gelegenheit,
f. subst. zu gelegen,
ahd. einfacher gileginî (
s. das vor.),
mhd. gelegenheit,
mnd. auch gelegenicheit Sch.
u. L. 2, 40
b,
auch legenheit, legenicheit 650
b,
wie schwed. lägenhet
und läglighet,
dän. leilighed.
nl. gelegenheid,
früher auch gelegentheid, gelegendheid (
vergl. gelegentlich);
mhd. auch gelênheit,
alem., Schaffhauser richtebrief 88, 8 (2,
b, β),
Reinfr. v. Braunschweig 7287.
der gebrauch ist von haus aus weit ausgedehnter als jetzt. 11)
örtlich, räumlich, zu gelegen (
s. d. 2)
gleich liegend. 1@aa)
mhd. auch von menschen, liegender zustand, lager: si giengen an ir bette (
lager) wider und leiten sich dâ wider nider von ein ander wol hin dan, reht als man unde man, niht als man unde wîp. dâ lac lîp unde lîp in fremeder gelegenheit.
Trist. 17415 (437, 17),
in einer lage, als giengen sie sich nichts an, vergl. leger und gelegenheit
das. 16986 (426, 28).
auch bildlich, von den augen und ihrem lager, ihrer behausung, aus denen sie sich zu weit hinaus wagen und von der liebe gefangen werden: si lieʒ ir spilenden ougen varn ze verre ûʒ ir gelegenheit, des wart ir frîer muot geleit in daʒ netze senender nôt. Konrad
troj. kr. 7839,
wie ein wild und sein sicheres lager gedacht, vergl. gelege 5,
d als wohnung, auch nachher e, β meine gelegenheit,
logis, unterkommen. 1@bb)
das liegt ursprünglich gewiss auch in des feindes gelegenheit
im kriege, die vom gegner zu erkunden ist: (
ist nötig) dasz ein feldherr .. des feinds gelegenheit ganz wol besichtige und erkündige. Kirchhof
mil. disc. 149,
wo und wie er gelagert ist, obschon sich die allgemeinere bedeutung zugleich von selbst einstellte; mhd.: (
Rüdiger) der riet dem Bernære: mich diuht guot, künec von rœmisch lant, daʒ ir boten sendet alzehant zuo dem Ermrîches her, die betrahten künnen al ir wer und uns sagen ir gelegenheit.
Dietrichs flucht 6117 (
Berl. held. 2, 151
b); wir haben die gelegenheit (
des feindes) hie gesehen vil bereit (
völlig). 6201.
so bei einem bevorstehenden kampfe, gerichtskampfe, wo es doch zugleich die vorbereitungen und einrichtungen überhaupt bezeichnet: und dô er aller sache war genam und der gelegenheit, wider în ze walde er reit.
Reinfr. von Braunschweig 8121.
dann die gelegenheit einer festung
u. ä., leicht vorstellbar als ursprüngliche erweiterung der gelegenheit
als vorübergehender lagerung (
die ja im kriege mit vorübergehender befestigung verbunden ist): morgens fr nam er das bollwerk und schlosz ein .. das ort war von natürlicher und kunstgefügter gelegenheit sehr vest.
Garg. 208
a (
Sch. 368), 31.
cap., wo die begriffe der gemachten '
gelegenheit'
und der natürlichen lage verwachsen. von letzterer noch in unserm jahrh.: nach einer apulischen stadt .. Venusia .. deren unvergleichliche gelegenheit zu angriffs- und vertheidigungskriegen ... Niebuhr 3, 558, gelegenheit
noch gleich '
gelegen sein',
zugleich zu gelegen
gleich dienlich, bequem. s. auch unter d, β gelegenheit
von terrain im kriegssinne. 1@cc) gelegenheit
einer stadt, was heute kürzer und doch nicht besser lage
heiszt: das die statt (
in der offenb. Joh.)
auf siben bergen gebawet, welches unzweifenlich die statt Rom ist, inmaszen ... es auch die gelegenheit der statt mitbringet. Fischart
bien. 1588 146
b; Rotenburg an der Tauber soll auch umb der gelegenheit wegen Jerusalem nicht ungleich sein. Seb. Münster
cosmogr. 1598
s. 955; so jemand ist, der wissen will gelegenheit, gestalt und ziel und form und masz der edlen stadt, darin Christus gelitten hat .. der schaue mit fleisz Rotenburg
an. Kasp. Bruschius
lobspruch von der st. Rotenburg (A. Merz
Rothenburg o. T. Ansb. 1873
s. 155); darnach sein wir auf dem thurn gewest (
in Poitiers), den man nent la tour d'horologue .. von dannen wir die ganze statt mit irer glegenhait und umbligenden lantschaft lustig übersehen. Ernstinger
raisbuch 196.
vergl. die glegene der stadt
unter gelegene. 1@dd)
ebenso dann gelegenheit
von ländern, gegenden, meeren u. ä. 1@d@aα)
schon mhd., wenn z. b. eine fürstin pilger, die aus dem heiligen lande kommen, über die länder und verhältnisse ausfragt: daʒ si ir wolden sagen mêr von Krist, dem grabe und über mer, und von der lande gelegenheit, von den heiden und der kristenheit. Ulr. v. Eschenbach
Wilh. v. Wenden 4473,
wo es zugleich art und beschaffenheit überhaupt mit meint (3,
a),
wie nachher bei Stumpf
und im folg.: der hungarische könig schicket heimlich etliche legaten herauf zu keiser Otten, gleich sam hettens sonst was nötigs auszurichten, die solten sich darneben aller gelegenheit des lands und volks erkündigen. Aventin.
chron. 375
a; das zu verstehn, musz man die gelegenheit wissen. das gelobte land ligt also, das .. Luther 4, 82
a.
auch rauhe, bequeme gelegenheit
u. ä.: disz volk (
die Rhätier) ist mit der zeit durch die rauhe gelegenheit des lands erwildet .. Stumpf
Schweizerchron. 2, 296
a; die fruchtbarkeit und sehr bequeme gelegenheit des landes Pommern. Micrälius
altes Pommern 1, 1,
wol die günstige lage am meere. dieser wendung, so fremd sie uns nun ist, steht doch noch folgende ganz nahe: auch ist die eigentlich schlimme landstrecke höchstens vier bis sechs stunden breit und hat, sowol an dem Argonner waldgebirge her, als gegen Rheims und Chalons zu,
schon wieder günstigere gelegenheit. Göthe 30, 85 (
camp. 1792, 24.
sept.),
wo lage
gar nicht alles gemeinte ausdrücken könnte. wie nahe es im sprachgefühl mit liegen
zusammen lag, wie jetzt noch lage,
zeigt z. b. weite gelegenheit,
entfernte lage: America ist Ptolomeo und andern alten wegen seiner weiten gelegenheit unbekant bliben. S.
Frank weltb. 210
b.
auch gelegenheit
eines meeres: er musz gewiss die gelegenheit des balthischen meers nicht gewuszt haben. Olear.
pers. reis. 2, 3,
wo es liegt. 1@d@bβ)
auch geradezu gleich gegend, landstrich, gau u. ä.: gelägenheit,
gegne, regio. Maaler 165
b; die glegenhait um Gaiszbeuren was dermaszen gestalt, das des bunds kriegsvolk vor dem mosz (
sumpfland), so darumb lag, mit den raisigen und dem geschütz nit zue inen mochten dann allein durch das dorf darinnen sie (
die bauern) lagen. Baumann
qu. z. gesch. d. bauernkr. in Oberschwaben 562,
zugleich in dem kriegssinne u. b, terrain, bodenbildung, gelände; der schauplatz bildet ab die gelegenheit des bachs Kidron bei Jerusalem. Hallmann
Mariamne s. 72,
gegend, umgegend. auch gegend und gelegenheit
verbunden: dann Österreich nit ein besonder nam eines volks oder lands ist, sondern zeigt allein ein art des lands an, das ist die gegend und gelegenheit gegen aufgang der sonnen. Aventin
beschr. d. Beyern. auch neben kreis,
gleich bezirk o. ä., in der sprache der reichscanzlei: aus dem kreisz oder gelegenheit, daraus die vorerwählte person gewesen wäre.
reichsabsch. von 1521 § 27 (2, 175).
als allgemeinster begriff für ortsverhältnisse und örtlichkeit: da frägt der künig nach der gelegenhait (
localität), die man nennt den Ampferang.
