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Gehen

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Campe
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Gehen intrs, trs, trs

Bd. 2, Sp. 270a
Gehen, v. unregelm. ich gehe, du gehest (gehst), er gehet (geht); unlängst verg. Z. ich ging; Mittelw. d. verg. Z. gegangen; Befehlsw. gehe oder geh. I) intrs. mit sein, vermittelst der Bewegung und Fortsetzung der Füße den Ort verändern. Langsam, geschwinde, schnell gehen. Gerade, aufrecht, steif, krumm, gebückt gehen. Mit den Füßen einwärts, auswärts gehen. Die Kinder gehen erst auf allen vieren, ehe sie aufrecht gehen lernen, kriechen erst auf Händen und Füßen. Auf den Zehen gehen. An einer Krücke, einem Stocke, auf Stelzen gehen. Vorwärts, rückwärts, hinwärts, seitwärts  gehen. Ire gehen, falsch, unrecht gehen, einen unrechten Weg gehen, sich im Gehen verirren. Gegangen kommen, zu Fuße kommen, auch bloß für kommen. »Hier kömmt sie gleich gegangen.« Gellert. Aus einander, von einander gehen. Mit einander, nach einander  gehen. Es ist hier nicht gut gehen, man kann hier nicht gut, bequem gehen. Es ist hier schlüpfrig zu gehen, es ist hier ein schlüpfriger Weg. Allein gehen, in tiefen Gedanken gehen. I Gehen fiel mir ein, da ich ging. Den Ort, wohin man gehet, wo man gehet und aus welchem man gehet, druckt man gewöhnlich durch ein Verhältnißwort aus. Ans Werk, an die Arbeit, zur Arbeit gehen. Bis an die Grenze, bis an das nächste Dorf gehen. Am Rande, am Ende gehen. Auf das Feld gehen. Da geht er auf dem Felde. Aufs Land, auf das Dorf gehen. Auf die Jagd, auf die Post, auf das Rathhaus gehen. Auf die Hochzeit, oder zur Hochzeit, auf den Ball oder zum Ball gehen. Auf das Eis gehen. Auf dem Eise gehen. Auf den Berg, Thurm gehen, ihn besteigen. Einem auf den Leib gehen, ihn feindlich angreifen. Aus dem Hause, aus der Schule, aus der Predigt gehen. Aus dem Wege gehen. Bei jemand vorbei, vorüber gehen. Durch das Thor gehen. Durch den Wald, durch das Wasser, durch dick und dünn gehen. Einer ging hinter dem andern. I das Schauspiel, in die Versammlung gehen. I den Garten gehen. I Garten gehen. I die weite Welt gehen. Mit einem gehen. Sie gingen mit einander, Hand in Hand. Neben einander gehen. Nach Hause gehen. Nach der Stadt gehen. Nach jemand gehen, ihn zu holen. So auch, nach Wasser  gehen. Über den Berg, über die Brücke gehen. Über das Feld gehen, seinen Weg über das Feld nehmen. Über Feld, über Land gehen, auf ein Dorf gehen  Unter die Leute gehen. Von der Stelle, von der Arbeit gehen. Zu einem gehen. Zum Besuche gehen. Zu Tische, zu Gaste gehen. Zu Bette, zu Ruhe gehen. Zu Grabe gehen, zum Abendmahl gehen. Zur Stadt, zu Markte gehen. Von einem Orte zum andern gehen. Zur Kirche gehen, in die Kirche, dem Gottesdienste beizuwohnen. Ich singe nicht für kleine Knaben Die voller Stolz zur Schule geh'n. Lessing. Häufig wird der Zweck des Gehens durch ein beigesetztes Aussagewort in der unbestimmten Form ausgedruckt. Betteln gehen, essen gehen, schlafen gehen, spielen gehen, spinnen gehen  welcher Gebrauch aber meist nur im gemeinen Leben vorkömmt. Doch wird gehen auch in der leichten Schreibart so gebraucht. Denn Schulzens Hadrian ging klagen. Lichtwer. Die Grundwörter, welche den Raum ausdrucken, den man im Gehen zurücklegt, oder die Zeit, wie lange man geht, oder welche die Art und Weise des Gehens und den Weg, auf welchem man gehet, bezeichnen, werden in den vierten Fall gesetzt und