelff schütz widerspruch schützwer auszzug auszflucht jntrag jnred wehr gewehr widerred nuszziehen Schöpper
synonyma (1550) G 3
a.
strafrechtlich ist im gleichen gebiet were
das recht, sich in eigener sache durch selbstzeugnis zu reinigen Lübben-Walther 573
b; dyo werre ende dyo beschyrmnisse natuurlick is
friesisches rechtssprichwort bei Graf
u. Dietherr 442; wert over en bedderve man beclaget an beyden siden an unsen landen umme rof, brant edder iengerleye misdat, de mach sik des weren med twelf unberuchten, bederven luden unser man; sunder en beruchtet man, dat landen, luden unde steden witlike is, dat he undat dan heft, de scal der were nicht genyten
meckl. urk. (1351) 13, 110
f.; entspr. 270. 453. 15, 100; 16, 119; is he over en beruchtet man, so mach he nyne were hebben, men he scal de thuch döghen myt tuelf unberuchteden luden
urk. der stadt Lübeck (1353) 3, 159.
in hd. rechtssprache gilt statt wehr
seit langem vertheidigung,
das allein noch lebendig ist. I@A@2@cc)
dagegen lebt wehr
in theologischer fachsprache: die apologetik kann deutsch so genannt werden, lehre und wehre
ist der titel eines seit 40
jahren in St. Louis erscheinenden theologischen monatsblatts. [] I@A@2@dd)
wo in neuerer prosa wehr '
widerstand mit worten'
bedeutet, kann das ausdrücklich gesagt sein: wie sich die reichsstadt Frankfurt und ihre consulenten gegen den heerführer und könig mit advocatisch-diplomatischen wendungen zur wehre setzen Göthe
Weim. IV 34, 207; mit ungeheurem geschrei setzten sie sich sofort zur wehre ... Börne trat mit seiner scharfen feder für die bedrängten stammgenossen ein Treitschke
d. gesch.2 2, 420; man hörte deutlich die weinerliche stimme des kleinen Jean, der lebhaft gegen einen kräftigen basz sich zur wehre setzte Heyse
kinder der welt 1, 159.
mehrfach ist es aus einem benachbarten ausdruck zu folgern: aus allgemeiner menschenliebe fangen wir an, seine fehler zu tadeln, und aus eigenliebe fahren wir fort, ihn ohne barmherzigkeit niederzureiszen, sobald er muth genug hat, sich zur wehre zu stellen Rabener
sämtl. werke (1751) 1, 115; sie haben sich freilich gegen ihn zur wehr gesetzt, und haben sich bemüht sein recht ihm abzudisputiren Görres
ges. briefe 3, 510.
meist ergiebt es sich aber nur aus der situation: Julius meinte aus der mutter verständigen worten einen versteckten hohn herauszuhören. unter anderen verhältnissen würde er sich dagegen zur wehre gesetzt haben. heute jedoch ... liesz er sich auf keine gegenrede ein Holtei
erz. schriften 5, 37; es war nur der einflusz der von dem reichstag wieder anerkannten geistlichen jurisdiction, gegen den sie sich zur wehre stellten Ranke
sämtl. werke 3, 112; sie hatten städtetag gehalten und beschlossen, sich auf dem nächsten reichstag zur wehre zu setzen 123; es ist unglaublich ... wie oft die gute gräfin mich in collision mit dem dorfbader brächte, wenn ich mich nicht zur wehre setzen würde v. Ebner-Eschenbach
ges. schriften 4, 246; Klara war so beglückt über die gute nachricht, dasz sie sich gegen die wärmemittel garnicht einmal zur wehr setzte v. Polenz
Grabenhäger 2, 26. I@A@33)
in anderer richtung bleibt '
widerstand als absicht'
hinter den bisherigen bedeutungen zurück, bei denen der widerstand stets irgendwie ein handeln umschlosz. I@A@3@aa) wehr
als absicht eines einzelnen kämpfers findet sich bei mhd. dichtern: durch strît si drungen gein der tür: Gâwân stuont ze wer derfür
Parzival 408, 10;
entspr. 571, 22; daʒ her vurte den bogen ... daʒ dutet an der sprache vollic wer und dar zu rache: 'wer' daʒ her beschirme die die sinen willen tuen hie Heinrich v. Hesler
apokalypse 10558
f. Helm. I@A@3@bb)
viel besser in die schilderung kriegsmäsziger zustände paszt wehr
als absicht einer gruppe von kämpfern, auszer in mhd. dichtung: dô wart zuo zin geschoʒʒenvil manec scharpfer gêr: noch funden si dar inneze wer die recken alsô hêr
Nib. 326, 3 C.
findet sich darum diese bedeutung in nd. prosa: des besamlede we unse vrent unde quemen to sünte Mertens daghe to der were
meckl. urk. (1370) 16, 612; vortmer queme her Reymer, her Johan unde Helmolt, brodere, wedder to der were to der Nygenstad mit xxx wapent 615;
entspr. 18, 128.
die kriegsthat, die verhindert werden soll, kann ausdrücklich angegeben werden: man meinte, es weren die feinde bereit im lager ... so khemen graff Adolff von Holsten und graff Reinhold von Ditmarschen bald zur wehre ... das sie nicht solten in das lager brechen Kantzow
chronik v. Pommern 96
Gäbel; (
der überfallene hauptmann) zog sich bald an und lieff mit seinem gesynde zur wehre, das er das slosz erhalten mochte 328. I@A@3@cc)
in '
widerstand als absicht eines heeres, einer bürger- oder körperschaft'
geht die absicht des einzelnen leicht über, wenn der einzelne über ein heer, eine stadt, einen orden gebietet: dô schift er sich über mer, und vant den bâruc mit wer
Parzival 102, 20.
so findet sich wer
als absicht eines heers schon dem reim zu liebe gern in mhd. dichtung: ir und iwer bêdiu her vindet Pelrapeir mit wer 203, 26;
[] si sanden über al ir lant und samenten ir ritterschaft; als ir state und al ir kraft die kêrten sî niwan ze wer (: her)
Tristan 1661.
erst 80
jahre später auch auszerhalb des reims: swert, sper und geschütze swaʒ zuo der wer was nütze des wart dâ niht vergeʒʒen
Reinfrid v. Braunschweig 5340
Bartsch. in mnd. geschäftssprache kommt were
als absicht einer stadt nahe an die bedeutung '
anstalten zum vertheidigungskrieg': vortmer scolden de van Lubeke unde ere andren medehulper de stede holden in dem krighe dusent ghewapent: der hadden se mennich werve to dem krighe unde tho der were nicht
meckl. urk. (1373) 18, 274; vortmer, alze he claghet, dat wy den beschedenen tal uses volkes, alze dusent ghewapent, tho der were des krighes nicht vuol enhadden ... dar antworde wy aldus tho 291.
obd. lebt wehr
als absicht einer städtischen besatzung fort bis ende des 16.
jahrh.: man versach sich hie mit püchsen und allen dingen, das dann not was zu der wör Zink
städtechr. 5, 221; dernoch gab in (
den christen) got selber die stat, wenne die lüte alse siech worent darinne daʒ sü zuo were nüt kummen möhtent Closener
städtechr. 8, 145; da wurffen sich die Zürycher umb zu weer: so eylet Hans von Rechberg heyn Stumpf
Schwytzerchr. (1606) 423
a; Bern die landreych statt, die wol ein berenmuot zwar hatt, beydes inn pflantzung warer lehr und schirmung jrer land mit wehr Fischart
glückh. schiff (1576)
v. 350.
nahe hieran schlieszt sich als absicht einer körperschaft: aber solch wehr (
der franciscaner und jesuiten) mag nichts erschissen, weil gott vil anders wil beschlissen
von Dominici artl. leben 178
v. 1781
Kurz. I@A@44)
wider hinter widerstand als absicht bleibt zurück wehr
in der bedeutung '
widerstand als fähigkeit'. I@A@4@aa) wer
als fähigkeit des einzelnen wurzelt wider in mhd. dichtersprache: Gahmuret der wîgant sprach: mir sichert iwer hant: diu was bî manlîcher wer
Parzival 39, 2; diu frouwe was mit wîbes wer (
konnte sich nur wehren wie ein weib): ir was sîn kraft ein ganzes her 131, 19; er bedorfte wol kraft unde wer: wan zwên sint immer eines her Hartm. v. Aue
Iwein 5349; ich bin mit strîte dir ein her, du stâst gên mir mit kranker wer
Eckenlied 119, 5
Zupitza. wo diese bedeutung in nhd. dichtung wider auflebt, kann sie sich dem sinne '
kunst des wehrens, waffenhandwerk'
nähern: Peleus sohn nur verbarg sich im kreis lykomedischer jungfraun. wollegewirk erlernt er für wehr, und in lilienhänden führet er mädchengeräth Voss
Theokrit, Bion u. Moschus (1808) 336,
doch nicht nothwendig: so wähnt ein kind auch, bar sonst aller wehre, dasz an der mutter brust kein blitzstrahl es versehre Freiligrath
ges. dichtungen (1870) 5, 28.
mehr in physikalischem sinne fähigkeit des widerstands ist wehr
bei J. Paul: er hatte bisher von allen seinen geliebten zu wenig widerstand erfahren, wie Liane zu viel; beides schadet dem menschen ... nur das gleichgewicht zwischen innerer wehr und äuszerem druck hält einen schönen spielraum für das leben und sein bilden frei
Titan 3, 21. I@A@4@bb)
auch wehr
als fähigkeit mehrerer geht in mhd. dichtersprache von der bedeutung '
wehrkraft'
aus: ob ir unt iwer brüederhêtet niht die wer unt ob er danne fuorteein michel küneges her, ich trowte wol erstrîten,daʒ der küene man die grôʒen übermüetevon wâren schulden müese lân
Nib. 18, 6 C; die (
Wâleisen) sint tœrscher denne beiersch her, unt doch bî manlîcher wer
Parzival 121, 10;
[] dô sant keiser Ott ân swær aber sînen herschouwær, daʒ er besæch ir beider her, wie eʒ wær gên im an der wer Enikel
weltchr. 27890
Strauch; und wern dy kaiserere nit also kummen here, ir wer gewesen wer umb kain, wann irr veind waʒ nach drei an ain Beheim
buch v. d. Wienern 300, 13
Karajan. hier bleibt die bedeutung nhd. unverschoben: die häupter verstand und vortheil, die glieder wehr und macht brauchen ... müssen Guarinonius
grewel der verwüstung (1610) 5; arbeit ist dreyerley: nähr, lehr und wehr Wille
sittenlehre (1781) 69; es war zu hoffen, dasz diese officiere (
der landwehr) ... als die wahren vorstände der nation in wehr und vertheidigung sich ausbilden ... würden Görres
ges. schriften 2, 132; hinweg, Siuf! beleidige nicht mehr harmlose frauen ohne schirm und wehr Platen 2, 170 (
schatz d. Rhamps. 3). I@A@4@cc)
die fähigkeit der besatzung, aus einer festung widerstand zu leisten, wird mit unmerklichem übergang zur wehrfähigkeit der burg selbst: dane gelac nie hûs sô wol (
günstig) ze wer als Munsalvæsche
Parzival 426, 4; ain kirch hiess Gunderstarff, dy er ein nam und richtet zu der wer Beheim
buch v. d. Wienern 220, 27
Karajan; von den heusern der konige Juda, welche abgebrochen sind ... bolwerck zu machen zur wehre Luther
Jer. 33, 4; es was zuo Meyland über dem schlosz thor ein thurn, fest zuor wehr und lustig anzuosehen Münster
cosmogr. (1550) 203; (
die strudel im Rhein bei Istein haben) gleich so vil macht als dis schlosz, bei dem er her strudelt, welchs zu der wehr war gar verhudelt Fischart
glückh. schiff 538
neudr. I@A@55)
stets '
widerstand'
ist wehr
in den formeln ohne, sonder wehr.
bei der unbestimmtheit der negativen formeln sind in der regel widerstand als that, wort, absicht oder fähigkeit hier nicht zu scheiden. I@A@5@aa)
mhd. âne wer
bedeutet von haus aus '
ohne dasz widerstand geleistet wird': (
die bewachte säule) ne mohte niemen vinden âne wer zeheiner zît Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 7100; michn vindet niemen âne wer Hartm. v. Aue
Iwein 1171;
entspr. 2234, 2408;
Erek 6880; (
die heiden) wurden alsô zagehaft, daʒ si niht triweten genesen und wolten âne wer wesen (
sich ohne gegenwehr ergeben) Stricker
Karl 782
Bartsch; got nu sich ze dinem riche, also das er (
könig Rudolf) dir nit erslihe dinen himel ane wer
schulm. v. Eszlingen gr. Heidelberger liederhs. 961, 1
Pfaff; daʒ si kœmen mit ir her in die stat âne wer Enikel
weltchr. 16574
Strauch; entspr. 16688;
fürstenbuch 3262; er sprach: ir sult des sîn gemant daʒ uns die heiden mit ir her zû hûs icht vinden âne wer
livl. reimchr. 952
Meyer. das mnd. gegenstück ist sunder were: des coninges ougen leis got erschinen ... mit overdecden so grois ein her, dat hei schentlich sunder wer van Colne vlo mit al den sinen G. Hagen
städtechr. 12, 32
v. 363 (
Köln um 1280); den we (
die bäume den hagedorn) darto hebben koren ... wat de büt (
gebietet) an dessem wolde, dat men dat sunder were holde Gerhart v. Minden 54, 26
Leitzmann. ins nhd. reichen die formeln kaum ungestört hinein: der ritter on alle were und widerred von dem groszen stosz fiel Arigo
decamerone 297, 26
Keller; darum lasz uns nach vergnügen, alter, lieben sonder wehr Stieler
geharnschte Venus (1660) 130
neudr. [] I@A@5@bb)
mhd. wie mnd. steht wenig jünger daneben die bedeutung '
ohne dasz jem. widerstand leisten will, ohne weigern, gern': ist aber daʒ dir wol gelinget, sô daʒ ein guot wîp dîn genâde hât, hei waʒ dir danne fröiden bringet, sô si sunder wer vor dir gestât Walther 91, 38; (
dasz sie) ir lîp in mîne ger gar setze âne wer Heinrich v.
d. Türlin
krone 13783; to ener tît sach he mit ere ôk enen man, de se ane were (
ohne dasz sie sich sträubte) do beide helsede unde kuste Gerhart v. Minden 36, 6
Seelmann. I@A@5@cc)
eine früh beobachtete eigenthümlichkeit der alten sprache ist âne wer '
ohne dasz widerstand geleistet werden kann',
das negative gegenstück zu I A 4;
vgl. Benecke zu Hartm. v. Aue
Iwein 4330;
mhd. die formel meist ungestört: wir sîn in grôʒen wunnen hînaht gevarn uber mer gewaldiclîchen âne wer
Wiener meerfahrt 510
Lambel; daʒ sint ouch zwêne selhe man, ir ietweder slüege âne wer disses volkes ein her Hartm. v. Aue
Iwein 4093;
entspr. 6635. 6646; man sluoc si ân wer sam diu wîp Enikel
fürstenbuch 2668
Strauch; entspr. weltchr. 15848; er machte leider âne wer vil manegen Etzeln recken
Rabenschlacht 489, 4; da schwebt er auff dem wilden mer an helff und an wer Heinrich v. Neustadt
Apollonius 1313
Singer, ebenso md.: die vursten wurden do verslagen von widerwinden uf dem mer, daʒ si triben ane wer
passional 14, 78
Köpke; ir were was in dem brûche kranc, man slûc sie nider sam die wîp. mich jâmert manches heldes lîp, der âne wer dâ wart geslagen
livl. reimchr. 1935
Meyer, und nd.: vle ik (
das rosz vor dem löwen), so bin ik vorloren ane were jo tovoren Gerhart v. Minden 48, 10
Leitzmann. die früheste abweichung zeigt sich um 1230: in (
Holofernes) sluog ân alle mannes wer Jûdît, ein vil krankeʒ wîp Rudolf v. Ems
Barlaam 61, 16
Pfeiffer. nahe grenzen an: ich pin verchauft an alle were, das pewain ich alle tag Heinrich v. Neustadt
Apollonius 16437
Singer; de on (
die jäger den hirsch) antasten do begunden, went se on ane alle were vunden Gerhart v. Minden 26, 38
Seelmann. die parallelformel sunder wer(e)
tritt obd. mehr noch zurück als nd.: du (
Fortuna) rîchest, ermest sunder wer Kanzler
gr. Heidelberger liederhs. 1438, 26
Pfaff; dut gink al vort, de wulve namen de hunde. do de to holte quamen, do vreten se se sunder were, wente also grôt was ore here Gerhart v. Minden 32, 33
Seelmann. —
die bedeutung '
möglichkeit des widerstands'
ist nicht unbedingt an die formel ohne, sonder wehr
gebunden, sie stellt sich auch sonst im negativen satze ein: er lieʒ in (
der drache Tristan) nie ze were komen, er hæte im schiere benomen beidiu slege unde wer
Tristan 9017; do reyt er über sie und übereylt sie, das sie nicht zu were komen mochten und erschlug ir vil Schiltberger
reisebuch 17, 15
Langmantel. selten im positiven satz: thu gemach, bisz ich auch zu wehr komm Ayrer
werke 3, 1516
Keller. I@BB.
