mal,
n. signum; vices. goth. mêl
im sing. καιρός,
der plur. mêla
aber auch γραφή und γράμματα; ahd. mâl
gewöhnlich in temporaler bedeutung, in zusammensetzungen zeigt sich auch die des zeichens und fleckens (lîchmâl
signum in corpore, anamâli
nota, stigma, cicatrix, macula Graff 2, 715,
vgl.anmal oben th. 1, 405),
beide bedeutungen behält das mhd. mâl
bei; alts. mâl,
zeichnung, bild, im compositum hôbid-mâl,
mnd. mnl. mâl, mael
punkt, zeichen und zeitpunkt; ags. mæl
in demselben sinne, im engl. mole
nur muttermal, fleck; fries. mêl, mâl,
zeit; altn. mâl
zeit, masz; schwed. ml,
dän. maal,
ziel, zweck, masz. die so verschieden entfaltete bedeutung des wortes scheint, wenn man das goth. ahd. alts. und das folgende verbum malen,
goth. mêljan
pingere erwägt, auf der sinnlichen vorstellung des färbens erwachsen, als urverwandt wird anzusehen sein sanskr. mala-
schmutz, lehm, griech. μέλας schwarz, μολύνω beflecke, bemale, litt. molis
lehm, lett. mâls
lehm, melu
werde schwarz, kslav. mělŭ
kreide; die Germania 9, 189
versuchte zusammenstellung von mâl,
goth. mêl
mit lat. macula wäre sonach nicht richtig. aus dem begriffe des färbens und des gegebenen zeichens durch eine farbe (
z. b. am herdevieh)
entfaltete sich der allgemeinere des kenn-, denk-, erinnerungszeichens, theilweise auch der des maszes und des zieles, der von der vorstellung des messenden und bezeichnenden striches ausgeht, und endlich, allen germanischen sprachen gemeinsam, der des zeittheiles oder zeitpunktes, wobei man wiederum an die uralte zeitmessung durch streifen oder striche des sonnenschattens zu denken hat. die bedeutungen des fleckes, zeichens und zeitpunktes sind dem nhd. voll erhalten geblieben; von mahl
gericht, essen (
oben sp. 1452)
und von dem unten folgenden meil
flecken musz es ganz gesondert bleiben. die schreibung, früher zwischen maal, mahl
und mal
schwankend, hat sich jetzt zu gunsten der letzteren geregelt. der plural ist mäler
und male (
älter mal)
für die beiden ersten, nur male
für die letzte bedeutung. 11) mal,
fleck. 1@aa)
als ein angeborenes oder natürliches, verschieden gefärbtes zeichen am körper eines menschen (
vgl.muttermal),
wofür früher mehr anmal (
s. d.)
galt: mael under den augen am antlitz,
lentigo, nevus. voc. inc. theut. n 3
a;
lentigo mirel i. mael, swarz male under augen am antlitz. Dief. 324
a; habet maculum, dictum mal, super oculo uno. Schiller-Lübben
mnd. wb. 3, 10
b (
v. j. 1322); ein mahl am leibe,
naevus corporis Steinbach 2, 12;
naevulus, kleines mahl, flecklein Kirsch
cornuc.; es ist kein so schön gesicht, es hat ein mal,
nulla est tam pulchra facies, in qua naevus non reperiatur. Stieler 1216; ihren rücken und das mal darauf, das sie von ihrer seligen mutter erbte. H. v. Kleist
Käthchen v. Heilbronn 1, 1; kein maal unter der linken brust, kein eingebranntes oder eingeätztes zeichen am rechten arme. Immermann
Münchh. 1, 66; auf der linken brust ein mal! fünf punkte, wie die purpurtropfen im kelch der primel.
Shakesp. Cymbelin 2, 2, on her left breast a mole cinque-spotted, like the crimson drops i' the bottom of a cowslip. 1@bb)
zeichen einer krankheit oder verletzung am menschlichen körper (
vgl.nägelmal, wundenmal): daʒ getwerc werete ir (
der jungfrau) den wec, .. daʒ eʒ sî mit der geisel sluoc, die eʒ in der hant truoc, über houpt und über hende, ze sîner missewende, daʒ sî mâl dâ von gewan.
