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Farken

mnd. bis Dial. · 3 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

MeckWB
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4 in 3 Wb.
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Eintrag · Mecklenburgisches Wb.

Farken Pl., n.

Bd. 2, Sp. 793
Wossidia Farken Pl. ebenso n. Ferkel Mi 20b; Jac. 1, 125. 1. über rationelle Aufzucht unterrichtet namentlich Eng. Landw. 2, 8; 10; 64; 86; um zu verhindern, daß die Sau die Ferkel frißt, wird Land. Ann. 1844, S. 491 empfohlen, die Hungerzähne des Wurfes auszubrechen (s. Hungertähn); zu Martini sollen Ferkel nicht geworfen werden, verlangt die Doberaner Amtsordn. von 1567, vgl. Martensfarken; im Volke ist manches Brauchtum mit der Aufzucht verbunden gewesen und auch noch hier und da anzutreffen; so wird aus SchöSchönberg@BörzowBörz berichtet, man solle die Ferkel, wenn sie etwa fünf Wochen alt sind, an einem Sonntagmorgen vor 6 Uhr von der Sau nehmen, dann werde die Sau schon am fünften Tage danach wieder brusen (s. brusen2); zahlreiche Verfahren suchen die Eingewöhnung bei Ankauf zu sichern: es wird Stroh von der alten Lagerstatt mitgegeben, denn hebben de Farken gaud' Däg' SchöSchönberg@NesowNes; Wi Wismar@RedentinRed; die Ferkel werden an der neuen Stelle zuerst mit einer Schürze abgewischt und dann rückwärts in ihre Bucht gebracht Kletz; Bartsch 2, 156; gekaufte Ferkel soll man schweigend durch eine Hose ziehen, dann liegen sie ruhig ebda; künftige Zuchtsauen muß man mit dem Kopf voran in den Stall bringen ebda; Lockrufe: lüte, lütsche, nutsche, nütsche, nüff, ficke, firke; für das Lutschen des Ferkels sagt man nülkern; die Stimme der Sau und der Ferkel wird nachgemacht: Ick wull, dat 'ck nich geburen wir (Sœg') — Un ick un ick un ick (Farken) Fromm. Mdaa. 5, 284; Man ümmer sauber as ick — Un ick un ick Wo. V. 2, 379; wenn die Ferkel saugen wollen, schreien sie: Un ick un ick un ick, giff mi 'n bäten Titt, ick ick ick ick toierst 380; von einem Ferkel, das nicht rechte Art hat und schlecht gedeiht, sagt man: dat Farken quirrt RoRostock@KlockenhagenKlock; auch: quient allgem.; Farken un Fisch möten nich tellt warden RoRostock@Nienhagen bei DoberanNHagD; Geschlecht, Alter, Zucht bezeichnen auch die Zss. Bir-, Bruch-, Pölk-, Putt-, Sogg-, Span-, Tittfarken. 2. sprachliche Belege und Rdaa. a. im tierischen Bereich: porcellus 'Fercken' Chytr. 360; 'he querckede, lyck ein Varcken deit' Laur. in Nd. Jb. 13, 45; Wennihr ward 'n Farken 'n Swin? Wenn he in 'n Trogg schäten hett un dorut fräten deit Wi; dat höllt hart, seggt de Bir, donn süll he Farken krigen WaWaren@WredenhagenWred; dat is 'n Muskant, säd' Asmus, donn hadd' he 'n Farken in 'n Sack WiWismar@NeuklosterNKlost; wat för ne mooi Musik, säd' Hinnrik un hadd' 'n Farken in 'n Sack V. H.-Kal. 1870, S. 1; jung' Welt is lustig, säd' de Buer, dor hadd' he 'n poor Farken in 'n Sack StaStargard@StrelitzStrel; ... säd' Koorl Klamm un let 't Farken von 'n Kaben GüGüstrow@SchwaanSchwaan; wat 'ck seihn heff, kann 'ck seggen, seggt de Jung': de Farken kamen ut 'n Noors Baumg; wat de Düütsch all' maakt för Geld, hadd' de Engelsmann seggt, donn hadd' he ne Sœg' mit Farken seihn HaHagenow@RedefinRed; ..., säd' de Franzos', dor seg' hei ne Haud' Farken GüGüstrow@GöllinGöll; Reim: Gris' Sœg', blag' Farken, Mudder, kam mal rut! Uns' oll Sœg' hett achteihn Farken, Sœbenteihn witten un einen