gransen,
m. ,
älter grans,
auch granse,
und in diesen formen singulär auch f. (
s. u.).
ahd. grans
und granso
nebeneinander (
s. u. 1),
mhd. grans
nur als st. m.; die form gransen,
seltener granse
erst um 1500
aufkommend, aber rasch sich durchsetzend; grans, gransz, grantz
lexikalisch noch im 17.
u. 18.
jh., mundartlich noch heute, vgl. Fischer
schwäb. 6, 2062,
schweiz. id. 2, 782.
in älteren formvarianten granschen Diefenbach
gl. 466
c, gronsen (
s. d.), grausen (1501)
in: schweiz. id. 2, 782, grenst
Teuerdank 151, 37
Goedeke, grantner (
s. d.), granus (?) Henisch (1616) 1730.
pl. umgelautet die grens
liederb. d. Hätzlerin 70
Haltaus; (14./15.
jh.)
in: schweiz. id. 2, 783;
in junger ma. gräns(e
n)
ebda. als fem.: an der granse Dannhawer
catech.-milch (1657) 4, 424,
s. noch schweiz. id. 2, 782.
das wort gehört vorwiegend ins alem., bes. ins schweizer., seltener ins bair., und scheint über das obd. an keiner stelle hinausgedrungen. die durch analoge fälle innerhalb des german. nahegelegte bedeutungsübertragung '
schnabel' (
körperteil)
auf '
schiffsschnabel' (
s. Kluge
nominale stammbildungslehre § 79)
wird durch die bedeutungsgeschichte des deutschen wortes eher als gegenläufig ausgewiesen: ahd. grans, granso
ist nur als prora, mhd. grans
dagegen vorwiegend als '
schnabel',
rüssel im sinne des körperteils nachweisbar (
s. u. 1, 3);
doch mag sich das aus zufälligkeiten der älteren bezeugung erklären. —
herleitung unklar; in älteren deutungsversuchen zu aisl. hrani '
rüssel, tiermaul' (
PBB 12, 422)
bzw. als ga-
bildung zu mhd. rans '
rüssel, schnabel'
gestellt (
PBB 22, 248,
s. auch unten 3,
wo älternhd. rans
und grans
promiscue begegnen). Falk-Torp 139,
nach ihm Kluge-Goetze
15277
b vermuten verwandtschaft mit granne (
s. d.),
was auf die vorstellung des spitz zulaufenden, hervorstechenden zurückführen und auszergermanisch verwandtschaft mit aslav. granb '
κεφάλαιον',
poln. gran '
ecke, spitze'
einschlieszen würde. 11)
spitz zulaufendes, schnabelartiges vorder- oder achterteil eines schiffes. 1@aa)
ahd. nur für den vorderen schiffsteil und in dieser bedeutung prägnant: prora sceffes crans (9.
jh.)
ahd. gl. 1, 230, 8
St.-S.; prora grans (10./11.
jh.)
ebda 753, 31;
prora granso, grans (11.
jh.) 752, 58;
prora granso (12.
jh.) 4, 89, 39;
prora prior pars navis gransa (12.
u. 13.
jh.) 4, 127, 45; 156, 58;
prora anterior pars nauis grans (12.
jh.) 3, 342, 63.
das scheint auch mhd. noch zu gelten: schiffes grans und zagel
bei Lexer 1, 1069; er kam auff aines scheffes grans. gar drate er es zu dem land dans (
schleppte) Heinrich v. Neustadt
Apollonius 5453
Singer. vgl. noch glossierungen für prora bei Schmeller-Fr.
bair. 1, 1005; Diefenbach
gl. 466
c s. v. prora; 544
b s. v. spanilla; prora der vordertheyl des schiffs, der gransse Dasypodius
dict. (1537) Ee 2
b (
dagegen: puppis der hinder granse Ee 5
b);
ähnlich noch Hulsius (1618) 141
a; Widerhold (1669) 150
a; Rädlein (1711) 404
a; Aler (1727) 977
a; Fischer
schwäb. 6, 2062: schiff, welche ein vorderteil (gransen) und hinderteil (wanne) haben, wie auch schiffboden und tach (gaden) (1667)
in: schweiz. id. 2, 782. 1@bb)
frühnhd. verliert sich vielfach diese prägnanz, und gransen
kann unterschiedslos den schnabel wie das ende des schiffes bezeichnen: ein förenes schiff mit eichenen gränsen
in: schweiz. id. 2, 782.
