jung,
adj. juvenis. goth. juggs (
compar. jûhiza);
alts. altnfr. jung;
niederl. jong;
fries. jung, jong;
ags. geong,
altengl. yong,
neuengl. young;
altnord. ûngr,
schwed. dän. ung;
ahd. mhd. junc.
die deutsche, schon seit den ältesten zeiten contrahierte form stimmt zu lat. juvencu - s
und zu sanskr. yuvaka - s
jüngling, welches von sanskr. yuvan,
lat. juven (juven-i-s)
abgeleitet ist, und zu sskr. yu
wehren gestellt wird, so dasz das adjectiv von dem begriffe der blühenden vollen kraft den ausgang seiner bedeutung nimmt (
vgl. Fick2 s. 159. 387). jung
wird gesagt 11)
von personen, die in der kindheit oder noch im blühenden alter stehen. man bestimmt wol die grenze dieses alters: juvenis ein junger man,
juvencula ein junges wip,
vir ein man drisigjerig.
voc. opt. 15
a, 17;
doch ist dieselbe im gewöhnlichen sprachgebrauche flüssig: ein junges kind, ein junger knabe, ein junges mädchen, eine junge frau; wir haben einen vater der ist alt, und einen jungen knaben in seinem alter geboren. 1
Mos. 44, 20; du hast einen jungen sohn.
1 Sam. 4, 20; der hatte einen sohn mit namen Saul, der war ein junger feiner mann. 9, 2; David samlet abermal alle junge manschaft in Israel.
2 Sam. 6, 1; du wirst .. jre junge manschaft mit dem schwert erwürgen, und jre junge kinder tödten.
2 kön. 8, 12; man suche dem könige junge schöne jungfrawen.
Esther 2, 2; der jungen witwen aber entschlahe dich.
1 Tim. 5, 11; als aber der junge Tobias seiner hochzeit halben lange auszen war.
Tob. 10, 1; die junge gesellen und jungfrauen. Fischart
bienk. 146
a; ein junger man kan neunmal verderben, und dennoch wiederumb genesen. Schottel 1129
a; o! das junge ding ist eben so unbedachtsam, als der alte vergeszlich ist. Lessing 2, 547, ein vortrefliches geschenk für ein junges mädchen. 455; eine unglückliche junge wittwe. 559; dieser junge mann, der sich Zahn nennt. Schiller
an Göthe 1, 18; ein junger herr,
junger mann von herrenmäszigem aussehen: lobt ihren neuen latz, schielt öfters auf ihr mieder, fast wie ein junger herr. Gellert 1, 132; ein junges herrchen,
ein stutzer; der junge herr
der sohn eines hauses im gegensatz zum vater, dem alten herrn; zum andren gibt es diese lehr, das junge leut sich söllen hüten vor der lieb ungestümen wüten. H. Sachs 1, 121
b; des (
darum) soll ein junger man sich halten zu den züchtigen weisen alten. 472
d; zum mädchen wünscht ich mir — und wollt es, ha! recht lieben — ein junges, nettes, tolles ding. Lessing 1, 17; himmel, kann es sein, dasz eines jungen mädchens witz so sterblich als eines alten mannes leben ist?
Shakesp. Hamlet 4, 5; Roland, sag an, du junger fant! Uhland
ged. 346; kleine blumen, kleine blätter streuen mir mit leichter hand gute junge frühlings-götter tändelnd auf ein luftig band. Göthe 1, 82, junges blut,
vergl. th. 2,
sp. 173
no. 8: komm als dann ein junges blut, so sei mir der reichtuhm guht seine gunst zu kriegen. Göring
liebesmeyenblühmlein (1654)
s. 69; ihr sprecht wie junges blut, in solchen fährlichkeiten unbewandert.
Shakesp. Hamlet 1, 3 (you speake like a green girl);
in alterthümelnder rede vor eigennamen ohne flexion und mit weglassung des artikels: jung Siegfried war ein stolzer knab. Uhland
ged. 332; jung Roland, sohn des Milon, sprach. 339; jung Roland rief: wohlauf zum streit. 341; jung sein; jung an jahren, alt an verstande,
ingenio canus ante canos Steinbach 1, 818; Daniel was ganz jung der jar. Schwarzenberg 110
a; so jung, von solchem adeligen stamm. Schiller
Wilh. Tell 5, 2; er ist noch zu jung; der zu etwas fast noch zu jung ist,
cujus aetas vix matura est rei alicui. Steinbach 1, 818; vermeint ihr mich zu jung und schwach, dasz ich mit riesen stritte. Uhland
ged. 339. 22)
im comparativ und superlativ: der jüngere sohn; ein jüngeres kind; er ist jünger als er aussieht; sie hat aber eine jüngere schwester.
richt. 15, 2; nu aber lachen mein die jünger sind denn ich.
