vorstellung,
f. ,
vgl.fürstellung teil 4, 1, 1,
sp. 858; vorstellung,
demonstratio, editio, significatio, ostentus, vulgo installatio Stieler 2145; vorstellung,
propositione, proposta, presentatione, producimento Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 962
a;
remonstration die vorstellung Spannutius (1720) 413;
factispecies, eine vorstellung, wie es mit der sach bewandt Apinus
gloss. nov. (1728) 212; für-
et vorstellung,
repraesentatio, imago effigies Steinbach 2, 663; vorstellung Frisch 2, 331
b; Adelung; Campe. —
wie die glossierung in den älteren wörterbüchern zeigt, weist das wort bedeutungen auf, die in der sprache der jetztzeit untergegangen sind. vor allem ist zu beachten, dasz die später am meisten angewandte bedeutung, die in schärferer bestimmung dann in die technische sprache der philosophie übernommen wird, erst im 18.
jh. zu überwiegender geltung kommt, wobei wie auch bei anderen anwendungen der verbale sinn schwindet. dem deutschen worte nachgebildet und seinen bedeutungen folgend ist dän. forestilling. 11)
mit erhaltung des verbalen sinnes nach vorstellen 9 (
jemanden mit nennung seines namens einem andern gegenüberstellen): (
absichten,) welche man durch meine vorstellung bei hofe erreichen wollte S. v. Laroche
gesch. d. frl. v. Sternheim (1771) 2, 18; die vorstellung vor einigen fürstlichkeiten verbat sich Boie Weinhold
Boie (1868) 65; eine vorstellung fand nicht statt; man kannte sich bereits von der soiree her Fontane I 4, 19. 22) vorstellung eines predigers, beamten
bei der einführung ins amt Adelung; Voigt
hdwb. für d. geschäftsführung (1807) 2, 308: (
dasz die bürgerschaft) der vorstellung dieses neuauffgehenden raths beywohnen wolle Chr. Weise
polit. redner (1677) 796; es äuszert sich das kriegesceremoniel gar deutlich bey werbungen, musterungen, vorstellungen derer officierer, übergebung der fahnen v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 94. — die vorstellung der militärpflichtigen bei den ersatzbehörden (gestellung) v. Alten
hdb. für heer u. flotte (1909) 4, 225; vorstellung eines bataillons,
besichtigung 2, 213. —
einreichung, empfehlung eines bewerbers für ein amt, vgl. vorstellungsgerechtigkeit, -recht
unter 10. 33)
in älterer sprache vom erscheinen vor gericht: vorstellung und verklagung bey Pilato Hartmann
volksschauspiele 377; ich achte es aber gar nicht rathsam seyn, dasz es geschehe vor der vorstellung (
der zeugen) Ayrer
hist. proc. juris (1600) 151,
vgl. auch A. Gryphius
trauersp. 130
P. 44)
von schauspielerischer darstellung u. ä. (
vgl. vorstellen 13 a
ff.);
die verbale anwendung ist veraltet: die vorstellung eines schauspiels Adelung; welche zeit Nannius zu vorstellung seines dritten schauspieles ihm schon ausgebeten hatte Lohenstein
Armin. (1689) 2, 1436
a; ich verspare das weitere, bis zu einer zweyten vorstellung des stücks Lessing 10, 93
M.; mit der vorstellung Hamlets sollte ihre ganze lust gebüszt sein Göthe 23, 215
W.; die vorstellung der Räuber des hrn. Schillers Schiller 2, 373
G.; jene vorstellung der Stummen von Portici, welche den belgischen aufruhr einleitete Treitschke
dt. gesch. im 19.
jh. 4, 100. — vorstellung von Christi geburt mit puppen Brentano 7, 463; bei der fünfzigsten vorstellung von 'Flick und Flock' fürst Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 4, 104.
