vorstellen,
verb. ,
vgl.fürstellen teil 4, 1, 1,
sp. 855,
beides erst nhd.; mnld. vorestellen Verwijs-Verdam 9, 1108;
vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1880; ten Doornkaat-Koolman 1, 545
b;
dän. forestille
ist aus dem nd. entlehnt. —
subjectio ... das vorstellen unter augen Corvinus
fons lat. (1646) 426; für-
sive vorstellen,
praesentare, ostendere, proponere, docere Stieler 2145; vor-, fürstellen Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 961
c;
ebenso Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 338
c; für-
et vorstellen Steinbach 2, 662; vorstellen Apinus
gloss. nov. (1728) 462; Frisch 2, 331
b; Adelung; Campe. —
die anwendbarkeit des verb. ist in der sprache der gegenwart gegenüber früherem gebrauch sichtlich eingeschränkt, vgl. auch fürstellen oben teil 4, 1, 1,
sp. 855
in seiner reicheren bedeutungsentwicklung. besonders ist zu beachten, dasz vorstellen
früher vielfach gebraucht wird (
so z. b. oft bei Göthe),
wo man jetzt darstellen
vorzieht. auch durch vorlegen
ist das verb. z. t. verdrängt worden. 11)
entsprechend dem eigentlichen, räumlichen sinne von stellen,
etwas nach vorn, weiter vor, vornhin, vor etwas hin stellen u. s. w.: einen stuhl vorstellen,
vor das bett Adelung; einen schieber vor- und zurückstellen;
so besonders den zeiger,
freier die uhr vorstellen,
wobei zugleich ein zeitlicher sinn sich einstellen kann: früh die gutsuhr vorstellen zu lassen W. v. Polenz
Grabenhäger (1897) 1, 115; wir können den lauf der zeit nicht dadurch beschleunigen, dasz wir unsere uhren vorstellen Bismarck
polit. reden 4, 192
K.; gleich spricht er von zu hause gehn und stellt die uhr zwei stunden vor Gaudy (1844) 1, 113.
in besonderer anwendung: (
der wassermann) hat ein ohr vorgestellt und hat sich bedanken wollen Blunck
sprung über die schwelle 192. —
auch mit persönlichem subjekt: den doppelposten um 100 meter vorstellen. 22)
übertragen in älterer sprache, befördern, avancieren lassen: hernach ward mein rittmeister zum obr. leutenant vorgestellet Grimmelshausen
Simpl. 1, 219
Kurz; es wird keinem capitain vergünstiget ... einen weder zu degradiren, noch zu avanciren oder vorzustellen v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 155. 33)
voranstellen in einer schrift, einem buche, ebenfalls veraltet: der gibt im vorgestellten text allen elenden und betrübten disz mittel an die hand Saubert
wagen Simeonis (1627) 541; schlüszlich solte ... diesem werke ... einige übereignungsschrift vorgestellet werden Butschky
Pathmos (1677)
einführung 14
b. 44)
in älterer sprache übertragen, mit dat. zur leitung, regierung, fürsorge u. ä. vorsetzen: den dir gott als seinen stathalter hie vorgestellet hat Barth
weiberspiegel (1565) k 5
b; denen er den obristen C. H. zum commendanten vorgestellet Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 231; (
uns Tirolern das) ertzhausz Österreich als ... landsfürstliche herrschafft vorzustellen Brandis
d. tirol. adlers ehrenkräntzel (1678) 149; (
wenn er) zur fahne geschwohren, dasz er seinen vorgestellten herrn treu und huld seyn wolle v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 109; herr obrist von Seeger hat mich dem theater ... vorgestellt Schubart
br. 2, 228
Strausz; ir seht, wie in der gantzen welt eim jeden volck ist vor gestellt ein oberkeit B. Waldis
Esopus 1, 43
Kurz; stell ihnen (
den schafen) einen knaben vor, der wachsam bey der herde bleib Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 452; ein junger stier wird vorgestellt dem hauffen Grimmelshausen
Simpl. 46
ndr. 55)
vereinzelt auch im sinne von höher schätzen, vorziehen, in älterer sprache: wie hoch und heilig bey den Römern die güldenen adler gehalten, ... ja so gar angebetet und anderer götter bildern vorgestellet würden Lohenstein
Armin. (1689) 2, 240
b. 66)
sinnlich, schlieszend, sperrend, hindernd, wehrend vor etwas stellen: ein brett vorstellen,
vor eine öffnung u. ä.: als solchs die Römer erfaren, haben sie in der schlacht wider den könig Pyrrhum des königs helffanten ettliche wider vorgestellt Heyden
Plinius (1565) 99; so läst sich jeglicher fisch ... in die vorgestelte reusen jagen
fischbüchlein 53; im thorwege des thurms wurde ... ein hölzernes, aus spitzbalken grob zusammengefügtes fallgitter vorgestellt Laube (1875) 3, 123; der wind, stellt man den schirm nicht vor, bläst euch zusammen fort Göthe 5, 50
W. eine verbindung mit dem dativ wie in der stelle bei Heyden
wird im entwickelten nhd. gemieden. —
reflexiv: die pferde drohten durchzugehen,
N. N. stellte sich vor,
ihnen zu wehren. anders dagegen in folgender stelle, sich schützend vor etwas zur abwehr stellen: und wie der Karl die schaar erblickt, da rafft er sich empor und stellt sich mit gezücktem schwert der todtenbahre vor W. Müller
ged. 374
Hatfield. 77)
etwas hinstellen, zur schau, zum genusz, zu irgendwelcher benutzung; auch dieser gebrauch, im eigentlichen wie im übertragenen sinne gehört vorwiegend der älteren sprache an: etwas zum sehen oder zum kauffen vorstellen; einem was zu essen vorstellen Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 961
c; item das ihnen (
den dohlen) ein becher mit öl vorgestellt werde Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 102; als ihm ein wälscher wirth einen guten wein vorgestellt (
hatte) Aurbacher
ein volksbüchlein (1835) 260; darauf wurde das gericht der edlen frau vorgestellt, und ihr roter mund asz das herz Grimm
dtsche sagen (1891) 2, 177; 'da trink!' stellt einen topf mit milch dem knaben vor Schubart
ged. (1825) 2, 35.
