lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

gewohnen

nhd. bis sprichw. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
5 in 5 Wb.
Sprachstufen
3 von 16
Verweise rein
10
Verweise raus
35

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gewohnen schwaches verb

Bd. 6, Sp. 6482
gewohnen, schwaches verb mit später entwicklung, die aber in der neuhochdeutschen periode bald wieder unterbunden wird. in den zuständigen belegen ist einerseits die verstärkte form des ebenfalls abgeleiteten und viel früher entwickelten simplex zu erkennen, vgl. althochd. wonên Graff 1, 872; altsächs. wonôn, mhd. wonen s. mhd. wb. 3, 804a. andererseits musz mit dem unmittelbaren einflusz des oben besprochenen adjectivs gewon, gewohn gerechnet werden, das einem groszen theile der belege für die participialform gewont, gewohnt zu grunde liegt. wie diese form auf die ganze entwicklung und ausgestaltung des verbums gewonen einwirkte, wird sich unten zeigen, so dasz es keiner rechtfertigung bedarf, wenn auch gewont, gewohnt in diesem zusammenhang schon mitbehandelt wird. 11) abgrenzung von wonen und gewonen, statistik für gewonen und gewont, formen. 1@aa) wonen und gewonen. 1@a@aα) für die ältere sprache bedeutete der gegensatz zwischen grundwort und compositum durchaus nicht die begrifflichen unterschiede, die späterer gebrauch mit der gegenüberstellung von wohnen und gewohnen verknüpft. wie oben schon bei gewohn angedeutet, musz die ältere und allgemeinere bedeutung von wohnen durch die loslösung von der örtlichkeit gewonnen werden, an die unser heutiger sprachgebrauch sie einseitig bindet und die wir uns hüten müssen in die zahlreichen althochdeutschen parallelen von wonên mit dem lat. manere erst hinein zu tragen, vgl.: ther sinan willon uabit, joh themo ist io gimuatither wonet in ther guati. Otfrid 3, 20, 154; 'so ist daz min bester rat daz wir si ... hahen an einen ast.' dem rate wonten si do vast alle do der volge mit: sa zehant da ward ein wid gesuochet und funden. Joh. v. Würzburg. Wilhelm v. Oesterreich 4582 Regel. am zähesten hält sich diese unbeeinfluszte bedeutung in wendungen, die auf persönliche beziehungen zielen: wanta her mit iu wonet inti in iu ist Tatian 164, 3 (Joh. 1, 17 apud vos manebit et in vobis erit, denn er bleibet bei euch und wird in euch sein Luther); u. a. habda jungron mid im thia is sâligon gisîdôsthia im simlon mid im willion wonôdun. Heliand 3960. dazu vgl. das noch heute beliebte verbum beiwohnen, dem im mittelhochd. zahlreiche lockere verwendungen vorhergehen (vgl. auch angels. gewunian Bosworth-Toller 471) vgl.: lât si des geniezendaz si iwer swester sî: durch aller fürsten tugendewont ir mit triwen bî. Nibelungen 938, 2 u. a. s. mhd. wb. 3, 804b. bis zu welchem grade der verallgemeinerung so die ältere verwendung von wonen führen konnte, zeigt ein beispiel Otfrids: so was io wort wonantier allen zîten worolti. 2, 1, 5 (in principio erat verbum Joh. 1, 1); dazu vgl.: alsô wonete der strît vil manege wîle unde zît. kaiserchronik 7250 E. Schroeder; ebenso 10026. unter dem eindruck dieser mannigfachen entwicklung und im hinblick auf die bei gewohn schon gekennzeichnete bedeutungsfolge wird es nicht überraschen, wenn nicht nur lat. manere, sondern auch solere mit dem einfachen wonên wiedergegeben ist. die belege sind allerdings zunächst spärlich, ebenso wie für gewonen in dieser bedeutung, aber sie reichen weit zurück: solent tabule, wonent tavalun Reichenauer glossen z. bibel s. Steinmeyer-Sievers 1, 458b; dazu vgl.: discunt, wonent Einsiedeler und Züricher handschr. d. 11. jahrh. zu den Prudentiusglossen s. Steinmeyer-Sievers 2, 315; also du e wonetest. Wiener genesis (fundgruben s. 58, vgl.gewon waere Milstätter genesis s. o.); einen vanen der kurzewîle mit mir sol wonen. Diemer 221, 18; Schade unde schande ich armiu ze allen zîten wone. Erec 3885; dâ muose schumpfentiure wonen der sölher nôt niht was gewent. Wolfram Parzival 265, 18. ähnl. (er solt ab niht ir minne wonen) 494, 20; vgl. auch (mit unpers. subject) 216, 12; die kômen in einen grôzen walt. dennoch muoser gêns wonen. er zôch dez pfärt zuo zeime ronen. Parz. 534, 13. vgl. auch 161, 14; sîne site sult ir niuwen, und minnt von herzen iwer konen. sîner site sult ir wonen. Parz. 474, 20; dâ lôse uns vone daz wir des iht durfen wone des wir noch ungewone sint. Heinr. v. Krolewitz vaterunser 2613. desgl. 840. als jene di jo wonten und so doran bedonten daz si ouch daz beschriben und dor an stete bliben. Tilo v. Kulm von sieben ingesigeln 5805 Kochendoerffer; vgl. auch wonen = gewennen (s. gewöhnen) Oudemans 7, 974. wie weit endlich die belege für die participialform gewont (s u.) dem einfachen oder dem zusammengesetzten verbum zugehören, läszt sich nicht immer sicherstellen. 1@a@bβ) andererseits sind auch auszerhalb des particips verbalformen mit praefix noch lange in der bedeutung der seszhaftigkeit an einem orte belegt. neben der an der grenze stehenden wendung: inti mit giwatu ni giwatita sih noh in huse ni giwoneta, ouh in grebirun Tatian 53, 3 (Lucas 8, 27 neque in domo manebat, sed in monumentis, noch bleib in dem haus wann in den grebern ältere bibel s. Kurrelmeyer; desgl. Luther vgl. angels. gewunian Bosworth-Toller 471) vgl.: si wonten da allen einen tach (var. gewoneten). Konrad Rolandslied 72, 13 W. Grimm; daz sein gaeist maechte in der menschen geslaechte gewonen nicht mere. in gerou vil sere daz er siu hete gischaffen. (Anegenge) dtsch. ged. Hahn 22, 82; das kloster in dem selbigen jare wurde angehaben nach der meister lare kirche, koer und creutzgang robenter schlafhaws kortz und lang also lang das es darzu tuchte das man dar inne gewonen mochte. Rothe Elisabeth 2, 2052 Mencken; durch daz sie so reine und so kusche wuorden, daz unser herre Jhesus Christus in irme herzen gewonen mochte und nimmer von in queme pred. bei Schönbach 1, 169; wAeri ez och enge, so gezAeme aim grossen fúrsten aber drinne nit ze wonende, won er mOehti mit sim lieben gesinde nit drinne bliben (var. gewonen) St. Georgener prediger (Berthold v. Regensburg) 244 Ried; daz ich in dem herzen bin dar sich reiniget der sin, und daz ich nimmer dar gewone dort do man mich tribet vone. H. v. Hesler apokalypse (Danziger hdschr.) 7371 Helm; Ottnit: sagt, ob ihr traut zu gewonen. Rosilla: o ich will gern allhie wohnen. Jac. Ayrer kais. Ottnit s. 214a. 1@a@gγ) in der engeren bedeutung eines geübten brauches ist gewonen für die älteste zeit nur aus glossen und einmal im Heliand belegt: suescat, kiwone. Junische glossen d. 9. jahrh. (zu Syrach 23, 9; gewehne deinen mund nicht zum schweren Luther) s. Steinmeyer-Sievers 1, 587; vgl. auch kiwonet, solet (Reichenauer glossen d. gleichen jahrh.) s. Graff a. a. o. deda thâr sô hie giwonôda, drohtin selbo lêrda thia liudi. Heliand 3961; giwonan Tegernseer glossen d. 11. jahrh. zu Vergils Georgica (2, 272: in teneris consuescere multumst, das citat dient auch den wörterbüchern später zur anknüpfung: von jugend auf gewonen, assuescere a teneris Maaler 179c; desgl. A. Reyher 544 u. a.) Steinmeyer-Sievers 2, 633; assuesceret, gewoneti, kewoniti Einsiedeler u. Züricher glossen d. 11. jahrh. zu Prudentius (Apoth. 161) Steinmeyer-Sievers 2, 512; dazu vgl. das angels. gewunian (Bosworth-Toller 471/2), das mit infinitiv oder objectsätzen verbunden ist, substantiv-objecte aber nicht im genetiv, sondern im dativ angliedert. die mittelhochdeutsche dichtung verhält sich gegen das zusammengesetzte verbum in unserem sinne völlig spröde, Wolfram und die seinen bevorzugen das einfache verbum (s. o.), Hartmann und die von ihm beeinfluszten dichter verbindungen des adjectivs (s.gewohn), so bleiben nur einige wenige belege, die vorwiegend in den ausgang der mittelhochd. periode weisen: die wîsen lêrn den tumben, biz er manlîcher tât gewon! Ulrich v. d. Türlin Willehalm CCCXXVI, 29 Singer s. 377; ich wil an miner maze donen unz ich geweichen und gewonen in dutischer zungen vor baz: si ist min noch al ze laz. Pilatus 58 s. Maszmann s. 146; (gewonen in verbindung mit geweichen weist auf den vergleich mit dem fallenden tropfen [vgl. Weinhold ztschr. dtsch. phil. 8, 259 ], dessen wirkung auf den stein gerade für den gewohnheitsbegriff viel angezogen wird, vgl. sp. 6485). mehrfach ist das verbum aus den predigten Bertholds belegt, einmal im zusammenhang mit anderen bildungen aus der gleichen sippe, der einerseits den gegensatz des medial erfaszten gewonen gegen das factitive wenen (gewöhnen) beleuchtet, anderseits zeigt, wie auch verbindungen mit dem substantiv in den dienst des medialen begriffs gestellt werden: swes man diu kint des ersten wenet, dem habent sie iemer mêr hant an ... lêret ... zuht und êre, daz sie sîn in gewonheit komen: wan 'swes daz kint gewont, daz selbe im nâch dont' daz ist ein alt gesprochen wort und ist auch war Berthold v. Regensburg 1, 34; dazu vgl. mit präpositionalverbindung statt des genetivs (der dâ ze helle gewont) 1, 386 im sinne von assuefieri; nuon gwant vil manger pei dem tisch wilpret, pheffer, guoter visch. Suchenwirt (die verlegenheit 175) Primisser 102b; wiltu (diu meit) den mannen volgen, sô muostu werden ein wîp. gewonst du sîn ein wîle, die naht unz an den tac: ez mac dir alsô lieben, daz dirz niemen erleiden mac. Ortnit 59, 3 Ettmüller; ähnlich Joh. Rothe Dür. chron. (204) 162 Liliencron (des gewoneten); daʒ erbe oder eigen, pfrüende oder pfarre in wîse machent, das siht man selten: swer drabens gewont, den müet zelten. wiʒʒet daʒ boese gewonheit aller sünden banier treit. Hugo v. Trimberg renner 21444 Ehrismann; ebenso (der ungarischen reise gewonen) Ottokar 8179 Seemüller; (gewont er aines sitten) Suchenwirt (114) 101b; ganz vereinzelt ist die beziehung auf thiere (s. dagegen gewöhnen): das der valck dardurch gewone der hand Mynsinger 18, dazu vgl. auch die unpersönliche wendung: diʒ wert biʒ an den tag, daʒ diu küniginne sich wol verstuont nâch kristen orden.alse noch tuont vil edel frouwen, ê ir scham gewon bi niuwen wirten.hie lâʒen wir von ... Ulrich v. d. Türlin Willehalm CCCXXI, 13 Singer s. 371. 1@bb) neben diesen spärlichen belegen für älteres gewonen in der bedeutung von solere bedürfen die etwas zahlreicheren zeugnisse für die form gewont aus älterer zeit besondere betrachtung. man ist geneigt, in ihr überhaupt keine participialform, sondern nur eine unter dem einflusse von gewöhnt zu gewöhnen begünstigte anorganische erweiterung von gewon zu sehen. 1@b@aα) dem widerspricht schon derallerdings schwierigeälteste beleg: inolita cuti, ungewonetiu dera huti Reichenauer glossen zu 3. Mos. 13, 11 (so ists gewis ein alter aussatz in der haut Luther) Steinmeyer-Sievers 1, 353 (Tegernseer glossen [1, 347] anagewahsan). wie man auch den widerstreit der präfixe in der parallele von inolitus und ungewohnt deutet (inolitus, insolitus?), jedenfalls spricht die glosse dafür, dasz gewohnt als participialform eingesetzt war. als verbum kann mit gleicher berechtigung das einfache wie das zusammengesetzte, wonen wie gewonen, in anspruch genommen werden. für den verbalcharakter spricht auch die verbindung gewont haben, eine in der imperfectiven bedeutung des verbums begründete fügung, die früh bezeugt ist, in der klassischen zeit der mhd. dichtung aber verstummt und erst unter den späteren zeugnissen wiederkehrt: daʒ er sich badete als er gewonet habete. deutsche gedichte 52, 7 Diemer; den site ein man unsanfte lât den er von jugent gewonet hât. Freidank 108, 18 W. Grimm; ganz ähnlich (er hett sein gewonet wol) Heinrich v. Neustadt Apollonius 6782 Singer; dazu vgl. die zusammenstellung von gewont mit gewonheit in umfangreicherem zusammenhange, der auch den attributiven gebrauch von gewont (s. u.) belegen läszt: der trouf der got sin hus erwert ... daʒ ist die bose gewonheit. uns ist daʒ lange vor geseit daʒ der trouf vellet durch den stein ... da bei wil got daʒ man merke der gewonheit meisterschaft. die hat sunden solche kraft: ein clein sunde wirt so groʒ daʒ si ist der grOesten genoʒ. swen man ir so gewonet hat daʒ man si nimmer verlat, die gewonten sunden trieffent zu tag und naht, spat und fru, untz ir stete got vertribet. beispiel Salomos, vers 97 ff. (mhd. erzähl. 3, nr. 106) Rosenhagen s. akademie-texte 17, 91 u. a. s. sp. 6496. 1@b@bβ) dagegen weist die verbindung gewohnt sein allerdings unmittelbar auf den gebrauch von gewon zurück, während bei der attributiven verwendung (s. o.) die frage offen bleibt: dinc dâ er an gewonet ist myst. 2, 173; dî grôʒe stat zu Hellespont, dî dî Dutschin sint gewont zu nennen Sente Jurgen arm. Nicolaus v. Jeroschin 21723; vgl. auch ghewoent siin, woonachtig ziin Oudemans 2, 668 mit gewone siin Verwijs u. Verdam 2, 1924/5. 1@cc) statistik für gewonen und gewont. 1@c@aα) die bibelübersetzung, die sich gegen gewon so spröde erwies, läszt sowohl gewonen wie verbalverbindungen mit gewont belegen. daran ist nicht nur Luther betheiligt, der in seinen eigenen schriften beides ungemein begünstigt, sondern auch die vorlutherische bibel, die solche formen an mancher stelle verwendet, wo Luther sie wiederum vermied. 1@c@a@11)) das letztere ist zum theil da der fall, wo Luther einer anderen auffassung folgt oder eine bestimmte färbung zum ausdruck bringt: du geberst sün und tochter und gewonst ir nit Mentel (Kurrelmeyer 4, 221) 5. Mos. 28, 41 (non frueris, von Zainer ab [1475] nüszt, newsest; Luther: wirstu nicht haben); von allen den sünden, die den leuthen gewonent zu widerfahren Mentel (Kurrelm. 4, 18) 3 Mos. 5, 6 (von der Augsb. bibel 1507 ab: gewonlich widerfarent; Luther: sunde die er gethan hat); in beiden fällen vollzieht sich die änderung schon vor Luther. 1@c@a@22)) wo Luther im gebrauche von gewonen gegen seine vorgänger abweicht, sind meist verbindungen des particips betheiligt, andere formen des verbums stehen hier vereinzelt: ward er ein junger lewe der gewonet auch die leute zureissen und fressen Luther Hesek. 19, 6 (didicit praedam capere, lernt ältere bibel); für das particip kennt Luther in der bibel nur die verbindung mit dem verbum substantivum, er führt sie gegen älteres gewont haben oder gegen verbindungen mit gewonheit einwiederum ein zug, in dem Luthers gebrauch mit dem der neueren schriftsprache übereinstimmt. 1@c@a@2@aa)) er begund zeversuochen ob er möcht gen gewepent wann er het sein nit gewont. und Dauid sprach zu Saul. ich ermag nit geen also. wann ich hab sein nit gewont Mentel 1. könig. (1. Samuel.) 17, 39 (non enim habebat consuetudinem ... non usum habeo; denn er hats nie versucht ... denn ich bins nicht gewonet Luther; versucht Kautzsch); dazu vgl.: so könnet jr auch guts thun, weil jr des bösen gewonet seid Luther Jeremia 13, 23 (cum didiceritis, hebbet ghelert niederdtsch. bibel), vgl. auch Hesek. 23, 43. 1@c@a@2@bb)) da sich aber der könig gesetzt hatte an seinen ort, wie er vorhin gewonet war an der wand ... 1. Sam. 20, 25 Luther (was gesessen auf seim stuol nach der gewonheit Mentel u. a. (Kurrelm.) secundum consuetudinem sasz der könig auf seinem gewöhnlichen sitz Kautzsch); nach dem nu Paulus gewonet war, gieng er zu jnen hin ein, und redet mit jnen ... ap.-gesch. 17, 2 (gieng ein zuo in nach der gewonheit Mentel u. a. κατὰ δὲ τὸ εἰωθός, secundum consuetudinem; nach seiner gewohnheit Weizsäcker). 1@c@a@2@cc)) in der Züricher bibel ist gewonen in einem zusammenhang belegt, der übereinstimmend mit der übrigen bibelübersetzung die bedeutung von habitare voraussetzt, der in diesem einen falle aber auch diejenige von solere zuläszt: wenn ir nun kinder gebärend ... un desz landes gewonend 5. Mos. 4, 35 (entwelt in dem lande Mentel (Kurrelm. 4, 148) wonet von Pflanzmann ab, so auch bei Luther). 1@c@bβ) die buchungen werden der thatsache ziemlich gerecht, dasz unter den formen des verbums das particip (gewohnt) mehr und mehr das schwergewicht des gebrauches trägt. im 18. jahrh. wird mit weitgehender übereinstimmung festgestellt, dasz gewohnen als verbum veraltet, und wenn die wörterbücher trotzdem die ganze flexion vermerken, so thun dies die einen aus historischer belesenheit, die andern aus grammatikalischer gewissenhaftigkeit, weil sie die immer mehr sich verbreitende form gewohnt doch in ein schema bringen wollen. 1@c@b@11)) die ältesten buchungen umgekehrt nehmen bei gewohnen keine oder nur dürftige notiz von gewohnt. 