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geziemen

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

geziemen

Bd. 7, Sp. 7063
geziemen , verstärktes ziemen (s. d.), ursprünglich starkes, später schwach flectiertes verb, das wie das grundwort und wie auch bedeutungsverwandte überwiegend unpersönlich gebraucht ist. bis in die neuere sprache meidet das verbum die formen der 1. und 2. person, die nur im mittelhochd. (s. u.) vereinzelt beobachtet sind. in der 3. person ist wiederum der singular ungewöhnlich gegenüber dem plural bevorzugt. vom präsens herrscht anfänglich durchaus der indicativ vor, während in der neueren sprache der conjunctiv vorschreitet. das zuerst meist bezeugte präteritum tritt später in der form des ind. wie des conj. zurück, desgleichen im particip, während der infinitiv und das part. des präs. (s. geziemend) um so mehr gepflegt werden. 11) bedeutungsentwicklung und abgrenzung gegen bedeutungsverwandte. 1@aa) das älteste zeugnisz 1@a@aα) bringt das verbum in verbindung mit dem präfix, das hier sociative bedeutung ausdrückt, in der gotischen bibelübersetzung des Ulfilas: ainshun plat snagins niujis ni lagjid ana snagan fairnjana aiþþau jah sa niuja aftaurnid, jah þamma fairnjin ni gatimid þata af þamma niujin Lucas 5, 36 (οὐ συμφωνεῖ; niemand flicket einen lappen vom newen kleid, auff ein alt kleid; wo anders, so zureisset das newe, und der lappe vom newen reimet sich nicht auff das alte Luther; vgl. und gezimt nicht dem alten von dem newen; et veteri non convenit commissura a novo); dazu vgl.: duþþe gatemiba and þana þize laist jah twos ganamnida waihts, swesa bajoþum du daupeinais gerehsnai[s] ... wato jah ... ahman Skeireins 2, 34. anders läuft die grenze zwischen den formen mit und ohne präfix in den althochdeutschen belegen (vgl. Graff 5, 661. 662), die sichabgesehen von einigen glossenstellen für die präfigierte formganz auf Otfrid und Notker beschränken. 1@a@a@11)) der persönliche dativ ist viel häufiger bei dem einfachen verbum beobachtet: in herza imo quami,so iʒ fora gote zami: giloubt er selbo thanne,so zimit gotes manne. Otfrid 3, 2, 15; desgl. 4, 11, 49; 5, 9, 48; (eigenartig: so iʒ gote zimit) an Ludwig 60 (im sinne von so iʒ fore gote zami); taʒ kind theh io filu framso selben gotes sune zam. 1, 22, 61; ähnl. (so imo zam) 3, 17, 3; (thaʒ imo zam) 2, 12, 12; (so gotes boton wola zam) 5, 8, 4; dazu vgl. mit präfix: ubarwant er sid thaʒ fram, so gotes thegane gizam. Otfrid an Ludwig 42; dazu vgl. (mit accusativobj. s. u.) 4, 28, 10; 29, 19. dazu vgl. mit freier fügung gegenüber dem lat.: domum tuam decet sanctitudo ... dinero ecclesiae gezimet heîligheît in êwighêite. in andirro werlte skînet iro hêiligheît, dar zîmet sî iro Notker psalm 95, 2 s. Hattemer 2, 337a (daʒ hus din geczemit heilikeit Trebnitzer psalmen; heiligkeit ziert [schmückt] dein haus Luther; später: ist die zierde deines hauses); desgl. (psalm 32, 1) 2, 108a. 1@a@a@22)) andererseits ist die präfigierte form auch beim absoluten gebrauch Otfrids mehrfach zu belegen: fahan sie nan woltunjoh thoh in thes gistultun; iʒ ouh wola so gizambi thiu sin zit noh ni quam. Otfrid 3, 16, 68; fuar ingegin imo thar, worolt mihil, so gizamwib inti gomman. 3, 6, 10; desgl. (so iʒ gizam) 3, 5, 9; gegen: (sos iʒ zam) 2, 7, 8; 3, 2, 1; 4, 16, 35; (al so zam) 2, 10, 11; vgl. auch (s. sp. 7065) 1, 8, 9; 1, 12, 34; ni wanet, thaʒ gizamithaz ih zí thiu quami, ih mih in thiu rachi,then wiʒʒod firbrachi. 2, 18, 1 (nolite putare, quoniam veni solvere legem Matth. 5, 17); vgl.(s. hier unten) 3, 20, 26; gegen: quadun, iʒ so zami, er sinan namon nami. Otfrid 1, 9, 13; desgl. (iʒ ni zami) 1, 9, 20; (soso iʒ zami) 4, 29, 39. 1@a@a@33)) bemerkenswerth sind unterschiede, die in den flexionsformen zutage treten. präs. ind. ist bei Otfrid nie mit präfix beobachtet, diese form tritt auszer in den glossen (s. u.) erst bei Notker ein. im prät. sing. stehen sich formen mit und ohne präfix gegenüber, sowohl beim ind. als beim conj. 1@a@a@44)) in den glossenbelegen ist das präfix durch lateinisches cum, con herausgefordert: convenerit, gizeme Tegernseer, Monseer glossen des 10. auf 11. jahrh. u. a. (gizemp Scheiern 13. jahrh.; gizemo Göttweih 12. jahrh.) Steinmeyer Sievers 1, 672 (Amos 3, 3 numquid ambulabunt duo pariter, nisi convenerit eis, mugen auch zween mit einander wandeln, sie seien denn eins unter einander Luther); convenit, gizam Tegernseer, Monseer u. a. glossen 10—12. jahrh. zu apostelgesch. 23, 20 (Judaeis convenit rogare; es geviel den Juden, dich ze piten cod. Tepl.; die Jüden sind eins worden Luther); convenit, gizimit Tegernseer gl. 11. jahrh. zu Vergils Aeneis (12, 184 convenit Euandri victos discedere ad urbem, ordnen wir, dass die besiegten zur stadt des Euandrus hinweggehn Voss); Steinmeyer-Sievers 2, 670; congruit, carisit, cazimit Tegernseer glossen 10/11. jahrh. zu Gregors homilien (1, 16) 2, 289. 1@a@bβ) für die eigenbedeutung des verbums sind aus solcher anlehnung an lateinische vorbilder wenig anhaltspunkte zu gewinnen. was dem lat. convenit, congruit in diesen verwendungen als wesentlicher zug gemeinsam ist, der begriff des zusammentreffens, des zusammenstimmens, läszt sich sowohl aus innerer übereinstimmung als auch aus gelegentlicher berührung ableiten. auszerdem wird dieser begriff schon durch die präfixe (ge = con) zum ausdruck gebracht, und es bleibt immer noch die frage offen, was das verbum selbst in diesen bedeutungsinhalt einbringt. 1@a@b@11)) Otfrids gebrauch ist zu verblaszt, um in dieser richtung sichere schlüsse zu erlauben; ihm dient das verbum zur umschreibung als bequemes flickwort, das den reim erleichtert und sich glatt in das versmaasz fügt (s. o. sp. 7063); vgl.: want er imo ein waʒarhiaʒ faran wasgan iʒ thar, mit wasgu, so iʒ gizamijoh thaʒ horo thana nami. 3, 20, 26 u. a. gelegentlich liesze sichfalls dem lückenbüszer so viel gewicht beizulegen istdas moment des zufälligen zusammentretens hier fassen, das neben dem der inneren übereinstimmung in der abgrenzung von geziemen gegen bedeutungsverwandte zu beachten ist (s. u.) vgl.: tho rietun thie ginoʒa,sie wurfin iro loʒa, thaʒ sie mit thiu gizami,welih sa imo nami. Otfrid 4, 28, 10 (sortiamur de illa, cujus sit Joh. 19, 24). 1@a@b@22)) von dem begriff der inneren übereinstimmung ist das verbum bei Notker getragen, dessen gebrauch frei und selbständig den lateinischen parallelen entgegenkommt, und der sich in der verwendung der präfigierten form nur selten an lateinische composita anschlieszt: 1@a@b@2@aa)) consequens est, ut non iudicetur extendisse foedum, tunchet ouh manne scône gewît preitôn sînen namen. sô gezimet wola. daʒ er menniskôn nedunche honen namen breiten Notker Boethius s. Hattemer 3, 116a. 1@a@b@2@bb)) während hier zwischen satzinhalten und abstracten eine übereinstimmung gefunden wird, läszt sich das gleiche auch mit bezug auf personen denken. 1@a@b@2@b@aα)) sächliches oder abstractes subject bezogen auf ein persönliches vergleichsobject scheint Notker besonders geläufig zu sein; er führt diese wendung für lateinisches decet, für fügungen mit dignus und ohne lat. vorlage ein und er gliedert die person im zuständigen deutschen dativ anganz im gegensatz zu den lateinischen wendungen, die hier den acc. bieten und die von spätern bibelübersetzern nachgeahmt werden (gelegentlich auch bei Otfrid, vgl.: thaʒ ... sie thes gizami 4, 29, 19; 28, 10; gegen: so ... thegane gezam an Ludwig 43 und stets dativ beim einfachen zimit, zam): rectos decet conlaudatio, lob kezimet crehtên Notker psalm 32, 1 s. Hattemer 2, 108a (di gerechtin geczemit zamminlobunge Trebnitzer psalmen; den auffrichtigen steht das rhmen wol an Luther [später: die fromen sollen ja schon preisen]); genau so psalm 95, 2 s. Hattemer 2, 337a (Trebnitzer psalmen geczemit mit acc. s. u.); vgl.: decebat, gizam Regensburger glossen 11. jahrh. zu Prudentius (P. Rom. 677) Steinmeyer-Sievers 2, 452; andererseits vgl.: sô gezimit animae daʒ si intima sî sapientiae unde mit caritate sî gegurtet Notker Mart. Cap. s. Hattemer 3, 270b; scande caeli templa virgo. digna tanto foedere ... fazo dih tîerna ... ûf hina in himela ... solîh kehileih kezimet tir ebenda 333b. 1@a@b@2@b@bβ)) persönliches subject ist bei Notker so selten wie bei Otfrid; bei beiden ist in diesem fall das vergleichsobject unausgedrückt oder verschleiert: quis habitabit in tabernaculo tuo? wer ... bûet in dînemo gezelte? aecclesia ist dîn gezelt. wiêlich miles (tegen) kezimet dârinne Notker zu psalm 14, 1 s. Hattemer 2, 55b; (vgl. aber das persönliche subject neben dem bedeutungsverwandten gerîset [das gleiche bei gelimpht s. u.]: solicha getuôt er dih ... solichiû gerîset imo zu psalm 44, 13 s. Hattemer 2, 160a; sezze uber siê den eoskefel der in gerîse psalm 9, 21 [legislatorem] s. Hattemer 2, 44a); vgl. dazu: gidar ih lobon inan fram;er was sulih, so er gizam, er was in sitin fruater,joh heilag int guater. Otfrid 1, 8, 9; desgl. (gizamun) 5, 8, 3 (vgl. auch thar zamun se scono 1, 12, 34). 1@a@gγ) einigen aufschlusz geben bedeutungsverwandte. der Heliand, der sich gegen unsere sippe ablehnend verhält, setzt dafür gerîsit ein: wêst thu that ûs sô girîsid ... allaro rehtô gihwilîk te gefullianne. 975. dazu vgl. carisit, convenit, oportet Graff 2, 538; irhuge du mîn nah dînero gnâdo diû dir gerîset, secundum misericordiam tuam Notker psalm 24, 7 s. Hattemer 2, 85a u. a.; vgl. Grimm gramm. 4, 236. tuon si, daʒ gote gerisi, daʒ si chomen zi paradisi. geneses s. fundgr. 2, 79, 10 u. a.; s. mhd. wb. 2, 727b; vgl. geristic, geziemend, ebenda. das verbum, dem wohl die bedeutung einer aufwärtsbewegung zu grunde liegt, ist mit dem anfang der mittelhochd. zeit (vgl. auch Lexer 1, 883) aus dem gebrauch zurückgetreten. länger halten sich zwei verba, die zur stelle Matth. 3, 15 in der bibelübersetzung mit geziemen im wettbewerb stehen: das im Tatian so beliebte gelimphit und später gebührt: so gelimphit uns zi gifullanne al reht, sic enim decet nos implere omnem justitiam Tatian 14, 2 (also gezimt uns zefullen alles recht cod. Tepl. Matth. 3, 15; also gebürt es uns, alle gerechtigkeit zu erfüllen Luther). 1@a@g@11)) limpfen und gelimpfen, die von der grundbedeutung einer körperlichen berührung aus in diesen zusammenhang einmünden, werden auszer der Benedictinerregel u. a. ohne präfix bei Otfried und mit präfix im Tatian verwendet (vgl. Graff 2, 214. 215) und treten zumeist für lat. oportet ein: so limphit, thaʒ man fahejoh hoho nan irhahe. Otfrid 2, 12, 67; (so arhevan gilimphit mannes sun, ita exaltari oportet filium hominis Tatian 119, 8; alsust gezimt zu derhochen den sun der meid cod. Tepl. Joh. 3, 15; also musz erhohet werden Augsb. bibel von 1487, ähnl. Luther) u. a.; ja limphit mir, theih werbe in mines fater erbe. Otfrid 1, 22, 54; (thaʒ in then thiu mines fater sint, gilimphit mir wesan oportet me esse Tatian 12, 7; skulda wisan Ulfilas Lucas 2, 49; daʒ mir gezimt zu sein in den dingen cod. Tepl.; das ich sein mus Luther) u. a. durchweg wiederholt sich für die vielen aus der Tatianübersetzung zu gunsten von gelimpfen erschlossenen bibelstellen, dasz die Vorlutherische bibel zunächst gezimt an die stelle setzt, aber schon von den Augsburger drucken ab zu hilfsverben wie muss übergeht. diese werden auch bei Luther beibehalten und sind schon bei Ulfilas an den wenigen stellen wahrzunehmen, die dessen fragmentarisch überlieferte bibel deckt. der cod. Tepl. dagegen bietet hier nur formen von geziemen (gezemen) und das gleiche ist aus dem althochd. Matthäusev. zu belegen an der stelle, die in diesen rahmen fällt: dhesiu kazami iu zatuoanne enti diu andriu ni za forlazanne althochd. Matth. s. 27 Hench (Matth. 23, 23 haec opportuit facere et illa non omittere dise dink geziment ze tun, und di andern nit ze laʒʒen cod. Tepl.; dis solt man thun, und jenes nicht lassen Luther; thisiu gilampf zi tuonne inti thiu ni zi forlaʒʒanne Tatian 141, 18). einmal wird gelimphit im Tatian für lat. licet angezogen, an einer stelle, wo auch die Augsburger bibel gezimt aufweist und Luther ein anderes hilfswort verwendet als sonst: bithiu gilimphit in sambaztag wola zi tuonne, licet sabbato bene facere 69, 6 (gezimt es ioh wolzutun des samcztages cod. Tepl. Matth. 12, 12, gezimt Augsb. bibel, darum mag man wol am sabbath gutes thun Luther). dazu vgl. auch kilimfit imu, condecet, convenit Keros übers. der Benedictinerregel s. Graff a. a. o. von dieser engen berührung mit geziemen rückt gelimphen schon in der mittelhochdeutschen zeit (vgl. mhd. wb. 3, 999b) wieder ab; es bevorzugt ganz im gegensatz zum ersteren persönliches subject: — — — — ze opfer ouch. die mirren und den wîrouch begunde er vür daʒ dimpfen der kelber sît gelimpfen. Konr. v. Würzburg goldene schmiede 1406; das ich mich gen ir solt gelimpfen. fastnachtspiele 262, 2 u. a. der persönliche wie der unpersönliche gebrauch des verbums stirbt aber in der neuhochdeutschen periode früh aus, er wird durch das lebenskräftige substantiv (vgl. gelimpf oben sp. 3026 s. unter glimpf) noch gestützt, mit dem es die reimbindung auf schimpf, schimpfen gemein hat: ich kan mit schon frauen schimpfen das mir das wol tut gelimpfen. fastnachtspiele 222, 30. 1@a@g@22)) immer enger dagegen festet sich die bedeutungsgemeinschaft von geziemt mit dem zweiten der oben zu Tatian 14, 2 variierenden verba, namentlich für die neuere sprache, mit gebührt. wie gerîsit von einer aufwärtsbewegung ausgehend (vgl.ube mare wider iro warheite sih pureta Notker zu psalm 88, 10 s. Hattemer 2, 317b), kommt das verbum nur in der zusammensetzung mit dem präfix ge (vgl.burjan Graff 3, 163; gaburjan 164) unseren verwendungen nahe. es ist wie geziemt fast ausschlieszlich in der 3. person bezeugt und bringt zunächst nicht die innere übereinstimmung zwischen zwei factoren, sondern deren äuszeres und gelegentliches zusammentreffen zum ausdruck. in der Benedictinerregel tritt kipurit für das lat. provenit, evenit, contingit ein; dazu vgl.: joh noh tho zwivolotun; was in thaʒ herza filu fro,bi thiu wuntorotun sie sih so. so giburit manne,thara er so ginget thanne; gisihit thaʒ suaʒa liabaʒ sin;thoh forahtit, theiʒ ni megi sin. Otfrid 5, 11, 29 u. a.; et si contigerit ut inveniat, inti oba iʒ geburit thaz her iʒ fintit Tatian 97, 2 (ob es geschicht, daʒ ers fint cod. Tepl. Matth. 