schnarchen,
verb. mit der kehle einen schnarrenden ton hervorbringen, mit einem rauhen geräusch atmen. eine iterativbildung zu schnarren
mit demselben suffix, das auch in horchen (
th. 4, 2, 1802)
vorliegt; in dieser form auf das deutsche sprachgebiet beschränkt: mhd. snarchen
mhd. wb. 2, 2, 448
b. Lexer
handwb. nachtr. 367,
auf nd. gebiete meist mit o:
mnd. snorken, snarken
schnarchen, schnaufen Schiller - Lübben 4, 279
b,
holl. snorken
schnarchen, prahlen: snorcken
stertere, rhonchissare, proflare pectore somnum: et jactare, crepascire verbis, proflare fastum, minas, ira(
m) Kilian.
daneben snerken
knistern, schnarchen, braten. ist aus dem nd. auch dän. snorke,
schwed. snarka
entlehnt? das engl. verwendet dafür eine andere ableitung aus demselben stamme: to snort,
mittelengl. snorten, snurten (
vgl.schnarzen),
sowie ohne ableitenden consonanten to snore (snorin),
s. Skeat 569
a. Kluge
5 332
b.
isländ. snerkja
zusammenziehen, runzeln Fritzner
2 3, 457
b,
ags. sneorcan
und schott. to snirk
in gleichem sinne Bosworth-Toller 891
b haben mit schnarchen
kaum etwas zu thun. im mhd. findet sich snarchen
nur ganz vereinzelt. aus glossarien bringt Weigand 2, 613
die belege: snarchken, snargin, snarkyn 1340,
nd. snorken 1417,
mitteld. snarcken 1469;
vgl.: sternutare hd. snarcken, snarchen
vel schnarchen
vel rawszen Diefenb.
gl. 552
a;
hd. snarcken,
nd. snorcken
ebenda, stertere snarken, snorken, ronken ...
hd. snarchen, snargin, snarchken, schnarcken, schnarchen ... snorcken in den slayp.
ebenda; vgl. nov. gl. 348
a.
im ältern nhd. kommt noch oft bei mitteldeutschen autoren die nebenform schnarken
vor, so stets bei Luther (1, 554
a. 5, 151
a. 173
b. 217
b. 315
a. 510
a. 6, 107
a. 252
b. 8, 44
a. 76
b),
ferner bei Feyerabend, Hollonius, Kirchhof, Mathesius,
s. die belege, vgl. auch bei Alberus:
ronchiso ich schnarck; ich schnarck
sterto. ganz vereinzelt ist die im nd. regelmäszige form schnorken
auch bei hochd. schreibenden autoren zu finden: das schnorcken, fartzen, gumpen (
springen) und mit dem hindern schnartzen. B. Waldis 2, 82, 13.
über die im 16.
jahrh. häufige weiterbildung schnarcheln
s. das. seit dem 17.
jahrh. kennt die hd. schriftsprache nur schnarchen.
die oberdeutschen mundarten haben zum theil schnarcheln
gewahrt, daneben schweiz. schnarche Hunziker 227,
bair. schnarchen (
und schnarkeln, schnurkeln, schnürkeln) Schm. 2, 582. Schöpf 637,
cimbr. snarchen
cimbr. wb. 233
b,
schles. Weinhold 86
b,
fränkisch-henneb. schnärche, schnerche
schnarchen, schnarrend reden Frommann 2, 466,
thür. schnarch, schnuarke Hertel
sprachsch. 216,
nordthüringisch und norddeutsch (
preuszisch)
auch schnarken Jecht 97
b. Liesenberg 199. Frischbier 2, 302
a (
schnarchen und schwatzen);
im heutigen nd. gewöhnlich snorken
brem. wb. 4, 899. Dähnert 439
b. Mi 83
a. Woeste 246
b;
auch snurken
brem. wb. a. a. o. (
in Hamburg). ten Doornkaat Koolman 3, 251
a. Danneil 274
b,
selten snarken. Schambach
unterscheidet snarken,
mehr vom menschen (hei snarket as en bëre) 199
a,
und snorken, snörken, snurken
schnarchen, z. b. von einem schlafenden hunde; schnauben, vom pferde, wenn es unruhig oder ängstlich wird. 200
b.
