grad,
m. ,
aus lat. gradus,
seit Notker
mit deutscher flexion nachweisbar (
vgl. II A 1 d).
in seiner bedeutung zunächst in enger anlehnung an den lat. gebrauch (
vgl. thes. ling. lat. 6, 2 [1934] 2142
ff.).
zu einer grundbedeutung '
schritt'
hatte sich dort eine bedeutung '
stufe'
entwickelt (
vgl. den gleichen vorgang bei dt. tritt),
wozu dann ein übertragener gebrauch im sinne von '
rangstufe'
etc. trat. dieser letzte wird in dt. grad
ausgang neuer, begrifflicher bedeutungsentfaltung (
s. u. II),
während die grundlagen des lat. gebrauches, die konkreten bedeutungen '
stufe'
und '
schritt'
sich im deutschen nur spärlich entwickeln und schlieszlich völlig verkümmern (
s. u. I A
und B).
das wort flektiert in der regel als st. m. der a-
decl., wobei jedoch im dat. sing. seit dem 13.,
dann, vom 14.—17.
jh., auch im nom. acc. pl. e-
lose formen bevorzugt werden. als maszbezeichnung in verbindung mit kardinalzahlen (II B 1
u. 2 a)
wird das wort im plur. häufiger unflektiert als flektiert gebraucht. nhd. ist hier flexionslosigkeit regel (
vgl. Duden
1341;
ebda 211
und analoge fälle wie gramm, pfund
u. a.). —
daneben begegnet schon im mhd. (grâdin Notker 1, 734, 29
P. besagt nichts, vgl. Kelle zeitschr. f. dt. altert. 30, 296; 326—329; 335),
vereinzelt auch in moderner mundart (
vgl. beitr. z. schweizerdt. gramm. 11, 147),
flexion nach der masc. i-
klasse mit umgelauteten pluralformen, die von denen des fem. grede (
vgl. teil 4, 1, 6,
sp. 2)
häufig nicht zu unterscheiden sind: n. pl. græte Wernher
Marienleben 607
P.-H.; grete Tauler 154, 8
V.; St. Georgener pred. 234, 7
Rieder; apokopiert gret Elsbeth Stagel 58, 16
V. —
d. pl. greten, greden meister Eckhart in:
zs. f. dt. altert. 69, 254; grêten (13.
jh.)
md. Macer Floridus in: WSB 71 (1872) 530
H.; Tauler
pred. 336, 1
app. V.; greden
minnereden 31, 98
B.-Th.; grAeten Elsbeth Stagel 88, 36
V.; greden
städtechron. 17, 4 (
Mainz, 15.
jh.). —
acc. pl. græte Walther v. Rheinau 19, 15
Keller; ebda 248, 26; græte Wernher
Marienleben 620
P.-H.; grête Hermann v. Fritslar in:
dt. mystiker 1, 22
Pf.; ebda 196. —
vom 14.
bis ins 16.
jh. findet sich vereinzelt auch schwache flexion: n. sg. gradus grode
o. staphel (
obd. anf. 15.
jh.) Diefenbach
nov. gl. 196
b. —
dat. sg. im dritten graden
leyenspiegel (1544) 26
b. —
acc. sg. einen graden
ebda. —
n. pl. graden
ebda 28
b. —
der inlautende dental erscheint älter überwiegend als t,
doch scheinen die d-
formen md. häufiger zu sein als obd. II. grad
als konkretum. I@AA.
in der bedeutung '
stufe'
nur in älterer sprache geläufig, im 18.
jh. noch vereinzelt lexikalisch nachgewiesen, jünger nur mundartlich aus dem hessischen (
s. u. 3 c). I@A@11) '
treppenstufe',
vielfach auch '
stufe am altar',
bereits für das 11.
jh. vorauszusetzen auf grund von grâden,
vb., '
mit stufen versehen'
bei Williram 52, 6
Seemüller; vgl. auch St. Trudperter hohes lied 42, 24
Menhart. beachte, dasz in der benediktinerregel (
humilitatis)
gradus durch stiagilsprozzo
und stiagil
übersetzt ist, s. kl. ahd. sprachdenkm. 210, 29; 213, 12; 22
Steinmeyer. als substantiv vom 12.
bis ins ausgehende 18.
jh. nachzuweisen, vom 13.
bis ins 15.
jh. besonders gebräuchlich. hinsichtlich der bedeutung knüpft hier vielleicht grede,
f. (
s. teil 4, 1, 6,
sp. 2)
an, welches, trotz der reimbelege bei Wolfram,
auf der md. lautform des nach der masc. i-
deklination gebildeten plurals von grad
beruhen könnte (
vgl oben): sin rîchtûm was imo vil woli schein. sîn stûl was gût helphinbein ... sechs grâdi gîngin dirzû
lob Salomonis 161
Waag; Straszburger Alexander 5431
Kinzel; (
St. Ulrich wurde ermahnt,) daz er (
die verbrannte kirche) wider machen hieze, noch Sintprecht den bisschof (
sepulchrum Sintperti) lieze ligen bi deme grâde des chor (...,
quod situm erat juxta gradus in choro) (
um 1200) Albertus
St. Ulrichs leben 995
Schmeller. in den beiden folgenden belegen innerhalb eines bildes: darum, der best grad, daruff man getreten mag, als man zuo got in ganczer andacht wil gon, das ist, das man on sunde sy in der craft der gOetlichen rwe (
vor 1298) meister Eckhart
reden d. unterscheidung 22
D.; diz ist von der heinliche godes. daz eine ist der erste grat. an dem trappen (13.
jh.)
bei J.
V. Adrian
mittheilungen (1846) 432; er (
Clarantz) gie die stiegen frolich an, rech als ain verwegen man. an dem sibenden staphen er pegunde den atem schophen und gewan zehant den schwindel. er gie umb als ain trendel und viel nider auff den grat der di sechsten statt hatt Heinrich v. Neustadt
Apollonius 12 817
Singer; daz volc Jude unde ouch er leiten uf ir houbet erden ... unde vielen sus an der stat nider vor des altaris grat
buch d. Maccabäer 9746
Helm; darnach do sach ich das sich der himel uff tet
ob mir, und das wunneklich gret von dem himel herab giengent untz an die stat da ich was Elsbeth Stagel
d. leben d. schw. zu Tösz 58, 18
Vetter; Walter v. Rheinau
Marienleben 19, 15
Keller; alles (
ist) geschreben und ingegoszen an die messen dore zu unser frauwen of den greden zu Mentze (15.
jh.)
städtechron. 17, 4;
gradus cellarii kelre graet (15.
jh. md.)
bei Diefenbach
gl. 424
a; auff dem marckt hat sich der kOenig einen herlichen stuel, mit dreien graden oder stuffen lassen zurichten H. Dorpius
warhafftige hist., wie d. evangelium zu Münster angefangen (1536) F 2
a; er stellet sich an den vndersten grad dess altars Spee
tugendbuch (1649) 701; grad
gradus, die stuffe, ein tritt Spanutius (1720) 263. Krünitz
öcon. encycl. (1773) 19, 612
verzeichnet das wort in der bedeutung '
stufe'
als '
im hochdeutschen veraltet'.
vereinzelt auch '
podest': Paulus trat auf die stuofe und gienc enpor uf den grat (
um dem volke zu predigen)
väterbuch 3279
Reissenberger; ist in der kirchen die
f. leiche auf ein grad, drei staffeln hoch, gegen dem predigtstuhl über, gesetzet Schweinichen
denkw. (1878) 33.
hier anzuschlieszen grât
in verschiedener mundartlicher lautform für den rand, die einfassung, den (
stufenförmigen)
unterbau eines ofens u. ä.: item das man den grot gemaurt hat,
et pro fodulis, ac praeparatione fornacis in domo regiae maiestatis ... flor. 1 (1535)
qu. z. gesch. d. st. Kronstadt 2, 489; 'grät, gred (
prov.),
eine hölzerne, in den bauernhäusern um den ofen gebaute lagerstatt, auch ein um dasselbe erhobner, bedeckter gang' Westenrieder (1816) 213; 'grad ...
geländer unter dem giebel des hauses' Unger-Khull
steir. 301
a;
doch sind diese mundartformen mit grede,
f. (
s. d. 3; 4)
zusammenzusehen. I@A@22)
vielleicht in entsprechung zu lat. gradus '
sitz im theater'
auch mhd. gelegentlich als '
sitz, thron',
namentlich '
thron im himmel',
wobei freilich auch an einflusz neutestamentlicher stellen (
Matth. 19, 28;
Luc. 22, 30;
Apoc. 4, 4)
zu denken ist: so suchen sie (
die 24
alten) dan gotes vuz ieslich an sinen graden (
in sedibus suis) Heinrich v. Hesler
apokalypse 16 261
Helm; si (
Maria) hat mit guten witzen erkorn wol daz beste vnde sitzet also veste vf dem hohen grate der ir nach xpc rate von genaden ist gegeben
passional 374, 4
H.; und uf den aller schönesten grat den got in siner wunne hat, bist (
du, Maria) wirdeklich gesessen Wernher
Marienleben 14 849
Päpke-Hübner; Maria, thu dein hilf und schein ewigclich vor helle pein; erwirb uns armen gnad, setz uns in den hechsten gradt
älteres wappengedicht in: Zimmer. chron. 21, 462
Barack. auch weltlich: der sich so ho gesezzet hat, mit sange in meister singer grat Rumelant
in: minnesinger 3, 65
a v. d. Hagen. besonders '
sitz gottes',
sein '
himmlischer thron'.
so wohl schon: er (
Lucifer) seite er solde im (
gott) wesen glîch, rehte als herre Jsâias hie vor in sîner schrift las (
vgl. Jes. 14, 13). erjage ich den selben grât besitzen, den mîn schopfer hât? muglich, wande ich harte wol im an schônheit glîchen sol!
die erlösung 233
Bartsch. wohl mit bezug auf Ezech. 3, 12: si rifin in prophetin wis: here und got, gelobit sis in dem hostin grade (
benedicta gloria domini de loco suo) (
um 1300) Helwig
märe v. hl. kreuz 397
Heymann; warumme wirt diser vorlorn, ein ander vint genade vor gotes hostem grade? Heinrich v. Hesler
apokalypse 11 540
Helm; durch got dort in dem höchsten graud Hermann v. Sachsenheim
d. mörin 1480; 2780.
in wendungen wie in
oder ûz den hôsten grâden
wie vergleichbares in dem trône (
md. Hiob 3412)
geradezu in der bedeutung '
himmel': und (
wir) dancten im der genaden daz uz den hogesten graden got sich hir vorkunden hiez Heinrich v. Hesler
apokalypse 1738
Helm; ebda 3295. I@A@33)
in anderen, von der anwendung als pars pro toto hergenommenen bedeutungen, die meist lat. vorgeprägt sind, vom 13.
bis ins 15.
jh. sowie mundartlich zu belegen. I@A@3@aa)
in der bedeutung '
treppe'
lat. gebrauch entsprechend (
vgl. auch die entsprechende bedeutungsentwicklung bei treppe
teil 11, 1, 2,
sp. 151
ff.),
nur mhd., und, wohl neben häufigerem grêde (
vgl. teil 4, 1, 6,
sp. 2),
mehr vereinzelt: (
Lancelot) ging furbas und qwam zu eim grade der hoch uff ging zu einem schönen sal. der grad was on lene und was ser schmal, und stunde ein gewapent ritter uff dem grade
Lancelot 1, 572
Kluge; da er (
der herzog durch den gang) durch kam, da mocht er mit dem rosz furbas nit, wann ein dieff keller fur im stund. er liesz sin rosz stan und ging den grat nieder, bisz das er in den kerl (!) qwam
ebda 569. I@A@3@bb)
nur aus glossen belegbar in der bedeutung von lat. pyrgus '
der inwendig hohle und mit stufen versehene kleine hölzerne turm an der seite des spielbrettes, durch welchen man die würfel ... über die stufen herab auf das spielbrett warf' (
vgl. Georges
lat.-dt. hdwb. [1880] 2, 1882):
pyrgum vel pyrgus ein stigung
vel ein grat (13./14.
jh. obd.) Diefenbach
gl. 437
b;
pyrgum eyn steygheringhe vel eyn graet (
Köln 1507,
nrh.)
