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stehlen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stehlen verb.

Bd. 17, Sp. 1735
stehlen, verb. , furari. II) verwandtschaft und form. I@11) stehlen ist ein gemeingerm., in allen germ. sprachen lebendig gebliebenes verb: got. stilan; altn. stela, ebenso neunorw., schwed. stjäla, n. stjæle; ags. stelan, mittelengl. stele(n), engl. steal; afrs. stela; ahd. and. stelan, mnd. mnl. stelen, mhd. steln. vgl. Grimm gramm. 12, 1028. in der bildung des verbalabstractums gehen dagegen die sprachen auseinander: altn. stuldr, n. styld, schwed. stöld; mittelengl. stalþe, neuengl. stealth; daneben ags. stalu, mittel- und neuengl. stale; as. stulina; ahd. stâla, fortlebend in der zusammensetzung mhd. diupstâle, f., nhd. diebstahl, m., holl. diefstal, s. th. 2, 1097f. (weitere ableitungen bei Grimm gramm. 2, 29.) zur bezeichnung des thäters dient wiederum gemeingerm. ein wort aus anderem stamme: dieb, s. th. 2, 1085ff.neben stilan hat nur das got. noch ein anderes idg. wort gleicher bedeutung bewahrt: hlifan, das mit gr. κλέπτειν, altlat. clepere, altpreusz. auklipts verstohlen urverwandt ist, [] s. Uhlenbeck2 80b. vgl. J. Grimm rechtsalterth. 635 f. (42, 194). I@22) zu urgerm. *stelan stellt sich am nächsten lat. stellio 'ränkevolle person' Walde 593 f., und stlāta 597, das eine art raubschiff bezeichnet und mit altir. slat (*stlatto), raub, zusammengehört, vgl. Stokes-Bezzenberger 314. so Torp germ. spracheinh. (Fick4 3), 489; Feist etymolwb. 251b; Franck etymol. wb.2 663a. unsicherer ist, ob sich altir. tela, teola dieb dazu stellen läszt (Kern bei Uhlenbeck 140b), das mit ir. tall 'diebstahl', tallaim (*talnō) 'ich nehme weg' auf einer kelt. wurzel *tel- nehmen beruht, die sich am ehesten mit lat. tollere, gr. τετλάναι, got. þulan zusammenstellen läszt, s. Stokes-Bezzenberger 130; Falk-Torp 1170. — groszer beliebtheit erfreut sich eine andere ableitung, die in stelan eine umbildung aus *steran sieht, unter einwirkung von helan, mit dem es seit alter zeit gern formelhaft verbunden wird, und es mit gr. στερεῖν, στερίσκειν berauben, pass. στέρεσθαι gleichsetzt. so Osthof bei Paul-Braune beitr. 13, 460 f., desgl. Delbrück zeitschr. f. d. phil. 1, 142. (schon Curtius, s. Skeat 594a.) danach zweifelnd Kluge 6377b; Weigand5 2, 959f.; Kluge-Lutz 199a. indessen paszt diese gleichung nicht nur lautlich, sondern auch der bedeutung nach weniger gut als jene, da bei ihr der für stehlen so wesentliche begriff des heimlichen durchaus fehlt; vgl. Prellwitz2 433. noch geringere wahrscheinlichkeit haben andere ableitungen und zusammenstellungen (zu tollere u. s. w., ablautende doublette zu þulan Grienberger got. wortk. 199 f.; aus s-del, zu δόλος, lat. dolus, altn. tal u. s. w. Siebs in Kuhns zeitschr. 37, 307; erweiterung aus *stāi-, vgl. skr. tāyú dieb Persson; zu gr. στέλλειν Skeat 594a, vgl. Weigand 32, 845 unter stuhl), s. Falk-Torp 1555. I@33) stelan ist ein starkes verb der 4. ablautsreihe: got. nur im präs. belegt; altn. stela — stal — stlom — stolenn, s. Noreen gramm.3 § 162; ags. stelan — stæl — stǽlon — stolen Sievers gramm.3 § 390; altfries. stela mit abweichend gebildetem part. estelin, stelin, -en Richthofen 1047a (die formen der neufries. mundarten verzeichnet Siebs in Pauls grundr.2 1, 1315f.); alts. stelan, stilu — stal — stâlun — gistolan Gallee gramm.2 § 394, vorstudien zu e. altnd. wb. 302. 499; mnd. stelen — stal — stêlen — (ge)stolen A. Lasch gramm. § 428; Schiller-Lübben 4, 381b (3. sing. präs. stelet, stelt Sachsensp. 2, 28, 3. 39, 1; Reinke de vos 101); ahd. stelan, stilu — stal — stâlum — gistolan Braune ahd. gr. § 340, vgl. Graff 4, 668 (ih stillo, stile, daneben stêlôn? clepo, furor); mhd. steln, ich stil — stal — stâlen — gestoln Weinhold mhd. gr.2 355; Lexer hdwb. 2, 1173. auch im nhd. ist die alte starke flexion im allgemeinen unverändert erhalten, sowohl was den ablaut als was den vokalwechsel innerhalb des präs. betrifft: ich stehle, du stiehlst, er stiehlt, wir stehlen, imper. stiehl — ich stahl, wir stahlen — gestohlen, so z. b. bei Gottsched6 340. (ein ganz vereinzelter fall schwacher flexion bei Guarinonius, 1610, s. unten II, 2, m, ζ.) doch fehlt es im einzelnen nicht an abweichungen. I@3@aa) der inf. stehlen, älter stelen: sybent gepot ist, du soldest nit stelen Berthold v. Chiemsee s. 363 Reithmeier. dafür wird bis ins 17. jahrh. bei oberdeutschen, bes. alemann. autoren gern stAelen gezchrieben: wir wellen solchs erfaren bas ob sie doch stAelen wend etwas Gengenbach s. 40, 49; die grindige kind hassen nur das strAelen, und die hund hassen nur, die gern stAelen Fischart 3, 70, 4 Hauffen (podagr. trostb. h 5a); die Sarracenen ... thaten mit rauben und stAelen grossen schaden Stumpf Schwytzer chron. 25a; damit den losen leuthen kein ursach zu stAelen geben werdt Agricola bergwerckb., verd. v. Bech (1621) 72. so auch bei Maaler 383b. (dagegen unterscheidet Gottsched6 142 ausdrücklich stehlen und stälen. ebenso Braun orthogr.-gramm. wb. 246a. Apin 509 hat staehlen in beiden bedeutungen. anders bezeichnet Hulsius [1616] 369a den unterschied von stelen, entwenden und stehlen, stahl an etwas thun.) dasselbe gilt natürlich von den formen des plur. [] ind. und des conj. präs., z. b.: es gehOert auch vil zu eym frommen man, ... das er ... nicht sauffe, liege, trüge, stAele Fischart 3, 248, 6 Hauffen (ehezuchtb. k 8a). I@3@bb) für die 1. sing. bieten oberd. quellen des 16. jahrh. noch, dem mhd. und der mundart entsprechend, ich stil(e): sihet mans, so spile ichs, sihet mans nit, so stile ichs S. Franck sprichw. 2, 85b; gantz schnell ich dir din lAeben styl (: zyl) Schweiz. schausp. 1, 47 (d. reiche mann u. arme Laz. 1529, v. 820); stil ich, so wirts mir auch nit gschenckt H. R. Manuel weinsp. 431; (ich) pettl und stiel ain wenig darzu H. Sachs fastn. sp. 77, 69. I@3@cc) durchgängig herrscht die i-form in der 2. 3. sing. und im imp. (über die schreibung u. s. w. s. unter 4.) hier begegnet schwache bildung ganz vereinzelt, so in der 3. sing., viell. nur als schreib- oder druckfehler: obs ein dieb stelet Luther 26, 161, 25 Weim. ebenso vereinzelt steht eine 2. sing. mit e: stellst B. Waldis Esopus 3, 85, 13. sicherer, doch auch selten, im imp.: stele einmal, und bleib dein lebenlang ein dieb Lehmann 3, 320, 111; stele viel, gib wenig, so kommst du davon 112; stehle dich hinan zu ihm mährleinbuch (1799) 34. I@3@dd) innerhalb des prät. ist der alte, nur quantitative ablaut stal—stâlen durch die tondehnung von selbst fortgefallen. (alem. mit der regelm. entwicklung des â zu au — und abweichender endung —: stǎlent sy Nicl. v. Wyle transl. 275, 7 Keller.) doch dringt daneben, wie bei andern verben dieser ablautsreihe, vom part. her, und in diesem falle wohl durch die scheinbare analogie zu befehlen begünstigt, ein o ein, hat sich jedoch nicht durchzusetzen vermocht. es eignet zunächst dem plur. und erscheint so in Luthers bibelübers. neben dem sing. stal: saget, seine jnger kamen des nachts, und stolen jn Matth. 28, 13, vgl. unten β. nach dem plur. richtet sich die 2. sing.; so gibt Clajus gramm. 105, 19 Weidling: ich stal, du stolest. entsprechend Schottel 598 als norm: ich stahl, du stohlest, er stahl, wir stohlen. doch dringt das o infolge der gewöhnlichen ausgleichung auch sonst in den sing. ein, so bei Stieler 2164: ich stal, et stol. nach Adelung: 'ich stahl (im gemeinen leben ich stohl)'; danach Campe. — weitere belege: I@3@d@aα) im sing.: es stohle unsers herr gotts schuster das leder Schuppius schr. 530; (Kunze) bestohl den nachbar Heinze Claudius bei Sauer Göttinger dichterb. 3, 262, 16 ('noch e. wiegenl. bei mondsch.' nach dem ersten druck v. 1770; in den werken 1, 173 dafür bestahl; vorher, z. 9, auch in diesem text: kam her und stahl). I@3@d@bβ) im pl. vereinzelt schon mhd.: stôlin (= verholin) Nic. v. Jeroschin 20613; nhd. wenn sie den kelch widder einbunden, stolen sie die patena Luther 38, 213 Weim.; die kinder von Israel, die den Aegiptern stolen yhren vordienten lohn an d. christl. adel s. 48 neudr. (vgl. oben Matth. 28, 13). I@3@ee) ernsthaftere concurrenz macht im conj. präs. das ö dem alten ä; hier gelten in der neueren zeit beide formen neben einander. I@3@e@aα) zunächst stäle: so etwer aus fürsichtikait ainem unsynigen sein schwert stAele Berthold v. Chiemsee 363; und so wieder bei neueren autoren: so schrei' ich als wenn man mir einen thaler stähle Göthe 36, 47; Radlof ... glaubte aber auch, man stähle ihm seine ideen Hoffmann v. Fallersleben leben 1, 226. I@3@e@bβ) daneben stöle schon bei Luther (und stüle, s. f, β): es were allis treglicher, wen sie das gut allein uns alszo abstolen an den christl. adel s. 20 neudr. es gilt selbstverständlich, wo schon der ind. o aufweist, so ich stöhle bei Schottel 598 und (ich stöle) Stieler 2164, während Steinbach 2, 718 ich stähle angiebt. Adelung: 'ich stähle (im gemeinen leben stöhle)', ebenso Campe. (bei Braun orthogr. gramm. wb. 245b nur: ich stähle.) häufiger im 18. jahrh. bezeugt: wer halb [] so viel heimlich stöhle, ... der müszte ohne barmherzigkeit an den galgen Kretschmann werke 5, 208; wenn aber einst durch seine schöne seele ein junger mann dein herz dir stöhle Goekingk 3, 172; stöhl' er selbst mir im gehege, traun, er würde selbst geschnürt! Voss 5, 32; s. auch Tiedge werke 7, 28. I@3@ff) im alem. des 15.—16. jahrh. begegnen auch die (in der 3. ablautsreihe ursprünglicheren) formen mit u bezw. ü. im pl. ind.: (am 10. sept. 1445) komend die von Obren Sibental ... was den wart, stuletz als (stahlen sie alles) Basler chron. 4, 263, 12; wie das landvolck ... die hirten ... uberfulen, weil sie jnen die krapffen stulen Garg. s. 315 neudr. im conj.: da du einem seinen lümbden (leumund) stilest, ..., so schedigstu in mer, weder stülest ym (als stöhlest du ihm) gelt Keisersberg sünden des munds 28a; wenn dir einer etwas stuol, und du jm das woltest nochlossen, so stuol er dir morn noch meer postill 2, 63; mit entrundung: lyesz yederman syn hund jm husz das nit eyn dieb stiel ettwas dar usz Brant narrensch. 44, 16. hier findet sich u (= ü) auch bei Luther (neben o = ö, s. e, β): wie ein knecht seinem boszwilligen hern, seinen vordienten lohn stule an d. christl. adel s. 48 ndr. I@3@gg) im part. perf. gilt die o-form ohne ausweichungen. I@44) weitere abweichungen betreffen die quantität des vocals der tonsilbe, die vocale der nebensilben und die schreibung. I@4@aa) der vocal der stammsilbe ist im nhd. infolge der tondehnung überall lang; doch bleibt die länge im frühnhd. meist unbezeichnet. insbesondere ist das dehnungs-h dem 16. jahrh. im ganzen fremd und setzt sich erst im laufe des 17. durch. im einzelnen ist zu bemerken: I@4@a@aα) der inf. lautet im 16. jahrh. stelen, daneben oberd. stAelen (s. 3, a), stets ohne h. wo die 1. sing. einsilbig erscheint, begegnet zuweilen verdopplung des e: peculor ..., ich steel von der gemeyn, adder kirchen guot Alberus dict. (1540) 6a; ich glaub, du meinst, dasz ich mein meel nur in dem kot aufflesz und steel Fischart 2, 113 Hauffen (Eulensp. 2579, — conj.?). ganz vereinzelt im inf.: surreptio, das steelen Alberus dict. (1540) 7a. doch begegnet gegen ende des 16. jahrh. auch schon zuweilen die schreibung stehlen Xylander Polyb. (1574) 344 (VI, 33, 2); volksb. vom d. Faust s. 25 neudr.; wie sol ich nun auff mein zusag das rosz zwegen bringn? sol ichs stehln, so gehOert mir ein strick ant kehln Hans Sachs 17, 85, 16 K.G. (in der handschr.: steln, s. fastn. sp. 58, 127). sie wird im laufe des 17. jahrh. immer häufiger und erlangt gegen die mitte des jahrh. das übergewicht. von dem wörterbüchern haben Corvinus (1660) und Schottel (1663) stehlen, dann jedoch Stieler (1691) und Kramer (noch in der ausg. v. 1724!) wieder stelen. in der litteratur ist stelen (und bes. gestolen) bis gegen ende des 17. jahrh. üblich: das siebende gebot lautet, du solt nit stelen Sandrub hist. u. poet. kurtzweil s. 24 neudr.; (den seckel) den sie jn in der nacht gestolen hat engl. comed. u. traged. (1624) J 4a; ferner Albertinus hirnschleiffer (1664) 70; sein geld mOechte gestolen werden Weise erzn. 111; ich red es unverholen, dasz ich mein lebenlang noch kein mal erz gestolen J. Grob dichter. versuchg. (1678) s. 73 (II, 71); der fürst musz lassen Ambren holen, weil ihr blosz ruhm ihms hertz gestolen Lohenstein Ibrah. sult. (1680) 3, 532. ja, vereinzelt noch: ich habe ... ihr unterweilen einen kusz gestolen Hölty s. 226 Halm (br. vom 24. nov. 1774). vgl. ferner b.frühere belege für stehlen usw.: ob nicht zeuge (Jacob) ... seinem bruder dem Esau den [] segen betrieglicher weisz gestohlen hab? Ayrer histor. proc. juris (1600) 155; es ist ein feines handwerck umb das stehlen, wenn es wol geräht Harsdörffer frauenz. gesprechsp. 2, 327; zu stehlen und zu rauben Moscherosch ges. 1, 32; weil sie der todt uns hat gestohlen griech. dramen 1, 144 Dähnh. (Spangenberg Eur. Alcest., 1604, v. 2557); fertig zum stehlen und rauben 2, 190. beides in derselben quelle neben einander: zweymal umbringten sie sein (die schlangen Laocoons) kehln, mit gifft das leben jhm zu stehln Spreng Aeneis (1610) 27b (2, 218f.); (Alecto) sich in Amatæ zimmer stal 139a (7, 343); (Idomeneus) sich heimelich von dannen stahl Ilias 178b (13, 515); wie du begerest, das beschehen soll werden dem, der dir gestolen hat, also beschicht jhm Paracelsus (1616) 1, 20 A; aber dasz der dieb zuher lauffen musz an die stadt seines stehlens ebenda; und heltest nun davor, dasz stelen, rauben, fressen, ... nicht sauer sehenswehrt und lauter kurtzweil sey Rachel sat. ged. (1664) 56 neudr. (5, 46); ist dasz nicht seines thuns, so kan er leder stehlen 122 (8, 449; so überwiegend); ferner gestohlen Grimmelshausen 3, 336, 21 Keller (vogeln. 1, 2); neben gestolen 356, 27 (1, 4); stehlen Schuppius schr. 71; neben gestolen 816. I@4@a@bβ) weniger einfach liegt die sache in den i-formen des praes. (2, 3. sing., imp.), wo zwei dehnungszeichen zur verfügung stehen und gebraucht werden, sowohl einzeln wie verbunden. vgl. unten c. I@4@a@b@aaaa) die einfache schreibung er stilt, die die quantität unentschieden läszt, hält sich auffallend lange durch das ganze 17. jahrh.: darumb jederman so tollgirig zabelt und grabelt, ... wlt und stilt Garg. s. 20 neudr.; wann einer widerumb stilt Albertinus zeitkürtzer (1603) 146; ebenso Paracelsus 1, 143 B; wer gern leugt der stilt gern Moscherosch insomn. cura par. (1643) s. 81 neudr. (daneben stehlen 52, stehlet 76); Simplex erzehlt, wie der teuffel dem pfaffen seinen speck stilt und macht ihm viel zu schaffen Grimmelshausen 1, 356 Keller (Simpl. I, 2, 31); eyner spilt, der ander stilt Morhof unterr. v. d. teutschen spr. (1682) 1, 354. so auch bei Kramer dict. (1724) 2, 952a: er stilt gern. I@4@a@b@bbbb) die schreibung mit ie beginnt früh (viel früher als stehlen, stihlt) und hält sich bis in die klassische zeit: glich wie gesuntheit ist vast liep und stielt sich ab doch wie ein diep Brant narrensch. 6, 84; alszo stiel auch dem bapst dein ehlich weyb und kindt Luther an d. christl. adel s. 48 neudr; sacrilegus, ein gots dieb, der ausz der kirchen stielt, der gott sein ehr stielt Alberus dict. (1540) 6b (neben ich steel, du stilest ebenda); ferner Schoch com. v. stud. leb. (1657) K 5a; wer stielt uns unser gut? er läszt es uns entwenden. Gottsched schaub. 4, 188 (Quistorp Aurelius 1, 1); der kleine schalk ... stielt leis' hinweg der nymphe scharfen bogen Herder 25, 559 (handschr. von 1771—2). I@4@a@b@cccc) stihlt ist nicht vor dem 17. jahrh. nachzuweisen und bleibt bis 1800 in übung: man siehet nimmer dich in solcher wollust leben, die unser leben schwächt, und stihlt die werthe zeit Opitz 1, 11; ich stehle, du stihlst, er stihlt Schottel 598; stihl, dasz niemand sieht Abraham a St. Clara Judas 1, 434; ein mancher dieb stihlt ochsen, und kühe, aber stihl bey der nacht, dasz niemand sieht ebenda; das ist dir ein korps kerles, ... wo als (immer) einer dem andern die knöpfe von den hosen stihlt Schiller 2, 78 (räub. 2, 3); wer gern lügt, stihlt gern Schellhorn sprichw. (1797) 111. [] I@4@a@b@dddd) die heutige doppelbezeichnung der vocallänge stiehlt ist erst in der zweiten hälfte des 17. jahrh. zu belegen: die trockene wahrheit ... stiehlt .. sich nur mit noth zuweilen durch die fenster in fürstliche zimmer Lohenstein Armin. 2, 160a; was nützt poeterey? sie stiehlt die zeit zu sehr Logau sinnged. 1, 10, 30. (von den wörterbüchern hat sie zuerst Steinbach 1734.) etwas früher im imper.: stiehl viel, gib wenig, so kompst darum Lehmann florileg. (1662) 2, 571, 112 (neben er stihlet, s. unten c, γ); stiehl was du kanst Ettner mediz. maulaffe (1719) 640. so gibt auch Schottel 591: stiehl furare (das er von still, redde quietum, item placidus, und von stiel, manubrium, unterscheidet) neben er stihlt, s. oben. I@4@a@gγ) für das praet. stal — stahl, part. gestolen — gestohlen gilt dasselbe wie für stelen — stehlen, vgl. die belege unter α. I@4@bb) daneben finden sich jedoch nicht ganz selten, im 15. und bes. im 16. jahrh., vereinzelt darüber hinaus, zumeist, doch nicht ausschlieszlich, in oberdeutschen quellen schreibungen mit ll in allen formen, die auf erhaltung der alten kürze hinzuweisen scheinen. I@4@b@aα) inf. stellen: do (1417) kamen Egiptenleut (zigeuner) ... und hetten brief, wer in nit ir almsen gab, dem mochten sy stellen. und stallen gar vast d. städtechron. 4, 119, 8f. (Augsb.); das wir nymmer mere wolten ... stellen Schiltberger reiseb. 14, 17 Langmantel; wann du mehr wilt ain visch stellen, so leg ain lengern mantel an, oder still ain kürzern visch! Zimm. chron. 1, 409, 15 Barack.2; weil ihm allgemach das stellen verginge Anton Ulr. v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 247 (s. unten II, 5, h); he sij reuber ader diep, ire (er) konde gestellen ader gemorden Alsfeld. passionssp. 356; mein glück mein gutt mein leib ... das soll mir stellen kein dieb Th. Hock sch. blumenf. (1601) s. 16 neudr. (8, 5). imper. pl. stellts koan woatzn nit in e. bair. quelle v. 1701 (d. prinz. v. Arkadien 2, 1), s. Bayerns mundarten 1, 339, 40, vgl. s. 359. I@4@b@bβ) er stillt: (der papst) rawbt und stillt unrecht gut Luther 10, 1, 681, 12 Weim. (kirchenpost. 1522); stillt ihm der teufel die farben Abraham a St. Clara Judas 1 (1686), 3. (er stillet, s. c, ε; 2. s.du stellst, s. B. Waldis unter 3, c.) imper. still, Zimm. chr. 1, 409, 15, s. oben α.; s. auch 589, 12. I@4@b@gγ) praet. ob ainer ettwo in der ganzen gegend vederspil abtrueg, stall oder verderbet steir. taid. 67, 29 (16. jahrh.); inn des kam der fuchs und stall die geisz Garg. s. 403 neudr.pl. stallen s. d. städte chr. 4, 119, 9 unter α; die stallen im nachts ... das hailtumb Zimm. chron. 