bedeutung. 11)
eigentlich, zunächst vom menschen: schnarchen,
stertere, ronchissare, ducere ronchos Dasypod.; der da schläffet der schnaubet oder schnarchet. Comenius
sprachenthür 352;
stertere, ita dormire est, ut ronchos ducas, schlaffen dasz man schnarchet. Corvinus
fons lat. 632
a; er schnarcht, dasz es die nachbaren hören Steinbach 2, 473; schnarchen,
stertere, ronchissare, als ein schlaffender mit starkem laut athem hohlen. Frisch 2, 211
c; und der man tet auch als ob er slief und snarcht.
gest. Roman. 39
Keller; horden se snorken in vullen slape.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 279
b; in der nacht fieng graf Frobin Cristof an laut zu schnarchen.
Zimm. chron.2 4, 284, 3
Barack; so kompt er mit ungestüm heim, aller essen keins, den nechsten nider gelegen, schnarchet die ganze nacht (
destertit noctem totam). Fischart
klag des ehest. (1614) 240; für das schnarchen sagt
M. Loys Guyon ... er habe von einem portugesischen apothecker, der ein jud gewesen, folgendes recept bekommen. Hohberg 1, 266
a; Reinald war von seinem abenteuer so ermüdet, dasz er bald darauf in tiefen schlaf fiel und mit dem schwager bär um die wette schnarchte. Musäus 3, 17
Hempel; so gehört zu den ungeselligsten unarten des menschen, dasz er schlafend, eben wenn er selbst am tiefsten ruht, den gesellen durch unbändiges schnarchen wach zu halten pflegt. Göthe 30, 99; stille — horch — geräusch wie von schnarchenden! .. immer ist mir, als hört ich ein schnarchen. Schiller
räub. 4, 5
schausp.; der deutsche domherr schnarchte in einem sessel.
werke 4, 209; des nachts legte man einen ack erknecht in mein zimmer, der sogleich zu schnarchen anfing und mir jeden schlaf unmöglich machte. Grillparzer
4 15, 56; ein ältlicher mann .. lag zurückgelehnt in einem groszvaterstuhl und accompagnirte die vorlesung mit seinem friedlichen schnarchen. Heyse
kinder der welt 2, 101; bisz das er schlaffend nidersanck, und schnarckend fiel unter ein' banck. Hollonius
som. vit. hum. s. 56, 1143
neudr.; up einen weken pOel, ja in der junfern schoet, wen sick ein armer minsch up fulen stroh moet strecken, ick dapper snorken kond. Lauremberg
scherzged. 1, 72; er schlieff in stoltzer ruh, gantz sicher, sonder angst. wir traten näher zu und stiessen auf sein haupt. doch blieb er unbeweget und schnarchte mehr denn vor. Andr. Gryphius 51 (
Leo d. Arm. 3, 232); er (
der kaiser) wacht für uns, dasz Pontus stiller fleust, dasz Nilus dient, dasz Ister dich verehrt ... entsteht weil ihn nicht einer schnarchen hört. 45 (3, 48); ein ieder schläfft und schnarcht. Günther 1013; als der riese lag am felsen, schnarchend, dasz die wälder rauschten. Uhland
ged. (1864) 262; diese nicht, auf unsres königs eignes schlafgemachsmandat, weil er ungestört zu sein wünscht, wann er schnarcht und wann er schnauft. Platen 283
a; der loyale Zuckladoro merkte kaum des helden schnarchen auf dem knorpel seines ohres, als er sprach: 'wir schlummern gleichfalls'. Immermann 12, 30
Hempel (
Tulif. 6); vater, mutter schnarchen leise in dem nahen schlafgemach. H. Heine 1, 153
Elster (
berg-id. 2); der affe legt sich zum monarchen und beide schlafen ein und schnarchen. 332.