ebda. I@A@3@cc)
auch: 'grod,
das pflaster vor der thüre' Estor
d. Teutschen rechtsgelahrth. 3 (1767) 1410
oberhess. wb., wohl von der steinernen eingangstreppe her so benannt; 'grad, grat,
in Oberhessen msc., in Niederhessen fem., geplatteter und um einige stufen (
gradus)
erhöhter seitengang in den straszen einer stadt längs der häuser; jetzt zum niedrigen trottoir herabgesunken. solche grade (greden, greten
im plural)
sind jetzt sehr selten geworden, und finden sich jetzt meines wissens nur noch in Wolfhagen und Kirchhain' Vilmar
Kurhessen 135; 'grt,
f., der gepflasterte platz zwischen einem hause und der strasze' Bauer-Collitz
Waldeck 41
a.
offensichtlich mit grede,
f. (
s. d. 1)
gemischt. I@BB.
in der bedeutung '
schritt',
wohl als gelehrte wiederaufnahme der grundbedeutung von lat. gradus,
nur vereinzelt im 17.
und 18.
jh.: und geh zur rechten seit hinab, da wirstu sehn ein schOene stadt, zu welcher richt strack deinen grad A. Pape
Jonas rhythmicus (1605) H 3
a; grad
ein schritt Henisch (1616) 1723.
auch in bildlichem zusammenhang: liegen vnnd viel verheissen mit vnwarheit ist der erste grad zum verderben Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Mm 7
b; der hat einen grossen grad zur heiligkeit gethan, der niemanden um seinen glauben fragt J. J. Becher
psychosophie (
31707) 48. IIII. grad
als abstraktum. der breit entwickelte begriffliche gebrauch von grad
knüpft ursprünglich, entsprechend lat. gradus,
an einen bildlichen gebrauch vor allem der bedeutung '
stufe'
an (
s. o. I A;
vgl. ferner die bemerkung zu beginn dieses artikels)
und ist von diesem nicht immer sicher zu scheiden. die dem abstrakten gebrauch von lat. gradus
zugrunde liegende vorstellung von stufen, die sich der höhe nach unterscheiden, wird bei dem deutschen lehnwort grad
in sehr vielen fällen in eine vorstellung von unterschiedlich intensiven gehalten (
z. b. an gottnähe, würdigkeit, blutsnähe, wärme etc.)
hinübergeführt. beide vorstellungen, intensitäts- und höhenstufung, sowie gelegentlich (
s. u.B 1)
eine weitere, an grad '
schritt'
anküpfende, vermischen sich in einzelnen anwendungsbereichen, so dasz für den abstrakten gebrauch von grad
einer gliederung nach bedeutungen eine solche nach anwendungsbereichen vorzuziehen ist. II@AA.
mit bezug auf den menschen. II@A@11)
als masz- und rangbegriff einer ordnung, in welcher der mensch gesehen wird, wobei die vorstellung einer solchen objektiven, abgestuften ordnung nur im bereich des gesellschaftlichen und genealogischen (
s. unter d
und e)
wesentlich über das 16.
jh. hinaus fortlebt, während sie im bereich des geistlich-religiösen und moralischen (
s. unter a
und b)
frühzeitig zur vorstellung einer intensitätsstufe menschlicher eigenschaften, zustände und verhaltensweisen (
s. unten 2)
tendiert und nur in 1 b
vereinzelt noch im frühen 19.
jh. anzutreffen ist. II@A@1@aa)
innerhalb einer geistlich-religiösen wertordnung; gerade in diesem bereich wird vielfach neben der vorstellung '
ranghöhe innerhalb der geistlich-religiösen ordnung'
zugleich die unter 2 (
s. d.)
gehörige vorstellung '
intensität des religiösen vermögens'
wirksam, da der hier zugrunde liegende sachverhalt beide aspekte nahelegt. vom 13.
bis ins 16.
jh. belegbar. II@A@1@a@aα)
namentlich in der mystik '
stufe der gottnähe, welcher ein zustand oder eine verhaltensweise der seele entspricht': denne kumet der herre und bringet in uf den dritten grat. und in dem so tuot im recht der herre den mantel von den ovgen und endecket im die worheit Tauler
pred. 162, 1
Vetter; dar nach ist noch ein vil verre hoher grat (
gott zu loben) denne dise alle sint: das ist das der mensche got also gros erkent und sich als gar klein in sinem grunde das er got nút geloben kan
ebda 292, 26; wer er in dem grate iezent das er kummen mOehte in den nidersten kor (
der engel)
ebda 129, 20; nu ist ein vrâge, ab di sêle in eime gemeinen grâde der gnâden daz êwige wort gebern muge, oder ab si bedorfe eines sunderlîchen grâtis dar zu ... aber di lûtern geiste di iz (
das wort) sullen geberen in der hôhesten wîsen, di muzen haben sunderlîche grête der gnâden Hermann v. Fritslar in:
dt. mystiker 1, 22
Pf.; alls sant Augustin schreibt in dem buch von götlicher beschawung vnd das (
das wortlose wesen gottes schauen) ist der höchst grad in dem beschawenden leben Keisersberg
granatapfel (1510) H 3
b. II@A@1@a@bβ)
auch auszermystisch auf die rangstufe eines religiösen verhaltens bezogen, und auch hier vielfach mit doppeltem aspekt (
s. ob. a);
vom 13.
bis ins 16.
jh.: ze deme stîgenne er sich bereite, er volgete ime, swâr ern leite wand er ze bôsheit unmaere hât, do steic er ûf der tugende grât Albertus
St. Ulrichs leben 607
Schmeller; in di leiterboume hait diu gotelîche ladunge in gesprûzit di misslîche grâde der dêmûte und der zuchte di man ûf stîge. primus humilitatis gradus. der êrste grâd der dêmûticheit ist ob man di gotis forchte vur di ougin sezze ... und gehuge sich alle cît waz unser herre geboten habe (
md. 13.
jh.)
in: zs. f. dt. altert. 16, 232; wann ich gesprochen han: 'wer volkommen well sin, der verkoff die habe sin vnd volge mir nǎch.' desz was dem iúngling lútzel gǎch. als noch menger tüt der och des selben gern hette müt, den grAvt der volkomenhait hon
Christus u. d. minnende seele 1472
Banz; vgl. 1464; czum andernn. ist zu wissen, das drey unterscheydliche grad und orden seyn, wol und vordinstlich handelnn mit den zeytlichen gtern (1520) Luther 6, 36
W.; vgl. 37; das ist eine schwere blindheit, das sie sich ynn dem hochen grade der volkomenheit achten und noch nicht den understen verstanden, geschmecket haben
ebda 18, 529;
trotz der nähe zu 2 b
wohl noch von hier aus zu sehen: disz ist aber ein hOeherer grad des glaubens, alle tag gewarten, wann vnser herr gott komme, darzuo wenig leut kommen
sprichwörter, schöne weise klugreden (1548) 115
a.
ganz vereinzelt objektiviert vom irdischen leben als unterster stufe des ewigen lebens: merck wer will feinden an den tod hast all gebürd (
haszt alles leben) auss rechter not. wann leben in dem ersten grad, bringt stätigs sterben on genad Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 127
b. II@A@1@bb)
seltener als stufe einer moralischen, geistigen, kulturellen ordnung, in jüngerer sprache: den grad des guten, welches er sich zu erreichen vorsetzte Wieland
Agathon (1766) 2, 198; sie haben schon oft den wunsch bey mir erreget, dasz sie mein mentor und näher bey uns seyn möchten; alsdann hofte ich den grad der vollkommenheit zu erlangen, den sie mir schon jetzt so freygebig beylegen Gottschedin
br. 1, 5
Runkel; ob die nation, deren studium jenen nuzen gewähren soll, auf einem vorzüglichen grade der ausbildung oder der sittlichkeit stehe W. v. Humboldt
ges. schr. 1, 264
akad. II@A@1@cc)
vereinzelt für eine stufe innerhalb der ordnung nach lebensaltern belegbar: aetas desz menschen alter i. zeit vnnd grad desz menschen lebens (
pueri, juniores, seniores etc.) Alberus
dict. (1540) uu 3
a.
vgl. noch gradus pro annus du Cange 4 (1885) 92
b. II@A@1@dd)
rang in einer gesellschaftlichen ordnung. II@A@1@d@aα)
allgemein '
stand, rang, würdigkeit',
so im frühesten dt. nachweis des wortes: uuâren daranâh zeladonne gnûoge hoho gesezene (
götter) aftir iro gradin (
post quos complures alti pro suis gradibus cęlites conuocandi) Notker 1, 734, 29
P.; do wart Mathias erwelt. Petrus der edele gots helt sprach zv der gesamten schar (
der jünger), ir herren nement alle war wie unse kor zvbrochen stat, wande Iudas den zwelfboten grat der im e wilen was erkorn mit allen schanden hat verlorn
passional 318, 77
H.; den ediln man vor edil hât swî daz wil an im der grât darûf er mit geburte stât (
um 1340) Nikolaus v. Jeroschin 17 975
Strehlke; nota die prelaten, des gleichen die edlen des hochsten grädtz, mugen sich selbs irritzen (
ihrzen) in den briefen oder reden (15.
jh.)
in: zs. f. dt. altert. 37, 63; so syn etlike heren (
unter den menschen), dede mynre syn in grade, wan alze de groetmechtighen vorsten, alze banreheren vnde der ghelyken, vnde desse ghelykent de meyster by deme vosse (1498)
Reinke de vos 5
Prien; so weit du lebst in höherm grad, so viel ist demut dein zierrath Kirchhof
wendunmuth 3, 33
lit. ver.; alse h(
erzog) Magnus in de Muscow gekamen, hefft de grothfürst en vnde alle syne rede, junckern vnde deners tho gaste geladen ... vnde einen jedern na gradt vnde stadt, mit grotem geschencke vnde gauen vorehret (1584)
script. rer. Livonicarum 2, 86; hiergegen aber hat es in etlichen stAedten pfleger, haubtmann, burggrafen, burgermeister ... darzu vornemlich die qualificirten personen aus dem rath erkohren werden, derselben grad und ambt wird auch darinnen (
in überschriften und briefanreden) vermeldet und mit begriffen Harsdörffer
d. teutsche secretar. (1656) 1, 1, 58; dannenhero nicht allein dieses zu erinnern, dasz wenn zwei gute oder böse von ungleichen grad zusammen kommen, das geringere allezeit in ansehen des grösseren weichen und nachgeben müsse Thomasius
v. d. kunst vernünfftig u. tugendhafft zu lieben (1692) 41.
sprichwörtlich: je höher grad, je schwerer fall Henisch (1616) 1723; man wird es dem sergeanten einigermaszen dank wissen, dasz er seine musze einer arbeit gewidmet hat, die sich sonst für seinen grad und seine stellung wenig zu eignen scheint Göthe I 42, 1, 131
W.; wo alle grade ... der menschlichen gesellschaft auf dem kampfplatz vertreten waren, in den groszen städten, konnte man den menschen ... erst recht erkennen lernen Raabe
hungerpastor (1864) 2, 19. II@A@1@d@bβ)
speziell. II@A@1@d@b@aaαα)
der akademische grad; so seit 1416
belegbar (
nicht erst seit dem 17.
jh., wie Schulz
dt. fremdwb. [1913] 1, 251
will): to der sulven tiid vorstorede dat concilium dat studium to Praghe unde bot by der ewighen malediginghe, dat nement na der tiid grade edder werdicheyt dar entfangen scholde (1416
Lübeck)
städtechron. 28, 87; sie (
die Türken) haben zwen grad, wie wir meyster vnd doctor S. Franck
chron. u. beschr. d. Turckey (1530) F 4
b; er hat schon ein grad vberkommen, er ist baccalarius, magister
etc. worden. vnnd wirdt also für ehr vnd würden genommen Simon Rot
dict. (1571) G 7
a; daher dann die grad der ehren, es sei magister, licentiat oder doctor, jren ursprung haben Rivius
Vitruv (1575) 15
a; pabst Gregor hat auch zuerst die grade eines baccalaureus, und eines licentiaten, ingleichen eines magisters und doctors, unterschieden
anmuth. gelehrsamk. (1731) 1, 112
Gottsched; sie erklärten es für eitel und unevangelisch ... grade auf den universitäten zu empfangen Ranke
s. w. (1867) 2, 5.