daher häufig in der ausdrücklichen unterscheidung vorderer, hinterer gransen: dass sy sond ain scheff stellen an das land an dem sew an des küngs landstrasse, dass der hinder grans daran stand vnd schwebi (
Thurgau 1454)
weist. (1840) 3, 740; (
Jesus) ist's alles, er ist der vorder und hinder gransen Zwingli
dt. schr. (1828) 1, 187; der bieten, oder vorder gransen, das vorder teil am schiff Frisius
dict. (1556) 1080
a;
vgl. 3
a; 1093
b; Henisch (1616) 1730; und als er nebent die blatten kam, truockt er den hindern gransen mit macht an die blatten (
vor 1572) Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 239; mein köcher aber mit der armbrust lag am hintern gransen bei dem steuerruder Schiller 14, 374 (
Wilhelm Tell IV 1:
nach Tschudi
chron. Helvet. 1, 238
b). 1@cc)
seltener und nur unter der voraussetzung von b
steht das wort dann auch prägnant als bezeichnung des schiffsendes, vgl. puppis grensen (1432) Diefenbach
n. gl. 309
b: und wär der ferge im grenst nit gewest so bherzt und bericht mit dem ruder, das schiff zu leiten, es wär oft glegen an der seiten
Teuerdank 151, 37
Gödeke; cymba parua nauicula ein klein schiffle von dem gransen bisz auff den bietten gleych weyt, ein weidling Frisius
dict. (1556) 361
a; vom hindern theil oder gronsen des schiffes W. Spangenberg
anmüt. weiszh. lustg. (1621) 593; gott ... stehet oben an der granse und führet den ruder Dannhawer
catech.-milch (1657) 4, 424; der granse, hinderschiff
puppis, posterior pars navis (1662)
in: schweiz. id. 2, 782.
archaisierend: also dasz sie (
die taube) in noch nicht zwo stunden den langen weg ... vollbracht, zu dem der celox mit äuszerster eil, mit rudern und segeln und steifem wind im gransen, drey tag und drey nächt gebraucht hätt Regis
Rabelais (1832) 1, 593.
vgl. gransenring
schweiz. id. 6, 1088. 1@dd)
im schweizer. auch fischbehälter als vorderer oder hinterer teil des fischerkahns: die fischer bringen im gransen die fische lebendig auf den markt (1692)
in: schweiz. id. 2, 782,
wo weitere nachweise. 22)
in der weiterbildung von 1 d
auch '
fischerkahn mit fischbehälter'.
hierher vielleicht (
oder noch zu 1 d?)
in folgendem beleg: ouch sint zwen erber man dar zuo geben, die all markt, so man visch veil hat, die visch jn den schiffen und gransen sullent besechen (1421)
Zürcher stadtb. 1, 305
Zeller-Werdmüller; inmâssen die fischer ire schiff und gransen kümmerlich (
mit mühe) obsich schalten mögind (1584)
in: schweiz. id. 2, 783;
in der zusammensetzung fischergransen Frisius
dict. (1556) 1007
a; (1618) Schmeller-Fr.
bair. 1, 1005. 33)
von den im mhd. nachweisbaren bedeutungen '
hervorstehender teil von körpern',
bes. '
schnabel von vögeln', '
tiermaul', '
maul des menschen'
hält sich nur die bedeutung '
rüssel des schweins'
noch älternhd., auf alem. boden: swyn mit zween grensen (
als naturwunder) (1499)
in: schweiz id. 2, 783; (
die schweine) schnawent mitt dem grans herumb Keisersberg
seelenparadies (1510) 43
c (
neben rans
ebda, vgl. auch s. v. ranzen 4,
teil 8, 111). 44)
als gebogenes ende einer schlittenkufe, in der zusammensetzung gransschlitten,
s. schweiz. id. 2, 783.
von da her auch für den mit gransen
versehenen schlitten selbst, im tirol.: in gegenden, wo die kirche weiter herauszen im tale liegt, macht man den nächtlichen weg in sogenannten gransen oder holzschlitten Hörmann
Tiroler volksleben (1909) 232;
als 'granzgner' (
handschlitten)
ebda 205;
als granser '
bergschlitten' (
tirol.)
in: zs. f. dt. maa. 5, 439
Frommann.