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vorgehen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorgehen verb.

Bd. 26, Sp. 1084
vorgehen, verb. , vgl.fürgehen th. 4, 1, 1, sp. 734; fürgohn sp. 737; ahd. fora-, furigân Graff 4, 93; mhd. vüre-, vürgân, -gen mhd. wb. 1, 468b; Lexer 3, 585; 597; Jelinek 908; prodire vorgan, -gon, -geen Diefenbach [] gl. 462c; antecedo vorgon Frisius dict. (1556) 100b; vorgon, voranhingon, praegredi, anteire, antecedere, praeire, prodire, praecedere Maaler 475b; vorgehn, andar inanzi, andar avanti Hulsius (1605) 1, 155a; für- sive vorgehen, evenire, summo loco stare, praecedere, antecellere, superare Stieler 627; für- et vorgegangen, präs. ich gehe vor, praeeo Steinbach 1, 549; vorgehen Frisch 1, 333c; 2, 407a; Adelung; Campe; vor-, voregân Schiller-Lübben 5, 352b; ten Doornkaat-Koolman 1, 540b; Mensing schlesw.-holst. wb. 5, 471; nld. voorgaan Verwijs-Verdam 9, 979; n. foregaa; vgl. noch Schmeller-Fr. 1, 861; Unger-Khull steir. wortsch. 247a; Fischer schwäb. wb. 2, 1653; schweiz. idiot. 2, 28; Martin-Lienhart 1, 191a. — über die formen von gehen s. dies I th. 4, 2, sp. 2376, auch Schmeller-Frommann, Fischer, schweiz. idiot., ten Doornkaat-Koolman, Mensing a. a. o.präsensformen von gangen gebildet; (imper.:) gang und vorgang dem volck d. erste dt. bibel 4, 168, 21 var. K. (5. Mos. 10, 11); sol man daselbs in reden und schriben die ordnung bruchen, das allweg das bliplich meritum vorgang Riederer spiegel d. waren rhetor. (1493) o 4b; ja, ich weysz durch nachrechnung lang, was in dem orden noch vorgang Fischart 1, 246, 572 H. das part. prät. in älterer sprache oft ohne ge-, s. oben vorgangen; hier noch einige beispiele: ausz gnaden on vorgangen oder zukünfftigen dienst Franck sprüchw. (1541) 1, 138a; der himmel ist auch ein Alexander, der in dem ihm vorgangen ist, aus dem er geboren ist Paracelsus opera (1616) 1, 616 a; was zwischen mir und der Jo. ... vorgangen Grimmelshausen 1, 268 Kurz; der eine hauptmann ist vorgangen und gekrochen Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 7. — steigerung des part. präs.: principalis der vorgenste, vorgendest Diefenbach gl. 459c; dises getrancks haben sy ein zimliche notturfft, sunderlich die vorgeensten (vornehmsten) Seb. Franck weltbuch (1534) 216a; der zeit der furgeest im zimerwerck gewesen meister Conradt Peck (1530) dt. städtechron. 29, 55; (vgl. unter 8 a). — neben der regelrechten umschreibung mit sein findet sich vereinzelt die mit haben: so müssen wir auch den weg mercken und geen, den er uns xxxiii jar geweisset und vorgegangen hat Tauler sermones (1508) 55b; (er) hätte ihnen auch mit einem ganz andern beyspiel vorgegangen Lindenborn Diogenes (1742) 2, 9. 11) im eigentlichen sinne, aus etwas heraus, z. b. einer menge, reihe oder einem raume von hinten nach vorn, vorwärts gehen: geh vor Campe; last die tochter tanczen, die musz vorghen, ut omnibus placeret Luther 34, 1, 557 W.; so wurde mir erst des abends zu meinen eltern (ins vorderhaus) vorzugehn erlaubet d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 34; wenn man jedoch etwas zu weit vor- oder zuweit zurückgeht Göthe II 2, 42 W.; sie umarmen sich und gehen in dieser umarmung vor Iffland theatr. w. (1827) 1, 35; er stand auf und ging in den raum des zimmers vor Stifter (1901) 2, 172; der betrachtung (der aussicht) folgte nun bald wieder thätiges v. H. v. Barth Kalkalpen (1874) 629; geh vor, mein Oridor, sonst bin ich todt. drauff trat er ein Stieler geharnschte Venus 72 ndr.; geh zu z'erst vor (hinter dem baume hervor), i trau dir nit Stieler ged. 2, 6 Reclam. 22) prägnant, aus dem hause gehen, vom ersten ausgehen der wöchnerin zur kirche Adelung (als oberdeutsch, vgl. vorgang); Unger-Khull steir. wortsch. 247a; zur kommunion gehen schweiz. idiot. 2, 29; — vor gericht gehen: so sal su vurigei unde sal sueri vur gerichti Mühlhäuser reichsrechtsb. (1934) 167, 9 H. Meyer; vgl. schweiz. idiot. a. a. o.; Martin-Lienhart 1, 191a. — häufig ist in der umgangssprache bei jemandem v., ihn in seinem hause aufsuchen. 33) im militärischen gebrauch, vorwärts gehen, zum angriff oder auch im strategischen sinne; gehen wird dabei in weiterer bedeutung genommen: sprungweise v.; die [] kavallerie ging vor; (von hier aus) konnten die Römer jetzt ernstlich gegen das quellgebiet des Rheins ... v. Mommsen m. gesch. (1854) 2, 166; dasz sie (truppen) ... in aufgelösten schützenzügen ... vorgingen Spielhagen (1877) 2, 505; das offensive v. ... vereinigte alle korps auf dem schlachtfelde selbst Moltke schr. u. denkw. (1892) 1, 29; unsere ganze front ist in vollem v. begriffen Hindenburg aus m. leben (1920) 97; das ist der oberst Götz, mein fürst und herr, der mit dem vortrab gestern vorgegangen H. v. Kleist prinz v. Homburg 1, 5; gehn wir auf der graden heerstrasz nach Upsala vor? Grabbe 1, 39 Bl.; von trommeln ist der klang zum vorgehn dumpf zu hören G. Keller (1889) 9, 205. in offensive tätigkeit treten (s. unten 9), die vorstellung einer wirklichen bewegung schwindet: die nothwendigkeit, aggressiv mit schwerem geschütz gegen Paris vorzugehen Bismarck ged. u. erinn. 2, 120 volksausg. 44) bewegung von unpersönlichem, hervor-, herauskommen procidentiam sedis et prociduam sedem dixit Plinius, das v. des mastdarms Faber thesaur. (1587) 121a; niemand kann sehen, wie der schatten in der sonnenuhr oder zeiger im uhrlein vorgeht Lehman floril. polit. (1662) 1, 71; Oenomaus aber traf mit einem langen spiesze den Acrias so starck auf die brust, dasz er am rücken vorgieng Lohenstein Armin. 2 (1690) 1414b; siehe; da ging an der helleren wand ein goldener griffel vor und zeichnete Herder 27, 51 S.; freier: wie kann gott vorgestellt werden, indem er das licht ruft, den himmel weitet, die erde v. heiszt ebda 6, 263. 55) aus etwas, über etwas hervorragen, gedachte bewegung wie bei hervortreten: mutuli, die vorgehenden steine, darauff die balcken liegen, kragstein Corvinus fons lat. (1646) 569; v., hervorragen, eminere Frisch 1, 333c; das futter des kleides geht vor; das dach geht eine elle vor der mauer vor Adelung; das haar geht unter der perucke vor Campe, doch empfindet er den gebrauch als ungewöhnlich; (elefanten sollen) ire jungen, die müde werden, auff den vorgehenden zänen tragen Heyden Plinius (1565) 88; (schiffe:) welche sich zwischen etliche in die see vorgehende felsen versteckten Lohenstein Armin. 