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gewohn

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gewohn f.

Bd. 6, Sp. 6480
gewohn, gewohne,IIf. , alte substantivableitung zum vorhergehenden, in der älteren sprache vor allem aus oberdeutschen denkmälern belegt, während ein mit dem dentalsuffix abgeleitetes fem. (gewohnde) im niederdeutschen gebiet bevorzugt erscheint. in der neueren sprache sind beide bildungen durch gewohnheit aus der schriftform verdrängt worden. die älteste periode läszt die ganze mannigfaltigkeit der formen auch auf oberdeutschem boden neben einander erscheinen. in der ableitung mit thematischem vocal treten zweierlei bildungen auf: einerseits giwona (kiwona Graff 1, 870), das auch dem mittelhochdeutschen gewone, gewon (mhd. wb. 3, 803a; Lexer 1, 983) und den meisten späteren oberdeutschen belegen zu grunde liegt; vgl. auch mittelniederl. gewone neben gewoonte Verwijs u. Verdam 2, 1926; andererseits. mit wenig anhaltspunkten giwoni (Graff 1, 871), das auszer einer glossenstelle nur durch die negirte bildung ungewoni gestützt wird. unbezeugt ist ober- und mitteldeutsch das schwache masc., das im Heliand (giwono 5203 an beanstandeter stelle), im angels. (gewuna, m., custom, wont, manner, use, rite Bosworth-Toller 471), und im altnord. (vani Falk u. Torp 1350) beobachtet wurde. dagegen findet sichmit anderem ablautsverhältnisz (s.gewöhnen) — noch ein älteres neutrum: eine messe sîne tage von einer vrouwen die sanc er die treip er hin die treip er her diu hebt sich rechte des gewens salve samte parens. der andern was er gar ein gast. Mariengrüsze 545 Pfeiffer, s. Lexer 1, 982; dazu vgl. bose wenenheit vel gewene md. voc. ex quo 1414. die ableitung mit dem dentalsuffix ist im St. Galler und Pariser codex der Keron. glossen neben der mit themat. vocal belegt: abusive, fona kiwonun, ab usu tra(c)tum, (fona kiwandu) fona kiwondu Steinmeyer-Sievers 1, 45. später beschränken sich die anhaltspunkte auf niederd. quellen: gewoente, gewonte, niederrh. gemma (Köln 1507) s. Diefenbach - Wülcker 620; ghewoente ... abusus, insolentia ebenda; ghewente i. ghewonte, consuetudo Kilian (1591) 146b; dazu vgl. Schiller-Lübben 2, 106; gewoonde, (häufiger gewoonte) Verwijs u. Verdam 2, 1928. 1929; vgl. Oudemans 2, 668; Winkler friesch woordenboek 1, 455; gewonde, gewohnheit Bauer-Collitz 145. 11) die althochd. u. mhd. zeit. 1@aa) die verwendungen halten sich meist im rahmen des begriffes eines beim einzelnen oder bei mehreren herrschenden brauches: mos, sidu, wisa, consuetudo edho wisa, kiwona St. Galler (und Karlsruher) codex der Keronischen glossen Steinmeyer-Sievers 1, 211; desgl. consuetudinem, kiwona 1, 241. in syntaktischer beziehung ist bemerkenswerth, dasz hier von anfang an präpositionale verbindungen überwiegen, während die function des subj. oder objects nur ganz selten erscheint. 1@a@aα) sie quâðun thô that sie ni môstin mannô nigênumu an thea hêlagon tîdte hand-banon werðan mit wâpnun an themu wîh-dage; hwand it iro giwono ni wâri. Heliand 5203 (Cotton.); der leu sîn selbes niht vergaz: er erzeicte gâhes sîn gewan (handschr. gewon) als er vur ofte het getân (handschr. geton) dem rosse zarte er einen buoc dâ hete er sîn begrifen gunoc. R. v. Stoffel Gauriel s. Wackernagel, leseb. 647. 1@a@bβ) für die präpositionalverbindung treten zu dem obigen glossenbelege (Steinmeyer-Sievers 1, 45) schon in der Tatianübersetzung zahlreiche zeugnisse: inti ingieng after sinero giwonu in sambaztag in thie samanunga Tatian 18, 1 (secundum consuetudinem suam Luc. 4, 16, κατὰ τὸ εἰωθὸς αὐτῷ bi biuhtja seinamma Ulfilas, nach seiner gewonheit Luther), desgl. 166, 5 (Lucas 23, 39); ähnl. 2, 3; 7, 5; 12, 2; dar umb so cham der gpauren schimpf nach ir gewon ze ungelimph. H. v. Wittenweiler ring (39c, 46) s. 172 Bechstein; vgl.na sine gewone Oudemans 2, 669; vgl. auch die entsprechende verwendung des sonst nur mit der bedeutung von wohnung belegten grundwortes in Wolframs Willehalm: swenn ich was bî werdeclîcher won dâ sluoc man mich mit staben von. 287, 29; desgl. (swache won) 284, 27. die ableitung mit dentalsuffix ist hier fast nur für den engeren rechtsbegriff (s. b) bezeugt; allgemeinere verwendungen sind selten (der beleg aus Athis u. Proph. s. mhd. wb. 3, 498a gehört nicht hierher), vgl.he hadde in gewonten (Dial. Greg. 256a) Schiller-Lübben a. a. o.; van ghewoent hebben Oudemans 2, 669. 