gradel,
m.,
vereinzelt gratel, '
eine gewisse gattung leinwand, sonst fuszarbeit (
d. h. webart, bei der die schäfte des webstuhls durch treten bewegt werden)' Loritza
id. Viennense (1847) 53.
die herkunft des wortes ist unbekannt. vielleicht ist gradel
ursprünglich als gerätename zu grad '
stufe' (
vgl.grad I A)
in einer freilich nicht belegten bedeutung '
tritt, weberschemel'
anzusehen (
vergleichbar: tritt
teil 11, 1, 2,
sp. 685
und tretel
ebda sp. 182,
für welches maskul. geschlecht in frage steht).
ebenso wie drischämel
und fünfschamel
im bair. (
vgl. Schmeller-Fr. 1, 563
u. 2, 418)
ein mit drei bzw. fünf schemeln gewebtes woll- oder leinenzeug bezeichnen kann, müszte dann gradel
das mit dem gradel (=
schemel)
gewebte zeug bezeichnen. eine zweite, scheinbar naheliegende erklärung, die gradel
mit 1grat '
bindung eines köpergewebes' (
s. d. B 3 a,
vgl. auch 1gret,
n.)
zusammenstellen würde, bereitet hinsichtlich der bildungsweise schwierigkeiten. vgl. noch die belege s. v. gradelzeug
und s. v. gratleinen.
das wort ist namentlich aus dem bair.-österr., nur vereinzelt aus dem östl. schwäb. zu belegen: was die Nannerl von gradl, hauben und anderem geschrieben, wird alles, so viel thunlich geschehen. allein der beutl wird sehr leer werden (1773) L. Mozart
br. 3, 158
Schiederm.; gradel (böhmische leinwandmanufactur) sind von allerley gefärbten, theils ganz leinenen garn, theils mit seide untermischt, verfertigt; 7 achtel breit und 60 ellen lang, im preis 15 bis 36 fl. Jacobsson
technol. wb. (1793) 5, 724
a; gradel, baumwollene, ein ... sehr gangbarer artikel ... sie sind geköpert, ... entweder ganz weisz, zu handtüchern und tischzeug Schedel
waarenlex. (1834) 1, 468 (
ebda [1800] 1, 582
b und [1814] 1, 420
b anders, für '
halbseidenen zwillich'); der gradl, ein weberzeug, welcher in dem grad bearbeitet ist oder in das gret, in das bild Castelli
ma. in Österr. 146; meine frau läszt dich bitten, ob du ihr von dem bewuszten gradl 24 ellen ablassen könntest (1855) Stifter
briefw. 6 (1931) 231; in Aigen kannst du deinen gradel anschauen, der 5/4 breit 20 ellen lang, und in 8 tagen fertig wird (1866)
ebda 5, 301; 'gradel
fester stoff aus baumwolle oder leinen ... band- oder seidenschnürchen' Unger-Khull
steir. 301
a; 'gratel (
gen.?)
ungebleichter leinenstoff' (
im schwäb.-bair. grenzraum) Fischer
schwäb. 6, 2065.