schnack,
schnacke,
schnake,
eine gruppe von wörtern, die sich in form und bedeutung mannigfach beeinflussen, sind hier zusammenzufassen. 11) schnack,
geschwätz, geplapper, dummes gerede, dummes zeug, zunächst nd. snack,
gebildet zum verbum snacken,
schwatzen [] (
s.schnacken): neen fuel unnutte snack gha uth dynem munde.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 267
a;
auch schon freier: sulk enen snak dref Bernd.
ebenda; in gleicher weise im neueren nd., daneben auch milder für gespräch, geplauder (
vgl. schnacken): wi kemen in' nen snakk,
ins plaudern Dähnert 436
a,
vgl. Schambach 199
a; wî willen 'n lütjen snak mit 'n ander holden. ten Doornkaat Koolman 3, 236
b.
schärfer: een stück snacks,
ein gewäsche; een dummen snack,
eine alberne rede; man nich veel snacks,
nur nicht viel redens; wat snack,
formel der verweigerung, abweisung (
vgl. hochd. ach unsinn). Richey 270; von snakk kumt snakk,
klatscherei breitet sich aus. brem. wb. 4, 877; dat is de ole snakk,
das ist die alte leier, der alte irrthum, aberglaube. nachtr. 319; snakk is good koop,
reden kostet nichts; dummen snak geldt ock,
dumm gewäsch gilt auch seinen preis; aan snak,
ohne weitere worte, kurz. Schütze 4, 136. 137;
verblaszt: dat iss 'n anner snack,
eine andere sache Danneil 198
b,
vgl. noch Mi 82
a. Schambach 199
a. Stürenburg 228
a;
nd. redensarten bei Wander 4, 283;
ebenso dän. snak,
schwed. snack;
in zusammensetzung: kindersnack, vaddernsnack Richey 270; aanten-, drekk-, schietsnakk
u. ähnl. brem. wb. 4, 877. 878;
von schwätzern und schwätzerinnen: snackfordan, snackbüdel, snackbroor, snacksüster Richey
a. a. o.; snakkewat
brem. wb. a. a. o. im ablautsspiel: schnickschnack,
dummes geschwätz, dummes zeug. ebenda. Schütze 4, 136
u. öfter. in dem sinne von gerede auch thüringisch Hertel
sprachschatz 216.
in die hochdeutsche schriftsprache dringt das wort erst spät ein und wird hier durch das ältere fem. schnacke
beeinfluszt. bei Schottel
begegnet elsterschnack,
geplapper der elstern (
vgl. nd. aantensnak)
in übertragener anwendung: spricht davon kikes kaks, (last mich so reden) und ist gleich des elsterschnaks. 1004. Campe
führt schnack
unter schnake 2
mit der bedeutung von gerede, gewäsch an und bezeichnet es als niederdeutsch. so wird es in Norddeutschland viel gebraucht: ach schnack,
ach unsinn; das ist schnack,
das ist bloszes gerede; dummer, alberner, einfältiger, unsinniger schnack
u. ähnl. ebenso in der schriftsprache, auch freier in der bedeutung von unsinn: was in aller welt geht mich dieser schnack
an. Thümmel
reise (1794) 3, 257; wie ist es möglich, dasz ein solcher schnack in einer ernsthaften krankheit einem wieder einfallen kann. 7 (1800), 47; dummer toller schnack .. wahrer schnack. E. T. A. Hoffmann (1871) 1, 214; dummer schnack war die gegenrede, was geht mich deine seele
an. Weisflog 1, 130; indesz er das geschätzte dorf-auditorium mit seinem schnack ergätzte. Kl. Schmidt
kom. dicht. 263; wo ich diesen bärtigen traute, mich an ihrem schnack erbaute. Göthe 41, 98; sie soll mit ihrem schnack mich müde plaudern. Immermann 16, 403
Boxberger; statt länger mit Griechen zu prahlen und anderm veralteten schnack. Grillparzer
5 2, 191; ach schnack! dort ist dein täubchen ja. Ludwig (1891) 3, 629. schnack treiben,
unsinn treiben: trieb viel seltsamen schnack. Freytag
bilder (1859) 1, 250;
aber auch im sinne von schwatzen: nicht, wie wir Deutsche pflegen, bey'm pfeifchen rauchtaback oder bey'm theetisch treibend von menschenheil den schnack. Werner
weihe der unkraft v. 150.
