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gewohnheit

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gewohnheit fem.

Bd. 6, Sp. 6530
gewohnheit, fem. , (in der älteren sprache vereinzelt auch) n., ableitung von gewohn II (s. sp. 6480), die für den begriff der consuetudo die dort besprochenen substantivbildungen alle zurückgedrängt hat, ohne das bild, das sich aus diesen gewinnen läszt, wesentlich zu verschieben. durch die ungewöhnliche verbreitung, die gewohnheit im deutschen sprachgebrauch erlangte, sind die einzelnen züge wohl belebt, ergänzt und ausgeführt worden, aber mit ausnahme der bedeutung, die dem begriff der gewohnheit in der sprache der philosophie zukommt (s. II, 3.), sind die hauptthatsachen des gebrauches schon an den älteren bildungen vorgezeichnet. II. gebrauchs- und bedeutungsentwicklung, statistik, formen. I@11) gebrauchs- und bedeutungsentwicklung. I@1@aa) für die verwendungen des substantivs kommt vor allem eine unterscheidung in betracht, die für das verbum wie für das adjectiv unwesentlich war: das substantiv, falls es nicht von einem träger des begriffes überhaupt abstrahiert, weist entweder auf ein individuum oder auf eine gruppe, einen bestimmten typus als subject der wiederholung: vgl. ingieng after sînero giwonu Tatian 18, 1 gegen after giwonu ewu 7, 5; vgl.: der alten ehrfurcht eingewachsnen trieb und des gehorsams heilige gewonheit soll ich versagen lernen deinem namen? Schiller (Wallensteins tod 2, 2) 12, 240. gegen: du willst die macht, die ruhig, sicher thronende erschüttern, die in verjährt geheiligtem besitz, in der gewohnheit festgegründet ruht, die an der völker frommem kinderglauben mit tausend zähen wurzeln sich befestigt. (1, 4) 12, 216. I@1@a@aα) die wendungen, die ein individuum als träger des begriffes kennzeichnen, entfernen sich am wenigsten von den grundzügen eines verbalsubstantivs. I@1@a@a@11)) vor allem gilt dies für einzelne handlungen oder unterlassungen, deren wiederholung an einem und demselben individuum beobachtet wird. ein schneider die gewohnheit het: wen er ein gwant wolt schneiden sprach er almal: 'das walt gelück!' Hans Sachs fab. u. schwänke 5, 352; u. a. hier berühren sich verbindungen des substantivs am engsten mit gebrauchsformen des verbums, und es liegt oft mehr in neigungen des subjectiven stils, wenn die eine oder andere wendung sich vordrängt, vgl. z. b. (s. u.) zur bibelübersetzung im gegensatze zu wendungen, die das substantiv aus gründen des objectiven stils begünstigen: Guilielmus Canterus ein philologus hat nie pflegen zu nacht zu essen, unnd als ihm etliche riethen sich auch darzu zu gewehnen, geantwortet: ein ding sei nicht einem jeden gut. er befinde sich bei dieser gewohnheit besser ... derohalben er ohne gefahr diese seine alte angenommene gewonheit nicht zu endern getrawte Zinkgräf dtsch. apophthegmata 1, 238. I@1@a@a@22)) am einzelfall bleibt der blick aber nicht immer haften; gerade der gebrauch des substantivs wurzelt in dem bedürfnisz, daüber hinaus zu gehen. I@1@a@a@2@aa)) als gegenstand der wiederholung tritt vielfach nicht so sehr eine einzelne handlung als eine ganze gruppe von solchen in die erscheinung. dann macht die heutige sprache vom substantiv in der pluralform gebrauch, die ihr in einer besonderen stilart der rechtssprache ausgebildet wurde (vgl.: nâ rechten und gewoenten der stat sp. 6481; s. auch unten): viel gewohnheiten darfst du haben, aber keine gewohnheit! dies wort, unter des dichters gaben, halte nicht für torheit! Göthe (sprichwörtlich) 2, 260. ist aber dieses ... das wesen der gewohnheiten, so ist es nicht richtig zu sagen, dasz wir sie haben ... vielmehr haben sie uns Erdmann s. 6; darum sind wir, je mehr gewohnheiten wir haben, um so unselbständiger ebenda. I@1@a@a@2@bb)) noch fruchtbarer für den gebrauch des substantivs ist die entgegengesetzte neigung, für die einzelnen beobachtungen einen höheren zusammenhang zu finden: wo dieser zusammenhang im bereiche des individuums gesucht wird, tritt das substantiv in bedeutungsverwandtschaft mit den begriffen der beschaffenheit, der art und weise ein: zweitens liegt gewohnheit und wesen oder ich des menschen gar nicht so weit auseinander, wie manche meinen. es ist nicht ohne grund, wenn man von dem complex seiner gewohnheiten zu sagen pflegt, so oder so bin ich einmal J. E. Erdmann über gewohnheiten s. 20; dazu vgl. auch: eben darum geben wir ... zu, dasz in dem begriff der gewohnheit entgegengesetztes vereinigt ist. das aber hat der gesunde menschenverstand längst gewuszt und demgemäsz die gewohnheit eine zweite oder andere natur genannt. 'natur', weil sie eine beschaffenheit ist, von der wir uns nicht losmachen können, 'andere' oder 'zweite', weil sie eine hervorgebrachte, künstliche ist s. 16; vgl. schon: consuetudo quasi altera natura Cicero de fin. 5, 25, 74; vgl. die mannigfachen mittelhochdeutschen beispiele für die zusammenstellung von natur und gewohnheit (s. u.), die früh auch zu einer vergleichung des machtverhältnisses der beiden führen: gewanheit ist noch rîcher danne nature. daʒ merkent die gehoften.baʒ danne von rehter art ein viltz gebûre. jüngerer Titurel 5344; Hahn u. a. s. u. I@1@a@bβ) wenn schon in dieser auffassung die gewohnheit als eine selbständige kraft erscheint, die über den bereich des einzelnen trägers hinübergreift, so ist das letztere noch mehr der fall beim begrifflichen erfassen des substantivs, das von einem träger der gewohnheit überhaupt zu abstrahieren pflegt: die gewohnheit ist ohnstreitig eine der mächtigsten und ausgebreitetsten potenzen in der natur S. G. v. Vogel bemerkungen und erfahrungen von dem mächtigen einflusse der gewohnheit auf das wohl und weh der menschen s. 3. von da zur eigentlichen personification ist nur ein kleiner schritt, den schon die mittelhochdeutsche dichtung in eigenartigen wendungen gegangen ist (die gewohnheit lehrt, bezwingt den menschen s. u.); dazu vgl.: das ewig gestrige, was immer war und immer wiederkehrt, und morgen gilt, weil's heute hat gegolten! denn aus gemeinem ist der mensch gemacht, und die gewohnheit nennt er seine amme. Schiller (Wallensteins tod 1, 4) 12, 217. I@1@a@gγ) den entgegengesetzten weg nimmt die bedeutungsentwicklung da, wo eine mehr oder weniger bestimmte gruppe von personen als träger des brauches vorausgesetzt wird, sie führt nicht zur personification, sondern zar sachbedeutung. I@1@a@g@11)) dem verbum und participialen adj. bleiben hier nur einige gebrauchsformen des substantivs nahe: Leon: ich nahe denn, um urlaub zu begehren. Gregor: urlaub warum? Leon: das reisen wird gewohnheit. Grillparzer (weh dem, der lügt! 7, 5) 85, 101; es war in der grünen Fichtau gewohnheit früh schlafen zu gehen Stifter 1, 35 Aprent (Procopus); indem hier eigene gedanken durch längsterfundene mittel nach der gewohnheit des volks, dem die sprache eigen ist, leicht und schnell mitgetheilt werden sollen Herder (christliche schriften 1794) 19, 4. I@1@a@g@22)) anders dagegen: davon wuochs ein sitte in Israel und die gewonheit ward behaltten Mentel richter 11, 39 (und ward eine gewonheit in Israel Luther, vgl.ghewonde oben sp. 6482); gang nun hin du thorechte lai und gib dein gält usz zuo fülle der tempel knecht ... darausz dir neut entspringt, dann das man dich zelt unter denen die gewonheit halten Eberlin v. Günsberg (7. bundsgenosz) 1, 75 Enders; und dis lat man und lidet es ... und ist leider in eine gewonheit komen Tauler predigten 231 Vetter; ist die priesterschafft durch gewonheit auff kummen und blieben, szo kan man sie durch menschlich gewallt und wilkür widder durch einn ander gewonheit auff heben und abethun, wie allen gewonheitten geschehen kan, szo folget gewiszlich, das sie nit ausz gottlicher ordnung ist, denn gottlich ordnung hanget in keiner wankenden gewonheit, lesszit sich nit durch menschen endern Luther (auf überchristl. ... buch Bocks Emsers antwort 1527) 7, 635 Weimar; und stellt ihr vor, dasz sie, wenn sie wider die gewohnheit (der Römerinnen) dem feste nicht beiwohne, selbst zu dem verdachte ... gelegenheit geben ... würde Lessing (auszug a. d. trauerspiel Virgina) 63, 73. I@1@a@g@33)) in diesem zusammenhange ist der rechtsbegriff der gewohnheit zu erfassen, der die verbreitung unseres substantivs im besondern begünstigt (s. u.): wie die meisten der verwendungen unter dem einflusz des lateinischen consuetudo stehend, geht er durch eine reihe von übergangspuncten bis zur sachbedeutung vor: das wir unsers Urbeisthales ... alte gebruch, harkomen, gewonheiten und übungen uf irer der geschworenen angeben und anzeig herneuert, confirmiert, ordeniert und statuirt haben (1536) weisth. 5, 347; (vgl. das lat. statuta et consuetudines); das ... geschriben und vermerckht stondt desselben dinckhofs zu Ballschweiler site, recht, herkomen und gewonheit (1413) 4, 52; dasz ist der gemeine zu Utzelsheim ... weiszthumb und ein alt herkomen, gebrauch, gewohnheit und recht 5, 712; noch weiter geht diese entwicklung bei der an consuetudo scharf ausgeprägten, an gewohnheit nicht mit solcher ergiebigkeit zu belegenden bedeutung von abgabe, steuer: welcher versaumbt auf gseczte stund oder gar nit köm, der mues dargegen ein gwanheit in die puechsen legen, das ist als vil als zehen pfening. Hans Sachs der heftelmacher-gesellen ordnung und gewonheit Keller-Götze 23, 65, ebenso 66; pei straff zwaier gwonheit 66, ebenso 67 s. u.; eine ähnliche vergegenständlichung vollzieht sich auch in anderer richtung: da ... zum gesellen gesprochen worden, dem dann ein schein darüber ertheilet ... damit er sich auf seiner wanderschaft dadurch legitimiren könne; man nennet auch ermeldeten zeddel nur schlechthin handwercks-gewohnheit J. N. Hermann allgem. teutsch. jur. lex. 2, 596. I@1@bb) die obigen belege aus der rechtssprache zeigen das substantiv im kreise von bedeutungsverwandten und legen die frage nach dem gegenseitigen verhältnisz nahe, vgl. auch Brie gewohnheitsrecht s. 219 ff. wie im lateinischen eröffnet sich auch in dieser richtung ein gegensatz zwischen dem substantiv einerseits, dem verbum und adjectiv andererseits: das erstere berührt sich mit zahlreichen bedeutungsverwandten, die anderen weniger, doch wachsen auch ihnen später aus einzelnen synonymen des substantivs ableitungen adjectivischer und verbaler art zu. I@1@b@aα) zwei bedeutungsverwandte stehen dem substantiv schon vom ersten auftreten an zur seite, sie sind in der oben (sp. 6481) angeführten glosse vereinigt (mos, sidu, wisa, consuetudo edho wisa, kiwona) und weisen auf den gegensatz der lateinischen prägungen mos und consuetudo. von keinem der beiden sind adjectiv- oder verbalableitungen in unseren bedeutungskreis übergeführt; die adjectiva gesittet und sittlich zeigen vielmehr gerade die richtung an, in der sich die sitte am weitesten von der gewohnheit entfernt. das früh belegte verbum, das auch andere wege einschlägt (þo sidu þus Ulfilas 1. Timoth. 4, 15, ταῦτα μελέτει, solches warte Luther) verkümmert schon in der althochdeutschen zeit, vgl. sitôn, machinari, facere, agere Graff 1, 162. I@1@b@a@11)) die berührung mit dem schon althochdeutsch in präpositionalverbindungen (Graff 1, 1073) erstarrenden wîsa tritt nicht da zuerst auf, wo sie erwartet werden konnte, für die beschaffenheit oder das wesen einzelner, einen begriff, der (s. oben sp. 6531) aus der gewohnheit sich entwickeln konnte und später auch an ihr belegt ist: daʒ ist ein vogel auʒ der gewonheit und auʒ der weis anderr vogel Konrad v. Meyenberg 212, 4. neben verwendungen, die auf die entwicklung des substantivs im dienste des liedes und der musik, wie sie für den mittelhochdeutschen gebrauch kennzeichnend ist, ihr licht werfen (daz ir dero suni birut, dero dea forasagun sluogun; enti irfullet iuwarero fatero wisun althochd. Matthäusevangel. 24, 33, Hench s. 29 [implete mensuram, erfüllet auch ir das mas ewer veter Luther]), begegnen vorzugsweise solche, die als träger der wiederholung bestimmter handlungen eine bestimmte gruppe von personen ins auge fassen: buntun inan mit sabonon ... soso wisa ist Judon zi bigrabanne Tatian 212, 7 (Johannes 19, 40 sicut mos est Judaeis, vgl. gewonheit im alten passional 130, 15, Hahn; vgl. alʒ es gewonhait ist zu begraben di Juden ältere bibel, wie die Jden pflegen Luther). gern verbinden sich dabei die substantive: jhr weise und sitten sindt mancherlei, und ieglichs land hat besonder gewonheit Ottho v. Demeringen übers. des J. d. Montevilla s. 203; doch haben sie die weise und gewonheit an inen, dasz sie allweg die kinder geben alleine den männern 235; vgl. die zusammenstellungen sp. 6574f.; die buchungen sp. 6556; vgl. zur bibel (sp. 6554), wo namentlich die Züricher bibel (s. Bylandt a. a. o.) mit gewonheit gegen Luthers vorliebe für weise absticht: also das es Sara nicht mehr gieng nach der weiber weise (in predigten: art) Luther 1. Mos. 18, 11 (Züricher bibel v. 1531: gewonheit); das sol eine ewige weise sein jm und seinem samen 2. Mos. 30, 21 (Züricher bibel ewige gewonheit, ältere bibel ewig ee), desgl. 2. Mos. 12, 4 (bei Luther var.: brauch) 14, 43; dasz berührungen auch sonst nicht fern liegen, zeigen manche wendungen, in denen das substantiv mit verbindungen des particips gewohnt zusammentrifft (s. o.) und die auch auf einzelne träger des begriffs zielen: ich bin nit gwont an euch die weis Probst 116; sie ist meine art und weise gewohnt Benedix 8, 132; gewehnen, auff ein andere weise bringen Hulsius 163b. I@1@b@a@22)) viel tiefer und weiter greift das zweite der beiden substantiva in die kreise von gewohnheit über, sitte, das schon im gothischen einige mal belegt ist, vgl. riurjand sidu godana gawaurdja ubila 1. Kor. 15, 33 (ἤθη χρηστά, die guten siten cod. Tepl. 3, 10, desgl. Luther): ähnl. 2. Timoth. 3, 10 (gothischer zusatz); gegen was sidus Skeireins 3 stück. die abgrenzung von sitte und gewohnheit läszt sich bei solchen denkmälern, die unter dem einflusz einer lat. vorlage oder unter der abhängigkeit von lat. wendungen stehen, an deren gebrauch von mos und consuetudo anlehnen. in den glossen (s. Graff 6, 160) tritt sitte durchweg für mos ein (einigemal auch für ritus, habitus u. a.), nur ein einziges mal für consuetudo und zwar in jenem oben besprochenen (sp. 6531) sinne der individuellen beschaffenheit: daʒ chit Christus ex consuetudine humanae infirmitatis (fone demo site mannis weichi) Notker zu psalm 34, 4 (Hattemer 2, 119b). an den stellen, wo in der bibelübersetzung oder in rechtsformeln site und gewonheit je nach den einzelnen stilisten mit einander wechseln, liegt für sitte meist ein lateinisches mos zu grunde, während der übereinstimmende gebrauch da für gewonheit entscheidet, wo consuetudo vorlag (vgl.mos increvit in Israel et consuetudo servata est richter 11, 39). da nun aber auch die lateinischen substantiva (mos und consuetudo) in ihren verwendungen durcheinander greifen und da der deutsche gebrauch andererseits bei den normen nicht stehen blieb, die er von lateinischen vorbildern empfangen hatte, so müssen für die abgrenzung noch weitere anhaltspunkte gesucht werden. einen wichtigen maszstab gewinnen wir aus jener scheidung in wendungen, die ein individuum, und solche, die eine bestimmte gruppe als träger des begriffs voraussetzen (s. sp. 6530, vgl. die zwei ersten gothischen belege gegen den dritten). allerdings nicht in dem sinne, den Puchta als maszgebend erachtet: sitte und gewohnheit kommen darin mit einander überein, dasz durch diese prädikate der charakter einer handlung ausgedrückt wird, wonach sie wegen einer ihr zu grunde liegenden und zwar inneren und stillschweigenden bestimmung des willens unter gleichen umständen wiederkehren werde. der unterschied beider aber besteht darin, dasz gewohnheit unter jener voraussetzung die handlung eines einzelnen als solchen genannt wird ... sitte hingegen ist eine handlung, sofern jene stillschweigende willensbestimmung, die sie hervorbringt ... nicht in dem einzelnen als solchen ihren grund, sondern in einer ihm mit andern gemeinsamen ... überzeugung G. F. Puchta das gewohnheitsrecht (2. buch 2, 5) s. 167. wohl aber kommt die in den adjectiven ethisch (zu ἤθος), moralisch (zu mores), sittlich (zu sitte) zu tage tretende art der beurtheilung, die an gewohnheit stark verkümmert, wenn auch nicht ausgeschlossen ist (vgl. unten sp. 6562 laster und gewohnheiten u. a.), im concurrenzwort mehr zur geltung, wenn mit der richtung auf einen individuellen träger des begriffs der pluralgebrauch verknüpft ist, vgl. ein mann von üblen sitten, gegen: die meisten gelehrten sind abergläubischer als sie ... selbst glauben. man kan üble gewohnheiten nicht so leicht gantz loswerden G. C. Lichtenberg aphorismen 3, 205 Leitzmann; so ist es auch mit jenen moralischen nachbildern, an denen man seine sitten und neigungen, seine gewohnheiten und eigenheiten, wie im schattenrisz, erkennt Göthe (dicht. u. wahrh. 11) 26, 28; man enträtselt den vermummten an gang, stimme, atemholen und gewohnheiten Klinger Faust III, 3. für solchen gebrauch von sitte im unterschiede von gewohnheit giebt die ältere sprache schon anhaltspunkte: er was in sitin fruaterjoh heilag inti guater. Otfrid 1, 8, 10; desgl. 4, 5, 32 und 39; vgl. Ulfilas 1. Kor. 15, 33; vgl.: wand sî nie gesâhen ... zwêne rîter gestalt sô gar in wunsches gewalt an dem lîbe und an den siten. Hartmann Iwein 6916 u. a. vgl. mhd. wb. 2, 2, 333 ff. das bemerkenswerthe ist die an sitte hier früh ausgebildete bevorzugung des pluralgebrauches (vgl. dazu schon: progeniti si morum probitate et fidei plenitudine habeantur idonei lex Visigothorum XII, 2, 20 s. monum. germ. leges I, 1, 416), der bei gewohnheit überhaupt erst spät und dann zunächst für die wendungen entwickelt wird, die eine gruppe als träger des begriffes voraussetzen. in diesem falle, wo eine gruppe als träger des begriffes erscheint, hat die rechtssprache der gewohnheit vor der sitte so sehr den vorzug gegeben, dasz diese im heutigen gebrauch nur noch da auftritt, wo rechtliche beziehungen ausgeschlossen werden, vgl.: die sitten sind eigentlich weder gesätze noch rechte, allein sie können dennoch darzu anlasz geben J. G. Estor teutsche rechtsgelahrtheit 3 (1767) s. 8: die gewonheiten und ritus sind eigentlich von einander unterschiden, jene haben einen usum juridicum, allein die letztere nicht s. 10; vgl.: aehnliche gefühle (bedenken gegen gesellschaftliche oder nationale gegensätze bei heirathen) herrschen auch heute noch in weiten kreisen, sie haben aber — mit wenigen ausnahmen — mit recht gar nichts mehr zu tun ... sie sind bloss sitte Ehrlich tatsachen des gewohnheitsrechtes s. 9. dem entsprechend wird selbst bei verbindungen, die in der rechtssprache an gewohnheit sich ausgebildet haben, für die fälle, denen eine rechtsbeziehung fehlt, sitte vorgezogen: die art der Italiäner die uhr zu zählen ... eine eigenthümliche landessitte, eine ererbte vorstellungsart, und eine höchst schickliche gewohnheit Göthe (fragmente über Italien) 38, 170. auffallend aber: um mich ferner in einem wichtigen puncte der landesgewohnheit gleich zu stellen, habe ich mir ein hilfsmittel erdacht, wie ich ihre stundenrechnung mir leichter zu eigen machte (italien. reise) 27, 71. die ältere sprache aber zeigt hier andere gebrauchsformen, die z. theil unter dem einflusz lat. wendungen stehen. als rechtswort spielt auch sitte hier seine rolle: wo der gegensatz zwischen christen und nichtchristen ins spiel kommt und rechtliche folgen zeitigt, verwenden die lateinischen aufzeichnungen germanischer rechte mos im gegensatze zur consuetudo, die für nationale rechtsunterschiede eintritt: aliter id faciat, quam honestae Christiani moris est consuetudinis lex Visigoth. XII, 3, 7 (monum. germ. leges I, 1, 435 ähnl. 443); si quis Judeorum servus, et servitudini eorum implicatus et moribus 12, 13, 18 (s. 448) u. a.; dazu vgl.: ze hiun er mo quenun las, so thar in lante situ was. Otfrid 1, 4, 3; tho scoltun siu mit willenthen wizod irfullen tben situ ouh, then io thie alten fordoru irvultun. Otfrid 1, 14, 3; vgl. auch: der heiden sitten bei Luther 2. Macc. 4, 10 gegen gewonheit der heiden in der älteren bibel (s. u.). in der überaus beliebten ablativform (more) greift mos über diese grenzlinie noch hinaus: more patriae mancipium venditum lex Burg. const. extraord. 21, 3 (monum. germ. leges I, 1, 2, s. 120) u. a.; vgl. die spätere formel more civili (urk. v. 1300) pommerisches urkundenbuch 3, 427, 428 u. a.; vgl. auch Notker zu psalm 70, 13 (Hattemer 2, 245a); vgl.: virgines eorum non sunt lamentate, iungiû wîb kenomeniû ne wêinota niêman nâh site psalm 77, 63 (Hattemer 2, 280b; after heîdenemo site 2, 171b u. a. bis über die mittelhochdeutsche zeit hinaus, die einen höhepunkt des gebrauches von sitte darstellt, läszt sich sowohl in allgemeineren wie in ausgesprochen rechtlichen verwendungen dieses substantivs hier die bevorzugung einzelner syntaktischen verbindungen beobachten, so bei der verbindung mit dem verbum substantivum die form des hauptsatzes gegenüber von den vergleichssätzen bei gewohnheit und consuetudo (sicut est consuetudinis s. u.), vgl.: ze Rômo was situ, daʒ die forderen hiêʒen in tabulis (wahstablon) al gescrîben. daʒ sie benêimdon iro afterchomon Notker zu psalm 24, 10 (Hattemer 2, 86a); des antwurte Hagne'uns hât niemen niht getân. eʒ ist site mîner herrendaʒ si gewâfent gân ze allen hôchgezîten.' Nibelungen 1801, 2 u. a. vgl. mhd. wb. 2, 2, 322b und 323a. in der function des objectes ist anfangs die verbindung eines sites pflegen ganz, diejenige mit haben (einen site haben) vorzugsweise, für dieses concurrenzwort vorbehalten: nâch siten der si pflâgen und man durch reht begie, Gunther unde Prünhilt niht langer daʒ verlie, si giengen zuo dem münster, dâ man die messe sanc. Nibelungen 594, 1 u. a. s. mhd. wb. 2, 501a und 497f.; daʒ er den site dâ vermeit des er dâ vor gepflegen hete. Konrad v. Würzburg troj. krieg 15097. vgl. (site ... gewent) 212, vgl. sp. 6545 zu gewonheit. andere anhaltspunkte ergeben sich aus landschaftlichen neigungen. für den besonderen gebrauch der rechtssprache, wo sitte gegen gewohnheit stark im rückstand bleibt, hat es in niederdeutschen quellen (zum friesischen vgl. Richthofen) für lange die führung: sede, wonheit, vriheit, privilegia Bremer urk. s. Schiller-Lübben 5, 767; item sette wi, dat ein wonlik sede eines landes ofte ener stad to holdende is inde to bewarende geliik einem bescreuen rechte ... want ein landsede lange tiid geholden is in dessen landen ... dat der rat von Lübeck gegen den herzog v. Lauenburg s. Lübeckisches urkb. 6, 74. aus anderen gegenden ist dieses substantiv hier mehr nur in der parallelverbindung mit gewohnheit zu belegen: als sitt und gewonheit ist in dem hof weisthum v. Holderbank (14. jahrh.) 5, 71; wie es im fürstenthum Osterreich sitte und gewonheit ist (1494) öst. weisth. 9, 181; und diesiu gewant diu sin von swachem und geistlichem tuche. beidiu an coste und an varwe nach der gewonheit und den siten Regensburger klarissenregel 5 Schönbach (Wiener sitz.-ber. 160); als es von alter har komen ist noch des antwerkes sitte und gewonheit Straszburger weberart. v. 1400 bei Schmoller 18 u. a. I@1@b@bβ) in der mittelhochdeutschen zeit, wenn auch nicht in der classischen dichtung, sondern in der didaktischen und geistlichen poesie, zweigt sich von dem verbum pflegen, dessen verbindungen mit sitte eben erwähnt wurden, ein substantiv ab, das mit gewonheit in concurrenz tritt. es ist aber nur da beobachtet, wo bestimmte gruppen als träger des begriffes vorausgesetzt werden, nicht bei individueller fassung: daʒ ist ouch der esel pflege dî entwîchent niemen ûʒ dem wege. Freidank 2333; do wolde nach der heiden pflege Maximianus opfer geben. passional 487, 18; doch habin sî ein undirscheit von uns an einre gewonheit, di uns vorterbit sundir wân. den sittin sî zu pflege hân, daʒ sî ûf des nachtis stân und zusamin alle gân in ir bethûs ... und des intûn wir nicht. Nicol. v. Jeroschin 9862. von hieraus dringt das substantiv auch in die rechtssprache über, anscheinend aber mit beschränkung auf norddeutsches gebiet, vgl. det is sid end plegha Richthofen 248, 5; tins oder plege sal he dar af geven jenen, uppe den it gut irstirft sachsenspiegel 3, 76, 3 Homeyer; ebenso 2, 58, 2; dazu vgl. na wonheit und plechlikem sede Schiller-Lübben 4, 162b. I@1@b@gγ) im übergang zur neuhochdeutschen periode wachsen von den verschiedensten wurzeln her neue bildungen in unseren kreis herein, vgl. wie es in diesem gericht brauch, ubung, gewonheit undt recht ist Behrbacher weisthum von 1497 s. weisth. 2, 144. I@1@b@g@11)) übung, das unmittelbar auf ein verbum zurückführt, welches mit gewohnen, gewohnheit mannigfach sich kreuzt, hat auch ein adjectiv neben sich, das später manche bedeutungen aufrecht erhält, die dem adjectiv zu gewohnen, der weiterbildung zu gewon (s. gewöhnlich), verloren gehen. das verbum, dessen grundbedeutung aus wendungen wie gottes willen huatta joh thionost sinaz uabta Otfrid 1, 16, 12 (s. auch Graff 1, 70) und hirs und ruobe uoben, die erden üeben (Lexer 2, 1686) zu erschlieszen ist, kommt den bedeutungen von exercere und usitare früh nahe; vgl. noch aus späterer zeit: nach welchem man sich ... am freien und anständigen zu ergötzen, geübt neben zu ergötzen gewöhnt hat Mendelssohn (s. oben sp. 6523). vereinzelt tritt dem schon mittelhochdeutsch ein verbalsubstantiv zur seite: scham ist ob siten ein geübet uop. Wolfram Parzival 319, 11. die bildung auf ung dagegen ist erst aus dem ausgang der mhd. zeit belegt: ich hân kainen pœsern noch scherpfern menschen gesehen von nâtûr wann dich und hân kainen peʒʒern gesehen von üebung der tugend und von gewonhait guoter siten wann dich Konr. v. Megenberg buch der natur 29 Pfeiffer; und alle daʒ gerête, daʒ gote was gewîet und in sîn dînst gevlîet, nam der ungenême und in ungezême ûbunge sî vorspente. Nic. v. Jeroschin 19926. in den allgemeineren bedeutungen kreuzt sich übung bis heute mit gewohnheit, noch mehr mit gewöhnung, vgl.: ein gewonheit oder übung an sich nemmen Frisius 184b; so beruht ja alles auf der übung und gewehnung unsers willens Luther von der notwendigkeit der angewehnung (Jena 1691) s. 11; bis er es durch übung und gewohnheit dahin bringt Auerbach neues leben (2, 7) 1, 249; wozu thiere durch gewohnheit und übung angelernt und eingeübt werden können S. G. v. Vogel s. 13; die gleichmässige übung, also die gewohnheit H. Brunner dtsch. rechtsgesch. 12, 405; vgl. auch: seine geübte, d. h. gewöhnte hand oder stimme vollbringt alles von selbst J. E. Erdmann über gewohnheiten s. 4. dagegen ist in der rechtssprache eine verwendung wieder zurückgetreten, die vom 15. jahrh. ab in den kreis von gewohnheit eingedrungen war und die auf der abstreifung der verbalkraft des subst. beruht, vgl. wir ... thun kunt ... das wir ... befunden haben, wie bisshero an den halsgerichten ... unsers stiffts ... mancherlei ubung, missbrauch und gewohnheit eingewachsen einleitung zur Bamberger halsgerichtsordnung, § 1 (s. 2, 3 Kohler und Scheel); gegen nachdem aus langer gemeiner ubung dieses lands die halsgericht nit anders dan mit gemeinen personen ... beseczt werden § 2 (2, 4, vgl. gemeiner gewonheit nach [§ 142] 2, 56); nach alter ubung und gewonheit weisth. zu Talfant (1505) weisth. 1, 126; nach altem herkomen und ubungh weisth. 6, 475. auf diesen letzteren standpunkt des verbalsubstantivs beschränkt sich die neuere sprache, wenigstens im lebendigen sprachgebrauch: wer aber wirkliche übung im leben, rechtsprechung und gesetzgebung aufmerksam verfolgt Ehrlich tatsachen des gewohnheitsrechtes s. 21. I@1@b@g@22)) dem gegenüber hat sich brauch (gebrauch) gerade in der an übung zurücktretenden bedeutung bis heute lebendig erhalten. auch hier steht dem substantiv ein lebenskräftiges verbum und ein adjectiv zur seite, doch ist nur das letztere in eine eigentliche concurrenz mit den ableitungen zu gewon getreten. das verbum, dessen grundbedeutung in dem lautentsprechenden frui zu tage tritt, hat die bedeutung exercere kaum in der richtung von gewohnen entwickelt, vgl.: sich auch gar zeitlich an die brillen gewehnen und derer gebrauchen Kirchhof wendunmuth (vgl. oben sp. 6525). das substantiv ist auf deutschem boden (vgl. dagegen altnord. bruk = usus, mos) mit einer einzigen ausnahme bei Notker (s. Graff 3, 281) erst spät bezeugt und bringt zunächst die an die verbindung mit einem concreten object geknüpfte ältere bedeutung des genieszens zum ausdruck, die an gebrauch nie ausstirbt: stirbt aber ein mensch, das in den hof gehört und des erbes im gebrauch weisth. 3, 461, vgl. auch brauch theil 2, sp. 313/14; gebrauch oben sp. 1820—22. der bedeutungswandel, der sich aus der beziehung auf handlungen und leistungen ergiebt und der deutlich von dem lateinischen vorbilde usus beeinfluszt ist, würde nach den a. a. o. angeführten belegen bei brauch früher eingesetzt haben als bei der zusammengesetzten form gebrauch. die zeugnisse aber, die aus den weisthümern zu gewinnen sind, führen nicht auf solchen unterschied: nach hofrichtes rechte und nach gewonheit und gebruke dises stiftes (Münster) weisth. 3, 127; nach hobsrecht und gebrauch 2, 28; ähnl. 2, 95; item ist hoffsbrauch 2, 73 u. a. vgl. auch: gewohnheit und gebrauch im Neu-Karsthaus s. Köhler zeitschr. f. dtsch. phil. 30, 494; wie dann zu Rattenberg und Kuefstain der gebrauch und gewonhait ist weisth. v. Kitzbühel s. österr. weisth. 