Erec 58; wenn ein mal des aussatzes am menschen sein wird, den sol man zum priester bringen.
3 Mos. 13, 9; wird aber an der glatzen oder da er kalh ist, ein weis oder rötlicht mal, so ist im der aussatz an der glatze oder am kalhkopf aufgangen. 42; jr solt kein mal umb eins todten willen an ewrem leibe reiszen, noch buchstaben an euch pfetzen. 19, 28; jr solt euch nicht mal stechen, noch kalh scheren über den augen, uber einem todten.
5 Mos. 14, 1; der teufel rürt im ain backen an, da ward im ein schwarz mal daran. Pauli 83; die wurzel auf die blauen mäler, darunder das blut zusammengeloffen ist, gelegt, zertheilet dasselbe. Tabernaem. 1138; vertreibet die blaue mäler, welche vom schlagen oder stoszen kommen. 1320; maszen dann an des verstorbnen leib einiges mahl oder kennzeichen einer angethanen gewaltthätigkeit nicht zu finden. Abele
gerichtsh. 2, 29; kniff blaue mäler in meinen arm. Gerstenberg
Ugolino s. 7; die rosen dieich mein allhie, sind deine mal und plagen, die dir am endin deine händ am kreuze sind geschlagen. P. Gerhard 43, 6
Gödeke; die mal (
Christi) an händ und füszen. 143, 41; o Magdale, hatt er auch mahle seiner wunden? Klopstock 5, 242; ich weisz nicht, ob ich mahle der wunden sah. 243; seh ich ihm in den händen nicht die mahle der nägel, und leg ich in diese mahle meine finger ihm nicht, und nicht in des lebenden seite meine hand; so glaub ich es nicht! 6, 52; ein kleiner schmeichelnder druck von seiner nervigen faust, wenn er die augen rollte und seinen Korydon recht zärtlich spielen wollte, liesz immer ein blaues mahl auf einer weiszen hand. Wieland 4, 199 (
n. Amadis 9, 4); (
wärst du) lahm, albern, bucklicht, miszgeboren schwarz, mit ekelhaften mälern ganz bedeckt.
Shakesp. könig Johann 3, 1, patch'd with foul moles;
von dem dem verbrecher eingebrannten schandzeichen oder schandfleck: mahl,
nota, mahlzeichen, brandmahl. Schottel 1360; den frevlern, sich der wüthrichslust und schmach bewuszt, glüht nun ein maal an stirn und brust, sichs wohlbewuszt, ihr brandmaal glüht an stirn und brust! Stolberg 2, 318;
daran anknüpfend eine formel des abscheus: sihe, wohin du kömpst, du toller Luther, pfu dein mal
an. Luther 3, 463
b; pfu dein mal an, du schendlicher unglaube. 5, 469
b;
bildlich, vom makel der seele: maal, für schandmaal, schandflecken,
vitium, depravatae mentis habitus, cum cedit affectibus et a ratione deflectit, labes, labecula Frisch 1, 629
c;
und von solchem der gesellschaftlichen stellung: hie mögen hurnkinder ehelich werden, alle unehre und schand hie zu wirden komen, aller böser taddel und mal hie zu ritter geschlagen und edel wird. Luther 1, 297
a;
von einem fehler in einem geschriebenen buche: mael im buche,
menda, i. macula in libro. voc. inc. theut. n 3
a. 22) mal,
künstlich erstelltes merkzeichen. 2@aa)
grenzzeichen: dasz beide gerichte, uff dem berge und thale allhier zu Halle, sollen nach ihren alten mahlen und grenzen, wie vor alters gewest, gescheiden sein und bleiben. Haltaus 1298 (
v. j. 1499); in reinen, steinen und mahlen es richtig halten. Lennep
landsidelr. 2, 61 (
v. j. 1655);
mnd. de opgemelten beiden dorper .. wo se in eren grenzen undt malen liggen. Schiller-Lübben 3, 10
b; welcher böszlicher und geferlicher weisz ein untermarkung, reinung, mahl, oder markstein verrückt, abhauwet, abthut oder verändert.