Hiob 30, 1; ich sage dir, da du jünger warest, gürtestu dich selbs, und wandelst, wohin du woltest, wenn du aber alt wirst, wirstu deine hende ausstrecken, und ein ander wird dich gürten und füren.
Joh. 21, 18; nach ihrem gesichte hätte ich sie gewisz
auch nicht für jünger (
gehalten). Lessing 2, 387; dem jüngern Schlegel. Schiller
an Göthe 1, 124 er ist ein jüngrer sohn nur seines hauses, nichts nennt er sein als seinen rittermantel.
Tell 1, 2; der jüngste sohn; die jüngste tochter heiszt Marie; es ist nicht sitte in unserm lande, das man die jüngste ausgebe vor der eltesten (
tochter).
1 Mos. 29, 26; ist das ewer jüngster bruder? 43, 29; ihre jüngste tochter Göthe 27, 136. 33)
substantivisch, in mehrfacher verwendung. 3@aa)
in starker oder schwacher form: es kam ein junger zuo einem heiligen vatter. Keisersberg
baum d. sel. 10
a; sollen die guoten werk, die der jung als mit groszem fleisz thuot, all verloren sein. 11
b; der jung nam es war an dem alten.
ebenda; ein herzog von Baiern, Ludwig genant, der noch ein lediger junger was.
d. städtechr. 3, 111, 25; aber er verlies der eltesten rat, den sie jm gegeben hatten, und hielt einen rat mit den jungen die mit jm aufgewachsen waren.
1 kön. 12, 8; da mich die jungen sahen und sich versteckten, und die alten fur mir aufstunden.
Hiob 29, 8; einen alten schelte nicht, sondern ermane jn als einen vater, die jungen als die brüdere. 1
Tim. 5, 1; ir jungen, seid unterthan den eltesten. 1
Petr. 5, 5; der jüngere zeigt achtung vor dem älteren;
sprichwörtlich: er ist der jüngste nicht,
schon bejahrt; sol ich in ir (
der dame) dienste werden alt, die wîle junget si niht vil. so ist mîn hâr vil lîhte alsô gestalt, daʒs einen jungen danne wil. sô helfe iu got, hêr junger man, sô rechet mich und gêt ir alten hût mit sumerlaten
an. Walther 75, 20; er trat hin zuo dem jungennider ûf daʒ gras, er sprach: kindischer recke,dîn swert muoʒ ich hâ
n. Wolfdietrich D 4, 17, 2; hör, junger! es steht in dem hausz allenthalben wol überausz. Ayrer
fastn. sp. 2
d (2346, 32
Keller); der alte sprach zum jungen: nun sei bereit mein sohn! Uhland
ged. 390.
auch in der bedeutung kind: man sagt also von ainer, die het sollich baisen und waidwerk etliche jar und soviel getrieben, das es auch jungen gegeben.
Zimm. chron. 3, 552, 15.
vgl. dazu unten das subst. junge. 3@bb)
absolut, jung,
als ein junger, als eine junge, in jugendlichem alter: jung gewohnt, alt gethan; jung gefreit hat niemand gereut; wenn die dingerchen so jung heirathen, so werden auch die kinder darnach. Lessing 2, 386; was man öfter jung gethan, hängt auch noch dem alter
an. A. v. Abschatz
verm. ged. 170. 3@cc)
das neutrale jung
wie jugend, jugendzeit: adolescentia junk Dief. 13
b; alte jungfern mögen buhlen, künnen dennoch jungfern sein, dann, weil jung ist fern an jhnen, trifft es also richtig ein. Logau 3, 12, 42;
namentlich in der formel von jung auf,
vgl. dazu von klein auf
th. 5, 1092: alles was ich gelernt und was ich von jung auf gewohnt bin. Göthe 40, 318.
in der rede des gemeinen lebens aber auch =
kind (
vgl. dazu unten 8): was junges,
infans Stieler 903; sie hat etwas junges bekommen; es macht sich ein glater, junger edelman von Thurn zum frölin, der macht im ein jungs.
