trinken,
vb. herkunft und form. das wort ist eigentümlich germanisch, u. zw. gemeingermanisch: got. drigkan;
anord. drekka,
schwed. dricka,
norw.-dän. drikke;
ags. drincan,
engl. drink;
anfr. drinken,
mnl., nl. drinken;
afries. drinka;
as. drinkan,
mnd. drinken;
ahd. trinkan,
mhd. trinken.
die in den meisten idg. sprachen vertretene wurzel *pō (
*pī) '
trinken'
ist im germ. nicht nachzuweisen. andererseits ist eine sichere auszergermanische anknüpfung an das germ. wort bisher nicht geglückt. die zahlreichen versuche hiezu verzeichnet S. Feist
etym. wb. d. got. spr. 293.
zu erwägen ist die ableitung von einer nasalierten form der idg. wurzel *dhre- '
ziehen, gleiten, streifen',
s. Zupitza
germ. gutt. 161; Walde-Pok. 1, 874;
vgl. noch Wilh. Schulze
in Kuhns zs. 27, 606.
die ursprüngliche bedeutung wäre dann '(
mit dem mund)
ziehen, einen zug machen'.
zur form. der stammsilbenvocal der 1.
u. 3.
pers. sing. indic. prät. ist seit dem frühneuhochdeutschen oft an den des plurals angeglichen: da trunk er (15.
jh.)
städtechron. 11, 673; (
er) trunk (1468) Staub-Tobler 8, 1174; asse und truncke Warbeck
Magelone 40; drunck und as H. Sachs 18, 212
lit. ver.; noch im 18.
jh.: wenn ich truncke Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 155; (
er) trunck Günther 523; spielte, trunk
anmuth. gelehrsamk. 8, 504;
weitere belege s. Paul
dtsch. gr. 2, 215;
beide formen, trank
und trunk,
werden von lexikographen des 17.
u. 18.
jh. anerkannt, s. Stieler 2330; Kramer 1 (1700) 248; Steinbach (1734) 2, 874; Weitenauer
orthogr. wb. (1764) 147. u-
oder darauf beruhende o-, ü-
formen sind in den mundarten vielfach erhalten, besonders fries., nd. und md., selten obd., vgl. Hunziker
Aarg. 59.
umgekehrt sind die ursprünglichen u-
formen der 2.
pers. sing. und des plurals indic. prät. vereinzelt schon früh nach dem vocal d. 1.
u. 3.
pers. sing. ausgeglichen: (
du) tranckcz, (
wir) trancken, (
ir) tranckt, (
sie) trancken
deutsch-ital. sprachbuch v. j. 1423
in Bayerns maa. 2, 429.
sie behaupten sich aber während des 16.
u. 17.
jh. und stellen hier das regelmäszige dar. auch im 18.
jh. sind sie noch nicht selten: die truncken wacker wein Lessing 1, 119
L.-M.; assen und truncken Schnabel
insel Felsenburg 224
U.; hier truncken (
sie) Hagedorn 2, 34; truncken bier (1774) Patrick
tagebuch 1, 140; (
wir, sie) trunken Herder 4, 434; 15, 140
S. —
in nd. mundarten ist vereinzelt der umlaut des conjunctivs in den indic. hinüber genommen: plur. drünken Schambach 48; drüngen Jellinghaus
Ravensberg 13.
der conjunctiv prät. die formen mit umlaut- ü
halten sich z. t. bis ins 18.
jh.: (
er) trüncke Kramer 2 (1702) 1143
c; (
sie) trünken Hagedorn (1769) 2, 159; Herder 15, 27
S.; weitere beispiele s. Paul
dtsch. gr. 2, 215;
antiquiert im 19.
jh.: (
sie) trünken br. Grimm
deutsche sagen 2, 23; (
er) trünke Rückert (1867) 1, 353.
belege für unumgelautete formen vereinzelt seit dem mhd.: ich trunke Walther von der Vogelweide 29, 25; (
er) trunke
minnesinger 2, 242
b H.; conjugiert: trunck, trunckcz, trunck, truncken, trunckt, truncken
deutsch-it. sprachb. v. j. 1423,
a. a. o. 2, 429; wenn ichn trunck H. R. Manuel
weinspiel v. 474
Od.; ich truncke
nomencl. lat.-germ. (1634) 62;
in mundarten, z. b. drunke Berghaus
Sassen 1, 362; trunke Fischer
schwäb. 2, 384; trōhi Stucki
ma. v. Jaun 291;
bairisch: drũn Micko
Wadetstift 1, 85.
seit dem 16.
jh. ist die jetzt herrschende form tränke,
im ausgleich nach der 1.
u. 3.
pers. sing. indic., zu belegen: sie trenck kein wein Montanus 45
Bolte; das er drenck Schertlin
künstl. trincken (1538)
[] d 1
b; tränken die gans wein Fischart
podagr. trostbüchl. (1577) d 6
a.
das partic. prät. beispiele für durch synkope entstandene präfixlose formen, in älterer sprache vornehmlich im obd.: gessen und truncken
bei Mone
schausp. d. mittelalt. 2, 337; het sy ... mynes wassers nit trüncken (1483)
bei Steinhausen
privatbr. 2, 79; etlich haben gyfft truncken Eberlin von Günzburg 1, 156
ndr.; (
wir) habent truncken Murner
narrenbeschw. 3, 46
ndr.; in neuerer sprache in volks- oder altertümlicher rede: wenn ihr gessen und truncken habt Göthe 39, 10
W. (
Gottfr. v. Berlichingen); habe nichts truncken maler Müller (1811) 1, 178;
in den hoch- u. nd. mundarten ist die präfixlosigkeit vorherrschend, vgl. aber vereinzeltes ədruŋkən Block
Eilsdorf 58.
besonderheiten. abfall der infinitivendung im nordfries.: dringk Siebs
Helgoland 213; drink Mungard
Sylt 53; drank Schmidt-Petersen 28
a;
vgl. aber westfries. drinsgje, drinzje Sytstra-Hof
friesch. spraakkunst 61; 122.
ausfall des nasal und damit veränderung des stammvokals im schweiz.: triihe Friedli
Bärndütsch 3, 169; trēhə Stucki
ma. v. Jaun 125; trîcha Bühler
Davos 1, 166; treiche Schmidt
id. Bernense, in Frommann
dtsch. maa. 4, 19.
in älterer spr. gelegentlich ründung des vokals: trünken
volks- u. ges.-lieder d. 15.
u. 16.
jh. 1, 204
Kopp; wer trünckt
von s. Johans trunck 2
b; tabak zu trünken
österr. weist. 3, 2; trünkt Zesen
adriat. rosemund 32
ndr. schwache formen sind vereinzelt vom 16.
jh an bis zu den lebenden mundarten zu belegen. der indic. prät. z. t. mit dem vocal des starken verbs: Joannes der tewffer ist komen, und asz nicht brot und tranckt kein wein Emser
d. n. test. deutsch (1529) 104
b; wann ... keiner (
wein) vorhanden war, tranckten sie wasser
N. Machiavelli kriegskunst (1623) 248; zerliessen denselbigen (
schnee) und trincketen das wasser Claud. Ang. de Martelli
relatio captivo-redempti (1689) 74; die Engeländer trincketen mir zu
ebda 146; ob wir schon miteinander esseten und trincketen
ebda 150;
bei kausativer bedeutung: Hannchen ging zwischen den gartenbeeten ab und trinckte blumen Langbein (1836) 11, 159. —
der conjunct. prät.: auser, das si unter weilen zusammen kehmen, essen und trinkten Butschky
hochd. kanzelley (1659) 705; wenn ich eine kunst könnte, dasz ich flugs ein braven freier hätte, ... sie trinkte gar bruderschaft mit mir Chr. Weise in:
gegner d. zweit. schles. schule 2, 151
Fulda; in den obd. mundarten sind die schwachen formen neben den veraltenden starken vorherrschend, vgl. trinket Fischer
schwäb. 2, 384; Schöpf
tirol. 757; trinkat Lexer
kärnt. 71
u. s. f. —
vereinzelt weist das partic. prät. schwache form auf: gətruŋkht Bacher
Lusern 407; gedronkt Gangler
luxemb. 117.
das wort ist in die romanischen sprachen entlehnt, u. zw. in mhd. zeit ins italienische als trincare,
von da ins französische als trinquer '
zutrinken'
und weiter ins katalanische als trincar;
auszerdem ist ndl. drinken
im 12.
jh. geradewegs ins französische als drinquer
aufgenommen, s. Meyer-Lübke
rom. etym. wb., nr. 8909; Gamillscheg
franz. etym. wb. 866.
über weiterbildung des franz. wortes s. Behrens
deutsch. sprachgut im franz. 52; Tappolet
lehnwörter 175.
bedeutung und gebrauch. II.
die unmittelbare aufnahme von flüssigkeit durch den mund. I@AA.
absoluter intransitiver gebrauch. seltener und aus dem zusammenhange zu fassen im sinn einer einmaligen handlung, '
einen schluck machen, nehmen'
u. ä.: haustum facio ich trinck Alberus (1540) u 1
b; noch einmal getrunken! Göthe 1, 294
W. I@A@11)
zunächst liegt die allgemeine bedeutung '
zur stillung des natürlichen durstes flüssiges zu sich nehmen'. I@A@1@aa) erro, e guillo trenchen
ego volo bibere ahd. gl. 5, 519
Steinm.-Siev. (
altd. gespräche); mich turstet. ich trincke Tauler
predigten 17
Vetter; drumb so solt einer nit trinken, bis in dürstet Keisersberg
evangelia (1515) 103
a; neyg deinen krug das ich trincke
d. gantze bibel (
Zürich [] 1531),
1. Mos. 24, 15; man bot mir einen becher mit kühlem getränke dar; ich trank Gerstenberg
in dtsch. nat.-lit. 48, 245;
im bild: die schwerter wollen trinken, verschmachten schier vor glut Hoffmann v. Fallersleben (1890) 3, 220.
von der verbalhandlung im allgemeinen: Julius Viator ... in seiner jugent mit der wassersucht behafft wart und ihme derhalben die ertzte das trincken abzogen Heyden
Plinius (1565) 30; ich hatte einen unendlichen durst und enthielt mich mehrere tage des trinkens Göthe 43, 246
W.; sprichwörtlich: wann man drinckt, so kan man nit reden Tappius
adag. cent. sept. (1545) F f 8 a; trincke, wenn du am brunnen bist W. Lüpkes
seemannsspr. 124. I@A@1@bb)
bei tieren gebraucht die ältere sprache vorwiegend trinken.
dieses ist auch heute durchaus möglich, namentlich in höherer rede, dann bei kleineren tieren und vögeln, während bei groszen, besonders haustieren saufen
üblicher ist. vgl. noch teil 8, 1878
s. v. saufen
und Eberhard
synom. 6, 7: schlangen sint der nature, so si wellent trinken, so lant sie die unrainkeit von in und trinkent denne dez brunnen
st. Georgener prediger 330
Rieder; darnach do die kemlin hetten getruncken
erste dtsch. bibel 3, 115; im trincken so lappet und saufft der bär nit wie ein ander thier Herold
Gesners thierbuch (1563) 15; dann eben bald werden sie (
die hühner) vom unsauberen trinckwasser als von keynem trincken pfipffecht Sebiz
feldbau (1579) 101; wenn sich ein rosz im trincken verfangen hat J. Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 138; die wilde thiere, welche, wan si den durst gelöschet, vom trincken abstehen Moscherosch
cura parentum 60
ndr.; die waldthiere ... tranken und badeten maler Müller (1811) 1, 34; zum trinken und baden müssen sie (
die singdrosseln) oft frisches wasser bekommen Naumann
naturgesch. d. vögel 2, 271;
jägersprachlich: der hirsch 'trinkt', wenn er seinen durst stillt Hartig
lex. f. jäger (1861) 551;
vgl. mundartlich in der Schweiz: kommet sufen! war seine (
des hirten) treuherzige einladung ..., wobey bemerkt werden musz, dasz der sprachgebrauch des hirtenvolks dieser berge die menschen saufen, die thiere hingegen trinken läszt Matthison
schr. 3, 343;
ähnlich Kohl
Alpenreisen 1, 75, Schmeller-Fr. 2, 230.
nd. drinkenlaten
das vieh tränken Berghaus 1, 363.
im sprichwort: trinckt ein gansz, so trincken sie all W. Spangenberg
ganskönig (1607) h 8
a u. oft. I@A@1@cc)
essen und trinken u. ä.; zu der häufig wiederkehrenden stehenden verbindung s. teil 3, 1163;
got. etun jah drugkun
Luc. 17, 27: wente he mach wol ethen und drinken Steinhausen
privatbr. 1, 68;
epicurus mensch der sin selikeit setzt uff essen und trincken (15.
jh.) Diefenbach
gl. 204
a; wann das reych gotes ist nit in essen oder in trincken
erste dtsch. bibel 2, 53; er asz und trank fruo oder spat
Fortunatus 75
ndr.; (
der könig) asse und truncke nichs den ganzen tag vor trauren Warbeck
Magelone 40
ndr.; sie erschienen alle mit lust, nicht sonderlich essens oder trinckens halben
volksb. v. dr. Faust 137
Braune; eszt und trinckt, laszt euchs schmecken Chr. Reuter
harlequins hochz.-schmaus 83
ndr.; unmäszigkeit in essen und trincken ist der medicorum beste säugamme Pistorius
thes. paröm. (1715) 932; essen und trincken hält leib und seel zusammen
Tölpels baurenmoral (1752) 20; soldat setzt sich zu tische, er fing zu eszen, zu trinken an Mittler
volksl. 224; kauend, vom essen und trinken muthig erregt G. Hauptmann
die weber (1892) 39.
in anderer reihenfolge: zu einem mal was ein priester der was zu einer wirtschafft und tranck und asz
summerteil d. heil. leben (1472) 4
a; wie sie nun mit einander ziemlich lustig gewesen, getruncken und gegessen hatten Prätorius
philosophia colus (1662) 4;
meist, um einen reim zu gewinnen: dasz mer mit der drincken und eszen und alle unsers leides vorgeszen
Alsfelder passionsspiel v. 910;
[] in groszer freud Apollo sasz, mit seinen würten tranck und asz Casp. Scheit
frölich heimfart a 4
b;
sprichwörtlich: trinck und isz, got nicht vergisz (
dolchinschrift v. j. 1520)
bei Ziegler
geschützinschriften 72
u. o. I@A@22)
in verengter bedeutung vom genusz geistiger getränke. I@A@2@aa) '
beim trinken sitzen', '
zechen',
stärker '
saufen'
u. ä.: poculare trincken (15.
jh.) Diefenbach
gl. 443
b; darnach gieng ouch das trinken mit groszer herlichkeit (1442)
bei Fischer
schwäb. 2, 384; daz wirs (
das umgeld) uf dhain ander sache ... setzen wellen ... dann allain uf trincken
städtechron. 4, 159 (
Augsburg); mein müszig zyte ... hett verzert mit spilen, trincken
N. v. Wyle
translationen 15
Keller; laszt uns drincken und frölich sein, dantzen, springen beim gutten wein Schertlin
künstl. trincken (1538) e 2
b; wiewol sie (
die trinker) ihnen ein unersetlichen luste zu trincken erdencken Ambach
vom zusauffen (1544) c 2
b; (
er ist) allein durch hefftigen abbruch des trinckens ... zu gebürlichem alter ... kummen Ryff
spiegel u. reg. d. gesundh. (1544) b b 3
a; das er bey im vertreib die langen zeit mit dem trincken und dem spil H. Sachs 6, 144
lit. ver.; fundend si vil wins und trunckend, dasz si merteils voll wurdend Tschudi
chron. Helvet. 1, 161
a; etlicher, wenn er hat getrunckn, red wie ein stockfisch, nach gedunckn B. Ringwalt
lauter warheit (1586) 70; wer einen guten trunck vermag, hat er denn einen ruhm? ja, wann er trinckt, dasz doch vernunfft behelt das meisterthum Logau 673
Eitner; fliehet die gelegenheit zu trincken Moscherosch
insomnis cura parent. 60
ndr.; Mollis kan nie müszig seyn, trinckt er nicht, so schenckt er ein B. Neukirch
in: h. v. Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. 2, 115; es fehlete uns beiden niemal an durst; und wenn ich truncke, so soffe ich Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 155; trinkt, bis euch das bier besiegt nach manier der alten! Chr. Günther 286
lit. ver.; siehst du wein im glase blinken, lerne von mir deine pflicht: trinken kannst du, du kannst trinken; doch betrinke dich nur nicht Lessing 1, 65
L.-M.; wenn man nicht trinken kann, soll man nicht lieben Göthe 6, 205
W.; in Stettin fand ich trinkende, spielende freunde Bismarck
briefe an s. braut 9; an einem schmalen tische saszen einige bauern, tranken, rauchten und spielten
M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 217.
das trinken
gilt als eine kunst: er sprach: daz ist ein meisterschaft daz ich noch niht getrunken hân
weinschwelg v. 145; wann trincken fast soll sein ain kunst und bey den leyten machen gunst Schwarzenberg
teutsch Cicero (1540) 157
a; Obsopoeus (
hat) ein buch ... von der kunst zu trincken ... an tag geben Scheit
Grobianus 9
ndr.; wir trinken auf viel' weisen, die nicht gemeine sind bei schlechter leute schmäusen. bei trinken ist auch kunst Fleming 1, 96
Lappenberg. reicher sprichwörtlicher gebrauch schlieszt sich an, z. b.: dâr drinken ere is, dâr is spyen neine schande Tunnicius
sprichw., nr. 483
Hoffmann; je mehr einer trinckt, je mehr in dürst
sprichw. schöne weise klugreden (1548) 39
a; wer heut hat getruncken, der wolt morgen gern sauffen Lehman
flor. pol. (1640) 779; kan er nit mehr trincken, so sihet er doch gern zapffen
ders. (1662) 3, 178; wer mit will trincken, musz auch mit klincken Kern
sprichw. (1718) 62
[] (
zur verbindung trinken: klinken
s. teil 5, 1184); man sagt wohl vom vielen trinken, aber nicht vom groszen durst Binder 197; je mehr der herr trinkt, je mehr dürsten die pferde
ebda; läwer gedranken uch gehanken, wä net gedranken und doch gehanken (
sieb.-sächs.) Wander 4, 1317.
