geziemen ,
verstärktes ziemen (
s. d.),
ursprünglich starkes, später schwach flectiertes verb, das wie das grundwort und wie auch bedeutungsverwandte überwiegend unpersönlich gebraucht ist. bis in die neuere sprache meidet das verbum die formen der 1.
und 2.
person, die nur im mittelhochd. (
s. u.)
vereinzelt beobachtet sind. in der 3.
person ist wiederum der singular ungewöhnlich gegenüber dem plural bevorzugt. vom präsens herrscht anfänglich durchaus der indicativ vor, während in der neueren sprache der conjunctiv vorschreitet. das zuerst meist bezeugte präteritum tritt später in der form des ind. wie des conj. zurück, desgleichen im particip, während der infinitiv und das part. des präs. (
s. geziemend)
um so mehr gepflegt werden. 11)
bedeutungsentwicklung und abgrenzung gegen bedeutungsverwandte. 1@aa)
das älteste zeugnisz 1@a@aα)
bringt das verbum in verbindung mit dem präfix, das hier sociative bedeutung ausdrückt, in der gotischen bibelübersetzung des Ulfilas: ainshun plat snagins niujis ni lagjid ana snagan fairnjana aiþþau jah sa niuja aftaurnid, jah þamma fairnjin ni gatimid þata af þamma niujin
Lucas 5, 36 (
οὐ συμφωνεῖ; niemand flicket einen lappen vom newen kleid, auff ein alt kleid; wo anders, so zureisset das newe, und der lappe vom newen reimet
sich nicht auff das alte Luther;
vgl. und gezimt nicht dem alten von dem newen;
et veteri non convenit commissura a novo);
dazu vgl.: duþþe gatemiba and þana þize laist jah twos ganamnida waihts, swesa bajoþum du daupeinais gerehsnai[s] ... wato jah ... ahman
Skeireins 2, 34.
anders läuft die grenze zwischen den formen mit und ohne präfix in den althochdeutschen belegen (
vgl. Graff 5, 661. 662),
die sich —
abgesehen von einigen glossenstellen für die präfigierte form —
ganz auf Otfrid
und Notker
beschränken. 1@a@a@11))
der persönliche dativ ist viel häufiger bei dem einfachen verbum beobachtet: in herza imo quami,so iʒ fora gote zami: giloubt er selbo thanne,so zimit gotes manne. Otfrid 3, 2, 15;
desgl. 4, 11, 49; 5, 9, 48; (
eigenartig: so iʒ gote zimit)
an Ludwig 60 (
im sinne von so iʒ fore gote zami); taʒ kind theh io filu framso selben gotes sune zam. 1, 22, 61;
ähnl. (so imo zam) 3, 17, 3; (thaʒ imo zam) 2, 12, 12; (so gotes boton wola zam) 5, 8, 4;
dazu vgl. mit präfix: ubarwant er sid thaʒ fram, so gotes thegane gizam. Otfrid
an Ludwig 42;
dazu vgl. (
mit accusativobj. s. u.) 4, 28, 10; 29, 19.
dazu vgl. mit freier fügung gegenüber dem lat.: domum tuam decet sanctitudo ... dinero ecclesiae gezimet heîligheît in êwighêite. in andirro werlte skînet iro hêiligheît,
dar zîmet sî iro Notker
psalm 95, 2
s. Hattemer 2, 337
a (daʒ hus din geczemit heilikeit
Trebnitzer psalmen; heiligkeit ziert [schmückt] dein haus Luther;
später: ist die zierde deines hauses);
desgl. (
psalm 32, 1) 2, 108
a. 1@a@a@22))
andererseits ist die präfigierte form auch beim absoluten gebrauch Otfrids
mehrfach zu belegen: fahan sie nan woltunjoh thoh in thes gistultun; iʒ ouh wola so gizambi thiu sin zit noh ni quam. Otfrid 3, 16, 68; fuar ingegin imo thar, worolt mihil, so gizamwib inti gomman. 3, 6, 10;
desgl. (so iʒ gizam) 3, 5, 9;
gegen: (sos iʒ zam) 2, 7, 8; 3, 2, 1; 4, 16, 35; (al so zam) 2, 10, 11;
vgl. auch (
s. sp. 7065) 1, 8, 9; 1, 12, 34; ni wanet, thaʒ gizamithaz ih zí thiu quami, ih mih in thiu rachi,then wiʒʒod firbrachi. 2, 18, 1 (
nolite putare, quoniam veni solvere legem Matth. 5, 17);
vgl.(
s. hier unten) 3, 20, 26;
gegen: quadun, iʒ so zami, er sinan namon nami. Otfrid 1, 9, 13;
desgl. (iʒ ni zami) 1, 9, 20; (soso iʒ zami) 4, 29, 39. 1@a@a@33))
bemerkenswerth sind unterschiede, die in den flexionsformen zutage treten. präs. ind. ist bei Otfrid
nie mit präfix beobachtet, diese form tritt auszer in den glossen (
s. u.)
erst bei Notker
ein. im prät. sing. stehen sich formen mit und ohne präfix gegenüber, sowohl beim ind. als beim conj. 1@a@a@44))
in den glossenbelegen ist das präfix durch lateinisches cum, con herausgefordert: convenerit, gizeme
Tegernseer, Monseer glossen des 10.
auf 11.
jahrh. u. a. (gizemp
Scheiern 13.
jahrh.; gizemo
Göttweih 12.
jahrh.) Steinmeyer Sievers 1, 672 (
Amos 3, 3
numquid ambulabunt duo pariter, nisi convenerit eis, mugen auch zween mit einander wandeln, sie seien denn eins
unter einander Luther);
convenit, gizam
Tegernseer, Monseer u. a. glossen 10—12.
jahrh. zu apostelgesch. 23, 20 (
Judaeis convenit rogare; es geviel den Juden, dich ze piten
cod. Tepl.; die Jüden sind eins worden Luther);
convenit, gizimit
Tegernseer gl. 11.
jahrh. zu Vergils Aeneis (12, 184
convenit Euandri victos discedere ad urbem, ordnen wir, dass die besiegten zur stadt des Euandrus hinweggehn Voss); Steinmeyer-Sievers 2, 670;
congruit, carisit, cazimit
Tegernseer glossen 10/11.
jahrh. zu Gregors homilien (1, 16) 2, 289. 1@a@bβ)
für die eigenbedeutung des verbums sind aus solcher anlehnung an lateinische vorbilder wenig anhaltspunkte zu gewinnen. was dem lat. convenit, congruit in diesen verwendungen als wesentlicher zug gemeinsam ist, der begriff des zusammentreffens, des zusammenstimmens, läszt sich sowohl aus innerer übereinstimmung als auch aus gelegentlicher berührung ableiten. auszerdem wird dieser begriff schon durch die präfixe (ge = con)
zum ausdruck gebracht, und es bleibt immer noch die frage offen, was das verbum selbst in diesen bedeutungsinhalt einbringt. 1@a@b@11)) Otfrids
gebrauch ist zu verblaszt, um in dieser richtung sichere schlüsse zu erlauben; ihm dient das verbum zur umschreibung als bequemes flickwort, das den reim erleichtert und sich glatt in das versmaasz fügt (
s. o. sp. 7063);
vgl.: want er imo ein waʒarhiaʒ faran wasgan iʒ thar, mit wasgu, so iʒ gizamijoh thaʒ horo thana nami. 3, 20, 26
u. a. gelegentlich liesze sich —
falls dem lückenbüszer so viel gewicht beizulegen ist —
das moment des zufälligen zusammentretens hier fassen, das neben dem der inneren übereinstimmung in der abgrenzung von geziemen
gegen bedeutungsverwandte zu beachten ist (
s. u.)
vgl.: tho rietun thie ginoʒa,sie wurfin iro loʒa, thaʒ sie mit thiu gizami,welih sa imo nami. Otfrid 4, 28, 10 (
sortiamur de illa, cujus sit Joh. 19, 24). 1@a@b@22))
von dem begriff der inneren übereinstimmung ist das verbum bei Notker
getragen, dessen gebrauch frei und selbständig den lateinischen parallelen entgegenkommt, und der sich in der verwendung der präfigierten form nur selten an lateinische composita anschlieszt: 1@a@b@2@aa))
consequens est, ut non iudicetur extendisse foedum, tunchet ouh manne scône gewît preitôn sînen namen. sô gezimet wola. daʒ er menniskôn nedunche honen namen breiten Notker
Boethius s. Hattemer 3, 116
a. 1@a@b@2@bb))
während hier zwischen satzinhalten und abstracten eine übereinstimmung gefunden wird, läszt sich das gleiche auch mit bezug auf personen denken. 1@a@b@2@b@aα))
sächliches oder abstractes subject bezogen auf ein persönliches vergleichsobject scheint Notker
besonders geläufig zu sein; er führt diese wendung für lateinisches decet,
für fügungen mit dignus
und ohne lat. vorlage ein und er gliedert die person im zuständigen deutschen dativ an —
ganz im gegensatz zu den lateinischen wendungen, die hier den acc. bieten und die von spätern bibelübersetzern nachgeahmt werden (
gelegentlich auch bei Otfrid,
vgl.: thaʒ ... sie thes gizami 4, 29, 19; 28, 10;
gegen: so ... thegane gezam
an Ludwig 43
und stets dativ beim einfachen zimit, zam):
rectos decet conlaudatio, lob kezimet crehtên Notker
psalm 32, 1
s. Hattemer 2, 108
a (di gerechtin geczemit zamminlobunge
Trebnitzer psalmen; den auffrichtigen steht das rhmen wol an Luther [
später: die fromen sollen ja schon preisen]);
genau so psalm 95, 2
s. Hattemer 2, 337
a (
Trebnitzer psalmen geczemit
mit acc. s. u.);
vgl.: decebat, gizam
Regensburger glossen 11.
jahrh. zu Prudentius (
P. Rom. 677) Steinmeyer-Sievers 2, 452;
andererseits vgl.: sô gezimit animae daʒ si intima sî sapientiae unde mit caritate sî gegurtet Notker
Mart. Cap. s. Hattemer 3, 270
b;
scande caeli templa virgo. digna tanto foedere ... fazo dih tîerna ... ûf hina in himela ... solîh kehileih kezimet tir
ebenda 333
b. 1@a@b@2@b@bβ))
persönliches subject ist bei Notker
so selten wie bei Otfrid;
bei beiden ist in diesem fall das vergleichsobject unausgedrückt oder verschleiert: quis habitabit in tabernaculo tuo? wer ... bûet in dînemo gezelte?
aecclesia ist dîn gezelt. wiêlich miles (tegen) kezimet dârinne Notker
zu psalm 14, 1
s. Hattemer 2, 55
b; (
vgl. aber das persönliche subject neben dem bedeutungsverwandten gerîset [
das gleiche bei gelimpht
s. u.]: solicha getuôt er dih ... solichiû gerîset imo
zu psalm 44, 13
s. Hattemer 2, 160
a; sezze uber siê den eoskefel der in gerîse
psalm 9, 21 [
legislatorem]
s. Hattemer 2, 44
a);
vgl. dazu: gidar ih lobon inan fram;er was sulih, so er gizam, er was in sitin fruater,joh heilag int guater. Otfrid 1, 8, 9;
desgl. (gizamun) 5, 8, 3 (
vgl. auch thar zamun se scono 1, 12, 34). 1@a@gγ)
einigen aufschlusz geben bedeutungsverwandte. der Heliand, der sich gegen unsere sippe ablehnend verhält, setzt dafür gerîsit
ein: wêst thu that ûs sô girîsid ... allaro rehtô gihwilîk te gefullianne. 975.
dazu vgl. carisit,
convenit, oportet Graff 2, 538; irhuge du mîn nah dînero gnâdo diû dir gerîset,
secundum misericordiam tuam Notker
psalm 24, 7
s. Hattemer 2, 85
a u. a.; vgl. Grimm gramm. 4, 236. tuon si, daʒ gote gerisi, daʒ si chomen zi paradisi.
geneses s. fundgr. 2, 79, 10
u. a.; s. mhd. wb. 2, 727
b;
vgl. geristic, geziemend,
ebenda. das verbum, dem wohl die bedeutung einer aufwärtsbewegung zu grunde liegt, ist mit dem anfang der mittelhochd. zeit (
vgl. auch Lexer 1, 883)
aus dem gebrauch zurückgetreten. länger halten sich zwei verba, die zur stelle Matth. 3, 15
in der bibelübersetzung mit geziemen
im wettbewerb stehen: das im Tatian so beliebte gelimphit
und später gebührt: so gelimphit uns zi gifullanne al reht,
sic enim decet nos implere omnem justitiam Tatian 14, 2 (also gezimt uns zefullen alles recht
cod. Tepl. Matth. 3, 15; also gebürt es uns, alle gerechtigkeit zu erfüllen Luther). 1@a@g@11)) limpfen
und gelimpfen,
die von der grundbedeutung einer körperlichen berührung aus in diesen zusammenhang einmünden, werden auszer der Benedictinerregel u. a. ohne präfix bei Otfried
und mit präfix im Tatian verwendet (
vgl. Graff 2, 214. 215)
und treten zumeist für lat. oportet
ein: so limphit, thaʒ man fahejoh hoho nan irhahe. Otfrid 2, 12, 67; (so arhevan gilimphit mannes sun,
ita exaltari oportet filium hominis Tatian 119, 8; alsust gezimt zu derhochen den sun der meid
cod. Tepl. Joh. 3, 15; also musz erhohet werden
Augsb. bibel von 1487,
ähnl. Luther)
u. a.; ja limphit mir, theih werbe in mines fater erbe. Otfrid 1, 22, 54; (thaʒ in then thiu mines fater sint, gilimphit mir wesan
oportet me esse Tatian 12, 7; skulda wisan Ulfilas
Lucas 2, 49; daʒ mir gezimt zu sein in den dingen
cod. Tepl.; das ich sein mus Luther)
u. a. durchweg wiederholt sich für die vielen aus der Tatianübersetzung zu gunsten von gelimpfen
erschlossenen bibelstellen, dasz die Vorlutherische bibel zunächst gezimt
an die stelle setzt, aber schon von den Augsburger drucken ab zu hilfsverben wie muss
übergeht. diese werden auch bei Luther
beibehalten und sind schon bei Ulfilas
an den wenigen stellen wahrzunehmen, die dessen fragmentarisch überlieferte bibel deckt. der cod. Tepl. dagegen bietet hier nur formen von geziemen (gezemen)
und das gleiche ist aus dem althochd. Matthäusev. zu belegen an der stelle, die in diesen rahmen fällt: dhesiu kazami iu zatuoanne enti diu andriu ni za forlazanne
althochd. Matth. s. 27
Hench (
Matth. 23, 23
haec opportuit facere et illa non omittere dise dink geziment ze tun, und di andern nit ze laʒʒen
cod. Tepl.; dis solt man thun, und jenes nicht lassen Luther; thisiu gilampf zi tuonne inti thiu ni zi forlaʒʒanne
Tatian 141, 18).
einmal wird gelimphit
im Tatian für lat. licet
angezogen, an einer stelle, wo auch die Augsburger bibel gezimt
aufweist und Luther
ein anderes hilfswort verwendet als sonst: bithiu gilimphit in sambaztag wola zi tuonne,
licet sabbato bene facere 69, 6 (gezimt es ioh wolzutun des samcztages
cod. Tepl. Matth. 12, 12, gezimt
Augsb. bibel, darum mag man wol am sabbath gutes thun Luther).
dazu vgl. auch kilimfit imu,
condecet, convenit Keros übers. der Benedictinerregel s. Graff
a. a. o. von dieser engen berührung mit geziemen
rückt gelimphen
schon in der mittelhochdeutschen zeit (
vgl. mhd. wb. 3, 999
b)
wieder ab; es bevorzugt ganz im gegensatz zum ersteren persönliches subject: — — — — ze opfer ouch. die mirren und den wîrouch begunde er vür daʒ dimpfen der kelber sît gelimpfen. Konr. v. Würzburg
goldene schmiede 1406; das ich mich gen ir solt gelimpfen.
fastnachtspiele 262, 2
u. a. der persönliche wie der unpersönliche gebrauch des verbums stirbt aber in der neuhochdeutschen periode früh aus, er wird durch das lebenskräftige substantiv (
vgl. gelimpf oben sp. 3026
s. unter glimpf)
noch gestützt, mit dem es die reimbindung auf schimpf, schimpfen
gemein hat: ich kan mit schon frauen schimpfen das mir das wol tut gelimpfen.