widerstand zu gunsten einer person oder sache geht über in die bedeutung '
schutz',
sofern das geschützte wesen dabei nachdrücklich genannt wird. [] I@B@11)
von der grundbedeutung '
widerstand als that'
leiten hierher die fälle, in denen ein subject widerstand leistet, um sich selbst zu schützen: gib dich gevangen, werder degen! du stest in dein aines wer: wann zwen die sein ains her Heinrich v. Neustadt
Apollonius 8015
Singer; sy schlahen chain mensch ze todt, in tuo dann leibes wer not Hätzlerin
liederbuch 286
nr. 74; hê hed niks tô sîn wër Doornkaat Koolman 3, 537
b.
solcher selbstschutz kann auch neben dem schutz anderer fortbestehen: wy Clawes unde Bernd ... bethughen openbare an dessem breue, dat wy ... tuo were unser, unser man, stede unde land, hebben gheloued unde ghemaket ene endrafteghe voreninghe
meckl. urk. (1357) 14, 210. I@B@22)
meist gilt aber der schutz anderen allein, in alter zeit geschieht er vorwiegend in kampf und krieg: und wære ir aller vrümekheit an einen man geleit ... dern tar niemer dâ hin dem brunnen komen ze wer Hartm. v. Aue
Iwein 1853; her Heinrîch, ir scholt iu schamen, ir gewunnet nie ritterlîchen namen! irn trôstet iuch niht ûf mîn wer (
dasz ich euch schütze) Enikel
fürstenbuch 3707
Strauch; die Valben prüeven wolden ... wes si möhten trouwen kunic Ruodolfes her, ob si daran wer gegen den vînden möhten gehaben Ottokar
östr. reimchr. 15488
Seemüller; doruff hat Weller geantwort und der glocken bekant und saget, das sy an der stadt nucz komen seynt und buchszen dovon gemacht der stadt zcw yrer were zcw gute
codex dipl. Saxoniae regiae (1450) II 12, 426; wy scholen en volghen tuo erer deghelykes were myt vyfundetvyntech mannen
meckl. urk. (1352) 13, 207; to unses heren were (1372) 18, 127. 129.
auch auf den seekrieg kann derartiger schutz übergreifen: de schepe, de to erer were ghebuwet (
umgebaut) weren (1394) 22, 345.
nhd. ist nur eine friedliche übertragung aufs seewesen möglich: das schiff hielt an und warf den anker, nun lag es fest in bucht und wehr und schaukelte nur etwas sehr Immermann
Tristan 137. I@B@33)
mnd. und nhd. greift wehr
als '
schutz'
ins rechtsleben über, und zwar in der rechtssprache selbst: were over dat se slögen ere vorvestede lude edder openbare rOevere edder de iene, de een hulpe dede mit were, mit spisende, mit husende, mit hovende edder in ander ienegherleye wys, dar so scholen se sunder broke one wesen
meckl. urk. (1353) 13, 270;
entspr. 3, 159; weil aber schuz und wehr der familie allein auf dem mannesstamme beruhte, so muszte diesz nothwendig auf einen vorzug jenes ... führen Eichhorn
d. staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 63.
politischer schutz ist wehr
nur in nhd. dichtung: die feinde überzogendas junge kaiserthum: da brach am heidenbogender väter waffenruhm. wer wird das reich erretten?wer nimmt der freyheit wehr? sie bringen uns die kettenauf offner straszen her Schenkendorf
in Wackernagels leseb. 2, 1354; (
den frieden) nützt ich zu des reiches wehr Wagner
Lohengrin 1, 1. I@B@44) wehr
als religiöser schutz setzt gleich früh ein, wird aber in keiner der beiden verwendungsmöglichkeiten '
schutz den die gottheit gewährt'
und '
fürsorge für die religiösen güter'
fest: (
verscheuche die anfechtung) mit des roten blutes wer, daʒ im uʒ der siten ran Tilo v. Kulm
von 7
ingesigeln 4738
Kochendörffer; (
der mächtige) flehe nicht zu gott für schlechtes um schutz und wehr Platen
ged. aus dem ungedr. nachlasz2 36; die welt wird prosa mehr und mehr, der glaube selbst ist ohne wehr: was hat das ewige verschuldet, dasz man's nur nebenher noch duldet?
verm. ged. 57. I@CC.
die grundbedeutung verblaszt soweit, dasz man, was ursprünglich stets gegenhandlung war, rein als handlung betrachten lernt, man sieht in dem streich zur abwehr den [] hieb schlechthin. so wird wehr
in krieg und kampf und in dorther genommenen bildern zu '
angriff'.
mhd.: do er se verre komen sach, hin zer herzoginne er sprach: 'kumt jeneʒ volc gein uns ze wer?'
Parzival 621, 3; dâvon îlt er mit wer ... an der Franzoisære kraft, daʒ er daʒ beʒʒer dâ gewan Ottokar
östr. reimchr. 3794
Seemüller, nicht später md.: (
ein geheilter sagt:) aller tuvel her und ir velschliche wer zurucke hin von mir gie
passional 134, 62
Köpke; ... sî dûchte, ob sî an dî vîende vorne soldin slân, daʒ sî drungin sî ûf wer (
sie zum angriff zwängen), sô nicht gewîchin mocht ir her Nikolaus v. Jeroschin 7073
Strehlke; in des selbin jâris wer ('
dauer'
th. 13, 765) sente Jôhannis spittelêr gewunnen mit strîtlîchir wer dî insle Rodî bin dem mer 25368.
während spätere dichtung den aggressiven sinn nur im bilde bewahrt: jetzt hatt narrheyt all jr gezelt geschlagen uff und lyt zuo wer, sie zwingt die fürsten und ir her Brant
narrenschiff 46, 69
Zarncke, und kaum in alterthümelnder sprache dem mhd. sinn einmal nahe kommt: ist sie so treu und kühn in wehr, so sende sie nach dem verlornen speer Wagner
Parsifal ges. schr. 427,
hält nd. und obd. prosa die bedeutung '
angriff'
fest: daerto so hevet hie (
der feindliche bischof von Utrecht) ons roef, brand ende vanghenscap ghedaen ende een slod vor onser stad ter were by Nordlaren upgheslaghen
hans. urk. (1400) 5
nr. 440
s. 224; behuoben wir mit eren das veld, und tribent den vorgenanten roub mit gewalt und mit rechter wehr (
var.: gewer) herhain
quellen zur Schweizer gesch. 18, 132; als denn beyde solche partheyen mit den incorporirten, auch in die wehr gestelten oesterreichischen erbländern sich verbinden, die häuptstadt Wien belägern
türk. post- und wächterhorn (1620) 4.
in der neueren heeressprache hat rüstung,
zuletzt mobilmachung
der verwendung dieses wehr
abbruch gethan. IIII.
wird die hemmung gegenständlich gefaszt, so erlangt wehr
die concreten bedeutungen waffe, wehrmannschaft, wehrbau, die sich vereinigen in dem sinn: '
das, womit man sich wehrt'. II@AA.
mancherlei übergänge leiten vom nomen actionis über zu der am besten ausgebildeten sachbedeutung '
waffe'.
der redende meint '
widerstand als that',
der hörende kann verstehen '
mit waffen': (
christen sollen allein auf gott bauen) nicht hoffen auff büchsen und wehr, oder auff ein gewaltig heer Sachs
werke 18, 481
Keller-Götze; vermeynen dann mit solchem reysen, mit langen spiessen, mit kriegischer wehr bschirmen den glauben Fischart
d. gelehrten d. verkehrten v. 1003
Kurz. öfter ist ein solcher sprung möglich von '
widerstand als absicht'
zu '
als waffe', '
in waffen': dô der der haiden schar sach, do begraiff er ain wagendiechsel, die truog er zuo wer gegen inen und erschluog der haiden sechszhundert
historienbibeln 1, 273
Merzdorf; man verpeut euch alle wurfhacken, perkhacken, kreizhacken, all stecher oder was hacken die seint, die ir zu der wehr tragt, auch spies
östr. weisth. (
Kitzbühel um 1700) 2, 74; der erzbischof von York, Douglas, Mortimer, sind wider uns verbündet und in wehr (
capitulate against us, and are up) Shakespeare
Heinrich IV. 1, 3, 2; flieh! Romeo! die bürger sind in wehr, und Tybalt todt
Romeo u. Julia 3, 1
Schlegel. '
widerstand als fähigkeit'
ist gemeint, '
bewaffnung'
kann verstanden werden: in disen leufen ... hat k. mayestat ... inen ... geschenckt xvi eysin hagkenbuchsen zu ainer bessern wer Knebel
chron. v. Kaisheim (1531) 362.
[] besonders früh kann die bedeutung '
zu seinem schutze'
überspringen in die vom redenden kaum beabsichtigte '
als waffe': (
der löwe verwundete den riesen) unz daʒ der michel knabe als ein ohse erluote, und wancte diu ruote die er dâ ze were truoc Hartm. v. Aue
Iwein 5059.
hier überall ist bedeutungsübergang durch miszverständnis möglich, erreicht wird stets die bedeutung '
waffe',
die damit von den drei concreten bedeutungen dem nomen actionis am nächsten steht. II@A@11)
von gewehr
ist wehr '
waffe'
in seiner älteren entwicklung dadurch geschieden, dasz der collectivbegriff zurücktritt, in der neueren dadurch, dasz die specialisierung auf die feuerwaffe keine rolle spielt. im übrigen ergeben sich viele berührungen, so gleich darin, dasz wehr
neben seiner gewöhnlichen bedeutung '
verfertigte waffe des menschen'
auch die der '
gewachsenen. natürlichen waffe der thiere'
haben kann, s. gewehr 2
b (
th. 4 I 5402), waffe II 5
b (
th. 13, 285
f).
die gemeinsprache begegnet sich darin mit der fachsprache der jäger: omnes bestiae habent were,
ut fliegen,
sus etc. omnes creaturae gewaffet Luther
Weim. 34 i 331 3; die bienen brauchten auch der wer, fürten auff ihn ihr gantzes her Rollenhagen
froschmeuseler 1 ii 11
v. 113 (
Goedeke 1, 100); die meus aber giengen gar still und machten des lermans nicht viel, rauschten nur heimlich mit den weren 3 ii 7
v. 123 (
Goedeke 2, 230); wie nehmlich da herum ein haufen wilde schwein (
Tillys scharen) sich sehen lassen, die da grosz und böse sein mit scharfen wehren sie sich stellen allzuwacker, zu thun viel schaden in der wiesen und im acker Opel
u. Cohn
dreiszigj. krieg 278, 11; zu feld noch flieget (
ihr bienen) heut, auff, auff, mit wehr und waffen, euch schickt zur blumen-beut Spee
trutznachtigall (1649) 127; welche einer herde gleicht, die sich einem führer ergiebt, aber jeden andern zweibeinigen mit vorgestreckten wehren aus ihrem mittel treibt Benzel-Sternau
bei Campe; bey den jägern werden noch zuweilen die klauen und hauzähne der fleischfressenden thiere, sowohl waffen, als wehren, genannt Adelung
unter wehr; die wehr heiszt auch
s. v. a. waffen, fänge und klauen eines raubthiers und ebers Liechtenstern
sachwb. (1834) 10, 288; den gebrauch, den er (
die kreuzotter) von seiner furchtbaren wehre (
dem giftzahn) macht H. E. Linck
die schlangen Deutschlands (1855) 114. II@A@22)
in weitaus der mehrzahl der fälle ist aber wehr
die verfertigte waffe des menschen. der mit der herkunft des wortes gegebene sinn '
vertheidigungswaffe'
ist dabei nicht stets festgehalten, seit dem 8.
jahrh. ist die auffassung als '
angriffswaffe' (
s. I C)
zu allen zeiten möglich: framea uuari, uueri, uuerida Steinmeyer-Sievers 1, 144
f., 6; zugk sy verre von dem grabe und slach ir das haubet abe! würff den potich in das mere, ge her haim mit deiner were Heinrich v. Neustadt
Apollonius 15304
Singer; er gab jn bayden gliche wer liesz sand und schranken füren her auch was sie muosten haben mer Gengenbach 51
Gödeke; die junge manschafft aber die vor der stad stund, wehret sich tapffer, denn sie hatten geschütz und wehre gnug (
machinae multae et telorum apparatus) Luther 2.
Macc. 12, 27; warumb dise baide wappen des königreichs Nortweden und Zimbern mit der streitaxt bezaichnet, ist dise ursach, dieweil solche wör ... ihe im brauch gewesen, auch in allen iren zügen ire find gewonnlich mit dergleichen wören angriffen
Zimm. chron. 1, 22, 6; die ledigen knecht alhie sollen keine langen messer, pixen oder wehr im dorf noch zum wein tragen
östr. weisth. 8, 27, 34; wissen, dasz heut ein anstand sey desz kriegs gemacht von beydem heer, darumb so last feyren die wehr W. Spangenberg
Sophokles Ajax v. 152
Dähnhardt; [] das lob, so man von nun an wirt durch die straich unsrer wöhren under dem firmament täglich erschallen hören Weckherlin
ged. 1, 25
Fischer; er soll sich auch keiner andern wehr gebrauchen, dann seines thurnierkolbens und schwerds Moscherosch
gesichte (1650) 2, 375;
entspr. 2, 276; niemals hat mutiger ein frommer kreuzritter gegen die ungläubigen in geweiheter wehr sich gestellt Voss
antisymbolik (1824) 1, 20; wie sie untereinander saszen oder standen, meinte man wohl, sie könnten ihre wehren einander in den leib stoszen Ranke
werke2 16, 89; die wunde, die seine wehr mir schuf Wagner
ges. schriften 7, 36 (
Tristan). II@A@33)
hauptbedeutung bleibt aber in aller sprache: '
waffe, die der mensch zur vertheidigung handhabt'.
mit uueri
wird im 10.
jahrh. Jer. 46, 3
praeparate ... clypeum et procedite ad bellum glossiert Steinmeyer-Sievers 1, 633, 59;
mit wehr
umschreibt Grillparzer (1824)
das wesen der vertheidigungswaffe: die wehr an mannes seite spricht von schutz
sämmtl. werke5 9, 210
Sauer. II@A@3@aa)
voraus steht ein collectiver sinn, der dem wort breiteste anwendung ermöglicht, etwa im umfang von lat. arma: in arma vueri, in vueri, inweri Steinmeyer-Sievers 2, 292, 40 (10./11.
jahrh.). II@A@3@a@aα)
umfaszt wehr
viele vertheidigungswaffen für viele kämpfer, so ergiebt sich eine übrigens seltene bedeutung '
gesammtapparat der vertheidigung'.
der träger der wehr
kann dabei ganz unbestimmt bleiben: der alte Vulcanus ... schlug und gosz allerley geschirr, wehren und gezaw zur teglichen notturfft Mathesius
Sarepta (1571) 70
b,
oder es handelt sich um die vertheidigung einer burg: des viften sunte Michels daghes scole wi dit hus unde land wedder antworden usen vorsprokenen heren to Meclenborch umbeworen, mid kost, mid were unde mit aller vrucht, nud unde mid alleme reschoppe
meckl. urk. (1344) 9, 584,
eines landes: so die herschaft Venedige das vernumen, richt sie zu grosse were
städtechr. 10, 335 (
Nürnberg 1473),
oder, wie meist, eines heers: das sich das gantze griechisch hör starck rüsten thuo mit aller wöhr Spreng
Ilias (1610) 13
b;
entspr. 14
a; unüberwindlich halt in wehr sein (
Gustav Adolfs) volk auf allen seiten Opel
u. Cohn
dreiszigj. krieg 269. II@A@3@a@bβ)
alt und verbreitet ist wehr
als '
gesammtrüstung des einzelnen',
zufrühst entspricht es hier einer zusammenfassung von arcus, arma
und scutum: alla uueri unde allen scerm nimet er dir Notker
ps. 45, 10
Galler hs. II@A@3@a@b@aaaa)
bei strenger wahrung des begriffs '
gesammtrüstung'
ist nur der singular möglich: si jâhn in Gramoflanzes her, daʒ ze keiner zît sô wol ze wer (
in bezug auf bewaffnung) nie kœme rîter dechein
Parzival 709, 6; iegelich man mit siner wer reit als er kunde strîten Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 10658;
entspr. 10827; (
man liesz die neue Nürnberger truppe gleich den frühern kleiden,) auch welcher sein were redlichen verleust die zubeczalen
städtechr. 10, 434, 3 (
Nürnberg 1475); Jonathan der son Saul sprach zu seynem knaben, der seyn wehre yhm trug Luther
1. Sam. 14, 1
erste niederschrift (
später waffentreger); ich wil im all sein wehr verbinden, ihn solt du blosz und nacket finden Sachs
werke 16, 17, 26
Keller-Götze; du junger kriegsmann wolgetan, der du nu auff den musterplan mit deiner wehr bist durchgekommen Ringwaldt
laut. warheit 41; (
Hektor) gieng allbereit mit seiner wöhr under das troianisch heer Spreng
Ilias (1610) 31
a; denn ich komm' in der frühe, sobald die sonne heraufsteigt, stattliche wehr dir zu bringen vom mächtigen herscher Hefästos (
τεύχεα καλὰ φέρουσα) Voss
Ilias 18, 137;
entspr. Odyssee 23, 366; ist Heinrich Hereford rüstig? in voller wehr, begehrend einzutreten Shakespeare
Richard 2. I 3
Schlegel; [] zur selben zeit sah ich (du konntest nicht) Cupido zwischen mond und erde fliegen in voller wehr
sommernachtstraum II 1
Schlegel. II@A@3@a@b@bbbb)
singular bleibt auch, wo mehrere träger der wehr
auftreten: nû was der gast wol bereit: ouch kômen die risen mit wer, sî mohten ervehten wol ein her Hartm. v. Aue
Iwein 6677; de vischer kemen ein deil mit orer were und satten sik bi on ein bistant to donde
städtechr. 7, 404, 26 (
Magdeburg 1459); alle, die yhn hetten helffen fangen, solten mit yhrer wehre mit zum fewer hynaus ziehen Luther (1525) 18, 239
Weim.; treiben dieweil ... ihr handtwerck und handthierung, haben ihr wehr an der wandt in guter ruhe hencken Kirchhof
discipl. milit. (1602) 17. II@A@3@a@b@cccc)
am ehesten noch stellt sich plural in technischer sprache des 16.
