gewohn,
gewohne I,
adjectiv, neuhochdeutsche —
aber mit dem 18.
jahrh. aus der schriftsprache verdrängte —
entsprechung für die alte grundform zu der weitverzweigten sippe, die in den bildungen gewohnen,
gewohnt, gewohnheit, gewöhnlich
und —
mit ablaut — gewenen (
s. gewöhnen, gewöhnt)
für den deutschen wortschatz so bedeutsam wurde. 11)
abstammung und entwicklung, statistik, formen. 1@aa)
die ersten anhaltspunkte weisen auf fremdsprachlichen einflusz, von dem die meisten glieder der sippe immer wieder getragen werden. formen wie das lat. solebat, solitus est (
εἰώθει),
scheinen bei den germanischen übersetzern geistlicher texte, vor allem des neuen testamentes, zunächst keine gebrauchsbereite entsprechung vorgefunden zu haben. die umprägungen zeigen eine wortverbindung an stelle des fremdsprachlichen verbums, und zum ersatz des fremden substantivs (
lat. consuetudo)
wird aus dem nominalen bestandteil der wortverbindung ein germanisches substantiv erst abgeleitet. das gilt für Ulfilas ebenso gut wie für die althochdeutschen übersetzer und deren germanische genossen, obwohl das wortmaterial ganz und gar verschieden ist, das beide gruppen in den dienst stellen: and dulþ þan hvarjoh biuhts was sa kindins fraletan ainana Ulfilas
Matth. 27, 15 (
κατὰ δὲ ἑορτὴν εἰώθει ὁ ἡγεμών,
consuerat dimittere populo, was giwon ther grauo ʒe forlaʒʒanne einan themo folke
Tatian 199, 1 [
im ahd. Matthäusevangel. lücke, die aber ähnlich zu ergänzen ist, angelsächsisch vgl. gewuna waes se graefa. Bosworth-Toller 471 ]; der richter hat gewonheit Mentel; hatte der landpfleger gewonet Luther); iþ ist biuhti iʒwis ei ainana iʒwis fraletau in pascha Ulfilas
Johannes 18, 39 (
ἐστιν δὲ συνήθεια,
est consuetudo, ist mit iu giwona thar ih iu einan forlaʒʒe
Tatian 199, 3; es ist gewonheit Mentel; ir habt aber eine gewonheit Luther)
u. a. 1@a@aα)
für das gotische biuhts
wie für die westgermanische sippe von giwon
pflegt man gleichartige bedeutungsentwicklung anzunehmen, bei dem gotischen uhts
wird auf altindisch úcyati (findet gefallen an etwas, ist gewohnt), ókas (behagen, gefallen, wohnstätte)
hingewiesen s. Uhlenbeck
2, 29.
bei gewon
springen noch heute geläufige deutsche formen ins auge: wohnen, wohnung, wohnstätte;
vgl. Buttmann
lexilogus 1, 291;
vgl. ztschr. f. vergl. sprachforschung 13, 108.
es fragt sich einerseits, ob die bedeutungsunterschiede, die wir heute mit wohnen
und gewohnt sein
verbinden, die stufenfolge der entwicklung für gewon
kennzeichnen. E. Windisch (
indogerm. forschungen 3, 77)
hat zu diesem bedeutungsübergang aus dem altirischen und griechischen, Mehringer (
ebenda 16, 182)
aus dem lateinischen parallelen beigebracht. nun ist aber anzunehmen, dasz unser wohnen
bereits einen secundär verengerten begriff darstellt, und dasz die bindung an bestimmte räumlichkeiten, die für diesen begriff entscheidend ist, der grundbedeutung noch ferner lag. darauf deuten die formen des ältern gebrauchs von wonen,
die bei der abgrenzung von gewohnen
ausführlicher besprochen sind (
s. u.).
darnach brauchen wendungen wie die folgenden nicht aus übertragung des wohnbegriffes gedeutet zu werden, sie können unmittelbar von älterem gebrauche abzweigen: ob ir min bibot haltet, thanne wonet ir in minern minnu sosih mines fater bibot behielt inti wonen in sineru minnu
Tatian 167, 9 (manebitis, maneo
Johannes 15, 10; sijuþ ... wisa Ulfilas; so bleibet ir in meiner liebe, gleich wie ich ... bleibe in seiner Luther);
u. a.; auch die vom heutigen sprachgebrauch ganz an den wohnbegriff angelehnte folgende stelle erhält so eine andere beleuchtung: noh in huse ni giwoneta, ouh in grebirun
Tatian 53, 3 (
neque in domo manebat Lucas 8, 27; ni gawas,
οὐκ ἔμενεν Ulfilas; bleib in meinem hause Luther).
andererseits ist weder mit der priorität von manere
noch mit der von habitare
die grundbedeutung von wohnen
selbst erschlossen. die ältere auffassung sucht diese in der vorstellung des behagens,
die ja auch dem gothischen biuhts
nicht fremd ist und die zu einem vertraut sein
und verharren
ebensogut überleiten konnte, wie zu der engeren und bestimmteren bedeutung des wohnens.
ein besonderer stützpunkt dieser erklärung liegt in dem gothischen belege, der als einziger aus der sprache des Ulfilas für unsere sippe erhalten ist: unte gairnjands was allaiʒe iʒwara jah unwunands (
ἐπιποθῶν ἦν καὶ ἀδημονῶν)
Philipper 2, 26 (er begert euch all: und was traurig Mentel; und war hoch bekümert Luther);
dazu vgl. das adjectiv wonodsam
im Heliand: thea môtun thâr an Abrahâmes endi an Isaâkes sô self ... barmun restian endi bêðiu getholôian, welon endi willeon, endi wonodsam lîf, gôd lioht mid gode. 2137
Heyne; vgl. auch 1098.