Carolina art. 114. 2@bb)
dieses mal
formelhaft mit ziel
verbunden: besagtes pfarrguth in stein und rein, ziehlen und mahlen halten. Lennep
lands. 2, 83 (
v. j. 1715); in ziehlen und mahlen halten.
ebenda; und die formel bedeutet auszerhalb dieser juristischen verwendung den grenzpunkt eines strebens, einer bemühung: die zwei letzten gebot gehören nicht in die beicht, sondern sind ziel und mal gesetzt, da wir hinkomen sollen. Luther 1, 322
a; es gülte niemand nichts, er kündte denn den Luther urteilen, der Luther ist das mal und ziel des widersprechens, an dem mus sich jederman versuchen, ob er möcht ritter werden, und das kleinot gewinnen. 3, 142
a; in summa allem ist sein mahl und ziel bestimmet. Opitz 2, 106;
bei wett- oder kampfspielen: die schnecke und der haase haben einsmahl unterredung mit einander gepflogen, wer einander im gehen, und das ziel zu erreichen, überlegen. sie .. setzen das mahl und ziel an einen berg.
Lokmans fab. 21; hat ihn im ringen überwunden und über dem maal oder ziel mit zwei fingern gezogen. Walter
dithmars. chronik (1683) 57. 2@cc) mal
bezeichnet nun auch allein einen zielpunkt: meta, ein mal Alb.; nichts deste weniger ist uns ein mal gelegt, da wir hin erbeiten sollen. Luther 1, 72
b; mal,
meta, scopus, terminus Stieler 1216; ein mal stecken,
sive machen,
designare metam, nach dem mal zielen,
collineare ad scopum. ebenda; das mal treffen,
ferire, attingere scopum. 1217;
wie mhd.: die alsô kunnen schieʒen, enlâʒen sich des niht verdrieʒen sie enrâmen zuo dem mâle. entreffen sie niht alle zît, sie treffent aber zuo dem mâle swenne in got das glücke gît, daʒ in eben gêt ir strâle. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 3726
Weinhold; bildlich, in bezug auf das streben eines menschen: ein frischer heldenmuht ist über alle schätze, ist über allen neid. er selbst ist sein gesetze, sein mahl, sein sold, sein preisz. Fleming 109;
in verdunkelter bedeutung, bei bretspielen, ist mal
die stelle, wo die steine vorm schlagen sicher sind, beim puffspiele spielt man vom hause oder mahl.
natürl. zauberbuch (
Nürnberg 1762)
s. 301; auf dasz ich wieder frische steine vom mahl auszuspielen kriege. 304;
redensart fusz bei mal halten,
von einem erlangten festen punkte nicht weichen: die vom Alcibiades ihnen ertheilte antwort, dasz sie fus bei maal halten, und den feinden nichts einräumen möchten. Heilmann
Thuc. 1140. 2@dd) mal
merkzeichen auf gewerblichen erzeugnissen: mhd. mâl der lînwât (
obrigkeitlicher stempel). Lexer
wb. 1, 2014;
und sonst beim weber: ist man mit dem zetteln fertig, so wird das gerispe unterbunden und dabei ein jeder gang besonders abgetheilt, damit sich nichts verwirren kann; sodann werden mit aufgelöstem grünspan am letzten gang male gemacht, damit der weber das gehörige masz wieder bringe. Göthe 23, 59; mal auf dem messer,
est signum et nota, quibus cultri, gladii et alia instrumenta ferrea a fabris ferrariis insigniuntur. Stieler 1216;
an dieses messermal
knüpft sich das spiel mal oder unmal
an: messermalen,
est ludus puerorum, dictus mal oder unmal,
cum nimirum jactu cultri certant, an cauteriatum latus quis pro victoria eligere velit, an latus alterum, quod nota caret. Stieler
ebenda; signum non signum (
ludus) mael c. unmael Dief. 533
b; sie loszten mit dem messer allezeit zwei und zwei, mahl und unmahl. Chr. Weise
lustredner 137. mal
merkzeichen auf geisteserzeugnisse übertragen: gesetzt es wäre möglich ein epigramm aus dem Martiale nach der alten elle wieder herzumessen, so deutlich, dasz ein ieder deutscher leser es mit leichter müe verstet, ja nicht einmal die male der übersetzung daran inne wirt. Reiske
Thucyd. vorrede. 2@ee) mal,
merkzeichen, denkzeichen in allgemeinerem sinne: auch war das haupt der gräszlichen Gorgone drauf zu sehn, des ungeheuers, welches vater Zeus zum mahl des scheuels und entsetzens schuf. Bürger 167
a (
Il. 5, 742
Διὸς τέρας αἰγιόχοιο); wo du den vogt getroffen mit deinem sichern strahl, dort steht ein bethaus offen, dem strafgericht ein mal. Uhland
ged. 396. mal,
auf den obersächsischen schiffen auf der Elbe, zeichen, die der steuermann stecken läszt, wo in der Elbe ein gefährlicher ort ist. Frisch 1, 634
b; wann das schiff vor solchen mählern vorbei ist, so zieht sie ein andrer schiffknecht wider aus, welchen sie den mahl-heber heiszen.