jahrh. ein: sie konden nicht zuo jren wern und kleydern kommen Franck
chron. Germ. (1538) 117
b; jr solt euch alle mit euweren wehren gefasst machen, dann die statt Pariss muss von uns verheert unnd zerstört werden
buch der liebe (1587) 22
b; dasz sie ihre wehren mit fleisz verwahren, wie sich gepürt Andr. Reutter v. Speir
kriegsordn. (1595) 9; lerman ist die bewegung und unversehener aufflauff zun wehren Kirchhof
milit. discipl. (1602) 133. II@A@3@bb) wehr
als gesammtrüstung des einzelnen wird ausgangspunkt einer vielgestaltigen entwicklung. der ausdruck ist namentlich am platze, wenn der kämpfer über eine vollständige rüstung verfügt. II@A@3@b@aα)
so ist dem ausdruck eine gewisse unbestimmtheit eigen, er wird gern gebraucht, wo man die art der bewaffnung im einzelnen nicht näher angeben kann oder will: zwischen Wirtzburg und Carlstat zu Tungersheim waren etliche pauren mit buchssen und anderen weren versamlet wider den Carlstat Karlstadt
bei Luther (1525) 18, 442
Weim.; raufen seu (
zwei weiber) aber an einander oder slachen mit feusten oder anderr weer, dann so ist ein jede umb das fräflwandl
östr. weisth. 6, 69 (
Niederöstr. 16.
jahrh.); die Turcken drengten ummer
an. da der patron und hertzog Bugslaff das sahen, griffen sie zur wehre, und hertzog Bugslaff schrey die andern an und brachte sie zur widerwehre ... sie hetten keine wehre anders wan schwerter Kantzow
chron. v. Pomm. 351
Gaebel; manchem sein theil wohl worden, guote stösz, buder und büff darvon tragen, umb wehr, rohr, hüet und mantel und dergleichen sachen komen Bürster
schwed. krieg 216
Weech; ein anders ist, wo bescheidenheit nicht stat findet; da pfleget die wehr (waffen) zu erstatten, was an der billigkeit abgehet Butschky
Pathmos (1677) 482; ihr läget im tode euch krümmend über euern wehren jetzt nicht
maler Müller
werke 1, 369; dasz aber die völker anfingen sich einer solchen wehr zu schämen Peschel
völkerkunde (1874) 197. II@A@3@b@a@aaaa)
diese unbestimmtheit kann besonders würdig, getragen, edel klingen, daher gern dichterisch: uncz er kam zu seinen tagen, das er solt haben getragen swert und mannes were
Wigamur 350
Büsching; für gottes kirch und vaterland nehm ich (
Betlen Gabor) die wehr in meine hand Opel
u. Cohn
dreiszigj. krieg 36;
vorwiegend doch erst in neuerer dichtung: schnell verwandelte sich des feldbaus friedliche rüstung nun in wehre; da troff von blute gabel und sense Göthe I 50, 234
Weim.; deiner riesen wehre klangen bis hinab zur alten nacht Hölderlin
ges. dichtungen 119, 45
Litzmann; oft hört' ich deine wehre rauschen, du genius der kühnen 136, 25; drum brüder, rasch die wehr zur hand
volksth. lieder der Deutschen (1814) 38; es sahn die knechte einen zug in blankem zeuge und es blitzten hell die wehren Tieck
schriften 1, 400 (
Octavian II 5); legt eure wehr zurecht; wir tanzen wieder bald den waffenreigen Fouqué
Bertrand du Guesclin 1, 357;
[] der selige mann gab mir manchmal seine wehr, wenn er zu müde war, hinauszutreten und nach den fremden zu fragen Arnim 3, 208. II@A@3@b@a@bbbb)
vollends tritt diese unbestimmtheit hervor in der negation: niht anders wan ein swert er gevienc, dhein wer brâht er anders dar Enikel
weltchron. 10771
Strauch; svert ne sal he (
der fronbote) nicht vren noch nene were
Sachsenspiegel 3, 56, 2; ok enscal nemant to der morgensprake gan, he enhebbe sine besten cledere ane unde enscal dar neyne were inne dragen
geschichtsqu. der prov. Sachsen (1393) 25, 112;
entspr. 114; 338; wie Samson einen löwen trifft ... und doch kein wehr da bey jm hat Waldis
Esopus 2, 8
v. 26
Kurz; die greise sah ich dort von wehr und kraft beraubt Cronegk
schriften 1, 172 (
Codrus 1, 3); seitwärts an der lanzenwand zwei krieger ihrer wehr beraubt v. Droste-Hülshoff
werke 2, 141
Cotta. II@A@3@b@a@cccc)
namentlich ist auch hier wider die formel ohne wehr
entwickelt, der mnd. sunder were
vorausgeht: wy rad der stad Brunswick unde gildemestere sint entliken vordragen unde over eyn gekomen, dat de rad unde gildemester schulden alle ding raden unde daden unde gerichten gelicke, sunder wapen, sunder sturlüde, banren unde schilde, unde jenige were
urk. der stadt Braunschweig (1293) 1, 16; zehant gienc er âne wer her ûʒ zuo der Kriechen her Enikel
weltchr. 16435
Strauch; man solte mit frid hundert man schon in dy stat lon und also vil ausz der stat in das her an schwert und ane wer Heinrich v. Neustadt
Apollonius 3622
Singer; der kunic von Bêheim kæme ân alle wer in die zullen Ottokar
östr. reimchr. 10374
Seemüller; die von München muesten 100 man schicken ausz der stat gen Dachaw on meszer und on alle wer und muesten nider knien in das kott und pitten gnad
städtechr. 5, 31, 8 (
Augsburg vor 1466); am gestatten ... der Donau sasz es, stuends, lags voller volks, weib und man, reich und arm, im harnesch, mit wer und plosz und ân wer ain lange schnais an ainer zeil nacheinander Aventin
chron. 1, 1058, 15; alle Tarentiner solten ohne wehren auff den platz zusammen kommen Xylander
Polybius (1574) 377; weil er zu Prag, als ein armer elender betler ohne rock, wehr und schuch auff der strassen umbgehet Thurneiszer
notgedr. ausschreiben (1584) 1, 48; wie viel heimlicher, häuslicher, furchtbarer tritt er jetzt auch hier auf ... im hauskleide, im nachtrock, harmlos, ohne wehr Göthe I 41 ii 257
Weim.; daher ward den Samnitern freyer abzug ohne wehr und habe gewährt Niebuhr
röm. geschichte 3, 295. II@A@3@b@bβ)
die unbestimmtheit wird aufgehoben, indem II@A@3@b@b@aaaa)
die gesammtrüstung durch nachfolgende aufzählung ihrer bestandtheile erläutert wird: dô kom des dorfes schar mit vil manger fremden wer, zuberstangen, spieʒ und gabel, zieter ûʒ dem pfluoge und leitern von der stubenwant Neidhart 228, 58
Haupt; mit ihren wehren fordern und mustern, und nämlich allweg unter zehn mann fünf mit langen spiessen, zween mit büchsen und drey mit helmparten verordnen
bair. landtagshandl. (1512) 18, 432
Krenner; zu fusz man auch der zeit noch kempffet. gerüst eyner den andren dempffet inn drey wehren, schwerd, dolch und spiesz, wo einer auff den andern stiesz Sachs
werke 4, 212, 10
Keller; lernt fechten in den wehren, im spiesz, degen und schwert Liliencron
hist. volksl. 4, 342, 17 (= Wackernagel
kl. 3, 983); dann so strafft man auffrhürisch lauren gleich wie die Ditmarsischen bauren ... nimmt jn all wehr, spiesz, büchs und schwert Fischart
flöhaz v. 1944
neudr.; [] die gemain wer waren damals pratspies, alantspies und dergleichen schmal spitzig wächs eisen Aventin
bair. chr. 1, 113, 6
Lexer; dasz niemand von bürgern ... einigerley wehren darein tragen soll, es sey armbrust, spiesz, schwerdt, lange meszer, degen, dolch, pletzen, keulen, knütteln, scheidt, steine, und ander dergleichen gewehr Schott
land- und stadtrechte 1, 159 (
Gera 1658); wehr unbenanten geschlechtes das wehr oder gewehr ... ist ... ein degen, spies oder dergleichen, damit man sich wehret oder verwahret Gueintz
d. rechtschreibung (1666) 159; es soll jedermänniglich sich mit seiner gesetzten wehr, rüstung, pulver und loht in guter bereitschaft halten
quelle des 18.
jahrh. bei Bauer-Collitz 158; da sahe man hunderterley wehr, schwert, dolchen, federspies und speer Fuchs
mückenkrieg 1, 970
Genthe. II@A@3@b@b@bbbb)
indem wehr
als zusammenfassung auf eine reihe bestimmter einzelnamen folgt: all thalleit mügen in Passeyr schwert, messer und spiess tragen über velt und über gassen, ohn allein zu kürchen und zu dem rechten; die mag er in da wol verpieten bei einer penn der wer, die ain (
so!) genomen mag werden
östr. weisth. (1396) 5, 99; do warn dann 3 panier aufgesteckt: an aim ain püchs gemalt, zu dem gingen dann die püchsenschützen; an dem andern was gemalt ain armbrost, zu dem gingen die armbrostschützen; an dem dritten was gemalt ein helmpart und ein spies, zu dem gingen die mit denselben weren
städtechr. 2, 258, 17 (
Nürnberg 1450); man hat auch einem ietlichen firtelmaister hin heim gesent von der stat zeug 25 spiesz und 25 helmparten, daʒ ... einer eim ein weer lihe, der keine het oder gehaben möcht
städtechr. 2, 253, 23 (
Nürnberg 1450); mit spissen, armbrusten, flegeln, keulen, stangen, büchsen oder andern wheren Michelsen
rechtsdenkm. aus Thüringen 280; an waffen werden nun gemeingermanisch benannt spiesz, kolbe, schwert, schild (später halsberg, fahne): dasz diese wehren aber nicht erst seit der trennung der Germanen von den übrigen Ariern in gebrauch kamen, leuchtet ein Dahn
urgeschichte 1, 47. II@A@3@b@b@cccc)
indem die übrigen einzelwaffen des mannes daneben aufgezählt werden: sie sluogen uf einander dar durch kopf swarten unde har mit streitaxt und ander wer
Liliencron hist. volksl. 1, 40
v. 1597 (
Würzburg 1400); darauf so schaffendt geschwinde das alles eur gesinde mit mir hinaus khomen gegangen mit weren, spiessen und stangen
altd. passionssp. aus Tirol 37
Wackernell (
Brixen 1551); darneben auch gut fleis ankehr, das deine rüstung, büchs und wehr fein hurtig, reinlich, wach und frey und ja nicht schlim staffiret sey Ringwaldt
laut. warheit (1596)
v. 12; als auff beden seiten sie jre spiess zersprengt, scharmützelten sie mit den wehren
Amadis (1569) 1, 130
Keller; doch liesz er jnen jre wehr, spiesz und büchssen nemmen Fischart
Garg. (1575) 410
neudr.; dasz ihr rittersleut allhie alsbald an stat ewerer wöhr und spiessen, laternen und facklen in die hände nemet Weckherlin
ged. 1, 55
Fischer; bürger treten herein, stangen in der hand, wehren an der seite Göthe I 8, 125
Weim. II@A@3@cc) wehr
als gesammtrüstung ist einer entwicklung fähig, die geradeswegs aus dem collectiven sinn hinausführt: wenn der kämpfer nur einen harnisch, eine keule, ein schwert trägt, so ist eben das seine '
gesammtrüstung'. wehr
wird zur einzelwaffe. II@A@3@c@aα)
aus dem satzzusammenhang ergiebt sich hier meist, dasz die einzelwaffe ein schwert ist: (
ihr trabanten) sollet rings umb den konig euch machen und eyn iglicher mit seyner were ynn der hand Luther
2. kön. 11, 8
erste niederschrift; entspr. v. 11;
2. chron. 23, 7; man soll kein creutz auff den erdboden machen, da man drauff tritt, so machts man auff die wehr unnd inn die becher, die einen umbbringen Fischart
Garg. 131;
entspr. 178. 409; die wehr aber mehrentheils unter dem arm, als umgegürtet getragen Schweinichen
denkwürd. 27
Österley; balt droll dich nur von mir gar weit oder ich stosz mein wehr in dich Ayrer
dramen 1, 79
Keller; [] wievil sehlen hat deine wöhr ausz den stoltzen cörpern getriben Weckherlin
ged. 1, 129
Fischer; als lang nun ein bleyenes schwerd in einer so schönen scheidt steckt, helt mans für eine gute gerechte und köstliche wöhr Albertinus
Gusman (1619) 309;
entspr. 32;
verachtung des hoflebens 75
a; es soll kein junger gesell ein wehr anhencken, er hab dann ein zeügnusz von seinen nachbaurn, das er redlich, mannlich und tüglich zu der wehr seye Moscherosch
gesichte (1650) 2, 241; zu boden werft, bei buss' an leib und leben die misgestählte wehr aus blut'ger hand Shakespeare
Romeo 1, 1
Schlegel; mich trägt ein wackrer reiter, drum blick' ich auch so heiter, bin freien mannes wehr; das freut dem schwerte sehr Körner 1, 101 (
Hempel 1, 143); andere, noch gebräuchliche namen ... schlachtschwerter, beidenhander, wehre zu anderthalb handen Primisser
Ambraser sammlung (1819) 81; bei der nächsten bedrängniss seines herrn nahm er die aufgehenkte wehr doch wieder von der wand Ranke
werke 2, 272. II@A@3@c@bβ)
wörterbücher bieten schwert
als synonym: wehr, schwert
n. ...
gladius, ensis Hulsius (1640) 480
b; die wehr angürten,
latus ense prœcingere. wehr ausziehen,
stringere gladium. wehr einstecken,
recondere gladium in vaginam Stieler 2510; wehr, schwert.
arma, gladius, ensis Frisius (1703) 2, 303; wehr, gewehr, schwerd in der phrase: eine wehr tragen Rädlein 1, 1038. II@A@3@c@gγ)
nur vereinzelt ist die einzelwaffe harnisch: Hanns, nimbe hin mein rock und wehr Ferdinand v. Tirol
speculum vitae hum. 33
neudr.; das blech, des leibes schutz und wehr vor pfeilen Bürger
werke 157
Bohtz. etwas häufiger flinte: o, lauter als kanonenschusz und krachen kleiner wehre, schickt, vater! dein batallion den dank vom grab zu gottes thron Schubart
sämmtl. ged. (1825) 2, 188; wenn die kameraden ... mir von ferne den letzten soldatengrusz aus praszlenden wehren in die ohren donnerten
leben u. gesinnungen 2, 246; als nun ein mann herbei im dunkeln kam, that er vom posten einen schrei und unter wehr trat er Rückert
werke 12, 200; in aufruhr kam das heer, und alles trat in wehr 12, 237.
endlich schild: nach der ... formel betete er zum opfer angethan ... auf einer wehre stehend Niebuhr
röm. geschichte 3, 156.
wo aus besonderem anlasz ein anderes ding als wehr
bezeichnet wird, musz das ausdrücklich motiviert werden, so wenn Denis
den ausdruck für die mistel beibehält, mit der Balder erschlagen wurde: ich sah den tod, der Odins sohne dem tapfern Balder dräute, vor. die wehre ragte von dem felde dünn und geschliffen in die luft
lieder Sineds (1772) 21,
dazu die anmerkung: die Voluspa nennt diesz gewächs eine wehre, weil ein todschlag damit geschah. II@A@3@dd) wehr
neben synonymen. älter und bedeutsamer als die zusammenstellung mit den namen einzelner waffen (II A 3
b β cc)
ist die mit andern collectiven. II@A@3@d@aα)
das verhältnis zu waffe
ist th. 13, 254. 256
erörtert, die seltnere zusammenstellung von waffe
mit gewehr
th. 4 i 5403
f. nachgewiesen. die häufige verbindung mit wehr
ist wohl mit anlasz, dasz das alte neutrum waffe
fem. geworden ist. durch ihren stabreim hat die formel den schein hohen alters, nachweisbar ist sie kaum vor 1400: dar zu fuss volks mer dann 1500 man, di auch wopen unde wer heten
städtechr. 1, 46, 1 (
Nürnberg 1388); nemant mach were edder wapen mit sik dregen in dat gildehus
liv-, esth- u. curländ. urk. (1400) 1519
Bunge. das wortpaar enthält keine tautologie, ergänzt sich vielmehr zum vollen sinn von '
bewaffnung zu schutz und trutz'. II@A@3@d@a@aaaa)
die reihenfolge der beiden wörter ist an sich willkürlich, mundartlich ist keine der beiden begründet, denn aus echter mundart ist die formel kaum zu belegen. durch [] Hunzikers
zweifel: wér und waffe scheint entlehnt
aarg. 294
wird die angabe: auch heut zu tage braucht man noch die beyden wörter von der ganzen waffenrüstung Stalder 2, 440
verdächtig, dann ist aber: 't steid all' in wër un wapen
bei Doornkaat Koolman 3, 537
b ganz isoliert. die folge waffe und wehr
ist nicht unerhört, aber doch selten, namentlich wenn man die fälle abzieht, in denen der reim einflusz gehabt haben kann: so einer jemandt mit einem todtlichen waffen oder weher uberlauffet, anficht oder schlecht, unnd der benöttigt khan fuglich one ferlickeitt oder verletzunge seines leibs, lebenns, eer unnd guten leumuts nit entweichenn, der mag sein leip unnd leben one alle straff durch ein rechte gegenweher rettenn
peinl. gerichtsordnung (
Mainz 1533) § 140; allzeit gerüst mit jhren woffen und wehre Luther 34 ii 372
Weim.; uber allen thoren unnd kirchen, auf waffen unnd wehrn, in blutfanen unnd pannern ... musz ein kreutz prangen Fischart
binenkorb (1588) 195
a; diser spruch schlug sie, der thetts gar und alles, ehe denn keyn waffen odder wehre da war 19, 120; jhre ritterliche waffen und wehr Guarinonius
grewel der verwüstung (1610) 784; heere kehren im wahnglauben selbst waffen und wehre gegen das vaterland Jahn
volksthum 362; vor einem Marienbilde hing er (
Ignatius) waffen und wehr auf Ranke
sämmtl. werke 37, 120; butzt geschirr und werckzeug ausz, ordnet denselben hin und her wie im zeughausz waffen und wehr Fischart
lob des landlusts 313
v. 214
Kurz; er schlich umgürtet mit waffen und wehr so leise so lose, wie nebel, einher Bürger 61
a (
des pfarrers tochter v. Taub.); die knecht' nichts richten mit waffen und wehr Mörike 1, 160
Göschen. II@A@3@d@a@bbbb)
vor Luther
findet sich mehrfach (
s. o.) wehr oder waffen: auch ist das recht, das chainer dem anderen mit werhafter wer oder waffen oder sust in frefel zu seiner behausung sol nach komen
östr. weisth. 6, 19 (
Ensthal 15.
jahrh.)