mit präpositionaler fügung: bey, über dem trincken sitzen Kramer 2 (1702) 1144
a; unter, zwischen dem trincken
ebda; denn wie sie mit dem könig freundliche schertzwort getrieben, hat sie ihn unter dem trincken auch fast mit ihren glatten worten gelobt Kirchhof
wendunmuth 2, 16
lit. ver.; sobrius in potando messig in drincken
gemma gemmarum (1508) a 3
a; und die freude wächst im trinken E. v. Kleist 1, 78
Sauer; drey gesellen ... wetten miteinander, welcher zum besten zechen und den andern zweyen mit drincken obligen kündte Montanus 287
Bolte; der abend ward mit trinken zugebracht Möser 1, 156
Abeken. I@A@2@bb) trinken
im durativen sinne, '
ein säufer sein', '
gewohnheitsmäszig trinken', '
dem trunk ergeben sein': he drinket
er ist ein säufer Lasch-Borchling
mnd. hwb. 479; er trinckt gar gern, er ist dem trincken ergeben, aufs trincken versessen Kramer 2 (1702) 1143
c; von drincken sein vil mer gestorben, den sunst natürlichs tods verdorben Murner
mühle v. 1067; ich habe einen menschen gekannt, der als ein leichtfertiger wollüstling lebete, nichts arbeitete ..., spielte, trunk
anmuth. gelehrsamkeit 8, 504
Gottsched; (
er) legte ihr zu lieb fast alle seine vorigen gewohnheiten ab, besonders das fluchen und das trinken Miller
Siegwart (1777) 1, 193; das trinken ist gerade zu dieser zeit ein nationales leiden geworden G. Freytag (1888) 17, 4; ein krüppel von dreiszig jahren, der keine inneren ressourcen und die bildung des lagerlebens hat, kommt leicht zum trunke, er trinkt H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 136; ich trinke, weil ich nicht wach sein kann — in Ruszland trinken alle, weil sie nicht wach sein können Dwinger
zwischen weisz u. rot (1930) 237;
in mundarten, z. b.: he drinkt
er ist ein säufer Mensing 1, 864; he es am drenken
dem trunk ergeben Leihener
Cronenberg 23;
vgl. Spiesz
Henneberg 258. I@A@33)
mnd. drinken
ein fest begehen; bruderschafts-, gildeschmaus halten Lasch-Borchling
mnd. hwb. 1, 1, 479. I@A@44)
heilwasser trinken, zur kur trinken: eine besondere hütten, worunder die gäst, wan zuweilen regenwetter einfällt, trinken können (1678) G. Mehring
badenfart 63;
öfters bei Göthe: ich habe mich ohne arzney, blos durch trinken und baden, bis jetzt hingebracht IV 19, 163
W.; es wird gebadet und getrunken 27, 140;
vgl. noch 19, 172; 20, 117; morgen trinkt die gattin und die nichte das lezte mal, ich musz noch eine woche trinken Ad. Stifter 22, 133. I@A@55) trinken
an der mutterbrust saugen Jakob
Wien 195; zu trinken geben, trinken lassen: also nahm Sicambre das weinende kindt und schweigete es, in dem sie ihm zu trincken gab Opitz
Argenis (1644) 1, 502; ein kind trinken lassen
es säugen Delling
bair. 135. I@BB. trinken
mit einem (
genetiv- oder akkusativ- selten einem präpositionalen)
objekt, das über die substanz des getrunkenen aussagt. I@B@11)
mit genetivobjekt (
von ursprünglich partitiver bedeutung)
neben dem intransitiven verb: thoh hi thurh minnea godesmanno huilicumu uuilleandi fargebeuuateres drinkan
Heliand 1965; so drínkist thu io mit wíllenthes lúteren brunnen Otfrid 2, 9, 68; er az daz brôt und tranc dâ zuo eines wazzers daz er vant Hartmann von Aue
Iwein 3310; ain iegleich vogel ... der trinket niht wazzers dar umb, daz er flaisch izzet Konrad v. Megenberg
buch d. natur 21
Pf.; [] und gemenlich trank und az des opfers der abtgote von der vrowen gebote Heinrich v. Hesler
apokal. 56
Helm; welcher mensch siech was und des wassers trank, der ward davon wol gesund
der heiligen leben summertheil (1472) 15
a; het sy uff datum dises brieffs mynes wassers nit trüncken, ich furcht, sy wer dahin (1483) Steinhausen
privatbriefe 2, 79; sie hetten da zu vil birs getruncken
Till Eulenspiegel 5
ndr.; wer des selben zytlichen wassers trinckt, den würt meer türsten; wer aber des wassers trincke, das ich gib, ... den würt ... noch keinem anderem ding dürsten Keisersberg
postill. (1522) 2, 70
b (
vgl. Joh. 4, 14); gleichso ainer vil starckhs weins trinckt, muoes er truncken werden Bertold v. Chiemsee
tewtshe theologey 116
R.; und die rappen brachtend jm brot ... und er tranck des bachs
d. gantze bibel (
Zürich 1531),
1. kön. 17, 6; die jenigen, so viel weins trincken sollen Sebiz
feldbau (1579) 177;
die jüngere sprache braucht den genetiv nur zu dichterischem ausdruck: und wer des brüngens trinket J.
N. Götz
ged. 81
Schüddekopf; sie trinken des feurigen weins nicht Bürger 224
Bohtz; (
Reinecke) eilte nach andern geschäften immer am flusse dahin und trank des wassers und dachte Göthe 50, 24
W.; trinkt nur verträglich begnügsam des borns Rückert (1867) 1, 198; so weit man trinkt des deutschen weins Geibel (1893) 1, 208. I@B@22)
mit akkusativobjekt neben dem transitiven verb. I@B@2@aa) wasser, wein, bier, milch
u. s. w. trinken;
vereinzelt mit ethischem dativ: da habe ich mir im laufe des abends einige grosze schnäpse getrunken, aber es half nicht
denkwürd. eines arbeiters (1903) 228
Göhre; der trinkt sich gift Eb. König
Thedel von Wallmoden 193. '
für gewöhnlich trinken', '
zu trinken pflegen': es ist kommlich und gut, das einer nit fleisch esse noch win trinke Zwingli
v. freiheit d. speisen 25
ndr.; Joannes der tewffer ist komen, und asz nicht brot und tranckt kein wein Emser
d. neu testament deutsch (1529) 104
b; nim ... eins mans harm, der wein trinckt Solm
kriegsordnung (1559) 3, 59
a; er tranck kein alten, sonder nur neuen zweenbatzenwein Grimmelshausen 2, 19
Keller; ein echter deutscher mann mag keinen Franzen leiden, doch ihre weine trinkt er gern Göthe 14, 109
W.; von vetter Fritz hatte er keine hohe meinung. er tränke bier und hätte die Stallminna geküszt H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 16.
eine trinkkur machen: denn die es (
das heilwasser) trincken, purgiret es den gantzen leib Lundorf
wiszbad. wisenbrünlein (1610) 5; ich habe angefangen, den brunnen zu trinken Göthe IV 10, 275
W.; da meine frau gegenwärtig noch Karlsbader mühlbrunnen trinkt Ad. Stifter
sämmtl. werke 20, 197.
sprachläufiger ist geworden (seinen) kaffee, tee trinken: ich tranck meinen caffeé Schnabel
insel Felsenburg 14
Ullrich; an einem tisch sitzt frau Millerin noch im nachtgewand und trinkt ihren kaffe Schiller 3, 356
G.; vgl. noch O. Ludwig (1891) 2, 340, Srorm (1899) 1, 65; myn heer van Streef trank nun seinen thee Immermann 2, 98
Boxberger. gift trinken,
wofür wir heute eher gift nehmen
sagen: wer auch vergifft getruncken hat, der sol einer eselein milch drei stund saufen Ortolff v. Baierland (1477) 30
b; etlich haben gyfft truncken und hat inen nit geschat Eberlin v. Günzburg 1, 156
ndr.; meinstu, dasz wenn ein elender die schwache gemeinschafft des leibes und der seelen zu trennen lust hat, selbter gift trincken ... müsse Lohenstein
Arminius (1689) 1, 76
b; getrunken das gifft Schiller 1, 62
G.; durch getrunkenes gift vom leben gekommen G. Freytag (1886) 14, 10. einen trunk, trank trinken: dô huob er ûf unde tranc ein trunc von zweinzec slünden
weinschwelg, v. 18;
[] Schwitzer, trinken wir nach (
noch) ainen früntlichen trunk zum segen Keszler
sabb. 79; trank trinken
s. teil 11, 1, 1201
s. v. trank.
von gelösten, verkochten, geschmolzenen körpern oder einem in der flüssigkeit befindlichen festen gegenstand: man sagt das die fraw die slangen aus ainer wagenlays getruncken hat (15.
jh.) Joh. Hartlieb
dialogus miraculorum 314
Drescher; Arthimesia trank die aschen ires toten mannes Stainhöwel
de claris mulieribus 9
lit. ver.; wann man den lattichsamen trincket, so vertreibet er den flusz der natur oder des samens
M. Herr
feldbau (1551) 154
b; hat man ihm in sein rachen geschmeltzt gold gegossen und gesprochen: dich hat nach gold gedürstet, so trincke und sauff nun gold Ph. Bech
Agricolas bergwerckbuch (1621) 7; wir tranken den geschmolzenen schnee v. Haller
Alfred (1773) 237; denn nicht einmal runkelrübenzucker trink ich in meinem cichorienkaffee Kotzebue (1827) 8, 268. I@B@2@bb) eine kanne, ein glas, eine flasche wein
etc. trincken: wo die nachwächter ... erst pflegten eine kanne bier zu trincken Riemer
polit. maulaffe (1679) 34; man spielt ein lombergen, man trinckt ein gläszgen wein Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. 1, 81; mein preuszischer begleiter trank eine flasche Burgunder mit mir Schubart
leben u. gesinn. 2, 65.
elliptisch, ohne substanzbezeichnung: ob ich den becher trincke oder auf die erde giesze Chr. Weise
erznarren 15
ndr.; den kelch trincken
bevere il calice Kramer 2 (1702) 1143
b; nun wollen wir erst ... ein gläsgen trinken, dasz wir muth bekommen
Holston und Augusta (1780) 128; die freude ..., das erste glas in eurer gesellschaft zu trinken Gellert 4, 262. I@B@2@cc)
mit erweiterung hinsichtlich des maszes: yeglicher zwo masz win ein tag übers mal trincken, und nit mer Judas Nazarei
v. alten u. neuen gott 50
Kück; so nüchtern geh ich nicht mehr schlafen wie gestern, da ich nur acht maszen wein trancke, und mir vom teüffel traumte Moscherosch
gesichte (1650) 2, 219; schnell trank ich einen passum saures bier J. G. Müller
aus d. Heiderschen hause 5
Bächtold. I@B@2@dd) einen quell, eine pfütze, einen brunnen
u. s. w. trinken
mit leichter bedeutungsverschiebung zu '
aus ihnen trinken': in Ploteninsuln trinckt man ein moreisch kwell Lohenstein
Ybrahim 1; solte jemand sehen können, dasz ein ander stinckende pfütze trüncke, da er mittlerweile sich mit wollriechenden wassern anfüllete
persian. baumgarten (1696) 10; durchs gebüsche geht der pfad nach der hütte, drin ich wohne, zu dem brunnen, den ich trinke Göthe 2, 171
W.; Chaldäa, du Arabia, ihr nationen, die ihr den Euphrat trinkt, Mesopotamen Tieck (1828) 1, 359; hier ist des stromes mutterhaus, ich trink ihn frisch vom stein heraus Uhland
ged. (1864) 1, 17. I@B@2@ee) die brust (brüste) trinken
dichterisch, von der mutterbrust saugen: selig ist der leib, der dich getragen hat, und die brüste, die du getrunken hast Zinzendorf
Luc. 11, 17; denk, o mutter süsze! wie du durch die wüste unsern herren trugst in pein, dasz er für uns büsze, trank er deine brüste, sog er deine milde ein Brentano (1852) 3, 173; komm her, komm her, trink meine brust
ebda 4, 17;
uneigentlich: die heiszen sinne tranken, umwoben von der liebesarme ranken, die zwillingsbrust des schönen und des rechten Stägemann
kriegsgesänge (1813) 3.
[] I@B@2@ff)
mit verkürztem ausdruck eins trinken: (
der henker zum armen sünder) so trinck noch eins in deinem leid B. Krüger
spiel v. d. bäur. richtern (1580) 900; mein! wir wollen eins spielen und trincken Abele
künstl. unordnung (1670) 1, 40; bis das essen fertig wird, laszt uns eins trincken Göthe 39, 28
W.; wir tranken eins an der kellerthür mitsammen maler Müller (1811) 3, 393; singen wir eins zum trinken, trinken wir eins zum gesang Heinrich Suso Waldeck
d. milde stunde (1933) 21;
kärntn. âns trinkn
wein oder branntwein trinken Lexer 71. I@B@2@gg)
typisch für den gebrauch ist der reichtum an bildern: wie sy trinckent und schöpfend die lebendigen wasser von dem süszen brunnen der ewigen gothaitt (15.
jh.)
Alemannia 4, 102. — ich geschweige, das die hochberümpte doctoren von Löwen ... kein vinum theologicum ... hetten trincken mögen Fischart
binenkorb (1588) a 4
a; die vertreter einer plötzlich fanatisch gewordenen völkerbundsbigotterie, die unaufhörlich den blutroten wein der vergangenheit trinken, während sie das lautere wasser der zukunft predigen
deutsche allg. zeitung v. 5.
mai 1931; zeugender minne wein laszt uns trinken Ernst Leibl
zelt unterm stern (1931) 79. — so werden volk und land im freudenmeer versinken, und erst mit vollem masz den friedensnectar trincken
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 66. — sie haben die selbige geystliche speysze essen und tranck getruncken Luther 11, 255
W.; die lefzen verzog mein knabe, da ihn der mächtige tod hielt, zu trinken den bittern trank maler Müller (1811) 1, 102. — Jôhannes ..., der ûf der brust des herren rûwinde, trank die allir lûtirste vluzze der lêre Matthias v. Beheim
evangelienbuch 5
Bechstein; der gnaden brun thut flusen: den soll man trinkhen
volks- u. ges.-lieder d. 15. u. 16. jh. 5
Kopp; und wenn der mund schon todesfluthen trünke Rückert (1867) 1, 353; dufreilich sitzst an der quelle und trinkst den erquickenden strom eines erneuten, befreiten volkslebens mit vollen zügen
briefe von u. an Herwegh 105. — lasz mich den becher des jammers und der freuden ... auf einmal trinken Göthe 23, 88
W.; der schnöd in Thais schosz den wollustbecher trank I. D. Falk
satiren (1800) 1, 23; dasz sie (
die seelen) ... die schale der unsterblichkeit schon bei leibesleben tranken Herder 16, 29
S. besonders oft kelch trinken, anknüpfend an eine reihe biblischer stellen, insbesondere Jes. 51, 17;
Luc. 22, 42
u. s. w., vgl. die reichlichen belege in teil 5, 505
ff. s. v. kelch.
einige nachträge: aber wenig sind, die jhme nachfolgen bisz zum trincken des kelchs seiner marter Joh. Arnd
Thomas a Kempis' nachf. Christi (1631) 57; mein kelch musz sein getrunken Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 303; (
weil) ganz ihr (
der erfahrung) bitterer kelch bis zu den hefen hinab noch nicht getrunken; so sollen tausende noch bluten? Klopstock
oden 2, 92
M.-P.; dasz sie diesen bittern kelch aus pflicht trinken Zimmermann
über d. einsamkeit 1, 10; den kelch der trübsal, den ihr anderen bereitet habt, mögt ihr nun selber trinken Raupach
dram. werke ernst. gatt. (1835) 5, 165.
blut trinken. von Christi blut im abendmahl: thar drínket ir thaz minaz blúat,thaz íu in ewon wóla duat Otfrid IV 10, 14; ich bin mit dem licnamen enbizzen der an dem cruce erhangen was. ich han getrunchen daz pluot daz uz cristes siten floz
bei Diemer
deutsche gedichte d. 11.
u. 12.
jh. 382; so lang du ym (
Jesus) vertrawest ..., so ist er in dir und du in yme und das heyst eygentlich geessen sein fleisch und trincken sein bldt, wie er das zugesagt Jac. Strausz
beychtpüchlin (1523) e 2
a.
anders: [] sieh an dies volk! wie ein löwe steht es auf! wie ein junger löwe hebt es sich, und legt nicht nieder sich, bis dasz es raub gezehrt, bis es erschlagner blut getrunken hat Herder 12, 161
S.; die schmach ..., dasz feindes heere aus Donau, Elbe, Weser, Main und Lech und Jnn unser herzblut trinken J. v. Görres
ges. schr. (1854) 2, 95;
Romeo: so (
bleich), liebe, scheinst du meinen augen auch. der schmerz trinkt unser blut
Shakespeare 1, 115. blut trinken
von einem despoten, der das leben der untertanen in nutzlosen kriegen opfert Krünitz 188, 102 (
ähnlich schweisz trinken
von der arbeit der untertanen prassen, ebda).
im dichterischen gebrauch trinken blanke waffen das blut ihrer opfer: und hat etwa sein blut der mörderstahl getrunken?
samml. v. schausp. (1764) 2, 55; (
gott spricht zum blinkenden schwert) auf, waffne rächende trinke das blut des sünders! hände, Klopstock
Messias ges. 4,
v. 201; das schwert des kriegsgotts trinket der helden blut grafen Stolberg
ges. werke (1820) 4, 41; säbel blink! säbel trink! trink blut! trara! Lenau
n. ged. (1838) 266.
ganz uneigentlich: dieses schwert, das völker frasz; und die tempel selbst entweihte; das der erde jammer trank v. Schönaich
Heinrich d. Vogler (1757) 107. I@B@2@hh)
sprichwörtliches und redensarten: ein geytziger ist gleich wie ein gaul, der wein führt und trinckt wasser Lehman
flor. pol. (1662) 1, 278; es ist bös: arbeiten und wasser trincken 3, 74.
