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aufgehen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

aufgehen

Bd. 1, Sp. 653
aufgehen , erigi, surgere, d. i. suberigere, scandere, nnl. opgaan. eine menge von einfachen, schönen bedeutungen, deren durchsichtigkeit unsrer sprache zum vortheil gereicht. 11) wie natürlich ist es zu sagen, die pflanze, die blume, die rose geht auf, steigt empor, in die höhe, wird entfaltet: fand er den stecken Aaron grunen und die blüet aufgangen und mandeln tragen. 4 Mos. 16, 8; der mensch gehet auf wie eine blume und fellet abe. Hiob 14, 2; gleichwie gewechs aus der erden wechst und samen im garten aufgehet. Es. 61, 11; etlichs gieng bald auf. Marc. 4, 5; und die dornen giengen mit auf. Luc. 8, 7; und es gieng auf und trug hundertfältige frucht. 8, 8; da das grummet aufgieng. Amos 7, 1; durch erste frühlingsluft ein rosenzweig aufgeht. Gryphius 1, 528; ein zarte blum, so mit dem tag aufgehet. Weckh. 192. 22) die letzte stelle verbindet aufgang des tags und der blume. sonne, die man des himmels auge, sterne, die man seine blumen nennt, gehen auf: da nun die sonne aufgieng (goth. at sunnin þan urrinnandin). Marc. 4, 6; da nu die morgenröte aufgieng. 1 Mos. 19, 15; und die sonne war aufgegangen auf erden. 19, 23; ist aber die sonne uber in aufgangen. 2 Mos. 22, 3; am siebenden tage aber, da die morgenröte aufgieng. Jos. 6, 15; er spricht zur sonnen, so gehet sie nicht auf. Hiob 9, 7; morgenstern der vor dem tag aufget. Uhland 66; jetzt geht gleich auf die morgenröt. H. Sachs III. 1, 26; der mond geht auf; ein stern nach dem andern geht auf. Bettine tageb. 15. 33) licht, tag gehen auf: uber welchen gehet nicht auf sein liecht? Hiob 25, 3; so wird dein liecht in finsternis aufgehen. Es. 58, 10; die da saszen am ort und schatten des todes, denen ist ein liecht aufgangen. Matth. 4, 16; doch geht dem mörder auf ein neues licht im herzen. Gryphius 2, 234; es sind mir tausend lichter aufgangen. Göthe bei Merck 1, 139; ich gebe euch die entscheidendsten winke und es geht euch kein licht auf. 14, 194; wie heiszt der pfuscher von arzt, dem erst in diesem augenblicke ein licht aufgeht. 20, 302. ihm geht der letzte tag auf, ihm geht kein tag mehr auf. das neue jahr geht auf, geht ein. 44) feuer und flamme gehen auf, streben aufwärts, schlagen empor, auf in die höhe. beim angehen des feuers konnte die partikel praepositionell gefaszt werden, obschon sie sich auch als adv. deuten liesze: das feuer geht an, hinan, aufwärts; doch, scheint es, verbinden wir mit angehn weniger die vorstellung des aufschlagens als des bloszen entzündens, wie das angehende, wachsende kraut sich unterscheidet von der aufgehenden blume. da gieng auch eine flamme auf. 2 Macc. 1, 32; gieng ein grosz feuer auf. Schweinichen 1, 100; wann das geschrei grosz würde und er das feuwer aufgehen sehe. Kirchhof mil. disc. 192; der mit so steifen wangen so lichte kohlen blies, dasz feuer aufgegangen. Gryphius 1, 563; wir haben des nachts etlichemal an drei und vier orten zugleich das feur aufgehen sehen. pers. reiseb. 3, 1; wenn ein feuer in alten häusern aufgehet, so ists gefährlicher als in neuen. Lehmann 12. nicht anders gehn rauch und nebel auf: ein nebel gieng auf von der erden. 1 Mos. 2, 6; und der rauch gieng auf. offenb. 8, 4; und der rauch gehet auf ewiglich. 19, 3. haus, stadt, dorf gehn im feuer, im rauch auf: da fieng an sich zurheben von der stad ein rauch stracks uber sich und sihe, da gieng die stad ganz auf gen himel. richter 20, 40; dasz nicht ein monat, ja woche hingehet, in welcher nicht etliche häuser im rauch aufgehen. pers. reiseb. 3, 1; das haus gieng gestern auf im feuer. Gotter 1, 163; oft nur ein schlaugeworfner schleier, und Seladon gieng auf in feuer. 1, 443; nicht ohne bewegung sah er diese so lange bewahrten heiligthümer in rauch und flamme aufgehen. Göthe 18, 125; als er den gröszten theil seiner arbeiten in feuer aufgehen liesz. 18, 246; als die stadt endlich im rauch aufgieng. Klinger 6, 169. im gibt klar den dat. kund, die nach bloszem in folgenden substantiva könnten für dat. oder acc. gelten. 55) aufgehn, sich öfnen: die blume geht auf darf auch genommen werden geht offen, öfnet sich. der mund, das auge, herz geht auf: da sollen mit der morgenstund für dir, o herr, mein herz, mein mund ja meine augen und mein flehen zugleich aufgehen. Weckherl. 