weiteres s. unter schnickschnack.
auf einflusz des fem. schnacke
ist es zurückzuführen, wenn schnack
einen einmaligen einfall, eine scherzhafte bemerkung bezeichnet: ich habe heute einen feinen schnack gehört,
eine hübsche schnurre; hierzu bildet man den plural schnäcke (
vgl. Woeste 245
b): gute schnäcke machen, vorbringen. schnack,
m. scherzhafte erzählung (
Lippe) Frommanns
zeitschrift 6, 480;
vergl. zu diesem bedeutungsübergange folgende beiden stellen: aber freylich, wenn nicht auch noch dann und wann so ein angenehm-seltsamster schnack, oder eine schöne beschreibung einer unterirdischen reise ... mit unter liefe. Wieland
suppl. (1798) 5, 301; jeder gab seinen schnak. Seume
werke (1826) 3, 53.
andrerseits tritt auch schnacke,
fem., schnurre als m. auf, s. unten. 22) schnake, schnacke,
name einer mückenart; in der ältern sprache (
und so noch mundartlich)
masc., gleicher geschlechtswandel wie bei schnecke,
mit dem berührung stattfindet; bei Liesenberg (
Unterharz) 198 bezeichnet schnacke
die schnecke; der vogel wirt gespeiset von den snâken und von den mucken. Megenberg 200, 13; cinifes haiʒent snâken. 298, 32 (
die handschriften, die Pfeiffer
benutzte, bieten snachen, snaucken,
[] snocken, sna
ecken, snoken, snocken,
im glossar setzt er das wort als schwaches m. an);
cimex schnaga
mhd. wb. 2, 2, 435
b;
weiter vgl. zur form des wortes: cimex, snacken, schnacken
vel seer klein flugen, schnecken, schneggen, schnock, schnack Dief. 119
b;
cynomya, snakl 120
c,
culex, snek, schnack, schnock 161
c,
culex, muck, schneck
nov. gl. 123
a, schnaack,
culex Dasypodius, schnack (der), muck,
culex Maaler 358
d, schnaack, fliege Hulsius
diction. (1616) 286
b,
culex, eine mücken, breme, schnack. Corvinus
fons latin. (1660) 186
a, eine schnacke
unter mordella 416
b. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 617
b schreibt schnake,
f., plur. schnaken,
daneben aber schnackengarn, schnackenstich; schnacke (die,
pro mücke),
culex Steinbach 2, 471 (
als landschaftlich); Frisch 2, 210
c verzeichnet schnak,
m. als ein oberdeutsches wort. Adelung
und Campe
geben die schnake,
plur. die schnaken; schnaake,
mücke (
Harz) Klein
prov.-wb. 2, 130, schnoke Hertel
thür. sprachschatz 216;
hess. schnâke,
eine gröszere mückenart; im westfälischen und sächs. Hessen auch raupe Vilmar 360; schncke, schnocke (
fränk.-henneb.) Frommanns
zeitschr. 6, 422, 17, schnôk (
siebenbürgisch) 5, 31, 7,
vgl. 4, 414, 20.
im nd. ist diese bezeichnung nicht gebräuchlich (snake
ist hier name einer natter),
höchstens unter hochdeutschem einflusse eingedrungen. bair. schnâck,
gen. des schnâgken Schm. 2, 565, schnacke Schmid 475.