gehen hat dann die Form eines trs. Nach dem Essen soll man stehen, oder tausend Schritte gehen. Über einer Deutschen Meile gehet man gewöhnlich zwei Stunden. Sechs Meilen täglich gehen. Einen starken Schritt gehen, im Gehen starke Schritte machen. Das Pferd gehet einen starken, einen harten Trab  Wir gehen einen und denselben Weg. Den kürzesten, den angenehmsten Weg gehen. Einen Gang gehen, einen Gang machen. Seinen Gang gehen. Ih geh' ihn stolz, den schönen Ehrengang. Herder. »Geh deinen Weg,« geh fort. Lessing. Seine Straße gehen, weggehen. I O. D. auch mit dem zweiten Falle. Seines Weges, seiner Wege gehen. »Ih gehe meiner Wege.« Gellert. »Das Weib ging hin ihres Weges.« 1 Sam. 1, 19. Den Krebsgang gehen, rückwärts gehen, und uneigentlich, mißlingen, fehlschlagen. Den Weg aller Welt, alles Fleisches gehen, uneigentlich, für sterben. Drittpersönlich und rückdeutend sagt man im gemeinen Leben auch, es gehet sich gut, schlecht  für, man kann gut, schlecht gehen. Bildliche mit gehen gebildete Redensarten sind folgende: Einem an die Hand oder zur Hand gehen, ihm helfen. Schwer an etwas gehen, mit Unlust  etwas unternehmen. Auf der Grube gehen, dem Tode nahe sein. Auf den Grund gehen, gründlich verfahren. Auf den Hieb, auf den Stich gehen, hauend, stechend fechten. Darauf ist nicht zu gehen, darauf kann man nicht fußen, kann man sich nicht verlassen. Auf Freiers Füßen gehen, im Begriff sein zu heirathen. Auf Bösen Wegen gehen, Böses thun, Böses vorhaben. Mit sich zu Rathe gehen, berathschlagen, überlegen. I sich gehen, über sich und sein Betragen nachdenken, Reue empfinden. I sein Unglück, in sein Verderben gehen, sich unglücklich machen. I der Ire gehen, fehlen, verlassen sein. Nach Brote gehen, Brot, Unterhalt zu erwerben suchen. Über einen gehen, den Rang über ihn haben. Х Einem um das Maul gehen, ihm schmeicheln. Etwas mit Stillschweigen vorbei gehen, verschweigen. Auf dem Kopfe gehen, verkehrte, tolle, unerhörte Dinge treiben. Sich gehen lassen, nach dem Französischen, seinen Neigungen, Launen, Einfällen freien Lauf lassen, ihnen folgen.« Er war kein planmäßiger Verführer, sondern nur ein Mensch, der sich gehen ließ.« Huber. Das fiel mir mein Lebtag nimmer ein, Daß wir so gut zusammenpassen; Hab mich immer nur gehen lassen. Schiller. Zur Wahrheit gehen, nach derselben streben, sie zu erfahren suchen. Weh' dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld, Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein. Schiller. I weiterer Bedeutung heißt gehen, den Ort verändern, ohne die Art und Weise zu bestimmen, sich begeben, reisen. Mit der Post an einen Ort gehen. Er geht jährlich einmahl zur Messe. I das Bad gehen. Zu Felde gehen. Zu Wasser gehen. Unter Segel gehen, absegeln. Vor Anker gehen, sich vor Anker legen. I den Krieg gehen. I ein Kloster gehen. Auf Reisen gehen. Auf die hohe Schule gehen. Einem unter die Augen gehen, ihm vor die Augen kommen, sich vor ihm sehen lassen. Geh mir aus den Augen, entferne dich von mir, daß ich dich nicht mehr sehe. I Gegensatz dieser weitern Bedeutung, wo die Art der Bewegung nicht bestimmt oder genannt ist, sagt man von dem eigentlichen Gehen, dem Bewegen von der Stelle vermittelst der Füße, im gemeinen Leben, zu Fuße gehen. Oft verliert sich der Begriff der Bewegung mehr oder weniger und zuweilen ganz. So sagt man im gemeinen Leben. Einem über seine Sachen gehen, für, sie unbefugter Weise durchsuchen, etwas davon zu gebrauchen, zu nehmen  Einem unter die Augen gehen, einem vor die Augen kommen, sich vor ihm sehen lassen. Geh mir aus den Augen, entferne dich, daß ich dich nicht mehr sehe. I weiterer und uneigentlicher Bedeutung wird gehen noch gebraucht. 