2 (1690) 890a; dasz des stempels natürlich holtz unten etwas vorgehe v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 432; du, Sabin, schau, ob mir da nicht s mieder vorgeht Nestroy (1890) 2, 313. — übertragen dann im sinne von überschieszen, übrig bleiben schweiz. idiot. 2, 29. 66) vor jemande mgehen, voraus-, vorangehen, dann auch freier von unpersönlichem und übertragen: previare vorgene Diefenbach gl. 458c; anteambulare nov. gl. 25b; antegredior vorgehn, vorantretten Calepinus dict. XI ling. (1598) 95b; (der stern) wirt darnach vorgangen seyn, das sie yhn auff dem wege nit haben gesehen Luther 10, 1, 1, 513 W.; wann die burger zu radthausz gehen, so gehet der baur vor sprüchw. (1548) 56a; die fackel, die vorgehet, leuchtet wol Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, q 3a; die nas geht vor Lehman floril. polit. (1662) 1, 335; (gesellschaft blinder) die sich immer einer an des andern mantel hält und über die vorgehenden straucheln Chr. v. Ryssel von d. seelenfrieden (1685) 310; die guten deutschen lämmer, nicht gern nennt ich sie schafe, sie brauchen einen widder, der vorgeht und sie leitet Grillparzer 2, 177 Cotta. 6@aa) im allgemeinen ist v. in diesem sinne durch vorangehen verdrängt worden; im entwickelten nhd. wird es mit dem dativ verbunden (uns, euch können in älterer sprache auch acc. sein); das ich dir wer vorgegangen mit frOeden und mit gesang und mit paucken und herpfen d. erste dt. bibel 3, 147 K. (1. Mos. 31, 27); engel, der dem volck Israel ist vorgangen Berthold v. Chiemsee t. theologey 160 R.; die selben priester also dem volck mit eynem grawsamen und verfluochten gesang vorgiengen Carbach Livius (1551) [] 207a; ein gezött von bisamstinckigen frauenzimmer, denen aine fraw vorging, genant Woluftas Fischart 3, 28 H.; nicht in einer irdischen wolke sollte dem neuern Israel der machtbefehl Jehovahs v. Herder 20, 122 S.; man musz muth haben, wenn man der menge vorgehn will Gerstenberg hamb. n. zeitg. 309 dt. lit.-denkm.; geleitet sie nach meiner wohnung, ritter, ich will euch v. Klinger (1809) 1, 348; er ist der pudel, der uns vorgeht in der nacht Seb. Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 169; swâ blinde gât dem andern vor, die vallent lîhte beide inz hor Freidank 55, 9; wan ich aber wirt wider erstên so wil ich euch zu Galilea vorgên altdt. passionssp. aus Tirol 40 W.; ihn aber wohnt gott gnedig bey, in einer wolckenseuln vorgieng H. Sachs 15, 174 K.-G.; bis du mir in mein grab zu leuchten vorgegangen A. Gryphius trauersp. 309 Palm; der kleine holde Cypripor geht uns mit seiner fackel vor Pfeffel poet. vers. (1812) 1, 116. 6@bb) mit dem accus. verbunden: de patriarke gink se vore mit dem holte des h. cruces quelle bei Schiller-Lübben 5, 352b; ich werde den herrn baron von Hüpelshausen nicht v. Chr. Reuter ehrliche frau 36 ndr. (vgl. auch unten 7; 13). 6@cc) gern wird v. mit folgen, nachgehen u. ä. zusammengestellt, so in sprichwörtlichen wendungen: wol vorgehn thuot wol volgen Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 130b; wer wol vor kan gehen, der kan wol nachgehen Lehman floril. polit. (1662) 3, 475; der recht vorgeht, dem geht man recht nach Eyering prov. copia (1601) 1, 533; wer unrecht vorgeht, der ist ärger als der ihme folgt Lehman a. a. o. 2, 871; vgl. Wander dt. sprichw.-lex. 4, 1691. — geit vor ich sal uch folgen Diefenbach gl. 454b (preire); insistere vertigiis alienis andern, die vorgangen, nachsetzen und nachfolgen Faber thesaur. (1587) 766b; folgen muozin sie ze guote, nals foregân ze ubele Notker ps. 34, 4; wann die gesellschafft, die do vorgiengen und die nachvolgten d. erste dt. bibel 1, 78 K. (das volck aber, das vorgieng und nachfolget Matth. 21, 9); es ist gewonlich, wan man ein usz fürt, so gat der ubeldöter vor und gat der hencker hinnach Pauli schimpf u. ernst 45 Ö.; so gee vor, ich wurd nacher volgen Boltz Terenz (1539) 6a; derhalb befilht Salo. in sprüchen ..., dasz dein fusz dich nit fürlauffen, sondern dein augen nach und nit vorgeen Franck sprüchw. (1545) 1, 102a; und ist die natürliche ordnung diese, dasz der nominativus vorgehe, dann sein verbum ... folge Buchner anl. z. dt. poeterei (1665) 23; nun liesz er Lehnert v. und folgte Fontane I 6, 158; get mir nach, ich gee euch vor altd. passionssp. aus Tirol 21 W.; frau Weinzang, nu gee uns vor, wir wollen folgen euern spor fastn.-sp. 1, 491 K.; der neun schwester volles chor gehet ihm theils nach, theils vor S. Dach ged. 725 Ö.; geh vor, wir folgen; zieh dein schwert: wir werden siegen Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 144. 77) an einem vorbei nach vorn gehen, so dasz man vor ihn kommt, vorüber gehen: pretergradi vorgan, -gon, -geen, -gehen Diefenbach gl. 458a; anteverto eim auff der straasz vorgon Frisius dict. (1556) 101b; v., vorlauffen einem Frisch 2, 407a; da gieng ich ihr vor Grimmelshausen 4, 47 Kurz; er ging ihr nun schneller nach, bis er sie erreichte. dann ging er ihr vor, zog seinen hut Stifter (1901) 3, 143; damit die vorgehende (am schaufenster vorübergehenden) einen lust bekommen, in das gewölbe zu gehen Meyfart himml. Jerusalem (1630) 1, 171. — in älterer sprache auch mit dem acc. (vgl. 6 b): dorumb söllend wir mit tauben oren vorgeen den tötlichen gesanck der syren d. erste dt. bibel 4, 251 K.in besonderer wendung übertragen: du bist dem weiten ziel der väter vorgegangen E. v. Kleist 1, 48 Sauer. [] freier: praeterfluere vorvleten, vurgaen Diefenbach gl. 458a; gedachte bewegung, von einem wege: kommt er nun auf diesem zug endlich auf einen weg, ... so quer vorgehet C. v. Heppe aufricht. lehrprinz (1751) 35. 88) von der vorstellung des vorangehens aus (6) entwickelt sich besonders in der älteren sprache übertragener gebrauch in der mannigfaltigsten weise. 8@aa) die bedeutung des führens, leitens geht leicht in die der befehlsgewalt über (vgl. vorgeher): (dasz die geschlechter) der gantzen gemein und stat, reichen und armen, vorgen sollen dt. städtechron. 