gewohnheit,
fem. , (
in der älteren sprache vereinzelt auch)
n., ableitung von gewohn II (
s. sp. 6480),
die für den begriff der consuetudo
die dort besprochenen substantivbildungen alle zurückgedrängt hat, ohne das bild, das sich aus diesen gewinnen läszt, wesentlich zu verschieben. durch die ungewöhnliche verbreitung, die gewohnheit
im deutschen sprachgebrauch erlangte, sind die einzelnen züge wohl belebt, ergänzt und ausgeführt worden, aber mit ausnahme der bedeutung, die dem begriff der gewohnheit in der sprache der philosophie zukommt (
s. II, 3.),
sind die hauptthatsachen des gebrauches schon an den älteren bildungen vorgezeichnet. II.
gebrauchs- und bedeutungsentwicklung, statistik, formen. I@11)
gebrauchs- und bedeutungsentwicklung. I@1@aa)
für die verwendungen des substantivs kommt vor allem eine unterscheidung in betracht, die für das verbum wie für das adjectiv unwesentlich war: das substantiv, falls es nicht von einem träger des begriffes überhaupt abstrahiert, weist entweder auf ein individuum oder auf eine gruppe, einen bestimmten typus als subject der wiederholung: vgl. ingieng after sînero giwonu
Tatian 18, 1
gegen after giwonu ewu 7, 5;
vgl.: der alten ehrfurcht eingewachsnen trieb und des gehorsams heilige gewonheit soll ich versagen lernen deinem namen? Schiller (
Wallensteins tod 2, 2) 12, 240.
gegen: du willst die macht, die ruhig, sicher thronende erschüttern, die in verjährt geheiligtem besitz, in der gewohnheit festgegründet ruht, die an der völker frommem kinderglauben mit tausend zähen wurzeln sich befestigt. (1, 4) 12, 216. I@1@a@aα)
die wendungen, die ein individuum als träger des begriffes kennzeichnen, entfernen sich am wenigsten von den grundzügen eines verbalsubstantivs. I@1@a@a@11))
vor allem gilt dies für einzelne handlungen oder unterlassungen, deren wiederholung an einem und demselben individuum beobachtet wird. ein schneider die gewohnheit het: wen er ein gwant wolt schneiden sprach er almal: 'das walt gelück!' Hans Sachs
fab. u. schwänke 5, 352;
u. a. hier berühren sich verbindungen des substantivs am engsten mit gebrauchsformen des verbums, und es liegt oft mehr in neigungen des subjectiven stils, wenn die eine oder andere wendung sich vordrängt, vgl. z. b. (
s. u.)
zur bibelübersetzung im gegensatze zu wendungen, die das substantiv aus gründen des objectiven stils begünstigen: Guilielmus Canterus ein philologus hat nie pflegen zu nacht zu essen, unnd als ihm etliche riethen sich auch darzu zu gewehnen, geantwortet: ein ding sei nicht einem jeden gut. er befinde sich bei dieser gewohnheit besser ... derohalben er ohne gefahr diese seine alte angenommene gewonheit nicht zu endern getrawte Zinkgräf
dtsch. apophthegmata 1, 238. I@1@a@a@22))
am einzelfall bleibt der blick aber nicht immer haften; gerade der gebrauch des substantivs wurzelt in dem bedürfnisz, daüber hinaus zu gehen. I@1@a@a@2@aa))
als gegenstand der wiederholung tritt vielfach nicht so sehr eine einzelne handlung als eine ganze gruppe von solchen in die erscheinung. dann macht die heutige sprache vom substantiv in der pluralform gebrauch, die ihr in einer besonderen stilart der rechtssprache ausgebildet wurde (
vgl.: nâ rechten und gewoenten der stat
sp. 6481;
s. auch unten): viel gewohnheiten darfst du haben, aber keine gewohnheit! dies wort, unter des dichters gaben, halte nicht für torheit! Göthe (
sprichwörtlich) 2, 260. ist aber dieses ... das wesen der gewohnheiten, so ist es nicht richtig zu sagen, dasz wir sie haben ... vielmehr haben sie uns Erdmann
s. 6; darum sind wir, je mehr gewohnheiten wir haben, um so unselbständiger
ebenda. I@1@a@a@2@bb))
noch fruchtbarer für den gebrauch des substantivs ist die entgegengesetzte neigung, für die einzelnen beobachtungen einen höheren zusammenhang zu finden: wo dieser zusammenhang im bereiche des individuums gesucht wird, tritt das substantiv in bedeutungsverwandtschaft mit den begriffen der beschaffenheit, der art und weise ein: zweitens liegt gewohnheit und wesen oder ich des menschen gar nicht so weit auseinander, wie manche meinen. es ist nicht ohne grund, wenn man von dem complex seiner gewohnheiten zu sagen pflegt, so oder so bin ich einmal J. E. Erdmann
über gewohnheiten s. 20;
dazu vgl. auch: eben darum geben wir ... zu, dasz in dem begriff der gewohnheit entgegengesetztes vereinigt ist. das aber hat der gesunde menschenverstand längst gewuszt und demgemäsz die gewohnheit eine zweite oder andere natur genannt. 'natur', weil sie eine beschaffenheit ist, von der wir uns nicht losmachen können, 'andere' oder 'zweite', weil sie eine hervorgebrachte, künstliche ist
s. 16;
vgl. schon: consuetudo quasi altera natura Cicero
de fin. 5, 25, 74;
vgl. die mannigfachen mittelhochdeutschen beispiele für die zusammenstellung von natur
und gewohnheit (
s. u.),
die früh auch zu einer vergleichung des machtverhältnisses der beiden führen: gewanheit ist noch rîcher danne nature. daʒ merkent die gehoften.baʒ danne von rehter art ein viltz gebûre.
jüngerer Titurel 5344;
Hahn u. a. s. u. I@1@a@bβ)
wenn schon in dieser auffassung die gewohnheit als eine selbständige kraft erscheint, die über den bereich des einzelnen trägers hinübergreift, so ist das letztere noch mehr der fall beim begrifflichen erfassen des substantivs, das von einem träger der gewohnheit überhaupt zu abstrahieren pflegt: die gewohnheit ist ohnstreitig eine der mächtigsten und ausgebreitetsten potenzen in der natur S. G. v. Vogel
bemerkungen und erfahrungen von dem mächtigen einflusse der gewohnheit auf das wohl und weh der menschen s. 3.
von da zur eigentlichen personification ist nur ein kleiner schritt, den schon die mittelhochdeutsche dichtung in eigenartigen wendungen gegangen ist (die gewohnheit lehrt, bezwingt den menschen
s. u.)
; dazu vgl.: das ewig gestrige, was immer war und immer wiederkehrt, und morgen gilt, weil's heute hat gegolten! denn aus gemeinem ist der mensch gemacht, und die gewohnheit nennt er seine amme. Schiller (
Wallensteins tod 1, 4) 12, 217. I@1@a@gγ)
den entgegengesetzten weg nimmt die bedeutungsentwicklung da, wo eine mehr oder weniger bestimmte gruppe von personen als träger des brauches vorausgesetzt wird, sie führt nicht zur personification, sondern zar sachbedeutung. I@1@a@g@11))
dem verbum und participialen adj. bleiben hier nur einige gebrauchsformen des substantivs nahe: Leon: ich nahe denn, um urlaub zu begehren.
Gregor: urlaub warum?
Leon: das reisen wird gewohnheit. Grillparzer (
weh dem, der lügt! 7, 5) 8
5, 101; es war in der grünen Fichtau gewohnheit früh schlafen zu gehen Stifter 1, 35
Aprent (
Procopus); indem hier eigene gedanken durch längsterfundene mittel nach der gewohnheit des volks, dem die sprache eigen ist, leicht und schnell mitgetheilt werden sollen Herder (
christliche schriften 1794) 19, 4. I@1@a@g@22))
anders dagegen: davon wuochs ein sitte in Israel und die gewonheit ward behaltten Mentel
richter 11, 39 (und ward eine gewonheit in Israel Luther,
vgl.ghewonde
oben sp. 6482); gang nun hin du thorechte lai und gib dein gält usz zuo fülle der tempel knecht ... darausz dir neut entspringt, dann das man dich zelt unter denen die gewonheit halten Eberlin v. Günsberg (7.
bundsgenosz) 1, 75
Enders; und dis lat man und lidet es ... und ist leider in eine gewonheit komen Tauler
predigten 231
Vetter; ist die priesterschafft durch gewonheit auff kummen und blieben, szo kan man sie durch menschlich gewallt und wilkür widder durch einn ander gewonheit auff heben und abethun, wie allen gewonheitten geschehen kan, szo folget gewiszlich, das sie nit ausz gottlicher ordnung ist, denn gottlich ordnung hanget in keiner wankenden gewonheit, lesszit sich nit durch menschen endern Luther (
auf überchristl. ... buch Bocks Emsers antwort 1527) 7, 635
Weimar; und stellt ihr vor, dasz sie, wenn sie wider die gewohnheit (
der Römerinnen) dem feste nicht beiwohne, selbst zu dem verdachte ... gelegenheit geben ... würde Lessing (
auszug a. d. trauerspiel Virgina) 6
3, 73. I@1@a@g@33))
in diesem zusammenhange ist der rechtsbegriff der gewohnheit
zu erfassen, der die verbreitung unseres substantivs im besondern begünstigt (
s. u.):
wie die meisten der verwendungen unter dem einflusz des lateinischen consuetudo
stehend, geht er durch eine reihe von übergangspuncten bis zur sachbedeutung vor: das wir unsers Urbeisthales ... alte gebruch, harkomen, gewonheiten und übungen uf irer der geschworenen angeben und anzeig herneuert, confirmiert, ordeniert und statuirt haben (1536)
weisth. 5, 347; (
vgl. das lat. statuta et consuetudines); das ... geschriben und vermerckht stondt desselben dinckhofs zu Ballschweiler site, recht, herkomen und gewonheit (1413) 4, 52; dasz ist der gemeine zu Utzelsheim ... weiszthumb und ein alt herkomen, gebrauch, gewohnheit und recht 5, 712;
noch weiter geht diese entwicklung bei der an consuetudo
scharf ausgeprägten, an gewohnheit
nicht mit solcher ergiebigkeit zu belegenden bedeutung von abgabe, steuer: welcher versaumbt auf gseczte stund oder gar nit köm, der mues dargegen ein gwanheit in die puechsen legen, das ist als vil als zehen pfening. Hans Sachs
der heftelmacher-gesellen ordnung und gewonheit Keller-Götze 23, 65,
ebenso 66; pei straff zwaier gwonheit 66,
ebenso 67
s. u.; eine ähnliche vergegenständlichung vollzieht sich auch in anderer richtung: da ... zum gesellen gesprochen worden, dem dann ein schein darüber ertheilet ... damit er sich auf seiner wanderschaft dadurch legitimiren könne; man nennet auch ermeldeten zeddel nur schlechthin handwercks-gewohnheit J.
N. Hermann
allgem. teutsch. jur. lex. 2, 596. I@1@bb)
die obigen belege aus der rechtssprache zeigen das substantiv im kreise von bedeutungsverwandten und legen die frage nach dem gegenseitigen verhältnisz nahe, vgl. auch Brie
gewohnheitsrecht s. 219
ff. wie im lateinischen eröffnet sich auch in dieser richtung ein gegensatz zwischen dem substantiv einerseits, dem verbum und adjectiv andererseits: das erstere berührt sich mit zahlreichen bedeutungsverwandten, die anderen weniger, doch wachsen auch ihnen später aus einzelnen synonymen des substantivs ableitungen adjectivischer und verbaler art zu. I@1@b@aα)
zwei bedeutungsverwandte stehen dem substantiv schon vom ersten auftreten an zur seite, sie sind in der oben (
sp. 6481)
angeführten glosse vereinigt (mos, sidu, wisa,
consuetudo edho wisa, kiwona)
und weisen auf den gegensatz der lateinischen prägungen mos
und consuetudo.
von keinem der beiden sind adjectiv- oder verbalableitungen in unseren bedeutungskreis übergeführt; die adjectiva gesittet
und sittlich
zeigen vielmehr gerade die richtung an, in der sich die sitte
am weitesten von der gewohnheit
entfernt. das früh belegte verbum, das auch andere wege einschlägt (þo sidu þus Ulfilas 1.
Timoth. 4, 15,
ταῦτα μελέτει, solches warte Luther)
verkümmert schon in der althochdeutschen zeit, vgl. sitôn,
machinari, facere, agere Graff 1, 162. I@1@b@a@11))
die berührung mit dem schon althochdeutsch in präpositionalverbindungen (Graff 1, 1073)
erstarrenden wîsa
tritt nicht da zuerst auf, wo sie erwartet werden konnte, für die beschaffenheit oder das wesen einzelner, einen begriff, der (
s. oben sp. 6531)
aus der gewohnheit sich entwickeln konnte und später auch an ihr belegt ist: daʒ ist ein vogel auʒ der gewonheit und auʒ der weis anderr vogel Konrad v. Meyenberg 212, 4.
neben verwendungen, die auf die entwicklung des substantivs im dienste des liedes und der musik, wie sie für den mittelhochdeutschen gebrauch kennzeichnend ist, ihr licht werfen (daz ir dero suni birut, dero dea forasagun sluogun; enti irfullet iuwarero fatero wisun
althochd. Matthäusevangel. 24, 33,
Hench s. 29 [
implete mensuram, erfüllet auch ir das mas ewer veter Luther]),
begegnen vorzugsweise solche, die als träger der wiederholung bestimmter handlungen eine bestimmte gruppe von personen ins auge fassen: buntun inan
mit sabonon ... soso wisa ist Judon zi bigrabanne
Tatian 212, 7 (
Johannes 19, 40
sicut mos
est Judaeis, vgl. gewonheit
im alten passional 130, 15,
Hahn; vgl. alʒ es gewonhait ist zu begraben di Juden
ältere bibel, wie die Jden pflegen Luther).
gern verbinden sich dabei die substantive: jhr weise und sitten sindt mancherlei, und ieglichs land hat besonder gewonheit Ottho v. Demeringen
übers. des J. d. Montevilla s. 203; doch haben sie die weise und gewonheit an inen, dasz sie allweg die kinder geben alleine den männern 235;
vgl. die zusammenstellungen sp. 6574
f.; die buchungen sp. 6556;
vgl. zur bibel (
sp. 6554),
wo namentlich die Züricher bibel (
s. Bylandt
a. a. o.)
mit gewonheit
gegen Luthers vorliebe für weise
absticht: also das es Sara nicht mehr gieng nach der weiber weise (
in predigten: art) Luther
1. Mos. 18, 11 (
Züricher bibel v. 1531: gewonheit); das sol eine ewige weise sein jm und seinem samen
2. Mos. 30, 21 (
Züricher bibel ewige gewonheit,
ältere bibel ewig ee),
desgl. 2. Mos. 12, 4 (
bei Luther var.: brauch) 14, 43;
dasz berührungen auch sonst nicht fern liegen, zeigen manche wendungen, in denen das substantiv mit verbindungen des particips gewohnt
zusammentrifft (
s. o.)
und die auch auf einzelne träger des begriffs zielen: ich bin nit gwont an euch die weis Probst 116; sie ist meine art und weise gewohnt Benedix 8, 132; gewehnen, auff ein andere weise bringen Hulsius 163
b. I@1@b@a@22))
viel tiefer und weiter greift das zweite der beiden substantiva in die kreise von gewohnheit
über, sitte,
das schon im gothischen einige mal belegt ist, vgl. riurjand sidu godana gawaurdja ubila
1. Kor. 15, 33 (
ἤθη χρηστά, die guten siten
cod. Tepl. 3, 10,
desgl. Luther):
ähnl. 2. Timoth. 3, 10 (
gothischer zusatz);
gegen was sidus
Skeireins 3
stück. die abgrenzung von sitte
und gewohnheit
läszt sich bei solchen denkmälern, die unter dem einflusz einer lat. vorlage oder unter der abhängigkeit von lat. wendungen stehen, an deren gebrauch von mos
und consuetudo
anlehnen. in den glossen (
s. Graff 6, 160)
tritt sitte
durchweg für mos
ein (
einigemal auch für ritus, habitus
u. a.),
nur ein einziges mal für consuetudo
und zwar in jenem oben besprochenen (
sp. 6531)
sinne der individuellen beschaffenheit: daʒ chit Christus ex consuetudine humanae infirmitatis (fone demo site mannis weichi) Notker
zu psalm 34, 4 (
Hattemer 2, 119
b).
an den stellen, wo in der bibelübersetzung oder in rechtsformeln site
und gewonheit
je nach den einzelnen stilisten mit einander wechseln, liegt für sitte
meist ein lateinisches mos
zu grunde, während der übereinstimmende gebrauch da für gewonheit
entscheidet, wo consuetudo
vorlag (
vgl.mos increvit in Israel et consuetudo servata est richter 11, 39).
da nun aber auch die lateinischen substantiva (mos
und consuetudo)
in ihren verwendungen durcheinander greifen und da der deutsche gebrauch andererseits bei den normen nicht stehen blieb, die er von lateinischen vorbildern empfangen hatte, so müssen für die abgrenzung noch weitere anhaltspunkte gesucht werden. einen wichtigen maszstab gewinnen wir aus jener scheidung in wendungen, die ein individuum, und solche, die eine bestimmte gruppe als träger des begriffs voraussetzen (
s. sp. 6530,
vgl. die zwei ersten gothischen belege gegen den dritten).
allerdings nicht in dem sinne, den Puchta
als maszgebend erachtet: sitte und gewohnheit kommen darin mit einander überein, dasz durch diese prädikate der charakter einer handlung ausgedrückt wird, wonach sie wegen einer ihr zu grunde liegenden und zwar inneren und stillschweigenden bestimmung des willens unter gleichen umständen wiederkehren werde. der unterschied beider aber besteht darin, dasz gewohnheit unter jener voraussetzung die handlung eines einzelnen als solchen genannt wird ... sitte hingegen ist eine handlung, sofern jene stillschweigende willensbestimmung, die sie hervorbringt ... nicht in dem einzelnen als solchen ihren grund, sondern in einer ihm mit andern gemeinsamen ... überzeugung G.
F. Puchta
das gewohnheitsrecht (2.
buch 2, 5)
s. 167.
wohl aber kommt die in den adjectiven ethisch (
zu ἤθος),
moralisch (
zu mores),
sittlich (
zu sitte)
zu tage tretende art der beurtheilung, die an gewohnheit
stark verkümmert, wenn auch nicht ausgeschlossen ist (
vgl. unten sp. 6562 laster
und gewohnheiten
u. a.),
im concurrenzwort mehr zur geltung, wenn mit der richtung auf einen individuellen träger des begriffs der pluralgebrauch verknüpft ist, vgl. ein mann von üblen sitten,
gegen: die meisten gelehrten sind abergläubischer als sie ... selbst glauben. man kan üble gewohnheiten nicht so leicht gantz loswerden G. C. Lichtenberg
aphorismen 3, 205
Leitzmann; so ist es auch mit jenen moralischen nachbildern, an denen man seine sitten und neigungen, seine gewohnheiten und eigenheiten, wie im schattenrisz, erkennt Göthe (
dicht. u. wahrh. 11) 26, 28; man enträtselt den vermummten an gang, stimme, atemholen und gewohnheiten Klinger
Faust III, 3.
für solchen gebrauch von sitte
im unterschiede von gewohnheit
giebt die ältere sprache schon anhaltspunkte: er was in sitin fruaterjoh heilag inti guater.
Otfrid 1, 8, 10;
desgl. 4, 5, 32
und 39;
vgl. Ulfilas
1. Kor. 15, 33;
vgl.: wand sî nie gesâhen ... zwêne rîter gestalt sô gar in wunsches gewalt an dem lîbe und an den siten. Hartmann
Iwein 6916
u. a. vgl. mhd. wb. 2, 2, 333
ff. das bemerkenswerthe ist die an sitte
hier früh ausgebildete bevorzugung des pluralgebrauches (
vgl. dazu schon: progeniti si morum probitate et fidei plenitudine habeantur idonei
lex Visigothorum XII, 2, 20
s. monum. germ. leges I, 1, 416),
der bei gewohnheit
überhaupt erst spät und dann zunächst für die wendungen entwickelt wird, die eine gruppe als träger des begriffes voraussetzen. in diesem falle, wo eine gruppe als träger des begriffes erscheint, hat die rechtssprache der gewohnheit
vor der sitte
so sehr den vorzug gegeben, dasz diese im heutigen gebrauch nur noch da auftritt, wo rechtliche beziehungen ausgeschlossen werden, vgl.: die sitten sind eigentlich weder gesätze noch rechte, allein sie können dennoch darzu anlasz geben J. G. Estor
teutsche rechtsgelahrtheit 3 (1767)
s. 8: die gewonheiten und ritus sind eigentlich von einander unterschiden, jene haben einen usum juridicum, allein die letztere nicht
s. 10;
vgl.: aehnliche gefühle (
bedenken gegen gesellschaftliche oder nationale gegensätze bei heirathen) herrschen auch heute noch in weiten kreisen, sie haben aber — mit wenigen ausnahmen — mit recht gar nichts mehr zu tun ... sie sind bloss sitte Ehrlich
tatsachen des gewohnheitsrechtes s. 9.
dem entsprechend wird selbst bei verbindungen, die in der rechtssprache an gewohnheit
sich ausgebildet haben, für die fälle, denen eine rechtsbeziehung fehlt, sitte
vorgezogen: die art der Italiäner die uhr zu zählen ... eine eigenthümliche landessitte, eine ererbte vorstellungsart, und eine höchst schickliche gewohnheit Göthe (
fragmente über Italien) 38, 170.
auffallend aber: um mich ferner in einem wichtigen puncte der landesgewohnheit gleich zu stellen, habe ich mir ein hilfsmittel erdacht, wie ich ihre stundenrechnung mir leichter zu eigen machte (
italien. reise) 27, 71.
die ältere sprache aber zeigt hier andere gebrauchsformen, die z. theil unter dem einflusz lat. wendungen stehen. als rechtswort spielt auch sitte
hier seine rolle: wo der gegensatz zwischen christen und nichtchristen ins spiel kommt und rechtliche folgen zeitigt, verwenden die lateinischen aufzeichnungen germanischer rechte mos
im gegensatze zur consuetudo,
die für nationale rechtsunterschiede eintritt: aliter id faciat, quam honestae Christiani moris est consuetudinis
lex Visigoth. XII, 3, 7 (
monum. germ. leges I, 1, 435
ähnl. 443); si quis Judeorum servus, et servitudini eorum implicatus et moribus 12, 13, 18 (
s. 448)
u. a.; dazu vgl.: ze hiun er mo quenun las, so thar in lante situ was. Otfrid 1, 4, 3; tho scoltun siu mit willenthen wizod irfullen tben situ ouh, then io thie alten fordoru irvultun. Otfrid 1, 14, 3;
vgl. auch: der heiden sitten
bei Luther 2.
Macc. 4, 10
gegen gewonheit der heiden
in der älteren bibel (
s. u.).
in der überaus beliebten ablativform (more)
greift mos
über diese grenzlinie noch hinaus: more patriae mancipium venditum
lex Burg. const. extraord. 21, 3 (
monum. germ. leges I, 1, 2,
s. 120)
u. a.; vgl. die spätere formel more civili (
urk. v. 1300)
pommerisches urkundenbuch 3, 427, 428
u. a.; vgl. auch Notker
zu psalm 70, 13 (
Hattemer 2, 245
a);
vgl.: virgines eorum non sunt lamentate, iungiû wîb kenomeniû ne wêinota niêman nâh site
psalm 77, 63 (
Hattemer 2, 280
b; after heîdenemo site 2, 171
b u. a. bis über die mittelhochdeutsche zeit hinaus, die einen höhepunkt des gebrauches von sitte
darstellt, läszt sich sowohl in allgemeineren wie in ausgesprochen rechtlichen verwendungen dieses substantivs hier die bevorzugung einzelner syntaktischen verbindungen beobachten, so bei der verbindung mit dem verbum substantivum die form des hauptsatzes gegenüber von den vergleichssätzen bei gewohnheit
und consuetudo (sicut est consuetudinis
s. u.),
vgl.: ze Rômo was situ, daʒ die forderen hiêʒen in tabulis (wahstablon) al gescrîben. daʒ sie benêimdon iro afterchomon Notker
zu psalm 24, 10 (
Hattemer 2, 86
a); des antwurte Hagne'uns hât niemen niht getâ
n. eʒ ist site mîner herrendaʒ si gewâfent gân ze allen hôchgezîten.'
Nibelungen 1801, 2
u. a. vgl. mhd. wb. 2, 2, 322
b und 323
a.
in der function des objectes ist anfangs die verbindung eines sites pflegen
ganz, diejenige mit haben (einen site haben)
vorzugsweise, für dieses concurrenzwort vorbehalten: nâch siten der si pflâgen und man durch reht begie, Gunther unde Prünhilt niht langer daʒ verlie, si giengen zuo dem münster, dâ man die messe sanc.
Nibelungen 594, 1
u. a. s. mhd. wb. 2, 501
a und 497
f.; daʒ er den site dâ vermeit des er dâ vor gepflegen hete. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 15097.
vgl. (site ... gewent) 212,
vgl. sp. 6545
zu gewonheit.
andere anhaltspunkte ergeben sich aus landschaftlichen neigungen. für den besonderen gebrauch der rechtssprache, wo sitte
gegen gewohnheit
stark im rückstand bleibt, hat es in niederdeutschen quellen (
zum friesischen vgl. Richthofen)
für lange die führung: sede, wonheit, vriheit, privilegia
Bremer urk. s. Schiller-Lübben 5, 767; item sette wi, dat ein wonlik sede eines landes ofte ener stad to holdende is inde to bewarende geliik einem bescreuen rechte ... want ein landsede lange tiid geholden is in dessen landen ... dat
der rat von Lübeck gegen den herzog v. Lauenburg s. Lübeckisches urkb. 6, 74.
aus anderen gegenden ist dieses substantiv hier mehr nur in der parallelverbindung mit gewohnheit
zu belegen: als sitt und gewonheit ist in dem hof
weisthum v. Holderbank (14.
jahrh.) 5, 71; wie es im fürstenthum Osterreich sitte und gewonheit ist (1494)
öst. weisth. 9, 181; und diesiu gewant diu sin von swachem und geistlichem tuche. beidiu an coste und an varwe nach der gewonheit und den siten
Regensburger klarissenregel 5
Schönbach (
Wiener sitz.-ber. 160); als es von alter har komen ist noch des antwerkes sitte und gewonheit
Straszburger weberart. v. 1400
bei Schmoller 18
u. a. I@1@b@bβ)
in der mittelhochdeutschen zeit, wenn auch nicht in der classischen dichtung, sondern in der didaktischen und geistlichen poesie, zweigt sich von dem verbum pflegen,
dessen verbindungen mit sitte
eben erwähnt wurden, ein substantiv ab, das mit gewonheit
in concurrenz tritt. es ist aber nur da beobachtet, wo bestimmte gruppen als träger des begriffes vorausgesetzt werden, nicht bei individueller fassung: daʒ ist ouch der esel pflege dî entwîchent niemen ûʒ dem wege.
Freidank 2333; do wolde nach der heiden pflege Maximianus opfer geben.
passional 487, 18; doch habin sî ein undirscheit von uns an einre gewonheit, di uns vorterbit sundir wâ
n. den sittin sî zu pflege hân, daʒ sî ûf des nachtis stân und zusamin alle gân in ir bethûs ... und des intûn wir nicht. Nicol. v. Jeroschin 9862.
von hieraus dringt das substantiv auch in die rechtssprache über, anscheinend aber mit beschränkung auf norddeutsches gebiet, vgl. det is sid end plegha Richthofen 248, 5; tins oder plege sal he dar af geven jenen, uppe den it gut irstirft
sachsenspiegel 3, 76, 3
Homeyer; ebenso 2, 58, 2;
dazu vgl. na wonheit und plechlikem sede Schiller-Lübben 4, 162
b. I@1@b@gγ)
im übergang zur neuhochdeutschen periode wachsen von den verschiedensten wurzeln her neue bildungen in unseren kreis herein, vgl. wie es in diesem gericht brauch, ubung, gewonheit undt recht ist
Behrbacher weisthum von 1497
s. weisth. 2, 144. I@1@b@g@11))
übung, das unmittelbar auf ein verbum zurückführt, welches mit gewohnen, gewohnheit
mannigfach sich kreuzt, hat auch ein adjectiv neben sich, das später manche bedeutungen aufrecht erhält, die dem adjectiv zu gewohnen,
der weiterbildung zu gewon (
s. gewöhnlich),
verloren gehen. das verbum, dessen grundbedeutung aus wendungen wie gottes willen huatta joh thionost sinaz uabta Otfrid 1, 16, 12 (
s. auch Graff 1, 70)
und hirs und ruobe uoben, die erden üeben (Lexer 2, 1686)
zu erschlieszen ist, kommt den bedeutungen von exercere
und usitare
früh nahe; vgl. noch aus späterer zeit: nach welchem man sich ... am freien und anständigen zu ergötzen, geübt
neben zu ergötzen gewöhnt hat Mendelssohn (
s. oben sp. 6523).
vereinzelt tritt dem schon mittelhochdeutsch ein verbalsubstantiv zur seite: scham ist ob siten ein geübet uop. Wolfram
Parzival 319, 11.
die bildung auf ung
dagegen ist erst aus dem ausgang der mhd. zeit belegt: ich hân kainen pœsern noch scherpfern menschen gesehen von nâtûr wann dich und hân kainen peʒʒern gesehen von üebung der tugend und von gewonhait guoter siten wann dich Konr. v. Megenberg
buch der natur 29
Pfeiffer; und alle daʒ gerête, daʒ gote was gewîet und in sîn dînst gevlîet, nam der ungenême und in ungezême ûbunge sî vorspente. Nic. v. Jeroschin 19926.
in den allgemeineren bedeutungen kreuzt sich übung
bis heute mit gewohnheit,
noch mehr mit gewöhnung,
vgl.: ein gewonheit oder übung an sich nemmen Frisius 184
b; so beruht ja alles auf der übung und gewehnung unsers willens Luther
von der notwendigkeit der angewehnung (
Jena 1691)
s. 11; bis er es durch übung und gewohnheit dahin bringt Auerbach
neues leben (2, 7) 1, 249; wozu thiere durch gewohnheit und übung angelernt und eingeübt werden können S. G. v. Vogel
s. 13; die gleichmässige übung, also die gewohnheit H. Brunner
dtsch. rechtsgesch. 1
2, 405;
vgl. auch: seine geübte,
d. h. gewöhnte hand oder stimme vollbringt alles von selbst J. E. Erdmann
über gewohnheiten s. 4.
dagegen ist in der rechtssprache eine verwendung wieder zurückgetreten, die vom 15.
jahrh. ab in den kreis von gewohnheit
eingedrungen war und die auf der abstreifung der verbalkraft des subst. beruht, vgl. wir ... thun kunt ... das wir ... befunden haben, wie bisshero an den halsgerichten ... unsers stiffts ... mancherlei ubung, missbrauch und gewohnheit eingewachsen
einleitung zur Bamberger halsgerichtsordnung, § 1 (
s. 2, 3
Kohler und Scheel);
gegen nachdem aus langer gemeiner ubung dieses lands die halsgericht nit anders dan mit gemeinen personen ... beseczt werden § 2 (2, 4,
vgl. gemeiner gewonheit nach [§ 142] 2, 56); nach alter ubung und gewonheit
weisth. zu Talfant (1505)
weisth. 1, 126; nach altem herkomen und ubungh
weisth. 6, 475.
auf diesen letzteren standpunkt des verbalsubstantivs beschränkt sich die neuere sprache, wenigstens im lebendigen sprachgebrauch: wer aber wirkliche übung im leben, rechtsprechung und gesetzgebung aufmerksam verfolgt Ehrlich
tatsachen des gewohnheitsrechtes s. 21. I@1@b@g@22))
dem gegenüber hat sich brauch (gebrauch)
gerade in der an übung
zurücktretenden bedeutung bis heute lebendig erhalten. auch hier steht dem substantiv ein lebenskräftiges verbum und ein adjectiv zur seite, doch ist nur das letztere in eine eigentliche concurrenz mit den ableitungen zu gewon
getreten. das verbum, dessen grundbedeutung in dem lautentsprechenden frui
zu tage tritt, hat die bedeutung exercere
kaum in der richtung von gewohnen
entwickelt, vgl.: sich auch gar zeitlich an die brillen gewehnen und derer gebrauchen Kirchhof
wendunmuth (
vgl. oben sp. 6525).
