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zukunft

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zukunft f.

Bd. 32, Sp. 476
zukunft, f. , ahd. zuochumft Graff 4, 676; mhd. zuokumft mhd. wb. 1, 907b; Lexer 3, 1193; mnd. tokumst, tokomst Schiller-Lübben 4, 568a; mnl. toecomste Verdam hdwb. 596a. ags. dafür tócyme, m., Bosworth-Toller 995a. die heutigen nd. maa. haben meist tokumft im anschlusz an das hd., nl. dagegen toecomst. die bildung hat sich erst im mhd. gefestigt, während im ahd. neben zuochumft aggressio noch die glossierungen zoquumi conventus (wie im ags.) Graff 4, 673, zuopiquemani proventio 674, perventio bair. gl. Paul-Braune beiträge 39, 32, zoquemina conventus Graff 4, 675 erscheinen. die bedeutung entsprach zunächst der ableitung von zukommen. als das wort die zeitliche bedeutung annahm, trat an seine stelle ankunft, das anfangs 'herkunft' bezeichnete, s. th. 1, 387 f. II. zukunft in räumlichem sinne 'herankunft', 'ankunft', war die herrschende anwendung im mhd. und auch noch im 16., selbst anfang des 17. jh. Frisius 14b; 42b; 891a; 1357a; Calepinus xi ling. 39a; 1425a; Hulsius 1, 284b; 2, 41a; 174b; 429b. spätere lexikalische erwähnungen Kramer 1, 828a, ders. hoch- u. niederd. dict. 1, 393a, Dentzler 2, 367b (bei Stieler fehlt es) beziehen sich auf die kirchliche formel, s. u. I 5, in welcher sich die sonst veraltete bedeutung bis ins 19. jh. erhalten hat Adelung 4, 1757; Heynatz 2, 675. diese hat wohl auch in späterer zeit die verwendung des wortes für ankunft veranlaszt: man erinnere sich nur, auf wie viele hundert arten die anbrechung des tages und die zukunft der nacht von den alten und neuen poeten vorgestellet worden Breitinger forts. d. crit. dichtk. (1740) 337; wie vom Elysium herüber, vernahm ich seine (des frühlings) zukunft Hölderlin 2, 100 Litzm.; denn geisterstimmen, wie aus tiefen klüften, vernehm' ich nah und näher in den lüften, verhängnisvolle wundertöne, die mir der parzen nahe zukunft deuten Göthe 13, 1, 97 W. (im ersten abdruck ankunft, s. 13, 2, 170). I@11) allgemein für räumliche herankunft oder ankunft: ewer schriefft ... hab ich entpfangen, und mir nun lieb ist, das gott meyne zukunft zu euch nicht gestattet hat Luther 18, 539 W.; e. k. f. g. wollten mir gnädiglich zu gut halten meine zukunft in e. k. f. g. stadt briefe 2, 144 de Wette; daz das mör mit seiner schnellen zuokunfft die thier von dem gstad mit ym reiszt S. Franck weltb. 20a; irer zukunfft was er gar fro Fischart ritter von Staufenberg 299 Hauffen; sie erhielten bald des folgenden tages nach ihrer zukunft ... richtige zeitung, wie es mit dem polnischen lager beschaffen war A. H. Buchholz Herkulisk. (1665) 1358. eigenthümlich ist die adverbiale wendung in zukunft: damit das unrüwig volck in zuokunfft der Römer nit abfellig würd Carbach Livius 211b, ähnl. Wilwolt von Schaumburg 108 lit. ver., in ihrer z. Endinger judensp. 