in der wendung von graden: denn meinem freund (
Faust) wird dieser trunk nicht schaden: er ist ein mann von vielen graden, der manchen guten schluck gethan Göthe I 14, 126
W. II@A@1@d@b@bbββ)
rangstufe in einer staatlichen ordnung, bes. in der des adels und des beamtentums: es machte auch der keyser unter den allen vom adel sonderliche ordnung, gradt, und erhöhet sie (1579) Entzelt
altmärk. chron. 122
Bohm; zv den zeiten Ludouici des 3. welcher regiert anno 903. von derselbigen zeit seind die mancherley grad des adels nicht gewesen, auszgenommen kOenig, frsten vnd freyherren S. Münster
cosmogr. (1598) 469; item burggraven sind gewesen burgvOegt, die sind etwan nur ausz dem vndersten grad desz adels genommen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 312
a; wer nicht mit lgen rhmen kan, der kompt zu hoff nicht hoch hinan. vnd bleibt allzeit im vntern grad Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Hhh 6
b; die (
oberforst- und forstmeister) stehen, wenn sie zumahl bey hofe den caractère als cammer-juncker haben, ihrer jagd- und forst-verrichtungen halber in gleichem grade Göchhausen
notabilia venatoris (1741) 303; die repräsentanten sollen das recht haben, ... beamte aller grade anzustellen Ranke
s. w. (1867) 4, 4. II@A@1@d@b@ggγγ)
rangstufe in der kirchlichen hierarchie: die rOemische kirch ... helt mannigfAeltigen grad vnd wrdigkeit Joh. Nas
antipap. eins u. hundert (1567) 4, 109
a; der dritte grad (
in der griechischen kirche) seyn die bischoff, haben auch etliche kirchen unter jhnen Schweigger
reyszbeschr. (1619) 219; alsobald thut er auf seine geistlichen grade verzicht Göthe I 44, 362
W.; in den stürmen, welche bischöfe und capitel stürzten, hatte sich doch das kirchliche institut in den untern graden erhalten: rectoren und pfarrer ... bestanden überall Ranke
s. w. (1867) 17, 86. II@A@1@d@b@ddδδ)
militärischer rang: nachdem unter denen kriegesofficierern unterschiedne grade sind, so versteht sichs, dasz sie insonderheit die ordre desjenigen, dem das general-commando zustehet, zu respectiren haben Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 185; officiere ... unterhielten sich heiter und in ihren verschiedenen verhältnissen des alters und der grade ganz artig Göthe III 2, 89
W; in den unteren graden bis zum hauptmann erfolgte das aufrücken in der regel nach dem dienstalter Treitschke
dt. gesch. (1897) 1, 294. II@A@1@d@b@eeεε)
entsprechend auch in anderen organisationen, in orden, geheimen gesellschaften etc.: der erste grad hiesz der übergang (
in einem philosophisch-mystischen orden in Wetzlar), der zweite des übergangs übergang, der dritte des übergangs übergang zum übergang Göthe I 28, 137
W.; die gesellschaft hatte ihre geheimen grade Schiller 4, 267
G.; sollte es möglich seyn mich gelegentlich bis zu dem meistergrade hinauf zu führen, so würde ich's danckbarlichst erkennen. die bemühungen, die ich mir bisher in nüzlichen ordenskenntnissen gegeben, haben mich vielleicht nicht ganz eines solchen grades unwürdig gelassen Göthe IV 5, 102
W.; so nehme ich dich denn auf, mein bruder, in den neuen grad, den ich hiermit stifte Immermann
w. 5, 125
Hempel; ärgerlich war ihm das gewesen, ... dasz der baron Bastian unverzüglich wie einen mitverschworenen gefragt hatte, welchem grade (
der freimaurerei) er angehörte Ina Seidel
Lennacker (1938) 492.
von da her spricht man auch von graden eines ordenszeichens: darum hat ... die gute ahnfrau auch schon als jungfrau den Hennegau'schen mägdleinorden der freudig-frommen kinder gestiftet, dessen höchster grad hier im sarge ihre brust bedeckt Brentano
ges. schr. (1852) 5, 222. II@A@1@ee)
rangbegriff zur bezeichnung der nähe einer verwandtschaft, sowohl von der vorstellung einer stufenmäszigen ordnung aus als auch im hinblick auf die intensität der blutsverwandtschaft; seit dem 15.
jh. nachweisbar. II@A@1@e@aα)
nach der zählweise des kirchlichen und des staatlichen rechts. II@A@1@e@a@aaαα)
in gerader, d. h. auf- oder absteigender linie sind beide zählweisen nicht zu trennen: graden, oder staffeln, sein zeichen, dadurch vermerckt vnnd erkent werden mag, wie ferr die person in sipt oder magschafft von einander gescheiden seind
leyenspiegel (1544) 28
b (
dazu ebda 26
b: es seind aber in solcher freuntschafft dreierlei ordnierung, oder linien, als die obern oder ascendentes, das seind vatter, muoter, anherrn vnd ander auffsteigend. die nidern, oder descendentes, das seind kinder, vnd ander von jn absteigend. vber zwerch, oder von den seiten, seind geschwistergit, vnd ander von jnn geborn); (
eine alte frau aus dem geschlecht der kämmerer von Dalberg konnte zu ihrer tochter sprechen:) dochter, sag deiner dochter, ir dochter dochter kinde das waine, das ist bisz in den fünften gradt gewest
Zimmer. chron.2 4, 101
Barack. II@A@1@e@a@bbββ)
in der seitenlinie. nach der zählweise des kanonischen rechts: der eerste graet der maechscip is susterscip ende broederscip; der ander graet sijn suster- ende broederkinder (1410)
in: dt. rechtswb. 4, 1048; da
d. M. L. gefragt ward: in welchem grad eins das ander nehmen möcht? antwortet er und sprach: im vierten grad mag eins das ander freien Luther
tischr. 5, 157
W.; nu ob woll der bapst nicht recht than hatt, das er hatt also die grad verpotten, will ich doch nymandt heyssen, das ein man odder weip ins vierd gelidt greifft
ders., w. 8, 542
W.; also möchtstu (
Luther) auch sagen, wir weren einander all in dem ersten grat verwant, vnd schwester vnd brder in einem Adam vnserm vatter, vnd mOecht also keins das ander zu der ee nemen Murner
a. d. adel 14
ndr.; als ein enickel eins bruoders, vnnd ein vrenickel des andern bruoders, sein im andern graden von einem teil, aber des andern teils im dritten graden (
verwandt)
leyenspiegel (1544) 26
b; grad, ein weite einer person von der andern ... brüder vnd schwester seind inn dem ersten grad der blutfreundtschafft (
dazu falsch glossierend, die verhältnisse auf den kopf stellend:)
fratres et sorores sunt in primo gradu cognationis, jure civili, in secundo jure canonico Henisch (1616) 1723; grad, wird in berechnung der stufen in der anverwandschafft, bluts-freundschafft und schwägerschafft gebraucht. als geschwister sind einander im ersten grad der bluts-freundschafft verwandt, deren kinder im andern grad usw. Hübner
cur. u. reales lex. (1732) 869; dein (
des eichhorns) vater, tröst ihn Jupiter, und meiner (
des fuchses) waren zweene brüder, zweene rechte brüder, und wir sind im andern grad gesipt, mein kind Lichtwer
Äsop. fabeln (1748) 112; grad bedeutet nach der kanon. zählweise die zahl der zeugungen, die zw. den verwandten liegen. für die berechnung gilt nach kanon. recht für die gerade linie: soviel grade, als zeugungen zwischen den personen liegen (vater-tochter: 1. grad; groszvater-enkelin: 2. grad), für die gleiche seitenlinie: 2 personen sind miteinander in dem grad verwandt, in dem sie mit dem gemeinsamen stamm verwandt sind (geschwister: 1. grad usw.), für die ungleiche seitenlinie: 2 personen sind in dem grad miteinander verwandt, indem (!) die entferntere mit dem gemeinsamen stamm verwandt ist (onkel-nichte: 2. grad). ist eine person mit dem gemeinsamen stamm im 3., die andere im 4. grad (4. grad berührend den 3.) verwandt, so besteht kein hindernis mehr Buchberger 2, 407
f. nach der zählweise des staatlichen rechts: zween brder, oder ein bruoder, vnd ein schwester, machen nach geistlichen rechten, nur einen graden (!), aber nach weltlichem rechten zween
leyenspiegel (1544) 26
b; in der rechten linie werden die grade allemahl nach den zeugungen gezehlet, in der seitenlinie aber verfähret nur das römische kayser-recht auf beyden seiten also, das päbstische recht aber zehlt nur eine, und zwar die längste seite, ... das sächsische recht machet die geschwister zum gemeinen stamme und fänget erst nach ihnen an zu zehlen Th. Hayme
jurist. lex. (1738) 14; geschwister sind, nach dem kanonischen rechte, im ersten grade verwandt, oder machen den ersten grad aus, nach dem bürgerlichen römischen rechte sind sie im zweyten grade verwandt Krünitz
öcon. encycl. 19 (1780) 613; personen, deren eine von der anderen abstammt, sind in gerader linie verwandt. personen, die nicht in gerader linie verwandt sind, aber von derselben dritten person abstammen, sind in der seitenlinie verwandt. der grad der verwandtschaft bestimmt sich nach der zahl der sie vermittelnden geburten
BGB § 1589; die linie und der grad der schwägerschaft bestimmen sich nach der linie und dem grade der sie vermittelnden verwandtschaft
ebda § 1590. II@A@1@e@bβ)
im auszeramtlichen sprachgebrauch vor allem in näherer bestimmung der vetternschaft. hierbei haben vettern ersten grades
einen gemeinsamen groszelternteil, vettern zweiten grades
einen gemeinsamen urgroszelternteil u. s. f.: weil vettern im siebzehnten grad nicht gerade zu den ... vertrauten des fürsten gehören Fontane
ges. w. (1905) I 5, 169. II@A@1@e@gγ)
analog zum verwandtschaftsgrad gelegentlich auch zur charakterisierung der nähe einer bekanntschaft: gegen abend, meist sechs uhr denke ich oft an eine zerstreuung: diese finde ich entweder bei Charlotten oder Wielands, oder theile sie unter die bekanntschaften des zweiten grades, die clubbs und die komödie (1787) Schiller
br. 1, 444
Jonas. II@A@1@e@dδ)
in geläufigen wendungen und verbindungen. II@A@1@e@d@aaαα)
in präpositionalen wendungen wie jemandem, mit jemandem in einem grade verwandt sein: ehe und zuvor die hochzeit gehalten, hat sich erfunden, das grave Eberhart und fröle Anna im vierten grad der gesipschaft ainandern verwandt gewesen
Zimmer. chron. 21, 216
Barack; er war in der vierden sipp grad oder linien mit Mathilde verwandt S. Franck
Germ. chron. (1538) 125
b; Jesum von Nazareth kenne er wol, dann er sey ... jhme in dem 14. grad verwandt Ayrer
hist. proc. juris (1600) 452; als Alexander IV. zwischen dem marggrafen Johann v. Brandenburg und der tochter des herzogs von Sachsen dispensirte, setzte er dazu, dass der pabst selten ... solche dispensationen ertheile, ob sie gleich nur im dritten grad mit einander verwandt waren
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 3, 297.
weniger häufig jemandem in einem grade zugehören: die weiber nehmen auch mann, die jhnen im andern grad zugehören Megiser
chorogr. Tartariae (1611) 98. in einem grade gesippt sein: und wir sind im andern grad gesipt Lichtwer
Äsop. fabeln (1728) 112. in einem grade freien, sich in einem grade verheiraten: es ward bey doct. Martinus Luther gefraget: ob herzog Moritzen von Sachsen ordnung von der ehe, im dritten grad ungleicher linien zu freien recht und christlich wäre? Luther
tischr. 4, 542
W.; in der beyseits lini kanst du dich nicht verheurahten in dem ersten grad dergleichen lini Dannhawer
catech.-milch (1657) 3, 255.
auch in einen grad freien, heiraten: dannoch sollen dein gesibt fruend, bis in vierden grad, zuo derselben deinen prawt nit heyraten Berthold v. Chiemsee
teutsche theol. 685
Reithm. etwas erstreckt sich, reicht bis in einen grad (
vgl. auch den beleg aus der Zimmerischen chronik oben unter α αα): wer dich veracht und dein gebott, des lohn ist zorn und ungenad bisz in den drittn und vierdten grad
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenlied (1903) 2, 431.