das substantiv ist auf deutschem boden (
vgl. dagegen altnord. bruk =
usus, mos)
mit einer einzigen ausnahme bei Notker (
s. Graff 3, 281)
erst spät bezeugt und bringt zunächst die an die verbindung mit einem concreten object geknüpfte ältere bedeutung des genieszens zum ausdruck, die an gebrauch
nie ausstirbt: stirbt aber ein mensch, das in den hof gehört und des erbes im gebrauch
weisth. 3, 461,
vgl. auch brauch
theil 2,
sp. 313/14; gebrauch
oben sp. 1820—22.
der bedeutungswandel, der sich aus der beziehung auf handlungen und leistungen ergiebt und der deutlich von dem lateinischen vorbilde usus
beeinfluszt ist, würde nach den a. a. o. angeführten belegen bei brauch
früher eingesetzt haben als bei der zusammengesetzten form gebrauch.
die zeugnisse aber, die aus den weisthümern zu gewinnen sind, führen nicht auf solchen unterschied: nach hofrichtes rechte und nach gewonheit und gebruke dises stiftes (
Münster)
weisth. 3, 127; nach hobsrecht und gebrauch 2, 28;
ähnl. 2, 95; item ist hoffsbrauch 2, 73
u. a. vgl. auch: gewohnheit und gebrauch im
Neu-Karsthaus s. Köhler
zeitschr. f. dtsch. phil. 30, 494; wie dann zu Rattenberg und Kuefstain der gebrauch und gewonhait ist
weisth. v. Kitzbühel s. österr. weisth. 2, 75,
ganz ähnl. 5, 769;
vgl. auch acta
Tirolensia 3, 1, 9.
bei diesem, wie dem unten folgenden synonymon (
sp. 6538
f.)
ist es besonders schwer, den geltungsbereich gegen den von gewohnheit
abzugrenzen: des ist nit allain des gotzhaws Kempten sonderliche gewonhait, sondern anderer vil umbligender oberkaiten und herschaften gemainer prauch und alts herkommen
s. Baumann
akten 58.
begriffsbestimmungen versprechen wenig erfolg: was der gröste theil der menschen thut, oder was vom grösten theil, in einem gewissen stande beobachtet wird, ist ein gebrauch. was von vielen jahren her geschehen ist, oder was jemand schon seit langer zeit gethan hat, ist eine gewohnheit. was nur an gewissen orten, und bei gewissen leuten, von ihren vorfahren her in gebrauch gewesen, wird ein herkommen genannt Stosch
gleichbedeutende wörter 1, 67.
eher bieten die syntaktischen formen anhaltspunkte. so ist das eine unverkennbar, dasz bestimmte wendungen die bei gewohnheit
mit andern concurriren, für brauch
ausschlaggebend bleiben; einerseits die verbindung mit subjectem genetiv, der das gebiet kennzeichnet, wo der brauch gilt, andererseits die präpositionalverbindung, die dem substantiv die verbalkraft am nachhaltigsten wahrt: wie im Romischen reich ... alltem gepreuch und herkomen nach die meisten peinlichen gericht mit personen die ... rechte nit gelernt oder ubung haben besetzt werden
vorrede zur Carolina s. Kohler-Scheel 1, 3 (
vgl.: gemeiner gewonheit nach 1, 62); die gewonheit ist ein solcher tyrann, dasz sie viel unbilliche sachen in denen republiken durch althergebrachten gebrauch rechtfertigt Hohberg
adeliges land und feldleben 1, 165; diejenigen, so zur ehe gegriffen und ihr beschehen ehelich versprechen durch den öffentlichen kirchgang gewöhnlichem gebrauch nach bestättigen lassen
altes badisches landrecht (1773) 1, 5
s. 12.
zur kennzeichnung des geltungsbereiches vgl.: die klage auf zurücknahme einer waare wegen fehlern musz nach beschaffenheit dieser mängel und nach gebrauch des orts, wo der kauf geschah ... angestellet werden
badisches landrecht (
code Napoleon)
von 1809 § 1648;
vgl. dazu die allgemeinere (
auszerrechtliche)
verwendung von ortsgebrauch (
theil 7,
sp. 1366)
bei Immermann (ortsgewohnheit [
ebenda]
bei G. Freytag);
vgl.hofgebrauch und hofsitte;
vgl.: obwohl bei erbfällen unter ehe-leuten bishero eine dorf-gewohnheit, dass eins von dem andern die helffte erben solte, angegeben ... worden
artikel von Gohlis (1657)
s. Klingner 1, 592; die gebräuche und gewohnheiten besagten dorfes in gewisse articul verfassen
ebenda; dazu vgl. landesbrauch theil 6,
sp. 107; landbrauch
sp. 99
gegen landesart
sp. 107; landesgewohnheit
sp. 109; landessitten
sp. 111.
es ist unverkennbar, dasz gebrauch
auch da, wo mehr die einrichtung als deren ausübung in betracht kommt, immermehr gegen gewohnheit
vordringt: unpartheiisch recht nach ihrem besten verständnusz wie auch unsern lands- hof- gerichts- und andern ordnungen, desgl. rechtmässigen gewohnheiten und gebraüchen oder auch gemeinen rechten gemäss zu sprechen
altes badisches landrecht (
ausgabe v. 1622.
s. 32) II, 2, 84; daher werden sie auch altes herbringen, allgemeine gebräuche, allgemeine durchgehende gewohnheiten genennet J. E. v. Beust
tractatus de jure venandi (1744)
s. 618;
vgl. auch 128,
wo gebräuche
im texte. gewohnheiten
im begleitenden stichwort gesetzt ist; vgl. von den sitten, bräuchen und gewonheiten J. G. Estor
teutsche rechtsgelahrtheit 3, 8 (§ 4); dasz eine zu rechte beständige gewohnheit, sonsten auch gebrauch oder altes herkommen genant, eben dieselbe krafft und wirkung habe, die einem beschriebenen und ausdrücklich publicierten ... gesetze beigeleget Schlüter
tractätlein v. gew. (1694) 2; kömmt ihm darauf an, einförmigkeit der gebräuche und rechte zu hindern (Joh. Socher)
leben und thaten des berüchtigten D. Herkomens, auch Observantius genannt (1799)
s. 67; gewohnheiten werden hier gewisse berg-gebräuche genennet, so sich an einem orte nach und nach eingeführet ... und endlich gar zu einem gesetz und berg-ordnung geworden: ein solcher gebrauch musz über rechts verwehrte zeit observiret und in contradictorio judicio erhalten sein Minerophilos 259;
bemerkenswerth ist auch, dasz brauch
wie recht
und sitte
eine compositionsform neben sich hat, die das ethische widerspiel des begriffes zum ausdruck bringt: missbrauch, unrecht, unsitte.
bei gewohnheit
fehlt solche bildung (
vereinzelte ausnahmen: ungewonheit Estor 3, 55, ungewohnheit,
insolentia Duez [1664] 8
a;
vgl. auch sp. 6540).
gelegentlich mag von hier aus das concurrenzwort gefördert worden sein. I@1@b@dδ)
in den letzten belegen tritt uns das jüngste und für die heutige sprache erfolgreichste unter den synonymen entgegen: herkommen,
das im code Napoleon für Baden (1809)
das ältere gewohnheit
fast ganz verdrängt hat: der zehend bezug erhält seine bestimmung in jeder ortsgemarkung durch verträge und herkommen § 710 c. a.; das herkommen kann ... weder rechte schaffen noch abschaffen
einleitung s. 4.
vgl. auch die registerbemerkung gewohnheit
s.herkommen (
ausnahme: landsgewonheit § 1390);
das gleiche in den ergänzungen und erläuterungen späterer zeit s. justizgesetze für Baden 1 (1879).
die erklärung dieses subst. als eines substantivirten infinitivs (
s. theil 4, 2,
sp. 1109)
mag wohl für einige allgemeinere verwendungen gelten (
vgl. auch die gewanheit und daʒ über ein komen
dienstmannenrecht v. Basel § 2
Wackernagel s. 17),
für den engeren terminus der rechtssprache ist —
jedenfalls in mehreren fällen —
das substantivirte particip praet. (
gelegentlich auch des praesens)
zuständig: das ist ein alt herkomen recht
weisth. v. Seligenstadt (1390)
s. weisth. 1, 505;
vgl.es ist auch von einer gewonheit dar chomen, daʒ (1326) 3, 66;
vgl. 3, 658; als gewonheit und von alder herkomen ist (1485) 3, 455;
ebenso (1482) 2, 207
u. a. zu den bevorzugten gebrauchsformen des subst. gehören verbindungen wie vom herkommen abweichen Socher
leben und thaten des herkommens s. 56; dass es so herkommens sei
s. 63;
vgl. auch sp. 6545. I@1@b@eε)
andere bedeutungsverwandte kommen in anderem zusammenhange zur besprechung, so die zusammenstellung mit recht, gesetz
und ähnlichen terminis im rahmen der rechtssprache, während die neueren —
zum theil auch mehr vorübergehenden —
berührungen des substantivs mit anderen, denen es sich beiordnet, im überblick über die gebrauchsformen (
s. II)
erledigt sind. I@1@cc)
das substantiv in der älteren sprache. wie bei andern bildungen gleichen stammes ist auch bei gewohnheit
der gegensatz zwischen präfixlosen und präfigirten formen zunächst nicht an einen unterschied der bedeutung geknüpft. das einfache wonheit
ist für den begriff der consuetudo
aus der älteren sprache mehrfach belegt: wonaheite,
consuetudine benediktinerregel s. Graff 1, 871; dise heiligen wonheit haldet noch menich munich und och bruder biʒ an disen hutigen dac
die heilige regel s. 85
Priebsch (
akademie-texte 16); spate, e er zu huse quam, waʒʒer er vor dem kloster nam ... daʒ in dikein durst me twanc. ... daʒ nieman sich mochte ergern dar an, ob er zuvil icht trunke und uʒ der maʒe hunke. diʒ schuf sin wonheit zu pflege.
passional 364, 23
Köpke; desgl. (
in var.)
Iwein 893;
ebenso s. Germania 4, 246;
ztsch. dtsch. a. 11, 495.
die älteren niederdeutschen quellen weisen mit dem präfix fast nur die form gewohnde
auf (
s. d.);
die bildung mit heit
entbehrt meist des präfixes: als ein alt wontheit was
Unnaer freibr. (
v. 1346)
art. 12
s. Schiller-Lübben 5, 767; herkomen wontheiden (
Göttinger urk.); na wontliker wonheit des closters (
kloster Meding 1410)
u. a. ebenda. der begriff der habitatio
andererseits, der sich beim präfixlosen substantiv nicht an zusammensetzungen mit heit,
sondern an das verbalsubstantiv auf ung
geheftet hat (
s.wohnung gegen gewöhnung)
ist aus mittel- und oberdeutschen mundarten auch an gewohnheit
belegt: werdin muʒe di gewonheit ir wuste unde in den pallasten ir nicht insi der do wone
Trebnitzer ps. 68, 26
Pietsch s. 54 (
habitatio entwelung Mentel, wonung
von Zainer
ab; ir wonunge müsse wüste werden Luther); lustige gewohnheit, angenehme wohnung Tobler
Appenzeller sprachschatz 248
a;
vgl. andererseits: hast mich allzeit gelernet, wie ich soll mein wonung und gewonheit haben mit frommen und geistlichen leuten
verdeutschung von Bebels facetien L 2
a. I@1@c@aα)
in den ältesten belegen bis weit in die mittelhochdeutsche zeit weist die form unseres substantivs auf die zusammensetzung mit gewona, gewone
hin: giwonaheiti Steinmeyer-Sievers 2, 271. 273. 166; kewoneheiti 1, 734; kewoneheite Notker
s. Hattemer 3, 57
a;
dazu vgl. gewonehaid (
var.)
Rolandslied 4456; gewonnehait
himml. Jerusalem, gewoneheit
in Veldekes
Servatius und bei Konr. v. Fusserbrunnen,
ja auch im Nibel. lied 1242, 3
und Gottfrieds
Tristan 1974. —
synkope des unbetonten vocals zeigen zuerst die Freisinger glossen d. 11.
jahrh.: giwonheit Steinmeyer-Sievers 4, 527;
sie überwiegt in der mittelhochdeutschen dichtung, wofern ihr das versmasz nicht widerstrebt. die frühesten zeugnisse stehen sämmtlich unter lateinischem einflusz, wenn sie auch nicht immer an fremdes vorbild unmittelbar anknüpfen. die germanische dichtung, die im wortschatz selbständiger dasteht, läszt ein bedürfnisz nach entsprechenden substantiven nur selten durchfühlen, einigemale zeigt sich das wort sitte,
das auch der Heliand belegen läszt, während dessen einziges zeugnisz für gewono
problematisch ist. bemerkenswerth ist, dasz die Tatianübersetzung, die lat. consuetudo
durchweg mit giwona
deckte, gegenüber von gewonheit
versagt, während dieses bei Otfrid
und Notker
herrscht. I@1@c@a@11))
unmittelbar auf lat. prägungen führen wendungen zurück, die als träger des begriffes eine gruppe in anspruch nehmen. anfangs tritt unser subst. hier auch noch häufiger für lat. usus
ein, dem später die jüngere bildung (ge)brauch
dient. sonst bietet hauptsächlich die consuetudo
den ausgangspunkt: usu, giwonaheiti
glosse zu Gregors
homilien Steinmeyer-Sievers 2, 271;
in usum in giwonaheit 273;
usus giwonheit 4, 527;
usus publicus, diu frona giwonaheit (
zu Prudentius) 2, 431,
conspersionibus giwonaheitin (
gl. zu Gregors
cura) 2, 166;
fluxa consuetudo, unstatigu kiwoneheit 2, 202;
consuetudinem kewoneheiti 1, 734 (
zu Luc. 2, 27;
vgl. wie man pfleget nach dem gesetz Luther; daʒ si teten nach der gewonheit der ee
ältere Bibel); endi thanana so warth gewonohed that man hodigo ... beged thia gehugd allero godes heligono (
Beda: ex hac ergo consuetudine decretum est)
alts. bruchstück einer homilie Bedas 18
Wadstein; ja ist iu in thesa ziti zi giwonaheiti ih uʒar themo wiʒe iu einan haft firlaʒe. Otfrid 4, 22, 9 (
est autem consuetudo vobis, Johannis 18, 39 wan es ist gewonheit
ältere bibel)
; dazu vgl.: negotiale ist ter strît, ter umbe daʒ kewoneheite geskihet, alsô choufliute strîtent, taʒ ter chouf sule wesen stâte, der ze iar-mercate getân wirdet, er sî reht alde unreht, wanda iʒ iro gewoneheite ist Notker
Boethius (
Hattemer 3, 57
a);
vgl. auch als einzigen beleg für die beziehung auf ein individuum: habe in gewoneheite, unser heilig sang zelobenne,
suesce probare sacros cantus Notker (
Martianus Capella) Hattemer 3, 333
a;
vgl. auch ungewoneheite,
insolentia (
Boethius) 86
b. I@1@c@a@22))
auszerhalb der anknüpfung an unmittelbares lateinisches vorbild überwiegt andererseits die beziehung auf individuelle träger; gegen: insolenter prolata sunt, id est wider gewoneheite, quae per derivationem aut interpretationem novantur Notker
v. d. redekunst (
Hatt. 3, 580
a);
vgl.: hiar manot unsih druhtin Kristso sin giwonaheit ist; hiar lerit unsih dat sinthaʒ wir thultige sin. Otfrid 3, 19, 1; Gregorius ther guatoer spunota iʒ gimuato joh filu scono in war minso ist giwonaheit sin. 5, 14, 26; kîeng ter mâno ûf mit sînemo gesternôten brîdele, daʒ chît an des prîdele guoneheite ist sternen zemalenne ... Notker
Mart. Cap. (
Hatt. 3, 317
b). I@1@c@bβ)
die mittelhochdeutsche zeit förderte sichtlich die verbreitung des substantivs, vor andern wird es von Hartmann
gepflegt. I@1@c@b@11))
während die verbindungen mit verbis besonders entwickelt werden (
s. u.),
bleiben hier die mit nominibus im rückstand. I@1@c@b@1@aa))
so ist die zusammenstellung mit anderen substantiven erst in den anfängen (
vgl. dagegen unten zur rechtssprache)
namentlich soweit bedeutungsverwandte in betracht kommen: I@1@c@b@1@a@aα)) nu wil der site niuwe und diu gewonheit werden daʒ diu manne ûf erden sint getriuwer dann diu wîp. Konrad von Würzburg
Partonopier 14975;
vgl. auch oben (
zu sitte
und zu übung): die swuor herzog Albrecht nâch der ê gewonheit und reht ze konen ze nemen. Ottokar
österr. reimchron. 13936
Seemüller, vgl. auch unten zu gewohnh.
und recht; so daʒ der pristere halde die forma und die gewonheit die gegeben ist von dem heilegen geiste, wanne die herschaft geschiht niht von der wirdicheit des pristers, sunder von den worten und der gewalt unsers herren Jesum Christum.
pred. bei Schönbach 1, 8; I@1@c@b@1@a@bβ))
dagegen führte die auf antikes vorbild zurückgehende gegenüberstellung von natur
und gewohnheit (
s. sp. 6531)
zu bestimmten syntaktischen formen: gewonheit ist diu ander natûre der veredelt, der ist ein gebûre. Konrad v. Haslau
jüngling 1165;
s. ztsch. d. a. 8. bringest du dîn kint in die gewonheit der rehten mâʒe, eʒ ist iemer deste maeʒiger an eʒʒen und an trinken ... wan gewonheit ist etewanne rîcher danne diu natûre Berthold v. Regensburg 1, 35;
vgl. auch sog. St. Georgener prediger 244, 23
Rieder. dazu vgl. Seifried Helbling 8, 1;
Freidank 108, 7;
jüngerer Titurel 5344 (
s. o.). I@1@c@b@1@a@gγ))
die unterordnung des substantivs unter ein anderes ist erst spät bezeugt: der gewonheit meisterschaft die hat sunden solche kraft.
beispiel Salomos 105
s. mhd. erz. 91
Rosenhagen; I@1@c@b@1@bb))
attributive verbindungen, die später den gebrauch des substantivs beleben, sind noch wenig belegt, sie treffen die alte
und die boese gew.,
um die sich einige andere kennzeichnungen schlieszen: nach aldir gewonheit alrest man darin treip welch noʒ man ophir wolde. Helwig
märe v. hl. kreuz 549
Heymann. das gleiche st. Georgener prediger 244; von gote sî verwâʒen diu ungnædige stunde an der sich êrste begunde diu vil swære gewonheit daʒ sô grôʒ herzenleit von herzeliebe geschiht. (Hartmann) 2.
büchlein 9
Haupt, ebenso Gregorius 453; eʒ ist, daʒ etsliche lute nemin sich mit einander an ein sunderlicheʒ leben han unde vil vremder gewonheit, die niht mit der gemeine treit.
buch der Maccabäer 11957
Helm; der trouf der got sin hus erwert, daʒ er durch not dar uʒ vert, daʒ ist die bose gewonheit ...
beispiel Salomos (
mittelhochd. erzähl. 106, 99)
s. akademie-texte 17, 91;
vgl. Freidank 108, 7; Hugo v. Trimberg
renner 20443
Ehrismann; und pöse werch die sein so verch das seu pringen ain pös gewon und pös gewonhait geit pösen lon. Vintler
pluemen der tugent v. 7421
J. Zingerle; auch anhaltspunkte über das, was gewohnheitsmäszig wiederholt wird, bietet das adjectiv einigemal dar: eʒ het der künec Artûs ze Karidôl in sîn hûs zeinen pfingesten geleit nâch rîcher gewonheit ein alsô schoene hochzît. Hartmann
Iwein 34 (
var.: rittere, sîner)
vgl. dagegen gew. diu ist rîche (
s. o.); nu daʒ sîn toufaere alles sines dinges was bereit, nâch touflîcher gewoneheit. Gottfried
Tristan 1974;
für den gegensatz zwischen der individuellen und der typischen entwicklung des substantivs werden possessivbestimmungen aller art angezogen. welche bedeutung diese namentlich für die letztere gewinnen können, zeigt Konrad von Megenberg: wer in clistiert mit rautenwaʒʒer, sô pringt er den frawen ir gewonhait, diu menstruum haiʒt
buch der natur 370; eʒ ... pringt daʒ harmwaʒʒer vast und den frawen ir gewonhait oder ir haimlichait 385.
weitere belege aus der älteren medicin s. sp. 6570. I@1@c@b@22))
auch für die verbindung mit verbis zeigen sich unterschiede im gebrauch des substantivs je nach der individualistischen oder der typischen zielrichtung: die erstere begünstigt die function des objects, die zweite die des subjects neben dem verbum. weniger fällt der gleiche gegensatz bei der angliederung durch präpositionen ins gewicht. I@1@c@b@2@aa))
bei der richtung auf typen als träger des begriffs überwiegt I@1@c@b@2@a@aα))
die subjectfunction vgl. ôch môʒe wir allesament dolen alse wir her sîn komen swaʒ einem gschît ze leide: daʒ ist onser gwonheit dâ heime.
Crescentia 30
Schade; der haiden gewonhait was das sie alle ir weiszhait legten an die ratt liett. Heinrich von Neustadt
Apollonius 397
Singer; iʒ was ein gewonheit obir al die judischeit. Helwig
maere v. heil. kreuz 513
Heymann (
mos enim erat);
vgl. auch iʒ was gewonheit in der alden êe ... daʒ
predigten 1, 34
Schönbach; altes passional 345, 79
Hahn; nu was do di gewonheid, wer den schifbruch uf deme wassir leid, wo danne her were geborin, so hatte her lib und gut vorlorin. Joh. Rothe
passion 1186
Heinrich; nu schult ir vernemin wannin diu geunheit erchse, daʒ ...
spec. eccles. 70
Kelle; dagegen vgl: swie vil man vor uns lobt die alten unser gewonheit wir doch behalten, si sîn ûbel oder guot: wol im, der daʒ beste tuot! Hugo v. Trimberg
renner 4452
Ehrismann; beruochen den licham als der gewonheide gezam mit sidinen tuochen.
altes passional 130, 15
Hahn; I@1@c@b@2@a@bβ))
unter den präpositionalverbindungen überwiegt die der lateinischen formel secundum consuetudinem (ordinem)
nachgebildete: swes iemen anders pflac diʒ enkam von ir herzen nie unʒ man des andern nahtes gie slâfen nâch gewonheit. Hartmann von Aue
armer Heinrich 515;
vgl.(
s. o.)
Iwein 34; Gottfrid
Tristan 1974;
vgl. altes passional 369, 11; (nach der gew.) 332, 11; dô hieʒ man si beidestên an einen rinc nâch gewonheite.vil manic jungelinc in vrœlîchem muoteir zegagene stuont.
Nibelungen 1621, 2;
ebenso 946, 1; 1610, 1;
vgl.(
s. o.) nach aldir gew.; dem bâbst er nâch (
var. nâch der) gewonheit swuor. Ottokar
österr. reimchron. 8730
Seemüller; gnuoge ûʒ Beierlande solten hân genomen den roub ûf der strâʒen nâch ir gewoneheit: sô heten si den gesten dâ getân vil lîhte leit.
Nibelungen 1242, 3
Lachmann; ebenso Hartmanns 2.
büchlein 561
Haupt; Jüdel 130, 7
Hahn; (nach der kunige gew.) Ludwigs
kreuzfahrt 346; (nach der minren bruder gew.)
Regensburger klarissenregel 7
Schönbach; die herren hoch ahtbær ilten alle bloʒ im mit, als man nach jægerlichem sit spulget mit gewonhait. Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 18971
Regel; lêret zuht und êre, daʒ sie sîn in gewonheit komen Berthold v. Regensburg 1, 34; der pabest unde die cristenheit gebuten zu gewonheit daʒ man den tach uber al dem heiligen engele viren sal.
altes passional 337, 31; ... waʒ man in solde machen sleht, an ir gewonheit und ir reht beʒʒern und iteniwen ... Ottokar
österr. reimchron. 14250
Seemüller; I@1@c@b@2@bb))
wo das substantiv auf einen individuellen träger des begriffs zielt, zeitigt die mittelhochdeutsche dichtung eine für den fortschritt der bedeutungsentwicklung charakteristische wendung, bei der der träger des gewohnheitsbegriffes mit dem subject des satzes nicht identisch ist: nu schone muoder unde maget reine dine gewonheit mir erscheine ... vrowede inde blitschaf gif och mir.
Marienlieder 22, 38
W. Grimm; ditz was Erecke leit: wand er vorchte die gewonheit, er solt in ûʒ getriben hân als im vor was getâ
n. Hartmann
Erec 294; die her sint komen und rîter wâren als ir, die habent alle sament mir geleistet mîne gewonheit ... zwêne risen die sint hie: desn ist dehein mîn gast erlân erne müese sî bestâ
n. Iwein 6595;
dazu vgl. (
mit einer mehrheit von trägern des begriffes): si habent ir sorege geworfen zerucge ... si sulen unsih laiten uʒ tisen arbaiten ... ube wir wellen begen di gewonnehait di si habend.
himmlisches Jerusalem s. Diemer deutsch. gedichte 368, 14;
anders: Socrates spricht: 'du wilt dich lassen den zoren überwinden, nein, tue das voren, das dein gewonhait den zorn überwint'. Vintler
pluemen der tugent 1478 (
var.: manheit); I@1@c@b@2@b@aα))
zur unmittelbaren verbindung mit verbis vgl. hier die spärliche entwicklung der subjectfunction: eʒ waʒ ie ie gewonheit. der Stricker
Daniel 933
Rosenhagen; (
vgl.doe was sîne gewoneheit Veldeke
Servatius 1013);
gegen eʒ ist site mîner herren
Nibel. 1801, 2.
anders zu beurtheilen sind die folgenden wendungen, die der personification sich nähern: er hete in kurzen stunden den helm ûf gebunden und was viel schiere gereit: daʒ lêrt in diu gewonheit. Hartmann
Iwein 4976;
genau so 6998; (
ähnlich, als in
d. g. lêrte) 5329;
vgl. die rechtsformel quum consuetudo dictat
weisthümer 5, 1; so irret mich diu gwoneheit. Konrad v. Fussesbrunnen
kindheit Jesu 75; als in die gewonheit betwanc
altes passional 166, 80
Hahn; dagegen vgl. die reiche entwicklung der objectfunction: eʒ bedarf vil wol gewonheit swer guot ritter wesen sol. Hartmann
Gregorius 1564; David was vil lutzeler gescaft. got selbe gap ime die craft ... got hat inoch di selben gewonhait eʒ wirdet dir huite vil lait, daʒ du wider gote hie stast.
Rolandslied 4456; Patricius het ein gwonheit: swâ er fuor ode reit ...
Patricius bei Kraus
s. 35;
ebenso Rudolf v. Ems
Barlaam v. 1743;
desgl. die milde königin v. 4
s. kleinere mhd. erz. 154
Rosenhagen; (der hunt eine gew. hat) Heinrich v. Hesler
apokalypse (Danziger hdschr.) 22976
Helm; kniete er drie stunt vorwar vlehende in andacht gar gotis groʒe mildekeit, als er da vor gewonheit hatte.
poet. bearb. d. buchs Daniel 5330
Hübner (
akademie-texte 19);
das gleiche leben d. heil. Elisabeth 9790
Rieger; nu hete der künec die gewonheit daʒ er nimmer keinen eit bî sînes vater sêle swuor wan des er benamen volvuor. Hartmann
Iwein 893 (wonhet A.);
das gleiche s. kleinere mhd. erzählungen 197
Rosenhagen; swa ich sin zeichen vinde, daʒ ich zuhant erwinde und muʒ entwichen uʒen wege, wand ich der gewonheit pflege alle zit gewonlich.
passional 347, 68
Köpke; an disem ungewinne, erzeigte ouch vrou Minne ir swaere gewonheit. Hartmann
Gregorius 453; do sprach der bote frone du handelst mich nu schone dein gewonheit du brichest herre unt vater du sprichest.
Tnugdalus s. Hahn 46, 49;
desgl. Iwein 204;
mhd. erzähl. 174, 122; an dem hât diu nâtûr ir gewonhait verändert Konrad v. Megenberg 122. I@1@c@b@2@b@bβ))
unter den präpositionalverbindungen ist auch hier die mit nach
bevorzugt, sie ist mit dem possessivpronomen verbunden, dessen sie aber entbehrt, wenn der einzelne einem brauche folgt, der allgemeiner gilt; vgl.: Gâwein tet eʒ des tages dâ guot als ouch anderswâ und nach sîner gwonheit. diu was, sô man seit, daʒ nie dehein man gesach ... Hartmann
Erec 2722,
ebenso Daniel 7502 (
akademie-texte 19);
mit plural H. v. Hesler
apokalypse 13552;
gegen: sô hin zu dem turneie wolt er in einen zîten nâch gewonheit rîten.