; entspr. 6, 68;
rumpheatus vel gladiatus gewaffent mit der wer oder waffen Diefenbach
gloss. 503
c (
aus Straszburg 1515). Luther
entscheidet dann für wehr und waffen,
weniger durch seine prosa (
s. o.): darumb müst jr anders geharnischt sein, das er sehe nicht menschliche wehre und waffen, sondern gottes harnisch 34 ii 397
Weim., als durch den vers: ein feste burg ist unser gott, ein gute wehr und waffen,
dessen nachwirken in der dichtung weithin sichtbar ist. im citat von da Neukirch
ged. 93; Herder 28, 8
Suphan; Arnim
werke 17, 206
Grimm; Heine
werke 2, 468
Elster. früh auch bei katholiken, die sicher nicht Luther
citieren wollen: alles was unsere söhne bedurffen zum ritterlichem staat, von kleider, wehr und waffen, dasz hab ich alles lassen machen
volksb. v. d. Heymonskindern (
Köln 1604) 20
Pfaff; was hätte närrischer seyn können, als dasz die völcker sich understunden, mit allerhand wöhr und waffen den nordwind zubekriegen? Albertinus
hirnschleifer (1664) 57; ob man schon etlichen muthwilligen und von naturen kriegszsinnigen unterthonen zur zeit des fridens die wöhr und waffen benimbt, so folgt doch nit, dasz mans insgemein allen und jeden solle auffheben
der kriegsleut weckuhr (1601) 2, 31
a;
entspr. zeitkürzer (1603) 59; die lieb ohn wehr und waffen mich hat genommen ein Spee
trutznachtigall (1649) 24. II@A@3@d@a@cccc)
im ferneren gebrauch von wehr und waffen
zeichnet sich die dichtung dadurch aus, dasz in ihr die formel kaum je gestört ist: (
die landsknechte) haben anders wol zuschaffen, zu tragen jre wehr und waffen Fischart
nachtrab 74
v. 2800
Kurz; all thier d' natur hat bschaffen frey und bekleidt auff erden, allein den menschen blosz ohn wehr und waffen Hoeck
blumenf. (1601) 49
neudr.; (
Diomedes) ir wöhr und waffen auch bekam, als einen raub die zu sich nam Spreng
Ilias (1610) 55
a;
entspr. Äneis 14
a u. o.; [] o gott, du wolltest strafen solche untreue, falsches herz, welches mit wehr und waffen den ganzen römischen haufen bringet in groszen schmerz Opel
u. Cohn
dreiszigj. krieg 85; (
könig Friedrich v. Dänemark) der wissenschafft beliebt so wol als wehr und waffen Rachel
satir. ged. 5
neudr. (1664);
entspr. 64; mein (
der begierde) nackter arm siegt ohne wehr und waffen der keuschheit ab Lohenstein (1680) 1, 47 (
Ibrahim 563); was hilft uns wehr und waffe wider den? Schiller 12, 37 (
Wallensteins tod 5, 2); wehr und waffen von sich werfend entschaart das ganze heer sich im gefilde 13, 213 (
jungfrau 1, 9); von je hab ich mit wehr und waffen nicht gern gehabt etwas zu schaffen Tieck (1828) 1, 192;
geringfügig die abweichung: wir kommen zwar mit wehr und mit waffen: aber wir kommen auch mit dem friedezweig in der rechten Klopstock
oden 2, 81. II@A@3@d@a@dddd)
die ungestörte formel wiegt auch in prosa vor: ausz diesem sind viel andere gute böszlin entstanden, alsz dasz man fremde pracht, leichtfertigkeit hat eingeführt, und wie Caesar sagt mit der wahr auch die gefar der laster gar, die seidenspinnwep, die zufuhr dem feind wehr und wafen Fischart
Garg. (1590) 301
neudr.; sind solche (
enge) ermel auch gut fechterisch und kriegsmännisch, dasz man die wehre und waffen desto hurtiger und geschwinder führen kan Sommer
ethographia mundi 1 E 8
b; die hinderlassnen wehr vnd waafen haben sie dem feld marschalck presentiert Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 39
b; hat Salem ... wohl bewehrt, bewaffnet und schön mundierte mannschaft gehabt, die man ... in dem closter beschriben, wehr und waffen beschawet, gemustert, getrüllet und abgericht Bürster
schwed. krieg 7
Weech; und ist der zorn mächtig, aus allen sachen wehr und waffen zu schmieden Harsdörffer
t. secretarius (1659) 2, 564; hat gedachter musicant befohlen, alle wehr und waffen hinweg zu tragen Prätorius
Katzenveit (1665) D 3
b; wann ein soldat sein wehr und waffen hinweg wirfft
schwed. kriegsordn. bei Böckler
neue kriegsschule (1665) 459; blättert Simplicius im buch herum. da erschiene nichts anders, als lauter wehr und waffen Grimmelshausen
Springinsfeld 2, 50, 34
Keller; wehr und waffen
arma Dentzler (1697) 2, 345; brüder, ich stehe mitten unter euch ohne wehr und waffen Kotzebue
sämmtl. dram. werke 4, 165 (
gr. Benjowsky 4); die sechste klasse ... war ganz ohne wehr und waffen Niebuhr
röm. gesch. 1, 286;
entspr. 527. 3, 448; wer mehr als zwei mansen land sein eigen nannte, ward befehligt, beim ersten ruf in wehr und waffen sich zu stellen Scheffel
Ekkeh. 164. II@A@3@d@a@eeee)
in prosa ist der zutritt weiterer glieder zu der formel möglich: von geschütz, harnisch, wehr und waffen Mathesius
Sarepta (1571) 2
b; das niemand wehren, waffen oder geschos über land füren solte auszerhalb den rittermessigen leuten Schütz
Preuszen (1599) 97
a; wie die straszenräuber sich ... zu den wandersleuten gesellen ... jhre wöhr, waffen und leibssterck fleiszig warnemmen ... also pflegen die böse geister sich zu den hoffertigen ... menschen zugesellen Albertinus
Lucifers königreich 80, 34; wie denn auch nichts von ihrer rüstung, wehr und waffen ... verkaufft werden darf Fleming
vollk. t. soldat (1726) 108 § 12.
dagegen greift die negative formel: hab ich doch weder wehr noch waffen
buch der liebe (1587) 144
b wider in die dichtung über: ir findt bey mir (
dem gefangenen trompeter) noch wehr noch waffen Waldis
Esopus 1, 55
v. 10 (
Kurz 1, 91); oft der, der uns verfechten soll, weisz weder wehr noch waffen Arnim
werke 13, 123
Grimm. II@A@3@d@a@ffff)
nicht nothwendig ist die formel auf krieg und kampf beschränkt: in derselbigen (
häuslichkeit) erkennt der hauszfürst seines tachtropffes reichsgrentzen ... sein schlaffkemmerliche wehr und waffen und zeughausz Fischart
Garg. (1575) 92
neudr.; welche die wehr und
[] waffen den medicis an die hand langen Moscherosch
gesichte (1650) 170.
bedeutsam die übertragung auf den kampf der geister, zumal auf geistliches gebiet: ins bapsts buch fanden sie (
die schwärmer) auch ein spruch sanct Augustini, der war ir sterckste wehr und waffen Mathesius
historie Luthers 117, 17
Lösche; ein fürnehmer gelehrter mann disputirete einsmahls mit einem ungläubigen ... als er aber an dem unverständigen wenig gewinnen konnte, legte er, also zu reden, in diesem streit wehr und waffen nieder, und schwieg ganz stille Olearius
pers. rosenthal (1647) 4, 4; kommt Judas und die schaar mit Satans wehr und waffen, so gib (
Jesus) des geistes schwerdt mir in die glaubens-hand Schmolcke
trost- u. geistr. schriften (1740) 1, 320; der ganze lauf und kampf gehet durch geduld, die geduld ... ist eines unserer vornehmsten wehr und waffen Bogatzky
evang. übung d. christ. (1750) 481; ich pflege keine dergleichen wehr und waffen zu führen Wieland
an Merck 2, 104; haben wir erst des geistes wehr und waffen gestreckt, und der sprache heiligthum verloren Jahn
merke 182; diese höhere civilisation ist es denn auch, welche in dem nationalen conflict den überwundenen sowohl als wehr dient wie als waffe Mommsen
reden u. aufsätze 139. II@A@3@d@bβ) harnisch und wehr.
aus gelegentlichem zusammentreten: wann daʒ wär, daʒ man die ratgloggen leutet, daʒ dann ieder man in seim harnasch und mit seiner wer auf dem placz des marks wär
sächs. weltchron., 4.
bair. fortsetzung 369, 6
Weiland; die engel ... ziehen den harnisch an und gürten die wehre umb sich Luther
tischreden (1593) 197
a; herr Tristrant war hauptmann, der schuff jedermann in seinen harnisch und bey seiner wehr zu seyn
buch der liebe (1587) 96
c; und theil das volck als in drey heer, gerüst mit harnisch, gschütz und wehr Sachs
werke 6, 102, 25
Keller erwächst harnisch und wehr
zur festen formel, die doch auf das 16.
jahrh. beschränkt scheint: ock ere borekede harnsch unde were, welk se vor den vyanden nicht vorleszen
liv-, esth- u. curländ. urk. (1502) 2 ii 308
Bunge; da kamen zwen ... zu inen ... der ain wolt harnisch und wer darleichen Knebel
chron. v. Kaisheim (1531) 440
neudr.; las harnisch und wehre liegen und streite nicht widder deinen herrn Luther 19, 640
Weim.;
entspr. 34 ii 365, 16; namen den harnisch und wehre 2.
Macc. 8, 27;
entspr. 10, 27. 30; ist besser und uns wägerer, sie gên mit der schrift und feder dan mit dem harnisch und wer umb Aventin
bair. chr. 1, 956, 30
Lexer; (
die Zimbern) haben der feind harnasch und wör zum thail verbrennt, zum thail zerschlagen und verwüestet
Zimm. chron. 1, 4, 17; auch mit harnisch und wehr versach er sich sampt seinem diener auff das beste Schumann
nachtbüchlein 85
Bolte. —
störungen der formel sind sichtlich durch den vers veranlaszt: nun, so wöll wir mit harnisch, wehr auff morgen sein bey deinem heer Sachs
werke 20, 171, 11
Keller-Götze; und kommet mit her auff den blan! da (
lies: dar) wöll wir auch unser drey mann gerüst mit harnisch und mit wehr 8, 9, 32; im harnisch und mit wehr Arnim
werke 21, 315
Grimm. selten treten weitere glieder vor das wortpaar: provant, büchsen, harnisch und weer Sachs
werke 1, 239, 12
Keller; dasz er (
der landsknecht) sein harnisch, wehr und waffen rüstig halte Pape
theatr. diab. (1587) 2, 174
b.
die umkehrung wehr und harnisch
ist nicht ganz selten, doch nur in gelegentlichem zusammentreten: Quintius ... begnadet sie, und sprach, er bedörfft irs tods nit. doch gebott er dasz keiner mer in ir wagenburgk keret, sonder wer und harnasch von jm thetten Carbach
Livius (1514) 41
b; waren ihre schilt in stücker zerhauwen, ihre wehren mit irem blut geferbet, ihre harnisch zerbrochen
Amadis (1569) 1, 249
Keller; so ist unser ernstlicher befelch und meinung, dasz keiner dieselbe, es seyen gleich wehr, harnisch, muszqueten, lange spies oder anders, verkauffe
bad. landrecht (1622) 4
tit. 8; sperling und albere vögelein
[] dienen nicht an disz ort (
den hof), da viel gold, sammet, seiden, wehr, harnisch, sperber, kautzen und blaufüsz seyn, halt du dich zum roszstall Schupp
schriften (1663) 837; man hatte sich über sein grünes kleid lustig gemacht ... warum, fing ich an, hast du nicht ... dem wizling ... wehr und harnisch genommen? Hippel
lebensläufe 3 i 452; das (
pferd) trug des riesen schwere wehr, den harnisch sammt dem schwerdte Uhland
ged.2 353. II@A@3@d@gγ) wehr und panzer
bleibt ganz vereinzelt: der Griechen herold eben, mit wöhr und bantzer starck umbgeben Spreng
Ilias (1610) 21
a; niemand soll auf einen andern gehen auf der straszen, mit wöhren, curder, schwerdtern, rüttigern, pantzern oder andern wehren Schott
land- und stadtrechte (
Stolpe 1611) 1, 245. II@A@3@ee)
in verbalfügungen steht wehr '
waffe'
immer als object, das aber nicht nothwendig accusativobject ist. II@A@3@e@aα)
so gleich in der frühesten und häufigsten fügung mit greifen.
die präposition stellt sich hier erst nach langem schwanken fest. in älterer sprache wird nach
vorgezogen: Cadmus begunde grîfe nâch sîner strîtlîchen wer Albrecht v. Halberstadt 9, 105
Bartsch; greiffen alsbald nach den wehren (
sumunt gladios) Luther 3.