18, 12; und so sichs begibt, das ers findet Luther u. a.) bemerkenswerth ist aber schon in dieser zeit, dasz auch das zutheilwerden auf grund rechtlicher ansprüche in diesen gebrauch des verbums fällt,und zwar unter anlehnung an lat. contingit: fater, gib mir teil thero hehti thiu mir gibure, da mihi portionem substantiae quae me contingit Tatian 97, 1 (Lucas 15, 12 gif mis, sei undrinnai mik dail aiginis Ulfilas; der mich angehore cod. Tepl.; mir zugehört Augsb.; das mir gehört Luther); dazu vgl.: sô geburra in nâh dînemo rehte, wanda siê sih ze harto fersâhen ze iro selbero rehte Notker zu psalm 68, 29 s. Hattemer 2, 239b. in der mittelhochdeutschen dichtung, die von geziemen den weitesten gebrauch macht, tritt gebüren weit zurück; erst im ausgdng der periode mehren sich auch hiefür die belege, und neben der beziehung auf zufälliges geschehen, die noch lange gepflegt wird (mhd. wb. 3, 153b; Lexer 1, 765; vgl. auch oben sp. 1891), tritt die auf die rechtsordnung gestützte forderung in den vordergrund, vgl. oben sp. 1892. sie zeigt sich nunmehr nicht nur als rechtsanspruch sondern auch als pflichtleistung für die im dativ angeschlossene person (sp. 1894). gegen: an sante Nicolaus tage geburteʒ dort ieme knaben, daʒ er den kopf solde haben daruʒ der kunic sin herre tranc. pass: 24, 64 Köpke; vgl.: er tet als im geburte und sagte Nicolao danc. ebenda 35. damit ist der anschlusz an geziemen und dessen formelhafte wendungen erreicht, vgl. auch oben sp. 1895 f. vgl.: und alles das zu thun, das ainem frummen, erlichen gerichtschreiber zu thun gezimbt und geprt öst. weisth. 5, 749; vgl. auch Heilbronner urk. v. 1525 bei H. Fischer 3, 645; gottesdienst, der solchem edlen blut der veter und beschnittenen heiligen wol gezime und gebüre Luther von den Juden (1543) Jja; ihr fragen sehen wir als einen mangel der erziehung und der achtung an, die einem volk gegen das andre gebührt und geziemet Herder (Adrastea 3, 1) 23, 504; wie gar mit nichten gezimben noch geburen will ausschusz der Rothenburger gemeinde 1525 s. Baumann 215; damit ... gebirend unterwisen oder ... gezimbent abgestrafft öst. weisth. 5, 135. gebühren hat mit geziemen auch das gemein, dasz es in der neueren sprache reflexive fügungen entwickelt: ain herrliche begrebnusz ... wie sich ainem solchen herrn gebürt Schaidenraisser Odyssee (1) 3b; mit einer zierlichen ... gab damit sich ainem würt gezimbt seinem lieben ... gast zu verehren ebenda. 1@a@dδ) während gebühren auf breiter germanischer grundlage sich entwickelt (nur dem gotischen mangeln belege) ist geziemen anfangs auf eine schmale basis gestellt. auszer dem gotischen verhalten sich die anderen germanischen dialekte durchaus ablehnend. das angels. bringt in entsprechenden formen abweichende bedeutungen zum ausdruck (bürgschaft und abstammung, vgl. timan 1. teem; 2. vouch, warranty Bosworth-Toller 986b; geteman appeal 452; vgl. auch temede, nachkommenschaft Schiller-Lübben 4, 525b), und das altsächs. fällt ganz aus. mittelniederdeutsche entsprechungen kommen erst spät und verrathen auswärtigen einflusz. stammverwandte unseres verbums sind aber umfassend auch im gemeingermanischen gebrauch vertreten: zahm und zähmen, vgl.gezähmen s. o. auf welche ältere bedeutung von zahm läszt sich unser im ablautsverhältnisz zu diesem adjectiv stehendes starkes verbum zurückführen? am anschaulichsten und ansprechendsten ist die erklärung, die bei zahm von lat. domus ausgeht und die sich für die grundbedeutung auf die technik älteren häuserbaus (holzbaus) stützt. hier wäre eine bedeutung wie zusammenfügen, binden zu gewinnen, und sie würde die entwicklung unseres verbums mit und ohne präfix, wie sie im obigen gekennzeichnet wurde, wohl erklären. geziemt würde sich darnach am engsten mit einem verbum berühren, das mittelhochd. vorübergehend mit ihm in wettbewerb tritt: und sît eʒ sich wol gevuocte daʒ sîʒ mit êren mohten lân, sô lieʒen siʒ wol understân. Iwein 7354. 1@bb) der mittelhochdeutsche gebrauch greift namentlich in der blüthezeit nach allen richtungen aus, wobei sich das verhältnisz der formen ohne präfix sehr zu gunsten des präfixes verschiebt. die fügungen mit persönlichem subject nehmen zunamentlich in bestimmten wendungen —, ganz vereinzelt sind sogar 1. u. 2. person zu belegen. am unpersönlichen charakter der fügungen wird aber durch solchenoch immer seltenerenabweichungen wesentliches nicht geändert. schwerer ins gewicht fallen veränderungen im bereich des unpersönlichen subjectes. dort dringen nominalformen an stelle des neutralen pronomens vor, und damit verknüpft sich eine zunahme der pluralformen. überhaupt sind innerhalb der verbalformen (der 3. person) am ehesten sonderneigungen einzelner stilisten und allgemeinere ausprägungen von formeln zu fassen. auch die zunahme des accusativs an stelle des persönlichen dativs und das verhältnisz relativen gebrauches zum absoluten ist zu beachten. 1@b@aα) für das präfix bei den verbalformen ist die zeitliche actionsart nur selten entscheidend: swaʒ schimpfes ir ê wol gezam, daʒ missestuont ir alleʒ dô. Gottfried Tristan 967. die voraussetzungen liegen zumeist auf anderen gebieten. 1@b@a@11)) bemerkenswerth ist schon der wechsel in den varianten der überlieferung: sehs knappen waetlîche: si zaemen wol dem rîche. Iwein 4376 (mehrfach: gezaemen); vgl.(zaeme, gezaeme) armer Heinrich 312; dem helden sterben niht enzam von deheines rekhen rat. klage 54 (gezam β); sît daʒ der kampf wesen sol, sô zimet in daʒ beiden wol daʒ sî enzît strîten. wes mugen sî iemer bîten? Hartmann Iwein 6979 (vereinzelte var. gezimet); dâvon in den jâmer kaeme, der vor den liuten niht enzaeme. Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 3236 (nicht gezeme G.); so sult ir ze rehter ê die kunigin Margreten nemen. ir geburt mac in wol zemen (var. gezemen). Ottokar 1806; 'wann es zimpt auf ertreich niemant, denn huren und ruffian. die selben sein aller treu an' Socrates: 'pis dem treu, der dir traut und zimpt so pistu sicher, das es chain pös end nimpt. Hans Vintler pluemen der tugent 3559 (var.: gezimpt); dazu vgl. (Hartmanns) 1. büchl. 1469 wo die handschr. gezame bietet, Haupt in zaem geändert hat. 1@b@a@22)) vielfach entspricht dem unterschied der formen auch ein unterschied der fügungen; das präfix ist noch immer (vgl. sp. 7063) häufiger neben acc. der person, die form ohne präfix neben dativ der person beobachtet. so er theme keisere wole zam zuo allen sinen êren. Rolandslied 1016 Bartsch; gegen: sin antluʒʒe was wunnesam thie boten harte wol gezam thaʒ sie in muosen scouwen. 684; desgl. 3728; vgl: daʒ selbe im doch nicht enzam. Lamprecht v. Regensburg St. Franzisken leben 3725 (aber: in niht enzam 2260. 2387. 3503); gegen: frou Karitas die trophen nam und brâht sie alle viere ir frouwen, die des wol gezam (var. der wol gez.). tochter Syon 3790. 1@b@a@33)) in den schwankungen der überlieferung zeigt sich deutlich, dasz partikeln vor dem verbum das präfix am ehesten fernhalten: 1@b@a@3@aa)) 'daʒ enzimt niht helde lîp daʒ si suln schelden. Nibel. 2282, 1; vgl. 1949, 2. Etzel der künek hêr was mir sô vîentlîchen gramdaʒ eʒ nieman enzam der mir daʒ gehieʒedaʒ er mich leben lieʒe. klage 996, vgl. auch (s. o.) 53; desgl. St. Franzisken leben 2260; desgl. 2387. 3725; son enzeme ouch iu min singen niht. Rudolf v. Rotenburg 158a Pfaff; 1@b@a@3@bb)) und macht die gespunst zehaut ze tuoch, als ir wol zam. Jansen Enikel 1447; desgl. 15829 u. a.; als in wol zam (var.: als in gezam) 18134; ähnl. 20667; 15914; fürstenbuch 664; 17982 u. a. 1@b@a@44)) ungleich verhalten sich die einzelnen verbalformen gegen das präfix. 1@b@a@4@aa)) beim präteritum, dessen ind. wie conj. am gebrauch des verbums zumeist betheiligt ist, fällt auf, wie selten der indicativ ohne präfix bezeugt ist, im gegensatz zum conj. 1@b@a@4@a@aα)) der verge was sô rîche,daʒ im niht dienen zam. Nibel. 237, 2 Zarncke (zam auch 1491, 1 Lachmann); diu stat ... was drier tâgeweidi breit. der zam wol wisin kunic zehabin spec. eccles. 71 u. a. (s. o.). 1@b@a@4@a@bβ)) ein solhes wîp diu der helle zaeme. Wigalois 6508 u. a.; ähnl. Parz. 341, 28; 128, 18; 824, 18; Iwein 7860; Erec 10070; maere vom sperwaere 360; vgl. auch Erec 3767; Albr. v. Halberstadt 14, 28: 'du maht dich vreuwen balde,sô er dîn ze konen giht.' si sprach 'lieber bruoder,zwiu râtestu mir daʒ? clagen unde weinenmir immer zaeme baʒ'. Nibel. 1185, 2; ähnl. 1949, 2; 123, 1; 2044, 1; und dô si niht darinne vant daʒ ir frowen rehte zaeme. Lampr. v. Regensburg tochter Syon 552 (var. queme); balge die den smiden zuo der esse zemen. Jansen Enikel 24418. 1@b@a@4@bb)) der infinitiv, ein bevorzugter träger des präfixes bei allen verbis, erscheint auch hier, so häufig er belegt ist, ganz selten ohne präfix: daʒ er eine danne wurbediu im möhte zemen. dô sprach der edel Sîfrit'sô wil ich Kriemhilden nemen'. Nib. 49, 3 (nach A.); sît dich das niht wil zemen sîn hûser ze nemen. Ottokar 88316; (dazu vgl. die varianten). enmoht ich nihtes war genemen, des mich dâvür kunde gezemen. tochter Syon 2703 (Giessener handschr. zemen). 1@b@a@4@cc)) häufiger ist das präsens ind. ohne präfix bezeugt, und da diese verbalform in der mittelhochdeutschen zeit bei unserem verbum an sich weniger beliebt ist, so sind die einschlägigen belege doppelt zu werthen: hât er die burt und die jugent und dâ zuo ander tugent, daʒ er mir ze herren zimt. Iwein 2091; vgl. auch ms. Hagen 2, 103b; wie zimet der schaft in sîner hant! wie wol stât alleʒ sîn gewant! Gottfried Tristan 711; desgl. Konrad v. Megenberg 413; jâ zimet es uns beidenzwâre lâʒen baʒ zwiu sold ich den êren,der mir ist gehaʒ. Nibel. 1720, 1; desgl. 1776, 2; ebenso schon genesis 7, 2 Diemer; desgl. Iwein 6979; Gudrun 344, 1; Ottokar 9065; gesta Romaorum 150 Keller u. a. (s. Schmeller 22, 1122, 3); Alsfelder passionsspiel 5255; 2644 (aber 7837 gezemet). 1@b@bβ) fügungen mit persönlichem subject 1@b@b@11)) sind ganz vereinzelt auf die 1. oder 2. person bezogen. 1@b@b@1@aa)) die bedeutung übereinstimmen, angemessen sein ist dabei gewahrt: wir sullent die busze an uns nemen, daʒ wir gote deste bas gezemen aldort in sines vaters rich. lied der geiszler bei Closener s. dtsch städtechron. 8, 105 (vgl. dazu: ich zême wol der krône Albrecht v. Halberstadt 14, 28; nu zaemet ir waerlîche ze frouwen wol dem rîche Erec 3767). 1@b@b@1@bb)) die gleiche bedeutung wird ins active gewendet in: du hast eine katzen, die du uf dinen schoʒ nimst dicke und dabi du gezimst daʒ du sie heldest an die brust. me liebe und me gelust vurwar entpfestu dar an, danne dort der riche man entpfa von alleme gute. pass. 204, 98 Köpke; vgl. dazu (mit einfachem verb in der 3. person): de en temede des nicht to donde u. a. Schiller-Lübben 4, 526b; daʒ sie sich unwirdig zamen u. a. Schmeller 22, 1123. 1@b@b@22)) in der 3. person, mit der bedeutung von angemessen sein, wird das präfigierte verbum 1@b@b@2@aa)) viel auf die frau bezogen 1@b@b@2@a@aα)) so formelhaft auf die frau, die zum ehebündnisz geeignet erscheint; vgl. dazu schon: unde dia brût anderes ne gezemen Cillenio ... sî ne werde mit tes hertuomis râte undôdig ketân (deo non convenire posse Notker Mart. Capella s. Hattemer 3, 293; dô dûhte sie alle recht, swar sô wâr ein gût knecht, deme die rîche wêrin undertân unde sô manic wol geboren man, daʒ er ein wîp nême, dê ime zû vrouwen gezême. könig Rother 28 (v. Bahder); desgl. (gezaeme) Münchener Oswald 182; (gezam) Nibel. 1845, 2; (tuot gezemen) Friedrich v. Schwaben 4600; (sol ... mir wol gez.) pass. 327, 98 Köpke; ein wîp, diu wol gezaeme an sînen lîp. genes. 43, 3; nû hâte er dô ze wîbe ein wîp diu sînem lîbe gezam und ouch der krône. gute Gerh. 115; ähnlich Jansen Enikel 26948. 28865; des einen tohter er nam ze so hôher krôn diu niht gezam. Ottokar 89060; si gezimet dir wol über dîniu rîche. Münchener Oswalt 234. 1@b@b@2@a@bβ)) andere beziehungen auf die frau sind selten. wolt unser heilaere eine gimahel ze einer muoter nemen, diu im doch wol mOechte gizemen. anegenge 31, 22 Hahn; wan si zaem wol an eins engel stat (handschr. gezäme). (Hartmanns) 1. büchl. 1469; nu geruoche mîn, vil reiner tôt. owê wie wol ich arme gezim an dînem arme. Erec 5892. 1@b@b@2@bb)) seltener wird der mann 1@b@b@2@b@aα)) in der beziehung auf den ehebund gestreift: so iwer tohter ist ein schoeniu magt unde ist edel unde rîch: sone bin ich niender dem gelîch daʒ ich ir möhte gezemen. Iwein 6625; dô mîn vrouwe ir man nam, der ir nâch wâne wol gezam 4120; desgl. (er gezaeme wol ir êren) Stricker Daniel 1459 Rosenhagen; (der ir ze man möht gezemen) Jansen Enikel 26692. 1@b@b@2@b@bβ)) auch in anderen beziehungen ist der mann neben der präfigierten form selten als subject beobachtet, während formen ohne präfix hier besonders zahlreich sind, vgl. (der uns ze schirme zeme) Iwein 7860; (zaem ... an siner stat) Erec 10070; (in eime strîte) Parz. 128, 18; (an der wide) 341, 28; (ze klôster) maer vom sperwaere 360; vgl. (im rade nemandt tehmet de gudt vor ehre nehmet) Schiller-Lübben 4, 526b. andererseits vgl.: daʒ der dem himelriche gezimt. klage 288 (cem BCD); ieweder einen gesellen nam, der ûf die reise wol gezam. Parzival 721, 10; nieht er uʒnam wane sin wib lussan. do er das ambahte gewan, do ward er so er gote gezam guot und gnadich. genesis s. fundgr. 2, 55, 37; die selben fürsten dri wern da getzumen wol. Herm. v. Sachsenheim Mörin 169 s. H. Fischer schwäb. wb. 3, 645. 1@b@gγ) auch die fügungen, die von einem unpersönlichen subject ausgehen, lassen überwiegend den begriff der übereinstimmung, des angemessenseins zum ausdruck kommen; der begriff des zufälligen zusammentretens liesze sich vielleicht in einem zusammenhang gewinnen, wie: ir herze daʒ was dar gewant, ir ouge alleʒ dar wac, dâ der harnasch dâ lac; und enweiʒ niht, wie si des gezam, daʒ sî daʒ swert ze handen nam. Gottfried Tristan 10069 Bechstein (vgl. auch: daʒ sî ... zaeme Iwein 3757; zimt Konrad v. Megenberg 460, 32). 1@b@g@11)) nominalformen dringen in die stelle des subjects vor, weniger für concreta oder für ähnlich gefaszte vorstellungen als für abstractaim besondern für verbalhandlungen. hierbei sind infinitive bevorzugt, deren substantivierte formen nicht immer gegen die eigentlichen infinitivfügungen abzugrenzen sind. 1@b@g@1@aa)) für die 3. pers. sing.: 1@b@g@1@a@aα)) ouch gezam vil wol der waete ein gurtel den diu maget truoc. Wigalois 769; desgl. (der wol mohte gezemen) 283; (der speis, die in gezam) Boner edelstein 47, 70; got weiʒ vile wole welch opfer ime gezemen sol. buch Moses s. Diemer 19, 15; (diu helle müeze mir gezemen) Walter 74, 7; (die neuere pfarr ... die im ... vil basz gezam) pfarrer v. Kalenberge 664 Dollmayr. 1@b@g@1@a@bβ)) des wuohs sîn prîslicheʒ wort. dô der keiser wol vernam daʒ im der welde lop gezam, er gedâhte in sînem muote ... gute Gerhard 254; genau so (gezem) Konrad v. Würzburg klage der kunst 25, 7. (gezeme) Rubin s. m. s. 1, 170b; (des râtes, der uns wol gezeme) Konrad v. Würzburg Partonop. 18849; (lât dirʒ diu saelde wol gezemen) Winsbeke 14, 3; (ir vroüde mueʒe in wol gezemen) Rubin ms. 1, 22; (urhap siner wîsen lêre) Partonop. 4271; (rede, di mag dir wol gez.) kl. mhd. erzähl. 69, 24 Rosenhagen; man schuof im alleʒ daʒ gemach, daʒ eime gaste lobesam nâch ungeverte wol gezam. Partonop. 1108. 