Marienlegenden 4, 14
Pfeiffer; mit sinem luoder winkt er dar dem valken nach gewonhait. Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 7521
Regel; dazu vgl. die belege aus dem übergang zur neuhochd. zeit. in der gleichen richtung halten sich auch verbindungen mit anderen präpositionen, bei denen das pronomen ebenfalls fehlt: dar nâch dô mit gewonheit Jôsaphât ze velde reit, daʒ er mit willen selten lie ... Rudolf v. Ems
Barlaam 32, 7
Pfeiffer; vgl. auch urstende s. Hahn 103, 39; der künec Artûs beleip dâ, daʒ tet er durch gewonheit: (durch die gew.) swer einen volcwîc dô streit ... der Stricker
Daniel 5881
Rosenhagen. I@1@dd)
in die lücken, die der gebrauch der mittelhochdeutschen dichtung noch offen liesz, fügen sich mannigfach verwendungen der rechtssprache ein. für diese war der lateinische —
noch mehr der spätlateinische —
gebrauch der consuetudo
in vielem ein vorbild, in manchem hat die deutsche rechtssprache an gewohnheit
auch neue gebrauchsformen entwickelt, wie sie andererseits auch gegen einzelne richtungen spröder war, so läszt sich z. b. die bedeutung von steuer, abgabe
zwar aus zahlreichen allgemeineren verwendungen erschlieszen, in sicherer ausprägung ist sie dagegen nur selten festzuhalten, vgl.: der — gleich wo ein gsel an dem ent sein aigen hantwerek da verpfent vor den gselen bei schelmen — schelten, mus zwo gwonheit in puechsen gelten, so oft und er das — selbig det. Hans Sachs
heftelmacher-gesellenordnung 23, 67,
desgl. s. 65, 66
s. sp. 6532.
im ganzen empfiehlt es sich, auf bestimmte lateinische formeln der volksrechte und urkunden zu achten, die mit überraschender treue nicht nur in der deutschen rechtssprache wiederkehren, sondern die auch den allgemeineren gebrauch viel beeinflussen, wie die vergleichssätze (
sicut consuetudo est. lex Visig. III, 4, 2 [
monum. germ. s. 147], VIII, 5, 1 [
s. 346]),
die präpositionalverbindungen (
secundum consuetudinem civitatis I, 2, 4 [
s. 41],
juxta consuetudinem IX, 2, 6 [
s. 369],
pro consuetudine XII, 2, 17 [
s. 426]),
vor allem aber auf die zahlreichen abhängigen genetive, die den geltungsbereich kennzeichnen, —
eine auf politischer grundlage ruhende stilistische neigung, auf die schon Montesquieu
aufmerksam machte: on voit par plusieurs monumens, qu'il y (
im langobardischen recht) avoit déja des coûtumes locales dans la premiere e la seconde race, on y parle de la coutume du lieu ...
esprit des loix (1758) 3, 112 (28, 10);
dazu vgl. die älteste deutsche übersetzung von 1753
mit ihrer bemerkenswerthen wiedergabe der einzelnen termini: man siehet aus verschiedenen alten denkmalen, dass es schon unter dem ersten und zweiten königsstamme gewohnheiten dieses oder jenes bestimmten ortes gegeben. man redet darinnen von der gewohnheit des orts, des alten herkommen (
de l'usage ancien), von den gesetzen, von den gewohnheiten (
des coutumes) (28, 12) 3, 880.
bemerkenswerth ist, wie spärlich in den älteren dahin gehörenden verwendungen von consuetudo
der plural vertreten ist, der auch noch im 13.
jahrh. zurücksteht, vgl. abrenunciamus omni juri canonico et civili, civitatensi et municipali, consuetudini scripte vel non scripte (1276)
Basler urkundenbuch 2, 105,
ebenso 125. 215. 296; omni juri consuetudinive (1294)
Pommersches urkb. 3, 215,
vgl.: secundum leges patriae vel loci consuetudinem (1294)
Pommersches urkb. 3, 212.
dagegen vgl. den späteren gebrauch von consuetudo
und von gewohnheit,
wo der plural, namentlich in verbindung mit der häufung von synonymen ein hauptkennzeichen der rechtssprache bildet. I@1@d@aα)
da auch die verwendung bestimmter attribute der rechtssprache schon bei dem gebrauch von consuetudo
eigen, so gewinnen wir als kennzeichen dieser stilform die besondere pflege der verbindungen mit nominibus, die bei dem poetischen gebrauch des substantivs stark gegen die verbindungen mit verbis im rückstand erschien. I@1@d@a@11))
die zusammenstellung mit synonymen, auf die schon bei der abgrenzung des substantivs gegen bedeutungsverwandte (
sp. 6553
ff.)
zu achten war, entspringt bei der rechtssprache zunächst aus dem bedürfnisz, die abmachungen gegen alle etwaige lücken dicht und haltbar zu machen. so schwellen auch die für consuetudo
ausgebildeten lat. formeln immer mehr an, vgl. predicta jura, libertates, proprietates, possessiones, gratias, donationes, approbatas consuetudines atque emunitates, quibus vos ... prediti ac muniti
Brandenburg. urk. f. Grabow (1325)
Mecklenburger urk.-buch 7, 279
u. a. gesteigert wird dieses bestreben durch litterarische neigungen, die um diese zeit auch in die sprache der kanzleien eindringen und die nach italienischem (
lateinischem)
muster auch auf deutschem boden die wortpaare häufen. I@1@d@a@1@aa))
dieser häufung der synonymen geht, wie bemerkt, eine begünstigung des pluralgebrauches zur seite; aller der rechten, rechtungen, si sien geschriben oder ungeschriben ... stett-recht, landrecht, gesäʒden, gewohnheiten der herren und des landes
Habsburger urkunde von 1363
s. Herrgott 3, 714; mit allen diensten, vogtrechten und gewohnheiten
weisth. 5, 131;
ebenso 225. 347;
desgl. (
s. o.) 3, 556
u. a.; bei allen iren rechten freiheidten und gutten gewonheiten zelassende (1339)
weisth. 4, 191; ... ire brivilegia, brieff, gnad ... die sie ... auf alle und iegliche guter, recht und gewonhait herpracht haben, ze bestätigen
urk. v. 1415
s. Andreas v. Regensburg 178
Leidinger u. a. s. oben 1,
a, β; und solliche ire stattuten iren hergebrachten rechten, gueten alten breuchen und gewonhaiten gemäss reformieren
stat. v. Thurn s. österr. weisth. 5, 626; lantteding, freihaiten, recht, alt herkomen und gwonhaiten, so in demselben Clausner gericht ... von alter her ie und albegen in iebung gewest ...
weisth. v. Lienzer clause s. österr. weisth. 5, 618; zu iren landtedingen, iren freihaiten, recht, alt herkomen und gewonhaiten
ebenda 619.
vgl. auch 2, 209; 3, 56. 57; nach innhallt unnser loblichen statutttn, auch guetten allten aprobierten gebrauch unnd gewonhait unnsers gerichts zu Caltharn
urk. v. Kaltern (1519)
s. acta Tirolensia 3, 1
s. 9
u. a. (
siehe die pluralformen sp. 6561); alle gebräuch, herkommen, gefreiete ordnungen und gewonheiten des Römischen reichs policei-ordnung zu wider sind abgethan
reichsabschied zu Augsburg 1548
s. Wehner
observat. liber (1608)
s. 184
u. a.; (
die reichshofräthe sollen) die wahl-capitulation, reichsabschiede ... die privilegia, gute ordnungen und gewonheiten ... observationes und gebräuch in acht nehmen und nach denselben ihre decreta ... richten Londorp
acta publica (1668) 1, 208; nach denen darüber vorhandenen verträgen, abschieden und gewonheiten Klingner 4, 8
u. a. gegen: so ist es allewege ein gewonheit, herkommen und recht gewest
weisthum zu Staffeln (1519),
weisth. 2, 586;
ebenso 5, 712 (
vermehrt durch weisstum, gebrauch); 4, 192 (
vermehrt durch friheit);
das gleiche 1, 245 (
falls hier nicht plural vorliegt); alsdann ain alte löbliche gewonhait und alts herkomen piʒ her gewesen ist
öst. weisth. 3, 351;
ebenso 6, 219; die gerechtigkeit, alts herkomen und guete gewonhait 3, 353; und darwider keine possess, verjährung oder gewohnheit zu allegieren Klingner 2, 367; nach ordnung des gerichts und gewonhait (1474)
öst. weisth. 5, 441; es wird hierbei ein merckwürdiger unterschied der gewohnheit und observantz gemacht, dass letztere bloss eintzelne personen, erstere aber gantze gemeinden angehe Klingner 4, 10. I@1@d@a@1@bb))
der besonderen prüfung bei diesen zusammenstellungen bedarf das verhältnisz von recht
und gewohnheit.
im gegensatz zu den verbindungen mit sitte, brauch, übung
oder der beliebtesten mit herkommen (
vgl. z. b. weisth. 1, 387. 626; 2, 80. 207. 453. 483; 3, 18. 207. 369. 404. 453
u. a.),
die —
innerhalb der rechtsformeln —
identische begriffe häufen (
vgl.: iuxta morem et consuetudinem weisth. 6, 496
anm.),
bilden recht
und gewohnheit
eher contrastbegriffe, die sich ergänzen. nicht immer freilich tritt dies so deutlich zu tage wie in: deʒ sagen wir nüt, daʒ eʒ reht si, eʒ ist ein gewonheit
schwabenspiegel landrecht 87 (
vgl. H. Fischer
schwäb. wb. 3, 639); auch han sie gewieset zu einer gewonheit, und nit zum rechte, dass die landsiedel des stiffts ... eim herrn von Limburgk ein wan foll holtzes sollen fhren
weisthum zu Mokstadt (1365)
weisth. 3, 436;
ganz ähnlich (
mit gewohnde) 1, 491; item das hauptrecht wist man nicht vor ein recht, den vor ein herkommen und gewonheit (
Gensheim) 5, 241;
weniger scharf, aber meist immer noch deutlich treten sich die begriffe bei der verbindung durch oder
gegenüber (
quae de jure vel consuetudine fuerant [1275]
Basler urkundenbuch 2, 91
desgl. 96;
ganz ähnlich 2, 95. 296;
desgl. [1334]
Mecklenburger urk. b. 8, 420
u. a.): wen wettet ie dan rihter nach sinem rehte oder nach guoter gewonheit
schwabenspiegel § 138
Laszberg; ganz ähnlich Züricher urk. v. 1334
s. u.; wer auch sach, das der vorgenanndt unnser herr ... an andern dingen ... recht hetten oder mit der gewohnheidt herbracht hetten
Münster 1339
s. weisth. 4, 191; ... czu gehorungen, die von rechte adir von gewonheit czu demselben halben dorfe gehoren und gehoren mogin ...
urk. v. 1399
bei Meitzen urk. schles. dörfer 39; alle die recht, sie sein geschriben oder nicht geschriben, sie habens mit dem rechten oder mit gewonhait, von alter her auf dise zeit bracht
Freisinger urk. von 1379
s. Meichelb. 2, 168; die frohnen und dienste, so viel deren, rechts oder gewohnheits wegen, von euch gefordert werden
s. Klingner
dorf und baurenrecht 4, 7.
wo die substantiva durch die partikel und
verknüpft sind (
vgl. secundum jus et consuetudinem [1328]
Mecklenburger urk.-buch 7, 462; jus ... et consuetudo
weisth. 5, 1
u. a.),
wird der gegensatz natürlich noch nicht aufgehoben: ein form und weiss zu handeln ... die den keiserlichen rechten und guter gewonheit nach bestendig sein mochte
Bamberger halsgerichtsordnung § 2
s. Kohler u. Scheel 2, 4;
aber der gegensatz wird hier doch gemildert und vielfach verschleiert: etwa ist reht und gewonheit daʒ man vogetes dinc gebiutet dristunt in dem iare ... so ist etwa sitte daʒ man burgraven hat. der sol rihten. uber unrehte metzen
schwabenspiegel landr. § 1.
s. 5
Laszberg; als gewonheit und recht ist in dem Rinkgau
weisth. 4, 573; 4, 623; eʒ ist auch von alter her recht u. gewonhait, daʒ ain ieclich schulthaiʒe sweren sol (1300)
Nürnberger polizeiordnungen 7
Baader;
u. a.; als das vor langen zeiten recht und gewonheit ist gewest
weisth. zu Kirburg 1461
s. weisth. 1, 640
desgl. weisth. 3, 656. 658. 659. 661. 731
u. a. Reyscher
altwürtemberg. statutarrechte s. 47
u. a.; desselben hofs gewonheit und rechtung
öfnung v. Winkel (1417)
s. weisth. 1, 86;
desgl. 1, 38; nach des purgrafen ampt, rechten und gewonhaiten ist
weisth. 5, 101;
ähnlich 5, 420; 2, 144; 2, 254; das recht zu sprechen noch des hofes recht und gewonheit zuo Spechbach 4, 34, 48;
ähnl. 4, 273; 5, 85 (nach rechtung und gew.); von rechts und gewonheit wegen 9, 181
u. a.; das gleiche Grimmelshausen
Simpl. 185; nach recht und gew. Mathesius
Sarepta (1571) 21
b; alles nach ihrem lust und gefallen, hindangesetzt der recht und alters gewonheiten administrirn.
lermenblasen und ursachen des ... kriegs zw. d. catholischen u. calvinisten (1616)
s. Londorp 1, 305
b (1668);
dazu treten weitere momente, die die begriffe näher bringen, wie der pluralgebrauch, vgl. die rechte
in der obigen Freisinger urkunde, vgl. alle ihre gericht und guten gewonheiten, so si untzhar gebrucht hand, und auch nürlich geordnet haben, si sigend ietz uff ir stattbuch geschriben, oder werdent noch daruff geschriben
Züricher urkunde von 1393
s. Tschudi 1, 579;
vgl. auch die negirung: soliche unbilliche gewonheit und unrecht
bei Herrgott
genealogie dipl. Habsb. 3, 791; dasz gottsheuser und closter dick von gezwungen diensten und von ungerechtem gwalt, bosz gwonhait und onbillich recht wachsend und grossen schaden bringen J. Knebel,
chronik v. Kaisheim 127 (1531)
Hüttner;
noch weiter führen die compositionsformen s. u. dieser mannigfaltigkeit des gebrauches gegenüber hatten die versuche der rechtswissenschaft, die beiden begriffe in ihrem gegenseitigen verhältnisz zu bestimmen, einen um so schwereren stand, je mehr sie von den einzelheiten weg allgemein gültigen sätzen zustrebten. vgl. schon: des auteurs ont cru, que ce qu'on nommoit des coutumes, étoient des loix des peuples barbares et que ce qu'on appelloit la loi, étoit le droit Romain. je prouve que cela ne peut être. Montesquieu
esprit des loix (28, 10) 3, 113;
dazu vgl. die bei gewohnheitsrecht (
s. d.)
angezogene litteratur. frühzeitig wird mit einem negativen bestimmungsmerkmal operirt, dem gegensatz gegen das geschriebene recht: nach rechtem lantrechte u nach geschribenem rechte,
sicut ordo juris et consuetudinis exigebat deutsche und lat. fassung (
in umgekehrter reihenfolge)
einer Klingenthaler urkunde von 1276
s. Basler urkundenbuch 2, 118;
vgl. gewohnheiten und dann die geschriebene recht
altes badisches landrecht (1622) II, 4 § 2
u. a. aber dieses merkmal versagte gegenüber der späteren aufzeichnung der gewohnheiten in den weisthümern, vgl. z. b. gewonheit consuetudo. tacito consensu introducta. jus non scriptum ... paulatim tamen etiam multae consuetudines memoriae causa, in scripturam redactae sunt Haltaus 706;
daher wurde schon früher ein weiteres negatives merkmal mit gewohnheit
verknüpft: gewohnheit ... wird sonst dem geschriebenen recht entgegengesetzt, nicht als ob sie nicht in schrifften könnte gebracht werden, sondern weil sie ohne promulgation des oberherrn in einem lande durch langen gebrauch als ein recht eingeführet wird J. E. v. Beust
tract. de jure venandi (1744) 610;
in der verbindung durch langen gebrauch als ein recht eingeführet
liegt überdies ein positives bestimmungsmerkmal, das sowohl aus der bedeutungsentwicklung des substantivs gerechtfertigt ist als auch mit den vom römischen recht entlehnten positiven inhaltsangaben für die consuetudo,
die den gebrauch unseres substantivs vielfach beeinfluszt haben, übereinstimmt, vgl.: consuetudo igitur & observantia ... sunt actiones plures uniformes hominum in una societate civili familia majore viventium
P. Herff [(praeside) C. Thomasio],
dissertatio inauguralis ... de jure consuetudinis et observantie (
Halae 1699)
s. 7; zu einer zu rechte beständigen gewohnheit wird erfordert, 1) dasz sie der gesunden vernunfft gemäsz sei; 2) dasz die actus, oder geschichte, wodurch eine gewohnheit wil eingeführet werden, zum öffteren vorgefallen; 3) dasz dieselbe actus zur wissenschaft majoris partus populi ... gekommen, worausz tacitus populi consensus ... zu mutmassen; 4) dasz die gewohnheit alt sei, und von vielen jahren hero im schwange gangen Schlüter
s. 3 (
ähnliche definitionen für englisches custom
und franz. coutume
ebenda)
u. a., vgl. solchem nach wird die gewonheit betrachtet: als ein recht, welches vermittels der stillschweigenden einwilligung des oberherrn durch die widerholeten gleichförmigen, schicklichen, auch unverrückten handelungen der untertanen binnen einer rechtmässigen zeit eingefüret wird Estor 3, 54. die Teutsche sahen ungemein auf ire bräuche und gewonheiten. dise machen ebenfalls einen teil der rechte aus, im falle sie ire behörige erfordernisse haben und erweiszlich zu machen sind
ebenda. unter bestimmten bedingungen kommen gewohnheit
und recht
also in ihrer bedeutung eng zusammen, wobei die formeln gern bald das eine, bald das andere wort auch sprachlich näher bringen. zur gewohnheit
treten attribute: gute, rechte, zu rechte, beständige gew.,
das recht
wird durch ableitungen wie gerechtigkeit
ersetzt: nach uralt hergebrachter gew. und gerechtigkeit (1494)
öst. weisth. 9, 186; hie ist vermerkt die gewonhait und gerechtigkait der nachpaurn ze Stumb gegen ein ander ie und ie gehalten habent von etzung und besuch wegen
weisth. v. Stumm s. österr. weisth. 2, 145; vermerkt der stat Braunegk gerechtigkait, gewonhait und altz herchomen, die man haltet 5, 467;
ebenso 2, 139; 6, 8
u. a. solche sprachliche differencirung der substantive dient aber nicht nur dazu, sie einander begrifflich näher zu bringen, sie tritt auch da ein, wo die gegensätze hervorgehoben werden. namentlich machen sich in verbindungen von recht
die merkmale geltend, die der gewohnheit
abgehen: wenngleich eine gew. wieder ein beschriebenes recht lieffe, so müste dennoch, wenn alle zur gewohnheit erforderte umstände vorhanden, und die gewohnheit nach publication oder kundmachung des beschriebenen rechtes aufkommen, sothane gewohnheit von solchen würden geachtet werden, dasz ein richter ... nach der gewohnheit urtheilen müste Schlüter
s. 2. gewohnheit
erscheint also als eine rechtsquelle, und den contrastbegriff bildet das kundgemachte oder publicirte recht, das wir jetzt als gesetz bezeichnen und dessen hauptmerkmal darin besteht, dasz es nicht durch langen gebrauch wie die gewohnheit,
sondern durch den act der festsetzung (
und veröffentlichung)
unmittelbar eingeführt wird: das recht wird abgetheilet in ... die gesetze; und das ungeschriebene so in den gewonheiten bestehet Butschky
rosenthal (
cap. 526)
s. 1097,
s. auch 1007; hält es vor billiger, dass hierunter ins künfftige den landesconstitutionen, gesetzen, gewonheiten und allgemeinen rechtes nachgegangen werde (1749) Klingner
dorf- und baurenrechte 1, 600,
desgl. 3, 20; sobald gewohnheiten oder gesetze über privatgeschäfte der unterthanen entstehen J. S. Pütter
jur. encyclopäd. s. 45,
desgl. 34;
vgl. auch J. H. Hermann
teutsches systema jur. civ. s. 24
u. a.; seine gesetze waren lange von ihm selbst bewilligte gewohnheiten, über die er nur als ein freimann von seinesgleichen konnte gerichtet werden Herder (
wie d. dtsch. bischöfe) 5, 680; ihre alten gesetze und gew. 14, 522; so lebt dies volk noch jetzt in gewohnheiten, die eigentlich nur aus seiner asche zu gesetzen gesammlet wurden (
ideen 4, 18) 14, 360; die gewohnheit hat sich in ein gesetz verwandlet Abraham a S. Clara
lauberhütt 2, 59; wie ... uralte gewohnheit zum förmlichen gesetz, wie häusliche sitte zur bürgerlichen pflicht (sich verhält) Herder (
archäologie des morgenlandes) 6, 68; gesetz und gewohnheit habe mit der ehe gar strenge fesseln vereinigt, und nicht selten folge nach einem kurzen zeitraum die bitterste reue Heinze (
Hildegard 3) 6, 141.
auf einen solchen gegensatz scheint schon die lat. formel omni juri, statuto seu consuetudini (1277)
Basler urkundenbuch 2, 125 (
vgl. auch 2, 223. 296)
zu deuten; wie weit die deutschen entsprechungen sich anschlieszen, entzieht sich unserer beurtheilung: statut und gew.
öst. weisth. 6, 8; ordnungen, statuten und gewonheiten P.
M. Wehner
observat. liber (1608) 181; ordnungen ... gebräuch und ... gewonheiten
ebenda; dazu vgl. gewonheit
und gesezede
u. a.: ich verzihe mich ôch alles schirmes gaischeliches und welteliches gerihtes ... aller gewonhait und aller gesezede der lande und der stette, und aller briefe des bapstes
urkunde von 1313
s. ztschr. f. gesch. des Oberrheins 12, 229; und ensol ôch uns ... hievor nit schirmen ... enkein frieheit satzunge noch gewonheit der herren, der stetten noch des landes
schuldverschreibung aus Solothurn (1392),
s. urk. z. Schweizer gesch. 2, 266; die nach den selben geseczen und vernichtïgen gewonhaiten richten und urtailen
urk. v. 1415,
s. Andreas v. Regensburg 179
Leidinger; alte gew. und gesatzt ... des gerichts Schlanders
öst. weisth. 3, 167; alte gewonheit ablegen, compact und vereinung ufflöszen, die gesätz verschlagen ... (
consuetudine abolita) Ulr. v. Hutten (
Vadiscus) 4, 208
Böcking; was ain gesatzt und gew. hie
dtsch. städtechron. 5, 73;
dazu vgl. auch: hant wir inen bestetiget alle iriu recht friheit und guote gewonheit und die gesetzde die man da nennt zünfte
hantfeste von bischof Johann 1337,
s. urkundenbuch v. Basel 4, 125; nach jres heiligen ordens ghwonheit und gesätzen
stiftsbriefe für das kloster zu Abensberg (1485),
s. Hund
metropolis Salisb. 2, 227; nach gesatz und wohnheit 227.
in der neueren gegenüberstellung der gewohnheit gegen ihren contrastbegriff geht sie zusammensetzungen mit recht
ein, vgl. rechtsgewohnheit
für die einzelne erscheinung, gewohnheitsrecht
für das gleiche und für den begriff als ganzes; vgl.: von dem tag an ... ist ... die kraft aller land- und stadtrechte und aller rechtsgewohnheiten aufgehoben
einführungsedict zum bad. landrecht von 1809, § 17 (
s. justizgesetze f. Baden 1, 560); nach gemeinem ... römischen rechte sollte die gewohnheit in der that rechtsgewohnheit sein,
d. h. sie muszte gegenständlich auf rechtsverhältnisse sich beziehen Wetzer
u. Welte 5, 575;
gegen: wir verordnen noch ausdrücklich, dass die andern gemeinen rechte ... auch nicht einmal als gewohnheitsrecht, welches wir überhaupt ... aufheben, geltend gemacht werden sollen 2.
einführungsedict § 3 (
ebenda 1, 564).
der tiefstand in der werthschätzung des gewohnheitsrechts, der hier zum ausdruck kommt, hängt mit der allgemeinen überschätzung zusammen, die jene zeit der gewaltsamen durchführung einer auf vernunftgründen beruhenden, für alle geltenden norm entgegenbrachte. über die gegenströmungen gegen diese auffassung vgl. bei gewohnheitsrecht.
hier vgl. noch: ein rechtsgebäude, welches zwar aus der fremde ... hergeholt war, aber durch ... die nüchterne, klare und genaue auffassung der rechte und pflichten die sinnbildlichen handlungen und hundert unverständig gewordene gewohnheiten in den hintergrund drängte G. Freytag (
bilder a. d. dtsch. vergangenheit 2, 5) 19, 152. I@1@d@a@22))
attribute treten zum substantiv vor allem da, wo es sich den einzelnen formen der verwirklichung zuwendet, nicht da, wo es den begriff als ganzes zum ausdruck bringt. sie zielen auf die verbindlichkeit und gültigkeit einzelner bräuche und gehen zumeist von den oben besprochenen normen aus, wobei sie vielfach lateinischem vorbilde folgen. I@1@d@a@2@aa))
auch hier kehrt zunächst der begriff des rechts
wieder, diesmal in der kategorie des adjectivs, in der es eins der beliebtesten beiworte der älteren sprache wird. über den engeren rahmen der rechtssprache weist dieses beiwort höchstens in der negirten form hinaus: sve den tegeden na rechter gewonheit gift, die hevet ene wol gegeven
sachsenspiegel II, 48 § 10;
ebenso (na rehter wonheit) I, 63 § 4
u. a.; nach rehter warheit so hat sich eigenschaft von twancsal und von vancnusse erhaben, und von manegem unrehten gewalte, den die herren von alter her in unrehte gewanheit gezogen hânt
schwabenspiegel 256, 7 (
die stelle schon im sachsenspiegel III, 42, 6 unrechte wonheit); daz der keiser nit en hat so sere virboten, so unrecht gewonheit, die die lute machen, wan unrecht gewonheit die phlanzet wit und verleitet die lute ... wo man die findet, die unrecht gewonheit halden, daz man die zu gerechter gewonheit brenge
kaiserrecht II,
cap. 47
Endemann. I@1@d@a@2@bb))
dagegen greift der gegensatz von gut und böse über die rechtssprache hinaus (
s. u.),
in der er schon in den ältesten belegen an die erste unter den forderungen anknüpft, die für eine zu rechte beständige gew.
als unerläszlich angesehen werden. es läszt sich nicht leicht feststellen, wo in jedem einzelnen falle die ethische bedeutung von gut
vorwiegt und wo die mehr geschäftsmäszige deutung statt hat, die auf nichts anderes hinausläuft als rechte gew. I@1@d@a@2@b@aα)) von guoter gewonheit suln wir hie sprechen ... swa guot gewonheit ist die ist guot ... und reht ... wan diu da reht ist diu ist och gut ... daz ist guot gewonheit ... und rehtiu gewonheit ... diu wider geistlichem reht niht ist ... und diu wider den menschelichen zuhten niht ist ... noch wider der selicheit nit ist der eren ... und der sele ... disiu gewonheit heiʒet stete und rehte gewonheit ... und des landes guotiu gewonheit ... guotiu gewonheit ist als guot als gescriben reht ... daʒ bewaret disiu srift (
de jure scripto)
schwabenspiegel landrecht (§ 44),
s. 24
f. Laszberg; als im danne gesetzet ist nach guoter gewonheit (§ 121)
s. 60 (
vgl.: secundum jus et bonam consuetudinem [1274]
Basler urk. b. 2, 81
u. u.); von recht oder von guoter gewohnheit tuon
urkunde von 1334,
Züricher urk. b. I, 57
Holz; ganz ähnlich Bamberger halsgerichtsord. § 2
Kohler-Scheel; dazu vgl. weisth. 4, 297; 5, 239; 1, 99;
öst. weisth. 5, 421; 603
f.; 2, 203; mit sambt iren alten herkhumen und guten gewonheiten die sie redlich erworben
Karls V. bestätigung für Alpirsbach (1530),
s. Reyscher 51;
vgl. auch schon weisth. 4, 191; guter gewonheit wegen, als die die gepurschaft und daʒ dorf von alter her praht hand
rechte zu Langenerringen (1378)
weisth. 3, 642; wie an jedem ort mit guter gewonheit herkomen ist
Carolina § 80,
s. Kohler-Scheel 1, 45;
dazu vgl. (
s. u.) alte gute gew.; gute redliche gew.
öst. weisth. 9, 491; gute gew. 3, 356; 6, 219; auff bösz gewonheit urteil geben die dem rechten wider streben ist diser plinden narren leben.
holzschnitt der Bamberger halsgerichtsordnung; s. Kohler-Scheel 2,
einl. s. 41;
vgl. schon bose gewonheit sal man abtun, daz ir die lute icht geergert werden
kaiserrecht II,
cap. 47;
vgl. de mala consuetudine, consuetudines injustae, detestabiles, perniciosae s. Endemann a. a. o. vgl. auch unten sp. 6560. I@1@d@a@2@b@bβ))
weniger verbreitet sind einzelne bezeichnungen ähnlicher richtung, die enger an lateinische formeln sich anlehnen (iuxta ... approbatam nostre consuetudinem civitatis
Basler urk. b. 2, 61 (1273); secundum approbatam et ... confirmatam consuet. Basil. civit. (1274) 2, 73;
desgl. (1295)
Pommersches urk. b. 3, 226;
secundum terre consuetudinem approbatam (1276)
fontes rer. Austr. II, 31, 337
u. a., [1325]
Mecklenburger urk. b. 7, 279;
ebenso [bonos usus et app. cons.] Haltaus 717;
statuta et consuetudines laudabiles Mecklenb. urk. b. 9, 68 [1337];
et consuetudinem rationabilem et praescriptam [1328] 7, 462; iuxta antiquam laudabilem consuet.
goldene bulle 160
Zeumer (
cap. 1),
u. a.): die teutschen gewonheiten sind bald vilerlei, teils allgemeine, teils besondere, bald löbliche und gute, bald böse, auch tadelhafte, so wohl bejahende als auch verneinende Estor 3, 55; gute unde lobeliche gewonheiten zu mehren ... ungöttliche unbillige bräuche abzunemen
s. Haltaus; lobeliche gew. [1358]
ebenda; pei alter und leblicher gebonat und gerechtikat
weisth. v. Friedberg (16.
jahrh.)
s. österr. weisth. 6, 90; lobliche gew. 3, 351; 3
u. a.; vgl. auch löbliche gewohnheiten und dann die geschriebenen recht
altes badisches landrecht (1622) II, 4, § 2; solche unbilliche gewonheit und unrecht
diplom könig Ruprechts s. u.; nach den ... landspreuchigen gewonheiten (1650)
öst. weisth. 7, 903; da alwege al ehaftnen gewonhaiten ... des gotzhus Ittingen jährlich eröfnet werdent (1420)
weisth. 5, 108; redliche, ehrbare, vernünftige gewohnheiten
im Hamburger statut s. Schlüter
s. 4; es soll eine gute und vernünfftige gewonheit sein
s. Besold-Diether
continuationes (
Nürnberg 1679)
s. 239; unvernünftige böse gewohnheiten (illaudabiles cons.) Wehner
observat. liber (1608) 181; was dergleichen hergebrachter und beweisslicher gewohnheiten mehr sein möchten Klingner 3, 240;
vgl. auch heilsame ordnungen, gute erbar gebräuch, und wolhergebrachte geübte gewonheiten P.
M. Wehner
s. 181; wohlhergebrachte gewohnheiten
einführungspatent z. allgem. preusz. landrecht (1794); rechtsbewährte und erwiesene gewohnheiten C.
F. Glück
erl. d. pandekten 1, 413; die gewohnheit wird eingetheilet in allgemeine durchgehende gew. und localische oder ländische gew. J. H. Hermann
teutsches systema jur. civ. (1762)
s. 56; algemeine gewonheiten H. C. v. Senkenberg
rechtsgelehrsamkeit (1764) 67; algemein gebilligte gewohnheiten L. Fenderlin
versuch eines auszugs d. röm. gesetze (1783) 1, 18; partikulare gewohnheiten haben nicht die kraft, reichsrecht zu brechen. ob allgemeine deutsche gewohnheiten im stand sind reichsgesetze aufzuheben, ist offene frage H. Dernburg
lehrb. d. preusz. privatrechts (§ 21) 1
5, 41. I@1@d@a@2@cc))
an ein anderes bestimmungsmerkmal, das anscheinend als wichtigstes empfunden wurde, knüpft eine weitere gruppe viel beobachteter attribute an: das römische recht hatte die formel der consuetudo longa
vorgebildet, die aber für das deutsche nicht so ergiebig ist ... wann lange gewonheit, di bewert ist mit vorhenknusse und ubunge, di volget pilleich nach dem rechten (
diuturni mores)
Iglauer jus regale mont. (1, 5 § 9) 63
Zycha; hier wird mehr mit der consuetudo antiqua
operirt, vgl. ut conventus secundum consuetudinem antiquam fiat
lex. Alam. 36
s. monum. germ. leg. I, 5, 1
s. 94
das gleiche Mecklenburger urk. b. (1325) 7, 301;
vgl.: secundum veterem consuetudinem in usufructu liceat possidere ... leges Burg. (
lex. Romana 26, 2)
s. 147
u. a.; und wer diu ze reht hat von alter gewonhait
urk. v. 1293
s. mon. germ. leg. 4, 3
s. 617; aus alder gewonheit
weisth. 3, 845; do ich ... zu dorfrecht sas an der gassen zu Partschins nach alter gewonhait, da fragt ich ... (16.
jahrh.)
s. österr. weisth. 5, 23; nach alter gew.
weisth. 5, 271
Grimm; 4, 564. 733; 5, 317; 4, 569; 5, 262. 323;
öst. weisth. 5, 31, 6, 26;
vgl. auch item 5 fird. eime boten mit unsers hofmeisters briefe dem kuninge von Polen gesandt, das her noch alder gewonheit den tag zu Moryn mit sime rathe halden wellen
Marienburger Tresslerbuch (1399—1409) 314
Joachim; ... alweg soll zuesechen, damit es bleib bei alter gwonheit
Tisner gemeindebrief (1364)
s. österr. weisth. 5, 169,
vgl. auch 3, 239; eine alte gewohnheit, wie es jeder zeit gehalten worden, ist stärcker, dann brief und siegel
N. Meurer
s. Besold-Diether
continuationes (1679)
s. 239;
vgl. weisth. 1, 623; 1, 689; 3, 659 (
s. u.); alte gute erbare redliche gewohnheiten Haltaus 716
u. a.; es wäre dann, dasz durch beständig hergebrachte gewohnheit in einem lande der schlusz von der ... gerichtbarkeit auf die jagd vor gültig erkennet würde J. E. v. Beust
tractatus de jure venandi (1744)
s. 59; die unterthanen hätten dieses lehngeld jederzeit bezahlet, folglich wäre ihnen dessen schuldigkeit bekannt gewesen, die beständige gewohnheit müsse den titulum abgeben Klingner 4, 170;
ebenso 4, 1017 (
aus 1659)
dazu vgl. Matth. Schlüter, rechtsbegründetes tractätelein von einer zu rechte beständigen gewohnheit
Hamburg 1694;
vgl. auch J. E. v. Beust
tract. de jure venandi 610; tief eingewurzelte gewohnheiten Pütter
beitr. z. teutschen staats- und fürstenrecht 2, 18; neu aufkommende gew. 2, 19; eingeführte J. H. Hermann
teutsches systema jur. civ. 51; eine geübte gew.
ebenda; desgl. Wehner 181 (
s. o.); dass es eine geübte gew. sei Beust
de jur. venandi 612. I@1@d@a@33))
die bedeutung, die den possessivbestimmungen gerade im rechtssprachlichen gebrauch des substantivs zukommt, ist schon mehrfach gestreift worden, vgl. den beleg aus Montesquieu
sp. 6544;
vgl. die entsprechende erscheinung bei synonymen wie brauch
s. sp. 6538.