1) Mit verschiednen Nebenbegriffen, die durch Auslassungen entstanden sind. (1) Х Für hingehen. »Ih will gehen und ihm unsern Vorschlag eröffnen.« Gellert. (2) Х Für weggehen, sich entfernen. »Ih höre es wohl (wol), ich soll gehen.« Gellert. Doch es ist Zeit zu gehen. Laß ihn gehen, halte ihn nicht auf, auch in weiterer Bedeutung, laß ihn in Ruhe, laß dich mit ihm nicht ein. Х Du sollst gehen! du sollst mich in Ruhe lassen. O gehen Sie! ein Ausdruck im gemeinen Leben, seine Verwunderung, seinen Zweifel, auch wol sein Mißfallen anzudeuten. O gehen Sie, sollte dies wahr sein? Geht doch, geht mit eurem Geschwätz! 2) Machen, verfahren, handeln. I einer Sache behutsam, vorsichtig, ordentlich, gründlich, pünktlich  gehen. »Lassen Sie mich nur gehen, ich will meine Sache schon machen.« Weiße. Weiter darfst du nicht gehen, weiter darfst du nichts thun. Jer. 11, 8 heißt es auch auf eine sonst ungewöhnliche Art, »jeder ging nach seines bösen Herzens Gedanken.« 3) Dient es einen Zustand zu bezeichnen, worin man ist, etwas thut, oder worein man geräth. Müßig gehen, nichts thun. Schwanger gehen, schwanger sein. Mit etwas schwanger gehen, etwas vorhaben. Verloren gehen, verloren werden. Einer Sache verlustig gehen, sie verlieren. Zu Grunde gehn, untersinken, dann, verderben, vernichtet werden. Ungewöhnlich sind die biblischen Ausdrücke: »gefangen gehen,« Jer. 20, 6, für gefangen werden, und »betrübt gehen,« Jer. 14, 3, für betrübt sein. — Nackend gehen, barfuß gehen. Mit bloßem Kopfe gehen, wofür man auch wol, aber auf eine fehlerhafte Art, im bloßen Kopfe gehen, sagt. Reinlich und gut gekleidet gehen. Gewöhnlich wird im gemeinen Leben bei diesem Gebrauche das Wort gekleidet weggelassen. Anständig, sittsam, reinlich, prächtig, zerrissen, zerlumpt gehen. I Seide gehen. I Schuhen und Strümpfen, im Mantel gehen. »Wer sich trägt, wie die Alten gingen, der ist ehrbar und sittsam.« Gellert. Ih gehe ins ein und dreißigste Jahr, bin im ein und dreißigsten Jahre. II) trs. durch Gehen bewirken, hervorbringen. Sich müde gehen, durch vieles Gehen ermüden. Sich wund gehen, durch vieles Gehen wund werden, sich wund reiben. Sich Blasen an die Füße gehen, durch vieles Gehen Blasen an die Füße bekommen. III) ntr. u. imp. mit sein. 1) Überhaupt sich bewegen, bewegt werden. Der Wind geht. Es geht ein starker, kalter Wind. Die Uhr geht gut, schlecht, zu langsam, zu geschwind  Meine Mühle gehet. Der Wagen ging schnell, langsam. Die Thür, das Fenster geht in den Angeln. Der Fluß geht langsam, schnell. Der Strom gehet mit Eise, führet Eis mit sich. Das Schiff ging schnell. Es ging schnell wie der Blitz. Der Luftball ging gerade in die Höhe, stieg gerade auf. Es gehet Blut danach, es fließt Blut danach. Es ist viel Unreinigkeit von ihm gegangen. Es gehet alles von ihm. Uneigentlich, △ von der Zeit, verfließen, vergehen. Da laß mich dir die Stellen zeigen Wo meine schönste Stunde ging. Tiedge. — — — und wenn wir trauen der Sage, Ging Ein Tag von der Sonn' unerhellt — Voß. 2) I einen gewissen Zustand gerathen, eine Veränderung erleiden. Das Korn geht in die Ähren, bekömmt Ähren. Der Weizen geht zu Lager, legt sich. Entzwei gehen (vermuthlich aus in zwei, nämlich Stücke, gehen entstanden), in Stücke gehen, in Trümmer, zu