den sinnendarbieten, zur schau stellen, zeigen, in erscheinung treten lassen u. ä.: produciren vorweisen, vorstellen z. e. documenta Wächtler (1714) 301; maszest dieselben (
gemälde) ... auf dem prächtigen saal der ... fruchtbringenden gesellschaft zu stetswärenden ehren und andenken vorgestellet und ... anzusehen seynd Neumark
neuspr. t. palmbaum (1668) 66; würde ich schwerlich die kühnheit genommen haben, gegenwärtige zeilen ihren augen vorzustellen Chr. Weise
polit. redner (1677) 229; den grundrisz ... dem bauherrn vorzustellen Hohberg
georg. curios. (1682) 1, 21; man musz keine sauere geberden auff einem platze vorstellen, der da vor ansehnliche leuthe ist
persian. baumgarten (1696) 52
a Olearius; dasz er die ersten uhren habe erdacht, und zu Rom offentlich vorgestellt Abr. a
s. Clara
etwas für alle 1 (1669) 241; ob es ein gottesdienst seie, wann man die gesegnete hostie vorstellet und herum trägt Kraus
d. hinckende Löscher (1717) 84; das gesicht stellt uns alles auf einmal vor Herder 5, 67
S.; ihre kleidung stellte dem aug eine angenehme verbindung der einförmigkeit mit der abwechslung vor Wieland
Agathon (1766) 1, 152; (
uhren,) welche die ungleichheit der natürlichen sonnentage vorstellen Kästner
verm. schr. (1755) 1, 8; der winter drückt die haut und hat im wald und feld ein weisz begräbnisztuch der blumen vor gestellt Günther
ged. (1735) 764.
in besonderer wendung, in erscheinung treten lassen: eine jede crone aber ruhete auff besondern stänglein und stellete dannenhero eine ziemliche höhe vor Ziegler
d. asiat. Banise (1689) 196. —
zum objekt tritt ein prädikatives adj.: indem die gute speisen und faule täge mich in kürtze glatthärig machten und mich anmuthig genug vorstelleten Grimmelshausen
Simpl. 1, 93
Kurz. —
refl.: die verwandlungen des kunstreichen schauplatzes stelleten sich folgender gestalt vor Ziegler
Banise 814;
sich dem gehör darbieten: was stellt sich dem gehöre vor? beleben mich die todten saiten? Hagedorn
vers. einiger ged. 18
lit. denkm. 88)
von dem unter 7
behandelten gebrauche aus verallgemeinert, sehr oft in älterer sprache, wo später verba wie vorlegen, darbieten
u. ä. vorgezogen werden: so war dem homeister vorgestalt der eidt, den er schweren solte Grunau
preusz. chron. 2, 338; hab ich inen nach vilfältiger erinnerung ... ein harten eydt vorgestelt Reutter v. Speir
kriegsordn. (1594) 49. — etzliche regulae ... seyn vorgestellet worden Schottel
t. haubtspr. (1663) 7; als thue ich demselben (
dem leser) einen almodischen brief ... hiemit aufs zierlichste vorstellen (
nun folgt der brief) Neumark
neuspr. t. palmbaum (1668) 133; diese erzehlung, welche mir mein knecht Jost ... vorgestellet Zend. a Zendoriis
t. winternächte (1682) 665; von denen (
teilen des buches) ich dir abermahl den ersten theil desselben ... viel vermehrter als ehemahl vorstelle Ettner-Eiteritz
medizin. maulaffe (1719) 5
b; so will ich ... nur 8. oder 10. circumstantias zu erwägen vorstellen Stranitzky
ollapatrida 182
Wiener ndr.; sie hatten keine mildernden entschuldigungen vorzustellen Niebuhr
röm. gesch. (1811) 2, 156 (
die beiden letzten belege zeigen den übergang zu dem unter 16
behandelten gebrauch von jemandem etwas vorstellen); herrscher der immerdar-finstern nächte, der tod und höllen gesetze vorstellt A. Gryphius
trauerspiele 94
P.; sagt mir, die ihr an der welt euch so sehr verliebet, was hat sie euch vorgestellt, welches nicht betrübet?
Königsberg. dichterkreis 81
ndr.; (
die muse spricht:) stell ich ihm auch gleich was angenehmes vor, so thut er wie Hanns Unverstand Stoppe
Parnasz (1735) 103.
