schwenken,
verb. hin und her bewegen, durch die luft schwingen. eine (
causative)
ableitung zu dem alten verb. swinkan,
das jetzt durch schwingen
verdrängt ist (
es scheint noch vorzuliegen in einer Tegernseer glosse zu Virg. Aen. 6, 244:
invergit anasuanh
zeitschr. f. d. alterth. 15, 81
b,
ahd. gloss. 2, 656
b,
vgl. Weigand 2, 668,
wenn diese form nicht einfach mit Graff 6, 886
zu swingan
zu stellen ist).
der wechsel zwischen g
und k
zeigt sich in allen bildungen dieser wortsippe, und es scheint, dasz er in die indogerm. ursprache zurückreicht, obwol die spuren in nicht germanischen sprachen sehr spärlich sind. germanisches g
liegt vor in schwingen (
s. das.),
ferner schwang (
s. sp. 2220
ff.), schwung,
altn. svangr
schlank, dünn, dem zweiten gleichbedeutenden schwanger (
s. sp. 2239
f.), schwengel
u. a. das wort enthielt ursprünglich ein gw
nach ausweis des gotischen causativs (af-)swaggwjan
und ist vielleicht mit sanskr. vañcati,
krumm gehen, verwandt, s. Uhlenbeck
s. 3,
dessen bedenken gegen diese zusammenstellung nicht stichhaltig ist. über mögliche weitere zusammenhänge s. ebenda. germanisches k
entspricht indogermanischem g
in ir. seng
schlank, aus urkelt. *svengos,
s. Fick
4 2, 323,
und erscheint in ags. swincan,
mittelengl. und noch neuengl. swink,
sich mühen, wozu swinc,
n., s. Bosworth-Toller 957
b,
ferner schwank (
subst. und adj.), schwanken, schwankel
u. s. w. auch das causativ zeigt beide formen; der verschiedenheit der form entspricht oft ein unterschied der bedeutung; doch fallen die grenzen nicht zusammen, und ist die scheidung daher kaum ursprünglich. auf der einen seite steht got. afswaggwjan,
ags. swengan
schwingen, schlagen, deutsch schwengen (
s. das.),
auf der andern ags. swencan
plagen, ahd. swenken (
belegt nur suuenkhit
verberatur. gloss. Ker.) Graff 6, 887,
mhd. swenken Lexer
handwb. 2, 1360,
nl. zwenken,
vgl. Frank 1232. Wachter 1490. Kluge
5 342
a. Weigand 2, 667
f. die form zeigt keine bemerkenswerthen abweichungen. für schwenken
wird im nhd. auch schwänken
geschrieben, so noch bei Adelung.
die flexion ist schwach; das prät. zeigt im mhd. den sogenannten rückumlaut swancte.
in idiotiken ist das wort selten angeführt, vermuthlich weil im allgemeinen der mundartliche gebrauch zum schriftsprachlichen stimmt: schweiz. schwenke Hunziker 235
f., schwänke Seiler 266
b,
bair. schwenken Schm. 2, 640,
thür. (
gew. dafür schweñkel,
s.schwenkeln) Hertel 43.
sprachsch. 225,
nd. swenken
umwenden Mi 90
b (
aus dem hd.?).
die bedeutung deckt sich zum gröszten theile mit der des seltenen schwengen,
s. das.; doch zeigen beide wörter auch sonderentwicklungen, s. besonders unten I, 2.
gröszer ist die differenz in den ältern sprachstadien. die bedeutung '
schlagen',
die swankjan
im ags. und ahd. aufweist (
auf der ebenfalls abweichenden bedeutung von swincan
im ags. beruhend),
ist im spätern hochd. ausgestorben. andrerseits berührt sich schwenken
auch mit schwanken,
das in der ältern sprache häufig transitiv gebraucht wird, s. sp. 2250. 2254
f. II.
transitiv. I@11)
einen gegenstand in schwingende bewegung setzen: schwencken, durch die lufft schwingen,
voler. Hulsius 293
a;
ventilare, lüfften, gegen der lufft regen, schwencken. Corvinus
fons lat. 715
b; schwenken, durch die luft schwingen,
ventilare, motitare per aerem. Schottel 1413; schwenken,
protrudere aliquid in aerem, ventilare, motare per aerem. Stieler 1985; ich schwäncke,
volatum efficio, vibro, ventilo. Steinbach 2, 533;
huc illuc movere. Frisch 2, 248
a.
