mund,
m. os. 11)
goth. munþs;
altnord. munnr
und mûðr,
schwed. mun,
dän. mund;
ags. alts. altfries. mûð, mûth,
engl. mouth,
niederd. mund,
niederl. mond;
ahd. mund,
mhd. munt;
wie maul (
sp. 1782
ff.)
über alle germanischen dialekte verbreitet, aber von dunkeln bezügen zu urverwandten sprachen; unmöglich ist es nicht, dasz beide worte éiner gemeinsamen wurzel entstammen, von der mau-l,
alt mû-l
eine iterativbildung, mu-nd
aber eine participiale ableitung ist, vgl. Kluge 232
a.
das ahd. bildet zum sing. mund
den plur. munda (Graff 2, 812),
mhd. munde
und münde,
doch ist der plur. schon hier nicht beliebt, noch weniger im nhd., wo er geradezu vermieden und, wo es angänglich, durch sing. ersetzt wird: ich wil lassen uber bleiben sieben tausent in Israel, nemlich alle knie die sich nicht gebeuget haben fur Baal, und allen mund der jn nicht geküsset hat.
1 kön. 19, 18; wie es dergleichen geschichten zu gehen pflegt, wenn sie erst durch den mund der menge und sodann durch die phantasie eines geist- und geschmackreichen erzählers durchgehen. Göthe 17, 336; o dasz ich tausend zungen hätte, und einen tausendfachen mund.
geistl. lied von Joh. Mentzer († 1734);
wo der plural noch gebraucht wird, ist er entweder münder: und also hastu (
im geiste) vil basz gebeet (
gebetet) dann das du tausend münder gehabt hettest. Tauler (1508) 107
b; huben die hend fur jre münder. Steinhöwel (1555) 2; seht das geschütz auf den laffetten stehn, auf Harfleur mit den mündern tödtlich gähnend.
Shakesp. Heinrich V 3, 1;
oder münde: sie alle mit weinenden augen an ire münde küsset. Steinhöwel 214, 10
Keller; o wie wol vermählt ihr euch, ihr zwei unbefleckten münde. Fleming 356; die münde thun ihr amen drein, was beider händ eins worden sein. 369; dem ihr durch manchen kusz, aus so viel münden hier entbietet euren grusz. 591;
nur ausnahmsweise munde: ich zeig euch des geliebten Cäsars wunden, die armen stummen munde, heisze die statt meiner reden.
Shakesp. Julius Cäsar 3, 2. 22) mund
ist der gewählten sprache eigen, in der mundartlichen rede nicht oder fast nicht verwendet (
vgl. unter maul
sp. 1782),
für den menschlichen gesichtstheil als edles wort gegenüber maul
aufbehalten: wer seinen mund bewaret, der bewaret sein leben, wer aber mit seinem maul her aus feret, der kompt in schrecken.
spr. Sal. 13, 3;
selten, dasz es in der älteren sprache auch in bezug auf thiere steht: nieht ne ferbint den munt demo indrascantin rinde. Notker
ps. 103, 14; die visch (
der gattung echinus) habent ir münd ze mitelst an dem leib. Megenberg 251, 32; frösch .. die in der andern visch münden sint. 254, 6; da thet der herr der eselin den mund auf.
4 Mos. 22, 28; sihe, er (
der behemoth) schluckt in sich den strom, und achts nicht gros, lest sich dünken, er wölle den Jordan mit seinem munde ausschepfen.
Hiob 40, 18; wie ein schaf, das erstummet fur seinem scherer, und seinen mund nicht auf thut.
Jes. 53, 7; den ersten fisch der aufer feret, den nim, und wenn du seinen mund aufthust, wirstu einen stater finden.
Matth. 17, 27; die heubte der rosse (
waren) wie die heubt der lewen, und aus jrem munde gieng fewr und rauch und schwefel.
offenb. 9, 17; die schlange schos nach dem weibe aus jrem munde ein wasser, wie ein strom. 12, 15; dô man die tûben anderstunde sande ûʒ, dô brâhtes in dem munde eines ölboumes zwî. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 2564; daʒ selbe himelische barn lac vor zweier vihe munden in swachiu windeltuoch gewunden. 3096; hör zuo was thuot ein crocodill, wann er sein rachen seubern will, so sperrt er auf mit sonderm list sein halsz, darin kein zung nicht ist, so macht jm dann ein vöglin klein sein mund ganz sauber, schön und rein.