die herkunft des wortes ist nicht klar; Franck
etym. woordenb. 919
vergleicht nld. snoek,
hecht (
nd. snôk)
und nimmt als grundbegriff stechend, spitz an. auf die vorstellung des schlanken, dünnen deutet schwäb. schnack,
m., das einen langen, hagern menschen bezeichnet. Schmid 473 (der schnake Campe); schnack,
gerade, schlank gewachsen von menschen und bäumen Kehrein 358, schnack (
Meurs) Firmenich 1, 398, 11, snack,
schlank, schnell Woeste 244
b,
vgl. Frommanns
zeitschr. 3, 560;
mhd. snâkeleht,
mager, dünn mhd. wb. 2, 2, 435
b;
oberd. schnacket,
in gleicher bedeutung Hintner 223. Schm. 2, 565,
vgl. auch Frommanns
zeitschr. 2, 238.
die volkssprache unterscheidet nicht überall mücke
und schnake.
bei Megenberg
ist snâke
im sinne von mücke, muck
im sinne von fliege gebraucht, vgl. Lonicerus
kräuterb. 330
b. 331
a; schnaken
und mücken
gleichgestellt: ich nenne sie schnaken oder mücken, weil sie die gestalt eines culicis haben, so man im oberteutschen schnake, im niederteutschen mücke, an einigen orten auch gölsen heiszet. Frisch
insecten 4, 24; Nemnich
bezeichnet mit schnake 1.
die gewöhnliche mücke (
culex), 2.
die langbeinige, grosze mückenart (
tipula, erdschnake, erdfliege, langfusz, gölse, hexe), 3.
die wassermotte (
phryganea), 4.
die eintagsfliege (
ephemera); schnacke,
tipula in verschiedenen arten bei Behlen
lex. der forst- u. jagdkunde 5, 510. Oken 4, 727
ff. gebraucht schnacke
wieder in allgemeinem sinne wie mücke,
er führt auf wasser-, stech-, floh-, falten-, feder-, mist-, mottenschnaken
u. s. w., s. das verzeichnis im registerbande; schnocken die dich stechen. Keisersberg
bilg. 84
a; aus einer schnacken einen elephanten machen. Franck
sprichw. 1, 4
b; daher dichten die poeten, er sei in der höllen ein blutsaugend schnack, die die tyrannen plag. Fischart
bienenkorb 222
a (
am rande); mucken, schnacken, prämen.
Garg. 46
b; die schnacken tödet man, so man sie mit frischen öltrusen oder cäminrusz begieszet. Sebiz
feldbau 293; gifftige wasserschnacken. Tabernaemontanus
kräuterb. (1664) 9 G; um mich gegen die Rheinschnacken zu sichern. Göthe 25, 244; dasz die schnaken allein mich von dem gedanken abbringen könnten, als habe ein guter und weiser gott die welt erschaffen. 26, 30; nicht mit so unfreundlichem sausen, wie die verhasten schnacken brausen. Fischart 2, 126, 46
Kurz; allein gelehrte setzen zwischen gläser mitunter milben, schnaken, uferäser. Immermann 11, 302
Boxberger. 33) schnake, schnacke,
lustiger, launischer, dummer einfall, scherzhafte erzählung, anecdote, dann auch lustiger streich. die übertragung geht von dem launischen fluge der thierchen aus, dem lustige oder seltsame gedankenbewegungen verglichen werden; dieser vorstellung kam zu hilfe die anwendung von mucke (
s.mucke
theil 6,
sp. 2605
und mücke 9,
sp. 2609), grille (
s. d.)
und taube (
s.taube 8,
a theil 11,
sp. 168);
etwas anders ist die übertragung bei raupe (
s.raupe 3,
theil 8,
sp. 299)
und egel (
theil 3,
sp. 33).