1@b@g@1@a@gγ)) si sprâchen: 'meister, disiu drô gezaeme wol alten wîben, ir sult si lân belîben. Vorauer novelle 193 s. Schönbach (s. b. Wien 140 no. 4); der minneclîchen meidetriuten wol gezam in muote küener reckenniemen was ir gram. Nibelungen 3, 1 (fehlt in B. C); anders (s. u.) kl. mhd. erzähl. Rosenhagen s. 52; tanzen und aller slahte spil daʒ jungen liuten wol gezam Erec 8063; dagegen vgl.: und bat daʒ si in neme, wand ir wol gezeme bi im ir leben alden. pass. 298, 2 Köpke; daʒ en welde des gezemen wib unde kint mit in nemen. buch der Maccabäer 10141; nû lâ die rede vür, herzeliebiu vrouwe mîn, die dir ze hoeren niht gezemen. Neidhart 58, 79 (Keinz); wilth du daʒ gote und mir din leben gezeme, so mide und laʒ alle di wege und stete, da din reinekeit gemasiget und geunreinet mag werden die heilige regel u. ein vollkommenes leben 3, 11. 1@b@g@1@bb)) für die 3. person pluralis: 1@b@g@1@b@aα)) zwei scharpfiu swert si zugen, diu in wol gezâmen. Ulr. v. Zatzikhoven Lanzelet 2031 Hahn; die cederboumine tafeln ... die gezemen wol an deme huse des almechtigen gotis altdtsch. predigten (14. jahrh.) Leyser s. 117. 1@b@g@1@b@bβ)) der kunic si des selben bat, swie in diu reht gezaemen, daʒ si darüber naemen gewisheit mit hantvesten. Ottokar 2413; wir bittin si zu helfe, daʒ ich euch suoliche wort gesage von dirre heiligen hochzit die ir gezemen und der ir gebeʒʒert werdet altdtsch. predigten 1, 48 Schönbach. 1@b@g@22)) für die unterschiede in der anfügung des vergleichsobjects (dativ oder acc.) hat schon die feststellung, dasz das einfache zemen nur selten mit acc., überwiegend vielmehr mit dativ verbunden wird, auf verschiedenheiten in der auffassung hingewiesen, die nicht blosz mit äuszeren zufälligkeiten zu erklären sind. weiter führt noch die thatsache, dasz sowohl beim persönlichen als bei einem nominalen subject das vergleichsobject auch bei der präfigierten form vorwiegend im dativ angeschlossen ist (vgl. auch J. Grimm gramm. 42, 808). 1@b@g@2@aa)) mehrfach läszt sich der casus nicht sicher feststellen; oder die fügungen lösen sich in den varianten der überlieferung ab. 1@b@g@2@a@aα)) ein solhe bivilde er nam, so eʒ landes herren wol gezam. Hartmann von Aue Gregorius 271; mit alsô reinen sachen, daʒ got von himel wol gezeme. pfaffe Amis 379 Lambel; swen der gute predigere uns seit die rechten mere beide ubel und gut und daʒ so meisterlichen tut daʒ got sin predigen wol gezimt. der hund und der stein s. kl. mhd. erzähl. 65, 23 s. Rosenhagen s. 52; 1@b@g@2@a@bβ)) in (var. im) gezimt der arbeit deste baʒ. Iwein 3079; des moht in wol gezemen. Ottokar 13938 (var. im); daʒ in den selben zwein tagen in solch helfe kaeme, der si (var. deʒ in 4) wol gezaeme. 6463; desgl. 2509; 52423; swenn einen kristen gezimt (eim G.) ze minnen ihtesiht vür got, waʒ ist daʒ wan sîn apgot? 1315; desgl. 107. 1@b@g@2@bb)) verbindung mit accusativ der person und ergänzungsbestimmungen für die sache oder das abstractum, mit denen sie in übereinstimmung gesetzt wird. 1@b@g@2@b@aα)) wo diese bestimmungen im nominalen genetiv angeschlossen sind, wird ganz vereinzelt und spät auf ein persönliches object bezug genommen: war umbe tuot unser herre daʒ, daʒ er die frummen gar hin nimet, und in der bösen niht gezimet. Ulrich Tristan 3594 s. Schmeller 22, 1122. unter den unpersönlichen sind selten concreta: den der stanch in chumet,neheines maʒʒes in gezimet: er ist der wunne so satdaʒ er eʒʒen ne mach. genes. s. fundgr. 2, 16, 25; vgl.(gezaeme) auch genes. u. exodus Diemer 24, 5; als er dô ein ros genam des in aller beste gezam. Erec 3580; anders 1414 (s. u.). dagegen überwiegen verbalsubstantiva und substantivierte infinitive: urloup er zer meide nam, die grôʒes jâmers wol gezam. Parzival 562, 16; (der vreude ... gezam) Iwein 64 (s. var. sp. 7073); (der arbeit vgl. hier oben) 3079; (des spils gezimt) Tristan 17834 (v. d. Hagen); (der rede gezam) genes. u. exodus 103, 14; daʒ in der werlde sô gezimt daʒ er si vür den himel nimt und vür got der in beschuof. Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2362. auffällig ist diese fügung, wenn das subject dieses verbalsubstantivs eine andere als die im acc. gekennzeichnete person ist (vgl. auch heil. regel 3, 11 oben sp. 7071): swen ir kumbers nu gezem, der tuot eʒ âne mînen rât, sît siʒ ungedienet hât. Parzival 710, 16; vgl. (wil got meins leben gezemen) Hätzlerin 2, 60, 166. zu den substantivierten infinitiven vgl.: ein teil was eʒ ir leide,weinens si gezam. Nibel. 1101, 2; desgl. (si gezaeme weinens) 1182, 4; (weinens si gezam) 1637, 2; (den turnierens wol gezam) Erec 2411; (ruowens in gezaeme) Parz. 583, 2. 1@b@g@2@b@bβ)) beliebt sind pronominalformen im genetiv, die bald vorhergehendes zusammenfassen, bald auf nachfolgendes hinweisen: daʒ mir so scîere chom des dich gezam. genes. s. fundgr. 38, 28; vgl. (lâts iuch gezemn) Parz. 136, 16; vgl.(s. u.) Ottokar 16748; 45941; der vant dâ swes in gezam. Erec 8716; daʒ si nâch ir selber kür ze lêre dar ûʒ naeme, swes sô sî gezaeme. Gottfried Tristan 7976; desgl. (gezam) 3145; swen des zuo hôrenne wil gezemen, der mach eʒ wol al hie vernemen. H. v. Krolewiz vater unser 2971 Lisch; vgl. (wil iuch sîn gezemen ze hôren) Ottokar 19979; si des gezam, den selben Riuʒen nam. Ottokar 2489; und bittent dOert die herren gar ... das si sich des lassent gezemen das si min gerihte wellint nemen. Rudolf v. Ems Willehalm 1563, genau so 2405. hier weicht der genetiv mehr und mehr dem nominativ: daʒ in durch got des (var. das) gezaeme daʒ er in sînen scherm naeme daʒ goteshûs. Ottokar 5787; desgl. 16748; vgl. auch zu Iwein 64 (vroüde ... die in gezam var.); vgl.: ist daʒ mînen sun daʒ zimt. Ottokar 90065; du solt ouch wissen was dich gezeme swaʒ schaden in dienem dienste neme, daʒ du den wider rihtest snel. könig Tirol s. ms. 2, 249b. 1@b@g@2@b@gγ)) infinitive oder substantivsätze ohne pronominale vertretung neben dem verbum: des wart im dô gnâde gesaget und gezam sî deste mêre ze sprechen sîn êre. Erec 2711; desgl. (ze rîtenne) 1414; mich sal durch in wol gezemen sterben, wand er vor mich starb. pass. 36, 74 Köpke; sold in wol gezemen sin furderunge nemen. Ottokar 31780 ähnl. 98067; 1@b@g@2@b@dδ)) unter den obigen fügungen sind mehrfach schon die reflexiven wendungen hervorgetreten, die mit dem hilfsverbum lassen verbunden bei Wolfram ansetzen, reicher sich aber erst im übergang zur neuhochdeutschen zeit entwickeln und die im zwangslosen gebrauch noch bis heute geführt werden: nu êret an mir ritters prîs ... ir sult ê mîn gerihte nemn. durch elliu wîp lâts iuch gezemn. Wolfram Parz. 136, 16; desgl. 170, 15; 174, 6; (lâʒen sich) 143, 28; desgl. (wolt ir iuch lân gezemen ... nemen) Ottokar 10412; 42399; (daʒ der sich des lieʒ gezemen) 3127; desgl. 4702; 24520; 31271; (daʒ si sich lieʒen gezemen ... nemen) 48237; 45239; 53281; 56098; 67769; 81111; die wîle ir lebende muget sîn. sô lât iu niemer des gezemen, daʒ ir iu den lîp lâʒet nemen âne aller slahte nôt. Stricker Daniel 4691 Rosenhagen. 1@b@g@2@cc)) für die fügungen mit persönlichem dativ 1@b@g@2@c@aα)) sind nominale vergleichsbestimmungen schon oben in der stelle des subjects gekennzeichnet. im genetiv (vgl. auch gramm. 42, 273) ist nur vereinzelt und spät eine substantivbestimmung angegliedert: groʒer vorhte ime gezam. buch d. Macc. 4991. wo die vergleichsbestimmung von einem satz umschlossen ist, zeigt der regierende satz mit vorliebe die eben besprochenen fügungen mit acc., während die fügungen mit dem dativ hier selten beobachtet sind: der christen was und dem eʒ gezam, daʒ er eine messe vernam. Wigalois 10890; dem volke uʒ der stat gezam daʒ sie im quamen enkegen. Ottokar 5572; (vgl.: dat eren radheren themede gold to dreghende Lüb. chron. 1, 438 s. Schiller-Lübben 4, 526b). weiʒ got sô muoʒ gezemen dem bâbst und sînem vater, daʒ si dester drâter mîniu kint und mich gestillen. Ottokar 4870. gefangen solt du mich nemen. das mag der magt wol gezemen: ich gib ir wider als ir landt und setz darumbe pfanndt nach irem willen und muot. Friedr. v. Schwaben 2230 Jellinek; desgl. 3130; der selbe trôst ist mir ze mîner nôt gegeben sol das der lieben wol gezemen, sô wundert mich. Ulrich v. Singenberg 18, 12 Bartsch. 1@b@g@2@c@bβ)) ungewöhnlich beliebt dagegen und formelhaft verwendet ist das verbum im eingeschobenen nebensatze: möcht ich erwerbenmit froïden ir hulde künd ich die gesuochenals es ir gezaeme. Heinrich v. Veldeke s. ms. frühl. 63, 12; desgl. (gezeme) altdtsch. predigten 54 u. a.; Jansen Enikel 12137; man zôch in mit dem flîʒe,als im daʒ wol gezam von sîn selbes muote,waʒ tugent er an sich nam. Nibel. 24, 1; desgl. Wigalois 1032; 2165; 6399; Trierer Sylvester 274; Ottokar 91142; Jansen Enikel 4676 (und 16 mal); desgl. G. Hagen reimchr. 473; Joh. Rothe passion 1283; (alse it wol getam eime keisere) Sächs. weltchron. 187 Wieland; (vgl.: also et one wole tam s. Schiller-Lübben 4, 526b). (so hieʒ er wirken) ein grap. vil michil golt er dar gap, (daʒ da lege der) here so iʒ eineme kuninge wol gezeme. Maccabäer 88 s. dtsch. ged. 12. jahrh. Kraus s. 28; vgl. oben zu Gregor 271. vgl. auch das vorherrschen von vergleichssätzen in neueren buchungen s. u. gegenüber dieser formelhaften entwicklung des vergleichssatzes treten andere nebensatzformen ganz zurück: stênt ûf. sam mir got, ir tuot anders denne iu wol gezeme oder ich an iu für fuoge neme. gute Gerhard 2122; und kunde wol an sich genemen swaʒ einem herren sol gezemen lobes unde wirdikeit. Konr v. Würzburg Partonop. 282. (waʒ im ze redene gezam) Stricker pfaffe Amis 794; Dietleib thet das im wol gezam er warff den harnisch hin zu thal das es laut im kercker erhal. Laurin 2128 Schade; desgl. Sigenot 52. 1@b@g@2@dd)) wie in die stelle des subjects (s. o.) nomina vordringen, so schieben sich nunmehr auch in die stelle des persönlichen dativs concreta, noch häufiger abstracta ein. auch hier ist der vergleichssatz formelhaft bevorzugt: 1@b@g@2@d@aα)) als er die harphen dô genam, sînen handen sî vil wol gezam. Gottfr. Tristan 3546; (als eʒ ir ougen wol gezam) Erec 8212. 1@b@g@2@d@bβ)) got, scephe mînem munde ein turlîn, thaʒ ih hiute sô gerethe, alsô iʒ thîneme namen gezeme. Rolandslied 972 Bartsch; desgl. (als och der ... miltikeit gottes ... wol gezam) leben der schwestern zu Tösz 116 Vetter; (als es deme gotz geiste gezimmet) Tauler predigten 307; (als es ir eren wol gezam) Wigalois 5205; (dem zeichen gezam) Reinmar v. Hagenau ms. 2, 72a; (der hochzit) gute Gerhard 6399; (mîner froiden) Rubin s. ms. 1, 169a; daʒ mînen êrn mug gezemen) Jansen Enikel 20522. 1@b@g@33)) ganz selten nur bleibt in der mittelhochdeutschen zeit die person oder sache, mit der eine übereinstimmung gesucht wird, unangedeutet: daʒ hofgesinde, alsô eʒ pflac vertreip vil schône den tac mit manigem daʒ wol gezam. Tristan als mönch 587; zwen man harte grîse vor dem paradise gecleidet als iʒ gezam. Hesler evangel. Nicodemi 3585; ich wunsche daʒ des gezeme, min bluot niht enzelen queme zu irme blute gegoʒʒen, dan daʒ eʒ queme geschoʒʒen zumale mit einander dar. buch der Maccabäer 11795; dem marschalck wird dhein pferd, denn nüt wol gezeme dasz der bischoff ze fuss dannen gan solt bischofs und dienstmannenrecht v. Basel (13. jahrh.) s. 25; 'mich dunckt aber gezAemen, der dînen solt du mer niemen'. Friedrich v. Schwaben 7009; vgl. auch evangel. Nicodemi 2703 (gezemen, zemen). 1@cc) in der neuhochdeutschen zeit schränkt sich der gebrauch des verbums unverkennbar gegenüber dem mittelhochdeutschen ein, wobei sich das verhältnisz der formen mit und ohne präfix sehr zu gunsten der letzteren verschiebt. außerdem kommen neue concurrenzformen auf wie es gehört sich, schickt sich, und den alten, auf den reim gestützten, formeln wird der nährboden entzogen. persönliche fügungen sterben aus, und in der stelle des unpersönlichen subjects gewinnt das neutrale pronomen vor den substantiven durchaus die oberhand. auch der accusativ der person wird ganz durch den dativ oder durch präpositionalverbindungen zurückgedrängt. andererseits schreitet der reflexivgebrauch vor, und an der allgemeinen einbusze nehmen die einzelnen verbalformen nicht gleichen antheil. am meisten schrumpft der gebrauch des präteritums im indicativ und im conjunctiv ein, während das particip in der neuen schwachen form (geziemt) begünstigt wird, sowohl in der umschreibung von zeitformen als in attributiven verbindungen. das präsens andererseits wird sowohl im indicativ wie im conjunctiv bevorzugt und gewinnt in der participialform geziemend sogar formelhafte verbreitung. auch der infinitiv dehnt sein ohnehin schon breites gebiet noch weiter aus in der verbindung mit allerlei hilfsverben, unter denen nur die reflexive mit lassen zurücktritt. dies eben gekennzeichnete verhältnisz der einzelnen verbalformen steht im zusammenhang mit dem übergang von der starken flexion zur schwachen (es geziemte, es hat geziemt gegen gezam und hat gezomen). der conjunctiv des präsens grenzt sich nunmehr sicherer gegen den des präteritums ab (es gezieme gegen geziemte an stelle des früheren gezeme [gezaeme]. freilich sind manche vortheile dieser neuerung wieder durch den systemzwang, die durchführung des für den sing. im präs. geltenden vocals durch alle formen des präsens (sie geziemen im ind. und conj.), wettgemacht, wie auch die neue gleichförmigkeit des ind. und conj. im präteritum (geziemte) nicht ohne einflusz auf das zurücktreten dieser formen bleibt. 1@c@aα) in der bibelübersetzung ist der höhepunkt des gebrauches im cod. Teplensis und in den gedruckten bibeln bis zu der von Koberger gegeben, mit der letzteren stirbt er jählings ab. vor allem zeigt sich bei Luther eine völlige abneigung. nur gelegentlich führt er noch das verbum, aber ohne präfix ein. 1@c@a@11)) ohne abweichungen gilt dies für die wiedergabe des lat. oportet und oportebat, für die der cod. Tepl. durchweg gezimet, gezam, gezaeme (im Tatian [s. o.] formen von gelimpfen) gebrauchtebenso wie die ältesten gedruckten bibeln, während von Koberger ab (das gleiche schon bei Beheim) hilfsverben wie müssen, sollen (vgl. dazu sculan bei Ulfilas s. o.) dafür platz greifen, die auch Luther verwendet: 1@c@a@1@aa)) ich hab andere schaff, di da nit sint von disem schafhaus, und dise gezimt mir herzufuren cod. Tepl. Joh. 10, 16 (oportet me adducere, thiu gilimphent mir zi halonne Tatian 133, 13; jah þo skal briggan Ulfilas; die selben mus ich her fren Luther); es gezimt zu allen zeiten ze beten cod. Tepl. Lucas 18, 1; (oportet semper orare, gilimphit zi betonne Tatian 122, 1; skulun bidjan Ulfilas; man musz Augsb. 1487; das man alle zeit beten und nicht lasz werden solt Luther); wan es gezimt ze werden getan dise dink cod. Tepl. Marc. 13, 7 (oportet, gezimpt Eggesteyn; es mus also werden Koberger; iʒ muʒ geschên schon bei Beheim; musz Luther); desgl. Matth. 16, 21; 24, 6; 26, 54; Lucas 13, 33; 24, 7; Joh. 3, 14. 30; 9, 4; 12, 34 u. a. 1@c@a@1@bb)) im gezam zegen durch Samariam cod. Tepl. Joh. 4, 4 (oportebat ... eum transire; gilamf in an Tatian; er must geen Augsb. bibel v. 1487; muste Luther); desgl. Lucas 24, 26; 24, 46; Joh. 20, 10; daʒ im gezam ze ersten von den toten cod. Tepl. Joh. 20, 97 (oportebat; im gezam Eggesteyn u. a.; er muszte wider ersteen Augsb. von 1487; he muoste von dem tôde ûf irstên schon Beheim; das er ... müste Luther); gezam si zenbinden cod. Tepl. Lucas 13, 16 (non oportuit, ni gilamf Tatian 103, 5; müszt nit auffgelöset werden Augsb. 