so häufig mit sprichwörtlichen vergleichen: schnarchen wie ein mertzengaul, als ob erbsen kochten, a schnorcht wie a waldesel, hei snoerket äs en bar. Wander 4, 287; noch wais ich ainen in der lauss (
im gefängnis), mit namen Kopp, den kund ich nie geswaigen, der snarcht recht als ain hafenreuss (
mus), wann in der starchk tramynner (
wein) drang zuo saigen (
sich niederzulegen). zwar sölhen slaff ich nie gehört. Osw. v. Wolkenstein 13, 10, 3; des nachts in meinem bette schnarcht er wie ein ackergaul.
bergr. s. 107, 3
neudr.; so treg ist er und gantz mistfaul, unnd schnarcht die gantz nacht wie ein gaul. H. Sachs
fastn. sp. 3, 86, 6
neudr.; darvon ein iederman .. schläfferig wurde und sonderlich die mägde, die da schnarchten wie die alten ackergeul; welches schniben und schnarchen der guote mann auff der cantzel vernam. Lindener
rastbüchlein xii; und schnarchet als ain alter ackergaul.
Katzipori 53; schnarchen wie ein mertzengaul. Mathes.
Syrach 2, 50
a. — schnarchen
ohne zu schlafen; sprichwörtlich: se slapen nicht al de snorken unde de ogen tôhebben (
non stertens omnis dormit u. s. w.) Tunnicius 917,
vgl. Schiller-Lübben 4, 279
b.
in anderm sinne: (
leute,) die unter horn und quaal ihr angezwungnes weib aus frommer einfalt küssen, und, weil sie wachen will, auch schlaff-losz schnarchen müssen. Günther 451. 22)
zuweilen ist die bedeutung von schnarchen
soweit verblaszt, dasz es blosz den sinn von schlafen hat: schnarchen,
ronfare .. dormire in genere, v. schlafen. er schnarchet noch,
egli ronfa, cioè dorme ancora. Kramer
dict. 2, 620
a; er ist ein thor, ein thummer treger, er schnarcht nacht und tag.
Terent. 1499 83
b; der wächter stiesz zum letzten mal in's horn und weckte die schnarchenden bäckermägde zu ihrem frühen tagewerke. Musäus 1, 30
Hempel; sie plaudert, wenn sie schnarcht, sie exponirt im schlafe. Günther 979; das ehpaar liegt getrennt und schnarcht in gutem frieden, als wärs in ewigkeit geschieden. Kl. Schmidt
kom. dicht. 81; sprech ich um einge küsse zur guten nacht ihn an, so schreit er über flüsse (
gliederreiszen), wenn er nicht schnarchen kann. Weisze
kom. opern 2, 240;
so auch einschnarchen
für einschlafen: die schnarchten im umsehen ein. Gaudy
erzähl. 60; freund Harlekin ruft wohl alsdann vor langer weile Roms monarchen, den Marc Aurel, um hülf' und beistand an, um — desto sanfter einzuschnarchen. Bürger 104
b. 33)
in der ältern sprache auch in übertragenem sinne als ausdruck der trägheit oder nachlässigkeit, so mnd.: wo lange wille wy in desser vulheit so snorken unde slapen blyven?
quelle bei Schiller - Lübben 4, 279
b;
dies ist auch die gewöhnliche bedeutung bei Luther: denn wo wir hie schweigen und schlaffen, das die jugent so verseumet, und unser nachkomen tattern oder wilde thier werden, so wird es unsers schweigens und schnarckens schuld sein. 5, 173
b; das sind jtzt die faulen und unnützen prediger .. solche ligen, und schnarcken in jrem ampt, thun nichts, das zu jrem ampt gehöret. 151
a; so tieff haben alle geistlichen und gelerten geschlaffen und geschnarckt, ja stock star blind sind sie gewest. 217
b; das uns der treffliche schatz, den wir haben (
das evangelium), wenn es ausser der not und leiden ist, nur schnarckend und sicher machet. 315
a; so ist not, das man uns durch gottes wort .. erwecke, treibe und anhalte, das wir nicht schnarcken noch faul und lass werden, sonder jmer wachen. 510
a; denn wo sie des gewis weren, das sie nicht sorgen dürffen, ob sie recht oder unrecht geleret sind, so schlaffen und schnarcken sie fein sicher dahin, fragen auch hinfort billich nach keiner lere. 6, 107
a; darumb, wolt jr nicht verfüret werden .. so müsst jr wacker sein, und nicht schnarcken. 252
b; denn der teufel wird gewislich nicht schlaffen, noch schnarcken, sondern wird dich auch auff allen seiten anfechten, wo du hinkomest.