2, 452, 2 Barack2. I@4@b@dδ) part.: der hett der zunft bey 400 fl. gestollen und abtragen d. städte chr. 4, 13, 31 (Augsb., zu 1513); das sacrament ward ... ausz dem sacramentgeheus gestollen 15, 211, 22 (Widmann chr. v. Regensb., zu 1543); der ain sack mit flaisch, brott und anderm gestollen gehapt Zimm. chron. 1, 409, 22 Barack2; mit abgestollener stimme Garg. s. 313 neudr.; du hast dem pfarrer sein rosz gestollen pfarrer v. Kalenb. 1889 (ebenso 2046); mier ist mein herr verloren (var.: verholen) und aus dem grab gestollen altd. passionssp. aus Tirol 224 Wackern. I@4@cc) auffällig lange (bis ende des 17. jahrh., in versen gelegentlich bis ende des 18. jahrh.) hält sich der vocal der nebensilbe in der 2 und 3 sing. ind. praes. auch in diesem falle finden sich alle schreibweisen, die unter a und b für die einsilbige form aufgeführt sind. I@4@c@aα) wer ist nu diser diep der da stilet? Tauler sermones (1508) 71c; ein heilig gefesz der kirchen wirt ... vorunheyliget, ... wan man es stilet und rawbeth Luther 2, 87, 26 Weim., intervertis mihi lucrum, du stilest mir mein gewinn Alberus dict. 6b; der auff der banck [] schlaffet, und der darauff stilet, ... unnd der darauff stelen laszt, sind gleich schuldig Garg. s. 330 neudr.; Davo, ein teuffel der marcken auszgräbet und felder stilet Moscherosch Philand. 1, 660; wer einmahl stilet, der bleibet ein dieb Reinicke fuchs (1650) 99; man raubt und stilet mit der hend H. Sachs 1, 301c. I@4@c@bβ) das er gott sein eere und herligkeit dieplich stielet Karlstadt bei Luther 18, 188, 32 Weim.; (er) stielet, furatur (zu unterscheiden von stillet, placat, sedat) Bellin hochd. rechtschr. (1657) 135; sintemahl du ... andern das ihrige stielest Simplic. schr. 4, 272, 2 Kurz (galgenm. 3); sie (die schminkung) stielet dem altar (l. alter?) die jahre, wenn sie ein funfzig - jähriges weib als eine zwantzig - jährige dirne aufstellt Lohenstein Armin. 2, 92a; und so noch: wenn die mandel du mir stielest ... Herder 27, 83 (Terpsichore 1, 1795, s. 170). I@4@c@gγ) dasz ist ein verschlagener dieb, welcher einem andern dieb sein entfrembdes und gestohlenes gut widerumb stihlet Lehmann florileg. (1662) 4, 72, 4; im wechsel mit der kürzeren form: dann ein buhler, stihlet er nicht mit seinem willen die ehr einer jungfrawen? ein vorsprech stihlet er nicht eim andern sein gut ab? ... ein gauckler, stihlt er nicht einem anderen sein gelt ... ab? ... die liebe stihlet ja mit den augen ... Moscherosch gesichte 1, 32. I@4@c@dδ) einen, der mit gewalt oder list eines andern mannes guth stiehlet Olearius pers. baumg. 7, 11; es stiehlet geld und gut, das endlich doch verfleucht, den meisten ihren muth Treuer deutscherd. (1675) 1, 637; o freund! was nüzt ein fleisz der uns die ruhe stiehlet? Dusch verm. werke (1754) 455. I@4@c@eε) unter dessen kOempt einer, unnd stillet jhm die kleider Frey gartenges. (1556) 24a. I@4@dd) zuweilen wird auch, wie bei allen starken verben, den endungslosen formen im frühnhd. ein unberechtigtes -e angehängt. I@4@d@aα) imp. stile ganz vereinzelt im mhd.: hastu derkant die gebot: ... nit stile erste deutsche bibel 1, 159, 28 (Marc. 10, 19). — das etwas häufigere stele, stehle ist anders zu beurteilen, s. 3, c. I@4@d@bβ) nicht ganz selten im sing. prät. stale, stahle während des 16.—17. jahrh.: so viel das ander hertz betrifft, das ... wider den willen desz, so e. may. solches stale, e. may. verloren Amadis 1, 32 Keller; wann einer unweiszlich stahle Lehmann 4, 74, 39; und stahle er sich in der Antonia palast Anton Ulrich v. Braunschw. Octavia 2, 924; ists recht, dasz man die müntz an müntze wieder zahle, stiehlt den ein rabe recht, der wie ein rabe stahle Logau 135 Eitner (1, 6, 92); Harpax stahle, was ihm kame 145 (1, 7, 37). (er stohle, s. 3, d, α.) I@4@ee) demnach ergibt die conjugation von stehlen im nhd. folgendes bild. zunächst die hauptformen bei einigen hauptautoren und wörterbüchern. Luther: stelen — du stilest, er stilet, pl. stelen, conj. stele, imp. stiel — prät. stal, pl. stolen — gestolen. H. Sachs: stelen — ich stiel, er stilt — stal, stalen — gestoln, s. Shumway s. 97. — Clajus gramm. 105, 18—20 Weinling: ich stele, du stilst, er stilt, wir stelen — ich stal, du stolest — ich habe gestolen. Schottel 598: stehlen — ich stehle, du stihlst, er stihlt — ich stahl, du stohlest, er stahl, wir stohlen, conj. ich stöhle — gestohlen. Stieler 2164: stelen — ich stele, du stilst, er stilt, wir stelen — ich stal et stol, ich stöle — gestolen. Steinbach 2, 718: stehlen — ich stehle, du stiehlst, er stiehlt — ich stahl, ich stähle — gestohlen. bei der folgenden übersicht der hauptformen stelle ich die normalform des 16. jahrh. und die heutige voran. I@4@e@aα) inf. stelen, stehlen. daneben im 16. jahrh. (oberd.) stAelen, s. 3, a; stellen, s. 4, b, α. danach der pl. ind. und der conj. präs. [] I@4@e@bβ) ich ste(h)le; daneben im 16. jahrh. ich steel, s. 4, a, α und oberd. ich stil(e), s. 3, b. I@4@e@gγ) 3. sing. er stil(e)t, stiehlt. im einzelnen s. 4, a, β: er stilt aa, stielt bb, stihlt cc, stiehlt dd; er stillt 4, b, β; ferner 4, c: er stilet α, stielet β, stihlet γ, stiehlet δ, stillet ε; er stelet (?), s. 3, c. (2. sing. du stilest 4, c, α, stielest β, stiehlest δ, du stellst 3, c.) I@4@e@dδ) imp. stiel ( Luther), s. 4, a, β, bb, stiehl. daneben stele, stehle, s. 3, c (stile 4, d, α). I@4@e@eε) prät. sing. (ich, er) stal, stahl; stol, stohl, s. 3, d und α; stall 4, b, γ; stale, stahle 4, d, β, stohle 3, d, α. (2. sing. du stohlest, s. 3, d.) I@4@e@zζ) plur. stalen, stahlen; stallen, s. 4, b, γ; stolen, s. 3, d und β ( Luther); früh-alem. stulen(t), s. 3, f, α. I@4@e@hη) conj. ich stäle, stähle, s. 3, e, α; stöle, stöhle β; früh-nhd. stüle (stule), stiel, s. 3, f, β. I@4@e@thθ) part. perf. gestolen, gestohlen; gestollen s. 4, b, δ. IIII. bedeutung und gebrauch. II@11) stehlen bedeutet: fremdes eigenthum auf unrechtmäszige und heimliche weise nehmen. II@1@aa) glossen und lexikalische erklärungen: anclare ... stelen, steln ader usz scheppen Diefenbach gloss. 33c; clepere hd. steln, stelen, heimlich stelen, nd. stellen 126c; expóliari sameln, ... stelen (Nürnb. 1482) 218c; furari hd. nd. stelen, hd. steln, dieberei pflegen (voc. Straszb. 1515) 252c; legere ... hd. stelen (voc. theut. Nürnb. 1482), steln 322c; manticulari (ahd.) stilo, steln, bedriegen ... entpfremden vel entfuren durch dieberey 348a; subtrahere ... nemen ... hd. stelen 562b; surripere 569a; supputare heymlich steln 568b. — stelen, furari, furtum facere, subducere, subtrahere, convasare, surripere Dasypodius 433a; furor, suffuror, furtum facio, lego, sublego, suppilo p. p. e. c. involo, subvolo, subduco, subtraho, surripio, clepo e. c. ich steel, entwende, entfr, wüsch ausz Alberus dict. (1540) 6b; clepo ... germ. stAelen, rauben Calepinus viii ling. (1584) 234a; compilo ... germ. stelen, rauben 262a; convaso ... significat furto omnia colligo, ... germ. zuosammen raspen, oder lesen mit stAelen 301a; depeculor ... germ. stAelen, rauben 363a; evolo ... germ. rauben, stAelen, mit krummen henden ein ding angreyffen 455a, vgl. 547b; stelen, entwenden desrobber, destourner, embler, corfiner, chifrer, gasconner, etc. Hulsius (1616) 369a; plumer la poulle, courir la poulle, stehlen und rauben, ... gallinis plumas detrahere, gallinas et alia praedari Duez nomencl. (1652) 233; manticulari, beutel abschneiden, stehlen Corvinus fons lat. 386b; surripere, heimlich entziehen, stehlen 531b; contrectare, item est, mit sich trecken, oder ziehen, mit heissen gehen, stehlen 688a; stelen, furari, rapere, eripere, auferre, harpagare, furtum facere, expilare Stieler 2164; stehlen, 'jemanden heimlich etwas entwenden' Braun orthogr.-gramm. wb. (1793) 245b. II@1@bb) als milderer ausdruck für stehlen dient jetzt bes. entwenden, s. das. 3, th. 3, 653 und oben Quistorp unter I, 4, a, β, bb. ferner: der mann hats gestohlen, hat einen juden erschlagen, und es ihm abgenommen mährleinbuch (1799) 132; da sah er ... eine alte häszliche frau, die ... zwei schleier heimlich bei seite that; dafür nachher: das ich bei der wäsche zwei schleier stehlen sah Grimm märchen s. 141 (nr. 35). in familiärer und niederer rede sehr verbreitet mausen, s. das. 5, th. 6, 1827 f. vgl. J. Grimm kl. schr. 2, 435, das in einzelnen mundarten stehlen geradezu verdrängt, s. Jecht 107a (Mansfeld), Dellit 140 (Kleinschmalkalden). so als leichterer fall unterschieden: 'ne grosze familie hat die frau, aber stehlen ... ne. a bissel mausen, ja! G. Hauptmann d. biberpelz 76. sehr gewöhnlich auch stibitzen, s. das. ferner ausführen, ausspannen, grapschen, gripsen (Unger-Khull steir. 306b, vgl. unter krips 2, b, α, th. 5, 2329), klauen (2, th. 5, 1033), klemmen (1, b, th. 5, 1139, vgl. Maurmann Mühlheim an d. Ruhr § 40), mottkern (Danneil 140a, neben mûs'n, müskern 142a), stenzen, strenzen, striezen (s. das.). für Leipzig bemerkt Albrecht 216b: 'stehlen ist an sich, als zu vornehm, wenig gebräuchlich; dafür mehr denn ein dutzend andere wörter, die unter kazen zusammengestellt sind', vgl. 145a (hier, auszer den angeführten: kapern, krallen, mitgehen heiszen, ripsen, [] schieszen, strafen; weitere verzeichnet Müller - Fraureuth 2, 558a). litteraturbelege für solche euphemismen: ich nenne es so ererbet, andere leut nennen es aber gestolen schausp. d. engl. komöd. 233, 4 Creizenach (tragikom. 4, 3); was sie (die diebe) erbeuteten (denn man nennets jetzt nicht mehr gestolen) B. Hertzog d. schiltwache d 3; müller: ich glaub' gar, bua, du hast auch mit gestohlen! Hans Wurst: warum nit gar, gestohlen? ich hab's nur z'sammklaubt! puppenkom. 5, 70 Engel, sowie unter d. im rotwelschen dafür ganfen (aus hebr. ב), s. th. 4, 1, 1219; so schon in dem hd. liber vagatorum (1510): genffen stellen, s. Kluge rotwelsch 1, 53, 69, vgl. Luther 26, 652 Weim. beliebte umschreibungen sind krumme oder lange finger machen, s. finger 3, th. 3, 1652. älter: du findest vil in Diebolts thon, das heiszt man an etlichen enden gestolen fastn. sp. 866, 35. weniger definitionen des wortbegriffes als erweiternde ausdeutungen des sinnes sind die erklärungen des siebenten gebotes in den katechismen, z. b.: wie stilt man denn? antwort. wenn man wuchert. falsche masz gibt, falsche gewicht braucht, bOesz vor guttes gibt. vordintthen lohn vorhelt, odder vorleucket. die do geytzig seyn, das sein diebe fur got. und thut nichts anders als stele ers seynem bruder ausz dem beutel älteste katechismen s. 26 f. neudr. (von 1527). II@1@cc) stehlen ist die thätigkeit des diebes, vgl. dieb, th. 2, 1085 ff.: der dieb hat gestohlen, fur furtum fecit Steinbach 2, 718; der diep getörste niht steln, künder nit louken unde heln Vridanc 46, 25; als ein diep der verholne stelen vert heidin iv, 1175; he rovet, he stelet alze eyn deff Reinke de vos 101; wen du sichst stelen einen dieb, so lauffst mit jm H. Sachs 18, 210, 6; stilets jm aber ein dieb 2 Mose 22, 12; ain nachtdieb gieng ains mals in ain hus ze stelen Steinhöwel Äsop s. 113 Österley; man lert offt einen stelen, unnd macht underweilen dieb S. Franck sprichw. 2, 29b; die poeten halten den Mercurium für einen dieb, und der dieben gott, dann sie ihn angebetet, wann sie haben stehlen wöllen Lehmann 4, 75, 41; da diese diebe keine bande ausmachen, sondern ein jeder für sich stiehlt Archenholz England u. Ital. 1, 121; der staat bezahlt die amtleut, dasz sie einen dieb richten, wann er gestohlen hat; da musz ihnen daran gelegen sein, dasz die dieb recht stählen. wenn ich die sach zu machen hätt, da krägen sie nix, wenn ein dieb stiehlt, allein aber für jeden dieb, der nicht stiehlt, einen louisdor Ludwig 2, 70; bin i a diebin? hab' i g'stohl'n? Ebner-Eschenbach 4, 344; wie können Sie eine feder auf den hut stecken, die Sie gestohlen haben, wie eine gemeine ladendiebin? G. Keller 4, 59. so in einigen bekannten bibelstellen: es ist einem diebe nicht so grosse schmach, ob er stilet, ... weil jn hungert spr. Sal. 6, 30; jr solt euch nicht schetze samlen auff erden, ... da die diebe nach graben und stelen Matth. 6, 19; ein dieb kompt nicht, denn das er stele, wrge, und umbbringe Joh. 10, 10, so schon ahd., s. Tat. 133, 10, vgl. Hartmuth v. Cronberg s. 81 Kück. s. auch fastn. sp. 866, 34 unter b. dazu noch: er (d. teuffel) ist ein dieb, der steigen kan, aber nicht stehlen Abraham a S. Clara etwas für alle 2, 195; vgl. auch: stal im daz dupliche Freiberger stadtr. xix § 10. sprichw.: seht, diep stal diebe Walther v. d. Vogelweide 105, 25. für dieb auch spitzbube, allgemeiner schelm: was die schelme nicht stehlen, das verderben die narren Droste-Hülshoff 2, 297. II@1@dd) stehlen schlieszt den begriff des heimlichen als wesentliches merkmal ein; vgl.: die sich mit einander berichten und ir den scherben heimlich namen und [] stalen Montanus 94, 16 Bolte (wegk. c. 37); ausdrücklich hinzugefügt: stelen heymlich, sublegere Dasypodius 433a; heimlich stelen, suffurari Stieler 2164; heimlich hausrath stehlen, clanculum suppellectilem compilare Steinbach 2, 718; ich trûwe ouch uns die barkenwol verholne steln Ortnit 291, 1. durch das nichtwissen des besitzers unterscheidet sich stehlen von rauben: einem andern das seinige heimlich, das ist, wieder sein wissen und willen wegnehmen, heisset stehlen: einem hingegen das seinige öffentlich, das ist, mit seinem wissen, aber wieder seinen willen, nehmen, heisset rauben Wolff von der menschen thun u. lassen 603; vgl.: (sie) roubeten im daz abe mit gewalt oder stalen im daz abe dupliche Freiberger stadtr. xxi § 1; sy nemen nichtz verholen, wann rauben ist nit gestolen Cl. Hätzlerin II, 74, 68 ('von der scharpffen rewtter orden'). doch werden beide wörter sehr gern verbunden ohne genauere unterscheidung (vgl. Calepinus und Duez unter a): denn die strassenräuber, diebe, beutelschneider und räuber, rauben und stehlen; die seeräuber beuten Comenius janua 485; daʒ solich steln und rouben geschæhe mit sînem willen Ottokar reimchr. 25041; wann ains (ein rosz) raubt, stal ich Oswald v. Wolkenstein 64, 11 Schatz; es sey im gerabt oder gstoln H. Sachs schwänke 1, 187, 116; der ... iunker reit mit Ulenspiegel ... und halff rouben, stelen, und nemen Eulensp. 10; (Hippokrates) liesz seyn volck von erst dieplich auff sie reysen, und heymlich rauben und stelen Carbach Liv. 132a; ain kirchendieb, so in ain kirchen einbrochen, wann er stilt und raubt Joh. Nas antipap. eins u. hund. 1, 207a; wo das goldne zeitalter floriret, ... wo niemand geraubt noch gestohlen maler Müller 1, 282; ähnlich: itzt haben wir wieder gewonnen, was euere räubershand mit stehlen und plündern genommen Ditfurth histor. volksl. des pr. heeres 2 (schlacht bei Fehrbellin 1675). vgl. auch: wo die leute mehr aus muthwillen zugreifen als aus der absicht zu stehlen, oder kürtzer, mehr neugierige als räuberische finger haben Lichtenberg briefe 1, 90. II@1@ee) sonst mit synonymen und umschreibungen zusammengestellt (vgl. a): stehlen und nehmen: wann die tugenden muogen nit genumen, nit gestolen ... werden Albrecht v. Eybe eheb. 35, 29 Herrmann; wenn er dir schon ... das deine stilt und nimmet Pape bettel- u. garteteufel e 7a; heww ick äwerall meindag' stahlen un namen? Reuter 2, 377, 26 Seelmann (vgl. z. 31; stromtid 2, 25). ferner die leute stelen auch, und enthalten sich nicht von frembdem gut Barth weiberspiegel (1565) g 4a; (sie) stehlen und vertragen mächtig gerne das geld Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) 104; fingen sie an zu stehlen und alles auf die seite zu bringen, was ihnen in die hände fiel Forster sämtl. schr. 1, 185, s. auch 5, 399; hatten sie nicht ein schönes recht für sich, erkauft, oder gestohlen, oder erschlichen, gleich viel ...? Alexis Roland v. Berlin 1, 122; das lumpengesindel will doch nur stehlen und seitabtreiben? Pocci lust. komödienbüchl. 79. vgl. auch: es ist schimpflich, eine börse zu leeren — es ist frech, eine million zu veruntreuen, aber es ist namenlos gros eine krone zu stehlen Schiller 3, 84 (Fiesko 3, 2); parodiert bei Gleich Fiesko 1, 12 (Raimunds vorgänger s. 282 Fürst). II@22) germ. *stelan scheint zunächst auf absoluten gebrauch beschränkt, während in transitiver fügung die composita (*bi- und westgerm. *furstelan) stehen, vgl. Delbrück synkretismus s. 96 f. (dabei ist abgesehen von dem reflexiven gebrauche, der ebenfalls gemeingerm. ist, s. unten 7.) so ist got. stilan nur absolut belegt (Matth. 6, 20; [] Joh. 10, 10, vgl. 1, b). auch im altdeutsehen scheint dieselbe beschränkung zu gelten. so ist in der Tatian-übers. stelan nur einmal absolut gebraucht (133, 10), neben transitivem furstelan; ebenso bei Otfrid ( iv, 27, 4, neben firstelan), während im Heliand nur farstelan vorkommt. besonders deutlich in der beichtformel: ik stal, ik farstolan fehoda sächs. beichte (Wadstein 17, 6), ebenso Lorscher beichte 16, bruchst. 9. in den andern germ. sprachen ist allerdings früh transitive fügung üblich geworden, und zwar wird altn. stela mit acc. der person und dativ (altschwed. gen.) der sache verbunden, berauben (nú er maðr stolinn fé sínu), s. Cleasby-Vigfusson 591b, wie ags. bestelan, daher von Delbrück wohl mit recht auf *bistelan zurückgeführt; vgl. bestehlen, th. 1, 1672, wo diese rection üblich geblieben ist. dagegen ags. stelan, neben dem überwiegenden absoluten gebrauche, mit dat. der person und acc. der sache, s. Bosworth Toller 915b, wie ahd. as. furstelan. auch im deutschen ist diese rection herrschend, indem das einfache verb an die stelle des compositums getreten und dies immer mehr verdrängt hat. (vgl. die genesis-stellen unter 3, c. verstehlen gegen 1600 in transitivem gebrauche erloschen, s. th. 12, 1, 1701 f.) doch ist die absolute gebrauchsweise immer sehr häufig geblieben. II@2@aa) wo ich zu arm wrde, mOecht ich stelen sprüche Sal. 30, 9; herr, was wolt jhr mit diesen schlsseln thun, wolt jhr stelen? buch d. liebe 103a; so lange er befahl, diente — und stahl man Herder 23, 451; präsident. alles ist gewonnen, sobald wir ihm das mädchen verdächtig machen. hofmarschall. dasz sie stehle, meynen Sie? Schiller 3, 431 (kab. u. l. 3, 2); liebe Lehne, du hast doch nicht gestohlen? Arnim 1, 241; mecklenburg. volksglaube: wen dat in de twölften glückt, tau stehlen, denn glückt't dat ganze jor hendörch Bartsch sagen 2, 249, 286. II@2@bb) das siebente gebot lautet: du solt nicht stelen 2 Mos. 20, 15, s. ferner 5 Mos. 5, 19; Matth. 