kutteln ,
pl. kaldaunen; letzteres ist das ostmd. (
nd.)
wort, jenes das oberd. und rhein., vgl. z. b. unter kaldaunen
die verschiednen übers. von Wieland
und Voss
aus Horaz; doch ist das erstere auch dem md. nicht fremd, s. besonders kuttelhof,
auch das gekuttle,
gedärme findet sich in md. landen (
von der mittlern Elbe);
vgl.geküttel
unter 1,
d. 11)
Die form und nebenformen. 1@aa)
der sing. und damit das geschlecht sind schwer zu finden, da der plur. durchaus vorherscht. der in den beiden mhd. wbb. angegebene sing. kutel
als schwaches f. ist ohne beleg, nur nach kutele
f. fundgr. 1, 380
b,
das aus dem pl. 'kutiln fartinia'
eines schles. voc. von 1340
entnommen ist. Weigand
setzt an 'die kuttel,
nur im pl. die kutteln' 1, 655, Adelung 'die kuttel,
plur. inus., oder die kutteln,
sing. inus.',
wonach der sing. fem. collectivisch gleich dem plur. gelten soll. Frisch
enthielt sich einen sg. anzusetzen, er gibt nur 'kuttel
pl.' 1, 561
a (
woraus Adelung
seine angabe gemacht haben wird); Ludwig 1094
gibt wirklich jenen collectivischen sg., aber als m.: der kuttel,
das gedärme, die kaldaunen, wie er kuttelfleck
m. so collectivisch beibringt (
s. dort 4,
c),
während Rädleins 'kutteln
f. plur.' 575
a nichts lehrt. Frischens
angabe kann auf Maaler
beruhen 'kuttel (die)
intestina' 259
b,
das Schönsleder h 6
c wiederbringt (
ohne die);
es mag wirklich als sg. gemeint sein, denn der alem. pl. ist schwach, kuttlen Denzler 2, 180
a, kutteln Stald. 2, 148, chottla Tobler 114
a,
spät mhd. kutlan, kutlen (Lexer 1, 1803).
ein sing. auch bei Dasypodius,
ohne geschlecht: intestinum, ein darm, kutle 104
c. 369
c (kuttel 288
c).
[] 1@bb)
diesz kutlen, kutle,
vermutlich wirklich f., unmittelbar aus vorgängigem kutelen
geworden, findet sich neben kutteln
auch sonst noch im 16.
jh., s. kutlen
aus Keisersb., S. Frank 2,
a. b, auch kuttlen Wickram 2,
d, vgl. kutelbrüe, kutelfleck
sp. 2897.
Daher auch kudlen,
durch die erweichende kraft des l: wie er (
der postreiter) zugestochen, dasz dem pferd die kudlen underwegs an einer hecken hangen blieben. Philander 1644
s. 743,
noch schweiz. auch kudeln Stalder 2, 148,
bair. ku'ln Schm. 2, 344;
vgl.kudelfleck
sp. 2529. 1@cc)
auch kuttlein
oder küttlein
pl.: omasum, kuttlein. Bracks
voc. Lpz. 1491 12
b;
bei einem Nürnberger: das sie den flegel lernen fhrn, das sich im leib die kuottlein rhrn. G. Mauricius
com. von dem schulwesen E 1
a,
es wird küttlein
gemeint sein. bei Aler 1261
b selbst kütteln
intestina pecudum, wie küttelfleck, küttelhof,
s.kuttelhof 3. 1@dd)
ein schweiz. das küttel,
das ganze eingeweide Stald. 2, 148
ist eigentlich geküttel;
vgl. unter kütte
herde 1,
e. 1@ee)
mit md. vocal kottil
farcimen (
s. 2,
c)
mhd. wb. 1, 920
b, 15.
jh., wie kottilhof
u. ä.; noch in der Zips 'die kottel,
kaldaune', kottelfleck, die kottlern,
kuttlerin, s. Schröer 73
a. 22)
Bedeutung und gebrauch. 2@aa) kutteln
des schlachtviehs, die gedärme samt wanst und magen Schm. 2, 344, kutteln ausschreien,
zum verkauf ausrufen ders.: als dann henken sie (
die juden) das geschlacht bein hindern füszen auf, ehe sies gar schinden, und thun wampen, kutlen und das eingeweid herausz. S. Frank
weltb. (1567) 154
b; kaldaunen, kutteln oder flecke, so die schlächter oder fleischer in ihren fleischbänken oder kuttelhöfen feil haben. Colerus
hausb. 498;
der metzger aus dem hängenden schweine hollt de kutteln alle raus.
