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gewesen

mhd. bis sprichw. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
10 in 9 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gewesen verb.

Bd. 6, Sp. 5685
gewesen I, verb. , verstärktes wesen (s. d.). der defective gebrauch des einfachen verbums, das sich mit den stämmen von sein und bin in das verbum substantivum theilt (vgl. teil 10, sp. 228 ff. 2, sp. 31), bedingt auch für die mit dem präfix verstärkten formen zurückhaltung. dazu kommt noch für die althochdeutsche periode, die das verbum in mehr zeitformen heranzog als die neuere sprache (s. Graff 1, 1056), eine auffallende sprödigkeit gegen das präfix. dieses ist nur einmal überliefert: giwisit, restat. Monseer glossen u. a. z. Gregor, s. Steinmeyer-Sievers 2, 284. die mittelhochdeutsche zeit ist demgegenüber im vorteil, insofern sie das particip des prät. auftauchen läszt, das ausschlieszlich mit dem präfix belegt ist, vgl. gewesen II und gewest. andererseits erleidet sie einbusze auf dem gebiet der präsensformen, die vom stamme sein erobert werden. mit dem präfix ist hier eigentlich nur der infinitiv belegt (als seltene zeugnisse für das part. d. präsens vgl. ein got der ie gewesende wart. Walther v. d. Vogelweide 5, 31 Lachmann; daz si in magt unphiuch, magt getruoch, magt gebar, immer maget gewesende altd. pred. 1, 41 Schönbach), und dieser wird auch im rahmen der zusammengesetzten formen durch das concurrenzwort bedrängt (vgl. gesein sp. 4023). der indicat. und conjunct. des präteritums andererseits, die den stamm von wesen auch in der neuern sprache festhalten, haben sich nur vorübergehend als träger des präfix erwiesen. 11) die formen des präteritums (zum particip s. u.) sind vereinzelt im übergang zur mittelhochd. zeit mit dem präfix belegt; in der blüthezeit setzen die zeugnisse gänzlich aus und häufen sich erst wieder bei den nachzüglern und in der prosa des 14. und 15. jahrh.: 1@aa) dô ne gewas bî dem mer weder sît noch êr nechên sô stadehafter man. könig Rother 4873 v. Bahder; dô man ir recht in dâ getete, und sie zwêne an ir gebete gewârin mit ir mâgin, wen biʒ sieʒ genoc gephlâgin: dô ritin sie ungebeitit. Athis und Prophilias D 121 W. Grimm; dô der hêre Ênêas alsô lange dâ gewas und diu frouwe Dîdô. H. v. Veldeke Eneit 58, 34 Ettmüller (var. was); sente Fabianus was pabist ze Rome, und do er lange mit worten unde mit werkin der christenheit vor gewas, do wart er alse huote durch daʒ recht gemartert. pred. der Leipziger handschr. (177) Schönbach 1, 279, vgl. auch Pfeiffer myst. 1, 430. 1@bb) die späteren belege weisen alle den gleichen typus wie die beiden letzten zeugnisse auf, gewas für das plusquamperf. in einem mit der zeitpartikel eingeleiteten nebensatze. 1@b@aα) und dô der selbe Balke meistir in dem lande zwâr gewas unʒ in daʒ sechste jâr, als ich gesprochin hab ouch ê, und er nicht vermochte mê der arbeit, do vûr er auch wider kein dûtschin landin. N. v. Jeroschin 5678. ebenso Ulrich v. Thürheim Willehalm 259a u. a. vgl. auch mittelhochd. wb. 3, 768b; und dô si dâ gewâren lange zît, dô wart geoffinbâret sancte Ursulen. mystiker 1, 223 Pfeiffer; ebenso 1, 99; dise gezierde fuort er mit ime enweg gein Sicilien. und do er uf sehs jor do gewas, do wart er in eime bade erslagen. Königshofen, s. d. städtechron. 8, 394. 1@b@bβ) eines der spätesten zeugnisseallerdings der gebundenen sprache entstammendzeigt das präfix wieder beim präteritum des hauptsatzes: keines kauffes ich nie froer gewas Alsfelder passionsspiel 3193 Grein. 22) für den infinitiv liegen aus der classischen zeit mittelhochdeutscher dichtung belege vor; in der erstarrten form der substantivierung erreicht er überdiesz die neuere sprache. 2@aa) als verbalform ist der infinitiv mit dem präfix nur neben dem hilfsverb mugen belegt. 2@a@aα) die verbindung mit einem adjectiv, die auf die bedeutungsenergie des verbums vor andern drückte, scheint trotzdem das zusammengesetzte verbum zu begünstigen: macht dû mir dar zuo guot gewesen (var.: wesen) ich engân dir niemer nihtes abe, die wîle und ich daʒ leben habe. Gottfried v. Strassburg Tristan 1234 Marold; eim ungefriunten knehte enmöhte baʒ gewesen niht. Konrad v. Würzburg Engelhard 1559; sit si (die pfaffen) nach rehte niht entuont,wie möhte dan ein leie guot gewesen. Meister Stolle (13) bei von der Hagen 3, 6a; wa man sie ir hende legen siht uf siechen hin, die sint genesen, wie siech sie mogent joch gewesen. ev. v. St. Paul 71a Schönbach (Marc. 16, 18); golt ... silber ... edels gesteine und ... alles alzumal, das teuer gewesen mag uf erden. Johann v. Neumarkt übers. des lebens des heil. Hieronymus (66) 62 Benedikt; de in god den heren sint ghevestiget u bestediget de en konen neuerleiwijs homodich ghewesen. Thom. a Kempis van der nauolghinge Jhesu Kristi (1489) buch 2 cap. 10. 2@a@bβ) verwendungen, die zwischen verbum und subject keine nähere bestimmung aufnehmen: 2@a@b@11)) die engste verbindung von verbum und subject, in der das verbum mehr nur grammatische functionen ausübt, läszt das präfix nur selten zu: eʒ mag hie weder tac noch vride gewesen zwischen mir und in. Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 4655 Regel. 2@a@b@22)) anders in lockeren verbindungen, in die das verbum mit der vollen bedeutung der existenz eintritt: daʒ er niht bischof mohte sin wand die alde e hat also beschriben in Levitico, daʒ kein bischof mac gewesen ane ganz gelit irlesen. das buch der Maccabäer (prolog auf Hyrcan.) 13643 Helm; du warest mit mir und ich was niht mit dir und etleiche dink machten mich verre von dir, di niht gewesen mohten, wenn in dir. (quae esse non poterant nisi in te). Johann von Neumarkt übers. der Pseudo-Augustinischen soliloquium (31) 74 Sattler; das ich an dich iht verderb, an den ich mit nicht mag gewesen (sine te esse non possim) 35 (14); kein ganze kunst mac niht gewesen âne der liehten ougen rôt. meisterlieder der Kolmarer handschr. 99, 50 Bartsch s. 440; sô spricht er wie daʒ müge gewesen daʒ ein dinc sî wol daʒ beste und das bœste besunder. 136, 5 Bartsch s. 508; ebenso Alsfelder passionsspiel 1565 Grein; ähnlich 5058; er hiesʒ von dem tode uff stan Lazarum einen toden man und liesz en widder genesen: das mocht von nicht gewesen dan von dem waren godes degen. Alsfelder passionsspiel 2539 Grein. 2@bb) die substantivierung ist auch an gewesen in den beiden hauptformen belegt, die am substantivierten wesen zu beobachten sind: in der abstracten bedeutung der existenz und in der übertragung auf die räumlichkeit, in die sie eingeschlossen ist. 2@b@aα) vielleicht werd' ich noch ein paar mal verwandelt, ehe ich das bewusztsein meines ganzen gewesens erhalte und die kette übersehe, welche ich hinauf ging. Hippel (lebensläufe 3, 2) 4 (1828), 174. 2@b@bβ) das gewesen des alten Jem Bork ist ein opfer der letzten sturmfluth geworden. H. Smidt meeresstille 26. bei demselben (das dünendorf) der plural gewesen vgl. oben sp. 5684.
6742 Zeichen · 131 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    GEWËSEN

