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schnacken

nhd. bis sprichw. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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7 in 7 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schnacken verb.

Bd. 15, Sp. 1156
schnacken, schnaken, verb. 11) schnaacken, repere, serpere, auff dem boden kriechen. Maaler 358d; daneben: schnackende, repens; ein schnackends kind, das auff allen vieren gadt oder kreucht, infans quadrupes. ebenda; so noch bei Stalder: schnaken, schnaaggen, schnohgen, auf händen und füszen kriechen, schleichen; schnaagig, kriechend, schnaagger, kriecher, die schnaagge, schnaagbohne, schnaaggerli, schnohggerli, kriechbohne. 2, 338. das verbum geht zurück auf ahd. starkes verb. snahhan, kriechen (Graff 6, 879), zu dem nd. snake, schlange gehört, s. oben schnack 4, a. in schweizerischen quellen: ist er nicht in der ersten krafft wie ein vierfüszig thier behafft? auff allen vieren schnacken musz eh dasz er recht tritt auff den fusz. Rebmann 413. bei Pestalozzi in eigenthümlicher modificierung im sinne von 'sich überbiegen' und schwach flectierend: schnackte dann ihm über die achsel und auf beiden seiten hinunter, so weit er konnte. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. (1831) 3, 81. 22) ohne zusammenhang mit dem unter 1 behandelten verbum ist schnacken plaudern, schwatzen. dieses nur vereinzelt in der schriftsprache vorkommende wort ist aus dem nd. eingedrungen (vgl.schnack 1). die mildere bedeutung von sprechen, plaudern hält sich hier als gleichberechtigt neben der von schwatzen, unnützes vorbringen, während bei snack die verschlimmerte vorwiegt. zum gebrauche von snacken im nd. vergleiche Schiller-Lübben 4, 267a. Richey 270. brem. wb. 4, 875. Schütze 4, 135. Dähnert 436b. Danneil 198b. Schambach 199a. Mi 82a. Stürenburg 228a. ten Doornkaat Koolman 3, 237b. Frommanns zeitschrift 2, 541, 150. 4, 288, 144. 6, 143, 88. 286, 650, 480; redensarten und sprichwörtliche wendungen bei Wander 4, 284. die bedeutung von garrire, fabulari hat auch nld. snacken bei Kilian; aus dem nd. entlehnt sindn. snakke, schwed. snacka. auch in mitteld. mundarten ist das wort gebräuchlich: schnacken, schwatzen, loses gerede machen Liesenberg 198, vgl. Albrecht 204a, schnāken, schnattern, schwatzen Weinhold 86b. die lexicographen verzeichnen es nur theilweise: schnaken, garrire, nimium sermonis esse, verbis humidis et lapsantibus diffluere, vocum turbas fundere. wir haben viel mit einander geschnaket, multa verba fecimus Stieler 1889; als schnaken, schnacken bei Kramer deutsch-ital. dict. 2, 617b, als schnaken bei Frisch 2, 211a; eigenthümlich bei Steinbach: ich schnacke (rede plattdeutsch). 2, 472. die von Campe und Kramer angenommene bedeutung (scherzhaft reden, lustige einfälle vorbringen) ist mehr aus schnake, schnurre, anecdote erschlossen, als im gebrauche, wie es scheint, begründet. schon im 16. jh. begegnet das wort in hochdeutscher schriftsprache; wol als nd. empfunden: schwatzen, sprachen, sprAeken, schnattern, sagen, seggen, schnacken, tattern. Rollenhagen froschm. A 5a; vergl. noch: nicht schnack leichtfertig von dem tod. Kirchhof wendunm. 