entgehen ,
exire, evadere, elabi, effugere, ahd. intkân, ingangan (Graff 4, 85),
mhd. engân (
wb. 1, 471
a),
nnl. ontgaan.
erst die unpersönlichen, dann die persönlichen bedeutungen. 11)
unwillkürlich entgeht
mir 1@aa) das blut: dô ich den wolf alsô traf und im engienc sîn besteʒ saf, dô moht ër lützel vliehen.
Hahns Stricker
s. 18; pulver, wodurch blut und geist entgeht. Brockes 9, 85; die farbe entgieng ihm,
trat zurück, er erblich. 1@bb) die milch: und mir entgieng (
vergieng) aus mangel alle milch. Tieck 2, 247. 1@cc) der same: wenn einem mann im schlaf der samen entgehet. 3
Mos. 15, 16. 1@dd) der fusz: und der magd in ihrem uber die leitern absteigen zu ihrem unglück ein fusz entgieng, dasz sie ab zu der erden fiel und ihr ein bein brach.
Bocc. 2, 110
a; sind ihm die beide füsz entgangen und ist also ins wasser geplumpt. Wickram
rollw. 20
b; es sollten bald die füsze mir durch falschen tritt entgangen sein. Opitz.
mhd. dô begunden ime die fuoʒe ingâ
n. Reinh. 808. 1@ee) geist, athem, kraft, mut, lust: do nam sie und verschland prinnende kolen bisz ir der geist engieng. Albr. von Eybe 30
a; mein blöd herz mir entget. Melissus R 5
a; der athem entgieng ihm; das ander, das ein sterbender mensch an im hat, ist, im entgeet all sein natürlich hitz. Keisersb.
pred. 50
a; also wenn ein mensch in ein kloster kummet, so soll im entgeen aller natürlicher anmut (
s. 1, 409), den er hat zu vatter, zu muter, zu freunden und gespilen. 50
a; da wolte mir für angst der beine mark verseigen, durch die gewissensqual entgieng mir meine kraft. Fleming 17; glückselges alterthum, das, weil die kräft entgehn, stets an das ende denkt. Chr. Gryphius 1, 354; aller muth entgeht mir, so in der kunst als im leben fortzufahren. Tieck
Sternb. 2, 279. 1@ff) mir entgieng (
vergienge) vil eh der hust, als inen der wust.
Garg. 68
a. 1@gg) ein seufzer, ein fluch: dem Elsaszer Flitte entgieng im sessionszimmer ein leicht geschnalzter fluch. J. P.
flegelj. 1, 6. 22) mir entgeht etwas
von auszen, 2@aa) die speise, kost, der leckerbisse: salmen oder selmling, waʒ erst ausz gat das seltzam ist, das ist ir jubilieren, da keren sie allen fleisz an, daʒ der schleck inen nit entgang. Keisersb.
s. d. m. 5
b; also thuont unser pfaffen auch, und luogen wa die allerbesten fisch feil seien, das nemen sie fleiszlichen war und luogen daruf als ein duol (
dohle) uf ein maus, das inen der schleck nummen nicht engang. 7
a. 2@bb) einem ritter entgieng sein pferd (
gieng ihm durch), das er zu ferr in die feind kam.
schimpf und ernst cap. 47 (243); die beute, der vortheil entgieng uns; er läszt sich den vortheil nicht entgehen; da er uns aber an den enden den knechten entgieng ausz den henden. H. Sachs III. 1, 203
d. 2@cc) also ist mir die zeit entgangen (
dahin gegangen, vergangen), das ich lenger ausgewest pin, dann ich hett gemeint. Albr. von Eybe 14
b. 2@dd) diese wahrnehmung, bemerkung ist ihm entgangen (
an ihm vorüber gegangen, nicht eingefallen); es entgeht mir nicht,
non me praeterit; kein wörtchen ist mir davon entgangen; in seinem herzen wär diese falte wirklich mir entgangen? Schiller 285
a; die gelegenheit soll mir nicht entgehen; er hat es sich entgehen lassen,
es aus den händen gelassen. 33)
persönliches entgehen
mit dem dativ, entrinnen, entwischen: der böse wird gefangen in seinen eigen falschen worten, aber der gerechte entgehet der angst.
spr. Sal. 12, 13; wer gott fürchtet, der entgehet dem allen.
pred. Sal. 7, 19; ich wil ein unglück über sie gehen lassen, dem sie nicht sollen entgehen mü
gen. Jer. 11, 11; und du selbest wirst iren henden nicht entgehen. 38, 28; ich aber wil etliche von euch uberbleiben lassen, die dem schwert entgehen unter den heiden.
Ez. 6, 8; und wil mein angesicht wider sie setzen, das sie dem fewr nicht entgehen sollen. 15, 7; der wird der strafe nicht entgehen.
Sir. 29, 26; sie suchten abermal in zu greifen, aber er entgieng inen aus iren henden.
Joh. 10, 39,
goth. usiddja us handum izê; dieser mensch musz ein mörder sein, welchen die rache nicht leben leszet, ob er gleich dem meer entgangen ist.
apostelg. 28, 4; dem regen entgehn und ins wasser fallen, ausz einer kleinen fahr in ein gröszer. Alberus; einem pfeil, einem schusz entgehen; wenn ich mich wol hielte und ein wenig besser meiner jugend entgienge (
zum manne heranwüchse).
Simpl. K. 333; wenn ihr ein kind entgieng (
starb), so dankte sie dem herrn. Chr. Gryphius
poet. wälder 2, 166; ich bin der stadt entgangen, da war ich wie gefangen. Uz 1, 27; sie spielen falsch. gestehen sie, sie wollen in dieser schlangenwendung mir entgehn. Schiller 262
a; ihr seid unlustig, weil euch Orleans entgieng. 461
a; entgegnet ihm, dasz er euch nicht entgeht. Göthe 41, 144. 44) entgehen
ohne dativ, bei Maaler 104
a entgon, sich heimlich hinwäg schleicken: und hiesz die da schwimmen kündten, sich zuerst in das meer lassen und entgehen an das land.
apostelg. 27, 43; Petulca war jüngst hin von ihrem mann entgangen. Logau 1, 188, 93; die höll ist schwarz und kalt und brennet doch darinnen? o nicht auf das, wie man entgeh, ist drauf zu sinnen. 1, 229, 57; oder, weil die deutsche welt weiland einen hund band auf dem, der aus der schlacht entgieng nicht durch gegenwehr, durch lauf. 2, 93, 79; unter diesen dingen entgieng der jüngling und lief was er konte.
pers. baumg. 2, 22; er entgieng aus den händen aller. Opitz
Argenis 2, 331; nur ein einigs war entgangen, war vom haufen kommen ab. Spee
trutzn. 237; als nun jeder in dem streite seinen feind aufs schärfste trieb, nahte sich ein klügrer dieb und entgieng mit ihrer beute. Hagedorn 2, 50; aber du sollst nicht entgehn, ergib dich oder ich beisze. Göthe 40, 217.