diese bedeutung ist jetzt durchaus die herrschende; in der ältern sprache tritt sie manchmal etwas zurück hinter der bedeutung 2
und wird durch schwingen (
seltener durch schwengen)
ausgedrückt, s. z. b. Kramer
dict. 2, 714
cf. I@1@aa)
im einzelnen: die fahn schwenken. Kramer
dict. 2, 715
a; kränze haben sie vor dir hergetragen, die fahnen haben sie vor dir geschwenkt. Bettina
tageb. 198; geschwenkt von eines helden arm hat dieser panner manchen schwarm der stolzen feind' in mancher schlacht, wie scheues wildpret, weggejagt! Stolberg 1, 98; der fähndrich kam geritten und schwenket seine fahn.
wunderhorn 2, 66
Boxberger; am thore schwenkt, ein steinkolosz, der bannerherr die kreuzesfahn'. A. v. Droste-Hülshoff 1, 333; dein banner einzig hat er (
Büchner) ja geschwenkt. Herwegh
ged. eines leb.10 147; rühret die trommeln und schwenket die fahnen! Hoffmann v. Fallersleben
ges. werke 2, 334. den hut: sobald ich über die schwelle meiner schulstube war, schwenkte ich meinen hut, und hüpfte trällernd davon. Thümmel
reise 6, 298; 'seid ihr ein pilz geworden in eurem walde, dasz ihr die (
mütze) nicht kennt?' versetzte Karl und schwenkte seine soldatenmütze um den kopf. Freytag
soll u. haben 2, 37; und bin ich dann fertig, so schwenck' ich den hut, und gehe zur andern, die eben das thut. Günther 260. die tücher schwenken,
beim abschiede u. a. m. —
zeug bei der wäsche: das klopfen und hämmern, das spritzen und wringen, das klatschen und schwenken ... hielten sie (
d. fischreiher) nicht aus. Alexis
hosen12 11. I@1@bb) waffen schwenken: das gewehr schwäncken,
telum vibrare. Steinbach 2, 533; Roller ... schwenkt seinen degen. Schiller 2, 108 (
räuber 2, 3
schausp.); nehmt ihn, ihr irdischen schergen gottes, und überliefert ihn allen geharnischten schaaren, die an den pforten der hölle stehen und ihre gluthrothen spiesze schwenken. H. v. Kleist
Käthchen 1, 1; wan daʒ swert daʒ man siht umb mîn sîten tragen diz kan mîn hant durch alle helme swenken.
Lohengr. 560; wie wird des herren grimm das blancke rach-schwerdt schwencken! Chr. Gryphius
poet. wälder 1, 480; mit kindersinn schwenkt sie den dolch auf mich! Göthe 7, 194 (
Mah. 3, 4); im triumph musz er sich denken mit dem kaiser und dem staat, sieht sich selbst den säbel schwenken, fühlt sich selber als soldat. A. v. Droste-Hülshoff 1, 235.
so auch reflexiv: und der liktoren beile — wieder itzt — sie zucken, schwenken sich — es blitzt! — es blitzt! 191. den schild schwenken: der dort mit blankem helme vor dem heer einherzieht und den ehrnen schild so leicht im arme schwenkt — wer ist's? Schiller 6, 126 (
Phöniz. 1, 2); sieh' die tausende, die ihre schilde schwenken. 223 (
Iphig. in Aulis 5, 5).
auch mit innerm object: er seit, ob si die guoten bannen und den übeln singen, man swenke in engegene den vil swinden widerswanc. Walther v.
d. Vogelweide 11, 2. I@1@cc) den stab, knüttel schwenken: (
er) ergriff den knittel und schwenkte unbarmherzig ihn über mich her und traf mir die schultern. Göthe 1, 339; der hirte ist's vom thal — er schwenkt den stab. Grillparzer
4 3, 225 (
Sappho 5, 1); da lächelte der gesell danach und schwenkte den reisestab und sprach. Ludwig 1, 115. die peitsche: meine postillons bekamen raum ihre peitschen zu schwenken. Thümmel
reise 5, 431; wo greise, schulmonarchen gleich, die stumpfe geiszel schwenkten. A. v. Droste-Hülshoff 1, 77.