1@bb) für die bedeutungsverengerung auf dem gebiete der rechtssprache sind einige wendungen des Tatianübersetzers noch nicht in anspruch zu nehmen, obwohl sie in der abstreifung der individuellen züge vom träger der wiederholung und des brauches den boden vorbereiten konnten. sie stehen zudem ganz unter lat. einflusz: after giwonu thes biscofheites Tatian 2, 3 (secundum consuetudinem sacerdotis Lucas 1, 9; nach gewonheit des priesterthums Luther); desgl. 12, 2. wo die lat. vorlage den hinweis auf die rechtliche seite des gewohnheitsbegriffes durch besonderen genitiv unterstreicht (legis), folgt ihr auch der ältere übersetzer, während Luther die ganze wortverbindung mit einem ausdruck,allerdings hier nicht mit gewohnheit deckt: thaz sie tatin after giwonu ewu Tatian 7, 5 (ut facerent secundum consuetudinem legis Luc. 2, 27, nach dem gesetz Luther). dagegen kommt der rechtsbegriff schon in mittelhochdeutsch. wendungen zur geltung: mit wiu sol er si twingen? niwan mit rehten dingen, mit rehtir gemehelen ... er ist charl dâ, si ist chone, daʒ ist ein vil altiu gewone. vom rechte 399 Waag; vgl. auch nâch der alten wone Ulrich v. d. Türlin Willehalm 105a; nach heidenischer wone 85b; desgl. 99b, s. Lexer 3, 975. in dieser bedeutungsrichtung ist auch die ableitung mit dem dentalsuffix mehrfach bezeugt: daz der durchluchtige Wenczesslaw ... dem obgenanten ertzbisschoeve und sime stifte (v. Köln) ... von nuwes geben sal alle privilegia hantfesten rechte vrîheide und gde gewoende, die sie von uns ... gehabt haint urkunde Karls IV. (1376) s. reichstagsacten 1, 35 Weizsäcker; dazu vgl.: ind haint alda sementlichen ... upgedain ind ertzalt dat alde herkommen, recht ind gewoende desselben landz also as yre furfaren ind aldern ain si bracht haind. rechte des landes Blankenberg (nahe der Sieg) 1457 s. weisth. 3, 17; vgl. auch: nâ rechten ind gewôenten der stat. schichtung zu Cleve (15. jahrh.) bei Loersch u. Schroeder 12, 234; bi alder gewonde und recht laten u. a., s. Schiller-Lübben a. a. o.; vgl. van ghewoenten dat behoert Oudemans 2, 668. 22) die neuhochdeutsche periode läszt alle diese formen vor dem einen bevorzugten gewohnheit (s. d.) zurückweichen. in der übergangszeit tauchen noch einige nachzügler auch in litt. denkmälern auf, vor allem für gewohnde, das schon in den obigen belegen die grenze überschritten hatte und das in der niederdeutschen bibel noch an stellen sich hält, wo die Vorlutherische übersetzung längst gewohnheit eingeführt hatte: unde daer uth quam de stede ghewonde up in Israhel. un de ghewonde wart gheholden richter 11, 39 Arndes (davon wuochs ein sitte in Israel und die gewonheit ward behaltten Mentel); na der gewonde 2. könige 11, 4 (nach dem sitten Mentel u. a. wie es gewonheit war Luther); vgl. auch ghewonte Veghe 177 Jostes. zu gewon, gewone vgl. die folgenden, dem rechtsbegriff ganz fernstehenden zeugnisse: widerste dem willen dein in deiner jugent, die weil es mug gesein, wann pringestu es in die alten gewon, so machtu nimmer lassen davon. Hans Vintler pluemen d. tugent v. 5088 Zingerle; die natur etlich hunden geit, das sie ausz gwon bellen allzeit. S. Brant narrensch. g 3; wan du mich dünckest ein solches thon wider dein alter ohn gewon. Frischlin Susanna s. 233. für das fortleben in den mundarten sind entsprechende buchungen nicht immer beweiskräftig, weil sie sich z. th. auf ältere denkmäler stützen, vgl. gewohn Unger-Khull 291a; gewonde Bauer-Collitz 145.
7782 Zeichen · 160 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gewohnf.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    gewohn , gewohne , II f. , alte substantivableitung zum vorhergehenden, in der älteren sprache vor allem aus oberdeutsch…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gewohn

