lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

sinter

mhd. bis Dial. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
20 in 14 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
15
Verweise raus
14

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

sinter m.

Bd. 16, Sp. 1215
sinter, m. schlacke, hammerschlag, tropfstein. 11) ein gemeingerm. wort, altn. sindr, n. (dazu sindra funken sprühen, und Sindri, schmied, als zwergname); ags. sinder, -or, n., sindra (m.?), neuengl. cinder noch glühende asche, ausgeglühte kohlen, vgl. Skeat 110b; alts. sinder scoria. Wadstein kl. alts. sprachdenkm. s. 76b, 12; mnd. sinder, sinter, sindel (-stein), sundel, zundel Schiller-Lübben 4, 210b. 215a, vergl. sinder-, sunderklôt schlackklumpen. 210bf. 6, 261b; ahd. sintar, -ter, -tir, -dar, -der, -dir, sintarn. Graff 6, 265 f.; mhd. sinder, sinter, sindel, m. n. Lexer handw. 2, 928 f. nachtr. 365. s. Weigand 2, 721. Grimm gr. 3, 380. — die herkunft des wortes ist unsicher. Kluge6 366a. Fick3 3, 322 hat es zu skr. syand tropfen, sindhu flusz (dazu kelt. *sindâ Fick4 2, 303), slav. sdra tropfen gestellt (danach Skeat a. a. o.), doch ist die vergleichung mit rücksicht auf die bedeutung nicht überzeugend.dazu gehört der alte name der heldensage, der in ahd. urkunden des 9. jh. als Sintarfizilo, Fizzilo (ags. Fitela, altn. Sinfjtli) belegt ist, s. J. Grimm zschr. f. d. alterth. 1, 2—6 = kl. schr. 7, 52—55, vgl. 2, 356. ferner ztschr. f. d. alterth. 12, 306f. 28, 161—3. Paul-Braune beitr. 16, 363—6. 509 f. 18, 182, anm. 2. — die glossen bieten folgende formen: astora, ascoria (aus scoria) synder. Dief. gl. 56b; sinder, asceria sintter. nov. gloss. 39a; cadmia .. sindel, sinter, sijnter. gl. 87b; casme sundern, casinia sin[d]er klump. nov. gl. 64b; coliandrum sinter. gl. 131b (hierher? bei Lexer handwb. 2, 935 als besonderes wort); litargirum sinder, sudor (?), zundel vel swam (statt sindel vel schum?). 333b; schnider, sinther. nov. gl. 237b; scoria .. der brant o. abgang vom metall, kaut o. unsubere des metalsz, sinder, .. sintter, sindele, syntelen uyt der smede aeven. gloss. 520a; sundel, zundel, est faculenta (statt feculenta) residentia ex .. metallo ignito, sindel stein, zinder (voc. v. 1420), sinter nov. gl. 331b, vgl. auch Dief.-Wülcker 855. Weigand a. a. o. 22) das geschlecht des wortes, das im altn. und ags. neutr. ist, im mhd. zwischen dem masc. und neutr. schwankt, hat sich im nhd. als masc. festgesetzt. dagegen bieten die formen noch abweichungen. 2@aa) das heute herrschende sinter steht in den wörterbüchern erst seit Frisch fest, findet sich jedoch auch in ältern belegen (bei Mathesius u. a.), s. unten. 2@bb) die ältern wörterbücher bis Steinbach bevorzugen das auch im mhd. herrschende sinder, woneben vereinzelt zinder (bei Kramer, auch mundartlich), und zünder, zunder, s. 3, a. 2@cc) daneben finden sich, im 15. und 16. jh., mit ausweichung der r in l, sintel, sindel u. ähnl., vergl. auch die glossen unter 1: iserin negel und syntellen. quelle des 15. jahrh. bei Ch. Schmidt histor. wörterb. der els. mundart 325a; morter zu machen nim lebenden kalk und geribne ziegel und gestoszen sindel und sand und leinöl und wasser. quelle bei Schm. 2, 306; dazu auch sindelschlack, scoria. Dasypodius. das wort scheint im nhd. niemals sehr häufig gewesen zu sein, ist jedoch auch heute noch lebendig, auch auszerhalb der technischen sprache. dagegen in mundarten nur spärlich bezeugt. dem hochd. gebiete scheint es grösztentheils zu fehlen, so ausdrücklich angegeben für Handschuhsheim bei Lenz 66a, nur für Luxemburg als senter bezeugt. Gangler 414; nd. sinder Strodtmann 211, ostfries. (s)sinder, (s)sinner ten Doornkaat Koolman 3, 184a, westf. sinner, f., zinder (Iserlohn). Woeste 237b. 33) bedeutung. 3@aa) metall-, besonders eisenschlacke: sinder, m. eisenschlacke, f. l'escume de fer. Hulsius 298b; recrementa ferri. Agricola bergwerckb. gloss.; sinder, m. scoria ferri, schlakken. Schottel 1416; sinder ò zinder, m. scoria di ferro in massa che si tira tutta infocata dalla fucina de' fabbri ferrari. Kramer dict. 2, 813a; sinder (der, pro eisenschlacken) scoria ferri. Steinbach 2, 593; speziell: beim eisen-schmiden sind es die äussersten schiefern und dünnen schuppen so vom eisen abspringen, wann es im feuer gewesen, squamae candentis ferri decidentes, hammerschlag. Frisch 2, 280b, eigentlich eine unter einwirkung der luft gebildete oxydschicht. Karmarsch-Heeren3 8, 289. diese bedeutung eines glühenden eisensplitters scheint die ursprüngliche zu sein, denn nur von ihr aus versteht sich die im altn. daneben