anderes: kleine stummen schwenkten im (
marionetten-) kasten ihr glöcklein. J. Paul
Titan 2, 103; ich fingerte und schwenkte meinen fidelbogen immer künstlicher und hurtiger und spielte kadenzen und variationen. Eichendorff
2 3, 54 (
taugen. 6); ein bauer könte wohl so denken, dasz Griethe, welche starck und klein, zum schobern und zum flegel-schwencken nicht allzuflüchtig würde seyn. Picander 2, 427; und wie ich den bogen schwenke, ziehn die klänge in der rund'. Eichendorff
2 1, 241; er schwenkte die zügel, es stob der staub. Rückert
Firdosi 1, 363; der priester aber heiszt das rauchfasz schwenken. Geibel 2, 73.
so auch: (
so) entgegnete (
begegnete) uns vor Mosbach ein italiänischer gypsgieszer, auf dem haupte sein wohlbeladenes bret gar kühnlich im gleichgewichte schwenkend. Göthe 43, 248.
seltener von einer einmaligen (
nicht hin und her gehenden)
bewegung: trût, nû stê ich schamelich, den mantelort swenke umbe mich.
minnes. 2, 140
a Hagen. I@1@dd)
nicht selten geht schwenken
in die bedeutung '(
fort)
schleudern'
über: ich ... nahm die mütze beim zipfel und schwenkte sie weit hinaus in die wellen. Bettina
briefe 2, 78; mit creften und mit sterken warf er daʒ blî ze berge dô. von im wart eʒ sô rehte hô geswenket in der lüfte kreiʒ, daʒ im diu hœhe tet sô heiʒ, und eʒ versmalz, ê daʒ eʒ nider kæm ûf den grüenen plân her wider.
troj. krieg 29593; bald hätt Aegyptens volk, das mit der seemacht schreckte, und bald der Dacier, der frech den wurfpfeil schwänkt, .. die mauern unsrer stadt in öden staub versenkt. Hagedorn 3, 26; 'was?' sprach der schlaue Tod, der ökonomisch denket, und nicht, wie man wohl glaubt, den wurfpfeil blindlings schwenket. Lessing 1, 24; dir war dieser herr des lebens war der tod nicht fürchterlich, und er schwenkete vergebens seinen wurfspiesz wider dich. Uz
s. 178
Sauer; reden und schenken ist unser brauch, zügel und lanzen schwenken auch. Rückert
Firdosi 1, 76. I@1@ee)
zuweilen wird bei schwenken
das object ausgelassen, wenn es aus dem zusammenhange leicht zu ergänzen ist, so mhd.: dô her sô nendichlîchen quam, daʒ swert mit beiden handen nam: wê her swenkte ûf den helt gemeit! Berthold v. Holle
Darif. 167.
so noch nhd.: der grosze, der helmbuschschüttelnde Hektor schwenkte (
πάλλεν,
nämlich den helm, bez. die lose darin, s. v. 315
ff.) nun rückwärts schauend, und hui! sprang Paris gewinn hin. Bürger 210
b (
Il. 3, 325); dort an der schnat hat Halberstadt gestanden, ... hat seinen stab geschwungen so und so; und wie er schwenkte, zogen die soldaten. A. v. Droste-Hülshoff 1, 104. I@1@ff)
oder es tritt auch intransitive fügung ein, mit etwas schwenken: und als er mit der stangen hin zime begunde swenken.
Trist. 16027; etslîch küener man der vlôch als er wære gar ein zage, swenne er (
Tristan) swancte mit dem slage. Ulrich v. Türheim
Tristan 2520; dâ was mit swerden swenken vor. Berthold v. Holle
Crane 288; 'befehlen sie eine suppe oder kartoffelbrei?' frug Babette in ihrer verzweiflung und schwenkte mit dem löffel fieberhaft hin und her. Freytag
soll u. hab. 2, 225; ich stand auf einem hohen berge ... und schwenkte voller freude noch mit dem hute. Eichendorff
2 3, 83 (
taugen. 9). I@1@gg)
selten sind unsinnlichere fügungen: weiszt du, was ich (
veilchen) denke, wenn ich duftend schwenke meinen duft um dich?
