wochenbett,
n. ,
kindbett. aus sechswochenbett
verkürzt, s. dieses wort teil 9, 2794,
als nachtrag hierzu noch einige belege: da eine die andern ... ubel ausrichtet, als vor den sechs wochen bettern ... und bey dem spinnen Joh. Agricola 750
t. sprichw. (1534) l 3
b; wochen-
ò sechs wochenbett Kramer 2 (1702) 1377
b; sechswochenbett Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 2513.
abzuweisen ist eine deutung aus *wehenbett,
s. Witzel
in zs. Teuthonista 9 (1933) 192.
vgl. noch oben sp. 930 woche 15 (die wochen),
ferner wochenlager. 11)
das bett, in dem die wöchnerin niederkommt und in dem sie sich, um sich zu schonen, in der zeit nach der geburt ganz oder vorwiegend aufhält. die frauenwelt pflegte die wöchnerin zu besuchen, daher wurde das wochenbett als augenblicklicher mittelpunkt des hauswesens reich verziert und ausgestattet, s. die beschreibung bei Amaranthes
frauenz.-lex. (1715) 2130.
belege seit dem 16.
jh., [] während vorher die heute zurückgedrängten ausdrücke kindbett
oder kindelbett
vorherrschten: für leilach gbraucht im wochenbett Rollenhagen
froschmeuseler (1595) V v 5
b; da doch die wiege hart vorm wochenbette der mutter gestanden Prätorius
anthropodemus plut. (1666) 1, 136; wenn ein weib in den sechswochen versterbt, musz man ein mandelholtz oder ein buch ins wochenbett legen J. G. Schmidt
rockenphilosophia (1706) 1, 59; und es ging (
in der wochenstube) immer sum sum sum ums wochenbette lustig herum Kortum
Jobsiade (1799) 1, 10; in ihren (
der dorfleute) krankenstuben herumzukriechen und an ihren wochenbetten zu sitzen W. Raabe
Horacker (1876) 55. — er ist im wochenbett verwahrlost
sagt man von einem schnurrigen kerl Imme
soldatenspr. 72. —
von tieren: ich habe manches wochenbett vom schwarzwild, sauber auch mit frischem fichtenreisig ausgestattet, gefunden A. Schmook
schwarzkittel u. rotröcke (1937) 63. 22)
dann auch von der zeit, während der die wöchnerin das wochenbett hütet: verhüten sie ... dasz sie ... in ihrem wochenbette nicht etwas essen möge, so ihr krankheiten zuziehen könnte
allg. dtsche bibl. 8, 2, 109; unsere Schillern ist mit einer jungen tochter niedergekommen, sie befindet sich aber in diesem wochenbett nicht zum besten Göthe IV 14, 210
W.; übrigens ist sie wohl und ihr wochenbett glücklich vorüber Caroline 1, 76
Waitz; während der letzten zeit der schwangerschaft und der ersten zeit des wochenbettes Sömmerring
menschl. körper 6, 948; die dauer des wochenbettes pflegt man gemeinhin auf 6 wochen zu berechnen Hovorka-Kronfeld
vergleich. volksmed. 2, 595; hat eine ehefrau nach dem wochenbett ihren kirchgang gehalten Müller-Fraureuth
obersächs. u. erzgeb. maa. 2, 669. 33)
in gewissen syntaktischen wendungen neigt das wort zu der bedeutung '
niederkunft', '
geburt',
in der es geradezu dann gebraucht wird: mit einem wort, man hütet sich für den unehligen wochenbette gar fleiszig Schellern
reisebeschr. n. Lappland (1727) 51; meine liebste Henriette hatt auch eben zu der zeit ein fast tödtlich wochenbette Triller
poet. betracht. (1750) 3, 207; sie versicherte, dasz das wochenbett noch beträchtlich entfernt wäre H. v. Kleist 3, 272
E. Schm.; sie sei an einem heimlichen wochenbette verschieden Hauff (1890) 2, 196; so häufige wochenbetten ... zerstörten die gesundheit der früher lebenslustigen und fröhlichen mutter Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 12; allen ihren nachtwachen und wochenbetten zum trotz hat sie sich sehr gut conservirt Ranke
s. w. 36, 7. 44)
häufigere verbale verbindungen. die belege sind ohne ansehung der bedeutungen unter 1-3
vereinigt. ins wochenbett
kommen niederkommen (
vgl. oben in die wochen kommen): ein sohn oder eine tochter? frägt der vater die hebamme, wenn eine frau zum erstenmal ins wochenbett gekommen Hippel
üb. d. ehe (1774) iii; sammt meiner trauerkleidung kam ich ins wochenbett mit einem kleinen Anton Holtei
erz. schr. 10, 10; ich sahe nun (
in einer vision) ... einen menschen ... welcher mit einem ochsen in das wochenbett kommen wolte Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 436.
