stehlen,
verb. ,
furari. II)
verwandtschaft und form. I@11) stehlen
ist ein gemeingerm., in allen germ. sprachen lebendig gebliebenes verb: got. stilan;
altn. stela,
ebenso neunorw., schwed. stjäla,
dän. stjæle;
ags. stelan,
mittelengl. stele(n),
engl. steal;
afrs. stela;
ahd. and. stelan,
mnd. mnl. stelen,
mhd. steln.
vgl. Grimm
gramm. 1
2, 1028.
in der bildung des verbalabstractums gehen dagegen die sprachen auseinander: altn. stuldr,
dän. styld,
schwed. stöld;
mittelengl. stalþe,
neuengl. stealth;
daneben ags. stalu,
mittel- und neuengl. stale;
as. stulina;
ahd. stâla,
fortlebend in der zusammensetzung mhd. diupstâle,
f., nhd. diebstahl,
m., holl. diefstal,
s. th. 2, 1097
f. (
weitere ableitungen bei Grimm
gramm. 2, 29.)
zur bezeichnung des thäters dient wiederum gemeingerm. ein wort aus anderem stamme: dieb,
s. th. 2, 1085
ff. —
neben stilan
hat nur das got. noch ein anderes idg. wort gleicher bedeutung bewahrt: hlifan,
das mit gr. κλέπτειν,
altlat. clepere,
altpreusz. auklipts
verstohlen urverwandt ist, [] s. Uhlenbeck
2 80
b.
vgl. J. Grimm
rechtsalterth. 635
f. (
42, 194). I@22)
zu urgerm. *stelan
stellt sich am nächsten lat. stellio '
ränkevolle person' Walde 593
f., und stlāta 597,
das eine art raubschiff bezeichnet und mit altir. slat (
*stlatto),
raub, zusammengehört, vgl. Stokes-Bezzenberger 314.
so Torp
germ. spracheinh. (Fick
4 3), 489; Feist
etymolwb. 251
b; Franck
etymol. wb.2 663
a.
unsicherer ist, ob sich altir. tela, teola
dieb dazu stellen läszt (Kern
bei Uhlenbeck 140
b),
das mit ir. tall '
diebstahl', tallaim (
*talnō) '
ich nehme weg'
auf einer kelt. wurzel *tel-
nehmen beruht, die sich am ehesten mit lat. tollere,
gr. τετλάναι,
got. þulan
zusammenstellen läszt, s. Stokes-Bezzenberger 130; Falk-Torp 1170. —
groszer beliebtheit erfreut sich eine andere ableitung, die in stelan
eine umbildung aus *steran
sieht, unter einwirkung von helan,
mit dem es seit alter zeit gern formelhaft verbunden wird, und es mit gr. στερεῖν,
στερίσκειν berauben, pass. στέρεσθαι gleichsetzt. so Osthof
bei Paul-Braune
beitr. 13, 460
f., desgl. Delbrück
zeitschr. f. d. phil. 1, 142. (
schon Curtius,
s. Skeat 594
a.)
danach zweifelnd Kluge
6377
b; Weigand
5 2, 959
f.; Kluge-Lutz 199
a.
indessen paszt diese gleichung nicht nur lautlich, sondern auch der bedeutung nach weniger gut als jene, da bei ihr der für stehlen
so wesentliche begriff des heimlichen durchaus fehlt; vgl. Prellwitz
2 433.
noch geringere wahrscheinlichkeit haben andere ableitungen und zusammenstellungen (
zu tollere
u. s. w., ablautende doublette zu þulan Grienberger
got. wortk. 199
f.; aus s-del,
zu δόλος,
lat. dolus,
altn. tal
u. s. w. Siebs
in Kuhns
zeitschr. 37, 307;
erweiterung aus *stāi-,
vgl. skr. tāyú
dieb Persson;
zu gr. στέλλειν Skeat 594
a,
vgl. Weigand
32, 845
unter stuhl),
s. Falk-Torp 1555. I@33) stelan
ist ein starkes verb der 4.
ablautsreihe: got. nur im präs. belegt; altn. stela — stal — stlom — stolenn,
s. Noreen
gramm.3 § 162;
ags. stelan — stæl — stǽlon — stolen Sievers
gramm.3 § 390;
altfries. stela
mit abweichend gebildetem part. estelin, stelin, -en Richthofen 1047
a (
die formen der neufries. mundarten verzeichnet Siebs
in Pauls
grundr.2 1, 1315
f.);
alts. stelan, stilu — stal — stâlun — gistolan Gallee
gramm.2 § 394,
vorstudien zu e. altnd. wb. 302. 499;
mnd. stelen — stal — stêlen — (ge)stolen A. Lasch
gramm. § 428; Schiller-Lübben 4, 381
b (3.
sing. präs. stelet, stelt
Sachsensp. 2, 28, 3. 39, 1;
Reinke de vos 101);
ahd. stelan, stilu — stal — stâlum — gistolan Braune
ahd. gr. § 340,
vgl. Graff 4, 668 (ih stillo, stile,
daneben stêlôn?
clepo, furor);
mhd. steln, ich stil — stal — stâlen — gestoln Weinhold
mhd. gr.2 355; Lexer
hdwb. 2, 1173.
auch im nhd. ist die alte starke flexion im allgemeinen unverändert erhalten, sowohl was den ablaut als was den vokalwechsel innerhalb des präs. betrifft: ich stehle, du stiehlst, er stiehlt, wir stehlen,
imper. stiehl — ich stahl, wir stahlen — gestohlen,
so z. b. bei Gottsched
6 340. (
ein ganz vereinzelter fall schwacher flexion bei Guarinonius, 1610,
s. unten II, 2,
m, ζ.)
doch fehlt es im einzelnen nicht an abweichungen. I@3@aa)
der inf. stehlen,
älter stelen: sybent gepot ist, du soldest nit stelen Berthold v. Chiemsee
s. 363
Reithmeier. dafür wird bis ins 17.
jahrh. bei oberdeutschen, bes. alemann. autoren gern stAelen gezchrieben: wir wellen solchs erfaren bas ob sie doch stAelen wend etwas Gengenbach
s. 40, 49; die grindige kind hassen nur das strAelen, und die hund hassen nur, die gern stAelen Fischart 3, 70, 4
Hauffen (
podagr. trostb. h 5
a); die Sarracenen ... thaten mit rauben und stAelen grossen schaden Stumpf
Schwytzer chron. 25
a; damit den losen leuthen kein ursach zu stAelen geben werdt Agricola
bergwerckb., verd. v. Bech (1621) 72.
so auch bei Maaler 383
b. (
dagegen unterscheidet Gottsched
6 142
ausdrücklich stehlen
und stälen.
ebenso Braun
orthogr.-gramm. wb. 246
a. Apin 509
hat staehlen
in beiden bedeutungen. anders bezeichnet Hulsius [1616] 369
a den unterschied von stelen, entwenden
und stehlen, stahl an etwas thun.)
dasselbe gilt natürlich von den formen des plur. [] ind. und des conj. präs., z. b.: es gehOert auch vil zu eym frommen man, ... das er ... nicht sauffe, liege, trüge, stAele Fischart 3, 248, 6
Hauffen (
ehezuchtb. k 8
a). I@3@bb)
für die 1.
sing. bieten oberd. quellen des 16.
jahrh. noch, dem mhd. und der mundart entsprechend, ich stil(e): sihet mans, so spile ichs, sihet mans nit, so
stile ichs S. Franck
sprichw. 2, 85
b; gantz schnell ich dir din lAeben styl (: zyl)
Schweiz. schausp. 1, 47 (
d. reiche mann u. arme Laz. 1529,
v. 820); stil ich, so wirts mir auch nit gschenckt H. R. Manuel
weinsp. 431; (
ich) pettl und stiel ain wenig darzu H. Sachs
fastn. sp. 77, 69. I@3@cc)
durchgängig herrscht die i-
form in der 2. 3.
sing. und im imp. (
über die schreibung u. s. w. s. unter 4.)
hier begegnet schwache bildung ganz vereinzelt, so in der 3.
sing., viell. nur als schreib- oder druckfehler: obs ein dieb stelet Luther 26, 161, 25
Weim. ebenso vereinzelt steht eine 2.
sing. mit e: stellst B. Waldis
Esopus 3, 85, 13.
sicherer, doch auch selten, im imp.: stele einmal, und bleib dein lebenlang ein dieb Lehmann 3, 320, 111; stele viel, gib wenig, so kommst du davon 112; stehle dich hinan zu ihm
mährleinbuch (1799) 34. I@3@dd)
innerhalb des prät. ist der alte, nur quantitative ablaut stal—stâlen
durch die tondehnung von selbst fortgefallen. (
alem. mit der regelm. entwicklung des â
zu au —
und abweichender endung —: stǎlent sy Nicl. v. Wyle
transl. 275, 7
Keller.)
doch dringt daneben, wie bei andern verben dieser ablautsreihe, vom part. her, und in diesem falle wohl durch die scheinbare analogie zu befehlen
begünstigt, ein o
ein, hat sich jedoch nicht durchzusetzen vermocht. es eignet zunächst dem plur. und erscheint so in Luthers
bibelübers. neben dem sing. stal: saget, seine jnger kamen des nachts, und stolen jn
Matth. 28, 13,
vgl. unten β.
nach dem plur. richtet sich die 2.
sing.; so gibt Clajus
gramm. 105, 19
Weidling: ich stal, du stolest.
entsprechend Schottel 598
als norm: ich stahl, du stohlest, er stahl, wir stohlen.
doch dringt das o
infolge der gewöhnlichen ausgleichung auch sonst in den sing. ein, so bei Stieler 2164: ich stal,
et stol.
nach Adelung: 'ich stahl (
im gemeinen leben ich stohl)';
danach Campe. —
weitere belege: I@3@d@aα)
im sing.: es
stohle unsers herr gotts schuster das leder Schuppius
schr. 530; (
Kunze) bestohl den nachbar Heinze Claudius
bei Sauer
Göttinger dichterb. 3, 262, 16 ('
noch e. wiegenl. bei mondsch.'
nach dem ersten druck v. 1770;
in den werken 1, 173
dafür bestahl;
vorher, z. 9,
auch in diesem text: kam her und stahl). I@3@d@bβ)
im pl. vereinzelt schon mhd.: stôlin (= verholin) Nic. v. Jeroschin 20613;
nhd. wenn sie den kelch widder einbunden,
stolen sie die patena Luther 38, 213
Weim.; die kinder von Israel, die den Aegiptern stolen yhren vordienten lohn
an d. christl. adel s. 48
neudr. (
vgl. oben Matth. 28, 13). I@3@ee)
ernsthaftere concurrenz macht im conj. präs. das ö
dem alten ä
; hier gelten in der neueren zeit beide formen neben einander. I@3@e@aα)
zunächst stäle: so etwer aus fürsichtikait ainem unsynigen sein schwert stAele Berthold v. Chiemsee 363;
und so wieder bei neueren autoren: so schrei' ich als wenn man mir einen thaler stähle Göthe 36, 47; Radlof ... glaubte aber auch, man stähle ihm seine ideen Hoffmann v. Fallersleben
leben 1, 226. I@3@e@bβ)
daneben stöle schon bei Luther (
und stüle,
s. f, β): es were allis treglicher, wen sie das gut allein uns alszo abstolen
an den christl. adel s. 20
neudr. es gilt selbstverständlich, wo schon der ind. o
aufweist, so ich stöhle
bei Schottel 598
und (ich stöle) Stieler 2164,
während Steinbach 2, 718 ich stähle
angiebt. Adelung: 'ich stähle (
im gemeinen leben stöhle)',
ebenso Campe. (
bei Braun
orthogr. gramm. wb. 245
b nur: ich stähle.)
häufiger im 18.
jahrh. bezeugt: wer halb
[] so viel heimlich stöhle, ... der müszte ohne barmherzigkeit an den galgen Kretschmann
werke 5, 208; wenn aber einst durch seine schöne seele ein junger mann dein herz dir stöhle Goekingk 3, 172; stöhl' er selbst mir im gehege, traun, er würde selbst geschnürt! Voss 5, 32;
s. auch Tiedge
werke 7, 28. I@3@ff)
im alem. des 15.—16.
jahrh. begegnen auch die (
in der 3.
ablautsreihe ursprünglicheren)
formen mit u
bezw. ü.
im pl. ind.: (
am 10.
sept. 1445) komend die von Obren Sibental ... was den wart, stuletz als (
stahlen sie alles)
Basler chron. 4, 263, 12; wie das landvolck ... die hirten ... uberfulen, weil sie jnen die krapffen stulen
Garg. s. 315
neudr. im conj.: da du einem seinen lümbden (
leumund) stilest, ..., so schedigstu in mer, weder stülest ym (
als stöhlest du ihm) gelt Keisersberg
sünden des munds 28
a; wenn dir einer etwas stuol, und du jm das woltest nochlossen, so stuol er dir morn noch meer
postill 2, 63;
mit entrundung: lyesz yederman syn hund jm husz das nit eyn dieb stiel ettwas dar usz Brant
narrensch. 44, 16.
hier findet sich u (= ü)
auch bei Luther (
neben o = ö,
s. e, β): wie ein knecht seinem boszwilligen hern, seinen vordienten lohn stule
an d. christl. adel s. 48
ndr. I@3@gg)
im part. perf. gilt die o-
form ohne ausweichungen. I@44)
weitere abweichungen betreffen die quantität des vocals der tonsilbe, die vocale der nebensilben und die schreibung. I@4@aa)
der vocal der stammsilbe ist im nhd. infolge der tondehnung überall lang; doch bleibt die länge im frühnhd. meist unbezeichnet. insbesondere ist das dehnungs-h
dem 16.
jahrh. im ganzen fremd und setzt sich erst im laufe des 17.
durch. im einzelnen ist zu bemerken: I@4@a@aα)
der inf. lautet im 16.
jahrh. stelen,
daneben oberd. stAelen (
s. 3,
a),
stets ohne h.
wo die 1.
sing. einsilbig erscheint, begegnet zuweilen verdopplung des e:
peculor ..., ich steel von der gemeyn, adder kirchen guot Alberus
dict. (1540) 6
a; ich glaub, du meinst, dasz ich mein meel nur in dem kot aufflesz und steel Fischart 2, 113
Hauffen (
Eulensp. 2579, —
conj.?).
ganz vereinzelt im inf.: surreptio, das steelen Alberus
dict. (1540) 7
a.
doch begegnet gegen ende des 16.
jahrh. auch schon zuweilen die schreibung stehlen Xylander
Polyb. (1574) 344 (VI, 33, 2);
volksb. vom d. Faust s. 25
neudr.; wie sol ich nun auff mein zusag das rosz zwegen bringn? sol ichs stehln, so gehOert mir ein strick ant kehln Hans Sachs 17, 85, 16
K.—
G. (
in der handschr.: steln,
s. fastn. sp. 58, 127).
sie wird im laufe des 17.
jahrh. immer häufiger und erlangt gegen die mitte des jahrh. das übergewicht. von dem wörterbüchern haben Corvinus (1660)
und Schottel (1663) stehlen,
dann jedoch Stieler (1691)
und Kramer (
noch in der ausg. v. 1724!)
wieder stelen.
in der litteratur ist stelen (
und bes. gestolen)
bis gegen ende des 17.
jahrh. üblich: das siebende gebot lautet, du solt nit stelen Sandrub
hist. u. poet. kurtzweil s. 24
neudr.; (
den seckel) den sie jn in der nacht gestolen hat
engl. comed. u. traged. (1624) J 4
a;
ferner Albertinus
hirnschleiffer (1664) 70; sein geld mOechte gestolen werden Weise
erzn. 111; ich red es unverholen, dasz ich mein lebenlang noch kein mal erz gestolen J. Grob
dichter. versuchg. (1678)
s. 73 (II, 71); der fürst musz lassen Ambren holen, weil ihr blosz ruhm ihms hertz gestolen Lohenstein
Ibrah. sult. (1680) 3, 532.
ja, vereinzelt noch: ich habe ... ihr unterweilen einen kusz gestolen Hölty
s. 226
Halm (
br. vom 24.
nov. 1774).
vgl. ferner b. —
frühere belege für stehlen usw.: ob nicht zeuge (
Jacob) ... seinem bruder dem Esau den
[] segen betrieglicher weisz gestohlen hab? Ayrer
histor. proc. juris (1600) 155; es ist ein feines handwerck umb das stehlen, wenn es wol geräht Harsdörffer
frauenz. gesprechsp. 2, 327; zu stehlen und zu rauben Moscherosch
ges. 1, 32; weil sie der todt uns hat gestohlen
griech. dramen 1, 144
Dähnh. (Spangenberg
Eur. Alcest., 1604,
v. 2557); fertig zum stehlen und rauben 2, 190.
beides in derselben quelle neben einander: zweymal umbringten sie sein (
die schlangen Laocoons) kehln, mit gifft das leben jhm zu stehln Spreng
Aeneis (1610) 27
b (2, 218
f.); (
Alecto) sich in Amatæ zimmer stal 139
a (7, 343); (
Idomeneus) sich heimelich von dannen stahl
Ilias 178
b (13, 515); wie du begerest, das beschehen soll werden dem, der dir gestolen hat, also beschicht jhm Paracelsus (1616) 1, 20 A; aber dasz der dieb zuher lauffen musz an die stadt seines stehlens
ebenda; und heltest nun davor, dasz stelen, rauben, fressen, ... nicht sauer sehenswehrt und lauter kurtzweil sey Rachel
sat. ged. (1664) 56
neudr. (5, 46); ist dasz nicht seines thuns, so kan er leder stehlen 122 (8, 449;
so überwiegend);
ferner gestohlen Grimmelshausen 3, 336, 21
Keller (
vogeln. 1, 2);
neben gestolen 356, 27 (1, 4); stehlen Schuppius
schr. 71;
neben gestolen 816. I@4@a@bβ)
weniger einfach liegt die sache in den i-
formen des praes. (2, 3.
sing., imp.),
wo zwei dehnungszeichen zur verfügung stehen und gebraucht werden, sowohl einzeln wie verbunden. vgl. unten c. I@4@a@b@aaaa)
die einfache schreibung er stilt, die die quantität unentschieden läszt, hält sich auffallend lange durch das ganze 17.
jahrh.: darumb jederman so tollgirig zabelt und grabelt, ... wlt und stilt
Garg. s. 20
neudr.; wann einer widerumb stilt Albertinus
zeitkürtzer (1603) 146;
ebenso Paracelsus 1, 143 B; wer gern leugt der stilt gern Moscherosch
insomn. cura par. (1643)
s. 81
neudr. (
daneben stehlen 52, stehlet 76); Simplex erzehlt, wie der teuffel dem pfaffen seinen speck stilt und macht ihm viel zu schaffen Grimmelshausen 1, 356
Keller (
Simpl. I, 2, 31); eyner spilt, der ander stilt Morhof
unterr. v. d. teutschen spr. (1682) 1, 354.
so auch bei Kramer
dict. (1724) 2, 952
a: er stilt gern. I@4@a@b@bbbb)
die schreibung mit ie
beginnt früh (
viel früher als stehlen, stihlt)
und hält sich bis in die klassische zeit: glich wie gesuntheit ist vast liep und
stielt sich ab doch wie ein diep Brant
narrensch. 6, 84; alszo stiel auch dem bapst dein ehlich weyb und kindt Luther
an d. christl. adel s. 48
neudr; sacrilegus, ein gots dieb, der ausz der kirchen stielt, der gott sein ehr stielt Alberus
dict. (1540) 6
b (
neben ich steel, du stilest
ebenda);
ferner Schoch
com. v. stud. leb. (1657)
K 5
a; wer stielt uns unser gut? er läszt es uns entwenden. Gottsched
schaub. 4, 188 (Quistorp
Aurelius 1, 1); der kleine schalk ... stielt leis' hinweg der nymphe scharfen bogen Herder 25, 559 (
handschr. von 1771—2). I@4@a@b@cccc)
stihlt ist nicht vor dem 17.
jahrh. nachzuweisen und bleibt bis 1800
in übung: man siehet nimmer dich in solcher wollust leben, die unser leben schwächt, und stihlt die werthe zeit Opitz 1, 11; ich stehle, du stihlst, er stihlt Schottel 598; stihl, dasz niemand sieht Abraham a St. Clara
Judas 1, 434; ein mancher dieb stihlt ochsen, und kühe, aber stihl bey der nacht, dasz niemand sieht
ebenda; das ist dir ein korps kerles, ... wo als (
immer) einer dem andern die knöpfe von den hosen stihlt Schiller 2, 78 (
räub. 2, 3); wer gern lügt, stihlt gern Schellhorn
sprichw. (1797) 111.