Zimm. chron. 3, 549, 36. 44) jung,
in formelhaftem gegensatze zu alt (
vgl. dazu th. 1, 263. 264),
ebenfalls in verschiedenen verbindungen; adjectivisch: junger springer, alter stelzer. junger schlemmer, alter betler. Schottel 1144; ich bin hier seit dreiszig jahren todtengräber gewesen, in jungen und alten tagen.
Shakesp. Hamlet 5, 1;
substantivisch: fruntschaft, das da ein grosz guot ding ist, nützlich und not reichen und armen, jungen und alten, betrübten und volkuomen menschen. Keisersberg
sünden d. m.; weh euch, die jr küssen machet den leuten
unter die arme, und pföle zu den heupten, beide jungen und alten.
Hes. 13, 18; wie jung und alten kund (
ist). A. Gryphius (1663) 678; der mich des tet bescheiden palt den lob ich, wer alt oder junger.
fastn. sp. 225, 9; dem alten das grab, dem jungen das weib, so haben sie beide versorget den leib. A. v. Abschatz
verm. ged. 167 jungen buhlet selbst das glücke, von den alten tritts zurücke.
ebenda; im neutrum: eʒ (
das kind) truoc an sînem lîbedie aller besten wât, die jungeʒ oder alteʒin der werlde inder hât.
Ortnit 2, 93, 4;
sehr häufig in den formeln jung und alt, alt und jung,
die unflectiert bleiben: kamen die leute der stadt Sodom, und umbgaben das haus, jung und alt.
1 Mos. 19, 4; wir wollen ziehen mit jung und alt.
2 Mos. 10, 9; da kam weib und man, jung und alt, zu Osia und den eltesten.
Jud. 7, 13; da würgt man durch einander jung und alt, man und weib, kinder und jungfrawen. 2
Macc. 5, 13; ziemte bescheidenheit minder jung und alt, jung insonders. Klopstock 12, 76; die nachbarn welche jung und alt in erwartung wie gewöhnlich zusammengekommen waren, machten verdrieszliche gesichter. Göthe 23, 181; und überall all überall, auf wegen und auf stegen, zog alt und jung dem jubelschall der kommenden entgegen. Bürger 13
a. 55) jung,
von eigenschaften, körpertheilen u. ä. junger personen: er kann schon springen, hat noch junge beine; der jungen herzen ergernis.
weish. 14, 26; junge zän, fülezän,
pullini dentes Maaler 238
c; junge kraft,
juvenile robur Steinbach 1, 818; wie möcht ich fürbasz frölich sein, so du hie hast dein junges leben für dein junkfrewlich keuscheit geben. H. Sachs 1, 115
d; darumb der ehrendieb die nacht verlieren musz sein junges leben. 119
c; ich wolte dasz ich solt bei dir sein, zubringen meine jungen tage, aber es kan nicht sein. Weller
lieder des 30 jähr. kr. 158; wie glücklich, wem das knabenkleid noch um die schultern fliegt, wem lächelnde zufriedenheit den jungen busen wiegt. Hölty 121
Halm; um deine jungen blicke schwebt ein lächeln. 124; allein, so rosenfarb die gute frau sich kleidte, so dick sie sich mit schminke überzog, so künstlich ihr gesicht bei licht und in die weite sich dreiszig jahre jünger log, ... so wenig half es ihr. Wieland 17, 289 (
Idris 5, 63); bis du, von mir erwärmt, an meinem herzen, das junge leben wieder freudig fühltest. Schiller
Wallenst. tod 3, 18; dein junges blut erstarrte.
Shakesp. Hamlet 1, 5. 66) jung
auch jugendlich, der jugend gemäsz, die art eines jungen menschen habend: trotz seines alters ist der mann noch jung; sein fleisch grüne wider wie in der jugent, und las jn wider jung werden.
Hiob 33, 25; auf alle fälle ist er jünger als seine jahre, man möchte beinahe etwas kindliches an ihm finden. Göthe 23, 213; jung herz und fräfen etwas ze thuon,
animi virides ausis Maaler 238
c; heia he, wie gsunt, wie jung bin ich an dem herczen mein!
ring 8
b, 11; sie hielten sich fest umfangen, sie wurden jung und gesund. Uhland
ged. 214.
in der verbindung das junge Deutschland,
eine litterarische, nach 1830
entstandene schule voll stürmischen strebens bezeichnend; ähnlich das junge Litthauen,
eine fraction des preuszischen abgeordnetenhauses. übertragen: alles wiederholt sich nur im leben, ewig jung ist nur die phantasie. Schiller
an die freude; und ich las das lied vom Odysseus, das alte, das ewig junge lied. H. Heine 15, 226. 77) jung,
parallel der bedeutung 1
von thieren: das volk wird aufstehen wie ein junger lewe.