häufig im älteren nhd. mit sinnverwandten wörtern verbunden oder allein: treybt auch kurtzweilig eglisch schwenck wunderlich abgeriben renck, gut zotten, schnacken und hunds mucken mit wort und werck in allen stucken. H. Sachs 1 (1558), 416
a;
[] also namb ich ein halbe masz, damit hindter den ofen sasz und höret jren schnacken zu. 521
a; so gehn wir wider ins wirtshausz, da wir erst seind gangen ausz, darinn fast die nacht seind blieben, uberausz gut schnackn und possn triben. Ayrer 2465, 21; so lesen sie solch schnacken zsamen und wöllen draus ein ler verdammen. Fischart 2, 176, 1699
Kurz; nehrt sich mit schnacken und possen reiszn. 2728, 31; und hies jn schnell mit seinen schnackn sich aus dem land des königs packn. Ringwaldt
tr. Eckart H 4
b; warumm der fuchs nicht fleugt, was zwischen beinen wächset, und was der schnacken mehr. Flemming 166; eine visierliche schnagke von einer diernen, welche bey einem bierbrew dienet. Lindener
schwankb. 95
Lichtenstein (
Katzip. 104); auch etwan mehr schwenkalia und seltsame schnoken denn nützliche lehr vom evangelio pflegte auf die canzel zu bringen. Kirchhof
wendunm. (1602) 5, 64; warfe er mit solchen schnacken umb sich, die nicht für frommen ohren zu melden sein.
wiszbad. wisenbrünnlein 109; ich weisz noch viel dergleichen schnacken.
Simpl. 3, 728 (1684); dann ihnen gar zu wohl bewust seye, was schnacken und unzüchtige zotten er auf der welt gesungen. Abr. a S. Clara
Judas 3, 112 (1692).
als masc.: und erzehleten je einer einen schnacken daher. Philander (1650) 1, 383.
mit kurzem stammvocal bei Steinbach: es sind schnacken,
i. e. wunderliche oder lächerliche dinge; er bringt allerhand schnacken vor. 2, 472;
dagegen schreibt Kramer
deutschital. dict. (1702) 2, 617
b schnake (kurtzweilige schnaken),
ebenso Frisch: schnaken,
plur., facetiae, nugae, licentia jocularis 2, 211
a, Adelung (schnaken vorbringen, erzählen)
und Campe;
und in dieser auf md. aussprache beruhenden form ist uns das wort jetzt geläufig für einen lustigen einfall, eine anecdote (schnaken und schnurren
u. ähnl.);
zum gebrauche der mundarten vergleiche schnaake,
anecdote, spasz Klein 2, 130, schnacken,
spasz 131;
als masc. schnāck, schnōck,
plur. schnācke, schnōcke Schmidt 198,
s. auch Spiesz 221. Weinhold 86
b. Frommanns
zeitschrift 6, 422, 17, schnacka,
späsze, witze Sartorius 111.
auch schnake,
culex ist in älterer sprache mundartlich männlichen geschlechts, zugleich kann man auch an einflusz des nd. snack (
s. unter 1)
denken; tirol. schnacks,
m. lustiger einfall, posse Schöpf 634.
übrigens ist snake,
nuga auch für das nd. bezeugt: he bringt luter snaken vor,
lauter lustige einfälle. brem. wb. 4, 874; hê wêt allerhand snaken un dntjes to vertellen. ten Doornkaat Koolman 3, 236
b;
bei Woeste 245
b als masc. (
vergl. die am schlusse dieses absatzes angeführten beiden stellen) snâk,
plur. snâken.
schon oben unter 1
ist erwähnt, dasz auch nd. snack,
vermutlich unter dem einflusse des hochd. schnacke, schnake
die bedeutung eines lustigen einfalles annimmt. auf scherzhafter volksetymologie beruht schnäcketänz,
possen, narrheiten, schwänke Schmidt 199. Kehrein 360. Schm. 2, 567. schnake
behält in der schriftsprache stets einen derben klang; die jetzt ungewöhnliche schreibung schnacke
findet sich im 18.