23, 9 (Augsb.); Judas Machabeus ist dem volck vorgangen drey jar Seb. Franck chron., zeytb. (1531) 87a; die solcher auffruor vorgiengen und hauptleut weren Carbach Livius (1551) 32a; (poeten, die) dennoch dem gemeinen nutze mit unsterblichen lobe vorgegangen sind Opitz poeterey 11 ndr. dem gmain man ich (Virtus) vorgieng, ihn laytet durch mein hend H. Sachs 3, 202 K.; der paradyssvogel fürwar hat doch keine füsz gantz und gar, wie mag er dann im reich bestehen und den underthanen vorgehen? W. Spangenberg ganskönig 490 M. part. präs., führer, leiter, vorsteher: derhalben wär von nöten, das sie hetten einen vorgehenden, der sie beschützet und beschürmet vor bösen nachbawren und feinden V. Schumann nachtbüchlein 319 B. 8@bb) höher stehen, einen vorzug haben der ordnung, dem range, dem rechtsanspruch, der geltung, der vornehmheit nach; in älterer sprache auch in prägnanter anwendung: proceres die vorgenden Diefenbach gl. 461b (1516); gesteigert: principalis der vorgenste, vorgendest, vorgengste 459c; vorgende zunfft, das ist die man zum ersten anfragt und die erste stimm hat zegäben, in besetzung oder erwellung der oberkeit und ämpteren anzefragen Maaler 475c; prävaliren, mehr vermögen, v., mehr gelten, das v. haben Sperander (1727) 500b; er gehet allen vor, maximus omnium est Steinbach 1, 549; v., den vorzug haben, vornehmer seyn Frisch 1, 333c; vgl. schweiz. idiot. 2, 28 (2 c); Fischer schwäb. wb. 2, 1654; wann die ganerbin zu Rotenfelsch gen vor weisth. 6, 61; hie geht die h. röm. catholisch kirch dem wort und der warheit gottes vor, das ist, das kind geht der mutter vor Fischart bienenk. (1588) 31b; dann ein planet heiszt ein vorgehnder oder ein fürnemmer stern Paracelsus (1616) 2, 572 a; dasz die vorgehenden länder Böhmen und Mähren einhellig mit einander gestimmet (1619) verh. d. schles. fürsten u. st. 2, 351; (dasz) der schalck allenthalben durchschlupffet und vorgehet Moscherosch ges. (1650) 1, 462; das sonnenauge (blume) wolte nichts minder allen v. Lohenstein Armin. 1 (1689) 1388a; die dienstmägde meiner mutter werden leicht auch so vornehm heirathen als ich und können mir wohl gar noch einmal v. Petrasch lustsp. (1765) 2, 86; damit gehe ich auch den älteren gläubigern vor Möser (1842) 5, 58; die pferde des ritters gingen, auf eine gewisse art, vor H. v. Kleist 3, 153 Schm.; diese männliche linie geht unleugbar der weiblichen vor Raumer gesch. d. Hohenstaufen (1823) 4, 238; dasz unter den hansestädten erst Cöln, dann aber Bremen vorzugehen habe J. Grimm kl. schr. 5, 326. — dem alter nach: alters halb vorgon, elter seyn Maaler 475c; du must hier der erste seyn, der du mir gehst vor an jahren Hoffmannswaldau u. and. Deutschen ged. (1697) 2, 143. überhaupt in einer reihenfolge, ordnung: worauf der feldherr ... mit seiner unterschrifft denen andern fürsten vorgieng (als erster unterschrieb) Lohenstein Armin. 2 (1690) 417a; die zählungsart, wo die nacht dem tage vorgeht Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 221. — etwa im sinne von zuvorkommen: dachten sie gleich, dasz ich ebenfals was würde haben drucken lassen, und wolte mir keiner v. Chr. Reuter Schelmuffsky 54 ndr. vollst. ausg. 8@cc) der rechtlichen geltung, dem anspruch auf geltung nach von unpersönlichem: eine schuld, hypothek geht vor u. ä.; vorgonde zinsz Scherz-Oberlin 2, 1891; mein will ist [] der best, mein will gehet vor Lehman floril. polit. (1662) 2, 913; die älteste brief gehen vor Pistorius thes. paroem. (1715) cent. III 277; noch schwankte die entscheidung, was v. sollte: parteiische gunst ... oder gerechtigkeit Voss antisymb. 2 (1826) 98; dasz die interessen des weiteren verbandes ... den interessen der einzelnen länder v. müssen Bismarck polit. reden 4, 286 K.; wie das jetzund in aller welt das ansehn und authoritet, die macht und die gewalt vorgeht Eyering prov. copia (1601) 1, 273; stimmt nun der ältern wink mit seinem wort nicht ein, so geht das letzte vor und musz erfüllet seyn Gottsched dt. schaubühne 6, 36. zu vergleichen sind die wendungen mit gehen, wo vor als präpos. hinzutritt: gewalt geht vor recht. 8@dd) diese anwendung erweitert sich zur allgemeinen bedeutung des vorzuges, sei es, dasz nur das tatsächliche vorgezogen werden gemeint ist, oder dasz der höhere wert, das übertreffen oder aber die gröszere wichtigkeit zum ausdruck kommt; auch hier braucht der oder das nachgesetzte oder nachzusetzende nicht besonders bezeichnet zu werden; die ältere sprache bewegt sich in dieser allgemeinen anwendung weit freier, nicht nur in der anwendung auf personen; die entwickelte sprache scheint sich mehr und mehr auf die vorstellung der gröszeren wichtigkeit oder eines sonstigen vorzugs bei einer zutreffenden entscheidung einzuschränken: dienst geht dem vergnügen vor, oder dienst, arbeit geht vor, das geht allem andern vor, also mehr im sinne von 8 c; precellere vorgan Diefenbach gl. 451c. 8@d@aα) von personen (thieren), veraltet: dieselb Medusa was so wonderbarer schöny, das sie ... in wyplicher zierd allen andern vorgieng Stainhöwel de claris mul. 79 lit. ver.; der mit klugen fürsichtigen anschlegen und in aller riterschafft auch all sein räthen und rittern vorgieng Seb. Franck chron., zeytb. (1531) 214b; dasz also kein wunder ist, warumb die englischen comoedianten ... andern vorgehen und den vorzug haben schausp. engl. comöd. 328 Cr.; dasz bey euch das rauffen nicht unbekant; und ihr uns in dem stuck weit vorgehet und überlegen seyt Moscherosch ges. 2 (1650) 285; hier ist das rechte vaterland aller elefanten, welche an grösze allen andern vorgehen Lohenstein Armin. 1 (1689) 656b; irrländische docken, welche denen englischen ... vorgehen Heppe aufr. lehrprinz (1751) 10; dies macht sein verdienst, worinn er sogar dem Britten vorgeht Herder 23, 242 S.; der ackermann geht dem ziergärtner ... vor Sonnenfels (1783) 2, 320; die katz sprach: domine doctor, du gehst mir weyt mit künsten vor H. Sachs 9, 157 K.