Trümmern gehen, zerbrochen, vernichtet werden. Ja sollte schon die Welt zu tausend Trümmern gehen. Opitz. Aus einander, von einander gehen, nicht ganz, nicht beisammen bleiben. Der Teig ist gut gegangen, hat gut gegohren, hat sich gehörig ausgedehnt. So auch, der Teig, das Brot ist in die Höhe gegangen. Uneigentlich sagt man vom Preise einer Sache, er gehe in die Höhe, wenn er steigt, wenn er erhöhet wird. Es gehet Alles durch seine Hände, er bekömmt Alles in seine Hände, er ordnet Alles an, besorgt Alles. Es geht drunter und drüber, es geht verwirrt, wunderlich zu. Auch von Zuständen, Begebenheiten  wenn keine körperliche oder sichtbare Bewegung dabei Statt findet. Es geht mir nahe, es kränkt, schmerzt, betrübt mich. Es geht ihm zu Herzen, er empfindet es lebhaft, es schmerzt ihn, betrübt ihn. Laß dir es nicht zu sehr zu Herzen gehen. Das ging mir durchs Herz, verursachte mir die lebhafteste Empfindung, den lebhaftesten Schmerz, die größte Betrübniß. So auch, es geht mir durch die Seele, wenn ich so unglückliche Menschen sehe und ihnen nicht helfen kann. Wenn Noth an Mann geht, so  wenn es die Noth erfodert. Den Schaden über sich gehen lassen, den Schaden auf sich nehmen. Es gehet noch so hin, es ist noch erträglich. Die Sache gehet wirklich vor sich, geschieht wirklich. Der Handel geht zurück, er unterbleibt, wird nicht geschlossen. Darüber geht nichts, es wird durch nichts übertroffen. Herrndienst gehet vor Gottesdienst, Herrendienste werden eher gethan, ehe an Gottesdienst gedacht wird, hat gleichsam den Rang vor Gottesdienst, so wie der Vornehmere vor dem Geringern gehet, indem ihm der Geringere folgt  Gewalt geht über Recht, das Recht muß der Gewalt nachstehen. Es geht ihm Alles gut, leicht von der Hand, er verrichtet es gut, leicht. Er läßt viel darauf gehen, er verbraucht, verzehrt, verthut viel. Es gehet dabei sehr über das Geld, über den Beutel, es fallen dabei viele Ausgaben vor. Es gehet sehr über die Zähne, die Zähne werden dabei sehr angestrengt, sie leiden dabei. Es ging sehr über ihn her, es wurde übel von ihm gesprochen, streng geurtheilt  Was von Herzen gehet, gehet auch zu Herzen, was aufrichtig und gut gemeint ist, wird auch so aufgenommen. Geht es Dir auch von Herzen? meinst du es auch wirklich so? ist es dir auch ein Ernst? Das will ihm nicht in den Kopf gehen, er kann es nicht fassen, begreifen. Es gehet die Rede, das Gerücht, man sagt. I Schwange gehen, üblich, gewöhnlich sein, meist von üblen Dingen. Es geht kein wahres Wort aus seinem Munde, er spricht kein wahres Wort. Was ich vorher sagte, ist in Erfüllung gegangen, ist erfüllt worden, ist geschehen. Das geht auf dich so gut, wie auf ihn, bezieht sich auf dich. Besonders von dem Fortgange, dem Erfolge der Begebenheiten, meist in drittpersönlicher Form. Die Sache gehet gut von Statten, hat guten Fortgang. Es gehet in einem fort. Es wird Alles noch gut gehen. Es wird, es muß gehen. Gehet es nicht auf diese, so gehet es auf eine andre Art. Es gehet nicht immer so, wie man denkt. Wie mans treibt, so geht's. Es ist mir übel damit gegangen. Es geht ihm unglücklich mit seinen Kindern. Es geht langsam mit meinen Einrichtungen. Man lasse die Sache gehen, wie sie will und kann. Es soll Alles nach ihm, nach seinem Kopfe gehen, nach seinem Willen geschehen. Es geht Alles nach Wunsche. So geht es, wenn man zu leichtsinnig ist. Wenn es immer nach Verdienst ginge. Es ist ihr unrichtig gegangen, sie hat mißgeboren. Häufig wird gehen auch von der Reihe der Begebenheiten, die den Menschen treffen, von seinen Schicksalen gebraucht. Wie geht es? Wie gehet es Inen? Es geht mir wohl, es geht ihm übel schlecht. Es gehe Inen wohl! Solchen Menschen kann es nicht wohl gehen. Auf daß dir es wohl gehe, so lange du lebst auf Erden. Es gehe wie Got will. † Es geht wider den Wohlstand, es ist oder läuft wider den Wohlstand. »Er bleibt stehen, denn umzukehren und vor ihr sich zu verstecken, schien wider die Regeln des Wohlstandes zu gehen.