altertümelnd in ungewöhnlicher anwendung: (
wenn unglück bevorsteht,) hat man die wichtlein hören scharren, graben ... und andere bergarbeiten mehr vorstellen
dtsche sagen (1891) 1, 24;
vgl.: wie die wälder und holtzungen müssen versehen seyn, dasz allerhand jagtlusten darinnen können vorgestellet werden Täntzer
Dianen hoh. u. nied. jagtgeh. (1682) 1, 1. 99)
jemanden vorstellen,
d. h. mit nennung des namens einem andern bekannt machen, auszerordentlich häufig in der sprache der neuzeit: er sol
d. Ambrosium
M. (als er ihm vorgestellet worden) mit diesen worten abgefertigt haben Rätel
Curäi chron. v. Schlesien (1607) 289; ich will aber doch hoffen, dasz ich das vergnügen haben darf, sie ihnen vorzustellen? Lessing 2, 16
M.; man geht sogar zum kurfürsten, wenn man ihm schon vorgestellt ist, im frack G. Forster (1843) 8, 7; der könig von Neapel erfährt es, läszt sich Hackert vorstellen Göthe 41, 1, 29
W. (
und oft); man macht selten ein gescheites gesicht, wenn man vorgestellt wird Jean Paul 7/10, 117
H.; ich musz sie vorstellen; wie nenne ich sie? Hauff (1890) 2, 161; ich werde dich als Anton Wohlfart aus dem comtoir der firma T. O. Schröter vorstellen Freytag (1886) 4, 165; da ist der könig, ich werde euch ihm vorstellen Bismarck
ged. u. erinn. 1, 44
volksausg. — sich vorstellen: der fürstin wort, die uns zu freunden wünscht, hab ich verehrt und mich dir vorgestellt Göthe 10, 153
W.; nun, herzogin?sie haben Wien berührt, sich vorgestellt der königin von Ungarn? Schiller
Piccolomini 2, 2; erlauben sie, das ich mich ihnen vorstelle
M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 3, 110. —
mit präpositionen: sich bey hofe vorstellen lassen Adelung; als wir bei der kurprinzessin vorgestellt waren Bettine
d. Günderode (1840) 1, 55;
ungewöhnlich: Octavio (Questenbergen an jene vorstellend) Schiller
Piccolomini 1, 2. —
alleinstehend: im übrigen geschah jetzt ein groszes vorstellen und begrüszen G. Keller (1889) 6, 227; chor (
vorstellend): der dichter Nimmermann — das publicum Platen 2, 350
R. besondere wendung: so bin ich gekommen, denenselben meine tres humble présence vorzustellen Petrasch
sämtl. lustsp. (1765) 1, 489. —
in Österreich wurde früher aufführen
statt vorstellen
gebraucht Kretschmer
wortgeographie 554. 1010)
übertragen und freier; zunächst von dem gesellschaftlichem brauch ausgehend, ein berg wird vorgestellt: stellt ihm den übergewaltigen nachbar in bester form als die Hocheisspitze vor H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 90. —
im brief, im buch: ehe ich den geplagten priester vorstelle
d. wohlgeplagte priester (1695) 6; der herr von Senkenberg stellet die ältesten präsidenten des hofgerichts hier vor ..., welche diese stelle zwischen dem jahr 1235 und 1255 verwaltet haben
allg. dtsche bibl. 1, 2, 124; wir stellen daher gegenwärtig den helden des trauerspiels unsern lesern vor Göthe 40, 36
W.; (
der dichter eines historischen dramas) musz die Hannos und Ottos, die Rudolfe und Heinriche dem zuhörer vorstellen Freytag (1886) 14, 36; indem ich Levin die feder aus der hand nehme, um mich ihnen persönlich vorzustellen
bei A. v. Droste-Hülshoff
br. (1893) 203. 1111)
noch einige besondere anwendungen sind zu erwähnen; jemanden zum antritte eines amtes vorstellen: (
es werden) reden gehalten, wenn ein beamter vorgestellt wird Chr. Weise
polit. redner (1677) 435; bezog die pfarre, ob er gleich der gemeinde noch nicht vorgestellet war Riemer
d. polit. maulaffe (1679) 55; (
coadjutor,) der den ständen bereits vorgestellt und von ihnen angenommen sei Ranke (1867) 4, 342; merk ihn dir!und stell ihn morgen seiner schaar als führer vor Schönaich
Heinrich d. vogler (1757) 87.
freier: '
das recht haben, einen zur wahl für ein amt vorzustellen (
jus praesentationis)' Campe. — einen dem richter
ò vor gericht vorstellen; dem beklagten die zeugen vorstellen; Pilatus stellte Christum dem volck gegeiszelt und mit dornen gekrönet vor Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 961
c; bäte aber die personen vorzustellen (
zur verhandlung), so sich über die regierung beschwerten H. v. Schweinichen
denkw. 263
Ö.; indem sie (
die Pharisäer) ein weib vorgestellet, welche sie im ehbruch ertappt Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 65; dasz unter dieser nämlichen regierung ein reichsschlusz durchgegangen, der befiehlt, den kläger dem beklagten vorzustellen Schiller
Maria Stuart 1, 7.
ganz allgemein: auf dem theater wird ein publicum oder ein theil desselben einem andern publicum zur schau vorgestellt Herder 17, 292
S.; dasz gleich darauf Miss Sara in ihrem zimmer vorgestellt wird Dusch
verm. krit. u. satyr. schr. (1758) 75. —
in besonderer wendung: ich bin dem tode vorgestellt und musz, das reich zu erben, gleich wie ein opffer sterben S.
Dach 106
Ö. prägnant, zur konfirmation dem pfarrer zuführen, dann auch von der konfirmation selbst Martin-Lienhart 2, 590
b,
vgl. vorstell,
m. 1212)
schon oben ist bemerkt worden, dasz vorstellen
im gebrauch der neuzeit vielfach durch darstellen
verdrängt worden ist. 12@aa)
der frühere gebrauch des wortes tritt besonders charakteristisch hervor, wenn etwas durch zeichnung, malerei, plastisch u. s. w. vorgestellt,
d. h. zur darstellung gebracht wird; sehr oft braucht Göthe vorstellen
in diesem sinne: die stärcke, standmut oder grosmütigkeyt betreffend, hat man sie bei den alten mit kriegsrüstung verwart ... bildlich vorgestellt Fischart 3, 236
Hauffen; kein mahler dergleichen ersinnen, noch durch seinen pinsel vorstellen könte A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 4; ein maler stellet nur einen augenblick vor Dusch
verm. krit. u. satyr. schr. (1758) 229; ich habe behauptet, dasz die alten artisten den tod nicht als ein skelet vorgestellt Lessing 11, 7
M.; frage, ob die kunst schwebende körper vorstellen könne Herder 3, 4
S.; wenn sie (
die künstler) den Apollo oder Bacchus vorstellen wollten Wieland
Agathon (1766) 1, 8; vordem war es mode, die bischöfe auf münzen mit segnender hand vorzustellen Möser (1842) 3, 168; diesen kriegsnamen liesz ich denn auch auf den grabstein setzen, mit schönen antiken buchstaben, die ich alle zerbrochen vorstellen lassen Göthe 43, 145
W.; Tobias hatte eine art leuchter vorgestellt (
auf einer zeichnung) 169;
und so auszerordentlich oft, z. b. 23, 9; 24, 354; 33, 10; 42, 1, 11; 43, 37; IV 8, 353; 35, 301; (
der maler) hatte sie in einem leichten sömmerlichen morgenanzuge vorgestellt Heinse 4, 68
Sch.; (
zerrbild,) wo er als türkischer pascha und als römischer jesuit vorgestellt ist Varnhagen v. Ense
tageb. (1861) 2, 44; die stirn, da scham und zucht die keusche wohnung hält, die ist (
auf dem bildnisse) nicht weisz genug und prächtig vorgestellt
bei H. v. Hoffmannswaldau u. anderer ged. (1697) 2, 26; ihr (
maler) stellt in einem blick uns den Achilles vor, von dem wir beym Homer auf tausend seiten lesen
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 72.
