Vorstellen, v. trs. 1) Vorwärts, vornhin stellen. Andre, nachdem sie die Tische — Säuberten, stellten sie vor — Voß. 2) Vor ein anderes Ding stellen. Einen Stuhl vorstellen, vor die Thür. Jetzt wollte man auf den alten Mann eindringen, aber sein Sohn stellte sich vor und vertheidigte ihn. Du hättest mich, o Feind, gefället, Und stießest heftig zu mir ein; Doch hat der Herr sich vorgestellet. Opiz. I weiterer und uneigentlicher Bedeutung. (1) Vor jemand oder in jemandes Gegenwart stellen, um es sehen zu lassen, bekannt zu machen Einen Fremden seiner Familie, seinen Freunden vorstellen, ihn vor dieselben, in ihre Gesellschaft führen, damit sie sich sehen, kennen lernen. Einen dem Könige, auch wol beim Könige vorstellen. Sich bei Hofe vorstellen lassen. Einen Prediger, Beamten der Gemeine oder den Untergebenen vorstellen, ihn feierlich der Gemeine als ihren Prediger, den Untergebenen als ihren Vorgesetzten darstellen, und als solchen bekannt machen. Einen zur Aufnahme in die Wahl vorstellen, ihn als einen Bewerber bekannt machen, damit er in die Wahl genommen werde (ihn präsentiren). Das Recht haben, einen zur Wahl für ein Amt vorzustellen (das Jus praesentationis haben). Dann auch, vor jemand stellen, zur Betrachtung, zur Wahl in welcher Bedeutung es jedoch außer der Bibel nicht gewöhnlich ist. »Er hat dir Feuer und Wasser vorgestellet, greif zu welchem du wilt.« Sir. 15, 16. (2) Vor Augen gleichsam stellen und dadurch kenntlich machen. Mit dem Pinsel, mit der Reißfeder etwas vorstellen, gewöhnlicher darstellen. Die Furcht stellt Wölfe groß, als Stiere, Geschwader groß, wie Heere, vor. Lichtwer. Dann, mehr uneigentlich, vor die Augen des Geistes gleichsam stellen, eine deutliche Erkenntniß von etwas beizubringen suchen. Einem den Nutzen, die Schädlichkeit einer Sache vorstellen. Er suchte ihm die Unmöglichkeit eines glücklichen Erfolges vorzustellen. Einem sein Vergehen, die Folgen seines Leichtsinnes vorstellen. Daher, sich etwas vorstellen, sich etwas denken, vor die Seele gleichsam hinstellen, sich eine Erkenntniß davon verschaffen, oder auch nur, sich einen Begriff davon machen. Ih kann mir leicht vorstellen, wie groß ihre Freude gewesen sein mag. Man muß sich die Dinge so vorstellen, wie sie sind. Das hatte ich mir nicht vorgestellet. Wer konnte sich auch vorstellen, daß Alles so unglücklich ablaufen würde. Stellen Sie sich den Schreck vor, welchen ich hatte. Ein jeder stellt sich die Sache nach seiner Art vor. Vorstellen und Darstellen sind noch zu unterscheiden. Einem etwas vorstellen ist überhaupt, es vor ihn hin stellen, dahin stellen, wo er es bemerken kann, es ihm darstellen aber, es an den Ort, wo man die Augen des Andern hingerichtet siehet, stellen, wo er es wahrnehmen muß. I uneigentlicher Bedeutung ist vorstellen jede Erkenntniß mittheilen, darstellen aber eine anschauliche und durch ihre Anschaulichkeit lebhafte und wirksame Erkenntniß mittheilen. (3) Hinreichende Merkmahle von etwas vor Anderer Augen, daß sie dieses selbst zu sehen glauben, oder es sich wenigstens lebhaft denken, gleichsam hinstellen. Die Schauspieler stellen auf der Bühne gewöhnlich ganz andere Menschen vor, als sie sind. »Wenn man — sagt: dieser Schauspieler stellt einen Betrunkenen vor, so kann das bloß heißen, er spielt die Rolle eines Betrunkenen, man soll sich bei ihm einen Betrunkenen denken. Sagt man aber: er stellt einen Betrunkenen dar, so heißt das: er ahmt die Handlungen eines Betrunkenen genau nach, und liefert durch seine Gebärden den Zuschauern ein getreues Bild von demselben.« Eberhard. Daher sagt man auch im gemeinen Leben, es stellt einer etwas Großes vor, wenn er sich wie ein Großer, Vornehmer beträgt. Auf ähnliche Art sagt man auch, es stellet einer bei einer Hochzeit den Vater vor, wenn er dessen Stelle vertritt. Von diesem stellvertretenden Scheinen rührt die Bedeu= tung des vorstellen als ntr. her, für scheinen, bedeuten; in Gegensatz von wirklich sein. Dieser runde Stein stellt das Brot vor. Diese Striche stellen die Reihen des Heeres vor, und diese Punkte den Weg, welchen sie genommen haben. Ungut ist es aber für, als etwas vor jemanden erscheinen. »Vergeben Sie mir nur, daß ich noch immer den Zerstreueten vorstelle.« Gellert. »Doch Sie stellen einen sehr stummen Freund vor.« Ders. So auch für sein. »Äschines soll einen Positurenmacher in den Tragödien vorgestellt haben.« Reiske. »Man hätte ihn in Pamplona gelassen, nicht sowol einen Befehlshaber vorzustellen, als vielmehr die Besatzung aufzumuntern.« Adelung. D. Vorstellen. D. — ung. S.
d.