satt,
adj. satur. eine participialbildung zu der europäischen wurzel sâ,
die '
sättigen'
bedeutet. Fick
4 1, 557.
die ablautstufe mit langem vocal liegt vor in griech. ἄμεναι,
ἆσαι u. s. w., altir. sásaim '
sättige', sáith '
sättigung',
lit. sotùs '
satt', sótas
und sótis '
sättigung',
goth. sôþ, gasôþjan,
altslav. sytŭ
läszt sich wegen des vocals nicht damit vereinigen. dem germ. worte entspricht genau, abgesehen von der endung, lat. sat, satis, satur,
altir. sathach.
es geht durch alle älteren german. dialekte ohne irgendwelche abweichungen in form und bedeutung: goth. saþs (
plur. sadai);
altn. saþr,
später saddr;
ags. sæd,
engl. sad;
alts. sad,
mnd. sat (sade),
holl. zat;
ahd. mhd. sat (
vgl. Kluge 291
a. Weigand 2, 527).
auch die dialekte bieten keine abweichenden formen, abgesehen von inlautendem d
im nd., weshalb es nur wenige idiotiken aufführen, s. Hunziker 216. Spiess 203. Schütze 4, 14. ten Doornkaat Koolman 3, 86
a.
vereinzelt sayt
neben sat, sadt
in einem md. glossar v. 1414
bei Dief.-Wülcker 830.
[] Die bedeutung ist sowol in den urverwandten sprachen wie in den ältern dialekten durchaus constant. erst die neuere sprache hat hier eine fülle übertragener bedeutungen geschaffen. eigenthümlich ist die bedeutungsentwicklung im englischen. während im ags. durchaus die gewöhnliche bedeutung '
satt, gesättigt, übersättigt, müde'
herrscht, finden sich davon im mittelengl. nur noch spuren; statt dessen bedeutet es zumeist: fest, dicht, compact, schwer. hieran, und nicht an die bedeutung '
überdrüssig, müde'
ist die jetzt vorwiegende bedeutung '
ernst, traurig'
zu knüpfen, ausgehend von wendungen wie with a sad heart (
mit schwerem herzen),
und vielleicht von der verwendung von sad
für '
dunkel'
von farben beeinfluszt, vgl. Skeat
etym. dict. 522
b.
für '
satt'
verwendet das engl. jetzt das aus dem latein. stammende sated.
das heutige dän. und schwed. hat das wort ganz aufgegeben und durch mæt
ersetzt. ein comparativ von satt
findet sich verhältnismäszig selten und meist in freierer verwendung, da die eigentliche bedeutung kaum eine steigerung zuläszt; ein superlativ ist nirgends belegt. 11)
zunächst von jemand, der seinen hunger oder durst gestillt hat, gewöhnlich auf ersteren bezogen: satt, gesettiget
satur Dasypodius; so soltu dem leviten, dem frembdlingen, dem waisen und den widwen geben, das sie essen in deinem thor und sat werden.
5 Mos. 26, 12; und sie ass, und ward sat, und lies uber.
Ruth 2, 14; und (
sie) assen und worden sat und fett.
Nehem. 9, 25; das sie werden essen und nicht sat werden.
Hos. 4, 10; sie assen aber und wurden sat, und huben die ubrigen brocken auff.
Marc. 8, 8; ich habe kartoffeln gegessen oder ein wildes huhn; satt ist satt. Schiller
kab. u. liebe 5, 6.
als gegensatz zu hungrig: die satten und die hungerleider. ich kan nidrig sein, und kan hoch sein .. beide sat sein und hungern.
Phil. 4, 12.
bildlich: dann würde mein hungriger stolz satte demuth. J. Paul
uns. loge 2, 57.
in der volkssprache zuweilen in verstärkenden zusammensetzungen: hautsatt, sterbenssatt, todsatt Frommann
mundarten 5, 193; dicksatt, rammelsatt, dickrammelsatt, dickbreitsatt Spiess 203. 1@aa)
seltener wird satt
in diesem sinne in flectierter form gebraucht: ein satter glaubt dem hungrigen nicht. Frisch 2, 150
b.
meist prädicativ in den verbindungen satt sein, werden;
die ältern dialekte wenden natürlich auch hier die flectierte form an: goth. gamatidedun þan jah sadai vaurþun.
Marc. 8, 8; bithiu ir âzut fon thên brôtun inti satê wurdut.
Tatian 82, 4; ghi sult noch heden werden sat.
Reinaert 634; und wenn du gessen hast und sat bist.
5 Mos. 8, 10; da er aber fett und satt ward, ward er geil. 32, 15; ich (
der wolf) bin wirklich das zahmste, sanftmüthigste thier, wenn ich satt bin .. aber wenn bist du denn satt? du und der geitz werden es nie. Lessing 1, 160. satt machen,
sättigen: der junge macht mich (
das krokodil) noch nicht satt. Lichtwer
fab. (1748) 3, 3 (
s. 97).
so auch: und hab gemacht mein bäuchlin satt. Alberus
Esop (1590) 41
b.
das, was man gegessen hat, kann dabei im genetiv angegeben werden: wildine (
Reinaert den Bruun) honichs maken sat.