26 ndr. I@22) mit dem nebensinn der heimkehr: remeatus widerkeerung, ..., beruof und zuokunft ausz dem ellend Frisius 1139a; ach, so ist nun kein hoffnung eben meiner zukunfft! ja umb ihr leben bringstu, Aiax, die gselschaft dein Wolfh. Spangenberg griech. dramen 2, 113 lit. ver. (Ajax, chor der Salaminier). I@33) mit dem nebensinn des drohenden, feindlichen: Pharaones zkunft hat er mit richer sigennft gewelteclichen uberhert Heinr. v. Neustadt gottes zukunft 3223 Singer; zuletzt ward ir zuokunfft ein mal ernst, das sagte niemandt, da überfielen sie die feindt S. Franck sprichwörter (1541) 1, 49b; sch. w. klugreden (1548) 148b; die wacht .. soll desselbigen zukunfft zu stürmen ... vermelden Kirchhof mil. disc. (1602) 36; die Teutschen sind bären mit vernunfft. drum fröw sich keiner ir zuokunfft Stumpff Schwytzerchr. (1606) 61b. I@44) auf zeitliches übertragen: in kalten landen sol die herbstsat fruo sein, das die pflantze etzwas krafft gewinne vor winters zukunfft Petrus de Cresc. (s. l. et a.) 21a; und warten also beyde die selige zukunfft der nacht buch der liebe (1587) 110a. weiter auf das was in der zeit vorgeht: die zuokunfft des alters Schwarzenberg Cicero 30; so ist das evangelium nit die klarheyt selbs, auch nit das liecht selbs, sondern es ist der aufgang solcher klarheyt und zukunft solchs liechts Luther 10, 1, 1, 525 W.; er solle uff newen zukunfftigen radts zukunfft sich hierher kegen Magdeburgk heuszlich besetzen chr. d. st. 27, 188; drey dornstag vor weinacht klopfen die meydlin und knaben von hausz zu hausz ... an den thüren an, die zuokunfft der geburt des herren verkündigende (in Franken) S. Franck weltb. (1542) 50a; des todts zukunfft Lehmann flor. 3, 338; der liebe krafft hat diese aygenschafft, das ihr starcke zukunfft gantz blendet die vernunfft H. Sachs 4, 310 K. I@55) in der sprache der kirche und der bibel ist es die herabkunft des herrn: diz buch sol nach nwer hant 'gotes zukunft' sin genant Heinr. v. Neustadt gottes zukunft 62 Singer. Luthers bibel kennt nur diese bedeutung gegenüber seinem sonstigen weitergehenden gebrauch. es ist einmal die menschwerdung Christi, epiphanias 10, 1, 1, 44 W.; die erste zukumft unsers herren altd. pred. 1, 180 Schönb.; welchen propheten haben ewre veter nicht verfolget? und sie getödtet, die da zuvor verkündigeten die zukunft dieses gerechten, welches ir nu verrheter und mörder worden seid apostelg. 7, 52; so sagt das newe testament von seiner zukunft yns fleisch Luther 26, 435 W. (ähnl. 10, 1, 1, 353; 34, 2, 130). vorherrschend ist aber die beziehung auf die andere zukunft zum gericht: do Christus ... kam in seiner ersten zukunft .., do ist er als ein falscher furst geschwecht worden. also ist es itzundt vor der andren zukunft 10, 3, 353; denn gleich wie der blitz ausgehet vom aufgang, und scheinet bis zum nidergang, also wird auch sein die zukunft des menschen sons Matth. 24, 27; und nu kindlin, bleibet bey im, auf das ... wir freidigkeit haben, und nicht zu schanden werden für im, in seiner zukunft 1. ep. Joh. 2, 28; was Johannes von der zukunft Christi gedacht habe, zeigt die apokalypse Herder 19, 106 S.; die zukunfft unsres herrn war, ist und wird geschehn, im fleisch, im geist, und wann man ihn wird herrlich sehn Angelus Silesius cherub. wandersmann 86 ndr.; auf seine zukunft (d. himml. bräutigams) harr' besorgt ich an der thür um meiner lampe öl Brentano 2, 574. ebenso sprach man von der zukunft des heiligen geistes Zwingli d. schr. 1, 240; Eberlin v. Günzburg 2, 113 ndr., und des Antichrists Äg. Albertinus Lucifers königreich 11 Liliencron. I@66) vereinzelt ist die bed. 