2, 75, ganz ähnl. 5, 769; vgl. auch acta Tirolensia 3, 1, 9. bei diesem, wie dem unten folgenden synonymon (sp. 6538f.) ist es besonders schwer, den geltungsbereich gegen den von gewohnheit abzugrenzen: des ist nit allain des gotzhaws Kempten sonderliche gewonhait, sondern anderer vil umbligender oberkaiten und herschaften gemainer prauch und alts herkommen s. Baumann akten 58. begriffsbestimmungen versprechen wenig erfolg: was der gröste theil der menschen thut, oder was vom grösten theil, in einem gewissen stande beobachtet wird, ist ein gebrauch. was von vielen jahren her geschehen ist, oder was jemand schon seit langer zeit gethan hat, ist eine gewohnheit. was nur an gewissen orten, und bei gewissen leuten, von ihren vorfahren her in gebrauch gewesen, wird ein herkommen genannt Stosch gleichbedeutende wörter 1, 67. eher bieten die syntaktischen formen anhaltspunkte. so ist das eine unverkennbar, dasz bestimmte wendungen die bei gewohnheit mit andern concurriren, für brauch ausschlaggebend bleiben; einerseits die verbindung mit subjectem genetiv, der das gebiet kennzeichnet, wo der brauch gilt, andererseits die präpositionalverbindung, die dem substantiv die verbalkraft am nachhaltigsten wahrt: wie im Romischen reich ... alltem gepreuch und herkomen nach die meisten peinlichen gericht mit personen die ... rechte nit gelernt oder ubung haben besetzt werden vorrede zur Carolina s. Kohler-Scheel 1, 3 (vgl.: gemeiner gewonheit nach 1, 62); die gewonheit ist ein solcher tyrann, dasz sie viel unbilliche sachen in denen republiken durch althergebrachten gebrauch rechtfertigt Hohberg adeliges land und feldleben 1, 165; diejenigen, so zur ehe gegriffen und ihr beschehen ehelich versprechen durch den öffentlichen kirchgang gewöhnlichem gebrauch nach bestättigen lassen altes badisches landrecht (1773) 1, 5 s. 12. zur kennzeichnung des geltungsbereiches vgl.: die klage auf zurücknahme einer waare wegen fehlern musz nach beschaffenheit dieser mängel und nach gebrauch des orts, wo der kauf geschah ... angestellet werden badisches landrecht (code Napoleon) von 1809 § 1648; vgl. dazu die allgemeinere (auszerrechtliche) verwendung von ortsgebrauch (theil 7, sp. 1366) bei Immermann (ortsgewohnheit [ebenda] bei G. Freytag); vgl.hofgebrauch und hofsitte; vgl.: obwohl bei erbfällen unter ehe-leuten bishero eine dorf-gewohnheit, dass eins von dem andern die helffte erben solte, angegeben ... worden artikel von Gohlis (1657) s. Klingner 1, 592; die gebräuche und gewohnheiten besagten dorfes in gewisse articul verfassen ebenda; dazu vgl. landesbrauch theil 6, sp. 107; landbrauch sp. 99 gegen landesart sp. 107; landesgewohnheit sp. 109; landessitten sp. 111. es ist unverkennbar, dasz gebrauch auch da, wo mehr die einrichtung als deren ausübung in betracht kommt, immermehr gegen gewohnheit vordringt: unpartheiisch recht nach ihrem besten verständnusz wie auch unsern lands- hof- gerichts- und andern ordnungen, desgl. rechtmässigen gewohnheiten und gebraüchen oder auch gemeinen rechten gemäss zu sprechen altes badisches landrecht (ausgabe v. 1622. s. 32) II, 2, 84; daher werden sie auch altes herbringen, allgemeine gebräuche, allgemeine durchgehende gewohnheiten genennet J. E. v. Beust tractatus de jure venandi (1744) s. 618; vgl. auch 128, wo gebräuche im texte. gewohnheiten im begleitenden stichwort gesetzt ist; vgl. von den sitten, bräuchen und gewonheiten J. G. Estor teutsche rechtsgelahrtheit 3, 8 (§ 4); dasz eine zu rechte beständige gewohnheit, sonsten auch gebrauch oder altes herkommen genant, eben dieselbe krafft und wirkung habe, die einem beschriebenen und ausdrücklich publicierten ... gesetze beigeleget Schlüter tractätlein v. gew. (1694) 2; kömmt ihm darauf an, einförmigkeit der gebräuche und rechte zu hindern (Joh. Socher) leben und thaten des berüchtigten D. Herkomens, auch Observantius genannt (1799) s. 67; gewohnheiten werden hier gewisse berg-gebräuche genennet, so sich an einem orte nach und nach eingeführet ... und endlich gar zu einem gesetz und berg-ordnung geworden: ein solcher gebrauch musz über rechts verwehrte zeit observiret und in contradictorio judicio erhalten sein Minerophilos 259; bemerkenswerth ist auch, dasz brauch wie recht und sitte eine compositionsform neben sich hat, die das ethische widerspiel des begriffes zum ausdruck bringt: missbrauch, unrecht, unsitte. bei gewohnheit fehlt solche bildung (vereinzelte ausnahmen: ungewonheit Estor 3, 55, ungewohnheit, insolentia Duez [1664] 8a; vgl. auch sp. 6540). gelegentlich mag von hier aus das concurrenzwort gefördert worden sein. I@1@b@dδ) in den letzten belegen tritt uns das jüngste und für die heutige sprache erfolgreichste unter den synonymen entgegen: herkommen, das im code Napoleon für Baden (1809) das ältere gewohnheit fast ganz verdrängt hat: der zehend bezug erhält seine bestimmung in jeder ortsgemarkung durch verträge und herkommen § 710 c. a.; das herkommen kann ... weder rechte schaffen noch abschaffen einleitung s. 4. vgl. auch die registerbemerkung gewohnheit s.herkommen (ausnahme: landsgewonheit § 1390); das gleiche in den ergänzungen und erläuterungen späterer zeit s. justizgesetze für Baden 1 (1879). die erklärung dieses subst. als eines substantivirten infinitivs (s. theil 4, 2, sp. 1109) mag wohl für einige allgemeinere verwendungen gelten (vgl. auch die gewanheit und daʒ über ein komen dienstmannenrecht v. Basel § 2 Wackernagel s. 17), für den engeren terminus der rechtssprache istjedenfalls in mehreren fällendas substantivirte particip praet. (gelegentlich auch des praesens) zuständig: das ist ein alt herkomen recht weisth. v. Seligenstadt (1390) s. weisth. 1, 505; vgl.es ist auch von einer gewonheit dar chomen, daʒ (1326) 3, 66; vgl. 3, 658; als gewonheit und von alder herkomen ist (1485) 3, 455; ebenso (1482) 2, 207 u. a. zu den bevorzugten gebrauchsformen des subst. gehören verbindungen wie vom herkommen abweichen Socher leben und thaten des herkommens s. 56; dass es so herkommens sei s. 63; vgl. auch sp. 6545. I@1@b@eε) andere bedeutungsverwandte kommen in anderem zusammenhange zur besprechung, so die zusammenstellung mit recht, gesetz und ähnlichen terminis im rahmen der rechtssprache, während die neuerenzum theil auch mehr vorübergehendenberührungen des substantivs mit anderen, denen es sich beiordnet, im überblick über die gebrauchsformen (s. II) erledigt sind. I@1@cc) das substantiv in der älteren sprache. wie bei andern bildungen gleichen stammes ist auch bei gewohnheit der gegensatz zwischen präfixlosen und präfigirten formen zunächst nicht an einen unterschied der bedeutung geknüpft. das einfache wonheit ist für den begriff der consuetudo aus der älteren sprache mehrfach belegt: wonaheite, consuetudine benediktinerregel s. Graff 1, 871; dise heiligen wonheit haldet noch menich munich und och bruder biʒ an disen hutigen dac die heilige regel s. 85 Priebsch (akademie-texte 16); spate, e er zu huse quam, waʒʒer er vor dem kloster nam ... daʒ in dikein durst me twanc. ... daʒ nieman sich mochte ergern dar an, ob er zuvil icht trunke und uʒ der maʒe hunke. diʒ schuf sin wonheit zu pflege. passional 364, 23 Köpke; desgl. (in var.) Iwein 893; ebenso s. Germania 4, 246; ztsch. dtsch. a. 11, 495. die älteren niederdeutschen quellen weisen mit dem präfix fast nur die form gewohnde auf (s. d.); die bildung mit heit entbehrt meist des präfixes: als ein alt wontheit was Unnaer freibr. (v. 1346) art. 12 s. Schiller-Lübben 5, 767; herkomen wontheiden (Göttinger urk.); na wontliker wonheit des closters (kloster Meding 1410) u. a. ebenda. der begriff der habitatio andererseits, der sich beim präfixlosen substantiv nicht an zusammensetzungen mit heit, sondern an das verbalsubstantiv auf ung geheftet hat (s.wohnung gegen gewöhnung) ist aus mittel- und oberdeutschen mundarten auch an gewohnheit belegt: werdin muʒe di gewonheit ir wuste unde in den pallasten ir nicht insi der do wone Trebnitzer ps. 68, 26 Pietsch s. 54 (habitatio entwelung Mentel, wonung von Zainer ab; ir wonunge müsse wüste werden Luther); lustige gewohnheit, angenehme wohnung Tobler Appenzeller sprachschatz 248a; vgl. andererseits: hast mich allzeit gelernet, wie ich soll mein wonung und gewonheit haben mit frommen und geistlichen leuten verdeutschung von Bebels facetien L 2a. I@1@c@aα) in den ältesten belegen bis weit in die mittelhochdeutsche zeit weist die form unseres substantivs auf die zusammensetzung mit gewona, gewone hin: giwonaheiti Steinmeyer-Sievers 2, 271. 273. 166; kewoneheiti 1, 734; kewoneheite Notker s. Hattemer 3, 57a; dazu vgl. gewonehaid (var.) Rolandslied 4456; gewonnehait himml. Jerusalem, gewoneheit in Veldekes Servatius und bei Konr. v. Fusserbrunnen, ja auch im Nibel. lied 1242, 3 und Gottfrieds Tristan 1974. — synkope des unbetonten vocals zeigen zuerst die Freisinger glossen d. 11. jahrh.: giwonheit Steinmeyer-Sievers 4, 527; sie überwiegt in der mittelhochdeutschen dichtung, wofern ihr das versmasz nicht widerstrebt. die frühesten zeugnisse stehen sämmtlich unter lateinischem einflusz, wenn sie auch nicht immer an fremdes vorbild unmittelbar anknüpfen. die germanische dichtung, die im wortschatz selbständiger dasteht, läszt ein bedürfnisz nach entsprechenden substantiven nur selten durchfühlen, einigemale zeigt sich das wort sitte, das auch der Heliand belegen läszt, während dessen einziges zeugnisz für gewono problematisch ist. bemerkenswerth ist, dasz die Tatianübersetzung, die lat. consuetudo durchweg mit giwona deckte, gegenüber von gewonheit versagt, während dieses bei Otfrid und Notker herrscht. I@1@c@a@11)) unmittelbar auf lat. prägungen führen wendungen zurück, die als träger des begriffes eine gruppe in anspruch nehmen. anfangs tritt unser subst. hier auch noch häufiger für lat. usus ein, dem später die jüngere bildung (ge)brauch dient. sonst bietet hauptsächlich die consuetudo den ausgangspunkt: usu, giwonaheiti glosse zu Gregors homilien Steinmeyer-Sievers 2, 271; in usum in giwonaheit 273; usus giwonheit 4, 527; usus publicus, diu frona giwonaheit (zu Prudentius) 2, 431, conspersionibus giwonaheitin (gl. zu Gregors cura) 2, 166; fluxa consuetudo, unstatigu kiwoneheit 2, 202; consuetudinem kewoneheiti 1, 734 (zu Luc. 2, 27; vgl. wie man pfleget nach dem gesetz Luther; daʒ si teten nach der gewonheit der ee ältere Bibel); endi thanana so warth gewonohed that man hodigo ... beged thia gehugd allero godes heligono (Beda: ex hac ergo consuetudine decretum est) alts. bruchstück einer homilie Bedas 18 Wadstein; ja ist iu in thesa ziti zi giwonaheiti ih uʒar themo wiʒe iu einan haft firlaʒe. Otfrid 4, 22, 9 (est autem consuetudo vobis, Johannis 18, 39 wan es ist gewonheit ältere bibel); dazu vgl.: negotiale ist ter strît, ter umbe daʒ kewoneheite geskihet, alsô choufliute strîtent, taʒ ter chouf sule wesen stâte, der ze iar-mercate getân wirdet, er sî reht alde unreht, wanda iʒ iro gewoneheite ist Notker Boethius (Hattemer 3, 57a); vgl. auch als einzigen beleg für die beziehung auf ein individuum: habe in gewoneheite, unser heilig sang zelobenne, suesce probare sacros cantus Notker (Martianus Capella) Hattemer 3, 333a; vgl. auch ungewoneheite, insolentia (Boethius) 86b. I@1@c@a@22)) auszerhalb der anknüpfung an unmittelbares lateinisches vorbild überwiegt andererseits die beziehung auf individuelle träger; gegen: insolenter prolata sunt, id est wider gewoneheite, quae per derivationem aut interpretationem novantur Notker v. d. redekunst (Hatt. 3, 580a); vgl.: hiar manot unsih druhtin Kristso sin giwonaheit ist; hiar lerit unsih dat sinthaʒ wir thultige sin. Otfrid 3, 19, 1; Gregorius ther guatoer spunota iʒ gimuato joh filu scono in war minso ist giwonaheit sin. 5, 14, 26; kîeng ter mâno ûf mit sînemo gesternôten brîdele, daʒ chît an des prîdele guoneheite ist sternen zemalenne ... Notker Mart. Cap. (Hatt. 3, 317b). I@1@c@bβ) die mittelhochdeutsche zeit förderte sichtlich die verbreitung des substantivs, vor andern wird es von Hartmann gepflegt. I@1@c@b@11)) während die verbindungen mit verbis besonders entwickelt werden (s. u.), bleiben hier die mit nominibus im rückstand. I@1@c@b@1@aa)) so ist die zusammenstellung mit anderen substantiven erst in den anfängen (vgl. dagegen unten zur rechtssprache) namentlich soweit bedeutungsverwandte in betracht kommen: I@1@c@b@1@a@aα)) nu wil der site niuwe und diu gewonheit werden daʒ diu manne ûf erden sint getriuwer dann diu wîp. Konrad von Würzburg Partonopier 14975; vgl. auch oben (zu sitte und zu übung): die swuor herzog Albrecht nâch der ê gewonheit und reht ze konen ze nemen. Ottokar österr. reimchron. 13936 Seemüller, vgl. auch unten zu gewohnh. und recht; so daʒ der pristere halde die forma und die gewonheit die gegeben ist von dem heilegen geiste, wanne die herschaft geschiht niht von der wirdicheit des pristers, sunder von den worten und der gewalt unsers herren Jesum Christum. pred. bei Schönbach 1, 8; I@1@c@b@1@a@bβ)) dagegen führte die auf antikes vorbild zurückgehende gegenüberstellung von natur und gewohnheit (s. sp. 6531) zu bestimmten syntaktischen formen: gewonheit ist diu ander natûre der veredelt, der ist ein gebûre. Konrad v. Haslau jüngling 1165; s. ztsch. d. a. 8. bringest du dîn kint in die gewonheit der rehten mâʒe, eʒ ist iemer deste maeʒiger an eʒʒen und an trinken ... wan gewonheit ist etewanne rîcher danne diu natûre Berthold v. Regensburg 1, 35; vgl. auch sog. St. Georgener prediger 244, 23 Rieder. dazu vgl. Seifried Helbling 8, 1; Freidank 108, 7; jüngerer Titurel 5344 (s. o.). I@1@c@b@1@a@gγ)) die unterordnung des substantivs unter ein anderes ist erst spät bezeugt: der gewonheit meisterschaft die hat sunden solche kraft. beispiel Salomos 105 s. mhd. erz. 91 Rosenhagen; I@1@c@b@1@bb)) attributive verbindungen, die später den gebrauch des substantivs beleben, sind noch wenig belegt, sie treffen die alte und die boese gew., um die sich einige andere kennzeichnungen schlieszen: nach aldir gewonheit alrest man darin treip welch noʒ man ophir wolde. Helwig märe v. hl. kreuz 549 Heymann. das gleiche st. Georgener prediger 244; von gote sî verwâʒen diu ungnædige stunde an der sich êrste begunde diu vil swære gewonheit daʒ sô grôʒ herzenleit von herzeliebe geschiht. (Hartmann) 2. büchlein 9 Haupt, ebenso Gregorius 453; eʒ ist, daʒ etsliche lute nemin sich mit einander an ein sunderlicheʒ leben han unde vil vremder gewonheit, die niht mit der gemeine treit. buch der Maccabäer 11957 Helm; der trouf der got sin hus erwert, daʒ er durch not dar uʒ vert, daʒ ist die bose gewonheit ... beispiel Salomos (mittelhochd. erzähl. 106, 99) s. akademie-texte 17, 91; vgl. Freidank 108, 7; Hugo v. Trimberg renner 20443 Ehrismann; und pöse werch die sein so verch das seu pringen ain pös gewon und pös gewonhait geit pösen lon. Vintler pluemen der tugent v. 7421 J. Zingerle; auch anhaltspunkte über das, was gewohnheitsmäszig wiederholt wird, bietet das adjectiv einigemal dar: eʒ het der künec Artûs ze Karidôl in sîn hûs zeinen pfingesten geleit nâch rîcher gewonheit ein alsô schoene hochzît. Hartmann Iwein 34 (var.: rittere, sîner) vgl. dagegen gew. diu ist rîche (s. o.); nu daʒ sîn toufaere alles sines dinges was bereit, nâch touflîcher gewoneheit. Gottfried Tristan 1974; für den gegensatz zwischen der individuellen und der typischen entwicklung des substantivs werden possessivbestimmungen aller art angezogen. welche bedeutung diese namentlich für die letztere gewinnen können, zeigt Konrad von Megenberg: wer in clistiert mit rautenwaʒʒer, sô pringt er den frawen ir gewonhait, diu menstruum haiʒt buch der natur 370; eʒ ... pringt daʒ harmwaʒʒer vast und den frawen ir gewonhait oder ir haimlichait 385. weitere belege aus der älteren medicin s. sp. 6570. I@1@c@b@22)) auch für die verbindung mit verbis zeigen sich unterschiede im gebrauch des substantivs je nach der individualistischen oder der typischen zielrichtung: die erstere begünstigt die function des objects, die zweite die des subjects neben dem verbum. weniger fällt der gleiche gegensatz bei der angliederung durch präpositionen ins gewicht. I@1@c@b@2@aa)) bei der richtung auf typen als träger des begriffs überwiegt I@1@c@b@2@a@aα)) die subjectfunction vgl. ôch môʒe wir allesament dolen alse wir her sîn komen swaʒ einem gschît ze leide: daʒ ist onser gwonheit dâ heime. Crescentia 30 Schade; der haiden gewonhait was das sie alle ir weiszhait legten an die ratt liett. Heinrich von Neustadt Apollonius 397 Singer; iʒ was ein gewonheit obir al die judischeit. Helwig maere v. heil. kreuz 513 Heymann (mos enim erat); vgl. auch iʒ was gewonheit in der alden êe ... daʒ predigten 1, 34 Schönbach; altes passional 345, 79 Hahn; nu was do di gewonheid, wer den schifbruch uf deme wassir leid, wo danne her were geborin, so hatte her lib und gut vorlorin. Joh. Rothe passion 1186 Heinrich; nu schult ir vernemin wannin diu geunheit erchse, daʒ ... spec. eccles. 70 Kelle; dagegen vgl: swie vil man vor uns lobt die alten unser gewonheit wir doch behalten, si sîn ûbel oder guot: wol im, der daʒ beste tuot! Hugo v. Trimberg renner 4452 Ehrismann; beruochen den licham als der gewonheide gezam mit sidinen tuochen. altes passional 130, 15 Hahn; I@1@c@b@2@a@bβ)) unter den präpositionalverbindungen überwiegt die der lateinischen formel secundum consuetudinem (ordinem) nachgebildete: swes iemen anders pflac diʒ enkam von ir herzen nie unʒ man des andern nahtes gie slâfen nâch gewonheit. Hartmann von Aue armer Heinrich 515; vgl.(s. o.) Iwein 34; Gottfrid Tristan 1974; vgl. altes passional 369, 11; (nach der gew.) 332, 11; dô hieʒ man si beidestên an einen rinc nâch gewonheite.vil manic jungelinc in vrœlîchem muoteir zegagene stuont. Nibelungen 1621, 2; ebenso 946, 1; 1610, 1; vgl.(s. o.) nach aldir gew.; dem bâbst er nâch (var. nâch der) gewonheit swuor. Ottokar österr. reimchron. 8730 Seemüller; gnuoge ûʒ Beierlande solten hân genomen den roub ûf der strâʒen nâch ir gewoneheit: sô heten si den gesten dâ getân vil lîhte leit. Nibelungen 1242, 3 Lachmann; ebenso Hartmanns 2. büchlein 561 Haupt; Jüdel 130, 7 Hahn; (nach der kunige gew.) Ludwigs kreuzfahrt 346; (nach der minren bruder gew.) Regensburger klarissenregel 7 Schönbach; die herren hoch ahtbær ilten alle bloʒ im mit, als man nach jægerlichem sit spulget mit gewonhait. Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 18971 Regel; lêret zuht und êre, daʒ sie sîn in gewonheit komen Berthold v. Regensburg 1, 34; der pabest unde die cristenheit gebuten zu gewonheit daʒ man den tach uber al dem heiligen engele viren sal. altes passional 337, 31; ... waʒ man in solde machen sleht, an ir gewonheit und ir reht beʒʒern und iteniwen ... Ottokar österr. reimchron. 14250 Seemüller; I@1@c@b@2@bb)) wo das substantiv auf einen individuellen träger des begriffs zielt, zeitigt die mittelhochdeutsche dichtung eine für den fortschritt der bedeutungsentwicklung charakteristische wendung, bei der der träger des gewohnheitsbegriffes mit dem subject des satzes nicht identisch ist: nu schone muoder unde maget reine dine gewonheit mir erscheine ... vrowede inde blitschaf gif och mir. Marienlieder 22, 38 W. Grimm; ditz was Erecke leit: wand er vorchte die gewonheit, er solt in ûʒ getriben hân als im vor was getân. Hartmann Erec 294; die her sint komen und rîter wâren als ir, die habent alle sament mir geleistet mîne gewonheit ... zwêne risen die sint hie: desn ist dehein mîn gast erlân erne müese sî bestân. Iwein 6595; dazu vgl. (mit einer mehrheit von trägern des begriffes): si habent ir sorege geworfen zerucge ... si sulen unsih laiten uʒ tisen arbaiten ... ube wir wellen begen di gewonnehait di si habend. himmlisches Jerusalem s. Diemer deutsch. gedichte 368, 14; anders: Socrates spricht: 'du wilt dich lassen den zoren überwinden, nein, tue das voren, das dein gewonhait den zorn überwint'. Vintler pluemen der tugent 1478 (var.: manheit); I@1@c@b@2@b@aα)) zur unmittelbaren verbindung mit verbis vgl. hier die spärliche entwicklung der subjectfunction: eʒ waʒ ie ie gewonheit. der Stricker Daniel 933 Rosenhagen; (vgl.doe was sîne gewoneheit Veldeke Servatius 1013); gegen eʒ ist site mîner herren Nibel. 1801, 2. anders zu beurtheilen sind die folgenden wendungen, die der personification sich nähern: er hete in kurzen stunden den helm ûf gebunden und was viel schiere gereit: daʒ lêrt in diu gewonheit. Hartmann Iwein 4976; genau so 6998; (ähnlich, als in d. g. lêrte) 5329; vgl. die rechtsformel quum consuetudo dictat weisthümer 5, 1; so irret mich diu gwoneheit. Konrad v. Fussesbrunnen kindheit Jesu 75; als in die gewonheit betwanc altes passional 166, 80 Hahn; dagegen vgl. die reiche entwicklung der objectfunction: eʒ bedarf vil wol gewonheit swer guot ritter wesen sol. Hartmann Gregorius 1564; David was vil lutzeler gescaft. got selbe gap ime die craft ... got hat inoch di selben gewonhait eʒ wirdet dir huite vil lait, daʒ du wider gote hie stast. Rolandslied 4456; Patricius het ein gwonheit: swâ er fuor ode reit ... Patricius bei Kraus s. 35; ebenso Rudolf v. Ems Barlaam v. 1743; desgl. die milde königin v. 4 s. kleinere mhd. erz. 154 Rosenhagen; (der hunt eine gew. hat) Heinrich v. Hesler apokalypse (Danziger hdschr.) 22976 Helm; kniete er drie stunt vorwar vlehende in andacht gar gotis groʒe mildekeit, als er da vor gewonheit hatte. poet. bearb. d. buchs Daniel 5330 Hübner (akademie-texte 19); das gleiche leben d. heil. Elisabeth 9790 Rieger; nu hete der künec die gewonheit daʒ er nimmer keinen eit bî sînes vater sêle swuor wan des er benamen volvuor. Hartmann Iwein 893 (wonhet A.); das gleiche s. kleinere mhd. erzählungen 197 Rosenhagen; swa ich sin zeichen vinde, daʒ ich zuhant erwinde und muʒ entwichen uʒen wege, wand ich der gewonheit pflege alle zit gewonlich. passional 347, 68 Köpke; an disem ungewinne, erzeigte ouch vrou Minne ir swaere gewonheit. Hartmann Gregorius 453; do sprach der bote frone du handelst mich nu schone dein gewonheit du brichest herre unt vater du sprichest. Tnugdalus s. Hahn 46, 49; desgl. Iwein 204; mhd. erzähl. 174, 122; an dem hât diu nâtûr ir gewonhait verändert Konrad v. Megenberg 122. I@1@c@b@2@b@bβ)) unter den präpositionalverbindungen ist auch hier die mit nach bevorzugt, sie ist mit dem possessivpronomen verbunden, dessen sie aber entbehrt, wenn der einzelne einem brauche folgt, der allgemeiner gilt; vgl.: Gâwein tet eʒ des tages dâ guot als ouch anderswâ und nach sîner gwonheit. diu was, sô man seit, daʒ nie dehein man gesach ... Hartmann Erec 2722, ebenso Daniel 7502 (akademie-texte 19); mit plural H. v. Hesler apokalypse 13552; gegen: sô hin zu dem turneie wolt er in einen zîten nâch gewonheit rîten. Marienlegenden 4, 14 Pfeiffer; mit sinem luoder winkt er dar dem valken nach gewonhait. Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 7521 Regel; dazu vgl. die belege aus dem übergang zur neuhochd. zeit. in der gleichen richtung halten sich auch verbindungen mit anderen präpositionen, bei denen das pronomen ebenfalls fehlt: dar nâch dô mit gewonheit Jôsaphât ze velde reit, daʒ er mit willen selten lie ... Rudolf v. Ems Barlaam 32, 7 Pfeiffer; vgl. auch urstende s. Hahn 103, 39; der künec Artûs beleip dâ, daʒ tet er durch gewonheit: (durch die gew.) swer einen volcwîc dô streit ... der Stricker Daniel 5881 Rosenhagen. I@1@dd) in die lücken, die der gebrauch der mittelhochdeutschen dichtung noch offen liesz, fügen sich mannigfach verwendungen der rechtssprache ein. für diese war der lateinischenoch mehr der spätlateinischegebrauch der consuetudo in vielem ein vorbild, in manchem hat die deutsche rechtssprache an gewohnheit auch neue gebrauchsformen entwickelt, wie sie andererseits auch gegen einzelne richtungen spröder war, so läszt sich z. b. die bedeutung von steuer, abgabe zwar aus zahlreichen allgemeineren verwendungen erschlieszen, in sicherer ausprägung ist sie dagegen nur selten festzuhalten, vgl.: der — gleich wo ein gsel an dem ent sein aigen hantwerek da verpfent vor den gselen bei schelmen — schelten, mus zwo gwonheit in puechsen gelten, so oft und er das — selbig det. Hans Sachs heftelmacher-gesellenordnung 23, 67, desgl. s. 65, 66 s. sp. 6532. im ganzen empfiehlt es sich, auf bestimmte lateinische formeln der volksrechte und urkunden zu achten, die mit überraschender treue nicht nur in der deutschen rechtssprache wiederkehren, sondern die auch den allgemeineren gebrauch viel beeinflussen, wie die vergleichssätze (sicut consuetudo est. lex Visig. III, 4, 2 [monum. germ. s. 147], VIII, 5, 1 [s. 346]), die präpositionalverbindungen (secundum consuetudinem civitatis I, 2, 4 [s. 41], juxta consuetudinem IX, 2, 6 [s. 369], pro consuetudine XII, 2, 17 [s. 426]), vor allem aber auf die zahlreichen abhängigen genetive, die den geltungsbereich kennzeichnen,eine auf politischer grundlage ruhende stilistische neigung, auf die schon Montesquieu aufmerksam machte: on voit par plusieurs monumens, qu'il y (im langobardischen recht) avoit déja des coûtumes locales dans la premiere e la seconde race, on y parle de la coutume du lieu ... esprit des loix (1758) 3, 112 (28, 10); dazu vgl. die älteste deutsche übersetzung von 1753 mit ihrer bemerkenswerthen wiedergabe der einzelnen termini: man siehet aus verschiedenen alten denkmalen, dass es schon unter dem ersten und zweiten königsstamme gewohnheiten dieses oder jenes bestimmten ortes gegeben. man redet darinnen von der gewohnheit des orts, des alten herkommen (de l'usage ancien), von den gesetzen, von den gewohnheiten (des coutumes) (28, 12) 3, 880. bemerkenswerth ist, wie spärlich in den älteren dahin gehörenden verwendungen von consuetudo der plural vertreten ist, der auch noch im 13. jahrh. zurücksteht, vgl. abrenunciamus omni juri canonico et civili, civitatensi et municipali, consuetudini scripte vel non scripte (1276) Basler urkundenbuch 2, 105, ebenso 125. 215. 296; omni juri consuetudinive (1294) Pommersches urkb. 3, 215, vgl.: secundum leges patriae vel loci consuetudinem (1294) Pommersches urkb. 3, 212. dagegen vgl. den späteren gebrauch von consuetudo und von gewohnheit, wo der plural, namentlich in verbindung mit der häufung von synonymen ein hauptkennzeichen der rechtssprache bildet. I@1@d@aα) da auch die verwendung bestimmter attribute der rechtssprache schon bei dem gebrauch von consuetudo eigen, so gewinnen wir als kennzeichen dieser stilform die besondere pflege der verbindungen mit nominibus, die bei dem poetischen gebrauch des substantivs stark gegen die verbindungen mit verbis im rückstand erschien. I@1@d@a@11)) die zusammenstellung mit synonymen, auf die schon bei der abgrenzung des substantivs gegen bedeutungsverwandte (sp. 6553 ff.) zu achten war, entspringt bei der rechtssprache zunächst aus dem bedürfnisz, die abmachungen gegen alle etwaige lücken dicht und haltbar zu machen. so schwellen auch die für consuetudo ausgebildeten lat. formeln immer mehr an, vgl. predicta jura, libertates, proprietates, possessiones, gratias, donationes, approbatas consuetudines atque emunitates, quibus vos ... prediti ac muniti Brandenburg. urk. f. Grabow (1325) Mecklenburger urk.-buch 7, 279 u. a. gesteigert wird dieses bestreben durch litterarische neigungen, die um diese zeit auch in die sprache der kanzleien eindringen und die nach italienischem (lateinischem) muster auch auf deutschem boden die wortpaare häufen. I@1@d@a@1@aa)) dieser häufung der synonymen geht, wie bemerkt, eine begünstigung des pluralgebrauches zur seite; aller der rechten, rechtungen, si sien geschriben oder ungeschriben ... stett-recht, landrecht, gesäʒden, gewohnheiten der herren und des landes Habsburger urkunde von 1363 s. Herrgott 3, 714; mit allen diensten, vogtrechten und gewohnheiten weisth. 5, 131; ebenso 225. 347; desgl. (s. o.) 3, 556 u. a.; bei allen iren rechten freiheidten und gutten gewonheiten zelassende (1339) weisth. 4, 191; ... ire brivilegia, brieff, gnad ... die sie ... auf alle und iegliche guter, recht und gewonhait herpracht haben, ze bestätigen urk. v. 1415 s. Andreas v. Regensburg 178 Leidinger u. a. s. oben 1, a, β; und solliche ire stattuten iren hergebrachten rechten, gueten alten breuchen und gewonhaiten gemäss reformieren stat. v. Thurn s. österr. weisth. 5, 626; lantteding, freihaiten, recht, alt herkomen und gwonhaiten, so in demselben Clausner gericht ... von alter her ie und albegen in iebung gewest ... weisth. v. Lienzer clause s. österr. weisth. 5, 618; zu iren landtedingen, iren freihaiten, recht, alt herkomen und gewonhaiten ebenda 619. vgl. auch 2, 209; 3, 56. 57; nach innhallt unnser loblichen statutttn, auch guetten allten aprobierten gebrauch unnd gewonhait unnsers gerichts zu Caltharn urk. v. Kaltern (1519) s. acta Tirolensia 3, 1 s. 9 u. a. (siehe die pluralformen sp. 6561); alle gebräuch, herkommen, gefreiete ordnungen und gewonheiten des Römischen reichs policei-ordnung zu wider sind abgethan reichsabschied zu Augsburg 1548 s. Wehner observat. liber (1608) s. 184 u. a.; (die reichshofräthe sollen) die wahl-capitulation, reichsabschiede ... die privilegia, gute ordnungen und gewonheiten ... observationes und gebräuch in acht nehmen und nach denselben ihre decreta ... richten Londorp acta publica (1668) 1, 208; nach denen darüber vorhandenen verträgen, abschieden und gewonheiten Klingner 4, 8 u. a. gegen: so ist es allewege ein gewonheit, herkommen und recht gewest weisthum zu Staffeln (1519), weisth. 2, 586; ebenso 5, 712 (vermehrt durch weisstum, gebrauch); 4, 192 (vermehrt durch friheit); das gleiche 1, 245 (falls hier nicht plural vorliegt); alsdann ain alte löbliche gewonhait und alts herkomen piʒ her gewesen ist öst. weisth. 3, 351; ebenso 6, 219; die gerechtigkeit, alts herkomen und guete gewonhait 3, 353; und darwider keine possess, verjährung oder gewohnheit zu allegieren Klingner 2, 367; nach ordnung des gerichts und gewonhait (1474) öst. weisth. 5, 441; es wird hierbei ein merckwürdiger unterschied der gewohnheit und observantz gemacht, dass letztere bloss eintzelne personen, erstere aber gantze gemeinden angehe Klingner 4, 10. I@1@d@a@1@bb)) der besonderen prüfung bei diesen zusammenstellungen bedarf das verhältnisz von recht und gewohnheit. im gegensatz zu den verbindungen mit sitte, brauch, übung oder der beliebtesten mit herkommen (vgl. z. b. weisth. 1, 387. 626; 2, 80. 207. 453. 483; 3, 18. 207. 369. 404. 453 u. a.), dieinnerhalb der rechtsformelnidentische begriffe häufen (vgl.: iuxta morem et consuetudinem weisth. 6, 496 anm.), bilden recht und gewohnheit eher contrastbegriffe, die sich ergänzen. nicht immer freilich tritt dies so deutlich zu tage wie in: deʒ sagen wir nüt, daʒ eʒ reht si, eʒ ist ein gewonheit schwabenspiegel landrecht 87 (vgl. H. Fischer schwäb. wb. 3, 639); auch han sie gewieset zu einer gewonheit, und nit zum rechte, dass die landsiedel des stiffts ... eim herrn von Limburgk ein wan foll holtzes sollen fhren weisthum zu Mokstadt (1365) weisth. 3, 436; ganz ähnlich (mit gewohnde) 1, 491; item das hauptrecht wist man nicht vor ein recht, den vor ein herkommen und gewonheit (Gensheim) 5, 241; weniger scharf, aber meist immer noch deutlich treten sich die begriffe bei der verbindung durch oder gegenüber (quae de jure vel consuetudine fuerant [1275] Basler urkundenbuch 2, 91 desgl. 96; ganz ähnlich 2, 95. 296; desgl. [1334] Mecklenburger urk. b. 8, 420 u. a.): wen wettet ie dan rihter nach sinem rehte oder nach guoter gewonheit schwabenspiegel § 138 Laszberg; ganz ähnlich Züricher urk. v. 1334 s. u.; wer auch sach, das der vorgenanndt unnser herr ... an andern dingen ... recht hetten oder mit der gewohnheidt herbracht hetten Münster 1339 s. weisth. 4, 191; ... czu gehorungen, die von rechte adir von gewonheit czu demselben halben dorfe gehoren und gehoren mogin ... urk. v. 1399 bei Meitzen urk. schles. dörfer 39; alle die recht, sie sein geschriben oder nicht geschriben, sie habens mit dem rechten oder mit gewonhait, von alter her auf dise zeit bracht Freisinger urk. von 1379 s. Meichelb. 2, 168; die frohnen und dienste, so viel deren, rechts oder gewohnheits wegen, von euch gefordert werden s. Klingner dorf und baurenrecht 4, 7. wo die substantiva durch die partikel und verknüpft sind (vgl. secundum jus et consuetudinem [1328] Mecklenburger urk.-buch 7, 462; jus ... et consuetudo weisth. 5, 1 u. a.), wird der gegensatz natürlich noch nicht aufgehoben: ein form und weiss zu handeln ... die den keiserlichen rechten und guter gewonheit nach bestendig sein mochte Bamberger halsgerichtsordnung § 2 s. Kohler u. Scheel 2, 4; aber der gegensatz wird hier doch gemildert und vielfach verschleiert: etwa ist reht und gewonheit daʒ man vogetes dinc gebiutet dristunt in dem iare ... so ist etwa sitte daʒ man burgraven hat. der sol rihten. uber unrehte metzen schwabenspiegel landr. § 1. s. 5 Laszberg; als gewonheit und recht ist in dem Rinkgau weisth. 4, 573; 4, 623; eʒ ist auch von alter her recht u. gewonhait, daʒ ain ieclich schulthaiʒe sweren sol (1300) Nürnberger polizeiordnungen 7 Baader; u. a.; als das vor langen zeiten recht und gewonheit ist gewest weisth. zu Kirburg 1461 s. weisth. 1, 640 desgl. weisth. 3, 656. 658. 659. 661. 731 u. a. Reyscher altwürtemberg. statutarrechte s. 47 u. a.; desselben hofs gewonheit und rechtung öfnung v. Winkel (1417) s. weisth. 1, 86; desgl. 1, 38; nach des purgrafen ampt, rechten und gewonhaiten ist weisth. 5, 101; ähnlich 5, 420; 2, 144; 2, 254; das recht zu sprechen noch des hofes recht und gewonheit zuo Spechbach 4, 34, 48; ähnl. 4, 273; 5, 85 (nach rechtung und gew.); von rechts und gewonheit wegen 9, 181 u. a.; das gleiche Grimmelshausen Simpl. 