Reinaert 610; dat icken soude maken hoenre sat. 1607; zwisschen abend solt jr fleisch zu essen haben, und am morgen brots sat werden.
2 Mos. 16, 12; die erde wird nicht wassers sat.
spr. Sal. 30, 16.
ferner satt von: warumb zelet jr gelt dar, da kein brot ist, und ewer erbeit, da jr nicht sat von werden könnet?
Jes. 55, 2; und alle vogel wurden sat von jrem fleisch.
offenb. Joh. 19, 21. 1@bb)
besondere beachtung verdient die sehr gebräuchliche verbindung sich satt essen,
wobei satt
als prädicativer accusativ zu sich
gesetzt ist, um den erfolg des essens zu bezeichnen. die ältern dialekte gebrauchen hier einfaches satt essen,
mit übergang des satt
in die bedeutung 4.
so goth.: jah gairnida sad itan haurne, þoei matidedun sveina.
Luc. 15, 16,
ebenso 16, 21.
so noch nhd.: sie asz an seinem tisch und trank aus seinem becher satt. Erlach
volksb. 4, 38; arm bin ich zwar, doch ess' ich satt. Bürger 37
a.
dagegen in der verbindung satt zu essen haben
läszt man satt
besser von haben
abhängen (
s. 4,
a). sich satt eszen,
saturari cibo, famem sedare Stieler 1682,
explere se cibo Frisch 2, 150
b.
sprichwörtlich: er iszt sich nicht satt,
avarissimus est. ebenda; des tags sich dreimal satt essen ist zu viel und schadet, wo es nicht mässig geschihet. Docemius
Comenius sprachenthür [] (
Hamb. 1648) § 569; zorn — dieser heiszhungrige wolf friszt sich zu schnell satt. Schiller
räuber 2, 1
schausp.; ich hab mich satt gefressen, und immer ein gutes hemd auf dem leib gehabt.
kab. u. liebe 1, 1.
dafür auch: ich wil gehn bey den weidenpfadt, und wil mein bäuchlein essen sadt. Alberus
fab. (1590) 41
a.
ebenso sich satt trinken: saufft euch satt, weil mans gestatt.
Garg. 95
a; ik môt hebben mînen dêl unde drinken nû mit juw wînes sat.
Claws bur v. 17; sie trinkt voll gier von unserm herzensblute, und schwelgt sich satt. Hölty 172.
ferner einen satt speisen,
bildlich: doch ist die ganze weisheit nicht genug, auch nur den kleinsten zweifel satt zu speisen. Lenau 2, 98
Koch (
Faust v. 144).
ahnlich: in H. wohnete ein überallemaszen geitziger dorffpriester, welchem man die hände nimmer sat füllen konte.
Leyermatzs lust. correspondentz-geist (1668)
s. 235; so könte er mit den schätzen und dem reichthumb in Constantinopel die Polen satt contentiren. Schuppius
schriften 373. 1@cc)
wie man satt
auch mit bezug auf das trinken sagt (
vgl. oben sich satt trinken),
so kommt satt
allmählich zu der bedeutung: einer, der zu viel getrunken hat, betrunken (
vgl. voll).
so besonders holl. zat, ein satter ..
ebrius, nauseosus. Stieler 1682; der nam mich mit sich in stadtkellr, liesz zapffen wein und muscatellr, macht meinen Jan so satt, so trund, das er die trepff kaum finden kunt. Hollonius
somn. vit. human. v. 1232
s. 60
neudr. 22)
von da kommt satt
zu der allgemeinern bedeutung: einer, der sein verlangen nach etwas gestillt, der von einer sache genug hat, befriedigt, zufriedengestellt. 2@aa) satt sein, werden,
ganz allgemein: auff erden werden wir nit satt, und haben hj kayn bleybent statt. Schwartzenberg 151
d; auffs bittre streut er (
der koch) zucker her, das magre würtzt er wol, dem herren werden ohren satt (
von den ausländischen namen der leckerbissen), und jhm der beutel voll. Logau 1, 177, 47; hat nicht der das halbe brot, der ein schönes weiblein hat? freylich; wer im magen nicht, nur an augen wil seyn sat. 1, 183, 71; der frühling ist zwar schön, doch wann der herbst nicht wär, wär zwar das auge sat, der magen aber leer. 2, 76, 87.
mit genauerer angabe: satt sein, werden eines dinges
oder etwas zu thun,
davon genug haben, besonders mit einer negation; ohne eine solche meist in die bedeutung 3
übergehend: seine augen werden reichthums nicht sat.
pred. Sal. 4, 8; wer gelt liebt, wird gelts nimer sat. 5, 9; aber im hertzen dencket er (
der feind), wie er dich in die gruben felle, und kriegt er raum, so kan er deines bluts nicht sat werden.