Ettaler chronik bei Schm. 2, 451.
im alten kriegssinne noch in Tells munde bei Schiller: durch diese hohle gasse musz er kommen, es führt kein andrer weg nach Küsznacht — hier vollend ichs — die gelegenheit ist günstig: dort der hollunderstrauch verbirgt mich ihm, von dort herab kann ihn mein pfeil erlangen, des weges enge wehret den verfolgern.
Wilh. Tell IV, 3. 1@d@gγ)
die gelegenheit
einer gegend meint auch die ihr eigene gestaltung, bodenbeschaffenheit u. ä., mit einmischung des begriffes unter 2: nun wust er wol alle gelegenheit und kurze weg im walde.
Amadis 365,
daher bair. geradezu auch für '
kürze des weges' Schm. 2, 451,
eig. wol der kürzeste weg (
s. u.gelegen 2,
c, γ).
von einer '
romantischen'
gegend: kurz darauf giengen wir durch ein lustiges püschlein, dessen gelegenheit wegen der nähe noch eines andern kleinern sees, der grünen bäumen, berg-abrauschenden bäche
u. s. w. ein spatzierplatz der liebhabenden gemüther zu sein schiene. Opitz 2, 286. des orts gelegenheit,
wo früher gelegenheit
allein ausgereicht hätte: aller örter gelegenheit wissen,
in omnibus angulis notum esse. Frisch 1, 614
c, ort
noch als winkel; hier könnte Venus uns den weg am besten weisen, fängt Juno an, des orts gelegenheit musz ihr noch aus Anchisens zeit in frischem angedenken liegen. Wieland 10, 159 (
urtheil des Paris);
Deveroux. wie kommen wir durch die hartschiers und garden, die in dem innern hofraum wache stehn?
Buttler. ich hab des orts gelegenheit erkundigt, durch eine hintre pforte führ ich euch
u. s. w. Schiller
Wallenst. tod V, 2.
auch nah beisammen mit der bed. 2: der blumenkranz ihres hauptes deutet auf die fröhlichen wiesen der landschaft, trauben und granatäpfel des fruchtkorbes auf die gartenfülle der hügel, so wie ein faun über ihr uns bezeugt, dasz zu gesunder weide die beste gelegenheit auf den höhen sei. auch er bedeutet nur die gelegenheit des ortes, ohne theil an dem ... ereignis zu nehmen. Göthe 39, 68,
der lage entsprechende beschaffenheit, wie schon mhd. ähnlich u. α,
man sieht wie verschiedene seiten der ursprünglich einfache begriff entwickelt und wie sie je nach gelegenheit in einander schillern, dasz eine reine scheidung nicht möglich ist. 1@ee) gelegenheit
von haus und wohnung. 1@e@aα) gelegenheit eines hauses,
nicht wo und wie es liegt, das haus hat hübsche gelegenheit,
commodae accessiones sunt Weber 337
b (
s. c. d),
sondern wie es in sich eingerichtet ist, gelegenheit
nach innen, wie dort nach auszen: als Gotthold die gelegenheit eines neugebauten hauses betrachtete, fragte er den wirth und etliche andere, welches sie vor das beste logiament im selbigen hause achteten? Scriver
Gotth. 476; ihr vater soll ein artiges landhaus hier in der nähe haben, könnten wir wol da platz für ein zwanzig dreiszig personen — ich möcht' überhaupt die gelegenheit besehen, wollen wir eine spazierfahrt hinausthun? Lenz 1, 137 (
Menoza III, 13); ich kenne die gelegenheit und jeden winkel seines hauses. Göthe 11, 130 (
scherz, list u. r. 1); zuvörderst also wird euch nicht entgangen sein, dasz jener bauernstube niedrige gelegenheit das alte schauspielhaus bedeutet. 11, 303 (
was wir br. 16),
was denn jetzt ganz veraltet oder dunkel klingt, noch i. j. 1802
auf der bühne möglich; wahrscheinlich ists das kammermädchen, die sich nach der gelegenheit umsehen soll. 11, 280 (
das. 5),
d. h. wie es mit dem unterkommen im hause steht. noch bei Adelung alle gelegenheit eines hauses (gartens, waldes) wissen,
seine innere einrichtung, nd. z. b. in Pommern dor is nig veel gelegenheit im huse,
das haus hat wenig zimmer Dähnert 148
a. 1@e@bβ)
aber auch das hat noch anschlusz an die älteste bed., gelegenheit
gleich lager (
s. 1,
a),
wie folg. zeigt: (
wollte ihn) heim in mein losament führen oder nach meiner gelegenheit bringen lassen. Reutter
kriegsordn. 42, meine gelegenheit,
wo ich gelegen
bin zur herberge, s. u. gelegen 1,
a, vergl. gelege 5,
d für wohnung; da war kein einsidel mehr, der es treulich mit mir gemeinet, kein obrister Ramsay der mich in meinem elend aufgenommen .. sondern da mein geld hin war, hiesz es, ich solte auch fort und meine gelegenheit anderswo suchen.
Simpl. 1, 381
Kurz (4, 7),
mein unterkommen; noch bei Adelung eine gelegenheit suchen,
einen dienst, eine condition, vergl. auch u. 2,
b, β seine gelegenheit anstellen.
auch jenes viel gelegenheit
im hause wird ursprünglich meinen, wo viele liegen, lagern können. so noch dän. leilighed,
wohnung, local u. ä. 1@e@gγ)
dagegen im anschlusz an die heute herrschende bedeutung (4) '
höflich pro secessu gebraucht' Frisch 1, 614
c: als ich (
in Torbole 12.
sept. 1786) den hausknecht nach einer gewissen gelegenheit fragte, deutete er in den hof hinunter: qui abasso puo servirsi! Göthe 27, 42; ob nicht die göttin Gelegenheit (denn gelegenheit nennt man in mehren deutschen kreisen einen bekannten inkognitoort, daher vielleicht auch der ausdruck gelegenheit-gedichte) mir mehr zubringen könne. J. Paul 54, 204,
s. dazu 4,
e. so z. b. pomm., wo is hier de gelegenheit?
frägt man, wenn man das geheime gemach im hause suchet Dähnert 148
a,
wie franz. la commodité.
dazu wol folg.: prof. Kraus, dessen gelegenheit einfallen will, reist morgen mit der post aufs land, wo er einen monat ausruhen wird, damit sein wirth die reparatur des hauses mittlerweile vornehmen kann. Hamann
an Jacobi in dessen w. 4, 3, 261. 1@ff)
der heutigen bedeutung reicht auch gelegenheit
für bequeme nähe die hand, bair. bei der gelegenheit sein,
gelegen, bei der hand sein, auch etwas bei der gelegenheit haben. Schm. 2, 451,
s.gelegen 2,
c für nahe gelegen. dazu wol folg.: und als der keiser auf ein zeit ihm sasz zu seiner glegenheit, nahet er zu demselben balt (
ihm ans kleid zu greifen). Fischart 2, 142
Kz., in seiner erreichbaren nähe, ihm gelegen,
nahe genug. auch vom nächsten, kürzesten wege (
s. u.gelegen 2,
c, γ bair.),
z. b. im wegerecht: die mistung sol der, so seine lander zu dungen vorhabens (
ist), durch das recht falter (
fallthor) in das feld, darin er dungen will, ausfarn, so er nun durchs falter khumbt, soll er bei dem gewandlichen weg bleiben also lang er aufs nägst gelegenhait zu seinen gründen hat.
weisth. 3, 682,
österreichisch; vergl. 4,
h gelegenheit
als reisegelegenheit. 22)
der örtliche begriff übertragen auf verhältnisse aller art, zu deren bezeichnung ja auch liegen (
neben stehen)
vielfach dient, vergl. gelegen 3;
auch diesz wieder mit ziemlicher vielseitigkeit, aus der es sich im heutigen sprachbewusztsein wie in eine einseitige spitze gezogen hat. 2@aa)
den übergang zeigt ungefähr folg. mhd. rehte, schœne, guote gelegenheit: morgen, als eʒ tagete, dô het erʒ (
der diener) alleʒ bereit ze rehter gelegenheit nâch sînes herren gebote.