185; nach recht und gew. Mathesius Sarepta (1571) 21b; alles nach ihrem lust und gefallen, hindangesetzt der recht und alters gewonheiten administrirn. lermenblasen und ursachen des ... kriegs zw. d. catholischen u. calvinisten (1616) s. Londorp 1, 305b (1668); dazu treten weitere momente, die die begriffe näher bringen, wie der pluralgebrauch, vgl. die rechte in der obigen Freisinger urkunde, vgl. alle ihre gericht und guten gewonheiten, so si untzhar gebrucht hand, und auch nürlich geordnet haben, si sigend ietz uff ir stattbuch geschriben, oder werdent noch daruff geschriben Züricher urkunde von 1393 s. Tschudi 1, 579; vgl. auch die negirung: soliche unbilliche gewonheit und unrecht bei Herrgott genealogie dipl. Habsb. 3, 791; dasz gottsheuser und closter dick von gezwungen diensten und von ungerechtem gwalt, bosz gwonhait und onbillich recht wachsend und grossen schaden bringen J. Knebel, chronik v. Kaisheim 127 (1531) Hüttner; noch weiter führen die compositionsformen s. u. dieser mannigfaltigkeit des gebrauches gegenüber hatten die versuche der rechtswissenschaft, die beiden begriffe in ihrem gegenseitigen verhältnisz zu bestimmen, einen um so schwereren stand, je mehr sie von den einzelheiten weg allgemein gültigen sätzen zustrebten. vgl. schon: des auteurs ont cru, que ce qu'on nommoit des coutumes, étoient des loix des peuples barbares et que ce qu'on appelloit la loi, étoit le droit Romain. je prouve que cela ne peut être. Montesquieu esprit des loix (28, 10) 3, 113; dazu vgl. die bei gewohnheitsrecht (s. d.) angezogene litteratur. frühzeitig wird mit einem negativen bestimmungsmerkmal operirt, dem gegensatz gegen das geschriebene recht: nach rechtem lantrechte u nach geschribenem rechte, sicut ordo juris et consuetudinis exigebat deutsche und lat. fassung (in umgekehrter reihenfolge) einer Klingenthaler urkunde von 1276 s. Basler urkundenbuch 2, 118; vgl. gewohnheiten und dann die geschriebene recht altes badisches landrecht (1622) II, 4 § 2 u. a. aber dieses merkmal versagte gegenüber der späteren aufzeichnung der gewohnheiten in den weisthümern, vgl. z. b. gewonheit consuetudo. tacito consensu introducta. jus non scriptum ... paulatim tamen etiam multae consuetudines memoriae causa, in scripturam redactae sunt Haltaus 706; daher wurde schon früher ein weiteres negatives merkmal mit gewohnheit verknüpft: gewohnheit ... wird sonst dem geschriebenen recht entgegengesetzt, nicht als ob sie nicht in schrifften könnte gebracht werden, sondern weil sie ohne promulgation des oberherrn in einem lande durch langen gebrauch als ein recht eingeführet wird J. E. v. Beust tract. de jure venandi (1744) 610; in der verbindung durch langen gebrauch als ein recht eingeführet liegt überdies ein positives bestimmungsmerkmal, das sowohl aus der bedeutungsentwicklung des substantivs gerechtfertigt ist als auch mit den vom römischen recht entlehnten positiven inhaltsangaben für die consuetudo, die den gebrauch unseres substantivs vielfach beeinfluszt haben, übereinstimmt, vgl.: consuetudo igitur & observantia ... sunt actiones plures uniformes hominum in una societate civili familia majore viventium P. Herff [(praeside) C. Thomasio], dissertatio inauguralis ... de jure consuetudinis et observantie (Halae 1699) s. 7; zu einer zu rechte beständigen gewohnheit wird erfordert, 1) dasz sie der gesunden vernunfft gemäsz sei; 2) dasz die actus, oder geschichte, wodurch eine gewohnheit wil eingeführet werden, zum öffteren vorgefallen; 3) dasz dieselbe actus zur wissenschaft majoris partus populi ... gekommen, worausz tacitus populi consensus ... zu mutmassen; 4) dasz die gewohnheit alt sei, und von vielen jahren hero im schwange gangen Schlüter s. 3 (ähnliche definitionen für englisches custom und franz. coutume ebenda) u. a., vgl. solchem nach wird die gewonheit betrachtet: als ein recht, welches vermittels der stillschweigenden einwilligung des oberherrn durch die widerholeten gleichförmigen, schicklichen, auch unverrückten handelungen der untertanen binnen einer rechtmässigen zeit eingefüret wird Estor 3, 54. die Teutsche sahen ungemein auf ire bräuche und gewonheiten. dise machen ebenfalls einen teil der rechte aus, im falle sie ire behörige erfordernisse haben und erweiszlich zu machen sind ebenda. unter bestimmten bedingungen kommen gewohnheit und recht also in ihrer bedeutung eng zusammen, wobei die formeln gern bald das eine, bald das andere wort auch sprachlich näher bringen. zur gewohnheit treten attribute: gute, rechte, zu rechte, beständige gew., das recht wird durch ableitungen wie gerechtigkeit ersetzt: nach uralt hergebrachter gew. und gerechtigkeit (1494) öst. weisth. 9, 186; hie ist vermerkt die gewonhait und gerechtigkait der nachpaurn ze Stumb gegen ein ander ie und ie gehalten habent von etzung und besuch wegen weisth. v. Stumm s. österr. weisth. 2, 145; vermerkt der stat Braunegk gerechtigkait, gewonhait und altz herchomen, die man haltet 5, 467; ebenso 2, 139; 6, 8 u. a. solche sprachliche differencirung der substantive dient aber nicht nur dazu, sie einander begrifflich näher zu bringen, sie tritt auch da ein, wo die gegensätze hervorgehoben werden. namentlich machen sich in verbindungen von recht die merkmale geltend, die der gewohnheit abgehen: wenngleich eine gew. wieder ein beschriebenes recht lieffe, so müste dennoch, wenn alle zur gewohnheit erforderte umstände vorhanden, und die gewohnheit nach publication oder kundmachung des beschriebenen rechtes aufkommen, sothane gewohnheit von solchen würden geachtet werden, dasz ein richter ... nach der gewohnheit urtheilen müste Schlüter s. 2. gewohnheit erscheint also als eine rechtsquelle, und den contrastbegriff bildet das kundgemachte oder publicirte recht, das wir jetzt als gesetz bezeichnen und dessen hauptmerkmal darin besteht, dasz es nicht durch langen gebrauch wie die gewohnheit, sondern durch den act der festsetzung (und veröffentlichung) unmittelbar eingeführt wird: das recht wird abgetheilet in ... die gesetze; und das ungeschriebene so in den gewonheiten bestehet Butschky rosenthal (cap. 526) s. 1097, s. auch 1007; hält es vor billiger, dass hierunter ins künfftige den landesconstitutionen, gesetzen, gewonheiten und allgemeinen rechtes nachgegangen werde (1749) Klingner dorf- und baurenrechte 1, 600, desgl. 3, 20; sobald gewohnheiten oder gesetze über privatgeschäfte der unterthanen entstehen J. S. Pütter jur. encyclopäd. s. 45, desgl. 34; vgl. auch J. H. Hermann teutsches systema jur. civ. s. 24 u. a.; seine gesetze waren lange von ihm selbst bewilligte gewohnheiten, über die er nur als ein freimann von seinesgleichen konnte gerichtet werden Herder (wie d. dtsch. bischöfe) 5, 680; ihre alten gesetze und gew. 14, 522; so lebt dies volk noch jetzt in gewohnheiten, die eigentlich nur aus seiner asche zu gesetzen gesammlet wurden (ideen 4, 18) 14, 360; die gewohnheit hat sich in ein gesetz verwandlet Abraham a S. Clara lauberhütt 2, 59; wie ... uralte gewohnheit zum förmlichen gesetz, wie häusliche sitte zur bürgerlichen pflicht (sich verhält) Herder (archäologie des morgenlandes) 6, 68; gesetz und gewohnheit habe mit der ehe gar strenge fesseln vereinigt, und nicht selten folge nach einem kurzen zeitraum die bitterste reue Heinze (Hildegard 3) 6, 141. auf einen solchen gegensatz scheint schon die lat. formel omni juri, statuto seu consuetudini (1277) Basler urkundenbuch 2, 125 (vgl. auch 2, 223. 296) zu deuten; wie weit die deutschen entsprechungen sich anschlieszen, entzieht sich unserer beurtheilung: statut und gew. öst. weisth. 6, 8; ordnungen, statuten und gewonheiten P. M. Wehner observat. liber (1608) 181; ordnungen ... gebräuch und ... gewonheiten ebenda; dazu vgl. gewonheit und gesezede u. a.: ich verzihe mich ôch alles schirmes gaischeliches und welteliches gerihtes ... aller gewonhait und aller gesezede der lande und der stette, und aller briefe des bapstes urkunde von 1313 s. ztschr. f. gesch. des Oberrheins 12, 229; und ensol ôch uns ... hievor nit schirmen ... enkein frieheit satzunge noch gewonheit der herren, der stetten noch des landes schuldverschreibung aus Solothurn (1392), s. urk. z. Schweizer gesch. 2, 266; die nach den selben geseczen und vernichtïgen gewonhaiten richten und urtailen urk. v. 1415, s. Andreas v. Regensburg 179 Leidinger; alte gew. und gesatzt ... des gerichts Schlanders öst. weisth. 3, 167; alte gewonheit ablegen, compact und vereinung ufflöszen, die gesätz verschlagen ... (consuetudine abolita) Ulr. v. Hutten (Vadiscus) 4, 208 Böcking; was ain gesatzt und gew. hie dtsch. städtechron. 5, 73; dazu vgl. auch: hant wir inen bestetiget alle iriu recht friheit und guote gewonheit und die gesetzde die man da nennt zünfte hantfeste von bischof Johann 1337, s. urkundenbuch v. Basel 4, 125; nach jres heiligen ordens ghwonheit und gesätzen stiftsbriefe für das kloster zu Abensberg (1485), s. Hund metropolis Salisb. 2, 227; nach gesatz und wohnheit 227. in der neueren gegenüberstellung der gewohnheit gegen ihren contrastbegriff geht sie zusammensetzungen mit recht ein, vgl. rechtsgewohnheit für die einzelne erscheinung, gewohnheitsrecht für das gleiche und für den begriff als ganzes; vgl.: von dem tag an ... ist ... die kraft aller land- und stadtrechte und aller rechtsgewohnheiten aufgehoben einführungsedict zum bad. landrecht von 1809, § 17 (s. justizgesetze f. Baden 1, 560); nach gemeinem ... römischen rechte sollte die gewohnheit in der that rechtsgewohnheit sein, d. h. sie muszte gegenständlich auf rechtsverhältnisse sich beziehen Wetzer u. Welte 5, 575; gegen: wir verordnen noch ausdrücklich, dass die andern gemeinen rechte ... auch nicht einmal als gewohnheitsrecht, welches wir überhaupt ... aufheben, geltend gemacht werden sollen 2. einführungsedict § 3 (ebenda 1, 564). der tiefstand in der werthschätzung des gewohnheitsrechts, der hier zum ausdruck kommt, hängt mit der allgemeinen überschätzung zusammen, die jene zeit der gewaltsamen durchführung einer auf vernunftgründen beruhenden, für alle geltenden norm entgegenbrachte. über die gegenströmungen gegen diese auffassung vgl. bei gewohnheitsrecht. hier vgl. noch: ein rechtsgebäude, welches zwar aus der fremde ... hergeholt war, aber durch ... die nüchterne, klare und genaue auffassung der rechte und pflichten die sinnbildlichen handlungen und hundert unverständig gewordene gewohnheiten in den hintergrund drängte G. Freytag (bilder a. d. dtsch. vergangenheit 2, 5) 19, 152. I@1@d@a@22)) attribute treten zum substantiv vor allem da, wo es sich den einzelnen formen der verwirklichung zuwendet, nicht da, wo es den begriff als ganzes zum ausdruck bringt. sie zielen auf die verbindlichkeit und gültigkeit einzelner bräuche und gehen zumeist von den oben besprochenen normen aus, wobei sie vielfach lateinischem vorbilde folgen. I@1@d@a@2@aa)) auch hier kehrt zunächst der begriff des rechts wieder, diesmal in der kategorie des adjectivs, in der es eins der beliebtesten beiworte der älteren sprache wird. über den engeren rahmen der rechtssprache weist dieses beiwort höchstens in der negirten form hinaus: sve den tegeden na rechter gewonheit gift, die hevet ene wol gegeven sachsenspiegel II, 48 § 10; ebenso (na rehter wonheit) I, 63 § 4 u. a.; nach rehter warheit so hat sich eigenschaft von twancsal und von vancnusse erhaben, und von manegem unrehten gewalte, den die herren von alter her in unrehte gewanheit gezogen hânt schwabenspiegel 256, 7 (die stelle schon im sachsenspiegel III, 42, 6 unrechte wonheit); daz der keiser nit en hat so sere virboten, so unrecht gewonheit, die die lute machen, wan unrecht gewonheit die phlanzet wit und verleitet die lute ... wo man die findet, die unrecht gewonheit halden, daz man die zu gerechter gewonheit brenge kaiserrecht II, cap. 47 Endemann. I@1@d@a@2@bb)) dagegen greift der gegensatz von gut und böse über die rechtssprache hinaus (s. u.), in der er schon in den ältesten belegen an die erste unter den forderungen anknüpft, die für eine zu rechte beständige gew. als unerläszlich angesehen werden. es läszt sich nicht leicht feststellen, wo in jedem einzelnen falle die ethische bedeutung von gut vorwiegt und wo die mehr geschäftsmäszige deutung statt hat, die auf nichts anderes hinausläuft als rechte gew. I@1@d@a@2@b@aα)) von guoter gewonheit suln wir hie sprechen ... swa guot gewonheit ist die ist guot ... und reht ... wan diu da reht ist diu ist och gut ... daz ist guot gewonheit ... und rehtiu gewonheit ... diu wider geistlichem reht niht ist ... und diu wider den menschelichen zuhten niht ist ... noch wider der selicheit nit ist der eren ... und der sele ... disiu gewonheit heiʒet stete und rehte gewonheit ... und des landes guotiu gewonheit ... guotiu gewonheit ist als guot als gescriben reht ... daʒ bewaret disiu srift (de jure scripto) schwabenspiegel landrecht (§ 44), s. 24 f. Laszberg; als im danne gesetzet ist nach guoter gewonheit (§ 121) s. 60 (vgl.: secundum jus et bonam consuetudinem [1274] Basler urk. b. 2, 81 u. u.); von recht oder von guoter gewohnheit tuon urkunde von 1334, Züricher urk. b. I, 57 Holz; ganz ähnlich Bamberger halsgerichtsord. § 2 Kohler-Scheel; dazu vgl. weisth. 4, 297; 5, 239; 1, 99; öst. weisth. 5, 421; 603 f.; 2, 203; mit sambt iren alten herkhumen und guten gewonheiten die sie redlich erworben Karls V. bestätigung für Alpirsbach (1530), s. Reyscher 51; vgl. auch schon weisth. 4, 191; guter gewonheit wegen, als die die gepurschaft und daʒ dorf von alter her praht hand rechte zu Langenerringen (1378) weisth. 3, 642; wie an jedem ort mit guter gewonheit herkomen ist Carolina § 80, s. Kohler-Scheel 1, 45; dazu vgl. (s. u.) alte gute gew.; gute redliche gew. öst. weisth. 9, 491; gute gew. 3, 356; 6, 219; auff bösz gewonheit urteil geben die dem rechten wider streben ist diser plinden narren leben. holzschnitt der Bamberger halsgerichtsordnung; s. Kohler-Scheel 2, einl. s. 41; vgl. schon bose gewonheit sal man abtun, daz ir die lute icht geergert werden kaiserrecht II, cap. 47; vgl. de mala consuetudine, consuetudines injustae, detestabiles, perniciosae s. Endemann a. a. o. vgl. auch unten sp. 6560. I@1@d@a@2@b@bβ)) weniger verbreitet sind einzelne bezeichnungen ähnlicher richtung, die enger an lateinische formeln sich anlehnen (iuxta ... approbatam nostre consuetudinem civitatis Basler urk. b. 2, 61 (1273); secundum approbatam et ... confirmatam consuet. Basil. civit. (1274) 2, 73; desgl. (1295) Pommersches urk. b. 3, 226; secundum terre consuetudinem approbatam (1276) fontes rer. Austr. II, 31, 337 u. a., [1325] Mecklenburger urk. b. 7, 279; ebenso [bonos usus et app. cons.] Haltaus 717; statuta et consuetudines laudabiles Mecklenb. urk. b. 9, 68 [1337]; et consuetudinem rationabilem et praescriptam [1328] 7, 462; iuxta antiquam laudabilem consuet. goldene bulle 160 Zeumer (cap. 1), u. a.): die teutschen gewonheiten sind bald vilerlei, teils allgemeine, teils besondere, bald löbliche und gute, bald böse, auch tadelhafte, so wohl bejahende als auch verneinende Estor 3, 55; gute unde lobeliche gewonheiten zu mehren ... ungöttliche unbillige bräuche abzunemen s. Haltaus; lobeliche gew. [1358] ebenda; pei alter und leblicher gebonat und gerechtikat weisth. v. Friedberg (16. jahrh.) s. österr. weisth. 6, 90; lobliche gew. 3, 351; 3 u. a.; vgl. auch löbliche gewohnheiten und dann die geschriebenen recht altes badisches landrecht (1622) II, 4, § 2; solche unbilliche gewonheit und unrecht diplom könig Ruprechts s. u.; nach den ... landspreuchigen gewonheiten (1650) öst. weisth. 7, 903; da alwege al ehaftnen gewonhaiten ... des gotzhus Ittingen jährlich eröfnet werdent (1420) weisth. 5, 108; redliche, ehrbare, vernünftige gewohnheiten im Hamburger statut s. Schlüter s. 4; es soll eine gute und vernünfftige gewonheit sein s. Besold-Diether continuationes (Nürnberg 1679) s. 239; unvernünftige böse gewohnheiten (illaudabiles cons.) Wehner observat. liber (1608) 181; was dergleichen hergebrachter und beweisslicher gewohnheiten mehr sein möchten Klingner 3, 240; vgl. auch heilsame ordnungen, gute erbar gebräuch, und wolhergebrachte geübte gewonheiten P. M. Wehner s. 181; wohlhergebrachte gewohnheiten einführungspatent z. allgem. preusz. landrecht (1794); rechtsbewährte und erwiesene gewohnheiten C. F. Glück erl. d. pandekten 1, 413; die gewohnheit wird eingetheilet in allgemeine durchgehende gew. und localische oder ländische gew. J. H. Hermann teutsches systema jur. civ. (1762) s. 56; algemeine gewonheiten H. C. v. Senkenberg rechtsgelehrsamkeit (1764) 67; algemein gebilligte gewohnheiten L. Fenderlin versuch eines auszugs d.m. gesetze (1783) 1, 18; partikulare gewohnheiten haben nicht die kraft, reichsrecht zu brechen. ob allgemeine deutsche gewohnheiten im stand sind reichsgesetze aufzuheben, ist offene frage H. Dernburg lehrb. d. preusz. privatrechts (§ 21) 15, 41. I@1@d@a@2@cc)) an ein anderes bestimmungsmerkmal, das anscheinend als wichtigstes empfunden wurde, knüpft eine weitere gruppe viel beobachteter attribute an: das römische recht hatte die formel der consuetudo longa vorgebildet, die aber für das deutsche nicht so ergiebig ist ... wann lange gewonheit, di bewert ist mit vorhenknusse und ubunge, di volget pilleich nach dem rechten (diuturni mores) Iglauer jus regale mont. (1, 5 § 9) 63 Zycha; hier wird mehr mit der consuetudo antiqua operirt, vgl. ut conventus secundum consuetudinem antiquam fiat lex. Alam. 36 s. monum. germ. leg. I, 5, 1 s. 94 das gleiche Mecklenburger urk. b. (1325) 7, 301; vgl.: secundum veterem consuetudinem in usufructu liceat possidere ... leges Burg. (lex. Romana 26, 2) s. 147 u. a.; und wer diu ze reht hat von alter gewonhait urk. v. 1293 s. mon. germ. leg. 4, 3 s. 617; aus alder gewonheit weisth. 3, 845; do ich ... zu dorfrecht sas an der gassen zu Partschins nach alter gewonhait, da fragt ich ... (16. jahrh.) s. österr. weisth. 5, 23; nach alter gew. weisth. 5, 271 Grimm; 4, 564. 733; 5, 317; 4, 569; 5, 262. 323; öst. weisth. 5, 31, 6, 26; vgl. auch item 5 fird. eime boten mit unsers hofmeisters briefe dem kuninge von Polen gesandt, das her noch alder gewonheit den tag zu Moryn mit sime rathe halden wellen Marienburger Tresslerbuch (1399—1409) 314 Joachim; ... alweg soll zuesechen, damit es bleib bei alter gwonheit Tisner gemeindebrief (1364) s. österr. weisth. 5, 169, vgl. auch 3, 239; eine alte gewohnheit, wie es jeder zeit gehalten worden, ist stärcker, dann brief und siegel N. Meurer s. Besold-Diether continuationes (1679) s. 239; vgl. weisth. 1, 623; 1, 689; 3, 659 (s. u.); alte gute erbare redliche gewohnheiten Haltaus 716 u. a.; es wäre dann, dasz durch beständig hergebrachte gewohnheit in einem lande der schlusz von der ... gerichtbarkeit auf die jagd vor gültig erkennet würde J. E. v. Beust tractatus de jure venandi (1744) s. 59; die unterthanen hätten dieses lehngeld jederzeit bezahlet, folglich wäre ihnen dessen schuldigkeit bekannt gewesen, die beständige gewohnheit müsse den titulum abgeben Klingner 4, 170; ebenso 4, 1017 (aus 1659) dazu vgl. Matth. Schlüter, rechtsbegründetes tractätelein von einer zu rechte beständigen gewohnheit Hamburg 1694; vgl. auch J. E. v. Beust tract. de jure venandi 610; tief eingewurzelte gewohnheiten Pütter beitr. z. teutschen staats- und fürstenrecht 2, 18; neu aufkommende gew. 2, 19; eingeführte J. H. Hermann teutsches systema jur. civ. 51; eine geübte gew. ebenda; desgl. Wehner 181 (s. o.); dass es eine geübte gew. sei Beust de jur. venandi 612. I@1@d@a@33)) die bedeutung, die den possessivbestimmungen gerade im rechtssprachlichen gebrauch des substantivs zukommt, ist schon mehrfach gestreift worden, vgl. den beleg aus Montesquieu sp. 6544; vgl. die entsprechende erscheinung bei synonymen wie brauch s. sp. 6538. auch hier stimmen die deutschen formeln mit lateinischen über ein, doch begegnen auch abweichungen, z. b. scheinen adjectivische bestimmungen (vgl.aut Romanam consuetudinem aut barbaricam esse servandam leges Burgund. liber constitut. 60 s. 92; u. a. consuetudinem Rostoccensem Mecklenb. urk. b. 7, 462) in der älteren deutschen sprache gemieden und dringen erst viel später ein: teutsche rechte und gewohnheiten werden mit stillschweigen übergangen J. S. Pütter entwurf einer jur. encyclopädie (1757) s. 24; wenn ja noch was von teutschen gewohnheiten und rechten, als chur-mede, landsiedele, erb-pacht, eisernvieh, meyer, laszschilling und erbzins-güthern, abzugsgelde, morgengabe, weergeld, gerade, hergewette ... erlernet wird, so musz die natur und wesen derselben ausz denen frembden rechten gezeiget ... werden s. 25; vgl. auch Dernburg (s. o.) 1, 41 u. a. die ältere sprache bevorzugt für ähnliche fälle ortsbestimmungen: die offnung des herkomen und der gewonheit zue Küssenberg (1497) weisth. 5, 219; wie sichs gebühret und im Jochemthal gewohnheit und recht ist urk. v. 1532 s. cod. dipl. Siles. 21, 21; doch ist gewonhait in dem land, daʒ ainer bestetigt selb dritter Steiermärk. landrecht (art. 216) 162 Bischoff; auch dem possessivpronomen kommt hier keine besondere bedeutung zu: und wollen der nicht haben (als steiger), di vor diser saczunge arme leute mit irer gewonheit (var. ungewonheit) gedruckt und vorleitet haben (quorum abusus) Iglauer jus reg. mont. (1, 9 § 1) 93 Zycha u. a.; überwiegend erscheinen subjective genetive, und diese sind zumeist bei dem in präpositionalverbindung stehenden substantiv beobachtet. vor allem gehört hierher die deutsche entsprechung zu der oft wiederholten lateinischen formel: secundum terrae consuetud.; vgl.: secundum consuetudinem civitatis. leges Visigoth. I, 2, 4 u. a. secundum locorum consuetudinem. leges Burg. lex Romana 22, 4 u. a. secundum consuetudinem terrae. Basler urkundenbuch 232, 19; 216, 1 u. a.; secundum terre consuetudinem (1303) Mecklenburger urk. b. 5, 111 desgl. 5, 174; secundum consuetudinem generalem terrae (1308) 5, 412 u. a.; fontes rer. Austr. II, 31, 337 u. a. (juxta Marchiae consuetudinem II, 31, 159. 204). dazu vgl. nun: ein iegelich fürste hat nach sines landes gewonheit buoʒʒe ... und ouch di richter nach ir gewonheit schwabenspiegel landr. § 139 Laszberg s. 67; dat deme clegere gerithet werde na des landes gewonheit urk. könig Rudolfs (1281) s. monum. germ. leg. 4, 3 s. 283; ebenso s. 277; (gewisheit tun nach d. l. gew.) 279 ähnlich schwabenspiegel landr. § 44; (des l. wonheit) sachsenspiegel III, 73, 3; nach landsgew. weisth. 1, 615; in dem Intale ist lantgewonhait öst. weisth. 5, 15; als lands und thals gewonhait ist 5, 96 u. a.; wie landes gew. und recht ist 612; wider lantsgewonheit 2, 8; vordingt sich noch der zent gewonheit und wist und sprach zu recht (1457) weisth. 1, 448; nach gew. und recht des dorfs (1518) weisth. 1, 244; noch der stette gew. weisth. 5, 368; si sullen sich auch halden noch guter stete gewonheit (ad bonarum consuetudinem civitatum) Iglauer jus reg. mont. (1, 5 § 16) 69 Zycha; dieselben pfamd er verrechten sol nach dess egenanten huses gewonheit (1483 johannitterhaus Bubicon) weisth. 1, 67; laut unsers gotzhaus privilegi, freihait und gewonhait 6, 179; dasz die gesetzlichen bestimmungen nur für den fall gegeben worden, wenn über den gegenstand durch wohlhergebrachte gewohnheiten eines orts oder distriks nicht ein anderes eingeführt wäre einführungspatent v. 1794 zum allgem. preusz. landrecht. gegenüber dieser bevorzugung des subjectiven genitivs innerhalb der präpositionalverbindungen von gewonheit stehen andere formen ganz vereinzelt da, wie z. b. die verbindungen mit dem substantiv, das unmittelbar neben verbis steht: landts gewonheit, wie man erbet und enterbet, das vernemet weisth. 1, 244; ist des hofs gew. weisth. 3, 460; die gewonheiten der fürstenthumben, herrschafften und gerichten, so redlich, erbar, sind in acht zunehmen Rudinger observationes (1611) s. 207; so entstehen aus gebräuchen einzelner familien gewohnheiten ganzer gemeinheiten, städte, länder oder auch ganzer stände J. S. Pütter beiträge z. teutschen staats- und fürstenrecht 2, 13; am ende dieser periode werden die gewohnheiten der deutschen völkerstämme gesammelt und niedergeschrieben Eichhorn dtsch. staats- u. rechtsgesch. 13, 4. I@1@d@a@44)) objective genetive oder entsprechende infinitivfügungen widerstreben dem stil der rechtssprache, der den inhalt der gewohnheiten breiter in sätzen entladet; als ausnahme vgl.: die bisherige gewohnheit, welche als gefälligkeitsleistung bekannt ist, von fremden gemeinden das vieh oder ziefer zur sümmerung aufzunehmen, wird gänzlich hiemit abgeschafft dorfordn. v. Flirsch (1818) s. österr. weisth. 3, 245. I@1@d@bβ) für die verbindung des substantivs mit verbis ist die rechtssprache nicht so ergiebig wie für die mit nominibus. I@1@d@b@11)) die subjectfunction zeigt in der verbindung mit dem verbum substantivum (ältere) formen, die beim einzelnen rechtsfall auf den gesammtbegriff der gewohnheit in einem vergleichssatze bezug nehmen, und (jüngere) wendungen, die einzelerscheinungen als eine gewohnheit kennzeichnen. also auch hiebei treten sich die beiden richtungen in der entwicklung des rechtsbegriffes gegenüber. die ersteren schlieszen sich enger an lat. formeln an: sicut consuetudo est, lex Visigoth. III, 4, 2 (monum. germ. leges I, 1, 147); VIII, 5, 1 (346); lex Burgund. 57 (I, 2, 1, s. 91 consuetudinis); sicut juris est et consuetudinis terrae (1283) Basler urkundenbuch 2, 232; prout generaliter est consuetudinis hujus terrae (1324) Mecklenburger urk. b. 7, 223; dazu vgl. nun: als des landes reht und gewonheit ist (1358) weisth. 3, 697; als dan das vor langen zeiten recht und gewonheit ist gewest (1461) weisth. 1, 640; ganz ähnlich 2, 207; 3, 455; und man das mit der stadt insiegel siegeln solle als dan biszher gewohnheit ist Frankfurter statut v. 1531 s. erläuterungen z. Frankfurter ref. (1752) s. 8; dagegen vgl.: si sprechen das gewonheit sie — das ... (1388) weisth. 3, 401; das von alter her bi unsern vordern ... ein gut gewonheit gewesen ist ... wer die güter inne hett in dem selben dorff ... der mag wol hofstett da von verlihen weisth. 1, 91; ebenso 6, 484; ein lantgerichte im Cleggauo ... daran soliche gewonhaid si: wan das geschehe, das zwene ... mit einander zu rechten haben, welcher teil dan mer lute dahin bringe ... das derselbe dan das rechte wider den andern behalte diplom könig Ruprechts (1410) s. Herrgott dipl. Habsb. 3, 791; zum ersten ist ein gewohnheit und alt herkommen weisth. z. Lauterbach (1589) 3, 369; ähnl. 1, 623; 3, 460; so ist es allewege ein gewonheit, herkommen und recht gewest (1519) weisth. 2, 586; ähnl. 2, 413; 1, 689; 3, 659; und von alters her war gewohnheit, dass einer mocht nemen 4 huber an sinen rathe (Lörrach 1492) weisth. 1, 328; es ist auch von alter her gewonhait und der gebrauch gewesen, das ... es ist auch ie und ie von alter her für und für gewonhait gewest ... weisth. v. Schenna s. österr. weisth. 5, 769; ebenso 2, 75; andere formen kommen kaum in betracht: was demselbigen schultheissen dagegen gebühret weiss er selbst und bringt die gewohnheit mit sich weisthum v. Pommern (1606) weisth. 2, 447; doch soll wol in acht genomben werden, damit nicht ander gewonhait dan ier altes herkomen vermag ehrwagsen weisth. v. Vorau (1603) s. österr. weisth. 6, 115. I@1@d@b@22)) für die objectfunction überwiegt beim substantiv die beziehung auf einzelerscheinungen, in denen der begriff der gewohnheit erfaszt wird. hier nimmt die im gemeinen sprachgebrauch so verbreitete verbindung mit haben besondere bedeutung an, sie scheint sich nicht an eine lat. formel anzulehnen (anders: habuerunt et hoc in consuetudine leges et statuta familiae St. Petri. weisth. 1, 806): waʒ rechtis und gewonheid unser herre von Veldentze hette in sime hove weisth. 5, 656; item sie haben die gewonheit 4, 610: iere alten recht und gewonhait, die si ie und ie gehabt habend öst. weisth. 3, 209 u. oft; wann die pergmeister mit andern amptleuten haben ein gewonheit gehabt, das ... (consuererunt) Iglauer jus reg. mont. (1, 7 § 22) 87 Zycha; der rechtssprache als solcher entspringen andere wendungen, die zum theil auf lat. formeln zurückführen: unrecht gewonheit halden kaiserrecht II cap. 47 (vgl. consuetudinem teneamus. leg. Visigoth. XII, 2, 17 [s. 425]); also hat mein herr von Stambs unz heer gen euch auch solich gewonhait gehalten weisth. v. Stonns (16. jahrh.) s. österr. weisth. 3, 56; desgl. 2, 193; 7, 456, 539. 8, 18 u. a. vgl. dieselbig gewonheit sol auch gehallten werden Carolina § 85; bose gewonheit sol man abthun kaiserrecht II, cap. 47; das furbas soliche unbilliche gewonheit und unrecht abgetan werden diplom könig Ruprechts (1410) Herrgott 3, 791; abnemen (1331) s. Haltaus 718; die und dergleichen gewonheiten, wollen wir, das ein jede oberkeit abschaffen, und daran sein soll, dass sie hinfürter nit geübt, gebraucht oder gehalten werden vgl. Rudinger observationes (1611) 208; in allen diesen fällen aber die gewohnheiten in acht genommen und die rechtsprüche darnach abgefasst s. Klingner 4, 85; das gleiche 4, 246; hain wir scheffen desselben gerichts uszgesprochen ein alt gewonheit und herckomen (1452) weisth. 5, 247; und hiess sie weisen der Marg alt herkomen, gewanheit und recht weisthum zu Altenstadt (Wetterau) [1485 übern. 1542] 3, 453; öst. weisth. 5, 603; erweisen v. Beust tract. de jure venandi 615; öfnen öst. weisth. 2, 136; erfragen 5, 603; dasz auf denen kindtaufen vor dasjenige geld, so die gevattern ... aufgeleget, jederzeit in der schencke bier geholet, und also eine beständige gewohnheit dadurch eingeführet worden abschied in Grünroda (1659) s. Klingner 4, 1017; einführen v. Beust 615; bestäten und erneuwen öst. weisth. 5, 91; 95; 3, 320; verleihen öst. weisth. 5, 95; interrumpieren v. Beust 615. wellicher gesessen aber ist, der sunst ain frevel begieng ausserhalben fridpots, derselb soll gerichts gewonhait, ob der darumb genuegsamblich verpurgt, geniessen und nicht in gfänknüss gelegt werden weisth. v. Schlanders (1490) s. österr. weisth. 3, 173; hier kann allerdings eine art von gesetzgebung eintreten, welche der gewohnheit zu hülfe kommt, jene zweifel ... entfernt, und so das wirkliche recht, den eigentlichen willen des volks, zu tage fördert Savigny vom beruf unserer zeit 17. I@1@d@gγ) die verbreitung der präpositionalverbindungen im rechtssprachlichen gebrauch des substantivs ist im bisherigen mehrfach hervorgetreten. sie zeigen meist den collectivbegriff, der neben subjectivem genetiv (s. o.) eine einschränkung erfährt, ohne damit zum theilbegriff sich zu verengen. auch hier liegen in lateinischen formeln vorbilder vor: secundum consuetudinem, leges Burg.: lex Romanorum 26, 2; 22, 4; liber const. 60, 3; — leges Visigoth. I, 2, 4; lex Alam. 36 u. a. desgl. (1274) Basler urk. b. 2, 73. 81. u. a.; (1276) fontes rer. Austr. II, 31, 159; (1292) Pommersches urk. b. 3, 161. 212; 3, 226; juxta consuetudinem, leges Visigoth. IX, 2, 6; (1252) fontes rer. Austr. II, 31, 159. 204. 428; Basler urk. b. 2, 61; pro consuetudine, leges Visigoth. XII, 2, 17; im deutschen überwiegt die verbindung mit nach. I@1@d@g@11)) si wettent dem (richter) drie schillinge oder me ie nach gewonheit schwabenspiegel landrecht § 195 Laszberg s. 91; die sullen im da von dienen nach der gewanheit (Luzern) weisth. 4, 367; als dann ieglicher herr nach gewonhait zu minsten ainest im jar mit den seinen panteding halt öst. weisth. 3, 56; ebenso 6, 18; nach alter gewanheit weisth. 2, 294. 820; nach der alden gew. 3, 881; nach altem herkomen und gewonheit weisth. 