1487; solt aber nit gelöset werden Luther); desgl. Lucas 15, 32; darum gezame dir den nit auch ze derbarmbde cod. Tepl. Matth. 18, 33 (non ergo oportuit, ni gilamf thir Tatian 99, 5; möchtest du auch nit dich erbarmen Augsb. 1487; soltestu Luther). 1@c@a@22)) umstrittener ist schon die wiedergabe des lat. licet. 1@c@a@2@aa)) di fursten der pfaffen namen di silbrin, si sprachen: si geziment nit zu legen zu dem schacz cod. Tepl. Matth. 27, 6 (non licet eos mittere, gezement Mentel u. a.; es geziemt nit noch die 9. bibel s. Danner oberdtsch. bibelglossen 16. jahrh. 166; es taug nicht das wir sie in gottes kasten legen Luther); dazu vgl. (s. o.) Matth. 12, 12 (gezimt cod. Tepl. und spätere über die Augsburger bibel hinaus; mag man thun Luther); gezimpt den zins ze geben dem kaiser, oder nit cod. Tepl. Matth. 22, 17 (gezimpt Mentel u. a. licet censum dare; ists recht das man dem keiser zinse gebe Luther). 1@c@a@2@bb)) einmal nur ist auch für Luther hier das verbum beobachtet, aber ohne präfix: sich dein iungern tund, daʒ in nit gezimt zu tun den samcztagʒ cod. Tepl. 12, 2 (gezymt Mentel u. a. quod non licet eis facere, deine jünger thun das sich nicht zimpt am sabbath zuthun Luther). 1@c@a@33)) auch sonst weicht Luther aus: es gezimt dir, daʒ verderb eines deiner gelider, den daʒ aller dein leib ge in di angest cod. Tepl. Matth. 5, 29 (expedit enim tibi ut pereat, es geziemt dir Mentel; es ist dir besser, das eins deiner gelied verderbe Luther); vgl. auch domum tuam decet sanctitudo ... dînero ecclesiae gezimet hêiligheît in êwighêite, in andirro werlte skînet iro heîligheît, dar zîmet sî iro Notker psalm 95, 2 s. Hattemer 2, 337a; (daʒ huʒ din geczemit heilikeit Trebnitzer psalmen; heiligkeit ist die zierde deines hauses Luther; var.: die heiligkeit ziert [schmückt] dein haus); das gleiche (s. o.) psalm 32, 6. 1@c@bβ) in den wörterbüchern wird das verbum viel gebucht, zumeist in der form mit präfix. dem vorwiegen des präsens im neueren gebrauch entspricht es, dasz neben dem infinitiv, an dem die begriffsbestimmung durchgeführt wird, zumeist wendungen in der 3. person des präs. ind. angemerkt sind, seltener participialformen des präs. 1@c@b@11)) zum verhältnisz der formen mit und ohne präfix vgl. decet, es zimpt Cholinus-Frisius (1546) 244b; (dagegen gezimpt Calepinus [1588]) 374a; das gleiche für indecet 450a; dedecet 393a; condecet 192b; dazu vgl. ziem, ziemen, geziemet; frequentius, geziemen, geziemet Stieler 2646; ziemen, geziemen (mit belegen nur für das letztere) Frisch 2, 476b; geziemen ... das ohne noth verlängerte zeitwort ziemen, welches durch geziemen in der anständigen sprechart beinahe völlig verdrängt worden, und wird am häufigsten als ein unpersönliches zeitwort, wenigstens nie anders als in der dritten person gebraucht Adelung 2, 674; vgl. auch geziemen, eine blosse verlängerung von ziemen Rumpf der preusz. kanzleisecretär (1814) s. 174. 1@c@b@22)) zur begriffsbestimmung vgl.: 1@c@b@2@aa)) ἐξεῖνα, ὑπάρχειν, gezimmen, gebüren Meder 259; decet, convenit, honestum, aptum est ... es gezimpt sich, es geburt sich, ez steht wol Calepinus (1590) 388b; indedecet ... es gezimpt oder gebürt sich nicht 742a; dedecet ... es gezimpt sich nicht, es steht übel 393a; geziemen, gebüren, zustehen, wol anstehen, decere congruere, convenire Henisch 1612; condecet, sich geziemen König gazoph. 245; decet, sich geziemen oder gebühren 308; einem nicht geziemen, alienum esse ab aliquo Reyher g 4a; geziemen ... decere, consonum, consentaneum, par, decorum, dignum esse, convenire congruere Stieler 2646. 1@c@b@2@bb)) geziemen, gebühren, appartenir, estre de debuoir de quelqu'un, ou bien séant Hulsius (1614) 165b. ganz ähnlich (... seoir, estre bienséant ... convenir ...) Duez (1664) B b 4b; Wiederhold (1669) 145b; Rädlein 385b (nicht geziemen, non convenir); (... etre honnête, juste, légitime ...) nouveau dict. allemand. franz. (Strasbourg 1762) 1, 341; Frisch nouveau dict. 2, 281 (wie Hulsius); geziemen, convenir, être convenable, ... séant, décent, juste Schwan 1 (1783), 751b; geziemen, convenir, être convenable P. Blaschke wb. des ges. verkehrswesens 1, 102; geziemen, to become, behove, be decent, meet Arnold (1790) 427b. 1@c@b@2@cc)) geziemen, schicken oder gebüren teutsch.-engl. lex. (1716) 777; das gleiche Kramer 2, 97c (1719). 1@c@b@33)) zur buchung einzelner verbindungen ist auf das vordringen reflexiver fügungen zu achten. 1@c@b@3@aa)) für die an sich schon zurücktretende buchung des verbums in hauptsätzen ist bemerkenswerth, dasz positive wendungen seltener angemerkt sind als negative. 1@c@b@3@a@aα)) es geziemet einem ehrlichen unterthan, boni civis est, bonum civem decet Henisch 1612; es geziehmet, addecet Reyher q 4a; es geziemt dir, tuum est munus, Stieler 2646; es geziemt uns vorsichtig zu sein, it behoves us to look before we leap teutsch-engl. lex. 778; es geziemet sich, decet, oportet Henisch; par fuerit, es wird sich gezimmen, dasz du ... liebest Dasypodius lat. deutsch E b 5b; addecet, es geziemt sich König 26; es geziemt sich, decet, addecet, oportet Stieler 2646; ja, so geziemt sich's, ay, so is it seemely, so it behooves teutsch-engl. lex. 1@c@b@3@a@bβ)) der haupttheil fällt auf negierte wendungen: solches geziemet dir gar nicht, es ist nicht recht, minime honestum est, haud aequum, non decenter, fas non est Henisch; desgl. (cela ne vous loist, ou ne vous est seant, Hulsius; (cela ne vous convient pas) Duez; ähnlich Rädlein 386; Schwan; (dieses geziemt mir nicht) Aler 1, 944b; (es geziemt ihnen nicht, it does not beseem, become or behove) teutsch-engl. wb.; indecet, es geziemt sich nicht König 571; desgl. Reyher g 4; (nefas, flagitium, turpe, non aequum est) Stieler 2646; vgl. auch Steinbach 2, 1092; Kramer 2, 97c; (wird sich nicht geziemen ... hat sich nicht geziemet) teutsch.-engl. lex.; es geziemt sich nicht für einen ehrlichen mann, il n'est pas d'un honnête homme (einem ehrlichen manne geziemt es nicht Schwan) nouveau dict. (Straszb. 1762) 1, 341. dazu vgl. die vereinzelte buchung des praefixes in der mundartlichen wendung mit persönlichem subject (s. sp. 7069 unten): e' geziemt sech net sât z'iessen, er gönnt sich das essen nicht Gangler lex. der luxemburger umgangspr. 180. 1@c@b@3@bb)) in nebensätzen, wo schon das mittelhochdeutsche (vgl. sp. 7074) das verbum bevorzugt, wird es noch immer mit vorliebe gebucht, zumeist im vergleichssatze und in positiver fassung: condecenter, wie es sich gezimpt und wol stet Calepinus 309a; er lebt nicht, wie es ihm geziemet, he does net live like himself. teutsch.-engl. lex.; wie sichs geziemet, ut par est Steinbach 2, 1090; Frisch 2, 476b; thut so wie es einem redlichen mann geziemet, do what becomes a man of honour teutsch.-engl. lex.; wie es sich geziemt, comme il faut Schwan, desgl. P. Blaschke wb. d. ges. verkehrswesens 1, 102. fügungen im relativsatz sind selten; diesbezügliche fremdsprachliche wendungen werden gern abgeändert, wie (s. o.) im teutsch.-engl. lex.; vgl. dazu: er tuht, was ihm geziemet, fungitur officio suo Stieler 2646 (wie es ehrlichen leuten ziemet ebenda; das dir wol zimpt ... wie es zimpt Cholinus-Frisius 192b; dazu vgl. mit negativer fassung: thun, was sich nicht geziemt, facere id quod non decet Steinbach 2, 1092; vgl. Frisch 2, 476b. 1@c@b@3@cc)) der infinitiv, die in den wörterbüchern für das stichwort beliebte verbalform, wird hier in den älterenlateinisch-deutschenbuchungen schon durch das lateinische vorbild zurückgehalten, vgl. oben die belege für decet, dedecet u. a.; vgl. aber die parallele decet, sich geziemen s. o. andere lateinische parallelen begünstigen die infinitivform vgl. (s. o.) Meder 259; vgl. attinere, pertinere, decere, convenire ... gehören, antreffen, gezimmen, zustehen Calepinus (1590) 144b (vgl. attinere, antreffen, angehen Cholinus - Frisius 104b); vom 17. jahrh. ab überwiegt aber allenthalben die infinitivform, vgl. gezimmen vide gebüren Sattler teutsche orthographei und phras. (1610) 214; gebüren, gezimmen, zustehen, eignen s. 200. auch in den beispielen dringt hier der infinitiv vor, entsprechend dem thatsächlichen gebrauch: disz will sich gantz nicht gezimmen. steht jhme nit zu, gezimbt jhme auch nit s. ebenda u. a. selten wird daneben vergessen, das part. praesentis anzumerken, vgl. unter geziemend. dagegen gehen die wörterbücher über die schwierigkeiten, die das part. praet. darbietet, gern hinweg; nur im Straszburger dict. (1762) findet sich: part. geziemet 1, 341. 1@c@gγ) innerhalb des formensystems sind die bemerkenswerthesten erscheinungen am lautkörper bei diesem verbum abhängig von besonderen voraussetzungen, die für die einzelnen flexionsformen verschiedenartig eintreten. da nun auch der syntactische gebrauch gerade dieses verbums in bezug auf person, numerus, tempus und modus stark gebunden ist und da diese gebundenheit wieder formelle wirkungen ausübt, so musz hier von der einzelnen flexionsform ausgegangen werden. die erste und zweite person scheidet dabei ganz aus, weil der neuere sprachgebrauch das verbum nur noch in der dritten person verwendet. auch der plural kommt kaum in betracht. er ist nur in einem theil der selteneren wendungen belegt, die statt des unpersönlichen subjectpronomens ein abstractes substantiv zeigen: zwei entgegengesetzte denkweisen, wie sie harnisch und topa geziemen, sehen wir in vielen individuen ... gegenübergestellt Göthe I, 41, 1, 200 Weimar; desgl. Weise erznarren 174; Lessing 23, 232; L. S. Sturm anweisungen zu der civilbaukunst 48. 111 u. a.; Kant verm. schr. 28, 360; 401; Uz 241; Rückert 2, 132; (geziehmen) Lokman fabeln 34. im praesens theilt der plural, der den unterschied zwischen ind. und conj. nicht erkennen läszt, die lautlichen bedingungen des conj. praes. und des infinitivs (s. u.). im praeteritum ist der plural ganz selten und fast nur in der form des conjunctivs belegt, wo er keine besonderheiten gegen den singular aufzuweisen hat (s. u.). 1@c@g@11)) die dritte person sing. des praes. ind. ist beim neueren gebrauch im gegensatz zum älteren die bevorzugte flexionsform, wie schon ein vergleich der in den neueren wörterbüchern angemerkten verbindungen mit dem stand in der älteren bibelübersetzung (s. o.) bestätigt. das gleiche läszt sich noch deutlicher in den unten folgenden belegstellen beobachten, die, wenn sie auch nur einen ausschnitt aus dem gesammtgebrauch darstellen, in ihren verhältniszziffern aber doch kennzeichnend sind. über 100 mal ist hier das praes. ind. der dritten sing. vertreten, bemerkenswerth ist dabei die vertheilung der hauptsatz- und nebensatzfügungen auf negierte und positive wendungen. negiert ist das verbum im hauptsatze, positiv gefaszt fast nur im nebensatz zu beobachten, vorzugsweise in vergleichssätzen, die in mittelhochd. zeit das praet. bevorzugt hatten, vgl. sp. 7074. lautlich ist bei dieser flexionsform auszer dem stammvocal der schlieszende labial in seiner stellung zum flexivischen dental zu beachten. 1@c@g@1@aa)) die erhöhung des e im stammvocal zu i ist im allgemeinen durchgeführt. einzelne mitteldeutsche belege halten am e auch in dieser flexionsform fest: gezemit Alsfelder pass. 7837; gezempt Valentin Voigt Esther 600; zum niederdeutschen vgl. darmme getêmet dy gewaldt unde eer jüngere glosse z. Reinke de vosz 62, 41 Brandes. soweit die quantität aus der schreibung zu erschlieszen ist, wahrt der i-vocal seine kürze ziemlich lange gegen die vordringende länge. 1@c@g@1@a@aα)) gezimet, gezimt in der genesis, bei Ottokar, Ulrich v. Türheim, Lamprecht v. Regensburg u. a. bis ans ende des 17. jahrh. (s. u.); dazu vgl. die formen gezimbt, gezimpt (s. u.); vgl. gezimmet Tauler 24, 307; Braunschweig chirurgie (1498) 22a; S. Franck Germ. chron. 26; Fischart ehez. 53; Gargantua 225; Mathesius Sarepta 49b; hochzeitspred. 110 Loesche; leichenreden 89; Ph. Heilbronner v. d. Augsb. confession (1598) 141; Wormser druck des Tristan; gezimmt ebenda; desgl. Fischart bienenkorb. 1@c@g@1@a@bβ)) geziemet schausp. engl. comöd. 301, 5; Gueinz erinn. 10; (Cöthen und Leipzig) übers. d. Terenz: Praetorius abdanckungen (1662) 368; Chr. Weise politische näscher (1678) 142; Harsdoerffer s. ertzschrein 355; Menantes 3; vgl. auch Stosch; zum vereinzelten späteren gebrauch bei Göthe und Herder s. u.— geziehmet Olearius pers. baumgarten (1696) 21b; Lokman fabeln 35; vgl. auch oben; geziemt Dürer nachl. 300; M. Moller kirchenl. (1584); Cöthener übers. des Terenz (1620) 66; Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 366b; L. S. Sturm 119; Denis, Bürger, Wieland, Göthe (neben anderen formen); Rumpf 138; J. C. Fulda, Klinger, Körner, Grillparzer, Hebbel, Geibel, Fontane. 1@c@g@1@bb)) zwischen labial und dental. 1@c@g@1@b@aα)) ist der flexionsvocal gewahrt: gezimet genesis s. fundgruben 2, 16, 25; 1, 24, 6; Ulrich Tristan 3594; Münchner Oswald 234; Lamprecht tochter Syon 221; Rothe Elisabeth (42) 2099 Mencken; Warbeck Magelone 39a; Bamberger halsgerichtsordnung art. 111; Schaidenreisser Odyssee 85a; Spreng Ilias 6b (s. auch bei gezimbt); Candorius (1666) 200; Butschky sinnenreiche reden (1666) s. 235; Pathmos (1677) 579; dazu vgl. gezimmet (s. o.); geziemet (s. o.); vgl. auch: da hoff' ich, ihr werdet, lieber neffe, mir helfen, so wie es verwandten geziemet. Göthe (Reineke Fuchs) 40, 121 desgl. 313; desgl. Herder (in prosa) 23, 352; 24, 264. 314. 1@c@g@1@b@bβ)) die synkopierung ist bei Ottokar mehrfach beobachtet: gezimt 2, 509. 922. 52423; desgl. Lamprecht tochter Syon 229. 237. 1315. 107. 2362; kl. mhd. erz. 52 Rosenhagen; cod. Tepl. Joh. 18, 14 u. v.; Fischart (mehrfach); Schwarzenberg teutsch Cicero 152a. (var. gezimpt). aus späterer zeit vgl.: jedoch geziemt es dir, an solchem fest dich würdig zu benehmen, achtsam, ernst. Uhland Ernst von Schwaben 1, 1; gegen: nicht ziemet mir, erlauchtester gemahl, dies urtheil über deinen herrschergang. ebenda. der übergangslaut von der labialen liquida zum dentalen verschluszlaut wird im 16. jahrh. gern gekennzeichnet: gezimbt Carolina 94. 31; Rotenburger bauernkrieg 225; Waldis, päpst. reich C 3b; Schaidenreisser Odyssee 3b; Spreng Ilias 7a; 9b; Sattler orthogr. 200; gezimpt Bambergensis art. 38; Schwartzenberg teutsch Cicero 152a; hertzog Aymont (1535) z 4; Melanchthon sendbrief 1; Boltz Terenz (1539) 70a; 76b; 81b; 83b; 114b; desgl. Joh. Episcopius 84; reformation guter pollizei (Mainz 1548) 13a; Hug (1548) a 6b; J. Wetzel reise 118; Ambach vom zusauffen D 4a; Bebel facetien (1558) G 5a; Hans Sachs fab. u. schw. 2, 89; Scheidt Grobianus 1241; 2461; Valten Voigt Esther 992 vgl. auch 600. neben gelängtem vocal vgl. geziembt Frankf. druck d. reform. guter pollizey (1587) s. 12b; Spreng Ilias 89a gegen geziemt (s. o.). 