schlesisch: a hot sprōchwossr getrunka
er versucht, hochdeutsch zu reden Rother
schles. sprichw. 107
b. fremdes wasser trinken
buhlen, ehebruch treiben C. Schulze
bibl. sprichw. 45;
vgl. dazu: daʒ die frouwen werdent êren bar, die sich mit minne wellen swechlich gesellen ... daʒ si trinkent waʒʒer oder bier, sô der wîn niht kumt gar schier Ottokar von Steiermark
österr. chron. 11388
Seemüller; die quelle sind zwei bibelstellen: trincke wasser aus deiner gruben und flüsse aus deinem brunnen ... habe aber du sie alleine, und kein fremder mit dir
spr. Sal. 5, 15; wie ein fuszgenger, der durstig ist, lechtzet sie (
das schamlose weib) und trinckt das nehest wasser, das sie krieget
Sir. 26, 15. — de wyn drinket, de mot ôk wyn betalen Tunnicius
sprichw., nr. 1044
H.; trinck wein, so beschert dir gott wein
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 3
a; die lieb trinckt nicht nothwein Lehman
flor. pol. (1662) 3, 42; guten wein trincken und das wasser zu müle schicken Kramer 2 (1702) 1143
b; er trinkt bösen wein
er wird beim trinken zanksüchtig Schrader
d. trinken 70. — es trinkt niemand eine kanne bier mit ihm
omnes illum spernunt, etiam compotorum turba Frisch 1, 499
c; trinke das bier, wie du es gekocht hast Rother
schles. sprichw. 349
a. —
gegen vorschnelles urteilen: erst abwarten und dann tee trinken R. Delcourt
expressions (1917) 84
a ('
berlinisch'). —
von einem bösartigen menschen: er hat eine böse milch getrunken Binder 133; sie haben einerlei milch getrunken
sind gleichen charakters Wander 3, 660. — der ka sei suppe trinken
verdient wenig Fischer
schwäb. 2, 386. —
vgl. noch: dann eyn ganz ungewonlicher tranck umb den senff ist, daher denn das sprichwort kommen, dasz man fragt: welcher jemals den senff getruncken
Alemannia 10, 208. I@B@33)
mit einem präpositionalen object. trinken in etwas: wenn ich denn ... im ungerischen wein stark getrunken, als hat mich die gicht ... hart angegriffen Hans von Schweinichen 3, 218
Büsching: der Deutsche hat von je zu tief getrunken in meth und bier, in wein und anderm geiste Klaus Groth
ges. werke (1893) 4, 210;
meist in verbindung bzw. in abhängigkeit von einem weiteren objekt: wann du des vornehmsten gasts gesundheit
[] im bier oder wasser trinckest
Tölpels baurenmoral (1752) 42; ich trinck im ersten glas dein wohlseyn in gedanken
samml. v. schauspielen (1764) 1, 6; nächte, ... da wir seine gesundheit im letzten guten Rheinwein trunken Herder 4, 434
S.; trinken (
sie) Dorias untergang in meinen ziprischen weinen Schiller 3, 300
G.; und greise trinken das leben in ihm (
dem wein) Joh. Ad. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 37; Lenes gesundheit haben wir gestern in trefflichem Frontignac getrunken Moltke
schr. u. denkw. (1892) 6, 179.
wendungen wie sich in etwas voll, frisch, tot trinken
u. s. w. auf sp. 575.
s. auch von etwas trinken,
sp. 566. I@CC. trinken
erweitert durch typische präpositionale orts-, bzw. richtungsbestimmungen. I@C@11)
trinken ab. über den seltenen gebrauch der präposition neben bestimmten verben s. teil 1, 7.
in den älteren obd., insbesondere alem. arzneibüchern wird trinken ab
im sinne von '
einen absud, aufgusz, einen tee (
aus heilkräutern)
trinken'
gebraucht, jedoch mit deutlichem lokalen urgrund. s. den gleichen gebrauch bei trinken über, von: abe boleien trinken (
um 1305)
zeitschr. f. dtsch. altertum 6, 354; abe salbeiien trinken und abe ruten 358; man sol nemen bethonien unz und 1 seytl warms wasser und ee in das fieber begreiffen, so soll er darab trinkchen (15.
jh.)
ebda 17, 228; man sol ruten in weyn syeden und darab nuechter trinkchen
ebda; die (
frau mit dem toten kind im leib) trinkch ab dem peypos, so wirt sy ledig
ebda; und er sol täglich trinken ab raten und lübstechen
Kuhns zeitschr. 20, 389; und ensol nit frowen haben und sol man trinken ab vigensaft und eppichsamen
ebda; im hömonat ist guot nüchterling eple genossen und ab salbinen getrunken
ebda; isz speisz berayt mit specerey ab benedict trink und salvey
Alemannia 5, 244; vor kelt und frost dich wol bewar, ab zimmt magst du trinken zwar 255; nimb tormentillam und nachtschatten, gib dem pferdt darab zutrincken Seutter
roszartzney (1588) 179; nim ein hirschcreutz, legs in dein trincken, trinck ettlich tag darab Gäbelkover
artzneybuch (1596) 1, 165
a; trincke ab braunwurz (1620) Schmeller-Fr. 1, 11.
in den Schweizer mundarten ist der gebrauch erhalten, s. Staub-Tobler 1, 25: der kranke musz oft ab gersten, ab hafer, ab wurzeln und kräutern trinken Pestalozzi 9, 528
Seyffarth; ab nebes trinka
einen thee von etwas trinken Tobler
appenzell. 2
b; ab chriesi, ab brubeerblacka trinka
einen aufgusz oder absud von kirschen, von brombeerblättern ebda; massenweise wird ab kamille, lindebluest trauche (
getrunken) Friedli
Bärndütsch 1, 459.
anders, mit einem richtungsmoment: div goltfaz, da er abe tranc, di warf er al in sine scoz Lamprecht
Alexander v. 3119; das selbig vergifft wasser in den guldin kopff goss auff ires liebsten bulen hertz ... und das vergifft wasser ab dem hertzen alles dranck Montanus
schwankbücher 232
Bolte; do tranc ich ab einem schönen brunnen Felix Platter
tageb. 176;
schweizerisch: wasser trinkt man oft ab den brunnenröhren Pestalozzi 9, 528
Seyffarth. I@C@22)
trinken an. an der mütterlichen brust: die an der muttermilch getruncken, die können auch hernach wein trincken Lehman
flor. pol. (1662) 1, 198; das lamm ... trank an seiner mutter Ad. Stifter
sämtl. werke 5, 1, 277;
bildlich: unter allen, die an den brüsten der majestät trinken, kommt die favoritin am schlechtesten weg Schiller 3, 389
G.; freude trinken alle wesen an den brüsten der natur
ebda 4, 2; an ihrem (
der Muse) vollen busen trank ich leben Novalis 4, 52
Minor. anders: ich habe mit innerer freude getrunken an seinen (
des mittelalters) stillen brunnen J. Grimm
kl. schr. 1, 31.
[] vgl. unten wendungen wie sich an etwas satt, trunken trinken; den tod an etwas trinken
u. ä., sp. 573
f. I@C@33)
trinken auf. örtlich: gantze gerste, die nit geschroten ist, sollen sie (
die ochsen) bey leibe nit essen, dann so balde sie darauf trincken, qvillets inen im leibe
viehbüchlein 9.
zeitlich empfunden, doch wohl ursprünglich örtlich: auff das essen trincken
post cibum potionem sumere Aler
dict. (1727) 1919.
für gewöhnlicheres in: af d hitz trinkn Wenisch
nordböhm. 41. I@C@44)
trinken aus: aus einem becher, glas, kelch, krug, aus einer flasche, schale, kanne trinken; trinckst milch aus deiner mutter brust Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 327
a;
mit affektgehalt aus gold trinken: so (
dürftig) speiszte sie zu Sterlyn ihren gatten, da sie aus gold mit ihrem buhlen trank Schiller 12, 401
G.; sie sollen ... aus gold trinken Fr. L. Schröder
dram. werke (1831) 1, 7.
oft im bilde: item Deutschland wird mit peiniglichen schmertzen gepeiniget und wird truncken (
l. trüncken) aus dem kelich des zorns Jac. Pflaum
ettlich weissagung (1532) b 2
a; aus dem becher der wohllust trinken Bürger 307
Bohtz; die bourgeoisie, die nie tief aus dem becher der humanität trank Fontane I 4, 272;
sprichwörtlich: er acht keins glantzes, trincket ausz eim hafen
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 366; aus einem leeren gefäsz trinken
ein zeichen von armut: we ... uth ledigen beckeren drincket ..., dene ys veel ungeluckes bescheert Husemann
spruchsammlung, nr. 73
Weinkauff; ausz ledigen krügen ist nicht gut trincken Petri
d. Teutschen weish. (1604) 2, k 2
a; mein voter hat mich nich larnen ausz annem leere glose trincken Robinson
sprüchw. (1726) 24;
dann öfter als umschreibung für unmögliches, unwahrscheinliches tun: einen mohren weisz erwaschen, trincken ausz geleerten flaschen, einen esel nackt beschehren, eine sackpfeiff abehären Logau 149
lit. ver.; man wird aus leeren kannen trincken, man wird das maul mit peche schmincken Chr. Weise
grünend. jugend 123
ndr. besondere wendungen: o nein, ... es hat weit die meynung nicht, sonst dörfften ihr kein wein ausz knebelspisen trincken Fischart
Garg. 21
ndr. (
vgl. hierzu teil 5, 1379); he sütt ut, as wenn he ut dem brodtkorve drunken heft
er sieht betrübt aus. denn aus dem brodtkorbe läszt sichs nicht trincken Strodtmann
id. Osnabrug. 306; aus des büttels flasche trinken
einen schandstein, oft in flaschenform, am pranger um den hals tragen Schrader
das trinken 61; aus dem stammende trinken,
vgl. teil 10, 2, 653.
aus einem natürlichen wasser trinken: (
Mars musz) hitz und kält ertragen offt trincken ausz der bach Opitz
teutsche poemata 97
ndr.; ein flusz in Hetrurien triebe den ochsen ..., so aus ihme truncken, weisze haare aus S. v. Birken
ostländ. lorbeerhäyn (1657) 62; fremde kriegsrosse trinken aus heimischen gewässern
ein bild der demütigung (
s. auch bei tränken,
sp. 1209): denn eh der rocken gelb wird, eh sich die mondesscheibe füllt, wird kein engländisch rosz mehr aus den wellen der prächtig strömenden Loire trinken Schiller 13, 184
G.; eh wälsche rosse aus den Sachsenbächen tranken Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 105.
bilder: etlich us den waren brunnen (
des evangeliums) selbs trinkend, ... etlich aber ... gond nun an die bächli, so darus geflossen sind H. Zwingli
deutsche schriften 1, 36; (
Luther) welcher vil tausent menschen zu dem waren brunnen Cristum Jesum gefüret hat. usz welchem brunnen eyn yetlicher dürstiger ... trincken mag H. v. Cronberg
schr. 3
ndr.; aus der quell der kunst trincken Fischart 3, 121
Hauffen; schicken die eltern ihre weinhänlen und zarte junckerlein ubers meer ...,
[] so vermainen solche gesellen, dasz sie aus allen wassern trincken ... müssen Albertinus
Lucifers königreich 194
nat. lit.; der mann soll sich seines weibs in der jugend brav bedienen und aus ihrem brunnen trinken (1782) Scheible
kloster 1, 127.
sprichwörtlich: ausz kleinen brünnlein kan man auch gnug trincken Lehman
flor. pol. (1662) 1, 144. aus der hand trinken
als sinnbild für einfachheit: sollte man nicht ... den becher wegwerfen und lieber aus seiner hand trinken Brentano
Godwi (1801) 1, 96; (
er) schläft auf harter erde und trinkt aus hohler hand J. Kerner
dichtungen (1834) 39;
ein zeichen von zutraulichkeit: (
ein schäflein) das for aus seinr hant drunck und as H. Sachs 18, 212
lit. ver.; es trank der renner aus ihrer hand den rothen burgunderwein Strachwitz
ged. (1850) 59;
bildlich: leben aus der hand des schöpfers trinken Ad. Stifter
sämtl. werke 2, 100. I@C@55)
trinken in: trinck nicht in die suppen Petri
d. Teutschen weish. (1604) 2, T t 6
b; je besser wein, je besser dauung, nicht weis ich, wo das ungeschickte sprichwort herkommt, dasz man nicht in den stockfisch trincken soll Grimmelshausen
traumgeschicht (1660) 23; ins essen trinken Georges
deutsch-lat. wb.72, 1311; trink nit so geitig wasser in d hitz Martin-Lienhart 1, 286 (
vgl. oben auf die hitze);
ähnlich im 14.
jh.: men sol aber guoten win in nhtern trinken
zeitschr. f. dtsch. altert. 6, 351; man sol süsse ding in nhtern essen unde trinken 354; wasser in nhtern trinken 358. in sich trinken: wer hönig in sich trinket, daz niht geschäumt ist, den plaet ez Konrad von Megenberg
buch d. natur 293
Pfeiffer; vor Gottlieben an dem Rin da huob sich grosse not; da jagt man vil der Schwaben in, die in sich trunken den tod (1499)
schweiz. volkslieder 2, 79
Tobler; darzu bin ich yetz aber kranck, drumb das ich nächt zvil in mich tranck H. R. Manuel
weinspiel v. 2717
Odinga; imbibo in sich trincken Calepinus
XI ling. (1598) 679
b;
bildlich: trinke das öl und den wein in dich, welchen das mitleiden eines fremden ... itzt in deine wunden geuszt Bode
Yoricks empfinds. reise (1768) 2, 145.
weitere beispiele dieser konstruktion s. u. sp. 586
unten. ähnlich: in die gurgel, die zähne, in den kragen trinken: ich bring dir vor eyn becher weyn, Mistes, den drinck in d gurgel dein Schertlin
künstl. trincken (1538) c 2
b; trincks in die zänn Fischart
Gargantua 148
ndr.; drincks tu wasser in dein kragen, über disch erkält dein magen (1618)
Alemannia 7, 233. I@C@66)
trinken über. örtlich: und in diesem gespräch hatt der knabe durst ... und gienge über einen brunnen, so nicht weit von dannen, zu trinken
Amadis 39
lit. ver.; vgl. mhd.: dô der hêrre Sîfritob dem brunnen tranc
Nibelungenlied 922, 1.
älteres über tische
für bei tische trinken,
seit Luther.
der gebrauch erklärt sich aus dem lateinischen der vulgata: super mensam meam. das ir essen und trincken solt über meinem tische
Luc. 22, 30 (
erste dtsch. bibel und cod. Tepl.: auf); ein herr het ein magt, die über tisch nimmer kein wein trincken wolt Montanus
schwankbücher 45
Bolte; weins, ... den die herrn ... über tisch trinken (1606)
rechtsalterthümer4 508; was soll man über tische trinken? Bennert
trinkkunst 114; dreimol über tisch getrunken, ist das allergesundeste Wander 4, 1315.
dann über der mahlzeit trinken: man findet einige, die über der mahlzeit nicht trinken Marperger
dict. (1716) 1203; über der mahlzeit trinken
nouv. dict. al.-fr. (1762) 916.
[] von einem heilkräftigen absud, im gleichen sinne gebraucht wie trinken ab, von: ochsenzung, schlangenkraut vertreibt traurigkeyt, wenn man darüber trinckt Alberus (1540) c c 4
a; uber mansztrew getruncken, treibt den harn Lonicerus
kreuterbuch (1564) 149
b; nesseln mit wein gesotten und darüber getruncken, vertreibt den husten 184
a; uber disz kraut mit dem samen getruncken, bringt den frawen ir blumen und macht sehr harnen 204
a; über kräuter trincken
bere nell' infusione di herbe salutifere Kramer 2 (1702) 1143
c;
vgl.: (
in einem kalender v. j. 1573) sind über jeden monat versificirte belerungen, an welchem monate ader zu lassen, ... über benedict und salbei zu trinken, salat zu essen ist
Alemannia 5, 244.
mehr local zu verstehen: etlich pflegen dise wurtzel in die sewtrög zu nageln, dasz die säw stäts darüber essen und trincken Lonicerus
a. a. o. 145
b. I@C@77)
trinken von. vom wasser, vom wein, vom brunnen
u. s. w. trinken,
ursprünglich vom wasser, vom brunnen weg,
sekundär dann von der substanz: am fewer flosse ein küles wasser, darvon etliche trancken
volksb. v. dr. Faust 52
Braune; und wie sie etwas mit einander gegessen hatten, truncken sie von dem klaren, wie er in dem Rhein bei Cöln vorbey leuft R. Capell
norden (1678) 130; soll denn doch getrunken sein, trinke nur vom besten wein Göthe 6, 204
W.; und dieweil ich so nahe dabey bin, wil ich auch absitzen und davon (
vom brunnen) trincken
Amadis 234
lit. ver.; wir baide truncken von dem brunnen also süse Th. Hock
schönes blumenfeld 13
ndr.; ich eilte zu seinem ufer, trank von seinem (
des Niger) strom Ritter
erdkunde 1, 423;
bildlich: wann der do trinckt von disem wasser daz ich im gib, den dúrst nit ewiglich (
Joh. 4, 14)
erste deutsche bibel 1, 347; trankst du von dem bittern becher der welt Herder 12, 26
S.; ich habe wenig von den quellen (
Aristoteles, Plato, Xenophon) selbst getrunken Heinse 4, 21
Schüdd.; sprichwörtlich: wer den wein getruncken, der musz mit von hefen trincken Lehman
flor. pol. (1662) 2, 577; er hat vom krakehlwasser getruncken
lärmt im rausch Schrader
d. trinken 69.
von einer heilpflanze trinken
ihren aufgusz, absud, tee trinken,
im gleichen sinne wie bei trinken ab, über: welche fraw ein todt kind in ihr hett, die trinck von chamillen, sie geniszt und wirt des ledig Lonicerus
kreuterbuch (1564) 166
b; wer innwendig geschwollen ... were, der trinck von chamillenblumen, er geniszt
ebda. einige seltenere räumliche anwendungen: zum andern, wird das niemand leugnen, das wir das heilige sacrament des altars haben, gleich und eben, wie es Christus selbs eingesetzt ... und essen und trincken also mit der alten und gantzen christenheit von einerley tissch Luther
wider Hans Worst 13
ndr.; besser trincken von einer fliegen, als von einem weydenblat, denn das felt ins wasser, da ein fliege wol in gutem bier oder wein ligt Petri
d. Teutschen weish. (1604) 2, k 7
a; (
kleine kinder) wann sie von der mutter wollen trincken, wenden sie sich zur mutter, wenn sie satt seyn, wenden sie sich von ihr Lehman
flor. pol. (1662) 2, 581; von seiner mutter hat er sie (
die wildheit) getrunken Hans Watzlik
der alp (1923) 41. I@DD. trinken
mit modalen zusätzen. I@D@11)
mit adjectivadverbien. I@D@1@aa)
auf geschmack oder temperatur des getrunkenen bezüglich, warm, kalt, süsz, sauer
u. s. w. trinken: das gebrandt wasser ... warm getrunken Bock
kreutterbuch (1580) 3; süsz getruncken, saur bezalt Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 23
a (
u. oft in sprichwortsammlungen); den caffee gerne süsz trinken A. G. Kästner
verm. schr. (1755) 1, 119; laulicht trinken Zedler
univ.-lex. 44, 1985; im sommer trinken sie (
die milch) viele leute gern sauer und kalt Pestalozzi 9, 528
Seyffarth; erhitze dich nicht und trinke nicht kalt Stifter
studien (1856) 3, 35.