wunderh. 1, 359
Boxberger. I@22)
eine spezielle anwendung dieser bedeutung ist schwencken, auszspülen,
diluere, colluere, eluere Maaler 367
a; schwencken, spielen,
laver, reinser Hulsius 293
a,
ein mit wasser gefülltes gefäsz hin und her bewegen, sodasz das wasser darin ins schwanken kommt, um das gefäsz zu reinigen; auch ein glas durch das wasser ziehen. diese redeweise ist im mhd. noch nicht nachweisbar (
zuerst bei Keisersberg
bezeugt),
im ältern nhd. dagegen überaus häufig, sodasz sie zeitweise die hauptbedeutung ganz überwuchert, vgl. z. b. Kramer
dict. 2, 714
c f.: schwenken, schwäncken,
agitare sû e giù, it. in giro, mà la più parte si usa per sciacquare, risciacquare, nettare, lavare, slavare con acqua netta e pura li vasi già netti ò almeno non troppo brutti, come per esemp. bicchieri, boccali etc. Adelung
sieht darin ein besonderes wort, das er schwänken
schreibt und als '
activ' (
causativ)
von schwanken
betrachtet ('
aber nur von flüssigen körpern gebraucht, das wasser in einem gefäsze schwanken machen'),
während er das gewöhnliche schwenken
für ein intensivum zu schwingen
ansieht. in neuerer zeit ist diese bedeutung wieder zurückgegangen oder wenigstens nicht überall gebräuchlich; immerhin bietet die litteratur des 19.
jahrh. noch zahlreiche belege. mundartlich ist sie besonders für die Schweiz bezeugt. Hunziker 236. Seiler 266
b. Weinhold
zeitschr. f. d. phil. 5, 200
betrachtet schwenken
bei Lenz (
s. unten a) als norddeutsch (
oder speziell livländisch?). —
neben schwenken, schwänken
in diesem sinne findet sich auch schwanken,
s. Adelung (
in einigen oberd. mundarten)
und schwanken 2,
b, sp. 2254
f. zu den belegen ist nachzutragen: Ganimade, die gleser schwanck, ... darzu den besten wein drein schütt. Heros
ird. pilgerer (1562) 26
a. I@2@aa) glasz schwenken und ausspülen,
eluere, reinser. Schottel 1413; ein glas, oder kanne schwenken,
purgare vitrum, abluere cantharum, quod etiam est ausschwenken. Stieler 1985; schwenke mir ein frisch glasz, die gläser seynd schon geschwenkt. frisch-, hell-geschwenkt, ausgeschwenkte gläser. Kramer
dict. 2, 715
a; der knecht setzt im die masz wein dar, und nimpt ein glasz, schwenckt es. Pauli
schimpf und ernst s. 227
Oesterley (371); der bauer wurde nun also tages darauf, gleichfalls nach oft geschwenkten weingläsern seines versprechens erinnert.
avantur. 2, 34; heiszt das geschwenkt? sieh nur die gläser! Göthe 10, 140 (
Stella 1); madam Roux! gleich lassen sie gläser schwenken, und machen uns guten punsch zurecht. Lenz 1, 274 (
soldat. 2, 2); sie nahm ein glas aus ihrer küche, schwenkte es und schenkte es aus dem kruge voll. Gutzkow
ritter 5, 450; der letzte rief der wirtin, welche die leergetrunkenen gläser am brunnen schwenkte, .. noch zu. Ludwig 2, 13. I@2@bb)
ebenso die kruszlen schwencken,
colluere amphoram. Maaler 367
a; eine kanne, ein trinckglasz
etc. schwenken
ò ausschwenken ...
v. auspülen. Kramer
diction. 2, 715
a; die broszmen so von dem tisch kamen wüschet sie, und schwenckt die heffen (
töpfe). Keisersb.