Sir. 12, 16; und so wurd' er's gar nicht satt, sich zu bekehren. J. Paul
leben Fibels 9; doch keiner rief den richtern lauteren beifall zu als der barmherzige Samariter, der .. nicht satt werden konnte, die gerechtigkeitsliebe der herren von Kirchberg zu erheben. Musäus 1, 24
Hempel. auch mit präpositionen satt von
und selten mit etwas: ein teyl (
der verstorbenen) wirt mit dem feür gequelet, ein teyl ist mit himmlischer freüd satt und erleücht. Franck
weltb. 114
b; wie wird denn satt von küssen, Diana sich zu helfen wissen? Wieland 10, 160; o wehe mir! wie bin ich satt vom hören schon! o wehe mir! Platen 298
b.
vgl. ferner zusammensetzungen wie freudensatt
u. ähnl. 2@bb)
sehr häufig in wendungen, die dem sich satt essen (1,
b)
analog gebildet sind. besonders häufig ist sich satt sehen.
das object wird dabei in der ältern sprache im genetiv, jetzt mit an
beigefügt: denn das ists, des sich die engel in ewigkeit nicht sat können .. sehen und wundern. Luther 8, 154
a; das auge sihet sich nimer sat, und das ohr höret sich nimer sat.
pred. Sal. 1, 8; wer kan sich seiner herrligkeit sat sehen?
Sir. 43, 1;
Egmont. sieh dich nur satt. Göthe 8, 235; ich .. merke erst, wie lieb ich dich habe, da ich mich nicht satt an dir sehen kann, dasz du so wohl und so gut aussiehst. 20, 136; so konnte ich während des langen protestantischen gottesdienstes mich wohl satt an ihr sehen. 24, 267; wie göttlich schön dir das derangirte haar läszt, mein liebchen! kann mich nicht satt an dir sehn. Wagner
kindermörd. 9, 32
neudruck; [] wenn ich auf höhen ihn führe, satt sich hier zu sehen? Göckingk 1, 313; und (
Amanda) kann nicht satt sich an dem knaben sehen. Wieland 23, 115 (
Oberon 8, 77); ach, und es ist noch etwas rund, da sieht kein aug' sich satt. Göthe 1, 19; man sieht sich leicht an wald und feldern satt. 12, 60; für dieszmal sieh dich immer satt. 124; hoch auf springt die bacchantin im tanz, dort ruhet sie schlummernd, und der lauschende faun hat sich nicht satt noch gesehn. Schiller 11, 193.
ferner sich satt hören, reden, weinen
u. a. m.: ich weisz nicht, was ich darum gäbe, wenn ich mich noch itzt alle wochen einmal in gesellschaft so vieler rechtschaffner leute satt essen, satt lachen, und satt zanken könnte. Lessing 12, 144; der bursche kann sich nicht satt von den pferden reden. Klinger 1, 153; der kleine dachte, der staar denke und sei so gut ein mensch wie Robisch und liebe ihn für alles; daher konnt' er sich nicht satt an ihm hören und lieben. er konnte sich eben an nichts satt umarmen. J. Paul
uns. loge 1, 61; wir schäkerten uns satt. Hagedorn 3, 75; wie Heraklit nur da zu stehn, und sich von herzen satt zu grämen? Göckingk 1, 18; hat er sich satt an eurer pracht gesehen, und sich um seinen zweiten freund, den elephanten, satt geweint, und satt gekauft an indianschen krähen. 2, 176; itzt wünscht sie (
Diana) schon — sich satt an ihm (
Endymion) zu küssen. Wieland 10, 156; frau Dido konnte gar nicht satt sich an dem jungen küssen. Blumauer
Än. 17
Grisebach; indessen könnt ihr ganz allein an aller hoffnung künft'ger freuden in ihrem dunstkreis satt euch weiden. Göthe 12, 136; und da schlagt und lärmt euch satt. 57, 238; im zimmer wie im hohen saal hört keiner je sich satt: denn man erfährt zum erstenmal warum man ohren hat. 47, 177 (
madame Catalani); nicht ruh'n soll dieser degen, bis er sich in österreich'schem blute satt gebadet. Schiller
Wallenst. tod 4, 7. 2@cc)
aber auch hier finden sich daneben ähnliche wendungen ohne sich,
wo also satt,
genau genommen, mit '
genug'
zu übersetzen wäre (
vgl. 4).
so besonders ich habe satt gelebt: wir haben satt gelebt. Gryphius 1, 160; laszt götter! laszt die grauen haare nun zum orkus fahren — satt hab ich gelebt. Schiller 1, 320 (
Semele 1).
andere redensarten: satt slapen,
recht ausschlafen. brem. wb. 4, 592; als ich nun desz dings bald satt gesehen.
Simplic. schriften 3, 346, 19
Kurz; ihr lichter, die ich nicht auf erden satt kan schauen. Gryphius 2, 317; lebe bis du satt geküszt, und des trinkens müde bist. Lessing 1, 65; doch, so bald sie satt der lust gepflogen. Bürger 57
a (
dagegen: wann sie sich an ihnen satt gepflegt. 57
b); habe satt gedudelt. Schiller 1, 350. 33)
leicht und sehr gewöhnlich ist von hier aus der übergang in die bedeutung '
überdrüssig, unlustig, müde',
indem man etwas, von dem man genug bekommen hat und gesättigt ist, nun nicht mehr mag und es einem widersteht. vgl. das sprichwort: wenn die mäuse satt sind, ist das mehl bitter
u. ähnl.: wenn die maus satt ist, so bittert ihr das mehl,
satietas fastidium parit. Stieler 1682.
oft in der verbindung satt und müde (
vgl. th. 6,
sp. 2619). 3@aa) satt eines dinges
oder etwas zu thun.
sehr gebräuchlich ist lebens satt: (
Abraham) starb, in einem rügigen alter, da er alt und lebens sat war.
