schmalzen,
schmälzen,
verb. mit schmalz versehen, essen mit schmalz zubereiten, fetten, ableitung zu schmalz,
vgl. das. 11)
mhd. findet sich ein starkes (
reduplicierendes)
verb. smalzen, '
schmelzen, zerflieszen',
das also eine intransitive bildung zu smelzen
ist: dô .. ir daʒ herze smielz, als daʒ wahs gegen dem viure.
d. heidin 1270 (
ges. abent. 1, 422).
daneben in der heutigen bedeutung: darzuo ain guoten prey ... es was nit bol (
wol) gesmaltzen. Oswald v. Wolkenstein 9, 5, 7.
auch in diesem sinne herrscht die starke flexion, namentlich in dem part. gesmalzen,
sodasz das wort mit salzen
durchaus parallel ist, vgl. Lexer
handwb. 2, 1001
f. entsprechend niederl. smouten,
linere arvina, butyro, oleo, pingui liquore Kilian. 22)
nhd. schmalzen, butter oder fett an das essen thun,
pinguedine sapidum reddere cibum Frisch 2, 205
b,
vgl. Weigand 2, 600.
part. meist geschmalzen,
vgl. oben; belege für das prät. fehlen: das geschmalzen prot sabatinis noctibus wirt (
dem armen knecht, wenn er ein weib genommen) zuo ainer wassersuppen oder zuo ainer gersten noch ainem wasser.
quelle bei Schmeller 2, 552; ainist im jar gibt man allen ehalten ain gesmaltzen brod.
s. ebenda; unter anderm aber ward im ein guoter stockfisch, wol geschmaltzen fürgesetzt. Kirchhof
wendunmuth 1, 244
Österley (1, 199); die Grönländer benutzen den thran zum schmalzen ihrer speisen. Brehm
illustr. thierl. 2, 846; ir schült uns der suppen nimer schmalzen.
fastn. sp. 722, 10; eins war versottn, das andr ungschmaltzn. H. Sachs 3, 118, 152
neudruck; ein ungeschmaltzen kraut. 4, 2, 55; da wil ich waydlich narren hetzen und mich jrs fleisch recht wol ergetzen, gesotten, pratten und geschmaltzen.
fabeln u. schw. 1, 14, 103; disz ungsotten, yhens ungeschmaltzen. 22, 58; ist die suppe nicht geschmaltzen oder ist sie gar versaltzen? Chr. Weise
reife ged. 436.
das starke part. hat sich wol besonders durch die häufige verbindung mit gesalzen
erhalten, z. b.: es ist weder gesalzen noch geschmalzen,
hoc edulium male conditum et adipatum est Stieler 1878.
nach Adelung
regelmäszig (
also schwach), '
auszer dasz das mittelwort in vielen gegenden geschmalzen
hat'.
besonderheiten der bedeutung: ölen, salben, vom einfetten der schafwolle mit baumöl Karmarsch-Heeren
3 7, 719.
von der letzten ölung: wie der auch einen krancken nach altem brauch mit der ölung auff die reise schmaltzen wolte. Kirchhof
wendunmuth 1, 552
Österley (1, 2, 101).
bildliche wendungen: Hämmerlin (
kommt, ein bündelchen ducaten in der hand). da, du! sind hundert funfzig, alle neu! ..
Fröhlich. tausend dank, lieb's mütterchen! schöne butter, junge eheleute damit zu schmalzen. Fr. Müller 1, 346; man richt in mit langen spiessen an, mit helleparten gschmalzen. Liliencron
hist. volksl. 3, 438 (
nr. 372, 22); er ist der reichst in dieser stat ... der ist einfeltig und ungsaltzen, der selbig müst mein kraut mir schmaltzen durch falsches spiel und kuplerey. H. Sachs 3, 2, 116
b. 33)
daneben formen mit umlaut, die natürlich schwach flectieren. so schon mhd. smelzen Lexer
handwb. 2, 1007: phankuochen unde smelzen wart dem juncherren tiure.
troj. krieg 6080. schmälzen,
pinguefacere, vulgo adipare, pinguem facere. geschmälzt kraut,
olera adipata Stieler 1878: schmälzen, wird wegen der vermischung mit schmelzen gar wohl nur den pöbelhafften reden in einigen orten gelassen. Frisch 2, 205
b;
bildlich: wolan, es bleyb im schon der namm procurator! procurirt und vorsicht er doch niemandt mehr ... denn in seinen beutel, also dasz ... im sein kraut geschmeltzet werde. Kirchhof
wendunm. 1, 165
Österley (1, 135).
nach Adelung
und Campe
sagt man in vielen gegenden schmälzen, schmelzen,
dazu das part. geschmälzt.
in der neuern schriftsprache seltener: sie (
die maccaroni) werden meistens nur in wasser abgekocht und der geriebene käse schmälzt und würzt zugleich die schüssel. Göthe 28, 273. 44)
die heutigen mundarten zeigen folgende formen: schweiz. schmälzen,
mit butter würzen Stalder 2, 334, schmelze Seiler 257
b,
doch auch schmalze Hunziker 225, schmâlza Bühler
Davos 1, 149.
in Vorarlberg neben einander, aber nach der bedeutung gesondert: schmâlza,
schmalz bereiten, buttern, und schmAelza,
eine speise mit schmalz versehen Frommann 5, 488,
bair.-österr. ohne umlaut schmalze(n) Schm. 2, 552. Lexer 221 (gschmalzn),
kärnt. schmalzen, schmälzen Schöpf 627;
dazu geschmalzte (
selten gschmalzne) nudel; gschmelzte suppen.
hennebergisch schmalzen Spiesz 218.
nd. vergleicht sich smaltern,
schmieren Mi 81
b.
die bedeutung bietet folgende besonderheiten: 4@aa)
butter machen, buttern, so in Davos Bühler 1, 149;
in Vorarlberg, s. oben. 4@bb)
hennebergisch schmalzen
auch '
kuchenteig mit irgend einer schmackhaften substanz, z. b. mus, überziehen' Spiesz 218. 4@cc)
das part. geschmalzen
steht oft in freierem sinne: 4@c@aα) nit gsalzen und nit gschmalzen,
von speisen, abgeschmackt, kraftlos Schöpf 628. 4@c@bβ)
scherzhaft von der taufe, der priesterweihe Schöpf 628: die ungesaltzenen und ungeschmaltzenen lutterischen predigkautzen.
bei Joh. Nas
s. ebenda; das kind ist gesalzen und geschmalzen,
getauft Schm. 2, 552. 4@c@gγ) eine wolgeschmalzne maulschellen
s. ebenda. 4@c@dδ) geschmalzen,
theuer ebenda. Schöpf 628. Lexer 221 4@c@eε)
kärnt. es geat gschmalzn,
gut Lexer 221. 55)
technisches: 5@aa)
in der jägersprache ist schmalzen
die gewöhnliche holzabtreibung, wobei das holz einige jahre nach einander gehauen, der erdboden ausgebrannt und mit getreide besät wird Heppe
wohlred. jäger 264
b. 5@bb) schmalzen
oder schnalzen,
der hauptschlag des auerhahns Behlen 5, 505.