bilder u. klänge aus Rudolstadt 1, 30,
also eingeweide überhaupt. 2@bb)
als gericht (
vgl.kuttelfleck 4,
a).
omasus, sulz
vel kutlen.
voc. ex quo bei Tobler 114
a,
omasum kuttlen Dief. 395
c; an dem morgen frh, ee das du dich hast errüspert und der koder (
schleim) noch in dir ligt, so mustu kutlen und kotfleisch zu morgen essen. Keisersb.
brös. 1, 42
b,
also als leckere speise, sülze, zur herstellung des appetits; gleichwol sie (
die schwangre) ... asze der kutteln und pfutteln sechzehen seifkessel .. voll. Fischart
Garg. 82
a (
Sch. 140); das in Hispanien .. so einer ein bull umb ein regal bekommen kan, die ganze fasten durch allerlei kutteln und därme, sampt allem was darinn stecket, wol ohn all beschwerd seines gewissens mag essen.
bien. 147
b (1588 161
a),
bei Marnix 152
a pensen ende dermen. 2@cc)
auch begrifflich erweitert kutteln
blutwürste Schmid
schwäb. wb. 331
aus dem Breisgau, die därme samt ihrer neuen füllung, s. schon aus dem 15.
jh. kottil
farcimen unter 1,
e (
vgl. farcimen wenst Dief.
nov. gl. 166
b)
und kuttler
fartor, kuttelhof
fartorium, auch worsthof Dief. 226
b.
ebenso ist mlat. stripa,
eig. kuttelfleck (
s. d. 1),
nd. koldûn Dief. 556
c,
zugleich auch wurst
voc. 1482 pp ij
b.
vgl.kuttelkraut 1, kuttelwurst. 2@dd)
aber auch im lebenden leibe des thieres, nicht nur des schlachtviehs: auch sach man ligen manchen hund, der von hawenden schweinen geschlagen, das sein kuttlen neben im lagen. G. Wickram
irr reit. bilg. F 3,
vgl. unter 1,
b kudlen
des pferdes bei Philander. 2@ee)
und selbst vom menschen, noch im 16.
jh. auch durchaus nicht verächtlich oder derb: ettlich kamen, hatten nur ein hand, ettlich trugen den kopf in beden henden .. einer bekam uns ouch (
kam uns entgegen), dem hangeten kuttlen usz, das ers ouch in henden trug. Th. Platter 78,
vom schlachtfelde von Kappel 1531 (
in kutteln
steckt übrigens nach alem. art dkutteln); ir (
Uznacher) und die kutlen, die ir im buch tragend, sind unser. Tschudi
chron. 2, 217
a,
feindliche drohung; wann ausz eim todten, so wirt faul, kan etwas anders werden ... so wird, wa etwas werden soll, gwiss ausz des Rabelais magen, sein kutteln und sein (
eig. seim) eierstoll ein schön reb fürher ragen.
Garg. vorr. 9; trat inen dermaszen auf den tribsack und seelsack (
bauch), dasz inen kutteln, krösz und därm herausz wie dem verräter Judas lapten. 206
a (382);
Schweizer. ha! ich will ihnen mit meinen fangern den bauch schlitzen, dasz ihnen die kutteln schuhlang herausplatzen! Schiller 121
b.
Aus Keisersbergs narrensch. 220
führt Frisch 1, 561
a an viel auf seine kutteln halten,
sibi ipsi placere, bei Denzler 1, 21
a immodicus sui aestimator, [] der viel auf seinen (
so) kutteln haltet, 588
a er haltet mehr auf seinen kutteln als alle vier lid (
glieder) werth sind,
magis sibi placet quam Peleus in machaera (
bei Aler 1261
b misverstanden auf seinen küttler),
die eingeweide als sitz des lebens. bei Stalder 2, 148 einem die kutteln wäschen,
derbe vorwürfe machen (
vgl.kuttelwäscher),
auch erkutteln
tüchtig durchprügeln; chuttle, uschuttle
derb auszanken Fromm. 2, 484
a.
Diese kutteln
des menschen werden nicht erst von denen des thieres übertragen, sondern neben diesen ein rest des ursprünglichen bestandes sein, wie bei kaldaunen,
s. d. 2. 33)
Die verwandtschaft. 3@aa)
von dem unverkleinerten worte, das zunächst zu suchen ist, sind spuren da, wenig sicher in dem kutibank
fundgr. 1, 380
b (
s.kuttelhof 1),
wo kutilbank
das rechte sein wird, sicherer in folg. nürnb. kuten
dat., 15.
jahrh.: waʒ man ausz dem kuten oder ingeraid löset (
bei der stadtküche).