gewöhnlich wird aufführung
vorgezogen. —
darstellung einer person in einem aufzuge: als sie ihrer, sie vor Venus haltend, in solcher vorstellung ansichtig wurden S. v. Birken
ostländ. lorbeerhäyn (1657) 394. 55)
steht das wort ohne angabe eines objekts, tritt der verbale sinn mehr und mehr zurück; das wort bezieht sich nicht nur auf die bühne, sondern auch auf andere vorführungen, z. b. die des circus; näher bezeichnet: Marianne war ihm zuerst in dem günstigen lichte theatralischer vorstellung erschienen Göthe 21, 12
W. — eine vorstellung besuchen, in eine vorstellung gehen, vorstellungen geben, während der vorstellung
u. ä.: diese erste vorstellung (
ein tanzspiel) der zuschauer augen dermaszen bezauberte, dasz ... A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 896; es ist einem ballette nicht unähnlich die artige vorstellung, die ... Carolo
V. geschehen Morhof
unterricht von d. dtsch. spr. (1682) 1, 743; sich den eindrücken der vorstellung zu überlassen Herder 3, 40
S.; der ich in meinem leben kaum zehn vorstellungen gesehen Bürger 286
Bohtz; man schreitet zu den vorproben, sodann zu den hauptproben, zuletzt zur vorstellung Göthe IV 28, 16
W.; wird er uns sagen, was diese vorstellung (
show) bedeutet?
Shakespeare Hamlet 3, 2; abends im Burgtheater: Faust; sehr gute vorstellung Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 105. 66)
veraltet ist vorstellung
im verbalen sinne entsprechend dem mannigfaltigen gebrauch des verbums, der unter vorstellen 12
behandelt ist, darstellung, darlegung u. ä.; doch kann dann auch hier der verbale sinn schwinden. 6@aa)
bildliche darstellung: die vorstellung im glase (
kirchenfenster), wie graf Wilhelm der stadt das wappenschild ... schenckt Abr. a
s. Clara
etwas für alle 2 (1711) 254; wie ein griechischer maler von zwo verschiedenen vorstellungen dieses helden (
Theseus) urtheilete Winckelmann (1825) 1, 11; ich kenne keine vorstellung der mutter Christi, die dieser gliche Cramer
d. nord. aufseher (1758) 3, 459; fünf andere grosze bilder ..., alles vorstellungen von seehäfen Göthe 41, 1, 30
W.; und so öfters bei ihm, z. b. 42, 1, 11; 47, 214; II 2, 66; IV 15, 86; sein berühmtestes bild ist wohl die vorstellung des heiligen abendmahles Wackenroder
herzenserg. (1797) 81; die einwohner des hauses waren um die schöne vorstellung des kindes Jesu in der krippe versammelt Chph. v. Schmid (1858) 1, 81. 6@bb)
darstellung in der schrift (
vgl. vorstellen 12 b),
häufig in älterer sprache: in vorstellung der allgemeinen hauptregulen und lehrsetzen Schottel
t. haubtspr. 11; es ist zwar davon schon ... bei gelegenheit der eigentlichen vorstellung der beine des beckens meldung geschehen Deventer
neues hebammenlicht (1704) 77; (
soll der dichter) in vorstellung der gemüthsbewegungen glücklich seyn Neukirch
anfangsgründe zur t. poesie (1724) 17; probe einer vorstellung aller intervalle in noten Mattheson
kl. generalbaszschule (1735) 120; davon ist in denen notabilibus sattsam vorstellung geschehen Göchhausen
notabilia venatoris (1741) 315; (
die) tragischen dichter nahmen ihre vorstellung dieser scenen aus andern sogenannten cyklischen dichtern Herder 17, 179
S. —
mit persönlichem objekt: gleichfals musz der poet in vorstellung der personen ihre gemütsmeinung meisterlich zu beherrschen wissen Harsdörffer
poet. trichter (1647) 1, 10. —
in titeln und inhaltsangaben: einfältige vorstellung etwelcher geheimbnuszen Hartmann
volksschausp. 133; vorstellung eines curieusen namenscalenders Hohberg
georg. curios. 3, 1 (1715) 85; 7. kap. allgemeine vorstellung von der lage ihrer städte Heilmann
gesch. d. pelop. krieges (1760) 8. —
mündliche darstellung: er fing mit einer einfachen und ausführlichen vorstellung an von dem jezigen zustand der sachen Schiller 4, 162