aus: sie hat neulich zwillinge gebohren und ist noch kaum aus dem wochenbette gekommen
Holberg dän. schaubühne (1743) 4, 167;
bildlich: in diesem zeitraum bildete sich die böhmische kirche völlig aus, sie kam aus dem wochenbette Jung-Stilling 3, 251
Gr. im wochenbett
liegen: ohne rücksicht darauf, dasz die fürstin im wochenbette lag
acta publ. 7, 144
Palm; da sie im wochenbett lag Bauernfeld
ges. schr. 6, 124; die frau, die im wochenbett liegt Waggerl
mütter (1935) 22. wochenbett
(ab)halten: meine mutter konnte ... ihr wochenbett in London halten Bode
Tristram Schandi [] (1774) 1, 93; wenn alles, sogar das wochenbett auf der strasze abgehalten wird Mommsen
röm. gesch. 1, 879. im wochenbett
sterben: nach einem zehnjährigen ehestande starb sie im wochenbette Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 52; Agnes von Este starb im wochenbette Raumer
gesch. d. Hohenstaufen (1823) 3, 152; Thiels frau war im wochenbett gestorben G. Hauptmann
bahnw. Thiel (1892) 3. 55)
übertragung auf tiere, nicht nur als vermenschlichung: frau löwin kam ... ins erste wochenbett Pfeffel
poet. vers. (1812) 1, 128; sie (
die vögel) bauen ein nest, um ... ein bequemes wochenbett zu haben Naumann
nat.-gesch. d. vögel 1, 96; eine dachshündin, die dort ihr wochenbett aufgeschlagen hatte Gaudy (1844) 12, 120.
zu erwähnen ist das der sprache der völkerkunde und vergleichenden volkskunde geläufige wochenbett der männer (väter),
vgl. Peschel
völkerkde 26; Hovorka-Kronfeld
vergleich. volksmed. 2, 601. 66)
ableitungen und zusammensetzungen: wochenbettsbesuch Bode
Th. Jones (1786) 5, 406. — wochenbettchen
einer katze Storm (1906) 8, 223. — wochenbettdauer Hovorka-Kronfeld
a. a. o. 2, 596. — wochenbetterin Bode
Tristram Schandi (1774) 4, 107. — wochenbettfieber Siebert
d. ärztl. ratgeber 803, wochenbettsfieber Hansemann
d. abergl. in d. med. (1914) 36,
meist kindbettfieber,
vgl. auch wochenfieber. — wochenbettflusz, wochenbettfriesel Hovorka-Kronfeld
a. a. o. 2, 597,
vgl. auch wochenflusz, -friesel. — wochenbettkrankheit Krünitz
öc. encycl. 239, 493. — wochenbettlein
von kleinen tieren Göthe 16, 78
W. — wochenbettlich B. Weber
charakterbilder (1853) 180. — wochenbettstube J. G. Schmidt
rockenphilosophia (1706) 1, 277. — wochenbettsuppe
haferschleimsuppe Imme
soldatenspr. 111;
zu dünn gekochtes mittagessen Mauszer
soldatenspr. 62. — wochenbettuch Hovorka-Kronfeld
a. a. o. 2, 598. — wochenbettunterstützung
hwb. d. staatswiss.2 5, 365. — wochenbettzeit Hovorka-Kronfeld
a. a. o. 2, 596.