Lanz. 3092,
d. h. die kleidung und rüstung des helden für das turnier des tages, so dasz alles rehte lac,
gut eingerichtet, richtig vorbereitet war. ähnlich wenn Ulr. v. Lichtenstein
seiner frau meldet, wie der anblick ihrer schönheit ihn beseligt habe: sich het mîn will, mîn wunsch aldar in schœner gelegenheit beide gefüeget und geleit als ich in legen wolte.
frauendienst 385, 5,
was er nur wünschen konnte (al mîn wünschen
z. 1)
hatte sich gefügt und gleichsam ihm zur hand gelegt, ganz wie er selbst es gelegt haben würde, dasz es schône lac.
es mag dabei wesentlich an das kriegerische gelegenheit 1,
b gedacht sein, das den begriff verhältnisse überhaupt selbst schon mit sich brachte, z. b. wenn zum behuf der schlacht die gelegenheit des feindlichen heeres ausgekundschaftet und dann eine guote gelegenheit
ausgesucht wird: si kômen (
beim nächtlichen umreiten des feindes) neben tage vür wâr in eine guote gelegenheit.
Dietrichs flucht 8691 (
Berl. heldenb. 2, 192
b),
wo sie selbst wol gelegen
waren, aber auch die verhältnisse zum angriff und kampfe (
vergl. unter gelegen 2,
d). 2@bb)
der neue begriff wird recht deutlich an gelegenheit
eines menschen, die verhältnisse, in denen er lebt und steht, z. b.: wann knechte und mägde ihre dienste angetreten haben, und sehen dasz sie nicht bessere gelegenheit haben als zuvor, dasz sie nicht so gute tage haben, als sie ihnen eingebildet hatten, sondern dasz herren und frauen ebenso wol als die vorige haben wollen, dasz man umb den lohn arbeiten solle
u. s. w. Schupp. 346.
s. dazu gelegen 3,
a. 2@b@aα)
mit gen. der person: vermeinte jeder, er verfuhre seinem stand nach gar recht und wol, ich will sagen, wie es eines jeden stand und gelegenheit erfordere.
Simpl. 2, 152, 7 (6, 6),
d. h. ein reicher und ein armer, jeder nach seinen verhältnissen; der stand unverheurateter jungfrauen fället erträglicher, als der wittwen gelegenheit. v. Butschky
Patmos 92,
wo heute lage
ziemlich entspricht; sie füreten eine oligarchie ein, die mehr nach der gelegenheit der Lacedämonier war. Heilmans
Thucyd. 735 (den vortheilen der L. angemessener Jacobi),
ihren verhältnissen entsprechender, zugleich wol mit dem nebenbegriff des bedürfnisses (
s. unter 3,
d); von dieses mannes (
der einen hund vom tode errettet hatte) that und gelegenheit meldete ein prophet: gott hat ihm seine sünde vergeben. Olear.
pers. baumg. 2, 9,
eig. wol '
wie es mit ihm steht',
aber auf die innersten verhältnisse angewandt, wie im folg. wol auch: siehe auf den zustand und die gelegenheit ðerer, die von herzen geängstiget sind, denn dir kan es auch einmahl also ergehen.
das. 2, 1,
wie es bei ihnen mit glück und seligkeit beschaffen ist. ähnlich von geistiger beschaffenheit, talent: so sich e.
f. g. der gelegenheit und geschickligkeit magistri Christophori in gegenwärtigkeit (
d. h. persönlich) erkunden werden. Melanchthon
epist. 12
Faber. es wird noch manche seite des begriffes fehlen. 2@b@bβ) meine gelegenheit,
verhältnisse, umstände, lage: gott erkennet ire tage, ir gelegenheit. Luther 3, 292
a,
als erläuterung von ps. 37, 18 der herr kennet die tage der fromen,
wie es ihnen geht, mit ihnen steht; die weiber, welche durch liebtränk der männer mächtig werden, verbessern darumb ihre gelegenheit nicht. Fischart
ehz. 9; beredete er mich, dasz ich meinem weib schrieb und ihr meine gelegenheit zu wissen machte.
Simpl. 2, 15, 17
Kz. (5, 3); wann ich meine gelegenheit ansehe, so habe ich billich scheu für die augen deiner majestät zu kommen. Schupp. 447; im himmel, da du nicht allein als ein allmächtiger gott herrschest über alle creaturen, sondern auch dannenhero ein aufsehen hast auf uns, deine armen kinder, und ist dir derowegen alle unsere gelegenheit wol bekant. 431.
auch im anschlusz an die ursprüngliche bed. lager: der obriste versprach mir (
der verwitweten Courage) bei dem regiment unterhalt und quartier, bis ich meine gelegenheit anders anstellte.
Simpl. 3, 36, 25 (
Cour. 7),
mich anders einrichtete, wieder heiratete, zugleich als unterkunft (
s. 1,
e, β).
auch was jetzt vermögensverhältnisse
heiszt: har über ist der rât gebunden unde die burger, den gevangen ze lidigônne âne schaden und im ze besserônne nâch der schulde unde nâch sîner
gelênheit. Schaffh. richtebrief 88, 8,
mit höherer oder niedrigerer entschädigung je nach seinem vermögen, wie aus dem vorhergehenden sich ergibt; noch im 18.
jh. gute gelegenheit,
amplissimae fortunae Aler 883
a,
also etwa in guter gelegenheit leben,
in guten verhältnissen. ähnlich auch noch nl. gelegenheid,
gesellschaftliche stellung, stand, auch schwed. lägenhet,
dän. leilighed. 2@b@gγ) meine gelegenheit
heiszt aber auch was mir gelegen oder woran mir gelegen ist (
s. dazu 3,
d. e): so bald doctor Martinus .. gen Augsburg komen ist, hat er sich dem legaten lassen anzeigen, mit unterthenigem zuentbieten, sich nach seiner gelegenheit als der gehorsam zu stellen. Luther 1, 108
b,
ganz wie es ihm recht und bequem wäre; und ihm erläubt, wo es seine gelegenheit sei, zu Halle bleiben müge.
br. 5, 694; so das gericht von hof kompt, sol der schultes nach gelegenheit den parthien ein rechtstag setzen.
weisth. 2, 227,
d. h. nach g.
der parteien, vergl. wie es zu deren (
der gerichtsherren) gelegenheit gestaldt (
ist)
s. 195; da sihet man sie (
die marodeurs) haufenweis beieinander, wie die feldhüner im winter, hinter den hecken, im schatten oder nach ihrer gelegenheit an der sonne oder irgends um ein feur herum ligen.
Simpl. 1, 406, 26
Kz. (4, 13);
einsidel. wo hinaus wilst du aber jetzt?