auch hier stimmen die deutschen formeln mit lateinischen über ein, doch begegnen auch abweichungen, z. b. scheinen adjectivische bestimmungen (
vgl.aut Romanam consuetudinem aut barbaricam esse servandam
leges Burgund. liber constitut. 60
s. 92;
u. a. consuetudinem Rostoccensem
Mecklenb. urk. b. 7, 462)
in der älteren deutschen sprache gemieden und dringen erst viel später ein: teutsche rechte und gewohnheiten werden mit stillschweigen übergangen J. S. Pütter
entwurf einer jur. encyclopädie (1757)
s. 24; wenn ja noch was von teutschen gewohnheiten und rechten, als chur-mede, landsiedele, erb-pacht, eisernvieh, meyer, laszschilling und erbzins-güthern, abzugsgelde, morgengabe, weergeld, gerade, hergewette ... erlernet wird, so musz die natur und wesen derselben ausz denen frembden rechten gezeiget ... werden
s. 25;
vgl. auch Dernburg (
s. o.) 1, 41
u. a. die ältere sprache bevorzugt für ähnliche fälle ortsbestimmungen: die offnung des herkomen und der gewonheit zue Küssenberg (1497)
weisth. 5, 219; wie sichs gebühret und im Jochemthal gewohnheit und recht ist
urk. v. 1532
s. cod. dipl. Siles. 21, 21; doch ist gewonhait in dem land, daʒ ainer bestetigt selb dritter
Steiermärk. landrecht (
art. 216) 162
Bischoff; auch dem possessivpronomen kommt hier keine besondere bedeutung zu: und wollen der nicht haben (
als steiger), di vor diser saczunge arme leute mit irer gewonheit (
var. ungewonheit) gedruckt und vorleitet haben (
quorum abusus)
Iglauer jus reg. mont. (1, 9 § 1) 93
Zycha u. a.; überwiegend erscheinen subjective genetive, und diese sind zumeist bei dem in präpositionalverbindung stehenden substantiv beobachtet. vor allem gehört hierher die deutsche entsprechung zu der oft wiederholten lateinischen formel: secundum terrae consuetud.; vgl.: secundum consuetudinem civitatis. leges Visigoth. I, 2, 4
u. a. secundum locorum consuetudinem. leges Burg. lex Romana 22, 4
u. a. secundum consuetudinem terrae. Basler urkundenbuch 232, 19; 216, 1
u. a.; secundum terre consuetudinem (1303)
Mecklenburger urk. b. 5, 111
desgl. 5, 174;
secundum consuetudinem generalem terrae (1308) 5, 412
u. a.; fontes rer. Austr. II, 31, 337
u. a. (
juxta Marchiae consuetudinem II, 31, 159. 204).
dazu vgl. nun: ein iegelich fürste hat nach sines landes gewonheit buoʒʒe ... und ouch di richter nach ir gewonheit
schwabenspiegel landr. § 139
Laszberg s. 67; dat deme clegere gerithet werde na des landes gewonheit
urk. könig Rudolfs (1281)
s. monum. germ. leg. 4, 3
s. 283;
ebenso s. 277; (gewisheit tun nach
d. l. gew.) 279
ähnlich schwabenspiegel landr. § 44; (des l. wonheit)
sachsenspiegel III, 73, 3; nach landsgew.
weisth. 1, 615; in dem Intale ist lantgewonhait
öst. weisth. 5, 15; als lands und thals gewonhait ist 5, 96
u. a.; wie landes gew. und recht ist 612; wider lantsgewonheit 2, 8; vordingt sich noch der zent gewonheit und wist und sprach zu recht (1457)
weisth. 1, 448; nach gew. und recht des dorfs (1518)
weisth. 1, 244; noch der stette gew.
weisth. 5, 368; si sullen sich auch halden noch guter stete gewonheit (
ad bonarum consuetudinem civitatum)
Iglauer jus reg. mont. (1, 5 § 16) 69
Zycha; dieselben pfamd er verrechten sol nach dess egenanten huses gewonheit (1483
johannitterhaus Bubicon)
weisth. 1, 67; laut unsers gotzhaus privilegi, freihait und gewonhait 6, 179; dasz die gesetzlichen bestimmungen nur für den fall gegeben worden, wenn über den gegenstand durch wohlhergebrachte gewohnheiten eines orts oder distriks nicht ein anderes eingeführt wäre
einführungspatent v. 1794
zum allgem. preusz. landrecht. gegenüber dieser bevorzugung des subjectiven genitivs innerhalb der präpositionalverbindungen von gewonheit
stehen andere formen ganz vereinzelt da, wie z. b. die verbindungen mit dem substantiv, das unmittelbar neben verbis steht: landts gewonheit, wie man erbet und enterbet, das vernemet
weisth. 1, 244; ist des hofs gew.
weisth. 3, 460; die gewonheiten der fürstenthumben, herrschafften und gerichten, so redlich, erbar, sind in acht zunehmen Rudinger
observationes (1611)
s. 207; so entstehen aus gebräuchen einzelner familien gewohnheiten ganzer gemeinheiten, städte, länder oder auch ganzer stände J. S. Pütter
beiträge z. teutschen staats- und fürstenrecht 2, 13; am ende dieser periode werden die gewohnheiten der deutschen völkerstämme gesammelt und niedergeschrieben Eichhorn
dtsch. staats- u. rechtsgesch. 1
3, 4. I@1@d@a@44))
objective genetive oder entsprechende infinitivfügungen widerstreben dem stil der rechtssprache, der den inhalt der gewohnheiten breiter in sätzen entladet; als ausnahme vgl.: die bisherige gewohnheit, welche als gefälligkeitsleistung bekannt ist, von fremden gemeinden das vieh oder ziefer zur sümmerung aufzunehmen, wird gänzlich hiemit abgeschafft
dorfordn. v. Flirsch (1818)
s. österr. weisth. 3, 245. I@1@d@bβ)
für die verbindung des substantivs mit verbis ist die rechtssprache nicht so ergiebig wie für die mit nominibus. I@1@d@b@11))
die subjectfunction zeigt in der verbindung mit dem verbum substantivum (
ältere)
formen, die beim einzelnen rechtsfall auf den gesammtbegriff der gewohnheit in einem vergleichssatze bezug nehmen, und (
jüngere)
wendungen, die einzelerscheinungen als eine gewohnheit kennzeichnen. also auch hiebei treten sich die beiden richtungen in der entwicklung des rechtsbegriffes gegenüber. die ersteren schlieszen sich enger an lat. formeln an: sicut consuetudo est, lex Visigoth. III, 4, 2 (
monum. germ. leges I, 1, 147); VIII, 5, 1 (346);
lex Burgund. 57 (I, 2, 1,
s. 91
consuetudinis);
sicut juris est et consuetudinis terrae (1283)
Basler urkundenbuch 2, 232;
prout generaliter est consuetudinis hujus terrae (1324)
Mecklenburger urk. b. 7, 223;
dazu vgl. nun: als des landes reht und gewonheit ist (1358)
weisth. 3, 697; als dan das vor langen zeiten recht und gewonheit ist gewest (1461)
weisth. 1, 640;
ganz ähnlich 2, 207; 3, 455; und man das mit der stadt insiegel siegeln solle als dan biszher gewohnheit ist
Frankfurter statut v. 1531
s. erläuterungen z. Frankfurter ref. (1752)
s. 8;
dagegen vgl.: si sprechen das gewonheit sie — das ... (1388)
weisth. 3, 401; das von alter her bi unsern vordern ... ein gut gewonheit gewesen ist ... wer die güter inne hett in dem selben dorff ... der mag wol hofstett da von verlihen
weisth. 1, 91;
ebenso 6, 484; ein lantgerichte im Cleggauo ... daran soliche gewonhaid si: wan das geschehe, das zwene ... mit einander zu rechten haben, welcher teil dan mer lute dahin bringe ... das derselbe dan das rechte wider den andern behalte
diplom könig Ruprechts (1410)
s. Herrgott dipl. Habsb. 3, 791; zum ersten ist ein gewohnheit und alt herkommen
weisth. z. Lauterbach (1589) 3, 369;
ähnl. 1, 623; 3, 460; so ist es allewege ein gewonheit, herkommen und recht gewest (1519)
weisth. 2, 586;
ähnl. 2, 413; 1, 689; 3, 659; und von alters her war gewohnheit, dass einer mocht nemen 4 huber an sinen rathe (
Lörrach 1492)
weisth. 1, 328; es ist auch von alter her gewonhait und der gebrauch gewesen, das ... es ist auch ie und ie von alter her für und für gewonhait gewest ...
weisth. v. Schenna s. österr. weisth. 5, 769;
ebenso 2, 75;
andere formen kommen kaum in betracht: was demselbigen schultheissen dagegen gebühret weiss er selbst und bringt die gewohnheit mit sich
weisthum v. Pommern (1606)
weisth. 2, 447; doch soll wol in acht genomben werden, damit nicht ander gewonhait dan ier altes herkomen vermag ehrwagsen
weisth. v. Vorau (1603)
s. österr. weisth. 6, 115. I@1@d@b@22))
für die objectfunction überwiegt beim substantiv die beziehung auf einzelerscheinungen, in denen der begriff der gewohnheit erfaszt wird. hier nimmt die im gemeinen sprachgebrauch so verbreitete verbindung mit haben
besondere bedeutung an, sie scheint sich nicht an eine lat. formel anzulehnen (
anders: habuerunt et hoc in consuetudine
leges et statuta familiae St. Petri. weisth. 1, 806): waʒ rechtis und gewonheid unser herre von Veldentze hette in sime hove
weisth. 5, 656; item sie haben die gewonheit 4, 610: iere alten recht und gewonhait, die si ie und ie gehabt habend
öst. weisth. 3, 209
u. oft; wann die pergmeister mit andern amptleuten haben ein gewonheit gehabt, das ... (
consuererunt)
Iglauer jus reg. mont. (1, 7 § 22) 87
Zycha; der rechtssprache als solcher entspringen andere wendungen, die zum theil auf lat. formeln zurückführen: unrecht gewonheit halden
kaiserrecht II
cap. 47 (
vgl. consuetudinem teneamus. leg. Visigoth. XII, 2, 17 [
s. 425]); also hat mein herr von Stambs unz heer gen euch auch solich gewonhait gehalten
weisth. v. Stonns (16.
jahrh.)
s. österr. weisth. 3, 56;
desgl. 2, 193; 7, 456, 539. 8, 18
u. a. vgl. dieselbig gewonheit sol auch gehallten werden
Carolina § 85; bose gewonheit sol man abthun
kaiserrecht II,
cap. 47; das furbas soliche unbilliche gewonheit und unrecht abgetan werden
diplom könig Ruprechts (1410)
Herrgott 3, 791; abnemen (1331)
s. Haltaus 718; die und dergleichen gewonheiten, wollen wir, das ein jede oberkeit abschaffen, und daran sein soll, dass sie hinfürter nit geübt, gebraucht oder gehalten werden
vgl. Rudinger
observationes (1611) 208; in allen diesen fällen aber die gewohnheiten in acht genommen und die rechtsprüche darnach abgefasst
s. Klingner 4, 85;
das gleiche 4, 246; hain wir scheffen desselben gerichts uszgesprochen ein alt gewonheit und herckomen (1452)
weisth. 5, 247; und hiess sie weisen der Marg alt herkomen, gewanheit und recht
weisthum zu Altenstadt (
Wetterau) [1485
übern. 1542] 3, 453;
öst. weisth. 5, 603; erweisen v. Beust
tract. de jure venandi 615; öfnen
öst. weisth. 2, 136; erfragen 5, 603; dasz auf denen kindtaufen vor dasjenige geld, so die gevattern ... aufgeleget, jederzeit in der schencke bier geholet, und also eine beständige gewohnheit dadurch eingeführet worden
abschied in Grünroda (1659)
s. Klingner 4, 1017; einführen v. Beust 615; bestäten und erneuwen
öst. weisth. 5, 91; 95; 3, 320; verleihen
öst. weisth. 5, 95; interrumpieren v. Beust 615. wellicher gesessen aber ist, der sunst ain frevel begieng ausserhalben fridpots, derselb soll gerichts gewonhait, ob der darumb genuegsamblich verpurgt, geniessen und nicht in gfänknüss gelegt werden
weisth. v. Schlanders (1490)
s. österr. weisth. 3, 173; hier kann allerdings eine art von gesetzgebung eintreten, welche der gewohnheit zu hülfe kommt, jene zweifel ... entfernt, und so das wirkliche recht, den eigentlichen willen des volks, zu tage fördert Savigny
vom beruf unserer zeit 17. I@1@d@gγ)
die verbreitung der präpositionalverbindungen im rechtssprachlichen gebrauch des substantivs ist im bisherigen mehrfach hervorgetreten. sie zeigen meist den collectivbegriff, der neben subjectivem genetiv (
s. o.)
eine einschränkung erfährt, ohne damit zum theilbegriff sich zu verengen. auch hier liegen in lateinischen formeln vorbilder vor: secundum consuetudinem, leges Burg.: lex Romanorum 26, 2; 22, 4;
liber const. 60, 3; —
leges Visigoth. I, 2, 4;
lex Alam. 36
u. a. desgl. (1274)
Basler urk. b. 2, 73. 81.
u. a.; (1276)
fontes rer. Austr. II, 31, 159; (1292)
Pommersches urk. b. 3, 161. 212; 3, 226;
juxta consuetudinem, leges Visigoth. IX, 2, 6; (1252)
fontes rer. Austr. II, 31, 159. 204. 428;
Basler urk. b. 2, 61;
pro consuetudine, leges Visigoth. XII, 2, 17;
im deutschen überwiegt die verbindung mit nach. I@1@d@g@11)) si wettent dem (
richter) drie schillinge oder me ie nach gewonheit
schwabenspiegel landrecht § 195
Laszberg s. 91; die sullen im da von dienen nach der gewanheit (
Luzern)
weisth. 4, 367; als dann ieglicher herr nach gewonhait zu minsten ainest im jar mit den seinen panteding halt
öst. weisth. 3, 56;
ebenso 6, 18; nach alter gewanheit
weisth. 2, 294. 820; nach der alden gew. 3, 881; nach altem herkomen und gewonheit
weisth. 2, 80;
desgl. 2, 483;
ähnl. 1, 626; 3, 456; 3, 404. 498
u. a. wasz darumb recht sei nach gewonheit der dingstatt 4, 275
u. a.; vgl. die belege sp. 6551; die all ausgenommen werden nach gewonheit der grafschaft Tyrol
öst. weisth. 2, 8. I@1@d@g@22))
auch die verbindung mit von (de consuetudine)
ist viel beobachtet, wenn sie auch hierin dem vorhergehenden nicht gleichkommt: so einem herrn von Kilchzarten von recht oder von gewonheit zugehörendt
dingrodel v. Kilchzarten (1395)
weisth. 1, 331;
ganz ähnlich 3, 625; mit allen worten geberden und getAeten von recht ald gewonheit hertzu ze bruchende nottürfftig
Appenzeller urkunde (1463)
Zellweger II, 1, 148; was nach ordnung der recht und nach dem bruch der lannd, einem jeden ... zuegelassen würt ... und tät sonst alles das mit worten und werkhen so einem jeden appellierer von recht und gewonheit zuetun zuestät
appellation des abtes v. Alpirsbach (1488)
s. Reyscher
altwürtemb. statutarrechte 47; wann es von gewonheit also her ist kommen
weisth. 4, 610;
desgl. 3, 666; (von older gew.) 3, 244; ist von alter gueter lobl. gew. herkomben
öst. weisth. 5, 614; (von alter gew.) 2, 88; 3, 214. I@1@d@g@33))
andere verbindungen: ob das von alter mit recht und gewonhait her komen si (1431)
weisth. 3, 658;
desgl. 3, 661;
ähnl. 3, 678; ist mit gueter alter gew. also herkomen
öst. weisth. 5, 348;
ähnl. 389; 5, 737; 2, 209 (
plural); 2, 293; die zu gerechter gew. brenge
kaiserrecht II,
cap. 47; was nun bei bergwercken in eine solche gewohnheit nicht gebracht und ausdrücklich decidiret ist, dasselbe wird nach der billigkeit und denen gemeinen rechten gemäss entschieden Minerophilos 259; in allen rechten und gewonhaiten Knebel
chronik v. Kaishein 146; und inn in ir freiheit, recht und gewonheit nicht greiffen
urkunde herzog Friedrichs von Österreich (1406) Herrgott
geneal. habsburgica 3, 806; abe ir die stat von Bopart bi allem rechte und gewonheit wullent laissen
sendweisthum zu Boppard (1412)
weisth. 3, 774;
u. a. öst. weisth. 6, 90; 3, 351
u. a. bei allen freihaiten und guten gew. halten
öst. weisth. 5, 419; halten bei alter guter gew. 2, 203; wie sich vermög gueter redlicher gewonheit gebürt und recht ist
banntaiding zu Külb (1530)
s. österr. weisth. 9, 491;
vgl.(gemäss)
öst. weisth. 5, 626; das niemant under den fremden hie innen im Winkel nenung machen wider solich gewanhait die von alter im Winkel herkomen ist
weisth. v. Donnersbach (15.
jahrh.)
s. österr. weisth. 6, 20. I@1@d@dδ)
neben den bisherigen —
ausschlieszlich vom rechtsbegriff der gewohnheit
getragenen —
verwendungen zieht die neuere rechtssprache das subst. auch in dessen allgemeineren bedeutungen vielfach an: die gewohnheit kommt nicht nur als rechtsquelle in betracht. vielmehr erhalten gewohnheiten nicht selten dadurch bedeutung, dass sie zur näheren bestimmung von solchen privatrechtsgeschäften dienen, welche auf dieselben bezug nehmen oder mit rücksicht auf dieselben ins leben traten. in dieser funktion sind gewohnheiten von wichtigkeit zur ergänzung der lücken und als mittel zur interpretation der rechtsgeschäfte H. Dernburg
lehrb. des preusz. privatrechts (§ 21) 1
5, 42.
die strafrechtliche litteratur ist es andererseits, die dem rechtssprachlichen gebrauch des subst. eine neue richtung giebt, indem sie diejenigen verwendungen, die von einem träger der gewohnheit abstrahiren (
s. II, 3),
hereinzieht, vgl. da das strafrecht es nur ... mit gewohnheiten zu thun hat, deren entstehungsprozess von innen nach aussen ... verlaufen ist v. Lilienthal
beitr. z. lehre von den kollektivdelikten s. 31; gewohnheit ist mithin der durch wiederholte begehung einer bestimmten handlung hervorgerufene hang zu deren weiterer begehung v. Liszt
lehrb. d. dtsch. strafrechts18 (§ 56)
s. 244.
vgl. im besondern gewohnheitsmässig
und gewohnheitsverbrecher. I@22)
statistik. I@2@aa)
die bibelübersetzung läszt hier die selbständigkeit Luthers
wieder besonders deutlich hervortreten. I@2@a@aα)
vielfach schränkt er den gebrauch des substantivs gegen die ältere bibel ein, theils durch bevorzugung der oben besprochenen synonyma oder bedeutungsverwandten, theils durch verwendung von verbalformen an stelle einzelner verbindungen des substantivs; zum ersten vgl. das du jm den becher in die hand gebest, nach der vorigen weise, da du sein schenck warest Luther
1. Mose 40, 13 (nach deinem ampt als du vor hest gewonheit ze thun Eggesteyn,
sicut facere consueveras); gewenete er also bald seine leute auff der heiden sitten 2.
Maccab. 4, 10 (zu der gewonheit der heiden Eggesteyn,
ad gentilem ritum, griechische sitten Kautzsch);
dazu vgl. auch das verhalten der Züricher bibeln, die für weise (
1. Mos. 18, 11;
2. Mos. 30, 21; 12, 4. 43) art (
1. Mos. 18, 11)
und brauch (
2. Mos. 12, 4)
bei Luther
ihrerseits gewonheit
einsetzen (
s. o.).
zu der bevorzugung von verbalformen an stelle von substantivverbindungen vgl.: auff das feste aber hatte der landpfleger gewonet dem volck einen gefangen los zu geben Luther
Matth. 27, 15 (hat gewonheit Mentel
u. a.; auch Beheim,
εἰώθει,
consueverat, pflegte Weizsäcker);
ebenso (
s. o. sp. 6486) 1.
Samuel. 20, 25;
apostelgesch. 17, 2 (gewont sein
gegen nach der gewonheit,
secundum consuetudinem); wie man pfleget nach dem gesetz Luther
Luc. 2, 27 (nach der gewonheit nach der ee Mentel
u. a. secundum consuetudinem legis); zur zeit wenn die könige pflegen aus zu ziehen Luther 2.
Samuel. 11, 1 (in dem die künig hetten gewonheit furzegen Eggesteyn,
quo solent reges ad bella procedere)
; dazu vgl. auch wie man schüssel ausschüttet, und wil sie umbstürtzen Luther 2.
könige 21, 13 (als si habent gewonheit zuo vertilgen die tafeln Mentel,
solent tabula). I@2@a@bβ)
umgekehrt führt Luther
einigemal gewonheit
ein, wo die ältere bibel mit der lat. bibel bedeutungsverwandte zeigt: es war aber von alters her eine solche gewonheit in Israel Luther
Ruth 4, 7 (ditz waʒ ein alter sit Mentel
u. a., hic autem mos erat, brauch Kautzsch); sihe, da stund der könig an der seulen, wie es gewonheit war
2. kön. 11, 14 Luther (nach dem sitten Mentel
u. a. juxta morem; dem brauche gemäsz Kautzsch); und ward eine gewonheit in Israel, das die töchter Israel jerlich hingehen, zu klagen die tochter Jephthah des Gileaditers des jars vier tage
richter 11, 39 Luther (dovon wuochs ein sitte in Israel und die gewonheit ward behaltten Mentel
u. a., mos increbuit, vgl. oben sp. 6482, sitte Kautzsch); und machten eine gewonheit daraus in Israel Luther
2. chron. 35, 25 (und si behüten si als ein ee in Israhel Mentel,
et quasi lex obtinuit)
; vgl. vgl. auch: kam die Susanna mit den zwo megden, wie jre gewonheit war in dem garten sich zu wasschen Luther
Susanna 15 (als gestern und ehegestern Eggesteyn, wie sie ... zu thun pflegte Kautzsch);
bemerkenswert ist, wie Luther
die präpositionalverbindung nach der gewonheit,
der er gegen die vorgänger so oft ausweicht, gelegentlich gegen sie und ihre vorlage selbst einfügt: und nam zu mir den versiegelten kauff brief, nach dem recht und gewonheit, und ein offen abschrifft Luther
Jerem. 32, 11 (
et stipulationes et rata, gewontlike geloffte der vorkopers
niederdeutsche bibel, satzungen Kautzsch); er musste jnen einen nach gewonheit des festes los geben Luther
Lucas 23, 17; er hett in durfft ein zelassen Mentel
u. a., per diem festum) und sie giengen mit einander hin aus, nach jrer gewonheit, als wolten sie beten gehen Luther
Judith 13, 11 (als se plegen
niederdeutsche bibel, secundum consuetudinem suam)
; dazu vgl. auch und wie seine gewonheit war, leret er sie abermal Luther
Marc. 10, 1 (
ähnl. schon Beheim: alse her gewonheit hatte;
gegen: als er hett gewont Mentel
u. a., sicut consueverat). I@2@a@gγ)
die fälle, in denen Luther
mit den vorgängern übereinstimmt im gebrauch des substantivs, betreffen fast alle die präpositionalverbindung nach der gewohnheit: und es begab sich, da er priestersampt pfleget fur gott, zur zeit seiner ordnung, nach gewonheit des priesterthums Luther
Luc. 1, 9 (nach der gewonheit der pfaffheit Mentel
u. a. secundum consuetudinem; nach dem brauche der priesterschaft Weizsäcker,
vgl. auch oben sp. 6481); und da er zwelff jar alt war, giengen sie hin auff gen Jerusalem, nach gewonheit des festes Luther
Luc. 2, 42 (nach der gewonheit des messtags Mentel
u. a.; secundum consuetudinem, nach der sitte des festes Weizsäcker); und gieng in die schule nach seiner gewonheit am sabbath tage Luther
Luc. 4, 16 (
ebenso Mentel
u. a., desgl. Weizsäcker;
vgl. auch oben sp. 6481);
desgl. Lucas 22, 39,
Judith 13, 11;
bei einer andern präpositionalverbindung weicht Luther
gegen die vorgänger ab: den volkomen aber gehört starcke speise, die durch gewonheit haben geübete sinnen
Ebr. 5, 14 (umb die gewonheit Mentel
u. a.; pro consuetudine, durch übung geschulte sinne Weizsäcker);
das gleiche trifft auch eine verbalverbindung: ir habt aber eine gewonheit, das ich euch einen auff ostern los gebe
Joh. 18, 39 Luther (wann es ist gewonheit das. Mentel
u. a., auch Weizsäcker,
est autem consuetudo). I@2@bb)
die wörterbücher werden der eigenart des substantivs im gegensatz zu adjectiv und verbum gleichen stammes ziemlich gerecht, bei der begriffsbestimmung sind die bedeutungsverwandten reichlich herangezogen, unter den verbindungen die charakteristischen vertreten. I@2@b@aα)
die begriffsbestimmung wird frühzeitig neben lateinischen parallelen auch durch deutsche gedeckt, mannigfaltig wie die lateinisch-deutschen zeigen sich später auch die buchungen aus neueren fremdsprachen: gewonheit, übung, brauch, sitt, weisz,
consuetudo, mos, consuetus, usus. ... assuetudo, institutum, assuefactio ... custom, purpose, ... maniere, coustume, maniere du faire Henisch 1607;
accoustumance, eine gewonheit, das angewöhnen,
consuetudo, assuetudo, mos, usus Duez (1664) 8
a. I@2@b@a@11))
die deutschen parallelen stehen zum theil mit der oben (
sp. 6533
ff.)
versuchten abgrenzung des substantivs im einklang: zu einer älteren schicht gehört die einfügung von weise
in den kreis der synonyma: ritus, ein gewonheit oder weisz Cholinus-Frisius (1541) 768
b (
vgl. mos, sitt oder weisz 562
b);
vgl. auch (
s. u.) 911
b; ein neuwe weisz oder gewonheit an sich nemmen,
gestum vultumque novum capere 136
b; gewonheit, fürnemmen unnd weis etwas zethuon ... Maaler 179
d; gewonheit, weise, gebrauch S. Calvisius
thes. lat. serm. 1653; nach meiner weise und gewonheit,
meo more Henisch 1608; humor, angebohrne art, gewohnheit, natur, weise
curiöses bauern lexicon (1728)
s. 87;
verhältniszmäszig wenig ist das nächste concurrenzwort sitte
berücksichtigt: more fit, ist sitt und gwon Cholinus-Frisius 563
a gewonheit, brauch, sitte ... Emmel
sylvae vocab. Q q 7
a;
desgl. Henisch;
noch mehr gilt dies für übung (gewonheit oder übung an sich nemmen Frisius [1556] 184
b) und herkommen.
um so häufiger ist brauch (gebrauch)
gebucht; namentlich unter den verbindungen, vgl. Calvisius, Henisch
a. a. o.,
vgl. gewohnheit ... brauch, gebruik Kramer
königl. dict. (1719) 2, 97;
vgl.: mihi sic est usus ... ich hab die weisz, gewonheit oder brauch Cholinus-Frisius (1541) 911
b; die gew. oder den brauch behalten; etwas in — bringen; wider burgerliche — handeln Maaler 179
d; das ist mein gew. und brauch
ebenda; sunder gewonheiten und breuch einer ieden statt
municipale jus 201
c; es ist der gebrauch, man pflegt, es ist ein gewonheit Calvisius 410
b; vollkommener veralter brauch und gewonheit Emmel
a. a. o. I@2@b@a@22))
unter den lateinischen parallelen ist neben consuetudo
auf die zahlreichen belege für mos
zu achten, das in der litteratur vorwiegend durch sitte
wiedergegeben ist (
s. o.),
in bestimmten verbindungen aber bei den lexikographen gern durch gewonheit
ersetzt wird. in zweiter linie steht usus,
als dessen ersatzwort zunächst brauch
zuständig ist. dann kommt ritus (
die parallele für weise),
vereinzelt auch stilus
u. a. I@2@b@a@2@aa)) gewanheit,
consuetudo, mos, ritus, usus vocab. theut. (
Nürnberg 1482)
M. 5;
u. a. gewonheit,
consuetudo, assuetudo, mos Dasypodius (1592) F 6
b; gewohnheit,
consuetudo, mos, institutio, usus, adsuetudo, institutum Schönsleder
V. 6
b;
ähnlich Henisch 1667; gewonheit,
mos, consuetudo, observantia, ritus, usus Stieler 2495; gewohnheit,
consuetudo, mos, institutum, solemne, usus Steinbach 2, 1026;
unter den verbindungen stehen die mit präpositionen voran: ausz gewonheit,
more Cholinus-Frisius 563
a; (
de more) Maaler 201
c;
est hoc in more positum, die gewonheit ... haltet so in Cholinus-Frisius 563
a; Aler 1, 943
a (es ist ein gew.); (
in more habere) Dasypodius;
more majorum, durch alte gew. Cholinus-Frisius 5639;
inducere aliquid in morem, in ein gew. bringen 565 (
recipere, in gew. lassen kommen) Schönsleder
a. a. o. andere verbindungen sind seltener: morem inducere, ein gewonheit annemen Dasypodius; (
referre, aufbringen) Cholinus-Frisius;
habeo hunc morem, disz ist mein gew. Schönsleder.
dazu vgl. die attributiven verbindungen bei Stieler (
vereinzelt auch bei) Cholinus-Frisius
und Steinbach. I@2@b@a@2@bb)) gewonheit,
usus Twinger 162
a;
abusum, ungewonheit,
abusio, bösz gewonhait 162
b.
vgl. auch vocab. theut. (
Nürnberg)
u. a.; vgl. usurpatio ... gebruchung mit unrecht ... gewonheit Diefenbach 631
b; gewonheit ...
consuetudo, mos, usus Emmel Q q 7
a; gewonheit,
consuetudo, institutum, mos, ritus, usus Calvisius
thes. lat. serm. (1653) 409
b; es ist ein gewohnheit draus worden,
exiit hoc in usus communis callositatem Aler 1, 943
b. I@2@b@a@2@cc))
in den späteren wörterbüchern schrumpfen die lateinischen parallelen zusammen, einige beschränken sich ganz auf consuetudo
und seine formverwandten: gewohnheit,
assuetudo, consuetudo Aler 1, 943
a; gewohnheit,
consuetudo Frisch 2, 455
c;
vgl.: gewohnheit,
lat. consuetudo, bedeutet überhaupt alle handlungen, welche durch öfftere wiederhohlung uns geläuffig werden Zedler 10, 1398. I@2@b@a@33))
zu den neusprachlichen parallelen (
s. o.)
vgl. Henisch;
vgl.: gewohnheit,
coustume, façon de faire Hulsius (1614) 164
b;
consuetudo, gewohnheit,
coustume, accoustumance, consuetudine, uso, pratica (1640) 70
a; gewohnheit,
costume, anvezzamento, usanza, coutume, façon de faire Rädlein 385
a; gewohnheit ...
la coutume, l'usage, pratique, la mode, et l'habitude Schwan (1783) 749; gewonheit
oder gewohnheit,
the wont, use, custom, ply, habit, knack, way, manner, haunt, stile, fashion, practice teutsch-engl. wb. (1716) 775; gewohnheit,
custom, use habit, practice Arnold
4, 427
b. I@2@b@bβ)
bei der bezugnahme auf feste verbindungen des substantivs lassen die buchungen den von uns mehrfach besprochenen wettbewerb mit verbalformen deutlich erkennen: assuefacere, gewonhait tuon Twinger 13
d;
soleo, solitus, pflegen, in gewonheit sein Aventin (
rudimenta gramm.) 1, 420;
vgl. auch 1, 485; gwon sein, in der gewonheit oder im brauch haben,
solere Maaler 201
c;
vgl. auch 179
c und vgl. oben (
sp. 6486/7); eins gewonheit sein,
estre coustumé Hulsius (1596) G 2
a;
consuesco, gewohnen, in gewohnheit kommen (1640) 70
a;
das gleiche schon Emmel C a 97
a; gewohnheit drausz machen,
adsuescere Schönsleder V 6
a. I@2@b@b@11))
die verbindungen mit nominibus sind verhältniszmäszig spät reichlicher angemerkt. I@2@b@b@1@aa))
von genitiven sind einzelne subjective schon bei Cholinus-Frisius (
consuetudo majorum, gewonheit der vorfaren 213
a)
und Maaler (nach kriegs gew.)
gebucht, die erste grosze liste giebt Stieler: landes-, kirchen-, kriegs-, handwerker-, gerichts-, stats-, stadt-gewonheit 2496,
vgl. auch unten (II, 2).
objectiver genitiv ist nur bei Reyher
verzeichnet: durch gewohnheit der wollüste,
assuetudine voluptatum 215. I@2@b@b@1@bb))
für attributive adjective ist schon Henisch
mittheilsamer, dessen vorgänger nur einzelnes gebucht hatten: consuetudo usitata, gebrauchte und angenommene gew. Cholinus-Frisius 910
b; die alt gewonheit wider an sich nämmen (
redire in consuet. pristinam) 213
a;
vgl. Maaler 179
d (alt eingewurtzlete gew.); Henisch 1608; alte gew.,
consuetudo superior, vetusta, prisca, inveterata Stieler; alte gew. Calvisius, Schönsleder, Aler; alte gew. geht der natur gleich Hederich 1430; die hergebrachte gew. Schwan 749; veralter brauch und gew. Emmel (
s. o.); gewonheit durch lange zeit zertrent ,..