[] I@4@a@b@dddd)
die heutige doppelbezeichnung der vocallänge stiehlt ist erst in der zweiten hälfte des 17.
jahrh. zu belegen: die trockene wahrheit ... stiehlt .. sich nur mit noth zuweilen durch die fenster in fürstliche zimmer Lohenstein
Armin. 2, 160
a; was nützt poeterey? sie stiehlt die zeit zu sehr Logau
sinnged. 1, 10, 30. (
von den wörterbüchern hat sie zuerst Steinbach 1734.)
etwas früher im imper.: stiehl viel, gib wenig, so kompst darum Lehmann
florileg. (1662) 2, 571, 112 (
neben er stihlet,
s. unten c, γ); stiehl was du kanst Ettner
mediz. maulaffe (1719) 640.
so gibt auch Schottel 591: stiehl
furare (
das er von still,
redde quietum, item placidus, und von stiel,
manubrium, unterscheidet)
neben er stihlt,
s. oben. I@4@a@gγ)
für das praet. stal — stahl,
part. gestolen — gestohlen
gilt dasselbe wie für stelen — stehlen,
vgl. die belege unter α. I@4@bb)
daneben finden sich jedoch nicht ganz selten, im 15.
und bes. im 16.
jahrh., vereinzelt darüber hinaus, zumeist, doch nicht ausschlieszlich, in oberdeutschen quellen schreibungen mit ll
in allen formen, die auf erhaltung der alten kürze hinzuweisen scheinen. I@4@b@aα)
inf. stellen: do (1417) kamen Egiptenleut (
zigeuner) ... und hetten brief, wer in nit ir almsen gab, dem mochten sy stellen. und stallen gar vast
d. städtechron. 4, 119, 8
f. (
Augsb.); das wir nymmer mere wolten ... stellen Schiltberger
reiseb. 14, 17
Langmantel; wann du mehr wilt ain visch stellen, so leg ain lengern mantel an, oder still ain kürzern visch!
Zimm. chron. 1, 409, 15
Barack.2; weil ihm allgemach das stellen verginge Anton Ulr. v. Braunschweig
Octavia (1677) 3, 247 (
s. unten II, 5,
h); he sij reuber ader diep, ire (
er) konde gestellen ader gemorden
Alsfeld. passionssp. 356; mein glück mein gutt mein leib ... das soll mir stellen kein dieb Th. Hock
sch. blumenf. (1601)
s. 16
neudr. (8, 5).
imper. pl. stellts koan woatzn nit
in e. bair. quelle v. 1701 (
d. prinz. v. Arkadien 2, 1),
s. Bayerns mundarten 1, 339, 40,
vgl. s. 359. I@4@b@bβ) er
stillt: (
der papst) rawbt und stillt unrecht gut Luther 10, 1, 681, 12
Weim. (
kirchenpost. 1522); stillt ihm der teufel die farben Abraham a St. Clara
Judas 1 (1686), 3. (er stillet,
s. c, ε; 2.
s.du stellst,
s. B. Waldis
unter 3,
c.)
imper. still,
Zimm. chr. 1, 409, 15,
s. oben α.;
s. auch 589, 12. I@4@b@gγ)
praet. ob ainer ettwo in der ganzen gegend vederspil abtrueg,
stall oder verderbet
steir. taid. 67, 29 (16.
jahrh.); inn des kam der fuchs und stall die geisz
Garg. s. 403
neudr. —
pl. stallen
s. d. städte chr. 4, 119, 9
unter α; die stallen im nachts ... das hailtumb
Zimm. chron. 2, 452, 2
Barack2. I@4@b@dδ)
part.: der hett der zunft bey 400 fl.
gestollen und abtragen
d. städte chr. 4, 13, 31 (
Augsb., zu 1513); das sacrament ward ... ausz dem sacramentgeheus gestollen 15, 211, 22 (Widmann
chr. v. Regensb., zu 1543); der ain sack mit flaisch, brott und anderm gestollen gehapt
Zimm. chron. 1, 409, 22
Barack2; mit abgestollener stimme
Garg. s. 313
neudr.; du hast dem pfarrer sein rosz gestollen
pfarrer v. Kalenb. 1889 (
ebenso 2046); mier ist mein herr verloren (
var.: verholen) und aus dem grab gestollen
altd. passionssp. aus Tirol 224
Wackern. I@4@cc)
auffällig lange (
bis ende des 17.
jahrh., in versen gelegentlich bis ende des 18.
jahrh.)
hält sich der vocal der nebensilbe in der 2
und 3
sing. ind. praes. auch in diesem falle finden sich alle schreibweisen, die unter a und b für die einsilbige form aufgeführt sind. I@4@c@aα) wer ist nu diser diep der da stilet? Tauler
sermones (1508) 71
c; ein heilig gefesz der kirchen wirt ... vorunheyliget, ... wan man es stilet und rawbeth Luther 2, 87, 26
Weim., intervertis mihi lucrum, du stilest mir mein gewinn Alberus
dict. 6
b; der auff der banck
[] schlaffet, und der darauff stilet, ... unnd der darauff stelen laszt, sind gleich schuldig
Garg. s. 330
neudr.; Davo, ein teuffel der marcken auszgräbet und felder stilet Moscherosch
Philand. 1, 660; wer einmahl stilet, der bleibet ein dieb
Reinicke fuchs (1650) 99; man raubt und stilet mit der hend H. Sachs 1, 301
c. I@4@c@bβ) das er gott sein eere und herligkeit dieplich
stielet Karlstadt
bei Luther 18, 188, 32
Weim.; (er) stielet,
furatur (
zu unterscheiden von stillet,
placat, sedat) Bellin
hochd. rechtschr. (1657) 135; sintemahl du ... andern das ihrige stielest
Simplic. schr. 4, 272, 2
Kurz (
galgenm. 3); sie (
die schminkung) stielet dem altar (
l. alter?) die jahre, wenn sie ein funfzig - jähriges weib als eine zwantzig - jährige dirne aufstellt Lohenstein
Armin. 2, 92
a;
und so noch: wenn die mandel du mir stielest ... Herder 27, 83 (
Terpsichore 1, 1795,
s. 170). I@4@c@gγ) dasz ist ein verschlagener dieb, welcher einem andern dieb sein entfrembdes und gestohlenes gut widerumb
stihlet Lehmann
florileg. (1662) 4, 72, 4;
im wechsel mit der kürzeren form: dann ein buhler, stihlet er nicht mit seinem willen die ehr einer jungfrawen? ein vorsprech stihlet er nicht eim andern sein gut ab? ... ein gauckler, stihlt er nicht einem anderen sein gelt ... ab? ... die liebe stihlet ja mit den augen ... Moscherosch
gesichte 1, 32. I@4@c@dδ) einen, der mit gewalt oder list eines andern mannes guth
stiehlet Olearius
pers. baumg. 7, 11; es stiehlet geld und gut, das endlich doch verfleucht, den meisten ihren muth Treuer
deutscher Däd. (1675) 1, 637; o freund! was nüzt ein fleisz der uns die ruhe stiehlet? Dusch
verm. werke (1754) 455. I@4@c@eε) unter dessen kOempt einer, unnd
stillet jhm die kleider Frey
gartenges. (1556) 24
a. I@4@dd)
zuweilen wird auch, wie bei allen starken verben, den endungslosen formen im frühnhd. ein unberechtigtes -e
angehängt. I@4@d@aα)
imp. stile
ganz vereinzelt im mhd.: hastu derkant die gebot: ... nit stile
erste deutsche bibel 1, 159, 28 (
Marc. 10, 19). —
das etwas häufigere stele, stehle
ist anders zu beurteilen, s. 3,
c. I@4@d@bβ)
nicht ganz selten im sing. prät. stale, stahle
während des 16.—17.
jahrh.: so viel das ander hertz betrifft, das ... wider den willen desz, so e. may. solches stale, e. may. verloren
Amadis 1, 32
Keller; wann einer unweiszlich stahle Lehmann 4, 74, 39; und stahle er sich in der Antonia palast Anton Ulrich v. Braunschw.
Octavia 2, 924; ists recht, dasz man die müntz an müntze wieder zahle, stiehlt den ein rabe recht, der wie ein rabe stahle Logau 135
Eitner (1, 6, 92); Harpax stahle, was ihm kame 145 (1, 7, 37). (er stohle,
s. 3,
d, α.) I@4@ee)
demnach ergibt die conjugation von stehlen
im nhd. folgendes bild. zunächst die hauptformen bei einigen hauptautoren und wörterbüchern. Luther: stelen — du stilest, er stilet,
pl. stelen,
conj. stele,
imp. stiel —
prät. stal,
pl. stolen — gestolen. H. Sachs: stelen — ich stiel, er stilt — stal, stalen — gestoln,
s. Shumway
s. 97. — Clajus
gramm. 105, 18—20
Weinling: ich stele, du stilst, er stilt, wir stelen — ich stal, du stolest — ich habe gestolen. Schottel 598: stehlen — ich stehle, du stihlst, er stihlt — ich stahl, du stohlest, er stahl, wir stohlen,
conj. ich stöhle — gestohlen. Stieler 2164: stelen — ich stele, du stilst, er stilt, wir stelen — ich stal
et stol, ich stöle — gestolen. Steinbach 2, 718: stehlen — ich stehle, du stiehlst, er stiehlt — ich stahl, ich stähle — gestohlen.
bei der folgenden übersicht der hauptformen stelle ich die normalform des 16.
jahrh. und die heutige voran. I@4@e@aα)
inf. stelen, stehlen.
daneben im 16.
jahrh. (
oberd.) stAelen,
s. 3,
a; stellen,
s. 4,
b, α.
danach der pl. ind. und der conj. präs. [] I@4@e@bβ) ich ste(h)le;
daneben im 16.
jahrh. ich steel,
s. 4,
a, α und oberd. ich stil(e),
s. 3,
b. I@4@e@gγ) 3.
sing. er stil(e)t, stiehlt.
im einzelnen s. 4,
a, β: er stilt
aa, stielt
bb, stihlt
cc, stiehlt
dd; er stillt 4,
b, β;
ferner 4,
c: er stilet
α, stielet
β, stihlet
γ, stiehlet
δ, stillet
ε; er stelet (?),
s. 3,
c. (2.
sing. du stilest 4,
c, α, stielest
β, stiehlest
δ, du stellst 3,
c.) I@4@e@dδ)
imp. stiel ( Luther),
s. 4,
a, β,
bb, stiehl.
daneben stele, stehle,
s. 3,
c (stile 4,
d, α). I@4@e@eε)
prät. sing. (ich, er) stal, stahl; stol, stohl,
s. 3,
d und α; stall 4,
b, γ; stale, stahle 4,
d, β, stohle 3,
d, α. (2.
sing. du stohlest,
s. 3,
d.) I@4@e@zζ)
plur. stalen, stahlen; stallen,
s. 4,
b, γ; stolen,
s. 3,
d und β ( Luther);
früh-alem. stulen(t),
s. 3,
f, α. I@4@e@hη)
conj. ich stäle, stähle,
s. 3,
e, α; stöle, stöhle
β;
früh-nhd. stüle (stule), stiel,
s. 3,
f, β. I@4@e@thθ)
part. perf. gestolen, gestohlen; gestollen
s. 4,
b, δ. IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11) stehlen
bedeutet: fremdes eigenthum auf unrechtmäszige und heimliche weise nehmen. II@1@aa)
glossen und lexikalische erklärungen: anclare ... stelen, steln ader usz scheppen Diefenbach
gloss. 33
c;
clepere hd. steln, stelen, heimlich stelen,
nd. stellen 126
c;
expóliari sameln, ... stelen (
Nürnb. 1482) 218
c;
furari hd. nd. stelen,
hd. steln, dieberei pflegen (
voc. Straszb. 1515) 252
c;
legere ... hd. stelen (
voc. theut. Nürnb. 1482), steln 322
c;
manticulari (
ahd.) stilo, steln, bedriegen ... entpfremden
vel entfuren durch dieberey 348
a;
subtrahere ... nemen ...
hd. stelen 562
b;
surripere 569
a;
supputare heymlich steln 568
b. — stelen,
furari, furtum facere, subducere, subtrahere, convasare, surripere Dasypodius 433
a;
furor, suffuror, furtum facio, lego, sublego, suppilo p. p. e. c. involo, subvolo, subduco, subtraho, surripio, clepo e. c. ich steel, entwende, entfr, wüsch ausz Alberus
dict. (1540) 6
b;
clepo ... germ. stAelen, rauben Calepinus viii
ling. (1584) 234
a;
compilo ... germ. stelen, rauben 262
a;
convaso ... significat furto omnia colligo, ... germ. zuosammen raspen, oder lesen mit stAelen 301
a;
depeculor ... germ. stAelen, rauben 363
a;
evolo ... germ. rauben, stAelen, mit krummen henden ein ding angreyffen 455
a,
vgl. 547
b; stelen, entwenden
desrobber, destourner, embler, corfiner, chifrer, gasconner, etc. Hulsius (1616) 369
a;
plumer la poulle, courir la poulle, stehlen und rauben, ...
gallinis plumas detrahere, gallinas et alia praedari Duez
nomencl. (1652) 233;
manticulari, beutel abschneiden, stehlen Corvinus
fons lat. 386
b;
surripere, heimlich entziehen, stehlen 531
b;
contrectare, item est, mit sich trecken, oder ziehen, mit heissen gehen, stehlen 688
a; stelen,
furari, rapere, eripere, auferre, harpagare, furtum facere, expilare Stieler 2164; stehlen, '
jemanden heimlich etwas entwenden' Braun
orthogr.-gramm. wb. (1793) 245
b. II@1@bb)
als milderer ausdruck für stehlen
dient jetzt bes. entwenden,
s. das. 3,
th. 3, 653
und oben Quistorp
unter I, 4,
a, β,
bb. ferner: der mann hats gestohlen, hat einen juden erschlagen, und es ihm abgenommen
mährleinbuch (1799) 132; da sah er ... eine alte häszliche frau, die ... zwei schleier heimlich bei seite that;
dafür nachher: das ich bei der wäsche zwei schleier stehlen sah Grimm
märchen s. 141 (
nr. 35).
in familiärer und niederer rede sehr verbreitet mausen,
s. das. 5,
th. 6, 1827
f. vgl. J. Grimm
kl. schr. 2, 435,
das in einzelnen mundarten stehlen
geradezu verdrängt, s. Jecht 107
a (
Mansfeld), Dellit 140 (
Kleinschmalkalden).
so als leichterer fall unterschieden: 'ne grosze familie hat die frau, aber stehlen ... ne. a bissel mausen, ja! G. Hauptmann
d. biberpelz 76.
sehr gewöhnlich auch stibitzen,
s. das. ferner ausführen, ausspannen, grapschen, gripsen (Unger-Khull
steir. 306
b,
vgl. unter krips 2,
b, α,
th. 5, 2329), klauen (2,
th. 5, 1033), klemmen (1,
b, th. 5, 1139,
vgl. Maurmann
Mühlheim an d. Ruhr § 40), mottkern (Danneil 140
a,
neben mûs'n, müskern 142
a), stenzen, strenzen, striezen (
s. das.).
für Leipzig bemerkt Albrecht 216
b: 'stehlen
ist an sich, als zu vornehm, wenig gebräuchlich; dafür mehr denn ein dutzend andere wörter, die unter kazen
zusammengestellt sind',
vgl. 145
a (
hier, auszer den angeführten: kapern, krallen, mitgehen heiszen, ripsen,
[] schieszen, strafen;
weitere verzeichnet Müller - Fraureuth 2, 558
a).
litteraturbelege für solche euphemismen: ich nenne es so ererbet, andere leut nennen es aber gestolen
schausp. d. engl. komöd. 233, 4
Creizenach (
tragikom. 4, 3); was sie (
die diebe) erbeuteten (denn man nennets jetzt nicht mehr gestolen) B. Hertzog
d. schiltwache d 3;
müller: ich glaub' gar, bua, du hast auch mit gestohlen!
Hans Wurst: warum nit gar, gestohlen? ich hab's nur z'sammklaubt!
puppenkom. 5, 70
Engel, sowie unter d. im rotwelschen dafür ganfen (
aus hebr. ב),
s. th. 4, 1, 1219;
so schon in dem hd. liber vagatorum (1510): genffen stellen,
s. Kluge
rotwelsch 1, 53, 69,
vgl. Luther 26, 652
Weim. beliebte umschreibungen sind krumme
oder lange finger machen,
s. finger 3,
th. 3, 1652.
älter: du findest vil in Diebolts thon, das heiszt man an etlichen enden gestolen
fastn. sp. 866, 35.
weniger definitionen des wortbegriffes als erweiternde ausdeutungen des sinnes sind die erklärungen des siebenten gebotes in den katechismen, z. b.: wie stilt man denn? antwort. wenn man wuchert. falsche masz gibt, falsche gewicht braucht, bOesz vor guttes gibt. vordintthen lohn vorhelt, odder vorleucket. die do geytzig seyn, das sein diebe fur
got. und thut nichts anders als stele ers seynem bruder ausz dem beutel
älteste katechismen s. 26
f. neudr. (
von 1527). II@1@cc) stehlen
ist die thätigkeit des diebes,
vgl. dieb,
th. 2, 1085
ff.: der dieb hat gestohlen,
fur furtum fecit Steinbach 2, 718; der diep getörste niht steln, künder nit louken unde heln Vridanc 46, 25; als ein diep der verholne stelen vert
heidin iv, 1175; he rovet, he stelet alze eyn deff
Reinke de vos 101; wen du sichst stelen einen dieb, so lauffst mit jm H. Sachs 18, 210, 6; stilets jm aber ein dieb
2 Mose 22, 12; ain nachtdieb gieng ains mals in ain hus ze stelen Steinhöwel
Äsop s. 113
Österley; man lert offt einen stelen, unnd macht underweilen dieb S. Franck
sprichw. 2, 29
b; die poeten halten den Mercurium für einen dieb, und der dieben gott, dann sie ihn angebetet, wann sie haben stehlen wöllen Lehmann 4, 75, 41; da diese diebe keine bande ausmachen, sondern ein jeder für sich stiehlt Archenholz
England u. Ital. 1, 121; der staat bezahlt die amtleut, dasz sie einen dieb richten, wann er gestohlen hat; da musz ihnen daran gelegen sein, dasz die dieb recht stählen. wenn ich die sach zu machen hätt, da krägen sie nix, wenn ein dieb stiehlt, allein aber für jeden dieb, der nicht stiehlt, einen louisdor Ludwig 2, 70; bin i a diebin? hab' i g'stohl'n? Ebner-Eschenbach 4, 344; wie können Sie eine feder auf den hut stecken, die Sie gestohlen haben, wie eine gemeine ladendiebin? G. Keller 4, 59.
so in einigen bekannten bibelstellen: es ist einem diebe nicht so grosse schmach, ob er stilet, ... weil jn hungert
spr. Sal. 6, 30; jr solt euch nicht schetze samlen auff erden, ... da die diebe nach graben und stelen
Matth. 6, 19; ein dieb kompt nicht, denn das er stele, wrge, und umbbringe
Joh. 10, 10,
so schon ahd., s. Tat. 133, 10,
vgl. Hartmuth v. Cronberg
s. 81
Kück. s. auch fastn. sp. 866, 34
unter b. dazu noch: er (
d. teuffel) ist ein dieb, der steigen kan, aber nicht stehlen Abraham a S. Clara
etwas für alle 2, 195;
vgl. auch: stal im daz dupliche
Freiberger stadtr. xix § 10.
sprichw.: seht, diep stal diebe Walther v.
d. Vogelweide 105, 25.
für dieb
auch spitzbube,
allgemeiner schelm: was die schelme nicht stehlen, das verderben die narren Droste-Hülshoff 2, 297. II@1@dd) stehlen
schlieszt den begriff des heimlichen als wesentliches merkmal ein; vgl.: die sich mit einander berichten und ir den scherben heimlich namen und
[] stalen Montanus 94, 16
Bolte (
wegk. c. 37);
ausdrücklich hinzugefügt: stelen heymlich,
sublegere Dasypodius 433
a; heimlich stelen,
suffurari Stieler 2164; heimlich hausrath stehlen,
clanculum suppellectilem compilare Steinbach 2, 718; ich trûwe ouch uns die barkenwol verholne steln
Ortnit 291, 1.
