krinne,
f. kerbe, mhd. krinne,
ahd. chrinna (
s. 4,
b). 11)
die allgemeine bed. ist einschnitt, kerbe. 1@aa)
so am kerbholze (
vgl. krinnen),
das wird mit 'krinn,
crena, beilen' Maaler 254
a gemeint sein (
s. beile).
ähnlich folg.: seine (
des rallus crex) stimme .. ist rauh, ger, ger, ger. darumb werden sie vom vogler gefangen mit einem dürren holz, so viel krinnen hat, ein messer darüber gestrichen (
zur nachahmung seiner stimme). Heuslin
Gesner vogelb. 108
b (
bei Horst
Frkf. 1669
in kerben
geändert).
am bogen, wo der pfeil angelegt wird, u. ä.: crena ein zerschneidung, krinnen,
sicut in sagitta, das hol krmle (
s. 3,
c) am pfeil, da es an die sennen wirt gestellt, oder die krinne an dem bogen. Dasyp. 44
a;
γλυφίς,
crena, canaliculus, krinn zum spänner oder grändel. Frischlin 455 (536),
an der armbrust; krinnen,
crena, incisura sagittae, calami. Schönsl. g 7
b, Aler 1244
b,
also auch an der feder. der einschnitt für ein pfropfreis, nach folg. (
schlesisch): also pfropfe herz und sinnen in der wunden (
Christi) süsze krinnen. Czepko
heil. dreieck (
hdschr.). 1@bb)
auch von gröszeren, längeren einschnitten: und wenn er (
der guardein) die plick (
s. blick 2) auf einem rost abgewermet, so zuschlegt er sie auf einem stock, der in der mitt ein krinne hat, damit nichts darvon (
von dem silber) verfalle. Mathes.
Sar. 150
a.
am fasse: ich liesz ihm holen (
die verlangten semmeln), da schnitte er die seiten (
der rinde) ab und schob (
damit) die butter vom boden, in denen krinnen und was zwischen denen tauben hieng, ab. Ettner
unw. doctor 784,
von einem der ein butterfasz rein ausiszt, krinne
wol gleich kimme (1,
b).
Auch von einer thalschlucht, in Wittenweilers
ring 47
d, 11,
da heiszt ein dorf in der chrinn (
s. Uhland
Germ. 1, 332),
vgl. das schweiz. u. 3,
a. 1@cc)
auch ritze, spalt, so in den salzhütten, wo die ritzen in den pfannen krinne
heiszen, s. Frisch 1, 549
c. 1@dd)
am menschlichen körper: arskrin,
clunis. voc. inc. teut. b 4
b,
auch krin
clunis in dems. voc., mit var. krun, krum (Dief. 128
b,
vgl. u. 3,
c); tirsa,
scissura ani, ein arskrinne. Diefenb.
wb. v. 1470
sp. 273,
vgl. dess. gloss. 585
c, tinna, krinne
nov. gl. 365
b,
wie kerbe, kimme
auch. In den fastnachtsspielen des 15.
jh. noch eine andere krinne (
wie kerbe
gleichfalls): wer seim herrn also untreu ist und seim weib wart zu der krinnen. 100, 6; der ist gewest seinem weib in der schosz und hat ir gewart zu der krinnen. 98, 12
u. ö. 1@ee)
auch gleich rinne:
canale, crynne
vel rynne.
Bresl. voc. v. 1422 (
kärnt. dachrinne, s. 3,
b),
vgl. canale, gerinne,
canaliculus gerinnlein Dief. 94
a aus Agricola
de re metallica. bei Sulzer
theorie (1793) 3, 69
b, Krünitz 53, 491
heiszt die cannelierung der säulen krinnen
pl. 22)
schweiz. ein gewicht, eine grosze krinne
hält 48
lot, eine kleine krinne 36,
s. Stalder 2, 132; eine krinne ist 48 loth (
im thal Domleschg). Lehmann
patr. magaz. von und für Bündten, Bern 1790,
s. 134.
nach Stalder '
der ähnlichkeit wegen'
mit dem vorigen, was freilich nicht klar ist. vgl. krinnwage. 33)
heimat, nebenformen. 3@aa)
das wort ist nur oberd. und theilweis md.: schweiz. kleine vertiefung, rinne, auskerbung, auch an felsen, s. Stalder, Tobler 119
a, Fromm. 6, 404,
ebenso bregenzerw.; schwäb. nach Wittenweiler
unter 1,
b, Frischlin 1,
a, bairisch (
s. u. b).
Fürs md. find ichs von heute nur aus Schlesien angegeben, als kerbe, '
namentlich in den nates',
auch haarscheitel Weinh. 48
a (
vgl. Czepko
unter 1,
a, auch e),
aus Posen '
kleine rinne' Bernd 145;
dasz es aber auch der mitte angehörte, zeigen Mathesius, Ettner 1,
b, doch dem westen scheint es fremd nach Horst
u. 1,
a;
s. übrigens auch krinse. 3@bb)
auf bair. gebiete eine nebenform kringe,
so tirol. Schöpf 346,
bair. dem. kringlein
n. Schm. 2, 389
neben älterem krinne (
vgl. krinnen),
kärnt. kringe
und kringl
f., hier nur als rinne, dachrinne (
vgl. 1,
e) Lexer 167.