19, 18; Marc. 10, 19; Luc. 18, 20; m. 13, 9. das siebende geboth. du salt nicht stelen. fremde guther zw sich tzihen ist ein frucht des geytzes und begirde ... Luther 1, 251, 14 (erkl. der zehn gebote 1518), s. auch 6, 270, 26 und Berthold v. Chiemsee s. 363; du solt nicht stelen! so spricht got H. Sachs 1, 72, 15 Keller; dann du weist, das gott selber spricht, du solt deim nechsten stelen nicht B. Krüger Clawerts werckl. hist. s. 31 neudr. dazu ferner: du predigest, man solle nicht stelen, und du stilest m. 2, 21; wer gestolen hat, der stele nicht mehr Eph. 4, 28. II@2@cc) mit modalen bestimmungen: die Lacedämonier haben den diebstahl für eine sonderliche tugend gehalten: darumb ihre kinder einen sonderlichen lehrmeister gehabt, der sie listiglichen stehlen gelehret: und wann einer unweiszlich stahle, ward er darum geschlagen, nicht von wegen desz diebstahls, dasz er unrecht gethan, sondern dasz ers nicht recht, auch zu rechter zeit, und gelegenem ort gestohlen Lehmann 4, 74 f., 38; in Sparta besangen sie den dieb, je kunstfertiger er zu stehlen verstand Bonaventura nachtwachen 61, 27 Michel; vgl. Immermann 1, 76 Hempel (Münchh. 1, 6); bist du der junge, der so gut stehlen kann? Ilse Frapan bescheidene liebesgesch. 77. in freierem sinne (vgl. unten 4): nein! der kerl ist ein spitzbube. ... er stiehlt, aber ... mit juristischer schlauheit Lichtenberg erklärung der Hog. k. 3, 29; diese verschafften dem dienstfertigen manne ... eine lieferung für die armee des griechischen kaysers. er stahl aber dabey auf eine so grobe art, dass er bald flüchtig werden musste Klinger 3, 85 (Fausts leben 2, 5). — sah er nur einen ausweg vor sich — ... den ausweg honett zu stehlen ... er wurde wilddieb Schiller 4, 65 (gilt nicht für unehrenhaft, weil kein einzelner dadurch geschädigt wird). — die Hackfeldin hat blos ihre schwestern gemiethet, um nicht verrathen zu werden und in sicherheit zu stehlen Lichtenberg briefe 2, 4; [] im dunkeln stahl es sich so leicht Pfeffel poet. vers. 9, 29. II@2@dd) mit ortsangabe: überdem, wer mochte stehlen in einem leeren hause! Alexis Roland v. Berlin 1, 428 (16. kap.). gewöhnlicher mit aus, von: (malefizhandel ist:) xvii., wer geweicht kirchen pricht, darausz stilt Knebel chron. v. Kaisheim s. 477 Hüttner; dasz er es wage in ihren garten zu kommen und darausz zu stehlen Grimm märchen (1812) 1, 39 (Rapunzel). ferner: von dem statt schatz stelen peculari, depeculari Dasypodius 433a; ausz dem gemeinen seckel stAelen avertere pecuniam publicam Maaler 383b; ausz der tAeschen stAelen ... manticulari 383c. II@2@ee) so auch von einem oder gewöhnlicher einem, sehr selten ohne object: er hat nit die ee gebrochen, niemandt gestolen (var.: dz seyne gest.) Luther 10, 3, 178, 5 Weim.; das er da her kommen wOelte uns zusteelen Fortunatus s. 60 neudr. (vorher: der uns vor das unser gestolen hat s. 58); du solt eym andern stelen nicht Luther geistl. lieder s. 38 Klippgen (12, 5). ungewöhnlich reflexiv: wer ym selbir stylt und tzyget (zyet, zeiht) des eynen andirn Kulm. recht 5, 35; im selber stelen, übel schweren, ... die schelmen solt man billich schwemmen! Murner narrenbeschw. 16, 71. freier bezogen: darfft dw gotte sthelen, so darff er dich uff das hellische radt holen Luther 34, 1, 335, 21 Weim. — für einen: wo find' ich eine, wie ich eine hatte, die für mich stahl, bis sie in's zuchthaus muszte! Hebbel 2, 92 (trauersp. in Sic. 3). — ungewöhnlich auf einen, auf seinen namen: man nante ihn wegen seiner grnen kleidung den jAeger, derhalben ich auch eins machen liesz, und stal auff ihn in seinen und unsern eignen quartiren ... ich aber mausete noch immerfort in seinem namen Simpl. s. 353 neudr. (4, 21). II@2@ff) mit zweckangaben: auf diese art könnte jeder liederliche bursche zur befriedigung seiner ausschweifungen stehlen Iffland theatr. werke 1, 196 (verbrechen aus ehrs. 3, 11); dasz man eher behufs der pflege eines fremden stehlen, als ihn abweisen dürfe Raumer gesch. d. Hohenstaufen 1, 366. II@2@gg) besondere subjecte. am ehesten stehlen arme (vgl. spr. Sal. 30, 9 unter a): der armo chît. uuanda ih nieht nehábeta be diû stal ih Notker 2, 288, 15 Piper (ps. 72, 9). — von dienstboten: ein weib oder knecht die gern jrem mann und herrn stelen S. Franck sprichw. 2, 19a; was stahlen doch alle diese domestiken Bismarck briefe an s. braut s. 48. — früher besonders den soldaten nachgesagt: Fuchsmundi (zu s. braut). und ich (liebe dich) so sehr, als ein hungeriger soldat das stehlen Stranitzky ollapatrida s. 235, 2 neudr.; nach einiger anderer soldaten-art, auf merode, oder besser zu sagen, stehlen zu gehen, war seiner noblen ambition zuwider cavalier im irrg. s. 463 neudr.; ferner Stephanie d. j. lustsp. (1771) 51 (d. werber 3, 5). — auch als eigenthümlichkeit gewisser völker: die züginer (zigeuner), ein ... volck, das sonderlich gern stilt Seb. Münster cosmogr. 300; er müszte, sagte er (Carl V), die Deutschen trinken lassen, und die Spanier stehlen Kästner verm. schr. 2, 130. sprichw.: ärger stehlen als ein Böhme Wander 4, 802, 120: meinem knecht, (welcher Aerger stelen konte als ein Böhme) Simplic. s. 392 ndr. (5, 6). II@2@hh) auch von thieren: wie der himmel den wolff zu stelen reitzt und zu rauben, also auch den menschen, der der wolff ist Paracelsus opera 2, 328 a. — sprichwörtlich, bes. von vögeln genommen: sic enim de homine furace dicunt, er stielet wie ein rabe B. Faber thes. erudit. schol. (1587) 517a; er stiehlt wie ein rabe, est milvinis ungulis Steinbach 2, 718; ich weisz doch etliche, die mitt aller ihrer gottesfurcht stehlen, wie die raben Elisab. Charlotte 3, 656 (18. oct. 1715); s. auch Logau 1, 6, 92 unter I, 4, d, β, vgl. Eiselein 517; Wander 4, [] 803, 130 (mit erkl.) und rabe 2, th. 8, 6. häufig in mundarten: tirol. Schöpf 705; bes. nd. Danneil 208b. ten Doornkaat-Koolm. 3, 308b. Woeste 253b. Leihener 115b. Frommann 5 163, 154 (märk.). er stilt wie eine atzel (elster), egli rubba al pari ... d'una pica Kramer dict. 1, 37c; er stiehlt wie eine dole Kirchhofer schweizer. sprichw. (1824) 278; nd. he stillt as een rook (rabe) nd. korrespondenzbl. 17, 3b. 4b (aus Richey 216. Schütze 3, 305) s. ferner 3, e. II@2@ii) häufig im inf.: ich glaub, wir mssn erst lernen stelen H. Sachs fastn. sp. 27, 11 (ged. 5, 339a); stelen gan, s. Gerhard v. Minden 20, 1 unter 1, b; furaciter ... mitt lust zuo stAelen Calepinus viii ling. (1584) 547a; es würde eine neue art von gefährlichen spitzbuben geben, wenn man einmal anfangen wolte die rechte zu studiren um zu stehlen Lichtenberg aphorismen 3, s. 157, 16. — substantiviert: stelen ist verpoten Berthold v. Chiemsee im reg.; in meiner (des todes) theologia ist das stehlen erlaubt Abraham a S. Clara mercks Wien s. 89; das stehlen musz seyne schooszsünde seyn Gerstenberg rezensionen 63, 28 Fischer; er hat seine schwester, welche ihm sein vieles stehlen vorwarf, eigenhändig erwürgt Grabbe 1, 173 Grisebach (herz. Theod. v. Gothl. 4, 2). im gen.: furtificus ... das da stAelens gewohnt ist Calepinus viii. ling. (1584) 547b; ein nachbaur schem des stelens sich H. Sachs 5, 158d. mit präpositionen: sie enthalden sich nicht weytter vom stelen den umb forcht des galgens Luther 34, 1, 138, 18 Weim.; auf beute, auf das stehlen ausgehen Adelung umst. lehrgeb. 2, 163; würdest du dich offenbaren, so würde man glauben, du seyest desz ertödten gesell im stehlen ... gewesen Grimmelshausen 2, 426, 15 Keller (vogeln. 1, 12). besonders sich mit stehlen ernähren, vom stehlen leben u. ähnl.: mit stelen sich begohn, vecticulariam vitam agere Dasypodius 433a; die bauern müssen vom stehlen leben, wenn sie nicht verhungert ... umfallen sollen Federer Sisto e Sesto 56; ebenso Müllner schuld 3, 3 v. 1439. II@2@kk) nicht häufig im part.: da es schon dazumal stehlende bücherfreunde gab G. Keller 6, 137; wie allraunen zu bekommen, und wie diese dienstbar geld und was ein weltliches herz sonst begehre mit stehlender untrüglicher listigkeit zuführten Arnim 1, 23. II@2@ll) stehlen mit andern thätigkeitswörtern zusammengestellt. mit verben von ähnlicher bedeutung: jr solt nicht stelen, noch liegen, noch felschlich handeln einer mit dem andern 3 Mos. 19, 11; darumb jederman so tollgirig zabelt und grabelt, ... kriegt und betrgt, wlt und stilt Garg. s. 20 neudr.; ich hatte ... noch bey 2500 reichsthaler baar gelt so ich beydes mit schachern und stelen zusammen gebracht Grimmelshausen 4, 660, 9 Keller (vogeln. 2, 21); wo man ... nicht mehr zu arbeiten lust hat hingegen an gelde mangel leidet; so leget man sich auf stehlen und betrügen Wolff von d. menschen thun u. lassen s. 348; des stehlens und des unterschleifs (war) kein ende Göthe 20, 58 (Wilh. Meister 7, 6); das mancher stAelen ouch versuocht, liegen, triegen, schelmengwAerb H. R. Manuel weinsp. 2179. vgl. dazu auch: borgen ist viel besser nicht als betteln: sowie leihen, auf wucher leihen, nicht viel besser ist, als stehlen Lessing 2, 258 (Nathan 2, 9); haben und nichts geben, ist in manchen fällen schlechter als stehlen Ebner-Eschenbach 1, 9. — mit andern verbrechen: der diep kann nit: newer das er stel und erschlúge und verlúr erste deutsche bibel 1, 378, 10 (Joh. 10, 10, vgl. unter 1, b); gotteslestern, liegen, morden, stelen, und ehebrechen, hat uber hand genomen Hosea [] 4, 2; wer aus gewinnsucht raubt, stiehlt, mordet, fälscht, ... der ist als held eines ernsten dramas völlig unbrauchbar Freytag techn. des dramas 59; mort, not zogen oder stelen mag sich nicht vor im verhelen Heinr. v. Neustadt Apollon. 4527 Singer; und hont gestolen und gebrandt, geroupt, gemordet mit der hant ... Murner badenf. 11, 29 (s. 12b Martin); stehlen, morden, huren, balgen heiszt bey uns nur die zeit zerstreun Schiller 2, 153 (räuber 4, 5). neben andern erwerbsweisen: es gibt nur vier arten, sein geld auf eine menschliche weise zu verdienen, es finden, in der lotterie gewinnen, erben oder in gottes namen stehlen Büchner 116 Franzos. bes. mit betteln verbunden oder ihm entgegengesetzt: kanstu nit so vil stelens, das du betlen gehest? Frey gartenges. 17, 32 Bolte (cap. 9); ich ... bin ein bedienter, der — wenn das schlimmste zum schlimmen kömmt, — für seinen herrn betteln und stehlen kann Lessing 1, 521 (Minna v. Barnh. 1, 8); er (der 'erzpoet') könne nicht den acker bauen, schäme sich zu betteln und wolle nicht stehlen Scherer gesch. der d. litt. 76, s. auch Müllner schuld 3, 3 unter i. ihr arbeitet und sie thun nichts, ergo ihr habt's erworben und sie haben's gestohlen Büchner 12 Franzos (Danton's tod 1); Schnaps. ... dasz ich diese kleider ... von einem armen teufel geerbt habe. edelmann. geerbt? er pflegt sonst zu stehlen Göthe 14, 304 (bürgergen. 14). els. ër het s nit gstole, er het s g(e)erbt 'sagt man von kindern, die dieselben schlechten eigenschaften besitzen wie die eltern' Martin-Lienhart 2, 591b. II@2@mm) zahlreich sind sprichwörter und sprichwörtliche redensarten. II@2@m@aα) wer einmal stilt, der musz sein lebenlang ein dieb seyn Petri Fff. 3b, oder ist allezeit ein dieb Dentzler 274a, heiszt allzeit dieb Eiselein 117, ist immer ein dieb Simrock 9847, s. auch Henisch 695, 35. 846, 3, Wille sittenl. 113, Wander 4, 800, 83 f. und Reinicke fuchs s. 99 unter I, 4, c, α; bes. im nd. s. Dähnert 460b; ten Doornkaat-Koolman 3, 308b; Bauer-Collitz 99a; Firmenich 3, 122, 14. stiehl einmal und blieb dein lebtag ein dieb Simrock 9848. hängt wol zusammen mit dem glauben an den angeborenen unüberwindlichen hang: so wenig läst der hund sein bellen, so wenig läst der dieb sein stehlen. Lehmann 4, 72, 8. (erweitert bei Wille sittenl. 32.) vgl.: es ist ein grosser und fürnehmer herr gewesen, welchem gleichsam dasz stelen angeboren gewesen, wann er einen köstlichen edelgestein, oder sonsten was kostbarlich gesehen, seine hände kaum habe davon enthalten können 4, 73, 15. — so weiter: welcher am kleinen anfahet stehlen, der treibt's am grösseren Dentzler 274a, s. auch Kirchhofer schweizer sprichw. s. 145 (der treibt ['s] ins grosze Simrock 9852 a); man kann bey einer glufe stehlen lernen s. 144. II@2@m@bβ) andrerseits kommt's auf die gelegenheit an; so schon mhd.: diu state lêrt den diep steln, swenne er vindet daʒ guot unbewart und unbehuot heidin IV, 114; occasio facit furem. stat und stund machen den dieb stelen (folgt auf die unter I, 3, b angezogene redeweise). S. Franck sprüchw. 2, 85b, vgl. Lehmann 3, 320, 107. gelegenheit macht stehlen Rachel sat. ged. s. 113 neudr. (8, 197). (gewöhnlich: gelegenheit macht diebe, s. gelegenheit 4, f, th. 4, 1, 2948 f.) II@2@m@gγ) (fur cognoscit furem ...) es ist bOesz stelen wo der wirt ein dieb ist S. Franck 1, 87b und 2, 63a. Petri Aa 4a. Henisch 694, 41. Lehmann 4, 76, 50. Stieler 2164 (hospes ubi fur est, durum est subducere quidquam); vgl. auch Steinbach 2, 718; wo der wirth ein dieb ist, ist nicht gut stehlen ('schlaue leute sind schwer [] zu hintergehen') Schellhorn sprichw. (1797) s. 141; es ist schwer stehlen ... Simrock 9846. danach: weil sie augenscheinlich spren, dasz jnen daselbs, da der wirt ein dieb ist, nicht wird zu stelen seyn Garg. s. 4 neudr. vgl. auch Vridanc 47, 5. — es ist bösz stehlen wo nichts ist Dentzler 274a. Kirchhofer schweizer. sprichw. s. 145. II@2@m@dδ) stehlen gern mit lügen in verbindung gebracht: wer gern leugt, der stilt gern S. Franck 1, 75b, genau so bei Moscherosch, s. unter I, 4, a, β, aa; wer lügt, der stiehlt teutsche sprichw. (1790) s. 119, 280; els. Martin-Lienhart 2, 591b, lothr. Follmann 495a. erweitert: wer gern stiehlt, der leugt auch gern; wer gern leugt, der stiehlt auch gern Zinkgref 4, 352 bei Wander 4, 801, 47; wer lügt, der stiehlt, wer stiehlt, der lügt, das ist ein sprüchwort, das nicht trügt Kirchhofer schweiz. sprichw. 162, ebenso Frischbier preusz. sprichw. 1, 252, 3607. anders ausgedrückt: stelen und liegen ist gern bey einander: dann die lügen ist die erste staffel zum galgen Lehmann 3, 320, nur der erste satz bei Wille sittenl. 113 und Simrock 9855. (auch: ein junger lügner, ein alter dieb Schellhorn sprichw. s. 111.) — stilt eine, so thut sie auch wider ehr Petri Tt 2a. II@2@m@eε) mit dem stehlen gilt gleich beihilfe zum diebstahl: stelen und sakaufheben ist eins wie das andere Eiselein 577. Simrock 9840; wer die leiter hält ist eben so gut, als welcher stiehlt Hippel über d. ehe (1774) 36. bes. aber das hehlen, vgl. das. 2, a und hehler, th. 4, 2, 787, sowie unter stehler; stelen und dazu schweigen still, gilt beides gleich viel Petri Tt 1b. so schon mhd.: wan der dâ verhilt der ist ein dieb als wol als jener der dâ stilt Berthold v. Regensburg 1, 217, 17; swâ ein diep den andern hilt, dane weiʒ ich weder mê stilt. Vridanc 46, 24, vgl. 25 f. sogar: noch schuldiger ist jener der dâ hilt, denn jener der mit sorgen stilt Hugo v. Trimberg renner 3968. zur begründung: es ist ein gemein sprichwort, wenn der dieb nicht wüszt mit dem diebstal wohin, so blib offt stelen vermitten Seb. Franck chron. (1531) 218a, s. auch Kirchhofer schweizer. sprüchw. s. 144. vgl. J. Grimm rechtsalterth. 636. II@2@m@zζ) mit bezug auf die alte strafe des diebstahls: stelen ist beym hengen verboten Petri Tt 1 b; stelen sagt man im gemeinen sprichwort, ist bey hencken verbotten Sandrub hist. u. poet. kurtzweil s. 24 neudr.; wer zum stelen ist gebohren, der ist auch zum hencken erkoren Lehmann 4, 73, 16, vgl. Wille sittenl. 114, ist zum hängen auserkoren Simrock 9845; bistu geborn zum stehlen, so bistu geboren zum hengen Schottel 1118b; wer sich stelens tröstet, der tröste sich auch desz galgen Petri Kkk 1a, ebenso Henisch 1338, 12; vgl. Schottel 1130a, Simrock 9844, Schellhorn sprichw. s. 144. mit gestohlen, mit gehängt Wander 4, 798, 38. vgl. auch: leser. wann ist dann gut stelen? doctor. drey tag darvor als gut hencken ist. .... das stelen geht wol offt stricklich, oder sag ich glücklich, das hencken aber noch glücklicher Guarinonius grewel der verwüstung 1006. westfäl. wai besoapen stelt, mot nöchtern hangen Firmenich 1, 363, 34. wer kühnlich stilt, der denckt an kein hengen Petri Eee 8a. wer stehlen will und nicht hangen, geh nach Bremen und lasze sich fangen. Simrock 1285, oder: der lasz sich zu Schaffhausen fangen 8832. beim diebstahl hört die bruderliebe auf, daher: stilt mein bruder, so hengt ein dieb Henisch 695, 10 oder so hängt der dieb Gottsched 555c; jetzt mit geänderter konstruktion: hängt den dieb! Frischbier preusz. sprichw s. 1, 252, 3606, auch nd. s. Firmenich 3, 122, 15. [] Woeste 254a. — allgemeineres: stelen ist ein gut handwerck, aber es lohnt ubel Petri L 1b (auch Wille sittenl. 114); wer stilt und raubt, der fuhrt die braut, was gewint er aber für ein end? Kkk 3b. Henisch 487, 62; um das stelen ist es ein besonder ding: es kostet oft mer, als es einbringt Eiselein 220. II@2@m@hη) beszer stelen, dann anzeigen oder zeugen Eiselein 577 (aus Lehmann und Eisenhart). Simrock 9841 f., letzteres wol entstellung aus es ist besser stehlen als zeihen 12011, von Wander 4, 797, 17 aus dem alten rechtsgrundsatz erklärt, das den kläger selbst die strafe des verbrechens traf, wenn ihm der beweis nicht gelang. anderes: wer stilt, der sorgt, man erfars. fastn. sp. 526, 9. II@2@nn) auf dem absoluten gebrauche beruht auch die fügung mit dem (doppelten) acc. des affekts: dem kranken landvogt Greif, der sich zum Crösus stahl, begann der tod schon zung und hand zu lähmen. Pfeffel poet. vers. 9, 62. so freier gebraucht: wer meinen ruhm berupft, stiehlt zwar sich selbst nicht reich; mich aber stiehlt er arm Hagedorn poet. werke 1, 79. II@33) am häufigsten ist im nhd. die transitive fügung mit dem sachobject im acc. II@3@aa) gelt stelen, avertere ab aliquo pecuniam Stieler 2164; bestimmtere angaben: was stilstu? thaler, thaler unter allerlei spielen aufgeführt Garg. s. 262b neudr.; diser war ein haupt-dieb, denn zehen tausend pfundt zu stehlen ist eine ehrliche zahl in einer unehrlichen sach Abraham a St. Clara Judas (1686) 1, 324. gold, silber: wie solten wir denn aus deines herrn hause gestolen haben silber oder gold? 1 Mose 44, 8; gut: swer ein kleine diube tuot, der stæle ouch lîhte ein grœʒer guot Vridanc 47, 23; du solt nicht stelen frembdes gut G. Werner bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 32a; du sollt nicht stelen gellt noch gut Luther geistl. lieder s. 37 Klippgen (11, 8); rechte reichtumb kann kein dieb stelen, kein schab verzeren, noch kein rost fressen S. Franck sprüchw. 1, 117b. — mit dativ der person: einem geld stehlen, alicui pecuniam furari Steinbach 2, 718; (freier:) das glück .. ist ... eine spitzbübinn: es stiehlt dort dem verdienten manne geld und gut, um es dem unverdienten zuzuwenden Hippel kreuz- u. querz. 