oll swarten oder mit dem Schluß: Dei ein hett 'n Schauhslarm, Dei anner ne scheiw Snut PaParchim@WulfsahlWulfs. b. reichlich aus dem tierischen auf den menschlichen Bereich bezogen: späderhen, seggt Gilow, warden lütt Farken ok grot Swin Schö Schönberg@DemernDem; Sonn' Sœg', min Sœhn, sonn' Farken Bri. 1, 91; beide Belege enthalten einen erzieherischen Hinweis; de Sœg' vergett ümmer gor tau licht, dat se 'n Farken wääst is Ro Rostock@KlockenhagenKlock; dat Farken is ümmer kläuker as de Sœg' Ro; Gott, wo ähnlich, grad' as Großvadder, säd' de oll Fru, dor leg' dat Farken in de Weig' RoRostock@KlockenhagenKlock, ein Snack, wie er Bri. die Anregung zu seinem Gedicht Stutenollsch 1, 64 gegeben hat; lütt Kinner un lütt Farken sünd all' de Mudder ähnlich Schö; dor kümmt de Sœg' mit all ehr Farken die Mutter mit vielen Kindern Wa; Kinner möten kein Geld hebben un Farken keinen Päper HaHagenow@RedefinRed; wenn ein Kind unappetitlich ißt: wi hebben 'n lütt Farken an 'n Disch StaStargard@WesenbergWes; geiht alles verkihrt, säd' de Buer: de Fru kriggt twee Jungens un de Sœg' een Farken Wa; PaParchim@GanzlinGanzl; so müst 't kamen: Fru dree Kinner un de Sœg' een Farken Horn Selmsd. 1, 611; dat wir een, säd' de Buer, dor maakt he 'n bunt Farken Sta; dat wir een, hadd' jenn Buer seggt, hadd' 'n Farken maakt, œwerst ... 'n Brad'farken Eck. Sprw. 97; se brus't man, Farken kriggt se noch nich gebärdet sich nur so Ro; wo wist du hen? Nah 'n Farkenbaden als Abweisung einer lästigen Frage Wa; ähnlich: sast ok hen Farken waschen, sast 'n Seepbüdel drägen LuLudwigslust@ConowCon; lustige Umschreibung einer verpaßten Gelegenheit: ick säd' jo, Mudder, slacht dat Farken, nu hebben 't de Aanten dot pedd't Wa; GüGüstrow@BützowBütz; einer geringfügigen Mißhelligkeit: dat is dorvör, dat jug' Farken unsern Hund bet MaMalchin@WalkendorfWalk; Ausruf: nu is 't rut, wer 't Farken klemmt hett StaStargard@MirowMir; scherzhafter Werbespruch: wist du mi hammen, will ick di hammen, wi willn beid' ein Schöttel hammen: du min Farken un ick din Swin, dit sall unser Ausspruch sin (1900) WaWaren@Groß GievitzGGiev; auf Verrücktheit geht die Rda.: di is woll 'n Farken weglopen PaParchim@GallinGall; deutlicher: dei is so dumm, lett sick von de Farken unnerbusseln Wa; von einem schlechten Getränk: wenn du dat ne drachtig Sœg' vör 'n Noors güttst, smitt se de Farken weg SchöSchönberg@WarnowWarn; ..., fleigen ehr de Farken ut 'n Hals Wa; wenn einer beim Billardspiel viel Glück hat, heißt es von ihm: dei hett 'n lütt Farken in 'n Liw (1887) Ro Rostock@RibnitzRibn; von einem bankerotten Schweinehändler: denn' hebben de Farken de Taschen utpennt (1887) HaHagenow@RedefinRed; vom Hochwasser, das schnell fiel, aber Eis zurückließ, sagte ein Gewährsmann: dat ward woll noch wedderkamen, de Sœg' lett de Farken nich nah Ha Hagenow@GammGamm; wenn die Hofglocke läutete, sagten die Leute: is all wedder 'n Farken dot bläben SchöSchönberg@TestorfTest; Rdaa.: wer Farken krigen kann, möt 'n Sack uphollen Geschenke soll man nicht verschmähen WiWismar@MetelsdorfMet; von Betrunkenen: ein Farken dreggt dat anner, mit dem Zusatz: tauletzt is 't 'n Pölk worden RoRostock@BrunshauptenBrunsh; viele Vergleiche, zum Teil in sprw. Form, beleuchten Zustände oder Vorgänge, denen Ordnung, Sauberkeit und andere Begriffe abgehen; so heißt es von einem unaufgemachten Bett: dat liggt, as wenn de Sœg' dor Farken up krägen hett