gelegentlich,
adj. und adv. zu gelegen,
nun aber auch zu gelegenheit,
wofür im 18.
jahrh. und länger das genauere gelegenheitlich bestand. 11)
anfangs gelegenlich,
mhd. und noch im 17.
jh.: wann ihr in der insul Atlantide gar gelegenlich werdet können essen, trinken, schlafen, euch bekleiden, ja spielen und lustig sein, was wollt ihr mehr? Schuppius 715 (
kunst reich zu w.),
als adv. zu gelegen 2,
c. g, nahe und bequem zur hand, vergl. Göthes gelegne speise
dort. mhd. z. b. gelegenlîche strâʒe Lexer 1, 808,
die bequeme, beste, nächste (
s. u.gelegen 2,
c, γ,
auch gelegenheit 1,
f): daʒ her leite her Dietrîch .. die gelegenlîche strâʒe rehte ze Isterrîche in daʒ lant.
Dietrichs flucht 8114 (
Berl. heldenb. 2, 183
a).
im rechtsleben gelegenlîcher tac,
rechtstag über den sich beide parteien verständigen als beiden gelegen (
s. u.gelegen 2,
g),
gern im pl.: wêre auch daʒ unser gesellen dheiner an sîn êre geschuldiget würde, der sal zu gelegenlîchen tagen rîten und sîne êre vorantworten. Haltaus 625
mit mehr belegen, s. auch nachher weisth. 4, 574.
als adv. zu gelegen 2,
e, gleich wol gelegen: Kartâgô was rîche und stûnt gelegenlîche aller slahte gûte
u. s. w. Eneit 27, 2
Ettm., befand sich in günstiger lage in bezug auf aller art güter, in einer hs. aber gelegeliche, wie kumen an eine gelegeliche stat Königshofen
Straszb. chron. 609, 33, einem gelegeliche tage bescheiden
weisth. 4, 574 (gelegentliche 1, 531
gewiss nur von späterer abschrift),
s. dazu unter gelege
adj., d. i. gelæge,
wo auch gelægelich,
md. gelêgelich
sich wahrscheinlich macht; aber für wirkliches gelegelich
dabei zeugt tirol. glegele',
d. i. gelegelich,
bequem, auch '
still, mucksig' Schöpf 379. 22)
später mit -t
zwischen -n
und l-,
wie eigentlich
für eigenlich
u. a., vielleicht mit einwirkung von gelegenheitlich,
an dessen stelle es zugleich trat (
vergl. c). 2@aa) gelegentlich,
opportune, tempestive. Steinbach 1, 1014 (
nur so als adv.),
wenn die rechte oder günstige gelegenheit kommt, bei guter gelegenheit, z. b.: wenn sie glücklich geboren sind und wenn dieses kästchen etwas bedeutet, so musz sich gelegentlich der schlüssel dazu finden. Göthe 21, 225 (
wanderj. 1, 12); entwürfe zu monumenten .. habe ich viele gesammelt .. und zeige sie gelegentlich. 17, 205; gelegentlich nimmt jeder sich das beste. 41, 90; ich freue mich, ihnen gelegentlich zu entwickeln, was mir ihre unterhaltung gewährt hat, wie ich von jenen tagen an eine epoche rechne.
an Schiller 27.
aug. 1794; in Mecklenburg z. b. und in meiner heimat müszten, wenn die staats- und krongüter nicht hinreichen, um bauern zu schaffen, die regierungen einen geldstock stiften, um gelegentlich grosze güter zu kaufen
u. s. w. Arndt
erinn. 318,
wenn sich die gelegenheit bietet. 2@bb)
bei gelegenheit überhaupt, d. h. beiläufig, nebenher nach zufälligem anlasz und umständen, die jetzt herschende bed.: gibt er (
Kepler) rechenschaft von seinem thun, von seinen einsichten, so ist es als wenn es nur gelegentlich, im vorbeigehen geschähe und doch .. Göthe 53, 171; dasz ich mir gleich anfangs vorgenommen, nicht das geringste gegen die fragmente schreiben oder auch gelegentlich erinnern zu lassen, ohne sofort meine augen selbst dabei zu haben. Lessing 11, 514; von solcher beschaffenheit sind grundsätze in vergleichung der regungen, die blosz bei einzelnen veranlassungen aufwallen, und so ist der mann von grundsätzen im gegenhalte mit demjenigen, welchem (
so) gelegentlich eine gute und liebreiche bewegung anwandelt. Kant 2, 243.
beliebt ist es nun besonders auch, um grosze, namentlich auch schlimme, böse dinge damit ins kleine zu ziehen oder in ein ironisches licht zu setzen, z. b.: mit menschen hab ich (
in Berlin) sonst gar nichts zu verkehren gehabt ... dafür ich gelegentlich als stolz u.
s. w. ausgeschrieen bin. Göthe
in Mercks br. 1, 139; leider werden wir neuern wohl auch gelegentlich als dichter geboren und wir plagen uns (
nun) in der ganzen gattung herum, ohne recht zu wissen woran wir eigentlich sind
u. s. w. an Schiller 27.
dec. 1797; man haszt einen, man erzürnt sich, man übereilt sich, und in gefolg von dem und manchem andern kann es wohl kommen, dasz man gelegentlich einen todt schlägt.
werke 17, 401 (
wahlverw. 2, 18); die groszen zopfabschneider der menschheit haben zu allen zeiten, auch wenn an den zöpfen gelegentlich einige köpfe hängen geblieben sind, zu ihren wohlthätern gehört.
Augsb. allg. z. 1866
s. 4854
a. 2@cc)
auch mit gen., als nachwirkung des im gefühl dahinter stehenden gelegenheit (
vergl. gelegenheitlich): gelegentlich des prorectoratswechsels.
allg. anz. der Deutschen 1846
s. 4287; gelegentlich der beschieszung Alexandriens durch die Engländer taucht natürlich das gleiche schicksal Kopenhagens im gedächtnis auf.
zeit. im juli 1882. 33)
als adj. seltener: so wenig gegenwärtig meine absicht ist, das lehrgebäude der gelegentlichen ursachen über einen haufen zu werfen ... Rabener (1755) 2, 62; so sind die vortrefflichen werke der alten gelegentliche ursachen gewesen, dasz ihnen die neueren nicht gleich kommen können. Gellert 5, 270 (188); wenn .. sie etwas verrichteten, das durch irgend einen glücklichen zufall der stadt nützlich wurde, so dankten sie den göttern dafür, denn sie fühlten wohl, dasz sie als blosze werkzeuge oder gelegentliche ursachen mitgewirkt hatten. Wieland
Abderiten 1, 270 (I, 7
a. e.),
wie nachher gelegenheitsursache (
s. d.),
causa occasionalis; ganz andere arbeiten waren sein hauptwerk, und mich deucht, es wäre billig, einem solchen gelegentlichen verfasser vieles zu verzeyhen, das einem eigentlichen dichter nicht vergeben würde. Haller
vorr. zu den ged. 1748 (
s. 249
Hirz.); wie sie denn (
die experimente) gewöhnlich .. auf gelegentlichen sonnenschein verschoben .. werden. Göthe 54, 292.
auch gleich gelegen,
wolgelegen, opportunus (
vergl. Steinbach
u. 2,
a): den wunsch Italien zu sehen hatte ich schon längst, ihn auszuführen schien mir jetzt die gelegentlichste zeit. Börne 2, 237.