G. —
darstellung durch töne: versuch in vorstellung biblischer geschichten auf dem clavier Mattheson
grundlage e. ehrenpforte 157
Schneider. 6@cc)
in besonderer wendung, '
gestaltung': in erster einrichtung und annehmlicher vorstellung (
des buches) Grimmelshausen
Simpl. 1, 3
Kurz; einführende erläuterung: was zur erläuterung und vorstellung dieser mancherlei gedichte dienen könnte Herder 25, 313
S. 6@dd)
von dem unter a
behandelten gebrauche aus kann vorstellung
auch geradezu das bildlich dargestellte selbst bezeichnen, allerdings ist hier schwer eine grenze zu ziehen: (
das übrige) werdet ihr allbereit so wol von den vorstellungen selbst als denen bildschriften satsam erlernet haben S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 56; zwölf verschiedene vorstellungen zum lauenburgischen kalender
allg. dtsche bibl. anhang zu bd. 25-36, 798; ist ihnen oder ihrer lieben frauen etwas erinnerlich von vorstellungen aus dem Homer, die sie irgendwo gesehen Göthe IV 14, 101
W.; vgl. I 33, 254; ich fand noch einige andere originelle vorstellungen, besonders zwei figuren des
s. Stephan und Laurentius Gregorovius
latein. sommer (1904) 38. —
freier: als aber ... das angenehme weltauge in dem springenden wasser eines in dem garten stehenden kunstbrunnens artige vorstellungen machte Ziegler
d. asiat. Banise (1689) 19. —
in den folgenden stellen ist der gegenstand bildlicher darstellung (
motiv)
gemeint: zu kupfern bringe ich vorstellungen aus Wilhelm Meister zum vorschlag Göthe IV 12, 12
W.; dasz er am liebsten wilde bacchanale und orgia, fürchterliche ungeheuer und sonst irgend schreckhafte vorstellungen gemahlt habe Wackenroder
herzenserg. (1797) 154. 77)
die im entwickelten nhd. häufigste anwendung ist eine zwiefache; die zweite ist unter 8
behandelt; bei der ersten ist die anwendung im allgemeinen gebrauch, die dem sinne der wendung sich etwas vorstellen (vorstellen 16 b)
entspricht; hiervon ist die technische bezeichnung der neueren philosophie zu unterscheiden. der verbale sinn tritt in beiden fällen zurück. 7@aa) 'vorstellung,
in engerer und eigentlicher bedeutung das bild, welches man sich von einer sache in gedanken macht, in weiterer aber ein jeder begriff von einer sache, die idee' Adelung;
im allgemeinen wird das wort gewöhnlich in sehr unbestimmtem sinne angewendet, wenn nicht durch den zusammenhang eine begrenzung bedingt wird. in der folgenden stelle z. b. sind motive des willens gemeint: was nennen sie vorstellungen? innere handlungen oder thätigkeiten des denkenden wesens, die äuszern thätigkeiten correspondiren Schiller 4, 299
G.; verführerische innere bilder: mit den üppigsten vorstellungen und lüsternsten lockungen Klinger (1809) 3, 8.
ansicht, meinung: ich hatte vor, diesen sommer in academischen vorlesungen fest gegen seine (
Lachmanns) vorstellung von den Nibelungen aufzutreten Jac. Grimm
an Dahlmann, briefw. 2, 106
Ippel. 7@bb)
weitere beispiele; beachtenswert die verbindung mit benachbarten begriffen: vorstellungen der seele, wie sie mit den begebenheiten der welt zusammen treffen Chr. Wolff
vernünft. ged. von gott u. d. welt (1720)
reg.; vorstellungen, die wir oft für die allgemeinsten grundsätze der menschenvernunft erkannten Herder 13, 309
S.; die augen sind nur canäle, die bestimmt sind, der seele vorstellungen zuzuführen Cramer
d. nord. aufseher (1758) 1, 74; solche vorstellungen und betrachtungen Göthe IV 34, 129
W.; alle vorstellungen und eindrücke Fr. Schlegel (1846) 2, 155; (
sucht) verzweiflungsvoll nach einem gedanken, nach einer vorstellung Immermann 1, 38
B.; vorstellung wenigstens ist; ein vorgestelltes ist also, ein vorstellendes auch Göthe 5, 261
W. 7@cc)