Esra 3, 22; warum greiffstu, kind, denn nach der wehre? Stieler
geh. Venus (1660) 142
neudr. gut anschaulich in,
vom griff in den korb, das gefäsz des degens: sie (
die landsknechte) griffen dückisch in die wer Sachs
fab. u. schw. 5, 625, 31
neudr. mit veränderter anschauung an: Icillius tritt herfür, greyfft an die weer
werke 2, 9, 14
Keller; entspr. 17, 207, 20;
manum ad capulum refero ... ich greiff an d' wehr Schönsleder
promt. (1622) Nn 2
b.
fest geworden ist mit dem 16.
jahrh. zur wehr greifen,
die formel kaum je durch pronomen, artikel, attribut oder auflösung des zur
gestört: sie gemeynlich zuo iren wehren griffen, auff die ... ritter schluogen Wickram
werke 1, 319, 31
Bolte; sind Ladislaus ... und der graf mit worten hart aneinander gerathen, bisz sie endtlich zun wehren griffen und der graf erstochen ward Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 17
b; als die Garamanten diese bottschafft vernahmen, haben sie sich im wenigsten nicht darob entsetzt, viel weniger die flucht genommen, noch zu der wehr gegriffen Albertinus
fürstl. lustgarten (1619) 1, 120; ihr christenleut greift zu der wehr dem feind frisch widersteht Opel
u. Cohn
dreiszigj. krieg 39
u. ö.; greif' nur muthig zu den wehren Schwab
ged. (1838) 520; hülfe ruft er, greift verwegen zur geschliffnen wehr im grimme, aber ihm versagt der degen Platen
werke 1, 36
Hempel. die ungestörte formel herrscht stets vor: da haben sich die mächtigen völcker Sicambri, Cherusci ... auffgemacht, zuor wehr griffen, und bald zweyntzig centuriones erwürgt Franck
chron. Germ. (1538) 11
a; griffen die Zwinglianer zuor wehr wider die catholischen Nas
antipap. eins und hundert (1569) 2 J 5
a; folgendts griff er zur wehr
Amadis (1569) 1, 96
Keller; biss die bauwren zur wehr griffen und die gewalt verbotten Nigrinus
von zäuberern, hexen (1592) 209; erzehlte ursach seynd einem jedern fürsten ... zuvor er zur wehr greifft, wol in bedencken zu nemmen Kirchhof
milit. discipl. (1602) 82; sie erschrack aber nit so sehr das sie nit griffen hett zuor wehr Fischart
flöhaz 322
neudr.; was stehn wir hie, liebe landsknecht, greifft zur wehr, und mit mir es wagt Spangenberg
Saul 2982
Martin; herbey, und greifft zur wehre recht 2990; für d' kirchen und fürs vaterland versammle sich der gmeine stand und greif mit mir beherzt zur wehr Opel
u. Cohn
dreiszigj. krieg 35;
[] welcher endlich, ohne meynung einiger offension und ausz noth zur wehr griffe, sich zu defendiren Moscherosch
ges. (1650) 109; zur wehr greiffen,
to take up arms Ludwig
teutsch-engl. lexicon (1716) 2414; freyheit und gleichheit! hört man schallen, der ruh'ge bürger greift zur wehr Schiller 11, 317 (
glocke v. 370); so haben beide gegriffen zur wehr Arndt 5, 291
Rösch u. Meisner; als der krieg uns aufgedrängt wurde, als wir gezwungen wurden, zu unserer verteidigung zur wehr zu greifen Bismarck
reden 5, 172
Böhm. II@A@3@e@bβ)
synonyme transitive wendungen treten zurück: sein wöhr ein jeder bald ergriff Spreng
Ilias (1610) 15
a; wer itzt die wehr ergreifft, ergreifft sie mich (
die religion) zu schützen: so spricht er und steckt land und kirchen selber an Gryphius
trauersp. (1663) 406; da der tag anbrach, hengten sie den kopff (
des Holofernes) uber die mauren hinaus, und namen jre wehre, und fielen hinaus mit einem hauffen, und mit grossem geschrey Luther
Jud. 14, 7; ein jeder seine wehr erwischt, und mit dem harnisch für das thor Fischart
Eulenspiegel 121
v. 2817
Hauffen; solt nicht das gantze hauszgesind erwischen wehr, und was sie find, und euch verfolgen ubers meer
flöhaz 1442
neudr. II@A@3@e@gγ)
die wehr wird gezogen,
dabei ist die erläuterung aus der scheide
so selbstverständlich, dasz man sie spart: auch ordenen wir furder und setzen, dasz unser richter und schöppen ... niemand wider die billigkeit uberrucken ... sondern sich in den selben nutzungen, nemlich verstorbenen und erblosen gutern ... richtige wedde, gezogene were (
strafgeldern für schwertzücken), clagegelt ... geburlich erzeigen
geschichtsquellen der prov. Sachsen 7, 2 (
Halberstadt 1486); (
ein betrunkener bauer) war auch gantz ungeschlacht und wunderbarlich, zog die wehr ausz und hieb in die stauden Lindener
Katzipori (1558) 127
Bolte; zeuhet e. may. die wehr wider uns ausz
Amadis (1569) 1, 23
Keller; dasz er den köng mit trutz loff an mit zogner wehr Sachs
werke 16, 230, 26
Keller-Götze; er zog die wehr heraus, und schrie, und lief Dietrich v.
d. Werder
Ariost 1, 16, 5.
beliebter noch als ziehen
ist das intensitivum zucken,
später in md. form zücken,
weil es dem gewaltsamen, raschen griff besser gerecht wird. früh wehrzucken
n. (
s. da),
ferner: zuckt sein wehr von leder unnd forcht sich übel Frey
gartenges. 117, 19
Bolte; insonderheit sol keiner in der besatzung balgen, noch einige wehr zucken Fronsperger
kriegsb. (1573) 1, 150
a; er geriet mit marggraff Joachim ... in einen harten zanck, darin wol die were nicht gezuckt wurt, aber es kostete dennoch beiderseits grosse reisen, mühe und unkost Kantzow
chron. v. Pommern 382
Gäbel; dann wan ein solcher weychling gegen niemand seine meynung ... mannlich reden darff, wie wird er darffen die wehr zucken, wan die offenbahre feinde das vatterland ... angreiffen? Moscherosch
ges. (1650) 2, 96; Venereus ... zucket sein wehr Happel
akad. roman (1690) 642; herr Hugh segnete seinen ritterlichen sohn, ihm das alte schwert in die hand drückend, während dieser sich edlen anstandes und gezückter wehr ... vor das silberreine metall hinstellte Fouqué
zauberring (1812) 1, 33; gottlob. dasz keine kette mehr an diesem arme klirrt, kein teufel mit gezückter wehr mich rudernden umirrt Hölty
ged. 168
Halm; willst du vom leder zucken!? ich weisz, dasz du ein wehr hast G. Hauptmann
Flor. Geyer3 54.
besonders anschaulich sind die beiden alten participia mit geruckter wehr,
nicht etwa druckfehler für gezuckter,
sondern zu rücken '
etw. bewegen'
th. 8, 1359,
und mit gefustener were,
zu fäusten
th. 3, 1382: ist aber, daʒ lute kumen geloufen uʒ anderen gaʒʒen oder von anderen husern zu dem
[] huse mit gewapenter hant mit gerukter were
codex dipl. Saxoniae reg. II 14, 99, 19 (
Freiberg 14.
jahrh.);
ebenso 98, 15. 100, 12. 101, 7. 102, 3. 103, 21; don lieffen ome enkegen der margkmeister mit den stadtknechten mit uszgeczogener were unde wolden on antfallen ... wie er ime seynen hunthe solde uffgefangen haben unde daʒ er ome nach gesprenget seyn solde mit gefustener were uff den kirchoff
geschichtsqu. der prov. Sachsen 28, 160 (
Magdeburg 1479). II@A@3@e@dδ)
zum gefecht wird die wehr erhoben
oder geschwungen: (
vom fechten)
ramasser les armes, die wehr auffheben Duez
nomencl. (1652) 202; also hebe blanke wehr im streite Arndt
ged. (1860) 323; das rosz gespornt! die wehre frisch geschwungen Lenau
ged. (1857) 1, 51. sinkenlassen
ist zeichen der ergebung, dichterisch auch der trauer: da nun also Judas und sein heer erstlich uber das wasser kamen, flohen die feinde, und liessen jre were fallen (
projecerunt arma) Luther 1.
Macc. 5, 43; als sie disz tonnerend geschrei vernamen, wischten auff was hand unnd fusz hat, liessen etlich die wehr dahinden Fischart
Garg. (1575) 369
neudr.; die wehr niederlegen
arma projicere, ponere. er läszet die wehr fallen
arma de manibus ipsi cadunt, vel fluunt Stieler 2511; dann sprengte sie die besten haufen der fuszvölker auseinander, so dasz auch die übrigen ... in die flucht geriethen und ihre wehre in den sand warfen Ranke
sämmtl. werke 1, 205; zieh hin, du braver krieger, du! wir leiten dich zur grabesruh', und schreiten mit gesunkner wehr ... und stumm vor deinem sarge her Schubart
sämmtl. ged. (1825) 2, 271. wegnehmen
der wehr ist symbol der gefangennahme: auff dieses haben die cammerdiener die wehr von uns genommen Harsdörffer
t. secretarius (1656) 1 Yy 1
b. die wehr strecken,
eigentlich der länge nach auf den boden legen, lebt nur als junge nachbildung des verbreiteten die waffen strecken (
th. 13, 270).
die sinnliche grundanschauung ist kaum je lebendig: seine wehr ist gestreckt zur nahrungssprossenden erde Voss
Ilias 3, 195; nur vor unsern mädchenheeren haben sie die wehr gestreckt Rückert
werke 2, 167 (
ges. ged. 5, 93); da schrie der riese: ich strecke die wehr! zu heftig stach Rolf Düring Strachwitz
ged. (1850) 271. II@A@3@e@eε) einen mit seiner eignen wehr schlagen
ist aus der schilderung thätlichen kampfes zu belegen: (
David) warff in mit einem schlauderstein, enthaubt mit seinr eygnen wehr Sachs
werke 1, 224, 10
Keller. häufiger ist es aber als dankbares bild in den geistlichen kämpfen der reformation: der gröste und schwerste streyt ist, das man mit schrifft widder schrifft streytten sol, eynem das schwerd ... abschlahen, die were nemen und yhn widder damit schlahen Luther 17 i 364, 28
Weim.; den teufel mit seiner eigen wehr schlagen
tischreden (1593) 303
b am rande; aber du bist listig, und lauffest mir meine walstat abe und understehest dich, mich mit meyner eygen wehre zu schlagen Karlstadt
miszbrauch des sacraments (1524) C 1
a; die Lutheraner werden mit aigner wehr geschlagen Nas
antipap. eins und hundert (1567) 1, 65
a am rande. eher denkbar in der praxis des kampfes ist, dasz ein gewandter kämpfer dem unbeholfenen gegner die wehr unterläuft: im andern streiche aber unterlaufe ich Heillungen die wehr Schweinichen
denkwürd. 179; darzuo dem rysen lange seyn wehr jhm underrandt
lied v. hürn. Seyfrid 26
neudr. II@A@3@ff)
attributive adjectiva bestimmen die art der wehr
objectiv oder subjectiv, sachlich nach ihrem bau und ihrer anwendung durch den träger, persönlich nach dem eindruck, den sie auf den bedrohten macht. II@A@3@f@aα)
technisch werden kurze
und lange, untere
und obere wehr
unterschieden: [] darumb war das ein erlich that, wer einen kurtzen degen nem und dasselb schwein, wo ers an khem, mit der kurtzen wer zuotodt stech
Teuerdank 19, 39; fast auff das dritt glied lang wehren (
wird) ein glied kurtzer wehren, als hellenbarten oder schlachtschwerdter ... geordnet ... doch zu eusserst der ordnung die kurtzen wehren mit langen spiessen und hackenschützen bedeckt Fronsperger
kriegsb. (1573) 1, 61
b u. o.; wiewol sie zwischen den weiden ... mit den kurtzen wehren zu hauff setzten, muste doch der feind die flucht nemen Pomerius
magdeb. stadtchron. (1587) Aa 4
a; federspiesz, morgenstern, englische beil, eyserne flögel, und dergleichen kurzer wehren nicht wenig Kirchhof
discipl. milit. (1602) 29; Scipio verordnet eynen newen hauffen, die das mehrertheyl alle spiesz, lantzen und lange wehr hetten
Livius bei Rihel 367; lange wehr
machœra. spitzige wehr
framea. kurze, spitzige wehr
verutum Stieler 2510; so ware er (
der accord) aber beszer alsz man verhoffte und, wie gemainer brauch, mit sack und pack, fliegenden fahnen, under und ober wehr, brinnenden lunden und kuglen im maul Bürster
schwed. krieg 215
Weech. II@A@3@f@bβ)
die scheide als kleid des schwertes angesehen ergiebt, häufiger aber jünger als die entsprechende verbale fügung: is dat ener enen degen edder were blotet
liv-, esth- u. curländ. urk. (
anf. 15.
jahrh.) 1520, 23
Bunge, den ausdruck blosze wehr: in dem her Lamprecht über die stiegen auff mit ploser were geloffen kam Arigo
decamerone 437, 18
Keller; mit blosser wehr kum dar gerent Scheidt
Grobianus (1551) 3746
neudr.; auch werden die weiber die schwartzen reütter mit den blossen wehren oder messern ausz den haarechten und beltzechten busch klopffen Fischart
groszm. 5
neudr.; einer lieff einem andern mit einem blossen wehr nach Zincgref
sprüche (1626) 381; und weiset ihm bereits seins blossen wehres spitzen Dietrich v.
d. Werder
erlös. Jerusalem 7, 37; blosze wehr,
gladius nudatus, strictus, è vaginâ eductus Stieler 2510; ein wetterleuchtender glanz von hundert bloszen wehren scheint stracks in jeder brust die mordlust aufzustören Wieland 22, 28 (
Oberon 1, 43),
hier bewuszt als dichterisches wort für gewehr,
s. glossarium über die im Oberon vorkommenden veralteten oder fremden ... wörter das. 23, 342.
jung und vereinzelt entblöszte wehr: männer mit entblöster wehr
men with naked swords Ludwig
teutsch-engl. lexicon (1716) 2414; blitzet ein fürchterlich gemisch entblöszter wehren um Joseph her? Denis
lieder Sineds (1772) 149. II@A@3@f@gγ)
in eindringlichen attributen wird vom 12.
bis 19.
jahrh. der ernst der wehr
betont: si truogen an ir handen die bluotegen were Wernher
driu liet v. d. maget 4295
Feifalik; blutige wehr
gladius cruentus Stieler 2510; unsere herren lassen verczelen Pe. Wend, darumbe daʒ er mit mortlicher were uf der gassen gelouffin hat
codex dipl. Saxoniae reg. (1447) II 14, 240, 19; ich sech an irn gestalten und an irn mörderischen wören, dasz sie böswicht sind, dann der ain trueg ain groszen nagelkolben, der ander trueg ain wurfpeihel und ain lang meszer
städtechron. 5, 317, 5 (
Augsburg nach 1468); das neunde creucz die pauren knecht haben, sint ir crewczhacken ... nennens ein morderische wer Sachs
fab. u. schwänke 4, 168, 55
neudr.; Aiax mit seiner wöhr so grim den eisenhut zertheilet jhm Spreng
Ilias (1610) 71
b; wo zwo personen ... mit thötlichen wehren einanderen angriffent
stadtrecht v. Brugg (1620) 209, 31
Merz; besonders metzgeten sie einander mit iren scharffen wehren gantz grewlich
Amadis (1569) 1, 101
Keller; in scharpffen wehren fechten Guarinonius
grewel der verwüstung (1610) 708; mit guter wehr versehen seyn
to be well weaponed Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 2414;
[] horch auf! horch auf! es stürmt herauf mit wehren stark, mit stangen
maler Müller 2, 94 (
Fausts leben 61, 5
neudr.); nie kaiser, könig, war so hehr, dasz er's gewehrt mit starker wehr, an seinem fehltritt ihn zu fassen Rückert
ges. ged. 4, 361; noch hat der Deutsche eine hand und eine starke wehr Herwegh
ged. eines lebendigen (1841) 22; sieh, wie der Amorn jauchzende schaar den Olympos geplündert! ... Ares schild und helm, Herakles' knotige wehr tragen sie Fr. Jacobs
verm. schriften (1824) 2, 45; aller terrorism ist, wie das haupt der Meduse, eine dem träger selbst furchtbare wehr, die eben so leicht ihn selbst wie die angreifenden erstarrt Görres
polit. schriften (1822) 5, 79. II@A@3@f@dδ)
als amtlicher ausdruck für den ernsten charakter der wehr
kann es gelten, dasz städtische und ländliche gesetzgebung des 14.
bis 17.
jahrh. zumal in Ostmitteldeutschland und Östreich immer aufs neue das tragen von wehren
verbietet: wan einer käm ein auswendiger mann in ein wirts haus und hätte ein gewöhr, und trunck ein seitel wein, und so er das ander begehrt, so mag der wirt die wöhr von ihme fordern
weisth. 3, 713 (
Wartenstein b. Wiener Neustadt); so sal man ouch yren leuthen nicht ire were nemen zcu sulcher wieze, die wiele sie nach uff den pferden sitczen ... sundern wenne sie yn die herbergen komen, so sullen sie ire weren dorynne lassen
codex dipl. Saxoniae reg. II 12, 156 (
Freiberg 1437); das hinfur nymands ... einicherley were, wie die gestalt oder genant sein, ausgenomen slechte ungeverliche protmesser ... tragen sollen
Nürnberger polizeiordn. 51
Baader; so die waffen, als hagken, spiesz, armbrost, messer und ander wer, verpoten werden, sol die niemand tragen
östr. weisth. 8, 72, 40 (
Pirawart 1512). un(ge)rechte, ungebührliche,
besonders aber verbotene wehr
wird in diesen landschaften zum kunstausdruck der rechtssprache: swert und stechmeʒʒer und alle vorboten wer und harnasch und wapen, wi es alles genant ist, sol vorboten sein den armen und richen ... traget doruber ymant das swert oder daʒ meʒʒer oder vorboten wer oder harnasch, das sol der stat richter nemen
Altprager stadtrecht 27
Rössler (
um 1332); daruber sol yder wirt sein gesten sagen, das si swert und meʒʒer und vorboten wer und harnasch lan ligen in ir herbergen
das.; stechmeʒʒere, ruthelinge, swerte alse burnysene, spiʒ, sper, arburst und gelevenyen, dit sint vorbotene wer Lambert
rathsgesetzgebung d. st. Mühlhausen (1351) 63; dy burger laszen ouch vorbiten czu tragen allerley ungerechte were und nemelichen spiesze, swert, armbrost, lange messer, dicke schebelinge, bill, barten und sunderlichen gewere unde messer, die lenger sien denne daʒ masz an der lenge ... item die gebuer sullen ire gewer in der herberge lassen
codex dipl. Saxoniae reg. II 12, 127 (
Freiberg 1413); mit unrechter were II 14, 230, 5 (1440); mit ungerechter verbotener were 231, 26; vorbotene were 233, 33; das sich auch weder angesessen noch ledig gseln bei nechtlicher weil mit ungebürlichen wern noch sunsten verpotnen wafn und panzer ... auf der gassen ... nit betreten lasz
östr. weisth. 1, 5935 (17.
jahrh.); man solle sich auch der creuzpeil, wurfhacken, pleikugl, gespanter armbrust, claine kurze hosenpixl (
taschenpistolen) und dergleichen ungewohndliche mörderische verpotne haimbliche wöhren, welliche nit zur defension, sonder zur offension, mörderei und verrichtung alles übels erdacht ... enthalten 2, 22
f. (
Kufstein 17.