durch das nichtwissen des besitzers unterscheidet sich stehlen
von rauben: einem andern das seinige heimlich, das ist, wieder sein wissen und willen wegnehmen, heisset stehlen: einem hingegen das seinige öffentlich, das ist, mit seinem wissen, aber wieder seinen willen, nehmen, heisset rauben Wolff
von der menschen thun u. lassen 603;
vgl.: (
sie) roubeten im daz abe mit gewalt oder stalen im daz abe dupliche
Freiberger stadtr. xxi § 1; sy nemen nichtz verholen, wann rauben ist nit gestolen Cl. Hätzlerin II, 74, 68 ('
von der scharpffen rewtter orden').
doch werden beide wörter sehr gern verbunden ohne genauere unterscheidung (
vgl. Calepinus
und Duez
unter a): denn die strassenräuber, diebe, beutelschneider und räuber, rauben und stehlen; die seeräuber beuten Comenius
janua 485; daʒ solich steln und rouben geschæhe mit sînem willen Ottokar
reimchr. 25041; wann ains (
ein rosz) raubt, stal ich Oswald v. Wolkenstein 64, 11
Schatz; es sey im gerabt oder gstoln H. Sachs
schwänke 1, 187, 116; der ... iunker reit mit Ulenspiegel ... und halff rouben, stelen, und nemen
Eulensp. 10; (
Hippokrates) liesz seyn volck von erst dieplich auff sie reysen, und heymlich rauben und stelen Carbach
Liv. 132
a; ain kirchendieb, so in ain kirchen einbrochen, wann er stilt und raubt Joh. Nas
antipap. eins u. hund. 1, 207
a; wo das goldne zeitalter floriret, ... wo niemand geraubt noch gestohlen maler Müller 1, 282;
ähnlich: itzt haben wir wieder gewonnen, was euere räubershand mit stehlen und plündern genommen Ditfurth
histor. volksl. des pr. heeres 2 (
schlacht bei Fehrbellin 1675).
vgl. auch: wo die leute mehr aus muthwillen zugreifen als aus der absicht zu stehlen, oder kürtzer, mehr neugierige als räuberische finger haben Lichtenberg
briefe 1, 90. II@1@ee)
sonst mit synonymen und umschreibungen zusammengestellt (
vgl. a): stehlen und nehmen: wann die tugenden muogen nit genumen, nit gestolen ... werden Albrecht v. Eybe
eheb. 35, 29
Herrmann; wenn er dir schon ... das deine stilt und nimmet Pape
bettel- u. garteteufel e 7
a; heww ick äwerall meindag' stahlen un namen? Reuter 2, 377, 26
Seelmann (
vgl. z. 31;
stromtid 2, 25).
ferner die leute stelen auch, und enthalten sich nicht von frembdem gut Barth
weiberspiegel (1565) g 4
a; (
sie) stehlen und vertragen mächtig gerne das geld Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 104; fingen sie an zu stehlen und alles auf die seite zu bringen, was ihnen in die hände fiel Forster
sämtl. schr. 1, 185,
s. auch 5, 399; hatten sie nicht ein schönes recht für sich, erkauft, oder gestohlen, oder erschlichen, gleich viel ...? Alexis
Roland v. Berlin 1, 122; das lumpengesindel will doch nur stehlen und seitabtreiben? Pocci
lust. komödienbüchl. 79.
vgl. auch: es ist schimpflich, eine börse zu leeren — es ist frech, eine million zu veruntreuen, aber es ist namenlos gros eine krone zu stehlen Schiller 3, 84 (
Fiesko 3, 2);
parodiert bei Gleich
Fiesko 1, 12 (
Raimunds vorgänger s. 282
Fürst). II@22)
germ. *stelan
scheint zunächst auf absoluten gebrauch beschränkt, während in transitiver fügung die composita (
*bi-
und westgerm. *furstelan)
stehen, vgl. Delbrück
synkretismus s. 96
f. (
dabei ist abgesehen von dem reflexiven gebrauche, der ebenfalls gemeingerm. ist, s. unten 7.)
so ist got. stilan
nur absolut belegt (
Matth. 6, 20;
[] Joh. 10, 10,
vgl. 1,
b).
auch im altdeutsehen scheint dieselbe beschränkung zu gelten. so ist in der Tatian-übers. stelan
nur einmal absolut gebraucht (133, 10),
neben transitivem furstelan;
ebenso bei Otfrid ( iv, 27, 4,
neben firstelan),
während im Heliand nur farstelan
vorkommt. besonders deutlich in der beichtformel: ik stal, ik farstolan fehoda
sächs. beichte (Wadstein 17, 6),
ebenso Lorscher beichte 16,
bruchst. 9.
in den andern germ. sprachen ist allerdings früh transitive fügung üblich geworden, und zwar wird altn. stela
mit acc. der person und dativ (
altschwed. gen.)
der sache verbunden, berauben (nú er maðr stolinn fé sínu),
s. Cleasby-Vigfusson 591
b,
wie ags. bestelan,
daher von Delbrück
wohl mit recht auf *bistelan
zurückgeführt; vgl. bestehlen,
th. 1, 1672,
wo diese rection üblich geblieben ist. dagegen ags. stelan,
neben dem überwiegenden absoluten gebrauche, mit dat. der person und acc. der sache, s. Bosworth Toller 915
b,
wie ahd. as. furstelan.
auch im deutschen ist diese rection herrschend, indem das einfache verb an die stelle des compositums getreten und dies immer mehr verdrängt hat. (
vgl. die genesis-stellen unter 3,
c. verstehlen
gegen 1600
in transitivem gebrauche erloschen, s. th. 12, 1, 1701
f.)
doch ist die absolute gebrauchsweise immer sehr häufig geblieben. II@2@aa) wo ich zu arm wrde, mOecht ich stelen
sprüche Sal. 30, 9; herr, was wolt jhr mit diesen schlsseln thun, wolt jhr stelen?
buch d. liebe 103
a; so lange er befahl, diente — und stahl man Herder 23, 451;
präsident. alles ist gewonnen, sobald wir ihm das mädchen verdächtig machen.
hofmarschall. dasz sie stehle, meynen Sie? Schiller 3, 431 (
kab. u. l. 3, 2); liebe Lehne, du hast doch nicht gestohlen? Arnim 1, 241;
mecklenburg. volksglaube: wen dat in de twölften glückt, tau stehlen, denn glückt't dat ganze jor hendörch Bartsch
sagen 2, 249, 286. II@2@bb)
das siebente gebot lautet: du solt nicht stelen
2 Mos. 20, 15,
s. ferner 5 Mos. 5, 19;
Matth. 19, 18;
Marc. 10, 19;
Luc. 18, 20;
Röm. 13, 9. das siebende geboth. du salt nicht stelen. fremde guther zw sich tzihen ist ein frucht des geytzes und begirde ... Luther 1, 251, 14 (
erkl. der zehn gebote 1518),
s. auch 6, 270, 26
und Berthold v. Chiemsee
s. 363; du solt nicht stelen! so spricht got H. Sachs 1, 72, 15
Keller; dann du weist, das gott selber spricht, du solt deim nechsten stelen nicht B. Krüger
Clawerts werckl. hist. s. 31
neudr. dazu ferner: du predigest, man solle nicht stelen, und du stilest
Röm. 2, 21; wer gestolen hat, der stele nicht mehr
Eph. 4, 28. II@2@cc)
mit modalen bestimmungen: die Lacedämonier haben den diebstahl für eine sonderliche tugend gehalten: darumb ihre kinder einen sonderlichen lehrmeister gehabt, der sie listiglichen stehlen gelehret: und wann einer unweiszlich stahle, ward er darum geschlagen, nicht von wegen desz diebstahls, dasz er unrecht gethan, sondern dasz ers nicht recht, auch zu rechter zeit, und gelegenem ort gestohlen Lehmann 4, 74
f., 38; in Sparta besangen sie den dieb, je kunstfertiger er zu stehlen verstand Bonaventura
nachtwachen 61, 27
Michel; vgl. Immermann 1, 76
Hempel (
Münchh. 1, 6); bist du der junge, der so gut stehlen kann? Ilse Frapan
bescheidene liebesgesch. 77.
in freierem sinne (
vgl. unten 4): nein! der kerl ist ein spitzbube. ... er stiehlt, aber ... mit juristischer schlauheit Lichtenberg
erklärung der Hog. k. 3, 29; diese verschafften dem dienstfertigen manne ... eine lieferung für die armee des griechischen kaysers. er stahl aber dabey auf eine so grobe art, dass er bald flüchtig werden musste Klinger 3, 85 (
Fausts leben 2, 5). — sah er nur einen ausweg vor sich — ... den ausweg honett zu stehlen ... er wurde wilddieb Schiller 4, 65 (
gilt nicht für unehrenhaft, weil kein einzelner dadurch geschädigt wird). — die Hackfeldin hat blos ihre schwestern gemiethet, um nicht verrathen zu werden und in sicherheit zu stehlen Lichtenberg
briefe 2, 4;
[] im dunkeln stahl es sich so leicht Pfeffel
poet. vers. 9, 29. II@2@dd)
mit ortsangabe: überdem, wer mochte stehlen in einem leeren hause! Alexis
Roland v. Berlin 1, 428 (16.
kap.).
gewöhnlicher mit aus, von: (
malefizhandel ist:) xvii., wer geweicht kirchen pricht, darausz stilt Knebel
chron. v. Kaisheim s. 477
Hüttner; dasz er es wage in ihren garten zu kommen und darausz zu stehlen Grimm
märchen (1812) 1, 39 (
Rapunzel).
ferner: von dem statt schatz stelen
peculari, depeculari Dasypodius 433
a; ausz dem gemeinen seckel stAelen
avertere pecuniam publicam Maaler 383
b; ausz der tAeschen stAelen ...
manticulari 383
c. II@2@ee)
so auch von einem
oder gewöhnlicher einem,
sehr selten ohne object: er hat nit die ee gebrochen, niemandt gestolen (
var.: dz seyne gest.) Luther 10, 3, 178, 5
Weim.; das er da her kommen wOelte uns zusteelen
Fortunatus s. 60
neudr. (
vorher: der uns vor das unser gestolen hat
s. 58); du solt eym andern stelen nicht Luther
geistl. lieder s. 38
Klippgen (12, 5).
ungewöhnlich reflexiv: wer ym selbir stylt und tzyget (zyet,
zeiht) des eynen andirn
Kulm. recht 5, 35; im selber stelen, übel schweren, ... die schelmen solt man billich schwemmen! Murner
narrenbeschw. 16, 71.
freier bezogen: darfft dw gotte sthelen, so darff er dich uff das hellische radt holen Luther 34, 1, 335, 21
Weim. — für einen: wo find' ich eine, wie ich eine hatte, die für mich stahl, bis sie in's zuchthaus muszte! Hebbel 2, 92 (
trauersp. in Sic. 3). —
ungewöhnlich auf einen,
auf seinen namen: man nante ihn wegen seiner grnen kleidung den jAeger, derhalben ich auch eins machen liesz, und stal auff ihn in seinen und unsern eignen quartiren ... ich aber mausete noch immerfort in seinem namen
Simpl. s. 353
neudr. (4, 21). II@2@ff)
mit zweckangaben: auf diese art könnte jeder liederliche bursche zur befriedigung seiner ausschweifungen stehlen Iffland
theatr. werke 1, 196 (
verbrechen aus ehrs. 3, 11); dasz man eher behufs der pflege eines fremden stehlen, als ihn abweisen dürfe Raumer
gesch. d. Hohenstaufen 1, 366. II@2@gg)
besondere subjecte. am ehesten stehlen arme (
vgl. spr. Sal. 30, 9
unter a): der armo chît. uuanda ih nieht nehábeta be diû stal ih Notker 2, 288, 15
Piper (
ps. 72, 9). —
von dienstboten: ein weib oder knecht die gern jrem mann und herrn stelen S. Franck
sprichw. 2, 19
a; was stahlen doch alle diese domestiken Bismarck
briefe an s. braut
s. 48. —
früher besonders den soldaten nachgesagt: Fuchsmundi (
zu s. braut). und ich (
liebe dich) so sehr, als ein hungeriger soldat das stehlen Stranitzky
ollapatrida s. 235, 2
neudr.; nach einiger anderer soldaten-art, auf merode, oder besser zu sagen, stehlen zu gehen, war seiner noblen ambition zuwider
cavalier im irrg. s. 463
neudr.; ferner Stephanie
d. j.
lustsp. (1771) 51 (
d. werber 3, 5). —
auch als eigenthümlichkeit gewisser völker: die züginer (
zigeuner), ein ... volck, das sonderlich gern stilt Seb. Münster
cosmogr. 300; er müszte, sagte er (
Carl V), die Deutschen trinken lassen, und die Spanier stehlen Kästner
verm. schr. 2, 130.
sprichw.: ärger stehlen als ein Böhme Wander 4, 802, 120: meinem knecht, (welcher Aerger stelen konte als ein Böhme)
Simplic. s. 392
ndr. (5, 6). II@2@hh)
auch von thieren: wie der himmel den wolff zu stelen reitzt und zu rauben, also auch den menschen, der der wolff ist Paracelsus
opera 2, 328 a. —
sprichwörtlich, bes. von vögeln genommen: sic enim de homine furace dicunt, er stielet wie ein rabe B. Faber
thes. erudit. schol. (1587) 517
a; er stiehlt wie ein rabe,
est milvinis ungulis Steinbach 2, 718; ich weisz doch etliche, die mitt aller ihrer gottesfurcht stehlen, wie die raben Elisab. Charlotte 3, 656 (18.
oct. 1715);
s. auch Logau 1, 6, 92
unter I, 4,
d, β,
vgl. Eiselein 517; Wander 4,
[] 803, 130 (
mit erkl.)
und rabe 2,
th. 8, 6.
häufig in mundarten: tirol. Schöpf 705;
bes. nd. Danneil 208
b. ten Doornkaat-Koolm. 3, 308
b. Woeste 253
b. Leihener 115
b. Frommann 5 163, 154 (
märk.). er stilt wie eine atzel (
elster),
egli rubba al pari ... d'una pica Kramer
dict. 1, 37
c; er stiehlt wie eine dole Kirchhofer
schweizer. sprichw. (1824) 278;
nd. he stillt as een rook (
rabe)
nd. korrespondenzbl. 17, 3
b. 4
b (
aus Richey 216. Schütze 3, 305)
s. ferner 3,
e. II@2@ii)
häufig im inf.: ich glaub, wir mssn erst lernen stelen H. Sachs
fastn. sp. 27, 11 (
ged. 5, 339
a); stelen gan,
s. Gerhard v. Minden 20, 1
unter 1,
b;
furaciter ... mitt lust zuo stAelen Calepinus viii
ling. (1584) 547
a; es würde eine neue art von gefährlichen spitzbuben geben, wenn man einmal anfangen wolte die rechte zu studiren um zu stehlen Lichtenberg
aphorismen 3,
s. 157, 16. —
substantiviert: stelen ist verpoten Berthold v. Chiemsee
im reg.; in meiner (
des todes) theologia ist das stehlen erlaubt Abraham a S. Clara
mercks Wien s. 89; das stehlen musz seyne schooszsünde seyn Gerstenberg
rezensionen 63, 28
Fischer; er hat seine schwester, welche ihm sein vieles stehlen vorwarf, eigenhändig erwürgt Grabbe 1, 173
Grisebach (
herz. Theod. v. Gothl. 4, 2).
im gen.: furtificus ... das da stAelens gewohnt ist Calepinus viii.
ling. (1584) 547
b; ein nachbaur schem des stelens sich H. Sachs 5, 158
d.
mit präpositionen: sie enthalden sich nicht weytter vom stelen den umb forcht des galgens Luther 34, 1, 138, 18
Weim.; auf beute, auf das stehlen ausgehen Adelung
umst. lehrgeb. 2, 163; würdest du dich offenbaren, so würde man glauben, du seyest desz ertödten gesell im stehlen ... gewesen Grimmelshausen 2, 426, 15
Keller (
vogeln. 1, 12).
besonders sich mit stehlen ernähren, vom stehlen leben
u. ähnl.: mit stelen sich begohn,
vecticulariam vitam agere Dasypodius 433
a; die bauern müssen vom stehlen leben, wenn sie nicht verhungert ... umfallen sollen Federer
Sisto e Sesto 56;
ebenso Müllner
schuld 3, 3
v. 1439. II@2@kk)
nicht häufig im part.: da es schon dazumal stehlende bücherfreunde gab G. Keller 6, 137; wie allraunen zu bekommen, und wie diese dienstbar geld und was ein weltliches herz sonst begehre mit stehlender untrüglicher listigkeit zuführten Arnim 1, 23. II@2@ll) stehlen
mit andern thätigkeitswörtern zusammengestellt. mit verben von ähnlicher bedeutung: jr solt nicht stelen, noch liegen, noch felschlich handeln einer mit dem andern
3 Mos. 19, 11; darumb jederman so tollgirig zabelt und grabelt, ... kriegt und betrgt, wlt und stilt
Garg. s. 20
neudr.; ich hatte ... noch bey 2500 reichsthaler baar gelt so ich beydes mit schachern und stelen zusammen gebracht Grimmelshausen 4, 660, 9
Keller (
vogeln. 2, 21); wo man ... nicht mehr zu arbeiten lust hat hingegen an gelde mangel leidet; so leget man sich auf stehlen und betrügen Wolff
von d. menschen thun u. lassen s. 348; des stehlens und des unterschleifs (
war) kein ende Göthe 20, 58 (
Wilh. Meister 7, 6); das mancher stAelen ouch versuocht, liegen, triegen, schelmengwAerb H. R. Manuel
weinsp. 2179.
vgl. dazu auch: borgen ist viel besser nicht als betteln: sowie leihen, auf wucher leihen, nicht viel besser ist, als stehlen Lessing 2, 258 (
Nathan 2, 9); haben und nichts geben, ist in manchen fällen schlechter als stehlen Ebner-Eschenbach 1, 9. —
mit andern verbrechen: der diep kann nit: newer das er stel und erschlúge und verlúr
erste deutsche bibel 1, 378, 10 (
Joh. 10, 10,
vgl. unter 1,
b); gotteslestern, liegen, morden, stelen, und ehebrechen, hat uber hand genomen
Hosea [] 4, 2; wer aus gewinnsucht raubt, stiehlt, mordet, fälscht, ... der ist als held eines ernsten dramas völlig unbrauchbar Freytag
techn. des dramas 59; mort, not zogen oder stelen mag sich nicht vor im verhelen Heinr. v. Neustadt
Apollon. 4527
Singer; und hont gestolen und gebrandt, geroupt, gemordet mit der hant ... Murner
badenf. 11, 29 (
s. 12
b Martin); stehlen, morden, huren, balgen heiszt bey uns nur die zeit zerstreun Schiller 2, 153 (
räuber 4, 5).
neben andern erwerbsweisen: es gibt nur vier arten, sein geld auf eine menschliche weise zu verdienen, es finden, in der lotterie gewinnen, erben oder in gottes namen stehlen Büchner 116
Franzos. bes. mit betteln
verbunden oder ihm entgegengesetzt: kanstu nit so vil stelens, das du betlen gehest? Frey
gartenges. 17, 32
Bolte (
cap. 9); ich ... bin ein bedienter, der — wenn das schlimmste zum schlimmen kömmt, — für seinen herrn betteln und stehlen kann Lessing 1, 521 (
Minna v. Barnh. 1, 8); er (
der '
erzpoet') könne nicht den acker bauen, schäme sich zu betteln und wolle nicht stehlen Scherer
gesch. der d. litt. 76,
s. auch Müllner
schuld 3, 3
unter i. ihr arbeitet und sie thun nichts, ergo ihr habt's erworben und sie haben's gestohlen Büchner 12
Franzos (
Danton's tod 1);
Schnaps. ... dasz ich diese kleider ... von einem armen teufel geerbt habe.
edelmann. geerbt? er pflegt sonst zu stehlen Göthe 14, 304 (
bürgergen. 14).