GüGüstrow@GülzowGülz; unleserliche Schrift sieht aus, as wenn de Sœg' mit Farken rutlaten ward HaHagenow@RedefinRed; für die ungleichen Versmaße der zeitgenössischen hd. Dichtung gebraucht Laur. das Bild: 'Bi einer vetten Sög lopen sös magre Varken. Juwe eine Rym is groet als sünt Niclaus Karken, De ander is so kleen als eines Beckers bode' Schg. 4, 447; Bri. beschreibt ein Dorf im Schnee mit dem Bilde: Dat Dörp liggt still up de witte Plan As Farken int Krümmstroh 1, 61; unsaubere, laute Eßweise wird getadelt: dat hüürt sick jo an, as wenn de Farken Gasten fräten Wa; dee lutschen sick so väl, ... ebda; dat steiht em an, as wenn de lütten Farken Dreck fräten WaWaren@VipperowVipp; derselbe Vergleich geht auch auf einen Verschwender, der Kummer lernen wird: dee lihrt ok noch as de lütten Farken Dreck fräten RoRostock@RibnitzRibn; ein unreiner Tisch süht ut, as wenn de Farken dor fräten hebben Wa; von einer schlecht gereinigten Pfeife: dat is jo binah, as wenn du Farken söögst GüGüstrow@GülzowGülz; übertreibend: dor sünd Löcker in denn' Weg, dor kann ne oll Sœg' mit Farken in liggen SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; auf körperliche und seelische Besonderheiten: dee hett 'n Buk, as wenn ne oll Sœg' Farken krigen sall ebda; dee roort drög' af as 'n Farken bei erzwungenem Weinen Wa; he grient sick as 'n Farken WiWismar@PoelPoel; he süht ut as 'n stœkert Farken ebda; dee kickt em so verleiwt an as de Hääster dat krank Farken RoRostock@BrunshauptenBrunsh; ... de Kreih ... Ribn; der Faule röögt sick as 'n dodig Farke n in 'n Sack WiWismar@MetelsdorfMet; der Stolze smitt sick in de Bost as Michelsch ehr Farken Wa; versessen auf, gierig nach etwas: dee is dor so vertackt up as de Sœg' up 't dodig Farken HaHagenow@RedefinRed; vgl.: de Konkurs frett de Mass up as de Sœg' ehr Farken, hadd' de Afkat seggt Bri. Volkssp. 29; vielfach auf Dummheit bezogen: dei is dumm as 't Achterdeil von 'n Farken ebda; meinst, dat ick dumm bün as de Farken, dei schiten in 'n Trogg un denken, dat warmt WaWaren@RöbelRöb; dee is dumm as Schultsch ehr Farken, hett ut de leddig Matt Gasten fräten wullt Wa; ... mag gor kein säut Melk HaHagenow@RedefinRed; umgebogen auf die Pflegerin: dee is dumm as Wilhelms sin Mudder, let 't Farken unner 'n Disch dot hungern Wa; Sonstiges: dei kümmt dor achter as Pichert achter de Farken HaHagenow@RedefinRed; dei geiht as 't Farken ut 'n Dur PaParchim@PlauPlau. 3. übertr. Bezeichnung von Gegenständen, doch nur in festen Wendungen; so bedeutet Farken in dem Ausspruch hüt (am 24. Okt.) is 't Farken fett den Dins'büdel (s. Dins'farken), d. h. der Dienstbote verläßt die Dienststelle PaParchim@SpornitzSporn; es ist  Faß Bier gemeint: wi willn 'n lütt Farken upleggen (1885) Ro; ein kleines Branntweinfaß: he hett 'n Farken up 'n Wagen SchöSchönberg@TestorfTest. Von den Zss. bezeichnen Chaussee- und Dins'farken Gegenstände, Nüsselfarken einen Körperteil, auf den Besitzer weist hin Daglöhnerfarken, die Menge aber wird als Name auf schmutzige oder unordentliche Menschen, vor allem Kinder, hier oft als kosender Ausdruck übertragen: Dreck-, Ficke-, Firkel-, Gnurr-, Gotts-, Groschen-, Modd'-, Muddel-, Mull-, Murr-, Nugge-, Nütsche-, Pike-, Putsche-, Smolt-, Smudd'-, Smull-, Smurkfarken. — Mnd. verken. — Br. Wb. 1, 353; Dä. 113a; Kü. 1, 438; Me. 2, 19.
9113 Zeichen · 93 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    farkenN.?