1 Mos. 25, 8; und Joiada ward alt, und des lebens sat, und starb.
2 chron. 24, 15; und Hiob starb alt und lebens sat.
Hiob 42, 17.
häufig zusammengeschrieben (
s.lebenssatt).
mit andern genitiven: Pauline, lasz uns fliehen, des lärms, der grösze satt, und in ein hüttlein ziehen, fern, fern von hof und stadt. Haug 2, 112; des dorfes und des mädchens satt. Hölty 15
Halm. sogar in der bedeutung '
einer sache überhoben, von ihr befreit': welcher sorgen ihr eures sohns halben, gott sei dank, nun alle geübrigt seid, dieweil er solcher not und gefahr, unglück
[] und creuz hoch satt gesessen ist, das ihn kein not rühren noch treffen kan. Neander
vom sel. absterb. B 7
b.
mit infinitiv: wer weisz, ob nicht der himmel, satt mich zu verfolgen, mein beginnen segnet. Schiller
Turandot 1, 3. 3@bb) satt sein
oder werden. 3@b@aα) eines dinges: ich bin sat der brandopffer von widern, und des fetten von den gemesten, und hab keine lust zum blut der farren, der lemmer und böcke.
Jes. 1, 11; denn ich bin des lebens satt, und vom trauren kranck und matt.
Venusg. s. 20, 13
neudruck; und dich nackenden wird bei den schiffen, fern von den ältern, reges gewürm verzehren, wenn deiner die hunde nun satt sind. Bürger 241
a (
Il. 22, 507); du bist nun meiner satt und willst mich arme sitzen lassen. Blumauer
Än. 59
Grisebach; ist könig Philipp seiner guten laune schon satt, dasz er die nattern seines sohns zu gaste ruft? Schiller
don Carlos 1, 1. 3@b@bβ)
während diese fügung jetzt nur noch in gewählter rede und in geprägten verbindungen wie des lebens satt
üblich ist, pflegt man in gewöhnlicher rede satt sein
mit dem acc. zu verbinden, indem man den genauen sinn der einzelnen worte nicht mehr empfindet und die verbindung wie ein transitives verb. behandelt, zugleich wol in anlehnung an satt haben (
s. c),
vgl. die analoge entwicklung von los sein, werden
theil 6,
sp. 1159 (
f).
nicht deutlich ist hier der ausdruck ich bin es satt,
da dieser auch den alten genitiv des neutrums enthalten kann: fürwahr, ich weisz nicht, was mich traurig macht: ich bin es satt, ihr sagt, das seyd ihr auch.
Shakespeare kaufmann 1, 1; mein freund, such dir 'nen anderen begleiter! .. such einen andern, sag' ich, ich bin's satt. Grillparzer 4, 47; er (
Paris) schaut, und schaut fast eine vierstelstunde und wird's nicht satt. Wieland 10, 180.
dagegen findet sich auch unzweifelhafter gebrauch des acc.: wenn er alsdann das schöne gesicht satt wäre. Lessing 1, 468 (
schatz 1, 1); du muszt eine schöne (
frau) nehmen, die reich ist und gut; so eine wird man nimmer satt. Göthe 11, 9; nicht wahr, du lehrst mich ein halb dutzend (
lieder)? ich bin meine alten satt.
ebenda; die zeit ist hin, wo der name Wallrod meinen ohren gefiel, ich bin ihn nun so satt und ekel, dasz ich ausspeye, sobald ich ihn nur nennen höre. Fr. Müller 3, 72; es ist mir neulich aufgefallen was ich in einer zeitschrift oder zeitung las, dasz das Hamburger publikum sich über die wiederholung der Ifflandischen stücke beklage und sie satt sei. Schiller
an Göthe 497. 3@b@gγ)
zuweilen treten auch präpositionen ein, so an: der sprecher macht sich lustig über eine junge frau, die ihren mann ... zärtlich wehmüthig soll gebeten haben, mit ihr zu heurathen, weil er sich stellte, als wär' er satt an ihr, und fühle keine lust mehr für sie. Stalder
erndteb. 2, 92. 3@b@dδ)
mit dem infinitiv: denn satt bin ich, zu forschen! satt, mühsam in des denkens labyrinth herum zu kriechen, und kein licht zu finden, nichts, das mir wahrheit sey! Klopstock 9, 27; satt bin ich, was unter der sonne geschieht, zu sehn. 43; doch bin ich zu leben satt! 47. 3@cc)
mit dieser redensart steht satt haben
vollkommen gleich und wird weder in der verwendung noch in der construction irgendwie davon unterschieden. eigentlich steht auch hier satt
als object in der bedeutung '
genug' (
s. 4);
doch empfindet die sprache diesen unterschied nicht mehr. mit partitivem genitiv: eines dinges satt haben,
genug davon haben, aber auch: dessen satt, überdrüssig sein: ich habe der sachen alle satt,
fastidiosus sum harum rerum, fastidio mores istos. Stieler 1682; wolan, halt inn! sie habn sein sat ... sie werdn kein frauen schenden mer.