die unbestimmtheit des begriffs im allgemeinen sprachgebrauch zeigt sich besonders auch in der unerschöpflichen fülle der epitheta, die mit vorstellung
verbunden werden: die abenteuerlichsten Holtei
erz. schr. (1861) 2, 144; angenehme Schubart
br. 1, 9
Strausz; angstvolle Alverdes
Reinhold (1931) 21; artige fürst Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 1, 222; blosze
immer im gegensatz zur wirklichkeit des vorgestellten Liscow
samml. sat. u. ernsth. schr. (1739) 58; deutliche Müllner
dram. w. (1828) 8, 46; dunckle Hippel
lebensl. (1778) 1, 400; die entsetzlichsten Ziegler
d. asiat. Banise (1689) 8; falsche Lessing 2, 302
M.; gedrückte Herder 16, 56
S; gereinigte Immermann 1, 43
B.; grillenhafte Göthe 43, 323
W.; heitere Storm (1899) 1, 67; höhere Bettine
d. Günderode (1840) 2,
vorr.; innige Haller
restaur. d. staatsw. (1816) 1, 17; klare Gutzkow (1872) 8, 150; lebhafte Ramler
einl. in d. schön. wissensch. (1758) 1, 36; liebkosende
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 5, 129; richtige G. Forster (1843) 4, 51; schauerliche Eichendorff (1864) 3, 197; schönste Herder 12, 87
S.; seltsame Archenholz
England u. Italien (1785) 2, 10; süsze
d. neueste aus d. anm. gelehrsamk. (1751) 1, 422; traurige Mörike 3, 143
Göschen; trostlose Schleiermacher (1834) II 4, 41; übertriebene
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 326; verkehrte Wackenroder
herzenserg. (1797) 11; verworrene H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 420; verzagte
d. Leipz. avanturieur (1756) 1, 13; wilde Hans Grimm
volk ohne raum (1928) 2, 589; wunderliche O. Ludwig (1891) 5, 86. 7@dd)
der inhalt der vorstellung
wird durch genit. ausgedrückt, auch hier wird der verbale sinn nicht mehr empfunden: vorstellung einer person (
im traume) Ziegler
d. asiat. Banise (1689) 161; die vorstellung des schattenreichs Herder 19, 64
S.; desto schwerer ward mir die vorstellung des ganzen Göthe 22, 26
W.; der anblick oder die vorstellung eines leidenden wesens zerreiszt mein innerstes Schiller 1, 32
G.; ich konnte die vorstellung eines langen drahtes nicht unterdrücken G. Keller (1889) 2, 22. 7@ee)
gleichen sinnes ist die verbindung mit von (
vgl. unter g): (
zeichnen) erleichtert mir jede vorstellung von sinnlichen dingen Göthe IV 8, 180
W.; alle seine vorstellungen von religion hatten etwas fürchterliches an sich Schiller 4, 263
G.; vorstellung von sich selbst Schleiermacher (1834) I 3, 8; meine vorstellung von gott G. Keller (1889) 1, 34. —
mit über: die vorstellungen darüber Ranke (1867) 1, 156. 7@ff)
der inhalt wird durch einen satz oder eine wortgruppe ausgedrückt: durch die vorstellung, dasz Nolten noch im vollen irrtum seiner liebe dahinlebe Mörike 3, 55
Göschen; die vorstellung ..., als sei es (
das träumen) etwas unheimliches O. Ludwig (1891) 2, 97; (
hotelname,) der sofort die vorstellung weckt: hier ist es gut sein Fontane I 4, 289. — schon hatte sich Marie an die vorstellung gewöhnt, mit uns zu leben Göthe 24, 35
W. 7@gg)
häufige verbale wendungen sind eine vorstellung von etwas haben, sich von etwas machen: davon hast du eine vorstellung, weil du mich kennst Göthe 19, 30
W.; so wenig hatte es (
ein mädchen) eine vorstellung oder eine kenntnisz von der geringsten weiblichen arbeit Stifter (1904) 5, 1, 186. —
gewählter: von der unwirthbarkeit dieses nordischen himmels hegte man am Mittelmeer eine übertriebene vorstellung Dahlmann
gesch. v. Dännemark (1840) 1, 3. — man spricht viel vom theater, aber wer nicht selbst darauf war, kann sich keine vorstellung davon machen Göthe 23, 24
W.; macht sich von deinen briefen aus wunder was für vorstellungen von dir Holtei
erz. schr. (1861) 15, 138. 7@hh)