sprichwörtlich: wer im grade der nächste, der ist im rechte der beste Wander
sprichw.-lex. 2, 120; im siebenten grade endet sich die sippe
ebda. II@A@1@e@d@bbββ)
besonders in der verbindung der verbotene, der unerlaubte grad
im hinblick auf zu nahe verwandtschaft als ehehindernis: gradus prohibitus ein verbotener grad Spanutius (1720) 263; wer ... einen andern reim in diese stelle aufnimmt, heyrathet im verbotenen grade (
bildlich gemeint) Hippel
lebensläufe (1778) 1, 44; verwandt seid ihr in unerlaubtem grad Grillparzer
s. w. I 3, 21
Sauer; er hätte solches (
lange zeit sein fürstentum zu verlassen) seines gemahls halben gerne gethan, welche er im verbotenen grad, und also viel zu nahe ins geblüte gefreiet Grässe
sagenb. d. pr. staates 1, 31. II@A@22)
als maszbegriff für die intensität, das ausmasz von eigenschaften, zuständen und verhaltensweisen des menschen; ansatzweise schon im 14.
jh. (
vgl. auch oben II A 1 a),
häufiger dann seit dem 16.
und 17.
jh. II@A@2@aa)
mehr subjektiv im hinblick auf affekte und empfindungen: und obe man uf den obersten grot keme der sssekeit (
des geistes) und stunde do inne, dennoch wil sich es got beroten obe er in behalten welle oder nút Tauler
pred. 78, 27
Vetter; der selbe zorn offen wirt an vier dingen, swa er swirt. zum ersten in dem herzen, dem er git manigen smerzen. zum andern machet des zorns not bleich das antlitze unde rot. zum dritten uz er brichet ... zum vierden male er vollenkumet, swan der zorn die tat gevrumet. diz sint des zorns grate
väterbuch 13 121
Reissenberger; der herr setzt hie (
Matth. 5, 22) vier grad des zorns, zum ersten des hertzen zorns ... der ander grad ist 'racha', das ist ein zornig ... geberd, ... der dritt grad ist, das man nit sagen sol 'du narr' ... der vierdt grad, das man kain grob mit der handt todt schlag Luther 12, 627
W.; wegen nahung jhrer hAeusser, die nachbarschafft macht ersten gradt, zur lieb sie beidt entzndet hat (
text: entznbet) (
vgl.: primosque gradus vicina fecit Ovid
metamorph. lib. IV,
fab. III,
dazu die glosse: primos amoris gradus visum et colloquium esse constat, reliqui vero sunt tactus, oscula, concubitus Ovid
operum tom. III
cum commentariis Raphaelis Regii et annotationibus Jacobi Micylli, Frankf. 1601,
p. 70
b;
schon in Ovid [1512] 62
a) H. Kornmann
mons Veneris (1614) 282; der ziemliche grad der hochachtung, die sie gegen sich haben Gottsched
dt. schaubühne (1741) 1, 288; der wollust höchster grad ist mit dem schmerz verwandt Cronegk
schr. (1766) 2, 111; jede empfindung (
hat) ... einen grad,
d. i. eine intensive grösze, die noch immer vermindert werden kann, und zwischen realität und negation ist ein continuirlicher zusammenhang ... möglicher kleinerer wahrnehmungen Kant
w. 2 (1838) 180; um sein elend noch zu vergröszern, quält er sich mit jener, den traurigen so gewöhnlichen vorstellung, dass der grad seines schmerzes immer gleich stark ... verbleiben müsse Meissner
skizzen (1778) 1, 16; das italienische volk äuszere eine art von sittsamer empfindlichkeit für jede quelle des genusses, und schöpfe vielleicht einen höhern grad von glückseligkeit daraus, als alle übrigen menschen Zimmermann
über d. einsamkeit (1784) 4, 43; er fixiert die einzelnen grade des leidenschaftsausbruches O. Ludwig
ges. schr. (1891) 5, 75; etwas arges können wir gar nicht erfahren, es handelt sich blosz um den grad des beifalls, er selbst ist uns gewisz Hebbel
br. 4, 402
Werner; sein zorn hatte offenbar den jetzt möglichen höchsten grad erreicht
M. Meyr
erz. a. d. Ries (1868) 1, 32.
wohl hier anzuschlieszen ist ein mundartlicher gebrauch, bei dem grad
direkt '
affektzustand'
meint: grade haben = '
ärgerlich sein' ... se kricht ihre ekligen grade = '
sie wird sehr ungemütlich'
bei Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 434
b. II@A@2@bb)
hinsichtlich mehr objektiver eigenschaften, geistiger und kultureller zustände des menschen: wie haben unsere verfurer widder diesen text geschrieben, geleret und gesagt, welcher auch den minsten grad und nur eyn funcklin vom glawben habe, wenn er sterben sol, der werde selig Luther 14, 24
W.; darzuo ligt es nicht in deinem willen oder gewalt, das du glaubest oder nicht, wenig oder viel glaub ist ein gottes gab on allen verdienst ... vnd wirt gegeben ..., in grad oder masz, von gott geordnet (1525) Eberlin v. Günzburg
s. schr. 2, 165
ndr.; eyn hOeher grade des glaubens Agricola
sprichw. (1534) x 5
a; denn nach beschaffenheit dieser umstände (
d. h. nach der beschaffenheit des charakters eines menschen) wird der grad der glaubwürdigkeit gröszer oder kleiner Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 39; wir als christen müssen allerdings schon zu einem ziemlichen grad der religion gelanget seyn, wann ... Loen
ges. kl. schr. (1749) 1, 47; ich hoffe, meine königin, du wirst den höchsten grad der gesundheit geniessen (1773) W. A. Mozart
br. 1, 45
Schied.; dann gehört wahrlich ein hoher grad von fester rechtschaffenheit dazu, um nicht darüber selbst schlecht und menschenfeindlich zu werden Knigge
umgang m. menschen (1796) 1, 159; denn der erste grad einer wahren aufklärung ist, wenn der mensch über seinen zustand nachzudenken, und ihn dabei wünschenswerth zu finden gewöhnt wird Göthe I 40, 268
W.; unerachtet im vorhergehenden angemerkt worden, dasz die Tanneser von misztrauischer und rachsüchtiger gemüthsart sind, so kann ich ihnen doch bei alledem einen gewissen grad von gutherzigkeit und menschenfreundlichem wesen keineswegs absprechen J. G. Forster
s. schr. (1843) 2, 247; recht schwere goldhauben und silberkreuze ... und bei den ehefrauen stirnbänder an möglichst breiter spitze, bezeichnen hier den grad des wohlstandes A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 369; er blickte mich in der zeit genau an, um aus meinen mienen den grad eines berechtigten oder eiteln selbstvertrauens zu lesen G. Keller
ges. w. (1889) 3, 55; der verpflichtete konducteur kam von zeit zu zeit nachsehen, ob wir (
auf der reise) noch vorhanden und in welchem grade der bekümmernisz wir waren, er ermuthigte und gab gute rathschläge (1887) G. Freytag
br. an s. gattin (1912) 133. II@A@2@cc)
von menschlichem handeln oder erleiden, im ersten beleg sittlich wertend: man weisz recht gut, dasz der mensch alles, gott selbst und das göttliche an sich heranziehen, sich zueignen musz. aber auch dieses heranziehen hat seine grade, es gibt ein hohes und ein gemeines Göthe IV 37, 135
W. von unterschiedlichem strafmasz: und (
er) offenbare mit der tat der schult und myner pine grat (
gravitatem poenae meae et culpae)
md. Hiob 9332
Karsten; wurdt sy (
die strafe) schon hie unterlassen, so ist sy dort jn gschrifft verfassen und uff den höchsten grad ermessen und wurdt ouch warlich nit vergessen Murner
geuchmat 224
Fuchs; so bestimmten die atheniensischen volksgerichte in sehr vielen fällen die art und den grad der strafen Niebuhr
röm. gesch. (1811) 2, 69.
namentlich prägnant von den graden der peinigung und tortur (
vgl. unten B 4
als möglichen anderen ansatzpunkt): wann ... der verdächtige durch kein wort zubewegen, soll der richter einen grad nach dem andern ... vornemmen (1657)
in: dt. rechtswb. 4, 1050; den ersten grad (
der tortur) stehst du aus Schiller 3, 61
G.; zweitens die grade der tortur, deren es fünf giebt: der erste grad besteht in drohungen. dem angeklagten werden die folterinstrumente und deren anwendung erklärt ... nachdem man dem angeklagten vergeblich ins gewissen geredet hat, folgt der zweite grad ... der fünfte grad endlich ist die tortur selbst
bei C. Müller
hexenabergl. u. hexenprozesse (1893) 127. II@BB.
als masz- und rangbegriff für sachverhalte aus dem bereich des auszermenschlich-objektiven, sowie für rein begriffliche sachverhalte (
s. u. 2 b). II@B@11)
in der bezeichnung einer teilstrecke als maszeinheit des zugehörigen ganzen. II@B@1@aa)
für den 360
ten teil eines kreises als winkelmasz im anschlusz an erst mlat. gebrauch von gradus,
im deutschen seit dem 14.
jh.; mlat. gradus
kann in dieser bedeutung aufgefaszt werden als lehnübersetzung von arab. dergeh
oder darajah '
stufe, 360
ter teil eines kreises',
das nach Tropfke
gesch. d. elementarmathem. (1902) 1, 25
u. Trübner
dt. wb. 3, 221
a in portug. degrao,
frz. degré
umgebildet erscheint (
anders Wartburg
frz. etym. wb. 4 [1952] 207
b,
der degré
auf *degradus
zurückführt).
andererseits könnte mlat. gradus '360
ter teil eines kreises',
eine durch die arab. mathematik vermittelte sachvorstellung, an lat. gradus '
teil (
aber nicht 360
ter!),
abschnitt eines kreises' (
vgl. thes. ling. lat. 6, 2 [1934] 2161)
angeknüpft haben, eine bedeutung, die ihrerseits auf der vorstellung von gradus
als '
schritt'
beruht. II@B@1@a@aα)
allgemein: wanne an dez himels mbkraizz sint dreihundert und sehzig grad oder klain stckke; und der iclichem gebent si sibenhundert rest Konrad v. Megenberg
sphœra 14, 18
M.; Ptolomeus rechnet vsz mit gradt was leng vnd breyt das ertrich hatt S. Brant
narrenschiff 66
Zarncke; solchen runden bogen oder zirckel theil in etliche gleiche theil herumb ausz, als in sechs, acht, zehen oder zwölff,
etc. vnd verzeichne das eigentlich, die werden alsdann grad genannt Fronsperger
kriegsbuch 1 (1578) c 1
a; grad wird viel von den astronomis, geographis, geometris, und andern mathematicis gebraucht. es ist der 360ste theil von iedweden circkel, und wird wiederum in 60. minuten, gleichwie eine minute in 60. secunden ... eingetheilt Hübner
cur. u. reales lex. (
61732) 869; wenn man in der geometrie aus der spitze des winkels, als aus einem centro nach gefallen einen bogen beschreibet, so deutet die anzahl der grade, so viel derer auf dieses bogenstücke gehen, die grösse des winkels an Wolff
mathem. lex. (1747) 600; der degen stak so an der seite, dasz ihm nur wenige grade an der rechtwinklichkeit fehlten Börne
ges. schr. (1829) 2, 21; der grad der neigung (
von gesteinsschichten) ... wird mittelst des lothes bestimmt Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1876) 2, 739. II@B@1@a@bβ)
besonders in astronomischen bestimmungen des gestirnstandes: seit aber deu sunne den leuten nimmer wirt gedrkt unter iren augenender (
horizont) mer denne drei und zwainzig grad, so dunket dich daz ez in ewicleich tag sei Konrad v. Megenberg
dt. sphœra 36, 24
M.; ein iegleich (
tierkreis-)zeichen wirt getailt in dreiszig stukke und die haizzen grad. vnd da von sind in dem tyrkraizze drei hundert und sehtzig grad
ebda 18, 28; such zuo dem ersten ... wie hoch der polus ob dem erdrich erhaben sey, also zuo Nremberg ist sein hOech neun vnd viertzig grad A. Dürer
underweysg. d. messung (1525) J 4
b; dass die gestirn ... 15 grad vber dem aequinoctial ... sich erheben Thurneysser
magna alchymia (1583) 12; den 9. november hat man im ersten grad dess steinbocks den gar grossen ... cometen gesehen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 129
b; wann der mond in (!) zwölfften grad dess krebs steht Paracelsus
opera 2, 546
Huser; den 11 januarii ..., im zeichen, da die sonne im wassermann und im stier 28 grad hoch stehet, ... hat mir mein liebes weib einen jungen sohn ... geboren Schweinichen
denkw. (1878) 299; es findet sich in ewern calendern, die auff ein elevation poli calculirt seyn, dasz jhr in desz mondenlauff vielmahls nicht in scrupulis primis aut secundis (so nicht viel zubedeuten in der witterung haben) sondern in den graden, das ist, vmb ein gantzen bauernschuch gefehlet Schill
teutscher sprach ehrenkranz (1644) 86; in der zwischenzeit war die sonne ... am 6. april vor dem Saturn im sieben und siebenzehnten grade des widders, vorübergegangen Schubert
verm. schr. (1823) 1, 72. II@B@1@a@gγ)
für die sich aus polhöhen- und meridianwinkel bestimmenden geographischen breiten- und längengrade. II@B@1@a@g@aaαα)
in geographischer ortsbestimmung: disz gemelt landt (
Amerika) vnd vierdt theil der welt, ist besetzt mit mehr thieren vnd volck, dann Asia, Aphrica vnd Europa, ... vnd nach rechter kunst oder grundt geometrie oder cosmographie, ist es der vierdte theil der welt, bey fnfftzig grad vber die linien equinoctialem gelegen S. Franck
weltb. (1567) 230
a;
vgl.: wo und unter welchem gradu diese insul gelegen Grimmelshausen
continuatio d. abenth. Simpl. 113
Scholte; jenseits des 30. grades folgt die despotische Türkey Haller
tagebuch (1787) 1, 104; wie sich dieses phänomen rings durch die meridiane so wie durch die breitenkreise in allen graden verhalte Göthe IV 36, 242
W.; jede seite des fuszes der gröszten seite der pyramide, 500 mal multipliciret, liefert die 57, 075 klaftern, welche den geographischen grad ausmachen J. v. Müller
s. w. (1810) 1, 57; nun lebe ich schon ein jahr auf dieser einsamen insel unter dem achtundvierzigsten grade südlicher breite Pocci
lust. komödienbüchl. (1859) 46; er hat berechnet, wenn Deutschland einige grade südlicher, wenn ihr eine schönere natur, ein wenig mehr sinnlichkeit und phantasie hättet — die ketzerei hätte nie aufkommen können W. Hauff
s. w. (1890) 2, 224. II@B@1@a@g@bbββ)
als strecke von der länge eines breitenkreisgrades (
äquatorgrades): ein grad desselbigen circkels 15. teutscher meil in sich habe Riese
rechenbuch (1581) 76
b; ein grad eines circuli maximi, auf der erdkugel hält 15. teutsche oder 60. italiänische meilen Hübner
cur. u. reales lex. (
61732) 869; der erdäquator steht von den beiden erdpolen um 90° ab, und sein umfang beträgt 40070 km = 5400 geogr. meilen ... man teilt ihn in 360 grade (zu 15 geogr. meilen)
Meyers gr. konvers.-lex. 1 (1907) 646
a.