schausp. aus dem 16. jahrh. 1, 95, 436
Tittmann (Rebhun
Susanna 5, 5); sie (
die seele) sucht bey dir vor solche hoffart rath, und hat des trutzens satt. Opitz
psalmen 242; er hatte des albernen spieles nun ziemlich satt. Wieland 5, 162 (
Am. 18, 7); auch habe ich aller beschreibungen und reflexionen für heute herzlich satt. Göthe 16, 259.
dafür auch an:
amtm. sie kommen doch wieder morgen?
gouvern. man hat an einmal satt. 13, 39.
[] in der wendung ein ding satt haben
ist satt
prädicative bestimmung zum object; also eigentlich: etwas als hinreichend, in genügender menge haben: wenn du es bey den wölfen satt hast, so zieh um, und wohne bey Cerberus! Klopstock 10, 304; verschont mich mit dem spasz! ich habe das gerede recht satt. Göthe 11, 118.
ebenso: etwas satt kriegen. K. Lessing
schausp. 301; allein im grunde hatt' er's doch nicht satt und war bis dato noch bei gutem appetite. Blumauer
Än. 58
Grisebach. 3@dd)
zuweilen ohne genauere beziehung als allgemeiner stimmungsausdruck: übersättigt, müde, blasiert: jener mensch im rothen kleide, mit der reichen, satten miene. Klinger 1, 118; und an diesem morgen erneuerte sich in seinem herzen die schmerzhafte ähnlichkeit von vier dingen, — von dem leben, von einem tage, einem jahre, einer reise, die einander gleichen im frischen jubelanfang — im schwülen mittelstück — im müden satten ende. J. Paul
Hesp. 1, 166. 44)
wenn satt
sehr häufig in dem sinne von '
genug'
steht, so liegt darin zunächst ein wechsel der beziehung, indem das wort von dem, der von einer sache genug hat, auf diese selbst übertragen wird. besonders klar ist dieser übergang in einigen redensarten, denen ganz analoge mit satt
im gewöhnlichen sinne zur seite stehen, s. 1,
b. 2,
c. 3,
c. 4@aa)
am engsten schlieszen sich an die grundbedeutung an wendungen wie satt zu essen haben,
auch allein satt haben, satt finden
u. ä.: nicht satt zu essen geben,
cibum deducere. Frisch 2, 150
b; ich bin reich, und habe gar sat, und darff nichts.
offenb. Joh. 3, 17; ihr ratio status bringt mit sich, dasz sie wollen schincken, metwürst und dergleichen satt zu fressen, und Hamburger bier satt zu sauffen haben. Schuppius
schriften 7; wie aber hunde sind, die nie satt genug haben, wenn sie speisen riechen. Göthe 37, 248; nichts reizt den appetit so sehr, als die besorgnisz, er finde nicht satt. J. Paul
Hesp. 1, 112.
auch vom betrunkenen sagt man: er hatt satt. Stieler 1682. Lichtenberg (1844) 3, 75 (
unter den '
redensarten, womit die Deutschen die trunkenheit einer person andeuten').
über satt essen
und analoge bildungen, die mit sich satt essen
gleich stehen, vgl. 1,
b und 2,
c. 4@bb)
in diesem sinne nimmt satt
wie genug
eine mittelstellung zwischen substantiv und adjectiv ein, vgl. theil 4, 1,
sp. 3492. es ist satt,
genug: da en der herzoge sach, da sprach er: 'iz ist sat'.
deutche chron. 2, 315, 38; ach, jungfrau, es ist satt. Fleming 176.
gehört es zu einem substantiv, so sind zwei arten der verbindung möglich: entweder wird dieses im genitiv von satt
abhängig gemacht, oder satt
tritt als prädicative bestimmung dazu; in beiden fällen steht satt
nach und verändert seine form nicht. selten vorangestellt: genug und satt menschen. Claudius 5, 72. 4@b@aα) hat jemand lust mit mir darob zu kämpfen, der melde sich: ich will ihm kampfs nicht versagen, sondern streits satt geben. Liscow 169; trinkt vast, sie kaufen euch des sat.
fastn. sp. 450, 25; wir wolln ihr pein gnug anthun und unglücks gar satt darzu. 942, 1; wann unter dessen doch der arme nackend lieget für deines hauses thür, und grossen hunger hat, du aber giebest ihm nur nicht des brodtes satt. Opitz 1, 349; ein messer und ein beil das ist ihm werckzeugs satt. Fleming 73. 4@b@bβ)
dagegen ebenda weiter unten: (
er) lässt üm und neben sich sein weenigs viehlein graasen, das ihm ist reichthumb satt. wenn man im zeit sat lesset.