2, 80; desgl. 2, 483; ähnl. 1, 626; 3, 456; 3, 404. 498 u. a. wasz darumb recht sei nach gewonheit der dingstatt 4, 275 u. a.; vgl. die belege sp. 6551; die all ausgenommen werden nach gewonheit der grafschaft Tyrol öst. weisth. 2, 8. I@1@d@g@22)) auch die verbindung mit von (de consuetudine) ist viel beobachtet, wenn sie auch hierin dem vorhergehenden nicht gleichkommt: so einem herrn von Kilchzarten von recht oder von gewonheit zugehörendt dingrodel v. Kilchzarten (1395) weisth. 1, 331; ganz ähnlich 3, 625; mit allen worten geberden und getAeten von recht ald gewonheit hertzu ze bruchende nottürfftig Appenzeller urkunde (1463) Zellweger II, 1, 148; was nach ordnung der recht und nach dem bruch der lannd, einem jeden ... zuegelassen würt ... und tät sonst alles das mit worten und werkhen so einem jeden appellierer von recht und gewonheit zuetun zuestät appellation des abtes v. Alpirsbach (1488) s. Reyscher altwürtemb. statutarrechte 47; wann es von gewonheit also her ist kommen weisth. 4, 610; desgl. 3, 666; (von older gew.) 3, 244; ist von alter gueter lobl. gew. herkomben öst. weisth. 5, 614; (von alter gew.) 2, 88; 3, 214. I@1@d@g@33)) andere verbindungen: ob das von alter mit recht und gewonhait her komen si (1431) weisth. 3, 658; desgl. 3, 661; ähnl. 3, 678; ist mit gueter alter gew. also herkomen öst. weisth. 5, 348; ähnl. 389; 5, 737; 2, 209 (plural); 2, 293; die zu gerechter gew. brenge kaiserrecht II, cap. 47; was nun bei bergwercken in eine solche gewohnheit nicht gebracht und ausdrücklich decidiret ist, dasselbe wird nach der billigkeit und denen gemeinen rechten gemäss entschieden Minerophilos 259; in allen rechten und gewonhaiten Knebel chronik v. Kaishein 146; und inn in ir freiheit, recht und gewonheit nicht greiffen urkunde herzog Friedrichs von Österreich (1406) Herrgott geneal. habsburgica 3, 806; abe ir die stat von Bopart bi allem rechte und gewonheit wullent laissen sendweisthum zu Boppard (1412) weisth. 3, 774; u. a. öst. weisth. 6, 90; 3, 351 u. a. bei allen freihaiten und guten gew. halten öst. weisth. 5, 419; halten bei alter guter gew. 2, 203; wie sich vermög gueter redlicher gewonheit gebürt und recht ist banntaiding zu Külb (1530) s. österr. weisth. 9, 491; vgl.(gemäss) öst. weisth. 5, 626; das niemant under den fremden hie innen im Winkel nenung machen wider solich gewanhait die von alter im Winkel herkomen ist weisth. v. Donnersbach (15. jahrh.) s. österr. weisth. 6, 20. I@1@d@dδ) neben den bisherigenausschlieszlich vom rechtsbegriff der gewohnheit getragenenverwendungen zieht die neuere rechtssprache das subst. auch in dessen allgemeineren bedeutungen vielfach an: die gewohnheit kommt nicht nur als rechtsquelle in betracht. vielmehr erhalten gewohnheiten nicht selten dadurch bedeutung, dass sie zur näheren bestimmung von solchen privatrechtsgeschäften dienen, welche auf dieselben bezug nehmen oder mit rücksicht auf dieselben ins leben traten. in dieser funktion sind gewohnheiten von wichtigkeit zur ergänzung der lücken und als mittel zur interpretation der rechtsgeschäfte H. Dernburg lehrb. des preusz. privatrechts (§ 21) 15, 42. die strafrechtliche litteratur ist es andererseits, die dem rechtssprachlichen gebrauch des subst. eine neue richtung giebt, indem sie diejenigen verwendungen, die von einem träger der gewohnheit abstrahiren (s. II, 3), hereinzieht, vgl. da das strafrecht es nur ... mit gewohnheiten zu thun hat, deren entstehungsprozess von innen nach aussen ... verlaufen ist v. Lilienthal beitr. z. lehre von den kollektivdelikten s. 31; gewohnheit ist mithin der durch wiederholte begehung einer bestimmten handlung hervorgerufene hang zu deren weiterer begehung v. Liszt lehrb. d. dtsch. strafrechts18 (§ 56) s. 244. vgl. im besondern gewohnheitsmässig und gewohnheitsverbrecher. I@22) statistik. I@2@aa) die bibelübersetzung läszt hier die selbständigkeit Luthers wieder besonders deutlich hervortreten. I@2@a@aα) vielfach schränkt er den gebrauch des substantivs gegen die ältere bibel ein, theils durch bevorzugung der oben besprochenen synonyma oder bedeutungsverwandten, theils durch verwendung von verbalformen an stelle einzelner verbindungen des substantivs; zum ersten vgl. das du jm den becher in die hand gebest, nach der vorigen weise, da du sein schenck warest Luther 1. Mose 40, 13 (nach deinem ampt als du vor hest gewonheit ze thun Eggesteyn, sicut facere consueveras); gewenete er also bald seine leute auff der heiden sitten 2. Maccab. 4, 10 (zu der gewonheit der heiden Eggesteyn, ad gentilem ritum, griechische sitten Kautzsch); dazu vgl. auch das verhalten der Züricher bibeln, die für weise (1. Mos. 18, 11; 2. Mos. 30, 21; 12, 4. 43) art (1. Mos. 18, 11) und brauch (2. Mos. 12, 4) bei Luther ihrerseits gewonheit einsetzen (s. o.). zu der bevorzugung von verbalformen an stelle von substantivverbindungen vgl.: auff das feste aber hatte der landpfleger gewonet dem volck einen gefangen los zu geben Luther Matth. 27, 15 (hat gewonheit Mentel u. a.; auch Beheim, εἰώθει, consueverat, pflegte Weizsäcker); ebenso (s. o. sp. 6486) 1. Samuel. 20, 25; apostelgesch. 17, 2 (gewont sein gegen nach der gewonheit, secundum consuetudinem); wie man pfleget nach dem gesetz Luther Luc. 2, 27 (nach der gewonheit nach der ee Mentel u. a. secundum consuetudinem legis); zur zeit wenn die könige pflegen aus zu ziehen Luther 2. Samuel. 11, 1 (in dem die künig hetten gewonheit furzegen Eggesteyn, quo solent reges ad bella procedere); dazu vgl. auch wie man schüssel ausschüttet, und wil sie umbstürtzen Luther 2. könige 21, 13 (als si habent gewonheit zuo vertilgen die tafeln Mentel, solent tabula). I@2@a@bβ) umgekehrt führt Luther einigemal gewonheit ein, wo die ältere bibel mit der lat. bibel bedeutungsverwandte zeigt: es war aber von alters her eine solche gewonheit in Israel Luther Ruth 4, 7 (ditz waʒ ein alter sit Mentel u. a., hic autem mos erat, brauch Kautzsch); sihe, da stund der könig an der seulen, wie es gewonheit war 2.n. 11, 14 Luther (nach dem sitten Mentel u. a. juxta morem; dem brauche gemäsz Kautzsch); und ward eine gewonheit in Israel, das die töchter Israel jerlich hingehen, zu klagen die tochter Jephthah des Gileaditers des jars vier tage richter 11, 39 Luther (dovon wuochs ein sitte in Israel und die gewonheit ward behaltten Mentel u. a., mos increbuit, vgl. oben sp. 6482, sitte Kautzsch); und machten eine gewonheit daraus in Israel Luther 2. chron. 35, 25 (und si behüten si als ein ee in Israhel Mentel, et quasi lex obtinuit); vgl. vgl. auch: kam die Susanna mit den zwo megden, wie jre gewonheit war in dem garten sich zu wasschen Luther Susanna 15 (als gestern und ehegestern Eggesteyn, wie sie ... zu thun pflegte Kautzsch); bemerkenswert ist, wie Luther die präpositionalverbindung nach der gewonheit, der er gegen die vorgänger so oft ausweicht, gelegentlich gegen sie und ihre vorlage selbst einfügt: und nam zu mir den versiegelten kauff brief, nach dem recht und gewonheit, und ein offen abschrifft Luther Jerem. 32, 11 (et stipulationes et rata, gewontlike geloffte der vorkopers niederdeutsche bibel, satzungen Kautzsch); er musste jnen einen nach gewonheit des festes los geben Luther Lucas 23, 17; er hett in durfft ein zelassen Mentel u. a., per diem festum) und sie giengen mit einander hin aus, nach jrer gewonheit, als wolten sie beten gehen Luther Judith 13, 11 (als se plegen niederdeutsche bibel, secundum consuetudinem suam); dazu vgl. auch und wie seine gewonheit war, leret er sie abermal Luther Marc. 10, 1 (ähnl. schon Beheim: alse her gewonheit hatte; gegen: als er hett gewont Mentel u. a., sicut consueverat). I@2@a@gγ) die fälle, in denen Luther mit den vorgängern übereinstimmt im gebrauch des substantivs, betreffen fast alle die präpositionalverbindung nach der gewohnheit: und es begab sich, da er priestersampt pfleget fur gott, zur zeit seiner ordnung, nach gewonheit des priesterthums Luther Luc. 1, 9 (nach der gewonheit der pfaffheit Mentel u. a. secundum consuetudinem; nach dem brauche der priesterschaft Weizsäcker, vgl. auch oben sp. 6481); und da er zwelff jar alt war, giengen sie hin auff gen Jerusalem, nach gewonheit des festes Luther Luc. 2, 42 (nach der gewonheit des messtags Mentel u. a.; secundum consuetudinem, nach der sitte des festes Weizsäcker); und gieng in die schule nach seiner gewonheit am sabbath tage Luther Luc. 4, 16 (ebenso Mentel u. a., desgl. Weizsäcker; vgl. auch oben sp. 6481); desgl. Lucas 22, 39, Judith 13, 11; bei einer andern präpositionalverbindung weicht Luther gegen die vorgänger ab: den volkomen aber gehört starcke speise, die durch gewonheit haben geübete sinnen Ebr. 5, 14 (umb die gewonheit Mentel u. a.; pro consuetudine, durch übung geschulte sinne Weizsäcker); das gleiche trifft auch eine verbalverbindung: ir habt aber eine gewonheit, das ich euch einen auff ostern los gebe Joh. 18, 39 Luther (wann es ist gewonheit das. Mentel u. a., auch Weizsäcker, est autem consuetudo). I@2@bb) die wörterbücher werden der eigenart des substantivs im gegensatz zu adjectiv und verbum gleichen stammes ziemlich gerecht, bei der begriffsbestimmung sind die bedeutungsverwandten reichlich herangezogen, unter den verbindungen die charakteristischen vertreten. I@2@b@aα) die begriffsbestimmung wird frühzeitig neben lateinischen parallelen auch durch deutsche gedeckt, mannigfaltig wie die lateinisch-deutschen zeigen sich später auch die buchungen aus neueren fremdsprachen: gewonheit, übung, brauch, sitt, weisz, consuetudo, mos, consuetus, usus. ... assuetudo, institutum, assuefactio ... custom, purpose, ... maniere, coustume, maniere du faire Henisch 1607; accoustumance, eine gewonheit, das angewöhnen, consuetudo, assuetudo, mos, usus Duez (1664) 8a. I@2@b@a@11)) die deutschen parallelen stehen zum theil mit der oben (sp. 6533 ff.) versuchten abgrenzung des substantivs im einklang: zu einer älteren schicht gehört die einfügung von weise in den kreis der synonyma: ritus, ein gewonheit oder weisz Cholinus-Frisius (1541) 768b (vgl. mos, sitt oder weisz 562b); vgl. auch (s. u.) 911b; ein neuwe weisz oder gewonheit an sich nemmen, gestum vultumque novum capere 136b; gewonheit, fürnemmen unnd weis etwas zethuon ... Maaler 179d; gewonheit, weise, gebrauch S. Calvisius thes. lat. serm. 1653; nach meiner weise und gewonheit, meo more Henisch 1608; humor, angebohrne art, gewohnheit, natur, weise curiöses bauern lexicon (1728) s. 87; verhältniszmäszig wenig ist das nächste concurrenzwort sitte berücksichtigt: more fit, ist sitt und gwon Cholinus-Frisius 563a gewonheit, brauch, sitte ... Emmel sylvae vocab. Q q 7a; desgl. Henisch; noch mehr gilt dies für übung (gewonheit oder übung an sich nemmen Frisius [1556] 184b) und herkommen. um so häufiger ist brauch (gebrauch) gebucht; namentlich unter den verbindungen, vgl. Calvisius, Henisch a. a. o., vgl. gewohnheit ... brauch, gebruik Kramer königl. dict. (1719) 2, 97; vgl.: mihi sic est usus ... ich hab die weisz, gewonheit oder brauch Cholinus-Frisius (1541) 911b; die gew. oder den brauch behalten; etwas in — bringen; wider burgerliche — handeln Maaler 179d; das ist mein gew. und brauch ebenda; sunder gewonheiten und breuch einer ieden statt municipale jus 201c; es ist der gebrauch, man pflegt, es ist ein gewonheit Calvisius 410b; vollkommener veralter brauch und gewonheit Emmel a. a. o. I@2@b@a@22)) unter den lateinischen parallelen ist neben consuetudo auf die zahlreichen belege für mos zu achten, das in der litteratur vorwiegend durch sitte wiedergegeben ist (s. o.), in bestimmten verbindungen aber bei den lexikographen gern durch gewonheit ersetzt wird. in zweiter linie steht usus, als dessen ersatzwort zunächst brauch zuständig ist. dann kommt ritus (die parallele für weise), vereinzelt auch stilus u. a. I@2@b@a@2@aa)) gewanheit, consuetudo, mos, ritus, usus vocab. theut. (Nürnberg 1482) M. 5; u. a. gewonheit, consuetudo, assuetudo, mos Dasypodius (1592) F 6b; gewohnheit, consuetudo, mos, institutio, usus, adsuetudo, institutum Schönsleder V. 6b; ähnlich Henisch 1667; gewonheit, mos, consuetudo, observantia, ritus, usus Stieler 2495; gewohnheit, consuetudo, mos, institutum, solemne, usus Steinbach 2, 1026; unter den verbindungen stehen die mit präpositionen voran: ausz gewonheit, more Cholinus-Frisius 563a; (de more) Maaler 201c; est hoc in more positum, die gewonheit ... haltet so in Cholinus-Frisius 563a; Aler 1, 943a (es ist ein gew.); (in more habere) Dasypodius; more majorum, durch alte gew. Cholinus-Frisius 5639; inducere aliquid in morem, in ein gew. bringen 565 (recipere, in gew. lassen kommen) Schönsleder a. a. o. andere verbindungen sind seltener: morem inducere, ein gewonheit annemen Dasypodius; (referre, aufbringen) Cholinus-Frisius; habeo hunc morem, disz ist mein gew. Schönsleder. dazu vgl. die attributiven verbindungen bei Stieler (vereinzelt auch bei) Cholinus-Frisius und Steinbach. I@2@b@a@2@bb)) gewonheit, usus Twinger 162a; abusum, ungewonheit, abusio, bösz gewonhait 162b. vgl. auch vocab. theut. (Nürnberg) u. a.; vgl. usurpatio ... gebruchung mit unrecht ... gewonheit Diefenbach 631b; gewonheit ... consuetudo, mos, usus Emmel Q q 7a; gewonheit, consuetudo, institutum, mos, ritus, usus Calvisius thes. lat. serm. (1653) 409b; es ist ein gewohnheit draus worden, exiit hoc in usus communis callositatem Aler 1, 943b. I@2@b@a@2@cc)) in den späteren wörterbüchern schrumpfen die lateinischen parallelen zusammen, einige beschränken sich ganz auf consuetudo und seine formverwandten: gewohnheit, assuetudo, consuetudo Aler 1, 943a; gewohnheit, consuetudo Frisch 2, 455c; vgl.: gewohnheit, lat. consuetudo, bedeutet überhaupt alle handlungen, welche durch öfftere wiederhohlung uns geläuffig werden Zedler 10, 1398. I@2@b@a@33)) zu den neusprachlichen parallelen (s. o.) vgl. Henisch; vgl.: gewohnheit, coustume, façon de faire Hulsius (1614) 164b; consuetudo, gewohnheit, coustume, accoustumance, consuetudine, uso, pratica (1640) 70a; gewohnheit, costume, anvezzamento, usanza, coutume, façon de faire Rädlein 385a; gewohnheit ... la coutume, l'usage, pratique, la mode, et l'habitude Schwan (1783) 749; gewonheit oder gewohnheit, the wont, use, custom, ply, habit, knack, way, manner, haunt, stile, fashion, practice teutsch-engl. wb. (1716) 775; gewohnheit, custom, use habit, practice Arnold4, 427b. I@2@b@bβ) bei der bezugnahme auf feste verbindungen des substantivs lassen die buchungen den von uns mehrfach besprochenen wettbewerb mit verbalformen deutlich erkennen: assuefacere, gewonhait tuon Twinger 13d; soleo, solitus, pflegen, in gewonheit sein Aventin (rudimenta gramm.) 1, 420; vgl. auch 1, 485; gwon sein, in der gewonheit oder im brauch haben, solere Maaler 201c; vgl. auch 179c und vgl. oben (sp. 6486/7); eins gewonheit sein, estre coustumé Hulsius (1596) G 2a; consuesco, gewohnen, in gewohnheit kommen (1640) 70a; das gleiche schon Emmel C a 97a; gewohnheit drausz machen, adsuescere Schönsleder V 6a. I@2@b@b@11)) die verbindungen mit nominibus sind verhältniszmäszig spät reichlicher angemerkt. I@2@b@b@1@aa)) von genitiven sind einzelne subjective schon bei Cholinus-Frisius (consuetudo majorum, gewonheit der vorfaren 213a) und Maaler (nach kriegs gew.) gebucht, die erste grosze liste giebt Stieler: landes-, kirchen-, kriegs-, handwerker-, gerichts-, stats-, stadt-gewonheit 2496, vgl. auch unten (II, 2). objectiver genitiv ist nur bei Reyher verzeichnet: durch gewohnheit der wollüste, assuetudine voluptatum 215. I@2@b@b@1@bb)) für attributive adjective ist schon Henisch mittheilsamer, dessen vorgänger nur einzelnes gebucht hatten: consuetudo usitata, gebrauchte und angenommene gew. Cholinus-Frisius 910b; die alt gewonheit wider an sich nämmen (redire in consuet. pristinam) 213a; vgl. Maaler 179d (alt eingewurtzlete gew.); Henisch 1608; alte gew., consuetudo superior, vetusta, prisca, inveterata Stieler; alte gew. Calvisius, Schönsleder, Aler; alte gew. geht der natur gleich Hederich 1430; die hergebrachte gew. Schwan 749; veralter brauch und gew. Emmel (s. o.); gewonheit durch lange zeit zertrent ,.. interrupta consuetudo Maaler 201c; beständige Steinbach a. a. o.; vgl. dazu oben sp. 6550 f. griechische, burgerliche Maaler 179d; böse gew. ebenda; desgl. Schönsleder; gottlose, böse gew. Calvisius; Stieler; er hat eine böse gew. an sich, he has an ill way or manner with him. teutsch-engl. lex.; eine üble angenommene gew. Schwan; gute ... bösz gewonheit Henisch 1608; gute gew., consuetudo bona Aler 1, 943b; böse gew., consuetudo mala ebenda; vgl. dazu oben sp. 6549. nach jährlicher löblicher gewohnheit, solemniter Reyher (1686) 2343; abgelegte gew., das verlehrnen, desuetudo Henisch; gewonheiten, heilsame ordnung, gute erbare gebrAeuch, redliche wolhergebrachte geübte gewonheiten, statuta et consuetudines locorum ebenda; gute, feine und löbliche gew., consuetudo elegans, incorrupta Calvisius; desgl. Stieler; närrische ... tägliche ... gemeine Stieler (s. zu mos); lüderliche (dissoluta), gottlose (impia), verderbte (corrupta) Steinbach; dazu vgl. die lange aufzählung bei Hederich, der zu den eben angeführten attributen noch grausame und barbarische, grobe, unanständige, angenehme, üppige, freie, beschwerliche, wundersame, neue, gefährliche, stete, kleine, lasterhafte, königliche beifügt, sp. 1429 f. I@2@b@b@22)) unter den verbindungen des verbums ist I@2@b@b@2@aa)) die function des subjects reichlicher gebucht. die verbindung mit dem verbum substantivum wird z. b. gern entsprechenden lat. fügungen mit mos (vgl. sp. 6533) entgegengesetzt: das ist meine gewonheit; es ist nit mein gew. bei Maaler, Dasypodius, Schönsleder, Aler, Steinbach, Adelung für in more habere, habere morem, in more positum est; vgl. dagegen die anlehnung an verbindungen von consuetudo in den formeln der rechtssprache s. o. (sp. 6552). mannigfaltig ist das eintreten und aufhören der erscheinungen erfaszt: die gew. erwächst (Dasypodius); — bricht ein (Maaler); — reisst ein (Schönsleder, Frisch, Hederich, Schwan); — greift um sich (Hederich); — kömpt auf ... ab (Calvisius, Stieler); — nimt täglich zu (Maaler); — uberhandt (Calvisius, Hederich); dazu vgl.: die alt gew. ist etwas verendert Maaler 179d; ausz übung wird gewohnheit, ex exercitatione consuetudo gignitur Aler 1, 943a; es wird eine gewohnheit daraus Frisch 2, 455c. mehrfach ist die wendung gebucht: die gew. bringt es mit sich (Calvisius); wie es d. g. mit sich bringt (Hederich). diese fügung, die z. b. der rechtssprache ursprünglich fremd ist, entstammt dem sprichwort und dessen schon in der antike bemerkbaren neigungen zur persönlichen auffassung: gewonheit ist die andere natur (Henisch, Aler, Schwan, vgl. oben sp. 6531); — ist ein grosser gewalt (Henisch); — hat leichte bürde (Henisch); was thut gewonheit nicht? what is not custom a powerful tyrant. teutsch-engl. wb.; das gleiche Aler, Adelung; vgl. aber: ein saumrosz macht seine gew. grosz Henisch. I@2@b@b@2@bb)) auch für das object fällt in den buchungen der begriff der stetigkeit oder veränderung am substantiv vor allem ins gewicht, die verba sind hier jedoch nicht so anschaulich, und die personification geht leer aus: die gew. behalten (Maaler, Hederich); seine gew. halten (Reyher), vgl. oben sp. 6553. eine gew. beobachten (Stieler); für das früh und viel verwendete haben fallen die zeugnisse spät und spärlich; die gewohnheit haben sie vor zeiten schon gehabt Hederich 1430; eine gew. an sich haben Adelung. für die veränderungen vgl.: redire in consuetudinem pristinam, die alt gewonheit wider an sich nAeMen Cholinus-Frisius 213a; eine gew. an sich nemen (Maaler, Duez, Aler, Adelung); — annemen (Dasypodius), — auffbringen (Cholinus-Frisius, Schönsleder, Aler); — abbringen (Aler); gew. einführen (Steinbach, Hederich, Adelung); — ablegen ( Adelung); eine gew. aus etwas machen (teutsch-engl. wb. Aler); böse gew. ändern (Calvisius, Stieler); ich will euch diese gewonheit wieder abgewehnen I will break you of this haunt teutsch engl. wb.; dazu vgl.: ein alt eingewurtzlete gewonheit kan man beugen, aber nicht brechen Henisch 1608. I@2@b@b@33)) die präpositionalverbindungen. I@2@b@b@3@aa)) etwas in ein gewonheit bringen (Maaler, Cholinus-Frisius, Aler); — lassen kommen (Schönsleder, Steinbach); zur gew. machen (Schwan); zur gew. werden (Dasypodius, Steinbach, Frisch); auf die gew. kommen (Hederich); von seiner gew. abstehen (Calvisius, Hederich); — abgehen (Steinbach); — abbringen (Schwan); aus der gew. kommen (entwonen) Emmel, Schönsleder teutsch-engl. lex.; bei seiner gew. bleiben (Stieler, Aler, Schwan); art gehet für alle gew. Henisch. I@2@b@b@3@bb)) nach gewonheit (Maaler, Emmel); meiner gew. nach, pro meo more Duez 8b; nach seiner gew., pro consuetudine ejus Frisch 2, 455c, vgl. auch teutsch.-engl. wb.; Schwan; (nach der gew.) Calvisius; ausz gewonheit, de more Maaler 201c; (more) Cholinus - Frisius 563a; ausz gew. wirdt zuletzt recht Henisch 1608; ich thue es aus gew. I am wont do so teutsch-engl. wb.: aus der gew. Rädlein; wider gew. (Maaler, Stieler); wider die gew. (Frisch, Hederich); wider gew. tun (Stieler, Calvisius); über gew. (Stieler); über die gew., extraordinary (teutsch-engl. wb.). I@2@b@gγ) ungewöhnlich zahlreich sind die mundartlichen buchungen: jewanheit Fischer mda. im preusz. Samlande 53; gewāned Gerbet Vogtland 178; gewûnheit Bauer-Collitz 40a; kwuunet Meisinger (Rappenau) 82a; gewunecht wb. d. Luxemburger mda. 145b; gewoinecht Gangler 180; kewuunet Lenz Handschuhsheimer dialekt 128a; gewehnheit, gewenichet, gewonhet, geweining, gewunheit, gewinecht Follmann (Lothr.) 203a; gewinget, gewinchet Autenrieth (Pfälzer wb.) 53; gwohnat (bayrisch) Zaupser s. 50; (ohne belege) Schmeller 22, 933; gwōnet H. Fischer schwäb. wb. 3, 639; gwanet, gwonig Tobler 247 (vgl. auch oben sp. 6539); gewaanhiit mundart v. Habkern (Schweiz s. ztsch. d. mda. 1907, 67); kwônet, kwûnet, kwênet u. a. Martin u. Lienhart 2, 832a. dort sind für das Elsässische auch einzelne wendungen (in der gew. haben, in seiner gew. sein, ein zur gew. werden) angemerkt, vgl. auch: er het eso-n-e g'spässigi gw.: wënn er mit eim redet, së luejt er allewil uf d ander lüt; s suffen und s fluechen sind laster und kein gewohnheiten. vgl. auch: eny iwel gewoinecht, une mauvaise habitude Gangler 180; i hau's scho in der gw.; es ist bei ihm so e gw.; 's ist schau so sei gwohnet H. Fischer; er het's in der g'woned Seiler Basler mda. 154b; dasz die mundart trotz allem aber im gebrauch des substantivs gegen die schriftsprache zurückbleibt, zeigt sich z. b. bei Jeremias Gotthelf, bei dem eine stelle wie: sie seien in ihrer gewohnheit fortgefahren und hätten gelächelt in den maulecken (Uli der knecht, 11. cap.) im original lautete: sie seien in ihrem trapp fortgefahren s. 141 Vetter. aus niederdeutschen mundarten wird noch heute die alte concurrenzform mit dem dentalsuffix (s. sp. 6482) bezeugt: gewénde Leichener (Cronenberg) 46a; gewende Hönig (Köln)2 65a; vgl. auch: gewônheid ... gewônte ten Doornkaat Koolman 1, 625a. zu den formen ohne präfix vgl. oben. I@2@cc) auch im sprichwort ist das substantiv ungewöhnlich bevorzugt gegenüber dem adjectiv und verbum. einzelne wendungen bewegen sich zwar in den gleichen gedankengängen: was doch die gewohnheit nicht thut, sprach der schneider und warf lappen vom eigenen tuch in die hölle Hetzel wie der deutsche spricht s. 114; vgl. Wander 1, 1683; es ist alles eine gewohnheit, nur's hängen nicht (sógar's hängen) 1680; es kommt alles auf die gewohnheit an, sagt die köchin und zieht dem aal die haut ab Frischbier preusz. sprichw.2 90. in den meisten fällen geht das substantiv jedoch eigene wege und zieht kraft der personification, die ihm im sprichwort vor allem zukommt (vgl. auch II, 3), mannigfache vergleiche und bilder an sich, vgl.: wer in der gewonheit erwarmet, der lest im den peltz nicht gern nemen Lehman 316; gewohnheit wächst mit den jahren Wander 1, 1681 u. a. I@2@c@aα) dieser auffassung dient vor allem die zusammenstellung mit anderen substantiven, so das oben besprochene gewonheit ist die andere natur S. Frank sprichw. 1 (1541) 31b; (ein gewonheit wirt in die natur verwandlet, das sehen wir an unseren jungen wol Geiler v. Keisersberg narrenschiff 100a); das gleiche bei Luther, Henisch, Petri, Eyering u. a. s. Wander 1, 1681; Reinsberg-Düringsfeld 1, 309; vgl. auch: wie wol man sagen wil, das die gewonhait die ander natur sei Ferdinand v. Tirol spec. vitae hum. (neudr. 79, 60), ebenso Gretter erkl. d. ep. Pauli a. d. Römer 314; Chomel 4, 1064; gew. wird zur andren natur H. Fischer 3, 639; ist e halbe natur ebenda. dagegen vgl.: die gewonheit ist der natur meister Lehman 318 (regina rerum omnium est consuetudo); gewonheit ist der könig über den verstand, vernunft ist der gewohnheit knecht Lehman 318; gravissimum imperium consuetudinis, gewonheit ist ein grosz gewalt S. Franck sprichw. 1 (1541), 69a. den wendungen von an- und ablegen der gewohnheiten entsprechen die vergleiche mit kleidungsstücken: auch spricht man: gewonheit frembd ist ein steheles hembd. Hans Sachs 1, 301b. das gleiche Petri 2, F f 4b, Henisch 1608; es ist mir leid, ich hab halt eine solche gewonheit an mir, ich kans nicht lassen. ecce! ... so thut gleichsam die gewonheit dem freien willen einen arrest an! haist das nicht, die gewonheit ist ein eisern pfaidt? Abraham a S. Clara Judas der ertzschelm (1686) 1, 235; desgl. 384. 395. 416; gwonet is en eisene pfaed, wer s' auszuihht, thuet si' laed. Schmeller 12, 444. das gleiche schon Zaupser vers. eines bair. idiot. 50; vgl. auch Fromman 6, 38; Reinsberg - Düringsfeld 1, 310; Graf u. Diether 11, Wander 1, 1686; gewohnheit ist ein eisern kleid. J. Chr. Günther (als er gott um beständigkeit ... anflehte) ged.2 70. dazu vgl.: man kan nicht so bald andere sitten und gewonheit annehmen als ein new kleid Lehman 317; alte gewohnheiten legt man nicht so leicht ab W. Raabe alte nester s. 154. andererseits vgl.: gew. ist ein eisern band Wander 1, 1680; ein rost ebenda; u. a. dagegen vgl.: gewonheit ist ein leichte bürde Lehman 314 (hat leichte bürde Henisch 1608); gewonheit ist ein recht das im land gebohren, erzogen und erwachsen ist ebenda; missbrauch ist keine gewohnheit Pistorius (4, 89) 283. I@2@c@bβ) nicht die gleiche verbreitung haben die sprichwörter gewonnen, die von dieser persönlichen auffassung aus das mit dem subst. verbundene verbum beleben: nimmt die gewonheit uberhandt, so geht sie durch ein gantzes landt. S. Frank sprichw. 2 (1541), 70a; das gleiche Petri 2, 500; Henisch 1608; s. Wander 1, 1683; gew. billicht alle ding, aber nicht allezeit mit recht Petri 2, F f. 4b; macht schwer ding leicht ebenda; gewonheit lindert alle ding S. Frank 1, 31a; das gleiche Henisch 1, 1681; gew. kann den schwersten stein leichten federn gleich machen Stoppe Parnasz 441; wer sein gewonheit bricht, der beleidigt sein gesundheit, intermissa consuetudo animum et corpus incommodat Lehman 314; gewohn bricht eid und eisen 318 s. Wander 1, 1681. I@2@c@gγ) mehrere der eben belegten wendungen bevorzugen im besonderen den zutritt von attributen, die ihrerseits die entwicklung nach der seite der personification zurückhalten: böse gewonheit ist ein eisernes pfaidt, ein rost u. a. Wander 1, 1679; grauissimum est imperium consuetudinis. ein bOesz gewonheit lAeszt sich nicht (wie mann da an den heuchlern sicht) bald abstelln Alberus praecepta vitae (1548) 120a. der gegensatz von gut und böse hat namentlich in rechtsformeln hier eigenes leben getrieben (vgl. Graf und Diether s. 12—14), von dem aber nur weniges allgemeinere bedeutung hat: gute gew. gut recht (s. schon kulmisches recht V, 53); böse gewohnheiten machen kein recht (Estor 1, 20 § 49). dazu vgl.: böse gew. macht kein ding gut Agricola 135. das gleiche gilt für die alte (nur selten lange) gewohnheit (vgl. oben sp. 6550 f.): alte gewohnheit ist stärker als brief und siegel Graf u. Diether 12; eine alte gewohnheit soll man nicht brechen, antiqua consuetudo non est violanda Pistorius (4, 89) 282; vgl. auch Wander 1, 1680; vgl. auch: alte gewonheit und alte fass wollen von jhrem geschmack nicht lassen Eyering 1, 46 s. Wander 1, 1679. vgl. die wendung aus W. Raabe oben. I@33) formen. I@3@aa) die stammsilbe (vgl. auch sp. 6558/9). I@3@a@aα) die für den stammvocal (s. sp. 6477. 6489) besprochene schreibung mit a findet sich hier vor allem in oberdeutschen (schweiz.-bayr.) denkmälern, die zeugnisse fallen früh: gewanhait var. z. Iwein 204; jüng. Titurel 5344; bischofs und dienstmannenrecht v. Basel § 2; weisth. 4, 367 (Luzern); 3, 656 (Bayern); urkundenbuch v. Goldenkron (1363) fontes rer. Austr. II, 37 s. 137; öst. weisth. (15. jahrh.) 6, 18; (16. jahrh.) 9, 612; vgl. gewaanheit W. Hopf wb. d. mundart v. Habkern s. 67. zum niederdeutschen vgl. gewanheit jüngere glosse z. Reincke de voss (Brandes s. 17); andererseits vgl. die niederdeutsche variante gewenheit neben gewonheit (1281) monum. germ.-leg. 4, 3 s. 283; die gleiche form ist aber auch aus dem südwesten belegt: und sol sie auch daselbs nach der selben geriht rehte und gewOenheit genügen und sich damid gengen laszen rathsbuch zu Landau (1432) s. z. f. gesch. des Oberrheins 18, 13. I@3@a@bβ) die schreibung mit h, die an formen von gewonen und gewon zunächst der längebezeichnung in offener silbe galt und von da auch auf die übrigen formen überdrang, wirdallerdings sehr spätauch auf unser substantiv übertragen: Hulsius schreibt 1614 gewohnheit gegen gewonheit in der ausgabe von 1596; Henisch hält noch an gewonheit fest, Duez (1664) hat gewonheit neben ungewohnheit und gewohnt; Reyher (1686), Schönsleder, Rädlein bieten übereinstimmend gewohnheit, das seitdem lexikographisch gesichert ist (ausnahmen Stieler s. o., vgl. auch gewonheit oder gewohnheit teutsch-engl. lex.). ähnlich, nur noch conservativer verhalten sich die denkmäler. bei Lehman (1630) ist zwar gewohnheit bezeugt (s. 320), ebenso Rist friedewünsch. Teutschland (1648) 66; doch vgl. gewonheit Schottel friedenssieg (1648) s. 11; C. Weise erznarren (1673) s. 22; Grimmelshausen Simpl. 29; das gleiche durchaus bei Butschky und vorwiegend bei Abraham a S. Clara, nur vgl.: gewohnheiten etwas f. alle 3 (1711) 189. unter den weisthümern kennen auch die spätesten niederschriften kaum ein h (ausnahme gewohnheit öst. weisth. 9, 186); die entgegengesetzte erscheinung, der doppelnasal, ist gelegentlich in den öst. weisthümern bemerkt gewonnheit 9, 612. I@3@bb) die flexionsformen. I@3@b@aα) in den genetiv sing. dringt bei zusammensetzungen später das dem masc. zustehende 's' ein. gegen: dasz si ... kainerlai sachen von kainerlai recht, brauch oder gewonheit wegen nichts schuldig sein Knebel chronik v. Kaisheim 127 Hüttner; von rechts und gewonheit wegen öst. weisth. 9, 181; von rechts und gewonheit wegen hätte der hauptmann ... pferd und gewehr ... erben sollen Grimmelshausen Simpl. 185 neudr.; vgl.: so viel deren rechts oder gewohnheits wegen, von euch gefordert werden Klingner dorf- u. baurenrechte 4, 7; von natur und gewohnheits wegen Wieland 24, 231. I@3@b@bβ) der plural ist in zahlreichen älteren belegen noch mit der alten starken form des fem. bezeugt: hiernach sten geschriben solche stigke und gewonheide als die stat Fulda ... haben sol (1372) s. Endemann, kaiserrecht s. 18 (einl.); das furbas soliche unbilliche gewonheit und unrecht abgetan werden (1410) s. Herrgott 3, 791; das sind unnser alte recht und gewonhait weisth. 