häufig ist die wendung wohl, gut essen und trinken: behagunge
[] des fleischis ist wol ezzin, wol trinkin
paradisus anime intelig. 21
Strauch; opifex, der ein sölch handwerck treibt, dabei man wol iszt und trinckt, als koch, keller Alberus (1540) n 1
a; ihre clubs, wo sie zusammen kommen, und sehr gut essen und trinken Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 1, 120; Schlegel, der in Amsterdam gut ist und trinkt Caroline 1, 76
Waitz; er isset gut und trincket nicht übel
ò trincket besser Kramer 2 (1702) 1143
c; gut essen, und wo möglich noch besser trinken Göthe 21, 57
W. mit zu
konstruiert: was den Belum oder Belwasser belangt, ... der sey nicht gut zu trincken Mathesius
Sarepta (1571) 2
b;
cosa buona da bere so gut zu trincken ist Hulsius (1618) 2, 58
b; wie man grob und sauer bier gut und lustig zu trinken soll machen (1690)
bei Gräsze
bierstudien 243; geusz es in das fasz, das bier wird lustig zu trinken, so es gieret
ebda; (
wasser) das zu trinken gut und lieblich Neumark
palmbaum (1668) 58. I@D@1@bb)
das adverb ist auf das subjekt bezogen; im folgenden eine auswahl typischerer verbindungen. gern, höflich, klein, künstlich, lustig, mäszig, sittlich, stet, wenig, ziemlich trinken: wol uf ir gesellen in die tabern! aura luce rutilat. ach lieben gesellen, ich trünk so gern! sicut cervus desiderat (15.
jh.) Hoffmann v. Fallersleben
in dulci jubilo 90; ein weib das gerne trinckt, speyt unversehens ausz ihr ehr, ihr gut gerücht Logau 253
lit. ver.; pitisare clein trincken (1495) Diefenbach
gl. 438
c; künstlich trincken. eyn dialogus von künstlichem und höflichem, auch vihischem und unzüchtigen trincken L. Schertlin (1538)
buchtitel; gar lustig trincken Scheit
Grobianus (1551)
v. 2554; eyn wiser mäszlich drincken kan Brant
narrenschiff 19
b Zarncke; ein guten TrAeminer ... mässig zu trincken Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 33; eyn wiser ist, wer syttlich (
gemach, langsam) drinket Brant
narrenschiff 18
b Z.; drinck sitlich und huest nit darein
meisterlieder fol. 23,
nr. 212;
pitasma stete drinken,
pitisare stetis drincken
o. spirczeln (15.
jh.) Diefenbach
gl. 438
c;
sorbillare wenig drincken (15.
jh.)
ebda 543
a;
potissare wenig trincken (
anf. d. 15.
jh.)
ebda 450
b; zimlich und messig trincken
fastnachtsgesprech (1582) b 1
b. nüchtern trinken
mit nüchternem magen: ir einguz sterkt der unkäusch gelider, wenn man si nüechtarn säuft und trinkt Konrad von Megenberg
buch der natur 389
Pfeiffer; ich mag nicht nuchtern trincken (1423)
in Bayerns mundarten 2, 436; man sol ruten in weyn syeden und darab nuechter trinkchen (15.
jh.)
zeitschr. f. d. altertum 17, 228; unter dem keyser Tiberius ... ist die monier gewest, das si nüchteren getruncken und das weintrincken dem essen vorgieng Eppendorff
Plinius (1543) 234.
anders, trinken, ohne berauscht zu werden: wer mir wil dienen vesteklich mit mir stet nüchter trüncken gert der wirt dreye gab von mir gewert
von s. Johans trunck 4
a. derb, emsig, fest, geizig, heftig, säuisch, scharf, schwer, stark, steif, tapfer trinken: sie fangen an, derb zusammen zu trincken Lichtenberg
aphorismen 2, 27; ausz embsigen essen und trincken Scheit
Grobianus 8
ndr.; du solt vast essen und trinken Seuse 9
Bihlmeyer; trinckend nür vast, damit das dy vasz ler werden (1483)
bei Steinhausen
privatbriefe 2, 76; warumb zehern die augen, wan man vast trinckt oder lacht
problemata Arestot. (1492) 4
b; in deme sie domahlen viel fleisziger sollen getruncken haben als jetzo Prätorius
anthropod. plut. (1666) 1, 179; geitzig (
gierig) trincken
avide poculum siccare Steinbach
dtsch. wb. 2, 874; nun wust sie wol, das ir mann hefftig drancke Montanus
schwankbücher 338
Bolte; das überig sewisch trincken meiden und abstellen Schertlin
künstl. trincken (1538) a 2
a; da man denn scharff tranck, wie es in Salinde
[] gebräuchlich Melissus
Salinde (1718) 28; vier wachtlokale mit maschinengewehren bemerkte ich, in denen gleichfalls schwer getrunken wurde Dwinger
zwischen weisz u. rot (1930) 17; das die menschen auff wol trincken starck und bald entschlaffen
Fortunatus 57
ndr.; wir trincken nicht starck Kramer 2 (1702) 1144
a; einige männer hatten stark getrunken Göthe 22, 273
W.; wie die gäst ... bei der groszen mahlzeit des königs Balthasar steif wein getrunken Abr. a
s. Clara 10 (1836) 193; sy wollen dapfer trinken (1513) Aug. Hartmann
hist. volksl. 1, 4; ein schmackhaftes mahl ..., wobei zugleich tapfer getruncken wurde Nettelbeck
lebensbeschr. (1821) 2, 170. überaus, -flüszig, -grosz, -mäszig, übrig, unhöflich, -mäszig, -züchtig, viehisch, viel, wacker, weidlich, wohl trinken: so man gar über aus drünck Wickram
siben hauptlaster (1556) 87
b; wer überflüszig trincket und im ambt sich davon übergibt, soll dem ambt eine tonne bier zur straffe geben (16.
jh.)
Rigaer schragen 499
Stieda-Mettig; da das übergrosz drinken ain ehr ist
Zimm. chron. 3, 527
Barack; bibacitas das ubermässig trincken Calepinus
XI ling. (1598) 160
a; unde sol man in (
wein) doch niht überriges trinken, wan von trunkenheit kumet vil übler dinge (13.
jh.)
schwabenspiegel, landr. cap. 147
Wack.; helvere uberig trincken (
anf. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 274
b; so man unhöflich disen (
wein) trinckt und sewisch in den wanst hin schlingt Schertlin
künstlich trincken (1538) c 4
a; so wir aber den wein unmäsziglich drincken Wickram
siben hauptlaster (1556) 74
a; viehisch, unzüchtig trinken
s. oben bei künstlich trinken; ik drank vele, ôk sat ik ein weinich to lange
des dodes danz, v. 785; hastu ze vil getruncken, so gee schlaffen Arigo
decamerone 85
Keller; durch vieles trinken während der mahlzeit Bremser
med. paröm. 233; ja, ja, die (
väter) trunken wacker wein, wie konnten sie nicht redlich seyn Lessing 1, 119
L.-M.; (
die frau) ihn hies, er solt nur waidlich drincken Montanus
schwankbücher 338
Bolte; wohl trinken
in der bedeutung '
viel',
im gegensatz zu '
gut'
unter 1
a: so einer wol getrunken het, das im die zung, sein bein und ander gelider versagten
in zeitschr. f. dtsch. altert. 3, 29; das gesalzene fleisch macht wol trincken Kramer 2 (1702) 1144
a.
studentisch: man soll trinken utiliter, realiter, familiariter, mirabiliter, solemniter
bei Schrader
das trinken 5; flor
ικῶς, haust
ικῶς trinken
jus potandi (1616) b 1; inque tuam flor
ικῶς nunc trinkat quisque salutem (
makar. gedicht, um 1700)
Weimar. jahrb. 2, 453. I@D@22)
zusätze und wendungen, vornehmlich aus der trinkersprache, art, fülle, form des trinkens ausdrückend. I@D@2@aa) über natur, masz, mensur, über den durst, über die schnur, ein glas zuviel trinken: jedes thier halt im trincken zyl, uber natur trinckt keyns zuvil Gregor Wickram
Obsopei v. d. kunst zu trincken, buch 2,
v. 378; uber masz und natur (die doch mit wenig zu friden ist) trincken Scheit
Grobianus 5
ndr.; guot wein sie druncken über d masz Schertlin
künstlich trincken (1538) d 4
b; erstlich so ein sanguinius, der von dem lufft hat sein einflusz, den wein trinckt uber die mensur Hans Sachs 4, 238
lit. ver.; mann hat ubren durst truncken Schönsleder
prompt. germ.-lat. (1647) l 8
b; dasz er häufig über den durst trinkt Ötker
lebenserinnerungen 1, 167; im leben hatte Peter auch keinen fleck, auszer dasz er zuweilen ein gläschen übern durst trank v. Hippel
lebensläufe (1778) 1, 390; ich trank etwas über die schnur H. P. Sturz
schriften (1779) 2, 410; ja, wenn ich noch wenigstens ein glas zu viel getrunken hätté Schiller 14, 163
G. [] I@D@2@bb) nach der pause, bei fuder, nach wollust, für zwei, für zehn
u. s. w. trinken: merck, was Ecclesiastes seit das neuntzehend caput durchausz! spricht, so man wein trinckt nach der pausz (
andauernd?), wie sehr ein (
l. einer) werck, werd er nit reich Wickram 4, 106
Bolte; derhalben pfeiff auff bruder, ich lig auch gern im luder, ich saugts von meiner muter, die tranck es nur bei fuder Fischart
Gargantua 69
ndr.; zum dritten, so mit uberflus wein trincket der flegmaticus H. Sachs 4, 240
lit. ver.; man trinckt recenter, nicht nach durst, sonder nach wollust, auch offtermals nit nach wollust, sonder nach unlust Albertinus
de conviviis et compotat. (1598) 34
b; der iszt und trinkt für zwey Wieland (1796) 18, 354; (
er) asz und trank für zehn v. Ebner-Eschenbach (1893) 1, 95. I@D@2@cc) mit vollen bechern, bis zu der tiefe, bis zu dem hefen, mit einem trunke, in einem zuge, in vollen zügen, bis auf die nagelprobe trinken: (
bildlich, von der brust Jerusalems) da schepphint die starken. daz die vollencuomenen mit vollen bechirn trinken (14.
jh.)
bei Leyser
dtsch. predigt. 131; (
Jerusalem) du hast getruncken unz zu der tief des kelchs
bibel v. j. 1483, 345
a (
Jes. 51, 17);
auf die gleiche bibelstelle greift Klopstock
gern zurück, z. b.: du dachtest an uns, barmherziger, als wir bis zu dem hefen getrunken hatten den kelch des todes
Messias (1780) 351.
bibere uno impetu mit einem truncke trincken (1517)
bei Diefenbach
n. gl. 52
a; in einem zuge trincken
liquores in se immergere ductim Steinbach
dtsch. wb. 2, 874; wir tranken die seligkeit der liebe in vollen zügen Fichte
sämtl. werke 8, 443; (
der salamander) war ein bierspiel in drei tempos, bei welchem die ganze gesellschaft ... auf das verhängnisvolle drei trinkt bis auf die nagelprobe Schulze-Ssymank
studententum 250. I@D@2@dd) bei
oder zu halben und vollen (ganzen, gleichen), zu ganzen (kannen), halb, ganz und halb,
mnd. half unde heel, (gestrichen) voll trinken
u. ä.: item wer zu halbenn ader zu follenn trincket ... der sal dem rate v
gr. vorpenet sein (1487)
Freib. urkundenb. 3, 475; mine kumpane begunden mit mi to dullen, wi drunken dat bêr bi halven unde bi vullen
des dodes danz, v. 1364
Baethcke; du en scalt nicht af drinken bi vullen eder bi halven alse ein Eiste (
Ehste) Schiller-Lübben 2, 230; he was ganz nuchteren, dat he tho helen (
ganzen) und tho halven nicht dranck
ebda; das trinken zu gleichen, vollen und halben nit zu gestaten (1495)
bei Bauer
durst 292; der ist ein held, der solchs wol kan all kandel, krausen, willkum grosz kan trincken zu halbn und gantzen masz Eyering
proverb. cop. (1601) 1, 805;
plenis cantharis bibere zu gantzen trincken A. Siber
gemma 101; totales — wenn man zu gantzen trincket
jus potandi 16
Oberbreyer; zu ganzen kannen trinken
plenis cantharis bibere Steinbach
dtsch. wb. 1, 827; sauffts gar ausz, dann halb trincken ist bettlerisch Fischart
Gargantua 29
ndr.; habs auch gern vernommen, dasz du einen steifen fürsatz hast, weder gantz noch halben mehr zu trinken (1563)
bei Scheible
schaltjahr 1, 298; bi den beerpotten to sittende unde half unde heel to drinkende
bei Schiller-Lübben 2, 230; nicht den andern overflodig nodigen mit groten schalen, kannen und kroesen heel oder halff tho drincken
ebda; voll, gestrichen
ò geschwabbelt voll trincken Kramer 2 (1702) 1144
a. I@D@2@ee) um und um, auf (nach) der reihe, runda, (im kreise) herum, in die (der) runde, nacheinander, um die zeche trinken: dryncken umb ind umb
circumbibere v.
d. Schueren
Teuthonista 81
Clignet; up de rige drinken
im kreis herum (16.
jh.)
s. Kluge
stud.-spr. 29;
facere, ut obambulet poculum auff der reihe fort trincken
nomencl. lat.-germ. (1634) 63; auf der reihe trincken
bere alla ronda ò in giro Kramer 2 (1702) 1144
a;
[] nuhn setz ich an, wil nach der reihe trinken Ph. Zesen
verm. Helikon (1656) 2, 34; item das Runda und brderschafft trincken Marperger
küchen- u. kellerdict. (1716) 1205; so drincken wir herumb, und küsset ihr mit masz, so werden frischer wir Weckherlin 2, 386
lit. ver.; und so trinkt man im kreise herum Göthe 7, 195
W.; man trinkt in die runde schon dreimal und vier 1, 207; das in der runde trinken (circumpotatio)
Meyers lex.6 19, 722
b; nacheinander trinken viele aus einem gefäsz Schmeller-Fr. 1, 668; mer trinkent nach einander aus einem glas Fischer
schwäb. 2, 385.
das folgende vermutlich zu zeche 2 a,
teil 15, 423,
also '
nach der reihe': trinckt lieber um die zech, wenn es euch ja so dürst Leberecht Blaustrumpf
vier poszierliche gedichte (1746) 20. I@D@2@ff) wieder, offenbar, aber eins, darauf, ein genannts, zugleich, verschisz, pro poena, bescheid trinken:
rebibere wider trincken; offenbar
vel aber eins drincken (15.
jh.) Diefenbach
gl. 486
a;
superbibo ubertrincken, nahin- (
l. nachhin-)trincken, auff den vorigen trunck trincken, darauf trincken Frisius
dict. (1556) 1270; ein genannts trinken
bibere ad numerum Maaler 408
b;
bere insinue zugleich trincken Hulsius (1618) 2, 58
b; verschisz trinken
eine studentische sitte, bei der die füchse schlechtes schenkbier trinken muszten, angeblich vom frz. verchu trinken,
s. Vollmann
burschikoses wörterbuch (1846) 490: diese uralte burschicose sitte, verschisz zu trinken, hat sich auf den hochschulen bis heute erhalten, obschon die frühere, oft rohe und barbarische behandlungsart der füchse ... einer humaneren wich
ebda; verschisz trinken
heiszt auch, sich aus dem jamm (
d. i. verruf, bierverschisz)
herauspauken ebda; pro poena trinken
zur strafe, studentisch, seit dem 18.
jh., s. Kluge
studentenspr. 116; Krünitz 188, 101;
zeitschr. f. dtsche wortforsch. 4, 313; bescheid trinken,
wofür heute bescheid tun: mein tapfrer Taillefer! komm, trink mir bescheid! Uhland (1898) 1, 274. I@D@2@gg) die haut voll, auf die haut, aufs leder trinken: die haut voll trincken
explere sitim Maaler 408
a;
intemperantius haurire Aler (1727) 1919; einander zutrincken bey denen sauffbrüdern so viel heiszet als einander brav auf die haut trincken Marperger
küchen- u. kellerdict. (1716) 1205; allein da ihm ... immer ein pocal nach dem andern aufs leder getrunken wurde
zwey westphäl. Robinsons (1748) 43. I@D@2@hh) auf hofrecht, hofart trinken,
vgl.'nach hofrecht
more aulico, mit einem also umgehen, und sich doch vorbehalten, was man sonst mit ihm auszumachen hat' Frisch 1, 461
a: (
trincken) auff hofrecht Fischart
Gargantua 149
ndr.; auff hoffrecht trincken Zeiller
episteln (1648) 1,
summarium b 2
a (1, 196
erläutert: wann einer injurirt worden, so pflegt er den becher mit sonderlicher protestation anzunehmen, welches die Teutschen auff hoffrecht nennen, das ist, salva injuriarum actione); auff hofrecht trincken Moscherosch
Gumpelzhaimeri gymnasma de exercitiis academicorum (1652)
index (
s. 434:
sed plerumque bibunt litigantes, saufen auf hofrecht miteinander, salva injuriarum actione); auf hofart mit einem trinken
sine praejudicio honoris et juris sui compotori respondere aut propinare Stieler (1691) 58. I@D@2@ii) auf borg, an ein kerbholz, auf einen (hin) trinken: auf borg trincken
to drink upon credit Ludwig
teutschengl. 2033; trinkst du auf borgen, so machst du neue sorgen Wander 4, 1320; an ein kerbholz trinken
auf rechnung, sodasz die schuld nicht in des wirts beutel, nur ans kerbholz kommt, s. teil 5, 564; auf einen hin trinken
auf seine rechnung Fischer
schwäb. 2, 385; eps uf einen trinken
auf jemandes rechnung Martin-Lienhart
elsäss. 2, 761. I@D@2@jj) einen Bernhard, eine ürte, einen schlabutz, ein kleeblatt, einen kühsuff, einen katzentrunk, den murlepuff,
[] carlemorlepuff, die parlenke, einen guten stiefel, den garaus trinken: etlicher hat ein trunck gespart der kam und tranck ein Bernhart (
weinspruch, 15. jh.)
altdeutsche blätter 1, 413; se hin, trink ain guten Pernhart dasz dir kain geluck schad
fastnachtspiele 432
Keller (
wohl '
ein guter schluck'.
s. Bernhard war gewissermaszen patron der trinker, in einem gedicht d. 16.
