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gewohnheitlich

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gewohnheitlich

Bd. 6, Sp. 6584
gewohnheitlich , adjectiv, ableitung vom vorhergehenden substantiv, tritt in die lücke ein, die die neuere entwicklung von gewöhnlich (s. d.) mehr und mehr bloszlegt, wird aber durch die erfolgreichere bildung gewohnheitsmäszig (s. 2) hier wieder zurückgedrängt. noch weniger erfolg hatte gewohnheitsartig (s. 3). 11) für gewohnheitlich hat Sanders 3, 1653a eine reihe von belegen aus den romanen H. Königs, einen auch aus A. Stahr beigebracht: er fand kein rechtes — nicht einmal ein leeres, gewohnheitliches wort, sondern nur ein erzwungenes lächeln H. König die clubisten in Mainz (4, 16) 2, 151; es war ein gewohnheitlicher ausruf der verwunderung dtsch. familien 1, 339; der mensch als naturwesen, als zuständlicher, mit seinem alltäglichen behaben, seinem gewohnheitlichen thun, seinen bedürfnissen und seiner arbeit, seinen verschiedenen kulturformen, sitten und bräuchen A. Stahr nach fünf jahren 2, 168; im hause wurde das katholische kirchenjahr ... nur gewohnheitlich befolgt H. König von SaalfeldAspern 1, 7. 22) gewohnheitsmässig zuerst bei Jahn belegt, erscheint viel in wissenschaftlicher darstellung, während das verwandte gewohnheitsgemäsz keinen erfolg hatte, vgl.: der thäter musz sich als ein gefährlicher dem betruge gewohnheitsgemäsz ergebener verbrecher darstellen Stenglein zeitschr. f. gesetzgebung und rechtspflege des königr. Bayern 4 (1858) 563; gegen: eine besondere bestimmung findet sich noch über die hehlerei, welche gewohnheitsmässig betrieben wird (§ 239). in dem entwurf von 1843 war für die bestimmung noch eine andere fassung gewählt ... gewerbmässiger hehler ... später wurde beschlossen, um sich dem rheinischen rechte anzunähern ... statt 'gewerbmässig' den ausdruck gewohnheitsmässig zu gebrauchen G. Beseler kommentar über d. strafgesetzbuch f. d. preusz. staaten (1851) 454 (vgl. auch den entwurf von 1836 für d. preusz. strafgesetzbuch § 565); vgl.: wer gewohnheitsmässig oder aus eigennutz durch seine vermittelung oder durch gewährung oder verschaffung von gelegenheit der unzucht vorschub leistet strafgesetzbuch für d. deutsche reich § 180; wer die hehlerei gewerbs- oder gewohnheitsmässig betreibt § 260; vgl. auch § 150; 'gewohnheitsmässig' bezeichnet öfteres handeln mit der neigung der wiederholung Rüdorff-Stenglein strafgesetzbuch f. d. deutsche reich (1881) s. 385; ähnlich Olshausen zu § 150; vgl. 'gewohnheitsmässig' ist diejenige eigenschaft eines menschen, kraft welcher er unter gleichen verhältnissen in gleicher weise handelt Rubo zu § 150. wie die belege zum strafgesetzbuch schon zeigen, sind hier auch die adverbialen verwendungen mehr entwickelt; auszerdem wird auch die substantivableitung hier viel gebraucht. 2@aa) die blosse wiederholung desselben verbrechens oder vergehens macht aber auch noch nicht das wesen der gewerbs- oder gewohnheitsmässigen verübung aus, wenn sie auch zunächst ... oft das einzig sichere kennzeichen derselben ist ... die wiederholung ... in einer gewissen regelmässigkeit ... die verknüpfung derselben mit dem ganzen leben und treiben des thäters ist als das wesentliche merkmal einer solchen verübung zu bezeichnen Beseler s. 454; die lehre von den gewerbs- und gewohnheitsmässigen verbrechen ist bis jetzt noch wenig bearbeitet worden A. Dochow zur lehre von dem gewerbs- und gewohnheitsmäszigen verbrechen (1871) s. gewohnheitsverbrechen; die gewohnheitsmässige handlung ist kein mechanischer vorgang wie das thun des dressierten thieres; auch die gewohnheitsmässige handlung ist eine gewollte, die willensrichtung ist aber durch den zustand des selbstgefühls beeinfluszt A. Bozi bekämpfung des gewohnheitsverbrechens (1895) s. 19; das gewohnheitsmässige verbrechen. es liegt vor, wenn infolge wiederholter begehung die triebkraft des verbrecherischen reizes verstärkt, die widerstandskraft geschmälert ist v. Liszt dtsch. strafrecht18 § 56; anklage und beweis musste dabei stets auf qualifizirte landschädlichkeit gerichtet sein, d. h. auf die gewohnheitsmässige verübung so schwerer ... verbrechen seitens des beklagten, dass die verhängung der todesstrafe begründet schien C. v. Zallinger das verfahren gegen die landschädlichen leute s. 