'einkünfte': item das stöblawische werder .. mit allen gemeyniglichen zcukünften acten d. ständetage Preuszens 4, 428 (1454). s.zukommen VI am ende und zufall 2 a. IIII. zukunft von der zeit gebraucht erscheint vereinzelt schon im mhd.: Natûre ist ein vrouwe, unt swaz ie wart unt immer ist, unt swaz zuokunft beschouwe, des waltet si gemeine Frauenlob 134 Ettmüller (232, 15); er liez alle meistre wit berufen in einer zit, sternseher und die zukumft sagen kunden mit vernumft Daniel 573 Hübner (ebenso 4598; 8159, jedes mal unabhängig von der vulgata); aruspex nach altaropfers rauche in zukunft tuende ausrichtunge ackermann a. Böhmen 26 Bernt. dazu kommen einige glossierungen: futurus zukonffte ... tzokompste Diefenbach 254c, toecomste n. gl. 187b, zukonffte voc. theut. (Eltvil 1472). im frühnhd. findet sich vereinzelt, wie Daniel 8159, die adverbialbestimmung in zukunft Hutten 2, 189 Böcking; H. Sachs 19, 71 G. sonst fehlt es im 16. und 17. jh. Luther u. seine bibel kennen es nicht, auch noch nicht Stieler u. Kramer, während das adj. zukünftig schon lange üblich ist, siehe zukünftig 3 und 4. dem entsprechend unterscheidet Corvinus zukunft für adventus fons (1646) 946 und obitus 306 von dem adj. futurus zukünfftig 855. auch nd. tokompst weist die zeitliche bedeutung nicht auf, während einmal tokomenheit so belegt ist Schiller-Lübben 4, 568a. es hat also, abgesehen von jenen mhd. vorgriffen, das subst. erst nach dem adj. die zeitbedeutung angenommen, genau so wie gegenwart und vergangenheit, s. th. 4, 1, 2291 und 12, 374. erst das 'philosophische zeitalter', als der mensch aufhörte, die zeitlichkeit der ewigkeit gegenüberzustellen, und anfieng, sich selbst im ablauf des allgemeinen geschehens zu sehen, s. die bel. bei 1 a, hat die uns so geläufige abstraction des begriffes der zukünftigen zeit allgemein vollzogen: es fehlt ihm (dem caribischen) nicht an ausdruck für abstracte begriffe, es kann von zukunft, ewigkeit, existenz reden A. v. Humboldt bei O. Peschel völkerkunde 153. wie weit die grammatische unterweisung den sprachgebrauch bestimmt hat, ist nicht deutlich. der gramm. ausdruck war zunächst zukünftige zeit, seit wann man dafür einfach zukunft sagt, läszt sich nicht genau feststellen, s. u. 1 h. die bedeutung hat sich im einzelnen seit dem 18. jh. aus dem allgemeinen begriff 'zukünftige zeit' entwickelt, übrigens in übereinstimmung mit frz. avenir und engl. future. II@11) zukunft ist der auf die gegenwart als folgend gedachte zeitraum. II@1@aa) es ist der zeitraum, dem alles künftige angehört, im gegensatz zur gegenwart und vergangenheit: dieser unterschied des denkens, da der eine weiter hinaus in die zukunft denkt, als der andre, beruht auf der verschiedenheit der seelenkräfte Th. Abbt verm. w. 1, 130; der mensch der an drey stellen lebt, im vergangenen, im gegenwärtigen und in der zukunft, kann unglücklich seyn, wenn eine von diesen dreyen nichts taugt Lichtenberg verm. schr. 2, 166; in dem schrecklichen augenblick, da mein ganzes wesen zwischen sein und nichtsein zittert, da die vergangenheit wie ein blitz über dem finstern abgrunde der zukunft leuchtet, und alles um mich her versinkt, und mit mir die welt untergeht Göthe 19, 130 W.; erinnern sie sich oft des vergangenen, um auf die zukunft nichts