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    farken , N.? nhd. Bündel? Q.: (1636) Lüb. Rigafahrer E.: Herkunft ungeklärt? L.: MndHwb 1, 658 (farken); Kont.: vör farc…

  2. modern
    Dialekt
    FarkenPl., n.

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Farken Pl. ebenso n. Ferkel Mi 20 b ; Jac. 1, 125. 1. über rationelle Aufzucht unterrichtet namentlich Eng. Landw. 2, 8;…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit farken

17 Bildungen · 13 Erstglied · 4 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von farken 2 Komponenten

far+ken

farken setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

farken‑ als Erstglied (13 von 13)

farkenhoorig

MeckWB

farkenhoorig mit Haaren dick wie Borsten: de oll farkenhoorig Diern Lu Ramm .

Farkenkœtel

MeckWB

farken·koetel

Farkenkœtel m. Ferkelkot; übertr. auf drall, aber ungleichmäßig gesponnenes Garn: drall as Farkenkœtel Ha Red ; luter Farkenkœtel ebda; Schw…

Farkenmarkt

MeckWBN

farken·markt

Wossidia Farkenmarkt n., m. Ferkelmarkt Ha Hagenow@Goldenbow Gold ; Schö Schönberg@Questin Quest .

Farkenstall

MeckWB

farken·stall

Farkenstall n. Ferkelstall; übertr.: dee is noch nich ut 'n Farkenstall hat noch nicht Gevatter gestanden Wa. Kü. 1, 438.

Farkenstiert

MeckWB

Farkenstiert m. Ferkelschwanz; Rda.: dumm as 'n Farkensteert Monh. 1, 49.

Farkentrogg

MeckWB

Farkentrogg m. Futtertrog für Ferkel.

farken als Zweitglied (4 von 4)

Faselfarken

MeckWBN

fasel·farken

Wossidia Faselfarken n. a. Spr. Schwein zwischen Ferkel und Mastschwein, wie Fasel 2: 'vasselverken' (Wi) Schill.-Lübb. 5, 209 a .

Harwstfarken

MeckWBN

Wossidia Harwstfarken n. a. Spr. im Herbst geborenes (?) Ferkel: '20 herbstfercken' (1572) C. Cordsh. Neust. 276.

Putschefarken

MeckWBN

putsche·farken

Wossidia MeckWB Putschefarken n. Kosewort für Ferkel; umgelautet: Pütschefarken Sta Stargard@Glienke Glienke .

Schmullfarken

Wander

sch·mullfarken

Schmullfarken Et is en Smullfarken. – Dähnert, 435 b . Schimpfname für ein beschmuztes Kind.