« Wieland. 3) I mehrern uneigentlichen Bedeutungen, die bald einen Zustand, bald eine Richtung, einen Zweck  anzeigen. (1) I sich, dem Raume nach, enthalten, eine gewisse Weite haben. Es gehet eine ganze Flasche in das Glas. Es gehen zwei Viertel in den Sack. Es gehet nicht alles in den Kasten. Der Schrank gehet nicht durch die Thür, man kann den Schrank nicht hindurchbringen. Der geduldigen Schafe gehen viel in Einen Stall. So auch, dem Werthe, dem Maße und Gewichte nach, in sich enthalten. Es gehen vier und zwanzig Groschen auf einen Thaler, vierzig Himten auf einen Wispel und hundert und zehen Pfund auf einen Zentner. (2) Klingen, von Tonwerkzeugen. Х Das geht schön. Die Orgel geht schön. Das Stück geht aus einem angenehmen, harten, weichen Tone. (3) Reichen, sich erstrecken. Das Wasser gehet bis an die Hüften. Das Kleid geht ihm bis an die Knie, die Stiefel gehen bis an die Waden. Der Weg gehet in gerader Richtung von hier bis in das Dorf. Er gehet mir bis ans Kinn. I weiterer, uneigentlicher Bedeutung. So weit darf die Lustigkeit nicht gehen. Sein Kaltsinn geht bis zur Unempfindlichkeit. Man sollte kaum glauben, daß die Eitelkeit so weit gehen könnte. (4) Gerichtet sein, liegen  Die Wohnstube geht nach dem Hofe. Die Fenster ge= hen in den Garten, die Thür gehet auf die Gasse, nach der Gasse. Diese Straße geht nach Berlin, nimmt ihre Richtung dahin, führet dahin. Der Stich war durch die Lunge gegangen. Die Mauer gehet um den ganzen Garten. Die Reise gehet nach Südpreußen. Seine Meinung ging dahin  So auch von der Zeit. Es geht schon gegen Morgen, es wird bald Morgen sein. Es gehet auf zehn Uhr, es ist in der zehnten Stunde. Ih gehe in das ein und dreißigste, sie ins funfzehnte Jahr. Es gehet in die vierte Woche, daß ich Inen geschrieben habe. Es gehet damit zum Ende, auch, es gehet auf die Letzte, auf die Neige. Zuweilen auch mit der unbestimmten Form des Aussagwortes und einem Verhältnißworte. Es gehet an ein Fragen, Plaudern, Lärmen  — — dann geht es an ein Fliegen Dem Brummen zu; — Wieland. Auch von der Richtung nach einem Ziele, Zwecke, für abzielen, abzwecken. Seine Liebe gehet mehr auf sinnlichen als geistigen Genuß. Seine Reden gehen immer auf eins hinaus. Das soll wahrscheinlich auf mich gehen. Viele eigentliche und uneigentliche Bedeutungen hat gehen noch in den Zusammensetzungen mit ab, an, auf, aus, be, durch, ein und vielen andern Wörtern und Silben, welche an den gehörigen Orten nachzusehen sind. — Das Gehen. Die Gehung, in den Zusammensetzungen Begehung, Umgéhung, Vergehung  S. auch, der Gang.
16834 Zeichen · 319 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gëhenstv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    gëhen stv. s. jëhen.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gehenst. V., sw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    gehen , st. V., sw. V. Vw.: s. gēn (1)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gehen