zu versprechen 37, 65 W.; sei es wonne, sei es plage, schiebt er's zu dem andern tage, ist der zukunft nur gewärtig, und so wird er niemals fertig 15, 310 W. (Faust 11 465); dreyfach ist der schritt der zeit. zögernd kommt die zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das jetzt entflogen, ewig still steht die vergangenheit Schiller 11, 14 G. (spruch des Confucius); wenn man die nothwendigkeit erkannte, dem königthum der zukunft das absolute veto einzuräumen Dahlmann g. d. frz. rev. 257; wie sie aber in prozession daherzogen, die rotbackigen äbtlein der zukunft Scheffel ges. w. 1, 142. II@1@bb) in diese zukunft wird der blick gerichtet: auch mir ist der blick hell in die zukunft Klopstock oden 2, 3 M.-P.; mehrmals hat er es erwiesen, wie hell und bestimmt er in die zukunft sah Herder 17, 8 S.; mancher blick in die z. Göthe 8, 313 W.; aber während die augen der mutter immer lachten, waren die der tochter ernst und schwermüthig, als sähen sie in die zukunft Fontane I 3, 6; in der z. lesen. II@1@cc) sie erscheint als nah oder fern: wenn das nun in der nahen zukunft nicht so eintrifft Jung-Stilling 3, 9; hoffnungen und aussichten auf die nächste zukunft Möricke 3, 67 Göschen; sobald mein schicksal für die nächste und entferntere zukunft entschieden ist W. v. Humboldt an Welcker 1 Haym; in naher, in nicht allzuferner zukunft. II@1@dd) die zukunft erscheint als die zeit der klärung und erfüllung: die hoffnung für die zukunft Göthe 22, 9 W.; doch, um den mächt'gen erbherrn wohl verdienen, heiszt saaten in die zukunft streu'n Schiller 14, 312 G.; dadurch greift ihre darstellung in die zukunft, wo alles verborgne klar und jede verwicklung gelöst wird Fr. Schlegel s. w. 2, 85; mit versprechungen für die zukunft kann ihr nicht gedient sein Bismarck an seine braut 4; gewiss zum letzten male! nahm sie sich mit unzerstörlichem vertrauen auf die zukunft vor, den tröstlichen leitstern alles menschentumes G. Keller 6, 78; etwas der z. überlassen, von der z. erwarten. II@1@ee) die adverbialen hinweise auf die zukunft sind überwiegend als blick in dieselbe gedacht. am häufigsten wird gebraucht das früh belegte, s. sp. 470 o., in zukunft, welches den acc. enthält: niemand kann vorhersagen recht, was es (das korn) in zukunfft gelten möcht J. G. Schmidt rockenphilos. 2, 177; in zukunft bleib hübsch zu haus H. L. Wagner theaterstücke (1779) 33. so, besonders in anweisungen, befehlen u. ä., bis auf unsere zeit. verstärkt in alle zukunft J. H. Vosz antisymb. 1, 225. selten in die zukunft: so wollen wir ... es in die zukunft besser machen Görres br. 3, 108. jünger ist in der zukunft: und vielleicht wirst du in der zukunft ursache finden, den tag ... unter deine glücklichen zu zählen Wieland Agathon (1766) 2, 48; in der zukunft, hoffe ich, wenden sie sich stets an mich jahrb. d. Grillparzerges. 