früher geradezu als streckenmasz: da war ... beschlossen, das wir ... die vestung S. Helene einzunemen, versuchten, vnd bald einen platz derselben gegend ... der von vnserer königin jungfraw la Virginea genennt wird besuchten, welches ort oder platz gegen mitternacht vngefAehrlich sechs grad (wie wir heutigs tags reden) von dannen Conrad Löw
meer- oder seehanenbuch (1598) 62. II@B@1@a@dδ)
in der bestimmung der kompaszrichtung, des kurses etc.: wann man aber ber die mittagslinie kommet, weichet er (
der magnet) um etliche grade, weil er entweder dem andern leit- oder winkelstern nAeher, oder von den magnetinsuln gewendet wird Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 8 (1649) 494.
auch bildlich: diätpublikum verlangt viel und verbraucht wenig. so ganz dusemang würde ich den kurs um zwei grad auf rehrücken und sahnensosze drehen, wie? Kluge
Kortüm (1938) 469. II@B@1@a@eε)
in präpositionalen wendungen. in verbindung mit kardinalzahlen steht grad,
bei bedeutungsmäszigem plural, meist in der singularform. II@B@1@a@e@aaαα)
in verbindung mit in
bei astronomischen und geographischen ortsangaben: im 26. grad des schützen, fAengt sich das fünfft hausz an Joh. Nas
antipap. eins u. hundert 5 (1570) 52
b; er ... entdeckte etliche inseln im 25sten und 28sten grad der breite J. G. Forster
s. schr. (1843) 1, 16. II@B@1@a@e@bbββ)
ebenfalls bei geographischen ortsangaben in der wendung unter einem (
bestimmten) grad (
ergänze: liegen
etc.): ihren himmel (
den himmel anderer weltteile) unter 60 graden der breite täuschend nachzuahmen J. G. Forster
s. schr. (1843) 6, 217; unter dem 28sten und 34sten grade der breite A. v. Humboldt
kosmos (1845) 1, 11; nach welcher wir ... die hauptstadt von Bornu etwa unter 16 grad
n. br. und 16 grad o. l. v. Greenwich setzen Ritter
erdkde (1822)
teil 1, 486. II@B@1@a@e@ggγγ)
in verbindung mit von
bei gröszen- und richtungsangaben: auch der mund, der sonst zwei winkel von 22½ grad bildete, war zusammengekniffen H. Heine
s. w. 3, 41
Elster; ungleichheiten als folge kleiner veränderungen im umlaufe verursachen schwankungen von 6 bis 8 grad A. v. Humboldt
kosmos (1845) 1, 104; in einer stunde durchläuft er (
der mond) also einen bogen (von etwas mehr als einem halben grade) Schubert
verm. schr. (1823) 2, 27. II@B@1@bb) '
im vermessungsdienst wird seit 1937
der rechte winkel in 100 grad,
genauer neugrad,
abgekürzt 100
g,
eingeteilt'
d. gr. Brockhaus 5 (1954) 5. II@B@1@cc)
in der bedeutung '
meszstrecke, meszmarke auf einer skala'
; schon äuszerlich von der bedeutung '
die durch eine meszstrecke gemessene intensität' (
s. unt. 2 a
α u. β)
durch den flektierten, meist pluralischen gebrauch von grad
unterschieden: on appelle aussi grade
les différentes parties dans lesquelles le baromètre et le thermomètre sont divisés, et qui servent à marquer dans le premier la pesanteur actuelle de l'air ... ou le moins de froid et de chaud. der wärmemesser ist bis zum dreisigsten grad gestiegen Schwan
nouv. dict. (1783) 1, 782
a; ferner nennt man auch die beliebigen theile, in welche man manche längenmasze ... eintheilt, grade. so bestimmt man den stand des quecksilbers und der empfindlichen flüssigkeiten in den wettergläsern nach graden, indem man von einem paare fester punkte, den gefrier- und siedpunkt, zu zählen anfängt Campe (1808) 2, 438
a; es ist eine schröckliche kälte hier, 13 reaumurische grade unter dem eispunckte (1766) Göthe IV 1, 33
W.; am letzten jahrestage stand das reaumursche thermometer 18¾ grade unter dem gefrierpunct Dahlmann
gesch. d. frz. revol. (1845) 154: das thermometer stand zwanzig grade unter null Storm
s. w. (1899) 4, 74.
auch im zusammenhang eines bildes: ihr herz schlägt nur bei der klassischen witterung der monate september und mai behaglich; steht aber die empfindung einige grade zu weit von dem gefrierpuncte ab, dann heizen sie ein ... und verwünschen das romantische wetter Börne
ges. schr. (1829) 5, 65; der guillotinenthermometer darf nicht fallen; noch wenige grade, und der wohlfahrts-ausschusz kann sich sein bett auf dem revolutionsplatz suchen Büchner
nachgel. schr. (1850) 72. II@B@1@dd)
in musiktheoretischen schriften des frühen 18.
jhs. '
tonschritt',
jedoch ohne terminologische verfestigung: wohl aber siehet man überall die blosze bewegung der einen grad ausweichenden und im vorigen ton wieder zurücktretenden stimme Heinichen
generalbasz (1728) 614; die stärckesten und schärffesten regeln der mehrfachen harmonie gründen sich auf die obgedachte mitzehlung und heimliche berechnung der zwischenliegenden grade und klänge, bei springenden intervallen Mattheson
vollk. capellmeister (1739) 136; diese 49 tasten (
des klaviers) nun machen, einer gegen den andern, jedes gegen seinen nähesten gerechnet, lauter halbe grade
ders., kl. generalbaszschule (1735) 69. II@B@1@ee)
nur vereinzelt im anschlusz an bibellat. gebrauch von einem abschnitt auf der sonnenuhr: warthe doch noch, liebster tod, da ich mich zur seiten wende, las den schatten an dem zeiger einen grad zurücke gehn und die sonne meines lebens nur noch etwas stille stehn (
vgl.: facile est, umbram crescere decem lineis: nec hoc volo ut fiat, sed ut revertatur retrorsum decem gradibus 4.
reg. 20, 10) J. Chr. Günther
s. w. 2, 39
Krämer. II@B@1@ff)
nur in spuren, und wenn die nachweise dem wort grad
wirklich zugehören, findet sich eine bedeutung '
abschnitt, abteilung, teilstück'
in der beziehung auf einen lebendigen organismus: wer mehr zeit und lust hat, kan davon (
von dem leben und verhalten der raupen und ähnlicher tiere) mehr observiren, zumahl die geometrische proportiones der intersectionum, glieder, graden und abtheilungen beobachten Chr. Lehman
histor. schaupl. (1699) 644;
vgl. 641. II@B@22)
in der bestimmung der intensität einer beschaffenheit und des anteiligen gehaltes von etwas. II@B@2@aa)
bei physikalischen sachverhalten. II@B@2@a@aα)
so namentlich in der physikalischen wärmemessung, wo die bezeichnung für die meszstrecke (
s. o. 1 c)
als intensitätsbegriff für die durch sie gemessene wärme verwendet wird, seit dem 19.
jh.; in verbindung mit kardinalzahlen steht grad
hier bei oft bedeutungsmäszigem plural stets im singularischen akk. des maszes: obwohl es nicht sehr kalt ... ist, ich glaube in den härtesten tagen nicht zehn grad (1842) A. v. Droste-Hülshoff
br. 2, 1
Schulte-K.; aus dem fels quillt unmittelbar die quelle, 27½ grad warm, so dasz im bade fortwährend zuflusz und gleiche temperatur erhalten bleibt Moltke
ges. schr. (1892) 5, 41; die ist im stande und erfriert bei drei grad wärme
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 335; selbst heute ist die mittlere jahrestemperatur am Baikalsee ungefähr einen grad unter null
F. Nansen
Sibirien, ein zukunftsland (1914) 246; bei jetzt achtundzwanzig grad wärme Rilke
br. 1 (1950) 108. II@B@2@a@bβ)
in der bestimmung des anteiligen gehaltes bei flüssigkeiten, so z. b. für die bestimmung des alkoholgehaltes, wie oben unter α von der bezeichnung für die meszstrecke her: dagegen habe ich sechzehn ohm roten (
wein) geerntet, der sich darf sehen lassen und in der weinprobe neunzig grad zieht (1846) A. v. Droste-Hülshoff
br. 2, 514
Schulte-K. auch: grad, im salinenwesen die in 64 oder 100 lot sole enthaltene salzmenge in loten, welche mittelst der salzwage bestimmt wird Lueger
lex. d. ges. techn. (1894) 4, 751. II@B@2@a@gγ)
als terminus im münzwesen des 15. bis 17. jhs. II@B@2@a@g@aaαα)
gewichtseinheit zur bestimmung des anteiligen gehaltes von gold, namentlich bei goldmünzen, soviel wie karat (
s. d.),
dessen irrtümlicher identifizierung mit lat. gradus,
bzw. deutsch grad,
dieser gebrauch seine entstehung verdankt. bezeichnend dafür: im gold gewicht wird die marck in vier vnd zweintzig karat oder kirat, wo es anderst arabisch, vnd nicht das lateinisch wort grad ist, geteilet, denn gar fein gold sol auff vier vnnd zweintzig karat gradirt sein Mathesius
Sarepta (1571) 166
b.
auf die gleiche unsicherheit spielt noch an Adelung
wb. 2 (1811) 1500. (
übrigens bleibt die ältere geschichte des wortes karat
im deutschen undurchsichtig. eindeutig bezeugt ist die wortform karat [
unerkennbaren geschlechts]
erst im 15.
jh., etwa gleichzeitig also mit unserem maskul. grad
in derselben bedeutung, für die dann seit dem 18.