1, 66; so sollst du eine million zur belohnung haben, ich will sie einem könige mit gefahr meines lebens stehlen Schiller 2, 172 (räuber 4, 5). II@3@bb) sonst mit den mannigfachsten objecten: er stiehlteinen silbernen becher, poculum aureum subripit Steinbach 2, 718; nüʒʒe nieman stelen mac, ern habe ze ieglîcher einen sac Vridanc 47, 16; ein diep stal das (pferde-) geschirr als sant fastn. sp. 565, 34; wann dann ainer dem andern ain sattel, ain stiegleder oder sölich ander ding stal Ulrich v. Richental Const. conc. 112; Ambrogiolo ... sich mit den kleineten die er der erbern frawen gestolen hette wider gen Parisi füget Arigo decam. s. 146, 17 Keller; wenn sie von der uhr reden, so haben sie gewisz die tobacksdose zu stehlen im sinne Lessing 1, 309 (d. juden 2); indem hatt' ich das unglük, dasz mir mein einziges kleid ... gestohlen wurde Schubart leben u ges. 2, 4; die meisten seiner compositionen wurden ihm gestohlen ästhetik der tonk. 141; Fiesko ... wo ist mein orden? mohr. herr ich hab ihn gestohlen und versezt Schiller 3, 51 (Fiesko 2, 4); zudem war der jude, der das loos ge stohlen, auf ein jahr zum karren verurtheilt Hegner ges. schr. 5, 8; den scherben sie jr heimlich stalen H. Sachs 1, 162d; [] wie, wenn wir heindt zu nacht all zween hlffen einander zu den sachen und stelen jm sein schweinen bachen? fastn. sp. 41, 38; die Thorheit fand einmal das Glücke schlummernd liegen, und stahl ihr ... so füllhorn, als gewand Cronegk schr. 2, 143; und die armen schuhe sind gestohlen. Herder 25, 458 (volksl. 2, 2, 30); holz, korn, früchte stehlen: sve nachtes gehouwen gras oder gehouwen holt stelet, dat sal man richten mit der weden Sachsensp. 2, 28, 3; könnt' ich nur holz stehlen oder 'nen wald anzünden! Grabbe 1, 280 Grisebach (scherz, satire 1, 2). auch ihre klugheit werde ich rühmen: dasz Sie Ihren kühen selbst das heu stehlen Petrasch sämtl. lustsp. 1, 37 (tiefsinn 2, 3); sve nachtes korn stelt, de schult des galgen Sachsensp. 2, 39, 1; leise vermut' ich, wer mir jüngst vom speicher den malter rocken gestohlen Voss ged. 2, 29 (id. 3, 55); wer ... die früchte bei nächtlicher weile stiehlt, der versündigt sich gegen die götter Jhering geist desm. rechts 1, 268; im garten stehlen sie mir den salat Mörike 1, 246. — speise, nahrung stehlen: gleichwol wurde ich von dieser begebenheit so gotts-dächtig, dasz ich dem wirth denselben abend weder zu essen oder zu trincken stahl Grimmelshausen 3, 429, 32 Keller (vogeln. 1, 13); ich ... sag, das jr das fleisch jetzt habt gestolen mir. B. Waldis Esop 1, 46, 14. so auch: kleines völkchen, wichtelmännchen, stehlen unser brot und speck Heine 1, 155 Elster (berg-id. 3). diebstahl dieser art gilt für das volksempfinden als leichteres vergehen: er acht, dasz nit wer gstolen fast, wann man nit stel golt und damast, dann (die?) ein solches nemmen hin stelen, dasz jn zum pracht nur dien. aber im hunger stelen brot, das dient frwar zur leibes not. Fischart 2, 51 Hauffen (Eulensp. 647—52). anders natürlich in fällen wie: die kirchen dieb (also nenne ich sie, dan sie stelen under gotz dienstlichem schyn den armen unnd predigern yre narung) Eberlin v. Günzburg 1, 179 Enders; unser vater der papst ... unser täglich brod stielst uns armen leuten Opel-Cohn s. 32 ('das päpstische vater unser' v. 1620). — wieder anders (vgl. 2, n): wenn der dieb gleich alles thut, was der ehrliche arbeiter, und im schweisze seines angesichtes sein brod stiehlt (sich durch stehlen seine nahrung verschafft) Riehl deutsche arbeit s. 6. II@3@cc) als besonders schwer galt das stehlen geweihter gegenstände aus kirchen und heiligthümern: sacrilegi die heiligu dink stelent Diefenbach nov. gloss. 323b; zuo latin stet sacrilegus dz ist einer der heilge ding stilet Terent. deutsch (1499) 49a (glosse zu: den groszten schalck); Pleminius (hätte) der Locrenser heiligthümer stehlen ... lassen Lohenstein Armin. 1, 25a. so: und Rahel stal jres vaters gOetzen 1. Mos. 31, 19; warumb hastu mir meine gOetter gestolen? 30; Rachel sin tohterstal ime siniu abgoter. Wiener genes. 45, 29 (neben: umbe waz er ime ave verstale sine hûsgote? 43 f., wo die Millstätter hschr. 61, 21 Diemer das einfache stæle hat). — typische beschuldigung im späteren mittelalter: desselben jars (1337) ward in der statt Deckendorff ... das hochwrdig sacrament ... von etlichen juden, die es gestolen, ... vilfaltiglich gestochen Tschudi chron. Helvet. 1, 346a. II@3@dd) thiere stehlen, besonders: viehe stelen, pecora abigere Stieler 2164, von besonderer bedeutung im alterthum, vgl. J. Grimm rechtsalterth. 636 (42, 195 f.). wenn jemand einen ochsen oder schaf stilet, und schlachts [] oder verkeuffts 2. Mos. 22, 1; es sols mir keiner bald vorthun mit hner und gAensz stelen Garg. s. 362 neudr.; einer stilt ein ross, sitzt darauff und schawt gen himmel, ob er werde gehenckt werden Guarinonius grewel der verwüstung 35; das weib, das vor 9 jahren die kuh stahl Kotzebue d. deutschen kleinst. 1, 13; dasz myn heer van Streef dich, du einziges exemplar (des 'bockaffen'), mir abläszt, ist nicht zu denken; ... folglich musz ich dich stehlen lassen Immermann 2, 103 Hempel (Münchh. 3, 9); die schäfer stehlen ihren herren die schafe, die der wolf zerrissen haben musz Riehl deutsche arb. 127; mainstu, ich solt dir dein han stelen? H. Sachs fastn. sp. 21, 25; doch kommt der schelmfranzos zurück, der uns die besten hühner stahl Hölty 39 Halm. von thieren, die niemandes eigenthum sind: gütiger warst du, als mein bruder zwey vOegelchen aus dem neste stahl Sal. Gessner (1778) 2, 7. — sprichwörtlich: der ein kalb stilt, stilt ein kuow. taurum tollit, qui vitulum tulerit Egenolf sprichw. (1570) 89b, dafür im reg.: stilt einer ein kalb, so stilt er auch ein kuo, ähnlich Schellhorn sprichw. s. 144. umgekehrt: wann sie allda (die soldaten bei den bauern) ein kuhe stehlen, so nemmen sie das kalb für eine zugab Abraham a St. Clara reimb dich (1693) 239. ferner: es stiehlt mancher einen ochsen und gibt die kaldaunen den armen Wander 4, 718, 25 (vgl. unten l). II@3@ee) stehlen mit thieren als subject besonders, doch keineswegs ausschlieszlich, in der fabel oder mit dichterischer vermenschlichung (vgl. 1, h): was (von deiner herde) die thier zurissen, bracht ich dir nicht, ich must es bezalen, ... es were mir des tages oder des nachts gestolen 1. Mose 31, 39; nun die hund schlaffen, hat der wolff gut schaaf stehlen Harsdörffer frauenz. gesprechsp. 2, 288; als der wolf gestern dein lamm stahl maler Müller 1, 71; ich habe jetzt einen kleinen Fix; race: wachtelhund, ... stiehlt nachts meine pantoffeln und trägt sie in seinen heukorb, um den kopf darauf zu legen A. v. Droste-Hülshoff an L. Schücking s. 272; der pudel stiehlt sich ... eine groschenwurst Hebbel 8, 252, 28; stiehlt mir der hochbeinige Ägypter (storch) schon wieder meine kurzen erbsenstangen! Storm 1, 26; sie (die hühner) hacken die körner eilig auf, und beissen voll neid auf sperling' und tauben, welche sich unter sie mischen, und ihre nahrung sich stehlen Zachariae poet. schr. 4, 28; der fuchs bellt nicht, wenn er das lamm will stehlen Shakesp. 2, 211 (Heinr. VI, 2. th., 3, 1); biene musz mir essen holen, frage nicht, wo sie's gestohlen Rückert 3, 31. sprichw.: Christoph, was ist's mit dir? du bist seit einiger zeit wie ausgewechselt, hängst den kopf, gehst herum, als wenn dir die hühner 's brot gestohlen hätten Bäuerle kom. theater 1, 2, 6 (Leopoldstag 1, 3). II@3@ff) menschen stehlen im eigentlichen sinne, solange menschen noch eigenthum, sklaven, sein konnten: menschen stelen, plagium committere Stieler 2164; wer einen menschen stilet und verkeufft, ... der sol des tods sterben 2. Mose 21, 16 (danach Alberus dict. 6b), dafür: wenn jemand funden wird, der aus seinen brdern eine seele stilet ..., und versetzt oder verkeufft sie, solcher dieb sol sterben 5. Mose 24, 7; ich bin aus dem lande der Ebreer heimlich gestolen 1. Mose 40, 15; die Elminischen neger ... stehlen gleichfalls Assianten, und zwar unter dem vorwand, es kämen seeteufel ans land so die menschen wegschleppten Herder 15, 143; sie ist geraubt! gestohlen von korsaren! Schiller 14, 73 (braut v. Mess. 2, 6, v. 1575). eine leise abweichung von den bisherigen verwendungen liegt insofern vor, als in der regel die menschen erst [] durch den diebstahl oder raub eigenthum werden. am häufigsten werden kinder gestohlen, nicht immer zum zweck des sklavenhandels: dasz ... er dieser ist, welchen der riesz, als er zwey oder dritthalb jar alt gewest, gestolen Amadis 1, s. 121 Keller; du sollst nicht eher dieses geschöpf (Mignon) weder sehen noch berühren, bis du vor gericht rechenschaft gibst, wo du es gestohlen hast Göthe 18, 161 (Wilh. Meister 2, 4); die reiter stehlen ja die kinder wie die raben Alexis ruhe ist d. erste bürgerpfl. 1, 150 (11. kap.). in neuerer zeit bes. zigeunern nachgesagt: was ist denn das mit des pfarrers tochter von Bollenbach, die die zigeuner gestohlen und ihre weiber nachher umgebracht haben sollen maler Müller 1, 294; sie (die 'Tarters') stehlen kleine kinder Loewenberg aus zwei quellen (1914) 89. vgl. Martin - Lienhart 2, 591a. (gestohlene kinder in anderm sinne, unrechtmäszig und heimlich, 'im heiszen diebstahl der natur' erzeugte, vgl. 5, e: dann es gibt gestolene kind, liffkindecken, eilwerck ... Garg. s. 91 neudr.). — anderes s. unter 4, b.scherzhaft: so wirstu nit gstolen randbem. zu: würst auch vor dieben sicher sein Scheidt Grob. 3902; fürchte nichts, geliebte seele, übersicher bist du hier; fürchte nicht, dasz man uns stehle, ich verriegle schon die thür Heine 2, 23 Elster. II@3@gg) ein besonderer fall ist auch land stehlen (durch verrücken der grenze), insofern hier das gestohlene object nicht fortgenommen, von der stelle bewegt werden kann; doch trifft der begriff der widerrechtlichen, heimlichen aneignung genau zu: er pflügte seinem nachbar ab, und stahl ihm vieles land Hölty 187 Halm. vgl.: im gestohlenen boden als flurbez. in der Schweiz, s. Buck oberd. flurnamenb. 269. II@3@hh) allgemeine ausdrücke: was er gestohlen, sagt er, er habs gekaufft Corvinus fons lat. 255b; ich gestolen hab meinem nechsten das zeytlich und das geistlich manuale curatorum (1516) 74b; szo dein feynd dein bedarff, und du yhm nit hilffest, szo du magist, szo ists gleich szo vil, du hettest yhm das seyne gestolen Luther 6, 273, 5 Weim.; ich sehe dich für einen mann an, der mir wenigstens einige tausend thaler leihen könnte, wenn er mir so viel leihen wollte, als er mir gestohlen hat Lessing 1, 482 (schatz 5); alles hat er mir gestohlen, und ich bin ganz arm! Immermann 5, 128 Hempel (epig. 1, 2, 11); wenn er was stiehlt, indesz das stück gespielt wird, und schlüpfet durch, so zahl' ich für den diebstahl A. W. Schlegel Shakesp. 3, 244 (Hamlet 3, 2); gewinn ist segen, wenn man ihn nicht stiehlt 4, 28 (kaufm. v. Ven. 1, 3). II@3@ii) zuweilen steht ein partitiver ausdruck als object; so in der ältern sprache der gen.: dazu haben sie des verbanten genomen und gestolen Jos. 7, 11. sonst ausdrücke mit von: die raben fliehen nach den wOelffen nicht darumb, dasz sie jhnen helffen, sonder das, wann die wOelff was fellen, dasz sie auch darvon stelen wOellen Fischart dicht. 1, 26 Kurz (nachtrab 914); denn fürst Anchises stahl von ihrer art, und führte, heimlich vor Laomedon, die stuten vor Bürger 161b (Il. 6, 325 = 5, 268: τῆς γενεῆς ἔκλεψε ἄναξ ἀνδρῶν Ἀγχίσης). II@3@kk) zu dem directen obj. im acc. tritt das personenobject im dativ, wie in sehr vielen der angezogenen belege. dafür können auch ortsbestimmungen eintreten, etwas woher stehlen: und die pfaffen stelen das gold und silber von den gOetzen Baruch 6, 9; als aber Lysimachus ... viel aus dem tempel gestolen hatte 2. Macc. 4, 39; noch minder mag man zelen was von den klOesteren, styfften, pfarren, pfruonden ... ausz teütscher nation [] gestolen und geroubt wirt Eberlin v. Günzburg 1, 8 Enders; dann es geschicht offt, das die schelmen auch ketten unnd andere ding ab den wägen stelen Schumann nachtbüchl. 232, 8 Bolte; einen dieb, welcher einen silbern becher ausz dem gemeinen kasten gestohlen hatte Lehmann 4, 74, 32; er hatte das feuer vom himmel gestohlen und es den menschen mitgetheilt Rabener 5, 36; ich will dich nicht umsonst aus meines bruders doctorkästchen gestohlen haben, heilsames gift! Göthe 8, 197 (Egmont 1); wer nur eine rube vom acker stiehlt, dasz ichs erfahre läszt seinen kopf hier Schiller 2, 155 (räuber 4, 5); (im bilde): kauff. und kann's nicht anders seyn, so stiehl. ... für mich ein lorbeerblatt vom grabe des frommen, heiligen Virgil! Gleim briefw. 2, 296 (an Heinse nov. 1781); ein hanswurst von könig, ein beutelschneider von gewalt und reich, der weg vom sims die reiche krone stahl, und in die tasche steckte Shakesp. 6, 150 (Haml. 3, 3). übertragen: ein mann, wie du, der aus der geheimen vorrathskammer der natur den sechsten sinn zu stehlen wuszte Klinger 2, 405 (Damokles 3). — neben dem dat. der person: ein ander rühmte sich, wie er seinem vormunde die würste von zwey schweinen aus dem schorsteine gestohlen polit. maulaffe (1679) 32; sie stahl ihm immer seine brillantnadel aus dem jabot, wenn er zu uns kam Storm 1, 245. so besonders in gewissen festen, sprichwörtlichen redeweisen: dasz ein solcher nachtrucker ..... durch den nachtruck sich befleisse, seinem neben menschen, vornemlich aber dem ersten verleger das brot diebischer weis vorm maul hinweg zu stehlen Grimmelshausen 4, 504, 9 Keller (vogeln. 2, privil.); hei stöhl de annern mähren den hawer vör't mul weg Reuter 2, 335, 13 Seelm. (stromtid 2, 21); die jungen ... stahlen ihren eltern die äpfel vor der nase weg Immermann 1, 76 Hempel (Münchh. 1, 6); sprichw. in Königsberg: er stiehlt der schlange die eier unter dem zagel fort Frischbier sprichw. 2, 173, 2558. II@3@ll) sprichwörter u. ähnl.: stiehl dir was, so hast du was, und (aber) lasz jedem das seine! Frischbier sprichw. 2, 174, 2559, Wander 4, 799, 61. 65 (in nd. sprachform s. brem. wb. 4, 1023. Firmenich 1, 70, 7. 326, 46. 3, 187, 71). ähnlich: stiehl was du kanst, und lasz einen jeden das seinige: ein jeder musz sehen wie er fort kommt Ettner mediz. maulaffe 640. — stil vil, gib wenig, so kompst darvon S. Franck sprüchw. 1, 33a, ebenso Lehmann 2, 571, 112, s. I, 4, a, β, dd. Simrock 9853; wer viel stilt, und ein wenig schenckt, der kreucht durch, wenn die gesetze gleich noch so eng gestrickt weren Petri Kkk 6a, ebenso Wander 4, 802, 111 aus Mathesius post. 217b. — hastu was gestolen, das bring mir, wirstu drumb gehengt, das hab dir Petri Rrr 7b. — man musz nicht das leder stehlen, und die schuh um gottes willen geben. ('das sprichwort bezieht sich auf die legende vom h. Crispin, der das leder gestohlen, um armen leuten schuhe daraus zu verfertigen.') teutsche sprichw. (1710) s. 121, 284; mein schwager will also, wie 's sprichwort sagt, den reichen leuten das leder stehlen, um den armen die schuh daraus machen zu lassen? Raimunds vorgänger s. 22 Fürst (Bäuerle d. bürger in Wien 1, 11). — man stilt auch etwa einer atzeln ein ey S. Franck 2, 166b; man stiehlt auch wohl der elster ein ei Simrock 2038, vgl. 2037 und Frischbier unter k.absurda: furari littoris harenas. den sand am gestadt stelen. das ist, er kann nit ungestolen sein, er mszt ehe sand am meer oder jm selbs etwas stelen S. Franck 1, 4a. — sprichwörtlich wohl auch: wer etwas stehlen will, der musz auf sokken gehen. Rachel sat. ged. 7, 462, vgl. Steinbach 2, 718. eine sehr gewöhnliche redeweise ist jetzt woher nehmen und nicht stehlen? um auszudrücken, dasz man etwas nicht zu beschaffen weisz, z. b.: da hat es gute weile, bis der ein heer sammelt! wo das geld hernehmen, und nicht stehlen? Hauff 1, 223 Bobertag (Lichtenst. II, 11). s. ferner n. [] II@3@mm) häufig im part. perf.: gestolen, furtivus Dasypod. 434d; kleine flicklappen, die von selbst vom tisch herab fallen, sind nicht gestohlen Grimm märchen s. 140 (nr. 35); geschenkt und wieder genommen, ist gestohlen Kirchhofer schweizer. sprichw. s. 144; wenn er auf den einfall kommt, von einem bauer eine fuhre holz zu kaufen, die vielleicht doch nur gestohlen ist Freytag verlor. handschr. 1, 21. bes. attributiv: furtum dieberey, ... gestolen gud Diefenbach gloss. 253c (voc. sax.-lat. v. 1425); gestolen guht, res - furtivae Stieler 2164; da sie (d. ziege) jr man Tobias hOeret blecken, sprach er, sehet zu das nicht gestolen sey, ... denn uns gebrt nicht zu essen vom gestolen gut Tob. 2, 21; es war aber keiner da, der ihn (den kittel) wolt kauffen. dann welcher wuszt, das er gestolen ware, der dacht: 'es ist kein glück in gestolnem guot'. Schumann nachtbüchl. s. 231, 32 Bolte (nr. 33); da sich einer uber sein stand ... auff. ... ubelgewonnen und gestolens gelt schmücket Mathesius Sar. 49b; welch man ... gerobittir adir gestolner habe wissintlichen eyn phnt gewichte ... kofte Freiberger stadtr. zus. 3, § 4; wie wir unterwegs nüsse heruntergeschlagen, feuer gemacht und gestohlene kartoffeln gebraten G. Keller 1, 85; se houwen en ... und gans toreten van em dat gestolen want Gerhard v. Minden 120, 17 Leitzmann; wuocher, roub, gestolen guot oder von falschem spil N. Manuel s. 113 Bächtold (ablaszkr. 32). so sprichw.: gestolen wasser sind ssz S. Franck sprüchw. 2, 36a; gestolen wasser ist wein 179a (gestohlen wasser ist malvasier Lüpke seemannsspr. 130, 128). gestolen brot schmeckt wol ebenda (darüber: 'furtivus victus semper dulcedine praestat'), oder schmeckt süsz Wille sittenl. 113; nichts schmeckt so schön, als das gestohlne brodt Hagedorn 2, 273 (Adelh. u. Henr. 1), ebenso (nur so süsz) Ramler fabell. 1, 87; ferner: weil die gestolen biszlein auch wol schmecken schausp. der engl. komöd. 200, 32 Creizenach (tragikom. 1, 3); gestohlen (verbotene) frucht schmeckt süsz Kirchhofer schweizer. sprichw. (1824) s. 144; gestohlne butter-milch schmeckt noch einmahl so frisch Günther 973. so denn auch: dann kam Wussow, dem um diese zeit eine tasse tee bei uns immer 'wie gestohlen' schmeckt Storm briefe in d. heimat s. 129. — gestolen katzen mausen gern S. Franck 2, 179a. vgl.: gestohlene, gebettelte und gefundene sachen haben darum im volksglauben besondere kraft, die rechtlich erarbeiteten nicht einwohnt. gestohlene katzen mausen am besten. gestohlene ... dinge wirken heilkräftig in den kuren durch sympathie, ... selbst ein diebsfinger, vom galgen gestohlen, wirkt noch wunder aller art Riehl d. deutsche arbeit s. 157. andrerseits doch auch: bey gestohlenen dingen, will nichts gelingen Abraham a S. Clara Judas (1686) 1, 324 f., vgl. oben Schumann. — substantivisch: ein hausvater versicherte ihr geradezu, bei ihm sei nichts gestohlenes zu finden Polenz der Grabenhäger 1, 98. s. auch Zimm. chron. 1, 409, 22 unter I, 4, b, δ. II@3@nn) eine häufige redeweise, um auszudrücken, dasz jemand einem gleichgültig ist, dasz man auf ihn keinen werth legt, ist: der kann mir gestohlen werden oder bleiben, in vollständigerer ausdrucksweise: na, du könntest mir auch gestohlen werden — ich holte dich nicht wieder! L. Starkloff Sirene 98 Liesegang; nur der graf ist so bocksteif gewesen, dasz ich mir gedacht habe: du kannst mir gestohlen werden, ich lass' dich nicht austrommeln Ebner-Eschenbach 4, 383; seltener activisch ausgedrückt: wer sie (die schuster) gar ihres oft wunderbaren äuszeren wegen ... verachtet, den möge man mir stehlen; ich werde keine belohnung um seine wiedererlangung aussetzen Raabe hungerpastor 1, 16 (1. kap.). gewöhnlich nur er kann mir gestohlen werden Frischbier preusz. sprichw. 