darstellung durch zeichen: Ulphilas (
soll) ... versuchet haben, andere sprachen damit (
mit den '
alten teutischen letteren') auszudrukken und vorzustellen Schottel
t. haubtspr. (1663) 57; (
die töne werden) durch die noten vorgestellet Quantz
anweis. d. flöte zu spielen (1789) 33. 12@bb)
ebenso häufig dann auch auf die darstellung durch die schrift und durch anderes bezogen; anknüpfend an den unter a
behandelten gebrauch: der poesi, der music, der tantzkunst kommt es zu, uns ein gemälde menschlicher handlungen und leidenschaften vorzustellen Ramler
einl. in d. schön. wissensch. (1758) 1, 235; dem römischen hofe ein auffallendes gemählde von den schlechten sitten der klerisey vorzustellen Klinger (1809) 3, 222. —
dann in allgemeiner anwendung; ist das objekt eine person, so nähert sich die anwendung dem unter 10
behandelten gebrauch: eine sache vorstellen,
demonstrare rem Stieler 2145; etwas schrifftlich vorstellen Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 961
c;
deduciren, ausführlich vorstellen Wächtler (1714) 136; es mangelt mir an worten, damit ich des hertzens zufriedenheit vorstellen soll Chr. Weise
d. grünend. jugend überfl. gedanken 230
ndr.; weiln wir den uhrsprung und fortgang der teutschen poeterey vorzustellen entschlossen Morhof
unterricht v. d. dt. sprache (1682) 1, 2; wo man eine hefftige klage, angst, schmertz und kummer vorstellen will Neukirch
anfangsgründe zur t. poesie (1724) 45; in analytischer form das ganze system Spinozas ganz unanstöszig vorzustellen Herder 16, 510
anm. S.; warum stellen denn Newton und seine schüler brechung und völlige farbenerscheinung als einen und denselben act vor Göthe II 2, 125
W.; ob einzelne (
handschriften) zwei namen durch ein sive als nebeneinander befugt vorstellen J. Grimm
kl. schr. 3, 173; o stellte doch mein kiel die schönheit deiner werke so, wie du die natur mit farb und pinsel, vor Drollinger
ged. (1743) 76. 12@cc)
mit persönlichem objekt: das er den ackermann als einen groszen lehnherren ... vorstellet Treuer
dtsch. Dädalus (1675) 1, 38; (
da er) die orthodoxen hingegen jederzeit als boshafte leute vorgestellet Leibniz
dtsche schr. (1838) 2, 359; den armen Spenser auch hier von der nachtheiligsten seite vorzustellen Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 29
lit.-denkm.; (
Agathon konnte) nicht tugendhafter vorgestellt werden, als er ist Wieland
Agathon (1766) 1,
vorbericht; den löwen hatte ... der verfasser des Isengrimus als könig der thiere vorgestellt J. Grimm
kl. schr. 3, 73; ich habe mich allhier bemüht, euch in der liebe vorzustellen Chr. Weise
d. grünend. jugend überfl. gedanken 15
ndr.; Sanct Augustinus schon stellt so die weiber vor Lenz
ged. 96
Weinhold. 12@dd)
mit hinzutretendem dativ, unmerklich übergehend zu der unter 16 a
behandelten anwendung: insonderheit dem frauenzimmer ... nützliche sachen vorzustellen
d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 168; welches ausgezeichnete neue getan ist, oder welches unbekannte edle werk ... an uns gelangt, soll in klaren und bestimmten umrissen monatlich unsern lesern vorgestellt werden H. v. Kleist 4, 123
E. Schm.; manch altes pergament stellt uns die helden vor, die Pers und Scythe kennt A. Gryphius
trauersp. 22
P.; aus sinnreichem gemüht was nützliches zu lehren und mit ergetzlichkeit dem leser vorzustellen Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657)
ehrenverse 5. 12@ee)
öfters in titeln und überschriften: Salomo, oder regentenspiegel, vorgestellet ausz denen eilff ersten capituln desz ersten buchs der königen Schupp (1663)
titel; eine warhafftige historie vorgestellet in einem gespräche zwischen dem Florindo und seiner Rosilis (
überschrift) Chr. Weise
d. grünend. jugend überfl. gedanken 89
ndr.; groszmüthiger feldherr Arminius ... nebst seiner durchlauchtigen Thusnelda in einer sinnreichen staats-, liebes- und heldengeschichte ... in zwey theilen vorgestellet Lohenstein
Armin. (1689)
titel. 12@ff)
während die in den vorhergehenden abschnitten belegten gebrauchsweisen mehr der älteren sprache angehören, hat sich in der im folgenden behandelten anwendung der sinn von darstellen
erhalten; es erklärt sich das aus der berührung mit dem gebrauch, der unter 13 e
zu besprechen ist. —
als subjekt tritt nunmehr zu vorstellen
nicht der schaffende künstler, sondern das von ihm hergestellte: was stellt das bild vor, die büste stellt Aristoteles vor
u. ä.: so werden gewislich dise biblische figuren hailige gedanken erwecken, diweil sie gaistliche händel vorstellen Fischart
dicht. 2, 282