M. Neander
bedenken 14
b; damit ihr wieder neue gattungen bekommen möget, so säet den saamen satt und überflüssig. Hohberg 3, 1, 606
a.
noch mundartlich er hat geld satt. Albrecht 196
a. 4@cc)
andrerseits kommt satt
im älteren nhd. sehr häufig in flectierter form vor, was bei genug
im nhd. nicht mehr statthaft ist. wir ziehen in diesem sinne jetzt '
genügend, hinreichend'
vor: so dasz, wann hartz, alaun und schwefel sind verthan, ihr samen widerumb sich doch erholen kan, und satte nahrung hat. Opitz 1, 44; sieh so geh' ich weit von dir, du hast satten blatz vor mir. Fleming 179.
sehr häufig ist satter grund, satter fug: mit gutem satten wahren grunde, und allen nottürfftigen umbstenden.
quelle bei Haltaus 1590; viel weniger hat allein ausz büchern kriegen
[] (
krieg führen) .. selten ein satten grundt. Kirchhof
mil. discipl. vorr.; habe (
er) uber das auch sie zu straffen satte und erhebliche ursachen. 183; er erkühne sich doch einst, meinem gehorsam zu üben, .. damit ich mit sattem grunde nennen möge, — sein — diner —
N. N. Butschky
hd. kanz. 133; mit zierlichkeit und sattem grund kan ewer honig-reicher mund mehr dan des Griechen mund verwalten. Weckherlin 440; satten fug habt jhr zu zagen. Fleming 322; nun vermeint sie (
die braut) sich zu laben erst recht satten fug zu haben. 366.
ähnlich: eben umb dise zeit ... publicieret auch
d. Martinus Luther ein büchlein, darinnen er diser armen verfürischen leut (
der widertäufer) jamer und blindheit beweinet, ire lehr mit satten argumenten widerleget. Kirchhof
wendunm. 1, 578
Österley (1, 2, 117); sind keine kläger gleich, noch satte zeugen dar, hierdurch wird nicht entweiht der Themis richt-altar. man musz in solchem fall auch, was unglaublich, glauben. Hallmann
Antiochus 37.
mit übergang in die bedeutung '
reichlich, ausführlich'. satter bericht
u. ähnl.: inn hoffnung sye sollen derwegen satten und gueten bericht eingenommen haben.
Frankf. urk. von 1560
bei Dief.-Wülcker 830; das er ain diener mit sattem beschaidt abfertigen sollte.
Zimm. chron. 1, 415, 10
Barack; weil er dieser gantzen sachen so guten satten bericht hette. Ayrer
proc. 3, 2; die sceptici, welche alles in zweifel zogen und über kein sach satten bescheid geben wolten. Fischart
Bodin (1591)
vorrede; demnach .. i. churfürstliche gnaden uns sämbtlichen
f. und st. in Ober- und Nieder-Schlesien .. mit satter, weitläuftiger ausführung die gänzliche intention freundlich und gnädigist insinuiret.
verhandlungen der schles. fürsten vom j. 1621
s. 120; dafür zu sorgen, dasz kaiserlicher majestät und allen ständen des reichs ein satter und ausführlicher bericht gegeben werde. Kugler
herzog Christ. von Wirtemberg 2, 116. satter rath,
der auf reiflicher überlegung beruht: ausz gutem satten reyffen raht. Kirchhof
milit. discipl. 93; etwas zu reiffen und satten rath ziehen.
landtag von 1612
bei Schm. 2, 334; ein steiff und satt gesatz, das ohn exception zu allen fällen dien.
ebenda; dasz die kirchner, so auff den dörffern handwerge können, dieselben nicht ausserhalb auff den herrnhöfen oder sonsten, sondern alleine daheime in ihren häusern, zur nothdurft und nicht zu sattem kauffe (
ea copia, quae multitudini emtorum sufficiat), den ümbliegenden städten und meistern desselbigen handw. zu nachtheil treibe.
quelle bei Haltaus 1591.
auch die verbindung etwas
oder nichts sattes
findet sich: und ob schon schaum, jest
etc. erschiene, so ist es nichts sattes, die kranckheit zu urtheilen. Paracelsus
opera (1616) 1, 714 C. 4@dd) satt
als adverb. 4@d@aα)
neben verben: under den beweisungen, darauf ein urtheil fürnemlich satt zugründen, mögen drei für die notigsten unzweifelhaftigsten angeben und gehalten werden. Fischart
Bodin (1591) 208; Wackermann Uhlfinger war weiber- und becherlehn; seiner verschwenderischen hausfrau konnte er nicht satt rauben und plündern. Musäus 4, 47
Hempel; wilts aber wissen als in sum nim für dich den Polidorum, durch den würstu erfaren satt wer yede kunst erfunden hatt. Wickram
irr reit. bilger 15
a; ich glaube leicht, dasz du mit von den unsern bist, dann deine tapfferkeit satt zeuge hieran ist. D. v.
