zukunft,
f. ,
ahd. zuochumft Graff 4, 676;
mhd. zuokumft
mhd. wb. 1, 907
b; Lexer 3, 1193;
mnd. tokumst, tokomst Schiller-Lübben 4, 568
a;
mnl. toecomste Verdam
hdwb. 596
a.
ags. dafür tócyme,
m., Bosworth-Toller 995
a.
die heutigen nd. maa. haben meist tokumft
im anschlusz an das hd., nl. dagegen toecomst.
die bildung hat sich erst im mhd. gefestigt, während im ahd. neben zuochumft
aggressio noch die glossierungen zoquumi
conventus (
wie im ags.) Graff 4, 673, zuopiquemani
proventio 674,
perventio bair. gl. Paul-Braune
beiträge 39, 32, zoquemina
conventus Graff 4, 675
erscheinen. die bedeutung entsprach zunächst der ableitung von zukommen.
als das wort die zeitliche bedeutung annahm, trat an seine stelle ankunft,
das anfangs '
herkunft'
bezeichnete, s. th. 1, 387
f. II. zukunft
in räumlichem sinne '
herankunft', '
ankunft',
war die herrschende anwendung im mhd. und auch noch im 16.,
selbst anfang des 17.
jh. Frisius 14
b; 42
b; 891
a; 1357
a; Calepinus xi
ling. 39
a; 1425
a; Hulsius 1, 284
b; 2, 41
a; 174
b; 429
b.
spätere lexikalische erwähnungen Kramer 1, 828
a,
ders. hoch- u. niederd. dict. 1, 393
a, Dentzler 2, 367
b (
bei Stieler
fehlt es)
beziehen sich auf die kirchliche formel, s. u. I 5,
in welcher sich die sonst veraltete bedeutung bis ins 19.
jh. erhalten hat Adelung 4, 1757; Heynatz 2, 675.
diese hat wohl auch in späterer zeit die verwendung des wortes für ankunft
veranlaszt: man erinnere sich nur, auf wie viele hundert arten die anbrechung des tages und die zukunft der nacht von den alten und neuen poeten vorgestellet worden Breitinger
forts. d. crit. dichtk. (1740) 337; wie vom Elysium herüber, vernahm ich seine (
des frühlings) zukunft Hölderlin 2, 100
Litzm.; denn geisterstimmen, wie aus tiefen klüften, vernehm' ich nah und näher in den lüften, verhängnisvolle wundertöne, die mir der parzen nahe zukunft deuten Göthe 13, 1, 97
W. (
im ersten abdruck ankunft,
s. 13, 2, 170). I@11)
allgemein für räumliche herankunft oder ankunft: ewer schriefft ... hab ich entpfangen, und mir nun lieb ist, das gott meyne zukunft zu euch nicht gestattet hat Luther 18, 539
W.; e. k.
f. g. wollten mir gnädiglich zu gut halten meine zukunft in e. k.
f. g. stadt
briefe 2, 144
de Wette; daz das mör mit seiner schnellen zuokunfft die thier von dem gstad mit ym reiszt S. Franck
weltb. 20
a; irer zukunfft was er gar fro Fischart
ritter von Staufenberg 299
Hauffen; sie erhielten bald des folgenden tages nach ihrer zukunft ... richtige zeitung, wie es mit dem polnischen lager beschaffen war A. H. Buchholz
Herkulisk. (1665) 1358.
eigenthümlich ist die adverbiale wendung in zukunft: damit das unrüwig volck in zuokunfft der Römer nit abfellig würd Carbach
Livius 211
b,
ähnl. Wilwolt von Schaumburg 108
lit. ver., in ihrer z.