els. ër het s nit gstole, er het s g(e)erbt '
sagt man von kindern, die dieselben schlechten eigenschaften besitzen wie die eltern' Martin-Lienhart 2, 591
b. II@2@mm)
zahlreich sind sprichwörter und sprichwörtliche redensarten. II@2@m@aα) wer einmal stilt, der musz sein lebenlang ein dieb seyn Petri
Fff. 3
b,
oder ist allezeit ein dieb Dentzler 274
a, heiszt allzeit dieb Eiselein 117, ist immer ein dieb Simrock 9847,
s. auch Henisch 695, 35. 846, 3, Wille
sittenl. 113, Wander 4, 800, 83
f. und Reinicke fuchs s. 99
unter I, 4, c,
α;
bes. im nd. s. Dähnert 460
b; ten Doornkaat-Koolman 3, 308
b; Bauer-Collitz 99
a; Firmenich 3, 122, 14. stiehl einmal und blieb dein lebtag ein dieb Simrock 9848.
hängt wol zusammen mit dem glauben an den angeborenen unüberwindlichen hang: so wenig läst der hund sein bellen, so wenig läst der dieb sein stehlen. Lehmann 4, 72, 8. (
erweitert bei Wille
sittenl. 32.)
vgl.: es ist ein grosser und fürnehmer herr gewesen, welchem gleichsam dasz stelen angeboren gewesen, wann er einen köstlichen edelgestein, oder sonsten was kostbarlich gesehen, seine hände kaum habe davon enthalten können 4, 73, 15. —
so weiter: welcher am kleinen anfahet stehlen, der treibt's am grösseren Dentzler 274
a,
s. auch Kirchhofer
schweizer sprichw. s. 145 (der treibt ['s] ins grosze Simrock 9852 a); man kann bey einer glufe stehlen lernen
s. 144. II@2@m@bβ)
andrerseits kommt's auf die gelegenheit an; so schon mhd.: diu state lêrt den diep steln, swenne er vindet daʒ guot unbewart und unbehuot
heidin IV, 114;
occasio facit furem. stat und stund machen den dieb stelen (
folgt auf die unter I, 3,
b angezogene redeweise). S. Franck
sprüchw. 2, 85
b,
vgl. Lehmann 3, 320, 107. gelegenheit macht stehlen Rachel
sat. ged. s. 113
neudr. (8, 197). (
gewöhnlich: gelegenheit macht diebe,
s. gelegenheit 4,
f, th. 4, 1, 2948
f.) II@2@m@gγ) (
fur cognoscit furem ...) es ist bOesz stelen wo der wirt ein dieb ist S. Franck 1, 87
b und 2, 63
a. Petri Aa 4
a. Henisch 694, 41. Lehmann 4, 76, 50. Stieler 2164 (
hospes ubi fur est, durum est subducere quidquam)
; vgl. auch Steinbach 2, 718; wo der wirth ein dieb ist, ist nicht gut stehlen ('
schlaue leute sind schwer [] zu hintergehen') Schellhorn
sprichw. (1797)
s. 141; es ist schwer stehlen ... Simrock 9846.
danach: weil sie augenscheinlich spren, dasz jnen daselbs, da der wirt ein dieb ist, nicht wird zu stelen seyn
Garg. s. 4
neudr. vgl. auch Vridanc 47, 5. — es ist bösz stehlen wo nichts ist Dentzler 274
a. Kirchhofer
schweizer. sprichw. s. 145. II@2@m@dδ) stehlen
gern mit lügen in verbindung gebracht: wer gern leugt, der stilt gern S. Franck 1, 75
b,
genau so bei Moscherosch,
s. unter I, 4, a,
β,
aa; wer lügt, der stiehlt
teutsche sprichw. (1790)
s. 119, 280;
els. Martin-Lienhart 2, 591
b,
lothr. Follmann 495
a.
erweitert: wer gern stiehlt, der leugt auch gern; wer gern leugt, der stiehlt auch gern Zinkgref 4, 352
bei Wander 4, 801, 47; wer lügt, der stiehlt, wer stiehlt, der lügt, das ist ein sprüchwort, das nicht trügt Kirchhofer
schweiz. sprichw. 162,
ebenso Frischbier
preusz. sprichw. 1, 252, 3607.
anders ausgedrückt: stelen und liegen ist gern bey einander: dann die lügen ist die erste staffel zum galgen Lehmann 3, 320,
nur der erste satz bei Wille
sittenl. 113
und Simrock 9855. (
auch: ein junger lügner, ein alter dieb Schellhorn
sprichw. s. 111.) — stilt eine, so thut sie auch wider ehr Petri
Tt 2
a. II@2@m@eε)
mit dem stehlen
gilt gleich beihilfe zum diebstahl: stelen und sakaufheben ist eins wie das andere Eiselein 577. Simrock 9840; wer die leiter hält ist eben so gut, als welcher stiehlt Hippel
über d. ehe (1774) 36.
bes. aber das hehlen,
vgl. das. 2,
a und hehler,
th. 4, 2, 787,
sowie unter stehler; stelen und dazu schweigen still, gilt beides gleich viel Petri
Tt 1
b.
so schon mhd.: wan der dâ verhilt der ist ein dieb als wol als jener der dâ stilt Berthold v. Regensburg 1, 217, 17; swâ ein diep den andern hilt, dane weiʒ ich weder mê stilt. Vridanc 46, 24,
vgl. 25
f. sogar: noch schuldiger ist jener der dâ hilt, denn jener der mit sorgen stilt Hugo v. Trimberg
renner 3968.
zur begründung: es ist ein gemein sprichwort, wenn der dieb nicht wüszt mit dem diebstal wohin, so blib offt stelen vermitten Seb. Franck
chron. (1531) 218
a,
s. auch Kirchhofer
schweizer. sprüchw. s. 144.
vgl. J. Grimm
rechtsalterth. 636. II@2@m@zζ)
mit bezug auf die alte strafe des diebstahls: stelen ist beym hengen verboten Petri
Tt 1 b; stelen sagt man im gemeinen sprichwort, ist bey hencken verbotten Sandrub
hist. u. poet. kurtzweil s. 24
neudr.; wer zum stelen ist gebohren, der ist auch zum hencken erkoren Lehmann 4, 73, 16,
vgl. Wille
sittenl. 114, ist zum hängen auserkoren Simrock 9845; bistu geborn zum stehlen, so bistu geboren zum hengen Schottel 1118
b; wer sich stelens tröstet, der tröste sich auch desz galgen Petri Kkk 1
a,
ebenso Henisch 1338, 12;
vgl. Schottel 1130
a, Simrock 9844, Schellhorn
sprichw. s. 144. mit gestohlen, mit gehängt Wander 4, 798, 38.
vgl. auch: leser. wann ist dann gut stelen?
doctor. drey tag darvor als gut hencken ist. .... das stelen geht wol offt stricklich, oder sag ich glücklich, das hencken aber noch glücklicher Guarinonius
grewel der verwüstung 1006.
westfäl. wai besoapen stelt, mot nöchtern hangen Firmenich 1, 363, 34. wer kühnlich stilt, der denckt an kein hengen Petri Eee 8
a. wer stehlen will und nicht hangen, geh nach Bremen und lasze sich fangen. Simrock 1285,
oder: der lasz sich zu Schaffhausen fangen 8832.
beim diebstahl hört die bruderliebe auf, daher: stilt mein bruder, so hengt ein dieb Henisch 695, 10
oder so hängt der dieb Gottsched 555
c;
jetzt mit geänderter konstruktion: hängt den dieb! Frischbier
preusz. sprichw s. 1, 252, 3606,
auch nd. s. Firmenich 3, 122, 15.
[] Woeste 254
a. —
allgemeineres: stelen ist ein gut handwerck, aber es lohnt ubel Petri L 1
b (
auch Wille
sittenl. 114); wer stilt und raubt, der fuhrt die braut, was gewint er aber für ein end? Kkk 3
b. Henisch 487, 62; um das stelen ist es ein besonder ding: es kostet oft mer, als es einbringt Eiselein 220. II@2@m@hη) beszer stelen, dann anzeigen
oder zeugen Eiselein 577 (
aus Lehmann
und Eisenhart). Simrock 9841
f., letzteres wol entstellung aus es ist besser stehlen als zeihen 12011,
von Wander 4, 797, 17
aus dem alten rechtsgrundsatz erklärt, das den kläger selbst die strafe des verbrechens traf, wenn ihm der beweis nicht gelang. anderes: wer stilt, der sorgt, man erfars.
fastn. sp. 526, 9. II@2@nn)
auf dem absoluten gebrauche beruht auch die fügung mit dem (
doppelten)
acc. des affekts: dem kranken landvogt Greif, der sich zum Crösus stahl, begann der tod schon zung und hand zu lähmen. Pfeffel
poet. vers. 9, 62.
so freier gebraucht: wer meinen ruhm berupft, stiehlt zwar sich selbst nicht reich; mich aber stiehlt er arm Hagedorn
poet. werke 1, 79. II@33)
am häufigsten ist im nhd. die transitive fügung mit dem sachobject im acc. II@3@aa) gelt stelen,
avertere ab aliquo pecuniam Stieler 2164;
bestimmtere angaben: was stilstu? thaler, thaler
unter allerlei spielen aufgeführt Garg. s. 262
b neudr.; diser war ein haupt-dieb, denn zehen tausend pfundt zu stehlen ist eine ehrliche zahl in einer unehrlichen sach Abraham a St. Clara
Judas (1686) 1, 324. gold, silber: wie solten wir denn aus deines herrn hause gestolen haben silber oder gold?
1 Mose 44, 8; gut: swer ein kleine diube tuot, der stæle ouch lîhte ein grœʒer guot Vridanc 47, 23; du solt nicht stelen frembdes gut G. Werner
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 32
a; du sollt nicht stelen gellt noch gut Luther
geistl. lieder s. 37
Klippgen (11, 8); rechte reichtumb kann kein dieb stelen, kein schab verzeren, noch kein rost fressen S. Franck
sprüchw. 1, 117
b. —
mit dativ der person: einem geld stehlen,
alicui pecuniam furari Steinbach 2, 718; (
freier:) das glück .. ist ... eine spitzbübinn: es stiehlt dort dem verdienten manne geld und gut, um es dem unverdienten zuzuwenden Hippel
kreuz- u. querz. 1, 66; so sollst du eine million zur belohnung haben, ich will sie einem könige mit gefahr meines lebens stehlen Schiller 2, 172 (
räuber 4, 5). II@3@bb)
sonst mit den mannigfachsten objecten: er stiehlteinen silbernen becher,
poculum aureum subripit Steinbach 2, 718; nüʒʒe nieman stelen mac, ern habe ze ieglîcher einen sac Vridanc 47, 16; ein diep stal das (
pferde-) geschirr als sant
fastn. sp. 565, 34; wann dann ainer dem andern ain sattel, ain stiegleder oder sölich ander ding stal Ulrich v. Richental
Const. conc. 112; Ambrogiolo ... sich mit den kleineten die er der erbern frawen gestolen hette wider gen Parisi füget Arigo
decam. s. 146, 17
Keller; wenn sie von der uhr reden, so haben sie gewisz die tobacksdose zu stehlen im sinne Lessing 1, 309 (
d. juden 2); indem hatt' ich das unglük, dasz mir mein einziges kleid ... gestohlen wurde Schubart
leben u ges. 2, 4; die meisten seiner compositionen wurden ihm gestohlen
ästhetik der tonk. 141;
Fiesko ... wo ist mein orden?
mohr. herr ich hab ihn gestohlen und versezt Schiller 3, 51 (
Fiesko 2, 4); zudem war der jude, der das loos ge stohlen, auf ein jahr zum karren verurtheilt Hegner
ges. schr. 5, 8; den scherben sie jr heimlich stalen H. Sachs 1, 162
d;
[] wie, wenn wir heindt zu nacht all zween hlffen einander zu den sachen und stelen jm sein schweinen bachen?
fastn. sp. 41, 38; die Thorheit fand einmal das Glücke schlummernd liegen, und stahl ihr ... so füllhorn, als gewand Cronegk
schr. 2, 143; und die armen schuhe sind gestohlen. Herder 25, 458 (
volksl. 2, 2, 30); holz, korn, früchte stehlen: sve nachtes gehouwen gras oder gehouwen holt stelet, dat sal man richten mit der weden
Sachsensp. 2, 28, 3; könnt' ich nur holz stehlen oder 'nen wald anzünden! Grabbe 1, 280
Grisebach (
scherz, satire 1, 2). auch ihre klugheit werde ich rühmen: dasz Sie Ihren kühen selbst das heu stehlen Petrasch
sämtl. lustsp. 1, 37 (
tiefsinn 2, 3); sve nachtes korn stelt, de schult des galgen
Sachsensp. 2, 39, 1; leise vermut' ich, wer mir jüngst vom speicher den malter rocken gestohlen Voss
ged. 2, 29 (
id. 3, 55); wer ... die früchte bei nächtlicher weile stiehlt, der versündigt sich gegen die götter Jhering
geist des röm. rechts 1, 268; im garten stehlen sie mir den salat Mörike 1, 246. — speise, nahrung stehlen: gleichwol wurde ich von dieser begebenheit so gotts-dächtig, dasz ich dem wirth denselben abend weder zu essen oder zu trincken stahl Grimmelshausen 3, 429, 32
Keller (
vogeln. 1, 13); ich ... sag, das jr das fleisch jetzt habt gestolen mir. B. Waldis
Esop 1, 46, 14.
so auch: kleines völkchen, wichtelmännchen, stehlen unser brot und speck Heine 1, 155
Elster (
berg-id. 3).
diebstahl dieser art gilt für das volksempfinden als leichteres vergehen: er acht, dasz nit wer gstolen fast, wann man nit stel golt und damast, dann (die?) ein solches nemmen hin stelen, dasz jn zum pracht nur dien. aber im hunger stelen brot, das dient frwar zur leibes not. Fischart 2, 51
Hauffen (
Eulensp. 647—52).
anders natürlich in fällen wie: die kirchen dieb (also nenne ich sie, dan sie stelen under gotz dienstlichem schyn den armen unnd predigern yre narung) Eberlin v. Günzburg 1, 179
Enders; unser vater der papst ... unser täglich brod stielst uns armen leuten Opel-Cohn
s. 32 ('
das päpstische vater unser'
v. 1620). —
wieder anders (
vgl. 2,
n): wenn der dieb gleich alles thut, was der ehrliche arbeiter, und im schweisze seines angesichtes sein brod stiehlt (
sich durch stehlen seine nahrung verschafft) Riehl
deutsche arbeit s. 6. II@3@cc)
als besonders schwer galt das stehlen
geweihter gegenstände aus kirchen und heiligthümern: sacrilegi die heiligu dink stelent Diefenbach
nov. gloss. 323
b; zuo latin stet sacrilegus dz ist einer der heilge ding stilet
Terent. deutsch (1499) 49
a (
glosse zu: den groszten schalck); Pleminius (
hätte) der Locrenser heiligthümer stehlen ... lassen Lohenstein
Armin. 1, 25
a.
so: und Rahel stal jres vaters gOetzen
1. Mos. 31, 19; warumb hastu mir meine gOetter gestolen? 30; Rachel sin tohterstal ime siniu abgoter.
Wiener genes. 45, 29 (
neben: umbe waz er ime ave verstale sine hûsgote? 43
f., wo die Millstätter hschr. 61, 21
Diemer das einfache stæle
hat). —
typische beschuldigung im späteren mittelalter: desselben jars (1337) ward in der statt Deckendorff ... das hochwrdig sacrament ... von etlichen juden, die es gestolen, ... vilfaltiglich gestochen Tschudi
chron. Helvet. 1, 346
a. II@3@dd) thiere stehlen,
besonders: viehe stelen,
pecora abigere Stieler 2164,
von besonderer bedeutung im alterthum, vgl. J. Grimm
rechtsalterth. 636 (
42, 195
f.). wenn jemand einen ochsen oder schaf stilet, und schlachts
[] oder verkeuffts
2. Mos. 22, 1; es sols mir keiner bald vorthun mit hner und gAensz stelen
Garg. s. 362
neudr.; einer stilt ein ross, sitzt darauff und schawt gen himmel, ob er werde gehenckt werden Guarinonius
grewel der verwüstung 35; das weib, das vor 9 jahren die kuh stahl Kotzebue
d. deutschen kleinst. 1, 13; dasz myn heer van Streef dich, du einziges exemplar (
des '
bockaffen'), mir abläszt, ist nicht zu denken; ... folglich musz ich dich stehlen lassen Immermann 2, 103
Hempel (
Münchh. 3, 9); die schäfer stehlen ihren herren die schafe, die der wolf zerrissen haben musz Riehl
deutsche arb. 127; mainstu, ich solt dir dein han stelen? H. Sachs
fastn. sp. 21, 25; doch kommt der schelmfranzos zurück, der uns die besten hühner stahl Hölty 39
Halm. von thieren, die niemandes eigenthum sind: gütiger warst du, als mein bruder zwey vOegelchen aus dem neste stahl Sal. Gessner (1778) 2, 7. —
sprichwörtlich: der ein kalb stilt, stilt ein kuow.
taurum tollit, qui vitulum tulerit Egenolf
sprichw. (1570) 89
b,
dafür im reg.: stilt einer ein kalb, so stilt er auch ein kuo,
ähnlich Schellhorn
sprichw. s. 144.
umgekehrt: wann sie allda (
die soldaten bei den bauern) ein kuhe stehlen, so nemmen sie das kalb für eine zugab Abraham a St. Clara
reimb dich (1693) 239.
ferner: es stiehlt mancher einen ochsen und gibt die kaldaunen den armen Wander 4, 718, 25 (
vgl. unten l). II@3@ee) stehlen
mit thieren als subject besonders, doch keineswegs ausschlieszlich, in der fabel oder mit dichterischer vermenschlichung (
vgl. 1,
h): was (
von deiner herde) die thier zurissen, bracht ich dir nicht, ich must es bezalen, ... es were mir des tages oder des nachts gestolen
1. Mose 31, 39; nun die hund schlaffen, hat der wolff gut schaaf stehlen Harsdörffer
frauenz. gesprechsp. 2, 288; als der wolf gestern dein lamm stahl maler Müller 1, 71; ich habe jetzt einen kleinen Fix; race: wachtelhund, ... stiehlt nachts meine pantoffeln und trägt sie in seinen heukorb, um den kopf darauf zu legen A. v. Droste-Hülshoff
an L. Schücking s. 272; der pudel stiehlt sich ... eine groschenwurst Hebbel 8, 252, 28; stiehlt mir der hochbeinige Ägypter (
storch) schon wieder meine kurzen erbsenstangen! Storm 1, 26; sie (
die hühner) hacken die körner eilig auf, und beissen voll neid auf sperling' und tauben, welche sich unter sie mischen, und ihre nahrung sich stehlen Zachariae
poet. schr. 4, 28; der fuchs bellt nicht, wenn er das lamm will stehlen
Shakesp. 2, 211 (
Heinr. VI, 2.
th., 3, 1); biene musz mir essen holen, frage nicht, wo sie's gestohlen Rückert 3, 31.
sprichw.: Christoph, was ist's mit dir? du bist seit einiger zeit wie ausgewechselt, hängst den kopf, gehst herum, als wenn dir die hühner 's brot gestohlen hätten Bäuerle
kom. theater 1, 2, 6 (
Leopoldstag 1, 3). II@3@ff) menschen stehlen
im eigentlichen sinne, solange menschen noch eigenthum, sklaven, sein konnten: menschen stelen,
plagium committere Stieler 2164; wer einen menschen stilet und verkeufft, ... der sol des tods sterben
2. Mose 21, 16 (
danach Alberus
dict. 6
b),
dafür: wenn jemand funden wird, der aus seinen brdern eine seele stilet ..., und versetzt oder verkeufft sie, solcher dieb sol sterben
5. Mose 24, 7; ich bin aus dem lande der Ebreer heimlich gestolen
1. Mose 40, 15; die Elminischen neger ... stehlen gleichfalls Assianten, und zwar unter dem vorwand, es kämen seeteufel ans land so die menschen wegschleppten Herder 15, 143; sie ist geraubt! gestohlen von korsaren! Schiller 14, 73 (
braut v. Mess. 2, 6,
v. 1575).
eine leise abweichung von den bisherigen verwendungen liegt insofern vor, als in der regel die menschen erst [] durch den diebstahl oder raub eigenthum werden. am häufigsten werden kinder gestohlen, nicht immer zum zweck des sklavenhandels: dasz ... er dieser ist, welchen der riesz, als er zwey oder dritthalb jar alt gewest, gestolen
Amadis 1,
s. 121
Keller; du sollst nicht eher dieses geschöpf (
Mignon) weder sehen noch berühren, bis du vor gericht rechenschaft gibst, wo du es gestohlen hast Göthe 18, 161 (
Wilh. Meister 2, 4); die reiter stehlen ja die kinder wie die raben Alexis
ruhe ist d. erste bürgerpfl. 1, 150 (11.
kap.).
in neuerer zeit bes. zigeunern nachgesagt: was ist denn das mit des pfarrers tochter von Bollenbach, die die zigeuner gestohlen und ihre weiber nachher umgebracht haben sollen maler Müller 1, 294; sie (
die '
Tarters') stehlen kleine kinder Loewenberg
aus zwei quellen (1914) 89.
vgl. Martin - Lienhart 2, 591
a. (gestohlene kinder
in anderm sinne, unrechtmäszig und heimlich, '
im heiszen diebstahl der natur'
erzeugte, vgl. 5,
e: dann es gibt gestolene kind, liffkindecken, eilwerck ...