Kurz; er mag das zweyte (
bild) linker hand gemeint haben, welches den opfernden Ulysses im reich der schatten vorstellte Lessing 10, 236
M.; die gemählde ... stellten so schlüpfrige und unsittliche gegenstände vor, dasz ... Wieland
Agathon (1766) 2, 51; wen soll diesz porträt vorstellen? Göthe 23, 63
W. (
auszerordentlich oft bei ihm); sieben kolossale göttergestalten, die sieben planeten der damaligen zeit vorstellend Schiller
Wallensteins tod 1, 1; ein sehr schön gemaltes, groszes bild ..., die heilige mutter mit dem kinde vorstellend Stifter (1904) 5, 1, 149. —
von ziergegenständen: (
ehrenpforte,) so beede flüsz Yhn und Etsch vorstellte Brandis
des tirol. adlers ehrenkräntzel (1678) 230; wenig gebrauchter, ausgehauener schlitte, eine muschell vorstellend
Cassel. zeitg. 1731, 10; griff (
eines dolches), eine schlange vorstellend Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 2, 380; nadelbüchse, welche ... einen fisch vorstellte G. Keller (1889) 4, 225. —
ungewöhnlich aber für das spätere sprachgefühl: gleichwie ain spigel ... nichts nutzet, wan er nicht auch ainem, der sich darinn beschauet, aigenlich nach dem leben das andliz vorstellet, austrucket und forspigelt Fischart 3, 135
Hauffen. 1313)
die bedeutung von darstellen, zur erscheinung bringen wird reich entwickelt, wenn das mittel der darstellung die person selbst oder mehrere personen sind. in freierem gebrauch können dann auch andere subjekte zum verb. treten. 13@aa)
zunächst von schauspielerischer darstellung; ohne objekt, ungewöhnlich: (
einen schauspieler,) der nicht allein selbst wohl vorstellt, sondern auch in allen arten der erfindungen sehr geschickt ist Petrasch
sämtl. lustsp. (1765) 2, 363. —
die dargestellte person als objekt: er hat den Cäsar, den Timon gemachet
d. i. vorgestellet Gottsched
beob. (1758) 180; dasz Hamlet von dem besten schauspieler vorgestellt wird Bode
gesch. d. Thomas Jones (1786) 6, 82; Euphanie müszte von einer guten sängerin vorgestellt werden Göthe IV 15, 164
W.; vgl. IV 38, 47; I 23, 47; h. Iffland, der den Franz vorstellte Schiller 2, 374
G.; von diesem moment an hört er auf, Garrick zu sein, und er ist einzig das, was er vorstellt Mörike 3, 88
Göschen. —
neuere verbindungen: leidenschaft ..., die sie von ihrer ersten jugend an so oft vorgestellt hatte Göthe 23, 49
W. ungewöhnlich, eine rolle vorstellen: ackteur, der ... die schweeren und beschweerlichen rollen ... so gut und so natürlich als möglich vorgestellt hat Göthe IV 1, 168
W. überhaupt wird auch hier das mehrdeutige vorstellen
gern durch das bestimmtere darstellen
ersetzt: nachdeme ich mit donna Felicetta auf der schaubühne manche verstelte heirath vorgestellet Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 61; wir wollens in action vorstellen (
do it in action), wie wirs vor dem herzoge vorstellen wollen
Shakespeare sommernachtstraum 3, 1; es war unterdesz an einen jungen menschen von der truppe ... die reihe gekommen, ebenfalls seinen theil vorzustellen Eichendorff (1864) 2, 171. 13@bb)
wir können nicht mehr sagen: ein theaterstück wird vorgestellt,
während vorstellung neben aufführung
sich in entsprechendem sinne erhalten hat; in älterer sprache dagegen ist diese anwendung des verbums sehr häufig: freudenspiel ... auffgeführet und vorgestellet in dem fürstlichen residentzschlosz
schausp. engl. comöd. 71
Cr.; wann dieselbe (
die antiken dramen) also, wie sie beschrieben jetzo vorgestellet würden, möchten sie wenig lust erwekken Schottel
t. haubtspr. (1663) 108; Vannius macht anstalt zu einem prächtigen schauspiele, stellet solches in gegenwart aller fürsten ... vor Lohenstein
Armin. (1689) 2, 1312; wenn ein griechisches stück geschrieben ist, um vorgestellt, und nicht, um gelesen zu werden, so ists Philoktet Herder 3, 40
S.; ich habe itzt das stück selbst ... vorstellen sehen Löwen (1765) 4, 67
a; dasz man zu Abdera die Andromeda des Euripides vorstellte Bode
Yoricks empfinds. reise (1768) 1, 89; es wurde die verlaszene Dido des liebenswürdigen Metastasio vorgestellt Boie
bei Weinhold
Boie (1868) 27; abends im schauspiel; ward Euryanthe vorgestellt Göthe III 9, 259
W.; ich stelle die Glocke Schillers dramatisch vor IV 19, 30 (
und oft, vgl. z. b. I 22, 213; III 3, 310; IV 8, 355; 36, 33); wie müssen sie (
die französischen trauerspiele) vorgestellt werden Schiller 3, 592
G.; kein schauspiel wird so bunt und seltzam vorgestelt, das nicht in wahrheit sich befindet auf der welt Rachel
satyr. ged. 51
ndr. 13@cc)