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Gehen , verb. irreg. ich gehe, du gehst, er geht; Imperf. ich ging; Mittelw. gegangen; Imperat. gehe oder geh. Es ist ei…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gehen

    Goethe-Wörterbuch

    gehen Prät vereinzelt -ie-; häufig (vor allem in Vers u Reim) ‘gehn’, vereinzelt altertümelnd ‘gahn’ (zB 16,71 PaterBrey…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gehen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Gehen , ist diejenige Bewegung des Menschen u. der Säugethiere, bei welcher im nämlichen Moment, wo 1 oder 2 Extremitäte…

  6. modern
    Dialekt
    gehenst.

    Pfälzisches Wb. · +3 Parallelbelege

    gehen st. : 1. 'sich zu Fuß fortbewegen', geh (gē), gehe (gēə), gehⁿ (gēⁿ), gäh (-E-), gähe, gähⁿ , gej (gej), geje (gei…

  7. Sprichwörter
    Gehen

    Wander (Sprichwörter)

    Gehen 1. Barfuss gehen hilft nichts zur Seligkeit. Wider die barfüssigen guten Werke der Mönche und Wallfahrer. 2. Besse…

  8. Spezial
    gehen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ge|hen (ging, gegangen) I vb.intr. 1 (sich zu Fuß fortbewegen) jí (vá, jü), caderié (-iëia) 2 (sich begeben) jí (vá, jü)…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gehen

137 Bildungen · 27 Erstglied · 104 Zweitglied · 6 Ableitungen

Ableitung von gehen

ge- + hen

gehen leitet sich vom Lemma hen ab mit Präfix ge-.

gehen‑ als Erstglied (27 von 27)

Gehenah

Meyers

gehe·nah

Gehenah , Stadt im Distrikt Tahta der ägypt. Provinz (Mudirieh) Gerga, mit (1897) 16,621 Einw.

gehencnisse

KöblerMhd

gehencnisse , st. F. Vw.: s. gehancnüsse

Gehen (das)

Wander

gehen·das

Gehen (das) 1. Bei Gehen und Stehen mag jeder sein Gut reichen. – Graf, 205, 172. Handelt von einfachen Vermächtnissen, die jeder ohne Zuzie…

gehende

Lexer

geh·ende

ge-hende adj. BMZ geh. sîn mit dat. bei der hand, bereit sein Diem. Kchr. ( D. 419,10).

gehenge

DWB

geh·enge

gehenge , s. gehänge ; bergm.: ( gottes hand ) die .. geheng und gespreng mit schönen gengen und geschicklein schmücket und umbgürtet. Mathe…

gehengede

KöblerMhd

geh·engede

gehengede , st. F. nhd. Nachgiebigkeit, Zulassung, Erlaubnis, Eintracht Q.: PsWindb (4. Viertel 12. Jh.) E.: s. gehenge, gehengen W.: nhd. D…

gehengelse

KöblerMnd

gehen·gelse

gehengelse , N. nhd. Anhängsel (Schmuck), Anhänger Hw.: s. gehenge E.: s. gehengen (2), else (3), ge, hengelse L.: MndHwb 1/2, 43 (gehengels…

gehengen

DWB

gehen·gen

gehengen , s. gehängen , zulassen: ( kaiser Sigismund ) wolte nit gehengen einen bapst ze machen, bis das die reformacion geschehe. Etterlin…

gehengen, (hingen)

LW

ge-hengen, (-hingen), sw. v. geschehen lassen, zulassen, erlauben.

gehengenisse

KöblerMnd

gehenge·nisse

gehengenisse , F. nhd. Erlaubnis, Zulassung Vw.: s. tō- E.: s. gehengen (1), nisse L.: MndHwb 1/2, 43 (gehengenisse), Lü 113a (gehengenisse)

gehengich

KöblerMnd

gehen·gich

gehengich , Adj. nhd. nachgebend, gefällig Hw.: vgl. mnl. gehengich E.: s. gehengen (1), ich, ge, hengich L.: Lü 113a (gehengich)

gehengnisse

KöblerMhd

gehengnisse , st. F. nhd. Neigung, Hang E.: s. gehancnüsse, gehengen W.: nhd. (ält.) Gehängnis, F., Gehängnis, Erlaubnis, Zulassung, DW 5, 2…

gehenke

Lexer

geh·enke

ge-henke stn. BMZ gehenke, eine am brustriemen des pferdes hängende zierrat Er. ;

gehenke

FWB

1. ›Vorrichtung zum Anhängen von Waffen oder Schmuck, z. B. an der Rüstung, am Helm‹.; 2. ›angehängter Schmuck (z. B. Ohrringe)‹.; 3. ›Inner…

gehenkede

Lexer

geh·enkede

ge-henkede stn. alle geschmîd, schloss, gehenkt und anderes S.Gall. chr. 32.