Endinger judensp. 26
ndr. I@22)
mit dem nebensinn der heimkehr: remeatus widerkeerung, ..., beruof und zuokunft ausz dem ellend Frisius 1139
a; ach, so ist nun kein hoffnung eben meiner zukunfft! ja umb ihr leben bringstu, Aiax, die gselschaft dein Wolfh. Spangenberg
griech. dramen 2, 113
lit. ver. (
Ajax, chor der Salaminier). I@33)
mit dem nebensinn des drohenden, feindlichen: Pharaones zkunft hat er mit richer sigennft gewelteclichen uberhert Heinr. v. Neustadt
gottes zukunft 3223
Singer; zuletzt ward ir zuokunfft ein mal ernst, das sagte niemandt, da überfielen sie die feindt S. Franck
sprichwörter (1541) 1, 49
b;
sch. w. klugreden (1548) 148
b; die wacht .. soll desselbigen zukunfft zu stürmen ... vermelden Kirchhof
mil. disc. (1602) 36; die Teutschen sind bären mit vernunfft. drum fröw sich keiner ir zuokunfft Stumpff
Schwytzerchr. (1606) 61
b. I@44)
auf zeitliches übertragen: in kalten landen sol die herbstsat fruo sein, das die pflantze etzwas krafft gewinne vor winters zukunfft
Petrus de Cresc. (
s. l. et a.) 21
a; und warten also beyde die selige zukunfft der nacht
buch der liebe (1587) 110
a.
weiter auf das was in der zeit vorgeht: die zuokunfft des alters Schwarzenberg
Cicero 30; so ist das evangelium nit die klarheyt selbs, auch nit das liecht selbs, sondern es ist der aufgang solcher klarheyt und zukunft solchs liechts Luther 10, 1, 1, 525
W.; er solle uff newen zukunfftigen radts zukunfft sich hierher kegen Magdeburgk heuszlich besetzen
chr. d. st. 27, 188; drey dornstag vor weinacht klopfen die meydlin und knaben von hausz zu hausz ... an den thüren an, die zuokunfft der geburt des herren verkündigende (
in Franken) S. Franck
weltb. (1542) 50
a; des todts zukunfft Lehmann
flor. 3, 338; der liebe krafft hat diese aygenschafft, das ihr starcke zukunfft gantz blendet die vernunfft H. Sachs 4, 310
K. I@55)
in der sprache der kirche und der bibel ist es die herabkunft des herrn: diz buch sol nach nwer hant 'gotes zukunft' sin genant Heinr. v. Neustadt
gottes zukunft 62
Singer. Luthers
bibel kennt nur diese bedeutung gegenüber seinem sonstigen weitergehenden gebrauch. es ist einmal die menschwerdung Christi, epiphanias 10, 1, 1, 44
W.; die erste zukumft unsers herren
altd. pred. 1, 180
Schönb.; welchen propheten haben ewre veter nicht verfolget? und sie getödtet, die da zuvor verkündigeten die zukunft dieses gerechten, welches ir nu verrheter und mörder worden seid
apostelg. 7, 52; so sagt das newe testament von seiner zukunft yns fleisch Luther 26, 435
W. (
ähnl. 10, 1, 1, 353; 34, 2, 130).
vorherrschend ist aber die beziehung auf die andere zukunft
zum gericht: do Christus ... kam in seiner ersten zukunft .., do ist er als ein falscher furst geschwecht worden. also ist es itzundt vor der andren zukunft 10, 3, 353; denn gleich wie der blitz ausgehet vom aufgang, und scheinet bis zum nidergang, also wird auch sein die zukunft des menschen sons
Matth. 24, 27; und nu kindlin, bleibet bey im, auf das ... wir freidigkeit haben, und nicht zu schanden werden für im, in seiner zukunft 1.
ep. Joh. 2, 28; was Johannes von der zukunft Christi gedacht habe, zeigt die apokalypse Herder 19, 106
S.; die zukunfft unsres herrn war, ist und wird geschehn, im fleisch, im geist, und wann man ihn wird herrlich sehn Angelus Silesius
cherub. wandersmann 86
ndr.; auf seine zukunft (
d. himml. bräutigams) harr' besorgt ich an der thür um meiner lampe öl Brentano 2, 574.