ebenda; betet, leset, studiret, seid vleissig, furwar es ist nicht faulentzens, schnarckens und schlaffens zeit. 8, 44
a; dazu sitzen die fürsten und oberkeit, schnarcken und haben das maul offen. 76
b; und zaigt an, das es nicht so ein faul und schlefferig dingk ist umb die lieb, wie die sophisten sagen, das im hertzen still und schnarckend lig, wenn es ein lust ein mal ankompt, das sichs dann reget. 12, 465, 25
Weim. ausgabe. 44)
von ähnlichen lauten mancher thiere: ich .. guckte stumm auf die im lehnstuhl schnarchende katze. Gaudy
erzähl. 89; ein bunte katz, zween kleine hund, regten den schwantz, leckten den mund: und legten sich für seine füsz, belten, schnarchten, winselten süesz. Rollenhagen
froschm. F 2
a;
besonders von rossen: se (
die Tartaren) singet alse de wulve hulet, unde drinket alse de perde snorket. Schiller-Lübben 4, 279
b; als er nun dem schein unnd glast neher kam, fing sein rosz fast an zuo schnuffen, schnarhen und zittern. Wickram
goldfaden S 4
b; daʒ ors an den zoume begunde snarren (
Köln. handschr. A aus dem 13.
jh.: snarchen) und streben.
Wigal. 177, 31; daʒ ros begunde scharren,snarchen eʒ began.
Wolfdietr. B 521; swaʒ er gehîb, swaʒ er gestah daʒ pfert, iʒ twinginde hin vor, so snarcht iʒ unde drang ûf hôr. Nicol. v. Jeroschin 22429; da fing des jägers röszlein an zu schnarchen und zu schnauben.
wunderhorn 1, 338
Boxberger; er suechte frömdes land, war als ein muthigs pferdt ... dasz, wan das ärtz erschallt, und wan die hér-pauck pumppet, die ohren hurtig spitzt, scharrt, schnarchet, schreit und gumppet. Rompler v. Löwenhalt 110; dort unten vor der reuterschaar trabt Vala trotzig her. sein schnarchend rosz ist ungestüm, doch nicht so wild als er. Kretschmann
Rhingulfs gesang 4, 81 durch das rankengewirr, da kam es gesetzt, und es schnarchten die pferde und standen zuletzt. Strachwitz
ged.8 276
Weinhold. 55)
seltener von anderen dingen, so in dichterischem bilde: und die langen felsennasen, wie sie schnarchen, wie sie blasen! Göthe 12, 204 (
Walpurgisnacht).
ferner thüring. von den gurgelnden tönen der pfeife beim ziehen Hertel
sprachsch. 216.
als technischer ausdruck im bergwesen von dem reibungsgeräusch einer wasserhebemaschine und weiterhin auch vom gange derselben, wenn sie die zudringenden wasser vollständig hebt; eine maschine zum schnarchen bringen, im schnarchen
oder schnarchend halten,
sie in den angegebenen gang überführen oder darin erhalten. Veith 424. 66)
in freierer verwendung von einer erregten redeweise, schnaufen beim reden, als ausdruck des zorns, trotzes, hochmuts, der drohung, prahlerei; so namentlich in der ältern sprache, seit der classischen zeit nur noch ganz vereinzelt: grosz drAewen und schnarchen,
iactare minas Henisch 744, 21; schnarchen,
ronfare, bronfare, schiamazzare .. v. pochen, aufschneiden, trotzen, schnauben
etc., it. pralen
etc. Kramer
dict. 2, 620
a; schnarchen ...