d. Werder
Ariost 20, 65, 8. satt schreiben,
ausführlich, eingehend: von welchem ich satter schreibe im buch von den kranckheiten die da entspringen im blut. Paracelsus
opera (1616) 1, 714 A. 4@d@bβ)
neben adjectiven, denen es gewöhnlich nachgestellt wird: der anfang ist uns gut sat, es sol wol besser werden. Luther 5, 281
a; es hat mir euer lieber sohn,
M. Johannes, angezeiget, kläglich gar satt, lieber freund, wie ihr euch vom sacrament so viel jahr enthaltet.
briefe 5, 279; wenn ich meim breutgam schön sat wer, so hett ich fort kein sorg nicht mehr. Rebhun
hochzeit zu Cana (1546); herr, es ist lange satt, dasz ich dich nicht gesehen. Fleming 29; indessen, dasz der Mars bey zweymahl sieben jahren annoch nicht grausam satt berennt und angefahren mein werthes vaterland. 70; dein schwacher leib steht allen todten (
toden) offen, thuts einer nicht, so stehn hier zehen noch, die starck sind satt, zusencken ihn ins loch. 285;
[] vater Mars, lasz ab von Meissen ... lasz sich auch nun frembde schmeissen, die uns lange satt sehn zu. 414.
selten vorangestellt: bisz man mich auch mit dir sieht untern hohen sternen, da du bist kommen hin, und sitzest schon satt fäst. 264. 55)
hieran schlieszen sich in der ältern sprache zahlreiche gebrauchsweisen, in denen satt
sich mehr oder weniger von dieser grundbedeutung entfernt, so 5@aa)
völlig, vollständig: satt, eytelvöllig,
solidus Maaler 343
a. satter dienst
als übersetzung von plenum servitium: Gandersem leten se dar an dat rike to neinem satten denste mehr. Eberhard
reimchron. 454
in: deutsche chron. 2, 403
a (
vgl. die anmerk.). satt bezahlen: er wolt gezalt sein par und satt. Fischart
dicht. 1, 42
Kurz (
nachtr. 1526). satter friede
est compositio plenaria controversiae, cui utrinque acquiescitur Haltaus 1591: das wir unns auch der wortten halb verglychen, unnd zu ainem satten friden im herren kommen möchten.
brief d. Martin Bucerus
an Phil. v. Hessen vom jahre 1530
ebenda; es kann kein satter wharer fride der religion halben gemacht werden.
Straszburger urk. von 1530
bei Dief.-Wülcker 830. 5@bb)
tüchtig, stark, derb, heftig. satte schläge
u. ä.: ich hingegen schargirte mit halben und gantzen zigeln auf sie hinunter, konnte aber durch die latten weder gewisse, noch satte oder starcke würff thun.
Simpl. schr. 3, 236, 27
Kurz; sie wehleten jhn fein solche reben ausz, die vil geleich hetten, damit sie im schlagen desto satter angiengen und gute streich auszdawren möchten.
a. weiszh. lustg. 117; da gab ich jr ain satten puff. Fischart
ged. 2, 38
Kurz (
flöhh. 1358). ein satter zug: die fraw striche die hand uber jhre brust, bisz für den bauch hinab, und sprach: ja, aber auff der strassen nicht (
zieht ein grauer schimmel nicht so gut wie ein junger rother fuchs), denn da sind gräben, und ohngefehr löcher, da man eins satten, steiffen zugks wol von nöthen ist. Frey
gartenges. 76
a. ein satter rausch: dann weil ich ein satten rausch zu gewarten hatte.
Simpl. schriften 3, 92, 7
Kurz. 5@cc)
voll, dick, dicht. eine satte rose, locke
u. ähnl.: es liegt viel daran, dasz das blat der blume (
bei den tulpen) satt und dick sey, damit es in der blühte desto länger daure. Hohberg 3, 1, 590
a; patriarchalisch flosz die satte locke (
Adams) am mannhaften halse herunter. Fr. Müller 1, 14; mädcher ... deren schwellende reize nach luft schnappen, wie halb entknospete rosen, die lüstern den grünen flohr aus einander sprengen, satter sich dem jungen Phöbus entgegen zu werfen.
sit. aus Fausts leben 27 (113, 36
neudr.); Braun! was habt ihr für nachricht vom hafer?
Braun. er steht voll und satt. Klinger 1, 102.
so wol auch zu verstehen: eine satte mauer
u. ähnl.: darin was ouch ein vil guot slosz mit muren also satte. Liliencron
volksl. 2,
s. 62, 24; ein wagenburg ward geslagen vor Erikort so satt. 2,
s. 40, 14. 5@dd)
dicht, fest, hart, solide; vgl. das engl. (
besonders mittelenglische) sad: satt
solidus voc. von 1618
bei Schm. 2, 334; sie gruben einen brunnen auff fünff klaffter tief .. bewerten den mit eim satten pfulment (
fundament).
buch d. liebe 229
a; zur winterzeit haben sie ein zimlich satt hart fleisch. Forer
fischb. 115
b; ein gut, gesundt fleisch, macht einen satten stulgang. 26
b; dasz sie dem gestad und satten grund (
festland) nahen. 60
a; gott der bschaffen hat den himmel, und die ärden satt.
gesch. d. proph. Daniel (
Bern 1545) 72
b.
insbesondere von holz: die bäume, welche hart und satt holtz haben, als der bux und andere bäume. Sebiz
feldbuch 323; will man anderst den zweig satt und fest inn dem stammen behalten. 328; das zwölffte geschlecht (
der anemone - röslein), hat ein wurtzel in der grösz einer oliven, rundlecht und satt. Tabernaemont. 78 B; grübling baum hat ein wurtzel wie die grübling gestaltet ... jnnwendig aber ist sie weisz und satt. 868 J; weil man die lange spiesz zum kriege darausz (
aus eschenholz) pflegte zu machen: dann es ein satt festes holtz ist.
a. weish. lustg. 416; der buchsbaum hat ein festes, sattes und hartes holtz. 658; der buxbaum hat ein festes, sattes, und hartes holtz, so sich mit der härte des horns und eisens etlicher massen vergleichet. Hohberg 3, 1, 562
b.