jh. karat
allein gebräuchlich ist. diesem karat
vorauf liegt ein mhd. garât,
f., das in einer Nürnberger chronik des ausgehenden 14.
jhs. [
städtechron. 1, 101; 233]
die bedeutung des späteren karat
hat. ein fem. garât
begegnet schon ein jahrhundert früher mehrfach im jüng. Titurel [3804; 5784].
diese quelle scheint einen gebrauch von garât
als '
karat'
zwar zu kennen, diesen maszbegriff aber, wohl miszverstehend, in eine bedeutung '
perle'
oder auch '
edelstein'
zu konkretisieren).
im unterschied zu ββ als maszbegriff stets durch eine zahlenangabe näher bestimmt: das iglicher gulden habe drithalbe und zwentzig grade an dem striche (
d. h. bei der münzprobe), und an der uffzale sechs und sehzig gulden uf die marcke (1402)
bei Schilter
thes. 3, 619
a; (1404)
ebda; das die guldem muntz bey den newntzehen graden feines goldes zu gemainer lanndswerung blibe, als dann ettlich zeit gewesen ist (1442)
urkdb. d. st. Lübeck 8, 125; ir keiner gibt gold für zwen und zweintzig grad am strich (
d. h. bei der münzprobe) dz nit achtzehen behaltet Steinhöwel
spiegel menschl. lebens (1479) 76
a; zum xii. soll die guldenmünz bei xix graden bleiben (1531) Knebel
chron. v. Kaisheim 289
lit. ver.; zum fünften sollen sie niemands khein gold für werckhgolt verkhaufen oder verarbeiten, das under achtzehen graten helt, doch soll das remedium ein gren sein und nicht darüber (
Heidelberg 1563)
in: zs. f. d. gesch. d. Oberrheins 3 (1852) 163
Mone; die güldene münze soll halten 19 grait fines goldes Serarius
Mogunt. rer. (1604) 759 (
zitiert s. v. karat
teil 5,
sp. 205).
hierher wohl auch: alle vromede munte (
gemeint sind goldmünzen) ... latet proven up den twelften grat (
d. h. auf das verhältnis von 1
zu 12) (
nach 1424)
urkdb. d. st. Lübeck 6, 755.
in hyperbolischer redeweise: o reyn fraw zart, ich beger von uch gnaden: das gold von dusent graden sind ir on gunterfy (
d. h. unverfälscht) (
ende 14.
jh.) meister Altswert 160, 1
lit. ver. II@B@2@a@g@bbββ)
als wertbegriff für eine münzwährung, namentlich für eine goldwährung; einerseits im anschlusz an einen gebrauch von mlat. gradus,
von der vorstellung einer gestuften wertordnung her (
analog etwa dem dort persönlich bezogenen gebrauch von grad II A 1 a) (
vgl. unten den Marco-Polo-beleg),
andererseits aber, wohl unter der voraussetzung des gebrauchs αα,
in der vorstellung einer unterschiedlich intensiven wertigkeit wurzelnd. anscheinend vorwiegend im md. und nd. verbreitet. im unterschied zu αα ist hier ein gleicher gebrauch für das wort karat
nicht nachzuweisen. vielfach in festen verbindungen wie grad und korn
oder grad und lof (
vgl. auch die verbindung korn und gran
s. v. 1gran 1 a
α).
im ersten beleg mlat. gradus
übersetzend (
vgl. auch den Mathesius
-beleg oben unter αα): (
von einem halben florin) stigit di muncze (
d. h. ihr wert) uf X floren, wen do sint grad an iclichir muncze (
usque ad decem florenos secundum gradus suos diversarum ... scilicet monetarum) (
ca. mitte 15.
jh.)
md. Marco Polo 26, 15
Tscharner; ut (
ein erzbischof) ... de novo concessit is jus cudendi monetam auream et argent. ... mit gebreche (
gepräge) und zeichen siner wapen, off soliche korne, assise, grad und offzale als ein hertzog von Holland (1405)
bei Schilter
thes. 3, 619
a; wie er (
der '
kwlenschilling') im graden und korne wirdiger were, wen die ander sechsphenniglinge, die itczunder an beiden teilen wff den alden schilling weren geslagen (1467)
acten d. ständetage Preuszens 5, 245; wie hoch aber dye pfenning oder groschen am grad oder kornn gewest Emser
annotationes (1528) F 8
b; die mntze endlich solten sie (
die Stralsunder) auff den grad des frsten mntzen, doch auch mit dem mntzen einhalten, wenn des frsten hammer stehet Micraelius
altes Pommerland (1640) 488; viel falsche geringe thaler, die an grad vnd lof ... so gut als sie von jtzo ausgegeben ... werden nicht seynd
landordn. d. hertzogth. Preuszen (1640) 46; sollen dieselben thaler wardirt, vnd nicht hOeher, als sie am grade vnd gran vermOegen, gangbar werden
ebda. II@B@2@a@dδ)
als terminus technicus in der älteren naturwissenschaft zur ungefähren bestimmung der intensität eines elementarzustandes; vom 13.
bis ins 17.
bzw. 18.
jh.: di arcetbuch segen uns von uir grêten der nâtûre. der êrste grât der ist sô man sprichet warm, der andere wermer, der dirte aller wermest. der virde grât ist sô man sprichet wermer den aller wermest (13.
jh.)
md. Macer Floridus, vorrede in: Wiener sitzungsber. 71 (1872) 530
Haupt; speragus ist ain paum ... der ist an kraft warm und trucken in dem dritten grâd Konrad v. Megenberg
buch d. natur 348, 21
Pf.; es ist aber der schwebel warm vnnd trucken biss auff den vierden grad Ryff
spiegel u. regiment d. gesundth. (1544) 95
b; die vier gradus der wärme: die erste wärme ist lau ..., der ander grad ist etwas wärmer Sebiz
feldbau (1579) 399; nim ... weins ... dritthalb masz ... von denen dritthalb massen distillier in balneo Mariae ein viertheil einer masz mit solcher linder wärmin, dasz es allweg nur zum fünfften oder sechsten grad gehe Gäbelkover
artzneyb. (1595) 383; gradus primus der erste grad, darin man die verenderung kaum mercken kan. gradus secundus der ander grad, darin man die verenderung eben befindet ... extremum die höheste krafft des grads Orsäus
nomencl. method. (1623) 239.
hierher auch?: ich musz ihnen aber bekennen, dasz meine mutter ... eine gute ehrliche frau war, die nach dem Huart ohne allen zweifel den dritten grad der kälte und feuchtigkeit hatte Gleim
briefw. 1, 4
Körte. II@B@2@a@eε)
in der bestimmung des maszes der beschaffenheit bei anderen physikalischen sachverhalten wie licht, farbe etc., vielfach mit '
nuance'
zu umschreiben;
seit dem 16.
jh.: auch nach dem grad der farben nicht gleich, sondern in aller vnterscheidung von einandern Paracelsus
opera 2, 35
Huser; bissweilen der wind auff viele grad herunter fället und zurücke bleibet Bendeler
organopoeia (1690) E 1
b; zu allen seiten treten die objekte in verschiedne grade der helle und dunkelheit Herder 22, 57
S.; dasz wir ... den äuszersten grad beider arten von witterung erreichen W. v. Humboldt
ges. schr. (1903) 1, 13; die auswahl des (
aquarell-)papieres ist deshalb von entschiedener bedeutung, wenn es sich um den grad der rauheit oder der glätte handelt, weil das endresultat mit dieser eigenschaft des papieres unzertrennbar ist Berger
techn. d. aquarellmalerei (1923) 21.
selten den sinn von '
mengenabmessung'
erreichend: warst du von einem männerkreis umgeben, die granweis, wie einst könig Mithridat, an gift gewöhnt sich all ihr ganzes leben, so dasz sie nun verdauen jeden grad (
von gift) Grillparzer
s. w. 2, 72
Sauer. II@B@2@bb)
auch bei rein begrifflichen sachverhalten in der bestimmung des maszes ihrer beschaffenheit, wobei hier meist ein moment der wertung mitgegeben ist und insofern eine engere beziehung zu unten 3
fühlbar wird. hierher vielleicht schon: disz metal (
silber) hat nach dem gold den höhsten grad seiner güte halb Seb. Münster
cosmogr. (1550) 9.
häufiger dann seit dem 17.
jh., im ersten beleg ungewöhnlich in der anwendung auf die menschliche seele: ich beweisete ihnen, dasz sie einen gottlosen wahn hätten, so ferne sie der meynung lebeten, dasz etwas menschliches an den fischen wäre: alldieweil auff solche art unsere seele unterschiedliche grade müste haben, welche die natur immer geringer und geringer fortgepflanzet hätte J. Prätorius
anthrop. Pluton. (1666) 2, 29; im gleichförmigen hochen grad (
wie die bodenschätze) seynd auch die saurbrunnen, bäder, vnd hailsame kräiter Fr. A. v. Brandis
ehrenkräntzel (1678) 1, 9; was sonst die zeitlichen güter betrift, so ist gewisz, dasz wenn zwei gute dinge an grad der güte einander gleich, eines aber an zeit und ort weiter ausgestrecket, als das andere, alsdann solches auch höher zu schätzen Leibniz
dt. schr. (1838) 2, 40; derowegen so lange man den grad der wahrscheinlichkeit nicht gehöriger weise determiniren kan Chr. Wolff
ged. v. d. menschen thun (1720) 57; die akademiker streiten sich eigentlich über den grad der gewiszheit: ob der höchste, dessen die menschliche kenntnisz fähig ist, zugleich der höchste absolute grad ist Chr. Garve
Cicero (1783) 3, 9; wenn wir diese unsre anschauung auch zum höchsten grade der deutlichkeit bringen könnten, so würden wir dadurch der beschaffenheit der gegenstände an sich selbst nicht näher kommen Kant 3, 65
akad.; Wagners kindsmörderin hat rührende situationen und interessante züge. doch erhebt sie sich über den grad der mittelmäszigkeit nicht (1782) Schiller
br. 1, 63
Jonas; die lehre von den verschiednen graden der harmonien der farben Göthe III 2, 223
W.; alle critik besteht mir blosz darin, zu unterscheiden was wahr und lüge ist und führt also notwendig zur liebe (alles wahren), nicht aber besteht sie darin, das wahre in grade abzuteilen (1811) W. Grimm
br. 108
Schoof; da sich dies nicht thun läszt (
den streit über herkunft des bronzenen wagens zu vermeiden), so nehme ich nicht anstand, ihn, mit jedem erdenklichen grade von bestimmtheit, als ein symbol der altgermanischen cultur zu bezeichnen Fontane
ges. romane u. nov. (1890) 7, 25; es gibt einen grad von wirklichkeit, der einen glauben macht, dasz man träume, obwohl man nie weniger geträumt hat A. Seghers
d. siebte kreuz (1950) 21.
hier anzuschlieszen wäre grad
als grammatischer begriff für die steigerungsstufe, in welcher bedeutung sich das wort im deutschen, wohl die ausdrucksweise der lat. grammatik fortsetzend, anfangs mit der vorstellung einer stufung verbunden hatte. diese vorstellung wurde später mehr und mehr von derjenigen einer intensitätssteigerung abgelöst, wobei aber oft die sprachliche ausdrucksweise z. b. unterster, mittlerer, oberster grad
o. ä. noch der alten stufenvorstellung entspricht; seit dem 15.
jh.: positiuus gradus der niderst grad (
md. ende 15.
jh.)
bei Diefenbach
gl. 449
a; positiuus heist der erste grad. comparatiuus der ander namen hat. superlatiuus heist der dritt Gilhusius
grammatica (1597) 4, 107; was ist vergleichung? die vergleichung ist eine verwandlung der bedeutung des beystendigen nennworts, durch gewisse grad (gradus). was ist ein grad? ein grad ist eine verwandlung des beystendigen nennworts, dadurch die bedeutung desselben gesteigert wird. wie viel sind grad? drey: vnterster (positivus), mitteler (comparativus), vnd oberster (superlativus) (1619) Ratichius in:
klass. d. pädag. 17 (1894) 271
G. Vogt; von der steigerung des positivs zum comparativ und superlativ wird im dritten buche rede seyn; hieher gehört blosz eine bemerkung über die declination der beiden höheren grade Jac. Grimm
dt. gramm. (1870) 1, 677
Scherer. II@B@33)
in der bestimmung eines ranges. II@B@3@aa)
für die potenzstufe in der mathematik, seit dem 18.