-G.; weil dir ja kein keld ... tugent und thaten halb vorgehet Weckherlin 1, 125 F.; weint, ihr könige der erden und was sonst hie schwimmt empor! ihr müszt hie zu schanden werden; wer gott fürchtet, geht euch vor Dach 175 Ö.; auch selbst dem Grotius wird Pufendorff vorgehen Hoffmannswaldau u. and. Deutschen ged. (1697) 2, 185; und wer durch lehren erst den menschen mensch seyn lehret, geht dem gekrönten vor, den nur das schmeicheln ehret Schwabe belust. (1741) 1, 35; doch gieng er in des königs gunst ihm vor Pfeffel poet. versuche (1812) 1, 19. 8@d@bβ) auf unpersönliches bezogen; über die allmähliche einschränkung des gebrauchs s. oben 8 d am ende: pflichten müssen den übungen v. Adelung; nd. dor geit nix vör, das geht über alles Mensing schlesw.-holstein. wb. 5, 471; (weisheit) gegen das liecht gerechnet, gehet sie weit vor weish. Sal. 7, 29; das silber würd dem bley vorgehen, auch dem englischen zinn Fischart praktik 24 ndr.; weil ja zu hoff die zung-, gurgel- und bauchfreude dem ewigen leben vorgehet Moscherosch ges. 2 (1650) 16; jedannoch dünkte ihn, die annemlichkeit dieses ortes gienge allen morgenländischen weit vor A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 5; (fels) dessen krafft den andern vorgehet Lohenstein Armin. 1 (1689) 29; hingegen [] gehet es (ellernholz) in dem wasserbauen allem gehöltze vor Göchhausen notab. venatoris (1741) 172; ich kann hier meinen procesz mit ihr gewinnen, und das geht vor Lessing 2, 41 M.; ich werde selbst so viel einsicht haben, dasz ihre pflichten gegen ihre kinder vorgingen Schiller br. 1, 93 J.; gern liesz ich ihr glück meinem vergnügen v. Iffland theatr. w. (1827) 3, 85; sy schluogend den gmeinen nutz hindan, und thet der einig nutz vorgan schweiz. schausp. d. 16. jh. 3, 42 B.; die feder gehet zwar dem degen billich vor Grob epigramme 121, 133 L.; die redlichkeit geht allezeit bey mir dem nutzen vor Günther ged. (1735) 257; drum sprach er: funfzig louis d'or gehn einem solchem glück nicht vor J. E. Schlegel (1761) 4, 178; kein veilchenbett im paradies geht diesem lager vor Hölty ged. 36 Halm. 99) die bedeutung 'vorwärts gehen' in übertragener anwendung auf tätigkeit, wirken, unternehmung tritt in der sprache der gegenwart auszerordentlich häufig im gebrauch des verbums hervor; es kann ganz allgemein das anheben einer wirksamkeit bezeichnet werden, doch auch schärfer ein schreiten zum angriff (vgl. oben 3): gegen übergriffe der polizei v. u. ä.; ungesäumt mit der vollstreckung des von den militärgerichten gefällten rechtsspruchs ... vorzugehen H. v. Kleist 4, 201 E. Schm.; um in Frankfurt sachgemäsz vorzugehen Arn. Ruge briefw. u. tageb. (1886) 2, 53; er pflegt alles zu erwägen, langsam vorzugehen Ranke 14 (1875) 275; übrigens hatte sie ein recht, bei meinem unterricht nicht allzugründlich vorzugehen M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 411; sie widerstand allen versuchen der anderen verwandten, mit dem begräbnisse vorzugehen Ratzel völkerk. (1885) 2, 77; mit anlehnung an einen militärischen ausdruck (s. oben unter 3): dasz das sprungweise v. zu den kennzeichen und schönheiten dieser dichtungsgattung gehört Fontane I 1, 469. prägnant im sinne von 'den anfang machen': wenn er nun dieses orts vorgeht (ἀρχέτω Il. 7, 286), so thu ich auch, was mir zusteht Spreng Ilias (1610) 89a. eigenthümlich mit dem inneren object es: wer wil dich (welt) nu prisen? mit wem wilt du es nu mit so hoflicher lützelikeit vorgan? Seuse 375 B. 1010) besonders ist in der sprache der gegenwart der substantivierte inf. in der im vorhergehenden abschnitte belegten anwendung häufig, Adelung kennt diese anwendung, wie es scheint noch nicht: 'daher das v., doch nur in einigen wenigen bedeutungen; z. b. das v. des futters, vor dem oberzeuge (s. oben 5). in andern ist vorgang häufiger'. — es steht eine wache vor der thüre! das ist ein unerhörtes v. Nestroy (1890) 1, 45; ein solches v. wurde im grundsatz beschlossen G. Keller (1889) 5, 317; er schien sich das v. des herrn Longchamps ... zum muster zu nehmen M. v. Ebner - Eschenbach (1893) 2, 122; er sah in dem v. des ministers strafbaren ungehorsam Treitschke dt. gesch. im 19. jh. 5, 504. 1111) auf unpersönliches bezogen bezeichnet das verbum das eintreten in die wirklichkeit, das gegenwärtig werden, dann aber allgemeiner auch überhaupt das verlaufen in der zeit, sich zutragen, ereignen: fürgehen sive v., evenire Stieler 627; v., vorfallen, sich begeben, geschehen, accidere Frisch 1, 333c; 'sich als eine veränderung ereignen, zutragen, geschehen; fast wie vorfallen' Adelung; dagegen meint Campe, dasz sich vorfallen 'durch den nebenbegriff des unerwarteten' unterscheide; vgl. Eberhard synonymik (1795) 6, 355; auch durch den damaligen gebrauch des verbums ist diese unterscheidung nicht gerechtfertigt.die entwicklung bis zur sprache der gegenwart zeigt eine allmählich eintretende verarmung; die sprache neigt mehr und mehr dazu, das verbum auf die verbindung mit unbestimmten subjecten einzuschränken. dagegen bewegt sich die ältere sprache viel freier; zu beachten ist auch, [] dasz sie v. in fällen verwenden kann, wo wir vorkommen brauchen. 11@aa) v. verbindet sich besonders gern mit was in frage- oder relativsätzen, mit relativ. das: er wuszte aber nicht, was vorgegangen gewesen war Schweinichen denkw. 534 Ö.; von allem, das im zorn vorgehet, weicht die vernunfft ab Lehman florileg. polit. (1662) 3, 107; verwirrt über dem, was vorgienge A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 11; alles was auf der gasse vorgienge v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 1; hast du ihm gesagt, was vorgegangen? Lessing Sara Sampson 5, 2; (der chor) beschäftigt sich mit dem eindrucke dessen, was er v. sieht Gerstenberg hamb. n. zeitung 106 lit.