ebenso sprach man von der zukunft des heiligen geistes Zwingli
d. schr. 1, 240; Eberlin v. Günzburg 2, 113
ndr., und des Antichrists Äg. Albertinus
Lucifers königreich 11
Liliencron. I@66)
vereinzelt ist die bed. '
einkünfte': item das stöblawische werder .. mit allen gemeyniglichen zcukünften
acten d. ständetage Preuszens 4, 428 (1454).
s.zukommen VI
am ende und zufall 2 a. IIII. zukunft
von der zeit gebraucht erscheint vereinzelt schon im mhd.: Natûre ist ein vrouwe, unt swaz ie wart unt immer ist, unt swaz zuokunft beschouwe, des waltet si gemeine Frauenlob 134
Ettmüller (232, 15); er liez alle meistre wit berufen in einer zit, sternseher und die zukumft sagen kunden mit vernumft
Daniel 573
Hübner (
ebenso 4598; 8159,
jedes mal unabhängig von der vulgata); aruspex nach altaropfers rauche in zukunft tuende ausrichtunge
ackermann a. Böhmen 26
Bernt. dazu kommen einige glossierungen: futurus zukonffte ... tzokompste Diefenbach 254
c, toecomste
n. gl. 187
b, zukonffte
voc. theut. (
Eltvil 1472).
im frühnhd. findet sich vereinzelt, wie Daniel 8159,
die adverbialbestimmung in zukunft Hutten 2, 189
Böcking; H. Sachs 19, 71
G. sonst fehlt es im 16.
und 17.
jh. Luther
u. seine bibel kennen es nicht, auch noch nicht Stieler
u. Kramer,
während das adj. zukünftig
schon lange üblich ist, siehe zukünftig 3
und 4.
dem entsprechend unterscheidet Corvinus zukunft
für adventus fons (1646) 946
und obitus 306
von dem adj. futurus zukünfftig 855.
auch nd. tokompst
weist die zeitliche bedeutung nicht auf, während einmal tokomenheit
so belegt ist Schiller-Lübben 4, 568
a.
es hat also, abgesehen von jenen mhd. vorgriffen, das subst. erst nach dem adj. die zeitbedeutung angenommen, genau so wie gegenwart
und vergangenheit,
s. th. 4, 1, 2291
und 12, 374.
erst das '
philosophische zeitalter',
als der mensch aufhörte, die zeitlichkeit der ewigkeit gegenüberzustellen, und anfieng, sich selbst im ablauf des allgemeinen geschehens zu sehen, s. die bel. bei 1 a,
hat die uns so geläufige abstraction des begriffes der zukünftigen zeit allgemein vollzogen: es fehlt ihm (
dem caribischen) nicht an ausdruck für abstracte begriffe, es kann von zukunft, ewigkeit, existenz reden A. v. Humboldt
bei O. Peschel völkerkunde 153.
wie weit die grammatische unterweisung den sprachgebrauch bestimmt hat, ist nicht deutlich. der gramm. ausdruck war zunächst zukünftige zeit,
seit wann man dafür einfach zukunft
sagt, läszt sich nicht genau feststellen, s. u. 1 h.
die bedeutung hat sich im einzelnen seit dem 18.