gehenkel

ElsWB

gehen·kel

gehenkel ’ Lammeingeweide, heute = Gschlungs Reiber Küchenzettel 4. 39.

gehenkelt

GWB

gehenk·elt

gehenkelt mit einem Griff versehen, von einem Maßgefäß 26,323,10 DuW 5 Caroline Vollmann C. V.

gehenken

KöblerMhd

gehen·ken

gehenken , sw. V. nhd. hängen, anhängen Q.: Urk (1265) E.: s. ge, henken W.: nhd. DW- L.: WMU (gehenken N57 [1265] 1 Bel.)

Gehenkter

PfWB

gehenk·ter

Ge-henkter m. : wie schd., in der Wend. doherkumme wie e Gehenkdeʳ , von einem, dessen Kleidung unordentlich und unvollständig ist [ KU-Kaul…

gehenlassen

DWB

gehen·lassen

gehenlassen , n. subst. zu es gehen lassen, sp. 2473: das, was eigentlich in die verworrenheit über unsere lage, in unsere gedankenlosigkeit…

Gehenna

Herder

Gehenna , hebr., Stätte der Verdammniß, Hölle.

gehennalis

MLW

gehenna·lis

gehennalis , -e. script.: iehe(n)n-: MLW MLW p. 638, 1. 2. geen-: MLW p. 638, 9. ad gehennam pertinens, infernalis – höllisch, Höllen- : God…

gehennaliter

MLW

gehenna·liter

adv . * gehennaliter . 1 modo infernali, daemonico – auf höllische, teuflische Weise : Petr. Dam. epist. 112 p. 286,14 si Kadalous, qui ad h…

gehen als Zweitglied (30 von 104)

Wohlergehen

RDWB1

Wohlergehen n благополучие

abgehen

DWB

abgehen , abire, davon gehn. zuerst von lebendigen, des gangs mächtigen wesen: der bote geht ab, die schauspieler gehn ( von der bühne ) ab …

aftergehen

DRW

after·gehen

aftergehen ags. æftergan, nl. achtergaen I folgen, nachspüren, einholen Anf. 11. Jh. Liebermann,AgsG. 362 II sich zurückziehen, weichen MnlW…

angehen

DWB

ange·hen

angehen , invadere, aggredi, adoriri, nnl. aangaan, die bedeutungen werden verständlich, wenn man sich die partikel als praeposition denkt, …

aufergehen

DRW

aufer·gehen

aufergehen entstehen aufergeende unkosten 1631 Tirol/ÖW. III 6 Faksimile

aufgehen

DWB

auf·gehen

aufgehen , erigi, surgere, d. i. suberigere, scandere, nnl. opgaan. eine menge von einfachen, schönen bedeutungen, deren durchsichtigkeit un…

ausgehen

DWB

aus·gehen

ausgehen , exire, egredi, prodire, interire, nnl. uitgaan, mhd. ûʒ gân ( Ben. 1, 468 a ). 1 1) ausgehen, exire domo, cubiculo, gegenüber dem…

aushingehen

DRW

aushin·gehen

aushingehen Exzesse begehen SchweizId. II 27 Faksimile – enden, schließen SchweizId. II 85 Faksimile – verkauft werden SchweizId. II 27 Faks…

begehen

DWB

beg·ehen

begehen , obire, ambire, circumire, inire, adire, aggredi, celebrare, colere, patrare, ahd. pikân, bigangan ( Graff 4, 91 . 92), mhd. begân,…

Bessergehen

Wander

besser·gehen

Bessergehen Es geht ihm besser als Pfitznern, der wurde gehangen. Lat. : Fortunatior strobilis Carcini. ( Philippi, I, 162. )

Beygehen

Adelung

bey·gehen

Beygehen , verb. irreg. neutr. (S. Adelung Gehen ,) welches das Hülfswort seyn erfordert. 1) Zugleich mit gehen, nebenher gehen; doch nur in…

Dahérgehen

Campe

daher·gehen

△ Dahérgehen , v. intrs. unregelm. ( s. Gehen), mit sein, einhergehen mit äußerem Ansehen, Glanz und Würde gehen. Er gehet prächtig daher. »…

Dahíngehen

Campe

dahin·gehen

△ Dahíngehen , v. ntr. mit sein, an jenen Ort gehen; uneigentlich, vergehen, sterben. Die Zeit gehet dahin, wie ein Schatten. »Ih gehe dahin…