-denkm.; was er auch sey, das um dich vorgeht und dir selbst begegnet Göthe IV 39 2, 38 W.; was geht hier vor? Schiller räuber 4, 5; was sonst im stück vorgeht ..., ist lediglich symbolisch Mörike (1905) 3, 129 Göschen; die zeitungen zu lesen und zu sehen, was in der welt vorging G. Keller (1889) 3, 68; was viel hundert meilen weit vorgeht, man durch mich ersihet Hoffmannswaldau u. and. Deutschen ged. (1697) 2, 351; welch unglück bringet ihr? sagt, was ist vorgegangen? J. E. Schlegel (1761) 1, 59. sehr häufig jetzt: nach allem, was vorgegangen. — ferner verbindet sich v. mit dem neutrum des demonstrativums, mit es, etwas (was), manches, allerhand, alles, nichts u. ä.; ein adj. kann hinzutreten: do nun das vorgieng, do gaben sy ain urtail über inn U. v. Richental chron. d. Constanz. conzils 80 Buck; wo dergleichen etwas vorgeht, kan anders nichts dann eytel unwillen ... darausz folgen Sandrub hist. u. poet. kurzweil 13 ndr.; es gehe euch in ewerem leben und wandel vor, was gott wolle Moscherosch insomnis cura par. 96 ndr.; (ich) fande an beyden orten nichts sonderlichs v. Grimmelshausen 4, 530 Keller; geht nicht alle stunden was in der haushaltung vor? Chr. Weise erznarren 71 ndr.; mittlerweile dasz dieses vorging G. Forster (1843) 1, 108; alles sollte vor meinen augen, alles auf der bühne v. Göthe 21, 38 W.; es soll ja in dieser nacht dort allerhand v.? Raupach dram. w. ernster gattung (1835) 3, 194; seit so viel vorgegangen ist in unserer politischen welt Laube (1875) 1, 336; es gehe wieder was vor Fontane I 6, 19; (ungewöhnlich:) dasz in Berlin alles im kommandoton vorging W. Schäfer erz. schr. (1918) 3, 106; doch glaube nicht, dasz nur von alten zeiten der greis erzählt, hier geht noch manches vor Göthe 16, 182 W.; wo ging dies aber vor? (but where was this?) Shakespeare Hamlet 1, 2. 11@bb) bei der verbindung mit subst. zeigt sich, dasz die sprache die neigung hat, solche subjecte zu wählen, die allgemeinen, unbestimmten inhaltes sind z. b. handlung, sache, veränderung; auch mit pluralen verbindet sich v. leichter, oder das subjekt ist adjectivisch (unglaubliches geht vor, das schlimmste ist vorgegangen); je bestimmter, enger der inhalt des subjects ist, desto mehr widerstrebt die verbindung dem modernen sprachgefühl; und selbst bei begrifflich sich nahestehenden wörtern wird das eine vorgezogen, das andere jetzt gemieden: weltliche händel, die bey dieses und jenes standes personen vorgehen Buchner anleith. z. dt. poeterey (1665) 9; die hauptgeschichte selbst ... ist würklich vorgegangen Bodmer abhandl. w. d. wunderb. (1740) 42; welche stille musz auf dem schauplatze zu Athen geherrschet haben, da dieser akt vorgieng Herder 3, 44 S.; die handlung geht in der stadt vor G. Stephanie d. j. lustsp. (1771) 210; (auf dem landtag) werden viel wichtige dinge v. Klopstock gelehrtenrep. (1774) 37; tatsachen ..., die doch wirklich vorgehen Nicolai reise d. Deutschl. (1783) 7, 45; so hört man auch den gesang fort, indessen auszen eine scene vorgeht Göthe 17, 187 W.; unterdessen war zu hause eine traurige veränderung vorgegangen Novalis 4, 192 M.; roman, der auf Otaiti vorgeht Bettine Cl. Brentanos frühlingskr. (1844) 291; hier in Frankfurt sind so viele deutsche ereignisse vorgegangen J. Grimm kl. schr. 7, 563; nur auf [] dem hofe des hauses durfte die sache v. Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 1, 81; auch drüben unterm wald geht schweres vor Schiller W. Tell 1, 4. 11@cc) in älterer sprache wird das wort in viel weiterem umfange gebraucht, es verbindet sich auch mit subst. bestimmten inhaltes und steht in fällen, wo die neuere sprache eintreten, vor sich gehen, sich abspielen, sich ereignen u. ä. gebraucht: wann ein sterbfall vorgienge ò v. solte Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 964a; (es) würd ein eyerbruch müssen v. Fischart praktik 5 ndr.; der under theil der zelten, under welchen die lehenempfangnusz vorgieng Zinkgref apophth. (1628) 44; kein gröszer schade, als an dem einen hause vorgieng Micraelius altes Pommerl. (1640) 158; hierunter giengen unterschiedliche scharmützel vor Chemnitz schwed. kr. 1 (1648) 44; als in dem kaiserlichen palast die ceremonien vorgiengen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 2, 62; dasz morgen das examen v. würde Zend. a Zendoriis t. winternächte (1682) 12; weil in einem nun und augenblick im kriege ein commando v. kan, welches die gegenwart des abwesenden (offiziers) erfordern möchte v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 117; (Goldap) wo wegen des vielen honigs mit meth und wachs starcker verkehr vorgehet Noel Chomel, öconom. u. physikal. lex. (1750) 4, 1211; so dasz das verbrechen erst zwischen dem ersten und zweyten acte vorgegangen wäre Lessing 18, 221 M.; hier musz gewisz ein irrthum vorgehn Bode Tr. Schandi (1774) 7, 5; es sollte in dem schloszhofe eine execution v. Göthe 21, 299 W.; (ich wünsche) dasz eine deutung vorgehe, was damit gemeint sei 25, 168 (in dieser freieren anwendung öfter bei ihm); ein korb ging vor Schiller Fiesko 2, 15; die geschichte, wie dem vetter Hans sein tod vor dem feinde vorgegangen sei Dörfler um d. kommende geschlecht (1932) 333; wenn auff tag nicht käme nacht, würden wir gar bald erliegen; auch der tod geht darum vor, dasz wir rechter leben mügen Logau sinnged. 274, 18 E.; ich dacht, es gieng ein unglück vor J. E. Schlegel (1761 ff.) 4, 275. 11@dd) in anderen fällen steht v. in älterer sprache, wo später eher vorkommen gebraucht wird (s. auch unter f): und solches unwesen sol bey den kindern des unglaubens ... häuffig vorgegangen seyn Prätorius anthropod. pluton. (1666) 1, 39; wenn nun wegen der nicht recht verstandenen frembden wörter ... solche fehler vorgehen A. Olearius reisebeschr. (1696) vorrede 4; mit diesem worte gehen viel fehler in der verbindung vor Gottsched beob. (1758) 130; ohne dasz hiebei ein widerspruch vorgeht Kant 3, 17 ak. ausg.; es sind unziemlichkeiten vorgegangen in diesem rechtsstreit Schiller M. Stuart 1, 8. 11@ee) gern wird v. auf bewegungen, veränderungen in oder an einem menschen bezogen: es ist mit ihm (kann sich auch auf äuszere erlebnisse beziehen), in ihm etwas vorgegangen; in dem gesicht geht viel, garnichts vor, — sie können, sie müssen wissen, was in ihrem herzen vorgeht Lessing Minna v. Barnhelm 2, 9; nichts bewegt eine menschliche seele, als was selbst in ihr v. kann Herder 1, 278 S.; keine zunge spricht aus, was in mir vorging Göthe IV 8, 102 W.; doch verräth der ton deiner stimme, dasz etwas groszes in dir vorgeht Klinger (1809) 2, 105; also das schicksal musz in diesem innern v. O. Ludwig (1891) 5, 214; sein angesicht war entfärbt, aber sie konnte nicht erkennen, was in ihm vorgehe Stifter (1901) 3, 180; beim wiedersehen nach einer trennung fragen die bekannten nach dem, was mit uns, die freunde nach dem, was in uns vorgegangen M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 1, 42. 