jh. '
von s. Johans trunck'
heiszt es, dasz man mit ihm zu trinken anhebe und dasz die trinker dem guten s. Bernhard dienen mögen); das er mit einem luterischen munch ein orten getruncken hat in eim wirtszhaus Eberlin v. Günzburg 3, 179
ndr.; ey nüt dann guts, send, trinckend hie! trinckend redlich ein gutten schlabutz (
guten trunk) H. R. Manuel
weinspiel, v. 263
Odinga (
s.schlabutz
teil 9, 231); kleeblatt trinken
s. teil 5, 1062: wer mir dry kleblatt zuo her drinckt, vor fülle zuo der erden sinckt Thomas Murner
die mülle 34,
v. 1008
Albrecht; trincken ... hie diesz kleplatt zu sampt dem stil Fischart
Gargantua 148
ndr.; einen kühsuff trinken (
stehend)
ohne atem und in einem zug trinken, s. teil 5, 2583: trincken ... ein küsuff, das nicht sitzest nider, man heist dich sonst aufstehn wider
ebda; katzentrunck
wobei man dem, dem man zutrinkt, das getränk ins gesicht speit, s. teil 5, 302: trincken ... ein katzentrunck in eim funck
ebda; zu murlepuff, carlemorlepuff
s. teil 5, 2812
s. v. kurle,
teil 6, 2717
s. v. murle: da must jr ... trincken ... den murlepuff auff einer guff
ebda; da trunken sie carlemorlepuff, da soffen sie flores Chr. Weise
erznarren 150
ndr.; die parlenke (parlanke) trinken,
das wort ist unerklärt: die parlencke trinken, das ist einem eine grosze schale zuzutrincken, und wans schier ausse ist, das übrige in die augen und die schale ime auf den kopf, und davon musz keiner zornen Kanzow
pomm. chron. 270
Medem; wenn es noch lustiger zuging, wurde die parlanke getrunken Bennert
trinkkunst 59 (
mit beschreibung nach einer quelle v. j. 1616); einen guten stiefel trinken
wacker zechen Schrader
das trinken 88;
Meyers lex.6 19, 723
a,
über den ursprung der redensart aus dem älteren stiefelförmigen trinkgefäsz s. Wander 4, 850; den garaus trinken
ex trinken Borchardt-Wustmann (1925) 146,
der ausdruck ist ins französische gedrungen: boire carrous,
und ins englische: a deep carouse,
s. ebda. I@D@2@kk)
trinken wie. im vergleich mit tieren: wan du wilt leben lang und gsund, isz wie ein katz, trinck wie ein hund
Alemannia 5, 52;
ähnlich bei Petri
d. Teutschen weisheit (1604) O o 5
a; trincken wie ein kuh Junius
nomencl. (1567) 105; es soll einer trincken wie ein kuh, die hört auff, wenn sie den durst hat gelöscht Lehman
flor. pol. (1640) 779; trincken wie ein frosch
dem trincken gar ergeben sein Henisch 1260; er trinkt wie des papstes maulesel, den man zur vesper zur tränke reitet Wander 4, 1323; wie ein kameel
ebda; trinke wie die gans, aber frisz nicht wie die gans Körte
nr. 1743; drenken ewei èng onk (
unke)
wb. d. lux. ma. 71; trink wasser wie ein ochs und wein wie ein könig Lüpke
seemannsspr. 130; im märz muesz me trinke asz wie e meis, im april asz wie e geis, im mai asz wie e kueh, do wird eim s ganz johr dr wi nit thue
Alemannia 7, 230. —
im vergleich mit personen: trincken wie eine jungfer
bere da donzella cioè à ciantellini Kramer 2 (1702) 1143
c; '
nüpfen oder sippen' Ludwig
teutsch-engl. 2023; trinken können wie ein hatschier
ein redliches masz Schmeller-Fr. 1, 1171; er trinkt wie ein Deutscher Schrader
d. trinken 9; wie der fünfbouteillenmann, wie ein bürstenbinder, wie ein templer, wie ein zimmermann Wander 4, 1323; wie ein kapuziner
ebda 1325. —
vgl. noch: er trinkt wie ein mühlrad Wander 4, 1325; wie ein loch, wie ein schwamm
ebda 1323;
wb. d. lux. ma. 71. — etwas wie
[] wasser trinken
in menge und achtlos. wohl unter einflusz der stelle in der vulgata: qui bibit subsannationum quasi aquam wer ist ein solcher wie Hiob der da spötterey trincket wie wasser
Hiob 34, 7; ich ... trank ungerechtigkeit in mich wie wasser Jung-Stilling
sämtl. schr. (1835) 2, 71 (
zu Hiob 15, 16:
qui bibit quasi aquam iniquitatem); der ist nicht werth des weines, der ihn wie wasser trinkt Bodenstedt
Mirza-Schaffy 18128; ich trinke wein wie wasser, vom baden wird man nasser Wander 4, 1317. I@D@2@ll) trinken
mit einem abhängigen nebensatz: sie (
die bauern) trinken, dasz sie wischen von den benken uf di tische (
trinkspruch, 15. jh.) Hoffmann v. Fallersleben
in dulci jubilo 82; vast so well wir trincken, das hincken dy czungen, dy lungen (15.
jh.)
Alemannia 5, 260; sönd also trinken, das zwen den dritten nit kunden uff einen wagen bringen
weistümer 1, 357; und (
laszt uns) die pecher leren, scheuren und die krausen und trincken, das uns die packen pausen
fastnachtspiele 39
Keller; und laszt uns pald ein leikauf machen und dann trinken, das uns die kopf krachen 67; trinck das du bufellig werdest in der vernunfft (1500)
bei Zarncke
d. deutschen universitäten im mittelalter 97; so werden sye gut byer preuen und trincken, das sye speyen als dye sweyn
practica Eselberti Trinckgern (1509) a 5
a; so trünckens das sy werden lam
von s. Johans trunck 1
b; trinken, dasz die leber schwimmt Eiselein 604; bis der zapfen fliegt 654; bis die kuh einen batzen gilt Schrader
d. trinken 48. I@EE.
zusätze neben dem verb, die die wirkung des trinkens zum inhalt haben. vereinzelt mit verkürztem ausdruck: kranck lasz ich mich beduncken, ich fürcht, ich habs (
nämlich eine krankheit) getruncken H. Sachs 5, 126
Keller. I@E@11)
vornehmlich neben dem transitiven verb (
neben dem intrans. vb. s. u. f). I@E@1@aa) einen (guten) rausch trinken.
so bis ins 18.
jh.: so folget, dasz ein rausch trincken sünde sey
M. Friederich
saufteufel (1557) f 3
a; da ich mit i.
f. g. (
ihrer fürstl. gnaden) manchen guten rausch getrunken Hans von Schweinichen 3, 11
Büsching; die todten werden wieder lebendig, setzen sich zusammen und trincken einen guten rausch Gryphius
lustsp. 20
Palm; trinckt man reusche, sing ich da ein runda di nellula Voigtländer
oden u. lieder (1642) 4; sie haben gute räusche ... getruncken
beschr. d. edlen krauts nicotianae (1643) 16; ich trancke räusche, und schlieffe sie wieder aus
disc. d. mahlern (1721) 2, 12; man hat mich gestern abend allhier verführet, einen rausch zu trinken Schnabel
insel Felsenburg (1751) 1, 119.
später mit ethischem dativ sich einen rausch trinken,
wofür heute antrinken
gilt: darff ein doctor sich desz monats ein räuschlein trincken zu verhütung einer kranckheit Moscherosch
gesichte (1650) 2, 220; unterdessen will ich mir ein räuschgen trincken Chr. Weise
polit. redner (1691) 405; sich einen rausch trincken
poculis inebriari Steinbach
dtsch. wb. 2, 874; einen ducaten für jeden rausch ..., den er sich trinkt Rabener 3, 28; jetzt musz ich mich aber tummeln, sonst trinkt sich der damian wieder ein furchtbaren rausch Nestroy (1890) 1, 30; der rausch, den sich die jungen leute während ihrer glorreichen studentenzeit trinken Spielhagen 1, 119.
ähnlich sich einen haarbeutel, einen habemus trinken: den arzt holte man nicht gerne aus dem 'elephanten', weil man besorgte, dasz er sich dort einen haarbeutel getrunken habe und den kranken übel berathen werde Langbein 31, 137; der lammfellhusar wird sich einen haarbeutel trinken zum heiligen abend Holtei,
s. teil 4,
[] 2, 24
s. v. haarbeutel,
woselbst ein erklärungsversuch der redensart; weitere bei Schrader
das trinken 81
f. — ich wuszte nur noch, dasz ich mir einen tüchtigen habemus getrunken Gaudy
sämtl. werke (1844) 2, 110. I@E@1@bb) (sich) ein bett, ein kissen trinken
sich die nötige '
bettschwere'
antrinken: ich mus ja ein bette trincken, ich kan sonst nicht schlaffen, ich hab denn ein rausch
M. Friederich
saufteufel (1557) f 3
a; etliche wenden auch das für, als habe das sauffen den nutz, das mann wol darvon schlaffe; wie sie denn sprechen: ich mus mir ein bette trincken
ders., sendbrief an die vollen brüder (1557) a 4
a; mancher kan nicht schlaffen, er trinck ihm den erst ein küssen Petri
d. Teutschen weisheit (1604) 2, N n 5
a. I@E@1@cc)
verschiedene andere beispiele: und hüet euch vor dem neuen pier, daran trinkt man die scheiszen schier
fastnachtspiele 313
Keller; wie schmeckt dir nechtn der trübe wein? ich hett mirs ein guten kropf trunken H. Sachs,
s. teil 5, 2396
s. v. kropf; den 15. dito habe ich am Lübenischen bier die gicht getrunken H. v. Schweinichen 3, 297
Büsching; wenn man die kindschenck halten thut, so gibt es auch ein guten muth, ... sprich: ey ich musz dem kind fürwar trincken ein schönes krauses haar und lasz ein trunck herumer gahn, dasz einer hat zu heben dran
nasze bruderschaft (1621) c 2
a; ich habe auch einmahl gelesen ... von etlichen flüssen, aus welchen die thiere ihren haaren eine andre farb getrunken S. v. Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) 62; nichts besseres thut dann rote nasen trincket Fischart
Garg. 16
ndr.; nein, glückselger du marketender, der du bei einem vollen glase dir trinkst allmählig roth die nase Tieck (1828) 1, 342. I@E@1@dd) den tod trinken, sich den tod (an etwas) trinken,
in verschiedener bedeutung. sich zu tode saufen: eʒ trinkent tûsent ê den tôt dan einer sterbe in durstes nôt Freidank
bescheidenheit 94
W. Grimm; seither oft sprichwörtlich bis in die neuere zeit: es trincken tausent ehe den todt, denn einer stirbt in dursts noth
mehr ertrincken im becher denn im meer Bas. Faber
thesaurus (1587) 212
a;
vgl. Henisch 779; Binder 197; auch so trincket gar mancher guter gesel den tod daran (
am starken trank)
Eulenspiegel 31
ndr. —
durch getrunkenes gift sterben: ein starckgleubiger kan gifft trincken und schadet yhm nichts ... ein schwachgleubiger aber trüncke den tod daran Luther 23, 340
W.; er (
der trank) ist schon fertig, schurke, dir den tod daran zu trinken Pfranger
mönch v. Libanon (1782) 270; er glaubte, gott habe, um ihn zu strafen, dasselbe (
das getränk) wirklich in gift verwandelt, damit er zur strafe sich den tod daran trinken soll Gräsze
bierstudien 28. —
vereinzelt: da unten braust der wilde bach, führt reichen, frischen tod, die wogen rufen laut mir nach: 'komm, komm und trinke tod!' Lenau 9
Barthel. I@E@1@ee)
mit weiteren abstractis. verderben, verdamnis trinken: der herr sei mir genedig das ich nit tu dis ding, wird ich das blut diser man, die do gegangen sein, und das verderben der sele trinken
bibel v. j. 1483, 154
b (
2. könige 23, 17); alle disze essen und trincken yhr vordamnis Luther 8, 281
W. die stärke, die schöne trinken
ein vom mittelalter bis auf unsere tage reichender volksbrauch: an diesem tag (
st. Johannis, 27.
dezember) trincken die mann die sterck, die frawen aber die schön Bugenhagen (1532)
bei Luther 30, 2, 264
W.; in der fasten musz man ietzt die schöne trinken, dan die stärke (16.
jh.)
bei Fischer
schwäb. 2, 384; die schöne (hübsche) trinken
umtrunk der ledigen am [] pfingstmontag ebda; am 'Hanstag' (
Johannestag) trinkt man in Neuern und Silberberg die schöne A. John
sitte, brauch u. volksgl. im dtsch. Westböhmen 24. (sich) gesundheit, glück, gottheit, ein herz, humor, leben, lust, mut, leichten sinn, trost, vergessenheit
u. s. w. trinken: und jeder ritter trank ihn (
den wein) rein und trank sich gesundheit und frohen muth Blumauer
ged. (1782) 7; aus frisch gefülltem becher will sie glück und unheil trinken Geibel (1888) 7, 6; nicht aus meinem nektar hast du dir gottheit getrunken Schiller 11, 39
G.; es musz jhm offt einer ein hertz trincken Petri
d. Teutschen weisheit (1604) 2, C c 4
a; was soll die weibsche furchtsamkeit? auf bruder, trink und trink dir herze Lessing 1, 84
L.-M.; weil sie ... sich ein leichtes herz trinken wollten Tieck (1828) 1, 98; Dickson hatte sich schon früh einen anhaltenden humor getrunken Gutzkow (1872) 6, 368; und greise trinken das leben in ihm (
dem wein) J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 37; und trinket sich wonne, und trinket sich lust im langen verschlingenden zuge Blumauer
ged. (1782) 2; trinke muth des reinen lebens Göthe 1, 182
W.; laszt uns in die schenke gehen, und uns muth trinken Klinger (1809) 3, 196; in jahre 1841 trank ein badergeselle aus Lambach in Oberösterreich sich im wirtshause zu Riffian leichten sinn Beda Weber
Meran u. s. umgebungen (1845) 170; mit welcher inbrunst empfing sie die communion! sie asz und trank trost und beruhigung Hippel
lebensläufe (1778) 2, 103; so hat Pluto den sterblichen erlaubt, aus dem flusz Lethe vergessenheit ihrer sorgen zu trinken H. P. Sturz
schr. (1779) 1, 23; musz ich vergessenheit trinken einst am beschatteten quell E. Spann-Rheinsch
trutznachtigall (1919) 26. I@E@1@ff) satt trinken: du wirst ihn sat zu drincken gunnen aus deiner wollust süssen brunnen
bei Kehrein
kath. kirchenlied 3, 178; auszm kleinen brunn trinckt man auch sat Kirchhof
wendunmuth 1, 78
lit. ver.; ähnlich bei Petri
d. Teutschen weisheit (1604) 2, k 2
a.
s. unten 2
reflexives sich satt trinken. I@E@22)
neben dem reflexiven verb: Jakob Saufgurgel ... trinkt sich nicht blosz lustig, kühn, stark, sorgenfrei, grillenleer, sondern voll und toll, den kopf schwer, er trinkt sich von sinnen, trinkt sich zum tier, zum vieh Schrader
das trinken 96.
im folgenden typische anwendungen. I@E@2@aa) sich (an, bei etwas) satt trinken (
vgl. oben 1 f): isz und trinck dich sat
Eulenspiegel 100
ndr.; da er sich wol satt getruncken, undeuwet er Heyden
Plinius (1565)
vorr. 2
b; daruber verwundert sich die fraw so sehr, das Reinoldt desz weins so viell gedruncken hatt, meinet woll, es hetten sich woll zehn personen satt daran gedruncken
Heymonskinder 62
v. d. Älst.; bey kleinen brünnlein trinckt man sich auch satt Lehman
flor. pol. (1662) 3, 30; und geht soviel hinein (
in den becher), dasz sich zwey ordentlich satt trinken können Zelter
an Göthe 3, 133. sich (an, in etwas) trunken trinken: gott hat trunckenheit verbotten, darumb solt du dich nicht truncken trincken
M. Friederich
saufteufel (1557) g 4
a; welcher ... im jar einmal, zwey oder drey sich truncken trinckt Höniger
narrenschiff (1574) 223
b; die indianer ... können ausz dem brot, so von mays gebacken, wein machen, so nennen sie chicka, und trincken sich so truncken dreyn, als wann sie wein hätten ausz trauben gemacht Hulsius 7.
schiffahrt (1606) 125;
bildlich: (
er) macht seine grosen augen noch so grosz, und trinkt sich so an ihrer schönheit trunken Götz
ged. 34
ndr. [] sich voll, sich toll und voll (voll und knüll)
u. s. w. trinken: ir trincket euch so vol Arigo
decameron 572
lit. ver.; die reichen aszen und truncken sich voll und lieszen die armen mit schanden darbey hungerig stehen Bugenhagen
Braunschweig. kirchenordn. (1531) c 1; dann da ich mich tranck lauter vol H. R. Manuel
weinspiel, v. 2826
Odinga; de sick yn wyne drincken vull, werden gelick den deerten dull Husemann
spruchsamml., nr. 54
Weinkauff; die jumfern trincken sich offt plitz, platz, plötzlich voll Rachel
sat. ged. 136
ndr.; sobald er an land kam, trank er sich voll Frenssen
Hilligenlei (1905) 170; sich toll und voll trinken
Pierot, amerik. freibeuter (1742) 2, 58; auf dem reichstag zu Augsburg 1518 (
wurden) alle jene für ausländer gehalten, die sich nicht alltäglich toll und voll tranken Bauer
durst 302; drum wer da contrahiren will, der trinke sich erst voll und knüll
Felix Schnabels universitätsjahre 237
Bierbaum. I@E@2@bb) sich gesund, ungesund, fröhlich, alt, jung, klug, tot, weise
u. s. w. trinken: als 's müllers esel oder hund, die trinckend sich nimmer ungsund H. R. Manuel
weinspiel, v. 3271
Odinga; da hingegen andere sich damit (
mit wein) frölich und gesund trinken Balde
truck. trunckenheit (1658)
anh. 225; mit gutem altem Falerner dich frölich trinken Mastalier
ged. (1774) 125; ihr alten trinkt, euch jung und froh zu trinken ... der jüngling trinkt, sich alt und klug zu trinken Lessing 1, 68
L.-M.; der ritter ... trank sich mit seinem gaste heiter und froh Musäus
volksmährchen (1805) 4, 79; die ergötzung, sich empfindungslos zu trinken Kästner
verm. schr. 2, 52; und in dem hochzeitmoste trinkt ein schmetterling sich todt Brentano (1852) 2, 593; ik ky mî duid drenke Jensen
nordfries. 79; es trinkt sich niemand weise Wander 4, 1316. I@E@2@cc) sich zu tod trinken. '
ertrinken': vor Gotlieben an dem Rin da huob sich grosze not, da jagt man vil der Schwaben in, si trunkend sich ze tod (1499)
bei Liliencron
hist. volksl., nr. 204,
str. 14.
durch den übergenusz geistiger getränke den tod finden: er tranck sich bein dem alten Hans Hoffmann zum 'nassen künig' im branten wein zu tode S. Hüttel
chron. d. stadt Trautenau 49
Schlesinger; der zimmermann trinkt sich in palmweine zu todte Kästner
verm. schr. 2, 163; als Neubauer schon längst sich zu tode getrunken Riehl
kulturgesch. nov. (1856) 61.