fastnachtspiele 222, 30. 1@a@g@22))
immer enger dagegen festet sich die bedeutungsgemeinschaft von geziemt
mit dem zweiten der oben zu Tatian 14, 2
variierenden verba, namentlich für die neuere sprache, mit gebührt.
wie gerîsit
von einer aufwärtsbewegung ausgehend (
vgl.ube mare wider iro warheite sih pureta Notker
zu psalm 88, 10
s. Hattemer 2, 317
b),
kommt das verbum nur in der zusammensetzung mit dem präfix ge (
vgl.burjan Graff 3, 163; gaburjan 164)
unseren verwendungen nahe. es ist wie geziemt
fast ausschlieszlich in der 3.
person bezeugt und bringt zunächst nicht die innere übereinstimmung zwischen zwei factoren, sondern deren äuszeres und gelegentliches zusammentreffen zum ausdruck. in der Benedictinerregel tritt kipurit
für das lat. provenit, evenit, contingit
ein; dazu vgl.: joh noh tho zwivolotun; was in thaʒ herza filu fro,bi thiu wuntorotun sie sih so. so giburit manne,thara er so ginget thanne; gisihit thaʒ suaʒa liabaʒ sin;thoh forahtit, theiʒ ni megi sin. Otfrid 5, 11, 29
u. a.; et si contigerit ut inveniat, inti oba iʒ geburit thaz her iʒ fintit
Tatian 97, 2 (ob es geschicht, daʒ ers fint
cod. Tepl. Matth. 18, 12; und so sichs begibt, das ers findet Luther
u. a.)
bemerkenswerth ist aber schon in dieser zeit, dasz auch das zutheilwerden auf grund rechtlicher ansprüche in diesen gebrauch des verbums fällt, —
und zwar unter anlehnung an lat. contingit: fater, gib mir teil thero hehti thiu mir gibure,
da mihi portionem substantiae quae me contingit Tatian 97, 1 (
Lucas 15, 12 gif mis, sei undrinnai mik dail aiginis Ulfilas; der mich angehore
cod. Tepl.; mir zugehört
Augsb.; das mir gehört Luther);
dazu vgl.: sô geburra in nâh dînemo rehte, wanda siê sih ze harto fersâhen ze iro selbero rehte Notker
zu psalm 68, 29
s. Hattemer 2, 239
b.
in der mittelhochdeutschen dichtung, die von geziemen
den weitesten gebrauch macht, tritt gebüren
weit zurück; erst im ausgdng der periode mehren sich auch hiefür die belege, und neben der beziehung auf zufälliges geschehen, die noch lange gepflegt wird (
mhd. wb. 3, 153
b; Lexer 1, 765;
vgl. auch oben sp. 1891),
tritt die auf die rechtsordnung gestützte forderung in den vordergrund, vgl. oben sp. 1892.
sie zeigt sich nunmehr nicht nur als rechtsanspruch sondern auch als pflichtleistung für die im dativ angeschlossene person (
sp. 1894).
gegen: an sante Nicolaus tage geburteʒ dort ieme knaben, daʒ er den kopf solde haben daruʒ der kunic sin herre tranc.
pass: 24, 64
Köpke; vgl.: er tet als im geburte und sagte Nicolao danc.
ebenda 35.
damit ist der anschlusz an geziemen
und dessen formelhafte wendungen erreicht, vgl. auch oben sp. 1895
f. vgl.: und alles das zu thun, das ainem frummen, erlichen gerichtschreiber zu thun gezimbt und geprt
öst. weisth. 5, 749;
vgl. auch Heilbronner urk. v. 1525
bei H.
Fischer 3, 645; gottesdienst, der solchem edlen blut der veter und beschnittenen heiligen wol gezime und gebüre Luther
von den Juden (1543)
Jja; ihr fragen sehen wir als einen mangel der erziehung und der achtung an, die einem volk gegen das andre gebührt und geziemet Herder (
Adrastea 3, 1) 23, 504; wie gar mit nichten gezimben noch geburen will
ausschusz der Rothenburger gemeinde 1525
s. Baumann 215; damit ... gebirend unterwisen oder ... gezimbent abgestrafft
öst. weisth. 5, 135. gebühren
hat mit geziemen
auch das gemein, dasz es in der neueren sprache reflexive fügungen entwickelt: ain herrliche begrebnusz ... wie sich ainem solchen herrn gebürt Schaidenraisser
Odyssee (1) 3
b; mit einer zierlichen ... gab damit sich ainem würt gezimbt seinem lieben ... gast zu verehren
ebenda. 1@a@dδ)
während gebühren
auf breiter germanischer grundlage sich entwickelt (
nur dem gotischen mangeln belege)
ist geziemen
anfangs auf eine schmale basis gestellt. auszer dem gotischen verhalten sich die anderen germanischen dialekte durchaus ablehnend. das angels. bringt in entsprechenden formen abweichende bedeutungen zum ausdruck (bürgschaft
und abstammung,
vgl. timan 1.
teem; 2.
vouch, warranty Bosworth-Toller 986
b; geteman
appeal 452;
vgl. auch temede, nachkommenschaft Schiller-Lübben 4, 525
b),
und das altsächs. fällt ganz aus. mittelniederdeutsche entsprechungen kommen erst spät und verrathen auswärtigen einflusz. stammverwandte unseres verbums sind aber umfassend auch im gemeingermanischen gebrauch vertreten: zahm
und zähmen,
vgl.gezähmen s. o. auf welche ältere bedeutung von zahm
läszt sich unser im ablautsverhältnisz zu diesem adjectiv stehendes starkes verbum zurückführen? am anschaulichsten und ansprechendsten ist die erklärung, die bei zahm
von lat. domus
ausgeht und die sich für die grundbedeutung auf die technik älteren häuserbaus (
holzbaus)
stützt. hier wäre eine bedeutung wie zusammenfügen,
binden zu gewinnen, und sie würde die entwicklung unseres verbums mit und ohne präfix, wie sie im obigen gekennzeichnet wurde, wohl erklären. geziemt
würde sich darnach am engsten mit einem verbum berühren, das mittelhochd. vorübergehend mit ihm in wettbewerb tritt: und sît eʒ sich wol gevuocte daʒ sîʒ mit êren mohten lân, sô lieʒen siʒ wol understâ
n. Iwein 7354. 1@bb)
der mittelhochdeutsche gebrauch greift namentlich in der blüthezeit nach allen richtungen aus, wobei sich das verhältnisz der formen ohne präfix sehr zu gunsten des präfixes verschiebt. die fügungen mit persönlichem subject nehmen zu —
namentlich in bestimmten wendungen —,
ganz vereinzelt sind sogar 1.
u. 2.
person zu belegen. am unpersönlichen charakter der fügungen wird aber durch solche —
noch immer selteneren —
abweichungen wesentliches nicht geändert. schwerer ins gewicht fallen veränderungen im bereich des unpersönlichen subjectes. dort dringen nominalformen an stelle des neutralen pronomens vor, und damit verknüpft sich eine zunahme der pluralformen. überhaupt sind innerhalb der verbalformen (
der 3.
person)
am ehesten sonderneigungen einzelner stilisten und allgemeinere ausprägungen von formeln zu fassen. auch die zunahme des accusativs an stelle des persönlichen dativs und das verhältnisz relativen gebrauches zum absoluten ist zu beachten. 1@b@aα)
für das präfix bei den verbalformen ist die zeitliche actionsart nur selten entscheidend: swaʒ schimpfes ir ê wol gezam, daʒ missestuont ir alleʒ dô. Gottfried
Tristan 967.
die voraussetzungen liegen zumeist auf anderen gebieten. 1@b@a@11))
bemerkenswerth ist schon der wechsel in den varianten der überlieferung: sehs knappen waetlîche: si zaemen wol dem rîche.
Iwein 4376 (
mehrfach: gezaemen);
vgl.(zaeme, gezaeme)
armer Heinrich 312; dem helden sterben niht enzam von deheines rekhen rat.
klage 54 (gezam
β); sît daʒ der kampf wesen sol, sô zimet in daʒ beiden wol daʒ sî enzît strîten. wes mugen sî iemer bîten? Hartmann
Iwein 6979 (
vereinzelte var. gezimet); dâvon in den jâmer kaeme, der vor den liuten niht enzaeme. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 3236 (nicht gezeme G.); so sult ir ze rehter ê die kunigin Margreten nemen. ir geburt mac in wol zemen (
var. gezemen). Ottokar 1806; 'wann es zimpt auf ertreich niemant, denn huren und ruffian. die selben sein aller treu an' Socrates: 'pis dem treu, der dir traut und zimpt so pistu sicher, das es chain pös end nimpt. Hans Vintler
pluemen der tugent 3559 (
var.: gezimpt);
dazu vgl. (
Hartmanns) 1.
büchl. 1469
wo die handschr. gezame
bietet, Haupt in zaem
geändert hat. 1@b@a@22))
vielfach entspricht dem unterschied der formen auch ein unterschied der fügungen; das präfix ist noch immer (
vgl. sp. 7063)
häufiger neben acc. der person, die form ohne präfix neben dativ der person beobachtet. so er theme keisere wole zam zuo allen sinen êren.
Rolandslied 1016
Bartsch; gegen: sin antluʒʒe was wunnesam thie boten harte wol gezam thaʒ sie in muosen scouwen. 684;
desgl. 3728;
vgl: daʒ selbe im doch nicht enzam. Lamprecht v. Regensburg
St. Franzisken leben 3725 (
aber: in niht enzam 2260. 2387. 3503);
gegen: frou Karitas die trophen nam und brâht sie alle viere ir frouwen, die des wol gezam (
var. der wol gez.).
tochter Syon 3790. 1@b@a@33))
in den schwankungen der überlieferung zeigt sich deutlich, dasz partikeln vor dem verbum das präfix am ehesten fernhalten: 1@b@a@3@aa)) 'daʒ enzimt niht helde lîp daʒ si suln schelden.
Nibel. 2282, 1;
vgl. 1949, 2. Etzel der künek hêr was mir sô vîentlîchen gramdaʒ eʒ nieman enzam der mir daʒ gehieʒedaʒ er mich leben lieʒe.
klage 996,
vgl. auch (
s. o.) 53;
desgl. St. Franzisken leben 2260;
desgl. 2387. 3725; son enzeme ouch iu min singen niht. Rudolf v. Rotenburg 158
a Pfaff; 1@b@a@3@bb)) und macht die gespunst zehaut ze tuoch, als ir wol zam. Jansen Enikel 1447;
desgl. 15829
u. a.; als in wol zam (
var.: als in gezam) 18134;
ähnl. 20667; 15914;
fürstenbuch 664; 17982
u. a. 1@b@a@44))
ungleich verhalten sich die einzelnen verbalformen gegen das präfix. 1@b@a@4@aa))
beim präteritum, dessen ind. wie conj. am gebrauch des verbums zumeist betheiligt ist, fällt auf, wie selten der indicativ ohne präfix bezeugt ist, im gegensatz zum conj. 1@b@a@4@a@aα)) der verge was sô rîche,daʒ im niht dienen zam.
Nibel. 237, 2
Zarncke (zam
auch 1491, 1
Lachmann); diu stat ... was drier tâgeweidi breit. der zam wol wisin kunic zehabin
spec. eccles. 71
u. a. (
s. o.). 1@b@a@4@a@bβ)) ein solhes wîp diu der helle zaeme.
Wigalois 6508
u. a.; ähnl. Parz. 341, 28; 128, 18; 824, 18;
Iwein 7860;
Erec 10070;
maere vom sperwaere 360;
vgl. auch Erec 3767; Albr. v. Halberstadt 14, 28: 'du maht dich vreuwen balde,sô er dîn ze konen giht.' si sprach 'lieber bruoder,zwiu râtestu mir daʒ? clagen unde weinenmir immer zaeme baʒ'.
Nibel. 1185, 2;
ähnl. 1949, 2; 123, 1; 2044, 1; und dô si niht darinne vant daʒ ir frowen rehte zaeme. Lampr. v. Regensburg
tochter Syon 552 (
var. queme); balge die den smiden zuo der esse zemen. Jansen Enikel 24418. 1@b@a@4@bb))
der infinitiv, ein bevorzugter träger des präfixes bei allen verbis, erscheint auch hier, so häufig er belegt ist, ganz selten ohne präfix: daʒ er eine danne wurbediu im möhte zemen. dô sprach der edel Sîfrit'sô wil ich Kriemhilden nemen'.
Nib. 49, 3 (
nach A.); sît dich das niht wil zemen sîn hûser ze nemen. Ottokar 88316; (
dazu vgl. die varianten). enmoht ich nihtes war genemen, des mich dâvür kunde gezemen.
tochter Syon 2703 (
Giessener handschr. zemen). 1@b@a@4@cc))
häufiger ist das präsens ind. ohne präfix bezeugt, und da diese verbalform in der mittelhochdeutschen zeit bei unserem verbum an sich weniger beliebt ist, so sind die einschlägigen belege doppelt zu werthen: hât er die burt und die jugent und dâ zuo ander tugent, daʒ er mir ze herren zimt.
Iwein 2091;
vgl. auch ms. Hagen 2, 103
b; wie zimet der schaft in sîner hant! wie wol stât alleʒ sîn gewant! Gottfried
Tristan 711;
desgl. Konrad v. Megenberg 413; jâ zimet es uns beidenzwâre lâʒen baʒ zwiu sold ich den êren,der mir ist gehaʒ.
Nibel. 1720, 1;
desgl. 1776, 2;
ebenso schon genesis 7, 2
Diemer; desgl. Iwein 6979;
Gudrun 344, 1; Ottokar 9065;
gesta Romaorum 150
Keller u. a. (
s. Schmeller 2
2, 1122, 3);
Alsfelder passionsspiel 5255; 2644 (
aber 7837 gezemet). 1@b@bβ)
fügungen mit persönlichem subject 1@b@b@11))
sind ganz vereinzelt auf die 1.
oder 2.
person bezogen. 1@b@b@1@aa))
die bedeutung übereinstimmen, angemessen sein
ist dabei gewahrt: wir sullent die busze an uns nemen, daʒ wir gote deste bas gezemen aldort in sines vaters rich.
lied der geiszler bei Closener
s. dtsch städtechron. 8, 105 (
vgl. dazu: ich zême wol der krône Albrecht v. Halberstadt 14, 28; nu zaemet ir waerlîche ze frouwen wol dem rîche
Erec 3767). 1@b@b@1@bb))
die gleiche bedeutung wird ins active gewendet in: du hast eine katzen, die du uf dinen schoʒ nimst dicke und dabi du gezimst daʒ du sie heldest an die brust. me liebe und me gelust vurwar entpfestu dar an, danne dort der riche man entpfa von alleme gute.
pass. 204, 98
Köpke; vgl. dazu (
mit einfachem verb in der 3.
person): de en temede des nicht to donde
u. a. Schiller-Lübben 4, 526
b; daʒ sie sich unwirdig zamen
u. a. Schmeller 2
2, 1123. 1@b@b@22))
in der 3.
person, mit der bedeutung von angemessen sein,
wird das präfigierte verbum 1@b@b@2@aa))
viel auf die frau bezogen 1@b@b@2@a@aα))
so formelhaft auf die frau, die zum ehebündnisz geeignet erscheint; vgl. dazu schon: unde dia brût anderes ne gezemen Cillenio ... sî ne werde mit tes hertuomis râte undôdig ketân (
deo non convenire posse Notker
Mart. Capella s. Hattemer 3, 293; dô dûhte sie alle recht, swar sô wâr ein gût knecht, deme die rîche wêrin undertân unde sô manic wol geboren man, daʒ er ein wîp nême, dê ime zû vrouwen gezême.
könig Rother 28 (
v. Bahder);
desgl. (gezaeme)
Münchener Oswald 182; (gezam)
Nibel. 1845, 2; (tuot gezemen)
Friedrich v. Schwaben 4600; (sol ... mir wol gez.)
pass. 327, 98
Köpke; ein wîp, diu wol gezaeme an sînen lîp.
genes. 43, 3; nû hâte er dô ze wîbe ein wîp diu sînem lîbe gezam und ouch der krône.
gute Gerh. 115;
ähnlich Jansen Enikel 26948. 28865; des einen tohter er nam ze so hôher krôn diu niht gezam. Ottokar 89060; si gezimet dir wol über dîniu rîche.
Münchener Oswalt 234. 1@b@b@2@a@bβ))
andere beziehungen auf die frau sind selten. wolt unser heilaere eine gimahel ze einer muoter nemen, diu im doch wol mOechte gizemen.
anegenge 31, 22
Hahn; wan si zaem wol an eins engel stat (
handschr. gezäme). (
Hartmanns) 1.
büchl. 1469; nu geruoche mîn, vil reiner tôt. owê wie wol ich arme gezim an dînem arme.
Erec 5892. 1@b@b@2@bb))
seltener wird der mann 1@b@b@2@b@aα))
in der beziehung auf den ehebund gestreift: so iwer tohter ist ein schoeniu magt unde ist edel unde rîch: sone bin ich niender dem gelîch daʒ ich ir möhte gezemen.
Iwein 6625; dô mîn vrouwe ir man nam, der ir nâch wâne wol gezam 4120;
desgl. (er gezaeme wol ir êren) Stricker
Daniel 1459
Rosenhagen; (der ir ze man möht gezemen) Jansen Enikel 26692. 1@b@b@2@b@bβ))
auch in anderen beziehungen ist der mann neben der präfigierten form selten als subject beobachtet, während formen ohne präfix hier besonders zahlreich sind, vgl. (der uns ze schirme zeme)
Iwein 7860; (zaem ... an siner stat)
Erec 10070; (in eime strîte)
Parz. 128, 18; (an der wide) 341, 28; (ze klôster)
maer vom sperwaere 360;
vgl. (im rade nemandt tehmet de gudt vor ehre nehmet) Schiller-Lübben 4, 526
b.
andererseits vgl.: daʒ der dem himelriche gezimt.
klage 288 (cem BCD); ieweder einen gesellen nam, der ûf die reise wol gezam.
Parzival 721, 10; nieht er uʒnam wane sin wib lussan. do er das ambahte gewan, do ward er so er gote gezam guot und gnadich.
genesis s. fundgr. 2, 55, 37; die selben fürsten dri wern da getzumen wol. Herm. v. Sachsenheim
Mörin 169
s. H. Fischer
schwäb. wb. 3, 645. 1@b@gγ)
auch die fügungen, die von einem unpersönlichen subject ausgehen, lassen überwiegend den begriff der übereinstimmung, des angemessenseins zum ausdruck kommen; der begriff des zufälligen zusammentretens liesze sich vielleicht in einem zusammenhang gewinnen, wie: ir herze daʒ was dar gewant, ir ouge alleʒ dar wac, dâ der harnasch dâ lac; und enweiʒ niht, wie si des gezam, daʒ sî daʒ swert ze handen nam. Gottfried
Tristan 10069
Bechstein (
vgl. auch: daʒ sî ... zaeme
Iwein 3757; zimt Konrad v. Megenberg 460, 32). 1@b@g@11))
nominalformen dringen in die stelle des subjects vor, weniger für concreta oder für ähnlich gefaszte vorstellungen als für abstracta —
im besondern für verbalhandlungen. hierbei sind infinitive bevorzugt, deren substantivierte formen nicht immer gegen die eigentlichen infinitivfügungen abzugrenzen sind. 1@b@g@1@aa))
für die 3.
pers. sing.: 1@b@g@1@a@aα)) ouch gezam vil wol der waete ein gurtel den diu maget truoc.
Wigalois 769;
desgl. (der wol mohte gezemen) 283; (der speis, die in gezam) Boner
edelstein 47, 70; got weiʒ vile wole welch opfer ime gezemen sol.
buch Moses s. Diemer 19, 15; (diu helle müeze mir gezemen) Walter 74, 7; (die neuere pfarr ... die im ... vil basz gezam)
pfarrer v. Kalenberge 664
Dollmayr. 1@b@g@1@a@bβ)) des wuohs sîn prîslicheʒ wort. dô der keiser wol vernam daʒ im der welde lop gezam, er gedâhte in sînem muote ...
gute Gerhard 254;
genau so (gezem) Konrad v. Würzburg
klage der kunst 25, 7. (gezeme) Rubin
s. m. s. 1, 170
b; (des râtes, der uns wol gezeme) Konrad v. Würzburg
Partonop. 18849; (lât dirʒ diu saelde wol gezemen)
Winsbeke 14, 3; (ir vroüde mueʒe in wol gezemen) Rubin
ms. 1, 22; (urhap siner wîsen lêre)
Partonop. 4271; (rede, di mag dir wol gez.)
kl. mhd. erzähl. 69, 24
Rosenhagen; man schuof im alleʒ daʒ gemach, daʒ eime gaste lobesam nâch ungeverte wol gezam.
Partonop. 1108. 1@b@g@1@a@gγ)) si sprâchen: 'meister, disiu drô gezaeme wol alten wîben, ir sult si lân belîben.
Vorauer novelle 193
s. Schönbach (
s. b. Wien 140
no. 4); der minneclîchen meidetriuten wol gezam in muote küener reckenniemen was ir gram.
Nibelungen 3, 1 (
fehlt in B. C);
anders (
s. u.)
kl. mhd. erzähl. Rosenhagen s. 52; tanzen und aller slahte spil daʒ jungen liuten wol gezam
Erec 8063;
dagegen vgl.: und bat daʒ si in neme, wand ir wol gezeme bi im ir leben alden.
pass. 298, 2
Köpke; daʒ en welde des gezemen wib unde kint mit in nemen.
buch der Maccabäer 10141; nû lâ die rede vür, herzeliebiu vrouwe mîn, die dir ze hoeren niht gezemen. Neidhart 58, 79 (
Keinz); wilth du daʒ gote und mir din leben gezeme, so mide und laʒ alle di wege und stete, da din reinekeit gemasiget und geunreinet mag werden
die heilige regel u. ein vollkommenes leben 3, 11. 1@b@g@1@bb))
für die 3.
person pluralis: 1@b@g@1@b@aα)) zwei scharpfiu swert si zugen, diu in wol gezâmen. Ulr. v. Zatzikhoven
Lanzelet 2031
Hahn; die cederboumine tafeln ... die gezemen wol an deme huse des almechtigen gotis
altdtsch. predigten (14.
jahrh.)
Leyser s. 117. 1@b@g@1@b@bβ)) der kunic si des selben bat, swie in diu reht gezaemen, daʒ si darüber naemen gewisheit mit hantvesten. Ottokar 2413; wir bittin si zu helfe, daʒ ich euch suoliche wort gesage von dirre heiligen hochzit die ir gezemen und der ir gebeʒʒert werdet
altdtsch. predigten 1, 48
Schönbach. 1@b@g@22))
für die unterschiede in der anfügung des vergleichsobjects (
dativ oder acc.)
hat schon die feststellung, dasz das einfache zemen
nur selten mit acc., überwiegend vielmehr mit dativ verbunden wird, auf verschiedenheiten in der auffassung hingewiesen, die nicht blosz mit äuszeren zufälligkeiten zu erklären sind. weiter führt noch die thatsache, dasz sowohl beim persönlichen als bei einem nominalen subject das vergleichsobject auch bei der präfigierten form vorwiegend im dativ angeschlossen ist (
vgl. auch J. Grimm
gramm. 4
2, 808). 1@b@g@2@aa))
mehrfach läszt sich der casus nicht sicher feststellen; oder die fügungen lösen sich in den varianten der überlieferung ab. 1@b@g@2@a@aα)) ein solhe bivilde er nam, so eʒ landes herren wol gezam. Hartmann von Aue
Gregorius 271; mit alsô reinen sachen, daʒ got von himel wol gezeme.
pfaffe Amis 379
Lambel; swen der gute predigere uns seit die rechten mere beide ubel und gut und daʒ so meisterlichen tut daʒ got sin predigen wol gezimt.
der hund und der stein s. kl. mhd. erzähl. 65, 23
s. Rosenhagen s. 52; 1@b@g@2@a@bβ)) in (
var. im) gezimt der arbeit deste baʒ.
Iwein 3079; des moht in wol gezemen. Ottokar 13938 (
var. im); daʒ in den selben zwein tagen in solch helfe kaeme, der si (
var. deʒ in 4) wol gezaeme. 6463;
desgl. 2509; 52423; swenn einen kristen gezimt (eim G.) ze minnen ihtesiht vür got, waʒ ist daʒ wan sîn apgot? 1315;
desgl. 107. 1@b@g@2@bb))
verbindung mit accusativ der person und ergänzungsbestimmungen für die sache oder das abstractum, mit denen sie in übereinstimmung gesetzt wird. 1@b@g@2@b@aα))
wo diese bestimmungen im nominalen genetiv angeschlossen sind, wird ganz vereinzelt und spät auf ein persönliches object bezug genommen: war umbe tuot unser herre daʒ, daʒ er die frummen gar hin nimet, und in der bösen niht gezimet. Ulrich
Tristan 3594
s. Schmeller 2
2, 1122.
unter den unpersönlichen sind selten concreta: den der stanch in chumet,neheines maʒʒes in gezimet: er ist der wunne so satdaʒ er eʒʒen ne mach.
genes. s. fundgr. 2, 16, 25;
vgl.(gezaeme)
auch genes. u. exodus Diemer 24, 5; als er dô ein ros genam des in aller beste gezam.
Erec 3580;
anders 1414 (
s. u.).
dagegen überwiegen verbalsubstantiva und substantivierte infinitive: urloup er zer meide nam, die grôʒes jâmers wol gezam.
Parzival 562, 16; (der vreude ... gezam)
Iwein 64 (
s. var. sp. 7073); (der arbeit
vgl. hier oben) 3079; (des spils gezimt)
Tristan 17834 (
v. d. Hagen); (der rede gezam)
genes. u. exodus 103, 14; daʒ in der werlde sô gezimt daʒ er si vür den himel nimt und vür got der in beschuof. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 2362.
auffällig ist diese fügung, wenn das subject dieses verbalsubstantivs eine andere als die im acc. gekennzeichnete person ist (
vgl. auch heil. regel 3, 11
oben sp. 7071): swen ir kumbers nu gezem, der tuot eʒ âne mînen rât, sît siʒ ungedienet hât.
Parzival 710, 16;
vgl. (wil got meins leben gezemen)
Hätzlerin 2, 60, 166.
zu den substantivierten infinitiven vgl.: ein teil was eʒ ir leide,weinens si gezam.
Nibel. 1101, 2;
desgl. (si gezaeme weinens) 1182, 4; (weinens si gezam) 1637, 2; (den turnierens wol gezam)
Erec 2411; (ruowens in gezaeme)
Parz. 583, 2. 1@b@g@2@b@bβ))
beliebt sind pronominalformen im genetiv, die bald vorhergehendes zusammenfassen, bald auf nachfolgendes hinweisen: daʒ mir so scîere chom des dich gezam.
genes. s. fundgr. 38, 28;
vgl. (lâts iuch gezemn)
Parz. 136, 16;
vgl.(
s. u.) Ottokar 16748; 45941; der vant dâ swes in gezam.
Erec 8716; daʒ si nâch ir selber kür ze lêre dar ûʒ naeme, swes sô sî gezaeme. Gottfried
Tristan 7976;
desgl. (gezam) 3145; swen des zuo hôrenne wil gezemen, der mach eʒ wol al hie vernemen. H. v. Krolewiz
vater unser 2971
Lisch; vgl. (wil iuch sîn gezemen ze hôren) Ottokar 19979; si des gezam, den selben Riuʒen nam. Ottokar 2489; und bittent dOert die herren gar ... das si sich des lassent gezemen das si min gerihte wellint nemen. Rudolf v. Ems
Willehalm 1563,
genau so 2405.
hier weicht der genetiv mehr und mehr dem nominativ: daʒ in durch got des (
var. das) gezaeme daʒ er in sînen scherm naeme daʒ goteshû
s. Ottokar 5787;
desgl. 16748;
vgl. auch zu Iwein 64 (vroüde ... die in gezam
var.);
vgl.: ist daʒ mînen sun daʒ zimt. Ottokar 90065; du solt ouch wissen was dich gezeme swaʒ schaden in dienem dienste neme, daʒ du den wider rihtest snel.
könig Tirol s. ms. 2, 249
b. 1@b@g@2@b@gγ))
infinitive oder substantivsätze ohne pronominale vertretung neben dem verbum: des wart im dô gnâde gesaget und gezam sî deste mêre ze sprechen sîn êre.
Erec 2711;
desgl. (ze rîtenne) 1414; mich sal durch in wol gezemen sterben, wand er vor mich starb.
pass. 36, 74
Köpke; sold in wol gezemen sin furderunge nemen. Ottokar 31780
ähnl. 98067; 1@b@g@2@b@dδ))
unter den obigen fügungen sind mehrfach schon die reflexiven wendungen hervorgetreten, die mit dem hilfsverbum lassen
verbunden bei Wolfram
ansetzen, reicher sich aber erst im übergang zur neuhochdeutschen zeit entwickeln und die im zwangslosen gebrauch noch bis heute geführt werden: nu êret an mir ritters prîs ... ir sult ê mîn gerihte nemn. durch elliu wîp lâts iuch gezemn. Wolfram
Parz. 136, 16;
desgl. 170, 15; 174, 6; (lâʒen sich) 143, 28;
desgl. (wolt ir iuch lân gezemen ... nemen) Ottokar 10412; 42399; (daʒ der sich des lieʒ gezemen) 3127;
desgl. 4702; 24520; 31271; (daʒ si sich lieʒen gezemen ... nemen) 48237; 45239; 53281; 56098; 67769; 81111; die wîle ir lebende muget sî
n. sô lât iu niemer des gezemen, daʒ ir iu den lîp lâʒet nemen âne aller slahte nôt. Stricker
Daniel 4691
Rosenhagen. 1@b@g@2@cc))
für die fügungen mit persönlichem dativ 1@b@g@2@c@aα))
sind nominale vergleichsbestimmungen schon oben in der stelle des subjects gekennzeichnet. im genetiv (
vgl. auch gramm. 4
2, 273)
ist nur vereinzelt und spät eine substantivbestimmung angegliedert: groʒer vorhte ime gezam.
buch d. Macc. 4991.
wo die vergleichsbestimmung von einem satz umschlossen ist, zeigt der regierende satz mit vorliebe die eben besprochenen fügungen mit acc., während die fügungen mit dem dativ hier selten beobachtet sind: der christen was und dem eʒ gezam, daʒ er eine messe vernam.
Wigalois 10890; dem volke uʒ der stat gezam daʒ sie im quamen enkegen. Ottokar 5572; (
vgl.: dat eren radheren themede gold to dreghende
Lüb. chron. 1, 438
s. Schiller-Lübben 4, 526
b). weiʒ got sô muoʒ gezemen dem bâbst und sînem vater, daʒ si dester drâter mîniu kint und mich gestillen. Ottokar 4870. gefangen solt du mich nemen. das mag der magt wol gezemen: ich gib ir wider als ir landt und setz darumbe pfanndt nach irem willen und muot.
Friedr. v. Schwaben 2230
Jellinek; desgl. 3130; der selbe trôst ist mir ze mîner nôt gegeben sol das der lieben wol gezemen, sô wundert mich. Ulrich v. Singenberg 18, 12
Bartsch. 1@b@g@2@c@bβ))
ungewöhnlich beliebt dagegen und formelhaft verwendet ist das verbum im eingeschobenen nebensatze: möcht ich erwerbenmit froïden ir hulde künd ich die gesuochenals es ir gezaeme. Heinrich v. Veldeke
s. ms. frühl. 63, 12;
desgl. (gezeme)
altdtsch. predigten 54
u. a.; Jansen Enikel 12137; man zôch in mit dem flîʒe,als im daʒ wol gezam von sîn selbes muote,waʒ tugent er an sich nam.
Nibel. 24, 1;
desgl. Wigalois 1032; 2165; 6399;
Trierer Sylvester 274; Ottokar 91142; Jansen Enikel 4676 (
und 16
mal);
desgl. G. Hagen
reimchr. 473; Joh. Rothe
passion 1283; (alse it wol getam eime keisere)
Sächs. weltchron. 187
Wieland; (
vgl.: also et one wole tam
s. Schiller-Lübben 4, 526
b). (so hieʒ er wirken) ein grap. vil michil golt er dar gap, (daʒ da lege der) here so iʒ eineme kuninge wol gezeme.
Maccabäer 88
s. dtsch. ged. 12. jahrh. Kraus s. 28;
vgl. oben zu Gregor 271.
vgl. auch das vorherrschen von vergleichssätzen in neueren buchungen s. u. gegenüber dieser formelhaften entwicklung des vergleichssatzes treten andere nebensatzformen ganz zurück: stênt û
f. sam mir got, ir tuot anders denne iu wol gezeme oder ich an iu für fuoge neme.
gute Gerhard 2122; und kunde wol an sich genemen swaʒ einem herren sol gezemen lobes unde wirdikeit. Konr v. Würzburg
Partonop. 282. (waʒ im ze redene gezam) Stricker
pfaffe Amis 794; Dietleib thet das im wol gezam er warff den harnisch hin zu thal das es laut im kercker erhal.
Laurin 2128
Schade; desgl. Sigenot 52. 1@b@g@2@dd))
wie in die stelle des subjects (
s. o.)
nomina vordringen, so schieben sich nunmehr auch in die stelle des persönlichen dativs concreta, noch häufiger abstracta ein. auch hier ist der vergleichssatz formelhaft bevorzugt: 1@b@g@2@d@aα)) als er die harphen dô genam, sînen handen sî vil wol gezam. Gottfr.
Tristan 3546; (als eʒ ir ougen wol gezam)
Erec 8212. 1@b@g@2@d@bβ)) got, scephe mînem munde ein turlîn, thaʒ ih hiute sô gerethe, alsô iʒ thîneme namen gezeme.
Rolandslied 972
Bartsch; desgl. (als och der ... miltikeit gottes ... wol gezam)
leben der schwestern zu Tösz 116
Vetter; (als es deme gotz geiste gezimmet) Tauler
predigten 307; (als es ir eren wol gezam)
Wigalois 5205; (dem zeichen gezam) Reinmar v. Hagenau
ms. 2, 72
a; (der hochzit)
gute Gerhard 6399; (mîner froiden) Rubin
s. ms. 1, 169
a; daʒ mînen êrn mug gezemen) Jansen Enikel 20522. 1@b@g@33))
ganz selten nur bleibt in der mittelhochdeutschen zeit die person oder sache, mit der eine übereinstimmung gesucht wird, unangedeutet: daʒ hofgesinde, alsô eʒ pflac vertreip vil schône den tac mit manigem daʒ wol gezam.
Tristan als mönch 587; zwen man harte grîse vor dem paradise gecleidet als iʒ gezam. Hesler
evangel. Nicodemi 3585; ich wunsche daʒ des gezeme, min bluot niht enzelen queme zu irme blute gegoʒʒen, dan daʒ eʒ queme geschoʒʒen zumale mit einander dar.
buch der Maccabäer 11795; dem marschalck wird dhein pferd, denn nüt wol gezeme dasz der bischoff ze fuss dannen gan solt
bischofs und dienstmannenrecht v. Basel (13.
jahrh.)
s. 25; 'mich dunckt aber gezAemen, der dînen solt du mer niemen'.
Friedrich v. Schwaben 7009;
vgl. auch evangel. Nicodemi 2703 (gezemen, zemen). 1@cc)
in der neuhochdeutschen zeit schränkt sich der gebrauch des verbums unverkennbar gegenüber dem mittelhochdeutschen ein, wobei sich das verhältnisz der formen mit und ohne präfix sehr zu gunsten der letzteren verschiebt. außerdem kommen neue concurrenzformen auf wie es gehört sich, schickt sich,
und den alten, auf den reim gestützten, formeln wird der nährboden entzogen. persönliche fügungen sterben aus, und in der stelle des unpersönlichen subjects gewinnt das neutrale pronomen vor den substantiven durchaus die oberhand. auch der accusativ der person wird ganz durch den dativ oder durch präpositionalverbindungen zurückgedrängt. andererseits schreitet der reflexivgebrauch vor, und an der allgemeinen einbusze nehmen die einzelnen verbalformen nicht gleichen antheil. am meisten schrumpft der gebrauch des präteritums im indicativ und im conjunctiv ein, während das particip in der neuen schwachen form (geziemt)
begünstigt wird, sowohl in der umschreibung von zeitformen als in attributiven verbindungen. das präsens andererseits wird sowohl im indicativ wie im conjunctiv bevorzugt und gewinnt in der participialform geziemend
sogar formelhafte verbreitung. auch der infinitiv dehnt sein ohnehin schon breites gebiet noch weiter aus in der verbindung mit allerlei hilfsverben, unter denen nur die reflexive mit lassen
zurücktritt. dies eben gekennzeichnete verhältnisz der einzelnen verbalformen steht im zusammenhang mit dem übergang von der starken flexion zur schwachen (es geziemte, es hat geziemt
gegen gezam
und hat gezomen).
der conjunctiv des präsens grenzt sich nunmehr sicherer gegen den des präteritums ab (es gezieme
gegen geziemte
an stelle des früheren gezeme [gezaeme].
freilich sind manche vortheile dieser neuerung wieder durch den systemzwang, die durchführung des für den sing. im präs. geltenden vocals durch alle formen des präsens (sie geziemen
im ind. und conj.),
wettgemacht, wie auch die neue gleichförmigkeit des ind. und conj. im präteritum (geziemte)
nicht ohne einflusz auf das zurücktreten dieser formen bleibt. 1@c@aα)
in der bibelübersetzung ist der höhepunkt des gebrauches im cod. Teplensis und in den gedruckten bibeln bis zu der von Koberger
gegeben, mit der letzteren stirbt er jählings ab. vor allem zeigt sich bei Luther
eine völlige abneigung. nur gelegentlich führt er noch das verbum, aber ohne präfix ein. 1@c@a@11))
ohne abweichungen gilt dies für die wiedergabe des lat. oportet
und oportebat,
für die der cod. Tepl. durchweg gezimet, gezam, gezaeme (
im Tatian [
s. o.]
formen von gelimpfen)
gebraucht —
ebenso wie die ältesten gedruckten bibeln, während von Koberger
ab (
das gleiche schon bei Beheim)
hilfsverben wie müssen, sollen (
vgl. dazu sculan
bei Ulfilas
s. o.)
dafür platz greifen, die auch Luther
verwendet: 1@c@a@1@aa)) ich hab andere schaff, di da nit sint von disem schafhaus, und dise gezimt mir herzufuren
cod. Tepl. Joh. 10, 16 (
oportet me adducere, thiu gilimphent mir zi halonne
Tatian 133, 13; jah þo skal briggan Ulfilas; die selben mus ich her fren Luther); es gezimt zu allen zeiten ze beten
cod. Tepl. Lucas 18, 1; (
oportet semper orare, gilimphit zi betonne
Tatian 122, 1; skulun bidjan Ulfilas; man musz
Augsb. 1487; das man alle zeit beten und nicht lasz werden solt Luther); wan es gezimt ze werden getan dise dink
cod. Tepl. Marc. 13, 7 (
oportet, gezimpt Eggesteyn; es mus also werden Koberger; iʒ muʒ geschên
schon bei Beheim; musz Luther);
desgl. Matth. 16, 21; 24, 6; 26, 54;
Lucas 13, 33; 24, 7;
Joh. 3, 14. 30; 9, 4; 12, 34
u. a. 1@c@a@1@bb)) im gezam zegen durch Samariam
cod. Tepl. Joh. 4, 4 (
oportebat ... eum transire; gilamf in an
Tatian; er must geen
Augsb. bibel v. 1487; muste Luther);
desgl. Lucas 24, 26; 24, 46;
Joh. 20, 10; daʒ im gezam ze ersten von den toten
cod. Tepl. Joh. 20, 97 (
oportebat; im gezam Eggesteyn
u. a.; er muszte wider ersteen
Augsb. von 1487; he muoste von dem tôde ûf irstên
schon Beheim; das er ... müste Luther); gezam si zenbinden
cod. Tepl. Lucas 13, 16 (
non oportuit, ni gilamf
Tatian 103, 5; müszt nit auffgelöset werden
Augsb. 1487; solt aber nit gelöset werden Luther);
desgl. Lucas 15, 32; darum gezame dir den nit auch ze derbarmbde
cod. Tepl. Matth. 18, 33 (
non ergo oportuit, ni gilamf thir
Tatian 99, 5; möchtest du auch nit dich erbarmen
Augsb. 1487; soltestu Luther). 1@c@a@22))
umstrittener ist schon die wiedergabe des lat. licet. 1@c@a@2@aa)) di fursten der pfaffen namen di silbrin, si sprachen: si geziment nit zu legen zu dem schacz
cod. Tepl. Matth. 27, 6 (
non licet eos mittere, gezement Mentel
u. a.; es geziemt nit
noch die 9.
bibel s. Danner
oberdtsch. bibelglossen 16.
jahrh. 166; es taug nicht das wir sie in gottes kasten legen Luther);
dazu vgl. (
s. o.)
Matth. 12, 12 (gezimt
cod. Tepl. und spätere über die Augsburger bibel hinaus; mag man thun Luther); gezimpt den zins ze geben dem kaiser, oder nit
cod. Tepl. Matth. 22, 17 (gezimpt Mentel
u. a. licet censum dare; ists recht das man dem keiser zinse gebe Luther). 1@c@a@2@bb))
einmal nur ist auch für Luther hier das verbum beobachtet, aber ohne präfix: sich dein iungern tund, daʒ in nit gezimt zu tun den samcztagʒ
cod. Tepl. 12, 2 (gezymt Mentel
u. a. quod non licet eis facere, deine jünger thun das sich nicht zimpt am sabbath zuthun Luther). 1@c@a@33))
auch sonst weicht Luther
aus: es gezimt dir, daʒ verderb eines deiner gelider, den daʒ aller dein leib ge in di angest
cod. Tepl. Matth. 5, 29 (
expedit enim tibi ut pereat, es geziemt dir Mentel; es ist dir besser, das eins deiner gelied verderbe Luther);
vgl. auch domum tuam decet sanctitudo ... dînero ecclesiae gezimet hêiligheît in êwighêite, in andirro werlte skînet iro heîligheît, dar zîmet sî iro Notker
psalm 95, 2
s. Hattemer 2, 337
a; (daʒ huʒ din geczemit heilikeit
Trebnitzer psalmen; heiligkeit ist die zierde deines hauses Luther;
var.: die heiligkeit ziert [schmückt] dein haus);
das gleiche (
s. o.)
psalm 32, 6. 1@c@bβ)
in den wörterbüchern wird das verbum viel gebucht, zumeist in der form mit präfix. dem vorwiegen des präsens im neueren gebrauch entspricht es, dasz neben dem infinitiv, an dem die begriffsbestimmung durchgeführt wird, zumeist wendungen in der 3.
person des präs. ind. angemerkt sind, seltener participialformen des präs. 1@c@b@11))
zum verhältnisz der formen mit und ohne präfix vgl. decet, es zimpt Cholinus-Frisius (1546) 244
b; (
dagegen gezimpt Calepinus [1588]) 374
a;
das gleiche für indecet 450
a;
dedecet 393
a;
condecet 192
b;
dazu vgl. ziem,
ziemen, geziemet;
frequentius, geziemen, geziemet Stieler 2646; ziemen, geziemen (
mit belegen nur für das letztere)
Frisch 2, 476
b; geziemen ... das ohne noth verlängerte zeitwort ziemen, welches durch geziemen in der anständigen sprechart beinahe völlig verdrängt worden, und wird am häufigsten als ein unpersönliches zeitwort, wenigstens nie anders als in der dritten person gebraucht Adelung 2, 674;
vgl. auch geziemen, eine blosse verlängerung von ziemen Rumpf
der preusz. kanzleisecretär (1814)
s. 174. 1@c@b@22))
zur begriffsbestimmung vgl.: 1@c@b@2@aa))
ἐξεῖνα,
ὑπάρχειν, gezimmen, gebüren Meder 259;
decet, convenit, honestum, aptum est ... es gezimpt sich, es geburt sich, ez steht wol Calepinus (1590) 388
b; indedecet ... es gezimpt oder gebürt sich nicht 742
a;
dedecet ... es gezimpt sich nicht, es steht übel 393
a; geziemen, gebüren, zustehen, wol anstehen,
decere congruere, convenire Henisch 1612;
condecet, sich geziemen König
gazoph. 245;
decet, sich geziemen oder gebühren 308; einem nicht geziemen,
alienum esse ab aliquo Reyher
g 4
a; geziemen ...
decere, consonum, consentaneum, par, decorum, dignum esse, convenire congruere Stieler 2646. 1@c@b@2@bb)) geziemen, gebühren,
appartenir, estre de debuoir de quelqu'un, ou bien séant Hulsius (1614) 165
b.
ganz ähnlich (...
seoir, estre bienséant ... convenir ...) Duez (1664) B b 4
b; Wiederhold (1669) 145
b; Rädlein 385
b (nicht geziemen,
non convenir); (...
etre honnête, juste, légitime ...)
nouveau dict. allemand. franz. (
Strasbourg 1762) 1, 341; Frisch
nouveau dict. 2, 281 (
wie Hulsius); geziemen,
convenir, être convenable, ... séant, décent, juste Schwan 1 (1783), 751
b; geziemen,
convenir, être convenable P. Blaschke
wb. des ges. verkehrswesens 1, 102; geziemen,
to become, behove, be decent, meet Arnold (1790) 427
b. 1@c@b@2@cc)) geziemen, schicken oder gebüren
teutsch.-engl. lex. (1716) 777;
das gleiche Kramer 2, 97
c (1719). 1@c@b@33))
zur buchung einzelner verbindungen ist auf das vordringen reflexiver fügungen zu achten. 1@c@b@3@aa))
für die an sich schon zurücktretende buchung des verbums in hauptsätzen ist bemerkenswerth, dasz positive wendungen seltener angemerkt sind als negative. 1@c@b@3@a@aα)) es geziemet einem ehrlichen unterthan,
boni civis est, bonum civem decet Henisch 1612; es geziehmet,
addecet Reyher
q 4
a; es geziemt dir,
tuum est munus, Stieler 2646; es geziemt uns vorsichtig zu sein,
it behoves us to look before we leap teutsch-engl. lex. 778; es geziemet sich,
decet, oportet Henisch;
par fuerit, es wird sich gezimmen, dasz du ... liebest Dasypodius
lat. deutsch E b 5
b;
addecet, es geziemt sich König 26; es geziemt sich,
decet, addecet, oportet Stieler 2646; ja, so geziemt sich's,
ay, so is it seemely, so it behooves teutsch-engl. lex. 1@c@b@3@a@bβ))
der haupttheil fällt auf negierte wendungen: solches geziemet dir gar nicht, es ist nicht recht,
minime honestum est, haud aequum, non decenter, fas non est Henisch;
desgl. (
cela ne vous loist, ou ne vous est seant, Hulsius; (
cela ne vous convient pas) Duez;
ähnlich Rädlein 386; Schwan; (dieses geziemt mir nicht) Aler 1, 944
b; (es geziemt ihnen nicht,
it does not beseem, become or behove)
teutsch-engl. wb.; indecet, es geziemt sich nicht König 571;
desgl. Reyher g 4; (
nefas, flagitium, turpe, non aequum est) Stieler 2646;
vgl. auch Steinbach 2, 1092; Kramer 2, 97
c; (wird sich nicht geziemen ... hat sich nicht geziemet)
teutsch.-engl. lex.; es geziemt sich nicht für einen ehrlichen mann,
il n'est pas d'un honnête homme (einem ehrlichen manne geziemt es nicht Schwan)
nouveau dict. (
Straszb. 1762) 1, 341.
dazu vgl. die vereinzelte buchung des praefixes in der mundartlichen wendung mit persönlichem subject (
s. sp. 7069
unten): e' geziemt sech net sât z'iessen, er gönnt sich das essen nicht Gangler
lex. der luxemburger umgangspr. 180. 1@c@b@3@bb))
in nebensätzen, wo schon das mittelhochdeutsche (
vgl. sp. 7074)
das verbum bevorzugt, wird es noch immer mit vorliebe gebucht, zumeist im vergleichssatze und in positiver fassung: condecenter, wie es sich gezimpt und wol stet Calepinus 309
a; er lebt nicht, wie es ihm geziemet,
he does net live like himself. teutsch.-engl. lex.; wie sichs geziemet,
ut par est Steinbach 2, 1090; Frisch 2, 476
b; thut so wie es einem redlichen mann geziemet,
do what becomes a man of honour teutsch.-engl. lex.; wie es sich geziemt,
comme il faut Schwan,
desgl. P. Blaschke
wb. d. ges. verkehrswesens 1, 102.