11@ff) wendungen mit den participien: alles, vergangenes, vorgehendes und künftiges so durchsichtig motivieren O. Ludwig (1891) 5, 228; ich hab zu den vorgehenden sachen vor all ding richtig müssen machen Ayrer 2, 896 Keller. [] wie vorkommend (vgl. oben d): bey aller vorgehenden gelegenheit Opitz poeterey 5 ndr.; bey täglich vorgehenden verenderlichen umbständen Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 180. — als ob ich wegen des zwischen uns vorgegangenen einen unversöhnlichen hasz auff euch alle geworffen Lohenstein Armin. 2 (1690) 1636a; glückliches gedächtnisz des vorgegangenen Göthe 25, 198 W. 1212) veraltet ist v. in dem sinne fortgang haben, in einer tätigkeit, entwicklung, wirkung weiterkommen (vgl. vorwärtsgehen): we denket up ens andern quat, em sülven dat selden vöregat Gerhard v. Minden 29, 48 L.; s. Schiller-Lübben 5, 352b; dieser anwendung sich nähernd: übrigens erzählt man, dasz der prozesz ganz lustig vorgeht br. von u. an Herwegh (1896) 15; die sache (schleifung einer festung) ist bisher etwas langsam vorgegangen Moltke (1892) 7, 58. 1313) in der zeit vorausgehen, d. h. weiter zurück in der vergangenheit liegen; auch dieser gebrauch des verbums ist veraltet: übung soll allzeyt dem essen vorgon, cibum semper antecedere debet exercitatio Maaler 475c; also ofto gesciehet, daz plig foregât unde regen nâhkât Notker ps. 134, 7; was zeichen und vorbotten dem jüngsten tag vorgon werdend Wickram 3, 152 B.; die blüest an bäumen würd den früchten vorgehn Fischart praktik 24 ndr.; von der euszern ursachen, die unsern leib vorgeht (zum acc. s. oben 6 b) in seinen kranckheiten Paracelsus 2, 139 C.; und sogar ihnen die Griechen hierinnen um ein ganzes seculum vorgehen Leibniz dt. schr. (1838) 2, 511; was diesem zeitpunkt vorgegangen (als z. e. kometen, röthen am himmel) Bräker (1789) 1, 194; in den dumpfen schlummer, welcher der nahen auflösung vorgeht Klinger (1809) 4, 47. 1414) in diesem zeitlichen sinne oft in älterer sprache das part. präs., besonders in attributiver anwendung: also das vorgend erlassen desz kriegs niemand schirmen sölle Frisius dict. (1556) 1341b (vacatio); vorgend urteil, praejudicium Maaler 475b; vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1654; schweiz. idiot. 2, 28; in förgânde tîden ten Doornkaat-Koolman 1, 540b; Verwijs-Verdam 9, 981; s. ferner vorgehendig: einü heisset dü vorgendü gelassenheit, dü ander heisset dü nagend gelassenheit Seuse 161 B.; wann Achaia ist berait von dem vorgenden jar d. erste dt. bibel 2, 128 K. (2. Cor. 9, 2); ausz vorgenden untzimlichen gedencken A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) d 4a; das solchs geschehe mit vorgehendem gebet zu gott Luther 30, 2, 183 W.; sein tod verkündigten vil vorgehende zeichen Seb. Franck chron. Germaniae (1538) 76b; wann die maulthier ... ohne vorgehende ursach lang ihre ohren kratzen Sebiz feldbau (1579) 42; wie das vorgehnder zeyt in etlichen waapenbüchern fürgemalet ist Stumpf Schweizerchron. (1606) 458a; vorgehenden besiczern der beiden herrschaften (1618) verh. d. schles. fürsten u. st. 1, 15; auf vorgehende instendigste bitte Schottel friedenssieg 26 ndr.; da man vorgehendes tages ein weib begraben hat Prätorius Blockesberges verricht. (1668) 246. — vereinzelt in neuerer sprache: der beginn des tötlichen inneren confliktes musz in fester verbindung sowohl mit dem vorgehenden als dem folgenden erscheinen Freytag 14 (1887) 114. — vorgehends, adv., früher: eine grosze anzal des volcks ..., die yn vorgeends ein vatter gescholten H. v. Eppendorff Pliniusübers. (1543) 27. — mit folgendem gen.: v. wohlbedächtiger reiffen berathschlagung, nach vorhergehender berathschlagung quelle des 17. jh. bei Diefenbach-Wülcker 587; vgl. schweiz. idiot. 2, 28. — in entsprechender anwendung das part. prät. in älterer sprache: die bilder der vorgegangener gewonheit Tauler pred. 237 Vetter; so ist es ein anzeigen langes vorgangnes verhalten der monatzeit Wirsung artzneyb. (1588) 536d; weil vorgangene dinge nun nicht wider zu bringen Schütz hist. rer. pruss. (1592) t 2a; durch vorgegangenes gebet und andacht Miller pred. fürs landvolk (1776) 1, 22. [] 1515) oft wird das part. präs. in älterer sprache rückweisend gebraucht, innerhalb derselben schrift oder des buches, wobei etwas unmittelbar vorhergehendes oder weiter zurückliegendes gemeint sein kann, dann auch auf früher schriftlich niedergelegtes weisend: wo ir wert sehen vorgende (voranstehende) virgeln und punckt die erste dt. bibel 7, 136 K.; (predigten) doctoris Johannis Thaulerii ... mit ainer vorgeenden taffel Tauler sermones (1508) register; wie das die volgende und vorgeende wort ... weyszen Luther 10, 2, 325 W.; als das gift ausz vorgehender (vorher beschriebener) ärtzney nicht wolt wircken Seb. Franck chron. Germ. (1538) 27b; ebenso: (die wildente) ist von farb vast der vorgenden gleych Forer Gesners thierbuch (1563) 2, 38b; (kessel) und dessen ist allhie die vorgehende figur Sebiz feldbau (1579) 404; wie ich droben in dem vorgehenden capitel gelehrt habe Spee güldenes tugendb. (1649) 79; im vorgehenden aufsatz haben wir ihn schon gegen seinen landsmann vertheidigt Göthe 41, 1, 340 W.; (schicksale,) die im vorgehenden akte dargelegt werden Lenz 3, 197 Tieck.alleinstehend: wer noch nicht genug aus vorgehendem die weite des podagramischen regiments mag abnemmen Fischart 3, 40 Hauffen.in steifem briefstil: mein vorgehendes vom dritten passato Kramer teutsch-ital. dict. 1 (1700) 492a. — der genit. als adv.: wie aber das sol verstanden werden, daz er unsz priester gemacht hat, zOegt sant Peter vorgonds (an der oben erwähnten stelle) an Murner an d. adel 17 ndr.nicht rückweisend, im schriftbild einem andern vorausgehend: (die cäsur soll) sich weder mit dem ende ihres eigenen verses, noch des vorgehenden oder nachfolgenden reimen Opitz poeterey 42 ndr.; (eine kleine note) musz niemals an die vorgehende hauptnote geschleifet werden Quantz anweis. d. flöte zu spielen (1789) 196; indem sich die vorgehende länge an einer (zeit) im stärkeren takttheile begnügt Voss zeitmessung (1802) 184. 