auch die allitterirende formel wonôn an willeon (1936
u. a.)
weist in den gleichen zusammenhang, der überdiesz durch unsere bildungen wonne
und wunsch
noch heute erhellt wird. dazu vgl. das ältere, unserem gewöhnen (wenen)
nach der ablautstufe näherstehende wini,
das mit dem lateinischen Venus
auch begrifflich übereinstimmt, vgl. altind. vánah, verlangen, lieblichkeit;
avest. vanaiti ... wünscht, erfleht,
s. Kluge7, 498, 9; Uhlenbeck, Faist
u. a., vgl. auch Walde
2, 818.
eine andere auffassung vertritt Mehringer,
der (
ztschr. f. vgl. sprachforschung 40, 232;
indogerm. forsch. 16, 179)
an einer solchen grundbedeutung die sinnliche bestimmtheit vermiszt, die er den wurzeln gern zu grunde legt. er knüpft bei der wurzel wen
an ein entsprechend benanntes spitzes werkzeug an, mit dem die erde aufgebrochen wurde, und kommt so zu einer bedeutung, die sich ebenso gut in der richtung des kampfes und des begehrens (
vgl. auch gewinnen),
entwickelte, wie sie andererseits auf rein sinnlichem gebiet von der vorstellung des ackerns aus zu der des wohnens,
der seszhaftmachung beim landbau vorschritte. eine bestechende deutung, die aber unter andern schwierigkeiten auch mit der thatsache zu kämpfen hat, dasz eben dieser begriff der seszhaftigkeit in die ältesten belege für wohnen
mehr erst durch uns hineingetragen erscheint (
das nähere siehe bei gewohnen). 1@a@bβ)
das adjectiv, das aus den althochdeutschen denkmälern in den formen kiwon (
Junische glossen), chiwon (Isidor), giwon (Tatian, Otfrid), gewon (
und quon Notker)
überliefert ist, hat im skand. und in den westgerman. sprachen directe entsprechungen: altisl. vanr,
altsächsisch mit schwacher flexion gewono
und enger an das gothische verbum sich anlehnend gewuno (
vgl. van Helten,
indogerm. forsch. 5, 186);
angels. gewuna (
s. o.);
auszergermanisch vgl. dazu das altirische fonn
s. Stokes
in Kuhns zeitschrift 41, 385
ff. zu der substantivableitung giwona (
alts. gewono) gewone,
die durch das compositum gewohnheit
rasch verdrängt wird s. gewohn II. —
während das mittelniederl. sowohl für das adjectiv (
vgl.gewone sin
im sinne von wohnhaftig sein
und von beiwohnen Verwijs
u. Verdam 2, 1924. 1925)
wie auch für das subst. (gewone = umgang 2, 1926)
allgemeinere und ältere verwendungen neben der von solitus, consuetudo belegen läszt, haben sich diese im deutschen am verbum erhalten, sind aber auch hier jetzt auf die einfache form desselben beschränkt (
zur bedeutung von habitare
bei gewonen
s. sp. 6483). 1@a@b@11))
die eigentliche gebrauchsform des adjectivs liegt für die althochdeutsche periode in der prädicativen verbindung mit dem verbum substantivum: 1@a@b@1@aa))
der lateinischen verbindung von solere
mit einem infinitiv entsprechend überwiegen hierbei constructionen mit einfachem infinitiv, später dem inf. mit zu: dher chiwon was fona dheru chiriihhum nama ardhinsan,
qui solebat ab ea rapere praedam Isidor
cap. 9 § 8
Hench s. 42
genau so (§ 10)
s. 43; dher ... chiwon ist fona himile nidharquheman,
descendere solitus est (
cap. 3 § 6)
s. 10; thar westa selbo Judasthaʒ druhtin thes giwon was thaʒ er ofto tharaingiwon was gangan mit in. Otfrid 4, 16, 10
vgl. auch (
s. u.) 1, 17, 43; thuo hie im an thena hôhan giwêt Olivêti-berg.thâr was hie up giwuno gangan mid is jungron; that wissa Jûdas wel balo-hûdig man, hwand hie was oft an them berege mid im.
Heliand 4721
Heyne; hic quondam liber assuetus aperto caelo ire in aetherios meatus, tiser was kewon dencken an die himel-ferte Notker
Boeth. s. Hattemer 3, 20
a; aber in demo Jovis statahûs, ih meino in sînemo forziehe, dâr die lîute guon sint ze-stânne
Mart. Cap. (
Hatt. 3, 298
a;
desgl. 3, 273
a; 272
b; 3, 333
b; 334
a)
u. a. 1@a@b@1@bb))
in den poetischen denkmälern wird die fügung nach mancherlei richtungen um- und weitergebildet: 1@a@b@1@b@aα))
für Otfrid
bot das adjectiv ein bequemes reimwort sowohl in der eigenen lautgestalt als auch in den verbalformen, die es begleiten (sibbon ... giwon 3, 15, 15; 3, 10, 7
u. a.; thaʒ ... giwon was 2, 12, 51; 3, 8, 32; fergon ... giwon
an Hartm. 149
u. a.).
die zahlreichen belege, die ihm entnommen sind, lassen neben dem ersten zeugnisz für unpersönliches subject (so ther sterro giwon was queman 1, 17, 43)
namentlich ganze sätze an die stelle des infinitivs treten, auf die dann im hauptsatze gern durch pronominalformen (
im genetiv)
oder vergleichungspartikeln bezug genommen wird: nu ir birut thes giwon, ir fruma gebet kindon 2, 22, 37; si buent mit giziugon(ioh warun io thes giwon) in quatemo lante 1, 1, 65;
ähnl. 5, 23, 121;
an Hartmut 163;
vgl. auch 4, 16, 9; zen wihin zitin fuarun, so siu giwon warun 1, 22, 5;
desgl. 3, 10, 7; 3, 15, 15
u. a. 1@a@b@1@b@bβ))
im Heliand andererseits leitet diese satzerweiterung des objectes schon zu vorgängen weiter, die nicht in der willenssphäre des subjectes ihren ursprung haben: thô bigunnun an irô hugi wundrôn megin-folk mikil; gehôrdun mahtiges godes lioblîka lêra.ne wârun an themu lande gewuno, that sie êo fan sulîkun êr seggean gehôrdin wordun efdo werkun.