4 Mos. 23, 24; sollen eine junge kue von den rindern nemen.
5 Mos. 21, 3; der dem vieh sein futter gibt, den jungen raben di jn anrufen.
ps. 147, 9; das müssen .. die jungen adeler fressen.
sprichw. Sal. 10, 17;
in der bibel auch mit dem folgenden subst. zusammengeschrieben: so bringe er dem herrn .. zwo jungetauben.
3 Mos. 5, 7; nim zu dir ein jungkalb zum sündopfer. 9, 2; wie ein jungerlewe.
Hos. 5, 14.
Mich. 5, 7; es liesz sich in der vögel chören unlängst ein junger vogel hören. Hagedorn 2, 46; jung war er (
der schwan) weder weisz, noch schön noch stark zu nennen; itzt musz man ihn dafür erkennen. 124; ein junger ziegenbock mit ellenlangem bart. Gleim 3, 345.
bei verschiedenen hausthieren und jagdbarem wild ist das adjectiv in bezug auf eben oder kürzlich geborene ungebräuchlich, da für solche eigene bezeichnungen existieren, vgl. ferkel,
fohlen,
frischling, kalb, küchlein, lamm
u. ähnl. 88)
häufig substantivisch im neutr., das junge,
plur. die jungen: wenn du auf dem wege findest ein vogelnest, .. mit jungen oder mit eiern, und das die mutter auf den jungen oder auf den eiern sitzt, so soltu nicht die mutter mit den jungen nemen.
5 Mos. 22, 6; wie ein adeler ausfüret seine jungen. 32, 11; zorniges gemüts, wie ein beer dem die jungen auf einem felde geraubt sind.
2 Sam. 17, 8; der vogel hat ein haus funden, und die schwalbe jr nest, da sie jungen hecken.
ps. 84, 4; die katzen gebärend in der zal der jungen gleich den hunden, zuo zeiten eins allein. Forer
thierb. 99
a; als ein elephant ein weiblein ersähen hatt, dasz sein junges in ein gruoben sich gestürzt hette. 76
a; was die alten sungen, das tschitzerten die jungen,
a bove majori discit arare minor. Steinbach 1, 818; kein buchstabe steht gerade; sie hocken einer auf dem andern, als ob sie junge hecken wollten. Lessing 1, 295; ich leg eyer und thu nisten, zeuch ausz mein jungen in kurzen fristen. H. Sachs 1, 484
b; die henne führt der jungen schar. Gellert 1, 111; ich geh und will den hahn zur sie in bauer stecken; die jungen bring ich dir, so bald die alten hecken. 3, 461; und wie die mutter (
des zum schlachthaus geführten kalbes) brüllend läuft umher, hinsehend, wo ihr junges von ihr ging.
Shakesp. Heinrich VI 2, 3, 1. 99)
die formel jung werden
nasci gilt von menschen wie von thieren: ich bin itzt in seinem vaterlande, und, bei gott! er hat recht wohl daran gethan, dasz er in Schlesien jung geworden ist. Lessing 12, 144; man soll dir die nativität, Tenebrio, auszrechen: zu rechnen wer dein vater sei, das wil den kopf zerbrechen: wann, wo, ausz wem, du wordest jung, das kan man noch wol sprechen. Logau 3, 168, 82; die ungebundne hand der obersten gewalt miszt uns den lebensweg mit einer kurzen ruthe, viel werden gar nicht jung, und viel ersticken bald zur stunde der geburt in ihrer mutter blute. Günther 643; du aus norden, im nebelalter jung geworden, im wust von ritterthum und pfäfferei, wo wäre da dein auge frei! Göthe 41, 108; thierlein .. welche des morgends jung werden und mit der sonnen untergange auch untergehen. Opitz 2, 303; ein lamm so erst jung geworden.
pers. reisebeschr. 3, 2; ein pferd, das in dem kalten norden, nicht weit von Drontheim, jung geworden. Brockes 1, 571. 1010) jung,
von gewächsen: junges gras; junges grün; junge sträucher; junge pflanzen; junges gemüse; laszt uns krenze tragen von jungen rosen, ehe sie welk werden.