69 Bildungen · 66 Erstglied · 0 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von gewohn

ge- + wohnen

gewohn leitet sich vom Lemma wohnen ab mit Präfix ge-, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

gewohn‑ als Erstglied (30 von 66)

gewohnen

DWB

gewohnen , schwaches verb mit später entwicklung, die aber in der neuhochdeutschen periode bald wieder unterbunden wird. in den zuständigen …

gewohnhaft

DWB

gewohnhaft , adjectivbildung, die in der neuhochdeutschen periode keine wurzel faszte: für den wohnbegriff blieben formen ohne präfix bevorz…

gewohnheit

DWB

gewohnheit , fem. , ( in der älteren sprache vereinzelt auch ) n., ableitung von gewohn II ( s. sp. 6480), die für den begriff der consuetud…

gewohnheitlich

DWB

gewohnheit·lich

gewohnheitlich , adjectiv, ableitung vom vorhergehenden substantiv, tritt in die lücke ein, die die neuere entwicklung von gewöhnlich ( s. d…

Gewohnheitsanweisung

GWB

gewohnheit·s·anweisung

Gewohnheitsanweisung eine Instrucktion für den Bibliotheksdiener .. hat der vorige nur nach mündlicher und Gewohnheits-Anweisung sein Amt ve…

gewohnheitsbedürfnisz

DWB

gewohnheitsbedürfnisz , n. , vgl.: den abend gehe ich aber immer in gesellschaft, bin ich nicht gebäten so gehe ich zu Körner, zum canzler B…

gewohnheitsbetrug

DWB

gewohnheit·s·betrug

gewohnheitsbetrug , m. , vgl. gewohnheitsdieb, vgl. wer wegen wiederholten betruges sich als geübter gewohnter betrüger zeigt strafgesetzbuc…

gewohnheitsdichter

DWB

gewohnheit·s·dichter

gewohnheitsdichter , m. , vgl.: bei dem bloszen gewohnheitsdichter, der nur von der oberfläche wegsingt, was ihn gerade beschäftigt oder wie…

gewohnheitsdieb

DWB

gewohnheit·s·dieb

gewohnheitsdieb , m. , ein der frühest belegten unter den entsprechenden zusammensetzungen ( s. gewohnheitssünde); vgl.: dass die gewerbsmäs…

gewohnheitsdiebstahl

DWB

gewohnheit·s·diebstahl

gewohnheitsdiebstahl , m. , vgl.: im besonderen hat das österr. strafgesetzbuch scharf zwischen gewohnheitsdiebstahl und zweitem rückfall un…

gewohnheitsessen

DWB

gewohnheit·sessen

gewohnheitsessen , n. , vgl.: die unwissenheit war truchsesz und trug etliche gemeine gewohnheitsessen auf, als: fleischesgelüsten, unrechts…

gewohnheitsflechse

DWB

gewohnheit·s·flechse

gewohnheitsflechse , f. , vgl.: vielleicht wir alle hielten die bande, die ihn mit Flamin verschlangen, für dünne wenige fibern oder unempfi…

gewohnheitsformel

DWB

gewohnheit·s·formel

gewohnheitsformel , f. , vgl.: wenn nicht blosz das gleichgültige wiederhohlen einer todten gewohnheitsformel darunter ( unter dem glauben )…

gewohnheitsgefühl

DWB

gewohnheit·s·gefuehl

gewohnheitsgefühl , n. , vgl.: der erste begriff einer neuen natur-entdeckung dagegen verletzt nicht selten mitten durchschneidend dieses zu…

gewohnheitsglaube

DWB

gewohnheit·s·glaube

gewohnheitsglaube , m. , vgl.: der todte gewohnheitsglauben der ganz gedankenlosen Fr. Schlegel ( gesch. d. alten u. neuen lit. 14 ) 2, 157.

gewohnheitsleben

DWB

gewohnheit·s·leben

gewohnheitsleben , n. , vgl.: da aber der mensch ein thier der geselligkeit ist ... weil er eines andern nicht zum schutz, zur hülfe, zur ze…

gewohnheitsliebe

DWB

gewohnheit·s·liebe

gewohnheitsliebe , f. , vgl.: überdem erzeugt die unglückliche zerteilung durch den blinden zufall (welche träge gewohnheitsliebe fortdauern…

Ableitungen von gewohn (3 von 3)

gewohne

GWB

gewohne nach DWb 4.1.3,6470 “mit dem 18.jahrh. aus der schriftsprache verdrängt” historisierend für ‘gewohnt’ [ Erste Zigeunerin: ] Ist das …

ungewohn

DWB

ungewohn , adj. , gth. v. gewohn I, seit dem 17. jh. schriftsprachlich veraltet und durch ungewöhnlich, ungewöhnt ersetzt. an. úvanr; schwed…

ungewohn(e)

DWB

ungewohn(e) , f. , gth. v. gewohn(e) II, ungewohntheit: ungewöne Zimm. chr. 3, 198, 25. an. úvani; schwed. ovana; dän. uvane; ags. ungewuna;…