jahrh.); ungebürliche wörn 5, 283 (
Tirol 1665); armbrust, spiesz, messer und andere waffen seind erlaubt ... auszgenohmen verbottene wehren, alsz wurfhacken, creüzhacken, auch die pleien kuglen 7, 865, 2 (
Siefering 1665). verborgene wehr
wird fest im sinn von '
stockdegen, Jacobsstab' (
th. 4 ii 2203, 2):
dolo verborgen wehr, Jacobsstab Frischlin
nomenclator (1586) 266
b; verborgen wehr
n. bourdon dedans lequel un estoc est caché Ravellus (1616) 401
a; verborgen wehr oder gewehr
stocco, spada ò arma secreta, come in un bordone, ò bastone Rädlein (1711) 1, 1038.
dagegen bleibt heimliche, verborgene wehr
in freiem gebrauch: sica ein
[] heimliche wehr oder stecher Zehner
nomenclator (1645) 122; als ... Achilles nach der darunter verborgenen wehre grieff Lohenstein
Arminius (1689) 1
c 4. II@A@3@gg)
des ernstes der waffe entbehrt je länger je mehr der ehrendegen, der, rein bestandtheil der herrentracht und zierath geworden, nicht mehr zu kampf und schutz bestimmt ist. den namen wehr
führt er aber, bis die revolution ihm den garaus macht. hohle renommisterei mit der wehr
kennt und tadelt gelegentlich schon das 16.
jahrh.: und er stund in desz berges tal hochmütich frech mit seiner wehr Sachs
werke 1, 223, 35
Keller; in ironischer schilderung begegnet voll anschaulichen lebens der ausdruck die wehr stürzen: Esaw geet drutzig ausz, stürtzt die wehr 1, 100, 15; so viel ich aber von einem dolmetschen habe vernomen, haben sie (
die vögel) für einen gewaltigen zug und streit wider weizen, gersten, hafern ... und wird mancher ritter hie werden und grosze thaten thun ... sonderliche freude haben wir, wenn wir sehen, wie ritterlich sie schwänzen, den schnabel wischen und die wehr stürzen, dasz sie siegen und ehre einlegen wider korn und malz Luther 54, 144
Erl. (
brief v. 28.
apr. 1530).
nachdrücklich wird auf den eigentlichen sinn der wehr
verwiesen: der krieger sol seinen rhuom und sold in seiner wehr und nit in dem bracht haben Franck
chron. Germ. (1538) 35
a.
die entwicklung zum galanteriedegen (
th. 4 i 1159)
vollzieht sich in steigendem luxus: tragen ... von golde beschlagene wehren und dolchen Thurneyszer
magna alchymia (1583)
vorr. 3; (
der vater) liesz ihn von newem in ledder kleiden, die hosen zerschneiden ... desgleichen eine wehre mit silber beschlagen zurichten B. Hertzog
schiltwache A
v. diese wehr
wird dann auch mitten im bürgerlichen leben getragen: es trug sich zu, das ihm die jungfraw zu einem vortantz oder reyen gebracht ward. der gute geselle wolte sich brauchen und hohe sprünge thun, ich weisz nicht wie ers machte, es kam ihm die wehr der jungfrawen zwischen die bein, das sie fallen muste
das.; an seiner seiten hatte er eine wehr Harsdörffer
frauenzimmergespr. (1649) 3, 143; ey wie stünde das, wan ich ... keine wehr an der seiten trüge Agyrtas
grillenvertreiber (1670) 270; degen und dolch als scheinbar recht überflüssige wehr Gregori
Kainz (1908) 29.
die romantik ist geneigt, ihr rückspiegelnd eine bedeutung beizulegen, die sie in wirklichkeit nicht gehabt hat: zur zeit, wo der bürger noch mit der wehre an der seite auftreten durfte, hatte sein öffentlich gesprochenes wort auch mehr zu bedeuten als in späteren tagen Hauff
sämmtl. werke 1, 254,
praktische bedeutung behielt sie bis zuletzt fast nur beim studenten: wehr, so viel als waffen; besonders seitengewehr Kindleben
studentenlex. (1781) 214; ein runda den burschen voll ehre, die den degen zu führen gewöhnt, ein runda der adligen wehre Bierbaum
musenkrieg (1910) 35. II@A@44)
übertragungen von der bedeutung '
waffe'
aus sind schon mehrfach erwähnt. sie greifen nach zwei richtungen: II@A@4@aa)
die bibel liebt es, das religiöse leben unter dem bilde eines vertheidigungskampfs darzustellen. von da aus ist wehr
im geistlichen sinne bei Luther
beliebt, der dann bis ins 19.
jahrh. nachfolge findet: ubir dasz alles ist die sterckist were das gepett unnd wortt gottis Luther
v. d. guten werken 100
neudr.; so mussen wir sie rusten mit der wehre des herrn speise 23, 240, 3
Weim.; der mensch lebt nicht allein vom brot, sondern von einem jglichen wort ... das sind, sage ich, die wehre, damit sich die heiligen marterer gewehret haben wider die tyrannen 6, 478
a Jen.; des ich mich wol wolt zum exempel setzen, wie er (
der teufel) mir in solchem fall offt manchen schweis abgeiagt und das hertzbochen gemachet, ehe ich mich hate herumb geworffen und meine wehre ergriffen aus gottes wort 65
b; es ist nicht gnug, dasz einer, so vom teufel angefochten wird, ihm fürhalte gottes wort, denn der arge, listige geist ist so geschickt, dasz er einem die wehre nimmt
tischreden 3, 20
Förstemann; von der zeit an ... sind allezeit vil dapffere männer in der wehr und rüstung gewesen,
[] welche mit schreiben und predigen dem papst einen gegenstand (
widerstand) gethan haben Fischart
bienenkorb (1588) 2
b; der böse feind ... trachtet dahin, dasz er euch ewerer geistlichen wehr berauben ... möge Moscherosch
insomnis cura par. (1643) 91
neudr.; du hast ja (starcker got) mit deiner eignen wöhr mich wafnend, durch den feind zu rennen unversehret mich gelehret Weckherlin 2, 47
Fischer; und dieses ist mein got, der mit der tugend wöhr mich gürttet 2, 48; sey (höchster) stets der freiheit wehr und schild Matthisson (1825) 1, 71; nach Franken hin, nach Franken du morgendliches heer, es musz die welt dir danken, du führest gottes wehr Schenkendorf
ged. (1815) 58. II@A@4@bb)
nur zu weltlich ist wehr
in obscönem sinn: damit zoch er usz ain grosze wer und wol erzügten strytkolben Stainhöwel
Äsop 342
Österley. zersplittert sind weiter die übertragungen auf irdisches: die zunge als wehr
der weiber, die brandung als die des meeres, die philosophie als die der seele, feder, wort, gedanke als wehr
des geistigen kämpfers: (
die flöhe dürfen die weiber stechen) auff die gänge zung welches jhr wehr ist und thädigung Fischart
flöhaz v. 1958
neudr.; ein weib sagte zu ihrem mann, der sie schweigen hiesz, sie könte sich anders nicht verthedigen als mit worten, dann die weiber führten jhre wehr im maul: darauff antwort der mann: derohalben müsse man sie dapffer auff die scheide klopffen Zincgref
sprüche (1626) 327;
hierzu das th. 6, 2694
zu ergänzende mundwehr,
vielleicht im wortspiel mit mundwerk
entstanden: mundwehr (tragen die weiber) Schottelius (1663) 410; wer heiszt euch (
die winde) dise frechheit üben ohn mein bevelch (das jr dem meer gebt in die hand so starcke wöhr, das es sich wie ein berg auffthut)? Spreng
Äneis 5
a;
Romeo. o, du willst wieder von verbannung sprechen!
Lorenzo. ich will dir eine wehr dagegen leihn, der trübsal süsze milch, philosophie (
i'll give thee armour to keep off that word) Shakespeare
Romeo 3, 2 (
danach Göthe I 9, 230
Weim.); ich bin nun lange drüben (
in Deutschland) wohl vergessen; wer jetzt noch lauschte meinen ersten klängen? ich wäge sinnend meine wehr, indessen gewappnet andre in die rennbahn sprengen Freiligrath 1, 277; es ist der reim des sängers wehr in ernst und scherz Geibel 1, 192
Cotta; drum dank sei dem und preis und ehre, der gegen lüge, hasz und neid gekämpft mit seines geistes wehre, herrn Walter von der Vogelweid Wolff
fahr. schüler (1900) 280. II@BB.
weit seltener ist wehr
als '
das womit man sich wehrt'
verdichtet zu der bedeutung '
vertheidigungsmannschaft'.
verwandte entwicklungen haben kraft, macht,
mhd. magen,
auch lat. vis
erlebt, s. th. 5, 1941
f. 6, 1404.
bei wehr
ist sowohl vom abstractum wie vom concretum '
waffe'
aus zu der neuen bedeutung zu gelangen. wohl noch als '
widerstandskraft'
gemeint, doch schon als '
wehrmannschaft'
zu deuten ist: wirt hie ein tjost von dir getân, dar nâch wil manc ander man daʒ ich in lâze rîten ... dâ mite krenket (
schwächt) sich mîn wer
Parzival 286, 9.
im übergang von '
widerstand'
zu '
besatzung'
steht: si funden ritterlîche wer al umbe und umbe ûf den graben Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 10727.
von '
waffe'
zu '
bewaffnete mannschaft'
kann überleiten: wann der starck Anachin fället vor deiner wehr, wann Canans völcker all von deim heer seind getilgt Treuer
d. Dädalus (1675) 1, 909.
die ursprüngliche beschränkung auf die abwehr kann gerade bei diesem übergang früh verloren gehen: dô mischten sich ir beider wer über den graben unz an daʒ mer Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 10980,
[] und möglich ist ein entsprechender gebrauch noch um die mitte des 17.
jahrh.: etlich ausz kaisers heere die haben umb geschwaift im land mit irer were bisz an die Elb gestraift Liliencron
hist. volkslieder 4, 421, 3.
geradezu vom angriff braucht dieses wer Gottfried v. Straszburg: zehant und an der stunde besande Marke ein michel her und kam in an mit starker wer
Tristan 1128. II@B@11)
in der masse der fälle ist jedoch die bedeutung '
streitmacht zur vertheidigung'
festgehalten: der heiden an einem waʒʒer lac hinz an den dritten tac. her Saul lac mit grôʒem her gegen im mit sîner wer Enikel
weltchron. 10766
Strauch; (
wir haben uns verbündet) dat we bi en bliuen scholen ... mit ganser were, hulpe unde maght ... we en willen und scholen unsen vedderen behulpen wesen in allen truwen mit aller maght, hulpe und were
meckl. urk. (1353) 13, 320; (
es ist uns nicht in den sinn gekommen, Mölln zu verrathen) alse en islik bedderve reddelk man na unseme geberde unde der were, de wi dar myt uns hadden, ok wol merken mach
urk. der stadt Lübeck (1408) 5, 204; sie kamen bede auf genanten tag und stund auf iren angezaigten platz mit iren vermeinten wern Wilw. v. Schaumburg 124
Keller; wie blitze kam und ging der feinde wehr (
their weapons), der unsern wie der eulen träger flug Shakespeare
Heinrich VI. 3, 2, 1; als nun die landschaft sah und erkannte, wie es zuging, dasz kein aufgebot und keine wehr in dem lande war und keine hilfe von andern landen Freytag
werke 18, 343 (
bilder 2 i 8). II@B@22)
nahe liegt die einschränkung auf die zur vertheidigung einer stadt oder eines schlosses nöthige mannschaft. so wird wehr
früh geradezu '
besatzung': ander wer wir müeʒen kiesen
Parzival 358, 6; de vorbenomeden dre stede, alse Lubeke, Stralessunt, Gripeswolt, scholen de helffte der lude und der were, den Stokholm tho holdende, untrichten
meckl. urk. (1395) 22, 535; bestelleden ere stede unde slote mit starker were Korner
Lübecker chron. bei Schiller - Lübben 5, 677;
meist ist aber were
gerade in diesem mnd. bereich nicht so sehr '
mannschaft, die einen festen platz hält'
als '
truppenkörper, der nach umständen in eine burg gelegt werden kann': do unse gnedighe here was in der Marke unde ik her Johan blef to der Nygenstad mit miner were, do randen de vigende vor dat Zwerinsche dor
meckl. urk. (1372) 18, 130; were abir daʒ er ... den krig ansluge mit der Marcke, so sal er sine were bie mir leghen uff daʒ selbe sloʒ, sinen hoptman und driczig wapent (1384) 20, 265; (
die von Lützow öffnen den Lübeckern ihre schlösser) also dat se ... ere were darup legghen moghen (1391) 22, 26;
ebenso 439; vor desse veerhundert mark vorpande wij en to eneme rechten pande use halve slot Wenynghen ... unde moghen ere were dar up legghen unde sik dar af unde up weren ieghen ere vigende
urk. der stadt Lübeck (1391) 4, 583; wered ok zake, dat wij unse were darup leden, so schole wij den heren van Lubeke unde unses vedderen kynderen vorwaringe don, dat se umbeschediget bliven (1407) 5, 155. II@B@33)
fest geworden ist were
im hansischen sprachgebrauch als '
leistung an mannschaft',
wie sie die kriegsmatrikel jeder stadt nach dem masz ihrer mittel auferlegte. so als unübersetzbares kunstwort in lat. urkunden: super defensione dicta were
ipsis dominis consulibus scribimus, prout prius ipsis scripsimus, quod nullo modo possumus eis facere subsidium navigio trans portum Noressund meckl. urk. (1364) 15, 395;
item quivis loquatur in suo consilio super defensione proprie were,
utrum ita procedatur (1368) 16, 304;
entspr. 16, 315.
dann zumal in Lübeck auch im deutschen texte: dat wy use were vuolkomen hadden unde wol dat dorden del mere (1373) 18, 291; alze he claghet, dat wy den beschedenen tal uses volkes, alze dusent ghewapent, tho der were des krighes nicht vul
[] en hadden ... dar antworde wy aldus tho: tho dem ersten, dat wy use were vulkomen hadden
recesse der hansetage (1373) I 2, 59. II@B@44)
die festsetzung gerade im kreis der hanse macht es verständlich, dasz were
auch '
wehrmacht zur see, schutzflotte'
geworden ist: item so hebben se over een ghedraghen, dat de vredescepe altomale mit der sulven were unde costen solen bliven an der zee bet to sante Mertens daghe
meckl. urk. (1378) 19, 318; dat se ere were nicht mochten togAen laten (1394) 22, 345; unsir antwort uf das ir werbit, lieber meister Gotke, alzo umme die were in die zee czu brengen, alzo zcu Lubeke geramet wart
etc.: daʒ dunket uns nicht gut noch nuocze, alʒo grose koste daruf zcu tunde (1395) 469.
im rahmen der hanse greift die bedeutung weit nach osten: ist geramet, das man die wer vorwert in dy zee sal legen
akten der ständetage Preuszens (1395) 1, 80; vortmer so schickede wi und sanden unse were us tu der seewart
liv-, esth- u. curländ. urk. (1399)
nr. 1486
Bunge; dat de kopman van en to grunde nicht vordervet en worde, und hadden ener were geramet uppe der stede trost (1406) 1698. II@CC.
alt und reich entwickelt ist die dritte concrete bedeutung '
vertheidigungsbau'.
der übergang läszt sich gelegentlich von der bedeutung '
waffe'
aus gewinnen an stellen wie der folgenden, wo in der wehr
als '
in waffen'
gemeint, als '
auf der zinne'
verstanden sein kann: ist uff allen posten gehörige vorsehung beschehen und die mannschaft so tags, so nachts in der wehr geblüben Bürster
schwed. krieg 79
Weech. entsprechender bedeutungsübergang durch miszverständnis ist schon 1514
möglich: mit den worten bracht es doch Marcius darzuo, das sie sich rüsten und an jr wer tratten Carbach
Livius 143
b,
ja schon um 1420: da zogen sie ketten durch zweifache wagin und luden yhre buchssen und bestalten yre were trefflich Rothe
düring. chron. 770.
aber die bedeutung '
wehrbau, vertheidigungsstellung'
ist sehr viel älter, schon ahd. glossen kennen sie: intra moenia inna uuerim, innana uuerino, innana uuerun Steinmeyer-Sievers 1, 188
f., 30 (8./10.
jahrh.)