Simplex. ich weisz weger nit! ich will bei dir hier bleiben.
eins. dich hier zu behalten ist weder meine noch deine gelegenheit. 1, 33 (1, 8); ziehet ihr dann in solchem habit auch auf, wann ihr in die kirche gehet und betet? ziehet ihr also auf, wann ihr die jugend im catechismo informiret? sie antworteten: nein, allergnädigster käyser und herr, das ist unsere gelegenheit nicht, dasz wir uns umb solche dinge viel bemühen. Schupp. 76 (73).
so noch im 18.
jh.: nach seiner gelegenheit ausgehen, widerkommen,
ex commodo, suo tempore. Aler 883
a; und ich möchte eben so lieb dem leser ein räthsel auf die bahn werfen, welches sonst gar meine gelegenheit nicht ist. Bode
Tristr. Sch. 1, 152; mein pachtkontrakt geht auf Michaelis zu ende. wenn es ihre gelegenheit wäre, den kontrakt noch auf dreiszig jahre zu erneuern, desto besser. Sturz 1, 246; es ist hier nicht der ort, diese spur schärfer zu verfolgen. eben so wenig ist es itzt meine gelegenheit, mich über meinen eigentlichen vorwurf weiter zu verbreiten. Lessing 8, 241,
wie nl. dat is mijne gelegenheid niet.
noch bei Adelung
aus dem '
gemeinen (
gewöhnlichen)
leben' seiner gelegenheit pflegen,
warten bis es uns gelegen ist, etwas mit seiner guten gelegenheit thun (
vergl. u. 4,
d).
es ist eig. der begriff der verhältnisse in anwendung auf einen bestimmten fall, aber auch mit angelegenheit,
d. i. woran (
viel)
gelegen ist, kann es zusammentreffen. 2@cc)
überhaupt von verhältnissen, zuständen, umständen aller art. 2@c@aα)
z. b. die gelegenheit des reichs,
verhältnisse und interessen (
angelegenheiten): und ich, sprach der keiser Otto, raeden ouch, dat ir die selven fursten kieset uis den ghenen, die im rich gesessen sin ind die van dem rich beveel ind ampt haven, want die alrebest wissent des richs gelegenheit.
städtechron. 13, 446,
man bemerke den sing., nicht plur. (
vgl.γ).
ähnlich weiter: wie leichtfertig reden doch jetzund die .. leute von des himmels und der hellen gelegenheit? Ringwald
tr. Eck. A 6
b,
auch zustand und gelegenheit 7
a; du neidhund waist wol glegenhait, was Strasburg hab für oberkait und das kain monarchi da sei
u. s. w. Fischart
kehrab 605 (2, 230
Kz.),
kennst recht gut die politischen verhältnisse dort, vergl. von Erfurt aus einer chronik von 1509: zuvor war es die gelegenheit, dasz man keinen in den rath nahm, der über die Saale oder aus frembden landen kommen war. Haltaus 625; so zeiget doch mein geist mir an seinthalben solche gelegenheit, dasz ich jetzt zur barmherzigkeit seinthalben beweget worden bin. Ayrer 1109, 4,
was ihn betrifft, solche verhältnisse und umstände. ein herr fragt nach der gelegenheit
seiner pferde, wie es mit ihnen geht und steht: deine majestät hat mich (
der deiner pferde wartet) ofters .. um die gelegenheit der pferde befraget. Olear.
pers. baumg. 1, 10. 2@c@bβ)
die gelegenheit
einer sache,
die genauen umstände einer angelegenheit: haben wir uns .. unterredet und dieser sachen gelegenheit erwogen. Luther
br. 4, 478; müssen wir nach gelegenheit der sachen zuweilen die gebot endern.
stücke in Esther 6, 7.
auch deutlicher gestalt und gelegenheit
im canzleistil: das ir der sachen, als sie in ir selbs gestalt und gelegenheit han, nit underwyset syt. Haltaus 625; die obgerürten gebotsbrief, darinn wir dann gestalt, grund und gelegenheit der sachen nicht genzlich underricht gewesen.
Leipz. urk. 1, 362,
kais. urk. vom j. 1469
in betreff eines jahrmarktsprivilegiums, das widerrufen wird (
auch grund
meint die genaue sachlage); sovil müglich und nach gestalt und gelegenheit einer jeden sachen beschehn kan.
Carolina art. 6
u. o.; erwägung gestalt (
acc.) und gelegenheit aller sachen. Luther
br. 2, 335; die gestalt und gelegenheit unsers bienenkorbs. Fischart
bien. 234
a. 2@c@gγ)
das pluralische, das im begriff liegt ('
verhältnisse'),
wird doch auch ausgedrückt z. b. durch alle gelegenheit,
die ganze sachlage, vergl. mhd. u. 5,
e: nach aller gelegenheit ist unser meinung .. Segesser
eidgen. abschiede 87 (Lexer 1, 808); eur niftel halben versehe ich mich werd ihr präceptor .. alle gelegenheit geschrieben haben. Luther
br. 5, 685; damit sie ihrem herren dem könig alle gelegenheit der töchter sageten (
um deren eine er warb).
b. d. liebe 286
d; was ist eur handel und gewerb? 'ach herr, die frag ist streng und herb .. aber villeicht so gibts die zeit, das ihr erfahrt all glegenheit unsers gewerbs und kaufmanshandels, unsers wesens, thuns und wandels. Ayrer 1805, 35.
der plur. tritt doch auch ein, wenn verschiedene sachlagen zusammenzufassen sind: mit den ländern ändern sich die gelegenheiten der luft, des erdbodens, der sitten. Butschky
Patmos 3,
wo unser heutiges verhältnisse
einen weiteren plur. nicht mehr zuläszt; nun wollen wir dichten, als weren wir alle Catilinen und von dem Cicero angeklagt, nun wollen wir sagen als weren wir von dem Hannibal gefangen .. nun wollen wir andere gelegenheiten suchen, durch welche die römische jugend in der wolredenheit unterwiesen ward. Schuppius 850; es kommen gelegenheiten, wo ihr selbst erkennet, wie mangelhaft euer wissen sei. Lessing 1, 216; so wie die menschliche seele sich keiner abstraktion aus dem reich der geister (
begriffe) erinnern kann, zu der sie nicht durch (
äuszere) gelegenheiten und erweckungen der sinne gelangte. Herder
urspr. d. spr. 122,
er scheint es da für sein sonst beliebtes situation
zu brauchen. ganz ungewöhnlich klingt nach gelegenheiten,
im reime: euch treuen sprech ich zu so manches schöne land, zugleich das hohe recht, euch nach gelegenheiten durch anfall, kauf und tausch ins weitre zu verbreiten. Göthe 41, 291 (
Faust II, 4, 903). 2@c@dδ)
denn es ist noch bis in unser jahrh. in gebrauch für sachlage oder '
situation' (
dasselbe in fremdem gewande),
z. b. in dem begriffe von gelegenheitsgedicht (
s. d.),
wobei uns mehr die bed. 4
vorschwebt: willst du dich als dichter beweisen, so muszt du nicht helden noch hirten preisen. hier ist Rhodus! tanze du wicht und der gelegenheit schaff ein gedicht! Göthe 3, 280 (
zahme xenien 3),
gib der gegenwart, der situation des augenblicks ihren poetischen ausdruck, vergl. noch in höherer fassung in seiner klage über die lage der neueren dichter: wir plagen uns in der ganzen gattung herum, ohne recht zu wissen woran wir eigentlich sind. denn die specifischen bestimmungen sollten, wenn ich nicht irre, eigentlich von auszen kommen und die gelegenheit das talent determiniren
u. s. w. an Schiller 27.
dec. 1797,
die gunst der äuszeren verhältnisse, der lage der dinge, die dem dichter zu statten kommt. dagegen von der ältern art der gelegenheitsgedichte: vertraute meiner phantasie, ich weihte dir die ersten kräfte, noch theilst du meines ernsts geschäfte, o göttlich hohe poesie! wann unterdessen, reich belohnet, im tempel der Gelegenheit manch feiler dichter weihrauch streut und sclavisch jedem glückfall frohnet. Creuz 1, 90,
an die dichtkunst; vergl. schon Opitzens
klagen über diese dichterei im 3.
cap. der poeterei, dabei: diese unbesonnene leute aber lassen uns (
dichtern) weder die rechte zeit noch gelegenheit.
s. 13
Br. 2@c@eε)
der alte begriff wird auch recht deutlich in der älteren wendung in die gelegenheit sehen,
sich einen einblick in die sachlage verschaffen, eine einsicht nehmen in die verhältnisse eines bestimmten falles: niemals ein wenig in die gelegenheit sehen wollen, sondern einen ganz blinden gehorsam erfordern. Butschky
Patmos 906; ersuche ich mir vor dieses mahl in die gelegenheit zu sehen, weil viele beschwerliche reisen ... die eilende feder zuweilen irrig gemacht.