älter auch krindel
nach Suchenwirt 25, 16,
der baumblätter nennt gechrispet und geschrindelt (
vgl. Golius
unter krinnlein).
das scheint denn doch nur der lautübergang wie bei kennel kendel kengel (
s.känel 2. 3)
u. a., bei dem freilich das -l
mitwirkend war. sonst vergl. spange
gleich spanne
Lanz. 7543, Mones
schausp. d. m. 2, 394, tinge
für tinne
mhd. wb. 3, 38
a. 3@cc)
merkwürdig ist das krümle
bei Dasyp.
unter 1,
a;
dazu stellt sich die var. krum
im voc. inc. teut. unter 1,
d, noch Kirsch
[] cornuc. Nürnb. 1723 1, 299
a gibt '
crena, kerben, krümme, spalt an der schreibfeder' (
im deutschen theile aber krinne
und nur diesz), Dief. 237
a bringt ein krimme
fissura bei. freilich steht jenes 'krum
clunis'
zwischen krieg
und crist,
sodasz ein druckf. für krinn
vorzuliegen scheint; könnten aber auf diesen jene krümle, krümme
zurückgeführt werden? vgl. unter 4,
d. 3@dd)
merkwürdig auch eine angabe aus der Oberlausitz: krein,
die kerbe am bogen (
vgl. unten 1,
a).
vgl. die nebenform keime
von kimme
kerbe sp. 705
unten. 44)
die verwandschaft macht schwierigkeiten. 4@aa)
die einzige sichere verwandtschaft bieten benachbarte rom. sprachen (Diez
wb. 2, 257):
churw. crenna
einschnitt, kerbe, das sich ans schweiz. nahe genug anschlieszt, z. b. in der appenz. aussprache chrènna Tobler 119
a,
bregenzerw. kréanno
f.; dann lombard. crena,
bologn. creina,
parm. crenna,
piem. aber cran,
wie franz. cran (
m.).
dazu mlat. crena,
angeblich schon altlat. bei Plin. h. n. 11, 37 (68),
aber es scheint da erst in späterer zeit eingeschmuggelt, um der dunklen stelle aufzuhelfen, und ist seit 1852
durch Sillig
entfernt (
vgl. Diez
gr. 1
2, 14).
es fragt sich also um die quelle des mlat. rom. wortes ebenso wie um die des hd., und man kann nicht dieses ohne weiteres aus jenem ableiten, wie man mit Frisch
that, zumal ahd. chrinna
aus lat. crena (crēna
auf keinen fall, wenigstens crĕna)
unmittelbar nicht zu begreifen ist. 4@bb)
diesz ahd. chrinna
dürfte einmal leicht die älteste bezeugung des wortes überhaupt sein und erscheint auch der sprache schon ganz eingewachsen (Graff 4, 612): gichrinnôter stap,
serrata regula (
s. krinnen),
man denkt an ein kerbholz; chrinnohter
torosa (
cervix),
eig. vielleicht eingekerbt wie ein kerbholz; chrinna
selbst wird mit tessera, tesserula glossiert, Schmeller 2, 388
vermutet '
wol eig. eine marke am kerbholz',
sodasz die weitere verfolgung des wortes vielleicht an der geschichte des kerbholzes hängt; crena
selbst kommt im 16.
jh. für kerbholz vor, s. Maaler
unter kerbe 3,
er braucht auch tessera
so. 4@cc)
auch aus der ahd. form läszt sich vielleicht, in erwartung weiterer aufschlüsse aus rom. gebiete, einstweilen weiteres gewinnen. chrinna
kann aus chrinja
geworden sein, und aus krin
als stamme liesze sich crena
begreifen, mit brechung, als urspr. deutsch. daneben könnte das rom. cran
m. (
vgl.cranellus
bei Ducange)
eine ablautsform verraten, die vielleicht auch deutsch vorliegt in dem sonst dunkeln nd. karn kerbe (
s. u.kerbe),
falls darin ein umsprung des r
wäre wie z. b. in bernen (
s. d.)
für brennen, bernstein
für brennstein (
nd. bernstên Dief. 255
b). 4@dd)
selbst für den von Diez
vermissten wurzelhaften anhalt im deutschen liesze sich wol rat finden. es gibt eine nebenf. krinse f., auf md. boden, in Schlesien Weinh. 48
a,
Oberlaus. Anton 9, 11,
der es auch aus der Wittenberger gegend kennt, gleich ritze, spalt, ebenso bei Rüdiger
zuwachs 2, 95
aus Halle, sie denken an das gleichbed. klinse; J. G. Haas
schreibt krinze (
wie klinze).
zwischen kerbe und ritze ist freilich eine lücke im begriffe; aber die wird wol überbrückt durch ein in der form zu jenem md. gehörendes bair. dem. krinsel,
aber auch krunsel,
f. und n., feiner einschnitt, kerbe Schm. 2, 390.
eben die klinse
heiszt auch klunse,
und klumse, klümse, klimse,
woran sich das krum, krümme, krimme
u. 3,
c anschlieszen liesze, sodasz da ein fall des alten wechsels von kr-
in kl-
vorzuliegen scheint (
s. z. b. krimmen II, 3. 2,
c);
nun tauchte bei klinse, klunse
aber die möglichkeit einer ablautenden wurzelform klin
auf (
s.klunse
a. e.),
und neben die kann sich jenes ebenso ablautende krin
stellen, das hinter krinne
zu stecken schien. nahen anklang bietet übrigens it. grinza
runzel (
doch vgl. Diez 2, 36).