jh. aus dem allgemeinen begriff '
zukünftige zeit'
entwickelt, übrigens in übereinstimmung mit frz. avenir
und engl. future. II@11) zukunft
ist der auf die gegenwart als folgend gedachte zeitraum. II@1@aa)
es ist der zeitraum, dem alles künftige angehört, im gegensatz zur gegenwart und vergangenheit: dieser unterschied des denkens, da der eine weiter hinaus in die zukunft denkt, als der andre, beruht auf der verschiedenheit der seelenkräfte Th. Abbt
verm. w. 1, 130; der mensch der an drey stellen lebt, im vergangenen, im gegenwärtigen und in der zukunft, kann unglücklich seyn, wenn eine von diesen dreyen nichts taugt Lichtenberg
verm. schr. 2, 166; in dem schrecklichen augenblick, da mein ganzes wesen zwischen sein und nichtsein zittert, da die vergangenheit wie ein blitz über dem finstern abgrunde der zukunft leuchtet, und alles um mich her versinkt, und mit mir die welt untergeht Göthe 19, 130
W.; erinnern sie sich oft des vergangenen, um auf die zukunft nichts zu versprechen 37, 65
W.; sei es wonne, sei es plage, schiebt er's zu dem andern tage, ist der zukunft nur gewärtig, und so wird er niemals fertig 15, 310
W. (
Faust 11 465); dreyfach ist der schritt der zeit. zögernd kommt die zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das jetzt entflogen, ewig still steht die vergangenheit Schiller 11, 14
G. (
spruch des Confucius); wenn man die nothwendigkeit erkannte, dem königthum der zukunft das absolute veto einzuräumen Dahlmann
g. d. frz. rev. 257; wie sie aber in prozession daherzogen, die rotbackigen äbtlein der zukunft Scheffel
ges. w. 1, 142. II@1@bb)
in diese zukunft wird der blick gerichtet: auch mir ist der blick hell in die zukunft Klopstock
oden 2, 3
M.-P.; mehrmals hat er es erwiesen, wie hell und bestimmt er in die zukunft sah Herder 17, 8
S.; mancher blick in die z. Göthe 8, 313
W.; aber während die augen der mutter immer lachten, waren die der tochter ernst und schwermüthig, als sähen sie in die zukunft Fontane I 3, 6; in der z. lesen. II@1@cc)
sie erscheint als nah
oder fern: wenn das nun in der nahen zukunft nicht so eintrifft Jung-Stilling 3, 9; hoffnungen und aussichten auf die nächste zukunft Möricke 3, 67
Göschen; sobald mein schicksal für die nächste und entferntere zukunft entschieden ist W. v. Humboldt
an Welcker 1
Haym; in naher, in nicht allzuferner zukunft. II@1@dd)
die zukunft
erscheint als die zeit der klärung und erfüllung: die hoffnung für die zukunft Göthe 22, 9
W.; doch, um den mächt'gen erbherrn wohl verdienen, heiszt saaten in die zukunft streu'n Schiller 14, 312
G.; dadurch greift ihre darstellung in die zukunft, wo alles verborgne klar und jede verwicklung gelöst wird Fr. Schlegel
s. w. 2, 85; mit versprechungen für die zukunft kann ihr nicht gedient sein Bismarck
an seine braut 4; gewiss zum letzten male! nahm sie sich mit unzerstörlichem vertrauen auf die zukunft vor, den tröstlichen leitstern alles menschentumes G. Keller 6, 78; etwas der z. überlassen, von der z. erwarten. II@1@ee)
die adverbialen hinweise auf die zukunft sind überwiegend als blick in dieselbe gedacht. am häufigsten wird gebraucht das früh belegte, s. sp. 470
o., in zukunft,
welches den acc. enthält: niemand kann vorhersagen recht, was es (
das korn) in zukunfft gelten möcht J. G. Schmidt
rockenphilos. 2, 177; in zukunft bleib hübsch zu haus H. L. Wagner
theaterstücke (1779) 33.
so, besonders in anweisungen, befehlen u. ä., bis auf unsere zeit. verstärkt in alle zukunft J. H. Vosz
antisymb. 1, 225.
selten in die zukunft: so wollen wir ... es in die zukunft besser machen Görres
br. 3, 108.
jünger ist in der zukunft: und vielleicht wirst du in der zukunft ursache finden, den tag ... unter deine glücklichen zu zählen Wieland
Agathon (1766) 2, 48; in der zukunft, hoffe ich, wenden sie sich stets an mich
jahrb. d. Grillparzerges. 4, 53.