Heliand 1829
Heyne; 1@a@b@22))
auszerhalb dieser verbindung mit dem verbum substantivum ist das adjectiv, abgesehen von den glossen (
solito, kiwonemu Steinmeyer-Sievers 1, 291,
solitus, gewoner 4, 160),
einmal aus dem Heliand belegt, in appositioneller stellung, und mit bezug auf ein concretes object: that is mêra thing, than man hir an erðu ôdag libbea, werold—skattes gewono. 1643;
ebenso (
mit abhängigem inf. bei subjectiver bethätigung) Notker (
Mart. Capella) 3, 334
a Hattemer. die attributive anlehnung an substantiva ist erst aus der letzten zeit der althochd. periode, aus Notker,
belegt und scheint hier noch ausschlieszlicher als jetzt im träger des attributes das object des zu grunde liegenden vorgangs zu treffen: unde doh sie fone gewonên slegen iro meister furchtên,
soliti pati verbera Notker (
Boeth.) 3, 102; daʒ si ioh etewaʒ iro guonun hartûn intlâʒeniu den lîchamen erscutta (
Marc. Capella) 3, 282
b.
u. a.; fraglicher könnte erscheinen: sament Apolline sindota diu gewona manigi dero Musarum 285
a,
doch liegt auch dieser stelle die anlehnung an das object zu grunde. mit dem subject des gewohnheitsbegriffes verbindet Notker
das participiale adjectiv zu gewenen (
s.gewöhnt
unter gewöhnen): iro geweneten ougen dero finstri 3, 185
b. 1@a@b@33))
mit der gleichen wendung gegen das object ist auch das substantivirte adjectiv (
dagegen s. gewohn II)
vereinzelt bei Notker
belegt: toh keskihet etewenne daʒ seltsânera, also ungrâwî ist in altemo unde wirt ʒe leibo daʒ kewona, so diu grâwî ist in altemo Notker
de interpretatione (
Hatt. 3, 488
a). 1@a@b@44))
die beiden bedeutungsrichtungen, die sich je nach der erfassung des subjects oder objects im deutschen wie im lateinischen ergeben, treten sich auch in Notkers
belegen für das negierte adjectiv gegenüber, das er ebenfalls attributiv gebraucht: vgl. wanda er arbeite sô ungewon ist.
omnis adversitatis insolens (
Boethius) 3, 66
b,
Hattemer gegen: ercham sih tô der driu houbet habento turowart. sus ungewones sanges,
illectus novo carmine 159
a. 1@a@gγ)
die ansätze, die in den obigen belegen auf abweichungen vom normaltypus und auf lockerung des fremdsprachlichen einflusses wiesen, haben sich in der mittelhochdeutschen dichtung nach den verschiedensten richtungen weiter entwickelt (
zu den formellen unterschieden s. u. b, γ).
die fülle von belegen, die namentlich in der reimbindung von gewon (
ebenso häufig von ungewon)
mit von
zu tage tritt, ist schon von C. Kraus (
abhandl. z. germ. phil. 161;
vgl. auch Zwierzina (
ztschr. f. d. a. 44, 5)
auf den einflusz Hartmans
zurückgeführt und dabei auf den gegensatz zu Wolfram
verwiesen worden, der unser adjectiv nicht belegen läszt (
zum subst. s. gewon II). 1@a@g@11))
fast ganz verdrängt ist hier die älteste gebrauchsform, die verbindung mit infinitiven —
um so bemerkenswerther, weil im übergang zur neuhochdeutschen periode (
s. u.)
die prosa diese fügung im vollen umfang wieder erstehen läszt. 1@a@g@1@aa))
der einzige infinitivbeleg dieser zeit weist in die prosa: eʒ sie umbe eigin oder umbe erbe ... oder umbe swelhrehande ding der rat zuo Straszburg gewon ist zuo rihtende
Augsburger rathsbeschlusz v. 1283
s. dtsch. städtechron. 9, 951. 1@a@g@1@bb))
substantivsätze —
mit und ohne pronominalen vertreter im hauptsatze —
sind an der stelle des objects zumeist aus dem ausgange der mittelhochd. zeit belegt: 1@a@g@1@b@aα)) ich han den sit und bin gewon, daz ich der besten aht .. Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Oesterreich 5416
Regel; ähnl. 6182; Nicolaus v. Jeroschin 6198;
vgl. auch meister Stephan
schachbuch v. 1022
Schlüter. 1@a@g@1@b@bβ)) swâ daz swîn vant eine wurz, si wære lanc oder kurz, dâ jagete er ez balde von (
der sohn des reichen manns) und az sî. des was er gewon, daz er der spîse nerte sich. Rudolf v. Ems
Barlaam 107, 32
Pfeiffer; ganz ähnlich: guter Gerhart 920
Haupt; und wollet lazen nicht davon. des selben waren ouch gewon uwer vetere bi ir tagen, daz ir billich soldet klagen. propheten und wissagen die haben si mit leide erslagen.
passional 39, 70
Köpke; von den werden Swaben wart ritterlich gevohten, in wapen si wol mohten wern, des sint si gewon. Johann v. Würzburg,
Wilhelm v. Oesterreich 17559
Regel; desgl. pred. 1, 113
Schönbach; Jetro sprach minnichlichen wie sie so schiere chomen des si gewon nine waeren?