[] 5@ee)
stramm, straff, angespannt, fest anliegend, eng. Seiler 249
a. ein sattes band, satt binden: disz ist ein gar sattes band.
F. Würtz
pract. d. wundarzn. 82; damit die binden sich desto besser näher und satt anlege.
ebenda; doch soll man den nabel zuvor hineyn thun, darnach das pflaster darüber legen und satt binden. Tabernaemont. 221
H. ähnlich: sich damit an die felsen zu kleben und satt zu halten. Forer
fischb. 111
a.
ferner '
hart dabei, nahe': der Ri lauft ganz satt dört näben-im dure.
quelle bei Seiler 249
a. 5@ff)
ähnlich von der rede '
knapp, abgerundet, präcise': satt ding reden, seüberlich mit kurtzen worten und on überflussz,
dicere presse. Maaler 343
a; und siehet man hierausz, ... wie vor nun vergangenen anderhalbhundert jahren, die worte so deutlich und klar, so rund und satt, die rede so kurtz und kernhafft gesetzt ... geweszt. Moscherosch
Teutschland Jac. Wympfflingers (
Straszb. 1648)
vorr. 2
b. 5@gg)
sehr häufig von der farbe: gesättigt, dick aufgetragen, daher intensiv, tief, dunkel: ein vast satte und volle oder dicke farb,
saturatior color Maaler 343
a.
voc. von 1618
bei Schm. 2, 334; satt, bey den farben für dunckel,
obscure. Frisch 2, 150
b; satte farbe,
color plenus, satur, floridus Stieler 1682.
ebenso niederl. satte oft hooghe verwe,
color satur, exaturatus, plenus, vehemens. Kilian.
auch engl. sad
wird von einer dunkeln farbe gesagt. vgl. ferner sattblau, sattgelb, sattgrün, sattroth; die blumen seynd schön gefüllt ... an der farb einem satten scharlach gleich. Tabernaemont. 78 A; so man die (
schellwurz) von einander bricht, ist sie innwendig geel, und gibt einen dicken, zähen, rothgeelen safft von sich, einer schönen satten saffranfarben gleich. 101 C; agate coste, ist satt viol-blau. Hohberg 3, 1, 598
a; agate goblin, ist .. gezieret mit .. einer satten gemsenfarbe.
ebenda; noiron, ist dunckel - roth und satt taubenfärbicht .. eine satte tauben-farbe. 602
a; provôtale d'Abbeville, ist .. von einer satten und unreinen leib-farbe. 603
a; savoyarde, ist satt isabellfärbicht. 603
b; den in der satten tiefblauen farbe schön ausgeführten hintergrund bildet die silhouette Frankfurts.
Frankf. journal 1877, 281 (10.
oct.), 2.
blatt. ungenau auch von dem so gefärbten gegenstande: ob es wol eines theils hell und durchsichtig ist, wie ein roter schwebel, oder ein durchscheinend rot güldig ertz, ohn das disz satter ist. Mathesius
Sar. 123
a. 5@hh)
vom gange, '
langsam, sachte, gemächlich'.
so noch in schweizerischen mundarten Stalder 2, 301. Seiler 249
a: sat, seter, setist; e sate gang. Hunziker 216; jambos,
d. i. ein solcher fusztritt, der zuerst kurtz, geschwind und verzuckt und gleich darauff widerumb satt und langsam gesetzt wird.
a. weish. lustg. 177; langsame, satte schritte. Moscherosch
Philander 1, 83; sie (
die schwangere frau) soll sich auch befleissen satt zu gehen. Mauriceau (1680) 57.
übergehend in die bedeutung '
leicht': ungschmirte räder gehn nicht satt. Fischart
dicht. 3, 233, 85, 2
Kurz. 5@ii) satt stehen
mit vollem fusze, daher fest, steif aufstehen: wenn der hengst stehet, soll der fusz auch satt aufstehen und das erdreich an allen orten rüren. Heyden v. Dhaun
Plin. (
Frankf. 1584) 185; sol seinen schnabel in den grund hinein stecken, also satt stehen ohn bewegnuss. Forer
fischb. 61
a. 5@kk)
zuweilen auch ethisch gewendet, eine satte (
tiefe) traurigkeit
u. ähnl. (
vgl. oben und engl. sad): mer (
vielmehr) es sol sein ein steifer, satter ernst, in eim gleichen tenor und thon, gott dem herren für und für in allen dingen undertenig und gehorsam sein. Keisersberg
seelenp. 16
b; ein weis vernünfftig mensch, derselb hat an im ein satte tapfere traurikait. 126
a.
jetzt höchstens in dem sinne '
übersättigt, müde',
vgl. 3,
d.