von dem begriff des vorsorgens bis zu der einfachen zeitbestimmung gehen die verbindungen mit für: bemüht, sich für ... die zukunft ... einen unterhalt zu verschaffen Göthe 46, 66
W.; gute vorsätze für die zukunft O. Ludwig 2, 390; dasz seine majestät der könig sich für alle zukunft verpflichte, niemals wieder seine zustimmung zu geben, wenn ... Bismarck
ged. u. er. 2, 112
volksausg.; als der tuchscherer nun seine rechnung machte, fand er, dasz er für die zukunft wohl bestehen würde, wenn es so fortginge G. Keller 5, 154.
ebenso für alle z.; was mich drückt ist doch eine handelssorge, leider nicht für den augenblick, nein! für alle zukunft Göthe 25, 249
W.; die zuversicht .., dasz ein band des vertrauens fürst und volk für jetzt und für alle zukunft umschlieszen .. werde Bismarck
pol. reden 3, 8. II@1@ff)
die zukunft
erscheint gleichsam persönlich: aber die zukunft gebiert neue erfordernüsse Haller
Alfred (1773) 191; und die mit dem überquellenden füllhorn blühende zukunft Schiller 2, 59
G.; was ist eigentlich alt? was jung? jung, wo die zukunft verwaltet; alt, wo die vergangenheit die übermacht hat Novalis 3, 102
Minor; die zukunft wird es lehren, zeigen. II@1@gg)
dem gläubigen ist die zukunft
die ewigkeit, das ewige leben: (
mein herz) schaw auff der zukunfft gütter hin, du wirdst es sehn, dasz dieses leiden sey nimmer wehrt der herrlichkeit, die gott uns schenckt nach dieser zeit S.
Dach Königsberger dichterkreis 221
ndr.; wenn er (
der weise) das menschengewebe der erdeseligkeit fliehet und die bücher der ewigen zukunft betend eröffnet Klopstock
Messias 1, 655; wie wenig bedeutet mir disz leben, wenn ich es mit einer ewigen zukunft auf die waage lege Schiller 3, 550
G. II@1@hh) zukunft
als grammatischer ausdruck für die zeitform des verbs ist etwa ende des 18.
jh. aufgekommen. Gottsched
schreibt noch künftige zeit
deutsche sprachkunst5 (1762) 305
ff. dagegen: die zukunft können wir uns ebenfalls nicht unmittelbar denken, sondern müssen sie uns erst mittelbar, durch den begriff des werdens oder allmäligen entstehens, vorstellen, indem wir z. b. sagen ich werde rufen, ich werde gehen K. Ph. Moritz
deutsche sprachlehre f. d. damen (1782) 442; die künftigkeit für zukunft, oder künftige zeit J. Kinderling
reinigkeit d. d. spr. 405. II@22) zukunft
ist, was in der künftigen zeit sein wird. II@2@aa)
der übergang von der zeitlichen zu der sachlichen bedeutung zeigt sich da, wo die zukunft
als ganzes auf alles zukünftige bezogen wird. in solchen fällen ist es nicht immer deutlich, wie das wort gemeint ist, besonders in wendungen wie an die zukunft denken, auf die zukunft hoffen, die zukunft erwarten.
deutlich sind folgende belege: er dachte die zukunft und den vergang voll seelenangst ... Klopstock
Messias 2, 628; was soll ich hier so lang' ich bin, mich um die zukunft kränken? Lessing 1, 70
M.; ich bin fleiszig und vergnügt und erwarte so die zukunft Göthe 32, 276
W.; so stand ich in der sonderbarsten gegenwart, zwischen der vergangenheit und zukunft 23, 83; muszt stets die gegenwart genieszen, besonders keinen menschen hassen und die zukunft gott überlassen 2, 284.