1@c@g@22)) in der pluralform des praes. ind., wie in den conjunctivformen des praesens und im infinitiv tritt ein und dieselbe wandlung ein: die ursprüngliche qualität des stammvocals (e) wird durch systemzwang an die eben besprochene verbalform angeglichen: gezemen (anderes ne gezemen Cillenio, convenire non posse Notker Hattemer 3, 293b) gezeme, gezemen werden zu geziemen, gezieme, geziemen. zum plural ind. vgl. geziemen, geziehmen sp. 7078. gegenüber den conjunctivformen mit e, soweit sie in der älteren sprache für das praesens gegen das praeteritum sicher zu stellen sind (wilth du daʒ gote ... din leben gezeme heil. regel 3, 11; desgl. Rolandslied 972; Maccab. 88 Kraus; buch d. Macc. 11795; gezemen altdtsch. predigten 1, 48) vgl. nun: gezime Luther ob man f. d. sterben fliehen mag A 2a; gezimme Alpinus deutsch 11b; tragödia Joh. (1549) B 1b; das mir gezimme Boltz Terenz 42a; gezieme Prätorius blocksberg 446; Grimmelshausen Simpl. 192; Klinger 4, 86; H. Steffens 3, 183; Gottfr. Keller 6, 229. um so reichlicher ist der inf. vertreten, von dessen belegen mehr als die hälfte auf die alte form gezemen fällt, was für die beliebtheit entsprechender fügungen schon in der mittelhochd. zeit spricht. denn schon im übergang zur neuhochdeutschen zeit dringt der i-vocal vor. in der Zimmerschen chronik werden zweimal sprüche angeführt (12, 601 und 602), die unser verbum im inf. mit der form nemen reimen lassen, aber nur einmal trägt die schreibung dem rechnung, im andern fall folgt sie dem neuen zug: wellt euch das gezemmen, das ir die wellt vernemen. gegen: und schreien auch zum richter, die gesetz weren zu schwer; davor sollt im gezimmen und das recht abnemen. auszerdem vgl.: es wird sich wol gezemen B. Waldis Esopus 4, 94; dagegen vgl. gezimen Petrarcas trostbücher 30b; Veit Warbek Magelone 38b; Hans v. d. Planitz (1523) berichte 395; Zesen Rosamund 189; gezimmen Wyle 21; Murner Luthersche narr 3384; Eberlin 3, 114; Boltz Terenz (1539) 63a; Dasypodius; Matthesius Sarepta 27a; hochzeitpred. 24; Hug; Sattler; Wickram; Fischart bienenkorb (1586) 23a; Calepinus (1590) 144b; geziehmen Angelus Silesius seelenlust 67; geziemen buch der liebe 32, 1; Engerd (1589); Simon Dach 728 Oesterl.; Ludwig v. Anhalt s. ertzschrein 342; Zesen gekr. maj. 181; Joh. Job kirchenlied; Neukirchs samml. 6, 320; für die beliebtheit solcher verbindungen mit dem inf. zeugen später noch Lessing 43, 95; dict. (Straszburg 1762) 1, 341; Arnold (1790) 427b; Herder 22, 246; Göthe br. 36, 12; W. v. Humboldt Pindar 38; Varnhagen an Humboldt 10; Rückert 1, 68; Hebbel br. 1, 395; Ranke 142, 64; Bismarcks reden 3, 53 u. a. 1@c@g@33)) das praeteritum istvon den participialformen abgesehenim neueren gebrauch ungewöhnlich zurückgegangen, wie sich schon aus den belegen schlieszen läszt, die uns zugänglich sind. 101 mal ist hier das praet. aus der älteren sprache beigebracht (71 gezam, 30 gezaeme) gegen 30 beispiele der neuhochdeutschen zeit (13 gezam, 7 gezaeme, 11 geziemte), die ihrerseits überwiegend der älteren schicht angehören. 1@c@g@3@aa)) im ind. und conj. tritt auch hier der plural fast ganz zurück: gezâmen Lanzelet 2031; gezemen (gezaemen) Neidhart 58, 79; altdtsch. predigten 1, 48 Schönbach; Ottokar 2413; die ihm vielleicht zu schaden kemen zu gottseligkeit nicht gezemen. Hans Sachs (Johannes 1, 5) 15, 430; desgl. (gezimmeten) Fischart Gargantua 246; (geziemten) Erasmus lustgarten. der übergang von der starken zur schwachen flexion setzt hier viel später als beim particip ein (s. u.). 1@c@g@3@a@aα)) gezam, gezaeme, die formen, die in der mittelhochdeutschen zeit bis ins frühneuhochdeutsche herrschen (gezam Zimmersche chron. 2, 10. 12; dtsch. städtechron. 8, 41. 47; gezeme 8, 475; gezaeme nachvolgung Cristi [Augsb. 1486] 170a), reichen noch weit ins 16. jahrh.: getzam Geiler schiff der penitenz 98b u. a.; gezam puch der heil. Brigitta (Nürnberg 1502) 1; Wickram (Ovid) 7, 20 Bolte u. a.; vgl. auch gezamb Schmeller 2e, 1122; Wilw. v. Schaumburg 18; gezaeme (gezem) Joh. v. Schwartzenberg trostspruch 910 Scheel; Mich. Herr Seneca (Straszb. 1536); Hans Sachs fab. u. schwänke 1, 18; K. Scheidt Grobianus 3527; gezähm Fizion chron. v. Reutlingen. 1@c@g@3@a@bβ)) dagegen vgl. das im gezimpte Boltz Terenz 37a; vgl. gezimmeten Fischart Gargantua 246 neudr., geziemte (geziemten) mit verwischung des unterschieds von ind. u. conj. Zesen gekrönte majest. (1661) 34; desgl. Erasm. Francisci (s. o.); dazu später bei Bürger 1, 187; Herder 13, 405; 23, 184; Göthe (Reineke Fuchs 5, 239) 50, 70 und br. 20, 250; Uhland Fortunat; G. Freytag 4, 52; 8, 372. 1@c@g@3@bb)) viel früher setzt die schwache flexion beim part. des praet. ein, und von hier scheint sie auch ausgegangen zu sein, da die starke form hier nur lückenhaft belegt ist und lautlich sehr verschieden erscheint, also keinen sicheren halt bot. 1@c@g@3@b@aα)) eʒ waere in ê gezemen baʒ (von schulden wil ich sprechen daʒ) dô er hete noch daʒ leben. klage 970; dazu vgl. getzumen Heinrich v. Sachsenheim; gezomen Ulrich Willehalm 188a, 191a u. a.: Stricker Daniel 5551; meister Altswert (der spiegel) 169 Holland u. Keller; des keinem gezomen noch gepürt Heilbronner urk. v. 1525 s. H. Fischer 3, 645; meint Jeckle Rohrbach man hab ihm gefehlt, und hab die gült manch jahr genommen, er meint, es hab sich nicht gezommen. Heilbronner gedicht zum bauernkrieg (1525) s. Senckenberg select. jur. 4, 685. 1@c@g@3@b@bβ)) hat sich wole gezimt das ... Reuchlin vorr. zu Demosthenes 3; mirs billich getzimet hat Luther 6, 203; was auch undter des bapst regiment gezimpt hat Eberlin v. Günzburg 3, 31; so ein artzt ... sich ungegrundter, unzulassiger arzney, die jme nit gezimpt hatt understunden Carolina (134) s. 70 Kohler-Scheel; desgl. Hans Sachs fab. u. schw. 3, 275; gezimpt hat Boltz (1539) 63a; 63b; 84b; geziemet hette Cöthener Terenz v. 1620. auch attributive verbindungen sind mehrfach beobachtet: dieses ehfest feiren wir, bräutigam und braut, mit geziemter lust und zier, die hie wird geschaut. S. Dach (brauttanz) 489 Österley; ... wo wir nicht so ein ganzes vertrauen zu euch geschöpft, dasz ihr es nicht misbrauchen, sondern auf solche weise, und mit solcher geziemten bescheidenheit gegen uns ... handeln würdet, dasz ... Zesen gekrönte majestät (1661) 337; ihre geziemte freiheit und ehre zu bewahren 112; alle herren ... ritten ... mit entblöszten heupten und bloszen degen ... in geziemter ordnung vor dem könige her 391; nun ging man in geziemter ordnung nach Florenburg, allwo die braut mit ihrem gefolge schon angekommen war J. H. Jung Heinrich Stillings jugend (Kürschner 137) s. 14. 22) die neueren verbindungen des verbums in der dritten person sind ganz auf den unpersönlichen gebrauch beschränkt. als vereinzelten nachzügler älterer persönlicher fügung (zu mundartlichen resten s. oben sp. 1077) vgl.: gab seinem son eines frommes weib die da wol gezam reinem leib lebt in aller zucht und ehr. Val. Schumann nachtbüchlein (2, 15) no. 37 Bolte. 2@aa) die beiden bedeutungsrichtungen, die aus dem grundbegriff der übereinstimmung im älteren gebrauch des verbums abzweigten und die sich mit den gleichungen licet und decet im wesentlichen kennzeichnen lieszen, setzen sich im neueren gebrauch nicht in gleicher weise fort. die auf den begriff des pflichtmäszigen zielende objective richtung der übereinstimmung wird mehr und mehr zum hauptträger des gebrauches, während die subjective richtung, die in dem gefühlsantheil der handelnden person, in ihren neigungen und rechten wurzelt, mehr und mehr ausstirbt. 2@a@aα) so ist die gruppe der um die gleichung mit licet sich sammelnden wendungen ganz im rückgang. 2@a@a@11)) dies gilt vor allem für die verbindungen mit lassen, ob sie nun reflexiv sind oder nicht. zum letzteren vgl. nütz grössers beger ich, last mir gezimmen warlich, daʒ ich Lucrecie diner sig Niclas von Wyle translationen 21 Keller; dazu vgl. die verbindungen von gezemmen, gezimmen mit wollen und sollen in der Zimmerschen chron. 12, 601. 602 s. o. 2@a@a@22)) gute anhaltspunkte giebt hier die deutsche Terenzübersetzung, deren lat. original besonders häufig die verbindungen mit licet bald im zusammenhange mit solchen von decet, bald ohne diese bietet. die älteste gedruckte deutsche übersetzung (Straszburg 1490) wendet für licet wie für decet das einfache zimet und seine formen an, Val. Boltz (Tübingen 1539) setzt meist die form mit praefix (doch vgl.: die weil sichs zimbt [Heaut. 2, 3] 49a; geneuss es weil du magst Cöthen 1620 u. a.; kannst Donner fruere dum licet); die spätern aber weichen in der wiedergabe von licet durchweg aus, während sie für decet an unserer sippe meist festhalten. zu fas est, aequum est s. bei geziemlich. 2@a@a@2@aa)) und fieng ich ... an ... ze handlen, nit als sichs dem blöden gemüt des jünglings gezimpt hat: sonder mit gewalt ... schalt ich in teglich ... (sprach ich) hoffstu dan es werd sich dir gezimmen dise ding lenger zuo thuon Boltz (Heaut. 1, 1) 63a (decuit ... licere: nit als zimpt ... hoffest du ... zetuon zimmen Straszburg 1490 s. 71; wie sich ... geziemet hette ... meinst du dasz dir dieses lenger soll gestattet sein Cöthen 1620; ähnlich Leipzig 1632 u. a.: nicht wie das liebeskranke herz bedurfte ... hoffst du das ... so fortzusetzen Donner); 'ich sihe das mir nit gezimpt fürzefaren als ichs het angefangen' 'du thuost als dir gezimpt' Boltz (Heaut. 5, 5) 83b (video non licere ... facis ut de decet; zimmen Straszburg 1490 s. 94b; das ich ... nicht darff zu werck richten ... ihr thut, wie euch geziemet Cöthen 1620; wie dir gebühret Leipzig 1632; ich kann es nicht durchführen ... thust du deiner würdig Donner). 2@a@a@2@bb)) ob es gleich andern gezimpt, so gezimpt es doch dir nit Boltz (Heaut. 4, 5) 81b (aliis si licet, tibi non licet; das es zimpt den andern, dir solt es nit wol anston Straszburg 1490 s. 87b; wenns gleich andern vergunt ist, so ists euch nicht vergunt Cöthen 1620 u. a.; dürfens andre gleich, du darfst es nicht Donner); desgl. 76b (es leidet sich nicht Cöthen 1620; kan und darff ... nit sein Leipzig 1632); bit ich daʒ mir gezimme Boltz (eunuch 3, 2) 42a (ut liceat; lasz das beschehen Straszburg 1499; wollet uns doch vergönnen Cöthen 1620 u. a.); desgl. (eunuch 2, 2) 37a. 2@a@a@2@cc)) in den gleichen zusammenhang weist: denn es gezimpt euch das jr erber seien Boltz (Heaut. 2, 4) 70a (vobis expedit; es zimpt üch gut ze sin Straszburg s. 87b; euch ists zutreglich, das jhr from seid Cöthen u. a.; es frommt euch gut zu sein Donner). 2@a@a@33)) in älteren denkmälern kommt diese bedeutung gelegentlich auch durch angeschlossene synonyma stärker zum ausdruck: wann jm das gezAem und ungemerckt und on ergernusz das getuon dörft nachvolgung Christi (Augsb. 1486) 170a; auch nit errahten, auff welche weisz sie (diese gaben) dem legaten a latere vom ziegeltach, wol anstünden und gezimmeten (var. gezimmen) Fischart Gargantua 246 neudr.; wirdestu, sovil sich leiden und dir geziemen wil, wol dorzu reden wissen Hans v. d. Planitz berichte (1523) 395; gegen: wil ich heut abermals ... euch meinen dienst leisten ... so vil ... sich in der kirchen leiden und gezimmen wil Joh. Mathesius Sarepta (1571) 27a. nicht ganz hiezu stimmt die verbindung mit angenehm sein im folgenden: ein blatz, der inen angnäm und zu eim gotteshaus sich gezähm. Fizion chronik 128 s. H. Fischer 3, 645. 2@a@a@44)) von den beiden letzten zeugnissen abgesehen, ist hier die im dativ gekennzeichnete person überall mit wünschen oder bitten betheiligt, die verbalhandlung wird als erlaubnisz oder gunstbezeugung erhofft; in dieser bedeutung ist geziemt auch von Göthe in Reineke Fuchs wieder aufgefrischt: Reineke sprach: wie schätzt' ich mich glücklich, geziemt' es mir heute mit dem könig zu gehn und ihm nach Flandern zu folgen; aber es müszt' euch zur sünde gereichen 5, 259 s. werke 50, 70 (wan mine sake stunde also, dat ik mit deme konninge mochte wanderen Reinke de vos 2526 Lübben). anders im folgenden, wo es sich um eine pflichtleistung handelt, aber um eine solche, die die betheiligte person nicht zu erfüllen sondern zu fordern hat: ime wurden auch aus andern landen vill fürsten ... kinder zu knaben geschickt, die hielt er kostlich, liesz die herlich, als in gezamb, mit guden und samatten claidungen ziern Wilw. v. Schaumburg 18 Keller; vgl.: wann uns nun ausz angeborner keis. miltigkeit gezimbt. und dasz jhme solcher mutwill keinswegs gebürt Sattler teutsche orthograph. (1610) 200. ergiebiger für diese bedeutungsrichtung von geziemt ist dessen verbindung mit bestimmten substantivischen subjecten statt des unpersönlichen pronomens s. u. 2@a@bβ) die auf der objectiven übereinstimmung beruhende gruppe, in der das pflichtmäszige an der verbalhandlung vorherrscht, steht mit verwendungen des lat. decet in einer gleichung. hier kommt auch der wettbewerb und die zusammenstellung mit bedeutungsverwandten wie gebührt sich, schickt sich u. a. zur geltung. 2@a@b@11)) zu geziemen und gebühren vgl. 2@a@b@1@aa)) aus der Terenzübersetzung: als sich dann gezimpt ze sein eim freien ehrlichen gemüt Boltz (Hecyra 1, 2) 114b (ut decet; zimt Straszburg; gebühret in späteren übersetzungen); ich hab von hinnen getriben meinen ... sun ... dan es gezimpt hat gleich zu brauchen dise ding (Heaut. 1, 1) 63b (quem pariter ... decuit; dem des gleichen ... gebürt hat Straszburg 71b; ebenso Donner; der dieses alles mit geniessen solte Cöthen u. a.); dazu vgl. (gebürt hat ... gezimpt hette, licuit ... decuit, zam ... zam Straszb.; können ... gebühren bei späteren) Boltz (Heaut. 5, 2) 84b; andererseits vgl. zu geziemen ein beispiel aus jüngerer übersetzung: welch betragen, Clitipho? geziemt sich das? Donner (Heautont. 3, 3) 263 (ita ne fieri oportet; muosz es denn also zuogon Straszburg; desgl. Boltz u. a.). 2@a@b@1@bb)) aus anderen denkmälern (s. auch oben sp. 7067) vgl.: ich thu alzeit nach ewrem wort, wie mirs gezimpt und stets geborht. Valentin Voigt Esther 992 Holstein; verheische euch trewlich, wie eines konige tohter gezimet und geburet, keinen andern zuo nemen dan euch V. Warbeck Magelone 39a; ich will ... mit bescheidenheit und gelimpff, als einem vernünfftigen mann gezimmen und gebuoren wil, mit ihr umbgehen Mathesius hochzeitpredigt 24 Loesche; vgl.: das stehet am besten, welches sich am meisten gezimet; nicht was am meisten üblich ist; sondern was sich gebühret Sam. Butschky sinnenreiche reden (1666) s. 235. 2@a@b@22)) andere bedeutungsverwandte. 2@a@b@2@aa)) eine reihe von verben und verbalverbindungen läszt Hans Sachs gelegentlich im dienste unseres begriffes zusammentreten: erstlich, wer ubel zeucht sein kinder, lest sie aufwachsen ... bös und mutwillig, der säsz im narrenbad gar billich ... den solt man im narrenbad reyben ... dem wer das narrenbad gar nütz ... dem gezem das narrenbad gar wol ... der gehört auch inn die narren lachen u. a. fabeln und schwänke 1, 18 Götze. 2@a@b@2@bb)) sich schicken und passen treten mit geziemen in der Terenzübersetzung schon zusammen: es schickt sich nit einem gewaltigen hauptman, auff der gassen zuo gehen mit einem bäszlen Boltz (eunuch 3, 2) 62b (haud convenit; disz gar sich nicht gezimpt noch gbrt Joh. Episcopius 84; geziemt sich nicht Cöthen 66 und Leipzig 166 u. a.); wie paszt sich's auch feldherr und liebste arm in arm am hellen tag. Donner s. 148. 