Grobian. D 2
a (
v. 866); lustige delphinenschaaren .. aber ihnen schlosz auf ewig Hekate den stummen mund. Schiller
Hero u. Leander. 33)
man theilt den mund in den inneren und äuszeren mund. Nemnich 4, 801;
der innere heiszt auch die mundhöhle (
s. d.), das hohle des mundes:
bucca, das hol im mund. Alb.;
das äuszere bestimmt sich nach der form der lippen, nach bart und zähnen: ihr mund war mehr klein als grosz, worinnen schloszweise zähne zu sehen.
Plesse 2, 494; die ächten (
zähne), die sie im mund hätte, hätte ich gezählt. H. v. Kleist
Käthchen v. Heilbr. 2, 4; sie hat keinen zahn mehr im mund; ein zahnloser mund; bärtiger, bartloser mund; aufgeworfener mund; ein bärtchen über dem mund. Hauff
Lichtenstein 1, 17; sein groszer zahnloser mund. 3, 57; seht nur den aufgeworfnen mund! Gellert 1, 284; ein häszlicher, schöner mund: der schönste mund. Gleim 3, 70; der erringet bestes lob aus schönstem mund. H. Heine 15, 65; ein kleiner mund: kleiner mund chumpt frawen eben und nit dem man, ich sags euch vor.
ring 23
c, 22;
nach der farbe der lippen wird der rothe, purpurne, rosige mund
gepriesen, vorzüglich des weibes: kuster mich? wol tûsentstunt: .. seht wie rôt mir ist der munt. Walther 39, 28; ir augenblick und roter mund mich basz erfrewt, denn tausent pfund. H. Sachs
fastn. sp. 1, 61, 238; wann weiber reime schreiben, ist dupelt jhre zier, dann jhres mundes rose bringt nichts als rosen für. Logau 2, 41, 52; du bist ihr herzensrath, du rosengleicher mund. P. Fleming 622; erd und himmel entfloh, als ich dich, Daphne, sah, als dein purpurner mund schüchtern mir lächelte. Hölty 108
Halm; (
du) küssest mich mit deinem rothen munde vom schlummer wach. 165; die backen roth, der mund wie eine kirsche. Tieck
Octavian. 260; des mundes frische röthe, der augen glänzend, lieblich, lockend spielen. 321; dürft ich sie umfahn und küssen auf den rosenrothen mund. Uhland
ged. 234; der volle, schwellende mund: die hoffnung triumphirt auf Leonorens küssen, wozu der volle mund bequeme lippen trägt. Günther 631; ein lieber, süszer, kuszlicher mund (
vgl. kuszlich
th. 5, 2876): keiner städterin reiz, weder ein blaues aug, noch ein kuszlicher mund, soll mich aus deinem arm .. locken. Hölty 76
Halm; vom lieben mund ein küssen gab eins dem andern gern. Uhland
ged. 27; dann sang vom birkenhügel des mägdleins süszer mund. 375;
entgegen steht der welke, bleiche, blasse mund
eines leidenden, alternden, sterbenden: doch sagt der mann mit seinem blassen munde mehr schönes oft in éiner stunde, als sie, mein prinz, durchs ganze jahr. Gellert 1, 152; sieh, es hielt der vater eben, zitternd, an den blassen mund edles labsal von Burgund. Stolberg 1, 254; ein süszlich lächeln umzitterte den gelblich blassen mund. H. Heine 15, 184;
eines erschreckten: umsonst! der schreckenbleiche mund macht schnell die schuldbewuszten kund. Schiller
kraniche des Ibykus; der kalte mund
eines todten: so nim doch hin, mein leben, den kusz, den letzten kusz, den ohne wieder geben, ach! wers auch vor geschehn? ich setz auf deinen mund, auf deinen kalten mund. P. Fleming 145. 44) mund,
formelhaft, zusammen mit andern gesichtstheilen: mund und nase (
vgl. dazu auch unter 5,
e), mund und wangen: es bluot in beiden mund und nasen. H. Sachs
fastn. sp. 2, 66, 217; mir blüht kein roth auf mund und wang. H. Heine 15, 39; mund und augen: ich glaub warlich, er sei verschieden, hat weder mundt noch augen offen. H. Sachs
fastn. sp. 4, 143, 174; die angst tritt häufig ausz, und bricht für heiszer noth zu mund und augen rausz. P. Fleming 136; im munde lächeln, in den augen ernst, auf vollen wangen thronen für die liebe. Tieck
Octavian. s. 19; wild schrie ich auf vor namenlosem jammer, blutströme mir aus mund und augen sprangen. H. Heine 15, 83; die zunge im munde: die glieder zucken, wie im todeskampfe die zung aus blutgem munde hängt und lechzet.
