stofflich,
adj. adv. ,
nach art und beschaffenheit des stoffs;
nach der seite des stoffs,
besonders (
zusammenfassend)
nach dem stoff
inhalt. —
vgl. auch oben stoffartig
und stoffig. —
bei Campe
als verdeutschung von materiell. 11)
entsprechend stoff II 1: stoffliche beschaffenheit eines kleides. —
entsprechend stoff II 2: das stofflich bedingte, der zeitlichkeit unterworfene Justi
Winckelmann 2, 1, 52; übrigens war stofflich alles, was man jetzt immer wieder neu entdeckt, ... schon vorhanden Keller
nachl. 25; eine frucht ist z. b. stofflich ein teil des baumes R. Hildebrand
gott, die welt und das ich 95; den stoff verachten, den eignen leib miszachten, weil er der stofflichen welt angehört Büchner
kraft und stoff 33; (
vgl.dagegen sehen wir das, was wir geist nennen, mit dem aufhören der individuellen stofflichen zusammensetzung schwinden 14).
hierher: stoffliche veränderung Brehm 1, 331
Pechuel-Lösche; der materialist wird dazu auch in den vorgängen des bewusztseins nur wirkungen gewöhnlicher stofflicher veränderungen finden Lange
geschichte des materialismus 13.
auch hier im gegensatz zum geistig-sittlichen (
wie unter stoff II 2 b
γ): die ganze vorstellung vom teilen kommt nur von der stofflichen, äuszerlichen betrachtung des weltlebens R. Hildebrand
gott, die welt und das ich 95; so tief hat sich das stoffliche vorstellen auch in die geistige und sittliche welthälfte eingefressen 174;
geradezu: die herrschaft des besseren, vernünftigen, göttlichen bestandtheils der menschlichen natur über den schlechteren, sinnlichen, stofflichen Justi
Winckelmann 1, 452; Victor, ... der offenbar das wort 'können' im sittlichen sinne genommen hatte, wie es sein oheim im stofflichen nahm Stifter
werke 3, 353;
doch vielleicht hier nur '
körperlich'
; vgl. noch: die schiffswerfte ... ist gut gezeichnet, hat aber nach unserer ansicht im schnee, in den fernen und wolken statt duft zu viel stoffliches blau 14, 79;
auch im folgenden soll der gegensatz zum seelischen gehalt hervorgehoben werden: die menschliche stimme hat am wenigsten stofflichen und nachahmbaren klang E. Strausz
freund Hein 304. 22)
bildlich, entsprechend stoff II 3: das stofflich poetische Keller
nachl. 137; das thema von der relativen selbständigkeit der bildenden kunst gegenüber der dichtung als ihrer stofflichen quelle H. Brunn
kl. schr. 3, 87; ein bedürfnisz nach stofflicher ausbeute Immermann 18, 149;
auch verwunderung darüber ..., dasz man auf diesen stofflichen inhalt (
von Calderons '
der standhafte prinz') so viel gewicht lege Göthe
gespräche 3, 35; als darstellung eines wirklichen gesprächs, abgesehen ganz von dem stofflichen inhalte O. Ludwig 5, 117; vielfältig hat man sich über dieses unzarte und schwerfällige interesse (
den stoffartigen antheil
s. oben) geärgert, und doch war es nur eine deutsche nothwendigkeit. die ausgestattetsten individuen bei uns wollten ja, von keinem äuszeren gesetze bestimmt, nur den innersten stofflichen gehalt ihres busens entladen Immermann 18, 159; doch scheint keine dieser productionen anders als durch ihren stofflichen gehalt für die litteratur von bedeutung gewesen zu sein Mommsen
röm. gesch. 2, 455. — seine (
des Aristoteles) stofflichen betrachtungen über die prosaischpolitische redekunst zugleich die besten recepte auch für den dichter Keller 2, 14; wenn die ästhetik die stoffliche interesselosigkeit des künstlers zur ersten bedingung seiner leistung macht, ... so ist das faselei Hebbel I 12, 359; bei dem stofflichen ... interesse des gedichtes Mommsen
röm. gesch. 1, 908; denn das drama muthet der phantasie der hörer eigene thätigkeit zu, während der stoffliche reiz des romans auch den stumpfsinn erregt Treitschke
hist. polit. aufs. 1, 435
vgl.masse (
des volkes), die immer zuerst nach stofflichem reize begehrt
deutsche geschichte 4, 445; die erweiterung (
der neuen auflage der kunstgeschichte) ist theils eine stoffliche, theils betrifft sie die ausführung Justi
Winckelmann 2, 2, 416. —
adverb. die antike wird (
bei Lauremberg), wie im sechzehnten jahrhundert, nur stofflich verwendet Scherer
litteraturgeschichte 364. 33)
substant.: es ist nur das stoffliche, was veränderlich ist, und veränderlich sind nur die einzelnen formen, die der veränderliche stoff oder die kraft annimmt, nicht der stoff an sich v. Baer
reden und aufsätze 1, 269; alle angeführten stimmen hielten sich an das stoffliche der gruppe Justi
Winckelmann 1, 465;
auch: ein sinn, der zum stofflichen forteilt (
d. h. zur archäologie, im gegensatz zur wortphilologie) 1, 141; es ist wahrscheinlich das stoffliche, familien- und fraubasenmäszige, was die leute anzieht Hebbel
briefe 6, 231; wie sehr musz am stofflichen haften, wer in den zierlichen komischen lebensbildern, die Wilhelm Grimm (
in den briefen aus Göttingen nach Jacobs vertreibung 1837) entwirft, nur gewöhnlichen klatsch erblicken kann Scherer
kl. schr. 1, 66. —
seine steigerung und veredelung: wo die zärtlichen formen der jugendblüte so behandelt sind, dasz das stoffliche vergeistigt scheint Justi
Winckelmann 2, 2, 170, —
im gegensatz oder fort schreitend zur form (
th. 3
sp. 1898
unter 2,
dem formalen): (
eine zeit,) die mit maszvollen geschmack das stoffliche in form verwandelte 2, 1, 114; befreit vom förmlichen, das euch hielt eingebannt, seid ihr ins stoffliche dafür nun eingerannt. im förmlichen war doch noch eine steife bildung, im formlos stofflichen ist völlige verwildung Rückert
werke 8, 47.
im gegensatz zum geistigen (
th. 4, 1, 2
sp. 2774
unter 3 e): das stoffliche vom geistigen scheiden Campe. —
zuletzt ethisch charakterisiert: in unserer, leider so ins lediglich stoffliche und in leere genuszsucht versunkenen zeit Stifter 14. 106.