mehr dem allgemeinen gebrauch des verb. entsprechend wenn der gegenstand des im stücke dargestellten bezeichnet wird, vor allem, wenn ein dativ dazutritt: in den commedien wirdt es ahngenehm vorgestelt, wie die tugendt belohnt und laster gestrafft werden E. Ch. v. Orleans
br. 1, 427
Holland; zum anblick andrer groszen begebenheiten, die tragisch vorgestellt wurden (
auf dem griechischen theater) Herder 17, 294
S.; das grosze opfer für die welt wird euern augen vorgestellt Hartmann
volksschausp. in Bayern u. Österreich 323; es wurde vorgestellt die keusche vestung der schönheit, wie sie vom verlangen berennt wird Schiller
Maria Stuart 2, 1. 13@dd)
in maske, verkleidung oder sonstiger herrichtung auszerhalb der bühne als etwas erscheinen, was man nicht ist; es kann auch so gebraucht werden, dasz man als eine person auftritt, die der zu täuschende nicht kennt: solten darumb die Spartaner, weil sie trunckenböltz vorstelleten, trunckenböltz sein? Fischart
Garg. 4
ndr.; ich aber beliebte einen bär vorzustellen
d. Leipz. avanturieur (1756) 1, 97; weiszt du nicht, was der erzherzog heute auf der mummerei vorstellt? Göthe 13, 1, 306
W.; vgl. 21, 187; Alkmene, die von zwei wesen, die einander vorstellen, unablässig heimgesucht wird 25, 33; sie haben einmal den anfang gemacht, ihren onkel vorzustellen Schiller 14, 136
G.; ich will hier die Catalani vorstellen Bäuerle
kom. theater (1820) 1, 21. —
besondere wendung: zwei personen, die bei einer fastnachtslustbarkeit solche masken vorgestellt (
hätten) Göthe 40, 247
W. 13@ee)
von diesen anwendungen aus entwickelt sich der allgemeine gebrauch in der mannigfaltigsten weise; 'vorstellen
ist in diesem verstande dem wirklich seyn entgegengesetzt' Adelung. 13@e@aα)
leicht in ungünstigen sinn übergehend, doch daneben auch ganz neutral: wenn man ... etwas in der welt vorstellen will, dazu man nach dem sprüchworte weder geschick noch gelenk hat J. E. Schlegel (1761) 5, 77; zuweilen begegnet mir auch wohl, dasz ich den zornigen vorstelle, ... ohne dasz mir es im geringsten von herzen geht Bode
Montaigne (1793) 4, 403; jeder läuft nur in die collegia, um auch sobald als möglich etwas vorzustellen und die menschen zum besten zu haben Göthe IV 11, 167
W.; dasz wir durchaus was werden, wenigstens was vorstellen müszten E. Th. A. Hoffmann 12, 49
Gr.; niemals was vorstellen, was man nicht ist Immermann 3, 52
B.; kein groszer held, doch stellte er gern einen vor W. Schäfer
erz. schr. (1918) 1, 15; du weiszt, die königinn verwahrt hier den rebellen, der es ... gewagt, den könig vorzustellen
theater d. Deutschen (1768) 1, 118.
allein stehend: alles will regieren, richten und vorstellen Iffland
theatr. w. (1827) 8, 174. —
in besonderer wendung: Salonine ... sahe, was Flavius (
er liebt Erato) verbergen und Erato vorstellen wollte (
sie tut, als merke sie nichts) Lohenstein
Armin. (1689) 2, 14
a; nichts lieber thut so einer als geschwind antwort geben, weil er da die geistesgegenwart mit vorstellen will Bettine
dies buch gehört dem könig (1843) 1, 22. 13@e@bβ)
mit unpersönlichem subjekt: (
seine weiten hosen,) welche mir vielmehr einen weiberrock als ein paar mannshosen vorstellten Grimmelshausen
Simpl. 53
ndr.; (
klotz,) der zuerst einen Jupiter oder Apoll vorstellen sollte
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 46; (
ich bin) um ein paar monate ärmer, die wohl jahre vorstellen können fürst Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 3, 235; durch einen tannenwald, desz nie verwelkend grün den sommer vorzustellen schien selbst in dem strengsten frost Brockes
ird. vergnügen (1721) 2, 416. 13@e@gγ)
sehr oft von den dekorationen der bühne: die schaubühne stellet einen wald vor
samml. v. schauspielen (1764) 1, 3; die säulen selbst stellen einen antiken gelben marmor vor Göthe 40, 3
W. (
hier im zuschauerraum). 13@e@dδ)
die meinung kann auch die sein, das man die art der vorzustellenden person wohl zeigen, ihre tätigkeit wohl ausüben könnte: wenn er wollte, könnte er auch einen kunstschreiner vorstellen Immermann 1, 124
B.; es hat nicht jedermann das genie, einen bedienten vorzustellen Bauernfeld (1871) 3, 81. 13@e@eε)
so nimmt das wort auch die bedeutung von vertreten, repräsentieren an: die männer, die man wählt, die das volk vorstellen sollen Haller
Alfred (1773) 182; dasz die versammlung zu Costnitz ... die ganze kirche vorstelle
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 4, 93; ihr merkt nicht, dasz ich in diesem augenblick den beträchtlichsten theil der stadt und des hofes vorstelle Göthe 45, 56
W.; der bundestag sollte den bund in seiner gesammtheit vorstellen Treitschke
dtsche gesch. im 19.