jh. öfters neben schnake: die schnacke ist schnurrig genug. Lessing 6, 267; (
ein brief,) in welchem ich original seyn, und die schnaken eben so wohl, als die komplimente vermeiden wollte. 12, 35; (
während der page) den weibern .. über das ereignis allerlei schnaken vormachte. Keller
sinnged. 337; Horaz, dem ihr die ehr' erzeigt, ihm gelten zu lassen: er habe so ganz erträglich geschrieben, und meistens mit witz und laune, oft scharf, doch ziemlich fein, (die schnacken abgerechnet) den narren mit narren getrieben. Wieland 5, 116 (
der neue Amadis 16, 6); auch hängt der alte pelz am alten haken, erinnert mich an jene schnaken wie ich den knaben einst belehrt. Göthe 41, 93;
als masc.: so laszt uns denn den schnacken belachen, und gleich von herzen hochzeit machen. 13, 73; wir wollen izt manchen schnaken im stillen verarbeiten. Klinger
theater 4, 180. 44)
besonderes. 4@aa)
nd. snake,
natter, schlange ist gebildet zum urgermanischen starken verbum snakan,
kriechen (
ahd. snahhan, snuoh),
ags. snaca,
schwaches masc., daneben ist ein starkes fem. bezeugt; engl. snake,
altnord. snákr, snókr,
schwed. snok,
dän. snog,
nld. snake,
coluber, anguis Kilian,
mnd. snake,
schlange, ringelnatter Schiller-Lübben 4, 267
b;
zu Satan: swich, Satana, drake! swich, du vordumede snake!
Redentiner ostersp. 570;
[] nach dem brem. wb. 4, 873
wird mit snake
besonders eine schlange bezeichnet, die sich im wasser, in sümpfen und alten gräben aufhält; snake,
eine wasserschlange Schütze 4, 134;
dagegen: eine art kleiner giftiger schlangen, die sich auf dem lande in alten gebäuden aufhalten Richey 269,
eine art kleiner schlangen Dähnert 436
a,
die ringelnatter (
coluber natrix) Schambach 199
a, snaak,
natter Mi 82
a,
vergl. noch Stürenburg 228
a. ten Doornkaat Koolman 3, 236
b. Frommanns
zeitschr. 6, 529, 17;
auch als thier der sage schlangenähnlich, weiszgefärbt, von ungeheurer länge, auf vielen beinen schnell sich bewegend Schambach - Müller
nieders. sagen nr. 201. Nemnich
gibt schnacke
als name der ringelnatter (
coluber natrix),
im register schnake. 4@bb) schnak, der,
et ein schnaker,
ridiculus, facetus, dicax; er ist ein lustiger schnak,
perfacetus et dulcis, festivique sermonis est, ridicularius homo. Stieler 1889; er ist ein lustiger schnack, ein rechter schnack. Kramer
deutsch - ital. diction. (1702) 2, 617
b; schnack
oder schnaker,
schwätzer Frisch 2, 210
c; Adelung
und Campe
verzeichnen schnake,
m., einer, der allerhand lustige einfälle vorbringt. das wort ist nd. und steht doch wol in beziehung zu snacken,
plaudern, schwatzen: snake,
ein mensch von lustigen einfällen. brem. wb. 4, 874; kleene kinder sünd towylen rechte snaken,
sie haben bisweilen einfälle, über die man lachen musz Richey 269; snak! ool snak,
ausruf über einen solchen allerweltsbelustiger Schütze 4, 134; ik see den snak (
den komischen schauspieler) un vergeet den keerl. 135,
vgl. Dähnert 436
a; snâk Woeste 245
b. Stürenburg 227
b. Müller-Weitz
Aachener mundart 217, snake, snâk ten Doornkaat Koolman 3, 236
b,
nld. snaak.
zu nd. snacken
gehört snatersnacke (
schwatzender thor)
in einem spruche Rumelants: âschaffen bildemâler, unbiderbe snatersnacke.