metaph. increpare, maledicere, conviciari, minas intonare Stieler 1887;
idem ac: einen harte anfahren; ich schnarche,
indignor, stomachor Steinbach 2, 473; schnarchen,
naribus follicare, ut solent iracundi. ira enim nares inflat, et ignem suum reciproco anhelitu magis excitat. ex eodem fonte ut antecedens. (schnarchen,
stertere)
hic aestus narium metonymice ponitur pro minis. inde schnarchen
minas spirare, schnarcher
feroculus, thraso, anschnarchen,
alloqui impetuose. Wachter 1448; schnarchen,
vulg. mit rasenden laut reden, als ein drohender, erzürnter. Frisch 2, 211
c; schnarchen, widersprechen,
ol. refragari, reclamari ebenda; vergl. die zusammensetzungen einen anschnarchen (
th. 1, 447), ausschnarchen,
propr. destertere (
th. 1, 958),
metaph. leniri, arrogantiam sedare, animum comprimere. dicitur etiam verschnarchen Stieler 1887; einem etwas abschnarchen,
minis extorquere Frisch 2, 211
c. 6@aa)
im einzelnen mannigfach nuanciert, ohne dasz sich eine strenge scheidung durchführen läszt: kompt auch wol, dasz sie (
die landsknechte) durch jhr schnarcken, darmit sie den herrn pochen wöllen, solches selbst verursachen. Kirchhof
milit. discipl. 213; acht ich doch solcher consarcinatoribus und jres crocitus gar nichts .. und ist denselbigen mer zu leidt, damit sie sehen, das ich von jres schnarchens wegen nichts underlassen wierdt. Thurneisser
erklärung d. archidoxa vorr. b 3
a; Sennacherib der mit gottlosen hauptleuten hausz helt, die nichts anders denn schnarchen, und gott und seine kirche lestern kondten. Mathesius
Sar. 83
a; waren sie empfindlich, so gab ich nichts nach, sondern schnarchte auch. Schweinichen 1, 66; sie hätten vermeint, ich würde i.
f. g., als dem regierenden fürsten, mit schuldiger antwort begegnet sein, und nicht mit schnarchen, wie von mir angemeldet. 286; ich schnarchte zwar auch etwas wieder. 309; indessen so befehlen i.
f. g. mir, ich solle sie in güte und mit schnarchen bereden, wie ich könnte. 2, 305; das schnarchen läszt mehr sich kein reisman bethören. Scherffer
ged. 136; obgleich der grimme Saul vor lauter toben brennt, ... sein schnarchen fällt in staub, sein auge wird geblendt. Andr. Gryphius 2, 433;
einen anfahren, schelten: wenn der falk miszthäte, so sol er (
der falkner) nicht zornig werden und ihn darumb übel anfahren schelten und schnarken. Feyerabendt
falknerei 3
a; gab der dieb ihm zur antwort: was es dieses schnarchens viel bedörfe, er könne nicht alle monat neue ohren aufbringen.
exilium melancholiae (
Straszb. 1655) 83; zudem weis ich auch gar nicht, was das 'neueste' mit dem 'grämischen anschnarchen' will; zwey altfränkische wörter, die schwerlich aus einer andern, als des herrn professors (
Gottsched) eigener feder können geflossen seyn ... was finden sie darin 'grämisches' und 'angeschnarchtes?' 'grämisch anschnarchen' kann niemand als herr Gottsched selbst; und zwar fällt er in diesen ton gemeiniglich alsdenn, wenn er satyrisch seyn will. z. e. was ist 'geschnarchter' als folgende stelle? Lessing 6, 182; ich sprach staunvoll: — o wie ist deine sünde graunvoll! — doch er versetzte wein- und launvoll: ... was willst du hier wie die sündfluth schnarchen, — wo ich geborgen sitz' in der archen? — hier gilt nicht jammer und griesgram. Rückert (1882) 11, 300 (10.
makame). 6@bb)
gern wird schnarchen
mit synonymen verbunden: solches geschicht nicht ohn grosses unnd vieles schnarchen, gepöch und zanden. Kirchhof
mil. disc. 123; doc heiszt auff englisch ein hund, tor auff teutsch ein narr, darausz wirt hundsnarr, bevor, wenn sie in voller weisz schnarcken und balgen wöllen.