jh. 3, 14; um noch zuletzt mit einem paar die menge vorzustellen Göthe 16, 193
W.; trat ich dem herrn entgegen, der uns des kaisers richterliche macht vorstellt im lande Schiller
Wilh. Tell 1, 2; drin beim weltenfriedensschmaus sitze jedes volk der welt durch gesandte vorgestellt Rückert (1867) 1, 252. 13@e@zζ)
fast wie nachahmen: wo will man allhie wörter in einiger sprach finden, die da stärcker und kräfftiger das gebrumm desz rollenden donners vorstellen künten Schill
t. sprach ehrenkranz (1644) 181; sphecismus,
σφηκιςμός, also hiesz ehemals ein lied vor die flöte, so das brummen der wespen vorstellete Walther
musical. lex. (1732) 574. 13@e@hη)
in noch freiererer anwendung bei dem abstande des wirklichen vom vorgestellten, und dann übergehend in den sinn von bedeuten: ihre dunklen augen die gütigkeit selber vorstelleten A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 144; wo mann und weib gleichsamm sonn und mond vorstellen Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 110; dieser topf stellt ein dorf vor Göthe 17, 285
W.; was hat das geträtsch von einer gnädigen madam und deiner tochter da vorstellen sollen Schiller
kab. u. liebe 1, 2; (
trompetenstosz und geschütz abgefeuert hinter der scene) was stellt das vor, mein prinz? (
what does this mean)
Shakespeare Hamlet 1, 4. 1414)
im gegensatze zu dem unter 13
behandelten gebrauche kann bei vorstellen
auch der sinn sein, dasz man das wirklich ist, was man vorstellt,
d. h. nach auszen zu erkennen gibt. Adelung
weist diesen gebrauch der '
vertraulichen sprechart'
zu, '
ungut' Campe;
ebenso verworfen von Heynatz
antibarbarus (1796) 2, 603: sie behauptet, dasz sie keine so schöne person vorstellen, als Adrast Lessing 2, 68
M.; der auf nichts weiter sein absehen gerichtet hat, als einer tüchtigen ripienisten vorzustellen Quantz
anweisung d. flöte zu spielen (1789) 5; (
dem steiger,) welcher den anführer und meister unter ihnen vorstellte Novalis 4, 114
Minor; nach Leipzig, wo er (
Bach) ... an der Thomaskirche den kantor vorstellte W. Schäfer 13
bücher d. dt. seele (1925) 330;
vgl. Meyer
d. richtige Berliner 148
b. — (
eine stute warf) ein ungeheuer, welches ein vierfüsziges thier mit menschenkopf vorstellte
F. Th. v. Schubert (1823) 4, 98 (
aus einer schrift des 17.
jhs.). —
das, was man ist, auch nach auszen zu sein: ein wahrer fluch ists doch, ... nie seine eigene innige privatperson vorzustellen Caroline 1, 58
Waitz. 1515)
bei einigen oft gebrauchten wendungen mit unbestimmtem objekt wird wieder die wirkung nach auszen betont, die auf schein beruhen kann, aber nicht musz: er will etwas groszes vorstellen, etwas, nichts vorstellen
u. ä.; da das junge mädchen etwas vorstellte und bedeutete Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 6, 143; denn Hinz und Kunz, an ihren stellen, glaubten doch auch was vorzustellen Göthe 5, 173
W. 1616)
am häufigsten wird im entwickelten nhd. das verb. in dem sinne gebraucht, dasz etwas vor die innere anschauung, überlegung, denktätigkeit gebracht wird, entweder von auszen her durch andere, mündlich oder schriftlich, oder durch das subjekt selbst. 16@aa) jemandem etwas vorstellen;
es ist hier zu beachten, dasz in der neuzeit die neigung zu einer einschränkung des sinnes sich zeigt. zwar bleibt die anwendung im allgemeinen, neutralen sinne der älteren sprache bestehen, die unmerklich in den unter 12 d
behandelten gebrauch übergehen kann; doch sehr häufig wird betont, dasz nicht blosz etwas der inneren betrachtung nahe gebracht wird, sondern dasz dadurch der wille und entschlusz, die haltung und meinung des andern beeinfluszt werden, oder auch verschlimmert, dasz der andere dadurch eigene verfehlungen erkennen soll, vgl. die bedeutungsentwicklung von vorhalten. 16@a@aα)
in allgemeiner anwendung: ach was vor annehmliche einbildung hat mir Morpheus in dem schlaffe vorgestellet
schausp. engl. comöd. 92
Cr.; des grafen vortreffliches gedächtnisz stellte ihm alle Minerven vor Göthe 21, 276
W.; sie sahe mit den augen nun diese schöne welt, die man der blinden hatte so reizend vorgestellt Rückert (1867) 3, 61.
eigentümliche wendung: dasz der heilige geist ... den propheten geheimnisse dictieren oder vorstellen kann Jung-Stilling 3, 15
Grollmann. 16@a@bβ)
dagegen in verengter anwendung, mit der absicht der wirkung auf den andern (
vgl. vorstellungen machen): jemandem sein vergehn vorstellen Adelung; die folgen seines leichtsinns Campe; dem volck auf der kantzel seine laster vorstellen Kramer
t.-ital. dict. 2 (1702) 961
c; stelle keinem, sobald deine brust den seitenstich des zorns befürchten musz, beredt seine fehler vor Jean Paul 7/10, 169
H.; ihnen die unart vorzustellen Göthe 22, 50
W.; ich thate was ich kont, und stellt ihm alles vor, doch fand ich nichts bey ihm, als nur ein taubes ohr König
ged. (1745) 395.
besondere wendung: meine mutter hat ihr himmel und hölle vorgestellet, sie möge sich diese freiheit bewahren Holtei
erz. schr. (1861) 21, 60. 16@a@gγ)
das objekt wird durch zusätze erweitert: einem ein fürbild zur nachahme vorstellen Steinbach 1, 105; ich werde der ganzen provinz zum muster vorgestellt Möser (1842) 4, 70; (
unsere vorfahren haben) uns zum exempel vorgestelt der alten heiden mannlichkeit Kirchhof
wendunm. 2, 22
Ö.; wo iemand bey ihm hält, dem wird sein untergang zu schrecken vorgestelt A. Gryphius
trauersp. 55
P.; da das vorhergehende gewissen uns die handlung als gut vorstellete Wolff
ged. von d. menschen thun u. l. (1720) 62; ist das nicht perfide, mir die sache anfangs als eine ehre vorzustellen A. v. Droste-Hülshoff
br. (1893) 308. — (
als er ihr) die nothwendigkeit, ihre reise fortzusetzen, vorstellte Göthe 22, 44
W. 16@a@dδ)
mit einem satz als objekt, auszerordentlich häufig: er stellte ihr vor, dasz sie nun herangewachsen sei Göthe 23, 112
W.; du weiszt, wie oft ich ihm mit thränen zugesetzt, wie ich ihm vorgestellt, dasz er die pflicht verletzt J. E. Schlegel (1761) 1, 225; ich stellte ihm vor, er würde dann zu spät kommen Bismarck
ged. u. erinn. 2, 42
volksausg. — stellet ihm so gründlich als beweglich vor, wie sehr er sich dadurch an seinem schöpfer versündige Liscow
samml. sat. u. ernsth. schr. (1739)
vorr. 57; wenn man ... ihnen vorstellte, um was es sich handle W. v. Polenz
Grabenhäger (1897) 2, 276; sein elend stellt ihm vor, was römisch fechten sey A. Gryphius
trauersp. 44
P. 16@a@eε)
mit abhängigem infin.: was er ... uns durch die heilige kirch Christi zu glauben vorgestelt hat Spee
güld. tugendb. (1649)
vorr. 4
a; schwere gebote (
der bergpredigt), die uns zu erfüllen vorgestellt sind Paul Ernst
tageb. eines dichters (1934) 281. 16@bb)
mit refl. dat. sich etwas vorstellen.