ebenda; mal
im forstwesen: mahlax, .. eine kleine axt oder ein beil, auf dessen der schneide entgegengesetzter seite, ein zeichen oder mahl eingegraben ist, womit die förster bei der anweisung der bäume im walde diejenigen bäume zeichnen oder mahlen, welche gefället werden sollen. Jacobsson 3, 5
a. 2@ff)
besonders das zu irgend einem andenken eigens errichtete zeichen (
vergl.denkmal 1,
th. 2, 941): und Jacob stund des morgens früe auf, und nam den stein, den er zu seinen heubten gelegt hatte, und richtet jn auf zu einem mal.
1 Mos. 28, 18; Jacob aber richtet ein steinern mal auf an dem ort, da er mit jm geredt hatte. 35, 14; und Jacob richtet ein mal auf uber jrem grab, dasselb ist das grabmal Rahel bis auf diesen tag. 20; und die, so im lande umbher gehen, und etwa eines menschen bein sehen, werden da bei ein mal aufrichten.
Hes. 39, 15; ihr edleren, ach es bewächst eure maale schon ernstes moos! Klopstock 1, 191; aus dem hain Thuiskons entflieh kein sanftes silbergetön hin zum parischen maal, das keiner besucht, und das bald in den staub sinkt der gebeine. 215; von ältern maalen, als sie aus erzte gieszt der künstler. 2, 55; des maales ewigkeit, das er sich zu dem verdientesten ruhme gesetzt hat. 56; feyert die helden! marmor und erzt sei der helden ewiges mal! 76; ihrem theuren Philipp setzte sie von marmelstein ein maal. Stolberg 1, 249; Hermes führe mich später, Cestius mahl vorbei, leise zum Orkus hinab. Göthe 1, 270; bisz dasz der vollendete kegel, auf sich selber gestürzt, den künftigen menschen ein mal sei. 40, 360; wohl wird mancher daher die blaue woge durchschneiden, schauen das herrliche mal und zu den ruderern sprechen: hier liegt keineswegs der Achaier geringster bestattet, denen zurück den weg der Moiren strenge versagt hat; denn nicht wenige trugen den thürmenden hügel zusammen. 363; bei jenen gräbern, wo meiner ahnherrn alte male sind. Schiller
Phädra 5, 1;
von einem litterarischen denkmal: kind des himmlischen genius, glühendes, thatenlechzendes herz! reizet dich das mal meines räubers?