jh. belegbar: exempla der unreinen äqvation zweyten grades (
überschrift) L. C. Sturm
begriff d. ges. mathem. (1710) 1, 175; also ist eine quadrat-zahl eine potenz vom zweyten grade, eine cubic-zahl wird eine dignität vom dritten grade genannt, ... eben so ist die wurtzel vom andern grade einerley mit der quadrat-wurtzel Wolff
mathem. lex. (1747) 600; grad bei potenzen ist ihr exponent Klügel
mathem. wb. (1805) 623; grad bey algebraischen gleichungen ist der exponent der höchsten potenz ihrer unbekannten grösze
ebda; g(
rad) einer kurve oder fläche, gegeben durch den g(
rad) der gleichung dieser gebilde Mothes
ill. baulex. (1882) 2, 514; wir finden bei den Griechen, selbst bei Diophant keine aufgabe, die auf eine gleichung vierten grades hinauskommt Tropfke
gesch. d. elementarmathem. (1902) 1, 284; grad einer periodischen funktion ist die zahl ihrer nullstellen innerhalb des periodengebiets. grad einer determinante ist die zahl ihrer reihen Lueger
lex. d. ges. techn. (1894) 4, 751. II@B@3@bb)
in der grammatik zur näheren bezeichnung des abhängigkeitsverhältnisses bzw. der rangordnung von nebensätzen, nur jung belegbar, vielleicht schon älter: der beistrich trennt nebensätze gleichen grades, die nicht durch und oder oder verbunden sind Duden (1949)
*57
* Klien; dieses erfahren wir allerdings erst am schlusz eines besonders schwerfälligen nebensatzes dritten grades
in: muttersprache (1955) 208. II@B@3@cc)
im mhd. des 13., 14.
und 15.
jhs. in begrifflicher umschreibung eines sachverhaltes als bloszes flickwort im reim; am ehesten hier anzuschlieszen. eine bedeutung des wortes ist dabei nicht zu sehr zu urgieren (
vgl. noch A. Hübner in der
anm. zu Daniel 7366
Hübner). II@B@3@c@aα)
in verbindung mit adjektiven. der ganze ausdruck entspricht in seiner bedeutung einer substantivierung des jeweiligen adjektivs: sit daz naturlicher grat sie (
die sonne) nicht da pflac verschrenken (
während der ungewöhnlichen sonnenfinsternis)
passional 545, 10
K.; weiz got ez was erraten! si (
die gelehrten) waren an wisen graten mit worten an daz recht bekumen
ebda 545, 28; noch nicht was in die erde kumen menschen blut mit unvlat, des ir swelgender grat dar nach vil und vil slant
ebda 79, 10; unvernemelichen grat haben sie algemeine (
neque intelligent omnes impii Dan. 12, 10;
anm.: grât
dient nur zur umschreibung)
Daniel 7366
Hübner; vurbaz er rande in die stat, von volke ummezlichen grat er mit dem tode da irsluc, sines willen schuf er genuc
buch d. Maccabäer 8528
Helm (
vgl. 2.
Macc. 5, 25—27); der unmesslich ist worden clein nicht durch wandlung ausz dem gotlichen grat: gotlich natur wart menschlich nicht, noch die menschlich gotlich Hans Folz
meisterlieder 60, 19
Mayer. II@B@3@c@bβ)
mit genetivischer bestimmung, der ganze ausdruck etwa in der bedeutung des bestimmungswortes (
hierher im wesentlichen auch die von Zingerle
sitzungsber. d. k. u. k. akad. d. wiss. zu Wien, phil.-hist. cl. 64 [1870] 269
als zu grât
in einer angenommenen bedeutung '
spitze'
gehörig aufgeführten stellen): daz wære an mime rate, daz du minnen pfant in sine hant gebest uz din(e)s herzen grate Wizlav
in: minnesinger 3, 82
b v. d. Hagen; daz pascha wir bekennen dem prister an gotes stat. so ste wir uf von todes grat czu dem leben ane strit Tilo v. Kulm
v. d. siben ingesigeln 4666
K.; wie mohte dirre unwise Antigonus der alhie stat mich ziehen uf der schanden grat, wand ich al mines lebins schin han behalden die truwe min
buch d. Maccabäer 12 858
Helm; wohl auch 9628; hoch was er (
der baum), darzu vil breit, also daz sin wibpel trat oben an des himels grat (
Dan. 4, 8:
magna arbor et fortis, et proceritas eius contingens caelum)
Daniel 35 801
Hübner; dor uz (
aus der fäulnis) bin (
innerhalb) der erden graden wachsen wurme und maden
md. Hiob 7065
Karsten; zu der sich gott gemähelt hat (
Maria) für aller sünder missetat, dein er durchgat des himels grat Muskatblut 53, 57
Groote. II@B@44)
vom stadium eines vorganges, namentlich eines krankheitsprozesses, wobei sowohl die anknüpfung an grad '
stufe, abstufung'
als auch die an grad '
ausmasz einer intensität'
möglich erscheint; seit dem 16.
jh.: der erste grad (
der erste abschnitt bei der herstellung des steins der weisen) desz fewers wehret, bisz die weisz angehet, vnd geschicht mit einer lampen, drey monat. der ander, bisz die weisz verbracht ist, mit zweyen dochten drey monat. der dritte bisz die weisz fix ist, mit drey dochten, drey monat. der vierdte, mit kolen bisz ans ende drey monat
M. Ruland
lex. alch. (1612) 260; ist aber die wunden nicht in jhrem grad, wie sie wol sein solte, so wird gewiszlich mit dem instrumentlein keiner bald ergründen vnd erfahren können, was jhr manglen thue Würtz
wundartzney (1624) 47; man unterscheidet drei grade der verbrennung: ... einfache rötung ... verbrennung mit blasenbildung ... zerstörung der haut
Meyers gr. konvers.-lex. 20 (1909) 37
b; 'Thierry de Héry unterscheidet im jahre 1552 bereits drei grade der lustseuche, welche durchaus den primären, secundären und tertiären formen der neueren ärzte entsprechen.' — lange vor de Héry hat Diaz de Isla drei grade der syphilis unterschieden; doch decken sich weder die des einen, noch die des andern so 'durchaus' mit den perioden der neueren Proksch in:
mediz. chirurg. centralbl. 31, 178
a; tertiäre syphilis: Diaz de Isla hatte bereits 3 grade der lustseuche unterschieden ... der letzte dritte grad ist die sogen. spätform der syphilis Höfler
krankheitsnamen 724
b.
vgl. den übertragenen gebrauch: das seind frwar ketzer im vierten grad, wie die doctores der artzney sprechen, das ist, sind ketzer bisz zur obersten staffel Fischart
binenkorb (1586) 159
b.
als stadien eines prozesses betrachtet, könnten auch die grade
der tortur hierher zu stellen sein. sie sind jedoch als intensitätsstufen eines menschlichen handelns (
des peinigens)
oder erleidens gefaszt und unter II A 2 c
angeführt worden. II@CC.
von der bedeutung '
intensitätsstufe'
ausgehend in präpositionalen verbindungen adverbialen charakters. als glied einer solchen verbindung, die nur die logische funktion eines intensitätsadverbs hat, ist grad
nicht mehr, wie unter A
und B,
an bestimmte anwendungsbereiche gebunden, sondern grundsätzlich unbegrenzt anwendbar; seit dem 16.
jh., namentlich aber im sprachgebrauch des 18.
jhs. II@C@11)
mit der funktion eines steigerungsadverbs. II@C@1@aa)
in einem adverbialen ausdruck des positivs. II@C@1@a@aα) in (einem) ... grade. II@C@1@a@a@aaαα)
in hohem grade: sie besitzen die künste der spröden in hohem grade Gottsched
dt. schaubühne (1740) 3, 164; der romanheld musz leidend, wenigstens nicht im hohen grade wirkend sein; von dem dramatischen verlangt man wirkung und that Göthe I 22, 178
W.; ja, in hohem grade wunderbar erscheint uns alles beim ersten hinabschauen vom Brocken H. Heine
s. w. 3, 54
Elster; selbst, wenn er (
der räuber) gutwillig (
mit uns) ginge, wäre mir die geschichte in hohem grade unangenehm W. Raabe
Horacker (1876) 43; ja, sie (
Christiane Vulpius) war ordinär, sagte Adele (
Schopenhauer). de mortuis nil nisi bene, aber ordinär war sie in hohem grade Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 154. II@C@1@a@a@bbββ)
in einem geringen, in geringem grade: daher treffen wir bei denjenigen wiz an, die ... ein gutes gedächtnis haben, wenn sie zugleich auf die sachen aufmerksam sind. wiewohl er in einem geringen grade angetroffen wird, wo nicht scharfsinnigkeit dazu kömmt Bodmer
slg. crit. poet. schr. (1741) 1, 90; (
er) ist dann als nur in sehr geringem grade schuldig entlassen worden (1844) A. v. Droste-Hülshoff
br. 2, 319
Schulte-K.; sie (
die engl. landwirtschaft) kann nur in einem geringen grade den bedarf der heimischen bevölkerung an nahrungsmitteln decken
hdwb. d. staatswiss. (1909) 1, 205
b. II@C@1@a@a@ggγγ)
in einem vorzüglichen, in vorzüglichem grade: wir besitzen sie (
die neigung zum denken) unstreitig, sogar in einem vorzüglichen grade Gerstenberg
recensionen 308
lit.-denkm.; poetisch ist der stoff (
die jungfrau v. Orléans) in vorzüglichem grade, so nämlich wie ich mir ihn ausgedacht habe, und in hohem grade rührend (1800) Schiller
br. 6, 181
Jonas. II@C@1@a@a@ddδδ)
in gewissem grade: dadurch wird denen, die der idee wahrhaft meister sind, ... der handel in gewissem grade erschwert
Europa (1803) 2, 10
Schlegel; als ich sie (
die schule) zu anfang des laufenden jahrhunderts verliesz, wandte ich mich ohne schwanken dem studium der klassischen sprachen zu, in denen schon der schüler sich in gewissem grade hervorgetan Th. Mann
dr. Faustus (1948) 17. II@C@1@a@a@eeεε)
in anderen, weniger gängigen ausdrücken: ich kan nichts, dasz uns bhülfflich sey. wann die schwartz kunst und zauberey, der leret (
d. h. lernte) ich in keinem grad. darumb weisz ich der ding kein rhat Hans Sachs 17, 189
lit. ver.; diese abneigung ... hat verschiedene ursachen, die in einem verschiednen grade unrühmlich sind Cramer
nord. aufseher (1758) 36; ich stutzt in einem kleinen grade Wieland
s. w. (1853) 12, 261; hoheit des geistes und güte des herzens scheinen in einem seltenen grad in ihr verbunden zu seyn S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 168; eben diesz ist es, was ich ... am meisten bewundern würde, dasz nämlich jede einzelne fähigkeit ... bey ihm (
Shakespeare) mit allen übrigen in gleichem grade vermischt ... sey Gerstenberg
schlesw. literaturbr. 125
lit.-denkm.; ihr (
Goethes) geist wirkt in einem auszerordentlichen grade intuitiv (1794) Schiller
br. 3, 481
Jonas; zwei gebräuche, die bei Polynesiern allgemein, wenn auch in verschiedenem grade, geübt wurden Ratzel
völkerkde (1885) 2, 123; man sagte mir, dasz ich ein ruhiges kind gewesen sei, kein schreihals und störenfried, sondern dem schlummer und halbschlummer in einem den wärterinnen bequemen grade zugetan Th. Mann
Felix Krull (1954) 14. II@C@1@a@bβ) (
bis)
auf einen gewissen, bis zu einem gewissen grade. bis auf einen,
seltener auf einen gewissen grad: wenn der eine ihn (
den geschmack) bis auf einen gewiszen grad billigt oder verwirft Ramler
einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 1, 100; man ist auch auf einen gewissen grad mit ihm (
dem geselligen menschen) vertraut Herder 15, 310
S.; besonders häufig bei Göthe: (
die menschl. natur) kann freude, leid, schmerzen bis auf einen gewissen grad ertragen I 19, 68
W.; bis auf einen gewissen grad hatte er (
Hamlet) in künsten und wissenschaften das gute und schöne erkennen und würdigen gelernt 22, 28;
bloszes auf
ist bei ihm selten: jetzt, da ich sie (