wendunm. 1, 155
Österley (1, 124); dieser, als er sich zuo Dreisa wol gefüllet, kam er mit viel schnarcken und fluchen ... an einen andern nüchtern bauren. 275 (1, 224); da der Belial mit schnarcken, schnauben, trotzen, bochen, drowen nichts auszrichten kondte. Mathesius
Luther (1580) 86
b; indehm nach eroberung, die listige klugheit mehr hilfft als das schnarchen und trotzen. Butschky
Pathmos s. 878; schnorcken, törnen, haten, nyden schOel ghy als den dvel myden.
de düdesche schlömer 4539
Bolte; kan die deutsche sprache schnauben, schnarchen, poltern, donnern, krachen? kan sie doch auch spielen, schertzen, liebeln, gütteln, kürmeln, lachen. Logau 3, 89, 67; wenn sich das blat verkehrt und andere gewinnen: dann sitzst und tobest du als ob du sonder sinnen. du fluchst, du pochst, du schnarchst, du schreyst den himmel
an. Andr. Gryphius 2, 474; hierauf sprang ehren Loth herbei, mit brausen und mit schnarchen. Bürger 48
b.
besonders beliebt ist die verbindung schnarchen und pochen: betuget dat
N. N. mit velen schnorcken unde pochen.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 279
b; darup he my myt snorkende und puchende droeworden boiegent.
Oldenb. urk. v. 1538
s. ebenda; und wie er in ersach, ruckt er sein schwerdt ausz, dräuwete im mit viel schnarcken, pochen und fluochen. Kirchhof
wendunmuth 1, 93
Österley (1, 74); dies hatt er mit schnarchen und pochen angenommen. Schweinichen 1, 350; wann aber einer komme, poche und schnarche, und saget: wirth hastu etwas guts zu fressen? Schuppius 113; es stehet .. einem .. hausvatter wol an, dasz er freundlich, gütig, sittig und gelind gegen seinem gesind .. sey, ihnen nicht mit fluchen, kollern und pollern, schnarchen und pochen, grimm und zorn befehle. Hohberg 3, 1, 82
b; schnarchen und prahlen
als ausdruck der hoffahrt: da die magd ihn freundlich wil abweisen, hebt er an zu pralen und zu schnarchen und spricht: du pfaffenhure gib oder ich wil bald bei dir sein. Pape
bettel- u. garteteufel P 6
a; ick kan nicht pludern, schnorcken noch pralen, noch andere över de heckel halen. Lauremberg
scherzged. 4, 75; kommt, ihr irdischen monarchen ... die man nur von grösze schnarchen, und von hoheit pralen, hör't. Brockes (1739) 1, 103. 6@cc)
selten sind verbindungen mit präpositionen; gegen etwas schnarchen: die vom adel geben nicht ein kliplin umb das evangelium, sondern schnarchen dagegen, und halten es für keine sünde, wenn sie es gleich verachten oder auch verfolgen. Luther
tischr. 99
a; mit einem: und nachdem wir also mit einander geschnarchet hatten, bot er mir die faust, bat, ich wolle sein freund sein. Schweinichen 1, 350; über etwas schnarchen,
schelten: der über alles schnarchende Zoilus, deme gar nichts in der weiten welt recht gewest. Hörl v. Wätterstorf
Bacchusia A 5
a; auf etwas
oder einen: ob nun wohl der gemeine mann auf den apotheker sehr schnarchte, und übel zufrieden waren. Schweinichen 3, 319;
in anderm sinne in verbindung mit trotzen: er schnarchet, er trotzet auf fürstlich geflieder (
dazu die anm.: das ist postbrief). Scherffer
ged. 416. von etwas schnarchen,
prahlen: geh nun, o schatten des monarchen, von deinen groszen thaten schnarchen, wer hört im reich des nichts dir zu? Haller
schweizer. ged.10 18,
var. eigenthümlich ist die wendung nach etwas schnarchen,
gierig verlangen: das also die beicht möcht wol viel gleichnis haben, nemlich aller der, die sich gegen ander erzeigen, aber das sie ein göttlich figur und gebot draus machen, da schnarckt der bauch zu fast nach dem beichtpfennig. Luther 1, 565
a.