hier tritt die absicht der besonderen einwirkung auf eigenen willen und entschlusz im allgemeinen mehr zurück und die uneingeengte bedeutung überwiegt, auch die innere anschauung kann sich verflüchtigen, ich kann mir das nicht vorstellen,
wie: ich kann mir das nicht denken,
ich halte es nicht für möglich; 'sich etwas vorstellen ...,
sich einen begriff von einer sache machen' Adelung; das hätte ich mir anders vorgestellt; so schön, als man sichs nur vorstellen kann.
die gleichen verbindungen wie unter 16 a
finden sich auch hier. 16@b@aα) (
was) ein jeder ihm für ein glükk helt und als ein glükk ihm vorstellet Schottel
friedens sieg 11
ndr.; so ist der verstand überhaupt die kraft, sich etwas deutlich vorzustellen. die thiere stellen sich alles nur verwirrt vor Gottsched
beob. (1758) 378; was der zuschauer nicht sieht, was er sich vorstellen musz Göthe 22, 164
W.; Agnes, deren lage er sich unerträglich vorstellte Mörike 2, 66
Göschen; wo so ein köpfchen keinen ausgang sieht, stellt er sich gleich das ende vor Göthe
Faust 3369.
in wunderlicher wendung: itzt, sag ich, stellt mein ohr das glücke jener zeit sich lebhaft wieder vor Gottsched
ged. 1 (1751) 393. 16@b@bβ)
mit persönlichem objekt: man glaubte viele götter, stellte sich aber nur einen könig als möglich vor Haller
Usong (1771) 47; er stellte sich Theresen in ihrer ganzen vollkommenheit vor Göthe 23, 183
W.; so würdevoll und schön, wie man sich wohl die könige des altertums vorstellt Mörike 3, 32
Göschen; der mensch ist nur ein thor, stellt er sich gott als seinesgleichen vor Göthe 38, 453
W. 16@b@gγ)
in mannigfaltigster weise wird das objekt durch einen satz oder wortgruppe gebildet: stellen sie sich vor: binnen vierundzwanzig stunden war er liebhaber, bräutigam, ehmann, hahnrei, patient und wittwer Göthe 22, 29
W.; (
indem er) sich vorstellte, als ob drei zumal im bette lägen G. Keller (1889) 4, 223; siehe, du kannst es dir leicht vorstellen, wie es geschehn ist (
τάδε καὐτὸς οἴεαι) Voss
Od. 3, 255
Bernays. 16@cc)
ganz anders ist sich (
dat.) vorstellen
in wendungen der älteren sprache, in denen der sinn des verbs sich dem von vorsetzen
nähert: Virgil, der sich den Theokrit zum muster vorgestellt Lessing 8, 6
M.; vgl. Liscow
samml. sat. u. ernsth. schr. (1739) 4; ja! wer Mosheims feder führte, welche sich die deutsche welt, wie sichs allerdings gebührte, längst zum muster vorgestellt Gottsched
ged. 1 (1751) 136; die tochter eines weiberfeindes, den ich mir in allem zur nachahmung vorgestellt habe Lessing 2, 11
M. —
wie sich vornehmen: hastu einen newen orden dir zu wehlen vorgestellt Voigtländer
oden u. lieder (1642) 75. 16@dd) sich (
akkus.) vorstellen: alles, was sich unserer einbildung vorstellet Butschky
Pathmos (1677) 2; alle möglichkeiten, die gefahren von allen seiten stellten sich ihm vor und verwirrten ihn Ranke (1867) 37, 69. 1717) vorstellen
ohne den dat. dessen, dem etwas zur betrachtung, erwägung, entschluszfassung anheimgegeben wird (16 a): die sache ist an den capellmeister gelangt, welcher das unthuliche vorgestellt hat Göthe IV 28, 18
W.; flehten und stellten vor, welche grausamkeit es wäre ... Schiller 3, 565
G.; (
er habe) vorgestellt, wie passend es wäre, wenn ...
briefw. zw. J.
u. W. Grimm,
Dahlmann u. Gervinus 1, 66. 1818)
der refl. dativ fehlt im aktivum beim subst. infin. und dem part. präs. und natürlich in passiv. wendungen; der gebrauch der philosophischen sprache (
vgl. vorstellung)
ist hier zu beachten: die handlung des vorstellens selbst Fichte (1845) 1, 7; die kraft des vorstellens G. Keller (1889) 3, 17. — vorstellende, erkennende kräfte Herder 5, 184
S.; das vorstellende bewusztsein Hegel (1832) 10, 1, 132. — das ich an sich kann gegenständlich vorgestellt werden Schleiermacher (1834) I 3, 15; da wir im daseyn der materie stets nur ihr vorgestellt werden denken Schopenhauer 2, 26
Gr. — eine dunkel vorgestellte mathematik
Athenäum (1798) 1, 2, 31; und von dem (
im traume) vorgestellten schatz bleibt nur das zeichen in dem bette Hagedorn
poet. w. (1769) 2, 126; vorstellung wenigstens ist; ein vorgestelltes ist also, ein vorstellendes auch; macht, mit der vorstellung, drei Göthe 5, 1, 261
W