3, 731; 3, 656; all löblich gewonhait, die man biszher auf dem aigen gehalten hat 7, 539 u. a. (gewonheiten 7, 472, 5, 95 u. a.); so gwem das künigreich in grosz armuot, dann alle böse gewonheit wurden da inne ufferhaben Elisabeth v. Nassau Huge Scheppel 7r b Urtel; öfneten der hersch. alten recht, freiheit und gewanhait (1444) öst. weisth. 2, 136; altiu recht und gewonhait die sie ie ... gehabt 3, 209; ebenso 3, 214; 5, 91 u. a. bei dem versagen der anhaltspunkte, die die flexionsform bieten kann, ist es freilich schwer, von der bedeutung aus zu urtheilen, da das substantiv als collectivbegriff hier oft sehr weit geht: aller irer (der schönen frau) gewonheit gar wol unterricht was Arigo verdeutschung des decamerone 145 Keller u. a.; die zeit machet einige gewonheit bei uns daraus Butschky rosenthal (no. 209) s. 431; vgl. vil gewonheit Ortolf v. Bayrland 49b (s. u.); nach den gotshus alten rechten und gewonhait urk. v. 1358 s. acta Tirolensia 1, 270; ganz ebenso öst. weisth. 5, 420 (var. gewonhaiten); 2, 144; alle die guten sitten und gewonheit Pontus u. Sidonia (1438) l 6b; Wyle 136; Knebel chronik v. Kaisheim 126; ein rechter spiegel der welt sitten und gewonheit Schottel friedenssieg 11; di obgemelt alte herkomen und gewonheit sollen hinfür ... gehalten werden öst. weisth. 3, 356; dasz man die leut von der schlimmen bösen gewohnheit und von denen lastern abgehalten Abraham a S. Clara lauberhütt 2, 55. die ersten belege für den pluralgebrauch überhaupt waren oben (sp. 6544/5) aus der rechtssprache nachgewiesen worden, wo auch gewohnde (s. sp. 6481) im plural bezeugt ist. zur neueren schwachen form vgl.: gewonheiten (1339) weisth. 4, 191; desgl. 5, 151; 225; 347; 3, 556 u. a.; vgl. auch (aus 1363) Herrgott 3, 714 u. a., rechte ... die sich ... auf herkommen und gewohnheiten gründen J. S. Pütter jur. encyclopäd. (1767) s. 10; wenn daher in Deutschland durch verjährung und gewohnheiten rechte ... entstanden sind A. F. J. Thibaut jur. encyclopäd. (1797) s. 209 u. a. für den literarischen gebrauch bietet Hesler das erste zeugnisz im reim auf leiten: die wolde her zu erst vorleiten noch sinen gewonheiten, swar im state des gelac. H. v. Hesler apokalypse Danziger hdschr. 13552 Helm. der plural ist hier um so auffallender, als es sich nicht nur um eine inzelnes individuum als träger des begriffes, sondern bei diesem auch um eine einzelne richtung, nicht um eine ganze spielart von eigenheiten handelt. in beiden beziehungen ist das folgende zeugnisz einleuchtender: als er nun in die herberg kame, befraget er sich der gewonheitten des koniglichen hoffes und begeret ... unterricht zuo werden, ob auch frembde namhafftige ritter am hoff weren Warbeck die schöne Magelone cap. 3, 7, 4. wo diese beiden züge vereinigt sind, ist der ergiebigste boden für den pluralgebrauch, der in der neueren sprache hauptsächlich sich entwickelt und in der sprache Herders breiten raum einnimmt. bei der beziehung auf ein einzelnes individuum gewinnt das substantiv in solchem plural eine besondere färbung, die es deutlich vom plural sitten abhebt. wo die träger des begriffes unbestimmt bleiben, wird andererseits der singular begünstigt, in der richtung auf's abstracte ebenso gut wie in der personification: die empfindungen und triebe der menschen sind allenthalben dem zustande, worinn sie leben und ihrer organisation gemäsz; allenthalben aber werden sie von meinungen und von der gewohnheit regieret Herder (ideen 8, 4) 13, 319. andererseits vgl.: dieser gegensatz erinner mich eines spiels von den gewonheiten, wann nemlich jedem in der gesellschaft vorgegeben wird, zu erwähnen, welche böse gewonheit abzustellen, und hingegen, welche gute gewonheit er einzuführen für rahtsam achte? Harsdörffer frauenzimmer gesprechspiele 1, 4. I@3@b@b@11)) der plural bei der beziehung auf individuen als solche: ihre zuversicht ... hat mir den muth gegeben in ein dasein einzutreten, von dem mich tausend gewohnheiten und rücksichten abhalten wollten Auerbach neues leben 3, 348; gewohnheiten und eigenheiten Göthe 26, 28; gang, stimme ... und gewohnheiten Klinger Faust III, 3 (s. o.); die laster und böse gewohnheiten, die ihn unglücklich machen Herder (br. z. bef. d. hum. 10) 18, 300; das gleiche schon Abraham a S. Clara lauberhütt (1721) 1, 74; entschuldigt euch auch nicht mit euren bösen gewohnheiten Scriver seelenschatz 430c; böse gewohnheiten Herder 16, 609; 17, 281; (niedrige triebe ... abscheuliche gewohnheiten ideen 4, 4) 13, 147; (üble gew.) 16, 535; meine reinsten empfindungen und gewohnheiten hat sie mir angebildet (kl. schr. 1791 ff.) 18, 473; (ideen, gew. handlungsweisen) 20, 182 (christl. schriften 5); diese gewohnheiten waren der klarheit und genauigkeit seiner ideen förderlich Göthe (übers. v. J. v. Müller rede auf Friedrich d. groszen) 49, 198; dasz ein oberster darunter war, ein sonderbarer mann, von dem Ohluf in der folge allerlei gewohnheiten angenommen hat, z. e. einen heroischen blick, eine seltsame art zu sprechen Gerstenberg (skizze zum Hypochondristen) 400 Fischer; zu gewohnheiten haben s. Göthe 2, 260, vgl. oben sp. 6531. I@3@b@b@22)) die beziehung auf eine gattungsmäszig abgegrenzte gruppe von trägern des begriffes, der ja der pluralgebrauch der rechtssprache entsprungen ist, trägt diesen auch für die allgemeineren litterarischen wendungen: ir süllent auch wissen, das trunkne leut vil gewonheit haben nach ir natürlichen art. die sanguinei lachent und lauffent umb und umb ... und colerici claffent vil und werdent leicht zornig und erwegt. die flegmatici schlaffent gern und in traumet gern schwer traum und erschreckent gerne. die melancolici traurent gern und wainen gern ir sünden Ortolf v. Bayrland 49b; die zu selbigen ersten zeiten geübte gebräuch und gewonheiten des königreichs Portugal Caccia heil. Antonius v. Padua 5; und so vieler vOelker tracht und sitten, anstellungen und gesetze, leben, gewonheiten und sprachen umbsonst erlernen Schuppius schriften 579 (von der kunst reich zu werden); ein hoher aufschwung, eine zügellose licenz lag weder in der gemüthsart, noch in den gewohnheiten sitten und gesetzen der Deutschen Herder (zerstr. bl. 5) 16, 222; (ihre alten gesetze und gew. beibehalten) 14, 522 (ideen, zusätze); unter der bedingung, dass ihnen ... die gerechten gewohnheiten und freiheiten des reiches gesichert würden v. Ranke 142, 54; ihre sitten und gewohnheiten verändern sich unaufhörlich S. G. v. Vogel s. 7; ihr Koran lebte im herkommen, in gewohnheiten und vorzügen, die sehr miszleitet werden konnten Herder (ideen, zusätze) 14, 548; den ionisch südlichen geist, der alles durchbrennt und durchflammt, und von keinen verhältnissen oder gewohnheiten sich binden läszt Heinse (Hildegard 3) 6, 151; aber sehen sie das volk hier an ... das liebt seinen strickbeutel, den kupferkessel, in dem die mutter würste gekocht hat, es liebt eine zerbrochene pfeife ... ebenso alle miszbräuche, die zehntausend verrotteten gewohnheiten seines lebens G. Freytag (soll u. haben 2, 7) 4, 307; vgl.(übeln gew. und missbräuche) Heinse (Hildegard 2) 5, 314; (trägheit und böse gewohnheiten der menschen) Herder (briefe z. beförder. d. hum. 10) 18, 242; auch sind die vorurtheile, die leidenschaften und gewohnheiten, worauf sich das reich dieser geister stützt, so verbündet, und in einander geschlungen, dasz keine schlange berührt wird, ohne dasz sich alle in einander gewundene regen (christl. schr. 1797) 19, 373; auch wir gestrengen haben eine menge von gew. und grundsätzen angenommen, welche in früheren jahrhunderten geächtet waren Heinrich Laube ausgew. werke 7, 53; meistens kommen in schwachen stunden die irrthümer und fehler, die bösen eindrücke und gewohnheiten unsrer jugend als feinde über uns Herder (kl. schriften 1791 ff.) 18, 367; er versenkte sich sogleich in die vorbereitungen, suchte sich über betrieb und gewohnheiten des verlagshandels bei bekannten und durch bücher zu unterrichten Freytag (Karl Mathy) 22, 214; es ist ja auch richtig, dass stil und gewohnheiten der theater verschieden sind Heinr. Laube 7, 156; dasz sie mit der zeit so wenig die gewohnheiten der kirchen achten Abrah. a S. Clara lauberhütt 2, 53; so ists mit allen gewohnheiten der vielgestaltigen menschlichen form, ja mit allen erscheinungen auf unsrer runden erde Herder (ideen 3, 11) 14, 38; nun ist ... Tacitus ... zu loben, dasz er ... staatssachen in sich begreiffet von ... gewohnheiten fürstlicher personen Butschky Pathmos s. 30; sie erwachsen ganz aus den gewohnheiten ihrer zeit H. Laube 5, 13; in denselben zween Libien sind ... mancherlei leute ... mit mancherlei weise, mit seltzamen gewonheiten und glauben Ottho v. Demeringen übers. des J. de Monteville s. 208, desgl. 235; vgl. auch 203, s. oben; die allgemeine stimmung der stadt war gegen den Türken, bei den männern wegen seiner grausamkeit und bei den frauen wegen seiner schlechten häuslichen gewohnheiten G. Freytag (schlusz der ahnen) 13, 247; ich habe meinen verdrusz über dergleichen abgeschmackte gewohnheiten (beim glückwünschen) bei verschiedener gelegenheit spüren lassen Gottsched vern. tadl. (1725, 2. stück) 1 (1738), 15; ich fürchte, dasz jeder die armseligen gewohnheiten des winkels, in dem er gebohren worden, für die eigentlichen sitten des gemeinschaftlichen vaterlandes halten dürfte Lessing (hamb. dramat. 22) 93, 274; viele bigotte gewohnheiten F. Nicolai reise durch Deutschland 5, 57; rohe grausame gew. Herder (ideen 6, 4) 13, 233. schönere gew. (6, 3) 223; es ist ein unlöbliches wesen bei vielen leuten, welche über dem alterthum so strenge halten, dasz sie auch die alten bösen gewohnheiten nicht wollen abschaffen lassen Joh. Riemer apophthegm. vormund (978) 387; es herrschen in Altdorf, so wie in Nurnberg, sehr viele alte gewohnheiten, wovon herr D. Semler in seiner eignen lebensbeschreibung manches erzählt Nicolai beschreibung einer reise (1783) 331; ja wenn wir bedenken, dasz nur wenige nationen in diesem conflict der geistesthätigkeit waren, indesz der gröszeste theil der andern über alten gewohnheiten schlummerte Herder (ideen 3, 15) 14, 240; am meisten halten noch an ihren alten gewohnheiten die bewohner der ... bergigen gegenden S. G. v. Vogel s. 7; und sie verfallen endlich auch dem bann des alltäglichen lebens, der rechtgläubigkeit an geheiligte gewohnheiten H. König die clubisten in Mainz (4, 8) 2, 72; verstimmungen, wie sie unvermeidlich sind, wenn menschen mit verschiedenen gewohnheiten sich zu gemeinsamem leben verbinden G. Freytag (soll u. haben 4, 3) 5, 59. I@3@b@b@33)) der plural bei der abstraction von einem träger des begriffes: die laster und böse gewohnheiten sein rechte ketten Butschky rosenthal (nr. 209) s. 432; von gewohnheiten im gegensatz zu angewohnheiten spricht man da, wo gewisse leidentliche zustände ... ein bedürfniss werden, so dass ihre abwesenheit unangenehm auffällt J. E. Erdmann über gewohnheiten s. 6; dem todten buchstaben des gesetzes sowohl, als dem kriechenden gange nach alten gewohnheiten und lüsten stand sein lichtvoller geist, der geistvolle aufgerichtete mensch entgegen Herder (christl. schriften 4) 20, 67; dass die natur alte gewohnheiten bis auf einen gewissen punkt fortpflanze S. G. v. Vogel s. 7; alte gewohnheiten überflügeln endlich die ganze constitution s. 10; a. g. können langsam abgelegt werden ebenda; jene täglichen gewohnheiten Herder (ideen, zusätze) 14, 604; dasz er sich nicht von denen gemeinen gewonheiten befreiet zu sein achte Butschky rosenthal (409) s. 870; ohne besondere und erhebliche ursach sol man übliche gewonheiten nicht änderen Harsdörffer frauenzimmer gesprechspiele 4, 399; wen die böse gewohnheiten einmal ertappen ... den lassen sie so leicht nicht aus Abraham a S. Clara etwas f. alle 3 (1711) 189; und solche böse gewonheiten lassen nicht leichtlich nach, sondern werden offt täglich nur ärger M. Zeiller episteln (123) 2, 141; auch hinter dem schleier böser gewohnheiten wird jener ursprünglich gute, aber miszgebrauchte grundsätze bemerken Herder (briefe z. bef. d. hum. 10) 18, 251; gewohnheiten sind gewonnene feste formen unsrer übung (Kalligone) 2, 119; gewohnheiten kommen durch öftere wiederholung derselben handlung zu stande, wodurch eine grössere fertigkeit, sie zu erneuern entsteht S. G. v. Vogel bemerkungen und erfahrungen s. 4; unser leben wird zur gröszeren hälfte von gewohnheiten und nur zur kleineren von freiheit und entschlusz genährt. gewohnheiten aber sind meistens die polster, welche die schwachen seiten unsrer natur sich unterlegen Immermann 5, 113; es lassen sich gewohnheiten, die eingewurzelt sind, nicht so rasch beseitigen; man wird jahre lang noch das bedürfnisz haben, nach thalern zu rechnen Bismarck (im reichstag 17. 11. 1871) 5, 177. IIII. überblick über die neueren gebrauchsformen und verbindungen des substantivs. II@11) das individuell belebte substantiv. II@1@aa) bestimmungen die den inhalt des begriffes, das object der zu grunde liegenden handlung, kennzeichnen. II@1@a@aα) selten dient diesem zweck ein substantiv: welcher allgemach sich wird herausz wicklen (aus seinen schulden), der macht ein gewonheit der häuszligkeit J. Schupp (kunst reich z. w.) 739; die opposition ... war beständig im widerspruch mit sich selber und opponierte hier, wie gewöhnlich, aus blöder gewohnheit des oppositionsmetiers Heine (franz. zustände: gefängniszreform) 10, 245; die vielen fäden der wissenschaften, künste und geschäfte, die ich in meinen frühern zeiten angeknüpft habe, laufen nun immer enger zusammen, kreuzen und drängen sich, so dasz es meiner ganzen ordnungsgewohnheit bedarf, damit kein gewirre entstehe Göthe br. 15, 8; vorstellungsgewohnheit Volkelt quellen d. menschl. gewissheit 26; auch substantivsätze spielen keine grosze rolle: das ist allzeit deine gewonheit, du denckest ehe an das spiel als an die schule M. Meister colloquia scholastica (1621) B 1b ebenso (s. u.) Götz von Berlichingen lebensbeschr. 103; M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. s. 56; wir haben zwahr die gewohnheit nicht, dass wir unsere eigenen thaten selber rühmen J. Rist friedewünsch. Teutschland (1, 4) 66; ein anderer hatte die gewonheit, dasz ... Abraham a S. Clara Judas der ertzschelm 1, 402; es ist einmal meine üble gewohnheit, dass ich gleich ins feuer gerathe Lenz (hofmeister 2, 1) 1, 18 Tieck; Herder 8, 123; die harmlosen 'dienstboten' zurückgewiesen? ja. und zwar aus ... dem gedanken oder doch der gewohnheit, dass ein hoftheater im grunde nur für ein exklusives publikum vorhanden sei H. Laube 5, 214. II@1@a@bβ) das bevorzugte anknüpfungsmittel des neueren stils ist wie bei gewohnt sein und gewohnen der infinitiv mit zu: sein gewonheit nicht was so lang ze schlaffen Ulmer decameronübersetzung s. 114; desgl. (s. u.) 22, s. 60; Grimmelshausen Simpl. 177; die gewohnheit aber, seine abendstunden in dem schauspiele hinzubringen J. v. Sonnenfels br. üb. d. Wienerische schaubühne (Wiener neudr. 7) 321; vgl. G. Freytag 4, 217; Göthe (Rameaus neffe) 45, 3 Weimar; u. a. s. u. die gewohnheit und das vergnügen dir zu dienen, zerstreuen alle bedenklichkeiten Lessing (Virginia 4, 1) 63, 98; auf der schule hatte er schon die üble gewohnheit an sich den porträten der gelehrten bärte zu machen und nun machte er recensiones famosas Lichtenberg aphorismen 2 (litt. denkm. 31, 100); vgl. Abraham a S. Clara; G. Freytag 4, 287 u. a. s. sp. 6567 f.; als wenn man einen hauptstern am himmel vermisste, den man nächtlich wiederzusehen die erfreuliche gewohnheit hatte Göthe br. 34, 150; es ist so ziemlich die gewohnheit des herrn v. V(oltaire) sich auf zeugen zu berufen, die nicht mehr unter den sterblichen sind Wieland (verm. schriften V, 3 Voltaire) 36, 165 ausgabe v. 1858; die gewohnheit nach seinem eigenen ermessen zu handeln O. Ludwig zwischen himmel und erde cap. 2; die gewohnheit des einen zu bestimmter stunde seinen kaffee zu haben J. E. Erdmann über gewohnheiten s. 6. ungewöhnlich dagegen und dem gelehrten stil angehörig sind hier formen des substantivirten infinitivs wie: die vertheilung von gewohnheit des habens und gewohntem thun Erdmann 11. anders infinitive, die ganz in die kategorie des substantivs übergetreten sind: so lange ich atme, will ich von dieser süssen gewohnheit des daseins nicht lassen W. Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht 818; vgl. schon Göthe 8, 294 s. u.; ein gothisches bauwerk ... wendet die irdische masze und schönheit nur auf, um den menschen vom irdischen leben wegzuziehn, die griechische kunst bindet ihn mit blumenketten fest an des lebens freundliche gewohnheit C. Hase (erinnerungen an Italien) 11, 1, zweite abth. s. 10. II@1@bb) possessivbestimmungen kommen beim individuell erfaszten substantiv natürlich zu besonderem rechte und zwar in der form des possessivpronomens, gegen das andere ausdrucksformen ganz zurücktreten: du solt auch wissen die grosz gesuntheit leit an den dingen der man gewonet hat ... wann die gewonheit verändert die natur ... wann hat ein man vil gearbeit und übel geessen ... und wirt darnach gemeiten geen und wol essen und trincken so wirt er siech ... wann er hat seiner gewonheit nit Ortolff v. Bayrlandt artzneibuch 4a u. a. (s. u.); zu den demonstrativformen im dienste der individuellen richtung des subst. vgl.: ein von natur zu den lastern geneigter mensch ... wird durch gewohnte werkstellung dieser laster ohn wunderwerk nicht darvon lassen, weil die gewohnheit die natur bestärket: wann aber solche gewonheit der natürlichen neigung und fähigkeit zuwiderlauft ... da kan keine gewonheit die natur ändern Butschky rosenthal (no. 526) 1099; diese gew. Pfeffel pros. versuche 4, 57 u. a. II@1@cc) syntactische verbindungen. II@1@c@aα) unter den verbindungen des substantivs mit nominibus ist die unterordnung unter ein substantiv hier nur wenig entwickelt (s. dagegen 3): mögen es eindrücke meiner kindheit sein oder ein traum der gewohnheit, die frappantesten stellen in der bibel dünken mir von der höchsten ... natur zu sein Herder (briefe an Theophron 2) 11, 167; er sammlet sich, ruft das urtheil der gewohnheit zu hülfe, und nun siehet er wieder, wie er durch eine lange gewohnheit der augen sehen lernte (die 'plastik' von 1770) 8, 119; wenn er kam bot er den süszen reiz der gewohnheit Gutzkow ritter v. geist 3, 386. II@1@c@a@11)) bei der zusammenstellung mit synonymen oder bedeutungsverwandten gewinnt die possessivbestimmung, namentlich des pronomens wenig boden, vgl.: der einsidel musste wider seinen willen und gewonheit lachen Grimmelshausen Simplic. 29; wie jedem apostel noch sein gesichtspunkt, sein körper, seine gaben, seine geschicklichkeit, übung und gewohnheit blieben, alle aber geläutert, lichtrein, angeflammt erscheinen aufs gute Herder (briefe zweener brüder Jesu) 7, 489. dazu vgl.: darnach ist si in sölichen jungen jaren glich waichem wachse, das schnell des mans sitten und gewonhait mit in truckung ... empfangen hat Niclas von Wyle translationen (aus Poggio) 136. andererseits vgl.: bist du von art oder gewonheit karg, ein zucher und hebig, so thuon dir gewalt an, gib almuosen bisz rylich so gewonst du sein, und würt dir leicht Geiler v. Kaisersberg irrig schaf (Straszburg Schürer) C 2a; das Atabeck, der Sady sohn solch eine gewohnheit und natur hat ... Olearius der persianische baum-garten (Hamburg 1696) s. 10b; die gleiche verbindung (s. u.) Wieland 24, 231; zu besagten gewohnheiten und sitten Butschky Pathmos (653) 940; wie sehr man mit einer kunst in verhältnisz, übung und gewohnheit bleiben musz, wenn man ihre productionen einigermaszen geniessen und etwa gar beurtheilen will Göthe br. 14, 110; aus nachsicht, gewohnheit oder gutmüthigkeit 20, 92; ein solches leben ... eine gewohnheit dieser art Herder 18, 159; und ich war daran durch umgang und gewohnheit gebunden Göthe (dicht. u. wahrh. 11) 26, 7; das alles nahm sie für ihn ein, wozu die gewohnheit, die äussern nun von der welt als bekannt angenommenen verhältnisse, das ihrige beitrugen (die wunderlichen nachbarskinder) 17, 325; aus gewohnheit fromm, aus trägheit tugendhaft. J. F. v. Chronegk (einsamk. 5. ges.) 2, 28; aus trägheit und böser gew. Herder 19, 371; aus gew. und flucht der langeweile 19, 24; furcht und gew. Arnim tröst. einsamkeit 9 Pfaff; gew. und vergnügen Lessing 63, 98; gedanken und gew. Laube 5, 214 s. o. II@1@c@a@22)) attribute begleiten auch hier gelegentlich das substantiv, werden aber bei der individuellen erfassung nicht gerade bevorzugt. innerhalb der alten gruppen (böse, alte gew.) machen sich neue prägungen bemerklich, vor allem aber findet der neuere stil unter der anregung Göthes für die erfreuliche seite mannigfache ausdrucksformen der empfindung. II@1@c@a@2@aa)) dann wort on werck schaffen bei euch nihts der alten, guten gewonheit nach kurfürst Albrecht v. Brandenburg an herzogin Anna v. Braunschweig (1474) s. Steinhausen 1, 117; do er Serciapellet seiner guoten gewonheit getröst hat Ulmer übers. des decamerone s. 23 (comendato questa usanza); dise bOese untugende ... die ime von langer gewonheit sint in dem grunde beliben von der bOesen gewonheit Tauler predigten s. 235 Vetter; in böser gewonheit leben Abraham a S. Clara Judas der erzschelm (1686) 1, 417; aus trägheit und böser gew. Herder 19, 371; dasz diser ungeschliffene limmel ein schändliche gewonheit an im hab Abraham a S. Clara Judas der erzschelm 1, 401; vgl.üble gew. Lenz 1, 18 (s. o.) slichte gew. Fr. Reuter 2, 22. II@1@c@a@2@bb)) owe herr, so ist mlich alt gewonheit ze lassenne Seuse (büchl. d. ewigen weish. cap. 6) 221 Bihlmeyer; wissen aber nitt, was wir sagen, habens ausz langer gewonheit Luther 34, II, 71 Weimar. (vgl. dagegen durch eine lange gew. der augen Herder 8, 119 s. o.); welcher ... nachmals wider zu alter gewonheit keret Ambach vom zusauffen B 3b; finde ich euch aber nach der alten gewonheit mit dem starcken hindern, der voller gruben were Albrecht v. Brandenburg an Anna v. Braunschweig s. Steinhausen, privatbriefe 1, 117; nach der alten gew. Ulmer verdeutsch. des decamerone s. 132; de olle gew. Fr. Reuter 2, 453; darvir (vor d. Marienbild) kniiet er nach seiner alten gewonhait, sprach sein gepet und fieng an, innigclich zu wainen J. Knebel chronik v. Kaisheim 121 Hüttner; meiner vorigen gewonheit nach Grimmelshausen Simpl. 404 neudr.; (täglichen) 32; und wo es hingeht, suchend seinen stall und früherer gewohnheit alte stätte, dort tretet ein. Grillparzer (Libussa 2) 85, 161; bereits war es zur stehenden gewohnheit Noltens geworden ... seinen abendspaziergang nach Zarlins besitzung zu richten Mörike (maler Nolten) 4, 46 Krausz. II@1@c@a@2@cc)) eine besondere gewohnheit soll der mann an sich gehabt haben Lessing (d. junge gelehrte 1, 5) 13, 295; die grosze nächtliche stille hier auszen im garten hat auch viel reiz ..., und es dürfte einige gewohnheit dazu kommen, so könnte ich verdienen in die gesellschaft der würdigen lucifugen aufgenommen zu werden Göthe briefe 14, 161; überhaupt aber bin ich auf einer idee zu deren ausführung mir nur noch ein wenig gewohnheit mangelt (an Schiller 1797) br. 12, 329; sie gab, gegen alle gewohnheit, ihnen ... einen prächtigen schmaus Heinse (Hildegard 3) 6, 142; das verkennt der oberflächliche zuschauer leicht, dessen glaubensbekenntnisz die blosse gewohnheit H. Laube 5, 238. II@1@c@a@2@dd)) süszes leben! schöne freundliche gewohnheit des daseins und wirkens! von dir soll ich scheiden Göthe (Egmont 5) 8, 292; vgl.: süsse gew. des daseins s. o.; jedem beschauer zur lust, uns selbst zur süszen gewohnheit. Platen (die antiken) 1, 63 Redlich; — wie aus dem keim der bekanntschaft nach und nach in uns holde gewohnheit entsprosz. Göthe (elegien 2) 1, 329; die befriedigung seiner wünsche ward eine reizende gewohnheit (Meisters lehrjahre 1, 9) 18, 44; herzogin Amalia hatte die gnädige gewohnheit eingeführt, dasz sie allen personen ihres nächsten kreises zu weihnachten einen heiligen christ bescheren lieszen (das neueste von Plundersweilen) 13, 43; die erfreuliche gew. haben br. 34, 150; (die üble) Lichtenberg s. o.; sie verfluchte die schleppende, träumerische gewohnheit, durch die ihr ein so unbedeutender bräutigam hatte werden können Göthe (die wunderlichen nachbarskinder) 17, 328. II@1@c@bβ) die verbindungen mit verbis lassen dem possessivpronomen hier mehr spielraum. II@1@c@b@11)) vor allem gilt dies für die subjectfunction, namentlich in der verbindung mit dem verbum substantivum, die des pronomens kaum entbehrt. hier ist neben der alten form des nebensatzes nun auch die des hauptsatzes voll entwickelt, die dann meist einen infinitiv, seltener einen ganzen satz abhängen läszt, vgl. oben sp. 6564. vgl.: II@1@c@b@1@aa)) sie den wege wider zuo dem schifflein nam ... als dann ir gewonheit was ze thon Ulmer decameroneübers. 91; ebenso 60; nach euerem befelch will ich ... mich tapfrer halten weder mein gewohnheit ist Albrecht Dürer (an Pirkheimer) 32 nachlasz; ich wil einen menschen bei nacht, der nur so laut redet als seine gewonheit ist, an der stimme durch ein solches instrument erkennen Grimmelshausen Simpl. 200 neudr.; wie meine gewonheit in dergleichen begebenheiten war 35; (vgl. auch die erde, deren gewonheit ist 177); mein gewonheit ist zuo dem minsten die wochen ein fart ze peichten Ulmer decameroneübers. 22 (la mia usanza suole essere di) 114; vgl. M. Meister s. o.; dann mein gewonheit war, wann ein fast-tag war, so asz ich einen ganzen tag nichts bisz nachts Götz von Berlichingen leben 103 Bieling; es war seine gewohnheit, den eigenen geburtstag so feierlich als möglich zu begehen G. Freytag (soll u. haben 2, 3) 4, 217; es mag schön oder hässlich wetter sein, meine gewohnheit bleibt auf jeden fall um fünf ... spazieren zu gehen Göthe (Rameaus neffe) 45, 3 Weimar; du wilt dich lassen den zoren überwinden, nain tue das voren, das dein gewonhait den zorn überwint. Hans Vintler pluemen der tugent v. 1478 Zingerle; deine gewohnheit betrog dich, dasz du glaubtest, körper, als körper sehen zu können, weil, was du sehr oft gesehen hattest, körper war Herder (plastik) 8, 123. II@1@c@b@1@bb)) da doch beiderseits kein ziel zu einer verehligung, sondern bloss ein gewonheit scheinte Abraham a S. Clara Judas d. erzschelm 1, 241; vgl.(s. o.) die gew. bethätigt (Arnim), trägt bei (Göthe), zerstreut (Lessing), entspriesst (Göthe); vgl. auch: äwer de olle gewohnheit drew em nah Gürlitz tau F. Reuter (stromtid 2, 30) 2, 453. II@1@c@b@22)) für die objectfunction ist das pronomen nur ganz selten beobachtet: ich gebe euch diesen guten rath eure böse gewohnheit zu überwinden Scriver seelenschatz 432b; eins nur bitt' ich zuletzt, du lässiger, dass du mir diesmal deine gewohnheit änderst. Fr. Rückert 2, 125; vgl. auch (s. o.): meiner gew. bedarf es Göthe; vgl. andererseits die possessivbestimmungen in: die sol ... in ir eine gewonheit machen Tauler predigten 12 Vetter; er ist mehr landjunker als diplomat und hat die gewohnheit dieser art von Engländern sein mittagsmahl im magen stets 2 zoll unter portwein zu setzen Bismarck (an L. v. Gerlach 1855) br. 1897 s. 130; vgl. F. Reuter (s. u.). II@1@c@b@2@aa)) die meisten belege entfallen auf die verbindung die (eine) gewohnheit haben, die schon in der älteren bibel so oft gegen lat. consuescere eingeführt ist (s. sp. 6555); vgl.du weisst ... dass mein seliger herr vater die gewonheit hatte bestrafter brudermord 1, 6; s. engl. comöd. 157, 20 Creizenach; vgl. oben (sp. 6531) zu Hans Sachs 5, 352; vgl. Olearius, Rist, Göthe; vgl. ein anderer hatte die gewonheit, dass er zu allen sachen hinzusetzte ... recht also Abraham a S. Clara Judas d. erzschelm 1, 234; un wil dat ick de slichte gewohnheit an mi heww, mi in den slap tau roken F. Reuter (stromtid 1. vorcapitel) 2, 22; ebenso (s. o.) Lessing, Lichtenberg; dazu vgl.: denn ich habe in gewohnheit die leute, wo möglich, warten zu lassen J. E. Schlegel 3, 416; u. a. II@1@c@b@2@bb)) dan pfaltzgrave Friederich hielt die gewonheit, welcher sein leibeigen und sein feint worden was, den liess er doten, er hett den gros forderer oder ursach eins alten diensts M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 56; wie die form ist, so giesset man, und wie man die gewonheit gemacht hat, dabei verbleibet man Abraham a S. Clara etwas für alle 3 (1711) 190; nun aber daraus eine gewohnheit zu machen Herder (christl. schr. 1794) 19, 42; vgl. auch (s. o.) Schupp; wer in seiner diät eine gewonheit angenommen und sich wol dabei befindet Hohberg 1, 165; hat die gew. nicht mehr lassen können Abraham a S. Clara Judas d. erzschelm 1, 417; das gleiche schon Seuse; (ablassen) Merswin; (ablegen) Pfeffel; vgl.: ein gezähmtes thier wird herrenlos, wenn es die gewohnheit ablegt, an den ihm bestimmten ort zurückzukehren bürgerl. gesetzb. § 960; so würde sie bald die gewohnheit verlieren, die glückseligkeit und unglückseligkeit eines menschen nach der beschaffenheit seines aüszerlichen zustandes zu entscheiden demoiselle (C. C.) Lucius an Gellert s. 136. II@1@c@gγ) die präpositionalverbindungen begünstigen nur in einzelnen formen das pronomen oder andere ähnliche bestimmungen. II@1@c@g@11)) die alte verbindung mit nach meidet anfangs das pronomen, läszt es dann aber bald nicht mehr fehlen: pflag er nach gewonheit alle tage sein knie zu beugen Johann v. Neumarkt leben d. hl. Hieronymus 209 (var. gewöhnlichen); das gleiche 176; eins tages schickt er nach der gewonheit verdeutschung der dialoge Gregors (1473) II, 20; lass nach gewonheit mich die freuden-rosen lesen. Neukirchs gedichtsamml. 1, 46; vgl. auch oben (sp. 6566): nach alter gew. dagegen vgl. nun: ich waisz, das Metz mein auch warten wirdett nach irer gewonhait Albr. v. Eyb (Philogenia) 2, 123 Herrmann; als der nach siner gewonhait ietz hin dann her spacirende. Niclas v. Wyle translationen 27; ebenso Steinhöwel Äsop s. 38; Ulmer decameroneübers. 23, Wickram 1, 5; die fr nun zuo der hertzogin und macht ir vor zuo Augspurg nach ir gewonhait in ain trichlin kostlich confect ein Sender s. dtsch. städtechron. 23, 117; ich wollte, dasz diese kleine schrift des Naudé, die nach seiner gewohnheit voll gelehrsamkeit ist, übersetzt ... erschiene Herder (br. z. bef. d. hum. 58) 17, 324; ebenso Auerbach neues leben 3, 357; ich gieng am sonnabend abend nach meiner gewohnheit zu ihm, um mich rasieren zu lassen Hebbel (barbier Zitterlein 4) 9, 61 Krumm; ich sehe noch unseren seligen herrn grafen da sitzen und nach seiner gewohnheit seine schnupftabaksdose auf dem tische hin und her drehen W. Raabe alte nester s. 220; dazu vgl.: hat er Ulissens nit gegenwertig gefunden, dann er seiner gewonhait nach bei dem mör sasz Schaidenreisser Odyssee (5. buch, Calypso, Mercur) (1537) 20b; dass ich meiner gewohnheit nach im schlaff jählen möchte Grimmelshausen (vogelnest) 2, 333 Keller; Windheim hats übersetzt, und seiner gewohnheit nach, mit langen, aber schlechten noten vermehret Herder (theologiebriefe 8) 10, 91; ebenso (ideen 4, 16) 14, 262; vgl. auch: der name (Dietegen) steht noch im gegenwärtigen Züricher kalender, obwohl kaum noch jemand darauf taufen läszt. ich habe ihn meiner gewohnheit gemäsz dort hervorgesucht G. Keller (an W. Petersen 1876) 3, 233 Bächtold. das gleiche gilt für die gegentheiligen verbindungen, die aber weniger verbreitet sind, vgl.: weil man das ampt im chor hat gesungen ... hat si wider ir gewonhait die augen imerzuo laussen umschweiffen und uns angesechen Sender dtsch. städtechron. 23, 144; da Reinhard wider seine gewohnheit nicht antwortete Storm 1, 20; gab ich es meinen jüngeren freunden zu lesen, auf die es eine desto gröszere wirkung that, als ich, gegen meine gewohnheit, vorher niemanden davon erzählt ... hatte Göthe (dicht. u. wahrh. 