1@c@b@1@aa)) gewonen assuescere, assuefacere (zum letzteren s. gewöhnen) vocab. inc. teut. h. 7; consuere, gewonen consuetus sum Aventin (rudim. gramm.) 1, 421; gewohnen suescere, assuescere Dasypodius F 2b; consuesco ... gewohnen, in gewohnheit kommen, s'accoustumer, avoir de coustume Hulsius 70a (1640); desgl. (gewohnen) ausgabe von 1596 und 1614; gewohnen, suescere, assuescere ... insuescere alicui rei. assuefacere se ad aliquid et alicui S. Calvisius, thes. lat. serm. (1653) 410b. 1@c@b@1@bb)) auch bei andern, die der form gewont sonderbeachtung schenken, fällt das schwergewicht noch auf gewonen und seine formen. eigenartig verhält sich hier Maaler, der dem inhalt nach von Frisius abhängt, nicht aber in der gliederung, wo er bemerkenswerthe anhaltspunkte giebt. an der hauptstelle 179c f. (vgl. auch 201c) steht gewonen im vordergrund der betrachtung, sowohl für die begriffsbestimmung als für die phraseologie: gewonen, sich gewennen, assuescere, consuescere, consuetudinem adhibere .. capere ... adducere se in consuetudinem, morem facere sibi, suere, assuefacere. dagegen vgl.: gewonet, der gewonet hat, assuetus consuetus 179c undd. auch die phraseologie läszt gewont durchweg als participialform in den geleisen des verbums marschieren: gewonen zu regieren (des leidens, kriegens gew.); desz wassers (eines dinges) gew., (mit persönlichem object) einsi gewonen, consuescere alcui. dazu vgl.: wie man im krieg ze thun gewonet hat, de more assueto belli 179d desz liegens (der arbeit) gew. haben u. a., durchweg verbindungen des particips mit haben, während auf das verbum subst. nur man gewonet si (assuescitur) weist. andererseits wird hinter gewonheit, gewonlich bei Maaler noch einmal die form gewont angemerkt (180a) und diesmal mit wendungen, die zum gröszeren theil den adjectivischen functionen dienen: gegen lenger dann si gewont habend (longius assueto) vgl.gewont und gebraucht etwas ze thuon (insuefactus); guter dingen nit gewont ... bonis inexpertus; gewonte liebe, consuetus amor; gewonter, breuchlicher sit, mos solitus. 1@c@b@1@cc)) andere wörterbücher nach Maaler stehen diesen adjectivischen functionen von gewohnt wieder spröder gegenüber: gewonen, in die gewonheit kommen, verhärten in einem ding, assuescere, consuescere ... gewonet, assuetus, consuetus Emmel sylva vocab. Q q 7a; callum obducere (met. pro) assuescere al. rei, eines dinges gewohnen, dickhäutig werden A. Reyher lex. lat. germ. 316 vgl. auch sp. 544 (s. oben zur Vergilstelle); dazu vgl. scelerum exercitatione assuefactus, der übels zu thun gewohnet ... assuesco ... gewohnen ... assueti, leute, die der ... arbeit gewohnet sp. 215. 1@c@b@22)) eben mit dem 17. jahrh. wächst allgemein die berücksichtigung der form gewohnt, deren verbindungen mit dem verbum subst. allmählich ganz über die ältere fügung mit haben obsiegen: gewohnen, lehrnen, inn ubung bringen, assuescere, consuescere, assuefieri, addiscere, in usum trahere Henisch 1607 (der arbeit gewohnen, eines dings gew.: was man von jugent an gewohnt ... gewohnt sein solere ... desz dings, so man gewohnt ist u. a. dazu vgl. [für elliptisches gewohnt?]: der hund, so der kuchen gewohnt, ist bösz wieder herausz, ein der das bettlen gewohnt, der höret nicht auf zu betlen; die lieb und freundtschafft, die sie gewohnet amor consuetus); ich hab sein gewohnt ... wir seind alle, wie wir gewohnt haben oder gewohnt seind ebenda; gewohnen ... desz lesens gewohnt, alicujus sermone adsuefactus ... dasz man ihr gewohne Schönsleder prompt. V 6a; gewonen, gewonet, assuefieri, assuescere Stieler 2495; (einer sache, der schläge gewonen; man gewont endlich alles; er ist der arbeit gewonet, bin des unglücks gewonet); gewont, assuetus, assuefactus, consuetus (zum wasser gewonet, innutritus aquae; jung gewont ...) ebenda. im teutsch-engl. wb. von 1716 erreicht das vordrängen der participialform mit ihren verbindungen schon einen höhepunkt, von dem die deutsch-lateinischen wörterbücher dieser zeit noch lange weit abstehen, vgl.: gewonen oder gewohnen (eines dings oder ein ding) dessen gewohnt werden, sich darzu gewöhnen, to grow wont, accustomed or used to a thing, to apply, accustom 776 (ich bin nicht gewohnt, so zu handeln ... er hats gewohnt ... wir sinds an ihm nicht gewohnt ebenda) gegen gewohne nur eines dings Aler 1, 943a; an etwas (an dem wasser) sich gewohnen 942a; er gewohnet gerne zu versprechen ... wollüste zu überwinden ... andern zu gehorchen ... das licht zu leiden; des schmerzes des krieges gewohnen ebenda; (daneben: ich bin dessen gewohnt ..., was man gewohnt ist ... täglicher arbeit, des liegens, lesens gewohnt ... ich habe, bin es gewohnt); in ähnlichem rahmen wie Aler buchen auch Steinbach u. a., ebenso Frisch, der einerseits den geschichtlichen hintergrund mehr vertieft, andererseits den neuerungen mehr rechnung trägt: gewohnen wird mit dem genitivo der sache gesetzt, die man gewohnt ist, oder auch mit dem accusativo ... des schmertzens gewohnt ... das ist er gewohnt 2, 455c. Adelung stellt die zurückdrängung der formen von gewohnen durch die verbindungen von gewohnt zuerst mit bewusztsein fest: indessen ist statt dieses zeitwortes das mittelwort mit den zeitwörtern sein und werden im hochdeutschen üblicher 2, 669; von gewohnen führt er noch einige veraltende wendungen, namentlich aus Gellert an (dazu vgl. noch Schwan: böse dinge gewohnen, contracter des mauvaises habitudes ... des krieges, der arbeit gewohnen, accoutumer le corps, d'exercer à la guerre au travail 1, 748 [1783] gegen: er ist gewohnt früh aufzustehen ... ich bin dessen nicht gewohnt ebenda; etwas gewohnt werden s'accoutumer ... gewohnt sein, avoir coutume ... das ist er nicht gewohnt 749). die verbindung gewohnt haben scheint Adelung nicht mehr bekannt (vgl. auch gewohnen to grow wont, gewohnt sein to be wont Arnold4 427b), für gewohnt sein ist ihm die angliederung eines infinitivobjects besonders geläufig. substantivobjecte fügen sich im accusativ, doch kennt er auch noch den genitiv: das bin ich an ihm schon gewohnt ... des unglücks, der arbeit gewohnt sein ebenda. bemerkenswerth in der eben besprochenen richtung sind die beiden feststellungen bei Heynatz: gewohnen, ist ein neutrum mit haben und hat den accusativ, wird aber ziemlich ungebräuchlich handbuch (1773) 339; gewohnen für gewohnt werden ist bei hochdeutschen schriftstellern nicht mehr üblich Antibarbarus (1796) 2, 58. 1@c@b@33)) wo gewohnen später noch als geltend gebucht wird, ist die form gelegentlich wohl mit rücksicht auf das gebräuchliche gewohnt angesetzt: gewnen, gewohnt werden; hä es te brôe gewnt = er wird schon wieder kommen Woeste wb. d. westfälischen mda. 78; jedenfalls weisen solche buchungen auf die mundart, und hier beruhen sie z. th. auch darauf, dasz sich die grenzen von gewohnen und gewöhnen (s. d.) verschoben haben. 1@c@b@3@aa)) gewonen aus dem neueren schwäb. sprachgebrauch bezeugt H. Fischer: es gewohnet's nit u. a. (s. u.); dazu vgl. wers henken einmal gewohnt hat; vgl. auch das in schriftdeutscher prägung umlaufende jung gewohnt alt gethan ebenda. 1@c@b@3@bb)) zum zweiten fall vgl. schon: gewohnen oder gewöhnen, accoûtumer Frisch nouveau dict. des passag. (1730) 2, 262; dazu vgl. g'wane, gewöhnen, ob. Basel, sonst g'wenne Seiler Basler mda. 157a; gewohnen, gewöhnen, gewöhnen, einem zur gewohnheit machen Martin u. Lienhart 2, 831b. 1@c@gγ) das sprichwort hält sich wesentlich in dem geleise, das schon durch die wendung jung gewohnt, alt gethan (s. unten; vgl. Wander 1, 1677) gekennzeichnet ist. auf deutschem boden wird diese auffassung einerseits verallgemeinert: gewohn's, so koMt dir's nicht hart an Wander 1, 1677; s'ist alles nur, bis man's gewohnt ist (Nürtingen) ebenda. andererseits wird diese lebensweisheit mit allerlei drastischen vergleichen und schnurren verknüpft: hei is't gewut es der schmid de funken (Soest) Wander 1, 1678; äs de isel 't sack dregen ebenda; gewohn's, mudel (mietze), gewohn's hat der bäck g'sagt, hat mit der katz den ofen ausgekehrt Hoefer 293 u. a. s. Wander 1, 1677. vgl. auch bei gewöhnen. bemerkenswerth ist die einseitigkeit, mit der das sprichwort bestimmte formen bevorzugt. 1@c@g@11)) das verbum wird fast nur in der imperativform angezogen, die in dem oben erwähnten sprichwort schon früh entgegentritt: gewons, so kompt's dich nit hart an S. Frank (1541) 31a; vgl. auch H. Fischer schwäb. wb. 3, 638; dazu vgl.: gewohn's Bumal (österreichisch) Wander 1, 1678; gewohn's mudel (s. o.) u. a. 1@c@g@22)) sonst sind die wendungen von der participialform getragen: schmids habend der fhürfunken gewont S. Frank sprichwörter (1545) 2, 37a, u. a. vgl. sp. 6476; ich hab sin gewonet, es gadt mir eben so mer übel als wol 2, 86b; wer gewohnt ist im finstern zu leben, der fragt nicht viel mehr nach der sonn, consuetudo est natura adventicia Lehman 320; dazu vgl. nun auch die meist verbreitete formel, die auch in wörterbüchern viel angezogen ist: jung gewohnt, alt getahn, a teneris assuescere multum est Stieler 2495; vgl. Aler teutsch-engl. lex. u. a.; jung gewont, alt gethan Mathesius 2, 69 Loesche; vgl. jung gewohnt, alt gethan Harsdoerffer frauenzimmer ge sprechspiele 5, 62; (gethan) Abraham a S. Clara etwas f. alle 3, 194; hier läszt sich nachweisen, dasz gewohnt auf gewon zurückführt, in welcher form das sprichwort am frühesten zu belegen war (s. sp. 6476); inhaltlich weist es auf die bei Stieler angemerkte Vergilstelle zurück, die schon von den glossen ab die lexikographen beschäftigt. in dem (sp. 6484) für Berthold von Regensburg (1, 34) beigebrachten beleg liegt eine andere ältere prägung des gleichen sprichworts vor. 1@dd) formen. 1@d@11)) den mannigfaltigsten schwankungen unterliegt der stammvocal in der form gewont. die älteren denkmäler zeigen bei mundartlicher färbung vielfach a, nicht nur niederdeutsche quellen (gewant Schiller-Lübben a. a. o.), sondern auch oberdeutsche. vgl. auch gewan sp. 6477 und gewanheit (s. u.). ob die ablautstufe, die für gewennen, gewenen (gewanjan) erschlossen ist, hier zu tage tritt, scheint aus altersgründen fraglich; eher dürfte es sich um secundäre erscheinungen in aussprache und schreibung handeln, vgl.: so gewant er aines sitten Suchenwirt 101b; desgl. 102b; bei denen mas nicht gewannt ist öst. weisth. 6, 260, dazu vgl. gewanet, consuetus, assuetus ... vocab. theut. (Nürnberg 1482) M. 5. es ist ein grosz schand; wann welch mensch desz liegens gewant. Hans Sachs fab. u. schw. 2, 570 Götze. Pontus kunde keinis frölichen worts von ir bekomen als er vormals gewant was Pontus u. Sidonia d 3a. aus neuerer mundart vgl. gewānd, gewohnt Gerbet (Vogtland) s. 215; desgl. 249; dazu vgl. (aus niederdtsch. gegend) die verdunklung vor nasal: gewûnt, gewohnt Bauer-Collitz 40a; hei ist gewunnt, gewûnt (Soest) Wander 1, 1678 und in entgegengesetzter richtung: gewihnt Follmann (Lothring.) 203a; dazu vgl.: die kreuzung mit gewöhnt: gewennt Danneil 246a; gewend, gewohnt Brem. wb. 5, 230; gewennt, gewohnt Mi (Mecklenb., Vorpommern) 26b, dagegen gl. gewont, gewohnt Hönig (Cöln)2 65b, zu jewohnde s. oben bei gewohn. 1@d@22)) andere varianten stehen mit der quantität des stammvocals in beziehung, dabei ergeben sich bemerkenswerthe unterschiede gegen andere bildungen unserer sippe. im gegensatz zu gewenen, das seiner bildungsweise entsprechend lange doppelten nasal bevorzugt, herrscht bei gewonen durchaus einfacher nasal vor. bei Maaler begegnet einmal: gewonne oder sich daran gewenne 179c; dazu vgl.: gewonnen Zimmersche chronik 22, 585; gewonnten 12, 5; gewonnet 32, 36; gewannt öst. weisth. 6, 260; ghi moten des gewonnen Soester Daniel s. Schiller-Lübben 2, 106; gewonnen neben gewohnen Schupp. andererseits ist die längebezeichnung durch nachgesetztes h, die heute in der ganzen sippe durchgeführt ist, verhältniszmäszig früh an unserem verbum zu beobachten, wenigstens in den formen mit offener silbe. 1@d@2@aa)) bis zum ende des 16. jahrh. meiden die denkmäler auch hier das längezeichen: gewonen bei Twinger v. Königshofen, Arigo, Steinhöwel, Wyle, Aventin, Geiler, S. Frank, Eberlin, Luther, Melanchthon, auch Hans Sachs und den ältesten vocabularien. 1@d@2@bb)) der gegensatz zwischen formen mit offener und geschlossener silbe macht sich aber im buch der liebe bemerklich: gewohnen, gewont; das gleiche Fischart Gargantua 108 gegen 244; vgl. auch gewohnen, gewonheit bei Dasypodius, ja sogar noch bei Henisch, ebenso ist gewont auszer bei Schwarzenberg, Cochläus, Probst u. a. auch in Kirchhoffs wendunmut, in Sprengs Ilias (1616) und in Wimpfelings Teutschland (1648) belegt. auffallend, dasz Stieler gegen seine vorgänger noch bucht: gewont, gewonen, gewonet; vgl. dazu gewonen oder gewohnen teutsch-engl. lex. 776. 1@d@2@cc)) gewohnen ist abgesehen von Pauli zuerst bei Dasypodius belegt, dem die wörterbücher hierin nicht gleich folgen. dagegen stimmen überein: Tappius (waidwerk 1542), Herold (1554), Spangenberg (1562), desgl. Fronsperger, Seuter u. a. auch die sammlung von Luthers tischreden setzt sich mit gewohnen in gegensatz gegen Luthers gebrauch; das gleiche schreibt die Nürnberger folioausgabe des Hans Sachs von 1571. in Colers hausbuch findet sich gewonen, im calender gewohnen; dazu vgl. die änderung in der ausgabe von 1606 von Bebels facetien (gewohnet) gegen gewonet (1558); gewohnen etc. in Geszners vogelbuch gegen gewonen (1557). die denkmäler des 17. jahrh. weisen übereinstimmend gewohnen und abgesehen von den erwähnten ausnahmen auch gewohnt auf, welch letzteres im 16. jahrh. zuerst bei Ickelsamer zu belegen ist. 1@d@33)) anderes kommt hier wenig in betracht. zu der mundartlichen färbung des vocals s. o. (vgl.gewouns bei H. Fischer); dazu vgl. gwonen neben gewonen Maaler 201c gegen 179a; vgl. auch gewon (mit verklingen des zweiten auslautenden nasals) für gewonen Waldis Esopus (2, 31) 1, 211 Kurz. 22) gewohnen nimmt in der neuhochdeutschen periode ausschlieszlich die richtung auf den begriff von brauch und übung. in der bedeutung von habitare kommt auszer einem älteren beleg für Tauler (die creature besitzet die stat gottes in ime, also das got nutz do gewonen noch gewürken enmag predigten s. 127 Vetter) nur noch eine buchung in betracht, deren tragweite aus unserem material nicht abgemessen werden kann: er kan in dem hause nicht gewonen, has aedes incolere necdum condidicit Stieler 2495. anders das folgende, wo ein vereinzeltes zusammentreffen die beiden bedeutungen von habitare und von solere in einer und derselben verwendung des verbums vereinigt: wa sie an ein ort gewonen, mögen sie nit bald von danne getrieben oder auszgerottet werden Ryff thierbuch F. 1b vgl. auch sp. 6493. in der beschränkung auf den begriff des brauches hält sich gewohnen durchaus in den grenzen eines intransitiven verbums und bewahrt den gegensatz gegen das factitive gewöhnen. ausnahmen sind selten, vgl. vocab. inc. teut. h. 7; vgl.: das heer auch dahin abzurichten und zu gewohnen L. v. Schwendi kriegsdiscurs s. 59; so man sie ... zu ... schnellem lauff gewont A 6b; der worte: blies ihm ins angesicht, müssen wir uns gewohnen, sagt Luther Herder (älteste urk. d. menschengeschl. 4) 7, 12; vgl. das mundartliche 's gewohnt sich alles (Martin u. Lienhart 2, 831) und andere dialectformen. mit gewöhnen werden die formen von gewohnen (mit ausnahme von gewohnt sein) nicht gern zusammengestellt, wohl aber mit gewohnheit vgl. oben zu Berthold; vgl. der sohn möchte von der welt schnöden sitten verführet, und ihre gewonheit an sich nemen und derer, weil die jugent one das wie ein zunder leichtlich fahet, gewohnen; darumb er ihn auch so lang daheim enthalten, biss er verständiger würde, die laster und böse gewonheit desto leichter zu fliehen Kirchhof wendunmuth (2, 124), s. 173 Oesterley u. a. 2@aa) gewohnen im gegensatze zwischen innerem und äuszerem erleben. 2@a@aα) die mannigfaltigsten fügungen treffen noch immer die vorgänge, die ihren ausgangspunkt im subjecte haben. 2@a@a@11)) hier ist namentlich der infinitiv noch bis ins 18. jahrh. bezeugt: 2@a@a@1@aa)) und wenne ein mensche niesete, so fuor die sele von ime und was dot. davon gewone men zuo sprechende so (ieman) nieset: 'got helfe dir!' ouch zuo der selben zit, wenne ein mensche gewete, so viel er nider und was dot. dovon kam die gewonheit, das men ein crüze für den munt machet so men gewet Twinger v. Königshofen s. dtsche städtechron. 