andere wendungen: wenn wir uns nicht vorher den alten christenglauben ... zur vorstellung gebracht hätten D. Fr. Strausz (1876) 6, 8. — ausdruck, der über die gemeine vorstellung hinüberschosz Klinger (1809) 6, 291; die ... grazie seiner bewegungen ist über alle vorstellung Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 60; meine albernheit habe alle seine vorstellung überstiegen A. v. Arnim 2, 110; der luxus in Paris übertrifft ... jede vorstellung Gutzkow (1872) 7, 445. — ein über alle vorstellung köstliches gold Fouqué
d. zauberring (1812) 1, 52; (
der vertraute) einer über jede vorstellung erhabenen schönheit Holtei
erz. schr. (1861) 21, 211. — wie weit die philosophie und theologie ... hinter meinen vorstellungen ... zurückbleibe Hauff (1890) 2, 49. 7@ii)
die anwendung des wortes in der fachsprache der philosophie ist dargestellt bei Eisler
wb. d. philosophischen begriffe (1930) 3, 437;
der begriff ist bald enger, bald weiter, letzteres z. b. bei Schopenhauer, die welt als wille und vorstellung (1818): die welt ist meine vorstellung 1, 3
Gr.; in der neueren psychologie wird die vorstellung
auf innere vorgänge eingeschränkt, die in ihrer entstehung von wahrnehmungen unabhängig sind. 88)
bei der zweiten, im entwickelten nhd. häufigsten anwendung ist vorstellung
eine darlegung, durch die auf haltung, wille, entschlusz, meinung, gesinnung eines andern gewirkt werden soll (
vgl. vorstellen 16 a
β);
hierbei wird der verbale sinn mehr gefühlt als bei der unter 7
behandelten anwendung; vorstellung
kann sich auf mündliche oder schriftliche darlegung beziehen; 'vorstellung,
eine rede, wodurch man bey jemanden eine thätige erkenntnisz der umstände und folgen einer handlung zu bewirken sucht' Adelung;
während die ältere sprache sich freier bewegt, wird später der plural weit häufiger gebraucht als der singular. 8@aa) (
das ohr) fasset sein urtheil aus dem stegreif ab, bey ihm verfängt keine vorstellung Breitinger
crit. dichtk. (1740) 2, 21; ich habe nur melden wollen: dasz der herzog auf die vorstellung von seiner idee abgegangen ist Göthe IV 3, 133
W.; diese vorstellung des frhrn. von Dalberg an die Mannheimer bühne Schiller 3, 595
G.; der husar nahm keine vorstellung an Hebel 2, 48
Behaghel; dies konnte ich nicht ohne vorstellung (
einwendung, widerspruch) gehen lassen Wilhelm I.
milit. schr. (1897) 1, 107. 8@bb)
häufiger jetzt im plur.: endlich muszte ich den vorstellungen meiner freunde weichen Liscow
samml. sat. u. ernsth. schr. (1739)
vorr. 14; Typhon sah alle seine vorstellungen ohne wirkung Joh. El. Schlegel (1761) 3, 496; seine vorstellungen sind bündig Herder 3, 210
S.; alle meine vorstellungen hätten vielleicht nicht gefruchtet Göthe 24, 28
W.; (
beschränkte sich) zunächst auf vorstellungen Mommsen
röm. gesch. (1854) 2, 45; nur widerwillig gab er den vorstellungen derer nach, die auf flucht drangen Fontane I 1, 19. 8@cc)
mit charakterisierenden adj., die plurale sind nicht angegeben: die besten Göthe 38, 274
W.; so wohlmeinende als dringende vorstellung IV 29, 48; eindringliche
M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 3, 12; falsche, widrige Göthe 8, 22
W.; freundschaftliche Stegemann
weltwende (1934) 294; gründliche König
ged. (1745) 15
anm.; alle meine guten Gottsched
beob. (1758) 386; gütliche Brentano (1852) 5, 362; milde Raumer
gesch. d. Hohenstaufen (1823) 1, 65; die rührendsten Miller
Siegwart (1777) 1, 230; schmeichelnde vorstellung
d. vern. tadlerinnen (1725) 1, 181; vernünftige Göthe 43, 172
W.; zärtliche Cramer
d. nord. aufseher (1758) 1, 51. 8@dd)
mit benachbarten begriffen verbunden: vorstellungen und vermahnungen Weigel
grund aller tugenden (1687) 101; vorstellungen und persuasoria Schnabel
insel Felsenburg vorr. 8; da galt kein einreden, keine vorstellung, kein unterricht Loen