14; aber nun giengen ihnen plötzlich die augen auf. Wieland 10, 61; ich wuste nicht was ich an euch vermiste, endlich giengen mir die augen auf. Göthe 8, 73. 42, 91; er betriegt sich eine zeitlang, und weh uns, wenn ihm die augen aufgehn! 10, 167; aber und abermal gehen mir die augen über mich selbst auf. 20, 304; seine augen giengen unbeschreiblich mild und ohne nachtwolken vor Agathen auf. J. Paul Hesp. 2, 1; o du holdes auge, geh in meinem schlafe wieder auf und sei der mond meiner träume. 2, 21. das herz, die seele geht mir auf: das schwarze schelmenaug dadrein, die schwarze braue drauf, seh ich ein einzigmal hinein, die seele geht mir auf. Göthe 1, 19; denen das herz aufgieng, wenn sie viel ihres gleichen bei sich zu tisch sahen. 8, 111; mein herz geht mir über, meine seele geht mir auf in hofnung. 10, 74; ach und mein herz, wie geht es auf, wie schwillts vor ihnen. 10, 146; man kann unmöglich etwas zierlicheres sehen, als diese geschöpfe (die pferde) hier, es ist das erstemal in meinem leben, dasz mir das herz gegen sie aufgeht. 28, 24; wo mit einemmal sein herz mir aufgieng, sein vertrauen wuchs. Schiller 335, d. i. gegen mich sich aufschlosz. anderes öfnen: keinem gehet der gürtel auf von seinen lenden. Es. 5, 27; die thür geht auf; das fenster gieng von selbst auf; es hegibt sich, dasz das frauenzimmer (das gemach der frauen) von sich selbst aufgegangen. pers. rosenth. 7, 20; die jagd geht auf, wird eröfnet; die stelle geht auf, wird offen, musz besetzt werden; dasz er euch den zweiten marschallsstab von Frankreich, der aufgeht, gebe. Schiller 1082; der vorhang geht auf, öfnet sich. 66) der vorhang geht auf kann aber auch bedeuten geht in die höhe, wird aufgezogen, das herz geht mir auf, schwillt mir; der östliche berg geht steil auf (in die höhe). Stillings leben 25. in diesem sinn heiszt es: das brot, der kuchen, der teig geht auf, schwillt, geht in die höhe; sieh, wie schön der kuchen aufgegangen. Tieck 2, 333; über einer krume, die gar nicht einmal aufgegangen, sondern teigig, klitschig ist. ges. nov. 4, 302; das pfrundbrot, das macht in allen, in denen es aufgeht (gedeiht), entweder geistlich fleisch oder fleischlichen geist. Garg. 259b; da gehn die städte auf (gedeihen). 75b; ferner vom wachsenden haar, wie vom aufgehenden samen: ob dir auch har da (auf dem kopf) wurd auf gan. fastn. sp. 524, 20; denn eifersüchtig sind des schicksals mächte, voreilig jauchzen greift in ihre rechte, den samen legen wir in ihre hände, ob glück, ob unglück aufgeht, lehrt das ende. Schiller 367; es ist mir ein groszes glück aufgegangen; indem ich aufgieng (heranwuchs). Gryphius 2, 447. 77) die wunde, das geschwür geht auf, bricht auf: die thorheitwunden stinken, die schwere gehen auf. Fleming 19; hier bemerkte man erst, dasz die wunde aufgegangen war und stark geblutet hatte. Göthe 19, 55; der angelegte verband war aufgegangen; die blattern gehn schon auf; das gleicht der aufbrechenden knospe. knoten, naht geht auf, löst sich. 88) nun viele abstractionen dieser sinnlichen bedeutungen. es geht mir auf, es geht mir hell auf, ich werde klar über etwas: und fehd entbrannte bald darauf, und heller giengs dem junker auf, und hurrah! heisz giengs an. Schiller 12; nun aber fühlt sie sich aufgeregt, es geht ihr auf, dasz sie nur mut fassen müsse. Göthe 22, 141; indem ich nicht abliesz zu modellieren, gieng mir auf, dasz ich nunmehr Tasso unmittelbar angreifen müste. 29, 322; die grosze analogie zweier vorzüglicher dichterseelen gieng mir lebhaft auf. 46, 259; jetzt wenn ich scheide, werde ich nur wissen, welcher sinn mir noch nicht aufgegangen ist. 29, 6; wahrscheinlich würde ihnen nach und nach der sinn für die werke selbst aufgegangen sein. 18, 107; der philosoph entdeckt ihm nichts neues, dem geometer war von seiner seite der grund alles denkens aufgegangen. 23, 251; doch hat uns euer entweichen auf einen guten gedanken gebracht, der uns vielleicht sonst niemals aufgegangen wäre. 24, 273; dann geht die seelenkraft dir auf, wie spricht ein geist zum andern geist. 12, 31; wie war mirs vor deiner liebe? aber da als die in meiner seele aufgieng. 10, 176; ihm war auch eine neue welt aufgegangen. 18, 46; und so war auch mir durch den anblick dieses mädchens, durch meine neigung zu ihr eine neue welt des schönen und vortreflichen aufgegangen. 