Darumgehen

Wander

darum·gehen

Darumgehen 2. Er gatt darrumb, wie ein katz vmb ein heissen brei. – Gesner, I, 353. 3. He geit derum to as de Kûper 1 um de Tünne. 2 ( Ostfr…

Davóngehen

Campe

davon·gehen

Х Davóngehen , v. intr. unregelm. ( s. Gehen), mit sein, weggehen, sich entfernen. »Laß den Geringen nicht mit Schanden davongehen.« Ps. 74,…

DAVORGEHEN

DWB2

davor·gehen

DAVORGEHEN vb. sich ereignen, geschehen: 1661 indessen ist das amt ledig und gehen daselbst allerhand unrichtigkeiten davor urk. u. actenstü…

dreingehen

DWB2

drein·gehen

dreingehen vb. dem käufer gratis zukommen lassen: 1741 Frisch wb. 1,332 b . 1868 da der schöne ( bilder- ) rahmen mit dreingeht Feuerbach br…

durchgehen

DWB

durch·gehen

durchgehen , ahd. und mhd. durchgân Graff 4, 94 . Ben. 1, 471 a . niederd. dôrgân Schambach 45 b , niederl. doorgaan. vergl. durchlaufen. 1 …

eingehen

DWB

einge·hen

eingehen , vielbedeutig, meist intransitiv. 1 1) intrare, leiblich eingehen, goth. inngaggan, innatgaggan, inngaleiþan ( gramm. 4, 805); ahd…

einhergehen

DWB

einher·gehen

einhergehen , incedere, wandeln: das du einher gehen solt in dem bund des herrn deines gottes. 5 Mos. 29, 12 ; herr, da du einher giengest v…

entgehen

DWB

ent·gehen

entgehen , exire, evadere, elabi, effugere, ahd. intkân, ingangan ( Graff 4, 85 ), mhd. engân ( wb. 1, 471 a ), nnl. ontgaan. erst die unper…

entzweigehen

DWB

entzwei·gehen

entzweigehen , abrumpi, rumpi. Stieler 630 . mhd. hie gêt diu rede enzwei. Walth. 104, 6 . nhd. der faden, der strick gieng entzwei; dann gi…

ergehen

DWB

erge·hen

ergehen , goth. usgaggan, ahd. irgangan, irgân, mhd. ergân, alts. âgangan, ags. âgangan. 1 1) ergehen, exire, im sinn des goth. usgaggan, ah…

fehlgehen

DWB

fehl·gehen

fehlgehen , nd. feile gan, 1 1) intr. errare, irrgehen, den falschen weg einschlagen; ich bin auf der heide fehlgegangen, ohne mich herausfi…

fortgehen

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fort·gehen

fortgehen , nnl. voortgaan, 1 1) progredi: und sprach zu seinen knaben, gehe fort, das wir hinzu komen an einen ort und über nacht zu Gibea …

Ableitungen von gehen (6 von 6)

begehen

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begehen , obire, ambire, circumire, inire, adire, aggredi, celebrare, colere, patrare, ahd. pikân, bigangan ( Graff 4, 91 . 92), mhd. begân,…

entgehen

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entgehen , exire, evadere, elabi, effugere, ahd. intkân, ingangan ( Graff 4, 85 ), mhd. engân ( wb. 1, 471 a ), nnl. ontgaan. erst die unper…

ergehen

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ergehen , goth. usgaggan, ahd. irgangan, irgân, mhd. ergân, alts. âgangan, ags. âgangan. 1 1) ergehen, exire, im sinn des goth. usgaggan, ah…

Mḯßgehen

Adelung

Mḯßgehen , verb. irreg. neutr. (S. Adelung Gehen ,) mit dem Hülfsworte seyn, welches aber im Hochdeutschen selten vorkommt, irre gehen, fehl…

vergehen

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vergehen , verb. zu ende kommen, auf falschen weg bringen. 1 1) form. in ähnlicher weise, wie beim einfachen zeitworte ( s. theil 4, 1, 2376…

Zergehen

Adelung

Zergehen , verb. irregul. neutr. (S. Adelung Gehen ,) mit dem Hülfsworte seyn. 1. Schmelzen, besonders in einen flüßigen Körper. Der Zucker …