Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Gral m.
Gral m.
Gral m. in der mittelalterlichen Sage und Dichtung nur dem Berufenen sichtbares und ihm irdische und himmlische Seligkeit spendendes geheimnisvolles Etwas, sei es Schale oder Stein. Mhd. grāl (zuerst und vor allem im „Parzival“ von Wolfram v. Eschenbach) ist Entlehnung von afrz. graal, greal (besonders in „Li contes del Graal“ von Chrétien de Troyes) ‘als Kelch gedachtes Gefäß, aus dem Christus das Sakrament spendete und in dem Joseph von Arimathäa später das Blut Christi auffing’, sonst allgemein ‘Gefäß’. Die Herkunft des frz. Wortes ist umstritten; vielleicht aus mlat. gradalis ‘Prunkschüssel, in der Delikatessen stufenweise abgeteilt liegen’, zu lat. gradus ‘Schritt, Stufe, Abstufung’ (s. Grad). Oder gibt mlat. gradalis in der Aussprache des 8. Jhs. spätlat. *crātālis ‘Gefäß’ wieder (hervorgegangen aus Fügungen wie *vās crātālis, eigentlich ‘geflochtenes Gefäß’, zu lat. crātis ‘Flechtwerk, Geflecht’, vgl. FEW 2, 2, 1294 f.)? Oder liegt mlat. garalis ‘Schüssel, Becher’ zugrunde, das man auf hebr. gōrāl ‘Los’ zurückzuführen versucht?