1616) zeitlich vorangehen, mit einer leistung, die von einem späteren wieder aufgenommen oder benutzt wird, einem späteren als vorbild dient (vgl. vorgänger): Boileau selbst gehet mir hierinnfalls in seiner ... critischen betrachtung über Longin vor (ist darin mein vorgänger) Breitinger crit. dichtkunst (1740) 2, 236; in den sylbendehnungen sind wir den Italienern ebenso glücklich gefolget, als sie uns vorgegangen sind Scheibe d. crit. musicus (1745) 93; keine deutsch-poetische seele würde je vom hexameter ... sich haben etwas träumen lassen, wenn nicht Griechen und Römer uns vorgegangen wären Bürger 177b Bohtz; aber in solchen bedingungen ist Newton seinen schülern schon musterhaft vorgegangen Göthe II 2, 200 W.; mit unpersönlichem subject: worüber ihm nur dürftige wahrnehmungen anderer beobachter vorgegangen waren I 46, 97; der eifer, dahin zu gelangen, wo deines vaters kluger geist dir noch die spuhren deutlich weist, durch die er dir ist vorgegangen, ermuntert dich in deinem lauf Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 126; so bist du denn dem vater gleich, der dir auch darinn (in bauten) vorgegangen Gottsched ged. (1751) 1, 41. 1717) so steht in älterer sprache v. statt unseres vorangehen in der oft gebrauchten wendung mit gutem (bösem) exempel (beispiel) v., die sich natürlich auch auf gegenwart oder zukunft beziehen kann: andern mit einem guten exempel v. Adelung; vorsteher, welche den unterthanen mit einem bösen exempel vorgehen Äg. Albertinus Lucifers königreich 16 Liliencron; es möchte ihm doch jemand mit einem guten sterbexempel v. A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 1059; weil Teudo ihr hertzog ihnen mit tapfferem beyspiel vorging, fochten sie wie löwen Lohenstein Armin. 1 (1689) 373b; ich will nicht sagen, dasz sie ihr mit einem bösen exempel vorgegangen wären Lessing 2, 98 M.; erfahrne und mit ihrem beyspiel vorgehende männer Haller Fabius u. Cato (1774) 251; nach dem beispiele, mit dem sie uns vorgeht Göthe II 6, 10 W.; wenn meine schwester mir mit dem beispiele vorgeht Tieck (1828) 5, 400; sind sie nicht verpflichtet, ihren schauspielern mit [] gutem beispiele vorzugehen Holtei erz. schr. (1861) 37, 47. 1818) im tode vorangehen, auch in prägnanter anwendung: defunctus vorgegangen Diefenbach gl. 170b; unsere freunde sind uns vorgegangen und haben uns verlassen A. Olearius pers. baumgarten (1696) 99a; auf welche art mir die himmlische Banise im tode vorgegangen sey Ziegler d. asiat. Banise (1689) 30; seine gefährten, die ihm in der sterblichkeit vorgegangen Schnabel insel Felsenb. 209 Ullrich; standhaffter rittersmann! du bist mir vorgegangen A. Gryphius trauersp. 704 Palm; er ist zur folge dir im sterben vorgegangen Gottsched dt. schaub. 4, 397. 1919) veraltet ist einem vorgehen, auf ihn acht haben, ihn bewachen, behüten, pflegen, behandeln, ihm helfen, dann in verengertem sinne von der krankenpflege, vgl. vorgängerin, vorgeherin: vorgon, eim krancken pflägen Maaler 475c; ein mal was einer, der het ein frume fraw, die dem man vorgieng als ein schalen an dem ey Pauli schimpf u. ernst 100 Ö.; wann man disem zornstrotzigen bauch lang vorgang und schon wie eim schallosen ey Fischart Gargantua 347 ndr.; seinem vatter inn aller kind gebürlicher ehrerbietung vorzugahn 226; deren billich vor andern angestanden wäre, ihrer frau basen besser vorzugehen Grimmelshausen 4, 558 Keller; man gehet ihm in allem vor, man hilft ihm Herder 22, 128 S.; ich musz im vorgon wie eim kind H. R. Manuel weinspiel 2672 ndr.; und tantchen gab mir gütigst zu verstehen, ja hübsch mit höflichkeit den gärten vorzugehen Bürger 106b Bohtz; vgl. Schmeller-Fr. 1, 861; schweiz. idiot. 2, 28. 2020) veraltet ist v. in dem sinne 'sich dem innern darstellen, innerlich gegenwärtig werden', vgl. vorschweben; Adelung verzeichnet diese anwendung: das ist mir lange vorgegangen, hat mir lange geahndet; dem guten herrn ging wohl vor, was geschehen ist; ebenso dann noch bei Campe; das gehet mir vor, animus mihi praesagit Dentzler clavis ling. lat. (1716) 337a; als wanns uns schon vorgegangen wär, dasz er einmahl richter werden sollt Meisl theatr. quodlibet (1820) 1, 95; mir gehts im geist vor, es wird jetzt ein fürchterliches gericht gehalten Nestroy (1890) 2, 194; der troum gienc sînen sinnen vor Marner xv, 208 Str.; mir ist ein schwerer traum vorgangen H. Sachs 17, 56 K.-G.; den schönen und ausserwelten jüngeling, der mir heut in dem schlaff vorging Ayrer 1, 227 Keller; wenn einem was guts gehet vor, spricht er, mir klingt mein rechtes ohr Eyering prov. copia (1601) 3, 189. vgl. Schmeller-Fr. 1, 861; Fischer schwäb. wb. 2, 1654. 2121) einzelnes. 21@aa) die uhr geht vor, der richtigen zeit voraus: meine uhr geht zwei minuten, um zwei minuten vor; in entsprechendem sinne nachgehen. 21@bb) während sonst der vorgehende monat der dem jetzigen vorausgehende, der vorige ist, wird in der folgenden stelle der folgende gemeint: allweg der letzte tag eins monats heiszt pridie kalendas vorgonden monats Gersdorff wundarznei (1517) 18a. 21@cc) von der bedeutung jemandem vorlaufen aus (so dasz man ihm in wege ist) kann sich die bedeutung von vorbeugen entwickeln, so schweizerisch: schweiz. idiot. 2, 28. 21@dd) das part. präs. kommt in prägnanter bedeutung vor; sich immer darbietend, allzeit vorhanden: (dasz man) immerzu etwas im vorrath und einen vorgehenden pfennig, wie man saget, haben müsse Hohberg georg. curios. 3 (1715) 49a; vgl. Schmeller-Fr. 1, 861 und unten vorgehendig. 21@ee) mit der linken hand v., linkshändig sein Martin-Lienhart elsäss. wb. 1, 191a.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vorgehen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Vorgehen , verb. irreg. neutr. (S. Adelung Gehen ,) welches das Hülfswort seyn erfordert, und nach Maßgebung der Partike…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vorgehen