9, 771; also das si mit lichter lere gewonet des mans begirden zefolgen Niclas v. Wyle translationen 136 Keller; das sie mitt rat irer obren, und andrer weisen und gotsförchtigen mann rat handlen wider ire scrupul und grüdelikeit, auff das sie also gewonend sich nitt zuo förchten Geiler v. Keisersberg 7 tractat (irrig schaf) G 5a; daher kummen szo viel betler, die durch solch wallen vntzehlich buberei treyben, die betteln on not leren vnd gewonenn Luther an den christl. adel s. 42 neudruck; demnach sollen wir auch lernen und gewonen, also zu dencken das 15. cap. d. 1. epistel s. Pauli an die Corinther (1534) C 4b; dazu vgl. die bogenschütze müssen wissen und gewohnen, die pfeile ausz dem köcher zu ziehen, mit den seenen den bogen zu spannen ... Am. Comenius janua (1644) 218 (sciant atque consuescant); dadurch sie gewonten, recht vnnd vnrecht vorkeuffenn, wie sie itzt zu Rom mussen thun Luther an den adel s. 34; die leute gewonen gar leicht sich von Christo zu wenden (sendbr. v. dolmetschen) 30, 2, 644 Weimar; (gutt zu thun predigten) 9, 247; wen man in (d. kindern) den zaum zu lang, das sie gwonen stelen und lugen, so komens zum grosen vom kleinen. H. Sachs (d. gestohlene büchlein) fabeln u. schwänke 4, 255; desgl. (umbzugehen ... gewohnen) Fischart Gargantua 108 neudr.; (zu reden gewone) Würtemberg. urk. v. 1559 s. H. Fischer a. a. o. (meineid zu tun) Wimpfeling Tütschland D 4b; daher gewohnten sie zwar zu befehlen, blieben doch von der tyrannei weit entfernet Opitz verdeutschung von Sidneys Arcadia 296 (2. buch); auch muntert ich den leib zu allen künsten auf, sprang auf ein hurtig pferd, begab mich in den lauff, begriff das lauten-spiel, gewohnte frisch zu singen, bewegte mich im tantz ... Gryphius (Cardenio 1) trauersp. 273 Palm; desgl. (gew. gehör zu geben s. u.) Opitz Argenis 2, 127; wolte ich mich ein tag oder acht bei ihm auffhalten, zusehen, ob ich solche art zu leben gewohnen könte Grimmelshausen Simpl. 341 neudr.; hr Eysenbarth aus Magdeburg ... gewohnet, durch die gnade gottes viele curen zu verrichten curieuser extract derer neuesten zeitungen (1721) Kohfeld; worauf ich die freie lufft wiederum zu vertragen gewohnete J. G. Schnabel insel Felsenburg (1. th. s. litt. denkm. 108 ff.) s. 120; desgl. (gew. zu lieben s. u.) Wieland Hermann (litt. denkm. 6, 13); der mond schminkt sich und stehlt der sonne stralen thut auf gestohlen brod sich wunderviel zu gut. auch sie (frau Ramlerin) gewohnt ihr nachtgesicht zu malen und kokettirt mit einer büchse blut. Schiller (vergleichung) 1, 244. 2@a@a@1@bb)) so halte man den wind (windhund) bisz er gewohne ohn strick zu lauffen Tappius waidwerk (1542) cap. 64; aber der papegei gewohnet deutliche wörter auszzusprechen Am. Comenius janua (1644) 48 (formare suescit); es währt lange, ehe die büffelkuh gewohnet sich ruhig melken zu lassen Stolberg 7, 316. 2@a@a@22)) satzartige erweiterungen sind meist im hauptsatze durch ein pronomen vertreten. ohne solches sind sie selten geworden, wie auch die vergleichssätze absterben: 2@a@a@2@aa)) alszo mustu gewhonen, das du dich nicht an disem ergernisz stossest Luther 34, II, 542 Weimar; da die lautbuchstab vorn stumben stehen, damit ist wol zu gewonen, das man die buchstaben fein rein auff ein ander rencken und ziehen lerne Ickelsamer die rechte weis a. k. l. z. l. herausg. v. H. Fechner B 1. a. 2@a@a@2@bb)) bist du von art oder gewonheit karg, ein zucher und hebig, so thuon dir gewalt an, gib almuosen bisz rilich (reichlich, freigebig), so gewonst du sein, und würt dir leicht Geiler v. Keisersberg irrig schaf C 2a; genau so (geistliche spinnerin) im granatapfel L 4c (1516); sihe, auff dise weise leren wir vom creutz, und ir solts auch gewonen, das jr fleissig unterscheidet das leiden Christi von allen andern leiden Luther 5, 315b Jena; das etliche leute ire kinder ... ehe sie die zu bethe fertigen, lassen nackend und blosz ... in der stuben umblauffen ... gewohnens also die kinder in der jugend, das sie gar nicht züchtig noch schamhafftig werden Spangenberg ehespiegel 132a. 2@a@a@33)) beim substantivobject, das für lange im genitiv angegliedert wird und erst allmählich dem accusativ verfällt, bilden sich einzelne bedeutungsgruppen heraus, die unserer fügung vor anderen zuneigen. in bezug auf das subject sind hier die grenzen noch enger gezogen, für die thierwelt vgl. (s. u.) Brentano 5, 463; vgl.: ob schon niemants würff zuo ir, (der geisz) noch dannocht felt si nider dir; ob sie schon niemans fichtet an, dannocht wil si nicht uffrecht stan. ich förcht, si gewon des fals zuo vil, das si einmal blibt ligen still ... Th. Murner narrenbeschw. (7) 31 Spanier. 2@a@a@3@aa)) und den friden ervolgen durch den unfriden und der tugende gewonen durch vil anevehtunge der untugende Schürebrand 45, 13 Strauch; wenn du des bösen, der laster gewonst Geiler v. Keisersberg brösaml. 2, 66b; desgl. (böses gew.) 2, 77b; (der laster gew.) Pauli schimpf u. ernst 65a; Rollenhagen froschmeuseler II, 3, 7 (G g 6a); du gedenckst, gott achte der kinder so wenig, als die böse wellt thut, die jre kinder, wie die wilden thier böser art lest gewonen, und acht jr gar nichts V. Ickelsamer die rechte weis auffs kurtzist lesen zu lernen E 3b; (die landsknecht) geben sich mutwilliglich in geferlichkeit irer selen, und in verderbnisz angeborner erberkeit, und guter landssitten, so sie lernen und gewonen aller untzucht Eberlin v. Güntzburg (mich wundert, dasz kein geld im land ist) 3, 150 neudr.; der schamhafftigkeit vergessen und der untzucht gewonnen B. Schupp schriften (and. red. v. d. Corinth.) 510. 2@a@a@3@bb)) das er diser abbruch des vastens und wachens gewon, und in einen teglichen bruch bring Geiler v. Keisersberg 7 traktat (hallisch löw) c 3a; zuom ersten schiltknab er sein sol do mit dem adel dienen wol das er der hertikeit gewon will er in rüter orden gon. S. Brant Moretus verteutscht v. 147, Zarncke s. 143; desgl. (die zärtlichkeit gew. endlich der härte) Lohenstein Armin 2, 751; gewonten die kinder von jugent auf der rais krieg arbait Aventin (chron. 1, 161) 4, 355; weiter sindt die Ligier, deren land ... rauhe von steinen und felsen, vast starck und wehrhaftig, dann sie gewohnen der harten arbeit Fronsperger kriegsbuch 2, 30b; das gleiche (handwerker d. harten arbeit gew.) Butschky rosenthal (no. 526) s. 1099; (der arbeit und fasten händel) Opitz Arcadia (5) 935; sie haben des müssigen lebens gewohnet Agricola spr. 69a; nec otio adsuescat, redit ad negotia, dasz sie nit des müssiggangs gewohne, keret sie wider zu den geschäfften Am. Comenius orbis pictus (111) 231; das gleiche J. B. Schupp s. 340 (sieb. l. G.); wie aber hernach solliche leut gerathen, die in dergleichen hoffart und übermuet uferzogen und dero gewonnen, das gibt die erfarnus ... Zimmerische chron. 22, 585; so gar nemen sie jre kinder, söhn und töchter gemeinglich mit sich, damit sie desz schlemmens bei zeiten gewonen und nit ausz der art schlagen Aeg. Albertinus landstortzer Gusman (1, 57) 475; damit sie nit der lugen bei im gewoneten Wickram 2, 124 Bolte; ebenso (desz liegens) Hans Sachs fab. u. schw. 2, 570 Goetze; dagegen vgl. des nachdenkens gew., des fleisses ... eigenen geschäftes gew. bei H. Fischer schwäb. wb. a. a. o.; ohngefähr um diese zeit nahm ihre hoheit, da mit sie der reichs-geschäfte algemach gewohnen möchte, ihren sitz unter den herren des oberhauses Zesen gekrönte majestät (1661) 22; dann stättig solches erwerbs gewohnen hat geringen unterscheit und vortheil vom betteln Kirchhof milit. discipl. 215; dazu vgl. mit accusativ des objectes: besser wirds mir sein, ich gewohne im niedrigen stande ein hartes leben Grimmelshausen (Proximus u. Lympida 3, 2) wiedererst. Simpl. 3, 394; vgl. auch den fleiss (neben des fleiszes) gew. H. Fischer a. a. o.; aber mit auffrischung des genetivs: die aus dem himmel vertriebenen thiere konnten des irdischen lebens nicht mehr gewohnen C. Brentano ges. schr. 5, 463. 2@a@a@3@cc)) do ir nu uwer weichertzigkeit gerwe überwindent und der innikeit wol gewonent ... Schürebrand 29, 10 Strauch; das mercken die so bald, die auff dise weiss nach der rechten kunst lernen lesen, und dieweil sie in aber unbekandt sein, müssen sie jr auch etwa von eim anderen ... also gewonen lernen Ickelsamer gramm. C 1b Fechner; do nun die Römer mit gewalt mit fride sassen und müssig warn. da gewoneten si derselben übung Müglin übersetz. des Val. Max. (1488) 27c; dieser (der vocale) lerne man wol gewonen, das mans so bald in eim ieden wort höre und vermercke V. Ickelsamer die rechte weis auffs kürtzist lesen zu lernen A 5a; bis sie (die schulknaben) des figuralgesangs gewonen Joh. Rhau geistl. gesangb. (Frankf. a. M. 1589) vorrede; vermengten sich mit jn geriethen in ei bösen sin, der abgöttrei gewonten. Burkard Waldis psalter (1553) 192b (psalm 106); wer in ein geistlich hausz kömt, der musz auch der geistlichen manier gewohnen, und musz sich dergestalt in die armen der christlichen liebe schliessen lassen Chr. Weise Masaniello (1, 20) 35 Petsch; dazu vgl. mit accusativ des obj.: Charmant gehört zu denen maspersonen, die man die süszen herren nennt. und die das denken nie gewohnen. ein süszer herr kriegt nie verstand. Gellert (das orakel 2, 6) 3, 138. 2@a@bβ) für das object, das von auszen her dem subject entgegen tritt, beschränken sich die fügungen mehr auf nomina. 2@a@b@11)) während der infinitiv ganz ausgeschlossen ist, sind satzartige erweiterungen mehrfach aus Luther, seltener aus andern stylisten belegt: 2@a@b@1@aa)) und hie mus man gewonen, das die schrift heisset 'ein haus', da wir 'weib und kind' sagen Luther (pred. über 1. Mos. 7) 24, 185 ('domum' in scripturis intellige 'uxorem et liberos'), ähnl. 29, 336; denn du musst gewonen, wenn du das wort münch hörest, das es gleich so viel sei, als hörestu das wort, verleugneter christ 6, 22a Jena; vgl. auch 12, 316; 34, 2, 78. 248 Weimar; ja das musz einer bei meiner frau gewohnen. eine haupt wirthin ist sie, das ist wahr. aber manchmal kriegt sie den koller J. Hübner christ-comödia 1, 3 (litt. denkm. 82, 7); ein solcher sinn gewohnt, dasz ehre drausz soll kummen. Logau (Amadis-jungfern) sinnged. (2, 3, 59) 282 Eitner. 2@a@b@1@bb)) dis tuot we, so es gegenwürtig ist: swigen und unred enpfahen und sich bi núti, weder an worten noch an werken, rechen; dis wunden gant tiefer denne swertslege an der ersti, e daz man es gewonet Seuse (groszes briefbuch 4) 422 Bihlmeyer; es sind ir überall vil die es verachten und verfolgen, die musz man gehen lassen, und musz des gewonen Luther (predigten) 12, 508 Weimar; do hatt min frow gut läben, das si muszt im strow ligen, dessen si nit gewont Thomas Platter 61 Fechter; vgl. (mit unsicherem casus): das gott also mit uns umbgehe, aber wir müssens gewonen Luther 16, 67; ähnl. 6, 251b Jena; wir müssen es gewohnen, es hilfft nichts dafür Schoch komödie v. studentenleben J. 3; es klagen so viel nationen als stürb in ihr zugleich dahin all dieser völcker königin: doch musz ihr wittwer es gewohnen. Neukirch saml. dtsch. gedichte (1697 ff.) 2, 177; aber auch schon der ausgesprochene acc. des pronomens ist hier früh belegt: qui vult esse in christianitate, der musz das gewonen, ut nemo sit superbus utcunque doctissimus Luther 25, 41; ei wir müssen das gewohnen tischreden 388. 2@a@b@22)) beim substantivobject oder dessen pronominalen vertretern sind die formen der angliederung hier mannigfaltiger als in der vorhergehenden gruppe: neben den zahlreicheren belegen für den accusativ sind hier auch präpositionalverbindungen beobachtet, wie sie sonst für gewöhnen zuständig sind: der ritter lugt täglich, wo er zum vogel kommen möcht, daʒ er mit zucker gerüst war; dasz nu der papagei an jm gewohnet buch der liebe 238, 2; dann weil wir durch vermittelung der zeit daran gewohnen Opitz verdeutschung von Barclays Argenis (1, 16 tempore iis placemur) 1, 120; dazu vgl. (s. sp. 6490) Ryff thierbuch F 1b; anders und den fügungen von gewöhnen (s. d.) entgegen: dass ... die frOewen ... hie ze Ulme mit zimlichem, erberm gewande und gezierde gewonen mügen, so ist ainer ieden ... erlopt ze tragen ain erber gürtel das rote buch der stadt Ulm art. 450 Mollwo; 'dasz sie ... mir meinen abschied geben müste'. ich war hierüber sehr traurig, und sagte zu ihr, 'sie solle mich in dem dienst gewohnen lassen' simplicianischer Jan Perus (1672) 153. bei der angliederung im genetiv (accusativ) lassen sich auch hier einzelne gruppen als besonders bevorzugt herausheben, meist mit unpersönlichem object, doch ist auch persönliches auszer dem obigen ersten belege mehrmals bezeugt. die thierwelt im subjecte, die ebenfalls oben anzumerken war, ist auch sonst vertreten, vgl. (s. u.) Seuter roszarznei, Sebiz, Hohberg; vgl. auch: lug, dasz er (der habicht) der hunden gewone, jnen nachfliege und si nit scheuche Heuslin Gesners vogelbuch (1557) 128a. 2@a@b@2@aa)) aber graf Albrecht lag bemeltem herr Oswalden noch etliche wochen zu gefallen am hof still, bis der selbig widerumb erstarket und des lufts gewonnet Zimmerische chron. 32, 36, genau so Hohberg 2, 423b; und durft' ich wohl den schuldthurm übergehen, wo jene seltne sammlung ist zu sehen? ... den sammler aber fand ich tiefgebeugt (er konnte nicht der dumpfen luft gewohnen). Uhland Fortunat und seine söhne; dazu (mit acc. des objects): ich krancke, wie man sieht, am leib und am gemüthe, weil ich die norden-lufft nicht recht gewohnen kan. J. Chr. Günther (auf J. S. Hahn) ged.2 512 ebenso 754; man soll ... mir das fenster wider lassen aufmachen, kinde ich das tagliechtt allgemach wider gewonen Ulrich Krafft reisen s. 181; reisz, theurer Gryphius! die riegel von der grufft, vertrag das alte licht, gewohne neue lufft. J. Chr. Günther (auf Chr. Stieff) ged.2 754. 2@a@b@2@bb)) ich merck wol, das unser schantlichs leben so langwirig und verharret ist im volck, das man der ergernisz nit mer achtet, als der stallknecht des mists gewonet Eberlin v. Günzburg schriften 2, 62 neudr.; wiltu aber einen ochsen besonders zam und geschlacht machen, so solt du jm zum offtermal ... die joch und zugriemen auff die hörner legen, damit er also derselben allgemach gewone Sebiz vom feldbau 125; ihr joch ist sanft und ihre last ist leicht, wenn man derselben einmal gewohnet Herder (gott) 16, 535; der hunger thut jn teglich wecken, die schniten brodts wil gar nit klecken ein tag, er musz darzu gewonen der herten ungesotten bonen. H. Sachs (d. wildbad) fastnachtsp. 3, 24; dazu vgl.: iedoch, nachdem sie in Italiam kamen, und der speis, auch anders wollusts gewonnten Zimmerische chron. 12, 5 Barack; der speis gew. Fronsperger u. a. bei H. Fischer schwäb. wb.; des weins ebenda; und auff einmal (den rossen) wenig geben, bisz sie des habern wol wider gewohnen Seuther roszarznei (1599) 13; und will nicht schmecken ihrem magen, was man auftregt und ihn vorsetzt, müssens gewohnen doch zuletzt. Pape Christianus M 5a. dazu vgl. mit accusativ: brachten des morgens geschleck ... disen schleck begunten die guoten gsellen zuo gewonen, namen auch die zuo grossem danck an Wickram (v. guten u. bösen nachbarn 45) 2, 241; frühtrauben und melonen, mir ungewohnt, gewohnen lernt' ich sie leicht genug. Rückert (das kloster) 2, 251; die neuen ehren, die ihn schmücken, sind wie fremde kleider, die uns nicht recht passen, bis wir durch öfters tragen sie gewohnen. Schiller (Macbeth 1, 6) 13, 21; (cleave not to their mould, but with the aid of use, bis wir sie durch öfteres tragen gewöhnt sind Wieland, Eschenburg s. u.). 2@a@b@2@cc)) si zogens von kindheit auf hert und arbeitsam, auf das si der nôt gewoneten und wol erstarkten Aventin (deutsche chron.) 1, 346; jr aber müst meinr straff gewonen H. Sachs 3, 1, 104b; da macht sie zu beiden theiln der durst unsinnig, dasz der wasserdurst ward zum blutdurst: hier ausz gewonten sie des kriegs Fischart Garg. (28) 306 Alsleben; gewonten aller hertikait, hiʒ und kelten Aventin (bayr. chron. 