4, 53. von dem begriff des vorsorgens bis zu der einfachen zeitbestimmung gehen die verbindungen mit für: bemüht, sich für ... die zukunft ... einen unterhalt zu verschaffen Göthe 46, 66 W.; gute vorsätze für die zukunft O. Ludwig 2, 390; dasz seine majestät der könig sich für alle zukunft verpflichte, niemals wieder seine zustimmung zu geben, wenn ... Bismarck ged. u. er. 2, 112 volksausg.; als der tuchscherer nun seine rechnung machte, fand er, dasz er für die zukunft wohl bestehen würde, wenn es so fortginge G. Keller 5, 154. ebenso für alle z.; was mich drückt ist doch eine handelssorge, leider nicht für den augenblick, nein! für alle zukunft Göthe 25, 249 W.; die zuversicht .., dasz ein band des vertrauens fürst und volk für jetzt und für alle zukunft umschlieszen .. werde Bismarck pol. reden 3, 8. II@1@ff) die zukunft erscheint gleichsam persönlich: aber die zukunft gebiert neue erfordernüsse Haller Alfred (1773) 191; und die mit dem überquellenden füllhorn blühende zukunft Schiller 2, 59 G.; was ist eigentlich alt? was jung? jung, wo die zukunft verwaltet; alt, wo die vergangenheit die übermacht hat Novalis 3, 102 Minor; die zukunft wird es lehren, zeigen. II@1@gg) dem gläubigen ist die zukunft die ewigkeit, das ewige leben: (mein herz) schaw auff der zukunfft gütter hin, du wirdst es sehn, dasz dieses leiden sey nimmer wehrt der herrlichkeit, die gott uns schenckt nach dieser zeit S. Dach Königsberger dichterkreis 221 ndr.; wenn er (der weise) das menschengewebe der erdeseligkeit fliehet und die bücher der ewigen zukunft betend eröffnet Klopstock Messias 1, 655; wie wenig bedeutet mir disz leben, wenn ich es mit einer ewigen zukunft auf die waage lege Schiller 3, 550 G. II@1@hh) zukunft als grammatischer ausdruck für die zeitform des verbs ist etwa ende des 18. jh. aufgekommen. Gottsched schreibt noch künftige zeit deutsche sprachkunst5 (1762) 305 ff. dagegen: die zukunft können wir uns ebenfalls nicht unmittelbar denken, sondern müssen sie uns erst mittelbar, durch den begriff des werdens oder allmäligen entstehens, vorstellen, indem wir z. b. sagen ich werde rufen, ich werde gehen K. Ph. Moritz deutsche sprachlehre f. d. damen (1782) 442; die künftigkeit für zukunft, oder künftige zeit J. Kinderling reinigkeit d. d. spr. 405. II@22) zukunft ist, was in der künftigen zeit sein wird. II@2@aa) der übergang von der zeitlichen zu der sachlichen bedeutung zeigt sich da, wo die zukunft als ganzes auf alles zukünftige bezogen wird. in solchen fällen ist es nicht immer deutlich, wie das wort gemeint ist, besonders in wendungen wie an die zukunft denken, auf die zukunft hoffen, die zukunft erwarten. deutlich sind folgende belege: er dachte die zukunft und den vergang voll seelenangst ... Klopstock Messias 2, 628; was soll ich hier so lang' ich bin, mich um die zukunft kränken? Lessing 1, 70 M.; ich bin fleiszig und vergnügt und erwarte so die zukunft Göthe 32, 276 W.; so stand ich in der sonderbarsten gegenwart, zwischen der vergangenheit und zukunft 23, 83; muszt stets die gegenwart genieszen, besonders keinen menschen hassen und die zukunft gott überlassen 2, 284. beide bedeutungen neben einander: der schwärmer thut oft sehr richtige blicke in die zukunft: aber er kann diese zukunft nur nicht erwarten Lessing 13, 422 M. II@2@bb) die zukunft erscheint als glücklich oder unglücklich, gern im bilde des lichten oder trüben: die reizenden aussichten einer besseren zukunft Wieland Agathon (1766) 2, 55; in ihm (dem augenblick geistigen erkennens von liebenden) genieszen wir .. alle freuden der zukunft Herder 15, 314 S.; wie ein klarer abendhimmel .. schwebet die zukunft vor mir maler Müller 1, 352; die vorgefühle