Milstäter exodus 124, 10
Diemer; .., das man ze fuessen mit in vechten scholt, des di Franci niht gewan waren Andreas v. Regensburg (
chron. v. d. fürsten zu Bayern) 613 Leidinger (
insolitum); giengen die zwen (
Rudolf von Habsburg und sein begleiter) herren ze fuosz, des si nit gewon warendt
Züricher chron. (23)
s. 28
Dierauer. 1@a@g@1@cc))
vergleichssätze: du biutest im den bechaere so du e gewon waere.
Milstäter genesis 81, 9
Diemer; ebenso 133, 15; ich diene iu gerne dâvon als ich unz her bin gewon. der Stricker
Daniel 8384
Rosenhagen; ganz ähnlich Jüdel 60
Hahn; Ottokar 28563
Seemüller; passional 32, 9
Köpke; dazu vgl. niederdeutsche parallelen bei Schiller-Lübben 2, 106; hiute ist der dritte tach daʒ ich reden nine mach, min zunge ist traegaere danne ich gewon waere.
Milstäter exodus 129, 24
Diemer; er began in (
sinen muot) sêre arbeiten und in sîn leben leiten anders, danne er waere gewon. Rudolf v. Ems
Barlaam 150, 17
Pfeiffer. 1@a@g@22))
in solchen wendungen liegen dem object meist vorgänge zu grunde, die in der sphäre des subjects wurzeln. ausnahmen sind hier selten und zunächst aus Walther
belegt: ein sælic wîp diu tuot des niht: diu merket guotes mannes site: dâ scheidet si die bœsen von. sô ist ein tumbiu sô gewon daz ir ein tumber volget mite. 96, 27
Lachmann; in dürstet sêre nâ
Ch der lêre als er von Rôme was gewon. 75.
andere pflegen in diesem falle die person näher zu kennzeichnen, an der die erscheinung wahrgenommen wird: dar under sîn wir gewon an wîben die mit êren lebent ... diu einen guoten friunt hât, daz sî der andern habe rât. Hartmann 2.
Büchlein 706
Haupt; ebenso Nicol. v. Jeroschin 6198; sô was ich des an dir gewon, daz du mir helfest wol dâ von.
Tristan als mönch 2066
Paul; desgl. Heinrich von Neustadt
Apoll. 1903; wan das man in truren sach ... dikke und dikker hie von danne ieman wäre an in gewon. Rudolf v. Ems
Willehalm 4124 (
zum acc. vgl. auch 4189).
von diesen ausnahmen abgesehen wird das object, das von auszen her an den träger der übung herantritt, in der form des substantivs in den satz gezogen und dann sind solche persönliche präpositionalverbindungen seltener; si waren siges an im gewon do schiet abe in da von sin unreht und sin hochvart. Wirnt
Wigalois 3003
Benecke; ... was wierret dir das du so trurecliche lebest ... ... wir warent frovde an dich gewon wer het geschaiden dich da von? Rudolf v. Ems
Willehalm 4189.
beim substantivobjecte herrscht fast unbeschränkt der genetiv, erst im ausgang der periode tritt vereinzelte präpositionalverbindung ein: und seht uwer bruder Symon den weiz ich einen man gewon von gutem rate den er hat.
buch der Maccabäer 1992
Helm. 1@a@g@2@aa))
das substantiv kennzeichnet concreta oder vorgänge, die das subject an andern beobachtet: den kerkenêre man uf brach, darîn schein dô der tac. schîre kam in daz liecht, des newârin sie gewone niecht.
könig Rother 2426 (
Bahder); wan ich des berges niht ensihe, des ich nû lange was gewon. wâ lît der hôhe Pêlîon? Konrad v. Würzburg
troj. krieg 24179
Keller; wan si wurden von dem wein als kint und torlein. das kam alles da von: sie waren weines nicht gewann. Heinrich v. Neustadt
Apollonius 3672
Singer; vgl. auch (
s. u.)
Barlaam 107, 32;
dazu vgl. niederdeutsche belege bei Schiller-Lübben
a. a. o.: (spise)
Lüb. chron. 2, 73; (funcken) Tunnic.
no. 937; sine sint der antworte nicht gewone, die du tôs manigen boten vore.
könig Rother 262 (
Bahder); du magst wol gar zornig sein? wie komet das? oder wa von? ich pein sein an dir niht gewan. Heinrich v. Neustadt
Apollonius 1903; daz ros stiez er dâmite sô sêre an die sîten, daz ez sich in kurzen zîten überwarf wol drî stunt. Daniel was ungesunt vil nâch worden dâvon. er was der stürze niht gewon. der Stricker
Daniel 2836
Rosenhagen; nû sît ir schaden wol gewon
maere v. feldbauer 264
Pfeiffer. 1@a@g@2@bb))
wo das substantiv vorgänge kennzeichnet, die innerhalb des subjectes sich wiederholen, liegt doch ihr ausgangspunkt meist auszerhalb: du muoszt lidens werden so gewon, das du nit gaebist ain ainig bon ab ainem an das ander.