226; freilich meldete der militärattaché in solchen briefen alles, was der russische kaiser in dem gewohnheitsmäszigen vertraulichen verkehre am hofe mit ihm gesprochen hatte Bismarck ged. u. erinn. (28, 1) 2, 212/3; dieser name (sittenbild) ist allerdings insofern bezeichnender, als darin das gewohnheitsmässige und zuständliche ausgedrückt ist, welches im genrebild die wesentliche grundlage bildet. der name genre und genrebild bezeichnet dagegen wieder besser das gattungsmässige, allgemeine, menschlichen daseins Ad. Stahr nach fünf jahren 2, 168; eine offene frage, die bei der jugend der reichsgesetzgebung noch kein praktisches interesse hat; gewohnheitsmässige fortbildung der institutionen des reichs findet jedoch unverkennbar statt H. Dernburg lehrbuch d. preusz. privatrechts (§ 21) 15, 41; aber selbst da, wo sich die schöffenverfassung noch erhielt, erschienen die ungelehrten urteiler gegenüber dem rechtskundigen richter ... nur noch als gewohnheitsmässiges beiwerk ohne selbständige bedeutung R. Schroeder dtsch. rechtsgesch.5, 811. 2@bb) unmöglich kann es doch nunmehr noch einen solchen zitterling und solche bebende espenseele geben, die sich immer in einem fort gewohnheitsmäszig nachfürchten F. L. Jahn 2, 1, 264; in einer gewohnheitsmässig ausgeprägten form Mommsen m. gesch. 12, 15; frondeur ist doch immer nur der gewohnheitsmäszig unzufriedene Th. Fontane (der Stechlin 13) 1, 10 s. 172; nicht minder verschieden sind die für die gewerbs- und gewohnheitsmässig begangenen verbrechen festgesetzten strafen A. Dochow s. 3. 2@cc) in einigen strafgesetzbüchern findet sich nur der eine von den beiden ausdrücken, entweder nur die gewerbsmässigkeit oder nur die gewohnheitsmässigkeit s. 1; bei der criminellen verwerthung der begriffe gewerbs-, geschäfts- und gewohnheitsmässig würde also massgebend sein: der in dem verhalten des verbrechers zu tage tretende böse, d. h. gesetzwidrige wille, welcher sich bei der gewerbsmässigkeit in der gewinnsüchtigen absicht, verbunden mit der der wiederholung, bei der geschäftsmässigkeit in der absicht und bei der gewohnheitsmässigkeit in der neigung zeigt, die verbotene thätigkeit zu erneuern v. Lilienthal lehre von den collektivdelikten s. 44; dazu vgl. auch Oppenhoff das strafgesetzbuch f. d. dtsch. reich13, 368 u. a. 33) bei Herder taucht vorübergehend auch gewohnheitsartig und im gleichen zusammenhange gewohnheitartig auf: jene natürliche fähigkeit, das schöne zu empfinden, jenes genie, das durch übung zur zweiten natur geworden, wie würkts? in den gränzen des gewohnheitartigen, in verworrenen, aber desto lebhaftern ideen, kurz als eine fertigkeit des schönen ... die künstliche aesthetik oder die wissenschaft des schönen setzt die vorige voraus; aber gar nicht auf demselben wege fort; ja sie hat gar das gegentheil zum geschäfte. eben das gewohnheitsartige, was dort schöne natur war, löset sie, so viel an ihr ist, auf, und zerstörts gleichsam in demselben augenblick Herder (kritische wälder 4, 4) 4, 23.
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    Neuhochdeutsch
    gewohnheitlich

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    gewohnheitlich , adjectiv, ableitung vom vorhergehenden substantiv, tritt in die lücke ein, die die neuere entwicklung v…

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Ableitung von gewohnheitlich 3 Analysen

ge- + wohnheit + -lich

gewohnheitlich leitet sich vom Lemma wohnheit ab mit Präfix ge-, mit Suffix -lich.

Alternativen: ge-+wohnen+-heit+-lich gewohnheit+-lich

Keine Komposita gefunden — gewohnheitlich kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

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Cotta, M. (2026). „gewohnheitlich". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 17. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gewohnheitlich/dwb?formid=G15121
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Cotta, Marcel. „gewohnheitlich". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gewohnheitlich/dwb?formid=G15121. Abgerufen 17. May 2026.
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Cotta, Marcel. „gewohnheitlich". lautwandel.de. Zugegriffen 17. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gewohnheitlich/dwb?formid=G15121.
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