2@a@b@33)) diese bedeutungsverwandten sucht die synonymik gegen einander abzugrenzen: Stosch trennt zwischen geziemen und gebühren vgl. versuch in richtiger bestimmung ... 3 (1773) 193f. das letztere bringt er mit gehören zusammen und will bei gebühren 'schuldigkeit oder verdienst', bei gehören das 'was sich zu einer sache schicket oder derselben gemäsz ist' betonen. diesem neutralen begriff des 'füglichen', der tauglichkeit zu einer sache stellt er bei sich geziemen die 'anständigkeit', das dem 'wohlstand gemässe' gegenüber, und aus diesem gegensatz rechtfertigen sich auch die wortverbindungen, die Stosch für sich geziemen ablehnt, für sich schicken zuläszt: dieses heft schicket sich zu der klinge nicht aber geziemet sich zu der klinge. unserem sprachgefühl entspricht weder das eine noch das andere, für uns hat sich auch der gebrauch von sich schicken, schicklich auf den begriff des wohlanständigen verengt. andererseits wird sich im nachfolgenden zeigen, dasz in der älteren schicht neuhochd. zeugnisse auch geziemen noch freier und beweglicher ist, ebenso wie gebühren, das sich durchaus nicht in den schranken hält, die ihm bei Stosch und später bei Rumpf gezogen sind: schicken passt sowohl auf dinge als auf personen und ihre freie handlungen. geziemen wird bloss von diesen letzteren gebraucht ... sind es freie handlungen, die mit den umständen oder der person zusammen sein können oder müssen, weil ... ein vernünftiger grund vorhanden ist ... so geziemt sich das, was sich schickt. was sich geziemt, hat seinen grund in der natur des handelnden, was sich gebührt, hat seinen grund in dem verdienste oder unverdienste desjenigen, auf den sich die handlung bezieht oder dem das gebührende zukommt Rumpf gemeinnütziges wörterbuch (1811) s. 138. 2@a@gγ) auffallend innerhalb der verbindungen des verbums ist die sprödigkeit gegen partikeln. mit ausnahme der vielverwendeten verneinungsformen (s. u.) kommt nur das adverbiale wohl in betracht, das aber bald zurücktritt und neuerdings mehr modaler bedeutung ausdruck giebt: vgl. noch: do er den künig von Behem sach dot ligen uf dem velde, do sprach er ... 'dem künige von Behem gezeme wol ein ander bette' Königshofen s. dtsch. städtechron. 8, 475; (dem gezem ... gar wol) Hans Sachs narrenbad; darumb sich wol getzam, das si von Christo ausz der gefencknusz der vorhelle gelassen sind worden Geiler schiff der penitenz 98b; es getzam sich wol 96; (wird sich wol gezemen) B. Waldis Es. 4, 94; mit groszen eren als es wol gezam Closener s. dtsch. städtechron. 8, 41; desgl. 47; so ... hat sich wole gezimt, das ich unter den crischischen handeln ein solchen mir auserwelt, der den dingen gemes were Reuchlin erste olynthische rede 3; vgl. nunmehr: zum werke, das wir ernst bereiten, geziemt sich wohl ein ernstes wort. Schiller (lied v. d. glocke) 11, 305; vgl. dagegen am besten sich geziemt Herder 13, 405 s. u. 2@bb) substantiva im subject der verbalform: 2@b@aα) am ungezwungensten stimmen zu der hauptbedeutung des verbums verbalsubstantiva, 2@b@a@11)) die eine thätigkeit oder regung an der zum vergleich herangezogenen person zum ausdruck bringen. sie unterscheiden sich nicht wesentlich von der bei geziemt beliebten infinitivverbindung und treten in der neuern sprache auf. neben: anders schreiben und anders reden, geziemet der deutschen aufrichtigkeit schwehrlich Gueintz erinnerungen ... die dtsch. sprache betreffend 10 s. ertzschrein s. 369; wer wagte hier zu beschreiben, wem geziemt es die seligkeit zweier liebenden auszusprechen Göthe (W. Meisters lehrjahre 1, 1) 18, 6 (vgl. H. Maync einleit. z. urmeister s. 33); vgl. nun: die höfligkeit ohn arg gezimet dapfren sinnen dem deutschen franzosenhahn s. Candorius (Conr. v. Hövelin) deutsche Zimberswan 1666 s. 200. nie darf der träge Phax sich einer seele rühmen, der ohne neigungen, die einem geist geziemen, ganz körper, itzt berauscht, am vollen tisch verweilt. Uz (kunst stets fröhlich zu sein 2. br.) 241; nur einem geist in Miltons hölle können gefühle des erhabenen dabei geziemen Herder (Kalligone 3) 22, 246; frage nicht nach mir und was ich im herzen verehre, ewige stille geziemt ohne gelübde dem mann. Göthe 4, 120 Weim. ausg. (a. d. nachlasz der frau v. Stein); oder, als wenn der apostel gelogen hätte, indem er von schertz und narrentheidung gesagt, die den christen nicht geziemen Weise die drei ärgsten erznarren neudr. s. 174; auch fühl' ich, dass die frage sich nicht geziemt F. M. Klinger neues theater 1, 46; (schritte) Varnhagen briefwechsel 10 (s. u.); (solch handwerck) Rückert 1, 68; denn dem könige schien ein persönlicher eid nicht zu geziemen L. v. Ranke 142, 64. dazu vgl. (mit ellipse des pers. dativs) Schiller 11, 305. 2@b@a@22)) anders die substantivsubjecte, mittelst derer an die betreffende person eine thätigkeit anderer herantritt; sie wurzeln noch in dem bedeutungskreise von geziemt, der für die im dativ angeschlossene person nicht nur eine pflicht sondern einen anspruch, ein recht geltend macht. hier greifen die belege auch weiter zurück: und versorgten ihn mit ansehnlichen aufsehern, und dienern, ein auge auf ihn zu haben, und seinen verstand, durch solche unterweisungen, als einem fürsten so hoher gebuhrt, und hofnung geziemen mochten, auszuwürken Zesen gekrönte majestät (1661) 181; ein frauenzimmer, an welchem die annehmlichkeiten, die ihrem geschlechte geziemen, vornehmlich den moralischen ausdruck des erhabenen hervorstechen lassen Kant (beobachtungen über das gefühl des schönen und erhabenen 3) vermischte schr. 28, 401; den frauen geziemt der friede. Th. Körner 2, 58; grosze seele Aeschylus, des helden in eben diesem kriege; sie schuf Athen durch diese darstellung ein triumphsfest, das dem krieger geziemet Herder (Adrastea 4) 23, 352; dazu vgl. (mit abstractem statt persönlichem dativ: in staatsabhandlungen schrieb er mit einer würde, die dem inhalt geziemte (1, 2) 184. 2@b@bβ) der letzten gruppe stehen die beziehungen auf concreta näher: mir zimbt (gezimmt Wormser druck) eur kron nit ... si zimbte (gezimmet Wormser druck) euch bas prosaroman v. Tristan 173 Pfaff; der münich pald abschnite den kopf, legt in dem herren fuer, darnach den kragen er der edlen frawen gab. ... die fraw nach euch ist ueber aus das nechst, die nach euch alle wird und er einimbt, dar umb ir auch gar unpewegt der kragen hat gezimbt. Hans Sachs (der münich mit dem kapaun) fab. u. schw. 3, 275. vgl.(s. o.) dtsch. städtechron. 8, 475 (bette); Hans Sachs 1, 18 (bad); dergleich waldmenlin und gezwergen, so wonen thun inn welden, bergen ... ir tummer muot in solchs benam, das in der himmel nit gezam; darumb wir in die erd hand geben. Wickram (Ovid metamorph. 1, cap. 9 v. 372) 7, 20 Bolte; vom leib dj seel unsichtlich fleugt. verlorens flaisch der nichts benimpt, ain wenig stat jr dort gezimpt. Schwartzenberg teutsch. Cicero (d. kummer trost) 152 a (1535); dein ernst zeigt mir den platz, der mir geziemt. hier werf' ich mich vor dir und fass' dein knie. Grillparzer (Medea 1) 5, 141; mit diesem entwurf wurden wir lieblinge der natur, die sie ... auf der stelle hervorbrachte, die sich am besten für diese zarten spröszlinge geziemte Herder (ideen zur philosophie d. gesch. 10, 2) 13, 405 (zur präpositionalverbindung an stelle des pers. dativs s. u.); in anderer richtung weist der gebrauch des wortes in älterer bausprache, wo er durchweg forderungen der kunst zum ausdruck bringt, also objectiven normen dient: aber das grillwerk geziemet sich weder in den gemächern, noch in den gewölben L. S. Sturm Nic. Goldmanns vollst. anweisung zu der civil - baukunst (1699) 119; hernach geziemen sich die winter-zimmer in die unterste reihe und die sommerzimmer in die höhe, da die luft freier durchstreichen mag ebenda; an den schulgebäuen geziemen sich scharffsinnig erfundene auszierungen 48 u. a. vgl. auch geziemenheit (s. u.). unserem sprachgefühl würde hier passen oder auch sich schicken (s. sp. 7083) zusagen; vgl. auch zur rechten des eingangs schickten sich die männliche zimmer 111; vgl. andererseits geziemen (s. u.) Kant verm. schr. 28, 360. 2@cc) das vergleichsobject, die person oder sache, mit der eine übereinstimmung gesucht wird, 2@c@aα) ist neben dem verbum besonders gekennzeichnet. 2@c@a@11)) den oben (sp. 7070) für das mittelhochdeutsche belegten ausnahmen sind später nur wenige zur seite zu stellen: wart die brutlouft begangen zuo Basel mit groʒen eren als es wol gezam s. dtsch. städtechron. 8, 47; desgl. 41; bekanntlich waren die Griechen auf die beschaffenheit sowohl als den inhalt der musik, womit das volk ... gebildet ward, aufmerksam, so geziemets. Herder (Adrastea 5, 2) 24, 264; geziemt' es, höll und himmel zu vergleichen, so spräch ich .., Uhland (Fortunat u. söhne) 1, 360 E. Schmidt; leb wohl! wir scheiden sonder wort noch thränen; nach solcher kunde glücke geziemt ein überweltlich heitres sehnen. K. Immermann Merlin, der gral (werke 15, s. 84). fraglich ist bei ortsbestimmungen, wie weit sie zu geziemt, wie weit sie zu dem verbum gehören, dem geziemt übergeordnet ist: Jerusalem di stat, do eʒ gezimt anzepetten cod. Tepl. Joh. 4, 21; das ort dahin zu lauffen gezimmet (ziel beim wettlauf) Fischart ehzucht 53. dazu vgl. Eberlin 3, 31 (s. o.); vgl.: das wir etwen machen haften, die man nennet die güldin ... und das gezimmet in den steten, sunderlich in dem angesicht, do wir wöllent, das die mal oder narben nit erscheinent Braunschweig chirurg. (1498) 22a. mehr und mehr drängt sichnamentlich neben sächlichem oder abstractem vergleichsobjectdie präposition als kräftigeres anknüpfungsmittel vor, beeinfluszt wohl auch von fügungen der synonyma: dasz sie (die geistlichen) sich mit iren kleidungen, inn kirchen und auff gassen, als irem standt nach wol gezimpt, wie dann ... die erbarkeit das erfordert, erbarlich, züchtiglich und geistlich tragen reformation guter pollizei (Mayntz 1548) 13a; damit du ... thust, was in diesem fall geziemet schausp. engl. comöd. 301, 5 Creizenach; handeln jr gerechte sach rechtlich, und wie sichs zum rechten, und gOettlichen rechten gezimmet und gebret Mathesius hochzeitspredigten 110 Loesche; (zu gottseligkeit) Hans Sachs 15, 430; (zum werke) Schiller lied von der glocke. noch deutlicher: forderte gebieterisch einen platz, wie er sich für ihn und seinen rang gezieme H. Steffens was ich erlebte 8, 183; das gleiche schon Herder 13, 495 (s. o. vgl. sich schicken für einen). 2@c@a@22)) die ungewöhnliche verbreitung der fügungen mit dem reflexivpronomen (s. u.), das an sich ein vergleichsobject vertritt, hilft mit der verblassung dieser function auch die bedürftigkeit des verbums in dieser richtung verschleiern. wie weit die verblassung geht, zeigt das reflexivpronomen neben einem persönlichen dativ in einzelnen fällen: es was dieser fürst ein sehr weiser mann ... hoch erfahren, wie sich denn solchen personen gezimpt J. Wetzel reise der söhne Giaffers 118; nur das, was dir zu wissen sich geziemt, soll weder gott noch sterblicher zuvor, denn du, erfahren. Bürger Ilias 1. rhaps. 771; dazu vgl. (mit präpositionalverbindung): wann mit rossen und mit wagen die schwere war wirdh hin und her getragen, alsdann sich wil der notturft nach geziemen. Engerd übers. v. Querpaf oden Anacreons (1584) ztsch. dtsch. phil. 34, 379; vgl. auch: wie es sich in einem predigerhause geziemt Fontane vor dem sturm (1, 14)15 s. 114. 2@c@bβ) für die unmittelbare anfügung des vergleichsobjects fordert der neuere gebrauch den dativ, der accusativ (s. o.) ist in die mundarten zurückgetreten: was das verbum anlanget, pflegen die herren Nieder-Sachsen zum öffteren zu sagen ... es geziemet mich vor 'es geziemet mir' Menantes neue briefe und allerhand ... obligationes (1723) 3. 2@c@b@11)) abstracte substantiva werden unserem verbum als vergleichsobject in gewissen typen angegliedert wie alter, stand, anlagen: als gezam meiner kindheit (sicut congruebat infantie mee) offenb. der heil. wittiben Brigitte (Nürnberg 1502) 1; fieng er (der knabe) an mit züchtiger geberdung, wie seinem alter gezimmet Fischart Gargantua (18. cap.) 225 neudr.; die hütte ward erbaut, und, mit verlauf der zeit, zur nothdurft erst versehn, dann zur gemächlichkeit, wie sie dem alter eines weisen geziemt, der minder stets begehret als bedarf. Wieland (Oberon 8, 24) 23, 85; dem alter geziemen dunklere farben und einförmigkeit im anzuge, die jugend schimmert durch hellere lebhaft abstechende kleidungsstücke Kant (gefühl d. schönen und erhabenen) verm. schr. 28, 360; endlich trat mein freund mit der mutter herein ... ihre gestalt war lang und hager, doch nicht mehr als solchen jahren geziemt Göthe (dicht. u. wahrh. 10) 25, 342; wir haben mit geschickter hand die hochzeitsringe dir gewunden, wie sie geziemen eurem stand. Fr. Rückert 2, 132; es geziemt ihrem charakter, ihre überzeugung nicht zu verbergen Göthe br. 20, 159; vgl. auch (warer tugent) Joh. v. Schwarzenberg trostspruch v. 910; (den sinnen) Candorius (s. o.); dazu vgl. oben sp. 7074. 2@c@b@22)) auch das persönliche vergleichsobject ist gern in substantivform gefaszt, namentlich sind es appellativa, die auf die bedeutung des verbums belebend und differenzierend einwirken: 2@c@b@2@aa)) wann niemandt gezimpt, wider einen gemeinen nuz den ubelthettern ire bossheit decken zu helffen Carolina (art. 31) Kohler-Scheel s. 24; desgl. Bambergensis art. 38; die niederträchtigkeit will helden nicht geziemen Neukirchs samml. deutscher gedichte 6, 320; wie es dem manne geziemt, in kräftiger lebensmitte zuweilen an den tod zu gedenken, so mag er auch in beschaulicher stunde das sichere ende seines vaterlandes ins auge fassen Gottfried Keller (landvogt v. Greifensee) 6, 277; desgl. (dem mann) Göthe 4, 120 Weimar; (den frauen) Th. Körner 2, 58 (s. o.); frawen gezimpt allein etlichen jrer fründen und verwandten, jr dienst für ein gruosz zuschreiben Hug rhetorica a 6a; keine bittere glossen, misz! sie geziemen einem frauenzimmer, von einer sonst so sanften denkungsart, nicht Lessing (misz Sarah Sampson) 23, 332; die alte redete, wie es einer person geziemt, die eine stecknadel aufhebt, und jene wie ... könig reiche verschenkt Göthe urmeister 92 Maync. wenn ich den blauen umschlag dann erblickte; neugierig schnell, wie es geziemt dem weibe, riss' ich ihn auf, dasz nichts verborgen bleibe. Göthe (sonette 10) 2, 12; vgl. auch (s. u.) Kant verm. schr. 28, 401; so ehret jr ewere mutter recht, wie frommen kindern gezimmet, unnd gott wirdt mit euch sein Mathesius leichenreden 89 Loesche; der hausfrauen hab ich das eingeweide zugeeignet ..., den töchtern die flügel dargeboten ... den söhnen geziemten die füsze Erasmus Francisci indisch-chines. lustgarten 1, 232; morgen geh' ich nach hofe mit euch; da hoff ich, ihr werdet, lieber neffe, mir helfen, so wie es verwandten geziemet. Göthe (Reineke Fuchs 7) 40, 121. 