1, 161) 4, 355; die menschen lernen von jugend auf, frost und hitze ertragen: gewohnen auch des unglücks Butschky Pathmos (653) s. 939; nachgehends gewohnte sie dieser mühseligkeiten Simrock 1, 407; dasʒ je länger der mensch auf der welt ist, je mehr gewohnet er derselben die alt wahrheit (1621) Opel u. Cohn 30 jähr. krieg 371; wo jr wolt bleiben lang zu Rom, müst euch nit stellen all zu from und ewer ehr so sehr nit schonen: ir müszt des landes weis gewohnen'. B. Waldis Esopus (4, 24) 2, 77 Kurz; vgl. schon (seiner weise gewonen, und gedültig sein) Luther 6, 124a Jena. 2@a@b@2@dd)) wir mussen der schrifft gewonenn, die do nennet 'geschlechte' die folge der naturlichen tzichtung odder gepurt Luther (das magnificat 1521) 7, 577 Weimar; nun, ee wir hinein (in das evangelium) kommen, so müssen wir der sprach gewonen, als nämlich des worts mammon. des worts haben die Juden gewonet ausz der hebraischen sprach, das müssen wir auch gewonen, gleich wie der wort, alleluia. amen ... (predigt 1522) 10, 3 s. 273; genau so 12, 387; 24, 38; (der spruche) 15, 698; (dieser wort) 24, 66; das sind tieffe und rechte Paulische wort ... darumb müssen wir sie etwas ausstreichen, das mans ein wenig verstehe und seiner rede gewone 6, 35b Jena; das sie des lateinischen gewoneten unterr. d. visitatoren (1554) K2 a; das sie der sprüche der schrifft gewonen und beten lernen Melanchthon apolog. Augsb. conf. 160 (corp. doctrinae Christianae); dieses worts müssen wir bei diesem gebot gewohnen J. B. Schupp schriften 191 (gedenck dran); wir Christen müssen solches trosts gewonen Luther 5, 528b Jena; drum wer heimlich dut naschen, musz gewonen gespotes vil und sich lassen auszwaschen. Hans Sachs fab. u. schw. 4, 495; wer geruhig, still vnd wol leben soll, musz des gäückel-wercks gewohnen. Robert Robertin in H. Alberts arien. neudruck s. 161; dazu vgl. mit accusativ (s. das pronominale neutrum bei Luther 10, 3, 273): dasz der papagei die red gewohnet buch d. liebe 238, 2; damit sie gute sitten, die sprachen und hoffzucht gewohnen Fronsperger kriegsb. 3, 143b; mein kind, wird sie der frau mutter lere bald gewohnen? Chr. Weise baur. Machiavellus 63; (viel gew.) komödie v. d. bösen Catherina 149; er lernt gefahr und müh vertragen, gewohnt der bösen mäuler hohn. Günther ged. 174; wie selten kennt die ehrbegierde, das glück, das sie zu wünschen pflegt! das reutzeug, die gewünschte zierde, wird diesem füllen aufgelegt. man führt es streichelnd hin und wieder, dasz es den zwang gewohnen soll. Gellert (das füllen) 1, 13; steig' glücklich auf die thronen, du wirst des thrones glück doch fühllos bald gewohnen und sehn, dasz jener dort, den eine hütt' umschlieszt, der wenig hat und braucht, drum noch nicht elend ist. (moralische gedichte: reichthum und ehre) 2, 24; vielleicht — noch ehe du dein glücke wirst gewohnen, noch ehe du es durchempfunden hast — flieht einer von uns nach in die verklärten zonen, für dich ein alter freund, und dort ein neuer gast. Lessing (oden: der tod eines freundes) 13, 142. 2@a@b@2@ee)) welche wann sie einen landtpfleger bekommen, so thun sie jhm stracks alle ehre, gewohnen seiner und glauben so gewisz dasz er fürgesetzter, als dasz jhr könig seidt Opitz übers. v. Barclay's Argenis (1, 3, 6) 1, 455. vgl. (meins volcks gew.) Frischlin bei H. Fischer a. a. o.; du must getultiglich desz gastes (Cupido) nur gewohnen: wiewol er seinen wirth thut zimlich schlecht belohnen: das hertze zündt er an, die augen macht er plindt ... Opitz teutsche poemata 68 neudruck; wie kan ein gesinde seiner herrschafft und hinwiderumb die herrschafft jhres gesindes in so kurtzer zeit (bei vierteljähriger kündigung) gewohnen? Colerus 119b; dazu vgl. mit unsicherem casus: also das sie (Griechen u. Sicilier) zuo beiden teilen in kuntschafften kamen, einander gewohnten Herold Diodorus (1554) 238. 2@bb) unpersönliches subject ist bei gewohnen wenig beobachtet (zur mundart s. o.): er nahm ihn zu sich in einsame wälder, und führt ihn der weisheit entgegen. hier gewohnte sein unverfälscht herz, den höfischen lastern unzugänglich, die rauhe tugend und arbeit zu lieben. Wieland Hermann 1, v. 68 (s. dtsch. litt. denkm. 6, 13); diese wort waren bei der Argenis nicht ubel angeleget, unnd jhr gewohnete solchem weisen gespräche desz Anervest gehör zu geben Opitz übers. v. Barclay's Argenis (2, 3, 4) 2, 172. 2@cc) stärker breitet sich der absolute gebrauch aus, theilweise vorbereitet durch ortsbestimmungen an stelle des objects oder durch engere verwendungen von gewöhnen (s. d.) in bezug auf die thierwelt nahe gelegt. doch kommt auch ausgesprochen absoluter gebrauch mit bezug auf personen vor. 2@c@aα) ich mein sie soll wider her gwohnen und mit der zeit selbst bei uns bleiben. Jacob Ayrer (schöne Melusine) 2, 340a; nachdem wir erst den ofen haben verschmieren lassen, der gestern abend über die maszen rauchte, wird nun unser zimmer ganz freundlich werden und ich hoffe einzugewohnen und auch etwas zu arbeiten Göthe briefe 11, 253; dazu vgl. ein- an- zu ... gewohnen bei Sanders 3, 1651a. 2@c@bβ) darnach treiben sie (die ferkel) mit der sau zu felde, so gewonen sie desto besser Colerus hausb. 331; so mag man auch in diesem monat bienen kaufen, und an ihre gewisse stelle setzen, dasz sie gewohnen und den flug lernen calend. 11; dazu vgl.: die fenster (der warmhäuser, in denen man fremde gewächse überwintert) läszt man erstlich eine zeitlang offen, dasz sie (die gewächse) allgemach gewohnen Hohberg 1, 622a. 2@c@gγ) ob es wol gewont mit zuocht und sinn wurt man nach langer zeit wol inn. Sebst. Brant übers. d. Moretus v. 75. Zarncke s. 143; ihr müst euch eine weil gedulden bisz ir ein wenig gwohnen thut. Jac. Ayrer (griech. kayser) 178b; wir meinen, ihr solt gewohnen schier. (Mahumet) 161b; man soll den schwachen dienen so lang bisz sie gewonen und lernen (Melanchthon), annotat. z. d. Römern, verdeutschet s. 64; sein verhalten heist behalten ... sein wachs heist wechsel, sein gewohnen heist gewinnen Abraham a S. Clara Judas d. erzschelm 2, 203; mit goldnem kamm der herrin haar zu schlichten begann romantik, tadelnd sein gewohnen sich widersträubend in die höh' zu richten. Loeben (reise zum Parnasz) 125 Pissin. 33) der wettbewerb zwischen den verbindungen gewohnt haben und gewohnt sein. 3@aa) die verbindung gewohnt haben ist schon aus der mittelhochdeutschen periode mehrfach belegt (s. sp. 6485): got habete sin gechose mit deme guten Moysese er hiʒ in daʒ er sich badete, als er gewonet habete. bücher Mosis 52, 7 Diemer; si mugen niht gephlegen tozelns mit uns Swâben, als si gewont haben mit den an dem gemerke: wir phlegen solher sterke, daʒ si daran sint betôrt. Ottokar österr. reimchron. 25357 Seemüller; und spîs, alse ein fürste hât gewônt: die gab man tougen im. Ulrich v. d. Türlin Willehalm LXIII, 13 Singer s. 84; desgl. (s. u.) CCCXXI, 21 (s. 372); nu sach der priester, das er siech was und und erkante, das er hate wirthschefte gewont und sante im, des er von der kirchen haben mochte der veter buoch 69 Palm; dâ von ich mînen alten site ungerne wil vermîden: ich muoʒ echt aber lîden den kumber des ich hân gewont. Konrad v. Würzburg troj. krieg 215 (var.: gewent); ähnl. (den site) Freidank 108, 17; (der kost) Renner 23753; (daʒ) 4661; (anders) Seifr. Helbing 2, 56 s. Zarncke z. narrenschiff 311b. der höhepunkt der verbreitung fällt in die ältere zeit der neuhochdeutschen periode, in deren weiterem verlauf die verbindung vor dem nachdrängenden gewohnt sein zurückweicht. auch wo sie sich anfangs noch behauptet, ist sie nicht mehr entwicklungsfähig und hält sich in den gezogenen grenzen. so greift sie kaum in das gebiet von gewöhnen über, mit dem sich gewohnt sein häufiger kreuzt. als eine ausnahme vgl.: die erträglichkeit scheinet im anfang so bitter als gifft zu sein, wenn man sich aber darzu gewohnet hat, so wird sie honig-süss Olearius verdeutsch. d. pers. baumgartens 4. buch 10. cap.; dazu vgl. die mundartliche verschiebung bei Gotthelf in der ersten ausgabe von Uli der knecht, die in der späteren redaction getilgt wurde: wie man sich gewohnt hätte, zu rüsten und ... die ware gewohnt wäre zu geschänden (beschädigen) 178 Vetter (cap. 13; wie man sich gewöhnt hätte ausgabe von 1850). auch für die unpersönlichen fügungen finden sich kaum ansätze: ist ein kleine arbeit so sie haben, alle tag ein stunde lesen — so hats auch die zunge gewohnt Paracelsus (Straszburg 1616) 1, 371b. 3@a@aα) gewohnt haben mit der richtung auf subjective bethätigung: 3@a@a@11)) mit infinitiven und objectsätzen. 3@a@a@1@aa)) in ganzen brderlichen trüwen ... wie dann die fromen eidgnossen iewelten gein einandern ze tuonde gewont hand Diebold Schilling Berner chronik 1, 25 (1480 ff.) Tobler; es sint ettliche, die gewont haben nach wollust des fleisch mit unkeuscheit zu leben M. v. Kemnat chronik Friedrichs I, 116; die kunckel ist ... daʒ creütz Jesu ... die kunckel an ir selbs, der steck dar an man den flachs bindt, ich weisz nit wie irs nennen. ich hab nit vil kunckeln zu spinnen gewonet Geiler v. Keisersberg (geistl. spinnerin) granatapfel (1516) L 3a; der hett gewonet uff dem lotterbet zu liegen christl. bilgersch. (1512) C 3c u. a.; das die zeitte vor uber was, in welcher sie gewonet het auff zuo stehn Warbeck schöne Magelone (cap. 15) 39 Bolte; (er) lange ze fasten nit gewonet het Arigo verdeutsch. des decamerons s. 46; wann sein volck, das vormals ... frost, hunger und alle not zuo leiden gewonet hett Carbach verdeutschung des Livius 123r; er het von jugent auf gewont und gelernt mit andern leuten zu schaffen Aventin (bayer. chron. 4, 142) 5, 261; es haben gewonet die romischen bischoff, unsere vorfaren, auff diszes fest zu uben die waffen der gerechtickeit Luther (bulla coenae domini cap. 1) 8, 694 W.; ebenso 8, 681; welcher ir (der elephanten) zu reuten nit gewont hat, dem ist es ein unangenehmes thier S. Frank weltbuch 198a; welcher gern leuget, der hat auch gewohnt, falsch zu sweren Butschky kanzl. 404; er hatt' es nicht gewohnt, vor irgend einem tode so zu erschrecken, wie vor diesem. Jean Paul Titan 3, 7; ich habe es vielleicht nicht gewohnt, zu lieben 4, 174. 3@a@a@1@bb)) ein alter nar sinr sel nit schont swär jst recht thuon, ders nit hat gewont. S. Brant narrensch. (5, 34) 8b Zarncke; vgl. auch s. 311b; die jungen rotznasen habens gewont, wann man sie bitt, dasz sie sich verwent machen, meinen, man möge niht on sie sein buch d. liebe 215, 3; das sie nicht fleisch essen sollten und der gleichen? hatten sie es doch im gesetz Mosi wol gewonet, da sie viel solcher eusserlicher gesetz musten halten, und waren ihr lebtag darinne erzogen predigten Luthers s. werke 12, 551 Weimar; ganz ähnlich Geiler sünden des munds 4b (s. gewohnheit); essei ... ein sect der Juden, die sich von weibern, wein und fleisch enthielten, haben allzeit vil gefast, und desselben so gar gewont, als hetten sie es von natur Simon Rot F. 6b; hierumb ... freundlich gebeten, sich solcher weiss abzuthun, war sein antwort, er hette es nun gewohnet, vermöcht es nimmer lassen, er müste voll sein Kirchhof wendunmuth (3, 159), 2, 432 Oesterley; wi mag ich guotes über si, desz ich hab vor gewonet ni. Schwartzenberg 114, 1; den sie mude was und gewachet hett die gantzen nacht, des sie nicht gewonet was Warbeck d. schöne Magelone (cap. 18) 46 Bolte; thunt als sie gewont haben Geiler christl. bilgersch. C 3c; so man bisher gewonet hat Luther 8, 354a Jena; ging ... in sein herberge, doch frolicher, wan er gewonet was Warbeck die schöne Magelone (cap. 11) 28; ich wil mit nein gen Münichen lauffen, dis und mehr gstolne wahr verkauffen am wochenmarckt, wie ichs hab gwant. Hans Sachs (der roszdieb) 17, 104 Keller u. Götze; wir sein also, wie wir gewont haben Pauli schimpf und ernst 503; ebenso Warbeck schöne Magelone (cap. 27) 65; in dem ... zechte mein camerad im palmwein immerhin täglich fort, wie er's angefangen: und nunmehr gewohnt hatte, bisz er endlich, lung und leber entzündete Grimmelshausen Simpl. 566 neudr.; ähnl. (welches ich ... nicht gewohnen konte) 375. 3@a@a@22)) zum substantivobject führen substantivirte infinitive über, die hier besonders zahlreich belegt sind: hetten nun mêr des fliehens dan des stêns und fechtens gewont Aventin (bayer. chron. 3, 18) 5, 27; haben auch nur des nemens gewont (1, 212) 4, 518; het scheidens ich nit gwont so vil ... G. Forster frische teutsche liedlein (3, 14) 122 Marriage; dazu vier kind, hübsch jung knaben, die werchens ouch nit gewonet haben. N. Manuel (vom papst u. s. priesterschaft) fastnachtspiele (1836) 18; dess kriegens ich gewohnet hab J. Spreng Ilias (6) s. 80b; dann ich hatte des gutzlons und bettelns wohl gewohnt Thomas Platier 61. 3@a@a@2@aa)) denselben wein kauften dann die sichen und wunt leut, auch gesunt leut, die in nit abprechen wolten und die der ful gewont heten Erh. Schürstab s. dtsche städtechron. 2, 351; es sint ettlich, die haben gewont gutes wollebens und haben das ire boslich vertzert mit essen und drincken M. v. Kemnat chronik Friedrichs I, s. 116; darumb belib du in dinem leben, des du gewonet hast Steinhöwel Aesop 162 Oesterley; arbeitten mag ich nitt, bettlen scham ich mich, guotes lebens hab ich gewont Eberlin v. Günzburg 2, 73 neudr.; dazu vgl. mit accusativ: zwei jahre ungefähr hatte ich zugebracht und das harte eremitisch leben kaum gewohnet Grimmelshausen (Simpl. 1, 1, 12) 1, 83 Keller; desz frommen weg ist wol gebauet, müh und arbeit hat er gewonet (var. ist). H. Sachs (spr. Salom. cap. 15) 19, 290 Keller u. Goetze; die gut frauw (des malers) aber hat der malerei gar nit gewonet, blib auff irem alten (bauern) gebrauch Wickram (rollwagenbüchlein cap. 91) 3, 119 Bolte; ich hab unglücks gewont S. Frank spr. 1, 31; mit acc. der glückseligkeit, welche ich vor disem in fridszeiten in dem hausz meines liebsten vatters gewohnt habe B. Schupp (kunst reich z. w.) schriften 772; vgl. sie hatte langeweile schon gewohnt Jean Paul Quintus Fixlein s. 30; doch wurd er offt mit worten gfangen dasz er blieb in der lug behangen. darnach der knecht nichts fragen thet, weil er der lüg gewonet het. H. Sachs (d. verlogene knecht) fab. u. schw. 2, 568; vgl. (der sünd gew.) H. Fischer schwäb. wb.; die hand sich all zusamen verpunden und der rauberei und der büeberei gewonet dtsch. städte. chron. 5 (Augsbg.), 117; für stallbuben und reutersknaben, die raub und mord gewonet haben, kann niemand gnugsam hüten sich. G. Rollenhagen froschmeuseler (2, 2, 7) 1, 264 Goedeke; wann die seel müssen von in than und als verlassen, was sie han, auff das sie nit das schiff beschwern, wiewol sie verlassen ungern was sie gewont haben auff erden. H. Sachs (Caron) 7, 3 Keller. 3@a@bβ) erlebnisse, die von auszen an das subject herantreten, werden hier nur noch in substantivform angegliedert, als ausnahme aus der älteren sprache vgl.: auch het Alyse nû diu meit gewont, daʒ sî was gerne dâ. Ulrich v. d. Türlin Willehalm CCCXXI, 21 Singer s. 372; dazu vgl. darumb, das ain schauff gewonet hat, daʒ es iecʒ gemolken würt, iecʒ geschorn, so lest es sich gern ziehen Steinhöwel Aesop 52; do gieng es mier erst übell; wen ich do umb brot sang, hatt man dessen nit gwont Th. Platter 43 Fechter. 3@a@b@11)) augen, di gewont haben der vinsternusz, di mugen niht angesehen das liht der hohsten warheit Joh. v. Neumarkt pseudo-Augustin. soliloq. (34) 90 Sattler (oculi assueti tenebris); donoch als die cristen der spisen und des luftes in der heidenschaft nüt gewonet hettent Twinger v. Königshofen s. dtsche. städtechron. 8, 575; das goldt ist kalt durch sin natur und wirt den armen lüsen sur, dann si der werm gewonet handt. Th. Murner narrenbeschw. (34) 115 Spanier; dann ich von ir hab ein gut wissen, das si gwont hat der guten pissen. J. Probst (von zweierlei eltern) 57 Kreisler; ebenso (guoter schleckbisslein gew.) Cochlaeus trag. Joh. Hussen s. 26 neudr.; (des brotes) Schwartzenberg 103, 1; (gutter spiss) Elsbet Stagel leben d. schwestern zu Tösz 18 Vetter; (guter tranck und speiss) Hans Sachs 5, 230 (Nürnberg 1579); es ist biszhar nit gsin min sitt, das ich hab sölcher spisz gewonet. tragödia Johannis (1549) M 1b; die vöglein dieses samens in ihren landen gewohnet haben Tabernaem. 552; die keiserin, welche hart gefangen lag, thet nichts andres, denn schrien ... denn sie hatte desz lägers nicht gewohnt buch der liebe 2, 4; ähnlich Grimmelshausen Simpl. 146. 3@a@b@22)) du solt auch wissen, die gros gesuntheit lit an den dingen, der man gewont hat Ortolf arzneibuch (1477) 4a; du hast der kunkel nit gewonet, du hast sie nie in die hend genomen Geiler v. Keisersberg (spinnerin) granatapfel L 3d; ... und du im kloster nit getriben wurdest wider got zuo thon, magst du auch bleiben im klosterstandt, des du gewonet hast Eberlin v. Günzburg (ausgang vieler klosterleute) 2, 130 Enders, vgl. auch 2, 16; verschonet der unwissenden und schwachen gewissen, wann sie haben des worts gottes nit gewont Hans Sachs vier dialoge 71 Köhler; ähnl. (derselbigen evangelien) N. Herman sonntagsev. 