beide bedeutungen neben einander: der schwärmer thut oft sehr richtige blicke in die zukunft: aber er kann diese zukunft nur nicht erwarten Lessing 13, 422
M. II@2@bb)
die zukunft
erscheint als glücklich oder unglücklich, gern im bilde des lichten oder trüben: die reizenden aussichten einer besseren zukunft Wieland
Agathon (1766) 2, 55; in ihm (
dem augenblick geistigen erkennens von liebenden) genieszen wir .. alle freuden der zukunft Herder 15, 314
S.; wie ein klarer abendhimmel .. schwebet die zukunft vor mir maler Müller 1, 352; die vorgefühle einer ewig glüklichen zukunft Schiller 1, 168
G.; die schönsten farben der zukunft Caroline 1, 31
Waitz; jemand, der in einem zauberspiegel das bild seiner zukunft ... betrachtet Droste-Hülshoff 2, 272; hoch aus der ferne, wie reiche zukunft, glänzte des Bodensees spiegel herüber Scheffel 1, 160; eine goldene z.; heiterer morgen einer trüberen zukunft! H. P. Sturz 1, 180; es war mir, als ob die decke ... auf einmal weggerissen würde, und mich in die öde, freundlose zukunft hinausblicken liesze J.
M. Miller
briefw. dreier ak. freunde 1, 2; schwarz wie das grab, graute mich eine trostlose zukunft an Schiller 3, 402
G. II@2@cc)
zweideutig ist das wort noch, wo die zukunft
als verhüllt, verborgen oder enthüllt, offen bezeichnet wird. der schleier
oder vorhang der zukunft,
welcher enthüllt, aufgedeckt
oder durchdrungen
wird, kann den künftigen zeitraum verschlieszen oder die künftigen dinge verbergen. deutlich sind fälle folgender art: gütig hüllt in finsternissen gott die zukunft ein Chr.
F. Weisze
lieder f. kinder (1767) 41; mache besonders, dasz weder sie (
die mutter) noch unsere schwester sich wegen der zukunft bekümmern Lessing
an s. br. Theoph. 17, 338
M.; es wurde ihr in unserer verlassenheit für die lange und dunkle zukunft eine hauptsache, dasz gott der ernährer und beschützer mir immer vor augen sei G. Keller 1, 43.
um die zukünftigen dinge handelt es sich immer, wo die zukunft vorhergesehen
oder -gesagt
wird: allein hier schwieg Apoll, der sonst in alten weibern die zukunft meisterlich durch räthsel aufgedeckt Triller
wurmsaamen (1751) 2, 4; ich sah, o sagt mir, sah ich, was jetzt geschieht? erblickt ich zukunft? Klopstock
oden 1, 108
M.-P.; doch ist die zukunft ihm entdeckt, dafür hat jedermann respect Göthe 15, 158
W. (
Faust 8089); zukunft hast du mir gegeben, doch du nahmst den augenblick Schiller 11, 370
G. (
Kassandra). traurige und fröhliche bilder ..., woraus er ... eine zukunft entweder voraussiehet oder dichtet Herder 23, 3
S. II@2@dd)
als zukunft
werden bezeichnet vorgänge u. zustände innerhalb der zukunft: gleichwohl bewahrte ich .. den glauben, dasz die entwicklung der nächsten zukunft uns zur deutschen einheit führen werde Bismarck
ged. u. er. 1, 20
volksausg.; warum ... eine zukunft heraufbeschwören, von der vielleicht keiner profitiert Fontane I 5, 80.
wie in dem ersten belege wird es oft auf politische verhältnisse angewandt: für die zukunft der deutschen nation kam nun alles darauf an, ob sie diese gefahr bestehen würde oder nicht Ranke 2, 5; es war mir, als hörte ich den hammer schallen, womit die zukunft dieses volkes geschmiedet wird Stifter 3, 195; äuszern sie doch ihre ansicht über die zukunft der herzogthümer! Bismarck
pol. reden 3, 21; in einem kampfe, in dem nicht nur unsre nationale zukunft, sondern auch unsre staatliche existenz auf dem spiele stand
ged. u. er. 2, 125
volksausg.; unsre zukunft liegt auf dem wasser
ausspruch k. Wilhelms II. II@2@ee)
ebenso wird es von dem schicksal einzelner menschen gebraucht: warum gabst du uns die tiefen blicke, unsre zukunft ahnungsvoll zu schaun Göthe 4, 97
W. er hat in diesem ersten versuch schon fast alle gedanken seiner schriftstellerischen zukunft erfaszt Justi
Winckelmann 1, 415; er kenne sie wohl, samt ihrer vergangenheit und zukunft G. Keller 2, 224.