interrupta consuetudo Maaler 201
c; beständige Steinbach
a. a. o.; vgl. dazu oben sp. 6550
f. griechische, burgerliche Maaler 179
d; böse gew.
ebenda; desgl. Schönsleder; gottlose, böse gew. Calvisius; Stieler; er hat eine böse gew. an sich,
he has an ill way or manner with him. teutsch-engl. lex.; eine üble angenommene gew. Schwan; gute ... bösz gewonheit Henisch 1608; gute gew.,
consuetudo bona Aler 1, 943
b; böse gew.,
consuetudo mala ebenda; vgl. dazu oben sp. 6549. nach jährlicher löblicher gewohnheit,
solemniter Reyher (1686) 2343; abgelegte gew., das verlehrnen,
desuetudo Henisch; gewonheiten, heilsame ordnung, gute erbare gebrAeuch, redliche wolhergebrachte geübte gewonheiten,
statuta et consuetudines locorum ebenda; gute, feine und löbliche gew.,
consuetudo elegans, incorrupta Calvisius;
desgl. Stieler; närrische ... tägliche ... gemeine Stieler (
s. zu mos); lüderliche (
dissoluta), gottlose (
impia), verderbte (
corrupta) Steinbach;
dazu vgl. die lange aufzählung bei Hederich,
der zu den eben angeführten attributen noch grausame und barbarische, grobe, unanständige, angenehme, üppige, freie, beschwerliche, wundersame, neue, gefährliche, stete, kleine, lasterhafte, königliche
beifügt, sp. 1429
f. I@2@b@b@22))
unter den verbindungen des verbums ist I@2@b@b@2@aa))
die function des subjects reichlicher gebucht. die verbindung mit dem verbum substantivum wird z. b. gern entsprechenden lat. fügungen mit mos (
vgl. sp. 6533)
entgegengesetzt: das ist meine gewonheit; es ist nit mein gew.
bei Maaler, Dasypodius, Schönsleder, Aler, Steinbach, Adelung
für in more habere, habere morem, in more positum est;
vgl. dagegen die anlehnung an verbindungen von consuetudo
in den formeln der rechtssprache s. o. (
sp. 6552).
mannigfaltig ist das eintreten und aufhören der erscheinungen erfaszt: die gew. erwächst (Dasypodius); — bricht ein (Maaler); — reisst ein (Schönsleder, Frisch, Hederich, Schwan); — greift um sich (Hederich); — kömpt auf ... ab (Calvisius, Stieler); — nimt täglich zu (Maaler); — uberhandt (Calvisius, Hederich);
dazu vgl.: die alt gew. ist etwas verendert Maaler 179
d; ausz übung wird gewohnheit,
ex exercitatione consuetudo gignitur Aler 1, 943
a; es wird eine gewohnheit daraus Frisch 2, 455
c.
mehrfach ist die wendung gebucht: die gew. bringt es mit sich (Calvisius); wie es
d. g. mit sich bringt (Hederich).
diese fügung, die z. b. der rechtssprache ursprünglich fremd ist, entstammt dem sprichwort und dessen schon in der antike bemerkbaren neigungen zur persönlichen auffassung: gewonheit ist die andere natur (Henisch, Aler, Schwan,
vgl. oben sp. 6531); — ist ein grosser gewalt (Henisch); — hat leichte bürde (Henisch); was thut gewonheit nicht?
what is not custom a powerful tyrant. teutsch-engl. wb.; das gleiche Aler, Adelung;
vgl. aber: ein saumrosz macht seine gew. grosz Henisch. I@2@b@b@2@bb))
auch für das object fällt in den buchungen der begriff der stetigkeit oder veränderung am substantiv vor allem ins gewicht, die verba sind hier jedoch nicht so anschaulich, und die personification geht leer aus: die gew. behalten (Maaler, Hederich); seine gew. halten (Reyher),
vgl. oben sp. 6553. eine gew. beobachten (Stieler);
für das früh und viel verwendete haben
fallen die zeugnisse spät und spärlich; die gewohnheit haben sie vor zeiten schon gehabt Hederich 1430; eine gew. an sich haben Adelung.
für die veränderungen vgl.: redire in consuetudinem pristinam, die alt gewonheit wider an sich nAeMen Cholinus-Frisius 213
a; eine gew. an sich nemen (Maaler, Duez, Aler, Adelung); — annemen (Dasypodius), — auffbringen (Cholinus-Frisius, Schönsleder, Aler); — abbringen (Aler); gew. einführen (Steinbach, Hederich, Adelung); — ablegen ( Adelung); eine gew. aus etwas machen (
teutsch-engl. wb. Aler); böse gew. ändern (Calvisius, Stieler); ich will euch diese gewonheit wieder abgewehnen I will break you of this haunt
teutsch engl. wb.; dazu vgl.: ein alt eingewurtzlete gewonheit kan man beugen, aber nicht brechen Henisch 1608. I@2@b@b@33))
die präpositionalverbindungen. I@2@b@b@3@aa)) etwas in ein gewonheit bringen (Maaler, Cholinus-Frisius, Aler); — lassen kommen (Schönsleder, Steinbach); zur gew. machen (Schwan); zur gew. werden (Dasypodius, Steinbach, Frisch); auf die gew. kommen (Hederich); von seiner gew. abstehen (Calvisius, Hederich); — abgehen (Steinbach); — abbringen (Schwan); aus der gew. kommen (entwonen) Emmel, Schönsleder
teutsch-engl. lex.; bei seiner gew. bleiben (Stieler, Aler, Schwan); art gehet für alle gew. Henisch. I@2@b@b@3@bb)) nach gewonheit (Maaler, Emmel); meiner gew. nach,
pro meo more Duez 8
b; nach seiner gew.,
pro consuetudine ejus Frisch 2, 455
c,
vgl. auch teutsch.-engl. wb.; Schwan; (nach der gew.) Calvisius; ausz gewonheit, de more Maaler 201
c; (more) Cholinus - Frisius 563
a; ausz gew. wirdt zuletzt recht Henisch 1608; ich thue es aus gew. I am wont do so
teutsch-engl. wb.: aus der gew. Rädlein; wider gew. (Maaler, Stieler); wider die gew. (Frisch, Hederich); wider gew. tun (Stieler, Calvisius); über gew. (Stieler); über die gew.,
extraordinary (
teutsch-engl. wb.). I@2@b@gγ)
ungewöhnlich zahlreich sind die mundartlichen buchungen: jewanheit Fischer
mda. im preusz. Samlande 53; gewāned Gerbet
Vogtland 178; gewûnheit Bauer-Collitz 40
a; kwuunet Meisinger (
Rappenau) 82
a; gewunecht
wb. d. Luxemburger mda. 145
b; gewoinecht Gangler 180; kewuunet Lenz
Handschuhsheimer dialekt 128
a; gewehnheit, gewenichet, gewonhet, geweining, gewunheit, gewinecht Follmann (
Lothr.) 203
a; gewinget, gewinchet Autenrieth (
Pfälzer wb.) 53; gwohnat (
bayrisch) Zaupser
s. 50; (
ohne belege) Schmeller 2
2, 933; gwōnet H. Fischer
schwäb. wb. 3, 639; gwanet, gwonig Tobler 247 (
vgl. auch oben sp. 6539); gewaanhiit
mundart v. Habkern (
Schweiz s. ztsch. d. mda. 1907, 67); kwônet, kwûnet, kwênet
u. a. Martin u. Lienhart 2, 832
a.
dort sind für das Elsässische auch einzelne wendungen (in der gew. haben, in seiner gew. sein, ein zur gew. werden)
angemerkt, vgl. auch: er het eso-n-e g'spässigi gw.: wënn
er mit eim red
et, së luejt
er allewil uf d ander lüt; s suffe
n un
d s flueche
n sin
d laster un
d ke
in g
ewo
hnheite
n.
vgl. auch: eny iwel gewoinecht,
une mauvaise habitude Gangler 180; i hau's scho in der gw.; es ist bei ihm so e gw.; 's ist schau so sei gwohnet H. Fischer; er het's in der g'woned Seiler
Basler mda. 154
b;
dasz die mundart trotz allem aber im gebrauch des substantivs gegen die schriftsprache zurückbleibt, zeigt sich z. b. bei Jeremias Gotthelf,
bei dem eine stelle wie: sie seien in ihrer gewohnheit fortgefahren und hätten gelächelt in den maulecken (
Uli der knecht, 11.
cap.)
im original lautete: sie seien in ihrem trapp fortgefahren
s. 141
Vetter. aus niederdeutschen mundarten wird noch heute die alte concurrenzform mit dem dentalsuffix (
s. sp. 6482)
bezeugt: gewénde Leichener (
Cronenberg) 46
a; gewende Hönig (
Köln)
2 65
a;
vgl. auch: gewônheid ... gewônte ten Doornkaat Koolman 1, 625
a.
zu den formen ohne präfix vgl. oben. I@2@cc)
auch im sprichwort ist das substantiv ungewöhnlich bevorzugt gegenüber dem adjectiv und verbum. einzelne wendungen bewegen sich zwar in den gleichen gedankengängen: was doch die gewohnheit nicht thut, sprach der schneider und warf lappen vom eigenen tuch in die hölle Hetzel
wie der deutsche spricht s. 114;
vgl. Wander 1, 1683; es ist alles eine gewohnheit, nur's hängen nicht (sógar's hängen) 1680; es kommt alles auf die gewohnheit an, sagt die köchin und zieht dem aal die haut ab Frischbier
preusz. sprichw.2 90.
in den meisten fällen geht das substantiv jedoch eigene wege und zieht kraft der personification, die ihm im sprichwort vor allem zukommt (
vgl. auch II, 3),
mannigfache vergleiche und bilder an sich, vgl.: wer in der gewonheit erwarmet, der lest im den peltz nicht gern nemen Lehman 316; gewohnheit wächst mit den jahren Wander 1, 1681
u. a. I@2@c@aα)
dieser auffassung dient vor allem die zusammenstellung mit anderen substantiven, so das oben besprochene gewonheit ist die andere natur S. Frank
sprichw. 1 (1541) 31
b; (ein gewonheit wirt in die natur verwandlet, das sehen wir an unseren jungen wol Geiler v. Keisersberg
narrenschiff 100
a);
das gleiche bei Luther, Henisch, Petri, Eyering
u. a. s. Wander 1, 1681; Reinsberg-Düringsfeld 1, 309;
vgl. auch: wie wol man sagen wil, das die gewonhait die ander natur sei Ferdinand v. Tirol
spec. vitae hum. (
neudr. 79, 60),
ebenso Gretter
erkl. d. ep. Pauli a. d. Römer 314; Chomel 4, 1064; gew. wird zur andren natur H. Fischer 3, 639; ist e halbe natur
ebenda. dagegen vgl.: die gewonheit ist der natur meister Lehman 318 (
regina rerum omnium est consuetudo); gewonheit ist der könig über den verstand, vernunft ist der gewohnheit knecht Lehman 318;
gravissimum imperium consuetudinis, gewonheit ist ein grosz gewalt S. Franck
sprichw. 1 (1541), 69
a.
den wendungen von an- und ablegen der gewohnheiten entsprechen die vergleiche mit kleidungsstücken: auch spricht man: gewonheit frembd ist ein steheles hembd. Hans Sachs 1, 301
b.
das gleiche Petri 2, F
f 4
b, Henisch 1608; es ist mir leid, ich hab halt eine solche gewonheit an mir, ich kans nicht lassen. ecce! ... so thut gleichsam die gewonheit dem freien willen einen arrest an! haist das nicht, die gewonheit ist ein eisern pfaidt? Abraham a S. Clara
Judas der ertzschelm (1686) 1, 235;
desgl. 384. 395. 416; gwonet is en eisene pfaed, wer s' auszuihht, thuet si' laed. Schmeller 1
2, 444.
das gleiche schon Zaupser
vers. eines bair. idiot. 50;
vgl. auch Fromman 6, 38; Reinsberg - Düringsfeld 1, 310; Graf
u. Diether 11, Wander 1, 1686; gewohnheit ist ein eisern kleid. J. Chr. Günther (
als er gott um beständigkeit ... anflehte)
ged.2 70.
dazu vgl.: man kan nicht so bald andere sitten und gewonheit annehmen als ein new kleid Lehman 317; alte gewohnheiten legt man nicht so leicht ab W. Raabe
alte nester s. 154.
andererseits vgl.: gew. ist ein eisern band Wander 1, 1680; ein rost
ebenda; u. a. dagegen vgl.: gewonheit ist ein leichte bürde Lehman 314 (hat leichte bürde Henisch 1608); gewonheit ist ein recht das im land gebohren, erzogen und erwachsen ist
ebenda; missbrauch ist keine gewohnheit Pistorius (4, 89) 283. I@2@c@bβ)
nicht die gleiche verbreitung haben die sprichwörter gewonnen, die von dieser persönlichen auffassung aus das mit dem subst. verbundene verbum beleben: nimmt die gewonheit uberhandt, so geht sie durch ein gantzes landt. S. Frank
sprichw. 2 (1541), 70
a;
das gleiche Petri 2, 500; Henisch 1608;
s. Wander 1, 1683; gew. billicht alle ding, aber nicht allezeit mit recht Petri 2, F
f. 4
b; macht schwer ding leicht
ebenda; gewonheit lindert alle ding S. Frank 1, 31
a;
das gleiche Henisch 1, 1681; gew. kann den schwersten stein leichten federn gleich machen Stoppe
Parnasz 441; wer sein gewonheit bricht, der beleidigt sein gesundheit,
intermissa consuetudo animum et corpus incommodat Lehman 314; gewohn bricht eid und eisen 318
s. Wander 1, 1681. I@2@c@gγ)
mehrere der eben belegten wendungen bevorzugen im besonderen den zutritt von attributen, die ihrerseits die entwicklung nach der seite der personification zurückhalten: böse gewonheit ist ein eisernes pfaidt, ein rost
u. a. Wander 1, 1679; grauissimum est imperium consuetudinis. ein bOesz gewonheit lAeszt sich nicht (wie mann da an den heuchlern sicht) bald abstelln Alberus
praecepta vitae (1548) 120
a.
der gegensatz von gut und böse hat namentlich in rechtsformeln hier eigenes leben getrieben (
vgl. Graf
und Diether
s. 12—14),
von dem aber nur weniges allgemeinere bedeutung hat: gute gew. gut recht (
s. schon kulmisches recht V, 53); böse gewohnheiten machen kein recht (Estor 1, 20 § 49).
dazu vgl.: böse gew. macht kein ding gut Agricola 135.
das gleiche gilt für die alte (
nur selten lange) gewohnheit (
vgl. oben sp. 6550
f.): alte gewohnheit ist stärker als brief und siegel Graf
u. Diether 12; eine alte gewohnheit soll man nicht brechen,
antiqua consuetudo non est violanda Pistorius (4, 89) 282;
vgl. auch Wander 1, 1680;
vgl. auch: alte gewonheit und alte fass wollen von jhrem geschmack nicht lassen Eyering 1, 46
s. Wander 1, 1679.
vgl. die wendung aus W. Raabe
oben. I@33)
formen. I@3@aa)
die stammsilbe (
vgl. auch sp. 6558/9). I@3@a@aα)
die für den stammvocal (
s. sp. 6477. 6489)
besprochene schreibung mit a
findet sich hier vor allem in oberdeutschen (
schweiz.-bayr.)
denkmälern, die zeugnisse fallen früh: gewanhait
var. z. Iwein 204;
jüng. Titurel 5344;
bischofs und dienstmannenrecht v. Basel § 2;
weisth. 4, 367 (
Luzern); 3, 656 (
Bayern);
urkundenbuch v. Goldenkron (1363)
fontes rer. Austr. II, 37
s. 137;
öst. weisth. (15.
jahrh.) 6, 18; (16.
jahrh.) 9, 612;
vgl. gewaanheit W. Hopf
wb. d. mundart v. Habkern s. 67.
zum niederdeutschen vgl. gewanheit
jüngere glosse z. Reincke de voss (
Brandes s. 17);
andererseits vgl. die niederdeutsche variante gewenheit
neben gewonheit (1281)
monum. germ.-leg. 4, 3
s. 283;
die gleiche form ist aber auch aus dem südwesten belegt: und sol sie auch daselbs nach der selben geriht rehte und gewOenheit genügen und sich damid gengen laszen
rathsbuch zu Landau (1432)
s. z. f. gesch. des Oberrheins 18, 13. I@3@a@bβ)
die schreibung mit h,
die an formen von gewonen
und gewon
zunächst der längebezeichnung in offener silbe galt und von da auch auf die übrigen formen überdrang, wird —
allerdings sehr spät —
auch auf unser substantiv übertragen: Hulsius
schreibt 1614 gewohnheit
gegen gewonheit
in der ausgabe von 1596; Henisch
hält noch an gewonheit
fest, Duez (1664)
hat gewonheit
neben ungewohnheit
und gewohnt; Reyher (1686), Schönsleder, Rädlein
bieten übereinstimmend gewohnheit,
das seitdem lexikographisch gesichert ist (
ausnahmen Stieler
s. o., vgl. auch gewonheit
oder gewohnheit
teutsch-engl. lex.).
ähnlich, nur noch conservativer verhalten sich die denkmäler. bei Lehman (1630)
ist zwar gewohnheit
bezeugt (
s. 320),
ebenso Rist
friedewünsch. Teutschland (1648) 66;
doch vgl. gewonheit Schottel
friedenssieg (1648)
s. 11; C. Weise
erznarren (1673)
s. 22; Grimmelshausen
Simpl. 29;
das gleiche durchaus bei Butschky
und vorwiegend bei Abraham a S. Clara,
nur vgl.: gewohnheiten
etwas f. alle 3 (1711) 189.
unter den weisthümern kennen auch die spätesten niederschriften kaum ein h (
ausnahme gewohnheit
öst. weisth. 9, 186);
die entgegengesetzte erscheinung, der doppelnasal, ist gelegentlich in den öst. weisthümern bemerkt gewonnheit 9, 612. I@3@bb)
die flexionsformen. I@3@b@aα)
in den genetiv sing. dringt bei zusammensetzungen später das dem masc. zustehende 's'
ein. gegen: dasz si ... kainerlai sachen von kainerlai recht, brauch oder gewonheit wegen nichts schuldig sein Knebel
chronik v. Kaisheim 127
Hüttner; von rechts und gewonheit wegen
öst. weisth. 9, 181; von rechts und gewonheit wegen hätte der hauptmann ... pferd und gewehr ... erben sollen Grimmelshausen
Simpl. 185
neudr.; vgl.: so viel deren rechts oder gewohnheits wegen, von euch gefordert werden Klingner
dorf- u. baurenrechte 4, 7; von natur und gewohnheits wegen Wieland 24, 231. I@3@b@bβ)
der plural ist in zahlreichen älteren belegen noch mit der alten starken form des fem. bezeugt: hiernach sten geschriben solche stigke und gewonheide als die stat Fulda ... haben sol (1372)
s. Endemann, kaiserrecht s. 18 (
einl.); das furbas soliche unbilliche gewonheit und unrecht abgetan werden (1410)
s. Herrgott 3, 791; das sind unnser alte recht und gewonhait
weisth. 3, 731; 3, 656; all löblich gewonhait, die man biszher auf dem aigen gehalten hat 7, 539
u. a. (gewonheiten 7, 472, 5, 95
u. a.); so gwem das künigreich in grosz armuot, dann alle böse gewonheit wurden da inne ufferhaben Elisabeth v. Nassau
Huge Scheppel 7
r b Urtel; öfneten der hersch. alten recht, freiheit und gewanhait (1444)
öst. weisth. 2, 136; altiu recht und gewonhait die sie ie ... gehabt 3, 209;
ebenso 3, 214; 5, 91
u. a. bei dem versagen der anhaltspunkte, die die flexionsform bieten kann, ist es freilich schwer, von der bedeutung aus zu urtheilen, da das substantiv als collectivbegriff hier oft sehr weit geht: aller irer (
der schönen frau) gewonheit gar wol unterricht was Arigo
verdeutschung des decamerone 145
Keller u. a.; die zeit machet einige gewonheit bei uns daraus Butschky
rosenthal (
no. 209)
s. 431;
vgl. vil gewonheit Ortolf v. Bayrland 49
b (
s. u.); nach den gotshus alten rechten und gewonhait
urk. v. 1358
s. acta Tirolensia 1, 270;
ganz ebenso öst. weisth. 5, 420 (
var. gewonhaiten); 2, 144; alle die guten sitten und gewonheit
Pontus u. Sidonia (1438) l 6
b; Wyle 136; Knebel
chronik v. Kaisheim 126; ein rechter spiegel der welt sitten und gewonheit Schottel
friedenssieg 11; di obgemelt alte herkomen und gewonheit sollen hinfür ... gehalten werden
öst. weisth. 3, 356; dasz man die leut von der schlimmen bösen gewohnheit und von denen lastern abgehalten Abraham a S. Clara
lauberhütt 2, 55.
die ersten belege für den pluralgebrauch überhaupt waren oben (
sp. 6544/5)
aus der rechtssprache nachgewiesen worden, wo auch gewohnde (
s. sp. 6481)
im plural bezeugt ist. zur neueren schwachen form vgl.: gewonheiten (1339)
weisth. 4, 191;
desgl. 5, 151; 225; 347; 3, 556
u. a.; vgl. auch (
aus 1363)
Herrgott 3, 714
u. a., rechte ... die sich ... auf herkommen und gewohnheiten gründen J. S. Pütter
jur. encyclopäd. (1767)
s. 10; wenn daher in Deutschland durch verjährung und gewohnheiten rechte ... entstanden sind A.
F. J. Thibaut
jur. encyclopäd. (1797)
s. 209
u. a. für den literarischen gebrauch bietet Hesler
das erste zeugnisz im reim auf leiten: die wolde her zu erst vorleiten noch sinen gewonheiten, swar im state des gelac. H. v. Hesler
apokalypse Danziger hdschr. 13552
Helm. der plural ist hier um so auffallender, als es sich nicht nur um eine inzelnes individuum als träger des begriffes, sondern bei diesem auch um eine einzelne richtung, nicht um eine ganze spielart von eigenheiten handelt. in beiden beziehungen ist das folgende zeugnisz einleuchtender: als er nun in die herberg kame, befraget er sich der gewonheitten des koniglichen hoffes und begeret ... unterricht zuo werden, ob auch frembde namhafftige ritter am hoff weren Warbeck
die schöne Magelone cap. 3, 7, 4.
wo diese beiden züge vereinigt sind, ist der ergiebigste boden für den pluralgebrauch, der in der neueren sprache hauptsächlich sich entwickelt und in der sprache Herders
breiten raum einnimmt. bei der beziehung auf ein einzelnes individuum gewinnt das substantiv in solchem plural eine besondere färbung, die es deutlich vom plural sitten
abhebt. wo die träger des begriffes unbestimmt bleiben, wird andererseits der singular begünstigt, in der richtung auf's abstracte ebenso gut wie in der personification: die empfindungen und triebe der menschen sind allenthalben dem zustande, worinn sie leben und ihrer organisation gemäsz; allenthalben aber werden sie von meinungen und von der gewohnheit regieret Herder (
ideen 8, 4) 13, 319.
andererseits vgl.: dieser gegensatz erinner mich eines spiels von den gewonheiten, wann nemlich jedem in der gesellschaft vorgegeben wird, zu erwähnen, welche böse gewonheit abzustellen, und hingegen, welche gute gewonheit er einzuführen für rahtsam achte? Harsdörffer
frauenzimmer gesprechspiele 1, 4. I@3@b@b@11))
der plural bei der beziehung auf individuen als solche: ihre zuversicht ... hat mir den muth gegeben in ein dasein einzutreten, von dem mich tausend gewohnheiten und rücksichten abhalten wollten Auerbach
neues leben 3, 348; gewohnheiten und eigenheiten Göthe 26, 28; gang, stimme ... und gewohnheiten Klinger
Faust III, 3 (
s. o.); die laster und böse gewohnheiten, die ihn unglücklich machen Herder (
br. z. bef. d. hum. 10) 18, 300;
das gleiche schon Abraham a S. Clara
lauberhütt (1721) 1, 74; entschuldigt euch auch nicht mit euren bösen gewohnheiten Scriver
seelenschatz 430
c; böse gewohnheiten Herder 16, 609; 17, 281; (niedrige triebe ... abscheuliche gewohnheiten
ideen 4, 4) 13, 147; (üble gew.) 16, 535; meine reinsten empfindungen und gewohnheiten hat sie mir angebildet (
kl. schr. 1791
ff.) 18, 473; (ideen, gew. handlungsweisen) 20, 182 (
christl. schriften 5); diese gewohnheiten waren der klarheit und genauigkeit seiner ideen förderlich Göthe (
übers. v. J. v. Müller rede auf Friedrich d. groszen) 49, 198; dasz ein oberster darunter war, ein sonderbarer mann, von dem Ohluf in der folge allerlei gewohnheiten angenommen hat, z. e. einen heroischen blick, eine seltsame art zu sprechen Gerstenberg (
skizze zum Hypochondristen) 400
Fischer; zu gewohnheiten haben
s. Göthe 2, 260,
vgl. oben sp. 6531. I@3@b@b@22))
die beziehung auf eine gattungsmäszig abgegrenzte gruppe von trägern des begriffes, der ja der pluralgebrauch der rechtssprache entsprungen ist, trägt diesen auch für die allgemeineren litterarischen wendungen: ir süllent auch wissen, das trunkne leut vil gewonheit haben nach ir natürlichen art. die sanguinei lachent und lauffent umb und umb ... und colerici claffent vil und werdent leicht zornig und erwegt. die flegmatici schlaffent gern und in traumet gern schwer traum und erschreckent gerne. die melancolici traurent gern und wainen gern ir sünden Ortolf v. Bayrland 49
b; die zu selbigen ersten zeiten geübte gebräuch und gewonheiten des königreichs Portugal Caccia
heil. Antonius v. Padua 5; und so vieler vOelker tracht und sitten, anstellungen und gesetze, leben, gewonheiten und sprachen umbsonst erlernen Schuppius
schriften 579 (
von der kunst reich zu werden); ein hoher aufschwung, eine zügellose licenz lag weder in der gemüthsart, noch in den gewohnheiten sitten und gesetzen der Deutschen Herder (
zerstr. bl. 5) 16, 222; (ihre alten gesetze und gew. beibehalten) 14, 522 (
ideen, zusätze); unter der bedingung, dass ihnen ... die gerechten gewohnheiten und freiheiten des reiches gesichert würden v. Ranke 14
2, 54; ihre sitten und gewohnheiten verändern sich unaufhörlich S. G. v. Vogel
s. 7; ihr Koran lebte im herkommen, in gewohnheiten und vorzügen, die sehr miszleitet werden konnten Herder (
ideen, zusätze) 14, 548; den ionisch südlichen geist, der alles durchbrennt und durchflammt, und von keinen verhältnissen oder gewohnheiten sich binden läszt Heinse (
Hildegard 3) 6, 151; aber sehen sie das volk hier an ... das liebt seinen strickbeutel, den kupferkessel, in dem die mutter würste gekocht hat, es liebt eine zerbrochene pfeife ... ebenso alle miszbräuche, die zehntausend verrotteten gewohnheiten seines lebens G. Freytag (
soll u. haben 2, 7) 4, 307;
vgl.(übeln gew. und missbräuche) Heinse (
Hildegard 2) 5, 314; (trägheit und böse gewohnheiten der menschen) Herder (
briefe z. beförder. d. hum. 10) 18, 242; auch sind die vorurtheile, die leidenschaften und gewohnheiten, worauf sich das reich dieser geister stützt, so verbündet, und in einander geschlungen, dasz keine schlange berührt wird, ohne dasz sich alle in einander gewundene regen (
christl. schr. 1797) 19, 373; auch wir gestrengen haben eine menge von gew. und grundsätzen angenommen, welche in früheren jahrhunderten geächtet waren Heinrich Laube
ausgew. werke 7, 53; meistens kommen in schwachen stunden die irrthümer und fehler, die bösen eindrücke und gewohnheiten unsrer jugend als feinde über uns Herder (
kl. schriften 1791 ff.) 18, 367; er versenkte sich sogleich in die vorbereitungen, suchte sich über betrieb und gewohnheiten des verlagshandels bei bekannten und durch bücher zu unterrichten Freytag (
Karl Mathy) 22, 214; es ist ja auch richtig, dass stil und gewohnheiten der theater verschieden sind Heinr. Laube 7, 156; dasz sie mit der zeit so wenig die gewohnheiten der kirchen achten Abrah. a S. Clara
lauberhütt 2, 53; so ists mit allen gewohnheiten der vielgestaltigen menschlichen form, ja mit allen erscheinungen auf unsrer runden erde Herder (
ideen 3, 11) 14, 38; nun ist ... Tacitus ... zu loben, dasz er ... staatssachen in sich begreiffet von ... gewohnheiten fürstlicher personen Butschky
Pathmos s. 30; sie erwachsen ganz aus den gewohnheiten ihrer zeit H. Laube 5, 13; in denselben zween Libien sind ... mancherlei leute ... mit mancherlei weise, mit seltzamen gewonheiten und glauben Ottho v. Demeringen
übers. des J. de Monteville s. 208,
desgl. 235;
vgl. auch 203,
s. oben; die allgemeine stimmung der stadt war gegen den Türken, bei den männern wegen seiner grausamkeit und bei den frauen wegen seiner schlechten häuslichen gewohnheiten G. Freytag (
schlusz der ahnen) 13, 247; ich habe meinen verdrusz über dergleichen abgeschmackte gewohnheiten (
beim glückwünschen) bei verschiedener gelegenheit spüren lassen Gottsched
vern. tadl. (1725, 2.
stück) 1 (1738), 15; ich fürchte, dasz jeder die armseligen gewohnheiten des winkels, in dem er gebohren worden, für die eigentlichen sitten des gemeinschaftlichen vaterlandes halten dürfte Lessing (
hamb. dramat. 22) 9
3, 274; viele bigotte gewohnheiten
F. Nicolai
reise durch Deutschland 5, 57; rohe grausame gew. Herder (
ideen 6, 4) 13, 233. schönere gew. (6, 3) 223; es ist ein unlöbliches wesen bei vielen leuten, welche über dem alterthum so strenge halten, dasz sie auch die alten bösen gewohnheiten nicht wollen abschaffen lassen Joh. Riemer
apophthegm. vormund (978) 387; es herrschen in Altdorf, so wie in Nurnberg, sehr viele alte gewohnheiten, wovon herr D. Semler in seiner eignen lebensbeschreibung manches erzählt Nicolai
beschreibung einer reise (1783) 331; ja wenn wir bedenken, dasz nur wenige nationen in diesem conflict der geistesthätigkeit waren, indesz der gröszeste theil der andern über alten gewohnheiten schlummerte Herder (
ideen 3, 15) 14, 240; am meisten halten noch an ihren alten gewohnheiten die bewohner der ... bergigen gegenden S. G. v. Vogel
s. 7; und sie verfallen endlich auch dem bann des alltäglichen lebens, der rechtgläubigkeit an geheiligte gewohnheiten H. König
die clubisten in Mainz (4, 8) 2, 72; verstimmungen, wie sie unvermeidlich sind, wenn menschen mit verschiedenen gewohnheiten sich zu gemeinsamem leben verbinden G. Freytag (
soll u. haben 4, 3) 5, 59. I@3@b@b@33))
der plural bei der abstraction von einem träger des begriffes: die laster und böse gewohnheiten sein rechte ketten Butschky
rosenthal (
nr. 209)
s. 432; von gewohnheiten im gegensatz zu angewohnheiten spricht man da, wo gewisse leidentliche zustände ... ein bedürfniss werden, so dass ihre abwesenheit unangenehm auffällt J. E. Erdmann
über gewohnheiten s. 6; dem todten buchstaben des gesetzes sowohl, als dem kriechenden gange nach alten gewohnheiten und lüsten stand sein lichtvoller geist, der geistvolle aufgerichtete mensch entgegen Herder (
christl. schriften 4) 20, 67; dass die natur alte gewohnheiten bis auf einen gewissen punkt fortpflanze S. G. v. Vogel
s. 7; alte gewohnheiten überflügeln endlich die ganze constitution
s. 10; a. g. können langsam abgelegt werden
ebenda; jene täglichen gewohnheiten Herder (
ideen, zusätze) 14, 604; dasz er sich nicht von denen gemeinen gewonheiten befreiet zu sein achte Butschky
rosenthal (409)
s. 870; ohne besondere und erhebliche ursach sol man übliche gewonheiten nicht änderen Harsdörffer
frauenzimmer gesprechspiele 4, 399; wen die böse gewohnheiten einmal ertappen ... den lassen sie so leicht nicht aus Abraham a S. Clara
etwas f. alle 3 (1711) 189; und solche böse gewonheiten lassen nicht leichtlich nach, sondern werden offt täglich nur ärger
M. Zeiller
episteln (123) 2, 141; auch hinter dem schleier böser gewohnheiten wird jener ursprünglich gute, aber miszgebrauchte grundsätze bemerken Herder (
briefe z. bef. d. hum. 10) 18, 251; gewohnheiten sind gewonnene feste formen unsrer übung (
Kalligone) 2, 119; gewohnheiten kommen durch öftere wiederholung derselben handlung zu stande, wodurch eine grössere fertigkeit, sie zu erneuern entsteht S. G. v. Vogel
bemerkungen und erfahrungen s. 4; unser leben wird zur gröszeren hälfte von gewohnheiten und nur zur kleineren von freiheit und entschlusz genährt. gewohnheiten aber sind meistens die polster, welche die schwachen seiten unsrer natur sich unterlegen Immermann 5, 113; es lassen sich gewohnheiten, die eingewurzelt sind, nicht so rasch beseitigen; man wird jahre lang noch das bedürfnisz haben, nach thalern zu rechnen Bismarck (
im reichstag 17. 11. 1871) 5, 177. IIII.