ges. kl. schr. (1749) 1, 96; bitten und vorstellungen Lessing 10, 39
M.; drohungen, vorstellungen, schmeicheleyen und versicherungen Lichtenberg
br. 1, 22
L.-Sch.; zureden und vernünftige vorstellung maler Müller (1811) 1, 297. 8@ee)
mit angabe des inhaltes: mit vorstellung der groszen gefahr, die ihr daselbst drohte A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 2, 670; mit nachdrücklicher vorstellung des über die Sicambrer aufziehenden ungewitters Lohenstein
Armin. (1689) 2, 386
a; Germanicus ermahnte die Römer zur herzhaftigkeit durch die vorstellung der groszen, ungeschickten spiesze der Deutschen (
hinweis auf)
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 37; nochmalige vorstellung ihrer gegenwärtigen gedrängten lage Göthe IV 10, 321
W.; durch vorstellung des dienstes, den sie mit ihm dem könige leisten würde Ranke (1867) 4, 101. — durch neue dringende vorstellungen von schande, ruhm und hoffnungen Herder 17, 175
S. — mit der vorstellung ..., die nachbarn möchten sie hören A. v. Arnim 1, 43. 8@ff)
die früher beliebte verbindung mit tun
ist jetzt veraltet: jemanden die nachdrücklichsten vorstellungen thun Adelung; ich will Araspen aufsuchen. ich will ihm vorstellungen thun Lessing 2, 64
M.; mehrere reichsbeamte thaten ... dagegen vorstellung Herder 24, 81
S.; ich habe ihm versprochen, ihnen einige kleine vorstellungen zu thun Gellert (1839) 3, 25; dem könige eine solche vorstellung zu thun Wieland (1794) 7, 198; die wöchner sind bey mir gewesen und haben die bekannte vorstellung gethan Göthe IV 15, 78
W.; beschliesze nichts, bis wir zusammen rath gehalten, dir vorstellungen gethan Schiller
Piccolomini 2, 7. 8@gg)
die jetzt gewöhnliche wendung jemandem vorstellungen machen
wird von Adelung
noch nicht, wohl aber von Campe
verzeichnet: sie sind verbunden, dem könige darüber vorstellungen zu machen Stephanie
d. jüng.
lustsp. (1771) 195; als Theodor ihm ... vorstellungen gegen dieses übertriebene beten machte Zimmermann
über d. einsamkeit (1784) 1, 217; pfaff und laie machten ihm vorstellungen darüber Klinger (1809) 3, 153; man kann doch mit ihm reden und ihm vorstellungen machen Freytag (1886) 2, 262; so hat der arzt eine sehr nachdrückliche vorstellung gemacht, dies jahr noch ein seebad zu brauchen Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 4, 56. 8@hh)
schriftliche darlegungen, besonders an behörden, kollegien u. ä.: die von Berlin eingereichte vorstellung Leibniz
dt. schr. (1838) 2, 228; (
ich habe) meine vorstellungen bereits an den herzog geschickt Lessing 18, 274
M.; beyliegendes concept der vorstellung Göthe IV 16, 307
W.; (
dasz) die vor gericht einzugebenden klagen und vorstellungen auf stempelpapier abgefaszt seyen K. L. v. Haller
restaur. d. staatsw. (1816) 2, 257; am 18. november unterzeichneten sieben professoren die allbekannte von Dahlmann entworfene vorstellung an das universitätscuratorium Treitschke
hist. u. polit. aufsätze (1886) 1, 385; und doch wagten sie nicht einmal, eine unterthänigste vorstellung dagegen einzureichen Bismarck
br. an s. braut u. gattin 28. 99)
einzelnes. 9@aa)
von der unter 8
behandelten bedeutung ausgehend: '
territion, schreckung
oder vorstellung,
des scharffrichters bey denen torturen, z. e. die verbal- oder realterrition wider den inquisiten vornehmen' Wächtler (1714) 367. 9@bb)
in logischem sinne, übersetzung von propositio: major propositio die vorstellung Orsäus
nomencl. method. (1623) 14; 15;
in mathematicis propositio est vorstellung Schottel
t. haubtspr. (1663) 652
a. 1010)
als erstes glied von zusammensetzungen, am häufigsten im sinne von 7,
vor allem in unerschöpflicher fülle in der fachsprache der philosophie; beispiele vorzugsweise aus dem allgemeinen sprachgebrauch: