lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

gezunft

mhd. bis nhd. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
5 in 5 Wb.
Sprachstufen
2 von 16
Verweise rein
2
Verweise raus
11

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gezunft f.

Bd. 7, Sp. 7223
gezunft, gezunfte, f. später auch neutrum, verbalabstractum zu gezemen (s. geziemen sp. 7063 ff.), reicht in dieser form bis in das 16. jahrh., wird aber schon in frühneuhochdeutscher zeit durch präfixlose formen stark zurückgedrängt, die sich wesentlich an die verengte bedeutung der innung (zunft) heften. mit ihr reicht die sippe bis in die neuere zeit, wo die schriftsprache sie mit der engen bedeutung in geschichtlichen betrachtungen wiederholt, während mundarten wie die bayrische weiter ausgreifen: eine zünftige gesellschaft = ein kreis, der zusammen stiMt; da war's zünftig. 11) die St. Galler glosse des 9. jahrh.: conventione i. gizumti (auf rasur) zu Gregors homilien (1, 19 s. Steinmeyer-Sievers 2, 263) steht dem lautbild des verbums am nächsten, vgl. auch dissensio ungizunt glossen v. St. Peter (11. jahrh. zur cura past. 3, 23) ebenda 2, 241. 1@aa) sonst tragen die überaus zahlreichen althochd. zeugnisse für das substantiv und seine weiterbildung im kreise der adjectiva und verba dem übergangslaut rechnung, der von der labialen liquida zum dentalen verschluszlaut überführt: gezumpht, gezumft u. a. s. Graff 5, 666 f.; vgl. aber auch: dissensionibus, ungizumptin Tegernseer glossen des 10. u. 11. jahrh. zu Gregors hom. 2, 24 s. Steinmeyer-Sievers 2, 298. wo der übergangslaut nicht bezeichnet ist, darf aus der schreibung nicht zu viel geschlossen werden. vgl. z. b. gezunf Steinmeyer - Sievers 2, 146 u. a. der nasal ist zunächst als m gekennzeichnet, der übergang zu n ist in einer Freisinger glosse 9. jahrh. beobachtet: consensu, gizunfti (zu Gregors cura past. 3, 22) Steinmeyer-Sievers 2, 173. auch in der Tatianübersetzung ist sie für das substantiv schon durchgeführt, nicht aber für die adjectiv- und verbalableitungen: gizumftigiu, gizumpftigôn. noch bei Notker überwiegt die alte schreibung: kezumft u. a., aber ungezunfto. 1@a@aα) ohne präfix ist althochd. nur ein zeugnisz der Benedictinerregel erbracht: in zunfti, in conventu s. Graff a. a. o. ableitungen und weiterbildungen treffen vor allem das verbum: convenisti mecum, kezumftost dich u. a. Steinmeyer - Sievers 1, 715; confoederentur, gizumftit werdan 2, 435; concordare, gizunftan 2, 172; vgl. auch: complexu ac foedere ... zesamine gehalset unde gezumftet Notker Mart. Capella s. Hatt. 3, 266b. zum adjectiv vgl. conveniens, gezumftilih Steinmeyer-Sievers 2, 148; consonanter, gezumftigo vel gemenlicho 2, 147; vgl. Tat. 189, 2; epangazumftlicho 2, 98 u. a.; vgl. die neue verbalableitung gezumftigon s. Tat. 98, 3; 109, 3. 1@a@bβ) der bedeutung nach ist schon aus diesen ableitungen, wie aus ihren lat. und deutschen entsprechungen (gehellen, eins werden) der grundbegriff der übereinstimmung gegeben, wie er auch oben für geziemen festgestellt wurde, und zwar in beiden formen, der von haus aus gegebenen, wie der erst angestrebten und erzielten übereinstimmung. am deutlichsten wird dieser innere zusammenhang mit geziemen in einer bibelstelle, wo der älteste übersetzer gezumftig, die späteren aber eine unmittelbare ableitung vom verbalstamm einführen: inti gizunftigu iro giwiʒscefi ni warun, convenientia testimonia illorum non erant Tatian 189, 2 (Marcus 14, 56 di gezeug waren nit zimler cod. Tepl. zimlich Augsburger bibel). 1@a@b@11)) wenig ergiebig ist die bedeutungsrichtung von consentire, wie sie in der glosse consensu, gizunfti (Steinmeyer-Sievers 2, 173) sich ausspricht, vgl. auch conventio, gezumft Tegernseer glossen 11. jahrh. zu 2. Korinther 6, 15 (waʒ gemainsamung ist Kristi zu Belial cod. Tepl.; was gesellschaft Eck; wie stimpt Christus mit Belial Luther) Steinmeyer-Sievers 1, 764. vgl. die zahlreichen zusammensetzungen mit un für den gegensatz: dissensione, ungizumfti Frankfurter glossen 9. jahrh. zu den canones s. Steinmeyer-Sievers 2, 147; vgl. auch (dissentionibus, ungizumptin) 2, 298; 2, 24; vgl.was ... ungizunft gitan untar then Judaeon Tatian 133, 15 (dissentio iterum facta est Joh. 10, 19, mishellung cod. Tepl., zweiunge Beheim, zwitracht spätere bibel und Luther); desgl. messezumft Tatian 129, 7; menniscon herzen. fone diên diccho irrinnent tempestates seditionum (diû ungewittere strîto) unde dissensionum ungezunfto Notker zu psalm 106, 23 s. Hattemer 2, 391a. 1@a@b@22)) dagegen führt die übereinstimmung, die erst erstrebt und erzielt wird, zu manigfacher entwicklung: conventione autem facta cum operariis ex denario diurno, gizumfti gitanera mit then wurhton fon tagelone Tatian 109, 1 (Matth. 20, 2 do er het gemacht geding mit den werkern cod. Tepl., da er mit den erbeitern eins ward Luther); vgl. conventione, gethinge, gezumfti Xanthener glossen 9. jahrh. u. a. zu dieser stelle Steinmeyer-Sievers 1, 715; vgl. auch Reichenauer glossen zu Galat. 2, 9; ebenda 1, 768. hiervon gehen die gleichungen mit foedus und pactum aus: 1@a@b@2@aa)) foedere kezumfte Reichenauer glossen 11. jahrh. zu Römer 1, 31 (absque foedere, trewlosz Eck u. a.) s. Steinmeyer-Sievers 1, 756; foedere, gizumfti Emmeraner glossen 11. jahrh. zu Prudentius s. Steinmeyer-Sievers 2, 415 (vgl. dagegen foedus, cafôcsâmi Hrab.-Keronische glossen ebenda 1, 152); foedere complecto sub quo natura jugatur, mit liêbsamero gezumfte, mit tero des comenes und dero brute natura gesippôt wirt Notker Mart. Capella s. Hatt. 3, 264b; desgl. für foedus (Boethius) 3, 94a; 94b; 226b. 1@a@b@2@bb)) pactum, kizumft Junische und Reichenauer glossen 9. jahrh. zu 1. Mos. 17, 4 (und hab meinen bund mit dir Luther) Steinmeyer - Sievers 1, 286 (vgl. aber: pactio, mahal, kimahhitha Harab.-Keron. glossen s. ebenda 1, 225; pactum, ewa zu Jeremias 31, 32 ebenda 1, 636); pactum, gizumpft Tegernseer glossen 11. jahrh. u. a. zu Ezechiel 16, 59 s. Steinmeyer - Sievers 1, 645; ioh omne pactum et placitum (iêgelih kezumft ioh eînunga) heiʒʒet testamentum Notker zu psalm 82, 6 s. Hattemer 2, 297b; dazu vgl.: immer aber erfolgte die volksrechtliche gesetzgebung in gemeinsamer mitwirkung von könig und volk. man bezeichnete das in dieser weise zur aufzeichnung gelangte recht als pactum, pactus, gizumpht R. Schröder rechtsgeschichte5 240. 1@bb) der mittelhochdeutsche gebrauch schon streift das präfix gern ab, vgl. mhd. wb. 3, 892a: 1@b@aα) ... sâht ir für iuch varn zwên ritter die sich niht bewarn kunnen an ritterlîcher zunft? si ringent mit der nôtnunft und sint an werdekeit verzagt: si füerent roubes eine magt. Wolfram Parzival 122, 17; welhe semfte mit der meisten zumfte da guinnent, die durch got die viante tragent unde minnent. himmelreich v. 219 s. ztschr. d. a. 8; dar zuo hant wir inen bestetiget alle irin recht friheit und guote gewonheit, und die gesetzde, die man da nemt zünfte in allen dem rechte, alse si bischof Liutold und ander unser vorvarn sarten urkunde Johanns bischofs v. Basel 1337 s. Wackernagel dienstmannen recht s. 24 (beilage 7). hier ist auch der übergang zur corporativen zusammenfassung schon angebahnt: das nieman kein zunft noch geselleschaft noch meisterschaft ... mit eiden machen soll in dirre stat richtebrief der bürger von Zürich (handschr. 14. jahrh.) s. Helvetische bibl. 2, 43. 1@b@bβ) das präfix ist hier nur aus mitteldeutschen zeugnissen belegt und an ein neutrum gebunden, das den collectivbildungen auf e angeglichen ist. auch in der bedeutung weicht diese form nach der seite von gezeug, gezog im sinne von gefolge aus: die herren konege alle drî, von Saba, Tarsis und Arabî und alleʒ ir gezunfte. erloesung 3164 Bartsch; desgl. 3382; der solde in disen ziden mit sime herren riden unde ander sin gezunfte. Elisabeth 1273 Rieger; ir megde unde ir juncfrouwen ... und alles ir gezunfte, waʒ an der frouwen kunfte mit ir zu wegeverte schein. 5513. 22) in der urkundensprache frühneuhochdeutscher zeit sind aus der gegend um Speier noch länger formen mit präfix bezeugt. das grammatische geschlecht weist durchweg auf das fem. der bedeutung nach ist ausschlieszlich die corporative bindung an gemeinsame bestimmungen gekennzeichnet: 2@aa) für den singular: das fur uns und unsern rat komen sint die gezunftmeister und die gezunft gemeinlichen der duchere hie zu Spire, die hant uns zu wiszen getan und furbraht von irre gezunfte wegen solichen groszen komber und gebresten verordnung des raths zu Speier (1381) s. ztsch. gesch. Oberrh. 9, 166; anders sie mochten ire gezunft furbaʒ nie nit gehalten als sie biʒher getan hetden; und muosten die laszen zurgeen ... daʒ sie sich baʒ mochten begeen in der wober gezunfte dann bi den duchern, und batden uns, daʒ wir in erlaubeten, der wobere gezunft zu gewinnen ebenda; daʒ sie nieman ir gezunft lihen sollent 167 (1401); der sol der duchere gezunft koufen ebenda (aber: uszwendig irer zunft); vgl. auch dem gezunftmeister, der danne ist in der gezunfte meister 17, 43; vgl. auch: ... haben wir die meistere snider hantwercks der statt Meintz ... unser gezunffte ingesiegel gehenckt an diesen brieff (urk. der schneider 1457) 13, 164. 2@bb) für den plural: wir die driczehen gezunfte zu Spire, die ducher, gewender ... und alle die die in die vorgenanten gezunfte gehorent, veriehent offenlichen an disem gegenwertigen briefe ... ob ieman deheinen unsern burger, der gezunft hetde, wolte geweltigen wider reht, daʒ wir alle dem widersten sollen vereinung der 13 zünfte zu Speier (1327) ztsch. gesch. Oberrh. 17, 43 (1359: zunft ebenda s. 35; desgl. 33 u. a); zweiunge ... zwischen dem alten rate ... uszer der stat ... uffe ein site, unde dem rate, den gezünfften unde den burgern allen geminlich zu Spire in der stat uffe die ander site Speierer vereinbarung v. 1330 s. Schaab gesch. d. gr. rhein. städtebundes 2, no. 81; in der selben rahtunge und süne, des rates, der gezunfte, unde der burger von Spier ebenda; wir auch die richtere, der rhat, die gezünffte und alle burgere ... von Spire bei Lehmann chron. v. Speier (1612) 630 (der verfasser selbst spricht von rath, burgerschafft und zünfften ebenda).
9888 Zeichen · 231 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gezunftstf.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +3 Parallelbelege