1, 252, 3608; wenn die übrige familie dem herrn sohn nur einigermaszen glich, dann konnten sie ihm erst recht gestohlen bleiben Polenz [] d. Grabenhäger 1, 151; auch specieller, nicht sowohl, um verachtung für den menschen selbst als für etwas, das er sagt oder thut, auszudrücken: die herren könnten ihm gestohlen werden, er habe ihnen mehr verstand zugetraut 2, 199; Sepherl. nein, das (kind) haben wir noch nicht, aber die räuber haben wir, die 's g'stohlen haben. Tatelhuber (schroff). mit der nachricht kannst du mir g'stohlen werden Nestroy ges. werke 2, 204 (d. verhängnis e. faschingsn. 3, 9). so sehr verbreitet in hd. mundarten: in Basel de chausch-mer g'stole wärte! es wird nichts daraus Seiler 276b, ähnl. els., s. Martin-Lienhart 2, 591; lothr. Follmann 495a; bair. der (die, das) soll mir gestohlen werden, ich lege keinen wert auf ihn, will nichts von ihm wissen Schmeller2 2, 749; tirol., s. Schöpf 705; unterfränk. du söst mer g'stouln war als scherzhafte verwünschung Ruckert 174; ebenso henneberg. Spiesz 241 (abwehr, verneinung); luxemb. wb. 422b; mansf. Jecht 107a; obers., s. Albrecht 216b; Müller-Fraureuth 2, 557b. seltener mit sächlichem subj.; so trierisch: dä schnapps och ka' m'r gestohlen genn Firmerich 1, 534a. II@3@oo) in ähnlicher weise bes. im frühnhd. oft ich habe es nicht gestohlen, habe es mit mühe oder kosten erworben und lege daher werth darauf, während (nach dieser auffassung) gestohlene sachen, weil leicht gewonnen, auch wieder leicht verschleudert werden: hab ichs doch nicht gestolen! Eyering 3, 1; ich gleub du meinst ich habs gestolen ebd. 60; daher dann dieses sprichwort kam, wann ein kauffer einem seine wahr niederschlegt und verkleinert gar: meinstu ich habs gestoln on laub (erlaubnis) oder sey kOenigs Porsenæ raub der den Römern das vih genommen, ich habs auch nicht umbsonst bekommen Petri 315; vgl.: ich habe mein gelt nicht gestolen, pecunia mihi mea inemta non est. dicitur proverbial. contra nundinatores nimio pretio merces suas aestimantes Stieler 2164. so auch: er (d. pfarrer) maint, wir haben das gelt gestollen. darumb wir es (d. meszgewand) nit haben kaufft, das er darin spacieren laufft pfarrer von Kalenb. 2046. nd. (holst.) he meent wol dat ikt staalen heff 'krämerschimpf, wenn zu wenig für die waare geboten wird' Schütze 4, 191. sonst in neuerer sprache gern in bezug auf die eignen glieder: ich habe meine nase u. s. w. nicht gestohlen, 'bitte daher, sie glimpflich zu behandeln'. 'ich habe meine beine nicht gestohlen, sagt ein packträger, um anzudeuten, dasz er den gang nicht für zu geringe bezahlung thun kann' Albrecht 216b; ob die frau hofräthin nicht jeden tag etwas liegen läszt! als ob man seine beine gestohlen hätte! Benedix zärtl. verwandten 35 (1, 12). ähnlich: hast du deinen athem gestohlen, — dasz du bläsest in todte kohlen Rückert 11, 233 (1. makame). so denn auch: ich stehle meine zeit nicht Büchner 180 Franzos (Wozzek). II@44) mannigfache erweiterungen sind oft nur durch eine leise nuance von den behandelten unterschieden. II@4@aa) fremdes eigenthum sich aneignen auf eine weniger directe weise, die vielleicht strafrechtlich nicht faszbar ist, aber von dem sittlichen gefühl als unrecht empfunden wird, durch betrug, ausnutzung der unwissenheit u. ähnl.: weil er das meiste von seinem vermögen seinen geschwistern bey der theilung gestohlen habe Lichtenberg nachl. 61, 20; dreiszig millionen stiehlt jährlich der staat aus den beuteln der tagelöhner Börne 11, 164; da stehln se (d. fabrikanten) uns halt a letzten bissen brot G. Hauptmann d. weber s. 38 (vgl. oben 3, b zu ende); dj entlich kunst der alchamei ist stelen, liegen, triegerei Schwartzenberg Cic. 120c; die feder ist, wie er, zum stehlen abgericht, was kaum ein blatt bedarf, geht hier auf sieben nicht Neukirch ged. s. 121 ('der geizige advokat'). vgl. 2, l.eine besondere nuance ergibt sich, wenn man [] sich selbst etwas stiehlt (vgl. 2, e), entzieht und zugleich erspart: er (Harpax) aber darf, aus geitz, dieselben (arzneimittel) nicht geniessen, er schont den stärck-tranck oft, wenn er am besten labt; stiehlt sich die pulver selbst und steckt sie unters kissen, wo er mit diebscher faust das gold von pillen schabt Canitz ged. s. 86. II@4@bb) menschen stehlen, s. 3, f; ganz im sinne von a: das ist ja keine offen ehrliche konskription, das ist betrug, herr richter, gestohlen ist dem land' die schöne jugend, um pfeffer und muskaten einzuhandeln Kleist 1, 437 E. Schmidt (zerbr. krug, var. 181). ferner frauen stehlen, entführen: es wäre mir recht angenehm, weib und kind zu haben, aber ein weib vom vater oder von sich selbst begehren, langweilt mich, und das stehlen ist verboten Brentano 5, 323; wenn es sich um entführung eines eheweibes handelt, kaum von eigentlichem stehlen unterschieden: Paris wardt auch darumb erstochen, da er die schOen Helena stal H. Sachs fastn. sp. 1, 281; der Piso, ... dem er (Caligula) jüngst die gattin stahl Halm 3, 100 Schlosser (fechter v. Rav. 2). so auch: Cajus stiehlt einen grünen, Slender einen weissen jungen, und Fenton die braut briefe über merkw. der litt. s. 148, 30 neudr. in milderem sinne. als hochzeitsspasz: die gesamte ledige mannschaft hatte nämlich nach alter sitte die hochzeiterin gestohlen. sie hielten das Bärbele in einen groszen kreis geschlossen, und Kasper, der hochzeiter, muszte es ... loskaufen Auerbach dorfgesch. 1, 79. — ungewöhnlich von thieren: bey den tauben ist auch die art, dasz sie einander mit sonderer zgesellung liebkosen, eine die andern verfhren, stelen, und jrer gemeinlich mehr heimkomen, denn auszgeflogen sind Heyden Plin. 465 (10, 37, § 109). — dann als gott Jupiter verholen dem kOenig Troi hett gestolen sein sohn den Ganymodem werth Spreng Ilias 57a (5, 265 f.). dichterisch auch von regelmäsziger werbung und heirat, mit dem sinne, dasz der freier wegen unwürdigkeit kein recht auf das mädchen hat: veraltete, reiche ... libertins haben zu viel kenntnisz, sättigung und freiheit, um sich andere wesen zu stehlen als die herrlichsten; die minder vollkommnen fallen blos liebhabern anheim J. Paul 22 (Titan 2), 177. — ähnlich milder: du aber hoch im glücke stolzierender rival, der mir durch list und tücke Neärens liebe stahl Blumauer ged. 56. II@4@cc) dem teufel war darum zu thun, eine solche seele dem himmel zu stehlen Klinger 3, 168. uneigentlicher von menschen: (Läuffer zu Lise.) du hast eine seele dem himmel gestohlen (mich vom trachten nach dem himmel abgelenkt) Lenz 1, 410 Blei (hofm. 5, 10). — ähnlich als umschreibung für morden: (er, der könig) weisz nicht, dasz er ein leben hat gestohlen aus dieser welt Schiller 5, 2, 416 (don Karlos 5, 4). II@4@dd) auch in anderm sinne einem einen menschen stehlen entreiszen, entziehen, nicht um ihn für sich zu haben, sondern um ihn vor dessen grimm zu schützen u. ähnl.: aber Joseba ... nam Joas den son Ahasja, und stal jn aus des kOenigs kindern die getOedtet wurden, ... und sie verborgen jn fur Athalia, das er nicht getOedtet ward 2 n. 11, 2; vgl. Sperling Nicod. quaerens 1, 225; den muttermörder stahlst du uns, und bist ein gott! Droysen Aisch.3 127 (τὸν μητραλοίαν δ' ἐξέκλεψας Eum. 153). doch auch, um ihn dessen liebe zu entreiszen: da kamen alle menner Israel zum kOenige, und sprachen zu jm, warumb haben dich unsere brder die menner Juda gestolen, und haben den kOenig ... uber den Jordan gefrt? 2 Sam. 19, 41; es ist bös leben, ... wenn's so [] weit gekommen, dasz sie dem sohn den vater durch bosheit stehlen! Klinger Otto 12, 8 neudr. (1, 3); du hast mir meinen sohn aus den armen gestolen Schiller 2, 73 (räuber 2, 2); wenn dich weiber mir gestohlen, werden sie so lang dich fesseln ... Platen 1, 142 (gas. 51); sie stahlen (entfremdeten) mir mein kind! Halm 2, 26 Schlosser (Griseldis 2, 1). II@4@ee) der begriff des sichaneignens fällt auch fort, wenn gesagt wird, dasz die jünger den leichnam Christi stehlen, heimlich fortschaffen: auff das nicht seine jnger komen, und stelen (κλέψωσιν) jn, und sagen zum volck, er ist aufferstanden von den todten Matth. 27, 64, vgl. 28, 13; Jesus iunger stelen den lihnamen vil lîhte evangel. Nikod. 2066, s. Piper geistl. dichtung 2, 199. dagegen ist die absicht des sichaneignens in folgendem falle vorhanden, der doch nicht als eigentlicher diebstahl gelten kann: als Karlos mit der königin und mir beim spielen sasz, und mit bewundernswerther geschiklichkeit mir diesen handschuh stahl Schiller 5, 1, 117 (dom Karlos 2, 9). II@4@ff) einem etwas stehlen, was er gar nicht hat, aber was ihm zukäme, oder was er erhalten würde: die jre ubrig hab wenden, an unntzn dingen vorschwenden. stelen was eim armen gehort Musculus hosen teuffel s. 4 neudr.; habt dank! ich würd' es ärmern stehlen; nehme nichts Lessing 2, 319 (Nathan 4, 7, 546). ähnlich, vom annehmen einer gabe, die der geber in einer plötzlichen aufwallung gibt: das fräulein. ... nun, so nimm doch — Franciska. ich stehle es Ihnen, fräulein; Sie sind trunken 1, 535 (Minna v. B. 2, 3). — ungewöhnlich für 'machen, dasz einer etwas nicht erhält, worauf er anspruch hat': Opitz hat ihm das (eiserne) kreuz gestohlen (indem er als vorgesetzter dagegen war; dafür nachher: Opitz ... wuszt' es so zu drehen, dasz Lehnert leer ausging und das nachsehen hatte) Fontane 6, 22 (quitt 3). II@4@gg) zuweilen verblaszt sowohl der begriff des heimlichen wie des widerrechtlichen, so dasz stehlen der bedeutung des bloszen nehmens nahe kommt; besonders in poetischer sprache: ach ihr bienlein, ... nur von Jesu lefftzen stehlet; dann(en) klaubet honig ausz Spee trutznacht. (1649) s. 101 (s. 74 Balke; 18, 35). (im bilde:) die unzucht ist ein feur, aus Phlegethon gestohlen Rachel sat. ged. 7, 349; heil, heil dem weib, das seine zierde nicht fremden zonen stiehlt Pfeffel poet. vers. 1, 5; die kleinen bienen stehlen noch duft'gen blumen ihre süszigkeit Tieck nachgel. schr. 1, 168. auch in gewöhnlicher rede geläufig sind ausdrücke wie: daher kommt also ... das viele unkraut, ... das der ... saat raum und nahrung stiehlt Hebel 2, 21, 29 Behaghel; er darf nicht stehen, wo er steht, der dürre faule baum, er stiehlt ja licht und luft dem jungen leben Hölderlin 2, 51 Köstlin; das himmelische liecht mit seinen klaren strahlen, die alle feuchtigkeit dem luft und erdreich stahlen Weckherlin 2, 376 Fischer. II@55) freiere gebrauchsweisen ergeben sich besonders, wenn immaterielle dinge als objecte mit stehlen verbunden werden. II@5@aa) stehlen schlieszt eine doppelte beziehung ein: etwas (auf heimliche, listige, unerlaubte weise) sich verschaffen [] und zugleich einem andern nehmen. in diesen freieren verwendungen ist jedoch nur selten diese doppelte bezogenheit deutlich vorhanden; so in folgenden stellen, die dem eigentlichen gebrauche sehr nahe stehen: es ging eine zeit darüber (über das haus) hin, wo bitterer schmerz über gestohlnes glück, wilde wünsche seine bewohner entzweiten Ludwig 1, 146; so musz ich auf mich selbst verzicht jetzt leisten, mir von einem betrüger meinen namen stehlen lassen? Kleist Amphitr. 1, 2, 251; das wuszt' er, abzuringen sey ein sieg den Römern nie; gestohlen müss' er werden. gestohlen hat er ihn! siegte nicht die kraft, hier siegten list und hinterhalt Collin Regulus s. 35 (1, 8). nautisch: die segel stehlen einander den wind Bobrik 661b. II@5@bb) sehr deutlich und bestimmt wird der begriff des stehlens empfunden in der anwendung auf litterarischen diebstahl, unerlaubte entlehnung, plagiat, auch milder für entlehnung, übernahme überhaupt: was das fur ein tugent sey, einem andern sein buoch lestern und schenden, darnach das selbige stelen, und unter eigenem namen dennoch ausz lassen gehen Luther 30, 2, 635 Weim.; das merckt man aber wol, das sie aus meinem dolmetschen und teutsch, lernen teutsch reden und schreiben, und stelen mir also meine sprache 633; wenn ja einer neben uns etwas nachschreibt, so spicken wir von ihm, stehlen, was er selbst vielleicht undeutlich hörte Lichtenberg 2, 80; 'woher mag nur das famose motiv (eines bildes) sein?' ... »dort vorn,« erwiderte ein anderer, ... »dort hängt das motiv noch einmal, offenbar von einem neuling ...!« 'dann hat er's dem gestohlen, der spitzbube!' Keller 3, 38; das stück ist nicht einmal ganz von dir. du hast ... eine ganze scene aus der macht der finsternisz von Tolstoi gestohlen Ebner-Eschenbach 8, 121; von sprachlicher entlehnung: ein deutscher poet bleibt also bey seiner reinen muttersprache, und behänget seine gedichte mit keinen gestohlnen lumpen der ausländer Gottsched crit. dichtk. (1742) 233. II@5@cc) fällt schon in den meisten der soeben aufgeführten beispiele die auffassung, dasz einem andern etwas genommen wird, fort, so noch entschiedener in ähnlichen fällen. II@5@c@aα) von malerei, zeichnung u. ähnl.: in der idee, die Raphael ... in sich trug, und zu der er nur beiträge aus gegenständen um sich her stal Herder 15, 43; jemandes züge stehlen: oder hast du diese ... mischung von zügen irgend einem Biterolfskinde ge stohlen, als es schlief? Fouqué altsächs. bilders. 4, 204; so besonders vergleichsweise in der redewendung: Conti. ... hier haben wir seine tochter — der prinz. bey gott! wie aus dem spiegel gestohlen! Lessing 2, 119 (Emil. Gal. 1, 4); ähnlich E. Th. A. Hoffmann 10, 138 Grisebach (kat. Murr 1, 2); ebenso in bezug auf litte rarische darstellung: das fluchen, die squire's und dergleichen sind im Fielding wie aus dem leben gestohlen Fr. Schlegel im Athenäum 3, 126. stehlen dann auch ohne weitern zusatz geradezu für abzeichnen: ich ... wollte flugs das kindliche stämmchen mit zwei parallelen linien auf mein papier stehlen G. Keller 1, 203; mit umgekehrter beziehung, sehr ungewöhnlich: du stahlst den abdruck ihrer phantasie ('thou hast ... stol'n the impression of her fantasy') mit flechten deines haares, buntem tand, ... entwandtest meiner tochter herz mit list A. W. Schlegel Shakesp. 1, 179 (sommernachtstr. 1, 1; sinn: du hast dein bild auf unerlaubte weise ihrer phantasie eingeprägt). II@5@c@bβ) in anderm sinne jemandes züge stehlen, annehmen; eigentlich, in alten sagen, indem man sich in ihn verwandelt: und müssen nicht sie (d. götter) selber noch, geliebte, Amphitryon sein, und seine züge stehlen, wenn deine seele sie empfangen soll? Kleist Amphitr. 2 5, 1408. [] sonst freier, vom gesichtsausdruck: nun, ihr kennet ja so eine art von blick! — es ist mir immer als hätt' er aus der Stephanus-capelle dem heil'gen ihn gestohlen (Z. Werner) söhne des thales 1, 92; geh zum teufel mit deiner blassen leidensmiene, die du der mutter des heilands gestohlen hast! Hebbel 2, 37, 18 (Mar. Magd. 2, 1). so auch von der stimme: die schwester des jünglings, die ihre stimme vom himmel gestohlen hatte, sang wechselsweise mit ihrem bruder Bode Tristram Schandi 7, 146 (44. kap.); 'stiehl meine stimme nicht' sagte Karl zornig (lasz deine stimme nicht wie meine klingen) J. Paul Titan 4, 31. ferner: ein zartes herz läszt sich von vätern nicht befehlen, die tygern muth und sinn und ihre farben stehlen Ggttsched deutsche schaub. 1, 54. so weiter: der teufel prunkt im scharlachkleid des fürsten; die lüge stiehlt der wahrheit weisz gewand Raupach dram. w. ernster g. 3, 100 (Genov. 4, 3). II@5@dd) der gehobenen sprache gehören wendungen wie einem etwas von den lippen, vom gesicht stehlen, ablesen: wenn ... alles sich voll erwartung um seinen (des prinzen) spieltisch herum drängte, suchten seine augen Biondello, um ihm die neuigkeit, die er etwa mitbrächte, von dem angesicht zu stehlen Schiller 4, 328; du solltest diese töne nicht erkennen, die du so oft, noch eh' sie laut geworden, mit blicken schon mir von der lippe stahlst? Kleist Amphitr. 3, 11, 2220. (in anderem sinne unter f.) so weiter: ich will dem leben noch die letzten blicke aus seinen hübschen augen stehlen Büchner 84 Franzos (Danton 3); wand ir ietweder stal dem andern ûʒ den ougen sînes herzen tougen Ottokar reimchr. 85480; (ich) kann nur ... den schweiss von seiner stirne wischen, die geheimen wünsche aus seinen augen stehlen Klinger 2, 196 (Med. in Kor. 3); Balder erröthete ... bei dieser frage, die ihm seinen geheimsten wunsch aus dem herzen stahl Heyse kinder der welt 1, 28; der gedanke ist mir wie aus der seele gestohlen. ich hätt' es vollkommen so gemacht J. G. Jacobi 4, 177. so auch: behorche neubegierig die heimliche natur, und stiehl ihr ihr geheimnisz, und folg ihr auf der spur Dusch verm. werke 247. eine ähnliche nuance (entreiszen, entlocken, zum vorschein bringen) auch in folgender verbindung: so wird der ton, der oft mir thränen stahl, so süsz euch klingen ... Goekingk 2, 147; manche nannt' ich freudenthränen, die vielleicht geheimes sehnen dem getäuschten auge stahl Stolberg 1, 233. II@5@ee) küsse stehlen, sich nehmen, streng genommen ohne vorwissen und wollen des andern theils, doch häufig in leichterem sinne (wie das noch häufigere rauben), zumeist in poetischer sprache: Hölty 226, s. unter I, 4, a, α; indem er küsse gab, und küsse stahl, ... v. König ged. 54; denn da ichs einst gewagt, und dir auch ungefragt mit groszer list einmal ein halbes mäulchen stahl Gottsched ged. 287; sonst, ein leicht gestohlnes mäulchen, o wie hat es mich entzückt! Göthe 1, 45: küsse, die man stiehlt im dunkeln und im dunkeln wiedergibt ... Heine 1, 215 Elster (neuer frühl. 28). in weiterer übertragung: wonniglich ist der kusz, den der zephyr der rose stiehlt Hippel lebensl. 3, 2, 91; der west, der ihr so oft, von lieb' erhitzt, manch süszes küszchen stahl Hölty 47 Halm. [] so dann weiter: dasz er nichts hielt auff die heimdckische, gestolene, nachtdiebische kitzelfreud, da sich einer inn dachmarter und gespenst verstellen musz Garg. s. 91 neudr. (auch die so erzeugten kinder werden gleich darauf gestolene kind genannt, s. unter 3, f). vgl. ferner unter h.