ähnlich: sich selbst zu grunde essen und trinken Schultze
wein und trinkgelage 150; entweder trank man sich bis ins grab oder man kasteite sich Bauer
durst 324. I@E@2@dd) sich zum tier, zum könig, zum poeten, zum gott, zu jugend, zum theepott trinken: dasz sich ein hoher geist zum thiere trinken soll v. Cronegk
schr. (1766) 2, 122; warum nicht noch ein gläschen mehr? du hättest zum könig von Ägypten dich getrunken H. v. Kleist 1, 283
E. Schmidt; (
ists wahr) dasz hier ein stümper gleich sich zum poeten trinket Weichmann
poesie d. Niedersachsen 1, 223; (
sehen) wie der mann bei kerzenscheine sie (
Molly) zum brautgemache winkt und in meinem freudenweine sich zum frohsten gotte trinkt Bürger 44
b B.; trinkt sich das alter wieder zu jugend, so ist es wundervolle tugend Göthe 6, 204
W.; nd.: se drinkt sik nog tom theepott Berghaus
Sassen 1, 363; Schütze
holst. 1, 256.
[] I@E@33)
kausativ, '
trinken machen',
mit abhängigem nebensatz: es hat auch keiner den andern trunken, dasz er sig undern tisch gesunken Niclas Manuel 219
Bächtold. wie unter 2, einen krank, voll, trunken, ins stroh, unter die bank, unter den tisch, zu boden trinken: das jr mit üwerm wüsten suffen uwer wyb und kind schlahend z huffen, einer den andern trincket kranck H. R. Manuel
weinspiel, v. 3852
Odinga; wie man sich bemühte, den gast in der liebenswürdigsten zuvorkommenheit krank zu trinken, zeigt folgender bericht Bauer
durst 304; wan einer den andern trincket voll, der hat die sach auszgericht woll (1581) T. Moysz
miszbrauch d. weins 61
Oberbreyer; imbriacare voll oder truncken trincken Hulsius (1618) 2, 193
a; nachts trank er die wächter mit wein voll Gräter
v. Suhms gesch. der Dänen 1, 387;
deponere aliquem vino einen truncken und voll machen, einen ins strouw trincken Frisius
dict. (1556) 393
a; man schämet sich nicht einander zu trutzen, wer ... den andern unter die bank trincken möge Marperger
küchen- u. kellerdict. (1716) 1223; einen unter die bank trinken Rother
schles. sprichw. 103
b; (
er) hatte alle durchreisenden ... layen redlich unter den tisch getrunken Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 52; der trinkt dich unter den tisch Kotzebue
graf Benjowsky (1794) 27; mich trinkst du nicht unter den tisch Hauff (1890) 2, 304; zwar soff der kerl, als wie ein leu, doch trank er unsre klerisey eh, als sich selbst, zu boden Blumauer
ged. (1782) 197; wer in einer trinkgesellschaft alle zu boden trinkt Krünitz 188, 114; das (
trink-)reich war kein erbliches ... der fürst konnte vom thron getrunken werden Schultze
wein u. trinkgelage (1867) 175. I@FF.
das trinken als gesellschaftlicher oder brauchtümlicher vorgang bringt eine grosze zahl fester wendungen mit sich. einzelnes verwandtes s. schon unter D 2. I@F@11)
das gesundheittrinken; vgl. teil 4, 1, 2, 4330
f. s. v. gesundheit; 4346
s. v. gesundheittrinken.
mit verschiedenen konstruktionen. mit dem akkusativ: den gesund trinken (1598)
s. teil 4, 1, 2, 4330; heiszt das nicht gesundheit trinken Grob
dicht. versuchgabe (1678) 29; eine gesundheit trincken
bere alla sanità, salute, conservatione di uno Kramer 2 (1702) 1144
a; (
nach der rede) musten die anwesenden unter dem strohkrantze die gesundheit trinken
vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 240; gesundheit trinken ist ... ein sinnbild des lebens Hippel
lebensläufe (1778) 2, 424.
gern im plural: sie trinken gesundheiten
bei Creizenach
schausp. engl. comöd. 152; wann alle 24 gesundheiten nacheinander absonderlich hätten sollen getrunken werden Neumark
teutscher palmbaum (1668) 327; nun trank sie mit vielen cärimonien gesundheiten Miller
Siegwart (1777) 338; welche gesundheiten getrunken wurden — z. b. auf preszfreiheit, deutsche sprache Jean Paul
briefw. 268
Nerrlich. erweitert jemandes gesundheit trinken: die mutter und die töchter haben wohl zehnmahl des herrn seine gesundheit getruncken Chr. Reuter
ehrl. frau zu Plissine 24; er schämet sich, dasz er seines mädgens gesundheit trincken musz Chr. Weise
überflüss. gedanken 117
ndr.; Oppoccu trinkt des Noys gesundheit Herder 15, 142
S.; der königinn und der kirche gesundheit trincken Göthe IV 1, 34
W.; man setzte sich in die runde, sang und trank des grafen gesundheit Eichendorff (1864) 2, 7. in, zur,
vornehmlich und bis heute auf gesundheit jemandes trinken: weisz nicht, wie viel tonnen bier und weins ich ... in gesundheit der zukünfftigen frau ... getruncken hat Schupp
schr. (1663) 760; die Asiaten aber das erste (
glas) zur gesundheit ... zu trincken pflegten Lohenstein
s. teil 4, 1, 2, 4331; so hätten die alten zu
[] ehren der jhrigen, nicht aber auff deren gesund getruncken Zeiller
episteln (1656) 96; er ... ist lustig und trünkt auf ihre gesundheit Zesen
adriat. Rosemund 32
ndr.; wir wollen auf seine gesundheit trinken Babo
schausp. (1793) 12; hoffe, in Athen ... auf eure gesundheit zu trinken Moltke
schr. u. denkw. 4, 87. I@F@22) (auf) das wohlergehen, wohlsein, wohl jemandes trinken: dan ich trünk ihr wohlergähn bei der Amstel in dem reihen Zesen
adriat. Rosemund 26
ndr.; trincket auff das wohlergehen ihrer heyrath frisch umbher Simon Dach 716
Österley; so trinck mein wohlseyn in gedancken J. Chr. Günther
ged. (1735) 328; die braut trank das wohlsein ihres gatten Tieck (1828) 4, 411; ich trinke auf das wohlseyn der ganzen gegenwärtigen versammlung Schiller 13, 89
G.; ich trank und zwar — auf dein wohl Stoppe
Parnasz (1735) 341; wir tranken auf das wohl seiner (
des Schweizerlandes) biedern bewohner U. Hegner (1828) 2, 308; schade um den jungen mann, dasz er ein rebell ist gegen seine kaiserin, sonst könnte ich sein wohl trinken Moltke
schr. u. denkw. 1, 73. auf glück, auf guten ausgang
und, worauf man sonst anstöszt, trinken: do trinckhen sey denn ainsz auff glickh Thurneyszer
archidoxa (1569) x 1
a; die königin trinkt auf dein glück, mein Hamlet
Shakespeare 3, 356; auff der armen braut verlöbnisz trincket der schenck erst Petri
d. Teutschen weisheit (1604) 2, j 7
a; lassen sie uns auf glückliche vereinigung trinken Göthe 47, 335
W.; wir trinken eins auf guten ausgang Zach. Werner
d. kreuz an d. ostsee (1806) 122; ich trinke einmal auf den schrecken W. Raabe
d. hungerpastor (1864) 122;
auch jemandes verderben wird getrunken: trinken (
sie) Dorias untergang in meinen ziprischen weinen Schiller 3, 300
G.; sie klirren drinnen mit den gläsern und trinken die gesundheit seiner gattin und meinen tod Grabbe 1, 360
Blumenthal. I@F@33) auf bruderschaft
oder brüderschaft trinken: der herzog aus Kurland war ein gut geselle mit mir, mit welchem ich auf brüderschaft trank H. v. Schweinichen 3, 37
Büsching; auff bruderschafft trincken
jus fraternitatis, jus fraternum sancire, emere poculis Schönsleder
promptuarium (1647) j 2
b; Seneca bekenne, dasz der schlaff mit dem tode befreundet und der schlaff mit dem tode auf brüderschafft getruncken habe Abele
gerichtshändel (1654) 595; der sohn ... gieng hin zu einem, mit dem er kurtz zuvor auf brüderschafft getruncken Schupp
freund in d. not 5
ndr.; die fügung mit präpositionalem objekt wird abgelöst durch die mit akkusativobjekt: die brüderschaft ... trinken
facetiae facetiarum (1654) 110; bruderschafft mit einem trinken Kramer 2 (1702) 1144
a; verbietet nicht ... jeder hauptmann seinen gemeinen, mit andern leuten ... brüderschaft zu trinken J. Möser (1842) 1, 369; beim nachtische tranken Eifrasius und Gockel bruderschaft Brentano (1852) 5, 113; der vasall und der pascha ... tranken brüderschaft W. Raabe
Abu Telfan (1870) 2, 90;
vereinzelt mit ethischem dativ: man trank sich bruderschaft v. Wessenberg
an Isfordink-Kostnitz (1877) 1, 157.
ähnliche wendungen: in dem man alle freüntschafft drinckt so man früntlich uff kuntschafft bringt Schertlin
künstl. trincken (1538) d 3
b; bitte auch die herren, dasz sie mit wollen hinein gehen, eins auf schwägerschaft zu trinken
kunst über alle künste 47
Köhler; er trank schwägerschaft mit allen lohnkutschern Göthe 27, 61
W.; da dann einsten meine jüngste schwester die basenschafft mit ihr tranck (1709) Celander
d. verliebte student (1918) 58; in dem zustand ... hätte ich mit dem höllischen geiste kameradschaft getrunken Schiller 4, 75
G. [] I@F@44) auf (den) duz trinken: becher oder glasz, damit einer den andern ... zum bruder wählet ... (
oder) mit auff bruderschafft oder auff den dutz trincket (1616)
jus potandi 26
Oberbreyer; die brüderschafft oder aufn dutz trinken
facetiae facetiarum (1654) 110; trink du ... auf duz Tieck
d. junge tischlermeister (1836) 2, 222. I@F@55) schmollis trinken,
s. schmollis
teil 9, 1108.
ob schmolles
im folgenden beleg ein getränk ist? s. Kluge
studentenspr. 122: wenn schmolles oder brandtwein getrunken wird, soll sich keiner weigern 30 gläser auszustoszen
reisender avanturier (1749) 2, 57.
im üblichen sinne, '
bruderschaft trinken': trink du schmollis Tieck
d. j. tischlermeister (1836) 2, 222; begreift ihr jetzt, warum man schmollis trinket, und was das tiefe wort: fiducit! heiszt? E. v. Houwald (1859) 5, 601; schmollienten, die studenten, welche mit einander schmollis trinken Vollmann
burschik. wb. (1846) 413; und hab mit dem tode smollis getrunken Heine 1, 26
Elster. I@F@66)
mit verkürztem ausdruck jemandem trinken
ihm zur ehre, zum wohl u. s. w. trinken: weil aber die allermäszigste Griechen bey ihren mahlzeiten ein glas voll weins den Grazien, das andere der Venus ... zu trincken pflegten Lohenstein,
s. teil 4, 1, 2, 4331; der herzgeliebten trink ich diesz, sie lebe für und für I.
M. Miller
ged. (1783) 76; ich sprachs, und sah, dasz Teut dir einen becher trank Kretschmann
sämtl. werke (1784) 1, 128; trinkt dem helden Brentano (1852) 2, 38; es war ein gastmahl in Eger, da wurde dem künftigen könig von Böhmen getrunken W. Schäfer
dreizehn bücher d. dtsch. seele (1923) 267.
vereinzelt mit einem akkusativ der person: hier ist ein glasz, trinck deine liebste drinnen A. Tscherning
dtsch. getichte früling (1642) 360. I@F@77)
das minnetrinken. I@F@7@aa)
diese vorchristliche sitte des gedächtnistrunks für götter (
s. mythol.4 1, 48)
erfuhr in Deutschland christliche umformung: trenchet cher guole in gotes mine, in aller gotes helegen, mine sancte maria frau un deri huer mine
bibite in dei amore ... sancte marię mee ... et in ea uestra (
altdeutsche gespräche, 10.
jh.)
ahd. gl. 5, 520, 28
Steinmeyer-Sievers; der minnetrunk für tote, hier ironisch: 'nu trinken wir die minne und gelten sküneges wî
n. der junge voit der Hiunen der muoz der aller êrste sî
n.' dô sluoc daz kint Ortlieben Hagen der helt guot
Nibelungenlied 1897, 3. I@F@7@bb)
besonders wurde das minnetrinken geknüpft an den namen des hl. Johannes des evangelisten, der nach der legende vergifteten wein ohne schaden getrunken hatte. dem in seinem namen gesegneten wein wurde daher besondere kraft und wirkung zugeschrieben, er wurde, wie die folgenden belege zeigen, zu den verschiedensten gelegenheiten getrunken, ursprünglich wohl am tage des heiligen, dem 27.
dezember, dann beim aufbrechen vom zechen, bei abschieden jeder art, vor reisen, auch vor dem tod, vor einem kampf u. s. w. mit verschiedenen wendungen: s. Johanns minne, liebe, trunk, namen, segen trinken.
s. Johanns minne trinken: trinc sant Johannes minne ... daz wir vrœlich ze samen schiere komen müezen
bei Laszberg
liedersaal 2, 262; sant Johans minne diz ist, wer die drinket in diser frist der musz sälig werden in himel und uff der erden, an der sele und an dem libe (
ende d. 14. jh.)
bei Uhland
volksl., nr. 309, 12;
tole un san Zane trinckt sand Hanz minn
nomencl. venez.-todesco (1424) 104;
[] dâr sô drinke wir inne dy aller besten mynne, dy sunte Jurian drank dy al syn nôt vorwant
johannissegen, in den Münchener sitz.-ber. (1870) 18; herr wirt, nu haiszet uns einschenken, so woll wir mit sand Johanns minn trinken und uns dan heben unser strasz
fastnachtspiele 167
Keller; doch wollen wir vor (
vor dem aufbruch) sand Johanns minne trinken 860; er (
Petrus) sprach: wer trünckt sant Johans minn und thut es umb des glaubens gwinn da von kan er nit vol werden
von s. Johans trunck 2
b.
s. Johannsliebe, (vor)
s. Johanns
trunk, (in)
s. Johanns
namen trinken: und wen der faudt alsdan syn frag gethan und von dannen ryden will, sollen die hubener alsdan ime gutten win inschenken, sanct Johanns liebe zu drincken (1482)
weistümer 1, 562; in Ettlingenweier wird am Johannes- wie am st. Stephanstag von dem geweihten wein dem bürgermeister und den gemeinderäten zu kosten gegeben, wobei der priester spricht: 'trinket die liebe des h. Johannes' E. H. Meyer
bad. volksl. 490; ei nempt den wein und trinkt vor sant Johanns trunk, so geet es euch desterpas. da trunk er sant Johanns trunk und schid sich mit groszem traurn und schmertzen (2.
hälfte d. 15.
jh.)
städtechron. 11, 673 (
Nürnberg); (
die rechte mutter zu dem kind, das ihr die henker entreiszen wollen) ach saug noch eins zu guter letz und drink nun sanct Johannes drunk Baumgart
jud. Salomonis (1561) k 1
b; (
auf der hochzeit zu Kana) den (
wein) trancken sie frölich on peyn, bisz dasz sy von einander kamen. yder tranck sant Johannes namen (
weingrusz, 15. jh.)
altdeutsche blätter 1, 413; es trünckt offt ainer sant Johans nam das er wirt strauchens nimmer ann
von s. Johans trunck 2
b; das man offt trinckt in seinem nam 1
a; darauf bat er (
der sterbende fürst) im sant Johans namen zu trinken zu geben
Wilwolt von Schaumburg 57.
am häufigsten s. Johanns segen oder vor
s. Johanns segen
trinken: ein trunc man im (
vor dem kampf) dar truoc und tranc sant Jôhannes segen Hartmann von Aue
Erec 8652; Morolff sprach: 'wir wellen drincken sant Johans segen und wellent uns scheyden von dem heydenschen land
Salman und Morolt 3103; trinkt hin sant Johansen segen: der wein sei euch geschenkt von mir! des danktens im mit hertzen gir und schiden von enander do Heinrich von Wittenweiler
der ring 3612; sie sprach: gesell got müez dîn pflegen! trinc vor sant Johans segen!
bei Laszberg
liedersaal 2, 262; nach der mess, do gab er (
der papst) inn (
den rittern zum abschied) allen den segen und hiesz inn ze trinken geben st. Johanns segen usz ainem vast groszen kelch Richenthal
Constanz. concil 42; (
vor dem kampf) bettet ein ietlicher und trank sant Johannes segen (1497) Staub-Tobler
schweiz. id. 3, 31; und wenn man also gessen hatt, e man dann von dem tisch auffstadt trinck ain yeder vor sant Johans segen das er sein alzeit thüe pflegen
bei Weller
dichtg. d. 16. jh. 49; gab ihm zu guter nacht ze trinken st. Johanns segen Anshelm
Berner chron. 3, 416; an Johannes des evangelisten tag, dieweil er on schaden gifft tranck, trinckt man den Johanssegen, einen wein ob altar beschworn Fischart
binenkorb (1581) 150
a; ain groszer hauf doctores, magistri, studenten, priester und ander, die alle giengen (
vor der hinrichtung) in den spittl daselbst, alda dann der arm jung sollt fürgefiert werden und daselbst, wie gepreuchlich, sant Johanns segen drinken
Zimmer. chron. 2, 582
Barack; [] der papst Pelagius anfing dasz man segnen solt den weine an sanct Johannes tag alleine, dasz jedermann den segen tranck (16.
jh.)