    Goethe-Wörterbuch

    vorgehen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    vorgehenst.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    vor-gehen st. : 1. a. 'nach vorn gehen', voʳgehe, -geje, -gehⁿ, -gihⁿ, s. PfWB gehen [allg.]. Geh mol voʳ! [ NW-Haßl ]. …

  4. Sprichwörter
    Vorgehen

    Wander (Sprichwörter)

    Vorgehen 1. Der recht vorgeht, dem geht man recht nach. – Eyering, I, 533; Schottel, 1123 a . 2. Es kann nichts vorgehen…

  5. Spezial
    vorgehen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    vor|ge|hen vb.intr. 1 (vorausgehen) jí dant, jí danfora 2 (verfahren) fá (fej, fat) 3 ‹fig› (wichtiger sein) avëi la pre…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vorgehen

6 Bildungen · 3 Erstglied · 3 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von vorgehen 2 Komponenten

vor+gehen

vorgehen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vorgehen‑ als Erstglied (3 von 3)

vorgehendig

DWB

vorgehen·dig

vorgehendig , adj. , vom part. präs. des verbums weiter gebildet, vgl. fürgehendisch th. 4, 1, 1, sp. 736; das vorgendig jar, antecedens ann…

vorgehen als Zweitglied (3 von 3)

DAVORGEHEN

DWB2

davor·gehen

DWB2 DAVORGEHEN vb. DWB2 sich ereignen, geschehen: DWB2 1661 indessen ist das amt ledig und gehen daselbst allerhand unrichtigkeiten davor u…

Hervorgehen

Campe

hervor·gehen

Hervorgehen , v. intrs . u. ntr . unregelm. ( s. Gehen ) mit sein , aus einem hintern, verdeckten oder verborgenen Orte vorwärts und herwärt…

zuvorgehen

DWB

zuvor·gehen

zuvorgehen , v. , zeitlich vorausgehen: auf zuvorgehende umbfrag Jac. Ayrer proc. juris (1600) 208 ; das reine sein, das dem wirklichen dase…