lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Gral

mhd. bis Dial. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
26 in 16 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
76
Verweise raus
57

Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Gral

Bd. 8, Sp. 215
Gral (Graal, a. d. altfranz. Wort graal, grëal, prov. grazal, katal. gresal, latinisiert gratalis, gradalis, welches ein schüsselartiges Gefäß bedeutet, entstanden, früher fälschlich als sanguis realis, »das wahre Blut«, erklärt) ist nach dem Glauben des Mittelalters die Schüssel, aus welcher Christus bei dem letzten Abendmahl mit seinen Jüngern aß, und in welcher nachher Joseph von Arimathia das Blut des gekreuzigten Heilands auffing. Mit wunderbaren Kräften ausgestattet, die jedoch nur von den Reinen wahrgenommen werden, wird der G. in einem fernen Lande von einem auserwählten Pfleger und einer würdigen Gemeinde gehütet und verehrt. In dieser Fassung wurde die Legende, die sich im Anschluß an ältere latinisierte Quellen (»Acta Pilati« u. a.) vermutlich in Wales ausgebildet hatte, in einem altfranzösischen Gedicht von Robert de Borron (zwischen 1180 und 1200) erzählt (in »Le roman du S. Graal«, hrsg. von Francisque Michel, Bordeaux 1841) und ausführlicher in dem großen »Livre del St. Graal« (hrsg. von Hucher, Le St. Graal, Par. 1875–78, Bd. 2 und 3), auf dem auch ein altenglisches Gedicht von Lonelich (um 1450): »The Holy Grail«, beruht (hrsg. von Furnivall durch die Early English Text Society, 1874–78, 4 Bde.). Daneben schwanken jedoch die Vorstellungen von dem Wesen des wunderbaren Gefäßes in der reichen mittelalterlichen Gralliteratur außerordentlich. Einerseits wird es auch mit dem Abendmahlskelch vermischt, anderseits werden märchenhafte Vorstellungen von einem unerschöpflich Speise spendenden Wunderdinge damit verbunden, vor denen dann die Beziehungen zu Christi Blut und Abendmahl in den Hintergrund treten. Zugleich vollzieht sich die Verbindung der Gralsage mit der ursprünglich selbständigen keltischen Sage von Perceval (Parzival), die uns zuerst in dem unvollendeten Gedicht des Christian von Troyes: »Le conte del G.« (vor 1190), entgegentritt. In Wolframs von Eschenbach »Parzival« steht die Gralsage in naher Beziehung zu Chrétiens Darstellung, aber anderseits ist sie hier mit ganz neuen Zügen ausgestattet, für die sich Wolfram auf einen provenzalischen Gewährsmann Kyot beruft, dessen Existenz man jedoch mit Grund angezweifelt hat. Bei Wolfram ist der G. ein kostbarer Edelstein, der, einst von Engeln bewahrt, in die Obhut des durch christliche und ritterliche Tugenden gleich ausgezeichneten Ordens der Templeisen und seines Oberhauptes, des Gralkönigs, übergegangen ist. Alljährlich am Karfreitag kommt eine Taube vom Himmel hernieder und erneut durch eine auf den Stein gelegte Oblate dessen Wunderkraft, ewige Jugend und alles, was man an Speise und Trank wünscht, zu verleihen. Inschriften, die Gott auf dem Stein erscheinen läßt, berufen die Auserwählten zum Dienst auf die den menschlichen Blicken sonst entzogene Gralsburg zu Montsalvage (Mons silvaticus = Mont sauvage) und dadurch auch dereinst zur ewigen Seligkeit. Titurel, Frimutel, Amfortas und Parzival, den Wolfram in Verbindung mit dem Haus Anjou bringt, bilden die Reihe der Gralkönige. Im Anschluß an Wolfram behandelte der Dichter des »jüngern Titurel« die Gralsage in weiterer Ausführung. Er brachte noch die Beziehung auf den Priesterkönig Johannes und eine ausführliche Schilderung des Graltempels hinzu. In neuerer Zeit legte die Gralsage R. Wagner seinem Tondrama »Parsifal« zugrunde. – Ein ähnlich aussehendes Gefäß, wie es die Sage beschreibt, kam 1100 nach Genua und von dort 1806 nach Paris, ist aber nicht, wie man glaubte, aus einem Smaragd geschnitten, sondern von grünem Glase. Vgl. Boisserée, Über die Beschreibung des Tempels des heil. G. (Münch. 1834); Zarncke, Der Graltempel (Leipz. 1876); Birch-Hirschfeld, Die Sage vom G. (das. 1877); Martin, Die Gralsage (Straßb. 1880); Nutt, Studies on the legend of the Holy Grail (Lond. 1888); R. Heinzel, über die französischen Gralromane (in den Denkschriften der Wiener Akademie, philosoph.-histor. Klasse, Bd. 40, Wien 1892); W. Hertz, Parzival von Wolfram von Eschenbach, neu bearbeitet, S. 413 f. (2. Aufl., Stuttg. 1898); Ed. Wechßler, Die Sage vom heil. G. in ihrer Entwickelung bis auf Wagners Parsifal (Halle 1898).
4130 Zeichen · 58 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    GRÂLstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +10 Parallelbelege

    GRÂL stm. gral. — aus dem romanischen roman. gréal , welches gefäß, schüssel, becken bedeutet. s. Roquefort gl. 1,702. v…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gralM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    gral , M. Vw.: s. grāl L.: Lü 127b (gral)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    graln.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +6 Parallelbelege

    gral , n. , auch kral, in der Zigeuner- und gaunersprache ' korn, frucht, obst ' ; seit dem anfang des 18. jhs. bezeugt …

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gral

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Gral , s. Graal .