begegnende 'funken', und sindra funken sprühen, vgl. Weigand 2, 721. daher auch die im nhd. häufige entstellung zu zinder (Kramer), zünder, zunder: es sprechen die meisten dieses sinter als zünder aus, und verstehen es von den glüenden theilgen die vom glüenden eisen herab fallen, als von candere, accendere, s. zünden, davon auch zunder, fomes. Frisch a. a. o., vgl. Adelung; hammerschlag, sinter, zünder, paillettes de fer. Jacobsson 2, 201a; s. auch schmiedesinter theil 9, 1066. doch bezeichnet sinter auch die beim schmelzen, verfrischen u. s. w. des eisens abfallende schlacke, eisenschaum. Scheuchenstuel 226, vgl. ten Doornkaat Koolman a. a. o.belege: daʒ eisen dœnt haiserleichen und sein schaum haiʒt ze latein scoria und haiʒt ze däutsch sinder. Megenberg 479, 27; ach wê, ich nâch dir brinne sam in der gluot ein sinder. Frauenlob 416, 7; synder von ysen. Gersdorf, s. Schmidt els. wb. 324b; man lesst es (das eisen) offt durchs fewer gehen, und im schmiden lesst man jmmer wasser auffgiessen, damit man den sinter und hammerschlag davon bringe. Mathesius Sar. 79a; wie denn auch ausz alten schlacken und sintern, wenn man sie buchet und weschet, heut zu tag das zeheste eisen geschmeltzet wird. ebenda; was den sinter, eisenschlacken, und hammerschlag betrifft. 80a. zuweilen unter den mörtel gemischt, s. Schmidt 325a und die stelle aus Schm. 2, 306 unter 2, c.von andern metallen, in bildlicher redeweise: du sun des menschen, das haus Israhel ist gekert in sinter. alle dise das ere, und das zinn und das eisen und das blei die sind gemacht in sinter des silbers in mitt des ofens. bibel 1483 400b (scoria argenti facti sunt. Hesek. 22, 18, Luther: silberschaum); wer gît mir tac, und wirt mîn silber sinder? Kolm. meisterl. 118, 13. auch sonst in freierer verwendung: wellent ich gugk, sô hindert mich köstlîcher ziere sinder. Osw. v. Wolkenstein 3, 2, 14; der sel funklin, sinder, ignis tuo im sein herz gerecht gewisz! Liliencron hist. volksl. nr. 50, 1677; alte menschen! kalte menschen! ihre häupter grauer winter, ihre längst verglühten herzen längst erstarrte harte sinter. Weber Dreizehnlinden 282 (vgl. unter e). 3@bb) in der ältern sprache zuweilen für pottasche, die man ebenfalls für eine art schlacke hielt: weidesche, sinder, genant. Brunschwig medicinarius (1509) 175a s. Schmidt a. a. o. 324b; weidäsch, sünkel, sünter, eisenfall, eisenschiefer cinis clarellatum, kali. Joh. Fischart onomast. philos. (1574) 34. 3@cc) in nd. mundarten heute die rückstände und schlacken von ausgebrannten steinkohlen. Strodtmann 211. ten Doornkaat Koolman 3, 184a, so auch westf. sinnern. 3@dd) auf leinwandbleichen heiszt sinter, sinterasche die asche von faulem, morschem holze, zum unterschied von der ofenasche; grauer sinter, asche von morschen weisztannen; weiszer sinter, asche von morschen eichen, buchen und espen. Campe. 3@ee) kalkartiges gestein, das sich aus hervorsinterndem, kalkhaltigem wasser durch verdunstung absetzt und zu einer festen masse, zuweilen, in unterirdischen höhlen, auch zu wunderlichen von oben herabhängenden gebilden formt, bei metallgehalt zuweilen gefärbt, auch steinsinter, tropfstein, stalactites. Adelung. Jablonski 725a. Jacobsson 4, 179a; tuffstein, topfstein, rauhwacke, tophus, tofus. Nemnich; sinter, m. in den bergwerken. Schönberg nennt es eine fliesige materie, so aus den wänden der erd-gänge dringet, und sich an das gesteine legt, als ein anzeig, dasz erz-gänge da, materia a humoribus in meatibus fodinae undique adhaerens. Frisch 2, 280b; feste absätze aus einer flüssigkeit, die aus dem gestein hervorgedrungen ist. Weigand 2, 721: da sind mit weiszem sinter die wände tapeziert. Freiligrath5 1, 47. bildlich: grimme wittib; neunzig winter brachen wohl den eisennacken, nicht der brust verkalkten sinter. Weber Dreizehnlinden s. 169 (vgl. unter a; die beiden bedeutungen scheinen hier in einander zu flieszen). nach der art des gesteins unterscheidet man bleisinter (theil 2, 102), eisensinter (3, 373), kalksinter (5, 67), kieselsinter, s. auch steinsinter, badesinter (1, 1074). 3@ff) schlamm der solbehälter in gradierwerken. Karm.-Heeren3 8, 289. 3@gg) luxemb. senter bodensatz von geschmolzener butter, butterdrüse, schmalzdreck, les fondrilles, effondrilles. Gangler 414. 3@hh) der herabhängende schluszstein eines gewölbes (übertragung von e). 44) das nd. synter, nebengebäude einer kirche, sakristei, camera, hat nichts mit diesem worte zu thun und scheint aus sanctuarium entstellt, s. nd. korrespondenzbl. 7, 7 f. 46 f.
8943 Zeichen · 268 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    sinter