13) 26, 227; ebenso W. v. Polenz Grabenhäger 1, 2; A. v. Arnim 1, 9 (Grimm). vgl. dagegen (s. o.) gegen alle gew. Heinse. II@1@c@g@22)) bei anderen verbindungen ist das pronomen ganz vereinzelt: II@1@c@g@2@aa)) weil sie aber ja verstockt auff ihrer gewonheit beharren Luther (tröstung an die christen zu Halle 1927) 23, 415. II@1@c@g@2@bb)) ... wer manig mensch nit hin zuo gangen, der also ausz forcht, scham und gebot der welt mit unwillen, nur ausz gewonhait on begird dartzuo ganngen ist Seb. Lotzer (beschirmbüchlein) 67 Goetze; einer ist gewest, der zum öfftern in seinen reden dise wort, ausz gewonheit, eingemischt, wie ihr deszgleichen Abraham a S. Clara Judas d. erzschelm 1 (1686) 401; das thun was man gewohnt ist und aus gewonheit gern thut Hohberg 1, 165; vgl. auch Zedler 10, 1398, vgl.(s. o.) Chronegk, Göthe, Herder; wie man aus gewohnheit nach einer abgelaufenen uhr hinsieht, als wenn sie noch ginge, so blickt man auch wohl einer schönen in's gesicht, als wenn sie noch liebte Göthe max. u. refl. nr. 246; schr. d. Goethegesellschaft 21, 43; ich hatte aus gewohnheit noch ein kleines niedliches madonnenbildchen an einer seidenen schnur am halse hangen Seume (spaziergang 2) 3, 49 Hempel; der alte herr hängt nämlich an dem obersanitätsrath, nicht aus liebe, sondern aus gewohnheit, wie an einem alten stück möbel Immermann 3, 172; doch mehr aus gewohnheit, als aus lust Holtei erz. schr. 1, 5 (vom hunde). II@1@c@g@2@cc)) weil mich solches verleckern: und von meiner gewohnheit hart zuleben, abziehen mögte Grimmelshausen, Simpl. 532 neudr. dagegen vgl.: odder da einer fruo ist von gewonheit wegen, und er mag der rechten zeit nit erwarten Geiler v. Keisersberg sünden des mundes 4b; von natur und gesundheits wegen Wieland 24, 231; vgl. auch (s. o.) Geiler, Abraham a S. Clara. II@1@c@g@2@dd)) die traurikait und betrübnusz, die ist mir durch die gewonhait iecz zemalt alt verdeutschung der dialoge Gregors (1473) I, cap. 1; man lieset von einer jungfer, die von jugend auff das gifftige kraut Napellam zu essen gewohnet war, und durch solche gewohnheit so viel zuwege gebracht hatte, dasz es ihr nichts schadete Sperling Nicodemus quaerens 1 (1718) 1398; wähle dir irgend eine gute lebensart; angenehm wird sie dir werden durch gewohnheit Herder (zerstr. blätter 5) 16, 174; desgl. (plastik) 8, 7; vgl. auch Göthe 26, 7. II@1@c@g@2@ee)) wann am dritten tag kert er wider zuo seiner gewonhait und begund zuo der zeit des gebettes unstAet sein Gregors dialoge II, cap. 4. dagegen vgl.: bei erleichterter gelegenheit seine werke zu finden (lord Byrons) und zu besitzen, ward es auch mir zur gewohnheit mich mit ihm zu beschäftigen Göthe (tag- und jahres-hefte 1817) 32, 129, vgl. auch (s. o.) zu Ambach, Butschky, Platen, Mörike. II@1@c@g@2@ff)) und hab so manchen gouch usz genümen, das ich sin bin in gewonheit kummen. 3, 71 Murner gäuchmatt 3, 71 Uhl.; lässestu die sünde erst in die gewonheit kommen, so machstu dir hernach die busz selbst schwer H. Müller geistl. erquickstunden (1667) s. 111 (nr. 69); so man aber der masz recht unterricht ist und die in gewohnheit bringt, kann nachfolgend dest leichter auch ohn die masz ein iglich bild gemacht werden A. Dürer (von menschl. proportion) 209 nachlasz; und hat in gewonhait gehept, wann er mit seiner eefrauen die eelichen werck hat wellen pflegen ... hat er vor den segen than Sender chronik v. Augsburg, s. dtsch. städtechr. 23, 310; andere habens in gewonheite, dasz sie nach dem morgenessen zu bade gehn Ryff traumbuch Artemidens 58a 1, 61, desgl. Wickram 2, 25, Heilmann Thuc. 541, J. E. Schlegel 3, 416; vgl. in übung und gew. bleiben (Göthe), in böser gew. leben Abraham a S. Clara; dagegen vgl.: und das tier fuhr, wie es in seiner gewohnheit lag, auf den fremden los Anzengruber (dorfgänge) 3, 129. II@22) das substantiv, das eine gruppe von trägern des begriffes voraussetzt, ist auf bestimmungen, die diese gruppe abgrenzen, also auf possessive formen, von hause aus angewiesen. II@2@aa) formen der abgrenzung der gruppe. II@2@a@aα) possessivbestimmungen und entsprechende mittel. vgl. zur rechtssprache sp. 6551, vgl.: us gewonheit deren menschen kumpt es, das du was ich übels überkummen hab, vor hettest erfaren Terenz (1499) 35b; die gewonheit der menschen, wie auch ihre complexion hilfft viel dazu, und gefelt manchem die sackpfeiffe weit besser als ein schönes lautenspiel Heinrich Albert vorrede z. 3. theil seiner arien, (1640) neudr. s. 68; welches in die gew. der menschen übergegangen ist Laube 5, 163; beschreibung frembder oerther und länder, und derselben gewohnheiten, natur, leben, sitten, geist-, welt- und häuslichem stand titelblatt z. Adam. Olearius reisebeschr. (Hamburg 1696); als die herrschenden meinungen, sitten und gewohnheiten unsres zeitalters Herder (br. z. bef. d. hum. 21) 17, 95; (gew. ... unsres geschlechts) 20, 220. nach cristenlichem brauch und gewonhait J. Knebel chronik v. Kaishein 260; heidnische gebrauche und gew. Eberlin v. Günzburg 3, 216; der welt sit, gewonheit und brauch Luther 28, 593; nach dem brauch und gewohnheit der welt Abraham a S. Clara lauberhütt 2, 62; (weltliche ... gew.) 23, 514 Grimmelshausen wiedererst. Simpl. 3, 387; kam zuo auszgang des walds zuo suochen und zuo forschen die gewonheit des lands Pontus und Sidonia (1498) i 5b; ebenso (gew. und eigenschafft des lands) Warbeck d. sch. Magelone (20, 51, 31) 77b; (des landes satzung und gew.) Opitz Sidneys Arcadia 1, 79; kein lands gewonheit Hutten (Vadiscus) 4, 215; so hett er im des lands gewonheitt fur hin sagen sollen Luther 9, 541; der Markhold gesägnete sie, nahch landes gewohnheit, mit einem kusse Ph. v. Zesen adriat. Rosemund (3) 145 Jellinek. ebenso Seume 3, 47; nach landes gew Mathesius (leichpredigten) 4, 28; er machte ihn sogar, einige jahre darauf, gegen die gewohnheit des landes, zum aufseher seiner beträchtlichen besitzung H. v. Kleist (verlobung in St. Domingo) 3, 313 E. Schmidt; ausz notwendiger gew. dieses lands Hedio Josephus 17b; jeder aber sprach viel leiser, als es sonst dort die gewohnheit des ortes ist W. Raabe alte nester 280; was tuogent der verstorben hette nach gewonheit der welschen stette. Hans Sachs (d. vier thiere) fab. u. schw. 3, 278; die poesie ist ein Proteus unter den völkern; sie verwandelt ihre gestalt nach sprache, sitten, gewohnheiten, nach dem temperament und klima, sogar nach dem accent der völker Herder (br. z. bef. d. hum. 8) 18, 134; vgl. 13, 431; da gedacht Diz Marschalk zu treffen (den kampf zu beginnen), fieng nach teutscher gewonhait den leisen an zu singen Wilwolt v. Schaumb. 59; und zwar mit der allerschlechtsten speise, welches wie man saget, wider aller teutschen art und gewonheit laufft Grimmelshausen Simpl. 584 neudr.; eʒ ist der Deuczen gebonhait bayrisches sprachbuch 100b Brenner; gew. der vorderen Tauler 41; gew. unserer dtsch. landsleute Seume 3, 159; volksgewohnheiten s. Sanders erg. wb. 649c; nationalgewohnheiten Sonnenfels (Wiener neudruck 7) 168; lokalgewohnheiten 103; stammesgewohnheit Lewald s. Sanders 3, 1653a; so hat sie alle alten, mitunter verwunderlichen gewohnheiten und rechte des hauses bestehen lassen A. v. Droste-Hülshoff 2, 328 (1879); sehet ihr nicht vielmehr, erbauliche ausleger, dasz dies 'gedenke' nichts als beziehung auf ein altes bekanntes, auf eine vätergewohnheit sei Herder (älteste urk. 2) 6, 329; es ist die löbliche gewohnheit meiner brüder Rabener 1, 153; gew. der liebhaber Herder 15, 216; als iunger leut gewonheit were Ulmer decameroneübers. 82; daʒ selbig thuot auch die nessell ... wenn ein frawe einer muttersatz macht mit nesseln und mit rauten bringt si ir gewonheit und öffnet ter muoter tür 99b Ortolf v. Bayerland; diss der schwangern weibern gewonheit sein J. Wetzel reise der söhne Giaffers 21 (litt. v. 208); gew. der frauen Ulmer decameroneübers. 162; ihres geschlechts Iffland 162; nach gwonheit der geselschafft dein, wird auch allzeit dein wandel sein. loci communes proverbiales (1572) 31 (talis eris, qualem socium tibi quaeris); jugend, junggesellen-gewohnheit u. a. Sanders 3, 1653a; das sint die geistlichen die sich für guot hant und ... haltent ire gewonheit für alle ding und wellent in den geachtet sin Tauler predigten (9) 41 Vetter u. a.; warumb macht nit auch vielerlei priesterschafft szo vielerlei weisz und gewonheit der stifftkirchenn und klöster, da keinis mit dem andernn concordirt Luther 7, 633 W.; (die münche) nach ir gewonheit im vigil gesungen Ulmer decameroneübers. 28, u. a. (s. präpositionen); der künig und die marggraffin ... ze kirche sassen und nach küniglicher gewonheit ... mit grosser stille und zucht ... gedienet waren Ulmer decameroneübers. 40; da si nach fürstenlicher gewonhait heten ir churzweil Andreas v. Regensburg 653 Leidinger (more principum); und wo die selbigen solten auch knechte bei sich haben, nach gebür und gewonheit ires stands Cochläus tragedia Johannis Hussen s. 4 neudr.; eine so schändliche that wider alle billichkeit und löblicher soldaten gewonheit und herkommen Grimmelshausen Simpl. 222; handwerksgewohnheit s. oben; asso des hantwergs gewonheit und recht ist Straszburger zunftbuch der kürschner (15. jahrh.) s. z. f. gesch. des Oberrheins 17, 53; nach hantwerckhs gewohnheit zunftordnung der müller von Crummen (mitth. d. ver. f. gesch. d. Dtschth. in Böhmen) 86 Mörath; und dann schauet ins bürgerleben! da hat jedes gewerk, oft das leichteste seine jahrelange lehrzeit, seine fest und tief gewurzelte gewohnheit nöthig Gutsmuths turnbuch XVII; auff ein zeit war er (ein leinenweber Jacob Plack) mit andern seines handwercks meistern, ihr leinen tuch zu verkauffen, gen Franckfurt in die mess, nach ihrer gewonheit, gezogen Kirchhof wendunmuth (2, 133) s. 182 Oesterley; bergleuftiger gew. nach cod. dipl. Silesiae 21, 14; bedenckt der artzt einfalt, jre gewonheit, jhr gelt suchen Paracelsus vom aderlassen (werke 5, appendix) s. 89; der kaufleut gew. Ulmer decameroneüb. 25, 29; item als der keisser hin wolt, kamen die koch an mich von der eusseren newgepauten pretterten kuchen wegen und wolten, ich solt die kuchen von in lossen, sie wer ir, oder sie woltens anzunten, das wer ir recht und gewonheit Endr. Tucher baumeisterbuch 303 Weech u. Lexer; eben sie wars, die jene knechts-gewohnheit einer sündenbüszung vor priestern durch die substitution eines fremden völlig entfernen sollte Herder (christl. schr. 5) 20, 262; die ... nach peurischer gewonheit geredt worden sind Gregors dialoge (1473) 1, cap. 2; hirtengewohnheiten s. Sanders 3, 1653a; wider die gewohnheit dieser leute Schnabel insel Felsenburg 11; sü sigent darnieder vil schiere und stürtzen uf ir alte gewonheit und uf lust der naturen Tauler predigten 82 Vetter; in diser zeite die drei ... ir alte gewonheit nicht abgingen Ulmer decameroneüb. 67. ebenso Rulman Merswin; als dann der pösen und falschen gewonheit ist Ulmer decameroneübers. 100 u. oft; der verzweifelten 74; der kranken 22; der kranken und betrupten Warbeck Magelone 99a; der geitigen Ulmer decameroneübers. 74 u. a.; dasz derhalben der tugendt brauch vnd gewonheit desto sichtbarer bei jhnen begrieffen werden auserlesene fragstücke ... s. Aristoteles problem. (1589) 164; als geistlicher recht gew. ist Ulmer decameroneübers. 68; nichts ist stärker und ewiger, und schneller, und feiner, als gewohnheit des ohrs! einmal tief gefaszt, wie lange behält dasselbe! Herder (briefwechsel über Ossian) 5, 165; gewohnheit der augen s. o. II@2@a@bβ) verhältniszmäszig häufig liegt das abgrenzungsmerkmal in orts- oder zeitbestimmungen, namentlich gilt dies für einzelne verbindungen des substantivs mit dem verbum subst.: wie werden jetziger zeit die kinder erzogen? ... wie es die mit einem scilicet verpetschierte schöne consuetudo oder die gewohnheit nach dem jetzigen weltbrauch erfordert Abraham a S. Clara lauberhütt 2, 52; das solichs noch vor sechshundert jaren die gewonnhait gewesen, als dann zu Maurkirchen im land zu Bayrn sollichs befunden wart Zimmerische chronik 1, 6; also danne ein böse gew. was. Windecke 238; als dennoch die gew. was. Hans Sachs fab. u. schw. 4, 18; als dann desselben mals sitt und gewonheit was dtsche. städtechron. 5, 200, 7; Zimmerische chron. 2, 8, 32; 1, 448 u. a. s. unten theil 10, 1, sp. 1241; wie denn in denselbigen ländern knecht und mägd zukauffen und zu verkauffen gewonheit ist Erasmus Alberus fabeln s. 8 neudr.; wie i etlichen stetten sitt und gewonheit ist Luther 16, 518 u. a. (in den grossen schiffen gew. ist) Ulmer decameroneüb. 106; dasz er seine mehrsten sachen, nach der in Italien eingeführten übeln gewohnheit, äuszerst geschwind habe schreiben müssen Heinse (Hildegard 2) 5, 273; nun waʒ an des abtes hoffe ein söliche gewonheit Ulmer decameroneübers. 45; dann da ist die gewonheit daʒ man die kinder nach der tOeffe in daʒ bierhusz treyt Till Eulenspiegel 5 neudr.; daselbst war ein gewohnheit, wie auch sonst an vielen örten, dasz ein nachbaur den andern, wann er ein schwein abgethan, zuo lde Kirchhof wendunmuth (1, 181) 221 Oesterley u. a. (S. Franck, Demeringen) vgl. sp. 6577; wann er an ohrtten, do zuotrincken gewonheit, sein werde, oder wann er gest habe, das jhm dann zuo-trincken erlaubt sei J. v. Schwarzenberg das büchlein v. zutrinken 26 Scheel; es ist ain gwonhait unden an dem Rheine, das man ain künig welen thet am oberst abent spat. Hans Sachs (d. künig drinckt) fabeln u. schwänke 4, 108 neudr.; wie solche gewohnheit von unsern vätern, als ein löbliches gebrechen auf uns ererbet Harsdörffer frauenzimmer gesprechspiele 1, 4; ordnung, sitte und form, welche in seiner heimat als tausendjährige gewohnheit von geschlecht zu geschlecht vererbt sind G. Freytag (soll und haben 4, 2) 5, 19. II@2@a@gγ) in dem attribut liegen hier besonders häufig abgrenzungsmerkmale und zwar nicht nur in den oben schon belegten adjectiven, die einen stand oder eine andre gruppe kennzeichnen: wider die weltliche gesetz, ordnungen und gewohnheit Grimmelshausen (Proximus u. Lympida 3, 1) wiedererst. Simpl. 3, 387 u. a. (christliche, heidnische, königliche, fürstliche, knechtische gew. u. a.). vielmehr dienen auch attribute wie alt, eingewurzelt u. a. dem gleichen ziel, indem sie mittelbar auf den kreis weisen, innerhalb dessen die betreffende eigenschaft gilt: eile zu sulcher suʒʒer wirtschafte, dorinne dir niht ochsen oder bockes fleisch nach alter gewonheit zu tische getragen wirdet, sunder du wirdest do vinden den warhaftigen leichnamen deines gottes Johann v. Neumarkt leben d. hl. Hieronymus 86 Benedict u. a. s. sp. 6576; herkömmliche gewohnheit, altes recht, man kann auf gar nichts mehr vertrauen. Göthe (Faust 2, 5) 41, 323; und doch kam ihm dies alles, der ehrwürdigen gestalt seines oheims gegenüber, wie durch alterthum und langjährige gewohnheit geheiligt vor Hauff (das bild des kaisers 3) 2, 20 (s. u.); was würde ihm solche hergebrachte gewonheit helffen Weise erznarren 22 neudr.; solche eingerissene gewonheit (franz. zu reden) auszutilgen stehet bei keiner privat-person Chr. Thomasius (v. nachahm. der Franz.) 19 Sauer. dazu vgl. auch demonstrative und andere pronomina, die eines weiteren attributs entbehren: die gewonheit Tat. Alpinus 74a u. a. s. o.; hie saget der meister ein ander gewonheit und spricht: in deʒ sechsten jar ... do wurden gesecʒt die ratemaen zuom kaisertuom Muglein Val. Max. 26c (vgl. von einer andern gew. der pflagen die Römer 27c). II@2@a@dδ) vielfach liegt das abgrenzungsmerkmal im subject oder object des satzes ohne dasz ein pronomen neben dem substantiv darauf zurückwiese. II@2@a@d@11)) wir reden nach den lehrsätzen und leben nach der gewonheit Hohberg land und feldleben 1, 165. ebenso Ulmer decameroneübers. 60. Grimmelshausen Simpl. 47; Abraham a S. Clara Judas der erzschelm 1, 243; sich überall durch mode, gewohnheit, ansehen und interesse leiten (lassen) G. C. Lichtenberg aphorismen 3. buch s. 264 Leitzmann; vgl. auch Herder 13, 312 (durch erbliche gew.); 14, 131; und es scheint, dasz die verschiedenen charakter der grundtöne durch gewohnheit und erziehung endlich nach und nach auch in die ohren der sänger, geiger und in die blasenden instrumente wären verpflanzt worden Heinse (Hildegard 1) 5, 61; vgl. auch Herder 18, 408; 20, 5. fraglicher ist es, ob in unsere gruppe noch wendungen gehören, die den träger erst aus einer vom substantiv abhängigen bestimmung erkennen lassen, namentlich wenn dieser nicht genannt ist, sondern erst erschlossen werden musz: wann ist die gewohnheit aufgekommen, dass diejenigen, welche das bild bezahlten ... sich zugleich darauf mit mahlen liessen? Göthe (ältere gemählde) 47, 214 Weimar; aus dem einförmigen verfahren nach diesen grundsätzen wird eine gewohnheit, schnell nach ihnen zu handeln Gerstenberg s. litt. denkm. 128, 171; die gewohnheit des zahlens in den wirtshäusern Harsdörffer frauenzimmer gesprechsspiele 1, 6; von gewonheit latînischer lesunge Beheim erste vorr. v. Hieron. 2 Bechstein; die süsze gewonheit einer daurenden vertraulichkeit und freundschaft Herder (kl. schr. 1791 ff.) 18, 411 s. unten (3). II@2@a@d@22)) weil wir von jugend auf zerstreut und verzärtelt leben, indem uns zu anhaltenden schweren übungen anlasz, regel, ordnung, sitte, tägliche gewohnheit und strenges gebot fehlen Herder (zerstr. bl. 6) 16, 395; vgl. auch 19, 324; 5, 7; Göthe II, 8, 36 Weimar; Klinger 4, 59; die tausendfachen beziehungen, mit welchen die eigenthümlichkeit der stammesentwicklung, gewohnheit und besondere einrichtungen uns alle an die engere heimat fesseln, darin liegt kein hinderniss der einigung Beckerath in der Frankfurter nationalvers. 27. 5. 1848 (st. b. s. 134b); und was ich etwan schwer betracht, hat mir gewonheit leicht gemacht. Joh. v. Schwarzenberg trostspruch 7 Scheel; Grimmelshausen 2, 26 u. a.; haltet so lang darmit inne, bisz euch unser thun besser gefallen, und die gewonheit euch unser ubermässige kleidung gemeiner gemacht haben wirt. wir kommen euch an jetzo gantz frembd für, und ihr haltet ewer gewonheit ... für die beste ... hernach wie mir diese durch gewonheit angenehm worden Opitz verdeutschung von Barclays Argenis (1, cap. 16) 7, 119 (consuetudo ... mitigabit ... consuetudinem ... cum probassem); wann es gewonheit ist, dasz man vor den herren zu füessen musz lauffen, woe er hin zeucht Schiltperger reiseb. 9 Langmantel. wie sollte wachen, dem der bauch gott, sein wille gesetz, ehrsucht die führerin, verwegenheit kunst, gewohnheit die regel ... ist Herder (zerstr. bl. 5) 16, 178. II@2@a@eε) seltener liegt das abgrenzungsmerkmal anderswo im satze oder musz erst aus dem weiteren zusammenhang erschlossen werden: er muosz ouch do verheissen in, das er es lasz gon im alten sin wie die gewonheit das herbringt. Th. Murner narrenbeschwörung 19, 56 (neudruck 119 s. 72); sobald das christenthum schlaffe gewohnheit, ererbtes gut, oder gar fürchterliches und doch müsziges landesgesetz, kurz leibes- und seelenzwang ward; bliebs kein christenthum mehr Herder (theologiebriefe 15) 10, 173; einen leichnam, den aberglauben und thörichte gewohnheit wünschten verfaulen zu lassen A. G. Kaestner verm. schr. 1, 32; aber uns zerriss der faden der gunst, den furcht vor veränderung und gewohnheit bisher noch hielten Klinger 4, 224. vgl. Geibel 5, 9; war indessen das opfer des gewinnes werth, sobald jenes auch nur durch die schweigende gewohnheit ein zwingendes gesetz wurde? Herder (ideen 3, 11) 14, 31; desgl. 16, 587. II@2@bb) der inhalt des begriffes ist in dieser gruppe schon nicht so oft wie bei der beziehung auf individuelle träger des begriffes (s. o.) durch eigene ausdrucksmittel gekennzeichnet: es sind ir etlich gar behend, die wüschen vor allzeit die hend, eh sie sich an die taffel setzen ... die gwonheit gfelt mir glat nicht wol. C. Scheidt übers. v. Dedekinds Grobianus v. 2650 neudr. 34, 81. ebenso Tat. Alpinus übers. d. Vergilius 74a; wann es was gewonhait wer ain wib nam der claidt vatter und muoter historienbibel 327 Merzdorf; vgl. Luther 23, 531; es ist ein gwonheit sag ich dir der sich dick brucht das weibsch gezier lang kleider sol in iungen tagen das kintlich alter niemer tragen. Seb. Brant Moretus 227 Zarncke s. 144; also danne ein böse gewonheit was, das einer dem andern zu dinst reit uf sine vigende unwiderseit Eberh. Windecke denkw. 238 Altmann; es ist eine guote gewonheit zuo Kölle das man gerne das heilige sacramente enpfohet Tauler predigten 125 Vetter; darnach machtens ein gwonheit seint, das ider preuotgam mues ein fuoder fuoren ertrichs auf diesen pruonnen. Hans Sachs (Fünfinger m. d. krebs) fab. u. schw. 3, 348; ebenso 4, 108; Kirchof wendunm. 221; Till Eulenspiegel 5; Steinhöwel Aesop 198; so ist an tem samstag gern der frawen gewonheit ire heubter zu waschen Ulmer decameroneübers. 162; ebenso 106; E. Alberus fabeln 8; ehbüchlein E 4a; die liebe gewohnheit ihres geschlechtes, nie mit dem putz fertig zu werden Iffland (verbrechen aus ehrsucht 4, 6) 1, 216; es ist nicht die löbliche gewohnheit unserer deutschen landsleute, mit den fremden zuweilen etwas unfein neckerei zu treiben Seume (spaziergang 2) 3, 159 Hempel; S. G. v. Vogel s. 2; geschrei der empfindungen wars also was die seelenkräfte entwickelt hat: geschrei der empfindungen, das ihnen die gewohnheit gegeben, ideen mit willkührlichen zeichen zu verbinden Herder (urspr. d. sprache) 5, 19; vgl. auch G. Kaufmann gesch. d. dtsch. univ. 2, 496; und diese leidige gewonheit einerlei gestalt (des abendmahls) hat keinen gewissen ursprunck Luther 23, 415; diese hatten voraus in der ewigen rechtsfreiheit- und ehregewohnheit der nation, im gedächtnisz und munde der männer, und im geschrei des volks gelebt, und waren heilig Herder (wider d. dtsch. bischöfe) 5, 684; sich also nur oberflächlich in den festen zusammenhang der truppenkörper, die gewohnheit des unbedingten gehorsams und die sicherheit der militärischen leistung eingelebt hatte v. Sybel begründung d. dtsch. reiches 52, 8; ich finde die gewohnheit mit den proberollen aller orten äuszerst ungereimt und widersinnig J. v. Sonnenfels (Wiener neudr. 7) 16; vgl. formulargewohnheit Herder 20, 225; rechts- handels- kriegs- wander- vortragsgew. Sanders erg. wb. 649c; begriffs- denk- geistes- frömigkeits- gesangs- ess- und trink- lebensgewohnheit 3, 1653a. II@2@cc) nominalverbindungen. II@2@c@aα) mit substantiven. II@2@c@a@11)) unterordnung unter ein subst.: die ankleblicheit der alten gewonheit: die sol man ab schern mit dem scharphen scharsach eines heiligen flisses Tauler predigten s. 222 Vetter; ... nichs soll fodern oder aischen noch vil minder mit gewalt wellen haben under dem schein alter gewonhait J. Knebel chronik v. Kaisheim 53 Hüttner; was thun vernünftigere reisenden, die irgend in eine grosze stadt kommen, um sich nicht durch ihre kleidung vor dem ganzen volke auszuzeichnen? ihren kleidern geben sie den landüblichen zuschnitt, ihrem betragen überhaupt die wendung der lokalgewohnheiten J. v. Sonnenfels (br. ü. d. Wiener. schaubühne, Wiener neudr. 7) 103; nach der verschiedenheit der nationalgewohnheiten 168; gang der alten gew. Herder 18, 416; nach einer kleinen zeit der gew. 5, 150; im lauf der frechsten gew. 19, 123; lassen sie mich iedes band der liebe freundschafft ... leidenschafft und gewohnheit mich täglich fester an sie binden Göthe br. 5, 71; es gibt vorstellungen von solcher zusammengehörigkeit, dasz ich, sobald die eine gegeben ist, die andere durch den zwang ... einer gewohnheit ... mit ihr verknüpfen musz J. Volkelt quellen d. menschl. gewissheit s. 25; s. gewohnheitszwang; mit der zeit wurde aus ursprünglich reinen trieben des herzens ein institut der gewohnheit Herder (ideen 9, 5) 13, 458; seltne gelegenheiten der gew. 15, 216; resten der gew. 18, 59; vergessen fast im segen der gewohnheit — bist du am offenbarsten, wenn verhüllt, und trägst die krone, wenn du sie verleugnest. Grillparzer (Libussa 4) 85, 192; in einer parabel dörfen nicht tausend sätze gefügt werden; ein hauptsatz musz in ihr liegen. dasz sie als eine geschichte, gleichsam als ein mährchen täglicher gewohnheit, fortläuft, giebt ihr einen lebendigen, reichen, fruchtbarn gang Herder (theologiebriefe 16) 10, 182; weg mit dem einförmigen vortrage, der das kind unsrer schwachheit und unwissenheit, oder unsers eigensinns und einer starren gewohnheit, nicht aber der wahrheit und des göttlichen verstandes ist! Herder (theologiebriefe 38) 11, 7. II@2@c@a@22)) die zusammenstellung mit parallelen subst. ist in dieser gruppe ganz besonders gepflegt, namentlich in der richtung auf die bedeutungsverwandten, gegen die das subst. oben abgegrenzt ist, vgl. sp. 6533 ff.; doch machen sich auch neue formen bemerkbar. II@2@c@a@2@aa)) sü haltent ir eigenen wisen und ufsetzen und alle ir gewonheit für die götliche manunge Tauler 41; dann in dem behilten sie ire weisz und gewonheit (de suo instituto haud quicquam mutabant) Hutten (Vadiscus) 4, 186; darnach fraget sie ... von der gewonheit und eigenschafft des lands, und ob fremde leute mochten sichern wandern Warbeck Magelone (cap. 20, 51, 31) 77b; art und gew. Grimmelshausen Simpl. 584; sitt und gewonhait s. unten theil 10, 1, 1241; alle die guten sitten und gewonheit die man erdencken mocht Pontus u. Sidonia l 6b; durchs schwerd aber verstehe ich alles was zum weltlichen regiment gehört, als weltliche rechte und gesetze, sitten und gewonheite, geberden, stende ... Luther (Sacharja ausgel. cap. 1. 1527) 23, 514; ebenso 28, 593; vgl. auch Herder 28, 593; das inventarium, conservation und custodie bliebe dem bibliothekpersonal anheimgestellt, indem theils stark genug, theils ohnehin in übung und gewohnheit ist, fremden etwas vorzuzeigen Göthe briefe 21 s. 7; in üssern gebruchen un gewonheiten ein benügen nemen Judas Nazarei vom alten und neuen gott (neudr.) 52; die gleiche verbindung Eberlin v. Günzburg 3, 216. 228; oder ein thörichtes hangen an gebräuchen, formeln, vorurtheilen und gewohnheiten, die man mit wut vertheidiget und festhält Herder (christliche schriften 4) 20, 45; (brauch und gew.) J. Knebel chronik v. Kaisheim 260; gew. ... gemeiner prauch und alte herkommen Baumann acten 58; aberglaube, thorheit, laster, persönliche und nationalvorurtheile, böses herkommen, verderbliche gewohnheiten Herder (christl. schr. 1796) 19, 242; mit diesem gedinge, dasz ihr desz landes satzung und gewonheiten nicht endern, und dann die jährliche steuer und schatzungen ... ohne weigerung auszrichten woltet Opitz Sidneys Arcadia 1, 79 u. a. s. o.; darüber schmälte der groszvater niemals; er ging nicht aus seinem gelde, und er hielt es für gewohnheit und recht, dasz bei solchen gelegenheiten jeder so viel zu sich nehme, als er vermöge J. Gotthelf 1, 3 (bauernspiegel) u. a. s. o.; sollen sie uns und unsern nochkommen solchen zehenden und orber der gebür und bergleuftiger gewonheit und rechten noch in unser kammer zu geben und zu entrichten schuldig sein urk. v. 1530 s. cod. dipl. Silesiae 21, 14; vgl. auch nach gebür und gew. Cochläus s. o. II@2@c@a@2@bb)) es ist auch in Ethiopia ... durchausz nit ein glaub, brauch, regiment und gwonheit S. Frank weltbuch (1534) 6b; sie haben in Persia ein sondere sprach und gwonheit O. v. Demeringen übers. des Monteville 135; aberglaube und thörichte gew. A. G. Kästner 1, 32; regel und gew. Herder 16, 178. 395; neues leben, munterkeit zum guten, vernunft, bescheidenheit, billigkeit, wahrheit, eine beszre erziehung, beszre gewohnheiten Herder (br. z. bef. d. hum. 10) 18, 297; ebenso Heinse 5, 61; umgang und gew. Herder (ü. d. urspr. d. sprache) 5, 7; trägheit, vermessenheit, stolz, irrthum, hartsinn, leichtsinn, vorurtheile, böse erziehung, böse gewohnheit (br. z. bef. d. hum. 10) 18, 296; trägheit ... gew. 18, 408; furcht vor veränderung und gew. Klinger 4, 224; sie geen ouch zur kirchen und hören das gots wort, das alles beschicht also äuszerlichen, on all göttliche liebe, nur aus einer gewonheit Keisersberg pred. 5b; unsre früherworbne gewohnheiten, und neigungen auf wahn gegründet Herder (br. z. bef. d. hum. 46) 17, 226; den empfindungen und gewohnheiten der bevölkerung gewalt anzuthun Bismarck reden 6, 45; gewohnheit, partheilichkeit, eigennutz, eigensucht, eitle ehre, wohllust und trägheit machen uns zu sklaven jedes unrechts Herder (christl. schr. 1797) 19, 324; ähnl. verbindungen s. Paracelsus vom aderlassen (s. o.); Lichtenberg 3, 204. II@2@c@a@33)) unter den attributen sind diejenigen, die die gruppe gegen andere abgrenzen, schon oben besprochen. neben den adjectiven, die sich um die alten begriffe gut und böse oder alt sammeln lassen, sind hier nur wenig neue entwickelt. II@2@c@a@3@aa)) warumbe sine jungern nüt enthieltent die guoten gewonheit der vorderen Tauler predigten 41; 125; vgl. die belege der rechtssprache (sp. 5649); bessere gew. Herder 18, 297; löbliche gew. Rabener 1. 153; Seume 3, 159; dennoch ... bleibt die erspriesslichste und wohlthätigste gewohnheit ... sich an nichts zu gewöhnen, wovon man ohne irgend einen nachtheil nicht einmal abweichen konnte. eine gewohnheit muss gleichsam die andre im zaume halten Vogel s. 12; so wollen wir doch, der lieben gewohnheit gemäsz, noch einige züge hieher setzen, die das ganze des dichters betreffen, und alsdenn noch ein wort von seinen prosaischen aufsätzen Herder (recensionen) 5, 301; böse gewonheit E. Alberus ehebüchl. E 4a; Hans Folz 126; Abraham a S. Clara erzschelm 1, 243; Herder 18, 296; eine lasterhaffte gewohnheit schleichet gemach ... ein Am. Comenius janua (1644) 258 (consuetudo vitiosa sensim irrepit); verderbliche gew. Herder 19, 242; sinnlose 18, 408; thörichte Kaestner s. o.; die rohen gemüther derer, die bei ihrer ungebundenheit, nach einer verwilderung von jugend an, im lauf der frechsten gewohnheit für alle feinere grundsätze hart und fühllos worden sind Herder (christl. schr. 1794) 19, 123. II@2@c@a@3@bb)) das ist die gengklicheit die ime (dem menschen) von langer gewonheit sint ... beliben von der bösen gewonheit Tauler predigten 235 Vetter; wie tuot es úch so we, daʒ ir úwer alte gewonheit abe losen msent Rulmann Merswin buch v. d. 2 mannen 5 Lauchert; ein osterspil hat man heint nach der metten nach alter gwonheit. Hans Sachs (Eulenspiegels osterspiel) fab. u. schw. 3, 223; desgl. dtsch. städtechron. 23, 72. 155; Ulmer decameronübers. 60; ihr wollt alles, durch nebenbegriffe, durch frühe und alte oder neue gewohnheit gewinnen Herder (plastik) 8, 35; sprache, gesetze, wissenschaften, künste bleiben jahrtausende dieselbe: sie können und wollen nicht fort: sie sind eingemauert und einbalsamirt in — alte gewohnheit (vom einflusz d. regierung) 9, 323; die uralte gewohnheit wirkt jeder neuen triebfeder entgegen (ideen 3, 11) 14, 37; die späteren gesetze sezen die uralte gewohnheit ausser zweifel Eichhorn dtsch. staats- u. rechtsgesch. 1, 64; hätten die bauren durch lang-hergebrachte löbliche gewonheit die kriegs- und andere aemter in possession, wie der adel Grimmelshausen Simpl. 47 neudr.; hergebrachte gew. Weise erznarren 22; Herder 16, 587; wann dann ihr ausz eingewurtzleter schlimmer gewonheit stäts thut fluechen vnd schweren Abraham a S. Clara auff auff (Wiener neudr. 