3, 128 Österley (am schlusz einer erzählung, in der ein Westfale in dieser weise, und zwar niederd. spricht); einen augenblick geduld! — was schnacken sie? Lessing 11, 526; wir können noch tage lang miteinander schnacken. Göthe 23, 62; ei, Maredore, war das mal wieder geschnackt. Ludwig 2, 482; die alte schnackt 'mal wieder, als ob in Wittenberg, der groszen stadt, sie unser dörflein Möra kennten. Werner Martin Luther 2, 1. klug schnacken, jemandem etwas auf-, an-, abschnachen u. ä. wird in der hochdeutschen umgangssprache niederd. gegenden viel gebraucht. 33) die unter 2 behandelte bedeutung von nd. snacken scheint nicht die ursprüngliche zu sein, vielmehr scheint das verbum ursprünglich eine schnappende, schnellende bewegung des mundes zu bezeichnen; diese grundbedeutung würde sich nach verschiedenen richtungen hin entwickelt haben. Kilian glossiert: snacken, respirare, captare animam, anhelitum recipere. et singultire. et captare, captitare, hianti ore captare, anhelare, adspirare, inhiare, appetere. et latrare, gannire, garrire, fabulari. hier also erscheint das wort völlig sinnesverwandt unserem schnappen, das ja ebenfalls den sinn von schwatzen annimmt. nld. snakken heiszt schluchzen, sich sehnen, schmachten. hierher gehört engl. to snatch an sich reiszen, wegreiszen (mittelengl. snacchen), auch nord. snaka (schwaches verbum), umherschnüffeln nach etwas, um etwas an sich zu bringen, darf in diesen zusammenhang ge zogen werden, obgleich der auslaut der wurzelsilbe abweicht. die bedeutung des schluckens zeigen nd. snicken, snükken, snukken, snickern, snükkern, snukkern; vgl. ferner snickup, snuckup und das oberd. schnackeln (s. oben) mit seinen ableitungen. aufschnacken, rülpsen (kärntisch) Schm. 2, 566, hess. schnacken, schnaksen Pfister 262. von der grundbedeutung von schnacken aus ist der übergang zur vorstellung einer schnellenden bewegung leicht; vgl. hier das oben bei dem iterativ schnackeln angeführte. Woeste bezeugt snacken im sinne von klatschen, schlagen, mit der peitsche (sie heiszt auch snacke, s. oben schnack 4, d) klatschen; in de hänne snacken; de dr tausnacken. 244b (Frommanns zeitschrift 3, 368, 54); snicksnack ist ein variierendes klatschen mit der peitsche. 246a, schnicken, schnell bewegen Schm. 2, 567. bemerkenswert ist auch folgender gebrauch: im fränk. - hennebergischen heiszt schnacken mit dem kopf eine plötzliche bewegung nach hinten machen, hinten überfallen (z. b. von kleinen kindern die vom arm des tragenden sich hinten über werfen und so leicht schaden nehmen) Spiesz 221, s. oben schnack 4, e; in gleichem sinne führt Reinwald schnicken, schnücken, schnöcken (1, 146), Vilmar schnappen an (360); dann auch: schnacken, den kopf mit gewaltsamem, schnellem ruck und zug bald auf diese und bald auf jene seite werfen Frommanns zeitschr. 3, 231, 3 (fränk.-hennebergisch). aus Pfalz und Elsasz bezeugt Klein provinz.-wb. 2, 131 schnäcken, naschen, Vilmar 362 hat verschnecken, verschleudern; ob hierher gehörig? vergleiche oben schnackeln und schnacker 2.
5974 Zeichen · 108 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    schnackenverb.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    schnacken , schnaken , verb. 1 1) schnaacken, repere, serpere, auff dem boden kriechen. Maaler 358 d ; daneben: schnacke…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schnacken