Garg. s. 91
neudr.). —
anderes s. unter 4,
b. —
scherzhaft: so wirstu nit gstolen
randbem. zu: würst auch vor dieben sicher sein Scheidt
Grob. 3902; fürchte nichts, geliebte seele, übersicher bist du hier; fürchte nicht, dasz man uns stehle, ich verriegle schon die thür Heine 2, 23
Elster. II@3@gg)
ein besonderer fall ist auch land stehlen (
durch verrücken der grenze),
insofern hier das gestohlene object nicht fortgenommen, von der stelle bewegt werden kann; doch trifft der begriff der widerrechtlichen, heimlichen aneignung genau zu: er pflügte seinem nachbar ab, und stahl ihm vieles land Hölty 187
Halm. vgl.: im gestohlenen boden
als flurbez. in der Schweiz, s. Buck
oberd. flurnamenb. 269. II@3@hh)
allgemeine ausdrücke: was er gestohlen, sagt er, er habs gekaufft Corvinus
fons lat. 255
b; ich gestolen hab meinem nechsten das zeytlich und das geistlich
manuale curatorum (1516) 74
b; szo dein feynd dein bedarff, und du yhm nit hilffest, szo du magist, szo ists gleich szo vil, du hettest yhm das seyne gestolen Luther 6, 273, 5
Weim.; ich sehe dich für einen mann an, der mir wenigstens einige tausend thaler leihen könnte, wenn er mir so viel leihen wollte, als er mir gestohlen hat Lessing 1, 482 (
schatz 5); alles hat er mir gestohlen, und ich bin ganz arm! Immermann 5, 128
Hempel (
epig. 1, 2, 11); wenn er was stiehlt, indesz das stück gespielt wird, und schlüpfet durch, so zahl' ich für den diebstahl A. W. Schlegel
Shakesp. 3, 244 (
Hamlet 3, 2); gewinn ist segen, wenn man ihn nicht stiehlt 4, 28 (
kaufm. v. Ven. 1, 3). II@3@ii)
zuweilen steht ein partitiver ausdruck als object; so in der ältern sprache der gen.: dazu haben sie des verbanten genomen und gestolen
Jos. 7, 11.
sonst ausdrücke mit von: die raben fliehen nach den wOelffen nicht darumb, dasz sie jhnen helffen, sonder das, wann die wOelff was fellen, dasz sie auch darvon stelen wOellen Fischart
dicht. 1, 26
Kurz (
nachtrab 914); denn fürst Anchises stahl von ihrer art, und führte, heimlich vor Laomedon, die stuten vor Bürger 161
b (
Il. 6, 325 = 5, 268:
τῆς γενεῆς ἔκλεψε ἄναξ ἀνδρῶν Ἀγχίσης). II@3@kk)
zu dem directen obj. im acc. tritt das personenobject im dativ, wie in sehr vielen der angezogenen belege. dafür können auch ortsbestimmungen eintreten, etwas woher stehlen: und die pfaffen stelen das gold und silber von den gOetzen
Baruch 6, 9; als aber Lysimachus ... viel aus dem tempel gestolen hatte 2.
Macc. 4, 39; noch minder mag man zelen was von den klOesteren, styfften, pfarren, pfruonden ... ausz teütscher nation
[] gestolen und geroubt wirt Eberlin v. Günzburg 1, 8
Enders; dann es geschicht offt, das die schelmen auch ketten unnd andere ding ab den wägen stelen Schumann
nachtbüchl. 232, 8
Bolte; einen dieb, welcher einen silbern becher ausz dem gemeinen kasten gestohlen hatte Lehmann 4, 74, 32; er hatte das feuer vom himmel gestohlen und es den menschen mitgetheilt Rabener 5, 36; ich will dich nicht umsonst aus meines bruders doctorkästchen gestohlen haben, heilsames gift! Göthe 8, 197 (
Egmont 1); wer nur eine rube vom acker stiehlt, dasz ichs erfahre läszt seinen kopf hier Schiller 2, 155 (
räuber 4, 5); (
im bilde): kauff. und kann's nicht anders seyn, so stiehl. ... für mich ein lorbeerblatt vom grabe des frommen, heiligen Virgil! Gleim
briefw. 2, 296 (
an Heinse nov. 1781); ein hanswurst von könig, ein beutelschneider von gewalt und reich, der weg vom sims die reiche krone stahl, und in die tasche steckte
Shakesp. 6, 150 (
Haml. 3, 3).
übertragen: ein mann, wie du, der aus der geheimen vorrathskammer der natur den sechsten sinn zu stehlen wuszte Klinger 2, 405 (
Damokles 3). —
neben dem dat. der person: ein ander rühmte sich, wie er seinem vormunde die würste von zwey schweinen aus dem schorsteine gestohlen
polit. maulaffe (1679) 32; sie stahl ihm immer seine brillantnadel aus dem jabot, wenn er zu uns kam Storm 1, 245.
so besonders in gewissen festen, sprichwörtlichen redeweisen: dasz ein solcher nachtrucker ..... durch den nachtruck sich befleisse, seinem neben menschen, vornemlich aber dem ersten verleger das brot diebischer weis vorm maul hinweg zu stehlen Grimmelshausen 4, 504, 9
Keller (
vogeln. 2,
privil.); hei stöhl de annern mähren den hawer vör't mul weg Reuter 2, 335, 13
Seelm. (
stromtid 2, 21); die jungen ... stahlen ihren eltern die äpfel vor der nase weg Immermann 1, 76
Hempel (
Münchh. 1, 6);
sprichw. in Königsberg: er stiehlt der schlange die eier unter dem zagel fort Frischbier
sprichw. 2, 173, 2558. II@3@ll)
sprichwörter u. ähnl.: stiehl dir was, so hast du was, und (aber) lasz jedem das seine! Frischbier
sprichw. 2, 174, 2559, Wander 4, 799, 61. 65 (
in nd. sprachform s. brem. wb. 4, 1023. Firmenich 1, 70, 7. 326, 46. 3, 187, 71).
ähnlich: stiehl was du kanst, und lasz einen jeden das seinige: ein jeder musz sehen wie er fort kommt Ettner
mediz. maulaffe 640. — stil vil, gib wenig, so kompst darvon S. Franck
sprüchw. 1, 33
a,
ebenso Lehmann 2, 571, 112,
s. I, 4,
a, β,
dd. Simrock 9853; wer viel stilt, und ein wenig schenckt, der kreucht durch, wenn die gesetze gleich noch so eng gestrickt weren Petri Kkk 6
a,
ebenso Wander 4, 802, 111
aus Mathesius
post. 217
b. — hastu was gestolen, das bring mir, wirstu drumb gehengt, das hab dir Petri Rrr 7
b. — man musz nicht das leder stehlen, und die schuh um gottes willen geben. ('
das sprichwort bezieht sich auf die legende vom h. Crispin, der das leder gestohlen, um armen leuten schuhe daraus zu verfertigen.')
teutsche sprichw. (1710)
s. 121, 284; mein schwager will also, wie 's sprichwort sagt, den reichen leuten das leder stehlen, um den armen die schuh daraus machen zu lassen?
Raimunds vorgänger s. 22
Fürst (Bäuerle
d. bürger in Wien 1, 11). — man stilt auch etwa einer atzeln ein ey S. Franck 2, 166
b; man stiehlt auch wohl der elster ein ei Simrock 2038,
vgl. 2037
und Frischbier
unter k. —
absurda: furari littoris harenas. den sand am gestadt stelen. das ist, er kann nit ungestolen sein, er mszt ehe sand am meer oder jm selbs etwas stelen S. Franck 1, 4
a. —
sprichwörtlich wohl auch: wer etwas stehlen will, der musz auf sokken gehen. Rachel
sat. ged. 7, 462,
vgl. Steinbach 2, 718.
eine sehr gewöhnliche redeweise ist jetzt woher nehmen und nicht stehlen?
um auszudrücken, dasz man etwas nicht zu beschaffen weisz, z. b.: da hat es gute weile, bis der ein heer sammelt! wo das geld hernehmen, und nicht stehlen? Hauff 1, 223
Bobertag (
Lichtenst. II, 11).
s. ferner n. [] II@3@mm)
häufig im part. perf.: gestolen,
furtivus Dasypod. 434
d; kleine flicklappen, die von selbst vom tisch herab fallen, sind nicht gestohlen Grimm
märchen s. 140 (
nr. 35); geschenkt und wieder genommen, ist gestohlen Kirchhofer
schweizer. sprichw. s. 144; wenn er auf den einfall kommt, von einem bauer eine fuhre holz zu kaufen, die vielleicht doch nur gestohlen ist Freytag
verlor. handschr. 1, 21.
bes. attributiv: furtum dieberey, ... gestolen gud Diefenbach
gloss. 253
c (
voc. sax.-lat. v. 1425); gestolen guht,
res - furtivae Stieler 2164; da sie (
d. ziege) jr man Tobias hOeret blecken, sprach er, sehet zu das nicht gestolen sey, ... denn uns gebrt nicht zu essen vom gestolen gut
Tob. 2, 21; es war aber keiner da, der ihn (
den kittel) wolt kauffen. dann welcher wuszt, das er gestolen ware, der dacht: 'es ist kein glück in gestolnem guot'. Schumann
nachtbüchl. s. 231, 32
Bolte (
nr. 33); da sich einer uber sein stand ... auff. ... ubelgewonnen und gestolens gelt schmücket Mathesius
Sar. 49
b; welch man ... gerobittir adir gestolner habe wissintlichen eyn phnt gewichte ... kofte
Freiberger stadtr. zus. 3, § 4; wie wir unterwegs nüsse heruntergeschlagen, feuer gemacht und gestohlene kartoffeln gebraten G. Keller 1, 85; se houwen en ... und gans toreten van em dat gestolen want Gerhard v. Minden 120, 17
Leitzmann; wuocher, roub, gestolen guot oder von falschem spil
N. Manuel
s. 113
Bächtold (
ablaszkr. 32).
so sprichw.: gestolen wasser sind ssz S. Franck
sprüchw. 2, 36
a; gestolen wasser ist wein 179
a (gestohlen wasser ist malvasier Lüpke
seemannsspr. 130, 128). gestolen brot schmeckt wol
ebenda (
darüber: '
furtivus victus semper dulcedine praestat'),
oder schmeckt süsz Wille
sittenl. 113; nichts schmeckt so schön, als das gestohlne brodt Hagedorn 2, 273 (
Adelh. u. Henr. 1),
ebenso (
nur so süsz) Ramler
fabell. 1, 87;
ferner: weil die gestolen biszlein auch wol schmecken
schausp. der engl. komöd. 200, 32
Creizenach (
tragikom. 1, 3); gestohlen (verbotene) frucht schmeckt süsz Kirchhofer
schweizer. sprichw. (1824)
s. 144; gestohlne butter-milch schmeckt noch einmahl so frisch Günther 973.
so denn auch: dann kam Wussow, dem um diese zeit eine tasse tee bei uns immer 'wie gestohlen' schmeckt Storm
briefe in d. heimat s. 129. — gestolen katzen mausen gern S. Franck 2, 179
a.
vgl.: gestohlene, gebettelte und gefundene sachen haben darum im volksglauben besondere kraft, die rechtlich erarbeiteten nicht einwohnt. gestohlene katzen mausen am besten. gestohlene ... dinge wirken heilkräftig in den kuren durch sympathie, ... selbst ein diebsfinger, vom galgen gestohlen, wirkt noch wunder aller art Riehl
d. deutsche arbeit s. 157.
andrerseits doch auch: bey gestohlenen dingen, will nichts gelingen Abraham a S. Clara
Judas (1686) 1, 324
f., vgl. oben Schumann. —
substantivisch: ein hausvater versicherte ihr geradezu, bei ihm sei nichts gestohlenes zu finden Polenz
der Grabenhäger 1, 98.
s. auch Zimm. chron. 1, 409, 22
unter I, 4,
b, δ. II@3@nn)
eine häufige redeweise, um auszudrücken, dasz jemand einem gleichgültig ist, dasz man auf ihn keinen werth legt, ist: der kann mir gestohlen werden
oder bleiben,
in vollständigerer ausdrucksweise: na, du könntest mir auch gestohlen werden — ich holte dich nicht wieder! L. Starkloff
Sirene 98
Liesegang; nur der graf ist so bocksteif gewesen, dasz ich mir gedacht habe: du kannst mir gestohlen werden, ich lass' dich nicht austrommeln Ebner-Eschenbach 4, 383;
seltener activisch ausgedrückt: wer sie (
die schuster) gar ihres oft wunderbaren äuszeren wegen ... verachtet, den möge man mir stehlen; ich werde keine belohnung um seine wiedererlangung aussetzen Raabe
hungerpastor 1, 16 (1.
kap.).
gewöhnlich nur er kann mir gestohlen werden Frischbier
preusz. sprichw. 1, 252, 3608; wenn die übrige familie dem herrn sohn nur einigermaszen glich, dann konnten sie ihm erst recht gestohlen bleiben Polenz
[] d. Grabenhäger 1, 151;
auch specieller, nicht sowohl, um verachtung für den menschen selbst als für etwas, das er sagt oder thut, auszudrücken: die herren könnten ihm gestohlen werden, er habe ihnen mehr verstand zugetraut 2, 199;
Sepherl. nein, das (
kind) haben wir noch nicht, aber die räuber haben wir, die 's g'stohlen haben.
Tatelhuber (
schroff). mit der nachricht kannst du mir g'stohlen werden Nestroy
ges. werke 2, 204 (
d. verhängnis e. faschingsn. 3, 9).
so sehr verbreitet in hd. mundarten: in Basel de chausch-mer g'stole wärte!
es wird nichts daraus Seiler 276
b,
ähnl. els., s. Martin-Lienhart 2, 591;
lothr. Follmann 495
a;
bair. der (die, das) soll mir gestohlen werden,
ich lege keinen wert auf ihn, will nichts von ihm wissen Schmeller
2 2, 749;
tirol., s. Schöpf 705;
unterfränk. du söst mer g'stouln war
als scherzhafte verwünschung Ruckert 174;
ebenso henneberg. Spiesz 241 (
abwehr, verneinung);
luxemb. wb. 422
b;
mansf. Jecht 107
a;
obers., s. Albrecht 216
b; Müller-Fraureuth 2, 557
b.
seltener mit sächlichem subj.; so trierisch: dä schnapps och ka' m'r gestohlen genn Firmerich 1, 534
a. II@3@oo)
in ähnlicher weise bes. im frühnhd. oft ich habe es nicht gestohlen,
habe es mit mühe oder kosten erworben und lege daher werth darauf, während (
nach dieser auffassung)
gestohlene sachen, weil leicht gewonnen, auch wieder leicht verschleudert werden: hab ichs doch nicht gestolen! Eyering 3, 1; ich gleub du meinst ich habs gestolen
ebd. 60; daher dann dieses sprichwort kam, wann ein kauffer einem seine wahr niederschlegt und verkleinert gar: meinstu ich habs gestoln on laub (
erlaubnis) oder sey kOenigs Porsenæ raub der den Römern das vih genommen, ich habs auch nicht umbsonst bekommen Petri 315;
vgl.: ich habe mein gelt nicht gestolen,
pecunia mihi mea inemta non est. dicitur proverbial. contra nundinatores nimio pretio merces suas aestimantes Stieler 2164.
so auch: er (
d. pfarrer) maint, wir haben das gelt gestollen. darumb wir es (
d. meszgewand) nit haben kaufft, das er darin spacieren laufft
pfarrer von Kalenb. 2046.
nd. (
holst.) he meent wol dat ikt staalen heff '
krämerschimpf, wenn zu wenig für die waare geboten wird' Schütze 4, 191.
sonst in neuerer sprache gern in bezug auf die eignen glieder: ich habe meine nase u.
s. w. nicht gestohlen, '
bitte daher, sie glimpflich zu behandeln'. 'ich habe meine beine nicht gestohlen,
sagt ein packträger, um anzudeuten, dasz er den gang nicht für zu geringe bezahlung thun kann' Albrecht 216
b; ob die frau hofräthin nicht jeden tag etwas liegen läszt! als ob man seine beine gestohlen hätte! Benedix
zärtl. verwandten 35 (1, 12).
ähnlich: hast du deinen athem gestohlen, — dasz du bläsest in todte kohlen Rückert 11, 233 (1.
makame).
so denn auch: ich stehle meine zeit nicht Büchner 180
Franzos (
Wozzek). II@44)
mannigfache erweiterungen sind oft nur durch eine leise nuance von den behandelten unterschieden. II@4@aa)
fremdes eigenthum sich aneignen auf eine weniger directe weise, die vielleicht strafrechtlich nicht faszbar ist, aber von dem sittlichen gefühl als unrecht empfunden wird, durch betrug, ausnutzung der unwissenheit u. ähnl.: weil er das meiste von seinem vermögen seinen geschwistern bey der theilung gestohlen habe Lichtenberg
nachl. 61, 20; dreiszig millionen stiehlt jährlich der staat aus den beuteln der tagelöhner Börne 11, 164; da stehln se (
d. fabrikanten) uns halt a letzten bissen brot G. Hauptmann
d. weber s. 38 (
vgl. oben 3,
b zu ende); dj entlich kunst der alchamei ist stelen, liegen, triegerei Schwartzenberg
Cic. 120
c; die feder ist, wie er, zum stehlen abgericht, was kaum ein blatt bedarf, geht hier auf sieben nicht Neukirch
ged. s. 121 ('
der geizige advokat').
vgl. 2,
l. —
eine besondere nuance ergibt sich, wenn man [] sich selbst etwas stiehlt (
vgl. 2,
e),
entzieht und zugleich erspart: er (
Harpax) aber darf, aus geitz, dieselben (
arzneimittel) nicht geniessen, er schont den stärck-tranck oft, wenn er am besten labt; stiehlt sich die pulver selbst und steckt sie unters kissen, wo er mit diebscher faust das gold von pillen schabt Canitz
ged. s. 86. II@4@bb) menschen stehlen,
s. 3,
f; ganz im sinne von a: das ist ja keine offen ehrliche konskription, das ist betrug, herr richter, gestohlen ist dem land' die schöne jugend, um pfeffer und muskaten einzuhandeln Kleist 1, 437
E. Schmidt (
zerbr. krug, var. 181).
ferner frauen stehlen,
entführen: es wäre mir recht angenehm, weib und kind zu haben, aber ein weib vom vater oder von sich selbst begehren, langweilt mich, und das stehlen ist verboten Brentano 5, 323;
wenn es sich um entführung eines eheweibes handelt, kaum von eigentlichem stehlen
unterschieden: Paris wardt auch darumb erstochen, da er die schOen Helena stal H. Sachs
fastn. sp. 1, 281; der Piso, ... dem er (
Caligula) jüngst die gattin stahl Halm 3, 100
Schlosser (
fechter v. Rav. 2).
so auch: Cajus stiehlt einen grünen, Slender einen weissen jungen, und Fenton die braut
briefe über merkw. der litt. s. 148, 30
neudr. in milderem sinne. als hochzeitsspasz: die gesamte ledige mannschaft hatte nämlich nach alter sitte die hochzeiterin gestohlen. sie hielten das Bärbele in einen groszen kreis geschlossen, und Kasper, der hochzeiter, muszte es ... loskaufen Auerbach
dorfgesch. 1, 79. —
ungewöhnlich von thieren: bey den tauben ist auch die art, dasz sie einander mit sonderer zgesellung liebkosen, eine die andern verfhren, stelen, und jrer gemeinlich mehr heimkomen, denn auszgeflogen sind Heyden
Plin. 465 (10, 37, § 109). — dann als gott Jupiter verholen dem kOenig Troi hett gestolen sein sohn den Ganymodem werth Spreng
Ilias 57
a (5, 265
f.).
dichterisch auch von regelmäsziger werbung und heirat, mit dem sinne, dasz der freier wegen unwürdigkeit kein recht auf das mädchen hat: veraltete, reiche ... libertins haben zu viel kenntnisz, sättigung und freiheit, um sich andere wesen zu stehlen als die herrlichsten; die minder vollkommnen fallen blos liebhabern anheim J. Paul 22 (
Titan 2), 177. —
ähnlich milder: du aber hoch im glücke stolzierender rival, der mir durch list und tücke Neärens liebe stahl Blumauer
ged. 56. II@4@cc) dem teufel war darum zu thun, eine solche seele dem himmel zu stehlen Klinger 3, 168.
uneigentlicher von menschen: (
Läuffer zu Lise.) du hast eine seele dem himmel gestohlen (
mich vom trachten nach dem himmel abgelenkt) Lenz 1, 410
Blei (
hofm. 5, 10). —
ähnlich als umschreibung für morden: (
er, der könig) weisz nicht, dasz er ein leben hat gestohlen aus dieser welt Schiller 5, 2, 416 (
don Karlos 5, 4). II@4@dd)
auch in anderm sinne einem einen menschen stehlen
entreiszen, entziehen, nicht um ihn für sich zu haben, sondern um ihn vor dessen grimm zu schützen u. ähnl.: aber Joseba ... nam Joas den son Ahasja, und stal jn aus des kOenigs kindern die getOedtet wurden, ... und sie verborgen jn fur Athalia, das er nicht getOedtet ward 2
kön. 11, 2;
vgl. Sperling
Nicod. quaerens 1, 225; den muttermörder stahlst du uns, und bist ein gott! Droysen
Aisch.3 127 (
τὸν μητραλοίαν δ' ἐξέκλεψας Eum. 153).
doch auch, um ihn dessen liebe zu entreiszen: da kamen alle menner Israel zum kOenige, und sprachen zu jm, warumb haben dich unsere brder die menner Juda gestolen, und haben den kOenig ... uber den Jordan gefrt?