bilger 88
c; Facilla Augusta ... besucht auch fleissig die spittal, und besahe wie die armen gewartet wurden, schwenckte jhn selber jhre geschir. Hondorff
hist. und exempelb. (1572) 268
a; es musz ihm (
Zeus) Ganymedens hand zum nectar die pocale schwänken. Hagedorn 3, 127; er schwenkt den becher klar, er füllt ihn an bis oben. Uhland
ged. (1864) 373. ein zuber, ein fasz schwenken, ausschwenken,
sciacquare, slavare una tina, una botte. Kramer
dict. 2, 715
a;
schweiz. e fass schwänke. Seiler 266
b. I@2@cc)
dafür auch wasser in einem fasse schwenken: so schwenk das wasser mit einem holz geschwind in dem fass herumb. Erker
beschr. aller erzt- und bergkwerksarten (
Frkf. a. M. 1580) 22
b. I@2@dd) den mund mit kaltem wasser schwencken oder spülen,
fovere os multa aqua frigida. Maaler 367
a; den mund, den hals, die gurgel schwenken
ò ausschwanken. Kramer
dict. 2, 715
a; sy hiessen in das mull mit wasser schwenken und in ein schüsslen mit wasser speitzen, das sy sächen, öb er etzwas gfrässen hette. Platter
s. 26
Boos; Gabriotto seinen mund der jhm aller voll gerunnens bluts war schwencket.
buch d. liebe 232
c; chamillen in wasser gesotten, und mit der durchgesigenen brhen den mund geschwencket, heylet die geschwer darinn. Tabernaem. 63 C;
so auch: man sagt wol: in dem meien da sind die brünlein gsund, ich glaubs nit, bei mein treuen, es schwenkt eim nur den mund. Uhland
volksl.2 s. 452 (
nr. 215, 1).
bildlich: schwencken das maul mit eym deo gratias und ave Mergen. Fischart
bienenk. 147
b (
am rande). —
übertragen für '
trinken' (
scherzhaft): den mund ... schwenken ...
met. bevacchiare, sbevacchiare da senno. so auch einem die gurgel ausschwenken,
sciacquar la gorga ad uno cioè dargli da bere quanto che vuole. Kramer
dict. 2, 715
a; der wird für einen wackern, frommen und auffrichtigen kerls gehalten, der ein schwings-güthlein heut zu tage abgiebet, jederman spendiret, und das maul schwäncket.
Simplic. (1685) 1, 332 (3, 20).
in der neuern schriftsprache kaum mehr üblich, doch noch schweizerisch d'läfzge und chäle schwänke,
benetzen, erfrischen. Seiler 266
b. I@2@ee) die gewaschene wäsch ... ausschwänken,
sciacquare, risciacquare il bucato netto. Kramer
dict. 2, 715
a; blunder schwänke
bereits gewaschene wäsche durch kaltes wasser ziehen. Seiler 266
b. I@33) schwenken
in bezug auf lebende wesen gesagt. I@3@aa) ein glied schwenken: bis herab auf den beller Nero, der schon am zweiten tage durch heftiges schwenken des schwanzes den wunsch ausdrückte, auch von ihnen in die tischgenossenschaft aufgenommen zu werden. Freytag
handschr. 1, 120; er schwenkte die arme in unbeholfener verlegenheit. Anzengruber
3 3, 270.
der infinitiv substantiviert: man sieht ihrem schritt, dem schwenken der hüfte an, dasz mein wort ihr einen stich gegeben. Vischer
auch einer 2, 155; und als sie (
die nachtigallen) sich auf der stirne von Biondetten niedersenken, scheuchet sie die freche dirne mit des hauptes freiem schwenken. Brentano 3, 451.
reflexivisch, im bilde: denn wer durch solchen tand die zeit zu trotzen denckt, der weisz fürwahr noch nicht, wie weit ihr arm sich schwenckt. Günther 608. I@3@bb) einen menschen schwenken
in verschiedenem sinne, von einer periodischen, hin und her gehenden bewegung; ein kind schwenken: rief er der armen vergessenen Apollonia, die an der hausthür den erwachten Bastian schwenkte, überlaut zu, herzukommen. J. Paul
Hesp. 1, 111;
so auch: da überraschte ich nun einst meine mutter, als sie in einer bodenkammer die alten wiegen betrachtete, worunter eine übergrosze von nuszbaum .., die mich ehemals geschwenkt hatte, besonders hervorstach. Göthe 26, 353.
von einer einmaligen bewegung, mit schwung wohin stoszen, werfen u. ähnl.: in der juncfrouwen rotte hete Achilles guot gemach. ir schimpf er willeclîchen sach und fuor dâ ringend under in. diu eine her, diu ander hin wart von im geswenket.