Münchener sitz.-ber. (1862) 192; doch wolte ich zu guter letze
s. Johannis segen noch trincken Grimmelshausen 2, 374
Keller; in katholischen gegenden Deutschlands ist der brauch erhalten, z. b. bei hochzeiten in der Steiermark, s. Weinhold
altnord. leben (1856) 461; am 'Hanstag' trinkt man ... im Planer und Tepl-Weseritzer bezirk den Ghanessegen A. John
sitte, brauch u. volksgl. im dtsch. Westböhmen 24; will man am Johannistage noch eins trinken, so sagt man, 'das wird am (
auf den) Ghanessegen getrunken'
ebda 87;
ähnlich für den abschiedstrunk: nuch ans am Johannissegen trinkn Wenisch
nordwestböhm. 41. I@F@7@cc)
unter den heiligen, deren minne schon im mittelalter getrunken wurde, ragt die hl. Gertrud hervor, vgl. Zingerles
ausführungen über die Gertrudenminne (
Wiener sitz.-ber. v. j. 1862, 217
ff.)
und die dort beigebrachten lat. belege (
z. b. Ruodlieb 2, 162: vinum, Gertrudis amore haustum;
Peregrinus v. 335: ut potent sanctae Gertrutis amorem): lausz die jungen der liebe pflegen und trinck du (
alter) sand Johannes segen und sant Gertruden minn (1464)
bei Schmeller-Fr. 1, 1618;
vgl. im niederländischen: drinct van der hant myn sinte Gheerden minne ende vært wel
in Mones
anzeiger 1, 255. I@F@88) letze, valet, abschied trinken: letz trincken
coena vel potu valedicere, digressum poculis celebrare Schönsleder
prompt. (1647) K k 8
a; die letze trincken, valet trincken
bere per la ben' andata; congedarsi, licentiarsi dirsi adio in simil modo Kramer 2 (1702) 1144
a; das schöne valet trincken Marperger
küchen- u. kellerdict. (1716) 1216; ich will noch abschied trinken, eh ich reite Geibel (1893) 6, 82. I@F@99)
aus der rechtssprache flieszende wendungen. I@F@9@aa) frieden, vertrag trinken: frieden trinken
geschlossenen frieden oder das versprechen von frieden durch gemeinsamen trunk bestätigen Staub-Tobler
schweiz. id. 1, 1278; men heiszt e halbmäsige reichen und trinkt denn den fride wider mit enanderen (1712)
ebda; ist ein zweikampf vor zeugen ausgefochten, so wird im wirtshaus friede getrunken (1798)
ebda. vertrag trinken
sich vertragen Rother
schles. sprichw. 101
a; schüllt wi verdrag (
versöhnung) drinken? Mensing
schlesw.-holst. 1, 864. I@F@9@bb)
insbesondere den weinkauf, leikauf (
auch gleichkauf)
trinken einen gemeinsamen trunk zur bestätigung oder feier eines kauf- oder tauschgeschäftes, eines vertrags, eines verlöbnisses u. ä. halten, ein seit dem 13.
jh. belegter brauch, s. teil 14, 1, 944
ff. s. v. weinkauf
und die dort angegebene literatur; rechtsaltertümer4 1, 264,
woselbst über die sache und den germanischen umkreis mehr, vgl. noch die belege bei Schiller-Lübben 2, 705; 5, 728: itaque in hoc emptionis venditionis contractu reliquum est poculo confirmare eum, quod vocamus weinkauff vel leukauff trincken
bei Haltaus 1257; swelch man sinen koufschatz wil bezugen nach der stat recht, der muz haben sine likouflute, di den licouf getrunken haben (
anf. d. 14.
jh.)
Freiberger urkundenb. 3, 56; peitt, wir schullen des leitchauffz trincken (1424)
in Bayerns mundarten 2, 439; unde habin mit mir eynen elichin kouff getan unde habin dorobir lichkouff getrunckin
bei Haltaus 1257; dieselbin buwmeistere han macht eynen schulmeister uffzenemen unde auch zu myden ... post reversales datas a ludimagistro gebin sie eme sinen mydephennig. wan das alles gescheen ist, so geen sie dan zu eynem pherner ... dan drincken sie iren wynkouff
bei Haltaus 2059; doch so weinkauff getruncken ... wer, so dann der keuffer abtretten wölt, soll er den weinkauff verloren haben (1554)
ebda 2058; so weinkauf getruncken oder arra, das ist ein hafftpfenning auff den kauff gegeben wer (1567)
bei Fischer
schwäb. 6, 619; da ist kein handwerck nicht, da man nicht leidkauff trinckt Peter de Memel
lustige [] gesch. (1656) 396;
mundartlich: weinkaup drinken Bauer-Collitz 112
b; leinkauf trinka Rother
schles. sprichw. 100
b.
zu besonderen anderen anlässen: mir mussen auch (
anläszlich einer verleihung eines bergerbes) linckauf trincken zcu gedechtniszs (1482)
Freiberger urkundenbuch 1, 238; (
als) Velschenbergs und ander lüth mit ainander gegen sanct Roma gangen, und daselbsten den weinkhauff getrunkhen zue einer gedächtnusz (1487)
weistümer 1, 399;
als form eines gelübdes: dy burger lassen vorczeln Mich. Donner unde Ha. Clugen, darumbe daz sie mittenander getruncken haben lintgkauff, daz eyner den andern, wo er yn anqweme, irmorden welle (
anf. d. 15.
jh.)
Freiberger urkundenbuch 3, 205.
zur feier einer hochzeit: hat eyn lutherischer prediger ... eyner witfrauen ... dochter zu der ee genommen und den winkauf mit danzen und springen gedrunken (1526) W. Königstein
tagebuch 106; ob er, Bleidner (
ein kathol. geistlicher), uxoriert hab, weinkauff getrunken, und sich dreymal hab proclamirn lassen (1566) Amrhein
reformat.-gesch. mitteil. aus Würzburg 52.
bildlich, mit der geburt schon, durch Adams schuld, schlieszt der mensch den pakt mit dem tode, dasz er sterben soll, s. die belege in teil 14, 1, 948;
teil 6, 693
f.; teil 5, 317
f.; ferner die anmerk. z. ackermann aus Böhmen 289
ff. Burdach: wip man juncfrowen knaben getrunkin hant den winkouf Hugo von Langenstein
Martina 318
Keller; des libez tot ich meine dez groze unde cleine getrunken hant den winkouf 541; als balde ein mensche geboren wirt, als balde hat es den leikauf getrunken, das es sterben sol
d. ackermann aus Böhmen 45
B.; und mögen in (
dem tod) keyn weg entrynnen der wynkouff ist gedruncken schon wir mögen nit dem kouff abston S. Brant
narrenschiff 82
b Z.; hie schadts doch nit (
nicht zu schmähen), so hilfft es dort. warlich, der wynkouff ist getruncken Murner
schelmenzunft 55
ndr.; im Adam haben wir alle den weinkauf getrunken, diser kauf musz gelten, es ist da kein wendschatz (
loskauf), wir müssen sterben (1673) Staub-Tobler
schweiz. id. 3, 169;
sprichwörtlich: wir haben all des leickauffs getruncken Eyering
prov. cop. (1601) 3, 571; wir haben alle vom apffel gessen und desz gleichkauffs mit getruncken und müssen alle den weg der welt gehen Petri
d. Teutschen weisheit (1604) 1, g 8
b. I@F@1010)
mit erweiterter bedeutung von der abhaltung gewisser gesellschaftlicher veranstaltungen. die gilde trinken
den regelmäszigen gildeschmaus begehen: item wenner de gilde geholden und gedrunken wert, sall ein meister geven 6 fr.
die schragen der stadt Riga 429
Stieda-Mettig. — kindelbier trinken
den taufschmaus halten: in sines nabers hus, dar se kindelbeer drunken
bei Schiller-Lübben 2, 463. — lōvelbêr drinken
verlöbnisfest feiern Lasch-Borchling
mnd. hwb. 1, 1, 479. — den tröster trinken
das trauermahl nach dem begräbnis halten Vilmar
Kurhessen 417. I@GG. trinken
in typischen verbalen oder sonstigen selteneren konstruktionen. I@G@11)
mit einem zweiten verb. I@G@1@aa)
mit geben.
statt des gerundiums ist vom ahd. bis über das 16.
jh. hinaus der einfache infinitiv zu belegen, im ahd. wohl im anschlusz an das lat. dare bibere (
vgl. ähnlich: wîo Socrates kenôtet ward trinchen cicutam Notker
Boethius 19
Piper): tho quad iru der heilant: gib mir trinkan (
dicit ei Jhesus: da mihi bibere)
Tatian cap. 87, 2; biwaz kerost thu, guot mandaz ih thir geba trinkan
Christus u. d. Samariterin, v. 7; vort soillen alle underkeuffer an deme Ryne ind yre kneichte yeckligen unsen burgeren dryncken geyven alle de wyne, de sy veylle hetten (1407)
verfass. u. verw. Kölns 2, 153
Stein; Jhesus spricht zu ir, gib mir trincken ... wie bittestu von mir trincken, so du ein Jüde bist
Joh. 4, 7;
[] lang her die flesch im schanck daneben, ich musz meim vettern trincken geben Er. Alberus
fabeln 78
ndr.; potistris trinckhörnlein oder hörnlein, darinnen man den vögeln trincken gibt Zehner
nomencl. (1663) 456.
doch ebenfalls seit dem ahd. zu trinken geben: then ih imo thannegibu zi drinkanne Otfrid 2, 14, 40; dae sij unss gar guden wijn zo dryncken gaeven A. v. Harff
pilgerfahrt 50
Groote; besonders gern in medizinischen anweisungen: fürz twanch und eizze nim hauswurzsaf und lanchsaf (
lies lauchsaf), gib daz dem sichen ze trinchen (
etwa 14.
jh.)
ahd. gl. 4, 584, 29
St.-S.; schütt dorüber gutten gebranten wein, ... distillier es in balneo marie in eim wasser und gib im disz zu trincken Gersdorff
wundarzney (1517) 21
c; seud boley in weiszem wein, den gib ihr morgens nüchtern warm zu trincken Gäbelkover
artzneybuch (1595) 2, 3;
merkwürdig: das heiszt ihm (
dem gott) zu trincken geben, wann man schöne thaten verrichtet I. G. Schmidt
Ovid (1722) 299;
sprichwörtlich: er gibt dem frosch zu trincken
wie wasser inn Rhein tragen Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 48
a und öfter; ähnlich: ein unzeitig gutthat ist nit dancks werdt, als wann einer eim vollen will zu trincken geben
ebda 1, 99
a; einem kind zu trinken geben
es säugen s. oben A 5. I@G@1@bb) zu trinken bieten, reichen, tun: ich bot in allen nach einander zu trincken
bei v.
d. Hagen
minnesinger 3, 302; fröwli, nim miner rede war, bit mir bald ze trincken har
bei Mone
schausp. d. mittelalters 2, 209; der ein stand auf, bot ihm zu trinken A. v. Arnim 17, 137. wenn ihr so voll der gottheit seid, so reicht sie mir zu trinken Hölderlin 2, 103
L.; sie werden ihm zu trinken reichen Holtei
erz. schr. 3, 56.
friesisch: tu dringkən du
tränken Siebs
Helgoland 213. I@G@1@cc) trinken lassen: (
der ritter) erwischt sein pferd und spiesz, gab im die sporn, und liesz hiezwischen den Galaor trincken
Amadis 234; allwo sie die pferde trinken lieszen Happel
akad. roman (1690) 548.
redensarten: einen trinken lassen
ihm eine übertriebene rechnung machen, ihn in unkosten bringen, ihm den beutel schröpfen Schmeller-Fr. 1, 668;
ihm schaden zufügen Delling
bair. 135; er hat mich brav trinken lassen
er hat mir die zeche zu hoch gerechnet ebda; den salat trinken lassen
nach dem essen einen trunk tun Fischer
schwäb. 2, 386. I@G@1@dd)
einzelne seltenere konstruktionen. zu trinken wissen
wissen, wo etwas zu trinken ist: der schenck was nit gegenwürtig, aber ein kleines jungkfrewlin sprach zu ym: herr, ich weisz wol zu trincken ... und gieng darmit, do das verflucht, unselig getranck stonde
Tristrant (
prosa) 44. trinken nehmen, sitzen: hand ir etwann heymlichen schmertzen so schlahens yetzung von dem hertzen nemmen trincken disen wyn den gsegen eüch gott ins hertz hinyn
gesch. d. proph. Danielis (1545) h 1
b; gar mancher, wenn er trincken sitzt, dasz er davon wird recht erhitzt Moscherosch
Gumpelzhaimeri gymnasma (1652) 443. I@G@22)
reflexiver gebrauch ist nur vereinzelt, vgl. auch oben E 2: uf ein zeit da begab sich das Ulenspiegel mit seiner muter gieng in ein dorff uff die kirweiung und Ulenspiegel tranck sich das er truncken ward
Till Eulenspiegel 12
ndr.; in ostfränk. mundart zuweilen reflexiv sich trinken
s. Brenner-Hartmann
Bayerns mundarten 2, 326.
meist in unpersönlicher konstruktion: es schläft sich, iszt sich, trinkt sich und liebt sich auch wol an jedem orte gottes, wie am andern Göthe
in schr. d. Götheges. 16, 304; aus hohler hand trinkt sich der helle kühle trank wohl noch eins so gut Mörike 1, 221
Göschen. sich trinken lassen: der wein, so umb Franckfurt her wächst, sich auch sonsten wol trincken läst Marx Mangold
marckschiff (1596) b 4;
[] der wein läszt sich trinken
questo vino si lascia bere cioè è assai buono Kramer 2 (1702) 1143
c; aus dem brodtkorbe läszt sichs nicht trinken Strodtmann
id. Osnabr. 306. I@G@33)
partizipialkonstruktionen. I@G@3@aa)
das partiz. präs. mit passivem sinn. trinkende dinge, trinkende speise
getränke: und wer der acht siechtagen einen hat, den sol man kein essige noch trinkende dinge veil haben lassen
Baseler verordn. v. j. 1350
bei Proksch
gesch. d. venerischen krankheiten 1, 364; und wollen auch, dasz sie also bestellen, dasz in iren herrschafften und gebieten kein zoll noch glait fürbasz von niemand werde genommen, es sey von essenden oder trinkenden dingen, von kaufmannschafft oder was das sey (1366)
monumenta Zollerana 4, 107; (
der huren amt) dasz sie getreuwlich auff ihre herrn warten, sie nach notturft versehen ... lauffen, rennen, eynschencken, fütterung, essende und trinkende speisz zu holen L. Fronsperger
kriegsb. (1578) 1, t 2
b.
vgl.saufendez dinch (Megenberg), fahrende habe
u. s. w. I@G@3@bb)
das einfache oder durch ein objekt erweiterte partizipium prät. steht für einen nebensatz: zu vil wyn getruncken manchen ist ein verderbnusz der seel sonder list
bei Bächtold
schweiz. schausp. d. 16. jh. 3, 44; die (
wasser) getruncken nützlich sein söllen Casp. Hedio
chron. Germ. (1530) a 5
b; das bulver in weyn getruncken gibt ursach der empfengknusz Forer
Gesners thierbuch (1563) 72
a; getruncken ists (
polei) gut fürn kalten flusz Lonicerus
kreuterbuch (1564) 191
a; der jungen lämlin lippe getruncken ist gut wider allerley gifft Sebiz
feldbau (1579) 142; das blut des stier wirdt so hart, dasz es getruncken tödliches gifft ist Wirsung
artzneybuch (1588) 653
a; zu vil getruncken ist tödtlich gifft Henisch (1616) 1588; von dieser wurzel getrunken, zerbricht den lendenstein und heilet die geschwühre der därmer Zedler
univ.-lex. 1, 1223. IIII.
übertragener und uneigentlicher gebrauch. II@AA.
mit persönlichem subjekt. II@A@11)
mit übertragung auf das einschlürfen des tabakrauchs tabak trinken. die wendung ist in vielen europäischen und auszereuropäischen, bes. asiatischen sprachen belegt und wird im ausgehenden 16.
jh. zugleich mit der sitte des tabakrauchens aus dem europäischen westen, aus Holland, England (1593: in drinking his tabacco well)
ins deutsche (
frühester beleg Hamburg 1595)
aufgenommen. vgl. die untersuchungen über die räumliche verbreitung der wendung und ihre antike überlieferung in Kuhns zeitschr. 52, 302; 54, 48
und 158
f.; 55, 138
ff. neben tabak trinken
ist auch tabak saufen
üblich, s. teil 8, 1880
s. v. saufen
und teil 11, 1, 2
s. v. tabak.
in der zweiten hälfte des 17.
jh. kommen tabak rauchen, tabak schmauchen (
s. teil 8, 244; 9, 953)
auf und verdrängen das gemeiner werdende tabak trinken
allmählich. z. b. verbot i. j. 1696
das tabakskollegium in Breslau, das tabakschmauchen oder -rauchen als tabaksaufen
oder -trinken
zu bezeichnen, s. Freytag
bilder aus d. dtsch. verg. 2, 218
Bühler; Campe (1807) '
im niedrigen scherz für tabakrauchen'.
aber noch das ganze 18.
jh. bleibt tabak trinken
der behördliche ausdruck in tirolischen weistümern, z. b. 2, 2; 2, 31.
oberdeutsche mundarten haben es z. t. bis heute bewahrt, s. Stalder
schweiz. 1, 304; Fischer
schwäb. 2, 386; Schöpf
tirol. 757; Lexer
kärnt. 71; Schmeller-Fr. 1, 667 (e pfeifferl trinkhn): so schall sick ock nemandt undernehmen, up der morgenspracke toback tho brucken, vel weniger tho drincken (1595) Rüdiger
d. ältest. hamb. zunftrollen u. brüderschaftsstatuten 312; niemand soll sich unterstehen, taback zu trinken (
Riga 1640)
bei Gutzeit
Livl. 3, 2, 1; die bauern ... trinken auch tobak bey einer lunten Rist
friedejauchz. Teutschland (1653) 78; ubi cavetur, das bey zehen thaler straffe weder ... taback getruncken oder auszer denen apotheken verkauft werden solle (1653) Besold
thes. pract. (1697) 2, 830
a; sehen wir nicht, dasz Deutschen ietzt gerne trincken rauchtaback? Logau 271
lit. ver.; [] wann er tabak zu trinken hatte Balde
truck. trunckenheit (1658) 56; etliche ... trincken toback miteinander Andersen
orient. reisebeschr. (1669) 52; wein, bier und daback trincken Abele
künstl. unordn. (1670) 3, 30; solte Clotho ihrer schaar in dem grabe noch vergönnen, was sie bei der lebensfrist niemals haben meiden können, ach so trünke mein Lysander in dem grabe noch tabak J. Grob
dicht. versuchgabe (1678) 97; und ziehet man alsdann den rauch in den mund. solches nennet man taback trincken Lauremberg
bericht vom taback (1678) a 1
b; hembden ... welche wir über den leib wurffen und in solchem habit toback zu trinken anfingen Joh. Beer
narrenspital (1681) 76; von welcher zeit (
dem 30
jähr. krieg) sich die gewonheit taback zu trincken dermaszen ausgebreitet Grimmelshausen (1684) 3, 96; wer zahnschmerzen, catharr (
hat) ... der solle von disem pipentoback zu zeiten trincken
koch- u. artzneybuch (1686) 148; dasz ich wider allergnädigste landsgsatz fremden tabac trincken thet Schwabe
tintenfäszel (1745) 30. rauch trinken, eine pfeife trinken: ein paar frischer brüder auch, die nicht länger können schweigen, als man trinckt ein pfeiflein rauch Rist
Parnasz (1652) 779; dann also pflagen die Römer ... durch einen triechter ... den rauch zu trinken Balde
truckne trunckenheit (1658)
anh. 196; ein weib, das sich gewöhnet, rauch zu trinken, wie wird sie ihren mann vor den leuten stinckend und ruszicht machen
ebda 34; hernach habe er zu Cölbe ein pfeiff tubac getruncken (1659)
bei Vilmar 416; ich besorge, du hast darinnen (
in den Niederlanden) den rauch des tobacks zu trincken gelernet Abele
künstl. unordn. (1670) 2, 140; wie denn das tobacktrincken gewiszlich sehr unter die geistlichen kömmet und es beschönen, sie thäten es der flüsz halben, deswegen sie ... des tages etliche pfeifgen trincken
exemplarischer priester (1690) 111. schnupftabak trinken
schnupfen: wann ihnen derselbige (
staub) nur ein wenig in die nasen käme, niesen sie darvon, als wie einer der ein schnupftawak getruncken hätte Grimmelshausen
traumgeschicht (1660) 22. II@A@22)
küsse trinken: blind und liebestrunken und kühn und bange wuchs er mit seinen trinkenden lippen an ihre an Jean Paul 7/10, 385
Hempel; wenn Irmas lippen Yngurds küsse trinken Müllner
dram. werke (1828) 3, 99; wenn in selger rosenstunde ich der küsse honigschaum trinke von der süszen munde Max Schneckenburger
deutsche lieder (1870) 56;
weitergebildet: wenn mein herz an dem seinen glühte und ich mit bebenden lippen seine grosze seele in mich trank Göthe 11, 145
W.; neues, wärmeres, glühenderes leben will ich von seinen lippen trinken 11, 173. II@A@33)
luft trinken sie einatmen: (
länder) deren lüfte vor ihm kein fremder getrunken Giseke
poet. werke (1707) 32; also trink ich die reinere luft Klopstock
oden 2, 100
M.-P.; komm, Selima, lasz uns im offnen felde die lieblichkeit der frylingslyfte trinken Wieland I 1, 411
akad. ausg.; lasz mich in vollen, in durstigen zügen trinken die freie, die himmlische luft Schiller 12, 487
G.; Minna schlürfte mit dem mund, als ob sie die luft trinken wollte Castelli (1844) 10, 108; deine geöffneten lippen tranken die feuchte erquickende luft Storm (1899) 4, 5; sie (
die luft) ist köstlich zu trinken H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 3.