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    WISE WAS WÂREN GEWËSEN ich bin. der volständigste der vier stämme, welche dienen das verbum substantivum zu bezeichnen; …

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gewesenV.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    gewesen , V. Vw.: s. gewēsen*

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gewesenverb.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    gewesen I , verb. , verstärktes wesen ( s. d. ). der defective gebrauch des einfachen verbums, das sich mit den stämmen …

  4. Sprichwörter
    Gewesen

    Wander (Sprichwörter)

    Gewesen 1. As 't wäst is, schall 't blieb'n. – Schwerin, 26; Danneil, 275. 2. Es ist für vns gewesen vnd wirdt auch nach…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gewesen

9 Bildungen · 6 Erstglied · 3 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von gewesen

ge- + wesen

gewesen leitet sich vom Lemma wesen ab mit Präfix ge-.

Zerlegung von gewesen 2 Komponenten

gewe+sen

gewesen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gewesen‑ als Erstglied (6 von 6)

gewesende

KöblerMhd

gewes·ende

gewesende , (Part. Präs.=)Adj. nhd. wesenhaft Vw.: s. īn- Q.: EckhV (z. T. vor 1298), Tauler (FB gewesende) E.: s. ge, wesen W.: nhd. DW- L.…

Gewesenes

Wander

gewese·nes

Gewesenes Fert Gewesene 1 göfft de Jude nuscht. – Frischbier 2 , 1263. 1 ) D.h. für das, was man einmal gehabt hat.

gewesenheit

DWB

gewesen·heit

gewesenheit , f. anscheinend nicht mit dem substantivierten infinitiv zusammenhängend ( zum letzteren gehört wesenheit, wesentheit, vgl. mit…

gewesenlichheit

KöblerMhd

gewesenlichheit , st. F. nhd. Vollkommenheit, Wesenhaftigkeit Vw.: s. un- Q.: Eckh (1. Drittel 14. Jh.) E.: s. gewesenlich, heit W.: nhd. DW…

gewesenlīcheit

KöblerMhd

gewesenlīcheit , st. F. Vw.: s. gewesenlichheit*

gewesen als Zweitglied (3 von 3)

bīgewesen

KöblerMhd

bīgewesen , st. V. nhd. nahe sein (V.), nahe bleiben, gehören zu, innewohnen, widerfahren (V.), beistehen Hw.: s. bīsīn Q.: Trist (um 1210) …

Dagewesen

Wander

dag·e·wesen

Dagewesen 1. Alles schon dagewesen! – Tendlau, 696. Holl. : Alle dingen hebben hunnen keer, behalve de tijd; want als die eens voorbij is, z…

īngewesen

KöblerMhd

īngewesen , st. V. nhd. innewohnen E.: s. īn, ge, wesen W.: nhd. DW- L.: Hennig (īngewesen)