Felsenburg 4,
vorr. 4
a,
als entschuldigung vor dem leser für mangelnde stilfeile im letzten bande. 2@dd)
die verallgemeinerung des ursprünglich räumlichen, örtlichen begriffes wird auch deutlicher ausgedrückt mit gelegenheit der zeit (
vergl.gelegen 2,
f): ceremonien sollen nach gelegenheit der zeit geendert werden. Luther 5, 10
b.
auch der zeit und des orts: wann man ohne unterscheid, ohne zeit und orts gelegenheit von der sachen schlechter dinge urtheilen wil. Schuppius 526,
d. h. ohne sie zu kennen. 2@ee)
lange galt dabei die wendung es hat
die und die gelegenheit mit
oder umb einen
oder etwas,
wie jetzt noch bei bewandtnis,
dem es auch im allgemeinen entspricht: weiter sol man hie auch betrachten, wie es umb den beruf und umb die werk, so eigentlich zum beruf der menschen gehören, eine gelegenheit habe. Melanchthon im
corp. doctr. chr. Lpz. 1560,
s. 923; frage auch fleiszig darnach ... wie es ein gelegenheit habe umb ewer schwacheit. Luther 8, 191
a; so hat es aber diese gelegenheit mit ihm, dasz ihm in der kalten zeit mit den jungen kindlein ein solche weite reis fürzunehmen nicht wol möglich.
br. 5, 689; darzu hats auch in dieser zeit mit dir ein solch gelegenheit, du besserst dich nicht umb ein har. Ringwald
tr. Eck. L 1
b; dasz mir eur gnaden sagen thet (
fleht die tochter), was glegenheit es jetzo hett mit meinem allerliebsten vatter, ob er geblieben in dem hader oder ob er sei kommen davon. J. Ayrer 211
a (1050, 15); denn es eine andere gelegenheit mit der französischen sprache hatt (
in bezug auf den reim), da zwar zweene conconantes geschrieben, aber gemeiniglich nur einer ausgesprochen wird. Opitz
poet. cap. 7 (
s. 40
Br.); dieselben (
goldmacher) wurden von den teuflen scharf examiniret, wie es doch mit dem lapide philosophorum oder der tinctura universali eine gelegenheit haben möchte. Moscherosch
Phil. 1, 484 (1644
s. 387); dasz sie doch wissen mögen, was es für eine gelegenheit habe mit meinem verwundeten herzen. Olear.
ros. 5, 18; ein jeglicher kennet sich am besten und weisz was es für eine gelegenheit mit ihm hat.
Lokman 20; es hat mit der ehre und würde gleiche gelegenheit wie mit ambra, welche zu überflüssig gebraucht gar den tod verursachen kan. Butschky
Patm. 712; solche gelegenheit hats nun für jetzt auch mit dir (
in deiner trübsal), dir dünkt, gott sei dein feind, und er ist dein lieber vater. Scriver
seel. 2, 503; mein freund, was hats für eine gelegenheit mit eurem könig? Tieck 15, 311. 33)
der begriff nimmt nach umständen auch mehrfällig noch eine besondere färbung an. 3@aa)
beschaffenheit, was schon im vorigen öfter anklingt, die verhältnisse eines zustandes oder gegenstandes bezeichnen ja zugleich seiner beschaffenheit (
s. auch 1,
d, γ örtlich):
qualitas, gelegenheit. Mones
anz. 5, 87, Dief. 477
a, 15.
jh., vergl. mhd. gelegenheit
eines rosses Alex. 297; wann du gelegen schieszen wilt (
d. h. genau, s. gelegen 2,
c, γ), so wil vonnöten sein dasz du acht habest auf gelegenhait der püchsen.
feurbuch von 1591
bei Schmeller 2, 451; was genget einen erfahrenen schützenmeister die herrliche zeughäuser zu Wien, Straszburg und Nörnberg oben hin zu besehen, wann er nicht auch jedes stücks gelegenheit erfahret.
Garg. 57
b (
Sch. 94),
seine eigene, eigenste art; solche unterscheid (
des sinnes der wendung) aber und brauch musz man nemen aus gelegenheit und ursachen der sprachen und geschichten (
der verschiedenen völker). Luther 3, 229
b; wider dieselbigen, bekenne ich frei, bin ich etwas heftiger und scherfer gewest, denn es nach gelegenheit der religion und profession sich gebüret. 1, 443
b,
der beschaffenheit des gegenstandes und meiner stellung entsprechend; es verlanget mich zu wissen, ob sich seine unpäslichkeit auf bässerung angelassen. habe demnach, üm seines zustandes gelegenheit mich zu erkündigen nicht ümgang nehmen mö
gen. Butschky
kanz. 112; er musz auch nach gelegenheit des wetters wagen und pferde bald langsam bald schnell gehen lassen. Schupp. 97; mit staupenschlägen, verweisunge oder gefängnus nach gelegenheit des verbrechens. 675. gelegenheit und gestalt des angesichts,
lineamentum, habitus, dispositio. Henisch 1556. 3@bb)
auch vom menschen selber: (
aufgegeben) die schule zu besehen und derselben, wie auch der praeceptorum gelegenheit zu lernen.
M. Neander
vom sel. absterben 26,
nicht ihre verhältnisse, wie u. 2,
b, sondern ihre art und beschaffenheit, nicht den äuszern, sondern den innern zustand (
vergl. u. 2,
b, α vom innern in andrer weise).
so in einer mahnung an die lehrer, nicht tyrannisch zu strafen: darumb gebraucht bescheidenheit (
straft mit einsicht) nach aller köpf gelegenheit und straft die schüler fein mit fug, mit streichen macht man niemand klug. Ringwaldt
laut. warh. 224 (200),
je nach der verschiedenen art der ingenia, wie in einer mahnung an die geistlichen: also braucht auch bescheidenheit nach aller schaf gelegenheit, das eine straft, das ander tröst, das dritte bindt, das vierte löst
u. s. w. 278 (249). 3@cc)
dabei stellt sich unter umständen der nebenbegriff verhältnis im engeren sinne ein, entsprechendes verhältnis, z. b. zwischen strafe und schuld: dasz die gelegenheit und grösze der strafe und peine der gelegenheit und grösze der schuld eben gleich sein müsse. Fischart
bien. 104
b, 1588 112
b (2, 7),
bei Marnix 106
a dat de gelegentheyt ... moet effen gelijck vallen na de gelegentheyt ende grootheyt der schult.
besonders so nach gelegenheit,
nach verhältnis: nach gelegenheit des lons (
pro rata des lohnes). Schmeller 1, 451
aus Krenners
bair. landtagshandl., er gibt auch nach gelegenheit der not, der kugl,
d. h. ob sie grosz oder klein; man sol auch kein ander korn prewen dann allein gersten .. es were dann das ein erber rat solichs ie zu zeiten nach gelegenheit der geschwinden leuft oder tewrung des getraids imand erlaubte.