hist.-krit. ausg. 1, 302 (
monument Moors des räubers);
von überbleibseln, als zeugen der vorwelt (
vergl.denkmal 4,
th. 2, 942): da enget das thal der fels überragend, auf dem das einzige maal der urjahrhunderte Deutschlands der pfadverlierende wanderer sieht. Klopstock 1, 260 (
die Rosstrappe); (
ich) war, bei den maalen der geschichte wandelnd, den Franken gefolgt. 2, 140; thränen .. die einsam ich an den malen geweint der vorzeit! Voss 3, 33; ein eigner wald! voll von verschwiegnen gründen! drin hob sich dunkel mal und runenstein! Freiligrath
dicht. 2, 179. 33) mal,
zeitpunkt, bestimmter zeittheil, in welchem ein ereignis eintritt; in dieser bedeutung ist mal,
wie meist schon ahd. mhd., nur in festen verbindungen gebräuchlich, wobei in der neueren sprache das wort mehr und mehr adverbial gefaszt und mit dem vorhergehenden näheren bestimmungsworte zusammengeschoben wird. 3@aa)
in den accusativverbindungen ein mal, kein mal, jedes mal, das mal, dies mal (
vgl. hierzu die zusammenrückungen einmal, keinmal, jedesmal, dasmal, diesmal,
wo zum theil auch die nicht zusammen gerückten formeln belegt sind): und wie dem menschen ist gesetzt, ein mal zu sterben, .. also ist Christus ein mal geopfert.
Hebr. 9, 27. 28; ein einziger knabe, den ich Pylades nennen will, verliesz nur ein einzigmal, von den andern aufgehetzt, meine partei. Göthe 24, 76 (
vgl. auch einzigmal
th. 3, 358); der Deutsche .. wuszte mit battiren und legiren seinen gegner ein über das andre mal zu entwaffnen. 232; einmal ist keinmal. dies ist das erlogenste und schlimmste unter allen sprichwörtern .... man kann meistens mit wahrheit sagen: einmal ist zehnmal, und hundert- und tausendmal. Hebel 2, 5; (
dennoch) fand sie kurzweil manches mal mir zu brüten sorg und schmerzen. Stolberg 1, 189; (
er) wuszte, die noth habe, selten doch manchesmahl, eignes gebot. 305 (
vgl. manchmal); und die alt betretnen stege rühren neu mich jedes mal. Uhland
ged. 55;
auch noch in freieren verbindungen: verzeih ihm nur noch dies eine mal; dieses einzige mal wenigstens must du das sehen; und warum soll ich ihm dies éine mal nicht trauen, da ichs stets gethan? Schiller
Wallensteins tod 2, 3;
in rechenformeln: ein mal zwei; zwei mal zwei ist vier; das erste mal, das zweite, andre mal (
vgl. dazu auch andermal
th. 1, 310, erstemal
th. 3, 1010
und 1001, letztemal
oben sp. 823
und 815), das zehnte mal, das letzte mal
u. ähnl.: auf ein andermal hiervon! Lessing 2, 77; es war das erste und letzte mal, dasz sie mir diese gunst erwies. Göthe 24, 331; ist denn dies unser erstes mal, dasz wir betrübet werden? P. Gerhard 23, 8
Gödeke; im plural ist mal
nur seltner noch flectiert: er kam noch einige male, dann blieb er weg; éin mal geht das, mehrere male aber nicht; und ihren namen, gnädigster prinz! hört ich verschiedene male. Schiller
don Carlos (prosabearbeitung) 4, 1; derweile stechen sie mich zwanzigmale todt. Göthe 13, 26;
gewöhnlich unflectiert, auch hierdurch die neigung für adverbiale stellung verratend: Gelanor sah ihn etliche mahl genau
an. Chr. Weise
erzn. 175
Braune; von stunden verkert sie jr farb, darnach vor groszem leide starb, als auch sunst ist viel mal geschehen. H. Sachs
fastn. sp. 1, 8, 271
Götze; dein bild, geliebte, schwebete tausend mahl in liebeschimmer hell um die scheitel mir. Stolberg 1, 331; für ein mal: für ein mal mag es hingehen; für ein und allemal, einmal für allemal: keine komplimente, ein- für allemahl! Wieland 6, 178; indem er sich ein- für allemahl erklärte. 7, 318; sein erstes muszte sein. sich der verdächtigsten groszen zu versichern, um der faction für ein und alle mal ihre häupter .. zu entreiszen. Schiller 857
a; ich sag euch mit dem schönen kind gehts ein- für allemal nicht geschwind. Göthe 12, 136;
vgl. auch allemal
th. 1, 218. 3@bb)
genitivverbindungen, in der ältern sprache viel beliebter als später, des mals, desselben mals,
auf die vergangenheit weisend: das er freilich nimer mehr thun kan, was er des mals nicht gethan hat. Luther 4, 24
a; das er blieb tot desselben mals.