überblick über die neueren gebrauchsformen und verbindungen des substantivs. II@11)
das individuell belebte substantiv. II@1@aa)
bestimmungen die den inhalt des begriffes, das object der zu grunde liegenden handlung, kennzeichnen. II@1@a@aα)
selten dient diesem zweck ein substantiv: welcher allgemach sich wird herausz wicklen (
aus seinen schulden), der macht ein gewonheit der häuszligkeit J. Schupp (
kunst reich z. w.) 739; die opposition ... war beständig im widerspruch mit sich selber und opponierte hier, wie gewöhnlich, aus blöder gewohnheit des oppositionsmetiers Heine (
franz. zustände: gefängniszreform) 10, 245; die vielen fäden der wissenschaften, künste und geschäfte, die ich in meinen frühern zeiten angeknüpft habe, laufen nun immer enger zusammen, kreuzen und drängen sich, so dasz es meiner ganzen ordnungsgewohnheit bedarf, damit kein gewirre entstehe Göthe
br. 15, 8; vorstellungsgewohnheit Volkelt
quellen d. menschl. gewissheit 26;
auch substantivsätze spielen keine grosze rolle: das ist allzeit deine gewonheit, du denckest ehe an das spiel als an die schule
M. Meister
colloquia scholastica (1621) B 1
b ebenso (
s. u.)
Götz von Berlichingen lebensbeschr. 103;
M. v. Kemnat
chronik Friedrichs I.
s. 56; wir haben zwahr die gewohnheit nicht, dass wir unsere eigenen thaten selber rühmen J. Rist
friedewünsch. Teutschland (1, 4) 66; ein anderer hatte die gewonheit, dasz ... Abraham a S. Clara
Judas der ertzschelm 1, 402; es ist einmal meine üble gewohnheit, dass ich gleich ins feuer gerathe Lenz (
hofmeister 2, 1) 1, 18
Tieck; Herder 8, 123; die harmlosen 'dienstboten' zurückgewiesen? ja. und zwar aus ... dem gedanken oder doch der gewohnheit, dass ein hoftheater im grunde nur für ein exklusives publikum vorhanden sei H. Laube 5, 214. II@1@a@bβ)
das bevorzugte anknüpfungsmittel des neueren stils ist wie bei gewohnt sein
und gewohnen
der infinitiv mit zu: sein gewonheit nicht was so lang ze schlaffen
Ulmer decameronübersetzung s. 114;
desgl. (
s. u.) 22,
s. 60; Grimmelshausen
Simpl. 177; die gewohnheit aber, seine abendstunden in dem schauspiele hinzubringen J. v. Sonnenfels
br. üb. d. Wienerische schaubühne (
Wiener neudr. 7) 321;
vgl. G. Freytag 4, 217; Göthe (
Rameaus neffe) 45, 3
Weimar;
u. a. s. u. die gewohnheit und das vergnügen dir zu dienen, zerstreuen alle bedenklichkeiten Lessing (
Virginia 4, 1) 6
3, 98; auf der schule hatte er schon die üble gewohnheit an sich den porträten der gelehrten bärte zu machen und nun machte er recensiones famosas Lichtenberg
aphorismen 2 (
litt. denkm. 31, 100);
vgl. Abraham a S. Clara; G. Freytag 4, 287
u. a. s. sp. 6567
f.; als wenn man einen hauptstern am himmel vermisste, den man nächtlich wiederzusehen die erfreuliche gewohnheit hatte Göthe
br. 34, 150; es ist so ziemlich die gewohnheit des herrn v. V(oltaire) sich auf zeugen zu berufen, die nicht mehr unter den sterblichen sind Wieland (
verm. schriften V, 3
Voltaire) 36, 165
ausgabe v. 1858; die gewohnheit nach seinem eigenen ermessen zu handeln O. Ludwig
zwischen himmel und erde cap. 2; die gewohnheit des einen zu bestimmter stunde seinen kaffee zu haben J. E. Erdmann
über gewohnheiten s. 6.
ungewöhnlich dagegen und dem gelehrten stil angehörig sind hier formen des substantivirten infinitivs wie: die vertheilung von gewohnheit des habens und gewohntem thun Erdmann 11.
anders infinitive, die ganz in die kategorie des substantivs übergetreten sind: so lange ich atme, will ich von dieser süssen gewohnheit des daseins nicht lassen W. Alexis
ruhe ist die erste bürgerpflicht 818;
vgl. schon Göthe 8, 294
s. u.; ein gothisches bauwerk ... wendet die irdische masze und schönheit nur auf, um den menschen vom irdischen leben wegzuziehn, die griechische kunst bindet ihn mit blumenketten fest an des lebens freundliche gewohnheit C. Hase (
erinnerungen an Italien) 11, 1,
zweite abth. s. 10. II@1@bb)
possessivbestimmungen kommen beim individuell erfaszten substantiv natürlich zu besonderem rechte und zwar in der form des possessivpronomens, gegen das andere ausdrucksformen ganz zurücktreten: du solt auch wissen die grosz gesuntheit leit an den dingen der man gewonet hat ... wann die gewonheit verändert die natur ... wann hat ein man vil gearbeit und übel geessen ... und wirt darnach gemeiten geen und wol essen und trincken so wirt er siech ... wann er hat seiner gewonheit nit Ortolff v. Bayrlandt
artzneibuch 4
a u. a. (
s. u.);
zu den demonstrativformen im dienste der individuellen richtung des subst. vgl.: ein von natur zu den lastern geneigter mensch ... wird durch gewohnte werkstellung dieser laster ohn wunderwerk nicht darvon lassen, weil die gewohnheit die natur bestärket: wann aber solche gewonheit der natürlichen neigung und fähigkeit zuwiderlauft ... da kan keine gewonheit die natur ändern Butschky
rosenthal (
no. 526) 1099; diese gew. Pfeffel
pros. versuche 4, 57
u. a. II@1@cc)
syntactische verbindungen. II@1@c@aα)
unter den verbindungen des substantivs mit nominibus ist die unterordnung unter ein substantiv hier nur wenig entwickelt (
s. dagegen 3): mögen es eindrücke meiner kindheit sein oder ein traum der gewohnheit, die frappantesten stellen in der bibel dünken mir von der höchsten ... natur zu sein Herder (
briefe an Theophron 2) 11, 167; er sammlet sich, ruft das urtheil der gewohnheit zu hülfe, und nun siehet er wieder, wie er durch eine lange gewohnheit der augen sehen lernte (
die '
plastik'
von 1770) 8, 119; wenn er kam bot er den süszen reiz der gewohnheit Gutzkow
ritter v. geist 3, 386. II@1@c@a@11))
bei der zusammenstellung mit synonymen oder bedeutungsverwandten gewinnt die possessivbestimmung, namentlich des pronomens wenig boden, vgl.: der einsidel musste wider seinen willen und gewonheit lachen Grimmelshausen
Simplic. 29; wie jedem apostel noch sein gesichtspunkt, sein körper, seine gaben, seine geschicklichkeit, übung und gewohnheit blieben, alle aber geläutert, lichtrein, angeflammt erscheinen aufs gute Herder (
briefe zweener brüder Jesu) 7, 489.
dazu vgl.: darnach ist si in sölichen jungen jaren glich waichem wachse, das schnell des mans sitten und gewonhait mit in truckung ... empfangen hat Niclas von Wyle
translationen (
aus Poggio) 136.
andererseits vgl.: bist du von art oder gewonheit karg, ein zucher und hebig, so thuon dir gewalt an, gib almuosen bisz rylich so gewonst du sein, und würt dir leicht Geiler v. Kaisersberg
irrig schaf (
Straszburg Schürer) C 2
a; das Atabeck, der Sady sohn solch eine gewohnheit und natur hat ... Olearius
der persianische baum-garten (
Hamburg 1696)
s. 10
b;
die gleiche verbindung (
s. u.) Wieland 24, 231; zu besagten gewohnheiten und sitten Butschky
Pathmos (653) 940; wie sehr man mit einer kunst in verhältnisz, übung und gewohnheit bleiben musz, wenn man ihre productionen einigermaszen geniessen und etwa gar beurtheilen will Göthe
br. 14, 110; aus nachsicht, gewohnheit oder gutmüthigkeit 20, 92; ein solches leben ... eine gewohnheit dieser art Herder 18, 159; und ich war daran durch umgang und gewohnheit gebunden Göthe (
dicht. u. wahrh. 11) 26, 7; das alles nahm sie für ihn ein, wozu die gewohnheit, die äussern nun von der welt als bekannt angenommenen verhältnisse, das ihrige beitrugen (
die wunderlichen nachbarskinder) 17, 325; aus gewohnheit fromm, aus trägheit tugendhaft. J.
F. v. Chronegk (
einsamk. 5.
ges.) 2, 28; aus trägheit und böser gew. Herder 19, 371; aus gew. und flucht der langeweile 19, 24; furcht und gew. Arnim
tröst. einsamkeit 9
Pfaff; gew. und vergnügen Lessing 6
3, 98; gedanken und gew. Laube 5, 214
s. o. II@1@c@a@22))
attribute begleiten auch hier gelegentlich das substantiv, werden aber bei der individuellen erfassung nicht gerade bevorzugt. innerhalb der alten gruppen (böse, alte gew.)
machen sich neue prägungen bemerklich, vor allem aber findet der neuere stil unter der anregung Göthes
für die erfreuliche seite mannigfache ausdrucksformen der empfindung. II@1@c@a@2@aa)) dann wort on werck schaffen bei euch nihts der alten, guten gewonheit nach
kurfürst Albrecht v. Brandenburg
an herzogin Anna v. Braunschweig (1474)
s. Steinhausen 1, 117; do er Serciapellet seiner guoten gewonheit getröst hat
Ulmer übers. des decamerone s. 23 (
comendato questa usanza); dise bOese untugende ... die ime von langer gewonheit sint in dem grunde beliben von der bOesen gewonheit Tauler
predigten s. 235
Vetter; in böser gewonheit leben Abraham a S. Clara
Judas der erzschelm (1686) 1, 417; aus trägheit und böser gew. Herder 19, 371; dasz diser ungeschliffene limmel ein schändliche gewonheit an im hab Abraham a S. Clara
Judas der erzschelm 1, 401;
vgl.üble gew. Lenz 1, 18 (
s. o.) slichte gew. Fr. Reuter 2, 22. II@1@c@a@2@bb)) owe herr, so ist mlich alt gewonheit ze lassenne Seuse (
büchl. d. ewigen weish. cap. 6) 221
Bihlmeyer; wissen aber nitt, was wir sagen, habens ausz langer gewonheit Luther 34, II, 71
Weimar. (
vgl. dagegen durch eine lange gew. der augen Herder 8, 119
s. o.); welcher ... nachmals wider zu alter gewonheit keret Ambach
vom zusauffen B 3
b; finde ich euch aber nach der alten gewonheit mit dem starcken hindern, der voller gruben were Albrecht v. Brandenburg
an Anna v. Braunschweig s. Steinhausen, privatbriefe 1, 117; nach der alten gew.
Ulmer verdeutsch. des decamerone s. 132; de olle gew. Fr. Reuter 2, 453; darvir (
vor d. Marienbild) kniiet er nach seiner alten gewonhait, sprach sein gepet und fieng an, innigclich zu wainen J. Knebel
chronik v. Kaisheim 121
Hüttner; meiner vorigen gewonheit nach Grimmelshausen
Simpl. 404
neudr.; (
täglichen) 32; und wo es hingeht, suchend seinen stall und früherer gewohnheit alte stätte, dort tretet ein. Grillparzer (
Libussa 2) 8
5, 161; bereits war es zur stehenden gewohnheit Noltens geworden ... seinen abendspaziergang nach Zarlins besitzung zu richten Mörike (
maler Nolten) 4, 46
Krausz. II@1@c@a@2@cc)) eine besondere gewohnheit soll der mann an sich gehabt haben Lessing (
d. junge gelehrte 1, 5) 1
3, 295; die grosze nächtliche stille hier auszen im garten hat auch viel reiz ..., und es dürfte einige gewohnheit dazu kommen, so könnte ich verdienen in die gesellschaft der würdigen lucifugen aufgenommen zu werden Göthe
briefe 14, 161; überhaupt aber bin ich auf einer idee zu deren ausführung mir nur noch ein wenig gewohnheit mangelt (
an Schiller 1797)
br. 12, 329; sie gab, gegen alle gewohnheit, ihnen ... einen prächtigen schmaus Heinse (
Hildegard 3) 6, 142; das verkennt der oberflächliche zuschauer leicht, dessen glaubensbekenntnisz die blosse gewohnheit H. Laube 5, 238. II@1@c@a@2@dd)) süszes leben! schöne freundliche gewohnheit des daseins und wirkens! von dir soll ich scheiden Göthe (
Egmont 5) 8, 292;
vgl.: süsse gew. des daseins
s. o.; jedem beschauer zur lust, uns selbst zur süszen gewohnheit. Platen (
die antiken) 1, 63
Redlich; — wie aus dem keim der bekanntschaft nach und nach in uns holde gewohnheit entsprosz. Göthe (
elegien 2) 1, 329; die befriedigung seiner wünsche ward eine reizende gewohnheit (
Meisters lehrjahre 1, 9) 18, 44; herzogin Amalia hatte die gnädige gewohnheit eingeführt, dasz sie allen personen ihres nächsten kreises zu weihnachten einen heiligen christ bescheren lieszen (
das neueste von Plundersweilen) 13, 43; die erfreuliche gew. haben
br. 34, 150; (die üble) Lichtenberg
s. o.; sie verfluchte die schleppende, träumerische gewohnheit, durch die ihr ein so unbedeutender bräutigam hatte werden können Göthe (
die wunderlichen nachbarskinder) 17, 328. II@1@c@bβ)
die verbindungen mit verbis lassen dem possessivpronomen hier mehr spielraum. II@1@c@b@11))
vor allem gilt dies für die subjectfunction, namentlich in der verbindung mit dem verbum substantivum, die des pronomens kaum entbehrt. hier ist neben der alten form des nebensatzes nun auch die des hauptsatzes voll entwickelt, die dann meist einen infinitiv, seltener einen ganzen satz abhängen läszt, vgl. oben sp. 6564.
vgl.: II@1@c@b@1@aa)) sie den wege wider zuo dem schifflein nam ... als dann ir gewonheit was ze thon
Ulmer decameroneübers. 91;
ebenso 60; nach euerem befelch will ich ... mich tapfrer halten weder mein gewohnheit ist Albrecht Dürer (
an Pirkheimer) 32 nachlasz; ich wil einen menschen bei nacht, der nur so laut redet als seine gewonheit ist, an der stimme durch ein solches instrument erkennen Grimmelshausen
Simpl. 200
neudr.; wie meine gewonheit in dergleichen begebenheiten war 35; (
vgl. auch die erde, deren gewonheit ist 177); mein gewonheit ist zuo dem minsten die wochen ein fart ze peichten
Ulmer decameroneübers. 22 (
la mia usanza suole essere di) 114;
vgl. M. Meister
s. o.; dann mein gewonheit war, wann ein fast-tag war, so asz ich einen ganzen tag nichts bisz nachts Götz von Berlichingen
leben 103
Bieling; es war seine gewohnheit, den eigenen geburtstag so feierlich als möglich zu begehen G. Freytag (
soll u. haben 2, 3) 4, 217; es mag schön oder hässlich wetter sein, meine gewohnheit bleibt auf jeden fall um fünf ... spazieren zu gehen Göthe (
Rameaus neffe) 45, 3
Weimar; du wilt dich lassen den zoren überwinden, nain tue das voren, das dein gewonhait den zorn überwint. Hans Vintler
pluemen der tugent v. 1478
Zingerle; deine gewohnheit betrog dich, dasz du glaubtest, körper, als körper sehen zu können, weil, was du sehr oft gesehen hattest, körper war Herder (
plastik) 8, 123. II@1@c@b@1@bb)) da doch beiderseits kein ziel zu einer verehligung, sondern bloss ein gewonheit scheinte Abraham a S. Clara
Judas d. erzschelm 1, 241;
vgl.(
s. o.) die gew. bethätigt (Arnim), trägt bei (Göthe), zerstreut (Lessing), entspriesst (Göthe);
vgl. auch: äwer de olle gewohnheit drew em nah Gürlitz tau
F. Reuter (
stromtid 2, 30) 2, 453. II@1@c@b@22))
für die objectfunction ist das pronomen nur ganz selten beobachtet: ich gebe euch diesen guten rath eure böse gewohnheit zu überwinden Scriver
seelenschatz 432
b; eins nur bitt' ich zuletzt, du lässiger, dass du mir diesmal deine gewohnheit änderst. Fr. Rückert 2, 125;
vgl. auch (
s. o.): meiner gew. bedarf es Göthe;
vgl. andererseits die possessivbestimmungen in: die sol ... in ir eine gewonheit machen Tauler
predigten 12
Vetter; er ist mehr landjunker als diplomat und hat die gewohnheit dieser art von Engländern sein mittagsmahl im magen stets 2 zoll unter portwein zu setzen Bismarck (
an L. v. Gerlach 1855)
br. 1897
s. 130;
vgl. F. Reuter (
s. u.). II@1@c@b@2@aa))
die meisten belege entfallen auf die verbindung die (eine) gewohnheit haben,
die schon in der älteren bibel so oft gegen lat. consuescere
eingeführt ist (
s. sp. 6555);
vgl.du weisst ... dass mein seliger herr vater die gewonheit hatte
bestrafter brudermord 1, 6;
s. engl. comö
d. 157, 20
Creizenach; vgl. oben (
sp. 6531)
zu Hans Sachs 5, 352;
vgl. Olearius, Rist, Göthe;
vgl. ein anderer hatte die gewonheit, dass er zu allen sachen hinzusetzte ... recht also Abraham a S. Clara
Judas d. erzschelm 1, 234; un wil dat ick de slichte gewohnheit an mi heww, mi in den slap tau roken
F. Reuter (
stromtid 1. vorcapitel) 2, 22;
ebenso (
s. o.) Lessing, Lichtenberg;
dazu vgl.: denn ich habe in gewohnheit die leute, wo möglich, warten zu lassen J. E. Schlegel 3, 416;
u. a. II@1@c@b@2@bb)) dan pfaltzgrave Friederich hielt die gewonheit, welcher sein leibeigen und sein feint worden was, den liess er doten, er hett den gros forderer oder ursach eins alten diensts
M. v. Kemnat
chronik Friedrichs I. 56; wie die form ist, so giesset man, und wie man die gewonheit gemacht hat, dabei verbleibet man Abraham a S. Clara
etwas für alle 3 (1711) 190; nun aber daraus eine gewohnheit zu machen Herder (
christl. schr. 1794) 19, 42;
vgl. auch (
s. o.) Schupp; wer in seiner diät eine gewonheit angenommen und sich wol dabei befindet Hohberg 1, 165; hat die gew. nicht mehr lassen können Abraham a S. Clara
Judas d. erzschelm 1, 417;
das gleiche schon Seuse; (ablassen) Merswin; (ablegen) Pfeffel;
vgl.: ein gezähmtes thier wird herrenlos, wenn es die gewohnheit ablegt, an den ihm bestimmten ort zurückzukehren
bürgerl. gesetzb. § 960; so würde sie bald die gewohnheit verlieren, die glückseligkeit und unglückseligkeit eines menschen nach der beschaffenheit seines aüszerlichen zustandes zu entscheiden
demoiselle (
C. C.) Lucius
an Gellert s. 136. II@1@c@gγ)
die präpositionalverbindungen begünstigen nur in einzelnen formen das pronomen oder andere ähnliche bestimmungen. II@1@c@g@11))
die alte verbindung mit nach
meidet anfangs das pronomen, läszt es dann aber bald nicht mehr fehlen: pflag er nach gewonheit alle tage sein knie zu beugen Johann v. Neumarkt
leben d. hl. Hieronymus 209 (
var. gewöhnlichen);
das gleiche 176; eins tages schickt er nach der gewonheit
verdeutschung der dialoge Gregors (1473) II, 20; lass nach gewonheit mich die freuden-rosen lesen.
Neukirchs gedichtsamml. 1, 46;
vgl. auch oben (
sp. 6566): nach alter gew.
dagegen vgl. nun: ich waisz, das Metz mein auch warten wirdett nach irer gewonhait Albr. v. Eyb (
Philogenia) 2, 123
Herrmann; als der nach siner gewonhait ietz hin dann her spacirende. Niclas v. Wyle
translationen 27;
ebenso Steinhöwel
Äsop s. 38;
Ulmer decameroneübers. 23, Wickram 1, 5; die fr nun zuo der hertzogin und macht ir vor zuo Augspurg nach ir gewonhait in ain trichlin kostlich confect ein Sender
s. dtsch. städtechron. 23, 117; ich wollte, dasz diese kleine schrift des Naudé, die nach seiner gewohnheit voll gelehrsamkeit ist, übersetzt ... erschiene Herder (
br. z. bef. d. hum. 58) 17, 324;
ebenso Auerbach
neues leben 3, 357; ich gieng am sonnabend abend nach meiner gewohnheit zu ihm, um mich rasieren zu lassen Hebbel (
barbier Zitterlein 4) 9, 61
Krumm; ich sehe noch unseren seligen herrn grafen da sitzen und nach seiner gewohnheit seine schnupftabaksdose auf dem tische hin und her drehen W. Raabe
alte nester s. 220;
dazu vgl.: hat er Ulissens nit gegenwertig gefunden, dann er seiner gewonhait nach bei dem mör sasz Schaidenreisser
Odyssee (5.
buch, Calypso, Mercur) (1537) 20
b; dass ich meiner gewohnheit nach im schlaff jählen möchte Grimmelshausen (
vogelnest) 2, 333
Keller; Windheim hats übersetzt, und seiner gewohnheit nach, mit langen, aber schlechten noten vermehret Herder (
theologiebriefe 8) 10, 91;
ebenso (
ideen 4, 16) 14, 262;
vgl. auch: der name (
Dietegen) steht noch im gegenwärtigen Züricher kalender, obwohl kaum noch jemand darauf taufen läszt. ich habe ihn meiner gewohnheit gemäsz dort hervorgesucht G. Keller (
an W. Petersen 1876) 3, 233
Bächtold. das gleiche gilt für die gegentheiligen verbindungen, die aber weniger verbreitet sind, vgl.: weil man das ampt im chor hat gesungen ... hat si wider ir gewonhait die augen imerzuo laussen umschweiffen und uns angesechen Sender
dtsch. städtechron. 23, 144; da Reinhard wider seine gewohnheit nicht antwortete Storm 1, 20; gab ich es meinen jüngeren freunden zu lesen, auf die es eine desto gröszere wirkung that, als ich, gegen meine gewohnheit, vorher niemanden davon erzählt ... hatte Göthe (
dicht. u. wahrh. 13) 26, 227;
ebenso W. v. Polenz
Grabenhäger 1, 2; A. v. Arnim 1, 9 (
Grimm).
vgl. dagegen (
s. o.) gegen alle gew. Heinse. II@1@c@g@22))
bei anderen verbindungen ist das pronomen ganz vereinzelt: II@1@c@g@2@aa)) weil sie aber ja verstockt auff ihrer gewonheit beharren Luther (
tröstung an die christen zu Halle 1927) 23, 415. II@1@c@g@2@bb)) ... wer manig mensch nit hin zuo gangen, der also ausz forcht, scham und gebot der welt mit unwillen, nur ausz gewonhait on begird dartzuo ganngen ist Seb. Lotzer (
beschirmbüchlein) 67 Goetze; einer ist gewest, der zum öfftern in seinen reden dise wort, ausz gewonheit, eingemischt, wie ihr deszgleichen Abraham a S. Clara
Judas d. erzschelm 1 (1686) 401; das thun was man gewohnt ist und aus gewonheit gern thut Hohberg 1, 165;
vgl. auch Zedler 10, 1398,
vgl.(
s. o.) Chronegk, Göthe, Herder; wie man aus gewohnheit nach einer abgelaufenen uhr hinsieht, als wenn sie noch ginge, so blickt man auch wohl einer schönen in's gesicht, als wenn sie noch liebte Göthe
max. u. refl. nr. 246;
schr. d. Goethegesellschaft 21, 43; ich hatte aus gewohnheit noch ein kleines niedliches madonnenbildchen an einer seidenen schnur am halse hangen Seume (
spaziergang 2) 3, 49
Hempel; der alte herr hängt nämlich an dem obersanitätsrath, nicht aus liebe, sondern aus gewohnheit, wie an einem alten stück möbel Immermann 3, 172; doch mehr aus gewohnheit, als aus lust Holtei
erz. schr. 1, 5 (
vom hunde). II@1@c@g@2@cc)) weil mich solches verleckern: und von meiner gewohnheit hart zuleben, abziehen mögte Grimmelshausen,
Simpl. 532
neudr. dagegen vgl.: odder da einer fruo ist von gewonheit wegen, und er mag der rechten zeit nit erwarten Geiler v. Keisersberg
sünden des mundes 4
b; von natur und gesundheits wegen Wieland 24, 231;
vgl. auch (
s. o.) Geiler, Abraham a S. Clara. II@1@c@g@2@dd)) die traurikait und betrübnusz, die ist mir durch die gewonhait iecz zemalt alt
verdeutschung der dialoge Gregors (1473) I,
cap. 1; man lieset von einer jungfer, die von jugend auff das gifftige kraut Napellam zu essen gewohnet war, und durch solche gewohnheit so viel zuwege gebracht hatte, dasz es ihr nichts schadete Sperling
Nicodemus quaerens 1 (1718) 1398; wähle dir irgend eine gute lebensart; angenehm wird sie dir werden durch gewohnheit Herder (
zerstr. blätter 5) 16, 174;
desgl. (
plastik) 8, 7;
vgl. auch Göthe 26, 7. II@1@c@g@2@ee)) wann am dritten tag kert er wider zuo seiner gewonhait und begund zuo der zeit des gebettes unstAet sein
Gregors dialoge II,
cap. 4.
dagegen vgl.: bei erleichterter gelegenheit seine werke zu finden (
lord Byrons) und zu besitzen, ward es auch mir zur gewohnheit mich mit ihm zu beschäftigen Göthe (
tag- und jahres-hefte 1817) 32, 129,
vgl. auch (
s. o.)
zu Ambach, Butschky, Platen, Mörike. II@1@c@g@2@ff)) und hab so manchen gouch usz genümen, das ich sin bin in gewonheit kummen. 3, 71 Murner
gäuchmatt 3, 71
Uhl.; lässestu die sünde erst in die gewonheit kommen, so machstu dir hernach die busz selbst schwer H. Müller
geistl. erquickstunden (1667)
s. 111 (
nr. 69); so man aber der masz recht unterricht ist und die in gewohnheit bringt, kann nachfolgend dest leichter auch ohn die masz ein iglich bild gemacht werden A. Dürer (
von menschl. proportion) 209
nachlasz; und hat in gewonhait gehept, wann er mit seiner eefrauen die eelichen werck hat wellen pflegen ... hat er vor den segen than Sender
chronik v. Augsburg, s. dtsch. städtechr. 23, 310; andere habens in gewonheite, dasz sie nach dem morgenessen zu bade gehn Ryff
traumbuch Artemidens 58
a 1, 61,
desgl. Wickram 2, 25, Heilmann
Thuc. 541, J. E. Schlegel 3, 416;
vgl. in übung und gew. bleiben (Göthe), in böser gew. leben Abraham a S. Clara;
dagegen vgl.: und das tier fuhr, wie es in seiner gewohnheit lag, auf den fremden los Anzengruber (
dorfgänge) 3, 129. II@22)
das substantiv, das eine gruppe von trägern des begriffes voraussetzt, ist auf bestimmungen, die diese gruppe abgrenzen, also auf possessive formen, von hause aus angewiesen. II@2@aa)
formen der abgrenzung der gruppe. II@2@a@aα)
possessivbestimmungen und entsprechende mittel. vgl. zur rechtssprache sp. 6551,
vgl.: us gewonheit deren menschen kumpt es, das du was ich übels überkummen hab, vor hettest erfaren Terenz (1499) 35
b; die gewonheit der menschen, wie auch ihre complexion hilfft viel dazu, und gefelt manchem die sackpfeiffe weit besser als ein schönes lautenspiel Heinrich Albert
vorrede z. 3.
theil seiner arien, (1640)
neudr. s. 68; welches in die gew. der menschen übergegangen ist Laube 5, 163; beschreibung frembder oerther und länder, und derselben gewohnheiten, natur, leben, sitten, geist-, welt- und häuslichem stand
titelblatt z. Adam. Olearius
reisebeschr. (
Hamburg 1696); als die herrschenden meinungen, sitten und gewohnheiten unsres zeitalters Herder (
br. z. bef. d. hum. 21) 17, 95; (gew. ... unsres geschlechts) 20, 220. nach cristenlichem brauch und gewonhait J. Knebel
chronik v. Kaishein 260; heidnische gebrauche und gew. Eberlin v. Günzburg 3, 216; der welt sit, gewonheit und brauch Luther 28, 593; nach dem brauch und gewohnheit der welt Abraham a S. Clara
lauberhütt 2, 62; (weltliche ... gew.) 23, 514 Grimmelshausen
wiedererst. Simpl. 3, 387; kam zuo auszgang des walds zuo suochen und zuo forschen die gewonheit des lands Pontus
und Sidonia (1498) i 5
b;
ebenso (gew. und eigenschafft des lands) Warbeck
d. sch. Magelone (20, 51, 31) 77
b; (des landes satzung und gew.) Opitz
Sidneys Arcadia 1, 79; kein lands gewonheit Hutten (
Vadiscus) 4, 215; so hett er im des lands gewonheitt fur hin sagen sollen Luther 9, 541; der Markhold gesägnete sie, nahch landes gewohnheit, mit einem kusse Ph. v. Zesen
adriat. Rosemund (3) 145
Jellinek. ebenso Seume 3, 47; nach landes gew Mathesius (
leichpredigten) 4, 28; er machte ihn sogar, einige jahre darauf, gegen die gewohnheit des landes, zum aufseher seiner beträchtlichen besitzung H. v. Kleist (
verlobung in St. Domingo) 3, 313
E. Schmidt; ausz notwendiger gew. dieses lands Hedio
Josephus 17
b; jeder aber sprach viel leiser, als es sonst dort die gewohnheit des ortes ist W. Raabe
alte nester 280; was tuogent der verstorben hette nach gewonheit der welschen stette. Hans Sachs (
d. vier thiere)
fab. u. schw. 3, 278; die poesie ist ein Proteus unter den völkern; sie verwandelt ihre gestalt nach sprache, sitten, gewohnheiten, nach dem temperament und klima, sogar nach dem accent der völker Herder (
br. z. bef. d. hum. 8) 18, 134;
vgl. 13, 431; da gedacht Diz Marschalk zu treffen (
den kampf zu beginnen), fieng nach teutscher gewonhait den leisen an zu singen Wilwolt v. Schaumb. 59; und zwar mit der allerschlechtsten speise, welches wie man saget, wider aller teutschen art und gewonheit laufft Grimmelshausen
Simpl. 584
neudr.; eʒ ist der Deuczen gebonhait
bayrisches sprachbuch 100
b Brenner; gew. der vorderen Tauler 41; gew. unserer dtsch. landsleute Seume 3, 159; volksgewohnheiten
s. Sanders
erg. wb. 649
c; nationalgewohnheiten Sonnenfels (
Wiener neudruck 7) 168; lokalgewohnheiten 103; stammesgewohnheit Lewald
s. Sanders 3, 1653
a; so hat sie alle alten, mitunter verwunderlichen gewohnheiten und rechte des hauses bestehen lassen A. v. Droste-Hülshoff 2, 328 (1879); sehet ihr nicht vielmehr, erbauliche ausleger, dasz dies 'gedenke' nichts als beziehung auf ein altes bekanntes, auf eine vätergewohnheit sei Herder (
älteste urk. 2) 6, 329; es ist die löbliche gewohnheit meiner brüder Rabener 1, 153; gew. der liebhaber Herder 15, 216; als iunger leut gewonheit were
Ulmer decameroneübers. 82; daʒ selbig thuot auch die nessell ... wenn ein frawe einer muttersatz macht mit nesseln und mit rauten bringt si ir gewonheit und öffnet ter muoter tür 99
b Ortolf
v. Bayerland; diss der schwangern weibern gewonheit sein J. Wetzel
reise der söhne Giaffers 21 (
litt. v. 208); gew. der frauen
Ulmer decameroneübers. 162; ihres geschlechts Iffland 162; nach gwonheit der geselschafft dein, wird auch allzeit dein wandel sein.
loci communes proverbiales (1572) 31 (
talis eris, qualem socium tibi quaeris); jugend, junggesellen-gewohnheit
u. a. Sanders 3, 1653
a; das sint die geistlichen die sich für guot hant und ... haltent ire gewonheit für alle ding und wellent in den geachtet sin Tauler
predigten (9) 41
Vetter u. a.; warumb macht nit auch vielerlei priesterschafft szo vielerlei weisz und gewonheit der stifftkirchenn und klöster, da keinis mit dem andernn concordirt Luther 7, 633
W.; (
die münche) nach ir gewonheit im vigil gesungen
Ulmer decameroneübers. 28,
u. a. (
s. präpositionen); der künig und die marggraffin ... ze kirche sassen und nach küniglicher gewonheit ... mit grosser stille und zucht ... gedienet waren
Ulmer decameroneübers. 40; da si nach fürstenlicher gewonhait heten ir churzweil Andreas v. Regensburg 653
Leidinger (
more principum); und wo die selbigen solten auch knechte bei sich haben, nach gebür und gewonheit ires stands Cochläus
tragedia Johannis Hussen s. 4
neudr.; eine so schändliche that wider alle billichkeit und löblicher soldaten gewonheit und herkommen Grimmelshausen
Simpl. 222; handwerksgewohnheit
s. oben; asso des hantwergs gewonheit und recht ist
Straszburger zunftbuch der kürschner (15.
jahrh.)
s. z. f. gesch. des Oberrheins 17, 53; nach hantwerckhs gewohnheit
zunftordnung der müller von Crummen (
mitth. d. ver. f. gesch. d. Dtschth. in Böhmen) 86
Mörath; und dann schauet ins bürgerleben! da hat jedes gewerk, oft das leichteste seine jahrelange lehrzeit, seine fest und tief gewurzelte gewohnheit nöthig Gutsmuths
turnbuch XVII; auff ein zeit war er (
ein leinenweber Jacob Plack) mit andern seines handwercks meistern, ihr leinen tuch zu verkauffen, gen Franckfurt in die mess, nach ihrer gewonheit, gezogen Kirchhof
wendunmuth (2, 133) s. 182
Oesterley; bergleuftiger gew. nach
cod. dipl. Silesiae 21, 14; bedenckt der artzt einfalt, jre gewonheit, jhr gelt suchen Paracelsus
vom aderlassen (
werke 5,
appendix)
s. 89; der kaufleut gew.
