spikenarde,
f. m. lavendel. aus lat. spica nardi,
vgl. spieke. 11)
das wort findet sich schon mhd. Lexer
handwb. 2, 35:
spica nardi, -e ... spicanard, spicnard, -narden. Dief.
gl. 546
b; spicanarde
im jüng. Tit. nach W. Grimm
zur gold. schmiede 1323; wis gegrüeʒet, spica nardes, veldes bluome, klê des hardes.
zeitschr. f. d. alterth. 8, 281 (
Mariengr. 197).
mit volksetymologischer umdeutung: spicanardi spicze nardi. Dief.
nov. gl. 345
a.
daneben mit umgekehrter stellung: schône ûʒ ir aste gân hervür muoʒ dir diu nardespicke.
gold. schmiede 1323.
auch engl. spikenard,
s. Skeat 580
b.
vgl. ferner Weigand 2, 762. 22)
im nhd. zeigt sowol der ausgang des ersten wie der des zweiten gliedes der zusammensetzung wechselnde formen. frühnhd. oft in ganz lat. form: spicanardi Lonicerus
kreuterb. 152 C (
s. spieke 2,
a). Comenius
sprachenth. 137;
nardi spica Corvinus
fons lat. 426
b; sonderlich wird die spicanardi zum höchsten berhümbt und geschrieben, es sey erfahren, dasz sie wunder auszrichte. Wirsung
artzneyb. 210 C; geiszharn, darinn spicanardi gesotten sey. 436 D (
vgl. das reg.).
ähnlich: einige zünden auch unter dem baum wirklich ein zartes feuerlein an, das nicht viel raucht, und streuen die blüthe von dem kraut
spikenardi darauf. Musäus
volksm. 2, 106
Hempel. mit deutsch gestalteter endung: grAecht und guot
spicanarden, nardus pistica. das der spicanarden geschmack hat,
nardinus. salb ausz spicanarden gemacht,
unguentum nardinum. Maaler 380
a; spicanard,
f. du nard. Hulsius 302
a,
nardus Schottel 1418; spicanarde(n)
auch Wirsung
im reg. (
s. 4,
im text spicanardi,
s. oben), spikanarde
bei Karmarsch-Heeren
3 8, 352.
häufig auch apokopiert: spicanard und lavendel heisset lateinisch
lavendula. Hohberg 3, 1, 553
a;
s. ferner Scultetus
unter 5.
frauenz.-lex. 1878.
öcon. lex.2 1603. Nemnich
unter 4.
mit entsprechenden änderungen des ersten compositionsgliedes: nardispica spikenard Goll
onomasticon lat. germ. (
Straszb. 1620) 435
bei Ch. Schmidt
hist. wb. der els. mundart 332
b; spik ... man setzt es auch zusammen und sagt spike-narden, wie im griechischen
νάρδου στάχυς,
nardi spica. Frisch 2, 301
c;
s. ferner Stieler 2077. spiekenard
bei Adelung
und Krünitz,
s. unten 4.
spiknard schreibt Pritzel-Jessen. spicnard
in Thüringen, s. Hertel
sprachsch. 231.
spickenarden, spica nardi, lavendel. Gottsched 142;
so noch zuweilen im Elsasz, s. Schmidt
a. a. o. dazu einspicknardisieren
Garg. 74
b,
s. theil 3, 302.
stärker entstellt spickenat, s. besonders; mundartlich in Ungarn zuweilen spickenatz (
sonst spike) Schröer 207
a,
in Erfurt šbignárius Hertel
a. a. o. 33)
das geschlecht ist in der regel weiblich, nach dem lat., vgl. mhd. nardespicke
unter 1;
so bei Maaler, Wirsung, Hulsius,
[] Schottel,
s. 2.
zuweilen jedoch auch als masc. (
nach lavendel?): spik, die,
et spikenard, der,
planta nota est, spica nardi seu nardus Celtica dicta. Stieler 2077;
ebenso bei Hohberg,
s. 4. 44)
bedeutung (
vgl. spieke). 4@aa) spikenarde
wird gewöhnlich mit lavendel
gleichgesetzt, so ausdrücklich bei Stieler (
s. 3), Gottsched (
s. 2), Adelung, Krünitz 157, 509;
mit spick (= spieke): spicanard,
spica, du nard, ist ein wohlriechendes kraut von grosser krafft und würckung, und wird in die welsche, garten- und indianische spick eingetheilet.
frauenz.-lex. (1715) 1878. 4@bb)
dagegen neben einander: spicanardi, lavendel (
spica, lavendula). Comenius
sprachenth. 137.
näher als die gröszere art bestimmt, s. Lonicerus 152 C
und öcon. lex.2 1603
unter spieke 2,
a, ferner: lavendel, ... deren seynd zwey geschlecht, jedermenniglich bekannt, das grosz nemlich unnd das klein. das klein wirdt gemeiniglich lavendel genannt. ... das grosz wird genannt spicanarde, spick oder gartenspick, unnd bey den kräutlern
spica hortulana und
pseudonardus. Wirsung
artzneyb. im reg.; spicanard oder grosser lavendel, heisset lateinisch
spica domestica, spicanardi, pseudonardus mas. ... beyde geschlechte, sowol spicanard als lavendel sind holtzichte stäudlein, dem stöchaskraut oder roszmarin ähnlich. ... sonsten ist der lavendel dem spicanard gantz gleich, ausgenommen, dasz er in allen stücken kleiner, dünner, schmäler, zarter, milder, gebräuchlicher, dem geruch nach, aber nicht so lieblich. ... unter vielerley spicanarden werden nur die zwey vornehmste, nemlich die indianische und welsche spic von den materialisten und apotheckern geführet. Hohberg 3, 1, 553. 4@cc)
für andere pflanzen, so 4@c@aα)
nardenbartgras, indianische narde, andropogon nardus Nemnich (
nardus indica officinarum); 4@c@bβ) spikenard,
indische narde, indischer spiek, nardostachys jatamansi. Pritzel-Jessen,
vgl. Karmarsch-Heeren
3 8, 352; 4@c@gγ) spiknarden,
alpen-, nardenbaldrian, valeriana celtica. Pritzel-Jessen (
vgl. spieke 2,
b). 55)
im mhd. wird spicanarde
bildlich von Maria gesagt; ähnlich im ältern nhd. von Christus: ach seelenspicanard! ach lebenshafte gabe! Scultetus
bei Lessing 8, 299.