2 Sam. 19, 41; es ist bös leben, ... wenn's so
[] weit gekommen, dasz sie dem sohn den vater durch bosheit stehlen! Klinger
Otto 12, 8
neudr. (1, 3); du hast mir meinen sohn aus den armen gestolen Schiller 2, 73 (
räuber 2, 2); wenn dich weiber mir gestohlen, werden sie so lang dich fesseln ... Platen 1, 142 (
gas. 51); sie stahlen (
entfremdeten) mir mein kind! Halm 2, 26
Schlosser (
Griseldis 2, 1). II@4@ee)
der begriff des sichaneignens fällt auch fort, wenn gesagt wird, dasz die jünger den leichnam Christi stehlen,
heimlich fortschaffen: auff das nicht seine jnger komen, und stelen (
κλέψωσιν) jn, und sagen zum volck, er ist aufferstanden von den todten
Matth. 27, 64,
vgl. 28, 13; Jesus iunger stelen den lihnamen vil lîhte
evangel. Nikod. 2066,
s. Piper
geistl. dichtung 2, 199.
dagegen ist die absicht des sichaneignens in folgendem falle vorhanden, der doch nicht als eigentlicher diebstahl gelten kann: als Karlos mit der königin und mir beim spielen sasz, und mit bewundernswerther geschiklichkeit mir diesen handschuh stahl Schiller 5, 1, 117 (
dom Karlos 2, 9). II@4@ff) einem etwas stehlen,
was er gar nicht hat, aber was ihm zukäme, oder was er erhalten würde: die jre ubrig hab wenden, an unntzn dingen vorschwenden. stelen was eim armen gehort Musculus
hosen teuffel s. 4
neudr.; habt dank! ich würd' es ärmern stehlen; nehme nichts Lessing 2, 319 (
Nathan 4, 7, 546).
ähnlich, vom annehmen einer gabe, die der geber in einer plötzlichen aufwallung gibt: das fräulein. ... nun, so nimm doch —
Franciska. ich stehle es Ihnen, fräulein; Sie sind trunken 1, 535 (
Minna v. B. 2, 3). —
ungewöhnlich für '
machen, dasz einer etwas nicht erhält, worauf er anspruch hat': Opitz hat ihm das (
eiserne) kreuz gestohlen (
indem er als vorgesetzter dagegen war; dafür nachher: Opitz ... wuszt' es so zu drehen, dasz Lehnert leer ausging und das nachsehen hatte) Fontane 6, 22 (
quitt 3). II@4@gg)
zuweilen verblaszt sowohl der begriff des heimlichen wie des widerrechtlichen, so dasz stehlen
der bedeutung des bloszen nehmens nahe kommt; besonders in poetischer sprache: ach ihr bienlein, ... nur von Jesu lefftzen stehlet; dann(en) klaubet honig ausz Spee
trutznacht. (1649)
s. 101 (
s. 74
Balke; 18, 35). (
im bilde:) die unzucht ist ein feur, aus Phlegethon gestohlen Rachel
sat. ged. 7, 349; heil, heil dem weib, das seine zierde nicht fremden zonen stiehlt Pfeffel
poet. vers. 1, 5; die kleinen bienen stehlen noch duft'gen blumen ihre süszigkeit Tieck
nachgel. schr. 1, 168.
auch in gewöhnlicher rede geläufig sind ausdrücke wie: daher kommt also ... das viele unkraut, ... das der ... saat raum und nahrung stiehlt Hebel 2, 21, 29
Behaghel; er darf nicht stehen, wo er steht, der dürre faule baum, er stiehlt ja licht und luft dem jungen leben Hölderlin 2, 51
Köstlin; das himmelische liecht mit seinen klaren strahlen, die alle feuchtigkeit dem luft und erdreich stahlen Weckherlin 2, 376
Fischer. II@55)
freiere gebrauchsweisen ergeben sich besonders, wenn immaterielle dinge als objecte mit stehlen
verbunden werden. II@5@aa) stehlen
schlieszt eine doppelte beziehung ein: etwas (
auf heimliche, listige, unerlaubte weise)
sich verschaffen [] und zugleich einem andern nehmen. in diesen freieren verwendungen ist jedoch nur selten diese doppelte bezogenheit deutlich vorhanden; so in folgenden stellen, die dem eigentlichen gebrauche sehr nahe stehen: es ging eine zeit darüber (
über das haus) hin, wo bitterer schmerz über gestohlnes glück, wilde wünsche seine bewohner entzweiten Ludwig 1, 146; so musz ich auf mich selbst verzicht jetzt leisten, mir von einem betrüger meinen namen stehlen lassen? Kleist
Amphitr. 1, 2, 251; das wuszt' er, abzuringen sey ein sieg den Römern nie; gestohlen müss' er werden. gestohlen hat er ihn! siegte nicht die kraft, hier siegten list und hinterhalt Collin
Regulus s. 35 (1, 8).
nautisch: die segel stehlen einander den wind Bobrik 661
b. II@5@bb)
sehr deutlich und bestimmt wird der begriff des stehlens
empfunden in der anwendung auf litterarischen diebstahl, unerlaubte entlehnung, plagiat, auch milder für entlehnung, übernahme überhaupt: was das fur ein tugent sey, einem andern sein buoch lestern und schenden, darnach das selbige stelen, und unter eigenem namen dennoch ausz lassen gehen Luther 30, 2, 635
Weim.; das merckt man aber wol, das sie aus meinem dolmetschen und teutsch, lernen teutsch reden und schreiben, und stelen mir also meine sprache 633; wenn ja einer neben uns etwas nachschreibt, so spicken wir von ihm, stehlen, was er selbst vielleicht undeutlich hörte Lichtenberg 2, 80; 'woher mag nur das famose motiv (
eines bildes) sein?' ... »dort vorn,« erwiderte ein anderer, ... »dort hängt das motiv noch einmal, offenbar von einem neuling ...!« 'dann hat er's dem gestohlen, der spitzbube!' Keller 3, 38; das stück ist nicht einmal ganz von dir. du hast ... eine ganze scene aus der macht der finsternisz von Tolstoi gestohlen Ebner-Eschenbach 8, 121;
von sprachlicher entlehnung: ein deutscher poet bleibt also bey seiner reinen muttersprache, und behänget seine gedichte mit keinen gestohlnen lumpen der ausländer Gottsched
crit. dichtk. (1742) 233. II@5@cc)
fällt schon in den meisten der soeben aufgeführten beispiele die auffassung, dasz einem andern etwas genommen wird, fort, so noch entschiedener in ähnlichen fällen. II@5@c@aα)
von malerei, zeichnung u. ähnl.: in der idee, die Raphael ... in sich trug, und zu der er nur beiträge aus gegenständen um sich her stal Herder 15, 43; jemandes züge stehlen: oder hast du diese ... mischung von zügen irgend einem Biterolfskinde ge stohlen, als es schlief? Fouqué
altsächs. bilders. 4, 204;
so besonders vergleichsweise in der redewendung: Conti. ... hier haben wir seine tochter —
der prinz. bey gott! wie aus dem spiegel gestohlen! Lessing 2, 119 (
Emil. Gal. 1, 4);
ähnlich E. Th. A. Hoffmann 10, 138
Grisebach (
kat. Murr 1, 2);
ebenso in bezug auf litte rarische darstellung: das fluchen, die squire's und dergleichen sind im Fielding wie aus dem leben gestohlen Fr. Schlegel im
Athenäum 3, 126. stehlen
dann auch ohne weitern zusatz geradezu für abzeichnen: ich ... wollte flugs das kindliche stämmchen mit zwei parallelen linien auf mein papier stehlen G. Keller 1, 203;
mit umgekehrter beziehung, sehr ungewöhnlich: du stahlst den abdruck ihrer phantasie ('
thou hast ... stol'n the impression of her fantasy') mit flechten deines haares, buntem tand, ... entwandtest meiner tochter herz mit list A. W. Schlegel
Shakesp. 1, 179 (
sommernachtstr. 1, 1;
sinn: du hast dein bild auf unerlaubte weise ihrer phantasie eingeprägt). II@5@c@bβ)
in anderm sinne jemandes züge stehlen,
annehmen; eigentlich, in alten sagen, indem man sich in ihn verwandelt: und müssen nicht sie (
d. götter) selber noch, geliebte, Amphitryon sein, und seine züge stehlen, wenn deine seele sie empfangen soll? Kleist
Amphitr. 2 5, 1408.
[] sonst freier, vom gesichtsausdruck: nun, ihr kennet ja so eine art von blick! — es ist mir immer als hätt' er aus der Stephanus-capelle dem heil'gen ihn gestohlen (
Z. Werner)
söhne des thales 1, 92; geh zum teufel mit deiner blassen leidensmiene, die du der mutter des heilands gestohlen hast! Hebbel 2, 37, 18 (
Mar. Magd. 2, 1).
so auch von der stimme: die schwester des jünglings, die ihre stimme vom himmel gestohlen hatte, sang wechselsweise mit ihrem bruder Bode
Tristram Schandi 7, 146 (44.
kap.); 'stiehl meine stimme nicht' sagte Karl zornig (
lasz deine stimme nicht wie meine klingen) J. Paul
Titan 4, 31.
ferner: ein zartes herz läszt sich von vätern nicht befehlen, die tygern muth und sinn und ihre farben stehlen Ggttsched
deutsche schaub. 1, 54.
so weiter: der teufel prunkt im scharlachkleid des fürsten; die lüge stiehlt der wahrheit weisz gewand Raupach
dram. w. ernster g. 3, 100 (
Genov. 4, 3). II@5@dd)
der gehobenen sprache gehören wendungen wie einem etwas von den lippen, vom gesicht stehlen,
ablesen: wenn ... alles sich voll erwartung um seinen (
des prinzen) spieltisch herum drängte, suchten seine augen Biondello, um ihm die neuigkeit, die er etwa mitbrächte, von dem angesicht zu stehlen Schiller 4, 328; du solltest diese töne nicht erkennen, die du so oft, noch eh' sie laut geworden, mit blicken schon mir von der lippe stahlst? Kleist
Amphitr. 3, 11, 2220. (
in anderem sinne unter f.)
so weiter: ich will dem leben noch die letzten blicke aus seinen hübschen augen stehlen Büchner 84
Franzos (
Danton 3); wand ir ietweder stal dem andern ûʒ den ougen sînes herzen tougen Ottokar
reimchr. 85480; (
ich) kann nur ... den schweiss von seiner stirne wischen, die geheimen wünsche aus seinen augen stehlen Klinger 2, 196 (
Med. in Kor. 3); Balder erröthete ... bei dieser frage, die ihm seinen geheimsten wunsch aus dem herzen stahl Heyse
kinder der welt 1, 28; der gedanke ist mir wie aus der seele gestohlen. ich hätt' es vollkommen so gemacht J. G. Jacobi 4, 177.
so auch: behorche neubegierig die heimliche natur, und stiehl ihr ihr geheimnisz, und folg ihr auf der spur Dusch
verm. werke 247.
eine ähnliche nuance (
entreiszen, entlocken, zum vorschein bringen)
auch in folgender verbindung: so wird der ton, der oft mir thränen stahl, so süsz euch klingen ... Goekingk 2, 147; manche nannt' ich freudenthränen, die vielleicht geheimes sehnen dem getäuschten auge stahl Stolberg 1, 233. II@5@ee) küsse stehlen,
sich nehmen, streng genommen ohne vorwissen und wollen des andern theils, doch häufig in leichterem sinne (
wie das noch häufigere rauben),
zumeist in poetischer sprache: Hölty 226,
s. unter I, 4,
a, α; indem er küsse gab, und küsse stahl, ... v. König
ged. 54; denn da ichs einst gewagt, und dir auch ungefragt mit groszer list einmal ein halbes mäulchen stahl Gottsched
ged. 287; sonst, ein leicht gestohlnes mäulchen, o wie hat es mich entzückt! Göthe 1, 45: küsse, die man stiehlt im dunkeln und im dunkeln wiedergibt ... Heine 1, 215
Elster (
neuer frühl. 28).
in weiterer übertragung: wonniglich ist der kusz, den der zephyr der rose stiehlt Hippel
lebensl. 3, 2, 91; der west, der ihr so oft, von lieb' erhitzt, manch süszes küszchen stahl Hölty 47
Halm. [] so dann weiter: dasz er nichts hielt auff die heimdckische, gestolene, nachtdiebische kitzelfreud, da sich einer inn dachmarter und gespenst verstellen musz
Garg. s. 91
neudr. (
auch die so erzeugten kinder werden gleich darauf gestolene kind
genannt, s. unter 3,
f).
vgl. ferner unter h. —
ähnlich, ungewöhnlicher: muszt du nicht jeden blick von seinen augen stehlen? ... du ... muszt dich glücklich halten, wenn er nur freundlich sieht Göthe 7, 5 (
laune des verl. 1).
anders unser auge stehlen: der Grieche (
Homer), der mit seiner poetischen schilderung von pracht und schönheit der Juno, mit seiner schönen allegorischen dichtung vom gürtel der Venus, unser auge stiehlt (
so schildert, dasz wir zu sehen glauben) Herder 3, 309. II@5@ff)
sonst in mannigfachen verbindungen, in dem sinne '
sich etwas (
listig und betrügerisch)
zuwenden, verschaffen',
ohne dasz es dadurch einem andern genommen wird. daher selten mit dativ; mit andrer wendung: alles, ... was von Prometheus fackel sich wärme stiehlt maler Müller 2, 35; er wird mit jenem blick, dem ausdruck alles männlich guten, ... das zärtliche wort: mein sohn! von Ihren lippen stehlen (
Ihnen abdringen, anders als unter d) Klinger 1, 76 (
d. falsche spieler 1, 1).
mit possessivpronomen jemandes vertrauen stehlen,
erschleichen u. ähnl.: o! eben dies verdoppelt das vergehn des mannes, der ... durch den anschein sich verdient gemacht zu haben erst dein vertrauen stiehlt ... Wieland 10, 337 (
schach Lolo); wirst du dein herz nur dem gewähren, der deine achtung nicht durch ränke stahl Goekingk 3, 171.
mit concretem object, ergreifen: ich nahm, oder vielmehr ich stahl ihre hände, und bedekte sie mit küssen und thränen Pfeffel
pros. vers. 9, 75. II@5@gg)
so häufig, ohne dasz überhaupt die beziehung auf jemand, dem etwas gestohlen
wird, gedacht wird; etwas mit list oder zu unrecht gewinnen, meist mit emphase: und wie viel hundert meynestu sind eynwoner zu Wienn, die das wort gottis nur heymlich stelen müssen? Luther 15, 130, 30; seine absicht war, den krieg nicht mit offenbarer gewalt sondern mit list zu führen, und wo möglich den sieg nur zu stehlen Schiller 9, 198; da (
in meiner jugend) glaubt' ich, mein leben zu stehlen, wenn ich's mir nicht täglich neu erkämpfte Hebbel 1, 56, 28 (
Judith 5); wer heimlich guttes wirckt, sein geld ausztheilt verholen, der hat dasz himmelreich gar meisterlich gestohlen Scheffler
cherub. wandersm. s. 121
neudr. (5, 105;
überschr.: den himmel kan man stehlen); kommt die ihr unverschAemt der knstler namen stehlet (
euch ohne recht anmaszet) Pietsch
schr. 288; doch in Venedig gibt's für unser einen verbot nur und befehle und kein recht; wir müssen's stehlen, wenn wir's haben wollen, erschleichen müssen wir's .... Halm 3, 49
Schlosser (
verbot u. befehl 3, 10).
auch in folgenden ganz ähnlichen stellen wird eine solche beziehung. obwohl denkbar, doch kaum empfunden: Karl Busch ... könnten Sie Ihr wort brechen, vater?
Busch. ihr habt's durch betrug erschlichen, habt's gestohlen Bretzner
d. räuschgen 4, 3; ist glaube nicht der götter freie gabe, die ihr nicht stehlen, nur erbeten könnt?
Z. Werner
M. Luther 1, 3, 791.
s. auch Collin
unter a. (
mit dativ, doch nicht der beraubten person, s. Luther
unter I, 4,
a, β,
bb.) II@5@hh)
dann auch auf thätigkeitsbegriffe angewandt, heimlich, '
verstohlen'
etwas thun: eine rohe zahlreiche menge, ... genöthigt ihre andacht zu stehlen, ein allgemein geheiligtes menschenrecht, gleich einem werke der finsternisz zu verheimlichen Schiller 7, 228;
[] Andromache die darff den Hector frey beklagen, die alte Hecuba den Priamus: nur ich führ' unvermerckt das leid umb Paris gantz fr mich, musz stehlen meine klag Opitz 1, 240 (
Trojan. 1101 =
Seneca 908
f.: '
solus occulte Paris lugendus Helenae est').
absolut: deshalben muste der musicant Terpnus des abends ... in meine kammer kommen, alwo Nero die music von ihm erlernte: das dann ganz heimlich bliebe ... endlich aber hatte er deren (
meiner verschwiegenh.) ... nicht mehr von nOehten, weil ihm allgemach das stellen verginge, und er nun Oeffentlich die schauplAetze mit seinem gesang erfllte Anton Ulr. v. Braunschw.
Octavia 3, 247.
so schon mhd.: drî lôse blicke soltu steln: zwâr mit dem êrsten soltu spehen ... Frauenlob 259, 4.
bes. gern in erotischer hinsicht, vgl. oben e; absolut, von unerlaubten zärtlichkeiten: wenn wir etwann rosen brechen, und in busen stehlen gehn Günther 241.
ähnl. mhd. minne steln: wan kunde ouch ich nu minne steln!