    Goethe-Wörterbuch

    schnacken umgangssprachl für: reden, sich ausgiebig unterhalten [ vermutlich mBez auf den Wiener Kongreß ] Sie werden so…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schnacken

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Schnacken , s. Mücken .

  4. modern
    Dialekt
    schnackenschw.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    schnacken schw. : Ablautender KR. beim Klikkerspiel: schnicke, schnacke, schnautz [ KU-Eisb ]; vgl. schnick , schnicke ,…

  5. Sprichwörter
    Schnacken

    Wander (Sprichwörter)

    Schnacken 1. De vele snackt, môt vele legen (lügen). – Lübben. 2. Ên kann snaken un söwen könt singen. ( Holst. ) – Schü…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schnacken

36 Bildungen · 35 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von schnacken 2 Komponenten

sch+nacken

schnacken setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schnacken‑ als Erstglied (30 von 35)

schnackenbuch

DWB

schnacken·buch

schnackenbuch , schnakenbuch , n. buch, das lustige erzählungen, anecdoten enthält: dasz ich jetz der andern schnackenbücher, und pantagruel…

schnackenfett

DWB

schnacken·fett

schnackenfett , adj. sehr fett Liesenberg 198 , sieh schneckenfett; schnacke für schnecke, s. oben schnack 2.

schnackengarn

DWB

schnacken·garn

schnackengarn , n. zenzaliere, zanzeriere Kramer deutschital. dict. (1702) 2, 617 b . Campe schreibt schnakengarn; es ist eine netzartige sc…

schnackenhaft

DWB

schnacken·haft

schnackenhaft , adj. facetus, joculatorius Steinbach 2, 472 ( s. schnack 3); eine schnackenhafte art zu schertzen. ebenda.

Schnackenhau

RhWB

schnacken·hau

Schnacken-hau Ess-Schuir m.: der mittlere Teil des Peitschenriemens, an dem die Knallkordel befestigt ist.

schnacken II

RhWB

schnacken II das Wort, ndl., mndl. snakken, mnd., mhd. snacken entsprechend, ist in der ndl. Nachbarschaft als -ak- in Klev , Geld , als -ǫk…

Schnackenklänge

RhWB

Schnacken-klänge Sol-Auf der Höhe Hilgen Höhschd f.: die Knallkordel der Peitsche.

Schnackenknüsel

RhWB

schnacken·knuesel

Schnacken-knüsel -yz, –ȳə-, –ø- (s. S.) Wippf (nfrk.), Lennep , Elbf m.: das dicke Ende des Peitschenstieles.

schnackenkopf

DWB

schnacken·kopf

schnackenkopf , m. 1 1) nd. snakenkop, fratzengesicht, mensch mit solchem gesicht Richey 269 ; freier, ein halb verrückter, toller kerl. bre…

schnackenkraut

DWB

schnacken·kraut

schnackenkraut , n. : nd. snakenkrud, farnkraut brem. wb. 4, 875 ( zu nd. snake, natter, in Ostfriesland auch adderkrud), ebenso hessisch sc…

schnackenland

DWB

schnacken·land

schnackenland , n. mückenland, scherzhaft: mein herr der keiser ausz Schnokenlant. fastn. sp. 359, 7 , vgl. 648, 16.

schnackenmacher

DWB

schnacken·macher

schnackenmacher , m. : schnackenmacher, einer, der lustige einfälle hat, ein spaszmacher Klein prov.-wb. 2, 131 , vgl. Kehrein 359 ; zu schn…

schnackenreiszer

DWB

schnackenreiszer , m. in gleichem sinne wie das vorhergehende wort, gebildet nach possenreiszer. schnackenreiszer im vocab. von 1618 bei Sch…

Schnackenschlag

RhWB

schnacken·schlag

Schnacken-schlag Wippf , Lennep , Mettm , Sol , Düss m.: der mittlere Teil des Peitschenriemens, an dem die Knallkordel befestigt ist.

schnackenseihen

DWB

schnacken·seihen

schnackenseihen , n. : das nennet Christus ein schnacken segen, und ein camel verschlinden. Franck weltb. 158 b (jr verblente leiter, die jr…

schnackenspiel

DWB

schnacken·spiel

schnackenspiel , n. das umherschwirren der mücken in der luft: schnakenspiel, culicum lascivia in aere. Stieler 2088 .

schnackenstich

DWB

schnacken·stich

schnackenstich , m. mückenstich: schnackenstich, puntura di zanzera. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 617 b .

schnacken als Zweitglied (1 von 1)

Mitschnacken

Wander

mit·schnacken

Mitschnacken Du snackst mit as Jan Bremer, de harr 'n Ohrfîge krägen. ( Oldenburg. )

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APA
Cotta, M. (2026). „schnacken". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schnacken/dwb?formid=S14278
MLA
Cotta, Marcel. „schnacken". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schnacken/dwb?formid=S14278. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schnacken". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schnacken/dwb?formid=S14278.
BibTeX
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