ähnlich, ungewöhnlicher: muszt du nicht jeden blick von seinen augen stehlen? ... du ... muszt dich glücklich halten, wenn er nur freundlich sieht Göthe 7, 5 (laune des verl. 1). anders unser auge stehlen: der Grieche (Homer), der mit seiner poetischen schilderung von pracht und schönheit der Juno, mit seiner schönen allegorischen dichtung vom gürtel der Venus, unser auge stiehlt (so schildert, dasz wir zu sehen glauben) Herder 3, 309. II@5@ff) sonst in mannigfachen verbindungen, in dem sinne 'sich etwas (listig und betrügerisch) zuwenden, verschaffen', ohne dasz es dadurch einem andern genommen wird. daher selten mit dativ; mit andrer wendung: alles, ... was von Prometheus fackel sich wärme stiehlt maler Müller 2, 35; er wird mit jenem blick, dem ausdruck alles männlich guten, ... das zärtliche wort: mein sohn! von Ihren lippen stehlen (Ihnen abdringen, anders als unter d) Klinger 1, 76 (d. falsche spieler 1, 1). mit possessivpronomen jemandes vertrauen stehlen, erschleichen u. ähnl.: o! eben dies verdoppelt das vergehn des mannes, der ... durch den anschein sich verdient gemacht zu haben erst dein vertrauen stiehlt ... Wieland 10, 337 (schach Lolo); wirst du dein herz nur dem gewähren, der deine achtung nicht durch ränke stahl Goekingk 3, 171. mit concretem object, ergreifen: ich nahm, oder vielmehr ich stahl ihre hände, und bedekte sie mit küssen und thränen Pfeffel pros. vers. 9, 75. II@5@gg) so häufig, ohne dasz überhaupt die beziehung auf jemand, dem etwas gestohlen wird, gedacht wird; etwas mit list oder zu unrecht gewinnen, meist mit emphase: und wie viel hundert meynestu sind eynwoner zu Wienn, die das wort gottis nur heymlich stelen müssen? Luther 15, 130, 30; seine absicht war, den krieg nicht mit offenbarer gewalt sondern mit list zu führen, und wo möglich den sieg nur zu stehlen Schiller 9, 198; da (in meiner jugend) glaubt' ich, mein leben zu stehlen, wenn ich's mir nicht täglich neu erkämpfte Hebbel 1, 56, 28 (Judith 5); wer heimlich guttes wirckt, sein geld ausztheilt verholen, der hat dasz himmelreich gar meisterlich gestohlen Scheffler cherub. wandersm. s. 121 neudr. (5, 105; überschr.: den himmel kan man stehlen); kommt die ihr unverschAemt der knstler namen stehlet (euch ohne recht anmaszet) Pietsch schr. 288; doch in Venedig gibt's für unser einen verbot nur und befehle und kein recht; wir müssen's stehlen, wenn wir's haben wollen, erschleichen müssen wir's .... Halm 3, 49 Schlosser (verbot u. befehl 3, 10). auch in folgenden ganz ähnlichen stellen wird eine solche beziehung. obwohl denkbar, doch kaum empfunden: Karl Busch ... könnten Sie Ihr wort brechen, vater? Busch. ihr habt's durch betrug erschlichen, habt's gestohlen Bretzner d. räuschgen 4, 3; ist glaube nicht der götter freie gabe, die ihr nicht stehlen, nur erbeten könnt? Z. Werner M. Luther 1, 3, 791. s. auch Collin unter a. (mit dativ, doch nicht der beraubten person, s. Luther unter I, 4, a, β, bb.) II@5@hh) dann auch auf thätigkeitsbegriffe angewandt, heimlich, 'verstohlen' etwas thun: eine rohe zahlreiche menge, ... genöthigt ihre andacht zu stehlen, ein allgemein geheiligtes menschenrecht, gleich einem werke der finsternisz zu verheimlichen Schiller 7, 228; [] Andromache die darff den Hector frey beklagen, die alte Hecuba den Priamus: nur ich führ' unvermerckt das leid umb Paris gantz fr mich, musz stehlen meine klag Opitz 1, 240 (Trojan. 1101 = Seneca 908 f.: 'solus occulte Paris lugendus Helenae est'). absolut: deshalben muste der musicant Terpnus des abends ... in meine kammer kommen, alwo Nero die music von ihm erlernte: das dann ganz heimlich bliebe ... endlich aber hatte er deren (meiner verschwiegenh.) ... nicht mehr von nOehten, weil ihm allgemach das stellen verginge, und er nun Oeffentlich die schauplAetze mit seinem gesang erfllte Anton Ulr. v. Braunschw. Octavia 3, 247. so schon mhd.: drî lôse blicke soltu steln: zwâr mit dem êrsten soltu spehen ... Frauenlob 259, 4. bes. gern in erotischer hinsicht, vgl. oben e; absolut, von unerlaubten zärtlichkeiten: wenn wir etwann rosen brechen, und in busen stehlen gehn Günther 241. ähnl. mhd. minne steln: wan kunde ouch ich nu minne steln! Parz. 8, 24, ebenso 643, 1; ohne object: Walther v. d. Vogelw. 111, 35, wo man allerdings das obj. küssen aus dem folgenden ergänzen kann; von heimlicher minne überhaupt: swâ zwên gevangen diebe ze einander tragent liebe, die mügen mit einander steln, wollens eʒ mit einander heln heidin IV, 1331. auch sonst mhd. in dem sinne 'etwas heimlich halten', gleichbedeutend mit dem stehenden reimwort heln: diu half in âne untriuwe steln, ir vrouwen kumber heln Hartmann v. Aue Greg. 665; s. ferner Ulrich v. Liechtenstein 224, 18 und Heinr. v. Freiberg Tristan 3910. II@5@ii) in andern fällen dagegen meint stehlen: einem etwas fortnehmen, machen, dasz er es nicht mehr hat, ohne dasz der stehlende es dadurch bekommt. II@5@i@aα) so gewöhnlich einem etwas stehlen: ich musste als ein fremder mein väterlich haus leuten überlassen, die jede gelegenheit nutzten, mir Ihre liebe und sorge zu stehlen Klinger 1, 163 (falsche spieler 4, 6); du hast mir den glauben gestohlen, der mir frieden gab Schiller 4, 35; ihr habt mir meine kraft gestohlen G. Hirschfeld d. mütter s. 19: ihr wolt meinen kummer mir stehlen Heine 1, 31 Elster (lieder 3); so auch: der gottes mutter ehr und jungfrauschafft abspricht, ihm seine gottheit stielt Lohenstein himmel-schlüssel s. 24, 499; ein braver bursch ... bleibst du deswegen doch (wenn du auch durchs examen gefallen bist), das können dir die examinatoren nicht stehlen Spitteler Gustav 22. mit sächlichem subject: seine schnöde lust stiehlt einem rechtschaffenen mann den süssen trost, den er gewohnt war, in den armen einer zärtlichen gattin zu finden Wieland 3, 71 Berl. (Araspes u. Panthea 4); haimlich und stillschwigend stilt dir daz alter die bluomen diner jugend Griseldis s. IX Schröder; seit dreizehn jahren den schlaf rachlose schmach mir stahl Droste-Hülshoff 1, 258 (d. graf v. Thal 1). reflexiv gewendet: er wünscht dir alle ruhe, die du dir selber stiehlst Brentano 2, 507. einem die gelegenheit nehmen, etwas zu machen: wie gern hätt ich dein fest verehrt, erhöhter Loosz, und dich besungen: ... nur mir verbarg den schönen tag [] das sonst geschwätzige gerüchte, und stahl mir, wenn ichs sagen mag, ein treues lob- und wunschgedichte Gottsched ged. 101. II@5@i@bβ) mit unterdrücktem dativ; so schon: der teufel ... wird ir viel strtzen, die da itzt meinen, sie haben das evangelium, die heubtpredigt, er, der sathan wil diese predigt stelen Luther 16, 127, 37 Weim.; es waren schmerzen, die zu boden schlugen und die kraft stahlen, zwischen leben und tod zu wählen Beer-Hofmann d. tod Georgs 117; würden, die den frieden stehlen, schwächen hirn und herz und muth Becker Mildh. liederb. s. 56. vgl. auch: der landadel ging schon unbequem frisirt in die wirthstuben herab und kränkte sich über das gestohlene schönste wetter zur birkhahn-falz (dasz ihm das schöne wetter, wo er birkhähne hätte jagen können, durch die huldigung, wobei er zugegen sein muszte, geraubt wurde) J. Paul 22 (Titan 2), 96. II@5@i@gγ) mit präpositionalen bestimmungen: wer schläft da um mich her so ruhig? ich will ihm den schlaf von den augen stehlen Klinger 1, 54 (zwillinge 3, 1). ohne dativ: und wer war der ruchlose, dessen freche hand es gewagt, die rose aus dem kranz meines lebens zu stehlen? Hebbel 8, 7, 32; in dem papier ist ein feíndsel'ger inhalt, es stiehlt die farbe von Bassanio's wangen A. W. Schlegel Shakesp. 4, 90 (kaufm. v. Ven. 3, 2). II@5@i@dδ) auch der dativ kann ein unpersönlicher ausdruck sein, einem gegenstande eine eigenschaft stehlen u. ähnl.: also seynd die (nachdrucker) dreyfache diebe, indem sie dem nächsten den geniesz seiner mühe und arbeit, dem käufer seinen pfennig, und dem erfundenen werck seine güte stehlen Birken d. vermehrte Donaustrand vor-erinn. 4b; ich bitte, stehlen Sie Ihrem wuchse die schlankheit ... Klinger 1, 218 (Elfride 2, 1); so stiehlt der miszbrauch doch der wahrheit keinen wehrt. Günther 382. II@5@kk) so besonders in gewissen verbindungen. II@5@k@aα) im 16. jahrh. häufig: eim sein lob und eer stAelen, seiner eer berauben. depeculari laudem alicuius Frisius 391a: west es dein herre, wir müsten sterben, wann du jm hetst sein ere gestolen! Cl. Hätzlerin 2, 76, 81; er ist ein dieb! min eer, die mir was werd und lieb, die hat er mir (kein andrer) gstolen H. R. Manuel weinsp. 2938. so auch: hat er Ihnen nicht gestohlen Ihren ehrlichen namen Reuter 3, 67, 33 Seelm. (stromt. 3, 34). — so besonders: dann solliche verblendte menschen erkennen nit, das sie gotte sein ehere stelen, dem allein die rachung zgehOeret Luther 15, 732, 32 Weim.; da er (Carlstad) wolt dem bapst schuld geben, das er gottes ehre dieblich stele, der warheyt widderspreche 18, 190, 29; die schAefer und die bawern han ein gott erwelet, der hiesz Pan, demselben war das vieh befoln, das heist gott sein ehr gestoln Alberus fab. 23, 10. so noch: weil er (Satan) gottes diener gewesen, ... so bemhet er sich, jhme dergestalt die ehre zu stehlen Butschky Pathmos (1677) s. 195. in vollerem sinne (wie a): damit er (d. papst) dem herrn Christo seine ehr und rhum gestolen, auff sich gewendet und sich selbst zum gott gemacht Krüger aktion v. d. anf. u. ende d. welt A 4a. II@5@k@bβ) einem das leben stehlen: zuoletst vermAehelt er jm Agrippinam, ... die stal jm zuo Mentz mit gifft das leben S. Franck chron. Germ. (1538) 18b; wenn unser täg sint auzgezilt und uns der tod das leben stilt Kehrein kirchenl. 142 (14. jahrh.); [] meuchlings, um ein paar zechinen, einem wicht das leben stehlen Zschokke Abellino s. 9 Reel. (1, 1). dafür: ich will nicht wissen, wer aus seinem busen den funken des Prometheus stahl Kleist Penthes. 24, 2923. II@5@k@gγ) concreter ausgedrückt dem vaterlande seinen arm stehlen, entziehen: du, der das herz gehabt, trotz deines volks befehlen, dem lande deinen arm, der ihm gehört, zu stehlen! J. E. Schlegel 1, 365 (Herrmann 4, 4, 1334); du kannst ... alle diese grosse-beaute, und diesen verdammten marly, welcher dem gemeinen besten jetzt hundert tausend hände stiehlt, mit einer schicklichern kleidung vertauschen Möser patr. phant. 1, 3. II@5@k@dδ) einem einen anblick, eine aussicht stehlen, hier naturgemäsz mit sächlichem subj.: die besitzer dieses unnützen gebäudes fliehen es ... und mir und andern stiehlt es die schöne aussicht auf das freye feld Thümmel reise 2, 119. so dann auch: nur einen blick noch! — ah! die hecke, die mir ihn stiehlt (seinen anblick entzieht, ihn verbirgt) Lessing 2, 244 (Nathan 2, 4). ungewöhnlich mit persönl. subj.: er (Albano) hörte nur ... das todes-urtheil, dasz die geduldige seele, der er die schöpfung gestohlen (den anblick der sch. geraubt, die durch seine schuld blind geworden war), noch immer eingemauert sei ... J. Paul 23 (Titan 3), 136. II@5@ll) besondere beachtung verlangen einige sehr gewöhnliche verbindungen, die beiden hauptbedeutungsklassen angehören, so zunächst die zeit stelen, tempus arripere, otium sibi redimere, aucupari, et captare tempora, insidiari tempori Stieler 2164. II@5@l@aα) zunächst sich die zeit nehmen: ihr müszt doch die zeit stehlen; oder wo ihr sie sonst hernehmt J. E. Schlegel 2, 55 (d. geschäfft. müszigg. 1, 1); in der regel mit angabe eines zweckes, wozu man sie verwendet, mit dem hintergedanken, dasz man sie eigentlich zu anderm gebrauchen sollte: doch weyl solchs von myr begerd ist, hab ich myr so viel zeyt gestolen, meynen geyst sampt ewrem mit eym geystlichen ... gesange zu erwecken Luther 15, 360, 14 Weim.; verachtet ja nicht das gebett, werdet sein nicht mde, nemmet und stehlet zeit darzu, wo jhr kOennet Moscherosch insomnis cura par. s. 76 neudr.; heütte stehle ich, so zu sagen, eine stundt, umb zu schreiben Elisab. Charlotte 2, 168 (7. aug. 1699); ich habe wochenlang nicht dazu kommen können ('eine kleine poetische arbeit niederzuschreiben') und mir zuletzt ... die zeit im eigentlichen sinn dazu stehlen müssen Storm briefe i. d. heimat s. 130. mit andrer nuance: und da er endlich den augenblick stahl sie ganz von ferne an ihr versprechen zu mahnen Wieland 21, 119 (liebe um l. 7, 241). so auch im part. perf.: so wie ich dasselbe (buch) ... nur in krankheit oder gestohlner und erpreszter zeit schreiben konnte Zimmermann üb. d. einsamk. (1784) 1, s. xiii. II@5@l@bβ) mit dem gewöhnl. dativ des indirecten objects, seiner arbeit zeit stehlen, entziehen: ich würde die zeit meinem amte stehlen, um sie meiner bildung zu widmen Kleist 5, 151, 20 E. Schmidt (br. vom 13. nov. 1800); ich musz meiner arbeit einmal einen halben tag stehlen, um dir rechenschaft zu geben von meinem leben 286, 4 (1. mai 1802). II@5@l@gγ) einem zeit, eine stunde stehlen, von lästigen besuchen u. ähnl., ganz den unter ik behandelten gebrauchsweisen zugehörig: ich bin solchem geschwetz aus der massen feind denn sie hindern viel guts und stelen eym die zeit Luther 23, 164, 17 Weim.; während eines so kurzen aufenthalts sich bey gelehrten aufzudringen, dabey kömmt nicht viel mehr heraus, als dasz man ihnen ein paar kostbare stunden stiehlt Knigge roman m. lebens 1, 62, 14; du hast mir eine kostbare stunde gestohlen, sie werde dir an deinem leben abgezogen [] Schiller 2, 55 (räuber 1, 3); s. auch Bettina v. Arnim Brentanos frühlingskr. s. 349; so auch: (merke,) wie diesem, dessen fleisz minuten hat zu zehlen, der kommt den guten tag zu bieten und zu stehlen; Heräus ged. u. l. inschr. s. 251. passivisch: er hätte allzuviel zusprechens und uberlauffens von den leuten, wordurch ihm die köstlichste zeit unter den händen gestohlen und vergeblich durchgebracht würde Olearius pers. rosenth. 41b (2, 31). — in anderm sinne: hier muszte ich es erleben, ..., wie der mangel an geschick, der eltern wie der lehrer, seine eigenthümlichen fähigkeiten zu entdecken, ihm schöne jahre der entwickelung stahl H. Steffens was ich erlebte 1, 203. — wieder anders nuanciert bei sächlichem subject, aufbrauchen: wercke stehlen uns die zeit, fälle die vermögligkeit, sorgen stehlen uns das leben Logau 1, 7, 46; sag' mir, was ist der arbeit ziel und preis, der peinlichen, die mir die jugend stahl Schiller 12, 88 (Picc. 1, 4). II@5@l@dδ) eine sehr gewöhnliche redeweise ist dem lieben gott den tag, die tage stehlen, als umschreibung des müsziggangs: aber jetzt, jetzt wissen die faullenzer, der herr kommt im thau gewisz nicht; ... auch nicht vor 5 uhr des abends; und so stehlen sie dem lieben gott den tag, und ihrem herrn das brod Möser patr. phant. 1, 267; wenn ich (schulmeister Wenzeslaus) davon überzeugt bin, dasz ich ... meine untergebenen nichts lehren kann, und also müszig bei ihnen gehe und sie müszig gehen lasse und dem lieben gott ihren tag stehlen Lenz 1, 43 Tieck (hofm. 3, 4); sie (Th. Storm u. Müllenhoff) stahlen dem lieben gott die zeit, lagen in den dörfern umher und hörten am liebsten solche alte geschichten Frenssen Jörn Uhl 30. mundartl., lothr. unser herrgott d'zitt stehle Follmann 425a; nd. godd den dag stelen Dähnert 460b. II@5@mm) einem das herz, die sinne stehlen u. ähnl.: II@5@m@aα) der ausdruck einem das herz stehlen begegnet schon in der bibelübers.: also stal Jacob dem Laban zu Syrien das hertz, da mit, das er jm nicht ansaget, das er flohe 1. Mose 31, 20 (ebenso in der Züricher bibel v. 1530); was hastu gethan, das du mein hertz gestolen hast, und hast meine tOechter entfret? 26; auff die weise thet Absalom dem gantzen Israel, wenn sie kamen fur gericht zum konige, und stal also das hertz der menner Israel 2. Sam. 15, 6. der ausdruck ist an beiden stellen eine genaue nachbildung des hebr. ב־ת ב, steht jedoch in verschiedenem sinne. 1. Mose 31 liegt eine hebräische besonderheit vor, wobei herz für 'sinn, verstand' steht, die wendung also 'täuschen, betrügen' (κλέπτειν νόον) bedeutet, vgl.: hertz stelen ist ebreisch gered soviel als 'etwas thun hinder eins andern wissen', bedeut aber, das die gleubigen den rechten kern gottes wort fassen, des die werck heiligen nymer gewar werden Luther 24, 543, 33 (anm. zu 1. Mos. 31, 20). (ähnlich: dich, der sich durch feinheit des verstandes ... vor allen in Rhodos unterscheidet — der du in unterhandlungen den geist der menschen stiehlst ... Klinger 2, 402, Damokles 3.) 2. Sam. 15, 6 dagegen hat herz die bedeutung 'neigung, liebe' (so bestrickte Absalom die herzen der Israeliten Kautzsch). nur dies entspricht dem allgemeinen sprachgebrauch. vgl. auch herz B, I, 4, k und herzensdieb, th. 4, 2, 1216 u. 1234. so in deutlicher anlehnung an diese bibelstelle: dardurch sie dann jhr gegenlieb erwucheren, unnd nach biblischer sprach zureden, jhnen das hertz stelen, unnd das lauff mir nach geben Garg. s. 108 neudr. indessen geht es doch nicht an, die redeweise, die gewöhnlich in erotischer beziehung verstanden wird, allein daraus herzuleiten, da sie im liede schon vor Luther nachzuweisen ist: si ('min frow') ist ein heimlich dieb: ... si stilt das hertz mim libe Hugo v. Montfort 38, 33; mein hertz hat sy gestolen Cl. Hätzlerin I, 43, 56, s. auch 106, 29. [] II@5@m@bβ) sehr gewöhnlich in der sprache der dichtung seit dem 17. jahrh.; zumeist von der (oder dem) geliebten gesagt: weil du mir mein hertz (mein hertz) schon längst gestolen Weckherlin 2, 383 Fischer; du hast, dir unbewuszt, das hertze mir gestohlen (mihi cor rapuisti) Hofmannswaldau bei Steinbach 2, 718 (der weitere belege giebt); disz musz der schatz o göttin seyn, der Atalantens hertz soll stehlen Lohenstein Armin. 2, 1432b; das fräulein Echo sah einmal den ahnherrn der Narcissen, der manches jungfernherzchen stahl Hölty s. 5 Halm; du liebesdiebin! was? du kamst bey nacht, stahlst meines liebsten herz? A. W. Schlegel Shakesp. 1, 241 (sommernachtstr. 3, 2), s. auch 4, 134 (kaufm. v. Ven. 5, 1); (im bilde:) von einer fremden buhlerin wird ihm in jugendlichem zauber auf lebenslang sein herz gestohlen Herder 18, 159; beym tanz der nymphe Galatea, wo er als einer der flinksten jünglinge mir mein herze stahl maler Müller 1, 154. mit zusatz, nur gleichnisweise gesagt: und während sie lieblich spricht und lieblich lächelt, und mit doppelter süszigkeit die sinnen berauscht, stielt sie ihnen gleichsam das herz aus dem busen Heinse 3, 298 Schüddekopf. mit abstractem ausdruck als subj.: liebster, deine worte stehlen aus dem busen mir das herz Rückert 1, 380. so auch, mit einer auffrischung der eigentlichen bedeutung: beehren Sie mit sanftem tritt die blumigen gemächer, und bringen Ihren junker mit, versehn mit bog' und köcher! auch herrn Merkur! der weisz den pfiff; wenn Sie's ihm nur befehlen, wird er durch einen meistergriff des fräuleins herz mir stehlen. J. M. Miller ged. s. 100 ('an die Venus'). doch werden dieselben wendungen auch in andrer als erotischer beziehung gebraucht: denn es ist keine grössere zauberkunst sich beliebt zu machen, und andern das hertz zu stehlen, als wohlthat und leutseligkeit Lohenstein Armin. 1, 87b; noch etwas, das dem Engländer das herz stahl! alles ist (im staate Friedrichs d. gr.) gleich weit vom throne Hippel lebensläufe 3, 1, 448; ja, ich kenn' ihn, den blick, mit dem er sich die herzen stiehlt! (Z. Werner) söhne des thales 1, 92 (anschlieszend an die unter 5, c, β ausgezogene stelle). dafür bescheidner, ungewöhnlich: da ich nicht mit meinem namen zu dir kommen durfte, hab' ich mir ein stück deines herzens gestohlen Freytag 2, 76 (brautf. 