einer ewig glüklichen zukunft Schiller 1, 168 G.; die schönsten farben der zukunft Caroline 1, 31 Waitz; jemand, der in einem zauberspiegel das bild seiner zukunft ... betrachtet Droste-Hülshoff 2, 272; hoch aus der ferne, wie reiche zukunft, glänzte des Bodensees spiegel herüber Scheffel 1, 160; eine goldene z.; heiterer morgen einer trüberen zukunft! H. P. Sturz 1, 180; es war mir, als ob die decke ... auf einmal weggerissen würde, und mich in die öde, freundlose zukunft hinausblicken liesze J. M. Miller briefw. dreier ak. freunde 1, 2; schwarz wie das grab, graute mich eine trostlose zukunft an Schiller 3, 402 G. II@2@cc) zweideutig ist das wort noch, wo die zukunft als verhüllt, verborgen oder enthüllt, offen bezeichnet wird. der schleier oder vorhang der zukunft, welcher enthüllt, aufgedeckt oder durchdrungen wird, kann den künftigen zeitraum verschlieszen oder die künftigen dinge verbergen. deutlich sind fälle folgender art: gütig hüllt in finsternissen gott die zukunft ein Chr. F. Weisze lieder f. kinder (1767) 41; mache besonders, dasz weder sie (die mutter) noch unsere schwester sich wegen der zukunft bekümmern Lessing an s. br. Theoph. 17, 338 M.; es wurde ihr in unserer verlassenheit für die lange und dunkle zukunft eine hauptsache, dasz gott der ernährer und beschützer mir immer vor augen sei G. Keller 1, 43. um die zukünftigen dinge handelt es sich immer, wo die zukunft vorhergesehen oder -gesagt wird: allein hier schwieg Apoll, der sonst in alten weibern die zukunft meisterlich durch räthsel aufgedeckt Triller wurmsaamen (1751) 2, 4; ich sah, o sagt mir, sah ich, was jetzt geschieht? erblickt ich zukunft? Klopstock oden 1, 108 M.-P.; doch ist die zukunft ihm entdeckt, dafür hat jedermann respect Göthe 15, 158 W. (Faust 8089); zukunft hast du mir gegeben, doch du nahmst den augenblick Schiller 11, 370 G. (Kassandra). traurige und fröhliche bilder ..., woraus er ... eine zukunft entweder voraussiehet oder dichtet Herder 23, 3 S. II@2@dd) als zukunft werden bezeichnet vorgänge u. zustände innerhalb der zukunft: gleichwohl bewahrte ich .. den glauben, dasz die entwicklung der nächsten zukunft uns zur deutschen einheit führen werde Bismarck ged. u. er. 1, 20 volksausg.; warum ... eine zukunft heraufbeschwören, von der vielleicht keiner profitiert Fontane I 5, 80. wie in dem ersten belege wird es oft auf politische verhältnisse angewandt: für die zukunft der deutschen nation kam nun alles darauf an, ob sie diese gefahr bestehen würde oder nicht Ranke 2, 5; es war mir, als hörte ich den hammer schallen, womit die zukunft dieses volkes geschmiedet wird Stifter 3, 195; äuszern sie doch ihre ansicht über die zukunft der herzogthümer! Bismarck pol. reden 3, 21; in einem kampfe, in dem nicht nur unsre nationale zukunft, sondern auch unsre staatliche existenz auf dem spiele stand ged. u. er. 2, 125 volksausg.; unsre zukunft liegt auf dem wasser ausspruch k. Wilhelms II. II@2@ee) ebenso wird es von dem schicksal einzelner menschen gebraucht: warum gabst du uns die tiefen blicke, unsre zukunft ahnungsvoll zu schaun Göthe 4, 97 W. er hat in diesem ersten versuch schon fast alle gedanken seiner schriftstellerischen zukunft erfaszt Justi Winckelmann 1, 415; er kenne sie wohl, samt ihrer vergangenheit