Christus u. d. minnende seele 823
Banz s. 300; nu was ein sein nachgebur wol den ersamen gelich, der vor des was gewesen rich und gutes lebenes gewon.
passional 7, 91
Köpke; dû bist der pfafheit gewon: nû enziuch dich niht dâ von. Hartmann
Greg. 1463
Paul; der ir iewederz nie gewan, rehte liep noch herzeleit, dem ist der munt niht sô gereit rehte ze sprechenne dâ von, sô dem der ir ist gewon. 794;
desgl. (liebes)
sogen. 2.
büchlein 61
Haupt; (
friuntschefte) Konr. v. Würzburg
troj. krieg 17728; (saelden)
Silvester 26; (hochzît) Stricker
Daniel 6373; (froüde) Rudolf v. Ems
Willehalm 4189; (kumbers) Hartman
Iwein 7798; (leides) Konrad
troj. krieg 11927; (der armuot) Hartmann
Iwein 6312; (dirre nôt) Konrad
Engelhard 5886;
umständlich und schwerfällig: sie schuofen daz vil manic man toetlicher swaere wart gewon.
troj. krieg 33789. 1@a@g@2@cc))
seltener liegt auch der ausgangspunkt im bereiche des subjects: daz er iender unvrô gegen eime hâre wurde dervon: wan er was lasters wol gewon.
Iwein 2642; (der valscheit) Konrad v. Würzburg,
Engelhard 173; (tugende)
troj. krieg 12079; (der true)
altes passional 370, 20; (dienstes) 173, 96; (der mildicheit)
meister Stephan
schachbuch 2378
Schlüter; sîn leben begunde swachen von rehtem herzelachen: des er dâ vor was wol gewon dâ zôch er sich mit alle von. Gottfried
Tristan 949
Bechstein; ganz ähnlich Heinr. v.
d. Türlin
crone 22523;
altes passional 391, 42. 1@a@g@33))
die einbürgerung unpersönlicher subjecte (
vgl. Iwein 3031. 5789
bei ungewon)
macht fortschritte: sô gewinnet Baierlant hinnen vur niemer mêre die tugent unt die êre unt (
var. alse) iz bî mir gewon was.
kaiserchronik 7014
E. Schrader; ia, nu bekenne ich harte wol, daz ich bin leider sunden vol, der gewon min leben ist.
passional 404, 9
Köpke; der sezzel der was des gewon von sines maisters listen, ... ... an degenhait ain mannes helt, der maister was in eren schuol, so der gesezzen uf den stuol ... ... do gieng er ber sich enbor durch die linden este. Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 4976
Regel; als ist ez umb den diep gewan. Boner 10, 28 (
var. getân); ouch gab er ime Akaron mit allen deme daz gewon was umme und umme die stat, unde swaz ir zugehort hat.
buch der Maccabäer 5136
Helm. andererseits werden ebendort in das object personen eingeführt: den dritten nande man ouch do Judas Machabeus also, des vierden was man sus gewon ouch Eleazar Abaron der vumfte was genennet sus Jonathan ouch darzu Aphus. 1703. 1@a@g@44))
die attributiven verbindungen dagegen, obwohl sie bei Notker
schon angebahnt sind, werden in der mittelhochdeutschen dichtung wenig gepflegt. die spärlichen belege entstammen einem einzigen denkmal, und die varianten, die mit unserer form in wettbewerb treten, zeugen dafür, dasz der gebrauch nicht allgemein eingebürgert ist: Keiî sprach dar under mit spote nâch gewonem sit. Heinrich v.
d. Türlin
crone 23451
Scholl; dirre ritter, der dar kam kam niht gar nâch ritters art und nâch gewoner ritters vart. einen steinberc der ritter reit. 24733 (
var.: gewonten
s. u.) und uobten gewonez ritters spil 29159 (
var.: gewönlichen).
diese belege beschränken sich sämmtlich auf die anlehnung an das object. 1@bb)
im übergang zur neuhochdeutschen periode gewinnt die participialform gewont (
s.gewohnt unter gewohnen)
an boden, die schon in varianten zu mittelhochdeutschen texten auftritt und durch die unser adjectiv aus der schriftsprache später verdrängt wird: dô der künec Matûr des landes pflac, dô hâte er hôchzît allen tac; von diu sint sie hôchzît wol gewon (
var. gewonet). der Stricker
Daniel 6373
Rosenhagen; dazu vgl. gewonten
neben gewoner ritters vart
crone 24733; gewont
neben gewan, gewon
in Tristrant u. Isalde 45; 162; gewohnet (
in der neuauflage von 1660)
für gewon (
im original v. 1563) C. Forer
verdeutschung von C. Geszners thierbuch 43
a; 42
b. 1@b@aα)
so ist die bibelübersetzung schon vor Luther zur neuen form übergegangen, während das sprichwort noch einige der gangbaren wendungen in unserer form übermittelt hat: ... dasz man den anfengen widersteh, damit man nichts args gewone, dann jung gewon, alt thon S. Franck
sprichw. 2 (1541) 70
a;
das gleiche 83
a;
vgl. auch 1, 148
b;
dazu vgl.: smedes kinder sint der funcken wael gewoen Tunnic, nr. 937 (Schiller-Lübben a. a. o.);
gegen Schmidt haben der funcken gewohnt Lehman (1630) 316; schmids-chind sind der funke gwont (
schweiz.) Reinsberg-Düringsfeld 2, 180. 1@b@bβ)
die wörterbücher setzen schon bei Dasypodius
mit der form gewont
ein, unser adjectiv findet sich nur noch ganz vereinzelt: hoc illud his usu venire solet, ist gwon denen ze beschehen Cholinus-Frisius 1128
a; gewon sein, pflgen,
solere, suere Maaler 179
c; wie er gewon ist,
ut solet ebenda; gwon sein, in der gewonheit oder im brauch haben,
solere 201
c. 1@b@gγ)
dagegen lassen die buchungen die thatsache hervortreten, dasz die alte form, wo sie sich in der neueren sprache doch erhält, immer mehr mundartlichen charakter gewinnt. und da von den niederdeutschen mundarten aus der zäheste widerstand geleistet wird, so dringt von da aus auch die schwache form auf kosten der starken immer weiter vor. dagegen fallen andere differenzen der äuszern form weniger ins gewicht. 1@b@g@11))
der gegensatz der schwachen gegen die starke form: 1@b@g@1@aa))
die starke form gewon
herrscht für die alt- und mittelhochdeutsche periode vor und hält sich im übergang zum neuhochdeutschen am längsten in oberdeutschen denkmälern. dann kommt sie aber auch den betreffenden mundarten abhanden und wird dort nur in dem isolirten gebrauch des negirten ungewohn (
s. Martin
und Lienhart 2, 832;
vgl. unkwâ Winteler
Kerenzer mda. 55)
festgehalten. niederdeutsche texte (gewoen Tunnic.