uneigentlich: es trank die brust in zügen mild und tief lust jener liebe, die im himmel schlief. Jos. Weinheber
adel u. untergang (1934) 76.
mit besonderem ton die gleiche luft mit jem. trinken
u. ä.: sie fürchtet sich, mit mir dieselbe luft zu trinken Hebbel (1891) 1, 129;
[] wer mit gemsen eine luft getrunken, athmet nicht behaglich bei den unken Lenau
neue ged. (1838) 316; (
sobald) du nicht mit uns die gleiche luft mehr trinkst, bricht unsre hoffnung ein Stefan George
d. neue reich 91. jemandes atem, düfte, gerüche trinken, nebel, weihrauch trinken: ihren athem zu trinken Lenz 1, 321
Tieck; lasz mich wieder deinen lieben athem trinken Göthe 11, 155
W.; ich wagte nicht des athems leisen wellenzug zu trinken Th. Körner 3, 135
Hempel. dasz selbst der krämer die gerüche athmender trinkt Klopstock
oden 1, 118
M.-P.; trink trunken der blumen süszberauschende düfte Arent-Conradi-Henckell
mod. dichterchar. 3. ihr schüler der natur ... die wolken, die ihr trinkt, sind schwer von reif und strahl A. v. Haller 22
Hirzel; ich habe dabei gewonnen, dasz ich drei tage lang den stinkenden nebel auf der strasze nicht zu trinken ... brauchte Börne (1829) 13, 91; jetzt da alles treibt und schwillt, will ich ... keinen weihrauch trinken, am wenigsten den einer totenmesse C.
F. Meyer
novellen (1904) 2, 273. II@A@44) trinken
übertragen auf das schauen des auges. II@A@4@aa) sie trank die züge deiner werthen hand in sich Gerstenberg 242
nat. lit.; wann darf ich, wann die blätter öffnen? wann die heilgen züge mit andacht schauen, küssen, in mich trinken Göthe 11, 325
W.; ach, mit welchem geize trank ich alle reize Eschenburg
beispielsamml. (1788) 4, 80.
besonders oft von licht und lichtstrahlen: schon mit der morgenröthe wach, sieht er sie (
die sonne) kommen, trinkt ihren ersten strahl Pfranger
mönch v. Libanon 150; könnt ich ... trinken das süsze licht der sonne da, wo es zum erstenmahle meine blicke begrüszt maler Müller (1811) 1, 352.
subjekt ist das auge: meine eröffneten augen trinken das wenige licht der dämmerung mit geizigen zügen
M. Crugot
der christ in d. einsamk. (1771) 47; o welch gesicht! mein lied! wie könntest du es sagen, was dieses auge trank vom weltumwandelnden wagen Schiller 1, 219
G.; du, mutter, sahst mein auge trinken des irdschen tages erstes licht Uhland (1898) 1, 94; trinkt, o augen, was die wimper hält, von dem goldnen überflusz der welt G. Keller (1889) 9, 43; gierig trinkt sein auge das liebe, holde grün Allmers
marschenbuch 112. II@A@4@bb)
wie oben unter E
mit einer ergänzung hinsichtlich der wirkung: er die gift der liebe mit seinen augen trancke Arigo
dec. 113
lit. ver.; trink, o jüngling, heilges glücke taglang aus der liebsten blicke Göthe 1, 48
W.; ich trank aus ihren blicken eine seltne wonne Heinse 2, 337
Sch.; du schaust und trinkst im schaun vergessenheit Geibel (1888) 2, 125. sich voll, satt trinken: sein auge trinkt sich voll von sprühndem golde Mörike 1, 140
Göschen; nur meine augen tranken sich satt an all der schönheit Storm (1899) 3, 246;
eigenartig: ihr lechzendes aug in mein auge sich trank Arent-Conradi-Henckell
mod. dichtercharakt. 252. II@A@4@cc)
über das blosz sehliche hinaus von umfassenderem empfangen: trinke du sonnenlicht! und verachte, was nicht dringt in das innerste leben Lavater
poesieen (1781) 1, 1;
[] so hört ein wandrer einsam in einem dicken walde fürchterliche donner über seinem haupt herabrollen; und so trinkt er den sonnenschein nach dem ungewitter Heinse 3, 125
Sch.; jetzt sind wir sonnenhungrig wie eidechsen ... jeder tut nichts anderes mehr, als dasz er die sonne trinkt Dwinger
zw. weisz und rot (1930) 476.
geradezu umschreibend für '
leben': also würget der feind in wehrlose schaaren der bürger, die mit gebogenem knie nicht können die wohltat erflehen, länger das licht des tages, das würmern gegönnt wird, zu trinken Lenz
ged. 24
Weinhold; wie viele tausende leben, trinken dein licht und harren auf dich, o mein gott! maler Müller (1811) 1, 6. II@A@55)
übertragung auf das hören des ohres: schaaren trinken, im dichten drang, mit horcherohr, zu neuer einsicht, all die belehrung, wovon du triefest Klopstock
oden 2, 35
M.-P.; ich sehe die rauschende harfe! — durstig trink ich mit ohr und blick ihren ton Kretschmann
sämtl. werke (1784) 5, 15; bis wo der Newa nymfe, von reif umhüllt, den letzten hauch germanischer sprache trinkt v. Stägemann
kriegsgesänge (1813) 24; sie reihn sich um den mann im kreis, und trinken seine süszen lieder G. Schwab
ged. (1838) 193; (
er) liesz seinen bogen sinken und trank mit durstigem ohre Holtei
erz. schr. 11, 311.
subjekt ist das ohr: begieriger ... trinkt das ohr des haufens, schulter an schulter gedrängt, das lied von den schlachten Herder 27, 182
S.; sein ohr trank gierig die sanften töne aus ihrem munde Musäus
volksm. 1, 10
Hempel; mein ohr trank keine hundert worte noch von diesen lippen; doch es kennt den ton
Shakespeare 1, 54; in deines vaters halle, wo mein ohr zuerst den zauber deiner stimme trank Geibel (1893) 7, 30. II@A@66)
uneigentlicher gebrauch wie '
aufnehmen, zu sich nehmen, empfangen, genieszen'
u. ä.; zusätze verraten gelegentlich die sinnliche herkunft: wir trinkend nach unserm vermögen die evangelisch leer us dem waren brunnen Zwingli
dtsche schr. (1828) 1, 38; aus vollen bechern sollst du warheit trinken Immermann 12, 97
Boxberger; mein herz wuszte, was ihm mangelte, und ging zu dem rechten borne, gesundheit zu trinken A. Stifter 20, 181; ich habe einen tiefen zug waldeinsamkeit getrunken Auerbach
dorfgesch. (1884) 3, 19.
ganz abgezogen: dû getranchtost in mit dînero gothêite. pe diû nemahta er trinchen die bitteri dero sundon. diê siê nâh Adâme alle getrunchun Notker 2, 63
Piper; das ist die ewigin wisheit, di der son uz des vadirs herzin getrunkin hait
paradisus anime intelligentis 22
Strauch; die ir eigen lob trinckend, das ist, die als vil nach irem eignen ruom und flattieren stellend Frisius (1556) 144
a s. v. auris;
aus der neueren sprache eine kleine auswahl: geschöpf, das bald äthersche freuden trinket, und bald, zu schwer, zum thier herunter sinket Zachariä (1772) 2, 190; trinke heitern geist der wahrheit Arndt 5, 25
R.-M.; wo ich wallte, trank ich göttlichkeit Hölderlin 1, 96
Litzmann; (
der geist, der) sich muthig in die wolken schwingt und klarheit aus der sonne trinkt Gotter (1787) 1, 403; wie er ins liebe ärmlein sinkt, neue lebenstag und kräfte trinkt Göthe 16, 128
W.; und trank des kampfes lust mit den gefährten, fern auf der lauten waffenebne Trojas Freiligrath (1870) 5, 184; meine seele trinkt wonne von allen vier winden her U. Bräker (1789) 2, 149.
verstärkt, in sich trinken: trink sînen geist in dich Berthold von Regensburg 105
Kling; er (
Sickingen) ha den Luter gantz in sich getruncken
[] Hutten 2, 61
Böcking; trinck in dich dye liebe gottes Keisersberg
bilgerschafft (1512) 53
a; hat unsre seele nur einmal entsetzen genug in sich getrunken Schiller 3, 438
G.; trinkst du die fülle des lebens in dich Mörike 1, 205
Göschen; (
der dichter von seinem werk) ich schaue und höre es trinkend in mich Jos. Weinheber
adel u. untergang (1934) 103. II@BB.
mit unpersönlichem subjekt. vom aufnehmen, einsaugen einer flüssigkeit. II@B@11)
von dem boden: wann die erd die do dick trinckt den kumenden regen auff sy und sy gebirt zimlichen wuocher
erste deutsche bibel 2, 252; (
so viel) das sand am meer wasser trinckt oder an sich zeücht Frisius (1556) 144
a s. v. auris; wie die lechzende erde ... den fruchtbaren gewitterregen trinkt Bettine
briefw. mit einem kinde 3, 37; viel tropfen trank die erde Rückert (1867) 1, 161.
tränen: und der zuvor so angenehme rasen trinkt meine thränen Heinse 3, 408
Schüdd.; wie vom thaue überfüllet eine blume niedersinkt, und ihr haupt im staub verhüllet, der nun ihre thränen trinkt Brentano (1852) 3, 369.
blut: das stuck erde, welches disz theure königsblut in sich getrunken S. v. Birken
ostl. lorbeerhäyn (1657) 127; ganze tausende fielen zerstreut auf dem gefilde, und die erde trank mit begierde das blut ihrer grimmigen feinde A. v. Haller
Alfred, könig d. Angelsachsen (1773) 13; das schwert vertilgte alle, und die erde trank ungern ihrer enkelsöhne blut Schiller 15, 1, 34
G.; ein kalter schauer ergriff mich bey erblickung des revolutionsplatzes, der das blut so vieler märtyrer getrunken hat Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 76; führt ihn hinweg, und laszt sein blut, das erste, gleich des vaterlandes dürren boden trinken! H. v. Kleist 2, 431
E. Schm.; verflucht der falsche boden, der das blut der eignen kinder trinkt! Eichendorff (1864) 4, 590. II@B@22)
von der pflanzenwelt: du lagst auf seinem schosze, wie eine trinkende alpenblume an der rinnenden wolke Jean Paul 1, 42
Hempel; wie ein myrthenreis im töpfchen, das an einer quelle trinkt Brentano (1852) 2, 218; die blume trank des himmels leise zähre Lenau 20
Barthel; im morgenwinde sah ich blumen wanken und sah, wie sie den thau der goldnen frühe ... mit leisem mund begierig in sich tranken Hebbel I 6, 326; dein laub, es durstet und es trinkt, schwarzschattende kastanie C.
F. Meyer 2, 13
Knaur-ausg.; die halme tranken sich im tau wieder frisch O. Ludwig (1891) 2, 288; nur Martin ... sasz auf der im wasser trinkenden weide Peter Dörfler
d. lampe d. töricht. jungfr. (1930) 160; feucht und warm soll der erdgrund sein, dann trinken die würzlein doppelt so warm H. Watzlik
d. pfarrer v. Dornloh (1930) 92;
weitergreifend: millionen gewächse trinken von den vier elementen der natur Schiller 4, 55
G.; (
gott) des lebensfülle jede neue knospe trinkt Becker
mildh. liederbuch 58. II@B@33)
ähnlich von verschiedenen anderen stoffen: Plinius spricht, das ir marck gar guot sey ausz den süchtigen oren wasser ziehen, darin gesteckt. wann natürlich trinckt und zeyhet es in sich wasser
Petr. de Crescentiis ackerbau (1531) 116
a; die leber gibt allen gelidern feucht (
feuchtigkeit) zu trinken Ortolff von Bayrland
artzneybuch (1479) 3
a;
[] doch lange währt' es nicht, bis ihre kleider, die sich schwer getrunken, das arme kind von ihren melodien hinunterzogen in den schlammgen tod
Shakespeare 3, 319.
von der bloszen benetzung mit etwas flüssigem: (
die) nur allzuschwarze trauerdinte zu trinken genotsachte feder S. v. Birken
ostländ. lorbeerhäyn (1657) 5
a; dornen trinken ihr blut, das blut einer göttin Ramler
schön. wissensch. (1758) 1, 358; (
die hand im weihbrunnen) doch siehe, sie trinkt und badet, gewöhnt an gnade, geheimnis und wunder in deinem allgiebigen haus Heinr. Suso Waldeck
d. milde stunde (1933) 85.
von hohlen dingen: er sah ihn (
den becher) stürzen, trinken und sinken tief ins meer Göthe 1, 171
W.; ein schiffer rettet sein schiff, wenn es in den abgrund sinkt und schon die fluth mit tausend lippen trinkt Heinse 2, 189
Schüdd.; ich glaube, dasz ein schiff versinkt, wenn es zuviel gewäszer trinkt Lenau 3, 181
Cotta; mit merkwürdiger umkehrung im mittelniederdeutschen drinken in
sich einsaugen in: dat water drinket in ênen swamp Lasch-Borchling
mnd. hwb. 1, 1, 479. II@B@44)
von der aufnahme einer flüssigen menge in eine andere, meist gröszere. hüttenmännisch, von geschmolzenen metallen: capellen (
gefäsze) ... in welchen das silber oder gold, dasz das pley in sich trinckt, geleutert wird Ph. Bech
Agricolas bergwerckbuch (1621) 190.
vom einmünden eines flusses in den anderen oder in das meer: nachdem die Theisze diesen flusz eingetruncken, sihet man sie ... von so vielen starcken trincken berauschet in die Donau taumeln S. v. Birken
Donaustrand (1684) 91; etwas weiter hinab trinckt sie (
die Donau) zween flüsse
ebda 13; das meer trinkt süsze ströme, und dennoch bleibt es bitter Herder 27, 29
S.; gegen den aufgang ström ich (
Donau), der freiheit, der musen gefilde lass ich hinter mir lang, eh der Euxin mich noch trinkt Schiller 11, 156
G.; wo diesen flusz (
Don) das meer aus sieben strömen trinke Ayrenhoff (1814) 5, 101.
vgl. noch: die woge trinkt den thränenthau, den klaren A. v. Droste-Hülshoff (1879) 2, 241;
mit schönem bild: die welle sprüht, und staunt zurück und weichet, und schwillt bergan, sich immer selbst zu trinken Göthe 2, 3
W. II@B@55)
im athmosphärischen bereich: als nun die flammen fiehlen wider ... löschten sie ausz die brunst mit wein, gossen denselben bald darein, der dampff die feuchte an sich tranck, so auff der heiszen glut versanck Spreng
Äneis 111
b; wie die junge sonne den thau von der rose in sich trinkt Klinger
theater (1815) 2, 353; o wollte gott, wie ihn (
den tau) der sonnenstrahl, auch meine lebensmüde seele trinken G. Herwegh
ged. eines lebendigen (1841) 101;
anders, in einem dichterischen bild: weiche nebel trinken rings die thürmende ferne Göthe 1, 78
W. II@B@66)
entsinnlicht (
vgl. oben II A 4 c);
vornehmlich dichterisch: und jenen (
wein), alt als ich, der einst auf Tarzals hügeln die morgensonne trank Ramler
lyr. ged. (1772) 83; (
langsam) tritt er (
der stern) vor ihr (
der sonne) antliz, und trinkt die äuszersten strahlen Klopstock
Messias (1775) 162; wo der born des lichtes quillt, die gestirne strahlen trinken Fr. Kind
ged. (1817) 1, 266; trinkt der mond das licht der sonne dann erhellt er unsre nacht Jung-Stilling (1835) 2, 478;
[] die sonne, funken sprühend im versinken, gibt noch einmal der erde glut zu trinken Eichendorff (1864) 1, 611; (
ein see) dessen wasser die bläue des himmels trinkt Fr. Thiesz
d. verdammten (1930) 498. IIIIII.
entlegenere bedeutungen. III@11)
tränken: potionare drincken (15.
jh., md. und nd.) Diefenbach 450
b;
adaquare wettern (
wässern), drinckin (15.
jh., md.)
ebda 12
a; seine pferd zu drienkhen (1698) Fischer
schwäb. 2, 317;
mit der schwachen, von tränken
beeinfluszten form: Hannchen ging zwischen den gartenbeeten ab und trinckte blumen Langbein (1836) 11, 159.
hierher wohl auch der folgende reflexive beleg: nü koment sie in ain lant da man zu mal vand kain waszer, daz sich möcht trinken mensch noch fich (
ende d. 14. jh.)
d. grosze Alexander, v. 3520
Guth. III@22)
ertrinken: in dessem (
roten) mere dar drank Pharao ynne myt alle zynem volke (
mitte d. 15.
jh.)
bei Schiller-Lübben 1, 576; nach dem sprichwort ist es gangen, was an galgen gehört, der trinkt in keinen (
l. keinem) wasser (1617) maister Frantz Schmidt
all sein richten 80
Keller.