; latibulum uueri 1, 205, 8;
mole uueri 2, 664, 15 (11.
jahrh.); sî siu mûra, uuirche uuir ûffe die mûra silberîne uuere (
argentea propugnacula) Williram 141, 4
Seemüller. damit ist anknüpfung an die bedeutung '
vertheidigung'
geboten, die in ältester zeit die geschichte des wortes beherrscht. wie sich der übergang von '
vertheidigung'
zu '
wehrbau'
vollzogen haben kann, läszt sich seit dem frühen mhd. an beispielen zeigen, die in beiden richtungen zu verstehen sind: al die wîle bûde Ênêas sîne borch Albâne ... want he hadde wale vernomen, dat Turnus dare wolde komen met vele grôten here. da engegene skœp hê sîne were Heinrich v. Veldeke
Eneit 4540
Behaghel; hin wîste sî ein tal des endes dâ diu burc lac. der wahter, der der were pflac, der ersach sî vil drâte Hartm. v. Aue
Iwein 5804; diu mûre was behangen mit grôʒen blochen sinuwel. die wâren an der wer sô snel; swenne ... man die bloche vallen lie, so hurten si die vîende wider in den tiefen graben nider Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 10751; item 8 scot zymmerluten, dy treppen bynnen dem huse zu machen zur were im unfrede
Marienb. tresslerbuch (1399) 523, 16
Joachim. II@C@11)
bei diesem ausgangspunkt ergiebt sich als ursprüngliche bedeutung die allgemeinste: '
gesamtapparat der vertheidigung',
wobei auszer den bauten auch die waffen, unter umständen auch die mannschaften mitbegriffen sein können: si besâten dar binnen here torne ende here tinnen ... sî skoepen here were weder den kreftigen here Heinrich v. Veldeke
Eneit 6345
Behaghel; der heiden künic und sîn man wolden des niht enlân, si füeren mit vil starkem her und mit werlîcher wer Enikel
weltchronik 16656
Strauch; [] nu das gesach lantgrave Herman, das seyne were zu gerynge was weder herzogen Otten ... do reit her zu den lantgraven zu Doryngen Rothe
düring. chronik z. j. 1372
cap. 716
Liliencron (
thür. geschichtsqu. 3, 621); dat wi solen ... dat hus to Helzingborgh mit al deme resscope unde mit aller were, de oppe dem slote sin unde to dem slote horen ... antworden deme vorbenomeden hertoghen Hinrik
meckl. urk. (1369) 16, 478;
entspr. 18, 530 (1375); hab wir gesant von stat an des tags czwen puchsenmaister ... das sie dy wer doselbst und den zeugk zu richten auf der mawr umb die stat
städtechron. 2, 86, 10 (
Nürnberg 1444); auch ward Lüttich gewunnen durch ir unainikait vom hertzogen von Burgundi, der nam si ein und nam in all ir freyhait und wör und legt die maur an der stat ain tail ernider 4, 331, 28 (
Augsburg 1467); dat sie myt were und völke vorsekert werden
liv-, esth- u. curländ. urk. (1447) 10, 301
Bunge; hatten sich veler schiffe, die si alda lodien heissen, und ander were gewarnet 10, 395; wente dat slot nicht wol bewart was, beyde myt volke unde myt were unde sunderliken myt bussen unde myt bussenpulver
chronik des lesemeisters Detmar 2, 187
Grautoff (
Lübeck 1456); zohe das schiff in das wasser, legte darein munition oder wehr, hauszrat und was man auff einem schiff notdurfftig ist Minervius
Odyssee (1570) 24
b. II@C@22)
indem waffen und mannschaft von diesem begriff der wehr
ausgeschlossen werden, gelangt das wort zur bedeutung '
vertheidigungsbauten'
und bleibt als allgemeinster ausdruck hierfür stets möglich. II@C@2@aa)
die bauten müssen nicht von menschenhand aufgeführt sein: ohne diese mit felsen und gebirgen umpanzerte gränze wird der staat zu ohnmächtig seyn ... wenn die wehren, welche natur und kunst in diesem norden über ihm gebaut haben, in fremden händen sind Arndt
christliches u. türkisches (1828) 334; ein solcher platz (eine gemeinsame zufluchtsstätte) heiszt höhe ... oder wehr Mommsen
röm. geschichte 1, 36. II@C@2@bb)
wo die beschränkung auf menschenbauten eintritt, stellt sich sachnothwendig die weitere auf stadt und burg ein: (
die stätte) was berustet wol mit wer: turne, berchfrit und ærker vil ane maʒe stuont der uf der mure ob dem graben Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 10739; veste stete, starke wer und manic schœne kastêl
Tristan 5190; nu will ich sagen an die frist wie die statt gelegen ist: zu ainer seytten an dem mer, mit so reichlicher wer gefirmet zu allen orten Heinrich v. Neustadt
Apollonius 1028
Singer; Robelle de stat und dore und wes ik innehebbe van were unde veste
meckl. urk. (1362) 15, 164; tu desser vorsprokenen lösinghe der slote unde were der land kese wy tu höuetlüden use man (1365) 15, 526; men me schal dar nene were maken (1393) 22, 307; es wolt auch Tiberius Nero, dasz derselb fleck und stat wer ein starck wer und wol versorgts schlosz und vest wider alle aufleuf
städtechron. 3, 45, 6 (
Nürnberg 1488); Hannibal hatte die Römer, so alle welt zwungen, so lange und offt bekriegt und geschlagen, und Phormio wolt jn leren kriegen, der doch selbs sein lebtag nie kein heer noch weer gesehen hatte Luther (1534) 6, 139
b Jen.; wann der Wal und der Frantzosz uns (
Deutsche) an weren sicht so blosz und so klein gehorsamkeit: gedenckt doch, was das uff im treit Murner
narrenbeschw. 92, 68
neudr.; beschieszen thet er alle wehr, den henkersthurm zuvor ausz sehr Liliencron
hist. volkslieder 4, 400, 15 (
Leipzig 1547); ihr wehr und auch plochheuser gut 612, 8 (
Schweinfurt 1554); landtgraff Philips, sein (
Ulrichs) vetter gut ... schlegt die königischen ausz der wehr, jagt sie balt ausz dem ganzen landt
hess. reimchronik 268
Adrian; ein solche festung oder wehr ... auffzubauwen Kirchhof
discipl. milit. (1602) 11; das wehr oder gewehr ... ist eine schützwehre Gueintz
rechtschreibung (1666) 159; die wêhr
[] ... ein werk, welches einen feind abzuwehren geschickt ist. ehedem sowohl von festungswerken, als auch statt schutz selbst Voigtel
handwb. (1795) 3, 606; diese wehren genügen, um jedem feinde, der von süden einbricht, den durchzug in das nördliche Tirol unmöglich zu machen Steub
drei sommer in Tirol 2, 19. II@C@33)
gerade als allgemeinster ausdruck bedarf wehr
der näheren bestimmung. die attribute hoch
und nieder
nehmen die grundsätzliche scheidung vor zwischen vertheidigungswerken, die in die höhe gebaut, und solchen, die in die erde gegraben sind: die statt was so vest vom leger an wassergraben, schudden, bolwercken, muren, thornen, lauffenden und andern hohen und nidern weren, und nahet umbgeben mit einem wagenden bruche Matthias v. Kemnat
chronik Friedrichs des siegr. 63, 28
Hofmann; alle hohe und öbere wehren, als basteyen, rundelen, thürnen und andere dergleichen bollwercken und hohe mauwren Fronsperger
kriegsbuch (1573) 1, 166
a; unsriger intent ist, ihren (
den belagerten) vor allen dingen die obere wehr zue nehmen und sie von den thürnen, stucken oder battereyen abzuetreiben Bürster
schwed. krieg 207
Weech. ebenso kann sich rein aus dem zusammenhang des satzes die eine oder andere einschränkung ergeben. in einer Augsburger chronik wird wer
geradezu in die bedeutung '
thurm'
gedrängt: und hand daselb die Bartigallischen sich understanden und 2 düren oder wer zuo machen, dasz die haiden des soldans nit mer da solten halten spaitzii (
spezereien)
städtechron. (1503) 23, 445,
bei Dürer
umgekehrt für '
festungsgraben': man mag auch for den eussersten prucken noch ein kleine wör umb die prucken füren und ein fallprucken darüber werffen
befestigung der stett (1529) D 2
a. II@C@44)
zunächst wird die einschränkung auf hochbauten fest. II@C@4@aa)
dabei ergiebt sich, da die beziehung auf kriegerische vertheidigung stets gewahrt ist, die bedeutung '
wall, mauer'.
läuft der wall innerhalb einer stadt, so wird wehr
zur barrikade: und machten in der statt ein wehr, mit auffzuhaltn der feinde heer, wann die eusser stattmawer gar zerstossen und zerfellet war Sachs
werke 16, 362, 10
Keller-Götze. viel häufiger ist aber wehr '
wall und mauer um die stadt': vil süeʒʒes schalles man da pflac mit holler-blasen uf der wer Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 10878; do beschlosz man die gätter, ain uff der weren, den andern unden an dem merkstatt Richental
chronik des Konstanzer konzils (1417) 118; wy der borgermeister ... nicht als vil vlisz gethan hette als zcu dem gebüw der were
codex dipl. Saxoniae reg. II 12, 635 (
Freiberg 1451); das vierteil am weinmarckt hebt sich an mit der were und zwinger mit dem grossen thuren und vorwerck im wasser Tucher
baumeisterbuch d. st. Nürnberg (1464) 133, 10
Lexer; entspr. 134, 1, 30
ff.; auch öffnen wir das höfl bei dem pukhentor ... durch das selb höfl sol tag und nacht ain gemainer gangsteig gen auf der statt wer
östr. weisth. 2, 233 (
Innsbruck, ende 15.
jahrh.); auch öffnen und melden wir, wer des Zerrenmantels haus inn hat, den sol die wer oben durch dasselbig haus albeg offen sein
das.; doch vor ein schütt darumb thu schütten, das man darauff das volck mög bhüten und die feindt abtreib von der wehr, so beschedigen unser heer Sachs
werke 11, 338, 2
Keller; wehre
munimen, munimentum, munitio. die statt mit wehr bewahren
munire oppidum Dasypodius
dict. germ.-lat. (1537) 454;
entspr. lat.-germ. 144
d; wehr
pro muro seu munitione Frisch
2 2, 430
mit beleg aus Wig. Hund
metropolis Salisburg. (1582); die tapfferkeit der belägerten trat ... iederzeit in die lücke, bisz endlich fast alle wehren zerschellet waren Lohenstein
Arminius (1689) 623
b; von gebrochenen thürmen, geschleiften wehren Arndt 5, 178
Rösch u. Meissner; wardt die stadt mit wall und graben eingeschlossen. Remus ... sprang verspottend über die armselige wehr Niebuhr
röm. gesch. 1, 251; allwo die stadt ersteiglich ist, die wehren niedrig sind Bürger 174
v. 556
Bohtz. [] so auch nnl.: weer
sepimentum, septum, palatio, pedatio, vallum Kilian (1632) Xx 3
b. II@C@4@bb)
mit weiterer einschränkung wird wehr '
oberstes stück, krönung der mauer, brustwehr'.
dieses wort erscheint gelegentlich zerdehnt zu brust und wehr
wie nutznieszung
zu nutz und nieszung, achtklage
zu acht und klage (
weitere beispiele v. Künszberg
acht (1910) 30
anm. 26).
als platz des befehlshabers, auslug, stellung zum parlamentieren, namentlich aber als vertheidigungsposten spielt die brustwehr von jeher eine wichtige rolle: daʒ irsahen die uffe der were daʒ er des kuniges bote was
graf Rudolf F 21
Grimm; Alexander steich ûf die uberisten were (
var.: daʒ obrist gewer) unt gebôt den sturm uber al daʒ here Lamprecht
Alexander 108
Kinzel; zwêne segele brûne die kôs man von der wer hin abe
Parzival 200, 11; ein alter kapelân, hieʒ Steven, ûf der wer ob der porte stuont
Willehalm 89, 5;
entspr. 96, 21. 29; nû saʒ diu burcmûr und diu wer vol ritter unde vrouwen, die daʒ wolden schouwen Hartm. v. Aue
Gregorius 2112; dô lieʒ er sîne vrouwen ab der were schouwen
Iwein 3724;
entspr. 3712; sit din rat mit triuwen vert, wahter guot, so gang von der wer her umbe an dise huot Kristan v. Hamle
gr. Heidelberger liederhs. 208, 6
Pfaff; vil erker ûʒ geschoʒʒen wâren oben an der were, dar inne saʒ der schützen here mit arembrusten und mit bogen Konrad v. Würzburg
troj. 25129; die ûf der burge wâren ... sie trâten ûf die wer empor, sie werten graben und tor
livländ. reimchron. 8689
Meyer; auff dy wer sy lieffen do, auff zynnen und auff turne Heinrich v. Neustadt
Apollonius 3448
Singer; die menre worn von der wehere gegangen, unnd die pristere unnd die frowen hatten den storm mit heissem wasser erwehert Stolle
geschichtsqu. der prov. Sachsen (1474) 39, 323; flöhet yederman von dem land hyneyn, was man von spysz und kost zuo wegen bringen mocht, und rüsteten zuo jr thüren, weren und muren Carbach
Livius (1514) 174
b; stedt und die schlösser wol besunnen mit irn pasteyen, wehrn und zinnen Sachs
werke 7, 474, 1
Keller; sintemahl die belagerte ... zeit gewannen, ihr grobes geschütz, damit die stadt der menge nach versehen, auff die hohen wehren zu bringen Chemnitz
schwed. krieg. 2 (1653) 197; (
die teufel) verrigelten, verbolwerckten, versperrten und besatzten die thor, die wehren, die pforten und mawren (
der hölle) Hertzog
schiltwache F v; wirfft zu boden die mawren und wehren, sie seyen gebauwet von was materien oder was art sie wöllen Kirchhof
milit. discipl. (1602) 170; dasz mans auff der feinde wehr nicht mercke: kan sich alsdann nicht ein vogel auff der feindt wehren regen noch sehen lassen, dessen sie nicht innen oder gewahr werden 173; als die schlösser und all jre wehren versehen Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 320
a; da war von dessen (
des hauptthurms) hoher wehre und aus noch uneingenommen thürmen, offenbar und aus unbemerkten winkeln der mannigfaltigste streit J. v. Müller
sämmtl. werke (1817) 24, 79; man sah die zerschossenen wehren, die durchlöcherte mauer, den gefallenen thurm, den gegenwärtigen tod 24, 133.
die brustwehr ist in alter zeit hölzern: men de raat von Lubeke sende dar altuhant lude, spise unde were (
waffen), unde leten de stad wol wedder to der were (
vertheidigung) buwen unde vesten, wente dör, torne unde alle were weren afgebrand
meckl. urk. (1391) 22, 68;
ebenso städtechron. 26, 40,
sie ist darum von der steinmauer trennbar, sehr lehrreich hierin: [] eʒ wart zuo der wîle sô manic tûsent phîle ûf in die wer gesant, daʒ als breit als ein hant ein stat dâ was nindert lære; dâvon diu wer wart sô swære, daʒ si sich al mit alle vil nâch ergap dem valle und daʒ vor der schutzen haʒ niemen mohte fürbaʒ ûf der wer gewesen Ottokar
östr. reimchron. 30720
Seemüller; dâmit er ab der mûre warf wer und erkêre 10904;
entspr. 31162, 74311; zoch für Lichtenawe ... und tet grosz schiszen hinein und schosz alle wer ab am slosz
städtechron. 2, 155, 13 (
Nürnberg 1449);
peribolus eyn lauffende ror (
lies: wör), lauffenig were
vocab. rerum von anfang des 15.
jahrh. und Hubrilugus bei Diefenbach
gloss. 426
b. II@C@55)
soweit mit wehr
tiefbauten gemeint sind, können sie entweder als auszenwerke mit der übrigen befestigung einer stadt in engem verband stehen, oder als landwehr wesentlich selbständig eine flur umziehen. beide arten vorwiegend in den wörterbüchern. II@C@5@aa)
auszenwerke: ante-, anti-murale eyn were an eyner muren
lat.-nd. wb. (1417) Diefenbach
gloss. 25;
munitio eyn were, bastei oder bewarung, bolwerck Dasypodius
dict. latino- germ. (1537) 144
d; wehr, pastey
f. bollwerck
n. Ravellus (1616) 401
a; wehr, pastey
f. bollwerck ...
propugnaculum Hulsius
dict. (1640) 480
b;
propugnaculum wehr oder pastey Zehner
nomencl. (1645) 105; wehre, schirm
propugnaculum Frisius
dict. (1703) 2, 303; wehr, pastey
f. bollwerck
n. un rempart, boulevard ... propugnaculum Pomai (1709) 3, 338
b; bastey, bollwerck ...
rempart, boulevard, une forteresse Rädlein (1711) 1, 1038; wehr, (
fortif.)
retranchement, rempart m. bulwarck, fortification Beil
techn. wb. (1853) 1, 650. II@C@5@bb)
landwehr: wehr
f. ein hege umb ein land, oder statt, damit man dem feind vorm einfall wehret Ravellus (1616) 401
a;
ebenso Hulsius (1640) 480
b; wehr
f. eine höhe (!) um ein land oder stadt, damit man dem feind vorm einfall wehret Rädlein (1711) 1, 1038; ob die land-gräben und weit entlegene wehren umb eine stadt oder vestung nützlich oder schädlich seyn Böckler
neue kriegsschule 776. II@C@66)
übertragener gebrauch. II@C@6@aa)
in den vergleich der geliebten mit einer festung, den namentlich das hohelied vorbildet, wird wehr
als '
brustwehr'
eingefügt: dîn hals ist samo Dauîdis uuîghûs, da diu uuere obena ane geuuorht ist. dûsent skilte hangent an dero uuere unte allerslahto uuîg geuuâffene Williram 58, 2
Seemüller; entspr. 58, 15;
von den zähnen der geliebten: under den venstern stǎtt ain wer, und käm darfür ain gantz heer, das möcht es wol vertreiben Hätzlerin
liederbuch 153
Haltaus; Göthe
wendet die stelle des hohenlieds ins moderne: wie der turn David dein hals, gebauet zur wehre, dran hängen tausend schilde, alles schilde der helden
werke I 37, 304
Weim. II@C@6@bb)
mit einer übertragung, die in der sphäre körperlichen kampfes bleibt, wird wehr
zum schutz, der in einem bau besteht: ach! wenn nun die sagen schallen, dasz die hohe stadt gefallen, die die wehre meiner heimat war Schiller 6, 191; so (
durch k. Heinrichs städtebau) wurde klug errichtet der freyheit damm und wehr Schenkendorf
die deutschen städte (Wackernagels
leseb. 2, 1355).
oder der schutz ist von fleisch und blut: weit auf der ebne liegt manch ein heldenleib, des landes wehr Fouqué
held des nordens (1810) 2, 93. II@C@6@cc)
die übertragung auf sittliche conflicte ist zuerst Luthers
theologie eigen und unentbehrlich: das gesetze ... ist auch nichts anders denn ein were, damit man die bösen auffhalte 17 i 123, 27
Weim.; auff das er (
der teufel) uns nicht aus unser wehre und burg locke und
[] also erschleyche 19, 185, 10; denn er (
der text) ist eine mauer und wehre der regiment 28, 536, 10; wenn du denn solchem nachhengest und nicht kanst mit gottes wort wehren und lesst dich aus deiner wehre locken 34 ii 384, 28.
unmittelbar oder mittelbar scheinen alle späteren, die wehr
in diesem sinn verwenden, von Luther
abzuhängen: an allen orten bricht sie (
die schande) durch die wehr Herder 24, 125
Suphan; wo ... von der unschuld wehr umschanzt, in lauben, die er selbst gepflanzt, der greise bürger sitzet J.