9 Wolkan; (der bibel) klag v. Luther u. babst s. Schade 32, 139; mancher der sitten wenig schont das schafft, er hatt sin nit gewont und ist gezogen nit dar zuo des hatt geberd er, wie ein kuo. S. Brant narrensch. (9, 22) 12b Zarncke; dazu vgl. (mit acc.) er hat schon von seines gleichen her keinen andern ton gewohnt als den geselligsten freih. büchl. 131; das haben nun die grossen gewohnt Jean Paul unsichtb. loge 3, 79. 3@a@b@33)) er (kaiser Karl) sagt, er möcht ir (der töchter) nit geratten und von im tuen, het ir gewont, würd im die weil nach inen lang werden Aventin (bayer. chron. 4, 34) 5, 149 (var. wer ir gewohnet). ebenso (2, 12) 4, 607; hoc turbat discipulos, die sein (Christi) nun gewont hatten Luther's predigten s. 28, 53 Weimar. 3@bb) die verbindung von gewohnt mit dem verbum substantivum, in der die entsprechenden verwendungen von gewohn (s. o.) weiterleben, steht im mittelpunkt des lebendigen sprachgebrauches. wie das die buchungen schon erkennen lieszen (vgl. auch dictirn, sagen, ains sagen, gewont sein zu sagen Simon Rot E 7b), zeigt sich das gleiche auch in den mundartlichen wendungen, wo solche angeführt werden: ich bis amol sus gewand Gerbet 310; ich sin gewihnt, ich bin gewohnt Follmann (Lothr.) 203a; ik seit son gewûnt Bauer-Collitz 40a; ich kannt nicht erst gewennt wärn, ich kann mich noch nicht daran gewöhnen Danneil 246a; det bin ick schonst jewohnde H. Meyer der richtige Berliner 5, 53a; vgl. auch ghewoent sin Oudeman 2, 668. bei dieser verbindung ist auch am häufigsten die zusammenstellung mit gewöhnen beobachtet, unter dessen einflusz sie mannigfach steht (s. sp. 6501 ff.) und in dessen gebiet sie auch vielfach übergreift: darnach man mirs fur setzet gut, die gennsz vil bas dann haidel prei, wie wol ich bin gwont allerlei, dann mein maul mus ich also gwenen, das offt ubel frist mit guten zenen, es wais wol von deurung zu sagn. P. Probst (v. einem freihirten) 731 Kreisler; eins unser sprichwörter sagt: 'er ist zum brot gewöhnt, er kommt wieder'. mit demselben rechte kann es auch heiszen: 'er ist briefe gewohnt, er geht nicht weg' F. L. Jahn 1, 129; vgl. auch Woeste (s. o. sp. 6488); (Max:) o! fühlten sie, wie mir zu muthe ist! — seitdem wir hier sind — so an mich halten, wort' und blicke wägen! das bin ich nicht gewohnt!(Gräfin:)- sie werden sich an manches noch gewöhnen, schöner freund! Schiller (Picc. 3, 3) 12, 133f.; ebenso Göthe ('was wir bringen' 3) 11, 275; dagegen vgl.: er ist sich gewohnt hier, ein neuer (!) musz man erst wieder b'richten Gotthelf Uli der knecht (c. 16) s. 234 Vetter; wie man sich gewohnt, so sei man sich's gewohnt geld und geist 346; dazu vgl. auch: die scharen der gemeinen, welche keine wahl hatten, mehr oder weniger aufmerksam zu lernen, und nur durch eine eiserne disziplin in den sattel gewohnt wurden ... G. Keller (grüner Heinr. 4, 2) 3, 21; ich bin es gewöhnt, dasz man mich schön findet ... aber ich war auch immer gewohnt, dasz ... P. Heyse (Judith Stern) II, 9 s. 79. 3@b@aα) der gegensatz zwischen subjectiver bethätigung und objectivem erleiden prägt sich bei dieser fügung am sichtbarsten aus. 3@b@a@11)) im ersten fall tritt die substantivform des objects ganz hinter dem infinitiv zurück, der hier noch häufiger belegt ist als bei gewohnt haben und der auch an objectsätzen kaum eine concurrenz findet. wenn ich die sklavenbande nicht zerreisse, so ist es nur, ... um jene ... heimatlosen nicht vor der zeit dem aug' der lehrerin, der mutter zarter sorgfalt zu entziehn. so war ich's stets gewohnt. Grillparzer (Sappho 2, 6) 45, 170. 3@b@a@1@aa)) die angliederung des objects im infinitiv läszt der neuere stil, der in dieser verbindung eine bevorzugte form gewonnen hat, vor allem für die bethätigung auf geistigem gebiete eintreten: 3@b@a@1@a@aα)) da der zu fusze gen nit gewonet war Arigo verdeutsch. des decamerone 130 Keller (s. oben gewon); vgl.: wenn du gewohnt gewesen, liebe schwester, auf meereswogen schaukelnd dich zu wiegen ... Rückert (edelstein u. perle) 3, 128; Abraham ... der ... nicht gewohnt war zu essen, es kehrte denn ein fremder bei ihm ein Olearius übers. des pers. baumgartens (2, 2) 27b. 3@b@a@1@a@bβ)) wenn sie etwas von einem frembden sehen und hören, sie immer solches vor besser und schöner halten, als was ein bekandter und einheimischer zu thun gewhonet ist J. Kuhnau music. quack-salber c. 2. s. litt. denkm. 83, 13; (ists gew. am wehsten ihm zu thun) Bürger 1, 167 Bohtz; höflichkeiten, die man einander im gemeinen leben zu bezeigen gewohnt ist Gottsched vern. tadl. (1725. 2. stück) 1 (1738) 10; (gew. liebe zu bezeigen) J. Gotthelf (bauernspiegel 1) 1, 14 Vetter; sie war es gewohnt, alle leute ... von oben herab zu behandeln 1, 26; wir sind gewohnt dem feinde den sieg zu entreiszen Lessing (aus 'moeurs et coutumes des Francois' s. Berliner priv. zeitung 4. 1. 1755) 73, 2; du gehst mit vollen segeln! scheint es doch du bist gewohnt zu siegen, überall die wege breit, die pforten weit zu finden. Göthe (Tasso 2, 3) 9, 154; ebenso Grillparzer 65, 89; länder, womit du zu spielen gewohnt bist, kann ich dir nicht geben Grabbe (Napoleon 4, 2) 3, 102 Grisebach; architekt und gärtner verstehen ihr handwerk und sind gewohnt mit freiem sinn zu arbeiten Göthe br. 33, 10; sie verschloszen die seelen der menschen, die in beiden geschlechtern nur thätig und wirksam zu leben gewohnt waren, bei lebendigem leibe unter knechts- und klosterdisciplin in öde kerker Herder (ideen. zusätze) 14, 526; das gleiche (Kalligone 2) 22, 139; (ideen 10, 6) 13, 435; weil es ... schwer ist, grundsätze ... umzustossen, nach denen man seine handlungen einzurichten gewohnt ist Th. Abbt verm. werke 6, 2, 27; noch nicht bin ich gewohnt, vom fremden die gabe zu heischen, die er oft ungern giebt ... Göthe (Hermann u. Doroth.: Terpsichore) 40, 245; daneben ist man denn freilich in Deutschland die zeichnungen so hoch zu bezahlen nicht gewohnt briefe 14, 208; auch war sie schon gewohnt, dem heftigen mann in vielem nachzugeben H. Steffens was ich erlebte 1, 30; desgl. (zu folgen) Storm 1, 19 (1899); überall war sie aber auch gewohnt, unumschränkt zu gebieten Wilhelm v. Polenz d. Grabenhäger 1, 92; es wird gewisz ein ehrbares caffeekränzchen sein, welches bei dem überflusse müsziger stunden gewohnt ist, alles zu beurtheilen und durchzuhecheln Gottsched vernünft. tadl. (1725. 1. stück) 1 (1738), 1. (zu verspotten) Pfeffel pros. vers. 5, 25; (mit einem achselzucken zu begleiten) Herder (br. z. bef. d. hum. 27) 17, 137; ich bin, wie es überhaupt gebräuchlich ist, allemal gewohnt, die schönheiten meiner schriften zuerst anzumerken Rabener 1, 149; es gehen beinah in dieser stunde souffleur und confident zu grunde, die man als heilige personen von je gewohnt war zu verschonen. Göthe (neueste v. Plundersweilen) 13, 56; sind gewohnt, den unschuldigsten dingen schuld beizumeszen Herder (kl. schr.) 18, 410; man ist gewohnt, die nationen der erde in jäger, fischer, hirten und ackerleute abzutheilen (ideen ... 8, 3) 13, 310; (zu betrachten) 16, 118; (zum grunde zu legen) 14, 398; (zu denken) 17, 299; das ... darum übernatürlich scheint, weil es ausser dem engen kreis unsrer sinnenwelt liegt, den man irrig mit der natur selbst zu verwechseln gewohnt ist Wieland (Agathodämon 4, 1) 32, 183; der besuch von Berliner fremden ... blieb mir, wie die frommen sich auszudrücken gewohnt sind, nicht ohne segen Göthe (tag- u. jahreshefte 1817) 32, 135; sein tagebuch fiel ihm in die augen, welches er sonst sehr ordentlich zu führen gewohnt war Immermann 5, 143; insgemein sind die redner und poeten gewohnt, mit den blumen übermässiges lobes und zierlicher redens-ahrten ihre schriften zu veranschaulichen schlesische fürstenkrone 577 (1685); (ihre liebe ... zu schildern) Herder 11, 328; (zu vergleichen) 17, 167; wir sind gewohnt, unsern lesern von der ausführung eines gedichtes jedesmal eine oder zwo proben zu geben Gerstenberg s. dtsch. litt. denkm. 128, 128; man ist gewohnt, der seele eine menge unterkräfte zu geben Herder (vom erkennen) 8, 195; genau so 13, 100; (zuzuschreiben) 14, 470; (zu schieben) 15, 480; (zu schreiben) 17, 283; (zu stellen) 20, 249; (zu bezeichnen) 20, 127; zeiten ..., die man die kindheit der völker zu nennen gewohnt ist (christl. schriften) 19, 150; genau so 17, 337, 365; 18, 118. 431. 3@b@a@1@a@gγ)) ich hörete diesen sententz mit grosser ungedult, weil ich dergleichen zu vernehmen nicht gewohnt war Grimmelshausen Simpl. 267 neudr.; weil wir bei wirkung immer nur auf stärke des eindrucks zu sehen gewohnt sind Herder (ob malerei ...) 15, 239; die männer zeigten sich meist, wie ich sie bei meiner tante zu sehen gewohnt war Göthe (Meisters lehrjahre 4, 16) 19, 98; jene sind mehr gewohnt, der gleichen zu hören, als wir zu sagen (Rameaus neffe) 45, 79 Weimar; (könig:) warum verläugneten sie mir?(königin:) weil ich es nicht gewohnt bin, sire, in gegenwart der höflinge, auf delinquenten-weise verhören mich zu lassen. Schiller (don Carlos 4, 9) 5, II, 348; nur macht es mich ... traurig, da ich gewohnt bin, alles gute in deiner gesellschaft ... zu geniessen Göthe br. 8, 54; dasz ich schon gewohnt bin, um meiner freunde willen zu leiden 1, 181; dasz sie den grammatikern unbegreiflich sein müste, wenn grammatiker zu begreifen gewohnt wären Herder 5, 13. 3@b@a@1@a@dδ)) auch unpersönliche subjecte sind hier mehrfach bezeugt, meist mit personification oder bei collectivbegriffen: dieweil ... seine gifftige zunge und feder nur hohe haubter und grosse leute zu stechen ist gewohnet Rist d. friedewünschende Teutschland s. 17; ja, ich schwör' es, das erstemal ist's, dasz frei mir ein solches wort die zunge verläszt, die nicht zu schwatzen gewohnt ist. Göthe (Hermann u. Doroth.: Melpomene) 40, 317; die freud, die si (die liebe) gewonet ze gebenn ist (e usitato di porgere) Arigo übers. des decamerone 2, 1; die achtung, welche ihr nahme zu erwecken gewohnt war ... Schiller (gesch. d. franz. unruhen) 9, 307; da ist nun morgenland gewohnt zu malen; er ruft die sonne und schafft den mond, das jahr darnach zu theilen Herder (älteste urk. 21, 2, 4) 6, 244; s. auch oben (sp. 6500) Gottsched. 3@b@a@1@bb)) bei der angliederung nominaler objecte tritt zu dem wettbewerb von genetiv und accusativ hier auch noch die präpositionalverbindung hinzu, die hier meist den fügungen von gewöhnen entspricht: 3@b@a@1@b@aα)) die angliederung im genetiv trifft wie bei gew. haben gern substantivirten infinitiv: fluchens seit ir gewont ackermann aus Böhmen s. 18; dasz sich die leute verwunderten, wan ... ich stets über den büchern sasz wie ein student, da ich doch raubens und blutvergiessens gewohnt gewesen Grimmelshausen Simpl. 260 neudr.; die jugend ist ohn disz des sitzens und der arbeit nicht viel gewohnt Weise die drei ärgsten erznarren. neudruck s. 36; (des schweigens) Stranitzky ollapatrida ... Fuchsmundi (Wiener neudrucke 10) s. 86; (des wanderns) Herder 14, 286; (des tragens) Grillparzer 75, 112 u. a. vgl. sp. 6502; der (hund) war gewont der grewlicheit und bisz dem kind rot flecken breit. Fischart flöhhatz 1145 neudruck 5, 34; solche leute, welche von vielen zeiten her nicht unter einem scepter, sondern unter einem krummen stab gelebet haben, sind der freiheit gewohnet Schupp schrifften s. 384; vgl. auch Butschky rosenthal (no. 526) s. 1098; ich hielt mich etliche tage bei ihnen auff, damit ich dem einen, so wegen der fernen raise, deren er nicht gewohnt war, etwas unpäszlich worden, auszwartete Grimmelshausen Simpl. 291 neudr.; (keiner arbeit gew.) 311; indem sie aber solcher begegnungen gewohnt waren Herder (ideen 4, 16) 14, 284; die syrakusischen ... bootsleute ... verlangten ihren sold, und dieses mit so viel mehrerer dreistigkeit, als dieses volk die grösseste freiheit gewont war Heilmann verdeutsch. d. Thucydides 1129 (1760). 3@b@a@1@b@bβ)) durch arbeit, ob er sie gleich nicht gewohnt war E. v. Kleist 2, 149; in jenem hohen ton des lobes ... den man in allen beschreibungen dieser völker von ihren königen und helden gewohnt ist Herder (ideen 3, 12), 14, 51; bin gewohnt das irre gehen, 's führt ja jeder weg zum ziel. W. Müller (das irrlicht) 120 Hatfield; davon zu schleppen, was die alten indesz auf die seite praktizirten; das war man zu gut gewohnt, als man noch in vorigen diensten stand der hausball (Wiener neudruck 3) s. 10; ebenso Göthe br. 29, 43; vgl. auch (Rameaus neffe) 45, 35 Weimar; denn neben diesen gefühlen gab die natur uns auch die lust zu verharren im alten, und sich dessen zu freun, was jeder lange gewohnt ist. (Herm. u. Doroth.: Polyhymnia) 40, 277; und er versammlete der edlen vögel scharen, die fürchterlich, gewohnt zum sieg, und dieses haubtes würdig waren. Hagedorn 2, 126; wer, der über solche materien an die lecture unserer besten selbstdenkenden köpfe ... gewohnt ist, kann hier lesen Herder (recensionen) 5, 318; der süntlichiu dinc lâʒet mit stâte, dâ er an gewonet ist meister Eckhart 52, s. mystiker 2, 173; man sieht, du bist nicht an verlust gewohnt. Göthe (Iphigenie 4, 4) 9, 75; (an das befehlen gew.) br. 1, 2; (an strenge ordnung) 10, 151; (an jenes leben) 10, 359; dazu vgl. mit unpersönlichem subject: an andres spiel ist ihre hand gewohnt: den drachen sang sie zaubrisch in den schlaf, und das klang anders als dein reines lied. Grillparzer (Medea 4) 55, 167. 3@b@a@1@b@gγ)) einmal ist hier auch die beziehung des adjectivs auf das object der wiederholung belegt (vgl. oben Opitz Argenis 2, 172 zu gewohnen), jene freiheit, die den attributiven gebrauch so stark beherrscht: ihm ist alles so gewohnt von vater und mutter her maler Müller 1, 28. 3@b@a@22)) wo die objecte an das subject von auszen herantreten, ist wiederum die satzform gegen die nominalform bedeutend im nachtheil. 3@b@a@2@aa)) so gar sind die grossen herrn gewonet, das man ihn heuchle und schmeichle Luther (antwort deutsch auf könig Heinrichs buch. 1522) 10, II, 236; aber die leut warens nu gewonet, das er sich so lang mit ihm blewete (predigt über 1. Mos. 7) 24, 186; es kam zu schnell — ich bin es nicht gewohnt, dasz mich der zufall blind waltend, finster herrschend mit sich führe. Schiller (Wallensteins tod 1, 3) 12, 214; man ist gewohnt, dasz an den höchsten tagen zum herrscherthron sich alle völkerschaften nach eigner weise zuversichtlich wagen. Göthe (z. 2. febr. 1824) 4, 88; weil man gewohnt war, dasz ich umherstrich Arndt 1, 20; ich war gewohnt, dasz man beim essen sonst nicht viel sprach J. Gotthelf (baurenspiegel 2), 1, 21 ebenso Paul Heyse II, 9, 79; lebst im volke: sei gewohnt, keiner je des andern schont. Göthe sprichwörtlich (jub.-ausg. 4, 8); ich bin gewohnt, wenn ich mal sage 'ja', so gilts den kopf, wenn jemand spräche 'nein'! Grillparzer (Ottokar 2) 65, 63; item so bösz leut und sonst iemants von dennen manns nicht gewant wehr bei nächtlicher weil sich im markt herum straifenten österr. weisth. 6, 260 u. a.; einen, der von antlitz, länge und geberden eine feine person, auch mehr ansichtig, denn man an einem bawren gewont were; ... Kirchhof wendunmuth (3, 14), s. 287 Oesterley; mit einem sprunge war sie drauszen und begrüszte den baron, wie er's von ihr gewohnt war, durch einen treuherzigen handschlag Immermann (der neue Pygmalion) 8, 20; und strafe trifft, wo noch kein urteil traf. das sind wir nicht gewohnt in Schwaben und beim Rhein. Grillparzer (Ottokar 2) 65, 67; sie kannte das nicht anders, sie war es so gewohnt von jugend auf L. Ganghofer (Dschapei) almer u. jägerleut' 4 113. 3@b@a@2@bb)) die nominalform. 3@b@a@2@b@aα)) und sonn, regen, hitz und frost bereits besser gewohnet gewesen, als die weichling in städt. Grimmelshausen (satyr. pilgram 4) wiedererst. Simpl. 3, 17; die ackerbau treiben und der see nicht gewohnt sein Heilmann Thucydides 166; dort konnten die ersten geschlechter ... allmählich ... härterer gegenden gewohnt werden Herder (ideen 1, 6) 13, 42; die erretteten muszten eines himmelsstrichs gewohnt sein, wo ihnen der regen fremde gewesen (10, 7) 480; fühle in ihrem dufte, sauersüssem dufte, mich so betäubt; so schwindelnd! — dein gehirn ist dessen mehr gewohnt. Lessing (Nathan 3, 1) 33, 75; noch bin ich des dampfes ... der hölle nicht ganz gewohnt Klinger (Fausts leben) 3, 39; weil ich keiner solchen phänomene ... gewohnt bin Seume (spaziergang 1) 2, 50 Hempel; dazu vgl.: dasz diese pflanzen in ihrem vaterlande auch an einen viel heiszeren sommer und wärmeren herbst gewohnt waren Herder (ideen, zusätze) 14, 587; doch da sie ... einen milderen himmel gewohnt war A. W. Schlegel im Athenäum 1, 12; der sturm, der den donner der brechenden eiche gewohnt ist Th. Körner 1, 111 Hempel. 