antike bildwerke) auf einen gewissen grad zu würdigen verstehe, bin ich getrennt von ihnen durch weite klüfte IV 40, 257; dasz sich dies ... bis auf einen gewissen grad geltend gemacht ..., brachte den eindruck hervor Ranke
s. w. (1867) 31/32, 31. bis zu einem gewissen grade: bis zu einem gewissen grad roh
archäol. ztg. 1, 74
Gerhard; wälder ..., die ehemals bis zu einem gewissen grad die küstenlandschaft ... schützten Mommsen
röm. gesch. 2 (1857) 270
anm.; anlagen und charaktereigenschaften können durch erziehung und beispiel der umgebung gefördert oder gehemmt, ja bis zu einem gewissen grade unterdrückt werden Bebel
a. m. leben (1946) 1, 15. II@C@1@bb)
in einem komparativischen adverbialausdruck. II@C@1@b@aα)
in höherem grade (als): leuchtet nun gleich gedachter ... diamant ... für allen andern kostbarkeiten mit seinen strahlen herfür, so musz doch jedes gestehen, dasz der tugend-glantz des h. Ignatii, gegen andere kirchen-lehrer gerechnet, fast in weit höhern grad herfür schimmert Feinler
d. gewissenhafte priester (1694)
vorw. A 4
a; dieselbe bewandtnisz mag es mit dem indischen haben, wahrscheinlich in einem höheren grade Göthe IV 25, 288
W.; wie oft ist die meinung geäuszert worden, wenn es ein verbrechen sei, die waffen gegen das parlament getragen zu haben, so sei niemand desselben in höherem grade schuldig, als der könig selbst Ranke
s. w. 16 (1875) 200; es heiszt ja schon bei Montesquieu, in Neapel sei man in höherem grade volk als anderwärts Klemperer
l. t. i. (1949) 220. II@C@1@b@bβ)
in geringerem grade: beym erwachen fühlt ich zwar meine schmerzen wieder, doch in weit geringerm grade Bräker
s. schr. (1789) 1, 57; dies (
die schöne form der Mozartschen lieder) gilt allerdings in geringerem grade von den vorher einer älteren zeit zugewiesenen liedern O. Jahn
Mozart (1856) 3, 348
anm. 65. II@C@1@cc)
in einem superlativischen adverbialausdruck. II@C@1@c@aα)
in höchstem grade u. ä. schwächt sich von einer bedeutung '
völlig, ganz und gar'
allmählich zu einer bloszen bekräftigung im sinne von '
überaus, auszerordentlich, sehr'
ab; im ersten beleg noch wertend, etwa wie oben II A 2 b
od. c: (
böse) heiszt er (
d. hl. geist) eben das, so der mensch mit seinen gedanken oder vernunft und freiem willen vermag und kann auch im höhesten grad Luther
tischr. 6, 117
W.; wiewol wirs jetzt nicht allerdings sehen, dasz jhm alles unterthan sey ... am jüngsten tage werden wirs recht und im vollen und höchsten grad erfahren, wie hoch der menschen sohn geachtet vnd gekrönet sey
M. Walther
erl. d. proph. Daniel (1645) 2, 238; weil Mars im höchsten grad jetzt alle länder zwinget, und als derselben printz ihm auffzuwarten dringet. drumb lieber herr als knecht Mandelslo
morgenl. reisebeschr. (1696) 173
Olearius; diese entdeckung, wenn sie ihre richtigkeit hätte, wäre zu wichtig, um nicht die aufmerksamkeit der geographen im höchsten grade zu erregen J. G. Forster
s. schr. (1843) 4, 61; zu einer freundschaft dieser art fühlte Winckelmann sich geboren, derselben nicht allein sich fähig, sondern auch im höchsten grade bedürftig Göthe I 46, 27
W.; wir wollten schon lange einmal eine première représentation sehen, weil es dabei gewöhnlich sehr durcheinander und im höchsten grade unruhig zugeht (1805) Jac. Grimm
briefw. (1881) 41; Dreisziger (im höchsten grade aufgebracht) (
szenische anmerkung) G. Hauptmann
die weber (1892) 78.
seltener im allerhöchsten, vollsten, vorzüglichsten grade
u. ä.: meineid, meineid, im allerhöchsten grad, mord, grauser mord, im fürchterlichsten grad, jedwede sünd, in jedem grad geübt, stürmt an die schranken, rufend: schuldig! schuldig!
Shakespeare 9 (1810) 199; alle leute haben ... ihre wunderlichen launen, und mein bruder hat sie gewissermaszen im vollsten grade Tieck
schr. (1828) 3, 89; dasz unter den vielen wunderwürdigen dingen, ... zwei im vorzüglichsten grade ihr erstaunen erregten Immermann
w. 1, 102
Hempel. II@C@1@c@bβ) (
bis)
auf den höchsten, letzten, äuszersten grad, im 16.
u. 17.
jh. unter einflusz der wendung bis auf den grat aussaugen, schinden (
vgl. s. v. 1grat A 3 d): der (
Zachäus) mit finantzereien treiben, mit schinden, schaben, saugen aus, aller armen leut im land durchaus, schweis, blut, bis auff den höhsten gradt, das paradeis erworben hat Hayneccius
Hans Pfriem (1582) 60
ndr.; (
sie) saugen die unterthanen bis auff den letzten grad aus Mathesius
Syrach (1586) 3, 48
a; Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. (1903) 1, 487; was aber die Zirckwiczer eüserst geclaget, das sie von den soldaten ... bies auff den eüszersten gradt verderbet worden
acta publica 1, 324
Palm; dieses wünschet dem auff den eussersten grad auszgesogenen und nach friede seufftzenden Teutschlande Rist
d. friedewünsch. Teutschl. (1648) 35; ihrer ... durchl. ... ein ... auff den höchsten grad ruinirtes land verbleibt Harsdörffer
d. teutsche secretar. (1656) 1, Qq 6
a; wie sie den armen mann mit contribution bisz auff den letzten grad auszsaugeten Schupp
schr. (1663) 658; in (auf) den höchsten grad
aufs höchste, überaus Rädlein (1711) 403
b; (
Wilhelm) vermehrte seine stumme verzweiflung ... auf den höchsten grad Göthe I 21, 123
W. II@C@1@dd)
(bis) auf den grad prägnant im sinne der superlativischen formeln von c
β mehrfach bei Göthe: der mächtige begriff den man sich von der übermäszigen prästanz dieses riesenhaften weibes (
Delila) machen musz, das im stande ist auf den grad einen solchen bullen (
Simson) zu fesseln IV 23, 24
W.; da er mir in bergwercks- und steuersachen durch unmittelbare anschauung ... mehreres überlieferte, was ich selbst nicht hätte bis auf den grad einsehen ... können I 35, 37. II@C@22)
bei gleichsetzungen in der funktion einer deiktischen vergleichspartikel. II@C@2@aa)
die zur vergleichung dienende vorstellung folgt als satzglied oder als vergleichssatz und stellt eine modale oder konsekutive beziehung her. II@C@2@a@aα)
durch als
oder wie
eingeleitet. in dem, in einem (gleichen) grade, wie: dass er (
gott) solche (
neue welten) in kurtzem erschaffen, und ein geschlechte darein setzen würde, welchem er seine gunst in einem gleichen grade der liebe, wie den söhnen des himmels zutheilen würde Bodmer
slg. crit. poet. schr. (1741) 1, 41; alsdann erregen sie wieder in uns empfindungen von der art, wie wir sie wünschen, und in dem grade, wie sie uns gefallen können Ramler
einl. i. d. schönen wiss. (1758) 1, 18; die guten kinder interessieren sich für uns in einem grade, wie ich mir niemals träumen liesz Mörike
ges. schr. 3, 114
Göschen. in (eben) dem, in solchem grade, als: der mensch alles thut was gott befohlen, alles lasst, was er verbotten, und dasselbe in solch hohem grad, als unsere erste eltern im paradiss vor dem fall gestanden Dannhawer
catech.-milch (1657) 1, 57; (
der truppen) heldenfeuer und ihre mannszucht lieszen in eben dem grade nach, als sie ihre ehre und pflicht gelöst zu haben glaubten Schiller 7, 16
G.; die ... acht schreckte nicht in dem grade, als der ihr gegenüberstehende bann Raumer
gesch. d. Hohenst. (1823) 4, 50. II@C@2@a@bβ)
der nachfolgende nebensatz wird durch dasz
eingeleitet. auf den, einen, solchen grad, dasz: der könig (auf einen so hohen grad gerührt, dasz er im begriff ist, thränen zu vergieszen) (
regieanweisung) Chr.
F. Weisze
kom. opern (1770) 3, 196; der funke, den sie von mir aufgefangen, lodert jetzt in ihnen auf den grad, dasz er mich selbst erleuchtet Göthe IV 37, 134
W.; hier (
bei der führung der korrespondenz Goethes durch Riemer) nun kommt es ... mit der selbständigkeit auf solchen grad, dasz sie gleichsam dialektisch in ihr gegenteil umschlägt und zur totalen selbstentäuszerung wird Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 90.
in dem grade, dasz: eine gewissenhaft versuchte übersetzung mehrerer stellen ist uns nicht in dem grade gelungen, dasz man die verdienste des originals daran erkennen würde Göthe I 41, 1, 212
W.; bey diesem menschen ist dünkel und unvermögen in so hohem grade gepaart, dasz ich kein mitleid mit ihm haben kann (1795) Schiller
br. 4, 327
Jonas; man hatte ... den beschlusz ... in dem grade verlassen, dasz man täglich zwei ... sitzungen ... hielt Dahlmann
gesch. d. frz. revol. (1864) 231.
seltener bis zu dem, zu einem solchen grade, dasz: das laster hatte mein herz noch nicht bis zu dem grade verderbt, dasz es gegen eine so grosze väterliche liebe ... hätte unempfindlich seyn sollen Bode
Thomas Jones (1786) 3, 445; zu einem solchen grade war der greuel der miszhandlung und das elend der regierung gestiegen, dasz dem landesherrn nur das verzweifelte mittel übrig blieb, die selbstrache durch gesetze einzuschärfen Schiller 8, 161
G. II@C@2@a@gγ)
mit nachfolgendem relativsatz. in einem, bis zu einem grade, der: den Preston habe ich allerdings schon selbst gelesen, und den betrüger oder betrogenen in einem grade in ihm gefunden, der mehr unwillen in mir erregt hat, als die ganze sache verdient Lessing 18, 287
L.-M.; aber es war doch eigen, dasz du lesen und wieder lesen mochtest, mir durch dein gefühlvolles sanftes organ mehrmals vernehmen lieszest, was mir in einem grade lieb ist, den ich mir selbst nicht gestehen mag Göthe IV 38, 11
W.; Rom lag bis zum 15. jahrhundert bis zu einem grade verwüstet, den man sich ... kaum ... vergegenwärtigen kann Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 165.
auch mit einem relativadverb an stelle eines relativpronomens: der fürst hörte aufmerksam zu; er liebte, welches wohl bekannt war, bis auf den grad, wo die gehörige würde nichts leidet, freymüthige reden, besonders vom frauenzimmer Heinse
s. w. 5, 21
Sch.; die grüsze drückten achtung in dem grade aus, wo sie in unterwürfigkeit übergeht H. Mann
d. untertan (1952) 411. II@C@2@a@dδ)
bei Göthe
gelegentlich mit folgendem infinitiv: ich freue mich, dasz du Hirten auf den grad wohl willst, um ihn gelegentlich zu rüffeln, welches ihm sehr nöthig ist (1788) Göthe IV 9, 68
W.; man hat mir vorgestellt, dasz ich sie doch auf diesen grad nicht kenne, um auch in einem solchen falle ganz gewisz zu sein
ders., I 33, 244
W. II@C@2@bb)
die zur vergleichung dienende vorstellung ist aus dem zusammenhang zu ergänzen: es ist gefährlich, die fläche zu weit auseinander zu treiben, denn die wird in eben dem grade dünner und schwächer (1784) Schiller
br. 1, 172
Jonas; sie sind nicht immer unglücklich gewesen? (
madame Sommer:) sonst würd ichs jetzt in dem grade nicht sein Göthe I 11, 165
W.; das mag französische mode sein, die von Straszburg schneller hierher dringt, wenigstens habe ichs selbst zu Frankfurt in dem grad nicht gesehen Jac. Grimm
briefw. (1885) 1, 8; in keinem seiner kriege hat Caesar in gleichem grade eigene energie ... entwickelt Mommsen
röm. gesch. (1894) 5, 9.