weish. Sal. 2, 8; jung böum setzen,
semina deponere Maaler 238
c; junge fechser,
semina vineatica Stieler 903; ein baum, dessen zweige von unten bis oben, die ältesten wie die jüngsten, gen himmel streben. Göthe 27, 76; gebt uns junge saffranblumen. Fleming 352; zweige starker junger bäume. Hagedorn 2, 14; dir, o blendende brust, will ich den erstling weihn, den der blüthemond zollt, will ich im blumentopf junge rosen erziehen. Hölty 71
Halm; im jungen nachtigallenhain. 170; milder wehen Zephyrs flügel, augen treibt das junge reis. Schiller
klage der Ceres; aus des frühlings jungen sprossen redet mir der holde mund.
ebenda; es schmückt mit zarter decke kaum das junge, neue laub den baum. Platen 86; altes holz verbrauch am heerde und das junge wirf in ofen. 56; meine träume, die mich einst in euren (
bäume sind angeredet) jungen schatten beschäftigten. Göthe 14, 229. 1111) jung,
in dichterischer sprache von dingen, denen ein werden und wachsen beigelegt wird, namentlich vom morgen, frühling, jahr und dem was ihnen eigen ist: der junge tag. Klinger 2, 147; das rege federvolk das sang mit süszen stimmen den jungen tag laut
an. Fleming 52; klar wie junger morgen. Körner 2, 150; purpurisch zuckt durch düstrer tannen ritzen das junge licht. Schiller
der flüchtling; in einem thal bei armen hirten erschien mit jedem jungen jahr, sobald die ersten lerchen schwirrten, ein mädchen schön und wunderbar.
mädchen aus der fremde; komm und brich des jungen jahres hyacinthen. Platen 71; der junge lenz bemale dein gestade mit regenbögen, lieber bach. Hölty 125
Halm; wie Thestylis? auch du verschmähst für jungen thau die süsze morgenruh? Lessing 2, 451;
von gefühlen, empfindungen und deren anzeichen: tausend junge gefühle schossen aus meinem herzen wie die blumen aus dem erdreich, wenns frühling wird. Schiller
kab. u. liebe 1, 3; o dasz sie ewig grünen bliebe, die schöne zeit der jungen liebe!
glocke v. 79; junge glut auf den schamhaften wangen, mischt ich mich in die kriegrischen reihn.
Iphig. in Aulis 1.
act, zwischenhandlung; von gegenständen, wenn sie personificiert erscheinen: wind auf, was felsenklüfte dir spenden, junger krahn. Freiligrath
dicht. 2, 170.
auch in der verbindung wieder jung werden (
angelehnt an no. 9),
wieder erwachen: nunmehr aber ward ihr erster kummer wieder jung. Lohenstein 2, 1321
b;
sich wieder erneuern: die welt wird alt und wird wieder jung. Schiller
hoffnung. 1212) jung,
von unlängst geschehenem oder ins werk gesetztem: ein junger anfänger,
der sich erst vor kurzem etabliert hat; ein junger beamter,
erst angestellt; ein junger ehemann,
der kürzlich geheiratet; ein fürnemmer Römer hat eine schöne, reiche und ehrliche junge fraw von sich scheiden lassen (
σώφρονα γυναῖκα καὶ πλουσίαν καὶ ὡραίαν). Fischart
ehz. 29,
vgl. unter jungfrau; junge schüler,
tirones, tirunculi, rudes Stieler 903,
vgl. dazu jünger;
in Holstein jung wark,
neu angehende, ungewohnte arbeit Schütze 2, 201; bringet ihm (
dem mai), in grünen schatten, eure frühlingsopfer dar, junge neuvermählte gatten. Hölty 131
Halm. in Schlesien sind namenübertragungen von ältern städten auf neuere gründungen durch jung-
bezeichnet: Jung-Bunzlau (Jungbuntzel Steinbach 1, 227); Jung-Breslau (
Inowraclaw). 1313)
im comparativ: jüngere ereignisse verhinderten meine absicht; es existieren jüngere briefe, briefe jüngeren datums; der jüngere im felde,
bergmännisch derjenige eigenlehner oder die gewerkschaft, vor der bereits eine ältere gewerkschaft in dem felde gemutet, bestättiget und gebauet hat. er ist dem älteren aus der vierung zu weichen schuldig. Jacobsson 2, 323
b;
und im superl.: die jüngsten weltgeschichtlichen ereignisse; die jüngste pateigruppierung im reichstage; jüngste briefe,
ultimae, nuperae literae Stieler 903; von dem jüngsten (
letzt gesehenen) cometen Schuppius 286; relation welche bei jüngster post Mercurius angebracht hat. 564; ihr hört den jüngsten wunsch. Lohenstein
Cleop. 110, 239; so weigre dem der stirbt, die jüngste bitte nicht. A. Gryphius 1698 1, 36; und frisch und laut und brausend erhub sein lied sich gleich: das war von vielen tausend sein jüngster dummer streich! Freiligrath
dicht. 2, 146; das jüngste gericht, der jüngste tag: wie das letzte kind seiner eltern jüngstes kind genannt wird, so hat unsere sprache beliebt, den letzten tag, den zeitpunct der alle zeit beschlieszt, den jüngsten tag zu nennen. Kant 6, 394; dem lande der Sodomer und Gomorrer wird es treglicher ergehen am jüngsten gericht, denn solcher stad.