3@b@a@2@b@bβ)) derselbigen (der pferde) ich hab verschont, weil sie der gutthat seind gewont, könden nit wol das futter meiden. J. Spreng Ilias s. 56a; ich wolte dan wieder wurtzeln und kräuter essen, deren ich nicht mehr gewohnt war Grimmelshausen Simpl. 140; niemand, der des alten weins gewohnt ist, verlangt nach jungen weinen Herder (christl. schriften) 19, 175; dazu vergl.: man sah die armen knaben drauf in die wälder gehn nach wilden wurzeln graben, das war hart anzusehn. ich konnt es wohl ermessen, sie waren brot gewohnt. Rückert (erntevögelein nach den theuern jahren) 1, 192. 3@b@a@2@b@gγ)) dann in krieg komb ich nit, bin dessen nit gewont, schlecht mich ainer krumb und lamb, so kan ich nimmer schreiben Ferdinand II. v. Tirol, spec. vit. hum. 79, 7 neudr.; ähnlich Fischart Gargantua 244; ich bin von meiner jugend an des bluts gewohnet Stranitzky ollapatrida Fuchsmundi (Wiener neudr. 10) 47; ich bin nur eine jungfrau, eine schäferin gebohren, nicht des schwerts gewohnt ist diese hand, die den unschuldig frommen hirtenstab geführt. Schiller (jungfr. v. Orleans 2, 7) 13, 243; leih ihm deine kappe zum hirndrücken, die ist von je eines verbrochenen schädels gewohnt maler Müller (Fausts leben) s. litt. denkm. 3, 15; ihr seid allbereit etlich hundert jahr der eisernen schuch und stiffel gewohnt Abele künstl. unordn. 3, 327; die Syrakuser waren des jochs schon zu gewohnt, um einen versuch zu machen, es nach dem tode des alten Dionysius abzuschütteln Wieland (Agathon 10, 2) 2, 253; eine nation, die einmal dieses jochs gewohnt ward Herder (ideen 9, 4) 13, 457; ebenso (ideen, zusätze) 14, 532; dazu vgl.: unsern gästen würde es bei uns nicht wohler sein, sie sind nun einmal das alte gebäude gewohnt Göthe (dicht. u. wahrh. 11. buch) 26, 17; ich war gleich wieder zu hause gewohnt, als wenn ich gar nicht weg gewesen wäre br. 4, 200. 3@b@a@2@b@dδ)) got ist der sund wol gewond Luther 11, 220 Weimar; ich bin der schlechten stückgen bei meinen discipuln wohl gewohnt Weise die drei ärgsten erznarren s. 202; (der thorheiten) Grimmelshausen Simpl. 259; ohne zweifel bin ich seiner art schon allzugewohnt, als dasz ich so etwas bemerken könnte Lessing (misz Sara Sampson 4, 8) 23, 327; lügen ... über die man ... zu erstaunen aufhört, weil man des lügens über gute leute nur zu gewohnt wird Herder (recensionen) 9, 470; er ist der hindernisse gewohnt, die unverstand und böser wille ... entgegensetzen Gotter 3, 74; desgl. (ähnlichen empfangs) 1, 168; weil sie ... der groszen welt schon gewohnt war Heinse (Hildegard 3) 6, 46; sie sind auch der ehr noch nicht gewohnt, weil sie der vater sonst verschont. M. Rinckhart Eissleb. ritter (1, 1) s. 53 neudr.; gewohnt der bösen mäuler hohn. Günther 174; sie mochten nun von stockfisch ... reden, so bildete ich mir kräfftig ein, es gelte mir, so sehr ward ich allerlei gebenden namen gewohnet Simpl. Haspel-Hannsz s. 9; ich war solcher reden nicht mehr gewohnt Grimmelshausen Simpl. 191; (Ernst:) du drückst dich gleichwohl so zweifelhaft aus? — ich glaube einer zu sein! (Falk:) dieses ausdrucks bin ich nun so gewohnt Lessing (Ernst u. Falk 1) 133, 344; an unsern dichtern bin ich der prosaischen sprache freilich ganz gewohnt J. v. Sonnenfels br. üb. d. wiener. schaubühne (Wiener neudr. 7) 37; (dieser niedrigen spr.) Gerstenberg s. litt. denkm. 128, 78; (dieser kleinen streiche) s. 99; weil das der polytonie gewohnt ist Bürger 1, 178 Bohtz; man war der sache halt nicht gewohnt Gotthelf Uli der knecht (cap. 18) 264 Vetter (nach d. originalausgabe; 1850: gewöhnt); war man ... in Makedonien der königsherrschaft zu sehr gewohnt Mommsen m. geschichte 2, 40; dazu vergl.: ich glaub, ir seit ettwo unguettig oder secht ir sunst so klain muettig, ich bin nit gwont an euch die weis. P. Probst (von 2 männern sammt ihren weibern) 116 Kreisler; der prinz ist galant. du bist die unbedeutende sprache der galanterie zu wenig gewohnt Lessing (Emilia Galotti 2, 6) 23, 402; in der klagenden demuth, die man schon an dem stande gewohnt ist Herder (an prediger) 7, 215; ich habe das wort posaune beibehalten, weil man es aus unserer deutschen übersetzung gewohnt ... ist Jung-Stilling 3, 30 Grollmann; ebenso (es) Göthe br. 15, 61; (nichts anders) Lenz (hofmeister 2, 1) 1, 17 Tieck; meine gegner irren mich nicht, wer müsste diess nicht ... in Deutschland gewohnt werden Göthe 35, 284; ebenso (von dem, was sie ... gewohnt war) Wilh. v. Polenz Grabenhäger 1, 16; doch in der folge wurd' ich die darstellung eines so kreiselhaften treibens mehr gewohnt Göthe (tag- u. jahreshefte 1819) 32, 151; er war solche reden gewohnt O. Ludwig 2, 364; eure ohren sind noch nicht Strabo's gang gewohnt, ihn in der ferne zu unterscheiden F. M. Klinger (scenen aus Pyrrhus 1) neues theater 1, 253. zu den präpositionalverbindungen vgl. verstendig leut, die in der schrifft gewont sind Luther 12, 449 gegen: der schriftsteller an seinem pulte ist oft zusehr an den wohlklang gewohnt; er hat nur für den oratorischen numerus ein ohr J. v. Sonnenfels (br. üb. d. wiener. schaubühne (Wiener neudr. 7) 293; weil ... das ohr des morgenländers überhaupt an ungebundne einzelne sen tenzen, parallelismen und wiederholungen gewohnt ist Herder (v. geist d. ebräischen poesie 2. anh.) 12, 338; zunftgenossen, die an unsere sprache ... gewohnt sind Herder (Lessing) 15, 509; ebenso (recensionen) 9, 468; es hat mich sehr beunruhigt, ich bin daran noch nicht gewohnt Göthe br. 9, 206. 3@b@a@2@b@eε)) viel häufiger als bei gewohnt haben begegnen hier personen im objecte, das neben dem genetiv (selten acc.) in verschiedenen formen der präpositionalverbindung angegliedert ist, bis das bei gewöhnen beliebte an auch hier durchdringt: du hast viel lerer ..., die viel predigen und dich mit sunden beladen, der selbigen bistu gewonet und weissest nichts anders Luther (Sacharja ausgel. cap. 9) 23, 618; ich will dich lieber haben, als des ich nun gewonet bin Bebel (facetien, deutsch 1558) A 6a; (als der ich nun deiner gewohnet bin [1606] s. 11); ähnlich Arigo verdeutschung des decamerone s. 111; nisten die habicht in Massilien an der erde, und sind der leut so gewont, dasz sie nur bei menschen auszbrüten wollen Heyden Plinius (1565) s. 414; mein seind gewohnet nicht die pferd J. Spreng Ilias s. 56b; wir werden der engel gewohnt oder sie hindern uns im gange der erzählung Herder (theologiebriefe 19) 10, 221; zumahl, wenn man den umgang liebt und guter gesellschaft gewohnt ist Wieland (don Sylvio th. 2, buch 6, cap. 2) 12, 249; ganz ebenso (Danischmend cap. 34) 8, 281; ich fieng erstlich von weitläufftigen sachen an zu reden, und gedachte, sie würde mit mir gewohnt werden, dasz ich sie umb was anders desto kühner ansprechen dürffte Weise die drei ärgsten erznarren, neudruck s. 45; dazu vgl. (bei welcher) s. 43; Petrus aber und Johannes, zween der vornehmsten apostel, die besonders an einander gewohnt waren Starke synopsis 2 (1735), 76; wir sind bald in die leute gewohnt, sie bald in uns Göthe br. 3, 126; ich sehe nur ungern einen schauspieler abgehen, der sich einigermaszen gebildet und ... den man gewohnt worden ist 21, 374.; vgl. auch Iffland 5, 1, 71 s. Sanders 3, 1650c. 3@b@a@2@cc)) unpersönliche subjecte sind gerade bei dieser verwendung von gewohnt sein sehr beliebt, halten sich aber durchweg in den üblichen grenzen der übertragung und personification: vgl. (gehirn) Lessing s. o.; (ohren) Herder, Klinger; (mappe) maler Müller; (pflanzen) Herder; (sturm) Th. Körner. auch hier ist die beziehung auf das object der wiederholung nur einmal (vgl. auch sp. 6502) belegt: so wöllen wir vor farn, dann uns der weg ganz gewont und wiszen ist underred des bapsts u. s. cardinelen s. Schade sat. u. pasq. 32, 90. 3@b@a@33)) der absolute gebrauch steht unter dem einflusz der berührung mit gewöhnen, zunächst mit der beschränkung auf das zähmen der thiere: nam meines wirths beide starcke bauren-hunde (die den katzen ohn das ziemlich grämisch), bei mir aber wol gewohnt waren Grimmelshausen Simpl. 357 neudr.; ich gesteh es, dasz mich keine curiosität so sehr afficirt, als wenn ich solche thiere zahm und gewohnet sehe, die sonsten wild und furchtsam sein Weise die drei ärgsten erznarren, neudruck s. 167. auf eine allgemeinere grundlage weist ein vereinzelter älterer beleg: uff sontag darnoch wart Stoltzenburg ... erstigen und darinn betretten newn knecht, reisige, und fussknecht ... wurden hart gewont und gefangen M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 66. 3@b@bβ) einer besonderen beliebtheit erfreut sich das particip im neueren stil auszerhalb der verbindung mit dem verbum. 3@b@b@11)) mannigfach belegt, aber für die entwicklung des selbständigen particips doch nicht eigentlich entscheidend sind die elliptischen formen, die von der verbindung gewohnt sein ausgehen. in ihnen überwiegt durchaus die subjective bethätigung (als ausnahme s. unten die belege aus J. Ayrer, Grimmelshausen und Novalis): jung gewont, alt gethon Mathesius hochzeitspredigten (ausgew. werke 2) 69; u. a. (s. o.). vgl. auch die mittelrheinischen, thüringischen, schweizerischen, niederrheinischen und niedersächsischen entsprechungen bei Reinsberg-Düringsfeld 457; gewohnt getan Göthe (überschr.) 1, 137; recht gastfrei sein, und desz gewohnet, wird mit der zeit gar hoch belohnet. Grimmelshausen wiedererstandener Simpl. x, 3a; die ketzer und kirchenspalter, als die der welt gelust, und eines freien, strafflosen, aigenwilligen lebens gewonet, kombt hart an, widerumb in die alte schuch zuschlieffen J. B. Fickler Putherbeys tract. v. verbot. büchern (1581) 159a; wo der könig ... zugegen war, in meinung, einen guten nahmen nach sich zu lassen, als woll gewohnet, aus demuth umb die armen zu sein Olearius übers. d. persianischen baumgartens (1, 6) 5a; ich (als desz hungerleidens und fechtens gewohnter) war lustig simplicianischer Haspel-Hannsz (1684) 84; viele ... befanden sich weit übler als gewohnt Pestalozzi (Lienhard 2, 11) 23, 37; und erwachte erst am andern morgen wieder, als die groszmutter ... mich aufweckte, und ich wie gewohnt zum groszvater ins bett konnte J. Gotthelf (bauernspiegel 2) 1, 23; es bleiben alte lieder den christ-gemeinden wie gewohnt erbaulich. Göthe 4, 131; in manchen nebensätzen bleibt es fraglich, ob überhaupt (ellipt.) particip und nicht die dritte person des ind. vorliegt: und Lucifer der es am Belial wol gewohnet, wann er gute sachen gen höll bracht, dasz er allezeit viel stöltzer wahr J. Ayrer historischer processus juris 2. buch cap. 11; ein welt-mensch, welcher aller untugenden und thorheiten gewohnt, und selbsten mit machet Grimmelshausen Simpl. 73; dagegen vgl.: ein herz, das schon gewohnt, erhaben zu empfinden, ist zwar zu gross dazu, sein glücke hier zu finden. J. F. v. Cronegk (einsamkeiten 1) 2, 9; müde bist du und kalt, fremdling du scheinest nicht dieses himmels gewohnt. Novalis (der fremdling) 1, 352 Heilborn. 3@b@b@22)) dagegen ist die freie stellung der apposition für den neueren gebrauch des selbständigen particips kennzeichnend, und hieran ist neben der subjectiven bethätigung auch die objective form des erleidens breiter betheiligt: 3@b@b@2@aa)) an waschen und reinigung gewohnt, in einem milden klima fast unter freiem himmel hausend, fühlen sich die menschen vom druck der luft minder beschweret Herder (zerstreute blätter 6) 16, 347; ... von jugend auf an krücken zu gehn gewohnt. Pfeffel poetische versuche 3, 14; gern und geschwind lief er zu allen zeiten bei tag und nacht als bote durch den hain; und so gewohnt für andre nur zu leben, schien mühe nur ihm fröhlichkeit zu geben. Göthe (die geheimnisse) 13, 185; in zeiten, wenn uns eine wichtige, auf unser leben einfluszreiche person verläszt, pflegen wir auf unser eigenes selbst zurückzukehren, gewohnt, nur dasjenige schmerzlich zu empfinden, was wir persönlich für die folge zu entbehren haben (an könig Ludwig v. Bayern) br. 46, 106; Amor, nicht das kind, der jüngling, der Psychen verführte, sah im Olympus sich um, frech und der siege gewohnt. (der neue Amor) 2, 139; sie fällt die hohe stadt, seit grauem alterthum, gewohnt zu herrschen und zu siegen. Schiller (zerstörung Trojas) 6, 364; der knechtschaft gewohnet, fühlt ihr die ketten nicht mehr, o Deutschen? J. F. v. Cronegk (einsamkeiten 2) 2, 70; vgl.(an freiheit gew.) Herder 14, 136; gewohnt, zu greifen mit der starren hand in's stille reich geordneter gedanken. Grillparzer (des meeres und der liebe wellen) 75, 20; dasz du gewohnt, nicht widerstand zu achten, aufbietend deines heeres ungewitter. Fr. Rückert 1, 20; und still ist's ringsum, nur die frühlingswinde, gewohnt mit holden blumen sonst zu kosen. Geibel 1, 62. 3@b@b@2@bb)) vielleicht würde der zuschauer, an possenspiele von jeher gewohnt, anfangs gegen die neuerung murren: die gewohnheit aber, seine abendstunden in dem schauspiele hinzubringen, würde bei einer schaubühne immer leute genug versammeln, die unternehmung zu entschädigen. nach und nach würde man des besseren gewöhnter werden J. v. Sonnenfels (Wiener neudr. 7) 321; manches, welches zwar gelehrsam stille stand, der meisterfaust gewohnt. d. herrn v. Koenig gedichte 209 (1745); der lieblichen thierchen gewohnt, achtet's mein höflicher widder nicht maler Müller 1, 131; wo aber ein volk, brei und nahrhafter speise, nordischen gerstentranks und branntweins gewohnt, nun die cremes, liqueurs und confitures, ansähe als brei und branntwein Herder (gefundene blätter) 5, 262; und ob er auch ... ... deiner töne nicht gewohnt, sein ohr zu Galliens schwänen neigt. Ramler lyr. gedichte s. 130; ebenso (alexandriner gew.) Göthe 3, 42 jub.-ausg.: hinab die stillen und dunkeln stufen eines gangs steigen die frauen beid'; es spottet der widerhall, gewohnt des klangs schon lange nicht im gang, verrottet, mit hohlem schalle nach dem tritt und thut, als gingen viele mit. K. Immermann Tristan und Isolde I (werke 13, s. 189); willst du nur hören, was du schon gehört? dich störe nichts, wie es auch weiter klinge, schon längst gewohnt der wunderbarsten dinge. Göthe (Faust II) 41, 75; dir blinken deine drachen mit klugen augen zu, aller pfade gewohnt folgen sie deinem lenker. (triumph der empfindsamkeit 4) 14, 45; desgl. (gefahr gewohnt) 1, 148: wild ist er wie der wald, der ihn erzog, er hört, ans rauhe jagdwerk nur gewohnt, zum erstenmale jetzt von liebe reden. Schiller (Phädra 3, 1) 15, 49; bis endlich die zunge, gewohnt den zwang, sich schon recht artig im munde schwang. Baggesen (scheerenschleifer-epopoe) 2, 224; 44) der attributive gebrauch führt das particip in der richtung auf adjectivische entwicklung weit über die grenzlinien hinaus, die dem vorbildlichen gewohn gezogen waren; auffallend ist dabei, dasz die dem adjectiv eigenen steigerungsformen diese entwicklung anscheinend kaum begleiten, sie sind häufiger in andern functionen belegt als beim attribut: du bist doch mit deiner frau und deinem sohne noch gesund und wohl? und ihr seid Breslau doch nun wohl gewohnter? Lessing (an K. Lessing 1779) 183, 328; musik im besten sinne bedarf weniger der neuheit ... je gewohnter man sie ist, desto mehr wirkt sie Göthe (max. u. refl. 1. abt.) 49, 28; ebenso vgl.: alle benachbarten leute, der arbeit gewohnter, mit leuten besser versehen, kamen dem vater vor J. Gotthelf (bauernspiegel 3) 1, 37; je gewohnter und ausschlieszlicher der blick nach innen das christliche denken mit inhalt erfüllte J. Rehmke unsere gewiszheit v. d. auszenwelt s. 9; dagegen vgl.: in orient und in allen sprachen der welt, ist himmel und erde, das sichtbare und unsichtbare die klärste gewohnteste benennung des weltalls Herder (erläuterung z. neuen testament) 7, 364. 4@aa) der gegensatz zwischen der activen und passiven actionsart des attributiven adjectivs. 