Teuerdank 92, 60;
wie mhd.: ouch het Helêne ir bestiu cleit des mâles an ir lîp geleit.
troj. krieg 23025; eines males,
semel: Isidorus spricht, daʒ daʒ tier neur ains mâls geper. Megenberg 157, 5;
auch auf eine unbestimmte vergangenheit hinzeigend: ein diep eis mâls geslichen kan (
kam) ze einem hû
s. Boner
edelst. 27, 1;
vgl. dazu die zusammenrückungen abermals (
neben abermal), damals (
neben damal
und damalen), desmals (
unter damals
th. 2, 701), diesmals (
neben diesmal
und diesmalen), dortmals, einsmals, einstmals, erstmals, ehmals, jemals, jetztmals (
neben jetztmal), mehrmals, nachmals, niemals, nochmals, oftmals, vormals;
der gen. plur. steht in der mal eins (
für der male eins): dem teufel, wenn er der mal eins kompt, und uns anklaget. Luther 7, 25
a;
vergl. dazu dermaleins, dermaleinst
th. 2, 1018. 3@cc)
in dativen fügungen mit mal
sind untergang der casusform und adverbiale verbindungen seltener: und lachten sein zum dicker mal.
Bocc. (1535) 15
b; seid zu tausendmal gegrüst. Schuppius 690; das signal, das die provinzen mit einmal zu den waffen ruft. Göthe 8, 223;
vgl. dazu zusammenrückungen wie dickermal (
th. 2, 1080), jemalen, niemalen, nachmalen, oftermalen, zumal
u. a. oben genannte; gewöhnlicher rettet hier mal
seinen substantiven charakter; im singularen dativ: zu dem mal
auf einen vergangenen zeitpunkt weisend, einstmals (
wie schon ahd. dannan gestilleta ze demo male diu muohî. Notker
ps. 105,
bei Hattemer 2, 385
b); zuo dem mal hatt der würt nit sunders gest im hausz. Wickram
rollw. 102, 18
Kurz; den kleinen catechismum, davon du zu dem mal sagtest. Luther
br. 5, 787;
in Düringen auch von dem male
seit einem gewissen zeitpunkt, seitdem: von dem male an konnte ich ihn nicht mehr leiden;
vgl. md. von dem mâle sich ouch vleiʒ mit inniclîchir andâcht heiʒ der selbe brûdir vurbaʒ mê zu gotis dînste denne ê. Jeroschin 4769; zu diesem male,
diesmal: dasz wir zu diesem mal keiner brillen aufstecken dürfen. Ayrer
proc. 1, 11; so ist nicht von nöhten, dasz ihr zu diesem mahl länger wartet. 2, 9; so soll es ihm zu diesem mahl auch nicht fehlen.
ebenda; zu einem mal,
auf einmal, plötzlich: dasz er als ein einziger erbe .. zu einem mahl herr und meister über seiner eltern verlassenschaft ward.
Simpl. 2, 161
Kurz; zum näheren mal,
wiederholt: dann jr zum neheren mal im essen sprachen zum edelmann .. der baur ist mir nichts mer schuldig. Wickram
rollw. 22, 22
Kurz; mit bestimmten oder unbestimmten zahlwörtern: zum andern mal gieng er aber hin.
Matth. 26, 42; und betet zum dritten mal. 44; denn das er gestorben ist, das ist er der sünde gestorben, zu einem mal (
ἐφάπαξ).