nr. 937)
und buchungen (ghewoon,
consuetus Kilian 146
b)
zeigen nur vereinzelt starke form, vgl. gewôn ten Doornkaat Koolman 1, 625;
vgl. die spärlichen belege für gewon
bei Verwijs
u. Verdam
a. a. o. für's mittelniederl. bei dem mitteldeutschen Lessing
sind später beide formen, gewohne
und gewohn,
zu beobachten, was jedenfalls nicht zu gunsten der starken form zu deuten ist. 1@b@g@1@bb))
die schwache form, die schon aus dem Heliand belegt ist, erscheint auch im könig Rother 1426;
im hohen liede Bruns v. Schonebeck 3037
Fischer; desgleichen in den belegen bei Schiller-Lübben (
vgl. hier auch die formen gewanen, gewohnen
bei Kantzow).
dazu stimmt auch die kaum beschränkte vorherrschaft der form gewone
bei Verwijs
u. Verdam 2, 1924;
vgl. auch gewone Oudemans 2, 664.
in anderes gebiet weisen: gewone
altd. predigten 1, 113
Schönbach und die variante der Heidelberger handschrift (A)
zu Iwein 6322 (vone ... gewone);
auch das vorkommen in elsässischen denkmälern zeigt das vordringen nach süden: ze vil geflêhet das enfüget keinem man an dem man ist gewone daz er singen kan.
Kolmarer hdschr. LVII, 2
Bartsch s. 343; gwêne Halter
mundart v. Hagenau 155;
aus mitteldeutschem und niederdtsch. gebiet der neueren sprache vgl. gewohne in der handschrift zur Minna v. Barnhelm v. 1767
s. Lessing 2
3, 186; gewohne
neben gewohnt
und gewöhnt (ich bin es gewohne) Albrecht
Leipziger mundart 122
b; ich bin gewohne Trachsel
Berliner wörter 19; jewohne,
auch jewohnde H. Meyer
der richtige Berliner5 53
a; jewone, gewohnt Jecht
Mannsfelder mda. 42
a.
andererseits bucht Bauer-Collitz
für Waldeck nur formen, die zu gewohnt
stimmen, desgl. Mi
für Mecklenburg und Pommern, dsgl. das Bremische wörterbuch; vgl. auch Gerbet
für das Vogtländische. 1@b@g@22))
der stammvocal ist neben dem gebräuchlichen o
mehrmals auch als a
überliefert und zwar aus entgegengesetzten landschaften, wie auch die ursache verschieden ist (
s. auch bei gewohnen).
aus niederdeutschem gebiet gewanen Kantzow
in d. niederdeutsch. fassung d. chronik 198
gegen gewohnen
in d. hochd. 126
andererseits vgl.: gewan Andreas v. Regensburg 613; gewann Heinrich v. Neustadt
Apollonius 1903. 3672;
desgl. gewan
in var. Boner 10, 48;
Tristrant und Isalde 45.
andere differenzirungen stehen mit der quantität des vocals in beziehung: gewann
Apollonius a. a. o.; gewonnen
Zimmerische chronik 2, 585; gewonn 1, 423.
die neuere längebezeichnung ist zuerst in der hochdeutschen fassung von Kantzows
chronik v. Pommern belegt: strassenräuber, welche ... gewohnen weren alswo zuzugreifen
s. 126;
dazu vgl. gewohn Spee 103;
vgl.gewohn(e)
bei Lessing. 22)
die neuhochdeutsche periode setzt im 16.
jahrh. noch mit einem lebhaften verbrauch unseres adjectiv ein, aber bald wird es in der schriftsprache mehr und mehr durch gewohnt (
s. d.)
verdrängt. zur mundart s. o. 2@aa)
die verbindung mit dem verbum subst. steht noch immer im vordergrunde, mit ihr treten auch entsprechende andere hilfsverba kaum in wettbewerb, nur werden
ist einigemal bezeugt: 'was fehlt dir, liebe braut? mit weinen kanst nit freude schaffen. es ist nit so fehrlich zu schlaffen einr jungen diern bei einem man: du wirst desselben baldt gewon.' B. Waldis
Esopus (4, 16) 2, 48
Kurz; die ellipse des verbums subst., die bei gewohnt
später ungewöhnlich beliebt ist, läszt sich bei gewon
nur aus sprichwörtlichen wendungen belegen: es ligt vil dran, wie gewon was der jung lert, das thuot der alt. S.