4@a@aα) während die ältere sprache, die das particip an gewohnen wenig entwickelt, (s. sp. 6485), da wo sie im träger des attributes auf das subject des geübten brauches zielt, passivfügungen von gewöhnen (s. sp. 6512) heranzieht, dringt später auch gewohnt hier neben einzelnen concreten und personen ein. 4@a@a@11)) Agesilaus ... wie er etliche Persier gefangen, deren rüstung ... viel scheuhens machet. liesz dieselbigen nackend seine knechte sehen, damit sie solcher feindt bleiche und des schattens gewohnte cörper verachten solten L. Fronsperger kriegsbuch 3, 240b (Frontin anschläge 1, 11 corpora umbratica); ein tanzbär war der kett' entrissen, kam wieder in den wald zurück, und tanzte seiner schaar ein meisterstück auf den gewohnten hinterfüszen. Lessing (fab. u. erz.: der tanzbär) 13, 158; er hätte aber lange rufen können, wenn ihm nicht sein alter ungerufener freund, Franz von Sickingen, ein mann, dessen name Deutschland zu den edelsten Römern stellen kann, wenn der ihm nicht mit gewohnter hand schutz und freistadt gegeben hätte Herder (zerstreute blätter 5) 16, 284; mein saitenspiel vergasz der schönen, und meine scherzgewohnte hand verirrte sich zu trauervollen tönen. Uz fröhliche dichtkunst 3, 16 s. litt. denkm. 33, 82; seht ihr den geist der freiheit schreiten auf blumensohlen durch das land? zum stillen segen liebend breiten die schwertgewohnte götterhand? G. Herwegh ged. eines lebendigen 1 (Gutenbergslied); wo ist der muth des schwertgewohnten arms, der gegen meinen sohn zum fluch sich streckte? F. v. Saar Heinrichs tod (3, 3) 75; so hab' ich wirklich dich verloren, bist du, o schöne, mir entflohn? noch klingt in den gewohnten ohren ein jedes wort, ein jeder ton. Göthe (an die entfernte) 1, 67; unter den groszen selbst mordgewohnte, truggewohnte lippen, naturwidrige empörende laster Schiller (gesch. d. frz. unruhen) 9, 320. 4@a@a@22)) beziehung auf personen. 4@a@a@2@aa)) bisz die der grausamkeit gewohnte menschen ... auch zu den frommen lämmern ... kommen sind D. C. v. Lohenstein Arminius u. Thusznelda (4. br.) 1, 462; es bekam an ihnen harte und rauher gegenden gewohnte, nicht aber auch die gebildetsten völker unsrer erde Herder (ideen, zusätze) 14, 582; wie die Preuszen es wagen durften, sich mit krieggewohnten heeren zu messen, neulinge gegen veteranen F. L. Jahn 1, 4; die mordgewohnten banden Schiller 13, 202 s. unten theil 6, sp. 2546; ein liebegewohntes kind (Franzos) Sanders erg. wb. 649a; so war doch die allzu unruhige Philine mehreren an ruhe und sitte gewohnten frauenzimmern, besonders aber der edlen Angela beschwerlich Göthe (Meisters wanderjahre 3, 14) 23, 212. dazu vgl. mit übertragung auf thierwelt: wenn ihr zur bettelei gewohntes dichterpferd, mit karren voller lob zum futter-kasten fährt. J. Chr. Günther (auf Ad. Chr. Thebesius) ged.2 394; und wie der eulen nachtgewohnte brut von der zerstörten brandstatt ... auffliegt in düsterm schwarm. Schiller (braut von Messina) 14, 62. 4@a@a@2@bb)) gern sind solche persönlichen beziehungen auch in collectivbegriffen verdichtet oder an örtlichkeiten gebunden: schau, rief satan, auf meine triumph, ha, kannst du sie zählen? hat ein triumphgewohnter Olymp für sie sprache genug wol? F. v. Sonnenberg Donatoa (9) II, 1 s. 211; der waldung und gefilde wie seinen stall gekannt, und bei der jungen schaar des jagdgewohnten hofs ein rechter liebling war. Hagedorn (moral. ged. freundschaft) 1, 41; die wilde zwietracht und den klang der waffen rufst du in dieses friedgewohnte thal. Schiller (Tell 1, 2) 14, 286; auf dieser festen liebgewohnten erde (Franzos) Sanders erg. wb. 649a. 4@a@bβ) das schwergewicht des attributiven gebrauches ruht auf der früh bezeugten passiven actionsart, die auf das object des geübten brauches zielt; hier überwiegen gegen concrete und persönliche träger des attributes durchaus die abstracten substantiva. 4@a@b@11)) das befilhet Giassemen auch der Giulla, durch die gewohnte strass (einen unterirdischen gang) zuthun J. Wetzel reise d. söhne Giaffers (litter. ver. 208) s. 15a; ob auf gewohnten bahnen den lauf ihr zauberfuhrwerk nimmt, ob durch die luft, ob's rollet oder schwimmt, ... sanft oder hart, mit oder ohne fahr, sie werden nichts von allem dem gewahr. Wieland (Oberon 5, 82) 22, 234; (die gew. bahn) Grillparzer (Medea 4) 55, 217; (gerieth wieder in das gew. geleise) W. Raabe alte nester 222; aus'm gewohnten gleis, posse von Anzengruber 1880; blick' auf aus deinem jammer! schau die röthe dort! verfehlet Eos wohlgewohnten pfades heut? Göthe (Pandora) 40, 413; (gew. pfade) Hölderlin (tod des Empedokles) 2, 277 Litzm.; (vom langgew. ehrenpfade) Schiller (Picc. 4, 4) 12, 161; (auf dem gew. wiesenpfade) Mörike (maler Nolten) 4, 53 Krausz; schön Suschen schreitet gewohnten steg, umströmt auch gleitet sie nicht vom weg. Göthe (Johanna Sebus) 2, 38; (ging die gew. wege) Körner 1, 63 Hempel; so gehts dem astronomen, wenn an dem gewohnten und meist unbedeutenden sternhimmel, sich gott sei danck, endlich einmal ein komet sehen lässt Göthe br. 4, 321; und von neuem ungestOeret ihr gewohntes nest bezieht. J. E. Schlegel 4, 265; (die damhirsche ... in ihre gew. dickungen) Heppe jagdlust 168; (gewonte ort) Forer thierbuch 99b; so eilt die satte schaar, von überflusz geschwängert, mit schwarmendem geblöck gewohnten ställen zu. Haller (alpen 194) 28 Hirzel; das gleiche Schiller (glocke) 11, 314; ähnlich Brockes Thomsons jahresz. (wonted stalls, winter v. 86) 441; ewig umsonst gedeiht mir die reiche besitzung dann vor augen; umsonst sind künftige jahre mir fruchtbar. ja das gewohnte haus und der garten ist mir zuwider. Göthe (Hermann u. Dorothea 4) 40, 274; (gew. sommeraufenthalt) Matthisson erinner. 2 (1810) 41; (gew. ecke) G. Reicke grüne huhn (3, 16) 336; meinen mittagschlaf im garten, unter dem gewohnten baum wie im sommer abzuwarten ... Rückert (herbstlieder) 2, 562; ein befreundeter aus der fremde bringt festgerichte auf den gewohnten alltagstisch und eine gewisse feiertägliche stimmung in die seele B. Auerbach neues leben (5, 9) 3, 264; kein anderer wein will mir schmecken und ich bin verdrieszlich wenn mir mein gewohnter lieblingstranck abgeht Göthe br. 19, 134; tranken noch von unserm gewohnten wein 21, 304; so humpelte der bauer ... irgend einem wirtshause zu, seinen gewohnten schoppen zu trincken J. Gotthelf (bauernspiegel 3) 1, 45; der herr spricht mit gewohnter stimm: Maria! P. Gerhardt (nun freut euch) Fischer und Tümpel 3, 341b; ihr haar schmückt statt des bandes ein goldblech, kriegrisch schier; den frauen dieses landes gewohnte schläfenzier. F. Freiligrath (eine geusenwacht) 1, 71; seine gew. zöpfe G. Keller (grüner Heinrich 2, 16) 1, 397. 4@a@b@22)) abstracte träger des attributs. 4@a@b@2@aa)) mit disem gewonten brauch der burger erhielt er forthin sein reich Seb. Frank chronic. Germ. (1538) 86; desgleich. Ickelsamer gram. D 1 a; für sich und andere ausländer ihren gewohnten gottesdienst üben dorfften Lohenstein Arminius (4. b.) 1, 465; treibt sein gewohntes spiel gedichtsammlung von Neukirch 2, 139; Göthe mitschuldige (einactige fassung von 1769) v. 200 Döll; (gew. beispiel) Thümmel (reise 4) 4, 31; es ist so mein gewohnter gang Pfeffel poet. versuche 8, 180; (nach d. gew. gange) Herder (ideen 3, 13) 14, 144; (im gew. gange erhalten) Sybel begr. d. dtsch. reichs 52, 28; (gew. runde) W. Müller (d. bäume) 139; (gew. tagewerk) Treitschke dtsch. gesch. 1, 251; anstatt die von cyprischem weine sprudelnden becher der gewohnten athenischen gastmähler zu vermissen, däuchte ihm, dasz er niemahls angenehmer getrunken habe Wieland (Agathon 1, 1) 1, 28; Eduard I konnte sich von den gewohnten machtübungen nicht losreiszen Ranke 142, 66; (gew. unterdrückungen) Herder (zerstr. bl. 4) 16, 78; so dasz die schwermuth sich entfernt bei dem zeither gewohnten lachen. Stoppe Parnasz s. 8; (gew. elend) Thümmel (weisz 3) 3, 24; man macht schulden, und führt mit entlehntem gelde den gewohnten aufwand fort S. v. La Roche frl. v. Sternheim (1) 144 Ridderhoff; durch mehrere wochen unterlieszen sie den gewohnten verkehr Ganghofer doppelte wahrheit 4; so musz ich hinzufügen, dasz mir bei hohen jahren nicht mehr möglich sei, den gewohnten antheil an gleichzeitigen ... literarischen bemühungen zu nehmen Göthe (1829) br. 46, 104; ungeachtet ich immer das gewehr streckte und ihnen mit dem hut den gewohnten wink gab Ulr. Bräker der arme mann im Tockenburg s. G. Freytag 21, 216. 4@a@b@2@bb)) wenn ihr drei tage könnet ohn eure gewohnte sünde hinbringen Scriver seelenschatz 432d (von eurer angewöhnten sünde ebenda); ... wie den bösen kindern, den man auch etwas jrer gewonten boszheit pflegt zuo lassen V. Ickelsamer ein teutsche grammatica D 4a; (unsrer gew. täglichen halblüge) Herder (Leszing) 15, 510; (aus gew. vermessenheit) 13, 334 (ideen 8, 5); (gew. befehlshabergeist) 18, 412 (kl. schriften); seine gewohnte leutseligkeit Lohenstein Arminius (4. b.) 1, 465b; (mit gew. freundlichkeit) Goekingk ged. 3, 6; nehmen ew. exzellenz beiliegende sammlung von radierten blättern mit gewohnter güte und nachsicht auf Wilhelm Grimm an Göthe (1823) Göthejahrbuch 9, 32; allein er griff zu, schüttelte mit seiner gewohnten eigelichkeit das futter durcheinander Gotthelf Uli der knecht (cap. 13) s. 178 Vetter. 4@a@b@2@cc)) bilder, die Christus ... nach gewohnten begriffen seiner zeit ... in gleichniszreden gebrauchte Herder (christl. schr.) 19, 104; (gew. ideen-verbindung) 12, 243 (v. geist d. ebr. phil. 2); (aus gew. vorurtheilen) 18, 195 (br. z. bef. d. hum.); der enge kreis unsrer gewohnten vorstellungsarten (exemplare d. menschheit) 15, 137; genau so (christl. schriften) 19, 168; (gew. vorstellungs- und erzählungsart) 20, 126; die fehlende gewohnte beschäftigung Moltke (br.) schr. 5, 78; jene thatfrische, die den auswanderer auf seinem neubruche erfüllt, wollte er auf das gewohnte leben übertragen Auerbach neues leben 3, 353; er setzte seine gewöhnlichen reisen und übrigens seine gewohnte lebensart fort Göthe (der sammler u. d. seinigen 2) 47, 134 Weimar; auf ausdrückliche anordnung und befehl erscheint jedermann in seiner gewohnten tracht br. 21, 328; das gleiche Herder (exemplare d. menschh.) 15, 138; den gewohnten vergnügungen, der gewohnten lebensweise gab sich Leon von Poppen wieder mit groszer energie hin W. Raabe leute aus dem walde5 (20. cap.) 193; leute, die aus ihren gewohnten daseinskreisen niemals einen blick werfen auf das, was neben ihnen ächzt und leidet Gutzkow u. Wienbarg deutsche revue 29 Dresch; der particularismus aber wurzelte mit tausend fasern in dem gewohnten realen dasein Sybel begr. d. dtsch. reichs 52, 462; die zum ausziehen der miethsleute gewohnte bürgerlich-gesetzliche frist Kant rechtslehre (1798) s. 168; längst hatte er gewünscht, die gräfin einmal ausser der gewohnten tageszeit zu sehen Mörike (maler Nolten) 4, 46 Krausz; wenn du nicht zu sonst gewohnter stunde Assur wiederkehren siehst und Assad, traure nicht, denn dir zum troste flohn sie, deine söhne suchen deinen sohn auf. Platen die Abbassiden 1. ges.; ebenso (zur gew. stunde) Ganghofer almer und jägerleut4 121; doppelte wahrheit 46; die andern prüf am allgewohnten lauf des tags, denn ihre pflicht ist tageswerk, gewöhnliches; am ungemeinen aber misz den herrscher ab, da er im guten, schlimmen ungeheuerstes ertragen musz. K. Immermann Eudoxia (werke 15, s. 376). 4@a@b@2@dd)) ja zeigt man seine meinung nicht in dem gewohnten sprichwort an: 'es wirken gott und die natur nie was vergebens' Brockes 6, 310; das beste mittel wider diese träumende gewohnheit (unandächtiges beten) ist: nicht allezeit die gewohnten worte behalten Butschky Pathmos 212; dem gewohnten ausdruck nach war die verfassung des ebräischen volks durch den geist gottes gemacht gewesen Herder (christl. schriften 4) 20, 34; die gleiche verbindung 19, 188; (die gew. bildausdrücke) 20, 259; (gew. zeichensprache) 15, 575 (Persepolis); (gew. gebehrden) 17, 373 (br. z. bef. d. hum.); (gew. liebeszeichen) Stoppe Parnasz 96; in unsrer gewohnten sprache zu reden Herder (gott) 16, 446; das gleiche 20, 97 (christl. schr.); (gew. hebraismus) 7, 325 (Johannes); (gew. griechische allegorie) 9, 10; die briefe der apostel lesen sie als briefe, vergessen sie kapitel, verse, gewohnte episteln, und lesen, wie wenn sie ein christ des ersten jahrhunderts wären (theologiebr. 23) 10, 258; treue liebe fand den treuen gatten und der wagenlenker seine bahn; Orpheus spiel tönt die gewohnten lieder, in Alcestens arme sinkt Admet. Schiller (götter Griechenlands) 6, 25; wenn sie beute vertheilt, gewand und gut, schlimmer als je ihr zigeuner thut, das sind gewohnte geschichten. Göthe (der müllerin reue) 1, 215; dieser name ('junker vater') war noch zu der zeit des ahnherrn ... der gewohnte name, den das volk seinen edeln im land gab Pestalozzi (Lienhard 3, 77) 33, 349; es sind so viele begriffe der philosophie ... zu einem so vesten gewohnten besitz worden Herder (br. z. bef. d. humanität. anhang) 18, 319; fühl' ich doch, welch ungeheures unglück den betrifft, der seines tags gewohntes gut vermiszt. Göthe (die natürliche tochter 3, 2) 9, 309; dasz ein christ es dahin kommen läszt, dasz ihm die sünde eine gewohnte sache ist Scriver seelenschatz 430a; herr bruder, ein so lang gewohntes hübsches vorrecht, als mir bis dahin eingeräumt war, gibt man nicht ohne weiteres auf Mörike (maler Nolten) 4, 70 Krausz. 4@a@b@2@ee)) so bald sie nun soliche redlicheit, stercke und trutzlicheit bei jm befunden, habent sie jn auch gewoneter weisz angegangen (var.: gewonter) Hutten (wie die bäpst) 5, 370; sprache ist die denkart eines volks nach gewohnter weise von alten zeiten Herder (christl. schr. 1794) 19, 4; nach dunkeln begriffen ... und gewohnter lebensweise (vom einflusz der regirung) 9, 405; nach gewohnter weise Göthe br. 41, 96; wenn die grünen vertrauten bäume von drauszen in gewohnter weise dazu in die fenster sehen Wilh. Raabe alte nester 126; als er seine freundin Aurelie gewohnterweise zu besuchen ging Göthe (Meisters lehrj. 4, 19) 19, 128; ein kammachergeschäft, dessen inhaber gewohnterweise alle fünf bis sechs jahre wechselte Gottfried Keller 4, 216; nun wird sie bald nach haus gelangen und auf gewohnte weise ruhn. Göthe (angebinde zur rückkehr) 2, 172; das gleiche (an Christiane 1808) br. 20, 199; die erste bricht das gewohnte maas und giebt ein neues Herder (Kalligone 3) 22, 272; ritt oder fuhr die elegante welt der residenz gewohntermaszen in den schattigen alleen Mörike (maler Nolten) 4, 23. 4@a@b@33)) mit personen verbindet sich das adjectiv in passiver actionsart naturgemäsz seltener: und wie er ausz der schul wider heim kam und hin lieff zu seinen gewonten gesellen mit inen zuo spilen verdeutschung von Bebels facetien (1558) H 1 a; der gewohnte busenfreund Herder (christl. schr. 5) 20, 226; die lehren eines lange bekannten und gewohnten vorgesetzten Göthe br. 19, 300; selbst führe du ... dein gespann! denn unter des gewohnten führers hand wird's leichter den ... wagen ziehn. Bürger 1, 161; (den gew. vermittler) Mommsen m. gesch. 1, 227; (gew. umgebung) Göthe (dicht. u. wahrh. 11) 26, 35; wie manche dicke magd ... mit schmeichelnd sanfter hand den vollen eiter strich, als die gewohnte kuh nicht aus der stelle wich. v. Königs gedichte s. 207. 4@bb) die substantivirung betrifft zumeist das genus des neutrums; gegen: fasset den donner, ihr vormals des donners gewohnte, verderbet ihm ins antlitz, ihm an der hand das träumer geschöpf dann. F. v. Sonnenberg Donatoa (3) I, 1 s. 181; vgl.: selten giebt es einen Friederich, der sich über das gewohnte seiner zeit früh und doch mit weisheit hinaussetzt Herder (br. z. bef. d. hum. 21) 17, 95; der einheimische wird sich an dem gewohnten erfreuen Göthe (dicht. u. wahrh. 11) 26, 10; (ein schritt aus dem gewohnten) Grillparzer (Libussa) 85, 130; niemand mag lesen als das, woran er schon einigermaszen gewöhnt ist; das bekannte, das gewohnte verlangt er unter veränderter form Göthe maxim. u. reflex. no. 891 (schr. d. Götheges. 21, 193); dort mögen sie mit ihrer jungfraun schar in unnahbarer abgetrenntheit weilen und das gewohnte, weil es doch bequem, starr, wie sie selbst, für ew'ge zeit bewahren. wir wollen weiter, weiter in der bahn. Grillparzer (Libussa) 85, 207; (hergebracht gewohntes) 25, 143 (der reichstag); (des gewohnten altes band) 131 (vorzeichen); auch das wachsame tier wird nicht stutzig, scheint längst gewohntes zu vernehmen Fr. Th. Vischer auch einer 103.
114771 Zeichen · 2196 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gewohnen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Gewohnen , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, Fertigkeit zu Empfindungen oder Handlungen Einer Art…