M. Miller
ged. (1783) 194; (
der graf von Mainz) der eine wehr bedrängter unschuld ist Alxinger
Doolin v. Mainz (1797) 184; eines volkes, bey dem die freyheit in vielen tausend entschlossnen herzen eine sichre wehr und wurzel hatte Niebuhr
röm. geschichte 1, 325. II@C@6@dd)
der weitere schritt, wehr
auf geisteskämpfe auch auszerhalb des sittlichen gebiets zu übertragen, ist nicht grosz und schon von Luther
gethan: darumb hat der Alcoran sich selbs ... verwaret, das seine lügen nicht offenbar würden, und viererley wehre dafür gebawet (1542) 8, 32
a Jen. von nachfolge ist hier kaum zu reden, Schiller
ist sichtlich selbständig und eher von dem gedanken an wehr
n. geleitet: diesem zeitstrom setzt die geschichte gleich einer starken wehre sich entgegen und verhindert, dasz nicht alles unwiederbringlich dahin ist 9, 187. II@C@77)
ganz selten bleibt wehr
auszerhalb der sphäre von kampf und krieg, übertragener gebrauch ist hier kaum versucht. II@C@7@aa)
wie entwicklungsfähig hier schon der eigentliche gebrauch gewesen wäre, kann das finnisch - lapp. zeigen, wo ein fem. germanischen ursprungs varjo
besteht. es gehört dort zu der gruppe von lehnwörtern aus staats- und kriegswesen (Kluge
grundrisz2 1, 362),
doch herrschen die bedeutungen '
schatten, schirm, schattenbild, spiegelbild'
vor (Thomsen
einflusz der germ. sprachen auf die finn.-lappischen 182).
im deutschen ist derartiger gebrauch nur in ansätzen vorhanden, die jeder eigene wege gehen, aber durch sechs jahrhunderte kein rechtes ziel erreichen. mit '
grenzmarke, raum zwischen zwei häusern'
setzen im 14.
jahrh. diese versuche ein: si in villis ubi pro stillicidiis tectorum intersticia vulgariter wer
dicta ... dimittuntur, vicinus exaltat tectum super tectum vicini cavere debet, ne stillae descendentes tectum inferioris tangant stadtrechte von Brünn 41
Rössler. als '
schranke, kluft'
erscheint wer
im 14./15.
jahrh.: nu martert dich der helle rost. ouch ist zwischen uns ein wer, daʒ von euch nieman her noch von uns zu euch nieman komen mach
gedicht v. armen Lazarus 59, 63
Rosenhagen. '
ein ding zum schutz'
kann mnd. were
sein: de vorsch de sank to grunde neder, de mûs de krôp to lande weder; vil dicke tôch he se do under, echt quam se up; dat was wunder, dat se ôk jenige were begrêp Gerhard v. Minden 3, 116
Seelmann. nahe an '
landwehr zu kriegszwecken'
grenzt an: wehr, bewehrung für zaun, und was man vor die güter macht, die das vieh verderben kan, als äcker, wiesen,
sepes Frisch (1741) 2, 430
a.
im wortspiel mit wehr '
waffe'
kommt Voss
zu einem freieren gebrauch von wehr,
dem dann Storm
nahekommt: und wie der wütende löwe, die kraft vermehrend im anlauf, gegen die wehr mit der brust, und empfangende spiesze, hinandringt: also, nachdem in den winden die flut sich beschleunigte, drang sie gegen die wehren des schifs, und stieg viel höher denn jene
Ovids met. (1798) 2, 225; es war daheim auf unserm meeresdeich ... und jauchzend liesz ich an der festen wehr den wellenschlag die grimmen zähne reiben Storm (1872) 1, 97.
mundartlich mag irgendwie begründet sein die bedeutung '
geländer': eine hölzerne treppe ohne wehr Sanders
aus der nationalztg. 17, 505; erst, wenn jemand in einer solchen 'kaute' ertrunken ist, umgiebt man sie mit einer wehre K. Vogt
aus meinem leben (1896) 90.
vgl. die verstärkende [] zusammensetzung schutzwehr. —
seltener als waffe '
trinkgefäsz'
bleibt entsprechendes wehr
in burschikoser sprache: nuhn wohlan auff die gesundheit ewerer freunden. gott bewahre sie, und uns auch. ihr müsset bescheid thun mit gleichen wehren (
avec les mesmes armes) Dhuez
vray guidon (1646) 276. II@C@7@bb)
fest geworden sind drei technische gebrauchsweisen in den betreffenden standessprachen. II@C@7@b@aα)
landwirthschaftlich erscheint wie waffe
so auch wehr
in der bedeutung '
geräth',
doch nicht am ausgangspunkt seiner entwicklung wie jenes (
th. 13, 254),
sondern am ende: die wêhr ... zum feldbaue nöthige werkzeuge, und in weiterer bedeutung alles was zur landwirthschaft nöthig ist (so fern jedes werkzeug ehedem sowohl wehr als waffe genannt wurde) Voigtel
handwb. (1795) 3, 606;
danach Adelung
mit der erläuterung: diese bedeutung ist noch mehr veraltet, als eine der vorigen, und nur noch in den zusammensetzungen hofwehr und wehrvieh übrig (1801) 4, 1438;
im auszug bei Campe.
in der beiziehung von hofwehr
und wehrvieh
liegt schon eine vermengung mit dem ersten währe '
inventar' (
th. 13, 760),
s. u. II@C@7@b@bβ)
in der berufssprache der fischer ist wehr
eine bestimmte art von hilfsnetzen: weren sind, bey der fischerey, die neben den reusen in buchten gespannten netze, welche den fisch abhalten, dasz er nicht vorbeygehe Dähnert
plattdeutsches wb. (1781) 546; aalwehre schlangenförmig aus reisern geflochtene unter wasser angebrachte zäune, die gegen das ufer hin auslaufen und öffnungen haben, vor denen körbe mit doppelten fängen stehen, um die an den zäunen sich hinschmiegenden aale aufzunehmen Heppe
jagdlust (1784) 3, 337.
hierzu aalwehr
bei Stenzel
seemänn. wb. 460.
dagegen ist wehr 'die statt der gewöhnlichen schnur dienende metallkette an der hechtangel, die dem hecht das durchbeiszen wehrt'
mit Sanders 2 ii 1519
c als nd. wir '
draht'
zu deuten, dies mit fries. wîr,
ags. wír,
anord. vírr,
ahd. wiara
aus dem keltischen, wie lat. viriae,
s. Schade 1134
f., Kluge-Lutz 228. II@C@7@b@gγ)
in der jägersprache wird (lebendige) wehr
gebraucht wie gewehr
oben th. 4 i 5402: wehre ... wenn bey einem jagen der zeug und die tücher nicht aller orten zulangen, und man die öffnung unterdessen mit jagdleuten besetzet Jacobsson
technol. wb. (1784) 4, 620; bey den jägern ist eine lebendige wehr, wenn ein ort statt des jagdzeuges mit menschen besetzt wird, das wild abzuhalten, gleichsam eine lebendige mauer Adelung (1801) 4, 1438;
ebenso Campe (1811) 5, 628; Liechtenstern
sachwb. (1834) 10, 288; die wehr, die reihe und zahl der treiber beym jagen
F. Ben. Weber
ökon. lex. (1838) 640
a; wehr, eine reihe von treibleuten beim jagen Behlen
lex. der forst- u. jagdkunde (1846) 6, 221; wehre bedeutet bei der jagd durch aufstellung von menschen das entweichen — durchbrechen — des wildes von einer gegend oder einem orte verhindern. bei treibjagden wird die wehre angelegt, damit das wild um so gewisser auf die schützen zukommt und nicht eben hinausbricht 6, 332.
hierzu schützenwehr
f. (
th. 9, 2132
ist schützenwehr
n. anzusetzen)
und treibwehr: die bei treibjagden angestellten jäger und schützen werden die schützenwehr genannt. die schützenwehr musz entweder in gerader linie oder in einem flachen bogen angestellt werden, niemals aber darf sie einen spitzen oder rechten winkel machen, weil bei solcher stellung leicht ein schütze den andern treffen und beschädigen kann Hartig
lex. f. jäger (1836) 441; eine reihe angestellter treibleute nennt man treibwehr 510. —
der ausdruck lebendige wehr '
treiberkette, schützenspalier'
setzt wehr '
hecke, zaun'
voraus, dies könnte alem. vorliegen: die scheuen ('
zaunpfähle',
s. th. 8, 2418) oder wehren müssen aber gleich gegen eynander eynem roszeisen gleich gericht sein Sebiz
feldbau (
Straszburg 1579) 636;
hierzu könnte gehören thurgauisch wehri
f. '
loch in einer hecke'.
in der hirtenordnung von Schlatt (
im Thurgau)
heiszt es: wo der förster eine wehri sieht, soll er sie zumachen Stalder 2, 441,
von da Kaltschmidt 1056
b. IIIIII.
sowohl die zuständlich als die gegenständlich gefaszte wehr
wird mehrfach mit wörtern andern stammes vermengt. III@AA.
die nd. wendung (gôd) in de wêr sîn
ist th. 13, 760
zu währe
f. '
vestitura'
gezogen worden, soweit sie sich auf die vermögenslage, den zustand von haus und hof [] bezieht. daneben kommt aber auch beziehung auf den besitzer, auf gesundheit, arbeitskraft und thätigkeit vor, und mit diesem theil seines gebrauchs gehört das wort mindestens der bedeutung nach eng zu wehr
f., das damit zum sinn von '
verfassung, thätigkeit, geschäftigkeit, herzhaftigkeit'
gelangt. hierzu stellt sich ohne zwang die th. 13, 766
aus Moscherosch
belegte redensart sich aus der wehr trinken,
die sich auch wortgeschichtlich gut einfügt. denn wehr '
verfassung'
setzt zwar am Niederrhein ein: wercklick, in der wer sijn
operor v.
d. Schüren
teuthonista (
Cleve 1477) 493
b Verdam, ist aber auch auf hd. boden nicht unerhört: jedoch hett er allerley spiel inn allerley wehren vor, mit unnd ohn frawen, ohn und mit frawen, mit und ohn das gesind Fischart
Garg. 259
neudr.; wehr
f. herzhaftigkeit. er ist wohl bey wehr
d. i. herzhaft, rüstig (
Sant Anthon) Stalder 2, 440; w
ier
f. thätigkeit, in den ausdrücken: an der w
ier sin
thätig sein; alles an d w
ier setzen
alles in bewegung setzen wb. der luxemb. mundart 484.
doch weitaus überwiegend nd.: en de whr sin
bei der hand, bei der arbeit sein Hönig
Köln. 200
a; h es en dər wr
er ist thätig Leihener
Cronenberg. 133
b; wiär
f. wirthschaft; all in der wiär sin Woeste
volksüberl. in der grafsch. Mark (1848) 111; wr
f. geschäftigkeit, unruhe. se wæren all in der wr
man war schon im hause geschäftig Woeste
westf. 320
a; wr
e f. thätigkeit, schick; nit in s
eîner wr s
eîn
sich nicht wohl fühlen; dat w
eî wid
er in d
e wr kum
et
damit wir wieder in ordnung kommen; sei wôr d
e gants
e nacht in d
er wr
sie war die ganze nacht hindurch in thätigkeit, auf den beinen Bauer - Collitz 111
b; wër, wr, wêr
zustand von mühe, arbeit, anstrengung und thätigkeit; in de wër wesen
recht rührig und thätig sein, sich anstrengen und ernstlich bemühen; wen ik man êrst so recht in de wër wesen kan (
d. h. wenn ich meine arbeit und thätigkeit nur erst zum vollen wieder aufnehmen und mich derselben ganz wieder hingeben kann) den schal 't ôk wol bold wër torecht sakken; 't was noch kûm lêcht, do stund 't ganse hûs al in de wër Doornkaat Koolman 3, 537
b; in de wehr sin
in gutem zustand sich befinden, so dasz man widerstand leisten kann Sibeth
meckl.-vorpomm. 105. III@BB.
mit wehr
im gegenständlichen sinne werden verschiedene stämme vermengt. III@B@11)
zu währe
f. '
vestitura'
ist th. 13, 759
auch were '
bäuerliche hofstätte, hofreite'
gestellt und aus dem 14.
bis 20.
jahrh. von Holland bis Pommern belegt. volksetymologisch wird auch dieses wort zu wehr
f. und wehren
verb. gezogen: die hufe eines freien mannes und der mann selbst trugen deswegen mit der waffe einerlei namen; die hies die wehr, weil ein bewehrter mann von ihr ausziehen sollte Arndt
erinnerungen3 309.
das wort braucht auszer Arndt (
auch werke 1, 84. 87;
mährchen 1, 300) Herder: freimann war jeder einzelne Deutsche: sein haus ihm eigenthum und wehre
werke 5, 679
Suphan, und Fouqué: mitten inne stand Witolfs wohlerbaute wehre. so nannte man damals — und nennt auch wohl noch in Westphalen — eines bauern haus und innern hofraum
asächs. bildersaal (1818) 2, 6. III@B@22)
auch wehr '
vollantheil an der mark',
th. 13, 754
f. unter wahre
f. '
gewährleistung'
behandelt, ist volksetymologisch hierher gezogen worden: die eigentlichen bürger aber theilen sich in gilde und wehr, und letztere stammt vermuthlich von den wehren oder bannalisten ab, die nach der verordnung des kaysers in die städte rücken muszten. auch diese waren nur heerbannsmilitz, und da die gilde den rang vor der wehr behalten hat: so musz sie an der vertheidigung einen vorzüglichen antheil erhalten haben Möser
osnabr. gesch.2 2, 140.
spätere sind von Möser
abhängig oder schöpfen aus gleichen quellen mit ihm: ursprünglich gehörten sie (
die patrizier) wohl der gemeinde oder wehr, nicht aber der gilde an Stüve
gesch. v. Osnabrück (1853) 242; unter gemeindsmann wird hier und in münsterschen chroniken und urkunden jeder verstanden, der nicht zur gilde, mithin nach anderer redeweise zur wehr oder schützenbrüderschaft gehörte 295
anm.; so war man darauf bedacht, den geringeren anfall (
der eichelmast) gleichheitlich oder in den späteren zeiten nach verhältnis der ideellen anteile (wehren) zu verteilen Endres
waldbenutzung (1868) 50.
[] III@B@33) wehr
f., vielfach auch n., als flächenmasz im bergbau ist zu fassen als '
grubenfeld zum bergmännischen betrieb, wie es herkömmlich gewährt wird'
und darum th. 13, 764
zu währe
f. '
gewährung'
gestellt. hierzu nachträglich: demensum duplicatum wehr (
beim bergbau, zwischen anderen maszen) Frischlin
nomencl. (1586) 144
a;
ebenso Emmelius
nomencl. (1587) 372; wehr ist ein belehntes stück feld auff gängen und strecken, hat vierzehn lachter länge und sieben lachter breite v. Schönberg
berginformation (1693) 107; wehr ist auf bergwercken ein belehntes stück feld auf den gängen und strecken, hat 14. lachter in die länge und 7. lachter in der breite. ein wehr thut 2. lehn, drey wehr thun eine fundgrube, und 2. wehr eine maase, oder 28. lachter in die länge, und 7. in die breite Hübner
3 (1717) 1751; wehr heisset bey dem marckscheiden ein stück belehntes feld auf denen gängen und strecken, welches 14 lachtern in die länge, und 7 lachtern in die breite begreiffet, oder 2 lehn ausmachet
vollst. math. lexicon (1734) 1319;
so noch Jacobsson
technol. wb. (1784) 4, 620; Campe (1811) 5, 629
a; Liechtenstern
sachwb. (1834) 10, 289; Beil
techn. wb. (1853) 1, 650. III@B@44)
die kühnste derartige volksetymologie ist wohl, dasz Herder
pers. ver '
paradies'
mit berufung auf Möser
hierherzieht 24, 510
Suphan. IVIV.
die zusammensetzungen mit wehr-
f. vereinigen vielfach abstracte und concrete bedeutungen, wenn auch die concreten vorwiegen. die in früheren bänden übergangenen sind gesperrt gedruckt: ab-,
beleidigungs-, bollwerks-, brust-, burg-, bürger-, ding-, ebers-, feder-, feld-, feuer-, gegen-, geld-, grenz-, hand-, haus-,
hilfs-, jugend-, kirchhof-, kriegs-, land-, meuchel-, mittel-, mord-,
mund-, noth-, ober-,
sand-, schütt-, schutz-,
schützen-, see-, seiten-,
selbst-, sicherheits-, spitz-, staatsnoth -, stackel-, stosz-, streich-, tyrannen-, vor-, waffen-, wasser-, wider-, wort-, wurf-, zahn-, zinnenwehr.