Nürnb. poliz. 269; er hielt auch stets vier oder fünf fürsten an seim hof, den er nach gelegenheit des stands oder diensts sechs, acht oder 10 tausent gülden zu sold gab.
Wilw. v. Schaumb. 17; so musz man den erzen nach gelegenheit irer complex oder temperatur allerlei zusatz geben. Mathes.
Sar. 108
b; die satisfaction ist nötig zu allen sünden nach masze und gelegenheit derselbigen. Fischart
bien. 106
a.
auch nach gelegenheit,
verhältnismäszig, nach umständen: dise reuter (
fremde hilfstruppen) thetten kein sondern schaden (
im lande), waren nach gelegenheit züchtig, denn es het der fürst von Bayrn etlich hundert pferden (
reiter) die stetigs nebenher straiften (
zur überwachung), wiewol es an schaden nit hinget.
städtechron. 15, 231, 31,
sie hielten verhältnismäszig gute mannszucht. 3@dd)
im folg. klingt die bed. bedürfnis an: keine gespräche sollen im zweiten theil der ebräischen poesie sein. sie wissen, dasz im ersten theil gespräche blosz nothbehelf waren, und weiter ist ohne äuszerste gelegenheit an sie nicht zu denken. Herder 12, 362
Suph. (
briefl. an Müller).
so bezeichnet engl. occasion
auch ein zufällig auftauchendes bedürfnis, wie Herdern
wol bekannt war, vergl. u. 2,
b bei Heilman
von der gelegenheit
der Lacedämonier in bezug auf ihre staatsverfassung. der begriff hat aber auch genügenden heimischen anschlusz bei gelegen 3,
c, woran einem gelegen ist, und schon bei Ringwaldt
u. b liesze sich nach aller köpf gelegenheit
so auffassen, kein zweifel aber bleibt, wenn es im 16.
jh. mit notdurft
wechselt: wäre sach, dasz einer aus den dreien gemeinen holz .. benötiget wäre, so der zu Oszburg gesessen, soll er den mayer daselbst urlaub heisen (
erlaubnis heischen). wo er sein gelegenheit uf dem grundgericht nit finde, soll er fort zum zender von Reinsfeld gehen, den urlaub heisen. wo er auch da seine nothürfe nicht finde, soll er fort zum schultheisz von Kell gehen
u. s. w. weisth. 4, 713.
anderseits könnte bei Herder
auch der begriff anlasz (4,
c)
dahinter stehen, '
ohne äuszerste veranlassung',
was aber von selbst der bed. bedürfnis, was die verhältnisse '
nahe legen',
leicht wieder die hand reicht. es ist selten, dasz in einem worte die verschiedenen seiten und färbungen des begriffes so leicht in einander überschlagen. 3@ee)
auch zu gelegen 2,
e, gut gelegen, bequem gehört gelegenheit,
s. schon meine gelegenheit 2,
b, γ,
ebenso: durch dise canal wirt der statt (
Antwerpen) groszer nutz und gelegenheit geschafft mit ain- und abladung der schiff. Ernstinger
raisbuch 239; ob ein ding dem gemein-nutz heilsamb oder schädlich seie? da fraget ein alamodischer weichling nichts nach, wann nur seiner gelegenheit, seinem ansehen nichts geschicht oder abgehet. Moscherosch
Phil. (1644) 657; darumb verdolmetsche ich die wort nach gelegenheit der alten bergkleute. Mathes.
Sar. 15
a; nur das i welches in der handschrift auf das u gesetzt wird, haben wir nach der gelegenheit des sezers auch durch ú oder ü bezeichnen lassen. Bodmer
minnesinger 2, v.
auch hier stünde übrigens der auffassung als bedürfnis nichts im wege. 44)
sachlage oder verhältnisse sofern sie das thun und erfahren des menschen bedingen und bestimmen, besonders sofern sie sein wollen begünstigen. 4@aa)
umstände, die etwas zu thun o. ä. an die hand geben, anlasz, veranlassung: das die sonn in eim wettkampf dem nortwird sei obgelegen, und solchs mit diser gelegenheit (
folgt die fabel vom wandrer mit dem mantel). Fischart
ehz. 13.
jetzt mit bei
für diesz mit
z. b.: viele schätzbare werke der kunst wurden bei dieser gelegenheit (
beim bildersturm in Antwerpen) vernichtet. Schiller VII, 232; als der tag erschienen .. liesz er alle staatsräthe und ritter ... zu sich entbieten, bei welcher gelegenheit von seiten der Niederländer .. zugegen waren. 316.
mit gen. zur bezeichnung der gelegenheit: bei gelegenheit der Berlinischen vorbilder für fabricanten kam zur sprache, ob
u. s. w. Göthe 44, 250; neuerlich ward bei gelegenheit des groszen chausseebaues Ingelheim vortrefflich gepflastert. 43, 303.
auch mit dasz
und satz für den gen.: auf einem spaziergange, bei gelegenheit dasz eine mauer errichtet wurde, erfuhr ich
u. s. w. Göthe 43, 307.
man verspricht etwas zu thun bei nächster gelegenheit, bei erster gelegenheit,
d. h. günstiger (bei der ersten gelegenheit Steinb. 1, 1013). 4@bb)
so ohne art. auch kurz bei gelegenheit,
occasione data: wir können über einen menschen lachen, bei gelegenheit seiner lachen, ohne ihn im geringsten zu verlachen. Lessing 7, 128; bei gelegenheit sagen sie mir doch, auf welcher seite ihrer horazischen oden stehen diese zeilen? 3, 413,
wie jetzt lieber gelegentlich.
im 16.
jh. so zur gelegenheit,
also mit art.: wie denn unser doctor von natur gerne zur gelegenheit frölich war. Mathesius
Luther 195
b; speise, glet und werk machet man in schmelzhütten, darvon wir zur gelegenheit, leszt uns gott leben, auf andere jar reden wöllen.
Sarepta 29
a. 4@cc)
dasz nicht günstige gelegenheit, woran wir jetzt vorzugsweis denken (
s. e ff.),
der eigentliche begriff ist, sondern jeder art sachlage sofern sie unser thun beeinfluszt, läszt sich noch lange erkennen, z. b.: er solle alle gelegenheit wol und genau beobachten, auch die, so bisweilen ungefehr sich ereignet (
auftaucht), zu seinem vortheil anwenden. Schupp. 556; ich werde eine jede gelegenheit mir lassen lieb und angenehme sein, darin ich ... werde bezeugen können, dasz
u. s. w. 333; es fehlt die gelegenheit zum kriege,
deest belli materia. Steinbach 1, 1014.
der begriff auf der scheide zeigt sich z. b. in einem aufsatz in Butschkys
Patmos 402
mit der überschrift alles nach gelegenheit der zufälle,
worin es u. a. heiszt: ja wer verständig ist, der versucht auch aus der ungelegenheit eine gelegenheit zu machen und das unebene zu ebenen.
auch in unserer zeit noch blosz als anlasz, veranlassung, auch solche die man meidet: dabei lebten wir entfernt von allem menschlichen umgang, weil ich jede gelegenheit zu sprechen sorgfältig meiden muszte. Schiller
an Göthe 6.
juli 1802.