2@c@b@2@bb)) da es nun einem stande nicht gezimmet Joh. Matthesius Sarepta (1571) 49b; doch als das einem knecht gezimpt, der kost und lohn von herren nimpt. K. Scheidt übers. v. Dedekinds Grobianus 2461; sie sträubte sich anfangs, wie es einer magd geziemt und wie sich uns're mütter sträuben mochten. Hebbel (Siegfrieds tod 2, 6) 5, 56; gejäg ... solle dem adel ein übung sein, wann sie vor geschäfft verdrossen sein, geringen leuten wil es nit gezimen Petrarcas trostbücher 30b; der richter mag donnerworte gegen den schuldigen führen, dem beklagten, schuldig oder schuldlos, geziemt zu schweigen Grillparzer br. 1, 15 Glossy; er scheint ein verständiger jüngling, und so werden die eltern es sein, wie reichen geziemet. Göthe (Hermann u. Dorothea 7) 40, 313; (den vorgesetzten) Göthe br. 36, 12; hierauf folgen einige honnetetäten für des autors persönlichkeit, wie es einem so gewandten welt- und hofmanne geziemt 21, 439; und zog dazu kain händschuh an wie sonst gezimt aim schreiber dan der zart händ hat, auf das er nicht besudelt sein schön narrengsicht. Fischart notwendiger kehrab 110 neudr. s. 41; und bitte e. e. meine geringe gab, dises affiarii genädiglich, und als eim solchen bischoff gezimt, zu willen anzunemen widmung des bienenkorb (1586) 7a; aller gelehrter und unsrer sprache liebhaber bedenken hierüber einzuholen und die vorfallende zweifel auf zu heben, geziemet niemand, als dem ... stifter der fruchtbringenden gesellschaft Harsdoerffer s. ertzschrein s. 355; viel zu wissen geziemt und viel zu lernen dem dichter. Geibel 1, 110. 2@c@b@2@cc)) ob eim christen menschen gezime zufliehen inn sterbens leufften Luther ob man für dem sterben fliehen müge (1527) A 2a; doch wir wollen und müssen uns hier, wie christen geziemet, verhalten Prätorius hundert auserlesene abdanckungen (1663) 368; christen will es nicht geziemen, dasz sie sich des eitlen rühmen. Joh. Job 'prange, welt mit deinem wissen'; hieraus musz man es sich erklären, wenn er öfter auf das lob des reichthums in seinen gedichten zurückkommt, und wenn er die macht der könige höher erhebt, als einem Griechen zu geziemen scheint W. v. Humboldt Pindar s. dtsch. litt. denkm. 58, 38; nicht dem Deutschen geziemt es, die fürchterliche bewegung fortzuleiten, und auch zu wanken hierhin und dorthin. diesz ist unser! so lasst uns sagen und so es behaupten! Göthe (Hermann u. Dorothea 9) 40, 337; eine kindische hochthuerei, die keinem, am wenigsten dem deutschen charakter geziemet Herder (Adrastea 5, 2) 24, 314. 2@c@b@2@dd)) dasselbig zuverkünden frei dem Hectori geziembt hiebei, und auszusprechen offenlich. Spreng Ilias (7) 89a; darnach begab er sich in die abend-länder, da er, auf anordnen des königes, eine solche hofstat, als dem fürsten von Wales geziemete, bei sich führte Zesen gekrönte majestät (1661) 34; auch war er nachlässiger gekleidet, als einem sohn des herrn Ehrenthal geziemte Gustav Freytag (soll und haben 1, 4) 4, 52. 2@c@b@33)) unter den pronominalformen ist bezeichnender weise die der zweiten person nur ganz vereinzelt: ein könig bist gewaltig reich, jedoch es nit gezimet dir, das mägdlein ausz eigner begir Achilli abzusetzen ... Joh. Spreng Ilias (1) 6b; so hör was dir zu thon gezimpt: das steht dir zuo an jeder stat. K. Scheidt verdeutsch. von Dedekinds Grobianus v. 1241 Milchsack. haben andere übles an dir gethan, dir geziemt es gut an ihnen zu handeln G. Freytag (ahnen 1) 8, 377. das verbum wird also nicht mehr oft mit der beziehung auf den angeredeten gebraucht, wohl aber gern mit bezug auf einen dritten. vielfach bezieht es der redende auch auf sich selbst; in diesem falle zumeist in verbindung mit umschreibenden hülfsverben: 2@c@b@3@aa)) von zweien kemrer, mich vernempt, das mir zu schweigen nicht gezempt, vernomen hab ich inn geheim, das sie tragen gantz uberein die hand zu legen an mein hern. Valten Voigt Esther (4, 1) 600 Holstein; wenn mirs wirklich geziemt, erhabner, sie vater zu nennen und nicht fälschlich vielleicht meine mama mich belehrt ... F. C. Fulda trogalien zur verdauung der xenien no. 127 s. litt. denkm. 125; uns geziemt es vorzuschlagen, anzunehmen steht bei euch. Grillparzer (ahnfrau) 4, 60; uns wil nit lenger gezimmen Wickram 1, 18 Bolte; darumb will mir, o liebe tochter, baʒ gezimmen dahaim zuo bleiben und meines haus zu warten (v. guten u. bösen nachbarn cap. 37) 2, 218; mir aber wil von dem zu sagen nicht geziemen, was diese stadt an ihr vorhin schon weisz zu rühmen. Simon Dach 728 Oesterley; es wül mihr nicht gezimen, dasz ich meine gäste wägführen sol Zesen adriatische Rosenmund 189 neudr.; desgl. (s. o.) Varnhagen an Humboldt briefw. 10; es würde uns nicht geziemen, wenn wir dir deine vorsicht übel nehmen wollten. doch würde es sich auch für dich nicht schicken, es uns zu verdenken Lessing (die gefangenen des Plautus 2, 2) 43, 95; vgl. auch Rückert 1, 68; Bismarck reden 4, 432. der kampf musz mir geziemen, den ihr mir bietet an. Uhland (bruchst. a. d. heldenbuch) 1, 382. 2@c@b@3@bb)) das sagt Alexander, er fragte nit darnach, was jhenem gezäm zuo nemmen, sunder was ihm gezäme zuo geben Michael Herr verdeutsch. des Seneca (1536) 8a; desgl. (was im gezam) Zimmersche chron. 2, 12 (s. H. Fischer schwäb. wb. 2, 645); desgl. 2, 10; vorhanden ist die zit und stund, wie gott redt durch Esaias mund ein ieder th was im gezimme ich bin des schrienden gottes stimme. tragoedia Johannis (1549) B 1b; darmit sich, weib und kind ernert und fein gleich mesig darfon zert, und mit gedelt, als im gezimpt, das minder fuer das merer nimbt. Hans Sachs (der ochs m. d. wolf) fab. u. schw. 2, 89; der suon sein erbtheil an sich nam und in ehlichen stodt bald kom, lebt wol darinn wie jm gezam. Wickram pilger z. 4, bl. 91; legt jr ein schönen hechtkopff dar, den liesz sie vor ir ligen do, als ob es ir gezäm also: was ir dann schmackt, nam si darvon. K. Scheidt übers. v. Dedekinds Grobianus 3527; an dem si nimmer sollen ... fragen. dann inen solchs keins wegs gezimbt in allem das der babst fürnimbt. Waldis übers. v. Th. Kirchmair (Naogeorg) regnum papisticum: das päpstisch reich (1555) C 3b; es geziemte denen, die sich mit solchen dingen abgeben, die geschichte solcher erscheinungen zu erforschen Göthe br. 20, 250; so sei sie immerhin seine frau, und es gezieme ihm nicht, sie in solcher art der öffentlichen schande preiszugeben Gottfried Keller (landvogt v. Greifensee) 6, 229. andererseits vgl.: die weib, erweckt mit diesen gferden, würden im erst günstig werden, das im doch nit wol gezimmen, er solt darfür im kloster singen. Murner Luther narr. 3384 Kurz; so hab ich auch vom pfarrer von Leiphaim offt gehört, jm sei ganntz wider, das die von Gintzburg seiner predig nach lauffenndt, doch jm wölle nit gezimmen, das word gotts iemantz zu weren Eberlin von Günzburg (der glockenturm) 3, 114 neudr.; desgl. Kirchhof wendunmut (3, 9) s. 28 Oesterley; westen sie nicht, was ihnen zu thun geziemen wolt, ihrem son sein bitt und beger abzuschlagen oder zuzulassen buch der liebe 32, 1; desgl. Fischart bienenkorb (1586) 23a u. a. 2@dd) unter den reflexiven fügungen 2@d@aα) ist die bei den buchungen oben schon gestreifte abneigung, im positiv gefaszten hauptsatze das verbum zu gebrauchen, besonders auffallend; viel günstiger zeigt sich der hauptsatz für negierte sätze (s. u.). dem steht die formelhafte verwendung des positiv gefaszten verbums im nebensatz, namentlich dem vergleichssatze, gegenüber. 2@d@a@11)) dises gezimbt sich allermassen. Joh. Spreng Ilias (1) 7a; desgl. (s. o.) Geiler schiff der penitenz 98b. Reuchlin 1. olynthische rede 3; also geziemt es sich. Denis lieder Sineds 72. 2@d@a@22)) dann es ein gleiche kunst ist, des grammatici und des oratoris, inn was gestalt es sich zuo reden gezimme Alpinus Polydorus Vergilius deutsch 11a; dan ich bekenn frei, das ich freier geschriben hab, wider die weise des clösterlichen lebens, da sich gezimpt Melanchthon sendtbrieff an ein kartheuser (1524) s. 1; dieweil er von im selbs mehr redt dann sich gezimpt Bebels facetien deutsch G 5a; auch niemants mehr darzu, dann sich gezimpt zu trincken, reitzen, treiben, noch zwingen wölt Ambach vom zusauffen D 4a; die das turnier herrleich ersucht hetten, als sich gezamb. turnierreim in Hunds bayr. stammbuch s. Schmeller 22, 1122; vernünftige bedienen sich derer (wissenschaften) hülfe, als vil sich gezimet Butschky Pathmos 579; die vorgesatzten rede ... lauten als auff einen cleger ... aber es ist nemlich zu mercken, wo mer dann ein cleger ... das alsdann dieselben wörtter, wie sich von mer personen zu reden gezimet, gebraucht werden söllen Bamberger halsgerichtsordn. art. 111 Kohler-Scheel s. 45; so soll wir das auf das allerschönest machen so wir künnen, nach gelegenheit der sach, wie sich das geziemt Dürer nachlasz s. 300 Lange; dasz du des gasts nit vergessest, jm mit speisz, tranck, ... wie sich gezimet, auszrottung thüst Schaidenreisser Odyssee 85a; bringent mir schwartz brot und wasser in einer hültzin schüssel, dann so wirt mir wie es sich gezimpt hertzog Aymont söhne (Simmern 1535) z. 4; Jesu, du blum und jungfraunsohn, du lieb und unser gnadenthron, dir sei lob, ehr, wie sichs geziemt, dein reich kein ende nimmer nimmt. Martin Moller (1584) 'o Jesu süsz, wer dein gedenkt'; doch gleich wol wird es hoch gerühmt mit lippen der nachkommen und gar nicht, wie es sich geziemt, zur besserung angenommen. Paul Gerhardt s. Fischer u. Tümpel 3, 366b; bükket euch, wie sichs geziemt vor der zierlichen jungfrau zu Weimar, habet ihr etwa was bei dem minister zu thun. F. C. Fulda trogalien z. verdauung der xenien no. 145 neudr. 2@d@bβ) die reflexive fügung in negierten wendungen 2@d@b@11)) im hauptsatze oder der abhängigen parataxe: 2@d@b@1@aa)) er sagt, es gezimmet sich nit, das iemant traurig von eines fürsten angesicht gieng S. Frank germ. chron. 26 vgl. H. Fischer 3, 645; es gezimmet sich nicht, das jemand in religions- und glaubenssachen ... gezwungen werde Ph. Heilbronner von der Augsp. confess. (1598) 141; es geziehmet sich nicht, dasz man jemanden, deme durch nichts, als durch scammonium geholffen werden mag, weisz machet, das zucker-ssse artzneeen ihm helffen werden Olearius der persianische baum-garten (1696) 21b; und es geziemt sich nicht, dass nun das volk sich wiederum zusammen häufe. Bürger Ilias 1. rhaps. v. 179; sie sagten, es gezieme sich nit, dasz tapfere soldaten ein solch hartes treffen wider so mächtige könige solln antreten, wann sie nicht von einem könige commandiret und angeführet wurden Prätorius Blocksberg (1668) 446; der pfarrer ... sagte zu uns beiden, es gezieme sich nicht an einem heiligen ort einander waarzusagen Grimmelshausen Simpl. 192 neudr.; wenn sich's nicht gezieme, von dem eindruck zu reden ... so gezieme sich eben so wenig, das zu entschuldigen, was so natürlich wäre Klinger (Raphael de Aqu.) 4, 85; ich weisz, dasz groszes ich mit junger kraft gewagt, denn nicht geziemt es mehr, den müssiggang im götterlosen haus durch flücht'gen reiz' und kurze überraschung zu zerstreu'n. Geibel (widmung einer tragödie) juniuslieder 323; wolt gott du kOendtest ohn trübsal ... dein zeit ohn kummernusz vertreiben, aber dasselb sich nit gezimbt. Joh. Spreng Ilias (1) 9b; dasz allein von den Griechen ich nicht danklos bleibe! denn das geziemte sich nimmer. Bürger 1, 187. 2@d@b@1@bb)) darumb, edler ritter, will sich nicht gezimen, das jr ewer arbeit verlieren Warbeck Magelone (cap. 11, 27, 10) 38b; geh, werde seinem leiden gleich, erduld' auch du mit jhm den streich: dann es wil sich nicht geziehmen dasz die braut sei ohne striemen. Angelus Silesius höllische seelenlust 67 neudruck; 2@d@b@22)) einige belege für die negierte wendung in nebensätzen sind hier anzuführen; sie schlieszen den vergleichssatz so ziemlich aus und bieten zumeist relativsätze: dieses deutet auff diejenigen, welche solche dinge für die hand nehmen, die sich nicht geziehmen, dadurch sie redlich ihnen selbst schaden Lokman's fab. 34; ganz ebenso (s. o.) Weise erznarren 174; Klinger neues theater 1, 46; die muntre zunge rühmet, was fromm und klüger macht; was sich niemahls geziemet, wird stets von dir veracht. Christian Weise der politische näscher (1678) 142; welcher freundschafft und vertrauligkeit machet mit einem, der nicht seines gleichen ist, und da sichs nicht geziehmet Lokman's fab. 35. 2@ee) die in der älteren sprache beliebten umschreibungen mit hülfsverben unterliegen im neueren gebrauch manchen verschiebungen. 2@e@aα) verbindungen wie lass es dir geziemen, sol oder müeze geziemen treten ganz zurück, vgl. so sollt im gezimmen Zimmerische chronik 12, 602 (s. o.) für die verbindung mit mögen (sp. 7070 f.) bietet auch die neuere sprache noch belege: da demjenigen, der für sich selbst spricht, wohl erlaubt wird, lebhafter zu sein, als es den vorgesetzten geziemen möchte Göthe br. 36, 12; einer liederseele, wie Uhland, mag das in sich gekehrte schweigen geziemen, aber ein dramatischer dichter musz auch persönlich etwas von einem feldherrn haben F. Hebbel briefe 1, 395 Bamberg; dazu vgl. (s. o.) Zesen gekrönte majest. 181. 2@e@bβ) am zähesten hält sich die spät (vgl. Ottokar 19979) entwickelte verbindung mit wollen, vgl.(s. o.) Zimmerische chron. 12, 601: uns wil nit lenger gezimmen Wickram 1, 18 Bolte; desgl. (s. o.) Simon Dach 728; Zesen Rosemund 189 neudr.; Varnhagen an Humboldt 10; ähnl. Petrarcas trostbücher 30b; Joh. Job 'prange welt'; ähnl. Warbeck Magelone 38b (1); Angelus Silesius seelenlust 67; Murner Luthersche narr. v. 3384; Eberlin 3, 114; Matthesius hochzeitspredigten 24 Loesche; das es darum sich nicht anders geziemen wolle Ludwig II. v. Anhalt s. ertzschrein s. 342; dan inen wolt gezimmen damals solche milch zutrincken und kont noch nit die starcke und grobe kost der h. prelaten ... verdäuen Fischart bienenkorb (1586) 23a; desgl. buch der liebe 22, 1; nach vollendeter mahlzeit gieng ein jedes wider, dahin ihm wolte geziemen Kirchhof wendunm. (319) 280 Oesterley; was wollt ihr jetzt schneiden: 'mit scheeren und mit pfriemen französische haüte zu riemen. solch' handwerk will jetzt uns geziemen. Rückert (landsturmliedchen) 1, 68. 2@e@gγ) nur vereinzelt tritt die verbindung mit werden ein: es wird sich gezimmen, par fuerit Dasypodius s. o.; nachdem s. majestät der könig selbst zu ihnen über die sache gesprochen hat, wird es mir nicht geziemen, in diesem augenblicke meine eigene auffassung zu entwickeln Bismarck reden 3, 53; nach den worten, welche s. maj. der könig zu zwei widerholten malen an den reichstag gerichtet hat, würde es mir nicht geziemen, denselben irgend etwas hinzuzufügen 4, 432; es würde uns nicht geziemen Lessing 43, 95.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Geziemen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Geziemen , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. Es ist das ohne Noth verlängerte Zeitwort ziemen, we…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    geziemen