fügungen im relativsatz sind selten; diesbezügliche fremdsprachliche wendungen werden gern abgeändert, wie (
s. o.)
im teutsch.-engl. lex.; vgl. dazu: er tuht, was ihm geziemet,
fungitur officio suo Stieler 2646 (wie es ehrlichen leuten ziemet
ebenda; das dir wol zimpt ... wie es zimpt Cholinus-Frisius 192
b;
dazu vgl. mit negativer fassung: thun, was sich nicht geziemt,
facere id quod non decet Steinbach 2, 1092;
vgl. Frisch 2, 476
b. 1@c@b@3@cc))
der infinitiv, die in den wörterbüchern für das stichwort beliebte verbalform, wird hier in den älteren —
lateinisch-deutschen —
buchungen schon durch das lateinische vorbild zurückgehalten, vgl. oben die belege für decet, dedecet u. a.; vgl. aber die parallele decet, sich geziemen
s. o. andere lateinische parallelen begünstigen die infinitivform vgl. (
s. o.) Meder 259;
vgl. attinere, pertinere, decere, convenire ... gehören, antreffen, gezimmen, zustehen Calepinus (1590) 144
b (
vgl. attinere, antreffen, angehen Cholinus - Frisius 104
b);
vom 17.
jahrh. ab überwiegt aber allenthalben die infinitivform, vgl. gezimmen
vide gebüren Sattler
teutsche orthographei und phras. (1610) 214; gebüren, gezimmen, zustehen, eignen
s. 200.
auch in den beispielen dringt hier der infinitiv vor, entsprechend dem thatsächlichen gebrauch: disz will sich gantz nicht gezimmen. steht jhme nit zu, gezimbt jhme auch nit
s. ebenda u. a. selten wird daneben vergessen, das part. praesentis anzumerken, vgl. unter geziemend.
dagegen gehen die wörterbücher über die schwierigkeiten, die das part. praet. darbietet, gern hinweg; nur im Straszburger dict. (1762)
findet sich: part. geziemet 1, 341. 1@c@gγ)
innerhalb des formensystems sind die bemerkenswerthesten erscheinungen am lautkörper bei diesem verbum abhängig von besonderen voraussetzungen, die für die einzelnen flexionsformen verschiedenartig eintreten. da nun auch der syntactische gebrauch gerade dieses verbums in bezug auf person, numerus, tempus und modus stark gebunden ist und da diese gebundenheit wieder formelle wirkungen ausübt, so musz hier von der einzelnen flexionsform ausgegangen werden. die erste und zweite person scheidet dabei ganz aus, weil der neuere sprachgebrauch das verbum nur noch in der dritten person verwendet. auch der plural kommt kaum in betracht. er ist nur in einem theil der selteneren wendungen belegt, die statt des unpersönlichen subjectpronomens ein abstractes substantiv zeigen: zwei entgegengesetzte denkweisen, wie sie harnisch und topa geziemen, sehen wir in vielen individuen ... gegenübergestellt Göthe I, 41, 1, 200
Weimar; desgl. Weise
erznarren 174; Lessing 2
3, 232; L. S.
Sturm anweisungen zu der civilbaukunst 48. 111
u. a.; Kant
verm. schr. 2
8, 360; 401; Uz 241; Rückert 2, 132; (geziehmen) Lokman
fabeln 34.
im praesens theilt der plural, der den unterschied zwischen ind. und conj. nicht erkennen läszt, die lautlichen bedingungen des conj. praes. und des infinitivs (
s. u.).
im praeteritum ist der plural ganz selten und fast nur in der form des conjunctivs belegt, wo er keine besonderheiten gegen den singular aufzuweisen hat (
s. u.). 1@c@g@11))
die dritte person sing. des praes. ind. ist beim neueren gebrauch im gegensatz zum älteren die bevorzugte flexionsform, wie schon ein vergleich der in den neueren wörterbüchern angemerkten verbindungen mit dem stand in der älteren bibelübersetzung (
s. o.)
bestätigt. das gleiche läszt sich noch deutlicher in den unten folgenden belegstellen beobachten, die, wenn sie auch nur einen ausschnitt aus dem gesammtgebrauch darstellen, in ihren verhältniszziffern aber doch kennzeichnend sind. über 100
mal ist hier das praes. ind. der dritten sing. vertreten, bemerkenswerth ist dabei die vertheilung der hauptsatz- und nebensatzfügungen auf negierte und positive wendungen. negiert ist das verbum im hauptsatze, positiv gefaszt fast nur im nebensatz zu beobachten, vorzugsweise in vergleichssätzen, die in mittelhochd. zeit das praet. bevorzugt hatten, vgl. sp. 7074.
lautlich ist bei dieser flexionsform auszer dem stammvocal der schlieszende labial in seiner stellung zum flexivischen dental zu beachten. 1@c@g@1@aa))
die erhöhung des e
im stammvocal zu i
ist im allgemeinen durchgeführt. einzelne mitteldeutsche belege halten am e
auch in dieser flexionsform fest: gezemit
Alsfelder pass. 7837; gezempt Valentin Voigt
Esther 600;
zum niederdeutschen vgl. darmme getêmet dy gewaldt unde eer
jüngere glosse z. Reinke de vosz 62, 41
Brandes. soweit die quantität aus der schreibung zu erschlieszen ist, wahrt der i-
vocal seine kürze ziemlich lange gegen die vordringende länge. 1@c@g@1@a@aα)) gezimet, gezimt
in der genesis, bei Ottokar, Ulrich v. Türheim, Lamprecht v. Regensburg
u. a. bis ans ende des 17.
jahrh. (
s. u.)
; dazu vgl. die formen gezimbt, gezimpt (
s. u.)
; vgl. gezimmet Tauler 24, 307; Braunschweig
chirurgie (1498) 22
a; S. Franck
Germ. chron. 26; Fischart
ehez. 53;
Gargantua 225; Mathesius
Sarepta 49
b;
hochzeitspred. 110
Loesche; leichenreden 89; Ph. Heilbronner
v. d. Augsb. confession (1598) 141;
Wormser druck des Tristan; gezimmt
ebenda; desgl. Fischart
bienenkorb. 1@c@g@1@a@bβ)) geziemet
schausp. engl. comöd. 301, 5; Gueinz
erinn. 10; (
Cöthen und Leipzig)
übers. d. Terenz: Praetorius
abdanckungen (1662) 368; Chr. Weise
politische näscher (1678) 142; Harsdoerffer
s. ertzschrein 355; Menantes 3;
vgl. auch Stosch;
zum vereinzelten späteren gebrauch bei Göthe
und Herder
s. u.— geziehmet Olearius
pers. baumgarten (1696) 21
b; Lokman
fabeln 35;
vgl. auch oben; geziemt Dürer
nachl. 300;
M. Moller
kirchenl. (1584);
Cöthener übers. des Terenz (1620) 66; Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 366
b; L. S. Sturm 119; Denis, Bürger, Wieland, Göthe (
neben anderen formen); Rumpf 138; J. C. Fulda, Klinger, Körner, Grillparzer, Hebbel, Geibel, Fontane. 1@c@g@1@bb))
zwischen labial und dental. 1@c@g@1@b@aα))
ist der flexionsvocal gewahrt: gezimet
genesis s. fundgruben 2, 16, 25; 1, 24, 6; Ulrich
Tristan 3594;
Münchner Oswald 234; Lamprecht
tochter Syon 221; Rothe
Elisabeth (42) 2099
Mencken; Warbeck
Magelone 39
a;
Bamberger halsgerichtsordnung art. 111; Schaidenreisser
Odyssee 85
a; Spreng
Ilias 6
b (
s. auch bei gezimbt); Candorius (1666) 200; Butschky
sinnenreiche reden (1666)
s. 235;
Pathmos (1677) 579;
dazu vgl. gezimmet (
s. o.); geziemet (
s. o.)
; vgl. auch: da hoff' ich, ihr werdet, lieber neffe, mir helfen, so wie es verwandten geziemet. Göthe (
Reineke Fuchs) 40, 121
desgl. 313;
desgl. Herder (
in prosa) 23, 352; 24, 264. 314. 1@c@g@1@b@bβ))
die synkopierung ist bei Ottokar
mehrfach beobachtet: gezimt 2, 509. 922. 52423;
desgl. Lamprecht
tochter Syon 229. 237. 1315. 107. 2362;
kl. mhd. erz. 52
Rosenhagen; cod. Tepl. Joh. 18, 14
u. v.; Fischart (
mehrfach); Schwarzenberg
teutsch Cicero 152
a. (
var. gezimpt).
aus späterer zeit vgl.: jedoch geziemt es dir, an solchem fest dich würdig zu benehmen, achtsam, ernst. Uhland
Ernst von Schwaben 1, 1;
gegen: nicht ziemet mir, erlauchtester gemahl, dies urtheil über deinen herrschergang.
ebenda. der übergangslaut von der labialen liquida zum dentalen verschluszlaut wird im 16.
jahrh. gern gekennzeichnet: gezimbt
Carolina 94. 31;
Rotenburger bauernkrieg 225; Waldis,
päpst. reich C 3
b; Schaidenreisser
Odyssee 3
b; Spreng
Ilias 7
a; 9
b; Sattler
orthogr. 200; gezimpt
Bambergensis art. 38; Schwartzenberg
teutsch Cicero 152
a;
hertzog Aymont (1535)
z 4; Melanchthon
sendbrief 1; Boltz
Terenz (1539) 70
a; 76
b; 81
b; 83
b; 114
b;
desgl. Joh. Episcopius 84;
reformation guter pollizei (
Mainz 1548) 13
a; Hug (1548) a 6
b; J. Wetzel
reise 118; Ambach
vom zusauffen D 4
a; Bebel
facetien (1558) G 5
a; Hans Sachs
fab. u. schw. 2, 89; Scheidt
Grobianus 1241; 2461; Valten Voigt
Esther 992
vgl. auch 600.
neben gelängtem vocal vgl. geziembt
Frankf. druck d. reform. guter pollizey (1587)
s. 12
b; Spreng
Ilias 89
a gegen geziemt (
s. o.). 1@c@g@22))
in der pluralform des praes. ind., wie in den conjunctivformen des praesens und im infinitiv tritt ein und dieselbe wandlung ein: die ursprüngliche qualität des stammvocals (e)
wird durch systemzwang an die eben besprochene verbalform angeglichen: gezemen (anderes ne gezemen Cillenio,
convenire non posse Notker
Hattemer 3, 293
b) gezeme, gezemen
werden zu geziemen, gezieme, geziemen.
zum plural ind. vgl. geziemen, geziehmen
sp. 7078.
gegenüber den conjunctivformen mit e,
soweit sie in der älteren sprache für das praesens gegen das praeteritum sicher zu stellen sind (wilth du daʒ gote ... din leben gezeme
heil. regel 3, 11;
desgl. Rolandslied 972;
Maccab. 88
Kraus; buch d. Macc. 11795; gezemen
altdtsch. predigten 1, 48)
vgl. nun: gezime Luther
ob man f. d. sterben fliehen mag A 2
a; gezimme Alpinus
deutsch 11
b;
tragödia Joh. (1549) B 1
b; das mir gezimme Boltz
Terenz 42
a; gezieme Prätorius
blocksberg 446; Grimmelshausen
Simpl. 192; Klinger 4, 86; H. Steffens 3, 183; Gottfr. Keller 6, 229.
um so reichlicher ist der inf. vertreten, von dessen belegen mehr als die hälfte auf die alte form gezemen
fällt, was für die beliebtheit entsprechender fügungen schon in der mittelhochd. zeit spricht. denn schon im übergang zur neuhochdeutschen zeit dringt der i-
vocal vor. in der Zimmerschen chronik werden zweimal sprüche angeführt (1
2, 601
und 602),
die unser verbum im inf. mit der form nemen
reimen lassen, aber nur einmal trägt die schreibung dem rechnung, im andern fall folgt sie dem neuen zug: wellt euch das gezemmen, das ir die wellt vernemen.
gegen: und schreien auch zum richter, die gesetz weren zu schwer; davor sollt im gezimmen und das recht abnemen.
auszerdem vgl.: es wird sich wol gezemen B. Waldis
Esopus 4, 94;
dagegen vgl. gezimen
Petrarcas trostbücher 30
b; Veit Warbek
Magelone 38
b; Hans v.
d. Planitz (1523)
berichte 395; Zesen
Rosamund 189; gezimmen Wyle 21; Murner
Luthersche narr 3384; Eberlin 3, 114; Boltz
Terenz (1539) 63
a; Dasypodius; Matthesius
Sarepta 27
a;
hochzeitpred. 24; Hug; Sattler; Wickram; Fischart
bienenkorb (1586) 23
a; Calepinus (1590) 144
b; geziehmen Angelus Silesius
seelenlust 67; geziemen
buch der liebe 32, 1; Engerd (1589); Simon
Dach 728
Oesterl.; Ludwig v. Anhalt
s. ertzschrein 342; Zesen
gekr. maj. 181; Joh. Job
kirchenlied; Neukirchs samml. 6, 320;
für die beliebtheit solcher verbindungen mit dem inf. zeugen später noch Lessing 4
3, 95;
dict. (
Straszburg 1762) 1, 341; Arnold (1790) 427
b; Herder 22, 246; Göthe
br. 36, 12; W. v. Humboldt
Pindar 38; Varnhagen
an Humboldt 10; Rückert 1, 68; Hebbel
br. 1, 395; Ranke 14
2, 64; Bismarcks
reden 3, 53
u. a. 1@c@g@33))
das praeteritum ist —
von den participialformen abgesehen —
im neueren gebrauch ungewöhnlich zurückgegangen, wie sich schon aus den belegen schlieszen läszt, die uns zugänglich sind. 101
mal ist hier das praet. aus der älteren sprache beigebracht (71 gezam, 30 gezaeme)
gegen 30
beispiele der neuhochdeutschen zeit (13 gezam, 7 gezaeme, 11 geziemte),
die ihrerseits überwiegend der älteren schicht angehören. 1@c@g@3@aa))
im ind. und conj. tritt auch hier der plural fast ganz zurück: gezâmen
Lanzelet 2031; gezemen (gezaemen) Neidhart 58, 79;
altdtsch. predigten 1, 48
Schönbach; Ottokar 2413; die ihm vielleicht zu schaden kemen zu gottseligkeit nicht gezemen. Hans Sachs (
Johannes 1, 5) 15, 430;
desgl. (gezimmeten) Fischart
Gargantua 246; (geziemten)
Erasmus lustgarten. der übergang von der starken zur schwachen flexion setzt hier viel später als beim particip ein (
s. u.). 1@c@g@3@a@aα)) gezam, gezaeme,
die formen, die in der mittelhochdeutschen zeit bis ins frühneuhochdeutsche herrschen (gezam
Zimmersche chron. 2, 10. 12;
dtsch. städtechron. 8, 41. 47; gezeme 8, 475; gezaeme
nachvolgung Cristi [
Augsb. 1486] 170
a),
reichen noch weit ins 16.
jahrh.: getzam Geiler
schiff der penitenz 98
b u. a.; gezam
puch der heil. Brigitta (
Nürnberg 1502) 1; Wickram (
Ovid) 7, 20
Bolte u. a.; vgl. auch gezamb Schmeller 2
e, 1122; Wilw. v. Schaumburg 18; gezaeme (gezem) Joh. v. Schwartzenberg
trostspruch 910
Scheel; Mich. Herr
Seneca (
Straszb. 1536); Hans Sachs
fab. u. schwänke 1, 18; K. Scheidt
Grobianus 3527; gezähm Fizion
chron. v. Reutlingen. 1@c@g@3@a@bβ))
dagegen vgl. das im gezimpte Boltz
Terenz 37
a;
vgl. gezimmeten Fischart
Gargantua 246
neudr., geziemte (geziemten)
mit verwischung des unterschieds von ind. u. conj. Zesen
gekrönte majest. (1661) 34;
desgl. Erasm. Francisci (
s. o.);
dazu später bei Bürger 1, 187; Herder 13, 405; 23, 184; Göthe (
Reineke Fuchs 5, 239) 50, 70
und br. 20, 250; Uhland
Fortunat; G. Freytag 4, 52; 8, 372. 1@c@g@3@bb))
viel früher setzt die schwache flexion beim part. des praet. ein, und von hier scheint sie auch ausgegangen zu sein, da die starke form hier nur lückenhaft belegt ist und lautlich sehr verschieden erscheint, also keinen sicheren halt bot. 1@c@g@3@b@aα)) eʒ waere in ê gezemen baʒ (von schulden wil ich sprechen daʒ) dô er hete noch daʒ leben.
klage 970;
dazu vgl. getzumen Heinrich v. Sachsenheim; gezomen Ulrich
Willehalm 188
a, 191
a u. a.: Stricker
Daniel 5551;
meister Altswert (
der spiegel) 169 Holland u. Keller; des keinem gezomen noch gepürt
Heilbronner urk. v. 1525
s. H. Fischer 3, 645; meint Jeckle Rohrbach man hab ihm gefehlt, und hab die gült manch jahr genommen, er meint, es hab sich nicht gezommen.