früher auch gelegenheit der zeit,
umstände, z. b.: die gelegenheit der zeit bringt, dasz sich einer an seinem feind rechen mag. Henisch 1556; nach gelegenheit der zeit und der sachen zu rath werden,
consilium pro tempore capere. das. 4@dd)
daher mit verschiedner bestimmung gute, böse, fröhliche, feierliche, festliche gelegenheit
u. a.: mit guter gelegenheit,
pro re nata, non incommode. Henisch 1556, 51; solche summa des paaren geldes gelobe ich zwar mit meiner guten gelegenheit oder gelegensamer zeit zu bezahlen, entzwischen aber das capital mit 6 pro cento zu verinteressirn. Abele
unordn. 2, 183,
wenn mirs '
wol gelegen'
ist, vergl. 2,
b, γ; nach guter gelegenheit,
per commodum, praestructim. Aler 883
a;
am schlusz einer priamel: trau keinem juden bei seinem aid, trau keinem wolf auf grüner haid, trau keiner bösen gelegenheit, sonst kommst du in grosze ungelegenheit. Conlin 5, 313; daher kam es, dasz der krieg den Spartanern allein eine art von erholung war, und dasz sie sich darauf wie auf eine fröhliche gelegenheit freuten. Schiller IX, 151, 23.
noch jetzt z. b. da haben wir auch gute gelegenheit, die beste gelegenheit, das damals versäumte nachzuholen
u. dgl. auch schöne gelegenheit,
occasio egregia Aler 883
a, die schönste Weber 337
b.
vgl. u. 2,
a mhd. schœne, guote gelegenheit
in sinnlicher bed. 4@ee)
aber eben die gute gelegenheit
heiszt auch schlechtweg gelegenheit,
entsprechend dem einfachen gelegen
für das vollständige wol gelegen (
s.gelegen 2,
d ff.): gestehe denn, dasz zwischen dir und ihm (
Wallenstein und dem kaiser) die rede nicht kann sein von pflicht und recht, nur von der macht und der gelegenheit! Schiller
Wallensteins tod I, 7.
auch als frau Gelegenheit
oder göttin,
nach einem lat. spruche: rem tibi quam noscis aptam dimittere noli, fronte capillata post est (
var. haec) occasio calva.
Catonis dist. 2, 26; verlasz das ding zuo keiner frist, das du weiszt das dir eben ist, dann gelegenheit mit löcken vil wirt darnach oft kal underwil. S. Brant
Cato 342 (
s. 134
b Z.); die fraw Gelegenheit hat nur haarlock an der stirnen, übersicht mans, dasz man sie nicht vornen dabei erwischt, so ist sie entwischt, dann hinden zu ist sie kahl und nimmer zuerhaschen überall. Fischart
Garg. Ee 7
a (1594 236
b,
Sch. 443); gelegenheit hat vornen haar, sonst ist sie hinten glatzig gar. Henisch 1556; die göttin der gelegenheit ist fornen nur mit haaren, im nacken bleibt sie kahl allzeit, drumb lasz sie ja nicht fahren, weil du sie bei der stirnen hast .. Opitz 2, 209 (
poet. w. 4, 20); diese göttin, sie heiszt Gelegenheit, lernet sie kennen! sie erscheinet euch oft, immer in andrer gestalt ... einst erschien sie auch mir, ein bräunliches mädchen, die haare fielen ihr dunkel und reich über die stirne herab
u. s. w. Göthe 1, 263
fg. (
röm. eleg. 4); ihre (
Opheliens) einbildungskraft ist angesteckt, ihre stille bescheidenheit athmet eine liebevolle begierde, und sollte die bequeme göttin Gelegenheit das bäumchen schütteln, so würde die frucht sogleich herabfallen. 19, 78 (
lehrj. 4, 14),
vgl. dazu Göthe, Wieland
u. g, aber auch J. Pauls
derb scherzhafte anwendung der göttin Gelegenheit
u. 1,
e, γ.
auch ins sprichwort übergegangen: man musz die gelegenheit am stirnhaar fassen. Simrock
spr. s. 153 (
gewöhnlich beim schopfe); gelegenheit hat vorn langes, hinten kurzes haar.
das.; wer die gelegenheit nicht vorn ergreift, erwischt sie hernach am ort, wo man die händ bescheiszt (
beschmutzt). Lehman
flor. 1, 283; wer die gelegenheit versäumt, dem zeigt sie das gesäsz.
das.; die gelegenheit grüeszt manchen und beut ihm die haar, will er nicht, so weiset es (
so) ihm den hinderen. Henisch 1556. 4@ff)
auch sonst erscheint sie als selbstwillige macht und gestalt in sprichwörtern und wendungen: wann die gelegenheit einen grüszet, soll er ihr danken. Lehman 1, 283; gelegenheit reit auf der post (
rasch), wer sie ereilet, der hats.
das.; man musz der zeit und gelegenheit die hand bieten.
das.; gelegenheit hat man nicht im ermel (
in der tasche). 284.
sie befiehlt, erheischt
etwas bestimmtes: Antenor, wenn es die gelegenheit befiehlt, sagt seine meinung. Gellert 7, 292 (222).
sie macht diebe
u. ä. (
vergl. gelegenheitsdieb): gelegenheit macht nicht diebe allein, sie macht auch grosze männer. Lichtenb. 4, 26; gelegenheit macht verhältnisse, wie sie diebe macht. Göthe 17, 53 (
wahlv. 1, 4), macht liebe und diebe Körte
spr. 2434; geld macht dieb, gelegenheit macht lust und lieb. Lehm. 1, 284.
an die vorübereilende gestalt erinnert auch noch die gelegenheit ergreifen Henisch 1556,
bildloser in acht nehmen Stieler 1113, wahrnehmen, auskaufen (
gründlich ausnutzen) Adelung,
gegensatz versäumen, verpassen, (ungenutzt) vorüberlassen, aus den händen lassen Steinb. 1, 1013, entschlüpfen lassen,
wenn sie sich darbietet, die gelegenheit ist fürüber,
elapsa est de manibus Stieler. im 16.
jh. der gelegenheit fehlen,
eig. sie nicht treffen: ob wol Ptolomeus villeicht aus anderer ansag betrogen der gelegenheit gefelet hat. Frank
weltb. 26
b,
das rechte nicht getroffen hat. wie doch dabei der begriff sich von dem räumlich anschaulichen, von dem er ausgieng, entfernt hat und dem abstracten zustrebt, zeigt die bindung zeit und gelegenheit,
schon im 16.
jh.: wie er (
der teufel) seine zeit und gelegenheit ersihet. Luther
vier predigten 1546 E 4
a; ein iglichs zu seiner zeit und gelegenheit.
post. 1528 156
b; die zeit und gelegenheit macht einen prediger. Henisch 1556; niemand hat die zeit und gelegenheit im ermel. Lehman 1, 933,
vergl. u. e; man musz der zeit und gelegenheit die hand bieten. 283; dasz es für heute zu weitläuftig sein würde und nach zeit und gelegenheit besser würde geschehen können. Schiller VII, 313.
dabei erscheint das ursprüngliche bild doch wieder in zeit und statt,
mhd. state,
das freilich auch schon zu dem abstracten begriff gelegenheit verdünnt war: zeit und gelegenheit macht, dasz man übers böglein schreit (
ausschreitungen begeht), zeit und statt macht manchen unflat (
häszliches). Lehman 1, 283,
wie im 16.
jh. statt macht diebe,
mhd. state machet diebe.
auf dergleichen '
böse gelegenheit' (
vergl. Conlin
u. e)
gehen sprüche, wie: gelegenheit musz man meiden, sonst wird eine kohl aus der kreiden. Körte
spr. s. 148; traust du jeder gelegenheit, bringt dirs auch ungelegenheit.
das. 4@gg)
bildlos oder in anderer als seiner ursprünglichen bildlichkeit heiszt es gelegenheit taucht auf,
früher ereignet sich (
s. c), fellet für
u. ä.: wenn gelegenheit fürfellet. Luther 1, 4
a. gelegenheit haben, bekommen, finden, suchen: gedachte er, das er gelegenheit hette, das er widerumb zu seinem alten stand kommen kündte. 2
Macc. 4, 32; dieweil ihr reis geht also weit und sie underwegen nicht können sich zu kleiden gelegenheit finnen .. Ayrer 1805, 3; aber weil wir eben gelegenheit bekommen, von der metallen materien zu reden .. lasz ichs darbei gerne bleiben. Mathes.