1) 91; es lässt sich hernach eine solche eingewurzelte gewohnheit nicht so leicht wegkämpfen Jung-Stilling 3, 408; tausendjährige gew. G. Freytag 5, 19; stettige gew. Luther 7, 633; und leben in ihrer erzwungenen thätigkeit durch erbliche gewohnheit glücklich Herder (ideen 8, 3) 13, 312; die frühe gewohnheit hatte alle furcht verdrängt H. Steffens was ich erlebte 1, 33; was will also die eingeführte gewohnheit (das duell) sagen? Heinse (Hildegard 1) 5, 157; ebenso 5, 273. II@2@c@a@3@cc)) ein gemein feil, wilcher nicht allein unter den kauffleutten sondern auch ien aller welt ein leuffige gewonheit ist Luther 15, 298; öffentliche gew. 7, 633; zu mürmeln widder gemeine gebreuch und gewonheitten Eberlin v. Günzburg 3, 228; mehrere dichter spielen auf die allgemeine gewohnheit der liebhaber an, den namen ihrer schöne auf blätter und bäume zu schreiben Herder (zerstr. bl. 1, 2) 15, 216. II@2@c@a@3@dd)) da sihe zu, wie die bepstliche kirche, eine schwebende gewonheit, die niemand weis, woher, von wem, vnd wenn sie ist komen, thar für ein recht bestetigen Luther 6, 320a Jena; weil durch einen glücklichen trieb der natur und durch eine geschmackvolle sichre gewohnheit dichter und künstler selbst eine philosophie des schönen ausübten, ehe der zergliedrer ihre regeln aufnahm Herder (ideen 3, 13) 14, 131; indem ihre (der thiere) dressur eine erzwungene gewohnheit ist Schopenhauer (parerga 2, § 307) 5, 617 Grisebach; der mensch ist aber wohl manchmal im falle, vorübergehend eine ihm durchaus nicht natürliche gewohnheit anzunehmen, um sich damit in eine andere person hineinzutäuschen Mörike (maler Nolten) 4, 48; jede nachahmung miszlinget leicht; und wenn sie ein unglücklicher zwang, gar eine kalte gewohnheit wird, ist sie an sich schon langweilig und verächtlich Herder (christl. schr. 1794) 19, 42; die handlungen, welche wir aus bloszer gewohnheit vollziehn Schopenhauer (parerga 2, § 307) 5, 616 Grisebach. II@2@c@bβ) verbindungen mit verbis. II@2@c@b@11)) für die subjectfunction II@2@c@b@1@aa)) ist auch hierund zwar in ganz ungewöhnlicher ausdehnung (vgl. zur rechtssprache) — die verbindung mit dem verbum substantivum belegt: es ist je nitt gewonheit, das solche herrn ... sollen allein geen tragedia Johannis Hussen s. 4 neudr. u. a.; es ist gewonhait in der welt, daʒ die menschen übels umb guots geben ... Steinhöwel Äsop 198 Österley; in demselbigen land ist gewonheit, wenn ein man stirbt, so begrebt man sein weib lebendig C. v. Demeringen übers. d. Johann v. Montevilla 149 u. a. siehe oben sp. 6572; und als man het pegraben iren dotten leib, am andren tag det man das opfer haben, als dernoch die gewonheit war dürchaüs im ganzen teutschen lande ... gar. Hans Sachs (das opffer gelt) fab. u. schw. 4, 18; es sollen die schuester gerecht schuech auf dem markt pringen als vor gewonhait ist, oder si sind des wandels verfallen dem gericht 72 österreichische weisthümer 7, 5; und aber die untrewen Walhen im täglichs untrew, wie ir gewonnhait, erzaigten Zimmerische chronik 11, 230 Barack; als gern der kaufleut gewonheit ist (cosi come fanno i mercatori) Ulmer decameroneübers. 25; und so überaus oft ebendort; und wenn mein fuss ihm folgt, und wenn mein leib ihm noch gehorsamt, ist's gewohnheit nur. Geibel (1888) 5, 9. II@2@c@b@1@bb)) so du die (sc. menschliche weisheit) lernest und best, kompt dir ein gewonheit, die gewonheit gebirt ein zuoversicht Judas Nazarei vom alten u. neuen gott s. 64 neudr.; vgl. auch Luther 23, 415; vgl. die gew. bleibt Luther 7, 633; schleicht ein Comenius 258; reisst ein Weise erznarren 66; und doch muss die gew. ihren lauff behalten 151; wie die gew. das herbringt Murner narrenbeschw. 19, 56. II@2@c@b@1@cc)) was das land heisch das man thuon söl was noch gebruch die gewonheit wöl. Seb. Brant Moretus 436, Zarncke s. 146; doch soll er thuon die ding al sand als sich die gwonheit heischt im landt. 238; s. 144; die gew. wünscht (Kästner); erfordert (Abraham a S. Clara); weil ihnen mitzugehen die gewonheit verbotte Grimmelshausen (Springinsfeld) II, 26; aber doch die gewonheit die macht ein wolstand bei in darausz S. Frank weltbuch 7b; die gew. hilft Hutten 4, 215; Weise erznarren 22; fesselt Beckerath, wirkt Herder 14, 37; wohl fühle ich, dass die gewohnheit mein gefühl abstumpfen muss Klinger (Raphael de Aqu.) 4, 59; wenn uns nicht die gewohnheit die fehlerhafte methode erträglich gemacht hätte Göthe (zur morphologie) II, 8, 36 Weimar. II@2@c@b@22)) in der objectfunction haben II@2@c@b@2@aa)) die für die individuelle erfassung des subst. (s. o.) noch so viel beobachteten verbindungen mit haben und machen in dieser gruppe nur wenig bedeutung: aber, es seind zwo weisen, die gewonheit zu machen, zu exerciren und zuzurichten, eine hebt von leichterem an, und fhret allgemach zu hOeheren, die andere befihlet ... anfangs hAertere sachen, und treibt sie, damit, nach erhaltung dieser, einer die leichtere lieblicher verrichten kOenne Schupp schriften 612 (kunst reich zu werden) (1684); vgl. auch Luther 7, 633; solche, die schon spatt in jahren ein üble gewonheit haben Abraham a S. Clara Judas d. erzschelm 1 (1686), 416; so haben sie die gewohnheit, ihr gesicht sehr bestimmt zu punctiren Ritter erdkunde 1, 265. II@2@c@b@2@bb)) dagegen ist das (s. o.) in der rechtssprache bezeugte verbum halten auch im allgemeineren gebrauch hier viel beobachtet: daʒ sint die pharisei ... haltent ire gewonheit für alle ding und wellent in den geachtet sin Tauler predigten s. 41 Vetter; auch hillte Paulus viel heidnischer gebrauche und gewonheitten, wenn er bei den heiden was Eberlin v. Günzburg schriften 3, 216 neudr.; wie jr dann halt solch gwonheit starck, also, das jr auffm grempelmarckt die weiber, so jr kram anbieten und uber jren häfen brüten anzäpffen wie alt sie auch seien und ab dem grawen haar nit schewen. Fischart flöhatz 1357 Wendeler; wann man nun dise gewonheit bhalt! N. Manuel (v. papst u. s. priesterschaft) 35 Bächtold; das gleiche Luther 7, 633; enthalten Tauler 41; die alte gewohnheit ward also treulich beibehalten, auch in zeiten und an örtern, wo es vielleicht wenig wichtiges mehr zu berathschlagen gab; warum sollte sie aber geändert werden? Herder (br. über tempelherrn) 15, 118. II@2@c@b@2@cc)) dazu vgl. noch andere verba, die der rechtssprache nicht fremd sind: theatrum ... mag auff lateinisch spectaculum (das ist) ain schawspilhausz haissen. die gewonhait (als Cassiodorus aus ainer epistel bezeugt) ist von den Griechen her angenommen worden Tat. Alpinus verdeutschung des Polydorus Vergilius (1544) 74a (consuetudo); gew. an nehmen Mörike 4, 48; die und dergleichen gewonheit wöllen wir, dasz ein jede oberkeit abschaffen, und daran sein soll, damit sie hinfürter nicht geübt, gebraucht oder gehalten werden, alsz wir dann ausz kaiserlicher macht dieselben hiemit auffheben verordnung von 1675 s. Andlern corp. constit. imper. 551; gew. ablassen (Rulman Merswin); abgehen lassen (Ulmer decameroneüb.); entfernen Herder 20, 262; bestehen lassen A. v. Droste-Hülshoff 2, 328; wegkämpfen Jung-Stilling 3, 408; das zahlen, liefern und steuern hat sich im kriege so eingebürgert, dass man die gewohnheit im frieden nicht los werden kann G. Freytag (aus einer kleinen stadt 7) 13, 119. II@2@c@gγ) die präpositionalverbindungen. II@2@c@g@11)) und dis lat man und lidet es als es ein spil si, und ist leider in ein gewonheit komen Tauler predigten 231 Vetter; das es gleich zu einer gewonheit komen ist Tucher baumeisterbuch 62, 4; das gleiche Ulmer decameroneübers. 6; wann sie aber zur gew. kommen Abrah. a S. Clara etwas für alle 3, 191; das bequeme nachlässige wesen, das den fahrenden handwerksburschen so leicht zur gewohnheit wird O. Ludwig (zw. himmel u. erde) 1, 148; vgl. Heinse (Hildegard 2) 5, 250; die leichtern menschen, die das leben nur spielen, hält eines müszigen spieles loser verband; der gespielschaft beisammensein altert zur gewohnheit F. L. Jahn 1, 375. II@2@c@g@22)) als Nenus gestorben was, kam ehr nür got Beel in bruch vnd gewonheit Judas Nazarei vom alten u. neuen gott 5; wie wol solches in eine gewanheit gekamen jüngere glosse zum Reincke de voss (III, 12, z. 161) Brandes s. 178; nur verstand und beschäftigung, bis wir mit der gehörigen art unsers umgangs in gewohnheit kommen Heinse (Hildegard 2) 5, 171; vnd es were wol sein, wenn mans künde in die gewonheit bringen, das man zur predigt gehen also nennete, das es hiesse zu gottesdienst gehen Luther 6, 33b Jena; die auch in ein gew. gebracht Paracelsus vom aderlassen 88 (appendix z. buch 5); es ist in einer gewonheit (var. ein gewonheit), das mann heute prediget von der erfindung des heiligen creutzes Luther (pred. 1522) 10. 3 s. 113 Weimar; in gebreuchen und gew. ein benügen nemen Judas Nazarei a. a. o.; in böser gew. leben Abraham a S. Clara Judas 1, 243; in übung und gew. sein Göthe. II@2@c@g@33)) dise red hertziget Hannibalis volck und heer so ser, dasz sie nach jrer gewonheit die lantzen und weer erschuotten Carbach übers. des Livius 113; desgl. Ulmer decameroneübers. 100; Herder (christl. schriften 1797) 19, 342 u. a.; daselbsten gingen zween von meinen herren ... mit schalmeien an die fürnemste oerter der stat, und schrien ihrer gewonheit nach Grimmelshausen Simpl. 548; desgl. 349; u. a. s. o. als das volent ist woren, gingen die weiber ins wirtshaus, nach gewonheit lepten im saus. H. Sachs (Eulenspiegel 3 mal getauft) fab. u. schwänke 5, 102 Goetze u. Drescher; als nu in der spur der wilden thier nach der gewonheit seine gesellen hin und her lieffen M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. (quellen z. bair. u. deutsch. gesch. 2, 10); das weret bis man den nuwen baw vor der Menzer pforten gemacht; da truge man das heilige sacrament wieder herausz nach der gewonheit B. Rohrbach liber gestorum s. quellen z. Frankf. gesch. 1, 215; der gewohnheit nach beschäftigen sich diese am liebsten mit kleinen zügen aus der privatgeschichte ihres helden Herder (christliche schriften 1797) 19, 385. II@2@c@g@44)) alle diese ausschweiffigkeiten ... kommen aus der üblen gewohnheit der jugend Abraham a S. Clara lauberhütt 2, 54; vgl. dagegen: aus der gew. kommen Erasm. Alberus eheb.; vil dick ausz poser gewonheit entspringet, die man so offt verpringet, das ... Hans Folz (32, 1) 126 A. L. Mayer; wer aus gewohnheit verbrechen begeht A. Feuerbach revision der grunds. d. peinl. rechts 2, 415 u. a. (vgl. gewohnheitsverbrechen u. a.); wir vergnügen uns daran aus gewohnheit Heinse (Hildegard 2) 5, 240; aus gew. Göthe br. 1, 156. II@2@c@g@55)) fragen von gew. Warbeck Magelone u. a. s. o.; von gew. gezeugt Herder 18, 408; was ursprünglich einer alten gewohnheit wegen noch einigen localsinn gehabt hatte, verlohr denselben in fremden gegenden und zeiten (ideen 4, 17) 14, 302; der gemeine pöfel leuft umb gewonheit willen zum sacrament Luther unterr. d. visit., s. Dietz a. a. o. II@2@c@g@66)) da doch diser arglistige böszwicht einige traidkörnl darein verborgen, welche durch gewohnheit die hungerige tauben herausz gesucht Abraham a S. Clara auff, auff (Wiener neudr. 1) 13; ebenso Grimmelshausen Simpl. 47; Herder 8, 35; 14, 131; 16, 587; aus engeln können teufel werden durch gew. S. G. v. Vogel 10. II@2@c@g@77)) du muost wider alt gewonheit gefangen und gebunden werden der ewigen wiszheit betbüchlein (Basel 1518) VIa; ebenso Grimmelshausen s. o.; hauptveränderungen sind keine gemachet worden, selbst die recensenten veranlaszten mich nicht dazu; sie gingen wider ihre gewohnheit über verdienen mild und schonend mit mir um J. Gotthelf 1, XIII (bauernspiegel). II@33) die seiten, die sich beim vorhergehenden in besonderer manigfaltigkeit erschlossen, zeigen sich bei dem substantiv, das von einem träger des begriffes ganz abstrahirt, auffallend verkümmert, während es in anderen richtungen vielseitiger sich entwickelt. wie für das vorhergehende die rechtssprache, so ist für diese fassung des substantivs die sprache der dichtung und noch mehr die der philosophie zuständig. zum anteil der strafrechtlichen litteratur an dieser form des begriffes s. o. sp. 6554. II@3@aa) die sprache der philosophie fällt mit ihrem antheil ganz in die neuere periode, und ihre werthung des substantivs gabelt sich in zwei richtungen, eine praktischethische und eine erkenntnisztheoretische. beide mal führt sie auf englisches vorbild, also auf gebrauchsformen von custom zurück. II@3@a@aα) die praktische richtung knüpft an Hume an: but nothing has a greater effect both to encrease and diminith our passions, to couvert pleasure into pain, and pain into pleasure, than custom and repetition. custom has two original effects upon the mind, in bestowing a facility in the performance of any action or the conception of any object; and afterwards a tendency or inclination towards it; and from these we may account for all its other effects, howewer extraordinary Hume treatise of human nature b. II, sect. 5; gewohnheit, bedeutet erstlich eine durch öfftere wiederholung gewisser bewegungen entstandene beschaffenheit der natürlichen kräfften, dasz sie zu diesem oder jenem gerichtet und geschickt gemacht werden ... J. G. Walch philosoph. lex. 12, 1324; wenn also die seele irgend eine thätigkeit zu ihrer zufriedenheit mehrmals vollbracht hat; so prägt sich ihr der habitus derselben als gewohnheit ein, mit welcher sie auf einer gewissen bildungsstufe festen fusz fasst, um weiter fortschreiten zu können K. W. Ideler grundrisz der seelenheilkunde 7 s. 528; die gewohnheit als gesetz der stetigkeit des geistigen wirkens und als bedingung seiner im organischen zusammenhange fortschreitenden entwickelung giebt dadurch seine ausserordentliche wichtigkeit deutlich zu erkennen s. 528; wenn der organismus durch zufall oder willen d. h. durch fremde oder eigene bestimmung in bestimmten zeiträumen öfter in einem gewissen zustande gewesen ist, so entsteht bei ihm die neigung und das bedürfnisz, bei rückkehr solcher weltzeit wieder in jenen zustand zu treten, oder die gewohnheit Burdach die physiologie als erfahrungswissensch. 3, 443; gewohnheit (lat. consuetudo) ist die durch öftere wiederholung desselben vorstellens und tuns entstandene neigung und fertigkeit, unter gleicher veranlassung dasselbe vorzustellen und zu tun. jene wiederholung heiszt gewöhnung und kann willkürlich oder unwillkürlich sein. auf der durch gewöhnung erworbenen gewohnheit, welche die willkürlichen bewegungen in unwillkürliche, die entschlieszungen in triebe umwandelt, und die uns zur zweiten natur wird, beruhen alle leiblichen und geistigen geschicklichkeiten Kirchner-Michaelis phil. wb.5 242/43. II@3@a@bβ) die erkenntnisztheoretische geltung führt auf Locke zurück, der zu der lehre von der ideenassociation die fruchtbare scheidung von vorübergehender (zufälliger) und gewohnheitsmäsziger verknüpfung vornimmt: besides this there is another connexion of ideas wholly owing to chance or custom an essay concerning human understanding II cap. 33, § 5; associations of them made by custom in the mind of most men § 7; vgl. dazu: er selbst (Locke) erklärt ... etliche von unsern ideen haben unter sich eine genaue übereinstimmung und verbündnisz ... es giebt noch eine andere verbündnisz der ideen, welches von etwas ohngefährers oder von der gewohnheit dependiret Leibnitz (essai philosophike de Locke par M. P. Coste) 2, 315 Guhrauer; dasz dergleichen vergesellschaftungen der ideen seien, welche die gewohnheit in dem esprit der meisten menschen gezeuget 2, 316; zum neueren ausbau des associationsgesetzes s. unter gewöhnung. andererseits vgl.: gewohnheit ist die durch öftere wiederholung ... entstandene bereitschaft zu handlungen, die tendenz zum gleichen, bekannten, geübten, infolge der leichtigkeit und sicherheit der gewohnten tätigkeit. die gewöhnung besteht in einer anpassung des organs an die function, der function an den auslösenden reiz, auf einer 'mechanisierung' ... von willenshandlungen zu triebartigen oder auch unbewuszten, reflexmäszigen vorgängen. auf gewohnheit beruhen association ..., reproduction, fertigkeiten, sitten u. s. w. R. Eisler wb. d. philos. begr. 12, 390. II@3@bb) unter den gebrauchsformen und verbindungen fallen natürlich possessive bestimmungen aller art ganz weg. auch sätze oder nomina, die den inhalt des begriffes näher kennzeichnen, haben hier keinen raum, weil sie im allgemeinen zugleich auf träger des begriffes weisen, als ausnahme vgl.: das meiste aber, so dieses laster (der unsauberkeit) vergrössert, ist diss, dass dero gewohnheit fast ein halbender zwang Abraham a S. Clara gemischgemasch (1704) 20; die festigkeit der gesundheit ist die gewohnheit gesund zu sein, bei welchen ein harmonisches zusammenwirken der lebenskräfte habituell ist C. F. Burdach 3, 443. II@3@b@aα) verbindung mit nominibus. II@3@b@a@11)) die unterordnung unter ein substantiv ist hier ziemlich entwickelt und führt zu einigen stehenden wendungen. er treibt das vorurtheil des alterthums und der gewohnheit aus durch vorurtheile der eigenliebe, neuheit oder der eignen erfindung Hamann (zwei scherflein z. neuest. dtschen lit.) 6, 40 (citat a. d. allgem. dtsch. bibl. 39, 263); missbräuche der gew. Herder 16, 38; wenn in einer gut eingespielten violine oder einer verblasenen flöte die ersten spuren guter und schlechter gewohnheit gesehen würden J. E. Erdmann über gewohnheiten s. 4; wie hart stehet derjenige auf, den die last und die bürde der bösen gewohnheit druket Abraham a S. Clara lauberhütt 1, 74; gar manches, was der macht der gewohnheit zugeschrieben wird, beruht vielmehr auf der konstanz und unveränderlichkeit des ursprünglichen und angeborenen charakters, ... die wirkliche macht der gewohnheit hingegen beruht eigentlich auf der trägheit ... Schopenhauer (parerga, psychol. bemerk. § 307) 5, 616 Grisebach; die macht aller gewohnheiten brechen Ideler seelenheilkunde 1, 529; die verstimmung war ja nur eine von den vielen, die an der macht des alltags und der gewohnheit sich auflösen Immermann (der carneval u. d. somnambule) 8, 141; alle zeremonien der karwoche, an sich rührend und erhaben, haben durch die länge der zeit und die abstumpfende macht gewohnheit von seite der mitwirkenden personen ... allen geist verloren Grillparzer (tagebuch a. d. reise nach Italien) 195, 220; die abstumpfende macht der gew. J. E. Erdmann über gewohnheiten s. 31; die befreiende macht der gew. ebenda; das ganze gebiet der gew. s. 4; sich vom gängelbande der gewohnheit losreiszen Ideler 1, 528. ... und werde deinen langen ströern spiesz der gewonheit und dein kurtzen wechsern degen nit achtenn Luther (auf ... Bocks Emsers antw.) 7, 632; welchen der schwere stein der bOesen gewonheit für gewältzet ist Abraham a S. Clara etwas f. alle 3 (1711) 192; der Ägypter kriechend, sklavisch, ein herdethier, abergläubisch und traurig, hart gegen fremde, ein gedankenloses geschöpf der gewohnheit Herder (auch eine philos. d. gesch.) 5, 507; sklaven der gew. 19, 325; ein sohn der tradition und gew. (ideen 13, 310) 8, 3; die sitte der gesellschaft und die mächtige göttin der gewohnheit (andre lesart: göttin gewohnheit) werden bald nach geberden und anstand diese eigenheiten und jene verschiedenheiten einführen (üb. d. urspr. d. sprache) 5, 121; hier streitet Hercules mit dem jungen löwen der bösen gewonheit Harsdörffer frauenzimmer gesprechspiele 5, 62; dieses giftkraut (der tabak), das sicher zum verderben der menschen gehört, beweist vielleicht mehr als irgend ein anderes beispiel, dasz der mensch ein thier der gewohnheit ist Seume (spaziergang 2) 3, 157 Hempel s. gewohnheitsthier; gegen das tolle anhangen an gebräuchen, wortformeln, und leeren gewohnheiten ist das christenthum nicht nur gestiftet, sondern hat auch seine macht erwiesen Herder (christl. schr. 4) 20, 45; die liebe zur gewohnheit, die anhänglichkeit an ehre, zwang (kl. schr. 1791 ff.) 18, 399. II@3@b@a@22)) bei der zusammenstellung mit anderen substantiven treten die synonyma und bedeutungsverwandten hier sehr zurück. einige der alten synonyma sind in wendungen zu beobachten, deren zugehörigkeit zu unserer gruppe strittig ist: gewonheit und gebrauch zwingt offt und sehr das recht, hier ist der mann ein herr des weibes, dort ein knecht. Logau (sinnged. 1, 2, 30) 39 Eitner; das gedächtnüs wird durch die gewonheit und übung erhalten Butschky rosenthal (526) 1098; sitte ward aus gewohnheit. Voss Ovid 1, 81; alles flieszt durch und in einander, gesetze und sitten, wissenschaften und gewohnheit Herder (v. einflusz der regirung) 9, 407. II@3@b@a@2@aa)) natur und gewohnheit werden hier einander bald entgegengestellt bald miteinander verglichen (s.β): die natur reitzet zu guten, die gewonheit zum bösen Harsdörffer frauenzimmer gesprechspiele 1, 4; natur, gewohnheit und nothwendigkeit entscheiden hier alles Thom. Abbt verm. werke 6, 1, 150; auf allen fall ist eine grenze, eine scheidewand zwischen natur und gewohnheit S. G. v. Vogel bemerk. u. erfahr. 4; der nicht hie und da auf der erde als natur oder als krankheit, kunst und gewohnheit in allen schattirungen stattfände Herder (ideen, zusätze) 14, 602. Luther stellt das wort gottes und die wahrheit der gew. entgegen: wenn gotts wort und gewonheit widdernander sind, welchs doch billich solle dem andern rewmen odder weichen, ob gott solle der gewonheit, odder ob gewonheit solle gotte weichen? ... sie mugen ja nicht leucken, das hie gotts wort sei widder die gewonheit (tröstung an die christen zu Halle) 23, 414; Christus hat nit gesagt ... 'ich bin gewonheit und brauch' ... sondern also hat er gesagt 'ich bin die warheit' ... wo gewonheit gnugsam were, hetten die heiden die aller besten entschuldigung, die mehr den viertausent jar gewonet sein abgott antzubetten. du soltist zuvor beweiszen, das die gewonheit recht und ausz gott were. so meinstu, es sei gnug, das gewonheit heisse (auf ... Bocks Emsers antw.) 7, 632; 'wenn die warheit offenbar wird, sol die gewonheit weichen'. item 'niemand sol der warheit die gewonheit furzihen' 23, 415. II@3@b@a@2@bb)) in gewissen punkten berühren sich die begriffe bei der zusammenstellung des subst. mit zeit, erziehung, vorurtheil, mode: haben etliche ... eine gleichmässige auszlegung von diesem traume (vom baden) gemacht ... dasz sie nit mit fleissigem nachtrachten und der erfahrung die zeit und gewonheit unterschieden Ryff traumbuch Artemidori 58a (1, 61); zuvörderst sind nur in Deutschland die ehen möglich, welche man heilige nennen darf. unter diesen verstehe ich solche, in welchen die liebe bis zur auflösung durch den tod dieselbe bleibt, mag auch gewohnheit, krankheit, alter allen sinnenreiz zerstört haben K. Immermann (memorabilien) 18, s. 76; und thut offt die erziehung und gewonheit so viel als die natur Harsdörffer schauplatz lust- u. lehrreicher gesch. (1651) 5, 167; alle früchte der erfahrung, erfindungen, mühe, genusz, pflanzten sich in dissem naturgarten fort; nicht durch speculation, aus der sie nicht entsprossen waren, sondern durch bedürfnisz, erziehung, gewohnheit, glauben und übung Herder (christl. schr. 5) 20, 229; es kommt dabei so viel auf himmelsstrich, kleidungsart, spiele, frühe gewohnheit und erziehung an (plastik) 8, 21; durch erfahrung, lehre, und gewohnheit allmälich erworbener zustand (über bild, dicht. u. fabel) 15, 534; so viel kommt auf gewohnheit und vorurtheil in der musik an Heinse (Hildegard 1) 5, 82; sklaven der sinne und vorurtheile, der gew. der heuchelei Herder (christl. schr. 1797) 19, 325; der mode und der gew. 16, 38. II@3@b@a@2@cc)) andere zusammenstellungen ziehen die empfindungswelt heran: billigung oder misbilligung, die nicht hieraus entsteht, beruhe auf ideenassoziation, gewohnheit, blossem physischen gefallen und misfallen des temperaments G. C. Lichtenberg aphorismen 3. buch, s. 122 (nach Feder im dtsch. museum 1. stück); der geist, einmal entronnen, einmal der zarten und so festen bande los, die ihn durch sinne, triebe, neigungen, pflicht und gewohnheit an diesen kleinen kreis der sichtbarkeit knüpften: welche irrdische macht könnte ihn festhalten? Herder (über d. seelenwanderung) 15, 272; durch gew. und leidenschaft W. v. Humboldt s. dtsch. litt. denkm. 58, 63; alte gew. neid und kabale Herder 5, 654; am ende läuft es auf eins hinaus, ganz von einer nothwendigen gewohnheit, oder ganz von der willkürlichsten zufälligkeit abzuhangen Göthe (wahlverwandschaften 2, 10) 17, 320; mit eins die tausend fäden zu zerreissen, an denen zufall und gewohnheit führt, und, aus dem kreise dunkler fügung tretend, sein eigner schöpfer, zeichnen sich sein los, das ists, wogegen alles sich empört. Grillparzer (Libussa 3) 85, 164; ihnen ist zwar waffenfertigkeit beizubringen, aber die kriegerische anstelligkeit und ausrichtigkeit ist gewohnheit und gabe F. L. Jahn 1, 526. II@3@b@a@33)) die attributiven verbindungen sind hier wenig entwickelt: das auch die übungen des gemüthes und des verstandes durch gutte gewohnheit angeführet; zu einer andern natur gleichsam gemacht werden Butschky Pathmos (653) 939; es ist keine böse gewohnheit, welche nicht durch die krafft Jesu Christi könte überwunden werden Scriver seelenschatz 432c; was gestalt die böse gewonheit die alte und betagte gebunden herumführe Abraham a S. Clara etwas f. alle 3 (1711) 190; wo nicht durch grosse gewonheit ein natürlicher brauch auss embsigem essen und trincken gemacht Scheit Grobianus 8 neudr.; vgl. notwendige gew. Göthe 17, 320. II@3@b@bβ) unter den verbindungen mit verbis ist II@3@b@b@11)) die function des subjects durch die neigungen zur personification besonders gefördert. II@3@b@b@1@aa)) die verbindung mit dem verbum substantivum dient hier wesentlich dem vergleiche: die gewonheit ist ein eiserne pfaidt, die gewonheit ist schon in der natur, und die natur ist in der gew. Abraham a S. Clara Judas d. erzschelm 1, 230; u. a. s. sp. 6559; dann die gewonheit ist doch die andere natur Harsdörffer frauenzimmer gesprechspiele 1, 4; gewohnheit wird natur. Pfeffel poet. vers. 7, 35; und gewonheit ist nicht allwegen warheit Aug. Lercheimer christl. bedencken v. zauberei 115 Binz; die gewohnheit ist ein eigen ding Gerstenberg s. litt. denkm. 29, 109; er geht! — noch — nein! — ach, die gewohnheit ist ein lästig ding, selbst an verhasztes fesselt sie. Grillparzer (Sappho) 25, 194; durch die gewohnheit etwas zu erklären — die gewohnheit ist ein zusammengesetzt ding, das aus monaden besteht, die gewohnheit heiszt die andere natur, und ist in ihren phaenomenis eben so räthselhaft, als die natur selbst, die sie nachahmt Hamann 1, 442; disemnach wird die gewonheit des menschen lehrmeisterin genennet Butschky rosenthal (nr. 526) 1099; gewonheit ist die gröste frau, beherrschet alle welt; gar wenig gilt, gar wenig taug, was sie nicht ächte helt. Logau 3, 6, 22 Eitner s. 533; es ist ein eintziges thierlein, das hat vier füsz, nemblich 4 silben, von diesem thierlein rühret alles übel her, solches thierlein heisst: consuetudo, die gewohnheit Abraham a S. Clara lauberhütt 2, 51; die gewonheit ist ein starcker strom, dem ein schlechter baum nicht widerstehen kann Weise die drei ärgsten erznarren, neudruck s. 22; gewohnheit ist dem narrenfuss ein trockener wassersteg, dem weisen aber sperrt er oft des stromes segelweg. Wilhelm Müller 361 Hatfield. II@3@b@b@1@bb)) auch die verbindung mit anderen verbis führt von allgemeinen verblaszten wendungen zu lebendiger anschaulichkeit weiter: darinn wirdt erzehlet was die gewonheit vermag verdeutschung von Bebels facetien (1600) s. 455; eime wol geübeten menschen als nüt ist, daʒ duncket einem ungeübeten menschen sin zuomole unmügelich, wan gewonheit machet kunst Tauler predigten 12 Vetter; die gewohnheit macht zu dieser frist, dasz jetzt die welt voll laster ist. Abraham a S. Clara Abrahamische lauberhütt (die böse gewohnheit) 2 (1722) s. 51; die gewonheit, macht die übung aller dinge angenehm und leicht Butschky rosenthal (405) s. 874; gewohnheit macht die noth erträglich, jedoch nicht mir, sie ist stets neu. J. Chr. Günther (er erinnert sich der vorigen zeiten) 2191; die gewonheit hat eine solche kraft über die einbildung Butschky rosenthal (nr. 526) 1098; das Elsass hat ... volle zweihundert jahre und darüber zu Frankreich gehört, und die gewohnheit hat über den menschen eine ausserordentliche macht Bismarck (1874) 6, 168; die gewonheit ändert offtmals die natur Butschky rosenthal (26) 44; die gewohnheit überwältigt ... ohne angemessene gegenwehr alle moralischen kräfte S. G. v. Vogel s. 11; die gew. wagt es selbst die moralität der handlungen zu compromittieren 10; wo alle sitten gleich und alle gleich eben, recht, gut sind — was brauchts mühe! gewohnheit erzieht und tugend verliert sich in blosze gewohnheit Herder (auch eine philosophie) 5, 572; neigung besiegen ist schwer; gesellet sich aber gewohnheit, wurzelnd, allmählich zu ihr, unüberwindlich ist sie. Göthe (vier jahreszeiten 25) 1, 396; wenn alte gewohnheit, neid und kabale sich mit schwefelfackeln in der hand vereinigen, auch die guten laszet sich vereinigen! Herder (üb. d. ursache des ges. geschmacks) 5, 654; die paradoxe behauptung, dasz jede gewohnheit sich abnutze Ideler seelenheilkunde 1, 529. II@3@b@b@22)) fast ganz verkümmert ist hier die function des objectes, namentlich im acc.: man könte die gewohnheit eine moralische fricktion nennen, etwas das den geist nicht leicht über die dinge hinstreichen läszt sondern ihn damit verbindet, so dasz es ihm schwer wird sich davon losz zu machen G. C. Lichtenberg aphorismen 1. buch s. 12 Leitzmann; vgl. oben (die gew. nennt er seine amme) Schiller; die gewohnheit, die der verständige so gut zu nutzen weiss Klinger neues theater 2, 58 (Damokles 2); mehr dagegen ist hier naturgemäsz der persönliche dativ begünstigt: der anfang hat der gewohnheit die thür eröffnet Abraham a S. Clara lauberhütt 2, 59; doch dasz er mehr der gesunden vernunfft, als der blossen gewonheit folge Hohberg 1, 165; endlich müszen sie der gewohnheit nachgeben und sprachen sowohl als dichtern erlauben, sich auf ihre art zu vergnügen Herder (br. z. bef. d. hum. 7) 18, 44; überhaupt wird es bei dem geist des widerspruchs, der gewohnheit zum richtern, der liebhaberei zum krittel, dem gefallen an spottsucht — niemals an freiwilligen widerlegern fehlen F. L. Jahn 2, 1, 293. II@3@b@gγ) auch die präpositionalverbindungen fanden hier wenig spielraum: die auff dise weisz nach der rechten kunst lernen lesen ... den andern die nach der gewonheit lernen lesen, gilt es gleich Ickelsamer gramm. C 1b Fechner; so befand ich, dasz fressen und sauffen auch eine kranckheit ist, und dasz solche ausz der gewonheit, und nicht ausz dem uberflusz herkomt Grimmelshausen Simpl. 283 neudr.; die in verjährt geheiligtem besitz in der gewohnheit fest gegründet ruht. Schiller Wallensteins tod 1, 4; blosz die ersten exemplare jeder zur gewohnheit gewordenen handlung haben ein motiv gehabt, dessen sekundäre nachwirkung die jetzige gewohnheit ist ... Schopenhauer (parerga 2 § 307) 5, 616 f.; eine zur gewohnheit gewordene form des denkens Ideler seelenheilkunde 1, 528; wo ein thun zur gewohnheit geworden ist, da erfolgt die einzelne bethätigung unwillkührlich, wie das athemholen, als folge einer körperlichen beschaffenheit J. E. Erdmann von gewohnheiten s. 22; ein grosser theil der erziehungskunde beruht auf gewohnheit S. G. v. Vogel s. 3; durch gewohnheit W. v. Humboldt s. o.; es ist in vielen dingen eine schlimme sache um die gewohnheit, sie macht, dasz man unrecht für recht, und irrthum für wahrheit hält G. C. Lichtenberg aphorismen 5, 103 Leitzmann; bald höreten wir über gewohnheit ein starckes gemürmel, und das zimlich laut und starck geredet und gegangen wardt Opitz übers. v. Barclays Argenis (1, 3, 10) 1, 490; so giebt es für die gewohnheit kein anderes gegenmittel als eine neue gewohnheit Ideler 1, 529.
221212 Zeichen · 4435 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gewohnheit