Frank sprichw. (1541) 148
b; jung gewon, alt gethon (1545) 135
b,
s. u. 2@a@aα)
die satzerweiterung des objectes gehört noch immer den vorgängen an, die aus dem bereiche des subjectes hervorgehen, ausnahmen sind selten: davon Amelia erstlich erschrack; dann ie nit gewon was, das sie iemants so frü überlauffen solt Wickram (
v. guten und bösen nachbarn 29) 2, 192
Bolte; dasz ich mich nehren müszt gar in einem kleinen spalt sonst hettens mich gefangen baldt, dessen ich vor nit war gewon da ich in ställen umb thet gon. Fischart
flöhatz 115 (
neudr. 5, 7);
desgl. s. o.; B. Waldis
Esopus 4, 16; des morgens aber, als alles volck im hausz auffgestanden ist, hat weder meister noch frau ausz der kammern gewöllen gan, dasz man doch vor nie ann inn beiden gewon gewesen Wickram (
rollwagenbüchl. cap. 55) 3, 76
Bolte (
zum accusativ s. u.); und an sein arbeit wider gieng, und wercket wie er vor het than und die leut warn an jm gewon. B. Waldis
Esopus (4, 62) 2, 147
Kurz. allen anderen fällen liegt subjective bethätigung zu grunde. 2@a@a@11))
dabei nehmen die infinitivconstructionen, gegen die die mittelhochdeutsche periode ganz spröde war, in ungewöhnlichem grade zu, ein gegensatz, der deutlich auf dem unterschied zwischen der sprache der prosa und der der poesie beruht. und dieser zug der frühneuhochdeutschen poesie dürfte seinerseits wieder auf lateinischen einflusz zurückführen; denn die wenigen poetischen belege dieser zeit entstammen den übersetzungen aus dem latein: und die Franzosen sonderlich gewon sein, von einer mugken wegen ain geschrai anzufahen
Zimmerische chron. 3
2, 183;
und oft s. H.
Fischer schwäb. wb. 3, 637; die ohren, die jr den freients buoben, spilleüten und schalcksnarren gewon seit darzurecken S. Frank
mor. enc. 1
b;
ganz ähnlich weltbuch (1534) 6
a; was du gewon zuo schelten bist thuo nit das selb zü keiner frist. Sebast. Brant
verdeutsch. d. Cato 1, 175
f.; Zarncke
s. 133;
desgl. (zu verspotten) Wickram (
Albrechts Ovid 14.
cap. 84. 606) 8, 215; (zu essen milch) Fries
spiegel der artzney 34
b; das römisch volck wer gewon den überwundenen ... nach sein selbst willen zu gebieten Ringman
übers. des Cäsar 15
a;
s. C. Schmidt
Elsäss. wb.; wiszlich irfar er alle landt die kauffmanschatz und gewerbnisz handt die sind gwon zuo han allzitt was man dür oder wolfeill gitt. Seb. Brant
verdeutsch. d. Moretus v. 155; Zarncke
s. 143; die jungen seind gewon willig ihre ältern zuo ernOeren S. Frank
weltbuch (1534) 9
a; ire weiber so si hochzeit haben, seind gewon allen kummenden ... eines ieden willen zuo thuon 5
a u. a.; hat si ain andern weissen schlair .. bei beiden oren herabgehengkt tragen, wie ain abbtissin zuo sant Stephan gewon ist ze gan C. Sender
s. dtsch. städtechron. 23, 174;
desgl. (als er zuo thuon gewon was)
Ulmer verdeutsch. des decameron 62; und um die zeit, so man gen mittag gewon ist zuo essen, hat in ain rat der gefencknus ledig zelt Sender (
dtsch. städtechron. 23) 344; der papagei ... fantasien, damit er täglich gewon was umbzuogon .. für sich treiben thet Wickram (
Gabriotto cap. 21) 1, 244
Bolte; dasz die eszlin den somen nit wider von ir werffe, welches si gwon zuo thuon ist Forer
thierbuch (1563) 42
b (
in dem theil der übers., der noch v. Herold stammt; 1660: gewohnet ist). 2@a@a@22))
unter den sätzen, in die sich das object erweitert, treten die substantivsätze noch mehr zurück, während die vergleichssätze noch immer gepflegt werden: 2@a@a@2@aa)) bemelter pfaff war auch gewon, da im seine schuldner zu seim altar kamen und opferten, daz er zu zeiten von inen die schuldt anfordern dorft
Zimmerische chron. 4
2, 63; alle herren sindt dasz gewon, das si ir oren melken lon und horendt, was do ist erlogen, das si mit willen werden btrogen. Th. Murner
schelmenzunft (12, 9)
neudr. s. 23 (
zum accusativ s. u.); die alten waren des gewon, wo es in wolt gantz ubel gon, detent sie an einen sack und trurten manche stund und dag.
badenfahrt 4, 8
Martin; darzuo was selb Pygmalion an disem bildt gar offt gewon, das er das setzet uff sein schosz ... Wickram (
Albrechts Ovid 10
cap. 6
v. 457) 8, 57. 2@a@a@2@bb))
unter den vergleichssätzen treten die excipirenden ganz zurück, vgl.: iedoch so wurden si beide offt bleich und rot, heisz und kalt, und wurden dick verwandelet all ir geberde, weder si vor gewan warent
Tristrant u. Isalde 45
Pfaff (
var. gewont);
gegen: und dienet ir fleissiglich, als er dann vormals gewon was 162; da kam der dieb, als er gewon was, und staig auf den zaun
Gregors dialoge (
Augsburg 1473) 1.
cap. 7; du schimpfest kaiser (als du gewon bist) mit mir Niclas von Wyle
translationen 45
Keller; das doctor Hanns Rellinger ... ein fürnemer jureconsultus ... auch ein herliche person gewesen, mit ainem groszen har, als dann die alten gewonn gewesen
Zimmerische chron. 1
2, 423;
u. a. s. Fischer
schwäb. wb. a. a. o. Eneas als man wer gewon liesz mit der trummen ruffen schon. Murner
Virgilii Aen. bücher (1543) C 4
b s. Ch. Schmidt
Els. wb. 145
a; so hör nun was dir weiter zimpt so man die wüste deller nimpt. wie man gemeinklich ist gewon, so man ein new gericht will hon. C. Scheidt
übers. v. Dedekinds Grobianus v. 2943
neudr. 34, 89;
dazu vgl. die gerade hier ergiebigen belege für unpersönliches subj. (
s. u.)