Röm. 6, 10; wo ich hin reit an (
ohne) satl und pfert, bin ich den wirten gar unwert, porgt mir von keim mal zw dem andern. H. Sachs
fastn. sp. 2, 8, 237; und thäte das zum dritten mal. P. Gerhard 31, 46
Gödeke; (
Maria) ists, welcher Jesu Christ am ersten mal (
zuerst) erschienen ist am heilgen ostertage. 56, 167; mein Seladon gefällt aufs erste mahl; beim zweiten pocht schon was im reizenden oval ... beim dritten wird sie oft zerstreut. Wieland 10, 233; benutze diese stunden; zum erst- und letztenmal sind sie vielleicht gefunden! Göthe 7, 57; man erfährt zum erstenmal warum man ohren hat. 47, 177; und der könig zum dritten mal wieder fragt. Schiller
taucher; im plural: ich grüsze ihn zu tausend malen. Schuppius 256; in den 298 malen, dasz er seine vorlesungen .. wiederholte. Möser
patr. phant. 1, 189; du thuost auch jetzt, wie zu vil malen; dir ist auch wol mit zank und hader. H. Sachs
fastn. sp. 2, 95, 82; er bat dich auch zu aller malen, dasz du jhm solt das gelt her spinen. Fischart
nachtrab 1532; nun sie (
die Schweden) sich zur ruh gegeben und von unsrem dennoch leben, musz man doch bei vielen malen höher noch die ruh bezahlen. Logau 2, 97, 98; o sieh mich an, noch einmahl — würd ich nicht mit meinem blut solch einen blick bezahlen? noch einmahl, noch zu tausend mahlen! Wieland 17, 319 (
Idris 5, 118); ihren namen, prinz, hört ich zu öftern malen. Schiller
don Carlos 4, 4; zu dreien mahlen hab ich sie gesehn zu Rheims auf unsrer könige stuhle sitzen.
jungfr. v. Orleans, prolog, 2.
auftr.; der marschall ruft zu wiederholten malen: herr prinz von Homburg! H. v. Kleist
prinz Friedr. v. Homburg 5, 5; er weisz noch kaum das einmaleins auswendig, vergiszt den monatstag zu öftern malen. Uhland
ged. 456; der führer jetzo liesz zu dreien malen durch die gebüsche seinen jagdruf tönen. Freiligrath
dicht. 1, 179. 3@dd) mal auf mal,
einmal über das andere: ich soll meinen G. sehen, rief er mal über mal. Hippel 1, 366; dasz sein hochgefühl .. mal auf mal in feuersbrünste von begeisterung ausbricht. 10, 92. 3@ee)
in traulicher, kindlicher, niederer rede steht mal
wie einmal,
und wird aus dem letzteren geradezu verkürzt sein (
vergl. th. 3, 234,
nr. 10);
wie einmal
A, 1,
semel: es kompt im jar nur mal dazu. Fischart
nachtrab 1007;
wie einmal
B, 1
th. 3, 233
fg., auf eine unbestimmte vergangenheit weisend: ich habe mal einen sterbenden hund gesehen, der in seinen todesqualen mich fast menschlich ansah. H. Heine 2, 122; es war mal ein kaiser; der kaiser war kurrig. auch war mal ein abt, ein gar stattlicher herr. Bürger 66
a;
auf zukunft, voraussichtliches, möglichkeit weisend (einmal
B, 2): ich glaube, wenn mal die thaler vom himmel herunter regneten, so bekäme ich davon nur löcher in den kopf. H. Heine 1, 27; dasz sie ein unschuldigen auch, wann er jn mal gerath in dhänd, nicht lassen gehn vor seinem end. Fischart
nachtrab 2981; wenn ich mal ungeduldig werde, denk ich an die geduld der erde. Göthe 2, 306;
wie einmal
B, 3
in imperativen sätzen: und rathen sie mai warum? Wieland
in Mercks briefs. 1, 107; nun stellen sie sich mal vor. 108; du faxenmacher! lasz dich mahl recht beschauen. Fr. Müller 1, 317; komm mal heraus, bist mir eine hand voll! Klinger
Otto 17, 14; nicht mal,
wie nicht einmal
ne quidem (
th. 3, 234,
nr. 7): doch schaut! mir armen grenadier sind leider! die drei finger hier bei Torgau weggehauen, und kan nun drüber, dasz ich musz so müszig gehn, mich aus verdrusz nicht mal im kopfe grauen. Gökingk 3, 127.