24, 272; am ende des lebens gehen dem gefaszten geiste gedanken auf, bisher undenkbare. 49, 87; endlich gieng ihm eine gewisse mildigkeit auf, er schien sich in die welt zu finden. 21, 168; ist dir nicht da wunsch, hofnung, glauben aufgegangen? 33, 283. 99) da Moses gesetz und das evangelium aufgieng. Luther 4, 444a; das sein evangelium mit macht würde bei euch aufgehen. 3, 118b; das das evangelium zu Lübeck, Lüneburg flugs aufgehet. Spalatin bei Luther 5, 35b; weil nu das evangelium aufgehet, das des teufels reich antastet, da leget sich alle welt dawider. 3, 430b; wiewol auch sonst darneben viel rotten aufgehen (entstehn). 3, 398b und br. 3, 206; o gott, dein wort und reich gieng erstlich auf vom morgen bisz unsrer grenzen zu. Logau 1, 9, 12; da sich unser leid und trübnus endet und unser ehr und freude wird aufgehn. Mathesius 94a; ich glaubte ein plötzliches vergnügen in ihrem schönen gesicht aufgehen zu sehen. Wieland 2, 35. 1010) endlich bedeutet aufgehen consumi, verthan, verwendet werden, gewissermaszen auch ein in die höhe gehen, wie man sagt, das pulver geht auf, fliegt auf in die luft: dir gieng ein groszes unkost auf. H. Sachs III. 1, 94a; und die zeit deines lebens würde aufgehen wie der mittag. Hiob 11, 17; was täglich an fleisch, korn aufgehen wolte. Kirchhof disc. mil. 30; milch, so zu seiner narung aufgieng. Garg. 110b; die stoischen philosophen, die zwar davor halten, dasz die seele nicht gleich alsbald mit dem leibe aufgehe (pereat, consumatur), dennoch aber sterblich sei. Opitz 1, 265; in dergleichen fällen, da geld aufgeht. Schönborn bei Gryphius 2, 503; derowegen muste ich sorgen, das proviant möchte mir aufgehen. Simpl. 1, 166; gieng uns das brod auf. 1, 237; indem zu vielen neuen stücken keine und zu andern nur wenige unkosten aufgehen und also eines das andere übertrüge. J. E. Schlegel 3, 255; weil er ein paar monate her nicht prompt bezahlt, weil er nicht mehr so viel aufgehen läszt. Lessing 1, 5. 12; das letzte wird aufgehn, was wir noch gerettet haben. Lenz 1, 91; was der mensch unterwegs musz für glück gemacht haben, dasz er so viel geld kann aufgehn lassen. Tieck 3, 81; so kann mein buch nie der vorwurf treffen, dasz man darin wie im Grandison zu viel thee consumiere, eher zu viel starkes getränk geht auf. J. Paul Tit. 2, 133; in diesem hause geht jährlich ein groszes auf. Beim rechnen sagt man, dasz zahlen gegen oder in einander aufgehen, ohne dasz etwas übrig bleibt. 7 geht 7mal auf in 49. es waren verständige, geistreiche, lebhafte menschen, die wol einsahen, dasz die summe unsrer existenz durch vernunft dividiert niemals rein aufgehe, sondern dasz immer ein wunderlicher bruch übrig bleibe. Göthe 19, 117. in jeder groszen haushaltung musz etwas sein, das mit dem übrigen nicht aufgeht. Tieck jung. tischl. 1, 221; die sinne gehn auf im geist und sind eins mit ihm. Über die bedeutung hat oft der zusammenhang zu entscheiden. das brot geht auf kann heiszen der brotteig schwillt oder der brotvorrat ist zu ende; städte gehn auf, entweder sie wachsen, gedeihen oder verbrennen.
11682 Zeichen · 193 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Aufgehen

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Aufgehen , verb. irreg. neutr. (S. Adelung Gehen ,) welches das Hülfswort seyn zu sich nimmt. 1. In die Höhe gehen, hera…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    aufgehen

    Goethe-Wörterbuch

    aufgehen 1 am Horizont erscheinen, aufsteigen a von Gestirnen (überwiegend der Sonne), häufig als Naturschauspiel od Beg…

  3. modern
    Dialekt
    aufgehenst.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    auf-gehen st. : 1. 'in die Höhe gehen'. a. 'hervorkommen, sichtbar werden', von den Gestirnen, ufgehe [allg.]. RA.: Dem …

  4. Sprichwörter
    Aufgehen

    Wander (Sprichwörter)

    Aufgehen 1. Es gieng zugleich auff, leib, gut vnd ehre. – Agricola, 440; Frank, I, 100. Holl. : Het ging al tezamen tege…

  5. Spezial
    aufgehen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    auf|ge|hen vb.intr. 1 (hochgehen, z.B. Vorhang) se alzé 2 (Sonne) orí (orësc), lové (leva), jí sö 3 (sich öffnen) se dau…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit aufgehen

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Zerlegung von aufgehen 2 Komponenten

auf+gehen

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