Ulmer decameroneüb. 25, 29; item als der keisser hin wolt, kamen die koch an mich von der eusseren newgepauten pretterten kuchen wegen und wolten, ich solt die kuchen von in lossen, sie wer ir, oder sie woltens anzunten, das wer ir recht und gewonheit Endr. Tucher
baumeisterbuch 303
Weech u. Lexer; eben sie wars, die jene knechts-gewohnheit einer sündenbüszung vor priestern durch die substitution eines fremden völlig entfernen sollte Herder (
christl. schr. 5) 20, 262; die ... nach peurischer gewonheit geredt worden sind
Gregors dialoge (1473) 1,
cap. 2; hirtengewohnheiten
s. Sanders 3, 1653
a; wider die gewohnheit dieser leute Schnabel
insel Felsenburg 11; sü sigent darnieder vil schiere und stürtzen uf ir alte gewonheit und uf lust der naturen Tauler
predigten 82
Vetter; in diser zeite die drei ... ir alte gewonheit nicht abgingen
Ulmer decameroneüb. 67.
ebenso Rulman Merswin; als dann der pösen und falschen gewonheit ist
Ulmer decameroneübers. 100
u. oft; der verzweifelten 74; der kranken 22; der kranken und betrupten Warbeck
Magelone 99
a; der geitigen
Ulmer decameroneübers. 74
u. a.; dasz derhalben der tugendt brauch vnd gewonheit desto sichtbarer bei jhnen begrieffen werden
auserlesene fragstücke ... s. Aristoteles problem. (1589) 164; als geistlicher recht gew. ist
Ulmer decameroneübers. 68; nichts ist stärker und ewiger, und schneller, und feiner, als gewohnheit des ohrs! einmal tief gefaszt, wie lange behält dasselbe! Herder (
briefwechsel über Ossian) 5, 165; gewohnheit der augen
s. o. II@2@a@bβ)
verhältniszmäszig häufig liegt das abgrenzungsmerkmal in orts- oder zeitbestimmungen, namentlich gilt dies für einzelne verbindungen des substantivs mit dem verbum subst.: wie werden jetziger zeit die kinder erzogen? ... wie es die mit einem scilicet verpetschierte schöne consuetudo oder die gewohnheit nach dem jetzigen weltbrauch erfordert Abraham a S. Clara
lauberhütt 2, 52; das solichs noch vor sechshundert jaren die gewonnhait gewesen, als dann zu Maurkirchen im land zu Bayrn sollichs befunden wart
Zimmerische chronik 1, 6; also danne ein böse gew. was. Windecke 238; als dennoch die gew. was. Hans Sachs
fab. u. schw. 4, 18; als dann desselben mals sitt und gewonheit was
dtsche. städtechron. 5, 200, 7;
Zimmerische chron. 2, 8, 32; 1, 448
u. a. s. unten theil 10, 1,
sp. 1241; wie denn in denselbigen ländern knecht und mägd zukauffen und zu verkauffen gewonheit ist Erasmus Alberus
fabeln s. 8
neudr.; wie i etlichen stetten sitt und gewonheit ist Luther 16, 518
u. a. (in den grossen schiffen gew. ist)
Ulmer decameroneüb. 106; dasz er seine mehrsten sachen, nach der in Italien eingeführten übeln gewohnheit, äuszerst geschwind habe schreiben müssen Heinse (
Hildegard 2) 5, 273; nun waʒ an des abtes hoffe ein söliche gewonheit
Ulmer decameroneübers. 45; dann da ist die gewonheit daʒ man die kinder nach der tOeffe in daʒ bierhusz treyt
Till Eulenspiegel 5
neudr.; daselbst war ein gewohnheit, wie auch sonst an vielen örten, dasz ein nachbaur den andern, wann er ein schwein abgethan, zuo lde Kirchhof
wendunmuth (1, 181) 221
Oesterley u. a. (S. Franck, Demeringen)
vgl. sp. 6577; wann er an ohrtten, do zuotrincken gewonheit, sein werde, oder wann er gest habe, das jhm dann zuo-trincken erlaubt sei J. v. Schwarzenberg
das büchlein v. zutrinken 26
Scheel; es ist ain gwonhait unden an dem Rheine, das man ain künig welen thet am oberst abent spat. Hans Sachs (
d. künig drinckt)
fabeln u. schwänke 4, 108
neudr.; wie solche gewohnheit von unsern vätern, als ein löbliches gebrechen auf uns ererbet Harsdörffer
frauenzimmer gesprechspiele 1, 4; ordnung, sitte und form, welche in seiner heimat als tausendjährige gewohnheit von geschlecht zu geschlecht vererbt sind G. Freytag (
soll und haben 4, 2) 5, 19. II@2@a@gγ)
in dem attribut liegen hier besonders häufig abgrenzungsmerkmale und zwar nicht nur in den oben schon belegten adjectiven, die einen stand oder eine andre gruppe kennzeichnen: wider die weltliche gesetz, ordnungen und gewohnheit Grimmelshausen (
Proximus u. Lympida 3, 1)
wiedererst. Simpl. 3, 387
u. a. (christliche, heidnische, königliche, fürstliche, knechtische gew.
u. a.).
vielmehr dienen auch attribute wie alt, eingewurzelt
u. a. dem gleichen ziel, indem sie mittelbar auf den kreis weisen, innerhalb dessen die betreffende eigenschaft gilt: eile zu sulcher suʒʒer wirtschafte, dorinne dir niht ochsen oder bockes fleisch nach alter gewonheit zu tische getragen wirdet, sunder du wirdest do vinden den warhaftigen leichnamen deines gottes Johann v. Neumarkt
leben d. hl. Hieronymus 86
Benedict u. a. s. sp. 6576; herkömmliche gewohnheit, altes recht, man kann auf gar nichts mehr vertrauen. Göthe (
Faust 2, 5) 41, 323; und doch kam ihm dies alles, der ehrwürdigen gestalt seines oheims gegenüber, wie durch alterthum und langjährige gewohnheit geheiligt vor Hauff (
das bild des kaisers 3) 2, 20 (
s. u.); was würde ihm solche hergebrachte gewonheit helffen Weise
erznarren 22
neudr.; solche eingerissene gewonheit (
franz. zu reden) auszutilgen stehet bei keiner privat-person Chr. Thomasius (
v. nachahm. der Franz.) 19
Sauer. dazu vgl. auch demonstrative und andere pronomina, die eines weiteren attributs entbehren: die gewonheit Tat. Alpinus 74
a u. a. s. o.; hie saget der meister ein ander gewonheit und spricht: in deʒ sechsten jar ... do wurden gesecʒt die ratemaen zuom kaisertuom Muglein
Val. Max. 26
c (
vgl. von einer andern gew. der pflagen die Römer 27
c). II@2@a@dδ)
vielfach liegt das abgrenzungsmerkmal im subject oder object des satzes ohne dasz ein pronomen neben dem substantiv darauf zurückwiese. II@2@a@d@11)) wir reden nach den lehrsätzen und leben nach der gewonheit Hohberg
land und feldleben 1, 165.
ebenso Ulmer decameroneübers. 60. Grimmelshausen
Simpl. 47; Abraham a S. Clara
Judas der erzschelm 1, 243; sich überall durch mode, gewohnheit, ansehen und interesse leiten (lassen) G. C. Lichtenberg
aphorismen 3.
buch s. 264
Leitzmann; vgl. auch Herder 13, 312 (durch erbliche gew.); 14, 131; und es scheint, dasz die verschiedenen charakter der grundtöne durch gewohnheit und erziehung endlich nach und nach auch in die ohren der sänger, geiger und in die blasenden instrumente wären verpflanzt worden Heinse (
Hildegard 1) 5, 61;
vgl. auch Herder 18, 408; 20, 5.
fraglicher ist es, ob in unsere gruppe noch wendungen gehören, die den träger erst aus einer vom substantiv abhängigen bestimmung erkennen lassen, namentlich wenn dieser nicht genannt ist, sondern erst erschlossen werden musz: wann ist die gewohnheit aufgekommen, dass diejenigen, welche das bild bezahlten ... sich zugleich darauf mit mahlen liessen? Göthe (
ältere gemählde) 47, 214
Weimar; aus dem einförmigen verfahren nach diesen grundsätzen wird eine gewohnheit, schnell nach ihnen zu handeln Gerstenberg
s. litt. denkm. 128, 171; die gewohnheit des zahlens in den wirtshäusern Harsdörffer
frauenzimmer gesprechsspiele 1, 6; von gewonheit latînischer lesunge Beheim
erste vorr. v. Hieron. 2
Bechstein; die süsze gewonheit einer daurenden vertraulichkeit und freundschaft Herder (
kl. schr. 1791 ff.) 18, 411
s. unten (3). II@2@a@d@22)) weil wir von jugend auf zerstreut und verzärtelt leben, indem uns zu anhaltenden schweren übungen anlasz, regel, ordnung, sitte, tägliche gewohnheit und strenges gebot fehlen Herder (
zerstr. bl. 6) 16, 395;
vgl. auch 19, 324; 5, 7; Göthe II, 8, 36
Weimar; Klinger 4, 59; die tausendfachen beziehungen, mit welchen die eigenthümlichkeit der stammesentwicklung, gewohnheit und besondere einrichtungen uns alle an die engere heimat fesseln, darin liegt kein hinderniss der einigung Beckerath in der
Frankfurter nationalvers. 27. 5. 1848 (
st. b. s. 134
b); und was ich etwan schwer betracht, hat mir gewonheit leicht gemacht. Joh. v. Schwarzenberg
trostspruch 7
Scheel; Grimmelshausen 2, 26
u. a.; haltet so lang darmit inne, bisz euch unser thun besser gefallen, und die gewonheit euch unser ubermässige kleidung gemeiner gemacht haben wirt. wir kommen euch an jetzo gantz frembd für, und ihr haltet ewer gewonheit ... für die beste ... hernach wie mir diese durch gewonheit angenehm worden Opitz
verdeutschung von Barclays Argenis (1,
cap. 16) 7, 119 (
consuetudo ... mitigabit ... consuetudinem ... cum probassem); wann es gewonheit ist, dasz man vor den herren zu füessen musz lauffen, woe er hin zeucht Schiltperger
reiseb. 9
Langmantel. wie sollte wachen, dem der bauch gott, sein wille gesetz, ehrsucht die führerin, verwegenheit kunst, gewohnheit die regel ... ist Herder (
zerstr. bl. 5) 16, 178. II@2@a@eε)
seltener liegt das abgrenzungsmerkmal anderswo im satze oder musz erst aus dem weiteren zusammenhang erschlossen werden: er muosz ouch do verheissen in, das er es lasz gon im alten sin wie die gewonheit das herbringt. Th. Murner
narrenbeschwörung 19, 56 (
neudruck 119
s. 72); sobald das christenthum schlaffe gewohnheit, ererbtes gut, oder gar fürchterliches und doch müsziges landesgesetz, kurz leibes- und seelenzwang ward; bliebs kein christenthum mehr Herder (
theologiebriefe 15) 10, 173; einen leichnam, den aberglauben und thörichte gewohnheit wünschten verfaulen zu lassen A. G. Kaestner
verm. schr. 1, 32; aber uns zerriss der faden der gunst, den furcht vor veränderung und gewohnheit bisher noch hielten Klinger 4, 224.
vgl. Geibel 5, 9; war indessen das opfer des gewinnes werth, sobald jenes auch nur durch die schweigende gewohnheit ein zwingendes gesetz wurde? Herder (
ideen 3, 11) 14, 31;
desgl. 16, 587. II@2@bb)
der inhalt des begriffes ist in dieser gruppe schon nicht so oft wie bei der beziehung auf individuelle träger des begriffes (
s. o.)
durch eigene ausdrucksmittel gekennzeichnet: es sind ir etlich gar behend, die wüschen vor allzeit die hend, eh sie sich an die taffel setzen ... die gwonheit gfelt mir glat nicht wol. C. Scheidt
übers. v. Dedekinds Grobianus v. 2650
neudr. 34, 81.
ebenso Tat. Alpinus
übers. d. Vergilius 74
a; wann es was gewonhait wer ain wib nam der claidt vatter und muoter
historienbibel 327
Merzdorf; vgl. Luther 23, 531; es ist ein gwonheit sag ich dir der sich dick brucht das weibsch gezier lang kleider sol in iungen tagen das kintlich alter niemer tragen. Seb. Brant
Moretus 227
Zarncke s. 144; also danne ein böse gewonheit was, das einer dem andern zu dinst reit uf sine vigende unwiderseit Eberh. Windecke
denkw. 238
Altmann; es ist eine guote gewonheit zuo Kölle das man gerne das heilige sacramente enpfohet Tauler
predigten 125
Vetter; darnach machtens ein gwonheit seint, das ider preuotgam mues ein fuoder fuoren ertrichs auf diesen pruonnen. Hans Sachs (
Fünfinger m. d. krebs)
fab. u. schw. 3, 348;
ebenso 4, 108; Kirchof
wendunm. 221;
Till Eulenspiegel 5; Steinhöwel
Aesop 198; so ist an tem samstag gern der frawen gewonheit ire heubter zu waschen
Ulmer decameroneübers. 162;
ebenso 106; E. Alberus
fabeln 8;
ehbüchlein E 4
a; die liebe gewohnheit ihres geschlechtes, nie mit dem putz fertig zu werden Iffland (
verbrechen aus ehrsucht 4, 6) 1, 216; es ist nicht die löbliche gewohnheit unserer deutschen landsleute, mit den fremden zuweilen etwas unfein neckerei zu treiben Seume (
spaziergang 2) 3, 159
Hempel; S. G. v. Vogel
s. 2; geschrei der empfindungen wars also was die seelenkräfte entwickelt hat: geschrei der empfindungen, das ihnen die gewohnheit gegeben, ideen mit willkührlichen zeichen zu verbinden Herder (
urspr. d. sprache) 5, 19;
vgl. auch G. Kaufmann
gesch. d. dtsch. univ. 2, 496; und diese leidige gewonheit einerlei gestalt (
des abendmahls) hat keinen gewissen ursprunck Luther 23, 415; diese hatten voraus in der ewigen rechtsfreiheit- und ehregewohnheit der nation, im gedächtnisz und munde der männer, und im geschrei des volks gelebt, und waren heilig Herder (
wider d. dtsch. bischöfe) 5, 684; sich also nur oberflächlich in den festen zusammenhang der truppenkörper, die gewohnheit des unbedingten gehorsams und die sicherheit der militärischen leistung eingelebt hatte v. Sybel
begründung d. dtsch. reiches 5
2, 8; ich finde die gewohnheit mit den proberollen aller orten äuszerst ungereimt und widersinnig J. v. Sonnenfels (
Wiener neudr. 7) 16;
vgl. formulargewohnheit Herder 20, 225; rechts- handels- kriegs- wander- vortragsgew. Sanders
erg. wb. 649
c; begriffs- denk- geistes- frömigkeits- gesangs- ess- und trink- lebensgewohnheit 3, 1653
a. II@2@cc)
nominalverbindungen. II@2@c@aα)
mit substantiven. II@2@c@a@11))
unterordnung unter ein subst.: die ankleblicheit der alten gewonheit: die sol man ab schern mit dem scharphen scharsach eines heiligen flisses Tauler
predigten s. 222
Vetter; ... nichs soll fodern oder aischen noch vil minder mit gewalt wellen haben under dem schein alter gewonhait J. Knebel
chronik v. Kaisheim 53
Hüttner; was thun vernünftigere reisenden, die irgend in eine grosze stadt kommen, um sich nicht durch ihre kleidung vor dem ganzen volke auszuzeichnen? ihren kleidern geben sie den landüblichen zuschnitt, ihrem betragen überhaupt die wendung der lokalgewohnheiten J. v. Sonnenfels (
br. ü. d. Wiener. schaubühne, Wiener neudr. 7) 103; nach der verschiedenheit der nationalgewohnheiten 168; gang der alten gew. Herder 18, 416; nach einer kleinen zeit der gew. 5, 150; im lauf der frechsten gew. 19, 123; lassen sie mich iedes band der liebe freundschafft ... leidenschafft und gewohnheit mich täglich fester an sie binden Göthe
br. 5, 71; es gibt vorstellungen von solcher zusammengehörigkeit, dasz ich, sobald die eine gegeben ist, die andere durch den zwang ... einer gewohnheit ... mit ihr verknüpfen musz J. Volkelt
quellen d. menschl. gewissheit s. 25;
s. gewohnheitszwang; mit der zeit wurde aus ursprünglich reinen trieben des herzens ein institut der gewohnheit Herder (
ideen 9, 5) 13, 458; seltne gelegenheiten der gew. 15, 216; resten der gew. 18, 59; vergessen fast im segen der gewohnheit — bist du am offenbarsten, wenn verhüllt, und trägst die krone, wenn du sie verleugnest. Grillparzer (
Libussa 4) 8
5, 192; in einer parabel dörfen nicht tausend sätze gefügt werden; ein hauptsatz musz in ihr liegen. dasz sie als eine geschichte, gleichsam als ein mährchen täglicher gewohnheit, fortläuft, giebt ihr einen lebendigen, reichen, fruchtbarn gang Herder (
theologiebriefe 16) 10, 182; weg mit dem einförmigen vortrage, der das kind unsrer schwachheit und unwissenheit, oder unsers eigensinns und einer starren gewohnheit, nicht aber der wahrheit und des göttlichen verstandes ist! Herder (
theologiebriefe 38) 11, 7. II@2@c@a@22))
die zusammenstellung mit parallelen subst. ist in dieser gruppe ganz besonders gepflegt, namentlich in der richtung auf die bedeutungsverwandten, gegen die das subst. oben abgegrenzt ist, vgl. sp. 6533
ff.; doch machen sich auch neue formen bemerkbar. II@2@c@a@2@aa)) sü haltent ir eigenen wisen und ufsetzen und alle ir gewonheit für die götliche manunge Tauler 41; dann in dem behilten sie ire weisz und gewonheit (
de suo instituto haud quicquam mutabant) Hutten (
Vadiscus) 4, 186; darnach fraget sie ... von der gewonheit und eigenschafft des lands, und ob fremde leute mochten sichern wandern Warbeck
Magelone (
cap. 20, 51, 31) 77
b; art und gew. Grimmelshausen
Simpl. 584; sitt und gewonhait
s. unten theil 10, 1, 1241; alle die guten sitten und gewonheit die man erdencken mocht
Pontus u. Sidonia l 6
b; durchs schwerd aber verstehe ich alles was zum weltlichen regiment gehört, als weltliche rechte und gesetze, sitten und gewonheite, geberden, stende ... Luther (
Sacharja ausgel. cap. 1. 1527) 23, 514;
ebenso 28, 593;
vgl. auch Herder 28, 593; das inventarium, conservation und custodie bliebe dem bibliothekpersonal anheimgestellt, indem theils stark genug, theils ohnehin in übung und gewohnheit ist, fremden etwas vorzuzeigen Göthe
briefe 21
s. 7; in üssern gebruchen un gewonheiten ein benügen nemen Judas Nazarei
vom alten und neuen gott (neudr.) 52;
die gleiche verbindung Eberlin v. Günzburg 3, 216. 228; oder ein thörichtes hangen an gebräuchen, formeln, vorurtheilen und gewohnheiten, die man mit wut vertheidiget und festhält Herder (
christliche schriften 4) 20, 45; (brauch und gew.) J. Knebel
chronik v. Kaisheim 260; gew. ... gemeiner prauch und alte herkommen Baumann
acten 58; aberglaube, thorheit, laster, persönliche und nationalvorurtheile, böses herkommen, verderbliche gewohnheiten Herder (
christl. schr. 1796) 19, 242; mit diesem gedinge, dasz ihr desz landes satzung und gewonheiten nicht endern, und dann die jährliche steuer und schatzungen ... ohne weigerung auszrichten woltet Opitz
Sidneys Arcadia 1, 79
u. a. s. o.; darüber schmälte der groszvater niemals; er ging nicht aus seinem gelde, und er hielt es für gewohnheit und recht, dasz bei solchen gelegenheiten jeder so viel zu sich nehme, als er vermöge J. Gotthelf 1, 3 (
bauernspiegel)
u. a. s. o.; sollen sie uns und unsern nochkommen solchen zehenden und orber der gebür und bergleuftiger gewonheit und rechten noch in unser kammer zu geben und zu entrichten schuldig sein
urk. v. 1530
s. cod. dipl. Silesiae 21, 14;
vgl. auch nach gebür und gew. Cochläus
s. o. II@2@c@a@2@bb)) es ist auch in Ethiopia ... durchausz nit ein glaub, brauch, regiment und gwonheit S. Frank
weltbuch (1534) 6
b; sie haben in Persia ein sondere sprach und gwonheit O. v. Demeringen
übers. des Monteville 135; aberglaube und thörichte gew. A. G. Kästner 1, 32; regel und gew. Herder 16, 178. 395; neues leben, munterkeit zum guten, vernunft, bescheidenheit, billigkeit, wahrheit, eine beszre erziehung, beszre gewohnheiten Herder (
br. z. bef. d. hum. 10) 18, 297;
ebenso Heinse 5, 61; umgang und gew. Herder (
ü. d. urspr. d. sprache) 5, 7; trägheit, vermessenheit, stolz, irrthum, hartsinn, leichtsinn, vorurtheile, böse erziehung, böse gewohnheit (
br. z. bef. d. hum. 10) 18, 296; trägheit ... gew. 18, 408; furcht vor veränderung und gew. Klinger 4, 224; sie geen ouch zur kirchen und hören das gots wort, das alles beschicht also äuszerlichen, on all göttliche liebe, nur aus einer gewonheit Keisersberg
pred. 5
b; unsre früherworbne gewohnheiten, und neigungen auf wahn gegründet Herder (
br. z. bef. d. hum. 46) 17, 226; den empfindungen und gewohnheiten der bevölkerung gewalt anzuthun Bismarck
reden 6, 45; gewohnheit, partheilichkeit, eigennutz, eigensucht, eitle ehre, wohllust und trägheit machen uns zu sklaven jedes unrechts Herder (
christl. schr. 1797) 19, 324;
ähnl. verbindungen s. Paracelsus
vom aderlassen (
s. o.); Lichtenberg 3, 204. II@2@c@a@33))
unter den attributen sind diejenigen, die die gruppe gegen andere abgrenzen, schon oben besprochen. neben den adjectiven, die sich um die alten begriffe gut
und böse
oder alt
sammeln lassen, sind hier nur wenig neue entwickelt. II@2@c@a@3@aa)) warumbe sine jungern nüt enthieltent die guoten gewonheit der vorderen Tauler
predigten 41; 125;
vgl. die belege der rechtssprache (
sp. 5649); bessere gew. Herder 18, 297; löbliche gew. Rabener 1. 153; Seume 3, 159; dennoch ... bleibt die erspriesslichste und wohlthätigste gewohnheit ... sich an nichts zu gewöhnen, wovon man ohne irgend einen nachtheil nicht einmal abweichen konnte. eine gewohnheit muss gleichsam die andre im zaume halten Vogel
s. 12; so wollen wir doch, der lieben gewohnheit gemäsz, noch einige züge hieher setzen, die das ganze des dichters betreffen, und alsdenn noch ein wort von seinen prosaischen aufsätzen Herder (
recensionen) 5, 301; böse gewonheit E. Alberus
ehebüchl. E 4
a; Hans Folz 126; Abraham a S. Clara
erzschelm 1, 243; Herder 18, 296; eine lasterhaffte gewohnheit schleichet gemach ... ein Am. Comenius
janua (1644) 258 (
consuetudo vitiosa sensim irrepit); verderbliche gew. Herder 19, 242; sinnlose 18, 408; thörichte Kaestner
s. o.; die rohen gemüther derer, die bei ihrer ungebundenheit, nach einer verwilderung von jugend an, im lauf der frechsten gewohnheit für alle feinere grundsätze hart und fühllos worden sind Herder (
christl. schr. 1794) 19, 123. II@2@c@a@3@bb)) das ist die gengklicheit die ime (
dem menschen) von langer gewonheit sint ... beliben von der bösen gewonheit Tauler
predigten 235
Vetter; wie tuot es úch so we, daʒ ir úwer alte gewonheit abe losen msent Rulmann Merswin
buch v. d. 2
mannen 5
Lauchert; ein osterspil hat man heint nach der metten nach alter gwonheit. Hans Sachs (
Eulenspiegels osterspiel)
fab. u. schw. 3, 223;
desgl. dtsch. städtechron. 23, 72. 155;
Ulmer decameronübers. 60; ihr wollt alles, durch nebenbegriffe, durch frühe und alte oder neue gewohnheit gewinnen Herder (
plastik) 8, 35; sprache, gesetze, wissenschaften, künste bleiben jahrtausende dieselbe: sie können und wollen nicht fort: sie sind eingemauert und einbalsamirt in — alte gewohnheit (
vom einflusz d. regierung) 9, 323; die uralte gewohnheit wirkt jeder neuen triebfeder entgegen (
ideen 3, 11) 14, 37; die späteren gesetze sezen die uralte gewohnheit ausser zweifel Eichhorn
dtsch. staats- u. rechtsgesch. 1, 64; hätten die bauren durch lang-hergebrachte löbliche gewonheit die kriegs- und andere aemter in possession, wie der adel Grimmelshausen
Simpl. 47
neudr.; hergebrachte gew. Weise
erznarren 22; Herder 16, 587; wann dann ihr ausz eingewurtzleter schlimmer gewonheit stäts thut fluechen vnd schweren Abraham a S. Clara
auff auff (
Wiener neudr. 1) 91; es lässt sich hernach eine solche eingewurzelte gewohnheit nicht so leicht wegkämpfen Jung-Stilling 3, 408; tausendjährige gew. G. Freytag 5, 19; stettige gew. Luther 7, 633; und leben in ihrer erzwungenen thätigkeit durch erbliche gewohnheit glücklich Herder (
ideen 8, 3) 13, 312; die frühe gewohnheit hatte alle furcht verdrängt H. Steffens
was ich erlebte 1, 33; was will also die eingeführte gewohnheit (
das duell) sagen? Heinse (
Hildegard 1) 5, 157;
ebenso 5, 273. II@2@c@a@3@cc)) ein gemein feil, wilcher nicht allein unter den kauffleutten sondern auch ien aller welt ein leuffige gewonheit ist Luther 15, 298; öffentliche gew. 7, 633; zu mürmeln widder gemeine gebreuch und gewonheitten Eberlin v. Günzburg 3, 228; mehrere dichter spielen auf die allgemeine gewohnheit der liebhaber an, den namen ihrer schöne auf blätter und bäume zu schreiben Herder (
zerstr. bl. 1, 2) 15, 216. II@2@c@a@3@dd)) da sihe zu, wie die bepstliche kirche, eine schwebende gewonheit, die niemand weis, woher, von wem, vnd wenn sie ist komen, thar für ein recht bestetigen Luther 6, 320
a Jena; weil durch einen glücklichen trieb der natur und durch eine geschmackvolle sichre gewohnheit dichter und künstler selbst eine philosophie des schönen ausübten, ehe der zergliedrer ihre regeln aufnahm Herder (
ideen 3, 13) 14, 131; indem ihre (
der thiere) dressur eine erzwungene gewohnheit ist Schopenhauer (
parerga 2, § 307) 5, 617
Grisebach; der mensch ist aber wohl manchmal im falle, vorübergehend eine ihm durchaus nicht natürliche gewohnheit anzunehmen, um sich damit in eine andere person hineinzutäuschen Mörike (
maler Nolten) 4, 48; jede nachahmung miszlinget leicht; und wenn sie ein unglücklicher zwang, gar eine kalte gewohnheit wird, ist sie an sich schon langweilig und verächtlich Herder (
christl. schr. 1794) 19, 42; die handlungen, welche wir aus bloszer gewohnheit vollziehn Schopenhauer (
parerga 2, § 307) 5, 616
Grisebach. II@2@c@bβ)
verbindungen mit verbis. II@2@c@b@11))
für die subjectfunction II@2@c@b@1@aa))
ist auch hier —
und zwar in ganz ungewöhnlicher ausdehnung (
vgl. zur rechtssprache) —
die verbindung mit dem verbum substantivum belegt: es ist je nitt gewonheit, das solche herrn ... sollen allein geen
tragedia Johannis Hussen s. 4
neudr. u. a.; es ist gewonhait in der welt, daʒ die menschen übels umb guots geben ... Steinhöwel
Äsop 198
Österley; in demselbigen land ist gewonheit, wenn ein man stirbt, so begrebt man sein weib lebendig C. v. Demeringen
übers. d. Johann v. Montevilla 149
u. a. siehe oben sp. 6572; und als man het pegraben iren dotten leib, am andren tag det man das opfer haben, als dernoch die gewonheit war dürchaüs im ganzen teutschen lande ... gar. Hans Sachs (
das opffer gelt)
fab. u. schw. 4, 18; es sollen die schuester gerecht schuech auf dem markt pringen als vor gewonhait ist, oder si sind des wandels verfallen dem gericht 72
österreichische weisthümer 7, 5; und aber die untrewen Walhen im täglichs untrew, wie ir gewonnhait, erzaigten
Zimmerische chronik 1
1, 230
Barack; als gern der kaufleut gewonheit ist (
cosi come fanno i mercatori)
Ulmer decameroneübers. 25;
und so überaus oft ebendort; und wenn mein fuss ihm folgt, und wenn mein leib ihm noch gehorsamt, ist's gewohnheit nur. Geibel (1888) 5, 9. II@2@c@b@1@bb)) so du die (
sc. menschliche weisheit) lernest und best, kompt dir ein gewonheit, die gewonheit gebirt ein zuoversicht Judas Nazarei
vom alten u. neuen gott s. 64
neudr.; vgl. auch Luther 23, 415;
vgl. die gew. bleibt Luther 7, 633; schleicht ein Comenius 258; reisst ein Weise
erznarren 66; und doch muss die gew. ihren lauff behalten 151; wie die gew. das herbringt Murner
narrenbeschw. 19, 56. II@2@c@b@1@cc)) was das land heisch das man thuon söl was noch gebruch die gewonheit wöl. Seb. Brant
Moretus 436,
Zarncke s. 146; doch soll er thuon die ding al sand als sich die gwonheit heischt im landt. 238;
s. 144; die gew. wünscht (Kästner); erfordert (Abraham a S. Clara); weil ihnen mitzugehen die gewonheit verbotte Grimmelshausen (
Springinsfeld) II, 26; aber doch die gewonheit die macht ein wolstand bei in darausz S. Frank
weltbuch 7
b; die gew. hilft Hutten 4, 215; Weise
erznarren 22; fesselt Beckerath, wirkt Herder 14, 37; wohl fühle ich, dass die gewohnheit mein gefühl abstumpfen muss Klinger (
Raphael de Aqu.) 4, 59; wenn uns nicht die gewohnheit die fehlerhafte methode erträglich gemacht hätte Göthe (
zur morphologie) II, 8, 36
Weimar. II@2@c@b@22))
in der objectfunction haben II@2@c@b@2@aa))
die für die individuelle erfassung des subst. (
s. o.)
noch so viel beobachteten verbindungen mit haben
und machen
in dieser gruppe nur wenig bedeutung: aber, es seind zwo weisen, die gewonheit zu machen, zu exerciren und zuzurichten, eine hebt von leichterem an, und fhret allgemach zu hOeheren, die andere befihlet ... anfangs hAertere sachen, und treibt sie, damit, nach erhaltung dieser, einer die leichtere lieblicher verrichten kOenne Schupp
schriften 612 (
kunst reich zu werden) (1684);
vgl. auch Luther 7, 633; solche, die schon spatt in jahren ein üble gewonheit haben Abraham a S. Clara
Judas d. erzschelm 1 (1686), 416; so haben sie die gewohnheit, ihr gesicht sehr bestimmt zu punctiren Ritter
erdkunde 1, 265. II@2@c@b@2@bb))
dagegen ist das (
s. o.)
in der rechtssprache bezeugte verbum halten auch im allgemeineren gebrauch hier viel beobachtet: daʒ sint die pharisei ... haltent ire gewonheit für alle ding und wellent in den geachtet sin Tauler
predigten s. 41
Vetter; auch hillte Paulus viel heidnischer gebrauche und gewonheitten, wenn er bei den heiden was Eberlin v. Günzburg
schriften 3, 216
neudr.; wie jr dann halt solch gwonheit starck, also, das jr auffm grempelmarckt die weiber, so jr kram anbieten und uber jren häfen brüten anzäpffen wie alt sie auch seien und ab dem grawen haar nit schewen. Fischart
flöhatz 1357
Wendeler; wann man nun dise gewonheit bhalt!