troj. krieg 16429; verr in daʒ mer tief unde wît wart er von im geswenket und in dem wâge ertrenket. 38567; der steg under jhn thet sich schwingen, schwengt jhr etlich hinein in bach. Ayrer 2143, 14
Keller. so auch: vater der götter und menschen! ruhst du noch oben auf deinem goldenen stuhle, zu dem du mich kleine so oft mit freundlichkeit aufhobst, in deinen händen mich scherzend gegen den endlosen himmel schwenktest? Göthe 14, 46. ein mädchen im tanze schwenken: lesset sich am tanze üppig und leichtfertig genug herum führen und schwenken. Mathesius
Syrach 1, 177
a.
noch häufiger reflexiv, s. 4,
a. der infin. absolut: 3
gr. 4 new D Berlt Jung zu Lyna hat sich daselbst am tantze mit unzuchtigem verbotthennem schwencken verhandelt.
Tenneb. amtsrechn. v. 1534
bei Dief.-Wülcker 849 (
könnte auch zu III
gehören). —
die heutige umgangssprache sagt auch einen schwenken,
davonjagen, seiner stelle entsetzen. I@3@cc)
von thieren: einen hund in der luft schwäncken,
canem in aere ventilare. Steinbach 2, 533.
besonders ein pferd schwenken,
seitwärts wenden, herumwerfen: jung Roland schwenkte schnell genug sein rosz noch auf die seite. Uhland
ged. (1864) 341; zu schwenken sie begann ihr muth'ges röszlein leise, dasz sie erst ihren feind im weitern kreis umkreise. Rückert (1882) 12, 154 (
Rostem 28). I@3@dd)
häufig auch mit ausgelassenem object, schweiz. schwenke '
sich auf die seite wenden, namentlich vom reiter und fuhrmann gesagt'. Hunziker 235
f., doch nicht nur mundartlich: aber unerschüttert sasz der schwarze ritter, und, so bald sein ross sich ausgelaufen, schwenkt' er, ritt zum könig. Wieland 18, 16; da tummelt' er und schwenkt' er, im schritt, im lauf, im flug. Rückert
Firdosi 3, 350.
vom fuhrmann z. b. in dem sprichwort: wer viel schwenkt, der wirft gern um. Wander 4, 464. I@3@ee) schwenken
als ausdruck des heerwesens, eine abteilung soldaten schwenken,
seitwärts lenken, eine schwenkung machen lassen; so selten transitiv: welcher die ordnung also schwenken und wenden kan, den feinden nicht allein jhr geschütz abzulaufen. Kirchhof
milit. discipl. 156.
meistens reflexiv oder intransitiv. die ältere sprache gebraucht gerade in diesem sinne auch die form schwengen,
s. daselbst. I@44)
neben den transitiven constructionen (
unter 3)
stehen in gleichem sinne reflexive. I@4@aa) sich im tanze schwenken: bei gewöhnlich heiterer witterung sehen wir unter der selben linde ... die jugend im tanze sich schwenkend. Göthe 21, 123; nun hiesz es: schwenkt euch! ... die alten wollten zwar ihr bedenken haben, dasz getanzt würde. Ludwig 2, 528; immer wieder dachte er daran, dasz eine andere, die er kannte, sich unter den spinnweben im hause der feinde niemals in der mazurka geschwenkt hätte. Freytag
soll u. hab. 2, 70; wie schwänkt sich Cunz, der ackerknecht, mit seiner braunen Adelheide! gelt, schätzle, gelt! so tanzt sichs recht. Hagedorn 3, 122. I@4@bb) sich wohin schwenken,
schwingen, mit schwung bewegen: gott segn dich, zart's bäumelein! ... senk zweigelein, dasz ich mich schwenk zu dir hinein!
wunderhorn 1, 162
Boxberger. so auch: was sich nach der erde senkte, ... seht, wie es empor sich schwenkte! Göthe 3, 132. I@4@cc)
militärisch, vgl. 3,
e: vom gehen, sich schwenken,
flectere, von den gliedern der soldaten. Frisch 2, 248
a; die armée schwenckt sich rechts,
lat. agmen ad dextram retorquetur. Apin.