  5. modern
    Dialekt
    Gralm.

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Gral m. 1. ritterliches Spiel, Festlichkeit mit Turnieren; von solchen Veranstaltungen am Hofe Herzog Heinrichs IV. († 1…

Verweisungsnetz

67 Knoten, 87 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 16 Kompositum 41 Sackgasse 10

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gral

29 Bildungen · 27 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

gral‑ als Erstglied (27 von 27)

GRÂLANT

BMZ

gral·ant

GRÂLANT n. pr. Grâlant den man gar versôt wart nie grœʒer nôt beschert MS. H. 1,108. b. vil jâmers geschach — dâ man Grâlanden sôt krone 270…

grâlecht

MNWB

gral·echt

grâlecht , grâwlecht , adj. , adv. zu grâ(we) grau, gräulich (Farbe).

grâlemæzic

DWB

grâlemæzic , adj. , ' dem gral gemäsz, vergleichbar ' nachzuweisen: wîp, wol dir, wol, du lobes werdiu krêâtiure, dîn güete ist zuo menschen…

gralen

DWB

gra·len

gralen , vb. , zu gral, m. ( s. d. ). 1 1) in okkasioneller übertragung ' strahlen, glänzen ' ; vgl. bes. gral 2 b: dich, von der Hoye helt …

Grallae

Meyers

Grallae , soviel wie Watvögel (s. d.).

gralle

DWB

gralle , f. , obd. nebenform zu krall(e), das durch verlust des unbetonten vokals aus koralle ( teil 5, sp. 1795) gekürzt wurde. in den älte…

grallen

DWB

gral·len

grallen , vb. , kratzen, s. krallen II 1, teil 5, sp. 1983. noch österr. gral'n ' mit den nägeln ritzen ' Castelli Wien 148 .

grallögen

MeckWB

grall·oegen

grallögen krall- hell und munter blicken: grallögen Ha Red ; wur he kralögt C. Reinh. Holtrev. VI; s. begrallögen ; schlaftrunken blicken Ha…

grallöögt

MeckWB

grallöögt Adj. zum Vor. helläugig: grallögt ut 't Finster rut grinen Camm. Bil. 107. Br. Wb. 2, 533; Dä. 159 b ; Kü. 1, 603.

Grallog'

MeckWB

gral·log

Grallog' Krallog' n. leuchtendes, glänzendes Auge: Grallog' Schö Dem ; Schw Pamp ; Johann Grallog' der Mond Ro Ribn ; Dim. im Wiegenlied: Do…

gral-²ged

WWB

gral-o²ged Adj. munter, scharf blickend ( Min Ha).

gral(s)bau

DWB

gral·s·bau

gral(s)bau , m. , im hinblick auf die groszartige ausführung und den sakralen charakter der eigentlichen gralsburg ( s. d. ) auf andere bauw…

gral(s)botin

DWB

gral·s·botin

-botin , f. : ( Kundry ) ist ... im wilden gewande der gralsbotin R. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 10, 364 ; die häszliche gralbotin Cu…

gral(s)burg

DWB

gral·s·burg

-burg , f. , die burg Munsalvœsche als aufenthaltsort des grals und der gralsritter: die wunderbaren erlebnisse Parzivals auf der gralburg B…

gral(s)dichtung

DWB

gral·s·dichtung

-dichtung , f. : Kristians geschichte vom gral ... und Roberts Josef ... bilden die grundlage der gesamten gralsdichtung des mittelalters un…

gral(s)dienst

DWB

gral·s·dienst

-dienst , m. , der ehrenvolle dienst der gralsritter am gral: ohne diese beiden tugenden ( demut und reinheit ) wird auch der auserwählte ni…

gral(s)fahrt

DWB

gral·s·fahrt

-fahrt , f. , im hinblick auf die die mittelalterlichen gralsdichtungen beschäftigende stete suche nach dem geheimnisvollen gral von der fah…

gral(s)hüter

DWB

gral·s·hueter

-hüter , m. , gewöhnlich im plur. von den gralsrittern, in deren obhut der gral gegeben ist: denn wir werden erst in eine patriarchalische g…

gral(s)könig

DWB

gral·s·koenig

-könig , m. , der zum gral als herrscher berufene: in der hoffnung ..., dasz er ( Parzival ) die prophezeiung des grals erfüllen und gralkön…

gral(s)ritter

DWB

gral·s·ritter

-ritter , m. , im dienst des grals stehender ritter: so lag uns wiederum daran, die pracht dieses gehäuses ( des graltempels ) eines göttlic…

gral(s)sage

DWB

gral·s·sage

-sage , f. : daher ist es denn auch sehr bezeichnend, in welcher zahmheit das rittergeschlecht in der gralsage auftritt, wie wenig blutig es…

gral(s)tempel

DWB

gral·stempel

-tempel , m. die bezeichnung trifft, streng genommen, nur zu für den zuerst im ' jüngeren Titurel ' erwähnten tempel, den Titurel dem gral e…

gral als Zweitglied (1 von 1)

Ableitungen von gral (1 von 1)

grâle

BMZ

grâle swv. dîn verch in tugenden grâlet strahlet wie der gral, ist in tugenden vollkommen wie der gral Frl. 130,19.