Heilbronner gedicht zum bauernkrieg (1525)
s. Senckenberg select. jur. 4, 685. 1@c@g@3@b@bβ)) hat sich wole gezimt das ... Reuchlin
vorr. zu Demosthenes 3; mirs billich getzimet hat Luther 6, 203; was auch undter des bapst regiment gezimpt hat Eberlin v. Günzburg 3, 31; so ein artzt ... sich ungegrundter, unzulassiger arzney, die jme nit gezimpt hatt understunden
Carolina (134)
s. 70
Kohler-Scheel; desgl. Hans Sachs
fab. u. schw. 3, 275; gezimpt hat Boltz (1539) 63
a; 63
b; 84
b; geziemet hette
Cöthener Terenz v. 1620.
auch attributive verbindungen sind mehrfach beobachtet: dieses ehfest feiren wir, bräutigam und braut, mit geziemter lust und zier, die hie wird geschaut. S. Dach (
brauttanz) 489
Österley; ... wo wir nicht so ein ganzes vertrauen zu euch geschöpft, dasz ihr es nicht misbrauchen, sondern auf solche weise, und mit solcher geziemten bescheidenheit gegen uns ... handeln würdet, dasz ... Zesen
gekrönte majestät (1661) 337; ihre geziemte freiheit und ehre zu bewahren 112; alle herren ... ritten ... mit entblöszten heupten und bloszen degen ... in geziemter ordnung vor dem könige her 391; nun ging man in geziemter ordnung nach Florenburg, allwo die braut mit ihrem gefolge schon angekommen war J. H. Jung
Heinrich Stillings jugend (
Kürschner 137)
s. 14. 22)
die neueren verbindungen des verbums in der dritten person sind ganz auf den unpersönlichen gebrauch beschränkt. als vereinzelten nachzügler älterer persönlicher fügung (
zu mundartlichen resten s. oben sp. 1077)
vgl.: gab seinem son eines frommes weib die da wol gezam reinem leib lebt in aller zucht und ehr. Val. Schumann
nachtbüchlein (2, 15)
no. 37
Bolte. 2@aa)
die beiden bedeutungsrichtungen, die aus dem grundbegriff der übereinstimmung im älteren gebrauch des verbums abzweigten und die sich mit den gleichungen licet
und decet
im wesentlichen kennzeichnen lieszen, setzen sich im neueren gebrauch nicht in gleicher weise fort. die auf den begriff des pflichtmäszigen zielende objective richtung der übereinstimmung wird mehr und mehr zum hauptträger des gebrauches, während die subjective richtung, die in dem gefühlsantheil der handelnden person, in ihren neigungen und rechten wurzelt, mehr und mehr ausstirbt. 2@a@aα)
so ist die gruppe der um die gleichung mit licet
sich sammelnden wendungen ganz im rückgang. 2@a@a@11))
dies gilt vor allem für die verbindungen mit lassen,
ob sie nun reflexiv sind oder nicht. zum letzteren vgl. nütz grössers beger ich, last mir gezimmen warlich, daʒ ich Lucrecie diner sig Niclas von Wyle
translationen 21
Keller; dazu vgl. die verbindungen von gezemmen, gezimmen
mit wollen und sollen in der Zimmerschen chron. 1
2, 601. 602
s. o. 2@a@a@22))
gute anhaltspunkte giebt hier die deutsche Terenzübersetzung, deren lat. original besonders häufig die verbindungen mit licet
bald im zusammenhange mit solchen von decet,
bald ohne diese bietet. die älteste gedruckte deutsche übersetzung (
Straszburg 1490)
wendet für licet
wie für decet
das einfache zimet
und seine formen an, Val. Boltz (
Tübingen 1539)
setzt meist die form mit praefix (
doch vgl.: die weil sichs zimbt [
Heaut. 2, 3] 49
a; geneuss es weil du magst
Cöthen 1620
u. a.; kannst Donner
fruere dum licet);
die spätern aber weichen in der wiedergabe von licet
durchweg aus, während sie für decet
an unserer sippe meist festhalten. zu fas est, aequum est
s. bei geziemlich. 2@a@a@2@aa)) und fieng ich ... an ... ze handlen, nit als sichs dem blöden gemüt des jünglings gezimpt hat: sonder mit gewalt ... schalt ich in teglich ... (sprach ich) hoffstu dan es werd sich dir gezimmen dise ding lenger zuo thuon Boltz (
Heaut. 1, 1) 63
a (
decuit ... licere: nit als zimpt ... hoffest du ... zetuon zimmen
Straszburg 1490
s. 71; wie sich ... geziemet hette ... meinst du dasz dir dieses lenger soll gestattet sein
Cöthen 1620;
ähnlich Leipzig 1632
u. a.: nicht wie das liebeskranke herz bedurfte ... hoffst du das ... so fortzusetzen Donner); 'ich sihe das mir nit gezimpt fürzefaren als ichs het angefangen' 'du thuost als dir gezimpt' Boltz (
Heaut. 5, 5) 83
b (
video non licere ... facis ut de decet; zimmen
Straszburg 1490
s. 94
b; das ich ... nicht darff zu werck richten ... ihr thut, wie euch geziemet
Cöthen 1620; wie dir gebühret
Leipzig 1632; ich kann es nicht durchführen ... thust du deiner würdig Donner). 2@a@a@2@bb)) ob es gleich andern gezimpt, so gezimpt es doch dir nit Boltz (
Heaut. 4, 5) 81
b (
aliis si licet, tibi non licet; das es zimpt den andern, dir solt es nit wol anston
Straszburg 1490
s. 87
b; wenns gleich andern vergunt ist, so ists euch nicht vergunt
Cöthen 1620
u. a.; dürfens andre gleich, du darfst es nicht Donner);
desgl. 76
b (es leidet sich nicht
Cöthen 1620; kan und darff ... nit sein
Leipzig 1632); bit ich daʒ mir gezimme Boltz (
eunuch 3, 2) 42
a (
ut liceat; lasz das beschehen
Straszburg 1499; wollet uns doch vergönnen
Cöthen 1620
u. a.);
desgl. (
eunuch 2, 2) 37
a. 2@a@a@2@cc))
in den gleichen zusammenhang weist: denn es gezimpt euch das jr erber seien Boltz (
Heaut. 2, 4) 70
a (
vobis expedit; es zimpt üch gut ze sin
Straszburg s. 87
b; euch ists zutreglich, das jhr from seid
Cöthen u. a.; es frommt euch gut zu sein Donner). 2@a@a@33))
in älteren denkmälern kommt diese bedeutung gelegentlich auch durch angeschlossene synonyma stärker zum ausdruck: wann jm das gezAem und ungemerckt und on ergernusz das getuon dörft
nachvolgung Christi (
Augsb. 1486) 170
a; auch nit errahten, auff welche weisz sie (
diese gaben) dem legaten a latere vom ziegeltach, wol anstünden und gezimmeten (
var. gezimmen) Fischart
Gargantua 246
neudr.; wirdestu, sovil sich leiden und dir geziemen wil, wol dorzu reden wissen Hans v.
d. Planitz
berichte (1523) 395;
gegen: wil ich heut abermals ... euch meinen dienst leisten ... so vil ... sich in der kirchen leiden und gezimmen wil Joh. Mathesius
Sarepta (1571) 27
a.
nicht ganz hiezu stimmt die verbindung mit angenehm sein
im folgenden: ein blatz, der inen angnäm und zu eim gotteshaus sich gezähm. Fizion
chronik 128
s. H. Fischer 3, 645. 2@a@a@44))
von den beiden letzten zeugnissen abgesehen, ist hier die im dativ gekennzeichnete person überall mit wünschen oder bitten betheiligt, die verbalhandlung wird als erlaubnisz oder gunstbezeugung erhofft; in dieser bedeutung ist geziemt
auch von Göthe
in Reineke Fuchs wieder aufgefrischt: Reineke sprach: wie schätzt' ich mich glücklich, geziemt' es mir heute mit dem könig zu gehn und ihm nach Flandern zu folgen; aber es müszt' euch zur sünde gereichen 5, 259
s. werke 50, 70 (wan mine sake stunde also, dat ik mit deme konninge mochte wanderen
Reinke de vos 2526
Lübben).
anders im folgenden, wo es sich um eine pflichtleistung handelt, aber um eine solche, die die betheiligte person nicht zu erfüllen sondern zu fordern hat: ime wurden auch aus andern landen vill fürsten ... kinder zu knaben geschickt, die hielt er kostlich, liesz die herlich, als in gezamb, mit guden und samatten claidungen ziern Wilw. v. Schaumburg 18
Keller; vgl.: wann uns nun ausz angeborner keis. miltigkeit gezimbt. und dasz jhme solcher mutwill keinswegs gebürt Sattler
teutsche orthograph. (1610) 200.
ergiebiger für diese bedeutungsrichtung von geziemt
ist dessen verbindung mit bestimmten substantivischen subjecten statt des unpersönlichen pronomens s. u. 2@a@bβ)
die auf der objectiven übereinstimmung beruhende gruppe, in der das pflichtmäszige an der verbalhandlung vorherrscht, steht mit verwendungen des lat. decet
in einer gleichung. hier kommt auch der wettbewerb und die zusammenstellung mit bedeutungsverwandten wie gebührt sich, schickt sich
u. a. zur geltung. 2@a@b@11))
zu geziemen
und gebühren
vgl. 2@a@b@1@aa))
aus der Terenzübersetzung: als sich dann gezimpt ze sein eim freien ehrlichen gemüt Boltz (
Hecyra 1, 2) 114
b (
ut decet; zimt
Straszburg; gebühret
in späteren übersetzungen); ich hab von hinnen getriben meinen ... sun ... dan es gezimpt hat gleich zu brauchen dise ding (
Heaut. 1, 1) 63
b (
quem pariter ... decuit; dem des gleichen ... gebürt hat
Straszburg 71
b;
ebenso Donner; der dieses alles mit geniessen solte
Cöthen u. a.);
dazu vgl. (gebürt hat ... gezimpt hette,
licuit ... decuit, zam ... zam
Straszb.; können ... gebühren
bei späteren) Boltz (
Heaut. 5, 2) 84
b;
andererseits vgl. zu geziemen
ein beispiel aus jüngerer übersetzung: welch betragen, Clitipho? geziemt sich das? Donner (
Heautont. 3, 3) 263 (
ita ne fieri oportet; muosz es denn also zuogon
Straszburg; desgl. Boltz
u. a.). 2@a@b@1@bb))
aus anderen denkmälern (
s. auch oben sp. 7067)
vgl.: ich thu alzeit nach ewrem wort, wie mirs gezimpt und stets geborht. Valentin Voigt
Esther 992
Holstein; verheische euch trewlich, wie eines konige tohter gezimet und geburet, keinen andern zuo nemen dan euch
V. Warbeck
Magelone 39
a; ich will ... mit bescheidenheit und gelimpff, als einem vernünfftigen mann gezimmen und gebuoren wil, mit ihr umbgehen Mathesius
hochzeitpredigt 24
Loesche; vgl.: das stehet am besten, welches sich am meisten gezimet; nicht was am meisten üblich ist; sondern was sich gebühret Sam. Butschky
sinnenreiche reden (1666)
s. 235. 2@a@b@22))
andere bedeutungsverwandte. 2@a@b@2@aa))
eine reihe von verben und verbalverbindungen läszt Hans Sachs
gelegentlich im dienste unseres begriffes zusammentreten: erstlich, wer ubel zeucht sein kinder, lest sie aufwachsen ... bös und mutwillig, der säsz im narrenbad gar billich ... den solt man im narrenbad reyben ... dem wer das narrenbad gar nütz ... dem gezem das narrenbad gar wol ... der gehört auch inn die narren lachen
u. a. fabeln und schwänke 1, 18
Götze. 2@a@b@2@bb)) sich schicken
und passen
treten mit geziemen
in der Terenzübersetzung schon zusammen: es schickt sich nit einem gewaltigen hauptman, auff der gassen zuo gehen mit einem bäszlen Boltz (
eunuch 3, 2) 62
b (
haud convenit; disz gar sich nicht gezimpt noch gbrt Joh. Episcopius 84; geziemt sich nicht
Cöthen 66
und Leipzig 166
u. a.); wie paszt sich's auch feldherr und liebste arm in arm am hellen tag. Donner
s. 148. 2@a@b@33))
diese bedeutungsverwandten sucht die synonymik gegen einander abzugrenzen: Stosch
trennt zwischen geziemen
und gebühren
vgl. versuch in richtiger bestimmung ... 3 (1773) 193
f. das letztere bringt er mit gehören
zusammen und will bei gebühren 'schuldigkeit oder verdienst',
bei gehören
das 'was sich zu einer sache schicket oder derselben gemäsz ist'
betonen. diesem neutralen begriff des '
füglichen',
der tauglichkeit zu einer sache stellt er bei sich geziemen
die 'anständigkeit',
das dem 'wohlstand gemässe'
gegenüber, und aus diesem gegensatz rechtfertigen sich auch die wortverbindungen, die Stosch
für sich geziemen
ablehnt, für sich schicken
zuläszt: dieses heft schicket sich zu der klinge
nicht aber geziemet sich zu der klinge.
unserem sprachgefühl entspricht weder das eine noch das andere, für uns hat sich auch der gebrauch von sich schicken, schicklich
auf den begriff des wohlanständigen verengt. andererseits wird sich im nachfolgenden zeigen, dasz in der älteren schicht neuhochd. zeugnisse auch geziemen
noch freier und beweglicher ist, ebenso wie gebühren,
das sich durchaus nicht in den schranken hält, die ihm bei Stosch
und später bei Rumpf
gezogen sind: schicken passt sowohl auf dinge als auf personen und ihre freie handlungen. geziemen wird bloss von diesen letzteren gebraucht ... sind es freie handlungen, die mit den umständen oder der person zusammen sein können oder müssen, weil ... ein vernünftiger grund vorhanden ist ... so geziemt sich das, was sich schickt. was sich geziemt, hat seinen grund in der natur des handelnden, was sich gebührt, hat seinen grund in dem verdienste oder unverdienste desjenigen, auf den sich die handlung bezieht oder dem das gebührende zukommt Rumpf
gemeinnütziges wörterbuch (1811)
s. 138. 2@a@gγ)
auffallend innerhalb der verbindungen des verbums ist die sprödigkeit gegen partikeln. mit ausnahme der vielverwendeten verneinungsformen (
s. u.)