4, 2). II@5@m@gγ) während diese wendung der ersten hauptklasse dieser gebrauchsweise zuzurechnen ist, insofern der stehlende ja das herz, d. h. die neigung der menschen, nun besitzt, fallen in die zweite ähnliche, denselben sinn umschreibende verbindungen, wie einem die sinne stehlen. solche begegnen schon in mhd. dichtung, wobei gewöhnlich die personificierte Minne als subject steht: und stilt si mir gedanke alsam ein diep Reinmar v. Zweter 30, 6 (vgl. d. anm. v. Roethe); si sprach: 'ich, Minne, kan steln ..., swaz in dem herzen wirt geleit witz und guoter sinne' Ottokar reimchr. 18266; vgl. auch Wolfram Tit. 66, 4. — dann wieder sehr gewöhnlich im 17. jahrh.: ihr diebgen, die ihr uns die treuen sinnen stehlet Rachel sat. ged. s. 139 neudr. (10, 13); von lieb ist ihr gestohlen, von lieb all sinn, und witz Spee trutzn. (1649) s. 58, 15; [] nachdem der schwarzen augen straal, die tracht und anmuht der Dorinden mir meiner sinnen ruder stahl (Stieler) geharnschte Venus 24 neudr. (7, 2). dafür sogar: wo ist die lieblich art, die mir mein hertz kan brechen, und mich selbst stelen mir? Kirchner bei Zinkgref auserl. ged. s. 27 neudr. (23, 5, 6); vergebt mir, wann ich sag zur antwort, auf die frag, wer mich mir hat gestohlen? ich sag es unverholen: o göttinn meiner lieb, ihr selber seit der dieb S. v. Birken ostländ. lorbeerh. s. 86; so auch: du stiehlst mich ganz mit deinen holden worten! Klinger theater 3, 223 (d. derwisch 4, 9). ähnliches auch in neuerer dichtung: wie sie mich dann beim schlusz anlächelte, und mir boshaft alles, ruhe, freude, leben stahl Tieck 2, 285 (d. abschied 1, 4); in verbindung mit herz: Gisella kann nicht ruhen; ihr habt der fürstin herz und ruh gestohlen Klinger Otto 45, 23 neudr. (2, 8); so: sie stahl des gärtners herz und sinn Lichtwer äsop. fabeln 42 (1, 23: die tulipane); sonst in anderer als erotischer beziehung: der dämon (der dichtung) nimmt dein herz, stiehlt dir die seele, er füllt allein dein ganzes denken aus Ebner-Eschenbach 1, 197; weiterhin, mit andrer nuance: o dasz wir einen bösen feind (d. wein) in den mund nehmen, damit er unser gehirn stehle (to steal away their brains)! Shakesp. 8, 218 (Othello 2, 3); es stiehlet geld und gut, das endlich doch verfleucht, den meisten ihren muht, und heist die furchtsam seyn Treuer deutscher Dädalus 1, 637. II@5@nn) technische besonderheiten. II@5@n@aα) ungewöhnlich ist gestohlenes tempo als musikausdruck, übers. von tempo rubato (freie behandlung des tempos an leidenschaftlichen stellen, wobei einzelne töne über die zeitdauer der note hinaus gehalten, andre verkürzt werden): einem rechtschaffenen virtuosen darf er (der geschickte 'accompagnist') gewisz nicht nachgeben: denn er würde ihm sonst sein tempo rubato verderben. was aber das gestohlene tempo ist, kann mehr gezeigt als beschrieben werden O. Jahn W. A. Mozart 1, 18. II@5@n@bβ) in Estland bedeutet stehlen 'so nähen, dasz von zwei zusammengenähten stücken das eine nicht so weit reicht, wie das andere' Sallmann 85a. II@66) zuweilen entwickelt sich bei stehlen der begriff der ortsbewegung; verbunden mit der gewöhnlichen bedeutung: sô stil ich daʒ golt under mînen mantel deutsche mystiker 1, 273, 35. so schrieb Luther Hiob 21, 18 zuerst: sie werden seyn wie stro fur dem winde, und wie sprew die das ungewitter stilet, strich dann das letzte wort und setzte dafür: wegfuret, s. bibel 1, 421 Weim. (Berl. hschr. 1523/4). vgl. auch: und seufzer stahl, und kreiselt' er (d. zephyr) hin zu ihrem (der rose) ohr Blumauer ged. 58. in folgender stelle ist der begriff des heimlichen wegnehmens sogar ins gegentheil verkehrt, doch nur als vereinzelte neubildung des parallelismus wegen: (der gott der liebe) stielt leis' hinweg der nymphe scharfen bogen und stielt ihr seinen hin Herder 25, 559. II@77) von solchen fällen scheint die reflexive gebrauchsweise sich davon stehlen, sich heimlich davonschleichen, sich wohin stehlen u. s. w. auszugehen. indessen ist sie nicht nur ungemein häufig, während ausdrucksweisen wie die behandelten nur ganz vereinzelt begegnen, sondern sie ist auch alt und kommt auch in andern germ. sprachen vor. so z. b. altn. stelask at überfallen, stelask [] frá Cleasby-Vigfusson 591b, norw. stela seg til, av Aasen 749a, n. stjæle sig bort, ind u. s. w. auch engl. to steal oneself away, into u. ähnl., doch hier häufiger neutral to steal sich heimlich wohinbegeben, to steal into the house at dusk, to steal ahead, away, off, to steal in upon beschleichen u. s. w., und so schon mittelengl.: Marie ... stal a wei fram hire cunne, s. Stratmann-Bradley 576a. im altdeutschen unbezeugt, dagegen mhd. sehr gewöhnlich, s. Lexer hwb. 2, 1173. (in den wörterbüchern zu Nib. und Iw. nur in dieser verwendung.) auch mnd.: unde (der cardinal) stal sik hemeliken ute deme lande Korner bei Schiller-Lübben 4, 381b. (im nd. auch mundartlich: sik af, weg stelen brem. wb. 4, 1013; hê steld sük weg ten Doornkaat - Koolm. 3, 308b.) man hat daher in dieser medialen gebrauchsweise, trotz mangelnder bezeugung für einzelne sprachen und ältere sprachstufen, eine selbständige, schon im urgerm. ausgebildete entwicklung aus der grundbedeutung der heimlichen fortbewegung zu sehen. II@7@aa) zwischen dieser und der gewöhnlichen bedeutung von stehlen vermitteln wendungen wie sich einem stehlen, entziehen: wann schenkt der himmel mir die stunden noch einmal, da ich, bey dir zu seyn, mich andern freunden stahl? Giseke poet. werke s. 51. so schon mhd.: swer sich der werlde wölle steln ..., der neme sich geistliches lebens an Hugo v. Trimberg renner 2999. so auch wortspielend: nein, heimlich fort: nicht strafbar ist der dieb, der selbst sich stiehlt, wo keine gnad' ihm blieb Shakesp. 9, 304 (Macb. 2, 2). II@7@bb) zunächst eigentlich von personen. II@7@b@aα) am häufigsten mit ablativischen ausdrücken. mit adverbien; mhd. dan: er stal sich swîgende dan Iw. 3227. später von dannen: von dannen stalent si sich nachts schweiz. volksl. 2, 7 (histor. lied von 1368); zoch er (Idomeneus) in stille ab zumal, sich heimelich von dannen stahl Spreng Ilias 178b; wenn die gräfin nahte, stahlen sie sich scheu von dannen Storm 2, 272. am häufigsten sich davon stehlen: der dir vor grosz titel zuoschrib ..., geht ehe ein ander gassen ein, ehe er dir einn guoten morgen geb, unnd stelen sich also hinden fein gmach davon wie die jünger von unserem hergot S. Franck sprüchw. 2, 38a; aber, wenn zulezt sich mäuschenstill ... unser bräutigam davon gestohlen Göckingk 3, 62; Warw. mich wunderts, wie der könig uns entkam. York. da wir die nord'sche reiterey verfolgten, stahl er davon sich (he slily stole away), und verliesz sein volk A. W. Schlegel Shakesp. 8, 187 (Heinr. VI., 3. theil 1, 1). (hin)weg, fort (vgl. th. 4, I, 34 und 4, II, 1541): der ... hete sich vor enwec gestoln Iw. 6886; sie verlassen; sich heimlich von ihr hinweg stehlen ... Wieland Agathon 2, 50; dieser ist mir der freund, der mit mir strebendem wandelt, läd't er zum sitzen mich ein, stehl' ich für heute mich weg Göthe 1, 401 (vier jahresz. 58); ich stahl mich heimlich fort aus Alys schlosz Heine 2, 257 Elster. hinaus: wann still' und nacht verliebten raub verhehlen, dann wollen wir zum thor hinaus uns stehlen A. W. Schlegel Shakesp. 1, 187 (sommernachtstr. 1, 1). auch: ganz in der stille stiehlt sich ... ein einzelner bei seite Dahlmann franz. rev. 5. II@7@b@bβ) mit präpositionen; aus: do ... ist der gottsfOerchtig vatter in die Engelburg geschlupfft, darnoch sich darusz gestolen und also ... sich usz dem staub [] gehaben Ulr. v. Hutten 5, 369 Böcking; früh drey uhr stahl ich mich aus Carlsbad, weil man mich sonst nicht fortgelassen hätte Göthe 27, 5 (aus dem Carlsbad weg tageb. 1, 147); bald darauf stahl ich mich aus der thür und umschlich, leise und behutsam, mein haus Hebbel 8, 193, 30; Unfalo der ungetrew man aus dem scheff sich heimlichen stal Teuerd. 43, 65; ja — wer auch nur eine seele sein nennt auf dem erdenrund! und wer's nie gekonnt, der stehle weinend sich aus diesem bund! Schiller 4, 1; und aus der freude kreis musz ich mich stehlen 13, 284 (jungfr. v. Orl. 4, 1). —von: er stal sich von den frouwen Nib. 663, 1 C; von meim vatter hab ich mich gstoln. meint jhr und das er es underlasz, mir nicht nach forsch auff alle strasz? Ayrer 2204, 2 Keller (Sidea 4); der eine nach dem andern stahl sich leise von dem kampfplatz Herder 27, 296; in solcher nacht stahl Jessica sich von dem reichen juden (did Jessica steal from the wealthy jew) Shakesp. 4, 225 (kaufm. v. Ven. 5, 1); stahlst du dich neulich von der jagd ...? Grillparzer5 5, 11 (gastfr.); mit der selben rede stal her sych do von dem czolle Behrend Magdeb. fragen s. 243; ich hab mich yeczund von im stelen müssen (io mi son testè ... scantonata da lui) Arigo decam. 499, 19 Keller (8, 7), s. auch 481, 8; also nam des blinden fürer die hosen und schuoch ... und stal sich haimlich von dem plinden leg. vom hl. Ulrich 67; er ging durch die Goldacher und Seldwyler ... hindurch wie ein toter, der sich gespenstisch von einem jahrmarkt stiehlt G. Keller 5, 44. — nicht selten vergleich mit einem diebe, an die gewöhnliche bedeutung erinnernd (vgl. 1, b), so Paracelsus 1, 143 B unter I, 4, a, β, aa; man kann den hungerleider noch im grabe pfänden ...; denn der sarg ist nicht bezahlt, er hat sich aus der welt gestohlen, wie ein dieb aus dem gefängnisz Hebbel 8, 192, 14; der sich von uns stal als ain dieb fastn. sp. 420, 25. II@7@b@gγ) sich wohin stehlen; mit adverbien: nâch disem heile stal er sich wider in Erec 2514; mit sîme leun stal er sich dar Iwein 7805; wisset jhr, wie er sich rein (in den himmel) gestolen? Hayneccius Hans Pfriem 1080 (2, 6); man sah, dasz in des dunkels hag feldein sich mancher reiter stahl Droste-Hülshoff 2, 159; welch ein elend erblickt' ich! und tief, wie unter der erde, war es verborgen gewesen, und stahl sich, als wäre es sünde gegen die glücklichen brüder, auch jetzt noch zögernd und ängstlich .... hervor aus den löchern! Hebbel 8, 293 (mutter u. kind 2, 463). sich in ein haus stehlen; dieweyl so hett sich der calfacter wider in die schuol gestolen Schumann nachtbüchl. 271, 8 Bolte (2, nr. 43); wiewol er nun offentlich sich nichts mehr merken liesze, so lohete doch heimlich sein liebesfeuer, und stahle er sich in der Antonia palast, wann er nur konte Anton Ulrich v. Braunschw. Octavia 2, 924; Fritz ... stahl sich ziemlich verschämt in das haus G. Keller 4, 189; wenn er ... den braunen allein zum hof traben liesz und sich selber durchs seitenpförtchen in den garten stahl Viebig d. schlafende heer 20; ich will mich sachtchen in mein bettchen stehlen Göthe 11, 341 (was wir bringen, forts. 5); ich wollt' ihm nahn, er aber nahm es wahr, und stahl sich tiefer in des waldes dickicht (and stole into the covert of the wood) A. W. Schlegel Shakesp. 1, 14 (Romeo 1, 1). [] so dann weiter: durch die hoheit und zahl meiner wünsche werd ich mich in der geister gewühl stehlen Schiller 2, 393; gestohlen hab' ich mich in die welt, ein bastard bin ich, ungerufen nur gekommen! Gutzkow ritter v. geiste 9, 476. —nach: von B. aus habe ich hoffnung mich nach Reinfeld zu stehlen und mein schicksal endlich zu entscheiden Bismarck br. an s. braut u. gattin s. 506 (30. aug. 62). zu: den gottesacker will ich mir zum liebsten ort erwählen, und manchen abend mich von hier zu Hannchens grabe stehlen Eschenburg beispielsamml. 5, 112 (Miller 'klagel. e. bauern', dafür in dessen 'gedichten' s. 35: und jeden abend mich zu dir, du liebes Hannchen! stehlen). mit andrer nuance mhd.: swer güetlîch grüeʒet einen man, dem er guotes niht engan, der stilt sich hin zer helle Vridanc 131, 19. meist zu einem: denn er bellte mir einst mein mädchen an, da sie sich heimlich zu mir stahl Göthe 1, 285; als man der heimath näher kam, stahl sich auch mancher treue mann zu den seinigen hinweg Treitschke deutsche gesch. 1, 248. ähnlich frühnhd.: ainer under dem dritten hauffen, stal sich für jn (kam heimlich zu ihm) S. Franck chron. Germ. 117a. II@7@b@dδ) mit andern präpos.: sich durch die soldaten stelen, clam penetrare exercitum Stieler 2164; und hatte sych myt logenhafftiger rede gestolen durch dy czölle Behrend Magdeb. fragen s. 243; gleich flüchtigen dieben, müszten sie sich durch wachsame und erbitterte feinde stehlen Schiller 8, 126; und als ich nun ... mich stehlen wollte durch des volks gewühl Geibel 5, 7; Bodmer stahl sich über die alpen Herder 18, 164; nun sah er in den mondenstrahlen, ... wie sich um's eck zwei männer stahlen Lenau 530 Barthel (Savonar.). II@7@b@eε) so in freierem gebrauche: der gnome sah wol, dasz bei dem sorgfältigsten bestreben, durch tausend kleine gefälligkeiten sich in der schönen Emma herz zu stehlen, ihr keine liebe abzugewinnen war Musäus volksm. 1, 14 Hempel (leg. v. Rübez. 1); erzähl es ihm wie du dich in ihr herz stahlst Schiller 3, 412 (kab. u. liebe 2, 5); so was von dieberei ist allerdings dabei, sich in das geheimnisz eines andern zu stehlen Arnim 2, 107; drittens aber ... setzt er sich herab, wenn er sich ... in eine familie stiehlt oder hineinlocken läszt, welche ihn wie einen eindringling betrachtet Holtei erzähl. schr. 5, 54; denken Sie nicht etwa, dasz ich durch lügenkünste, gleisznerische gefälligkeit in seine gunst mich stahl Schiller 12, 81 (Piccol. 1, 3). ferner: eine metaphysick und theorie der künste ..., die vielleicht an verwegenheit, sich in die tiefen zu stehlen, ihres gleichen noch nicht gehabt hat Lichtenberg aphorismen 3, 53, 35. II@7@cc) weniger eigentlich von dingen, die sich in unerwarteter, ungewollter oder durch hindernisse ersehwerter weise bewegen. II@7@c@aα) von gliedern des menschlichen leibes: langsam sucht sich eine hand zu ihr zu stehlen A. Croissant-Rust arche Noah 378. — vereinzelt von allerlei gegenständen, als poetische umschreibung des passivs: ein kleines clavichord wuszte sich unbewuszt ins haus (Händels) zu stehlen (wurde heimlich hereingeschafft) und nahm oben unter dem dache platz Chrysander Händel 1, 15; oder als bezeichnung einer eigenen bewegung, mit einer art personification: nun, so schneide dir mit deinem degen eine locke ab, da stiehlt sich eine unter'm helm hervor Hebbel 4, 288 (Nib. III, 4, 9). [] wieder anders nuanciert von einem wege: nebenan stiehlt ein gäszchen zum steinbruch sich Freiligrath5 3, 218. II@7@c@bβ) gern von flüssigkeiten: mir wars, als führte mich in einem öden thal der schwermuth kalte hand in eine höle, aus deren schoose sich ein heitres quellchen stahl Pfeffel poet. vers. 6, 160; fort, fort! und schnell gereinigt, wo des blutes spur vom leichnam sich vielleicht hinab zum boden stahl! Göthe 46, 44 (Eurip. Phaethon 156); so sinnend wär' entschlummert ich zumal, wenn nicht der thau sich durch den mantel stahl Droste-Hülshoff 2, 111 (des arztes verm.); bevor die flut sich wieder näher stiehlt Liliencron 12, 102 (Poggfr. 19). besonders von thränen: Yorick hörte sich diese traurige prophetische rede fast niemals vorsagen, oder es stahl sich eine thräne aus seinem auge Bode Tristram Schandi 1, 70; einzelne thränen stahlen sich aus den schönen augen, indem sie sich bemühte, ihn freundlich und lächelnd anzusehen Hauff 3, 2, 221 Bobertag (jud Süsz 4). II@7@c@gγ) häufig von lichtstrahlen u. ähnl.: wenn ... die hohe sonne an der oberfläche der undurchdringlichen finsternisz meines waldes ruht, und nur einzelne strahlen sich in das innere heiligthum stehlen Göthe 16, 8; (im bilde:) wie gebrochen und magisch stahl sich der sonnenschein der äuszern welt in den heiligen dunkeln irrhain der innern J. Paul 21 (Titan 1), 56; einzelne streiflichter stahlen sich durch ritzen und astlöcher Bettina Goethes briefw. 2, 199; auf dunklem waldpfad, wo sich das mondlicht durch die blätter stahl Storm 1, 309; wie lieblich, wann dein (des abendroths) rother schein .... sich durch das holunderdach in meine laube stiehlt Salis ged. 40; sanft stahl der mond sich durch den blauen flieder Kind ged. 2, 294; die sonnenstrahlen stehlen sich behende durch blätter und ranken W. Müller 267 Hatfield, s. auch s. 344; ich schreite in die nacht hinaus, entgegen jenem schimmer, der aus dem forstverlornen haus sich stiehlt mit schwachem flimmer Hebbel 6, 204; so auch: sonnstrahl schlau und ostwind lau stehlen sich in's harem beide Rückert 2, 38; bis die süsze dämmerunge sich in das gemüthe stahl Tieck 1, 113. ferner: es fleucht hinweg mir die farbe, die sich leis' in die wangen stahl Herder 26, 233 (Hor. od. 1, 13, 5 f.). II@7@c@dδ) äuszerungen von gemüthsbewegungen; seufzer stehlen sich aus dem busen, worte von den lippen u. ähnl.: ein tiefer seufzer, der sich aus Nettens busen stahl Bode Thomas Jones 5, 82; ein leiser seufzer ... stahl sich über ihre süssen lippen Klinger 1, 207 (Elfride 1, 3); und von der lippe stiehlt sich hohn und scherz mod. dichtercharaktere (1885) 99 (Herm. Conradi); so ferner: ein schmerzlicher zug stahl sich um ihren mund, aber er verschwand wieder Storm 2, 329. von blicken, mit ungewöhnlichem ausdruck: wenn augen sich in augen stehlen Schiller 3, 165. II@7@c@eε) auf geistiges angewendet: liebreichere erscheinungen, — sanftere regungen stahlen sich unvermerkt in seinen schlummer Bode Tristram Schandi 6, 146; isz wurzeln und trink pfüzenwasser; es kommen doch stunden, wo sich mädchengestalten in deine fantasie stehlen Schubart leben u. gesinn. 2, 230; gedanken, wünsche, ... die scheu vor des tages licht sich verkrochen, ... [] stehlen sich in das stille haus des traumes G. Büchner s. werke 33 Franzos (Dantons tod 1). — durch ihre groszen offenen augen stahl sich Abrokomas schönheit unvermerkt tief in ihr herz Bürger 252a; nur dasz bei Romeo die liebe durch das auge sich in das herz stahl Bauernfeld ges. schr. 2, 38 (d. letzte abenteuer 2, 3); stielt mitleid sich zuerst ins herz, die liebe stielt sich nach Herder 25, 603; wie aus unmerklich gesprungenen gefässen langsam das wasser sich verliert, ... so stahl sich, ohne dass sie es wussten, aus denen, die Georg liebten, der reine schmerz um ihn Beer-Hoffmann d. tod Georgs 132. — je mehr aber die theurgien aufkamen, und leider sich auch ins christenthum stahlen Herder 20, 55; im kleinen stübchen ... sitzt sie und stickt, den holden blick gesenket, dasz sich in's reine werk kein fehler stehle Brentano 2, 481 ('Mariens bild').
131316 Zeichen · 3035 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stêhlen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Stêhlen , verb. irregul. act. ich stehle, du stiehlst, er stiehlt; Imperf. ich stahl, (im gemeinen Leben ich stohl;) Con…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    stehlen

