Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
GRÂL stm.
1. von welchen besonders die aus sang real (sanguis regalis) lange galt
1. s. Boisserée über die beschreibung des tempels des heiligen grales in den abhandl. der bayerischen akad. 1,319. Gräße die großen sagenkreise des mittelalters s. 135. San Marte leben und dichten Wolframs 2, 362. Ettmüller zu Frl. s. 271. Nach der nordfranzösischen sage ist der heilige gral die schüssel, welche bei dem letzten mahle diente, das Jesus mit seinen jüngern hielt. in ihr fieng Joseph von Arimathia das blut des erlösers auf, als Longinus seine seite mit der lanze durchbohrte. als Joseph später von den Juden ins gefängnis geworfen wurde um den hungertod zu erleiden, brachte ihm der heiland den gral, durch dessen anblick er am leben erhalten wurde. durch Titus befreit, brachte Joseph, von seinen verwandten begleitet, den gral nach Britannien. s. vornemlich le roman du Saint-Graal publié par Fr. Michel. 1841. Nach einer andern sage, welcher Wolfram von Eschenbach und der verfasser des jüngeren Titurel folgen, ist der gral, das heilige kleinod auf der burg Muntsalvœsche, ein edelstein lapsit exillîs mit namen (Parz. 469,7 ). auf denselben bringt eine weiße taube alle charfreitage eine oblate, durch welche der stein die kraft bekommt, daß er speise und trank in fülle gibt und allen, die ihn ansehen, das leben erhält. er wird in einem prachtvollen, von dem könige Titurel erbauten tempel aufbewahrt und von rittern bewacht. Daß die sage ursprünglich celtisch ist und in ihrem ursprunge in das heidenthum hinaufreicht, zeigt ein wälsches märchen, das mabinogi von Peredur, welches als eine grundlage der erzählung von Parzival, der den gral sucht, anzusehen ist. hier fehlt namentlich jede christliche beimischung. Peredur (d. i. der sucher des beckens) sah eine schüssel, auf welcher das blutige haupt eines menschen lag. es war das seines vetters, welcher durch die hexen von Gloucester getödtet war. s. the mabinogion from the llyfr coch o Hergest by Lady Charlotte Guest. part II. 1839. San-Marte (A. Schulz) die Arthursage und die märchen des rothen buches von Hergest. 1842. Th. de la Villemarqué contes populaires des anciens Bretons précédés d'un essai sur l'origine des épopées chevaleresques de la Table-Ronde. 1842. Villemarqué bringt b. 1,194 wol mit recht mit dem grale das mystische gefäß in verbindung, welches in dem tempel der celtischen göttin Koridwen hieng, von welchem man glaubte, daß es den geist der poesie und weisheit gebe, die erkenntnis der zukunft und die geheimnisse der welt lehre. auch die ebend. angeführte sage von Bran dem gesegneten gehört hierher, der von einem schwarzen manne zum lohne für seine gastfreundschaft ein gefäß erhielt, welches die eigenschaft hatte tödtliche wunden zu heilen und selbst gestorbenen das leben wiedergab. vergl. außer den angeführten schriften über die gralsage noch: Büsching im altd. mus. 1,491. Mone anzeiger 1833,301. Jen. literaturz. 1843, n. 170. Götting. anz. 1843, st. 101. — ûf einem grüenen achmardî truoc si den wunsch von pardîs, bêde wurzeln unde rîs. daʒ was ein dinc, daʒ hieʒ der grâl, erden wunsches überwal Parz. 235,23. vgl. 455. 469 — 474. 819. dô sagete man ir umben grâl, daʒ ûf erde niht sô rîches was, unt des pflæge ein künec hieʒ Anfortas das. 519,10. dem (Titurel) wart alrêrst des grâles van bevolhen durch schermens rât das. 501,24. wand er den grâl sô dicke siht, dâ von mager ersterben niht das. 501,30. des grâles schar das. 474, 10. 494,10. 797,17. des grâles hêrre W. Tit. 7,1. des grâles krône das. 7,4. vgl. j. Tit. u. Loh. MS. 2,15. b. swenne ich schowe ir werden lîp, des grâles herre wæn ich sîn das. 109. a. ich binʒ der grâl dâ mit der êren künic den leiden übervaht Frl. FL. 11,28. wie einer sî ein Parzivâl und daʒ er haben solte den grâl fragm. 27. er hab den grâl ervohten als her Parzivâl Suchenw. 31,189. — zu bemerken ist noch, daß in Niederdeutschland ein im freien gefeiertes fest den namen grâl führte. vgl. Rethmeyer chron. 2, 752. Leibnitz script. 2,92. 3,140. 418. neues vaterl. archiv b. 6,365. 14,230. Gräße die große sagenkreise d. mittelalters 137. Frisch 1, 365. c.