Parz. 8, 24,
ebenso 643, 1;
ohne object: Walther v.
d. Vogelw. 111, 35,
wo man allerdings das obj. küssen
aus dem folgenden ergänzen kann;
von heimlicher minne überhaupt: swâ zwên gevangen diebe ze einander tragent liebe, die mügen mit einander steln, wollens eʒ mit einander heln
heidin IV, 1331.
auch sonst mhd. in dem sinne '
etwas heimlich halten',
gleichbedeutend mit dem stehenden reimwort heln: diu half in âne untriuwe steln, ir vrouwen kumber heln Hartmann v. Aue
Greg. 665;
s. ferner Ulrich v. Liechtenstein 224, 18
und Heinr. v. Freiberg
Tristan 3910. II@5@ii)
in andern fällen dagegen meint stehlen:
einem etwas fortnehmen, machen, dasz er es nicht mehr hat, ohne dasz der stehlende
es dadurch bekommt. II@5@i@aα)
so gewöhnlich einem etwas stehlen: ich musste als ein fremder mein väterlich haus leuten überlassen, die jede gelegenheit nutzten, mir Ihre liebe und sorge zu stehlen Klinger 1, 163 (
falsche spieler 4, 6); du hast mir den glauben gestohlen, der mir frieden gab Schiller 4, 35; ihr habt mir meine kraft gestohlen G. Hirschfeld
d. mütter s. 19: ihr wolt meinen kummer mir stehlen Heine 1, 31
Elster (
lieder 3);
so auch: der gottes mutter ehr und jungfrauschafft abspricht, ihm seine gottheit stielt Lohenstein
himmel-schlüssel s. 24, 499; ein braver bursch ... bleibst du deswegen doch (
wenn du auch durchs examen gefallen bist), das können dir die examinatoren nicht stehlen Spitteler
Gustav 22.
mit sächlichem subject: seine schnöde lust stiehlt einem rechtschaffenen mann den süssen trost, den er gewohnt war, in den armen einer zärtlichen gattin zu finden Wieland 3, 71
Berl. (
Araspes u. Panthea 4); haimlich und stillschwigend stilt dir daz alter die bluomen diner jugend
Griseldis s. IX
Schröder; seit dreizehn jahren den schlaf rachlose schmach mir stahl Droste-Hülshoff 1, 258 (
d. graf v. Thal 1).
reflexiv gewendet: er wünscht dir alle ruhe, die du dir selber stiehlst Brentano 2, 507.
einem die gelegenheit nehmen, etwas zu machen: wie gern hätt ich dein fest verehrt, erhöhter Loosz, und dich besungen: ... nur mir verbarg den schönen tag
[] das sonst geschwätzige gerüchte, und stahl mir, wenn ichs sagen mag, ein treues lob- und wunschgedichte Gottsched
ged. 101. II@5@i@bβ)
mit unterdrücktem dativ; so schon: der teufel ... wird ir viel strtzen, die da itzt meinen, sie haben das evangelium, die heubtpredigt, er, der sathan wil diese predigt stelen Luther 16, 127, 37
Weim.; es waren schmerzen, die zu boden schlugen und die kraft stahlen, zwischen leben und tod zu wählen Beer-Hofmann
d. tod Georgs 117; würden, die den frieden stehlen, schwächen hirn und herz und muth Becker
Mildh. liederb. s. 56.
vgl. auch: der landadel ging schon unbequem frisirt in die wirthstuben herab und kränkte sich über das gestohlene schönste wetter zur birkhahn-falz (
dasz ihm das schöne wetter, wo er birkhähne hätte jagen können, durch die huldigung, wobei er zugegen sein muszte, geraubt wurde) J. Paul 22 (
Titan 2), 96. II@5@i@gγ)
mit präpositionalen bestimmungen: wer schläft da um mich her so ruhig? ich will ihm den schlaf von den augen stehlen Klinger 1, 54 (
zwillinge 3, 1).
ohne dativ: und wer war der ruchlose, dessen freche hand es gewagt, die rose aus dem kranz meines lebens zu stehlen? Hebbel 8, 7, 32; in dem papier ist ein feíndsel'ger inhalt, es stiehlt die farbe von Bassanio's wangen A. W. Schlegel
Shakesp. 4, 90 (
kaufm. v. Ven. 3, 2). II@5@i@dδ)
auch der dativ kann ein unpersönlicher ausdruck sein, einem gegenstande eine eigenschaft stehlen
u. ähnl.: also seynd die (
nachdrucker) dreyfache diebe, indem sie dem nächsten den geniesz seiner mühe und arbeit, dem käufer seinen pfennig, und dem erfundenen werck seine güte stehlen Birken
d. vermehrte Donaustrand vor-erinn. 4
b; ich bitte, stehlen Sie Ihrem wuchse die schlankheit ... Klinger 1, 218 (
Elfride 2, 1); so stiehlt der miszbrauch doch der wahrheit keinen wehrt. Günther 382. II@5@kk)
so besonders in gewissen verbindungen. II@5@k@aα)
im 16.
jahrh. häufig: eim sein lob und eer stAelen, seiner eer berauben.
depeculari laudem alicuius Frisius 391
a: west es dein herre, wir müsten sterben, wann du jm hetst sein ere gestolen! Cl. Hätzlerin 2, 76, 81; er ist ein dieb! min eer, die mir was werd und lieb, die hat er mir (kein andrer) gstolen H. R. Manuel
weinsp. 2938.
so auch: hat er Ihnen nicht gestohlen Ihren ehrlichen namen Reuter 3, 67, 33
Seelm. (
stromt. 3, 34). —
so besonders: dann solliche verblendte menschen erkennen nit, das sie gotte sein ehere stelen, dem allein die rachung zgehOeret Luther 15, 732, 32
Weim.; da er (
Carlstad) wolt dem bapst schuld geben, das er gottes ehre dieblich stele, der warheyt widderspreche 18, 190, 29; die schAefer und die bawern han ein gott erwelet, der hiesz Pan, demselben war das vieh befoln, das heist gott sein ehr gestoln Alberus
fab. 23, 10.
so noch: weil er (
Satan) gottes diener gewesen, ... so bemhet er sich, jhme dergestalt die ehre zu stehlen Butschky
Pathmos (1677)
s. 195.
in vollerem sinne (
wie a): damit er (
d. papst) dem herrn Christo seine ehr und rhum gestolen, auff sich gewendet und sich selbst zum gott gemacht Krüger
aktion v. d. anf. u. ende d. welt A 4
a. II@5@k@bβ) einem das leben stehlen: zuoletst vermAehelt er jm Agrippinam, ... die stal jm zuo Mentz mit gifft das leben S. Franck
chron. Germ. (1538) 18
b; wenn unser täg sint auzgezilt und uns der tod das leben stilt Kehrein
kirchenl. 142 (14.
jahrh.);
[] meuchlings, um ein paar zechinen, einem wicht das leben stehlen Zschokke
Abellino s. 9
Reel. (1, 1).
dafür: ich will nicht wissen, wer aus seinem busen den funken des Prometheus stahl Kleist
Penthes. 24, 2923. II@5@k@gγ)
concreter ausgedrückt dem vaterlande seinen arm stehlen,
entziehen: du, der das herz gehabt, trotz deines volks befehlen, dem lande deinen arm, der ihm gehört, zu stehlen! J. E. Schlegel 1, 365 (
Herrmann 4, 4, 1334); du kannst ... alle diese grosse-beaute, und diesen verdammten marly, welcher dem gemeinen besten jetzt hundert tausend hände stiehlt, mit einer schicklichern kleidung vertauschen Möser
patr. phant. 1, 3. II@5@k@dδ) einem einen anblick, eine aussicht stehlen,
hier naturgemäsz mit sächlichem subj.: die besitzer dieses unnützen gebäudes fliehen es ... und mir und andern stiehlt es die schöne aussicht auf das freye feld Thümmel
reise 2, 119.
so dann auch: nur einen blick noch! — ah! die hecke, die mir ihn stiehlt (
seinen anblick entzieht, ihn verbirgt) Lessing 2, 244 (
Nathan 2, 4).
ungewöhnlich mit persönl. subj.: er (
Albano) hörte nur ... das todes-urtheil, dasz die geduldige seele, der er die schöpfung gestohlen (
den anblick der sch. geraubt, die durch seine schuld blind geworden war), noch immer eingemauert sei ... J. Paul 23 (
Titan 3), 136. II@5@ll)
besondere beachtung verlangen einige sehr gewöhnliche verbindungen, die beiden hauptbedeutungsklassen angehören, so zunächst die zeit stelen,
tempus arripere, otium sibi redimere, aucupari, et captare tempora, insidiari tempori Stieler 2164. II@5@l@aα)
zunächst sich die zeit nehmen: ihr müszt doch die zeit stehlen; oder wo ihr sie sonst hernehmt J. E. Schlegel 2, 55 (
d. geschäfft. müszigg. 1, 1);
in der regel mit angabe eines zweckes, wozu man sie verwendet, mit dem hintergedanken, dasz man sie eigentlich zu anderm gebrauchen sollte: doch weyl solchs von myr begerd ist, hab ich myr so viel zeyt gestolen, meynen geyst sampt ewrem mit eym geystlichen ... gesange zu erwecken Luther 15, 360, 14
Weim.; verachtet ja nicht das gebett, werdet sein nicht mde, nemmet und stehlet zeit darzu, wo jhr kOennet Moscherosch
insomnis cura par. s. 76
neudr.; heütte stehle ich, so zu sagen, eine stundt, umb zu schreiben Elisab. Charlotte 2, 168 (7.
aug. 1699); ich habe wochenlang nicht dazu kommen können ('
eine kleine poetische arbeit niederzuschreiben') und mir zuletzt ... die zeit im eigentlichen sinn dazu stehlen müssen Storm
briefe i. d. heimat s. 130.
mit andrer nuance: und da er endlich den augenblick stahl sie ganz von ferne an ihr versprechen zu mahnen Wieland 21, 119 (
liebe um l. 7, 241).
so auch im part. perf.: so wie ich dasselbe (
buch) ... nur in krankheit oder gestohlner und erpreszter zeit schreiben konnte Zimmermann
üb. d. einsamk. (1784) 1,
s. xiii. II@5@l@bβ)
mit dem gewöhnl. dativ des indirecten objects, seiner arbeit zeit stehlen,
entziehen: ich würde die zeit meinem amte stehlen, um sie meiner bildung zu widmen Kleist 5, 151, 20
E. Schmidt (
br. vom 13.
nov. 1800); ich musz meiner arbeit einmal einen halben tag stehlen, um dir rechenschaft zu geben von meinem leben 286, 4 (1.
mai 1802). II@5@l@gγ) einem zeit, eine stunde stehlen,
von lästigen besuchen u. ähnl., ganz den unter i—
k behandelten gebrauchsweisen zugehörig: ich bin solchem geschwetz aus der massen feind denn sie hindern viel guts und stelen eym die zeit Luther 23, 164, 17
Weim.; während eines so kurzen aufenthalts sich bey gelehrten aufzudringen, dabey kömmt nicht viel mehr heraus, als dasz man ihnen ein paar kostbare stunden stiehlt Knigge
roman m. lebens 1, 62, 14; du hast mir eine kostbare stunde gestohlen, sie werde dir an deinem leben abgezogen
[] Schiller 2, 55 (
räuber 1, 3);
s. auch Bettina v. Arnim
Brentanos frühlingskr. s. 349;
so auch: (
merke,) wie diesem, dessen fleisz minuten hat zu zehlen, der kommt den guten tag zu bieten und zu stehlen; Heräus
ged. u. l. inschr. s. 251.
passivisch: er hätte allzuviel zusprechens und uberlauffens von den leuten, wordurch ihm die köstlichste zeit unter den händen gestohlen und vergeblich durchgebracht würde Olearius
pers. rosenth. 41
b (2, 31). —
in anderm sinne: hier muszte ich es erleben, ..., wie der mangel an geschick, der eltern wie der lehrer, seine eigenthümlichen fähigkeiten zu entdecken, ihm schöne jahre der entwickelung stahl H. Steffens
was ich erlebte 1, 203. —
wieder anders nuanciert bei sächlichem subject, aufbrauchen: wercke stehlen uns die zeit, fälle die vermögligkeit, sorgen stehlen uns das leben Logau 1, 7, 46; sag' mir, was ist der arbeit ziel und preis, der peinlichen, die mir die jugend stahl Schiller 12, 88 (
Picc. 1, 4). II@5@l@dδ)
eine sehr gewöhnliche redeweise ist dem lieben gott den tag, die tage stehlen,
als umschreibung des müsziggangs: aber jetzt, jetzt wissen die faullenzer, der herr kommt im thau gewisz nicht; ... auch nicht vor 5 uhr des abends; und so stehlen sie dem lieben gott den tag, und ihrem herrn das brod Möser
patr. phant. 1, 267; wenn ich (
schulmeister Wenzeslaus) davon überzeugt bin, dasz ich ... meine untergebenen nichts lehren kann, und also müszig bei ihnen gehe und sie müszig gehen lasse und dem lieben gott ihren tag stehlen Lenz 1, 43
Tieck (
hofm. 3, 4); sie (
Th. Storm u. Müllenhoff) stahlen dem lieben gott die zeit, lagen in den dörfern umher und hörten am liebsten solche alte geschichten Frenssen
Jörn Uhl 30.
mundartl., lothr. unser herrgott d'zitt stehle Follmann 425
a;
nd. godd den dag stelen Dähnert 460
b. II@5@mm) einem das herz, die sinne stehlen
u. ähnl.: II@5@m@aα)
der ausdruck einem das herz stehlen
begegnet schon in der bibelübers.: also stal Jacob dem Laban zu Syrien das hertz, da mit, das er jm nicht ansaget, das er flohe
1. Mose 31, 20 (
ebenso in der Züricher bibel v. 1530); was hastu gethan, das du mein hertz gestolen hast, und hast meine tOechter entfret? 26; auff die weise thet Absalom dem gantzen Israel, wenn sie kamen fur gericht zum konige, und stal also das hertz der menner Israel
2. Sam. 15, 6.
der ausdruck ist an beiden stellen eine genaue nachbildung des hebr. ב־ת ב,
steht jedoch in verschiedenem sinne. 1. Mose 31
liegt eine hebräische besonderheit vor, wobei herz
für '
sinn, verstand'
steht, die wendung also '
täuschen, betrügen' (
κλέπτειν νόον)
bedeutet, vgl.: hertz stelen ist ebreisch gered soviel als 'etwas thun hinder eins andern wissen', bedeut aber, das die gleubigen den rechten kern gottes wort fassen, des die werck heiligen nymer gewar werden Luther 24, 543, 33 (
anm. zu 1. Mos. 31, 20). (
ähnlich: dich, der sich durch feinheit des verstandes ... vor allen in Rhodos unterscheidet — der du in unterhandlungen den geist der menschen stiehlst ... Klinger 2, 402,
Damokles 3.)
2. Sam. 15, 6
dagegen hat herz
die bedeutung '
neigung, liebe' (so bestrickte Absalom die herzen der Israeliten Kautzsch).
nur dies entspricht dem allgemeinen sprachgebrauch. vgl. auch herz B, I, 4,
k und herzensdieb,
th. 4, 2, 1216
u. 1234.
so in deutlicher anlehnung an diese bibelstelle: dardurch sie dann jhr gegenlieb erwucheren, unnd nach biblischer sprach zureden, jhnen das hertz stelen, unnd das lauff mir nach geben
Garg. s. 108
neudr. indessen geht es doch nicht an, die redeweise, die gewöhnlich in erotischer beziehung verstanden wird, allein daraus herzuleiten, da sie im liede schon vor Luther
nachzuweisen ist: si ('
min frow') ist ein heimlich dieb: ... si stilt das hertz mim libe Hugo v. Montfort 38, 33; mein hertz hat sy gestolen Cl. Hätzlerin I, 43, 56,
s. auch 106, 29.
[] II@5@m@bβ)
sehr gewöhnlich in der sprache der dichtung seit dem 17.
jahrh.; zumeist von der (
oder dem)
geliebten gesagt: weil du mir mein hertz (mein hertz) schon längst gestolen Weckherlin 2, 383
Fischer; du hast, dir unbewuszt, das hertze mir gestohlen (
mihi cor rapuisti) Hofmannswaldau
bei Steinbach 2, 718 (
der weitere belege giebt); disz musz der schatz o göttin seyn, der Atalantens hertz soll stehlen Lohenstein
Armin. 2, 1432
b; das fräulein Echo sah einmal den ahnherrn der Narcissen, der manches jungfernherzchen stahl Hölty
s. 5
Halm; du liebesdiebin! was? du kamst bey nacht, stahlst meines liebsten herz? A. W. Schlegel
Shakesp. 1, 241 (
sommernachtstr. 3, 2),
s. auch 4, 134 (
kaufm. v. Ven. 5, 1); (
im bilde:) von einer fremden buhlerin wird ihm in jugendlichem zauber auf lebenslang sein herz gestohlen Herder 18, 159; beym tanz der nymphe Galatea, wo er als einer der flinksten jünglinge mir mein herze stahl maler Müller 1, 154.
mit zusatz, nur gleichnisweise gesagt: und während sie lieblich spricht und lieblich lächelt, und mit doppelter süszigkeit die sinnen berauscht, stielt sie ihnen gleichsam das herz aus dem busen Heinse 3, 298
Schüddekopf. mit abstractem ausdruck als subj.: liebster, deine worte stehlen aus dem busen mir das herz Rückert 1, 380.
so auch, mit einer auffrischung der eigentlichen bedeutung: beehren Sie mit sanftem tritt die blumigen gemächer, und bringen Ihren junker mit, versehn mit bog' und köcher! auch herrn Merkur! der weisz den pfiff; wenn Sie's ihm nur befehlen, wird er durch einen meistergriff des fräuleins herz mir stehlen. J.
M. Miller
ged. s. 100 ('
an die Venus').
doch werden dieselben wendungen auch in andrer als erotischer beziehung gebraucht: denn es ist keine grössere zauberkunst sich beliebt zu machen, und andern das hertz zu stehlen, als wohlthat und leutseligkeit Lohenstein
Armin. 1, 87
b; noch etwas, das dem Engländer das herz stahl! alles ist (
im staate Friedrichs d. gr.) gleich weit vom throne Hippel
lebensläufe 3, 1, 448; ja, ich kenn' ihn, den blick, mit dem er sich die herzen stiehlt! (
Z. Werner)
söhne des thales 1, 92 (
anschlieszend an die unter 5,
c, β ausgezogene stelle).
dafür bescheidner, ungewöhnlich: da ich nicht mit meinem namen zu dir kommen durfte, hab' ich mir ein stück deines herzens gestohlen Freytag 2, 76 (
brautf. 4, 2). II@5@m@gγ)
während diese wendung der ersten hauptklasse dieser gebrauchsweise zuzurechnen ist, insofern der stehlende ja das herz,
d. h. die neigung der menschen, nun besitzt, fallen in die zweite ähnliche, denselben sinn umschreibende verbindungen, wie einem die sinne stehlen.
solche begegnen schon in mhd. dichtung, wobei gewöhnlich die personificierte Minne
als subject steht: und stilt si mir gedanke alsam ein diep Reinmar v. Zweter 30, 6 (
vgl. d. anm. v. Roethe); si sprach: 'ich, Minne, kan steln ..., swaz in dem herzen wirt geleit witz und guoter sinne' Ottokar
reimchr. 18266;
vgl. auch Wolfram
Tit. 66, 4. —
dann wieder sehr gewöhnlich im 17.
jahrh.: ihr diebgen, die ihr uns die treuen sinnen stehlet Rachel
sat. ged. s. 139
neudr. (10, 13); von lieb ist ihr gestohlen, von lieb all sinn, und witz Spee
trutzn. (1649)
s. 58, 15;
[] nachdem der schwarzen augen straal, die tracht und anmuht der Dorinden mir meiner sinnen ruder stahl (Stieler)
geharnschte Venus 24
neudr. (7, 2).
dafür sogar: wo ist die lieblich art, die mir mein hertz kan brechen, und mich selbst stelen mir? Kirchner
bei Zinkgref
auserl. ged. s. 27
neudr. (23, 5, 6); vergebt mir, wann ich sag zur antwort, auf die frag, wer mich mir hat gestohlen? ich sag es unverholen: o göttinn meiner lieb, ihr selber seit der dieb S. v. Birken
ostländ. lorbeerh. s. 86;
so auch: du stiehlst mich ganz mit deinen holden worten! Klinger
theater 3, 223 (
d. derwisch 4, 9).