    ge-zunft stf. zunft. in der weber gezunft Mone z. 9,166 ( 1381 );

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gezunftf.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    gezunft , gezunfte , f. später auch neutrum, verbalabstractum zu gezemen ( s. geziemen sp. 7063 ff. ), reicht in dieser …

Verweisungsnetz

13 Knoten, 10 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 1 Kompositum 8 Sackgasse 4

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gezunft

4 Bildungen · 1 Erstglied · 1 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von gezunft

ge- + zunft

gezunft leitet sich vom Lemma zunft ab mit Präfix ge-.

gezunft‑ als Erstglied (1 von 1)

gezunftmeister

DWB

gezunft·meister

gezunftmeister : die vier gezünftmeistere die danne in den zwein gezünften meister sint ( Speier 1362) zeitschr. gesch. Oberrheins 17, 59; d…

gezunft als Zweitglied (1 von 1)

Schmiedegezunft

DRW

schmiede·gezunft

Schmiedegezunft, f. wie Schmiedzunft die meistere ... der smidde und smidde geczunfften ... der stede Mentze, Wormbs 1383 HanauUB. IV 276

Ableitungen von gezunft (2 von 2)

gezunfte

Lexer

ge-zunfte stn. BMZ gesellschaft, begleitung Erlœs. Elis. 1293. 5513. Hpt. 2,144.

ungezunft

DWB

ungezunft , f. , gth. v. gezunft ( s. d. ), nhd. nur noch in geschichtlicher darstellung: handwb. d. staatsw. 7, 1025. —