meist wird dabei an die wirthschaftliche lage oder äuszere laufbahn gedacht: er unterrichtete und kam dadurch in fördernde und seine zukunft sichernde verbindungen Ranke 1, 177; sasz er wieder in Salzburg, ..., war es mit allen guten aussichten für die zukunft vorbei O. Jahn
Mozart 3, 12; es ist eine andere luft als in der Gerwe (
dem Züricher club) zwischen den hitzigen herrn, von denen jeder einzelne seine bürgerliche zukunft mit einem tintenstrich durchstreichen kann W. Schäfer
lebenstag eines menschenfreundes (1916) 84; eine sichere, gesicherte, unsichere zukunft. II@33)
das wort bekommt einen gefühlswerth, der sich in manchen der bisherigen belege schon anzeigt. von dem begriff der fortdauer ausgehend wird es das lebensfähige und darum lebenswerthe, das werdende, neue, dem die zukunft gehört: süsze gefühle von hoffnung und zukunft und wiedersehn entschwangen sich ihren seelen maler Müller 1, 108; wenn gemeine menschen ohne sinn für die zukunft, einmahl von der wuth des fortschreitens ergriffen werden, treiben sies auch recht buchstäblich Fr. Schlegel
Athenäum 1, 2, 91; was meine hand berührt, entwickelt ein regeres leben, die knospe beginnt zu blühen und die blüthe ahndet ihre segenvolle zukunft Hoffmann v. Fallersleben
m. leben 6, 159; da weidete er seine augen an dem aufwachsenden geschlecht, dem die zukunft beschieden war Ranke 1, 65; sein ganzes wesen athmete tiefsinn, freudigkeit und zukunft 1, 282; neben der hierarchischen vergangenheit das brausen einer demokratischen zukunft 9, 144 (
ähnl. 30, 3; 37, vi; 38, 134); in hoc signo vinces. da liegt die zukunft Fontane I 4, 17.
in festen verbindungen eine z. haben: die ideen, die er vortrug, hatten eine zukunft Ranke 17, 160; ein unternehmen, ein land hat eine z.; die geburt der z. Immermann 1, 161
H., s. bei zugucken.
dazu das kunstwerk der zukunft R. Wagner
ges. schr. 5, 117, das land der zukunft W. v. Polenz,
buchtitel, die zu schlagwörtern geworden sind, Ladendorf
zschr. f. d. wortforsch. 5, 125
f., vgl. u. 5
d. II@44) die zukunft
sind diejenigen, die künftig leben werden: die zeit hat etwas eigenes, niemand kann auf den andern hören, deshalb eil ich möglichst zum druck: das vernimmt ein und der andere mitlebende, und der zukunft ist nicht benommen daran theil zu nehmen Göthe IV 28, 257
W.; dergleichen musz auf verantwortung gethan, lob und tadel aber der zukunft überlassen werden IV 29, 237; wahrscheinlich wird auch eine nicht allzuferne zukunft eine anzahl heutiger liedertexte kaum mit geringerer verwunderung betrachten O. Jahn
Mozart 3, 349. II@55)
in der zusammensetzung überwiegt jetzt durchaus zukunfts-,
die form ohne s
findet man am meisten vor s
und sch,
sowie in verbindung mit dem part. präs. oder einem nom. agentis, auch vielfach mit adjectiven: zukunftschauer, -schwanger, -segen, -seher, -spruch, zukunftahnend, -bildend, -blickend, -kündend, -schauend, -spähend, -verbürgend, -verheiszend, -verkündend, zukunftbeglücker, -deuter, -wisser, zukunftreich Treitschke
hist. u. polit. aufs. 2
5, 26,
zukunftlos Hebbel
br. 3, 116.
auch sonst findet man neben gewöhnlicher s-
form zukunftbild Fr. Th. Vischer
ästhetik 2, 401,