und zukunft G. Keller 2, 224. meist wird dabei an die wirthschaftliche lage oder äuszere laufbahn gedacht: er unterrichtete und kam dadurch in fördernde und seine zukunft sichernde verbindungen Ranke 1, 177; sasz er wieder in Salzburg, ..., war es mit allen guten aussichten für die zukunft vorbei O. Jahn Mozart 3, 12; es ist eine andere luft als in der Gerwe (dem Züricher club) zwischen den hitzigen herrn, von denen jeder einzelne seine bürgerliche zukunft mit einem tintenstrich durchstreichen kann W. Schäfer lebenstag eines menschenfreundes (1916) 84; eine sichere, gesicherte, unsichere zukunft. II@33) das wort bekommt einen gefühlswerth, der sich in manchen der bisherigen belege schon anzeigt. von dem begriff der fortdauer ausgehend wird es das lebensfähige und darum lebenswerthe, das werdende, neue, dem die zukunft gehört: süsze gefühle von hoffnung und zukunft und wiedersehn entschwangen sich ihren seelen maler Müller 1, 108; wenn gemeine menschen ohne sinn für die zukunft, einmahl von der wuth des fortschreitens ergriffen werden, treiben sies auch recht buchstäblich Fr. Schlegel Athenäum 1, 2, 91; was meine hand berührt, entwickelt ein regeres leben, die knospe beginnt zu blühen und die blüthe ahndet ihre segenvolle zukunft Hoffmann v. Fallersleben m. leben 6, 159; da weidete er seine augen an dem aufwachsenden geschlecht, dem die zukunft beschieden war Ranke 1, 65; sein ganzes wesen athmete tiefsinn, freudigkeit und zukunft 1, 282; neben der hierarchischen vergangenheit das brausen einer demokratischen zukunft 9, 144 (ähnl. 30, 3; 37, vi; 38, 134); in hoc signo vinces. da liegt die zukunft Fontane I 4, 17. in festen verbindungen eine z. haben: die ideen, die er vortrug, hatten eine zukunft Ranke 17, 160; ein unternehmen, ein land hat eine z.; die geburt der z. Immermann 1, 161 H., s. bei zugucken. dazu das kunstwerk der zukunft R. Wagner ges. schr. 5, 117, das land der zukunft W. v. Polenz, buchtitel, die zu schlagwörtern geworden sind, Ladendorf zschr. f. d. wortforsch. 5, 125 f., vgl. u. 5 d. II@44) die zukunft sind diejenigen, die künftig leben werden: die zeit hat etwas eigenes, niemand kann auf den andern hören, deshalb eil ich möglichst zum druck: das vernimmt ein und der andere mitlebende, und der zukunft ist nicht benommen daran theil zu nehmen Göthe IV 28, 257 W.; dergleichen musz auf verantwortung gethan, lob und tadel aber der zukunft überlassen werden IV 29, 237; wahrscheinlich wird auch eine nicht allzuferne zukunft eine anzahl heutiger liedertexte kaum mit geringerer verwunderung betrachten O. Jahn Mozart 3, 349. II@55) in der zusammensetzung überwiegt jetzt durchaus zukunfts-, die form ohne s findet man am meisten vor s und sch, sowie in verbindung mit dem part. präs. oder einem nom. agentis, auch vielfach mit adjectiven: zukunftschauer, -schwanger, -segen, -seher, -spruch, zukunftahnend, -bildend, -blickend, -kündend, -schauend, -spähend, -verbürgend, -verheiszend, -verkündend, zukunftbeglücker, -deuter, -wisser, zukunftreich Treitschke hist. u. polit. aufs. 25, 26, zukunftlos Hebbel br. 3, 116. auch sonst findet man neben gewöhnlicher s-form zukunftbild Fr. Th. Vischer ästhetik 2, 401,
22733 Zeichen · 442 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zukunft