gloss. 489; die andere corporalschafft schwencket sich hinder den spiessen rechts, richtet sich dann nach dem wörtlein lincks umb. Troupitzen
kriegsk. 45;
als commando: lief ich mit ihnen alles durch, was ich wuszte, das cadetten nöthig ist — als zum beispiel marsch! richt euch! schwenkt euch! Brentano 7, 28;
so auch: diesz bewog den könig, sich unvermerkt gegen norden zu schwenken. Schiller 8, 191.
die heutige soldatensprache kennt nur die intransitive verwendung, s. II. I@4@dd)
in der ältern sprache auch in anderm sinne: fliehen, sich schwencken, unnd davon machen,
abire fuga. sich schwencken, abziehen, sich in die flucht schicken,
inclinare. sich behend darvon schwencken oder machen,
corripere se repente. Maaler 367
b.
ähnlich vereinzelt noch im 19.
jh. (
vom einzelnen): und wer bürgt mir, wie du dich vor mir schwenkest, — dasz du deiner verheiszung denkest? Rückert (1882) 11, 531 (40.
mak.). I@55) schwenken
auf geistiges bezogen. solche abstracte redeweisen begegnen fast nur mhd.: vliuch, trûren von in beiden dâ, swenk dînen muot hin anders wâ.
minnes. 3, 439
a Hagen; dî wundin mit iren smerzin saltû recht bedenkin und alumme swenkin mit andâcht in der sêlin. Nic. v. Jeroschin 2955. I@66)
als besonderheit ist schwenken
als küchenausdruck zu erwähnen: 'was giebt's zu mittag'? — 'kumst, geschwenkte kartoffeln und hammelsrippchen'.
F. Jacobsen im
daheim 31, 214
a (geschwungene kartoffeln
nennt man in Süddeutschland abgekochte kartoffeln, die mit feingewiegter petersilie und butter im tiegel geschwenkt sind.) IIII.
die intransitive verwendung geht zum theil den transitiven gebrauchsweisen parallel, zum theil geht sie eigene wege und berührt sich eng mit schwanken,
s. das. nicht hierher gehören die fügungen, wo beim transitiven schwenken
das object zwar nicht ausgedrückt, aber doch hinzuzudenken ist, s. bes. I, 1,
e. 3,
d. II@11)
von gegenständen fast nur mhd., so von pfeilen u. dergl., fliegen: alsam ein pfîl von einem bogen sêr unde balde swenket.
troj. krieg 30963; druntzen gein luften swenkensach man dâ hôch.
jüng. Titurel 5629;
vom umlaufe der sterne: wer mac sô mengen spêhin list erschrîben und erlernen, als er (
gott) mit den sternen gewundert an dem himil hât, die er sô wehzillîchin lât loufinde umbe swenkin. Hugo v. Langenstein
Martina 2, 31.
vom wogen des wassers: dô gôz er waʒʒer in einen kopf und sprach: sehet in das waʒʒer. dô vûr eʒ noch dô swenkende in dem kopfe.
veterb. 41, 34
Palm; ir ougen sâhen swenken dâ rückeshalp den wilden sê.
troj. krieg 25398. II@22)
von lebenden wesen, eigentlich. II@2@aa)
vom fluge der vögel: man tregt in (
den habicht) auf der lenken hant, darumb, daʒ er nâch der gerehten swenk nâch dem raub. Megenberg 170, 9; singen nicht lerchen dort hoch in den lüften, schwenkend in freiem und fröhlichem zug? Keller 9, 32. II@2@bb) schwenken
vom rosse, eine wendung machen, s. I, 3,
c: wenn er so herstolzirte vor der schaar und liesz sein bäumend rosz so drehn und schwenken. A. v. Droste-Hülshoff 1, 103. II@2@cc)
vom menschen, in verschiedenem sinne, am galgen baumeln: das er uff der erde hin zem galgen gesleifft werde und sol man in dar an hencken und eine wile lan dar an swencken.