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Gewohnheit , plur. von dem Neutro gewohnen. 1) Als ein Abstractum und ohne Plural, die Fertigkeit zu freyen Veränder…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gewohnheit

    Goethe-Wörterbuch

    Gewohnheit 1 Zustand der Gewöhnung, Gewohntsein; als Charakteristikum, auch Motiv eines (best) Verhaltens, Tuns od einer…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gewohnheit

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Gewohnheit ist die durch öftere Wiederholung der nämlichen körperlichen oder geistigen Tätigkeit sich ergebende Disposit…

  4. modern
    Dialekt
    Gewohnheit

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Gewo h n h e i t [Kwônət Liebsd. Banzenh. Mütt. Bf. ; Kwónət Su. Geberschw. Obhergh. ; Kwûnət Katzent. Dü. ; Kwênət Ndhs…

  5. Sprichwörter
    Gewohnheit

    Wander (Sprichwörter)

    Gewohnheit 1. Alle gute Gewohnheit soll man behalten. – Graf, 12, 145; Lünig, I, 360. Frz. : Les bonnes coustumes sont à…

  6. Spezial
    Gewohnheitf

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Gewohnheit , f привычка , ж

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gewohnheit

71 Bildungen · 52 Erstglied · 18 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gewohnheit 3 Analysen

ge- + wohnheit

gewohnheit leitet sich vom Lemma wohnheit ab mit Präfix ge-.

Alternativen: ge-+wohnen+-heit gewohnen+-heit

gewohnheit‑ als Erstglied (30 von 52)

gewohnheitlich

DWB

gewohnheit·lich

gewohnheitlich , adjectiv, ableitung vom vorhergehenden substantiv, tritt in die lücke ein, die die neuere entwicklung von gewöhnlich ( s. d…

Gewohnheitsanweisung

GWB

gewohnheit·s·anweisung

Gewohnheitsanweisung eine Instrucktion für den Bibliotheksdiener .. hat der vorige nur nach mündlicher und Gewohnheits-Anweisung sein Amt ve…

gewohnheitsbedürfnisz

DWB

gewohnheitsbedürfnisz , n. , vgl.: den abend gehe ich aber immer in gesellschaft, bin ich nicht gebäten so gehe ich zu Körner, zum canzler B…

gewohnheitsbetrug

DWB

gewohnheit·s·betrug

gewohnheitsbetrug , m. , vgl. gewohnheitsdieb, vgl. wer wegen wiederholten betruges sich als geübter gewohnter betrüger zeigt strafgesetzbuc…

gewohnheitsdichter

DWB

gewohnheit·s·dichter

gewohnheitsdichter , m. , vgl.: bei dem bloszen gewohnheitsdichter, der nur von der oberfläche wegsingt, was ihn gerade beschäftigt oder wie…

gewohnheitsdieb

DWB

gewohnheit·s·dieb

gewohnheitsdieb , m. , ein der frühest belegten unter den entsprechenden zusammensetzungen ( s. gewohnheitssünde); vgl.: dass die gewerbsmäs…

gewohnheitsdiebstahl

DWB

gewohnheit·s·diebstahl

gewohnheitsdiebstahl , m. , vgl.: im besonderen hat das österr. strafgesetzbuch scharf zwischen gewohnheitsdiebstahl und zweitem rückfall un…

gewohnheitsessen

DWB

gewohnheit·sessen

gewohnheitsessen , n. , vgl.: die unwissenheit war truchsesz und trug etliche gemeine gewohnheitsessen auf, als: fleischesgelüsten, unrechts…

gewohnheitsflechse

DWB

gewohnheit·s·flechse

gewohnheitsflechse , f. , vgl.: vielleicht wir alle hielten die bande, die ihn mit Flamin verschlangen, für dünne wenige fibern oder unempfi…

gewohnheitsformel

DWB

gewohnheit·s·formel

gewohnheitsformel , f. , vgl.: wenn nicht blosz das gleichgültige wiederhohlen einer todten gewohnheitsformel darunter ( unter dem glauben )…

gewohnheitsgefühl

DWB

gewohnheit·s·gefuehl

gewohnheitsgefühl , n. , vgl.: der erste begriff einer neuen natur-entdeckung dagegen verletzt nicht selten mitten durchschneidend dieses zu…

gewohnheitsglaube

DWB

gewohnheit·s·glaube

gewohnheitsglaube , m. , vgl.: der todte gewohnheitsglauben der ganz gedankenlosen Fr. Schlegel ( gesch. d. alten u. neuen lit. 14 ) 2, 157.

gewohnheitsleben

DWB

gewohnheit·s·leben

gewohnheitsleben , n. , vgl.: da aber der mensch ein thier der geselligkeit ist ... weil er eines andern nicht zum schutz, zur hülfe, zur ze…

gewohnheitsliebe

DWB

gewohnheit·s·liebe

gewohnheitsliebe , f. , vgl.: überdem erzeugt die unglückliche zerteilung durch den blinden zufall (welche träge gewohnheitsliebe fortdauern…

Gewohnheitsmann

GWB

gewohnheit·s·mann

Gewohnheitsmann Freund des Altgewohnten erscheint er [ geplante Figur eines passionierten Theaterbesuchers ] als ein G. welcher in dem neuen…

gewohnheitsmensch

DWB

gewohnheit·s·mensch

gewohnheitsmensch , m. 1 1) der müsziggänger, wenn er munterkeit und einigen ideenvorrat besitzt, kann ungleich unterhaltender sein, als die…

gewohnheit als Zweitglied (18 von 18)

angewohnheit

DWB

ange·wohnheit

angewohnheit , f. assuetudo, consuetudo, von dem eben erwähnten adj. gewon gebildet: üble angewohnheit des schnarchens, fluchens.

landesgewohnheit

DWB

landes·gewohnheit

landesgewohnheit , f. : darnach wurde in zu ehrn der tanz angefangen, das sie sehen mochten, wie sie nach irer lantsgewonhait tanzten. Wilw.…

Marktsgewohnheit

DRW

markt·s·gewohnheit

Marktsgewohnheit, f. Handelsbrauch auf einem Markt (I) im Gegensatz zum geschriebenen Recht erwaͤgen, ob [Klagen] von solchen strittigkeiten…

Menschengewohnheit

DRW

menschen·gewohnheit

Menschengewohnheit, f. Brauch, Gewohnheit, Recht, die im Ggs. zur göttlichen Wahrheit vom Menschen stammen vgl. Menschengesetz ydt gheböret …

rechtsgewohnheit

DWB

rechts·gewohnheit

rechtsgewohnheit , f. gewohnheit auf dem gebiete des gesetzlichen rechts: alte, mündlich vererbte rechtsgewohnheiten. Schlosser weltgesch. 5…

Reichsgewohnheit

DRW

reich·s·gewohnheit

Reichsgewohnheit, f. im Reich (II) geltendes Gewohnheitsrecht bdv.: Reichsbrauch, Reichsherkommen, Reichsobservanz vgl. Landesgewohnheit, Re…

stadtgewohnheit

DWB

stadt·gewohnheit

stadtgewohnheit , f. 1 1) in der stadt geltende gewohnheit, vgl. oben stadtbrauch ( sp. 444): stadtgewonheit, usanza, costume della città. K…

Theelgewohnheit

DRW

theel·gewohnheit

Theelgewohnheit, f. Rechtsgewohnheit, Gewohnheitsrecht der Theelacht (I) vgl. Theelrecht daß ew. hochgräffl. gnaden von denen ... alten thee…

ungewohnheit

DWB

ungewohn·heit

ungewohnheit , f. , schwach entwickeltes gegenstück zu gewohnheit, seitenstück zu ungewohn(e), f. und ungewohnde, ungewohnte, ungewohnsame (…

Ableitungen von gewohnheit (1 von 1)

ungewohnheit

DWB

ungewohnheit , f. , schwach entwickeltes gegenstück zu gewohnheit, seitenstück zu ungewohn(e), f. und ungewohnde, ungewohnte, ungewohnsame (…