kommt nur das adverbiale wohl
in betracht, das aber bald zurücktritt und neuerdings mehr modaler bedeutung ausdruck giebt: vgl. noch: do er den künig von Behem sach dot ligen uf dem velde, do sprach er ... 'dem künige von Behem gezeme wol ein ander bette' Königshofen
s. dtsch. städtechron. 8, 475; (dem gezem ... gar wol) Hans Sachs
narrenbad; darumb sich wol getzam, das si von Christo ausz der gefencknusz der vorhelle gelassen sind worden Geiler
schiff der penitenz 98
b; es getzam sich wol 96; (wird sich wol gezemen) B. Waldis
Es. 4, 94; mit groszen eren als es wol gezam Closener
s. dtsch. städtechron. 8, 41;
desgl. 47; so ... hat sich wole gezimt, das ich unter den crischischen handeln ein solchen mir auserwelt, der den dingen gemes were Reuchlin
erste olynthische rede 3;
vgl. nunmehr: zum werke, das wir ernst bereiten, geziemt sich wohl ein ernstes wort. Schiller (
lied v. d. glocke) 11, 305;
vgl. dagegen am besten sich geziemt Herder 13, 405
s. u. 2@bb)
substantiva im subject der verbalform: 2@b@aα)
am ungezwungensten stimmen zu der hauptbedeutung des verbums verbalsubstantiva, 2@b@a@11))
die eine thätigkeit oder regung an der zum vergleich herangezogenen person zum ausdruck bringen. sie unterscheiden sich nicht wesentlich von der bei geziemt
beliebten infinitivverbindung und treten in der neuern sprache auf. neben: anders schreiben und anders reden, geziemet der deutschen aufrichtigkeit schwehrlich Gueintz
erinnerungen ... die dtsch. sprache betreffend 10
s. ertzschrein s. 369; wer wagte hier zu beschreiben, wem geziemt es die seligkeit zweier liebenden auszusprechen Göthe (
W. Meisters lehrjahre 1, 1) 18, 6 (
vgl. H. Maync einleit. z. urmeister s. 33);
vgl. nun: die höfligkeit ohn arg gezimet dapfren sinnen
dem deutschen franzosenhahn s. Candorius (
Conr. v. Hövelin) deutsche Zimberswan 1666
s. 200. nie darf der träge Phax sich einer seele rühmen, der ohne neigungen, die einem geist geziemen, ganz körper, itzt berauscht, am vollen tisch verweilt. Uz (
kunst stets fröhlich zu sein 2.
br.) 241; nur einem geist in Miltons hölle können gefühle des erhabenen dabei geziemen Herder (
Kalligone 3) 22, 246; frage nicht nach mir und was ich im herzen verehre, ewige stille geziemt ohne gelübde dem mann. Göthe 4, 120
Weim. ausg. (
a. d. nachlasz der frau v. Stein); oder, als wenn der apostel gelogen hätte, indem er von schertz und narrentheidung gesagt, die den christen nicht geziemen Weise
die drei ärgsten erznarren neudr. s. 174; auch fühl' ich, dass die frage sich nicht geziemt
F. M. Klinger
neues theater 1, 46; (schritte) Varnhagen
briefwechsel 10 (
s. u.); (solch handwerck) Rückert 1, 68; denn dem könige schien ein persönlicher eid nicht zu geziemen L. v. Ranke 14
2, 64.
dazu vgl. (
mit ellipse des pers. dativs) Schiller 11, 305. 2@b@a@22))
anders die substantivsubjecte, mittelst derer an die betreffende person eine thätigkeit anderer herantritt; sie wurzeln noch in dem bedeutungskreise von geziemt,
der für die im dativ angeschlossene person nicht nur eine pflicht sondern einen anspruch, ein recht geltend macht. hier greifen die belege auch weiter zurück: und versorgten ihn mit ansehnlichen aufsehern, und dienern, ein auge auf ihn zu haben, und seinen verstand, durch solche unterweisungen, als einem fürsten so hoher gebuhrt, und hofnung geziemen mochten, auszuwürken Zesen
gekrönte majestät (1661) 181; ein frauenzimmer, an welchem die annehmlichkeiten, die ihrem geschlechte geziemen, vornehmlich den moralischen ausdruck des erhabenen hervorstechen lassen Kant (
beobachtungen über das gefühl des schönen und erhabenen 3)
vermischte schr. 2
8, 401; den frauen geziemt der friede. Th. Körner 2, 58; grosze seele Aeschylus, des helden in eben diesem kriege; sie schuf Athen durch diese darstellung ein triumphsfest, das dem krieger geziemet Herder (
Adrastea 4) 23, 352;
dazu vgl. (
mit abstractem statt persönlichem dativ: in staatsabhandlungen schrieb er mit einer würde, die dem inhalt geziemte (1, 2) 184. 2@b@bβ)
der letzten gruppe stehen die beziehungen auf concreta näher: mir zimbt (gezimmt
Wormser druck) eur kron nit ... si zimbte (gezimmet
Wormser druck) euch bas
prosaroman v. Tristan 173
Pfaff; der münich pald abschnite den kopf, legt in dem herren fuer, darnach den kragen er der edlen frawen gab. ... die fraw nach euch ist ueber aus das nechst, die nach euch alle wird und er einimbt, dar umb ir auch gar unpewegt der kragen hat gezimbt. Hans Sachs (
der münich mit dem kapaun)
fab. u. schw. 3, 275.
vgl.(
s. o.)
dtsch. städtechron. 8, 475 (bette); Hans Sachs 1, 18 (bad); dergleich waldmenlin und gezwergen, so wonen thun inn welden, bergen ... ir tummer muot in solchs benam, das in der himmel nit gezam; darumb wir in die erd hand geben. Wickram (
Ovid metamorph. 1,
cap. 9
v. 372) 7, 20
Bolte; vom leib dj seel unsichtlich fleugt. verlorens flaisch der nichts benimpt, ain wenig stat jr dort gezimpt. Schwartzenberg
teutsch. Cicero (
d. kummer trost) 152 a (1535); dein ernst zeigt mir den platz, der mir geziemt. hier werf' ich mich vor dir und fass' dein knie. Grillparzer (
Medea 1) 5, 141; mit diesem entwurf wurden wir lieblinge der natur, die sie ... auf der stelle hervorbrachte, die sich am besten für diese zarten spröszlinge geziemte Herder (
ideen zur philosophie d. gesch. 10, 2) 13, 405 (
zur präpositionalverbindung an stelle des pers. dativs s. u.)
; in anderer richtung weist der gebrauch des wortes in älterer bausprache, wo er durchweg forderungen der kunst zum ausdruck bringt, also objectiven normen dient: aber das grillwerk geziemet sich weder in den gemächern, noch in den gewölben L. S. Sturm
Nic. Goldmanns vollst. anweisung zu der civil - baukunst (1699) 119; hernach geziemen sich die winter-zimmer in die unterste reihe und die sommerzimmer in die höhe, da die luft freier durchstreichen mag
ebenda; an den schulgebäuen geziemen sich scharffsinnig erfundene auszierungen 48
u. a. vgl. auch geziemenheit (
s. u.).
unserem sprachgefühl würde hier passen
oder auch sich schicken (
s. sp. 7083)
zusagen; vgl. auch zur rechten des eingangs schickten sich die männliche zimmer 111;
vgl. andererseits geziemen (
s. u.) Kant
verm. schr. 2
8, 360. 2@cc)
das vergleichsobject, die person oder sache, mit der eine übereinstimmung gesucht wird, 2@c@aα)
ist neben dem verbum besonders gekennzeichnet. 2@c@a@11))
den oben (
sp. 7070)
für das mittelhochdeutsche belegten ausnahmen sind später nur wenige zur seite zu stellen: wart die brutlouft begangen zuo Basel mit groʒen eren als es wol gezam
s. dtsch. städtechron. 8, 47;
desgl. 41; bekanntlich waren die Griechen auf die beschaffenheit sowohl als den inhalt der musik, womit das volk ... gebildet ward, aufmerksam, so geziemets. Herder (
Adrastea 5, 2) 24, 264; geziemt' es, höll und himmel zu vergleichen, so spräch ich .., Uhland (
Fortunat u. söhne) 1, 360
E. Schmidt; leb wohl! wir scheiden sonder wort noch thränen; nach solcher kunde glücke geziemt ein überweltlich heitres sehnen. K. Immermann
Merlin, der gral (
werke 15,
s. 84).
fraglich ist bei ortsbestimmungen, wie weit sie zu geziemt,
wie weit sie zu dem verbum gehören, dem geziemt
übergeordnet ist: Jerusalem di stat, do eʒ gezimt anzepetten
cod. Tepl. Joh. 4, 21; das ort dahin zu lauffen gezimmet (
ziel beim wettlauf) Fischart
ehzucht 53.
dazu vgl. Eberlin 3, 31 (
s. o.);
vgl.: das wir etwen machen haften, die man nennet die güldin ... und das gezimmet in den steten, sunderlich in dem angesicht, do wir wöllent, das die mal oder narben nit erscheinent Braunschweig
chirurg. (1498) 22
a.
mehr und mehr drängt sich —
namentlich neben sächlichem oder abstractem vergleichsobject —
die präposition als kräftigeres anknüpfungsmittel vor, beeinfluszt wohl auch von fügungen der synonyma: dasz sie (
die geistlichen) sich mit iren kleidungen, inn kirchen und auff gassen, als irem standt nach wol gezimpt, wie dann ... die erbarkeit das erfordert, erbarlich, züchtiglich und geistlich tragen
reformation guter pollizei (
Mayntz 1548) 13
a; damit du ... thust, was in diesem fall geziemet
schausp. engl. comöd. 301, 5
Creizenach; handeln jr gerechte sach rechtlich, und wie sichs zum rechten, und gOettlichen rechten gezimmet und gebret Mathesius
hochzeitspredigten 110
Loesche; (zu gottseligkeit) Hans Sachs 15, 430; (zum werke) Schiller
lied von der glocke. noch deutlicher: forderte gebieterisch einen platz, wie er sich für ihn und seinen rang gezieme H. Steffens
was ich erlebte 8, 183;
das gleiche schon Herder 13, 495 (
s. o. vgl. sich schicken für einen). 2@c@a@22))
die ungewöhnliche verbreitung der fügungen mit dem reflexivpronomen (
s. u.),
das an sich ein vergleichsobject vertritt, hilft mit der verblassung dieser function auch die bedürftigkeit des verbums in dieser richtung verschleiern. wie weit die verblassung geht, zeigt das reflexivpronomen neben einem persönlichen dativ in einzelnen fällen: es was dieser fürst ein sehr weiser mann ... hoch erfahren, wie sich denn solchen personen gezimpt J. Wetzel
reise der söhne Giaffers 118; nur das, was dir zu wissen sich geziemt, soll weder gott noch sterblicher zuvor, denn du, erfahren. Bürger
Ilias 1.
rhaps. 771;
dazu vgl. (
mit präpositionalverbindung): wann mit rossen und mit wagen die schwere war wirdh hin und her getragen, alsdann sich wil der notturft nach geziemen. Engerd
übers. v. Querpaf oden Anacreons (1584)
ztsch. dtsch. phil. 34, 379;
vgl. auch: wie es sich in einem predigerhause geziemt Fontane
vor dem sturm (1, 14)
15 s. 114. 2@c@bβ)
für die unmittelbare anfügung des vergleichsobjects fordert der neuere gebrauch den dativ, der accusativ (
s. o.)
ist in die mundarten zurückgetreten: was das verbum anlanget, pflegen die herren Nieder-Sachsen zum öffteren zu sagen ... es geziemet mich vor 'es geziemet mir' Menantes
neue briefe und allerhand ... obligationes (1723) 3. 2@c@b@11))
abstracte substantiva werden unserem verbum als vergleichsobject in gewissen typen angegliedert wie alter, stand, anlagen: als gezam meiner kindheit (
sicut congruebat infantie mee)
offenb. der heil. wittiben Brigitte (
Nürnberg 1502) 1; fieng er (
der knabe) an mit züchtiger geberdung, wie seinem alter gezimmet Fischart
Gargantua (18.
cap.) 225
neudr.; die hütte ward erbaut, und, mit verlauf der zeit, zur nothdurft erst versehn, dann zur gemächlichkeit, wie sie dem alter eines weisen geziemt, der minder stets begehret als bedarf. Wieland (
Oberon 8, 24) 23, 85; dem alter geziemen dunklere farben und einförmigkeit im anzuge, die jugend schimmert durch hellere lebhaft abstechende kleidungsstücke Kant (
gefühl d. schönen und erhabenen)
verm. schr. 2
8, 360; endlich trat mein freund mit der mutter herein ... ihre gestalt war lang und hager, doch nicht mehr als solchen jahren geziemt Göthe (
dicht. u. wahrh. 10) 25, 342; wir haben mit geschickter hand die hochzeitsringe dir gewunden, wie sie geziemen eurem stand. Fr. Rückert 2, 132; es geziemt ihrem charakter, ihre überzeugung nicht zu verbergen Göthe
br. 20, 159;
vgl. auch (warer tugent) Joh. v. Schwarzenberg
trostspruch v. 910; (den sinnen) Candorius (
s. o.);
dazu vgl. oben sp. 7074. 2@c@b@22))
auch das persönliche vergleichsobject ist gern in substantivform gefaszt, namentlich sind es appellativa, die auf die bedeutung des verbums belebend und differenzierend einwirken: 2@c@b@2@aa)) wann niemandt gezimpt, wider einen gemeinen nuz den ubelthettern ire bossheit decken zu helffen
Carolina (
art. 31)
Kohler-Scheel s. 24;
desgl. Bambergensis art. 38; die niederträchtigkeit will helden nicht geziemen
Neukirchs samml. deutscher gedichte 6, 320; wie es dem manne geziemt, in kräftiger lebensmitte zuweilen an den tod zu gedenken, so mag er auch in beschaulicher stunde das sichere ende seines vaterlandes ins auge fassen Gottfried Keller (
landvogt v. Greifensee) 6, 277;
desgl. (dem mann) Göthe 4, 120
Weimar; (den frauen) Th. Körner 2, 58 (
s. o.); frawen gezimpt allein etlichen jrer fründen und verwandten, jr dienst für ein gruosz zuschreiben Hug
rhetorica a 6
a; keine bittere glossen, misz! sie geziemen einem frauenzimmer, von einer sonst so sanften denkungsart, nicht Lessing (
misz Sarah Sampson) 2
3, 332; die alte redete, wie es einer person geziemt, die eine stecknadel aufhebt, und jene wie ... könig reiche verschenkt Göthe
urmeister 92
Maync. wenn ich den blauen umschlag dann erblickte; neugierig schnell, wie es geziemt dem weibe, riss' ich ihn auf, dasz nichts verborgen bleibe. Göthe (
sonette 10) 2, 12;
vgl. auch (
s. u.) Kant
verm. schr. 2
8, 401; so ehret jr ewere mutter recht, wie frommen kindern gezimmet, unnd gott wirdt mit euch sein Mathesius
leichenreden 89
Loesche; der hausfrauen hab ich das eingeweide zugeeignet ..., den töchtern die flügel dargeboten ... den söhnen geziemten die füsze Erasmus Francisci
indisch-chines. lustgarten 1, 232; morgen geh' ich nach hofe mit euch; da hoff ich, ihr werdet, lieber neffe, mir helfen, so wie es verwandten geziemet. Göthe (
Reineke Fuchs 7) 40, 121. 2@c@b@2@bb)) da es nun einem stande nicht gezimmet Joh. Matthesius
Sarepta (1571) 49
b; doch als das einem knecht gezimpt, der kost und lohn von herren nimpt. K. Scheidt
übers. v. Dedekinds Grobianus 2461; sie sträubte sich anfangs, wie es einer magd geziemt und wie sich uns're mütter sträuben mochten. Hebbel (
Siegfrieds tod 2, 6) 5, 56; gejäg ... solle dem adel ein übung sein, wann sie vor geschäfft verdrossen sein, geringen leuten wil es nit gezimen
Petrarcas trostbücher 30
b; der richter mag donnerworte gegen den schuldigen führen, dem beklagten, schuldig oder schuldlos, geziemt zu schweigen Grillparzer
br. 1, 15
Glossy; er scheint ein verständiger jüngling, und so werden die eltern es sein, wie reichen geziemet. Göthe (
Hermann u. Dorothea 7) 40, 313; (den vorgesetzten) Göthe
br. 36, 12; hierauf folgen einige honnetetäten für des autors persönlichkeit, wie es einem so gewandten welt- und hofmanne geziemt 21, 439; und zog dazu kain händschuh an wie sonst gezimt aim schreiber dan der zart händ hat, auf das er nicht besudelt sein schön narrengsicht. Fischart
notwendiger kehrab 110
neudr. s. 41; und bitte e. e. meine geringe gab, dises affiarii genädiglich, und als eim solchen bischoff gezimt, zu willen anzunemen
widmung des bienenkorb (1586) 7
a; aller gelehrter und unsrer sprache liebhaber bedenken hierüber einzuholen und die vorfallende zweifel auf zu heben, geziemet niemand, als dem ... stifter der fruchtbringenden gesellschaft Harsdoerffer
s. ertzschrein s. 355; viel zu wissen geziemt und viel zu lernen dem dichter. Geibel 1, 110. 2@c@b@2@cc)) ob eim christen menschen gezime zufliehen inn sterbens leufften Luther
ob man für dem sterben fliehen müge (1527) A 2
a; doch wir wollen und müssen uns hier, wie christen geziemet, verhalten Prätorius
hundert auserlesene abdanckungen (1663) 368; christen will es nicht geziemen, dasz sie sich des eitlen rühmen. Joh. Job '
prange, welt mit deinem wissen'; hieraus musz man es sich erklären, wenn er öfter auf das lob des reichthums in seinen gedichten zurückkommt, und wenn er die macht der könige höher erhebt, als einem Griechen zu geziemen scheint W. v. Humboldt
Pindar s. dtsch. litt. denkm. 58, 38; nicht dem Deutschen geziemt es, die fürchterliche bewegung fortzuleiten, und auch zu wanken hierhin und dorthin. diesz ist unser! so lasst uns sagen und so es behaupten! Göthe (
Hermann u. Dorothea 9) 40, 337; eine kindische hochthuerei, die keinem, am wenigsten dem deutschen charakter geziemet Herder (
Adrastea 5, 2) 24, 314. 2@c@b@2@dd)) dasselbig zuverkünden frei dem Hectori geziembt hiebei, und auszusprechen offenlich. Spreng
Ilias (7) 89
a; darnach begab er sich in die abend-länder, da er, auf anordnen des königes, eine solche hofstat, als dem fürsten von Wales geziemete, bei sich führte Zesen
gekrönte majestät (1661) 34; auch war er nachlässiger gekleidet, als einem sohn des herrn Ehrenthal geziemte Gustav Freytag (
soll und haben 1, 4) 4, 52. 2@c@b@33))
unter den pronominalformen ist bezeichnender weise die der zweiten person nur ganz vereinzelt: ein könig bist gewaltig reich, jedoch es nit gezimet dir, das mägdlein ausz eigner begir Achilli abzusetzen ... Joh. Spreng
Ilias (1) 6
b; so hör was dir zu thon gezimpt: das steht dir zuo an jeder stat. K. Scheidt
verdeutsch. von Dedekinds Grobianus v. 1241
Milchsack. haben andere übles an dir gethan, dir geziemt es gut an ihnen zu handeln G. Freytag (
ahnen 1) 8, 377.