ebenda; wie blei lag meine zung im mund, dasz ich kein wörtlein sprechen kunnt. 27. 55)
die form des mundes wird auch bestimmt durch vorhaben, begierde, widerwillen, zuneigung, abneigung. 5@aa) den mund spitzt,
wer reden oder pfeifen will: mund spitzen thuts nicht allein, es musz auch gepfiffen sein.
sprichwort; indem Menippus, wie es schien, den mund zu einer neuen frage spitzte. Wieland 28, 330;
oder wer küssen möchte: schon nähert sich dem zauberischen rund mit zitternder begier sein zugespitzter mund. 21, 331. 5@bb)
dem lüsternen wässert der mund, läuft das wasser im munde zusammen: die geschichte .. nach der man uns schon so lange den mund wässern gemacht. Wieland 8, 68; wer sie sah, dem wässerte der mund. 18, 305; er leckt nach etwas den mund: die zuckerbissen alle, wornach er sonst den mund geleckt, verkehrten sich in galle. Hölty 28
Halm. 5@cc) den mund hängt, wirft auf, verzieht, macht schief
der unzufriedene, höhnende, spottende: liegt es nur daran? sagte ich und warf den mund auf. Thümmel 3, 159; ich leugne nicht, dasz ein schöner mund, der sich ein wenig spöttisch verzieht, nicht selten um so viel schöner ist. Lessing 2, 118. 5@dd)
fröhlichkeit zeigt der mund: jene heiterkeit .. kehrte wieder auf seine stirne, um seinen mund zurück. Hauff
Lichtenstein 1, 78;
das ist der lächelnde, der lachende mund: kam der Kalender mit lachendem munde zu Danischmenden. Wieland 8, 277;
der sich verzieht: ein lächelndes verziehen des mundes verstellt sie oft. Göthe 43, 32; zwar hätte sich Zerbin die lippen fast zerbissen, und lächelnd zog den mund der paladin sogar. Wieland 17, 108 (
Idris 2, 68);
und ein unterdrücktes lächeln geschieht mit halbem munde: er trinkt und lacht mit halbem munde. Hagedorn 3, 125; kleinen mund machen,
sich zierend: wahrheiten, wogegen eine person von feiner erziehung nicht anstoszen kann, ohne für eine offenbare närrin, oder wenn man es fein sagen will, für eine spröde gehalten zu werden, welche aus noth den kleinen mund macht. Möser
phant. 3, 9 (
nach franz. faire la petite bouche). 5@ee)
den mund aufreiszen, aufsperren,
zeichen von verwunderung oder entsetzen: so stutzte er, entfärbte sich, öffnete den mund und staunte. Wieland 6, 42; menschen, die sich entsetzen, wenn mir ein warmes herzliches wort entwischt, mund und nasen aufreiszen, als sähen sie einen geist. Schiller
kab. u. liebe 2, 1; das hofgesind sperrt mund und augen auf. Wieland 18, 185; aber zögernd standen, offenen mundes, auf der schwelle da die junggesellen, solcher freunde nicht gewärtig. Platen 338;
zeichen der neugierde: da stehen wir mit offnem munde, voller erwartung! Lessing 11, 186;
geberde eines scheltenden, drohenden: sie haben jhren mund aufgesperret wider mich, und haben mich schmehlich auf meine backen geschlagen.
Hiob 16, 10. 5@ff)
so sieht man einem einen wunsch am munde
ab: ich sehe dirs am munde an, du wolltest etwas sagen; einem das verlangen am munde absehen;
ebenso wie eine stimmung: eine gewisse wehmuth und trauer, die sich um ihren mund und in ihren augen aussprach. W. Hauff
Lichtenstein 3,
s. 76; die schalkheit spricht aus ihren blicken; und ihren mund beseelt ein lächeln, das die thoren quält. Uz 1, 104. 66)
mit dem munde
zieht man luft ein, athmet man: ich thu meinen mund auf, und hole odem.
ps. 119, 131
variante; der rosenathem ihres himmlischen mundes. Wieland 27, 136; swenne si (
die zunge) den wint fâhit unt in in den munt ziuhet.