Matth. 10, 15; das ich nichts verliere von allem, das er mir gegeben hat, sondern das ichs auferwecke am jüngstentage.
Joh. 6, 39; ich wisz wol, das er auferstehen wird in der auferstehung am jüngsten tage.
Joh. 11, 24; das ist ja das leibhaft konterfei vom jüngsten tage. Schiller
räuber 5, 1; (
die eine tochter verwünschte ich) das sie niemmermehr erstürb bisz hin wol an den jüngsten tag. die ander verflucht ich darnach auf ein berg in Armenia, solt eines sperbers warten alda, bisz sie erlöst das jüngst gericht. J. Ayrer 342
a (1713, 20
Keller); wenn der jüngste tag soll werden, falln die sternlein auf die erden.
bettlerlied; am jüngsten tag, wenn die posaunen schallen und alles aus ist mit dem erdenleben, sind wir verpflichtet rechenschaft zu geben, von jedem wort, das unnütz uns entfallen. Göthe 2, 15.
in freiem sinne: ich glaube, dieses jüngste gericht über den gröszten theil der deutschen dichter wird am schlusz des jahrgangs eine gute wirkung thun. Schiller
an Göthe 1, 111. —
vgl. auch das adv. jüngst. 1414)
aus dem begriff der jugend folgt der des gesellschaftlich zurückstehenden, dienenden: ahd. jungiron
inferioribus Graff 1, 603;
nhd. sondern der gröszest unter euch, sol sein wie der jüngste, und der furnemest wie ein diener.
Luc. 22, 25,
vgl. dazu das subst. junge 2. —
In Holstein heiszt der zweite prediger jungpastor (Schütze 2, 201),
der begriff der bloszen hilfsstellung entwickelt sich aus der späteren vocation; in der haushaltung ist die junge magd
die zweite magd, vgl. jungemagd. 1515) jung,
in technischer verwendung. 15@aa)
von getränken die noch nicht ausgegohren haben: junger wein,
vinum novitium Frisch 1, 493
c; junges bier; in den krummen büschen des labyrinthes lag, in jungem most bezecht, ein alter satyr. Wieland 17, 313 (
Idris 5, 108).
von hefen: die hefen, .. welche ja nicht alt noch sauer, sondern fein frisch, jung, rein und leicht sein sollen.
öcon. lex. 291. 15@bb)
bei dem bäcker heiszt junger sauer
der sauerteig, dem man nicht zeit genug zum aufgehen gelassen hat. Jacobsson 6, 175
b. 15@cc)
im forstwesen junger aufschlag,
bäume, insbesondere fichten, die erst jüngst oder seit ein paar jahren aufgeschlagen oder aufgewachsen sind. Jacobsson 1, 85
a; junger anwuchs, junges dickicht
in den hochwaldungen dasjenige, was 30
bis 40
jahr alt ist. 6, 175
b. 15@dd)
der landwirt nennt junge milch
die milch, die von noch jungen thieren kommt; junges vieh,
kleinvieh, kälber, schafe, ziegen, schweine; jung fleisch,
das von solchen kommt. Schm. 1, 1207
Fromm. 15@ee) das junge von der gans
heiszt in Östreich und Baiern das gänseklein, kopf, flügel, magen, leber und füsze. Jacobsson 6, 175
a. Schm.
a. a. o. im bair. walde und in Wien wird auch der ausdruck ein junger has
in gleichem sinne verstanden. ebenda. 15@ff) junger grund,
im deichbau, solcher der erst kürzlich dem wasser abgewonnen ist. 15@gg) die junge fastnacht,
der letzte tag vor aschermittwoch. Frisch 1, 493
c.