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +3 Parallelbelege

    sinter s. sinder.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    sinterM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    sinter , M. Vw.: s. sinder L.: MndHwb 3, 240 (sinter), Lü 349b (sindel/sinter)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Sinter

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    1. Der Sinter , des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. die glühenden Schuppen, welche von dem Eisen im …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Sinter

    Goethe-Wörterbuch

    Sinter [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Sinter

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Sinter , mineralisches Gebild, das sich aus dem Wasser absetzt z.B. die sog. Tropfsteine, die beim Leinwandbleichen gebr…

  6. modern
    Dialekt
    sinterconj.

    Lothringisches Wb. · +2 Parallelbelege

    sinter [zìntər, zitər Fo. Bo. Falk. Lix. Mw. u. s.; santər Si. ] conj. seitdem, seit: sinter si Vatter gestorb isch, geh…

Verweisungsnetz

44 Knoten, 28 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 4 Wurzel 1 Kompositum 23 Sackgasse 16

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit sinter

32 Bildungen · 24 Erstglied · 7 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von sinter

sint + -er

sinter leitet sich vom Lemma sint ab mit Suffix -er.

Zerlegung von sinter 2 Komponenten

sin+ter

sinter setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

sinter‑ als Erstglied (24 von 24)

sinterarbeit

DWB

sinter·arbeit

sinterarbeit , f. das wiederholte schmelzen der schlacken, um die darin noch vorhandenen metalle zu gewinnen. Scheuchenstuel 226 .

sinterasche

DWB

sinter·asche

sinterasche , f. bei den bleichern, asche aus angefaulten bäumen, s. sinter 3, d. Jacobsson 4, 179 b . Behlen 5, 624 ( auch zunderasche).