Sar. 30
a; von dem an suchet er gelegenheit, das er in verriete (
Judas Jesum).
Matth. 26, 16; das schimpflichste war, dasz sie sich zusammen beredeten, an ihm gelegenheit zu suchen und nach der tafel ihn mit einer guten tracht schläge nach hause zu schicken. Riemer
polit. stockf. 244 (
wie ursache an einem suchen 245), gelegenheit
schlechthin für gelegenheit zu händeln, zum streit, d. h. durch häufigkeit dieses gebrauchs so abgekürzt (
vergl. Wieland
nachher). geben, nehmen: wann es (
im felde) gelegenheit gab, bei deren ich vor mein person vom feind etwas zu erschnappen getraute, so sparte ich meine haut so wenig als ein soldat.
Simpl. 3, 37
Kz. (
Courage 7); dasz dich deine unsichtbarkeit in die allergreulichste sünd und laster .. zu fallen veranlaszt und dir alle gelegenheit darzu gegeben habe. 4, 185; die langsamkeit unserer unterredung gab mir gelegenheit meine worte abzumessen. Göthe 28, 139; eitle eltern machen bei gegebener und genommener gelegenheit viel wesens von ihrem söhnichen und töchtergen. Scriver
seel. 2, 304; diese aber, sie ... zu uns gleichsam zu gast zu laden, die gelegenheit zu nehmen mich gezwungen. Weckherlin
vorr. zu d. weltl. ged.; auch die gelegenheit vom zaune brechen. machen,
herbeiführen: wenn man keine gelegenheit hat, musz man eine machen. Körte
spr. 2437; als Schlegel zur aufnahme des dänischen theaters vorschläge that, von welchen es Deutschland noch lange zum vorwurfe gereichen wird, dasz ihm keine gelegenheit gemacht worden, sie zur aufnahme des unsrigen zu thun. Lessing 7, 2;
auch mit besondrer beziehung, die als bekannt verschwiegen wird (
vergl. aus Riemer
vorhin): der gott, der bub und mädchen schuf, erkannte gleich den edelsten beruf, auch selbst gelegenheit zu machen. Göthe 12, 175 (
vgl. 19, 78
unter d); gelegenheit machen ist an einem orte wie Korinth kein unergiebiges handwerk. Wieland 13, 115,
von kuppelei, aus der sprache der betreffenden kreise; vergl. gelegenheitsmacherin. 4@hh)
bloszes gelegenheit
so in besonderm sinne namentlich auch von gelegenheit zu fahren, etwas zu verschicken u. ä., fahrgelegenheit (fahrende gelegenheit Adelung), messgelegenheit
u. ä.: den 14. und 15. noch aldo (
in Leipzig) stillgelegen, bis ich gelegenheit bekam fürter zu kommen. Kiechel
reisen 5
u. o.; Steckborn, ain stättlein am untern see, alda ich glegenhait gehabt auf dem see und Rein zu fahren bisz gehen Schaffhausen. Ernstinger
raisbuch 107; er nahm (
in Mainz angekommen) sein felleisen unter den arm und lief nach der Rheinbrücke, um gelegenheit auf Cölln zu finden. Stillings
wanderschaft 181; ich hatte mein gepäck nach Frankfurt und was ich unterwegs brauchen könnte, durch eine gelegenheit die Lahn hinunter gesendet. Göthe 26, 177 (
aus m. l. 13); die freunde und gönner werden gebethen, mir das eingehende mit der mesz-gelegenheit gütigst und durch die sichersten und wolfeilsten wege zuzusenden. Lavater
auss. in die ewigkeit (1773) 3, xvi.
so als wolfeilster weg, der sich durch einen günstigen zufall darbietet, ist diesz gelegenheit
gemeint, wie Dähnert 148
a aus Pommern angibt he töwt up gelegenheit,
er will sich nicht der post bedienen, sondern wartet bis er mit anderen ohne entgelt reisen oder etwas schicken kann, auch hd. auf gelegenheit warten.
dazu der scherz mit einer gelegenheit zu fusz,
per pedes apostolorum, auf schusters rappen Gangler
Luxemb. id. 172;
s. auch den scherz von der eigenen gelegenheit
u. 5,
a. vergl. übrigens u. 1,
f gelegenheit
vom nächsten wege, aber in unmittelbarem anschlusz an die sinnliche bedeutung. 55)
noch in andern besondern bedeutungen, in sonderbarer manigfaltigkeit, die hier bei weitem nicht erschöpft sein wird. 5@aa)
pomm. een stükkschen van de gelegenheit,
im spasz, ein stück von dem steisz gebratenen oder gekochten federviehes Dähnert 148
a.
auch anderwärts, und auch oder zuerst von menschen (sitzgelegenheit),
daher: bis das (
wankende) fuhrwerk umschlug und der unglückliche insasse zehn schritt auf seiner eigenen gelegenheit fortschosz. Kügelgen
jugenderinn. eines alten mannes s. 366,
zugleich in scherzendem anschlusz an die gelegenheit
als fahrgelegenheit vorhin, wie es auch heiszt mit seiner eigenen gelegenheit kommen,
eignem fuhrwerk Adelung,
nl. op eigen gelegenheid (
auch für allein).
der eigentliche sinn knüpft sich vielleicht scherzend an gelegenheit 1,
e, γ (
abtritt)
an. 5@bb)
von einem frauenrocke, hamb. sammiten gelegenheit,
frauenrock von sammet Richey 73;
es mag auch dahinter ein scherz stehen. 5@cc)
von der geliebten gibt es Weigand
aus Butzbach in der Wetterau: wo kömmst du her? 'ich war bei meiner gelegenheit',
auch er geht mit seiner gelegenheit spazieren
u. ä. 5@dd)
schwäb. bauerngut, wirtschaft, gewerbstätte, z. b. er hat sich eine gelegenheit gekauft Schmid 348,
schweiz. e schöni glegeheit,
ein schönes bauerngut Hunziker
Aarg. wb. 107,
es musz aber von haus aus allgemeiner sein, denn Adelung
kannte es als hd., sich eine gelegenheit auf dem lande kaufen,
ein landgut. vergl. 1,
e, β für wohnung, quartier, auch unter gelege 5,
d fläm. een goed geleg,
schönes gut u. ä., schwed. lägenhet,
z. b. prästlägenhet
eine pfarrstelle, pfarre, auch zubehör eines gutes o. ä., z. b. holz, fischerei u. dgl. 5@ee)
bemerkenswert mhd. gelegenheit
eines kampfes,
gerichtlichen zweikampfes, neben stat und zît
genannt: si hât im des kampfes stat, die zît, die gelênheit ûf ein ende gar geseit.
Reinfr. von Braunschweig 7287; den kampf, den tac und ouch die stunt mit aller der gelegenheit (
desselben). 7611. 7668. 7779,
es müssen wol die rechtlich festgesetzten bedingungen sein, unter denen der kampf vor sich gehen soll, s. v. 6814
ff.; vergl. das ähnliche gelegen 3,
a von rechtsverhältnissen, es schlieszt sich an mhd. ligen
von verhältnissen an, wenn z. b. Herodes bei der geburt Christi erkunden läszt, wie eʒ læge umb daʒ kint Haupt 5, 31, wie ligt das?
wie verhält sichs damit? Hätzl. 157
a, daʒ lît mir alsô leide
Virginal 335, 10. 327, 6,
vergl. u. 2,
a.