Nürnb. chron. 2, 311,
var. für aus intum,
alles die eingeweide; also wol ein m. kute
in collect. sinne. auch folg. wird hierher gehören, fränk. 15.
jh., in einem recepte: nim ein
ןוקטופ, zupulver (
so l.) oder schneit sie clein, und den tuttern von eym ey ...
mittelalt. hausb. 14, 23,
d. i. futkuten (
s. 48
a),
schamhaft so in der schrift versteckt, denn fut
f. ist vulva, mit dem zusatz kute
als zum eingeweide gehörig bezeichnet, vermutlich metzgerausdruck; denn es wird eine kuhfut gemeint sein, wie mit braun fut auf eim weiszen teller
als gericht Garg. 56
b,
s. 4
1, 1061,
wo auch eine wolfsfutt,
die man erst trocknen soll, zu einem recepte gehörig erscheint; die besondere bezeichnung der kuh oder kalbe war nicht nötig wie bei kutteln,
das schlechtweg eben rindskutteln meint. 3@bb)
mit gebrochnem vocal in kottfleisch, kotfleisch
wellfleisch sp. 1900,
gleich 'kutelfleisch,
cuta'
sp. 2898,
s. auch kotter
fartor gleich kuttler;
beides ist els., oberrh. und weist auf ein kote, kot
gleich kute
kutteln, vgl. auch kottler
gleich kuttler.
Dann mit andrer auslautstufe im nrh. gebiete kotz
in aachenisch kotzmart
kuttelmarkt, kotzmänger
kuttelverkäufer (
s.kotzenmenger,
das in kotzmenger
zu berichtigen),
auch oberd. kütz,
s. d. 3@cc)
in der lautstufe dem kotz
entsprechend, aber im vocal wieder anders nd. küt,
mit langem ü,
eingeweide, gedärme, besonders von kleinen thieren, fischen, vögeln, insecten, s. Brem. wb. 2, 901,
genauer küte Richey 145, Dähnert 260
b,
bei Danneil 121
b küt,
das gedärme, nicht das ganze eingeweide (
überall ohne das geschlecht);
mnd. z. b. cute van vische
polygranum Dief. 444
c,
auch vom menschlichen gedärm noch nd. in dems. voc. kuutovel
lienteria (
ruhr, darmsucht) 329
a.
Dazu küten
ausweiden, metzgen, küter
schlächter, mnd. kuthen, kuther
Brem. wb. 2, 902,
auch kütelbank
fleischbank das., das sich dem kuttelbank
nähert, wie kütterhaus
bei Ludwig
dem kuttelhaus (
s. d.),
hamb. küterhûs Richey 145,
auch nl. bei Kil. kuyterhuys
schlachthaus; vgl. das nrh.-nd. kuter
fartor Dief. 226
a.
Dem nd. küt
entspricht sonst z. b. schott. kite, kyte
bauch, magen Jamieson 1, 643
a,
nl. kuit
f. fischrogen, s. dazu keut, ketzin. 3@dd)
mit demselben lautstoff, doch wieder anders gestaltet, goth. qviþus
m. bauch, magen, mutterleib, ags. cvið
m. Ettm. 407,
altn. kviðr,
noch schwed. qved
gebärmutter, mundartlich kwið
bauch, magen Rietz 371
b;
auch ahd. quiti
vulva (
vgl.futkute
u. a),
s. dazu unter kunte 4,
b. noch anders engl. gut
darm, ags. guttas
viscera, wo dann auch hess. günter
m. mastdarm, wurstdarm, magen (
s. Vilmar 140)
sein unterkommen finden könnte, wenn man kunte
gleich kutte
vulva daneben stellt. weiteres bei Diefenbach
goth. wb. 2, 479
fg. 3@ee)
eine vermittelung zwischen hd. kuttel
und nd. kt
zeigt das md. keutel
m. (2),
schweinsdarm zum wurstmachen, mit dem vocal des nd., der sonstigen gestaltung des oberd. wortes, s. auch küttel
gleich keutel;
auch keutel 3
als wamme stellt sich nahe, da wamme
gleich kutteln (
selbst als vulva, s. kunte 5,
b)
vorkommt.