sinterblech

DWB

sinter·blech

sinterblech , n. eisenplatte an der vorderseite der feuergrube eines eisen-frischfeuers, mit mehreren löchern, wodurch die sich ansammelnde …

Sinterblume

RhWB

sinter·blume

Sinter-blume (s. S.) ze- Merz-Bergen Conf Losh Wiesenschaumkraut, cardamine pratensis.

sinterbrücke

DWB

sinter·bruecke

sinterbrücke , f. , auch schlackenbrücke ( theil 9, 259), zum ablassen des geschmolzenen eisens. Jacobsson 1, 11 b .

sintereisen

DWB

sinter·eisen

sintereisen , n. für eisensinter, s. sinter 3, a: syndereysen, -steyn ascoria. vocab. theut. (1482) s. Dief. gloss. 56 b . Lexer handwb. 2, …

sinterfrischen

DWB

sinter·frischen

sinterfrischen , n. frischprocesz durch einwirkung von eisensinter auf roheisen. Karmarsch-Heeren 3 8, 289.

Sintergabel

RhWB

sinter·gabel

Sinter-gabel (s. S.) senər- Siegld 1839 f.: G., zur Entfernung der Schlacken.

sinterkohle

DWB

sinter·kohle

sinterkohle , f. eine art steinkohle, die in der hitze zusammensintert, ohne zu schmelzen und ohne eigentliche koks zu bilden, splint coal. …

Sinterloch

PfWB

sinter·loch

Sinter-loch n. : ' Loch zur Sandgewinnung '. »Wie die Bauern aus Rothselberg und Rutsweiler legte Chausseegard Christoffel in besonderen Ver…

Sinternaht

RhWB

sinter·naht

Sinter-naht tsindəl- Rheinschiff f.: Senk(el)naht (s. d.) u. Sinter 2 c.

sinterquarz

DWB

sinter·quarz

sinterquarz , m. gesinterter, tropfsteinartiger quarz, meist als rinde um andre körper, quarzum stillatitium incrustans. Jacobsson 7, 361 a …

sinterspiesz

DWB

sinterspiesz , m. ein spitziger eisenstab, mit dessen hilfe man die schlacke des gefrischten eisens durch die löcher des sinterblechs ( vgl.…

sinterstein

DWB

sinter·stein

sinterstein , m. , vgl. sinter (3, a ): ascoria .. syndersteyn. Dief. gloss. 56 b ( voc. von 1482, vgl. sintereisen); litargirum ... sindter…

sinterung

DWB

sinte·rung

sinterung , f. : das wasser des Carls-bad, so sich als weisze schiefern anhänget, gehört auch zu den sinterungen. Frisch 2, 280 c ; diese tö…

sinterwasser

DWB

sinter·wasser

sinterwasser , n. aus dem gestein dringendes wasser, das mit allerlei mineralischen bestandtheilen geschwängert ist, die sich bei der verdun…

sinterīsern

KöblerMnd

sinter·īsern

sinterīsern , N. nhd. „Sintereisen“, Schlacke? Hw.: vgl. mhd. sinderīsen Q.: UB. Ilsenb. 2 418 E.: s. sinter (1), īsern (1) W.: s. nhd. Sint…

sinter als Zweitglied (7 von 7)

goldsinter

DWB

gold·sinter

goldsinter , m. , zu den formvarianten des grundworts vgl. s. v. sinter. 1) rückstand, schlacke, die beim schmelzen des goldes entsteht, das…

Gypssinter

Adelung

gyps·sinter

Der Gypssinter , des -s, plur. inus. ein gypsartiger Sinter, Gyps in Gestalt des Sinters. S. Adelung Sinter .

kalksinter

DWB

kalk·sinter

kalksinter , m. sinter aus kalk bestehend: die Carlsbader sprudelsteine, die sich vor allen kalksintern der welt vortheilhaft auszeichnen. G…

mauersinter

DWB

mauer·sinter

mauersinter , m. weiszer und zerbrechlicher sinter, welcher entsteht, wenn eingedrungenes wasser den kalk des mauerwerks auflöst.

steinsinter

DWB

stein·sinter

steinsinter , m. , im bergwerk ein kalkartiger stein, welcher aus herabtröpfelndem mit kalkerde geschwängertem wasser erzeuget wird Jacobsso…

Ableitungen von sinter (1 von 1)

Versinterung

GWB

Versinterung [bisher nicht publizierter Wortartikel]