  2. modern
    Dialekt
    gewohnen

    Elsässisches Wb.

    gewo h ne n , gewö h ne n [kwênə Liebsd. Pfetterhsn. Roppenzw. Steinb. Su. Mütt. Betschd. ; kwánə Geberschw. Obhergh. Dü…

  3. Sprichwörter
    Gewohnen

    Wander (Sprichwörter)

    Gewohnen 1. As ik wennt bün, möt ik dôn, säd' de Bûr, dôr kloppt he sînen Jungen. – Hoefer, 141. 2. Gewohn's, Mudel 1 , …

Verweisungsnetz

39 Knoten, 35 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Hub 1 Kompositum 34 Sackgasse 4

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gewohnen

2 Bildungen · 0 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von gewohnen

ge- + wohnen

gewohnen leitet sich vom Lemma wohnen ab mit Präfix ge-.

gewohnen als Zweitglied (2 von 2)

Abgewohnen

Adelung

* Abgewohnen , verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte seyn, durch die Gewohnheit verlieren; sehr ungewöhnlich, besser entwohnen.

eingewohnen

DWB

einge·wohnen

eingewohnen , assuescere. das part. eingewohnt assuetus mischt sich mit eingewohnt inhabitatus von einwohnen: ich kann hier nicht eingewohne…