Dioclet. 9404; das mann dich als ein ehrndieb sol zwischen himel und erden hencken und am galgen dich lassen schwencken bisz dir daran dein seel auszgeh. H. Sachs 3, 2, 152
d. II@2@dd)
sich in einer bestimmten richtung bewegen (
vgl. I, 4,
b): mit maneger rotte swancte Terramêrs bruoder her. Wolfram
Willeh. 29, 24; sô si lôslîch von mir swenket.
minnes. 1, 170
a Hagen. sich seitwärts wenden: er schüttelte mir die hand, schwenkte mit rascher wendung und gieng dahin. Vischer
auch einer 1, 121. II@2@ee)
so militärisch von einer abtheilung (
vergl. I, 4,
c): das bataillon schwenkte rechtsum
u. ähnl.; ungestört lieszen die Türken jenen vortrab immer weiter und weiter vorrücken, schwenkten aber dann plötzlich von beiden seiten ein, umringten dadurch die unvorsichtigen. Raumer
gesch. d. Hohenstaufen2 1, 65; es schwenken schon die glieder. Ludwig 1, 112.
doch ist jetzt hierfür die umschreibung eine schwenkung machen
üblicher. dagegen hat sich schwenken
gehalten in dem commando links (rechts) schwenkt! marsch!
anders s. 3,
a. II@2@ff)
von menschlichen gliedern, so besonders mhd., von den augen: swanne ich sihe ir liehten ougen blikke von mir swenken.
minnes. 1, 151
a Hagen; (
er) lie sîn ougen swenken sô lange nâch der vrouwen sîn, biʒ er die senden künigîn niht mê gesehen mohte.
troj. krieg 29402.
vom haar, sich schlingen: do er im (
David dem Absalon) jagende nâch reit, unde daʒ daʒ hâr im swancte umb einen ast, daʒ er sich hancte. Stricker
Amis 655. II@33)
während den angeführten gebrauchsweisen überall die bedeutung der bewegung in bestimmter richtung zu grunde liegt, nähern sich andre der bedeutung von schwanken. II@3@aa) schwencken, im faal sein,
labare. ein ordnung die anfacht schwencken, und zefliehen gerüst ist,
acies labans. Maaler 367
a.
vgl. oben 2,
e und I, 4,
d. II@3@bb) schwenken ... it. mszig hin und widergehen als von wanken. Frisch 2, 248
a; der schlächt der sein werk und ampt thut, ist besser dann der herumb gadt schwencken, wil eerlich und hoch sein (
quam qui gloriatur et eget pane).
Züricher bibel 1530 635
a (
ecclesiastic. 10, 30); ein selzam ding dasz ihr hie schwenkt. mich wundert sehr was ihr gedenkt.
quelle (
ohne nähere angabe)
bei Frisch
a. a. o. II@3@cc)
im ältern nhd. nimmt schwenken
auch zuweilen die abstractere bedeutung von schwanken
an. so an jemand schwenken,
wanken, untreu werden: hinfür sonds ir er wol bedenken und an irem herren nimen swenken. Liliencron
hist. volksl. 1, 559
a (123
a, 9). in seinem versprechen schwenken,
es nicht halten: sins heilgen bundts er denket und in sim gschwornen eyd nit schwencket.
trag. Joh. A 5; ich bsorg, ich bsorg, er wölle schwencken und uns nit halten sin zuosag. L 7. II@3@dd)
selten mit unpersönlichem subject: doch das bild kam nicht zum schlusse. die gedanken schwenkten. Scheffel
trompeter 199. IIIIII.
ganz verschieden ist schwenken
für schwänken
im sinne von '
schwänke, spasz machen',
s. sp. 2255.
weitere belege: die iunge welt kan so fil schwencken (
oder subst.?), das die alt nie dorfft gedencken. Murner
schelmenz. 17, 29; man soll schwencken, dasz darausz wachs kein schad noch unwill, spricht H. Sachs. H. Sachs 1, 499
a; der fürst sprach, mit dem teufel schwenck, mit unserm herrgot thu nit schertzen. 4, 3, 60
c; wer sich hinfür zuthun gedenckt, also dasz er mit worten schwenckt, der musz ein lügen nit verderben, umb eins worts willn, sondern sie ferben. Kirchhof
wendunm. 1, 55
Oesterley (1, 46).
mit bemerkenswerther construction: der Wiesner Jakob aber .. lachte und schwänkte sich in kurzer zeit in ihren kreis hinein. Anzengruber
3 5, 223.