N. Manuel (
v. papst u. s. priesterschaft) 35
Bächtold; das gleiche Luther 7, 633; enthalten Tauler 41; die alte gewohnheit ward also treulich beibehalten, auch in zeiten und an örtern, wo es vielleicht wenig wichtiges mehr zu berathschlagen gab; warum sollte sie aber geändert werden? Herder (
br. über tempelherrn) 15, 118. II@2@c@b@2@cc))
dazu vgl. noch andere verba, die der rechtssprache nicht fremd sind: theatrum ... mag auff lateinisch spectaculum (das ist) ain schawspilhausz haissen. die gewonhait (als Cassiodorus aus ainer epistel bezeugt) ist von den Griechen her angenommen worden Tat. Alpinus
verdeutschung des Polydorus Vergilius (1544) 74
a (
consuetudo); gew. an nehmen Mörike 4, 48; die und dergleichen gewonheit wöllen wir, dasz ein jede oberkeit abschaffen, und daran sein soll, damit sie hinfürter nicht geübt, gebraucht oder gehalten werden, alsz wir dann ausz kaiserlicher macht dieselben hiemit auffheben
verordnung von 1675
s. Andlern
corp. constit. imper. 551; gew. ablassen (Rulman
Merswin); abgehen lassen (
Ulmer decameroneüb.); entfernen Herder 20, 262; bestehen lassen A. v. Droste-Hülshoff 2, 328; wegkämpfen Jung-Stilling 3, 408; das zahlen, liefern und steuern hat sich im kriege so eingebürgert, dass man die gewohnheit im frieden nicht los werden kann G. Freytag (
aus einer kleinen stadt 7) 13, 119. II@2@c@gγ)
die präpositionalverbindungen. II@2@c@g@11)) und dis lat man und lidet es als es ein spil si, und ist leider in ein gewonheit komen Tauler
predigten 231
Vetter; das es gleich zu einer gewonheit komen ist Tucher
baumeisterbuch 62, 4;
das gleiche Ulmer decameroneübers. 6; wann sie aber zur gew. kommen Abrah. a S. Clara
etwas für alle 3, 191; das bequeme nachlässige wesen, das den fahrenden handwerksburschen so leicht zur gewohnheit wird O. Ludwig (
zw. himmel u. erde) 1, 148;
vgl. Heinse (
Hildegard 2) 5, 250; die leichtern menschen, die das leben nur spielen, hält eines müszigen spieles loser verband; der gespielschaft beisammensein altert zur gewohnheit
F. L. Jahn 1, 375. II@2@c@g@22)) als Nenus gestorben was, kam ehr nür got Beel in bruch vnd gewonheit Judas Nazarei
vom alten u. neuen gott 5; wie wol solches in eine gewanheit gekamen
jüngere glosse zum Reincke de voss (III, 12,
z. 161)
Brandes s. 178; nur verstand und beschäftigung, bis wir mit der gehörigen art unsers umgangs in gewohnheit kommen Heinse (
Hildegard 2) 5, 171; vnd es were wol sein, wenn mans künde in die gewonheit bringen, das man zur predigt gehen also nennete, das es hiesse zu gottesdienst gehen Luther 6, 33
b Jena; die auch in ein gew. gebracht Paracelsus
vom aderlassen 88 (
appendix z. buch 5); es ist in einer gewonheit (
var. ein gewonheit), das mann heute prediget von der erfindung des heiligen creutzes Luther (
pred. 1522) 10. 3
s. 113
Weimar; in gebreuchen und gew. ein benügen nemen Judas Nazarei
a. a. o.; in böser gew. leben Abraham a S. Clara
Judas 1, 243; in übung und gew. sein Göthe. II@2@c@g@33)) dise red hertziget Hannibalis volck und heer so ser, dasz sie nach jrer gewonheit die lantzen und weer erschuotten Carbach
übers. des Livius 113;
desgl. Ulmer decameroneübers. 100; Herder (
christl. schriften 1797) 19, 342
u. a.; daselbsten gingen zween von meinen herren ... mit schalmeien an die fürnemste oerter der stat, und schrien ihrer gewonheit nach Grimmelshausen
Simpl. 548;
desgl. 349;
u. a. s. o. als das volent ist woren, gingen die weiber ins wirtshaus, nach gewonheit lepten im saus. H. Sachs (
Eulenspiegel 3
mal getauft)
fab. u. schwänke 5, 102
Goetze u. Drescher; als nu in der spur der wilden thier nach der gewonheit seine gesellen hin und her lieffen
M. v. Kemnat
chronik Friedrichs I. (
quellen z. bair. u. deutsch. gesch. 2, 10); das weret bis man den nuwen baw vor der Menzer pforten gemacht; da truge man das heilige sacrament wieder herausz nach der gewonheit B. Rohrbach
liber gestorum s. quellen z. Frankf. gesch. 1, 215; der gewohnheit nach beschäftigen sich diese am liebsten mit kleinen zügen aus der privatgeschichte ihres helden Herder (
christliche schriften 1797) 19, 385. II@2@c@g@44)) alle diese ausschweiffigkeiten ... kommen aus der üblen gewohnheit der jugend Abraham a S. Clara
lauberhütt 2, 54;
vgl. dagegen: aus der gew. kommen Erasm. Alberus
eheb.; vil dick ausz poser gewonheit entspringet, die man so offt verpringet, das ... Hans Folz (32, 1) 126
A. L. Mayer; wer aus gewohnheit verbrechen begeht A. Feuerbach
revision der grunds. d. peinl. rechts 2, 415
u. a. (
vgl. gewohnheitsverbrechen
u. a.); wir vergnügen uns daran aus gewohnheit Heinse (
Hildegard 2) 5, 240; aus gew. Göthe
br. 1, 156. II@2@c@g@55)) fragen von gew. Warbeck
Magelone u. a. s. o.; von gew. gezeugt Herder 18, 408; was ursprünglich einer alten gewohnheit wegen noch einigen localsinn gehabt hatte, verlohr denselben in fremden gegenden und zeiten (
ideen 4, 17) 14, 302; der gemeine pöfel leuft umb gewonheit willen zum sacrament Luther
unterr. d. visit., s. Dietz
a. a. o. II@2@c@g@66)) da doch diser arglistige böszwicht einige traidkörnl darein verborgen, welche durch gewohnheit die hungerige tauben herausz gesucht Abraham a S. Clara
auff, auff (
Wiener neudr. 1) 13;
ebenso Grimmelshausen
Simpl. 47; Herder 8, 35; 14, 131; 16, 587; aus engeln können teufel werden durch gew. S. G. v. Vogel 10. II@2@c@g@77)) du muost wider alt gewonheit gefangen und gebunden werden
der ewigen wiszheit betbüchlein (
Basel 1518) VI
a;
ebenso Grimmelshausen
s. o.; hauptveränderungen sind keine gemachet worden, selbst die recensenten veranlaszten mich nicht dazu; sie gingen wider ihre gewohnheit über verdienen mild und schonend mit mir um J. Gotthelf 1, XIII (
bauernspiegel). II@33)
die seiten, die sich beim vorhergehenden in besonderer manigfaltigkeit erschlossen, zeigen sich bei dem substantiv, das von einem träger des begriffes ganz abstrahirt, auffallend verkümmert, während es in anderen richtungen vielseitiger sich entwickelt. wie für das vorhergehende die rechtssprache, so ist für diese fassung des substantivs die sprache der dichtung und noch mehr die der philosophie zuständig. zum anteil der strafrechtlichen litteratur an dieser form des begriffes s. o. sp. 6554. II@3@aa)
die sprache der philosophie fällt mit ihrem antheil ganz in die neuere periode, und ihre werthung des substantivs gabelt sich in zwei richtungen, eine praktischethische und eine erkenntnisztheoretische. beide mal führt sie auf englisches vorbild, also auf gebrauchsformen von custom
zurück. II@3@a@aα)
die praktische richtung knüpft an Hume
an: but nothing has a greater effect both to encrease and diminith our passions, to couvert pleasure into pain, and pain into pleasure, than custom and repetition. custom has two original effects upon the mind, in bestowing a facility in the performance of any action or the conception of any object; and afterwards a tendency or inclination towards it; and from these we may account for all its other effects, howewer extraordinary Hume
treatise of human nature b. II,
sect. 5; gewohnheit, bedeutet erstlich eine durch öfftere wiederholung gewisser bewegungen entstandene beschaffenheit der natürlichen kräfften, dasz sie zu diesem oder jenem gerichtet und geschickt gemacht werden ... J. G. Walch
philosoph. lex. 1
2, 1324; wenn also die seele irgend eine thätigkeit zu ihrer zufriedenheit mehrmals vollbracht hat; so prägt sich ihr der habitus derselben als gewohnheit ein, mit welcher sie auf einer gewissen bildungsstufe festen fusz fasst, um weiter fortschreiten zu können K. W. Ideler
grundrisz der seelenheilkunde 7
s. 528; die gewohnheit als gesetz der stetigkeit des geistigen wirkens und als bedingung seiner im organischen zusammenhange fortschreitenden entwickelung giebt dadurch seine ausserordentliche wichtigkeit deutlich zu erkennen
s. 528; wenn der organismus durch zufall oder willen
d. h. durch fremde oder eigene bestimmung in bestimmten zeiträumen öfter in einem gewissen zustande gewesen ist, so entsteht bei ihm die neigung und das bedürfnisz, bei rückkehr solcher weltzeit wieder in jenen zustand zu treten, oder die gewohnheit Burdach
die physiologie als erfahrungswissensch. 3, 443; gewohnheit (
lat. consuetudo) ist die durch öftere wiederholung desselben vorstellens und tuns entstandene neigung und fertigkeit, unter gleicher veranlassung dasselbe vorzustellen und zu tun. jene wiederholung heiszt gewöhnung und kann willkürlich oder unwillkürlich sein. auf der durch gewöhnung erworbenen gewohnheit, welche die willkürlichen bewegungen in unwillkürliche, die entschlieszungen in triebe umwandelt, und die uns zur zweiten natur wird, beruhen alle leiblichen und geistigen geschicklichkeiten Kirchner-Michaelis
phil. wb.5 242/43. II@3@a@bβ)
die erkenntnisztheoretische geltung führt auf Locke
zurück, der zu der lehre von der ideenassociation die fruchtbare scheidung von vorübergehender (
zufälliger)
und gewohnheitsmäsziger verknüpfung vornimmt: besides this there is another connexion of ideas wholly owing to chance or custom
an essay concerning human understanding II
cap. 33, § 5; associations of them made by custom in the mind of most men § 7;
vgl. dazu: er selbst (
Locke) erklärt ... etliche von unsern ideen haben unter sich eine genaue übereinstimmung und verbündnisz ... es giebt noch eine andere verbündnisz der ideen, welches von etwas ohngefährers oder von der gewohnheit dependiret Leibnitz (
essai philosophike de Locke par M. P. Coste) 2, 315
Guhrauer; dasz dergleichen vergesellschaftungen der ideen seien, welche die gewohnheit in dem esprit der meisten menschen gezeuget 2, 316;
zum neueren ausbau des associationsgesetzes s. unter gewöhnung.
andererseits vgl.: gewohnheit ist die durch öftere wiederholung ... entstandene bereitschaft zu handlungen, die tendenz zum gleichen, bekannten, geübten, infolge der leichtigkeit und sicherheit der gewohnten tätigkeit. die gewöhnung besteht in einer anpassung des organs an die function, der function an den auslösenden reiz, auf einer 'mechanisierung' ... von willenshandlungen zu triebartigen oder auch unbewuszten, reflexmäszigen vorgängen. auf gewohnheit beruhen association ..., reproduction, fertigkeiten, sitten u.
s. w. R. Eisler
wb. d. philos. begr. 1
2, 390. II@3@bb)
unter den gebrauchsformen und verbindungen fallen natürlich possessive bestimmungen aller art ganz weg. auch sätze oder nomina, die den inhalt des begriffes näher kennzeichnen, haben hier keinen raum, weil sie im allgemeinen zugleich auf träger des begriffes weisen, als ausnahme vgl.: das meiste aber, so dieses laster (
der unsauberkeit) vergrössert, ist diss, dass dero gewohnheit fast ein halbender zwang Abraham a S. Clara
gemischgemasch (1704) 20; die festigkeit der gesundheit ist die gewohnheit gesund zu sein, bei welchen ein harmonisches zusammenwirken der lebenskräfte habituell ist C.
F. Burdach 3, 443. II@3@b@aα)
verbindung mit nominibus. II@3@b@a@11))
die unterordnung unter ein substantiv ist hier ziemlich entwickelt und führt zu einigen stehenden wendungen. er treibt das vorurtheil des alterthums und der gewohnheit aus durch vorurtheile der eigenliebe, neuheit oder der eignen erfindung Hamann (
zwei scherflein z. neuest. dtschen lit.) 6, 40 (
citat a. d. allgem. dtsch. bibl. 39, 263); missbräuche der gew. Herder 16, 38; wenn in einer gut eingespielten violine oder einer verblasenen flöte die ersten spuren guter und schlechter gewohnheit gesehen würden J. E. Erdmann
über gewohnheiten s. 4; wie hart stehet derjenige auf, den die last und die bürde der bösen gewohnheit druket Abraham a S. Clara
lauberhütt 1, 74; gar manches, was der macht der gewohnheit zugeschrieben wird, beruht vielmehr auf der konstanz und unveränderlichkeit des ursprünglichen und angeborenen charakters, ... die wirkliche macht der gewohnheit hingegen beruht eigentlich auf der trägheit ... Schopenhauer (
parerga, psychol. bemerk. § 307) 5, 616
Grisebach; die macht aller gewohnheiten brechen Ideler
seelenheilkunde 1, 529; die verstimmung war ja nur eine von den vielen, die an der macht des alltags und der gewohnheit sich auflösen Immermann (
der carneval u. d. somnambule) 8, 141; alle zeremonien der karwoche, an sich rührend und erhaben, haben durch die länge der zeit und die abstumpfende macht gewohnheit von seite der mitwirkenden personen ... allen geist verloren Grillparzer (
tagebuch a. d. reise nach Italien) 19
5, 220; die abstumpfende macht der gew. J. E. Erdmann
über gewohnheiten s. 31; die befreiende macht der gew.
ebenda; das ganze gebiet der gew.
s. 4; sich vom gängelbande der gewohnheit losreiszen Ideler 1, 528. ... und werde deinen langen ströern spiesz der gewonheit und dein kurtzen wechsern degen nit achtenn Luther (
auf ... Bocks Emsers antw.) 7, 632; welchen der schwere stein der bOesen gewonheit für gewältzet ist Abraham a S. Clara
etwas f. alle 3 (1711) 192; der Ägypter kriechend, sklavisch, ein herdethier, abergläubisch und traurig, hart gegen fremde, ein gedankenloses geschöpf der gewohnheit Herder (
auch eine philos. d. gesch.) 5, 507; sklaven der gew. 19, 325; ein sohn der tradition und gew. (
ideen 13, 310) 8, 3; die sitte der gesellschaft und die mächtige göttin der gewohnheit (
andre lesart: göttin gewohnheit) werden bald nach geberden und anstand diese eigenheiten und jene verschiedenheiten einführen (
üb. d. urspr. d. sprache) 5, 121; hier streitet Hercules mit dem jungen löwen der bösen gewonheit Harsdörffer
frauenzimmer gesprechspiele 5, 62; dieses giftkraut (
der tabak), das sicher zum verderben der menschen gehört, beweist vielleicht mehr als irgend ein anderes beispiel, dasz der mensch ein thier der gewohnheit ist Seume (
spaziergang 2) 3, 157
Hempel s. gewohnheitsthier; gegen das tolle anhangen an gebräuchen, wortformeln, und leeren gewohnheiten ist das christenthum nicht nur gestiftet, sondern hat auch seine macht erwiesen Herder (
christl. schr. 4) 20, 45; die liebe zur gewohnheit, die anhänglichkeit an ehre, zwang (
kl. schr. 1791
ff.) 18, 399. II@3@b@a@22))
bei der zusammenstellung mit anderen substantiven treten die synonyma und bedeutungsverwandten hier sehr zurück. einige der alten synonyma sind in wendungen zu beobachten, deren zugehörigkeit zu unserer gruppe strittig ist: gewonheit und gebrauch zwingt offt und sehr das recht, hier ist der mann ein herr des weibes, dort ein knecht. Logau (
sinnged. 1, 2, 30) 39
Eitner; das gedächtnüs wird durch die gewonheit und übung erhalten Butschky
rosenthal (526) 1098; sitte ward aus gewohnheit. Voss
Ovid 1, 81; alles flieszt durch und in einander, gesetze und sitten, wissenschaften und gewohnheit Herder (
v. einflusz der regirung) 9, 407. II@3@b@a@2@aa)) natur und gewohnheit
werden hier einander bald entgegengestellt bald miteinander verglichen (
s.β): die natur reitzet zu guten, die gewonheit zum bösen Harsdörffer
frauenzimmer gesprechspiele 1, 4; natur, gewohnheit und nothwendigkeit entscheiden hier alles Thom. Abbt
verm. werke 6, 1, 150; auf allen fall ist eine grenze, eine scheidewand zwischen natur und gewohnheit S. G. v. Vogel
bemerk. u. erfahr. 4; der nicht hie und da auf der erde als natur oder als krankheit, kunst und gewohnheit in allen schattirungen stattfände Herder (
ideen, zusätze) 14, 602. Luther
stellt das wort gottes und die wahrheit der gew. entgegen: wenn gotts wort und gewonheit widdernander sind, welchs doch billich solle dem andern rewmen odder weichen, ob gott solle der gewonheit, odder ob gewonheit solle gotte weichen? ... sie mugen ja nicht leucken, das hie gotts wort sei widder die gewonheit (
tröstung an die christen zu Halle) 23, 414; Christus hat nit gesagt ... 'ich bin gewonheit und brauch' ... sondern also hat er gesagt 'ich bin die warheit' ... wo gewonheit gnugsam were, hetten die heiden die aller besten entschuldigung, die mehr den viertausent jar gewonet sein abgott antzubetten. du soltist zuvor beweiszen, das die gewonheit recht und ausz gott were. so meinstu, es sei gnug, das gewonheit heisse (
auf ... Bocks Emsers antw.) 7, 632; 'wenn die warheit offenbar wird, sol die gewonheit weichen'. item 'niemand sol der warheit die gewonheit furzihen' 23, 415. II@3@b@a@2@bb))
in gewissen punkten berühren sich die begriffe bei der zusammenstellung des subst. mit zeit, erziehung, vorurtheil, mode: haben etliche ... eine gleichmässige auszlegung von diesem traume (
vom baden) gemacht ... dasz sie nit mit fleissigem nachtrachten und der erfahrung die zeit und gewonheit unterschieden Ryff
traumbuch Artemidori 58
a (1, 61); zuvörderst sind nur in Deutschland die ehen möglich, welche man heilige nennen darf. unter diesen verstehe ich solche, in welchen die liebe bis zur auflösung durch den tod dieselbe bleibt, mag auch gewohnheit, krankheit, alter allen sinnenreiz zerstört haben K. Immermann (
memorabilien) 18,
s. 76; und thut offt die erziehung und gewonheit so viel als die natur Harsdörffer
schauplatz lust- u. lehrreicher gesch. (1651) 5, 167; alle früchte der erfahrung, erfindungen, mühe, genusz, pflanzten sich in dissem naturgarten fort; nicht durch speculation, aus der sie nicht entsprossen waren, sondern durch bedürfnisz, erziehung, gewohnheit, glauben und übung Herder (
christl. schr. 5) 20, 229; es kommt dabei so viel auf himmelsstrich, kleidungsart, spiele, frühe gewohnheit und erziehung an (
plastik) 8, 21; durch erfahrung, lehre, und gewohnheit allmälich erworbener zustand (
über bild, dicht. u. fabel) 15, 534; so viel kommt auf gewohnheit und vorurtheil in der musik an Heinse (
Hildegard 1) 5, 82; sklaven der sinne und vorurtheile, der gew. der heuchelei Herder (
christl. schr. 1797) 19, 325; der mode und der gew. 16, 38. II@3@b@a@2@cc))
andere zusammenstellungen ziehen die empfindungswelt heran: billigung oder misbilligung, die nicht hieraus entsteht, beruhe auf ideenassoziation, gewohnheit, blossem physischen gefallen und misfallen des temperaments G. C. Lichtenberg
aphorismen 3.
buch, s. 122 (
nach Feder im
dtsch. museum 1.
stück); der geist, einmal entronnen, einmal der zarten und so festen bande los, die ihn durch sinne, triebe, neigungen, pflicht und gewohnheit an diesen kleinen kreis der sichtbarkeit knüpften: welche irrdische macht könnte ihn festhalten? Herder (
über d. seelenwanderung) 15, 272; durch gew. und leidenschaft W. v. Humboldt
s. dtsch. litt. denkm. 58, 63; alte gew. neid und kabale Herder 5, 654; am ende läuft es auf eins hinaus, ganz von einer nothwendigen gewohnheit, oder ganz von der willkürlichsten zufälligkeit abzuhangen Göthe (
wahlverwandschaften 2, 10) 17, 320; mit eins die tausend fäden zu zerreissen, an denen zufall und gewohnheit führt, und, aus dem kreise dunkler fügung tretend, sein eigner schöpfer, zeichnen sich sein los, das ists, wogegen alles sich empört. Grillparzer (
Libussa 3) 8
5, 164; ihnen ist zwar waffenfertigkeit beizubringen, aber die kriegerische anstelligkeit und ausrichtigkeit ist gewohnheit und gabe
F. L. Jahn 1, 526. II@3@b@a@33))
die attributiven verbindungen sind hier wenig entwickelt: das auch die übungen des gemüthes und des verstandes durch gutte gewohnheit angeführet; zu einer andern natur gleichsam gemacht werden Butschky
Pathmos (653) 939; es ist keine böse gewohnheit, welche nicht durch die krafft Jesu Christi könte überwunden werden Scriver
seelenschatz 432
c; was gestalt die böse gewonheit die alte und betagte gebunden herumführe Abraham a S. Clara
etwas f. alle 3 (1711) 190; wo nicht durch grosse gewonheit ein natürlicher brauch auss embsigem essen und trincken gemacht Scheit
Grobianus 8
neudr.; vgl. notwendige gew. Göthe 17, 320. II@3@b@bβ)
unter den verbindungen mit verbis ist II@3@b@b@11))
die function des subjects durch die neigungen zur personification besonders gefördert. II@3@b@b@1@aa))
die verbindung mit dem verbum substantivum dient hier wesentlich dem vergleiche: die gewonheit ist ein eiserne pfaidt, die gewonheit ist schon in der natur, und die natur ist in der gew. Abraham a S. Clara
Judas d. erzschelm 1, 230;
u. a. s. sp. 6559; dann die gewonheit ist doch die andere natur Harsdörffer
frauenzimmer gesprechspiele 1, 4; gewohnheit wird natur. Pfeffel
poet. vers. 7, 35; und gewonheit ist nicht allwegen warheit Aug. Lercheimer
christl. bedencken v. zauberei 115
Binz; die gewohnheit ist ein eigen ding Gerstenberg
s. litt. denkm. 29, 109; er geht! — noch — nein! — ach, die gewohnheit ist ein lästig ding, selbst an verhasztes fesselt sie. Grillparzer (
Sappho) 2
5, 194; durch die gewohnheit etwas zu erklären — die gewohnheit ist ein zusammengesetzt ding, das aus monaden besteht, die gewohnheit heiszt die andere natur, und ist in ihren phaenomenis eben so räthselhaft, als die natur selbst, die sie nachahmt Hamann 1, 442; disemnach wird die gewonheit des menschen lehrmeisterin genennet Butschky
rosenthal (
nr. 526) 1099; gewonheit ist die gröste frau, beherrschet alle welt; gar wenig gilt, gar wenig taug, was sie nicht ächte helt. Logau 3, 6, 22
Eitner s. 533; es ist ein eintziges thierlein, das hat vier füsz, nemblich 4 silben, von diesem thierlein rühret alles übel her, solches thierlein heisst: consuetudo, die gewohnheit Abraham a S. Clara
lauberhütt 2, 51; die gewonheit ist ein starcker strom, dem ein schlechter baum nicht widerstehen kann Weise
die drei ärgsten erznarren, neudruck s. 22; gewohnheit ist dem narrenfuss ein trockener wassersteg, dem weisen aber sperrt er oft des stromes segelweg. Wilhelm Müller 361
Hatfield. II@3@b@b@1@bb))
auch die verbindung mit anderen verbis führt von allgemeinen verblaszten wendungen zu lebendiger anschaulichkeit weiter: darinn wirdt erzehlet was die gewonheit vermag
verdeutschung von Bebels
facetien (1600)
s. 455; eime wol geübeten menschen als nüt ist, daʒ duncket einem ungeübeten menschen sin zuomole unmügelich, wan gewonheit machet kunst Tauler
predigten 12
Vetter; die gewohnheit macht zu dieser frist, dasz jetzt die welt voll laster ist. Abraham a S. Clara
Abrahamische lauberhütt (
die böse gewohnheit) 2 (1722)
s. 51; die gewonheit, macht die übung aller dinge angenehm und leicht Butschky
rosenthal (405) s. 874; gewohnheit macht die noth erträglich, jedoch nicht mir, sie ist stets neu. J. Chr. Günther (
er erinnert sich der vorigen zeiten)
2191; die gewonheit hat eine solche kraft über die einbildung Butschky
rosenthal (
nr. 526) 1098; das Elsass hat ... volle zweihundert jahre und darüber zu Frankreich gehört, und die gewohnheit hat über den menschen eine ausserordentliche macht Bismarck (1874) 6, 168; die gewonheit ändert offtmals die natur Butschky
rosenthal (26) 44; die gewohnheit überwältigt ... ohne angemessene gegenwehr alle moralischen kräfte S. G. v. Vogel
s. 11; die gew. wagt es selbst die moralität der handlungen zu compromittieren 10; wo alle sitten gleich und alle gleich eben, recht, gut sind — was brauchts mühe! gewohnheit erzieht und tugend verliert sich in blosze gewohnheit Herder (
auch eine philosophie) 5, 572; neigung besiegen ist schwer; gesellet sich aber gewohnheit, wurzelnd, allmählich zu ihr, unüberwindlich ist sie. Göthe (
vier jahreszeiten 25) 1, 396; wenn alte gewohnheit, neid und kabale sich mit schwefelfackeln in der hand vereinigen, auch die guten laszet sich vereinigen! Herder (
üb. d. ursache des ges. geschmacks) 5, 654; die paradoxe behauptung, dasz jede gewohnheit sich abnutze Ideler
seelenheilkunde 1, 529. II@3@b@b@22))
fast ganz verkümmert ist hier die function des objectes, namentlich im acc.: man könte die gewohnheit eine moralische fricktion nennen, etwas das den geist nicht leicht über die dinge hinstreichen läszt sondern ihn damit verbindet, so dasz es ihm schwer wird sich davon losz zu machen G. C. Lichtenberg
aphorismen 1.
buch s. 12
Leitzmann; vgl. oben (die gew. nennt er seine amme) Schiller; die gewohnheit, die der verständige so gut zu nutzen weiss Klinger
neues theater 2, 58 (
Damokles 2);
mehr dagegen ist hier naturgemäsz der persönliche dativ begünstigt: der anfang hat der gewohnheit die thür eröffnet Abraham a S. Clara
lauberhütt 2, 59; doch dasz er mehr der gesunden vernunfft, als der blossen gewonheit folge Hohberg 1, 165; endlich müszen sie der gewohnheit nachgeben und sprachen sowohl als dichtern erlauben, sich auf ihre art zu vergnügen Herder (
br. z. bef. d. hum. 7) 18, 44; überhaupt wird es bei dem geist des widerspruchs, der gewohnheit zum richtern, der liebhaberei zum krittel, dem gefallen an spottsucht — niemals an freiwilligen widerlegern fehlen
F. L. Jahn 2, 1, 293. II@3@b@gγ)
auch die präpositionalverbindungen fanden hier wenig spielraum: die auff dise weisz nach der rechten kunst lernen lesen ... den andern die nach der gewonheit lernen lesen, gilt es gleich Ickelsamer
gramm. C 1
b Fechner; so befand ich, dasz fressen und sauffen auch eine kranckheit ist, und dasz solche ausz der gewonheit, und nicht ausz dem uberflusz herkomt Grimmelshausen
Simpl. 283
neudr.; die in verjährt geheiligtem besitz in der gewohnheit fest gegründet ruht. Schiller
Wallensteins tod 1, 4; blosz die ersten exemplare jeder zur gewohnheit gewordenen handlung haben ein motiv gehabt, dessen sekundäre nachwirkung die jetzige gewohnheit ist ... Schopenhauer (
parerga 2 § 307) 5, 616
f.; eine zur gewohnheit gewordene form des denkens Ideler
seelenheilkunde 1, 528; wo ein thun zur gewohnheit geworden ist, da erfolgt die einzelne bethätigung unwillkührlich, wie das athemholen, als folge einer körperlichen beschaffenheit J. E. Erdmann
von gewohnheiten s. 22; ein grosser theil der erziehungskunde beruht auf gewohnheit S. G. v. Vogel
s. 3; durch gewohnheit W. v. Humboldt
s. o.; es ist in vielen dingen eine schlimme sache um die gewohnheit, sie macht, dasz man unrecht für recht, und irrthum für wahrheit hält G. C. Lichtenberg
aphorismen 5, 103
Leitzmann; bald höreten wir über gewohnheit ein starckes gemürmel, und das zimlich laut und starck geredet und gegangen wardt Opitz
übers. v. Barclays Argenis (1, 3, 10) 1, 490; so giebt es für die gewohnheit kein anderes gegenmittel als eine neue gewohnheit Ideler 1, 529.