minnes. 3, 59
a Hagen. im mnd. ist ein adj. snack,
wortreich, geschwätzig bezeugt: want se eyne brede tunge hadde, .. want se er worde wal konde unde seer snack was. J. Veghe 84, 18
Jostes. 4@cc)
nld. snak
bezeichnet ein einmaliges athemholen, schluchzen, aufstoszen und ähnl.: snack,
respiratio, respiratus, anhelitus, singultus, latratus Kilian (
ebenso snick
und snock);
die hierdurch nahe gelegte vermutung, dasz nd. snacken
ursprünglich als eine parallelbildung zu schnappen
aufzufassen ist, wird auch von anderen seiten bestätigt; mit dem nld. snack, snick, snock
ist niederd. snukk
zusammenzustellen (
vgl.snukkup, snikkup,
schlucken),
schnappender athemzug (
letzter athemzug eines sterbenden. brem. wb. 4, 900), snuk,
das schlucken ten Doornkaat Koolman 3, 250
a, schnuck,
m. schluchzen Hupel 210, snucken,
schluchzen Mi 83
a, schnikken, schnücken, schnückern, schnuckern
in gleichem sinne Stürenburg 229
a,
vgl. ten Doornkat Koolman 3, 244
b;
in diesen zusammenhang fügen sich oberdeutsch schnackeln,
mit der zunge, den fingern schnalzen, schnippen, knallen Schm. 2, 566, das schnagklen, der schnaggl, schnaggler,
das aufstoszen, der schlucken Schöpf 634, der schnāckerl,
das aufstoszen Höfer 3, 103, schnaggerle,
n. schlucken Frommanns
zeitschrift 6, 203. Hügel 141
b, schnagarl Castelli 247.
vergl. Frommanns
zeitschrift 5, 482
und unten schnackeln. 4@dd)
nld. snak
zeigt mit leichtem übergange auch die bedeutung von ruck, stosz an (
gleicher bedeutungszusammenhang bei schmecken) ten Doornkaat Koolman 3, 236
b; Woeste
bezeugt snack,
plur. snäcke,
schlag 244
b; snacke,
das werkzeug des schlagens, die peitsche. ebenda. vgl. Kehrein 358. Pfister 261. 4@ee) schnack,
plötzliches zurückwerfen des kopfes Spiesz (
sonst auch schnick) 221,
s.schnacken;
nld. snikken,
anhaltend mit dem kopfe nicken; vgl. auch nücken, nucken
th. 7,
sp. 974. 4@ff) schnake,
kleineres seeschiff Frisch 2, 211
a;
schon ahd. snagun,
rostratae naves (
liburnae) Graff 6, 839,
hier also mit beziehung auf einen schneckenartig gewundenen schnabel; man vergleicht gewöhnlich mit dem ahd. worte ags. snacc,
altnord. snekkja,
s. weiteres unter schnecke.
im cimbr. wb. 233
b ist snacko,
m. schnabel bezeugt, s. Schm. 2, 565.
vgl.schnägera (
Vorarlberg),
rüssel des schweines Frommanns
zeitschrift 4, 325;
s. auch cimbr. wb. 234
a. 4@gg) schnacke
neben schnucke
in heidschnucke,
s. oben th. 4, 2,
sp. 812.
nach Nemnich
unter ovis aries wird mit schnuke, schnake
zunächst das weibliche schaf bezeichnet. 4@hh)
in Nordböhmen ist schnâke
ein kleines taschenmesser (
auch schnackelmesser) Frommanns
zeitschr. 2, 238,
es ist ein schnappmesser gemeint, s. Schm. 2, 566;
auch hier tritt die alte bedeutung von schnacken,
ruckweises, schnappendes bewegen hervor. in Deutsch-Ungarn heiszt ein solches messer schnackal Schröer 288
b.
[] 4@ii)
ebenda bezeichnet schnack
gekochte, saure milch 203
a,
vgl.schmack,
f. milchsuppe 288
b.