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Zukunft , plur. car. 1. * Die Ankunft; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche nur noch im Kirchenstyle üb…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Zukunft

    Goethe-Wörterbuch

    Zukunft [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Zukunftf.

    Pfälzisches Wb.

    Zu-kunft f. : ' die noch kommende Zeit ', Zukunft [mancherorts, Höh 87], Zukumft [ Lambert Penns 185]. Ob's gut isch fer…

  4. Sprichwörter
    Zukunft

    Wander (Sprichwörter)

    Zukunft 1. Die Zukunft ist eine unsichere Gabe. – Altmann VI, 404. 2. Die Zukunft steht niemand offen. Lat. : Sit caeca …

  5. Spezial
    Zukunft, vollendetef

    Dt.-Russ. phil. Termini · +4 Parallelbelege

    Zukunft , f , vollendete будущее , ср совершенное

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zukunft

57 Bildungen · 57 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

zukunft‑ als Erstglied (30 von 57)

Zukunftahnend

Campe

◬ Zukunftahnend , adj . die Zukunft, d. h. das, was in der Zukunft sein oder geschehen wird, ahnend. — die zukunftahnende Manto. Voß.

Zukunft, Die

Meyers

zukunft·die

Zukunft, Die , Wochenschrift für Politik, öffentliches Leben, Kunst und Literatur, wurde 1892 von Maximilian Harden in Berlin gegründet; zei…

zukunftkreis

DWB

zukunft·kreis

-kreis Jean Paul 44, 35 H. bei den unten ausführlich belegten zusammensetzungen ist jedesmal die s- form als die vorherrschende zu grunde ge…

Zukunftkundig

Campe

zukunft·kundig

◬ Zukunftkundig , adj . u. adv . der Zukunft kundig, Kunde, Kenntniß von dem, was in der Zukunft sein und geschehen wird, habend. »Der zukun…

zukunftsauge

DWB

zukunft·sauge

zukunftsauge : seh ich nur diesz gesicht mit solchen zukunftsaugen, so wird mein herz gewisz kein liebesgift draus saugen Gottsched d. neues…

zukunftsaussicht

DWB

zukunft·s·aussicht

zukunftsaussicht , f. : aber sie ( die minister ) ... müszten dem ehrgeiz unzugänglich sein, titel, würden, zukunftsaussichten verachten Gut…

zukunftsbild

DWB

zukunft·s·bild

zukunftsbild , n. : heiter, voll froher zukunftsbilder, fuhr Rudolf seiner heimath zu Storm 7, 101 ; ein ganz und gar optimistisches und unm…

zukunftsdunkel

DWB

zukunft·s·dunkel

-dunkel , -düster . e e) sehr lebhafte anregung ist ausgegangen von der musik der zukunft oder zukunftsmusik und dem zukunftsstaat. mit bezu…

zukunftsfreude

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zukunft·s·freude

zukunftsfreude , f. : keine meiner tausendfachen leiden, bittre wurzeln süszer zukunftsfreuden, die der baum im himmel niederstreut! K. G. v…

zukunftsgedanke

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zukunft·s·gedanke

zukunftsgedanke , m. : die weite welt wollte ich durchlaufen, und bleib liegen ... und vergesse aller zukunftsgedanken Bettine Cl. Brentanos…

zukunftsgefühl

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zukunft·s·gefuehl

zukunftsgefühl , n. : ächter bildung darf sich nur rühmen, wer dies freudige zukunftsgefühl zu verbinden weisz mit dem liebevollen verständn…

zukunftsgewisz

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zukunftsgewisz , adj. : ebenso siegestrunken, ebenso zukunftsgewisz Hebbel br. 6, 350 ; welchen typus mensch man züchten soll, wollen soll, …

zukunftshaus

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zukunft·s·haus

zukunftshaus , n. : ich bin heute .. in unserm zukunftshause gewesen Th. Storm an seine braut 23 . —

zukunftskunst

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zukunft·s·kunst

zukunftskunst , f. : in Mailand, dem hauptsitze der zukunftskunst ( futurismus ) köln. zeit. 28. 7. 1913.

zukunftsland

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zukunft·s·land

zukunftsland , n. : und blickte dann ein wenig bange auf mein zukunftsland, auf Sachsen J. Krebs der moderne Rübezahl 1, 208 ; Anatolien ist…

zukunftsleben

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zukunft·s·leben

zukunftsleben , n. : die darstellungen des zukunftlebens glichen den alten pyramiden Jean Paul 59/60 , 4 H.; Konrad und die magd wechselten …

zukunftsleute

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zukunft·s·leute

zukunftsleute , pl.: z. bleiben blind für die gegenwart Bog. Goltz typen d. gesellsch. 2, 90 . —

zukunftslos

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zukunft·s·los

zukunftslos , adj. : eintaglebig, zukunftlos, ohne charakter, ohne gesinnung, ohne religion hing es ( das volk ) denen an, die seiner sinnen…

zukunftslüge

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zukunft·s·luege

zukunftslüge , f. : die vergangenheitslüge stiehlt wahres geld, die zukunftslüge münzt falsches Jean Paul 55/58, 85 H. —

zukunftsmacher

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zukunft·s·macher

zukunftsmacher , m. : die z. verheiszen und präparieren die schöne ära, wo das ebenbild gottes die vollkommenste societäts-maschine geworden…

zukunftsmensch

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zukunft·s·mensch

zukunftsmensch , m. : der moderne socialmensch, der zukunftsmensch hinter den feigenblättern 2, 119.

zukunftsmusik

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zukunft·s·musik

zukunftsmusik , f. , im anschlusz an R. Wagners kunstwerk der zukunft, s. zukunft II 3, rasch zum schlagwort geworden Ladendorf schlagw. 352…