    Goethe-Wörterbuch

    geziemen Zusammenschr ‘wohlgeziemt’ B38,207,11 ; etwa 90 Belege, davon zwei Drittel in Bed 1. In der weitgehend auf die …

  3. Sprichwörter
    Geziemen

    Wander (Sprichwörter)

    Geziemen Niemand geziemt's, der Uebelthäter Bosheit decken zu helfen. Gegen Teilnahme an einer strafbaren Handlung.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit geziemen

4 Bildungen · 4 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von geziemen

ge- + ziemen

geziemen leitet sich vom Lemma ziemen ab mit Präfix ge-.

geziemen‑ als Erstglied (4 von 4)

geziemendermaßen

GWB

geziemend·ermassen

geziemendermaßen wie geziemend 2b B50,71,6 Helbig 9.10.30 K Syn behörig gehörig geziemend geziemlich paßlich ziemlich (ermaßen) Nikolaus Loh…

geziemendheit

DWB

geziemend·heit

geziemendheit , geziemenheit , f. , substantivbildung zum vorhergehenden: man kan allerhand gemählde ( an den zimmerdecken ) gebrauchen ... …

geziemendlich

DWB

geziemend·lich

geziemendlich , geziementlich , adverbialableitungen zu geziemend, wohl im zusammenhang mit geziemlich ( s. d. ) stehend: wohnungsbäue, welc…

geziemen [sich ~]

LDWB2

geziemen·sich

ge|zie|men [sich ~] vb.refl. 1 (sich gehören) aldí (alda) 2 sté bëgn sura, toché (toca) 3 convegní (convëgn, convegnü) ▬ das geziemt sich ni…