aus S. Brant
s. Zarncke s. 154
b; Eberlin v. Günzburg 1, 138;
N. Thoman
Weiszenhorner historien (
Baumann 1, 208); Forer
fischbuch. 2@a@bβ)
für die einwirkungen von auszen herrscht noch immer die kategorie des substantivs vor; als ausnahme vgl. sobald sie (
die kinder) spilens seind gewon fahen sie an liegen und stelen. Wickram (
d. treue Eckart 11
v. 1056) 5, 101;
der objective genetiv wird dabei, neuhochdeutscher unempfindlichkeit gegen die casus entsprechend, vereinzelt durch den acc. verdrängt. 2@a@b@11))
die angliederung im genetiv: und bin des irrens und fAelgreiffens an allen menschen so gewon S. Frank
chronica (1531)
vorr. a y
b; als wenig die welt deiner sitten gwon ist, so wenig würt dir der welt weise gfallen Eberlin v. Günzburg (
wider den ... auszganng viler der klosterleut) 2, 131
Enders; si doch mit der zit so zam worden und gewon des evangelischen saltzes Zwingli
freih. d. speisen 3
neudr.; allein trinckt er gern an den trenckinen deren er gewon C. Forer
thierbuch nach C. Geszner (
Zürich 1563) 43
a (
in dem theil der übers., der v. Herold stammt; in d. ausg. v. 1660 gewohnet); das verwünschte dorf! ich kanns unmöglich wieder gewohnt (
hdschr. 1767: gewohne) werden Lessing (
Minna v. Barnhelm 1, 12) 2
3, 186
ebenso (gewohn) 3
3, 312. 2@a@b@22)) es hatten auch erstlich die seue für seim bellen besonder scheue, bis das sie das wurden gewon, da achten sies nicht um ein bon. G. Rollenhagen
froschmeuseler (2, 2, 12) 1, 284
Goedeke; ebenso (
s. o.) Wickram
rollwagenbüchlein cap. 55;
vgl. auch Th. Murner
schelmenzunft 12, 9;
dazu vgl. ik bün dat nêt gewôn ten Doornkaat Koolman 1, 625
a. 2@a@gγ)
in steigendem grade sind unpersönliche subjecte hier bevorzugt; 2@a@g@11))
weniger häufig handelt es sich um abstracte substantive, die zum theil durch personification in die stelle des subjects rücken: bisz (das) sie kam ... ... ann das vil hoch gbirg Caucason, doselbs der hunger was gewon zu hausen inn eim kalten loch. Wickram (
Albrechts Ovid 8,
cap. 12
v. 1188) 7, 383; nit hat er sich bewegen lon als das ror von dem wind ist gewon. Sebastian Brant (
auf Geilers tod)
s. narrenschiff 154
b Zarncke; vgl. auch (
Moretus 483)
s. 146 (
s. u.)
anders (
s. b); in alleme gewerbe sol uns Jhesus namme sin gewon
briefbuch v. Nicol. v. Laufen (
abschr. der briefe des gottesfreundes)
s. Ch. Schmidt
Els. wb. 145
a. 2@a@g@22))
die meisten belege entfallen auf einfache unpersönliche construction, die vielleicht auch (
mit acc. c. inf.)
vorliegt in: eim ungebruchten ist gewon dick schad usz seinem kriegen gon. Seb. Brant
verdeutsch. d. Moretus 483
s. Zarncke 146;
sicher hierher gehören: wann es was sunst nit gewon, das die andern übeltätter die crütz truogen ... aber zuo ainer besondern schmach thetten si das dem herrn, das er das crütz selbs muost tragen Geiler v. Keisersberg
schiff d. penitenz 93
c;
desgl. Murner
gauchmatt (1519) C 3
b; Capito
antwort (1524) K 1
b s. Ch. Schmidt 145
a; sust ists nit gwon in diser kuchen, das man allzit so gnuog mög han. Georg Binder
Acolastus (3, 4)
bei Baechtold schweiz. schausp. 1, 229; vor dem trinken wische man den mund ab ... dann es gewon ob disch ist, und ouch recht gethon S. Brant
de moribus .. mensae (1490) 65
b; was gewon ist, acht man destminder Zell
christl. verantw. (1523) C, 4
a;
s. Schmidt
a. a. o.; nu was irs vaters huse voll edler und unedler in mAvssen dann an der grossen fursten höfen gewon ist Niclas v. Wyle
translat. 80
Keller; auch wöllen wir ein wesen der wald prüder wie im land Wirtenberg gewon ist nit ab triben Eberlin v. Günzburg (12.
bundsgenosz) 1, 138
Enders; darnach am 30 tag decembris ward sein 30 begangen mit mer briestern, dan hie sent, mit vigil, selampt, wie zymlich und gwon ist, wart aber iedem 4 batzen geben und ain spent
N. Thoman
Weiszenhorner historie s. Baumann quellen 1, 208;
desgl. weisth. u. a. s. Fischer
schwäb. wb. a. a. o.; das gesaltzen fleisch, so neuwlich gsaltzen worden, ist nit arg ... das veraltet aber ist ser schädlich, als in allen andern sultzen gewon ist Forer
fischbuch 35
b (1563);
vgl.gewohnt und gewöhnlich. 2@bb)
auszerhalb der verbindung mit dem verbum substantivum und dessen concurrenzformen ist das adjectiv für die neuhochd. periode ganz verkümmert. der attributive gebrauch ist für die schriftsprache überhaupt nicht mehr belegt (
vgl. dagegen gewone lüe, gewöhnliche leute ten Doornkaat Koolman 1, 625
a),
ist aber für die erklärung einzelner der oben bei unpersönlichem substantiv belegten wendungen wohl vorauszusetzen vgl.: in unsern landen kein grösserer miszbruch gewon ist dann baden Fries
spiegel der artzney (1518) 56
b;
desgl. briefbuch des Nicol. v. Laufen
s. o.