das verbum wird also nicht mehr oft mit der beziehung auf den angeredeten gebraucht, wohl aber gern mit bezug auf einen dritten. vielfach bezieht es der redende auch auf sich selbst; in diesem falle zumeist in verbindung mit umschreibenden hülfsverben: 2@c@b@3@aa)) von zweien kemrer, mich vernempt, das mir zu schweigen nicht gezempt, vernomen hab ich inn geheim, das sie tragen gantz uberein die hand zu legen an mein hern. Valten Voigt
Esther (4, 1) 600
Holstein; wenn mirs wirklich geziemt, erhabner, sie vater zu nennen und nicht fälschlich vielleicht meine mama mich belehrt ...
F. C. Fulda
trogalien zur verdauung der xenien no. 127
s. litt. denkm. 125; uns geziemt es vorzuschlagen, anzunehmen steht bei euch. Grillparzer (
ahnfrau) 4, 60; uns wil nit lenger gezimmen Wickram 1, 18
Bolte; darumb will mir, o liebe tochter, baʒ gezimmen dahaim zuo bleiben und meines haus zu warten (
v. guten u. bösen nachbarn cap. 37) 2, 218; mir aber wil von dem zu sagen nicht geziemen, was diese stadt an ihr vorhin schon weisz zu rühmen. Simon Dach 728
Oesterley; es wül mihr nicht gezimen, dasz ich meine gäste wägführen sol Zesen
adriatische Rosenmund 189
neudr.; desgl. (
s. o.) Varnhagen
an Humboldt briefw. 10; es würde uns nicht geziemen, wenn wir dir deine vorsicht übel nehmen wollten. doch würde es sich auch für dich nicht schicken, es uns zu verdenken Lessing (
die gefangenen des Plautus 2, 2) 4
3, 95;
vgl. auch Rückert 1, 68; Bismarck
reden 4, 432. der kampf musz mir geziemen, den ihr mir bietet
an. Uhland (
bruchst. a. d. heldenbuch) 1, 382. 2@c@b@3@bb)) das sagt Alexander, er fragte nit darnach, was jhenem gezäm zuo nemmen, sunder was ihm gezäme zuo geben Michael Herr
verdeutsch. des Seneca (1536) 8
a;
desgl. (was im gezam)
Zimmersche chron. 2, 12 (
s. H. Fischer
schwäb. wb. 2, 645);
desgl. 2, 10; vorhanden ist die zit und stund, wie gott redt durch Esaias mund ein ieder th was im gezimme ich bin des schrienden gottes stimme.
tragoedia Johannis (1549) B 1
b; darmit sich, weib und kind ernert und fein gleich mesig darfon zert, und mit gedelt, als im gezimpt, das minder fuer das merer nimbt. Hans Sachs (
der ochs m. d. wolf)
fab. u. schw. 2, 89; der suon sein erbtheil an sich nam und in ehlichen stodt bald kom, lebt wol darinn wie jm gezam. Wickram
pilger z. 4,
bl. 91; legt jr ein schönen hechtkopff dar, den liesz sie vor ir ligen do, als ob es ir gezäm also: was ir dann schmackt, nam si darvon. K. Scheidt
übers. v. Dedekinds Grobianus 3527; an dem si nimmer sollen ... fragen. dann inen solchs keins wegs gezimbt in allem das der babst fürnimbt. Waldis
übers. v. Th. Kirchmair (
Naogeorg)
regnum papisticum: das päpstisch reich (1555) C 3
b; es geziemte denen, die sich mit solchen dingen abgeben, die geschichte solcher erscheinungen zu erforschen Göthe
br. 20, 250; so sei sie immerhin seine frau, und es gezieme ihm nicht, sie in solcher art der öffentlichen schande preiszugeben Gottfried Keller (
landvogt v. Greifensee) 6, 229.
andererseits vgl.: die weib, erweckt mit diesen gferden, würden im erst günstig werden, das im doch nit wol gezimmen, er solt darfür im kloster singen. Murner
Luther narr. 3384
Kurz; so hab ich auch vom pfarrer von Leiphaim offt gehört, jm sei ganntz wider, das die von Gintzburg seiner predig nach lauffenndt, doch jm wölle nit gezimmen, das word gotts iemantz zu weren Eberlin von Günzburg (
der glockenturm) 3, 114
neudr.; desgl. Kirchhof
wendunmut (3, 9)
s. 28
Oesterley; westen sie nicht, was ihnen zu thun geziemen wolt, ihrem son sein bitt und beger abzuschlagen oder zuzulassen
buch der liebe 32, 1;
desgl. Fischart
bienenkorb (1586) 23
a u. a. 2@dd)
unter den reflexiven fügungen 2@d@aα)
ist die bei den buchungen oben schon gestreifte abneigung, im positiv gefaszten hauptsatze das verbum zu gebrauchen, besonders auffallend; viel günstiger zeigt sich der hauptsatz für negierte sätze (
s. u.).
dem steht die formelhafte verwendung des positiv gefaszten verbums im nebensatz, namentlich dem vergleichssatze, gegenüber. 2@d@a@11)) dises gezimbt sich allermassen. Joh. Spreng
Ilias (1) 7
a;
desgl. (
s. o.) Geiler
schiff der penitenz 98
b. Reuchlin 1.
olynthische rede 3; also geziemt es sich. Denis
lieder Sineds 72. 2@d@a@22)) dann es ein gleiche kunst ist, des grammatici und des oratoris, inn was gestalt es sich zuo reden gezimme Alpinus
Polydorus Vergilius deutsch 11
a; dan ich bekenn frei, das ich freier geschriben hab, wider die weise des clösterlichen lebens, da sich gezimpt Melanchthon
sendtbrieff an ein kartheuser (1524)
s. 1; dieweil er von im selbs mehr redt dann sich gezimpt
Bebels facetien deutsch G 5
a; auch niemants mehr darzu, dann sich gezimpt zu trincken, reitzen, treiben, noch zwingen wölt Ambach
vom zusauffen D 4
a; die das turnier herrleich ersucht hetten, als sich gezamb.
turnierreim in Hunds
bayr. stammbuch s. Schmeller 2
2, 1122; vernünftige bedienen sich derer (
wissenschaften) hülfe, als vil sich gezimet Butschky
Pathmos 579; die vorgesatzten rede ... lauten als auff einen cleger ... aber es ist nemlich zu mercken, wo mer dann ein cleger ... das alsdann dieselben wörtter, wie sich von mer personen zu reden gezimet, gebraucht werden söllen Bamberger
halsgerichtsordn. art. 111
Kohler-Scheel s. 45; so soll wir das auf das allerschönest machen so wir künnen, nach gelegenheit der sach, wie sich das geziemt Dürer
nachlasz s. 300
Lange; dasz du des gasts nit vergessest, jm mit speisz, tranck, ... wie sich gezimet, auszrottung thüst Schaidenreisser
Odyssee 85
a; bringent mir schwartz brot und wasser in einer hültzin schüssel, dann so wirt mir wie es sich gezimpt
hertzog Aymont söhne (
Simmern 1535)
z. 4; Jesu, du blum und jungfraunsohn, du lieb und unser gnadenthron, dir sei lob, ehr, wie sichs geziemt, dein reich kein ende nimmer nimmt. Martin Moller (1584) '
o Jesu süsz, wer dein gedenkt'; doch gleich wol wird es hoch gerühmt mit lippen der nachkommen und gar nicht, wie es sich geziemt, zur besserung angenommen. Paul Gerhardt
s. Fischer u. Tümpel 3, 366
b; bükket euch, wie sichs geziemt vor der zierlichen jungfrau zu Weimar, habet ihr etwa was bei dem minister zu thun.
F. C. Fulda
trogalien z. verdauung der xenien no. 145
neudr. 2@d@bβ)
die reflexive fügung in negierten wendungen 2@d@b@11))
im hauptsatze oder der abhängigen parataxe: 2@d@b@1@aa)) er sagt, es gezimmet sich nit, das iemant traurig von eines fürsten angesicht gieng S.
Frank germ. chron. 26
vgl. H. Fischer 3, 645; es gezimmet sich nicht, das jemand in religions- und glaubenssachen ... gezwungen werde Ph. Heilbronner
von der Augsp. confess. (1598) 141; es geziehmet sich nicht, dasz man jemanden, deme durch nichts, als durch scammonium geholffen werden mag, weisz machet, das zucker-ssse artzneeen ihm helffen werden Olearius
der persianische baum-garten (1696) 21
b; und es geziemt sich nicht, dass nun das volk sich wiederum zusammen häufe. Bürger
Ilias 1.
rhaps. v. 179; sie sagten, es gezieme sich nit, dasz tapfere soldaten ein solch hartes treffen wider so mächtige könige solln antreten, wann sie nicht von einem könige commandiret und angeführet wurden Prätorius
Blocksberg (1668) 446; der pfarrer ... sagte zu uns beiden, es gezieme sich nicht an einem heiligen ort einander waarzusagen Grimmelshausen
Simpl. 192
neudr.; wenn sich's nicht gezieme, von dem eindruck zu reden ... so gezieme sich eben so wenig, das zu entschuldigen, was so natürlich wäre Klinger (
Raphael de Aqu.) 4, 85; ich weisz, dasz groszes ich mit junger kraft gewagt, denn nicht geziemt es mehr, den müssiggang im götterlosen haus durch flücht'gen reiz' und kurze überraschung zu zerstreu'
n. Geibel (
widmung einer tragödie)
juniuslieder 323; wolt gott du kOendtest ohn trübsal ... dein zeit ohn kummernusz vertreiben, aber dasselb sich nit gezimbt. Joh. Spreng
Ilias (1) 9
b; dasz allein von den Griechen ich nicht danklos bleibe! denn das geziemte sich nimmer. Bürger 1, 187. 2@d@b@1@bb)) darumb, edler ritter, will sich nicht gezimen, das jr ewer arbeit verlieren Warbeck
Magelone (
cap. 11, 27, 10) 38
b; geh, werde seinem leiden gleich, erduld' auch du mit jhm den streich: dann es wil sich nicht geziehmen dasz die braut sei ohne striemen. Angelus Silesius
höllische seelenlust 67
neudruck; 2@d@b@22))
einige belege für die negierte wendung in nebensätzen sind hier anzuführen; sie schlieszen den vergleichssatz so ziemlich aus und bieten zumeist relativsätze: dieses deutet auff diejenigen, welche solche dinge für die hand nehmen, die sich nicht geziehmen, dadurch sie redlich ihnen selbst schaden Lokman's
fab. 34;
ganz ebenso (
s. o.) Weise
erznarren 174; Klinger
neues theater 1, 46; die muntre zunge rühmet, was fromm und klüger macht; was sich niemahls geziemet, wird stets von dir veracht. Christian Weise
der politische näscher (1678) 142; welcher freundschafft und vertrauligkeit machet mit einem, der nicht seines gleichen ist, und da sichs nicht geziehmet Lokman's
fab. 35. 2@ee)
die in der älteren sprache beliebten umschreibungen mit hülfsverben unterliegen im neueren gebrauch manchen verschiebungen. 2@e@aα)
verbindungen wie lass es dir geziemen, sol
oder müeze geziemen
treten ganz zurück, vgl. so sollt im gezimmen
Zimmerische chronik 1
2, 602 (
s. o.)
für die verbindung mit mögen (
sp. 7070
f.)
bietet auch die neuere sprache noch belege: da demjenigen, der für sich selbst spricht, wohl erlaubt wird, lebhafter zu sein, als es den vorgesetzten geziemen möchte Göthe
br. 36, 12; einer liederseele, wie Uhland, mag das in sich gekehrte schweigen geziemen, aber ein dramatischer dichter musz auch persönlich etwas von einem feldherrn haben
F. Hebbel
briefe 1, 395
Bamberg; dazu vgl. (
s. o.) Zesen
gekrönte majest. 181. 2@e@bβ)
am zähesten hält sich die spät (
vgl. Ottokar 19979)
entwickelte verbindung mit wollen,
vgl.(
s. o.)
Zimmerische chron. 1
2, 601: uns wil nit lenger gezimmen Wickram 1, 18
Bolte; desgl. (
s. o.) Simon Dach 728; Zesen
Rosemund 189
neudr.; Varnhagen
an Humboldt 10;
ähnl. Petrarcas trostbücher 30
b; Joh. Job '
prange welt'
; ähnl. Warbeck
Magelone 38
b (1); Angelus Silesius
seelenlust 67; Murner
Luthersche narr. v. 3384; Eberlin 3, 114; Matthesius
hochzeitspredigten 24
Loesche; das es darum sich nicht anders geziemen wolle Ludwig II.
v. Anhalt s. ertzschrein s. 342; dan inen wolt gezimmen damals solche milch zutrincken und kont noch nit die starcke und grobe kost der h. prelaten ... verdäuen Fischart
bienenkorb (1586) 23
a;
desgl. buch der liebe 22, 1; nach vollendeter mahlzeit gieng ein jedes wider, dahin ihm wolte geziemen Kirchhof
wendunm. (319) 280
Oesterley; was wollt ihr jetzt schneiden: 'mit scheeren und mit pfriemen französische haüte zu riemen. solch' handwerk will jetzt uns geziemen. Rückert (
landsturmliedchen) 1, 68. 2@e@gγ)
nur vereinzelt tritt die verbindung mit werden
ein: es wird sich gezimmen,
par fuerit Dasypodius
s. o.; nachdem
s. majestät der könig selbst zu ihnen über die sache gesprochen hat, wird es mir nicht geziemen, in diesem augenblicke meine eigene auffassung zu entwickeln Bismarck
reden 3, 53; nach den worten, welche
s. maj. der könig zu zwei widerholten malen an den reichstag gerichtet hat, würde es mir nicht geziemen, denselben irgend etwas hinzuzufügen 4, 432; es würde uns nicht geziemen Lessing 4
3, 95.