ähnliches auch in neuerer dichtung: wie sie mich dann beim schlusz anlächelte, und mir boshaft alles, ruhe, freude, leben stahl Tieck 2, 285 (
d. abschied 1, 4);
in verbindung mit herz: Gisella kann nicht ruhen; ihr habt der fürstin herz und ruh gestohlen Klinger
Otto 45, 23
neudr. (2, 8);
so: sie stahl des gärtners herz und sinn Lichtwer
äsop. fabeln 42 (1, 23:
die tulipane);
sonst in anderer als erotischer beziehung: der dämon (
der dichtung) nimmt dein herz, stiehlt dir die seele, er füllt allein dein ganzes denken aus Ebner-Eschenbach 1, 197;
weiterhin, mit andrer nuance: o dasz wir einen bösen feind (
d. wein) in den mund nehmen, damit er unser gehirn stehle (
to steal away their brains)
! Shakesp. 8, 218 (
Othello 2, 3); es stiehlet geld und gut, das endlich doch verfleucht, den meisten ihren muht, und heist die furchtsam seyn Treuer
deutscher Dädalus 1, 637. II@5@nn)
technische besonderheiten. II@5@n@aα)
ungewöhnlich ist gestohlenes tempo
als musikausdruck, übers. von tempo rubato (
freie behandlung des tempos an leidenschaftlichen stellen, wobei einzelne töne über die zeitdauer der note hinaus gehalten, andre verkürzt werden): einem rechtschaffenen virtuosen darf er (
der geschickte '
accompagnist') gewisz nicht nachgeben: denn er würde ihm sonst sein tempo rubato verderben. was aber das gestohlene tempo ist, kann mehr gezeigt als beschrieben werden O. Jahn
W. A. Mozart 1, 18. II@5@n@bβ)
in Estland bedeutet stehlen '
so nähen, dasz von zwei zusammengenähten stücken das eine nicht so weit reicht, wie das andere' Sallmann 85
a. II@66)
zuweilen entwickelt sich bei stehlen
der begriff der ortsbewegung; verbunden mit der gewöhnlichen bedeutung: sô stil ich daʒ golt under mînen mantel
deutsche mystiker 1, 273, 35.
so schrieb Luther
Hiob 21, 18
zuerst: sie werden seyn wie stro fur dem winde, und wie sprew die das ungewitter stilet,
strich dann das letzte wort und setzte dafür: wegfuret,
s. bibel 1, 421
Weim. (
Berl. hschr. 1523/4).
vgl. auch: und seufzer stahl, und kreiselt' er (
d. zephyr) hin zu ihrem (
der rose) ohr Blumauer
ged. 58.
in folgender stelle ist der begriff des heimlichen wegnehmens sogar ins gegentheil verkehrt, doch nur als vereinzelte neubildung des parallelismus wegen: (
der gott der liebe) stielt leis' hinweg der nymphe scharfen bogen und stielt ihr seinen hin Herder 25, 559. II@77)
von solchen fällen scheint die reflexive gebrauchsweise sich davon stehlen,
sich heimlich davonschleichen, sich wohin stehlen
u. s. w. auszugehen. indessen ist sie nicht nur ungemein häufig, während ausdrucksweisen wie die behandelten nur ganz vereinzelt begegnen, sondern sie ist auch alt und kommt auch in andern germ. sprachen vor. so z. b. altn. stelask at
überfallen, stelask
[] frá Cleasby-Vigfusson 591
b,
norw. stela seg til, av Aasen 749
a,
dän. stjæle sig bort, ind
u. s. w. auch engl. to steal oneself away, into
u. ähnl., doch hier häufiger neutral to steal
sich heimlich wohinbegeben, to steal into the house at dusk, to steal ahead, away, off, to steal in upon
beschleichen u. s. w., und so schon mittelengl.: Marie ... stal a wei fram hire cunne,
s. Stratmann-Bradley 576
a.
im altdeutschen unbezeugt, dagegen mhd. sehr gewöhnlich, s. Lexer
hwb. 2, 1173. (
in den wörterbüchern zu Nib. und Iw. nur in dieser verwendung.)
auch mnd.: unde (
der cardinal) stal sik hemeliken ute deme lande Korner
bei Schiller-Lübben 4, 381
b. (
im nd. auch mundartlich: sik af, weg stelen
brem. wb. 4, 1013; hê steld sük weg ten Doornkaat - Koolm. 3, 308
b.)
man hat daher in dieser medialen gebrauchsweise, trotz mangelnder bezeugung für einzelne sprachen und ältere sprachstufen, eine selbständige, schon im urgerm. ausgebildete entwicklung aus der grundbedeutung der heimlichen fortbewegung zu sehen. II@7@aa)
zwischen dieser und der gewöhnlichen bedeutung von stehlen
vermitteln wendungen wie sich einem stehlen,
entziehen: wann schenkt der himmel mir die stunden noch einmal, da ich, bey dir zu seyn, mich andern freunden stahl? Giseke
poet. werke s. 51.
so schon mhd.: swer sich der werlde wölle steln ..., der neme sich geistliches lebens an Hugo v. Trimberg
renner 2999.
so auch wortspielend: nein, heimlich fort: nicht strafbar ist der dieb, der selbst sich stiehlt, wo keine gnad' ihm blieb
Shakesp. 9, 304 (
Macb. 2, 2). II@7@bb)
zunächst eigentlich von personen. II@7@b@aα)
am häufigsten mit ablativischen ausdrücken. mit adverbien; mhd. dan: er stal sich swîgende dan
Iw. 3227.
später von dannen: von dannen stalent si sich nachts
schweiz. volksl. 2, 7 (
histor. lied von 1368); zoch er (
Idomeneus) in stille ab zumal, sich heimelich von dannen stahl Spreng
Ilias 178
b; wenn die gräfin nahte, stahlen sie sich scheu von dannen Storm 2, 272.
am häufigsten sich davon stehlen: der dir vor grosz titel zuoschrib ..., geht ehe ein ander gassen ein, ehe er dir einn guoten morgen geb, unnd stelen sich also hinden fein gmach davon wie die jünger von unserem hergot S. Franck
sprüchw. 2, 38
a; aber, wenn zulezt sich mäuschenstill ... unser bräutigam davon gestohlen Göckingk 3, 62;
Warw. mich wunderts, wie der könig uns entkam.
York. da wir die nord'sche reiterey verfolgten, stahl er davon sich (
he slily stole away), und verliesz sein volk A. W. Schlegel
Shakesp. 8, 187 (
Heinr. VI., 3.
theil 1, 1). (hin)weg, fort (
vgl. th. 4, I, 34
und 4, II, 1541): der ... hete sich vor enwec gestoln
Iw. 6886; sie verlassen; sich heimlich von ihr hinweg stehlen ... Wieland
Agathon 2, 50; dieser ist mir der freund, der mit mir strebendem wandelt, läd't er zum sitzen mich ein, stehl' ich für heute mich weg Göthe 1, 401 (
vier jahresz. 58); ich stahl mich heimlich fort aus Alys schlosz Heine 2, 257
Elster. hinaus: wann still' und nacht verliebten raub verhehlen, dann wollen wir zum thor hinaus uns stehlen A. W. Schlegel
Shakesp. 1, 187 (
sommernachtstr. 1, 1).
auch: ganz in der stille stiehlt sich ... ein einzelner bei seite Dahlmann
franz. rev. 5. II@7@b@bβ)
mit präpositionen; aus: do ... ist der gottsfOerchtig vatter in die Engelburg geschlupfft, darnoch sich darusz gestolen und also ... sich usz dem staub
[] gehaben Ulr. v. Hutten 5, 369
Böcking; früh drey uhr stahl ich mich aus Carlsbad, weil man mich sonst nicht fortgelassen hätte Göthe 27, 5 (aus dem Carlsbad weg
tageb. 1, 147); bald darauf stahl ich mich aus der thür und umschlich, leise und behutsam, mein haus Hebbel 8, 193, 30; Unfalo der ungetrew man aus dem scheff sich heimlichen stal
Teuerd. 43, 65; ja — wer auch nur
eine seele
sein nennt auf dem erdenrund! und wer's nie gekonnt, der stehle weinend sich aus diesem bund! Schiller 4, 1; und aus der freude kreis musz ich mich stehlen 13, 284 (
jungfr. v. Orl. 4, 1). —
von: er stal sich von den frouwen
Nib. 663, 1 C; von meim vatter hab ich mich gstoln. meint jhr und das er es underlasz, mir nicht nach forsch auff alle strasz? Ayrer 2204, 2
Keller (
Sidea 4); der eine nach dem andern stahl sich leise von dem kampfplatz Herder 27, 296; in solcher nacht stahl Jessica sich von dem reichen juden (
did Jessica steal from the wealthy jew)
Shakesp. 4, 225 (
kaufm. v. Ven. 5, 1); stahlst du dich neulich von der jagd ...? Grillparzer
5 5, 11 (
gastfr.); mit der selben rede stal her sych do von dem czolle Behrend
Magdeb. fragen s. 243; ich hab mich yeczund von im stelen müssen (
io mi son testè ... scantonata da lui) Arigo
decam. 499, 19
Keller (8, 7),
s. auch 481, 8; also nam des blinden fürer die hosen und schuoch ... und stal sich haimlich von dem plinden
leg. vom hl. Ulrich 67; er ging durch die Goldacher und Seldwyler ... hindurch wie ein toter, der sich gespenstisch von einem jahrmarkt stiehlt G. Keller 5, 44. —
nicht selten vergleich mit einem diebe, an die gewöhnliche bedeutung erinnernd (
vgl. 1,
b),
so Paracelsus 1, 143 B
unter I, 4,
a, β,
aa; man kann den hungerleider noch im grabe pfänden ...; denn der sarg ist nicht bezahlt, er hat sich aus der welt gestohlen, wie ein dieb aus dem gefängnisz Hebbel 8, 192, 14; der sich von uns stal als ain dieb
fastn. sp. 420, 25. II@7@b@gγ) sich wohin stehlen;
mit adverbien: nâch disem heile stal er sich wider in
Erec 2514; mit sîme leun stal er sich dar
Iwein 7805; wisset jhr, wie er sich rein (
in den himmel) gestolen? Hayneccius
Hans Pfriem 1080 (2, 6); man sah, dasz in des dunkels hag feldein sich mancher reiter stahl Droste-Hülshoff 2, 159; welch ein elend erblickt' ich! und tief, wie unter der erde, war es verborgen gewesen, und stahl sich, als wäre es sünde gegen die glücklichen brüder, auch jetzt noch zögernd und ängstlich .... hervor aus den löchern! Hebbel 8, 293 (
mutter u. kind 2, 463). sich
in ein haus stehlen; dieweyl so hett sich der calfacter wider in die schuol gestolen Schumann
nachtbüchl. 271, 8
Bolte (2,
nr. 43); wiewol er nun offentlich sich nichts mehr merken liesze, so lohete doch heimlich sein liebesfeuer, und stahle er sich in der Antonia palast, wann er nur konte Anton Ulrich v. Braunschw.
Octavia 2, 924; Fritz ... stahl sich ziemlich verschämt in das haus G. Keller 4, 189; wenn er ... den braunen allein zum hof traben liesz und sich selber durchs seitenpförtchen in den garten stahl Viebig
d. schlafende heer 20; ich will mich sachtchen in mein bettchen stehlen Göthe 11, 341 (
was wir bringen, forts. 5); ich wollt' ihm nahn, er aber nahm es wahr, und stahl sich tiefer in des waldes dickicht (
and stole into the covert of the wood) A. W. Schlegel
Shakesp. 1, 14 (
Romeo 1, 1).
[] so dann weiter: durch die hoheit und zahl meiner wünsche werd ich mich in der geister gewühl stehlen Schiller 2, 393; gestohlen hab' ich mich in die welt, ein bastard bin ich, ungerufen nur gekommen! Gutzkow
ritter v. geiste 9, 476. —
nach: von B. aus habe ich hoffnung mich nach Reinfeld zu stehlen und mein schicksal endlich zu entscheiden Bismarck
br. an s. braut u. gattin
s. 506 (30.
aug. 62).
zu: den gottesacker will ich mir zum liebsten ort erwählen, und manchen abend mich von hier zu Hannchens grabe stehlen Eschenburg
beispielsamml. 5, 112 (Miller '
klagel. e. bauern',
dafür in dessen '
gedichten'
s. 35: und jeden abend mich zu dir, du liebes Hannchen! stehlen).
mit andrer nuance mhd.: swer güetlîch grüeʒet einen man, dem er guotes niht engan, der stilt sich hin zer helle Vridanc 131, 19.
meist zu einem: denn er bellte mir einst mein mädchen an, da sie sich heimlich zu mir stahl Göthe 1, 285; als man der heimath näher kam, stahl sich auch mancher treue mann zu den seinigen hinweg Treitschke
deutsche gesch. 1, 248.
ähnlich frühnhd.: ainer under dem dritten hauffen, stal sich für jn (
kam heimlich zu ihm) S. Franck
chron. Germ. 117
a. II@7@b@dδ)
mit andern präpos.: sich
durch die soldaten stelen,
clam penetrare exercitum Stieler 2164; und hatte sych myt logenhafftiger rede gestolen durch dy czölle Behrend
Magdeb. fragen s. 243; gleich flüchtigen dieben, müszten sie sich durch wachsame und erbitterte feinde stehlen Schiller 8, 126; und als ich nun ... mich stehlen wollte durch des volks gewühl Geibel 5, 7; Bodmer stahl sich
über die alpen Herder 18, 164; nun sah er in den mondenstrahlen, ... wie sich
um's eck zwei männer stahlen Lenau 530
Barthel (
Savonar.). II@7@b@eε)
so in freierem gebrauche: der gnome sah wol, dasz bei dem sorgfältigsten bestreben, durch tausend kleine gefälligkeiten sich in der schönen Emma herz zu stehlen, ihr keine liebe abzugewinnen war Musäus
volksm. 1, 14
Hempel (
leg. v. Rübez. 1); erzähl es ihm wie du dich in ihr herz stahlst Schiller 3, 412 (
kab. u. liebe 2, 5); so was von dieberei ist allerdings dabei, sich in das geheimnisz eines andern zu stehlen Arnim 2, 107; drittens aber ... setzt er sich herab, wenn er sich ... in eine familie stiehlt oder hineinlocken läszt, welche ihn wie einen eindringling betrachtet Holtei
erzähl. schr. 5, 54; denken Sie nicht etwa, dasz ich durch lügenkünste, gleisznerische gefälligkeit in seine gunst mich stahl Schiller 12, 81 (
Piccol. 1, 3).
ferner: eine metaphysick und theorie der künste ..., die vielleicht an verwegenheit, sich in die tiefen zu stehlen, ihres gleichen noch nicht gehabt hat Lichtenberg
aphorismen 3, 53, 35. II@7@cc)
weniger eigentlich von dingen, die sich in unerwarteter, ungewollter oder durch hindernisse ersehwerter weise bewegen. II@7@c@aα)
von gliedern des menschlichen leibes: langsam sucht sich eine hand zu ihr zu stehlen A. Croissant-Rust
arche Noah 378. —
vereinzelt von allerlei gegenständen, als poetische umschreibung des passivs: ein kleines clavichord wuszte sich unbewuszt ins haus (
Händels) zu stehlen (
wurde heimlich hereingeschafft) und nahm oben unter dem dache platz Chrysander
Händel 1, 15;
oder als bezeichnung einer eigenen bewegung, mit einer art personification: nun, so schneide dir mit deinem degen eine locke ab, da stiehlt sich eine unter'm helm hervor Hebbel 4, 288 (
Nib. III, 4, 9).
[] wieder anders nuanciert von einem wege: nebenan stiehlt ein gäszchen zum steinbruch sich Freiligrath
5 3, 218. II@7@c@bβ)
gern von flüssigkeiten: mir wars, als führte mich in einem öden thal der schwermuth kalte hand in eine höle, aus deren schoose sich ein heitres quellchen stahl Pfeffel
poet. vers. 6, 160; fort, fort! und schnell gereinigt, wo des blutes spur vom leichnam sich vielleicht hinab zum boden stahl! Göthe 46, 44 (
Eurip. Phaethon 156); so sinnend wär' entschlummert ich zumal, wenn nicht der thau sich durch den mantel stahl Droste-Hülshoff 2, 111 (
des arztes verm.); bevor die flut sich wieder näher stiehlt Liliencron 12, 102 (
Poggfr. 19).
besonders von thränen: Yorick hörte sich diese traurige prophetische rede fast niemals vorsagen, oder es stahl sich eine thräne aus seinem auge Bode
Tristram Schandi 1, 70; einzelne thränen stahlen sich aus den schönen augen, indem sie sich bemühte, ihn freundlich und lächelnd anzusehen Hauff 3, 2, 221
Bobertag (
jud Süsz 4). II@7@c@gγ)
häufig von lichtstrahlen u. ähnl.: wenn ... die hohe sonne an der oberfläche der undurchdringlichen finsternisz meines waldes ruht, und nur einzelne strahlen sich in das innere heiligthum stehlen Göthe 16, 8; (
im bilde:) wie gebrochen und magisch stahl sich der sonnenschein der äuszern welt in den heiligen dunkeln irrhain der innern J. Paul 21 (
Titan 1), 56; einzelne streiflichter stahlen sich durch ritzen und astlöcher Bettina
Goethes briefw. 2, 199; auf dunklem waldpfad, wo sich das mondlicht durch die blätter stahl Storm 1, 309; wie lieblich, wann dein (
des abendroths) rother schein .... sich durch das holunderdach in meine laube stiehlt Salis
ged. 40; sanft stahl der mond sich durch den blauen flieder Kind
ged. 2, 294; die sonnenstrahlen stehlen sich behende durch blätter und ranken W. Müller 267
Hatfield, s. auch s. 344; ich schreite in die nacht hinaus, entgegen jenem schimmer, der aus dem forstverlornen haus sich stiehlt mit schwachem flimmer Hebbel 6, 204;
so auch: sonnstrahl schlau und ostwind lau stehlen sich in's harem beide Rückert 2, 38; bis die süsze dämmerunge sich in das gemüthe stahl Tieck 1, 113.
ferner: es fleucht hinweg mir die farbe, die sich leis' in die wangen stahl Herder 26, 233 (
Hor. od. 1, 13, 5
f.). II@7@c@dδ)
äuszerungen von gemüthsbewegungen; seufzer stehlen sich aus dem busen, worte von den lippen
u. ähnl.: ein tiefer seufzer, der sich aus Nettens busen stahl Bode
Thomas Jones 5, 82; ein leiser seufzer ... stahl sich über ihre süssen lippen Klinger 1, 207 (
Elfride 1, 3); und von der lippe stiehlt sich hohn und scherz
mod. dichtercharaktere (1885) 99 (Herm. Conradi);
so ferner: ein schmerzlicher zug stahl sich um ihren mund, aber er verschwand wieder Storm 2, 329.
von blicken, mit ungewöhnlichem ausdruck: wenn augen sich in augen stehlen Schiller 3, 165. II@7@c@eε)
auf geistiges angewendet: liebreichere erscheinungen, — sanftere regungen stahlen sich unvermerkt in seinen schlummer Bode
Tristram Schandi 6, 146; isz wurzeln und trink pfüzenwasser; es kommen doch stunden, wo sich mädchengestalten in deine fantasie stehlen Schubart
leben u. gesinn. 2, 230; gedanken, wünsche, ... die scheu vor des tages licht sich verkrochen, ...
[] stehlen sich in das stille haus des traumes G. Büchner
s. werke 33
Franzos (
Dantons tod 1). — durch ihre groszen offenen augen stahl sich Abrokomas schönheit unvermerkt tief in ihr herz Bürger 252
a; nur dasz bei Romeo die liebe durch das auge sich in das herz stahl Bauernfeld
ges. schr. 2, 38 (
d. letzte abenteuer 2, 3); stielt mitleid sich zuerst ins herz, die liebe stielt sich nach Herder 25, 603; wie aus unmerklich gesprungenen gefässen langsam das wasser sich verliert, ... so stahl sich, ohne dass sie es wussten, aus denen, die Georg liebten, der reine schmerz um ihn Beer-Hoffmann
d. tod Georgs 132. — je mehr aber die theurgien aufkamen, und leider sich auch ins christenthum stahlen Herder 20, 55; im kleinen stübchen ... sitzt sie und stickt, den holden blick gesenket, dasz sich in's reine werk kein fehler stehle Brentano 2, 481 ('
Mariens bild').