    Goethe-Wörterbuch

    stehlen [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    stëhlen

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    PfWB LothWB RhWB stë h le n [tálə fast allg.; tǽlə Str. Ndrbr. W.; Ind. Pr. tél Dü. U.; tǽl W.; Part. ktôlə Liebsd.…

  4. Sprichwörter
    Stehlen

    Wander (Sprichwörter)

    Stehlen 1. Alles stiehlt ein Dieb, nur nicht die Lieb'. 2. Aenmôl gestohlen ist immer verlôren. ( Waldeck. ) – Curtze, 3…

  5. Spezial
    stehlen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    steh|len (stiehlt, stahl, gestohlen) vb.tr. (klauen, entwenden) arobé (-ba) , se tó. ▬ jdm. die Zeit stehlen ‹fig› ti ar…

Verweisungsnetz

162 Knoten, 223 Kanten

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stehlen

39 Bildungen · 1 Erstglied · 34 Zweitglied · 4 Ableitungen

stehlen‑ als Erstglied (1 von 1)

stehlenswert

PfWB

stehlen·swert

 stehlens-wert Adj. : nur in der Wend.: Was net frogeswert is, is net schtehleswert [ Beam Penns 97].

stehlen als Zweitglied (30 von 34)

Únterstehlen

Campe

Únterstehlen , v. rec . unregelm. (s. Stehlen), sich unterstehlen, ich stehle mich unter, untergestohlen, sich unterzustehlen , sich unter e…

abstehlen

DWB

abstehlen , clam auferre, nnl. afstelen: das er mir tut mein pfrunt abstelen, d. i. ab mir stelen. fastn. sp. 144, 13; abgestolen 180, 8; da…

ausstehlen

DWB

aus·stehlen

ausstehlen , expilare: die groszen gewaltigen erzdiebe, die nicht eine stad oder zwo, sondern ganz Deudschland teglich ausstelen. Luther 4, …

bestehlen

DWB

bestehlen , suppilare aliquem, ags. bestelan, schw. bestjäla, dän. bestiäle, nnl. bestelen: diebe, die den garten bestehlen; einem die kasse…

davonstehlen

DWB2

davon·stehlen

davonstehlen vb. refl.: 1797 A. W. Schlegel Shakespeare ( 1801 ) 1,67. 1963 Strittmatter Bienkopp 111.

durchstehlen

DWB

durch·stehlen

durchstehlen , reflexiv, heimlich, verstohlener weise sich durchschleichen. er hat sich zwischen den wächtern durchgestohlen. sich durch die…

einstehlen

DWB

ein·stehlen

einstehlen sich, irrepere, insinuare se, sich einschleichen: mit einer beredsamkeit, die auf eine unwiderstehliche art sich in die seelen ei…

entstehlen

DWB

ent·stehlen

entstehlen , suffurari, entwenden, nnl. ontstelen: andern leuten das ihre entstehlen. Gefken beilage 97 a ; wer ihn da hätt entstolen, wer i…

erstehlen

DWB

erstehlen , furari, surripere: dasz er des volkes herz mit list erstelen kan. Rompler s. 18 ; und unversorgt mit waffen sollt ich durch schl…

fortstehlen

DWB

fort·stehlen

fortstehlen , 1 1) pergere furari. 2 2) sich fortstehlen, clam aufugere: dann stiehlet sich ein seufzer fort. Ramler 2, 82 .

fürstehlen

DWB

fuer·stehlen

fürstehlen , s. vorstehlen. 1 1) zu gunsten eines andern stehlen. vor- sive fürstelen, furari ut alter habeat, operam vicariam furando praes…

heimstehlen

PfWB

heim·stehlen

heim-stehlen st. : 'in kleinen Mengen während der Regenpausen heimschaffen'. Bei dem verworfene Werrer muß mer 's Haai häimstehle [ KU-Schmi…

Herabstehlen

Campe

herab·stehlen

Herabstehlen , v . unregelm. ( s. Campe Stehlen ). I) trs . herabnehmen und entwenden. II) rec . sich herabstehlen , sich heimlich und unbem…

Herausstehlen

Campe

heraus·stehlen

Herausstehlen , — steigen, — stellen, — stolpern, — stoßen, — strahlen, s. Heraus , und Herabstehlen 

Herbeistehlen

Campe

herbei·stehlen

Herbeistehlen , Х — stolpern, — stoßen, — strömen, — stürmen, — stürzen, — tanzen, — taumeln, Х — torkeln, — traben, — tragen, — treiben, — …

Herstehlen

Campe

her·stehlen

Х Herstehlen , v. rec . unregelm. ( s. Stehlen), Sich herstehlen , sich von Andern unbemerkt, heimlich herbegeben, herschleichen. Das Herste…

hinabstehlen

GWB

hinab·stehlen

hinabstehlen refl: unbemerkt auf die Erde fallen (von Blutstropfen) [ für: πίπτειν] GWB 41 2 , 44,20 Eurip,PhaethonVersuch Elke Dreisbach E.…

Hinstehlen

Campe

hin·stehlen

Х Hinstehlen , v. rec . unregelm. ( s. Campe Stehlen). Sich hinstehlen , sich behutsam und unbemerkt an jenen Ort begeben, sich behutsam und…

milchstehlen

DWB

milch·stehlen

milchstehlen , n. das stehlen der milch aus den eutern des nutzviehs durch zauberei ( vergl. milchdieb): wer wunschruten, schatzbeschwerung,…

Mitstehlen

Wander

mit·stehlen

Mitstehlen Mitgestohlen, mitgehenkt; mitgehurt, mitertränkt. – Mayer, I, 79; Pistor., I, 85; Graf, 306, 170. »Das gemeine Sprichwort: Mitges…

Nachstehlen

Campe

nach·stehlen

Nachstehlen , v . unregelm. ( s. Campe Stehlen ). I) intrs . u. trs . 1) Nach dem Beispiele eines Andern stehlen. 2) Hinten nach, nach oder …

Obststehlen

DRW

obst·stehlen

Obststehlen, n. wie Obstdieberei die dieberey mit aushütten, holtz- graß- und obst-stehlen 1664 SchlesKirchSchulO. 378 wirdt daß obs-, ruebe…

Pferdestehlen

DRW

pferd·e·stehlen

Pferdestehlen, n. wie Pferddieberei es wil benebens das pfert stelen ganz vberhandt nemen 1642 NrhAnn. 163 (1961) 31 wegen pferdestehlen ...…

verstehlen

DWB

ver·stehlen

verstehlen , verb. , in der älteren periode weit verbreitet, tritt in der neueren zurück und ist heute nur in der form des part. prät. üblic…

Vorausstehlen

Campe

voraus·stehlen

Х Vorausstehlen , v. rec . unregelm. ( s. Stehlen ), sich heimlich und unbemerkt vorausbegeben. D. Vorausstehlen .

vorbeistehlen

DWB

vorbei·stehlen

-stehlen : gleich verdächtigen brüdern ... stehlen sich die üppigen phantomen an meiner seele v . Schiller Fiesko 2, 19 . —

vorstehlen

DWB

vor·stehlen

vorstehlen , verb. , mhd. vürsteln mhd. wb. 2, 2, 634 b ; Lexer 3, 588 ; vor- sive fürstelen Stieler 2164 ; vorstelen Kramer t.-ital. dict. …

vorüberstehlen

DWB

vorueber·stehlen

-stehlen , sich, ' sich heimlich und unbemerkt vorüberbewegen ' Campe : wenn alles mit dir lebt und fühlet, sich sympathienvoll dein fusz am…

vorwegstehlen

DWB

vorweg·stehlen

vorwegstehlen , verb. : ich habe mich vom bahnhofe vorweggestohlen Bismarck br. an s. braut u. gattin 575 ; hier ist sicher vor ( antea ) vo…

Wégstêhlen

Adelung

weg·stehlen

Wégstêhlen , verb. irregul. act. (S. Adelung Stehlen ,) durch einen Diebstahl entwenden. Einem sein Geld wegstehlen. Sich wegstehlen, heimli…

Ableitungen von stehlen (4 von 4)

bestehlen

DWB

bestehlen , suppilare aliquem, ags. bestelan, schw. bestjäla, dän. bestiäle, nnl. bestelen: diebe, die den garten bestehlen; einem die kasse…

entstehlen

DWB

entstehlen , suffurari, entwenden, nnl. ontstelen: andern leuten das ihre entstehlen. Gefken beilage 97 a ; wer ihn da hätt entstolen, wer i…

erstehlen

DWB

erstehlen , furari, surripere: dasz er des volkes herz mit list erstelen kan. Rompler s. 18 ; und unversorgt mit waffen sollt ich durch schl…

verstehlen

DWB

verstehlen , verb. , in der älteren periode weit verbreitet, tritt in der neueren zurück und ist heute nur in der form des part. prät. üblic…