genesis in den fundgr. 2, 13, 45; os meum aperui et attraxi spiritum, ich hân den munt ûf gebogen und hân den geist zuogezogen. Lamprecht von Regensburg
tochter Syon 4064; von deins munds athem süsze braun violblüt entsprisze. P. Melissus
bei Opitz (1624) 164; enthüllt blüht unsre augen die volle rose an, und mund und nase saugen den angenehmen schwall, der nun aus ihrer brust sich strömend drängt. Wieland 1.
suppl.-band s. 227 (
natur der dinge 5, 262);
der mund
als sitz des mit dem athmen verbundenen geistes, lebens: (
er) verscherzt die freiheit nicht umb einen hut voll fleisch, umb eine handt voll blut, umb einen mundt voll geist. Zinkgref
bei Opitz (1624) 220;
den gott dem menschen eingeblasen (
1 Mos. 2, 7): ihm, deinem (
dem menschen, gottes) bilde, wurde leben aus deinem lebensreichen mund, und die vernunft gegeben. Uz 1, 350;
das küssen mit dem munde: cusser mih mit demo cusse sînes mundes. Williram 1, 1; er küsse mich mit dem kusse seines mundes.
hohel. 1, 1; vil manic kus, den ich von dîme munde enpfie.
troj. krieg 17098; der führer küszt ihn mit dem mund. P. Gerhard 32, 61; (
die leier die) von manchem spröden mund oft manchen kuss erzwingt. Uz 1, 169; schicke einen sanften kuss von deinem heilgen mund. Tieck
Octavian. 398; der kuss von ihrem mund. H. Heine 15, 93;
ein kuss an den mund, auf den mund: gip mir her an mînen munt einen süeʒen friundes kus. K. v. Würzburg
mœre v. d. minne 190; so fest umarmt, als wären sie zusammen gewachsen, keines mehr sich seiner selbst bewuszt, doch immer noch im andern athmend, schwammen sie, mund auf mund, dahin, und brust an brust. Wieland 23, 24 (
Oberon 7, 32); einen kuss gegeben hätte? .. vielleicht kam er auch nur von ungefähr mit seinem mund auf den ihrigen. 8, 259; den mund küssen: wenn ich küsse deinen mund. H. Heine 15, 91; den mund darbieten,
zum kusse: (
sie) sah mich so wunderfreundlich an, und bot den mund mir dar. Hölty 36
Halm. 77) mund,
speise und trank einnehmend. 7@aa)
mit dem munde nehmen, in den mund stecken, stopfen; etwas zu munde führen; was zum munde eingehet, das verunreiniget den menschen nicht, sondern was zum munde ausgehet, das verunreiniget den menschen.
Matth. 15, 11; den becher an den mund bringen,
poculo labra admovere. Steinbach 2, 82;
sprichwörtlich: ein mann kann nicht mehr denn mit éinem munde essen. Simrock
sprichw. 386; swer ouch lützel schiubet in den munt, als grôʒer hunger in bestêt, er wirt vil selten wol gesunt, dem eʒ die lenge alsô gêt.
Tanhausers hofzucht bei Haupt 6, 494, 189; allein, wer klopft schon wieder an der thüre? (
während sie iszt) ein armes weib, die keinen bissen brodt — 'geht, quält mich nicht mit eurer noth, wenn ich die hand zum munde führe.' Gellert 1, 33; des mundes warten,
ihn mit speise und trank versorgen: spiel, wart des munds, so spricht Hans Sachs. H. Sachs
fastn. sp. 4, 35, 395;
speise und trank ist im munde, wird im munde geschmeckt: wie ein überzuckerter gift, so lange er in dem munde und in der kehle ist, sehr süsze schmeckt. Chr. Weise
erzn. 223
Braune; dann was dir nit wol schmackt im mund, ist auch dem magen nicht gesundt.
Grobian. C 4
b (
v. 779);
nach dem genusse den mund wischen, spülen, schwenken, waschen: man sagt wol: in dem meien da sind die brünlein gsund, ich glaubs nit, bei mein treuen, es schwenkt eim nur den mund. Uhland
volksl. 585 (
Garg. 84
b); dann wäsch die finger, nasz und mundt.
Grobian. L 2
a (
v. 2716); (
dasz andere) das credenzte wasser brauchen, und schwenken jren mundt darmit.
ebenda (2727); nur dasz, wer (
beim schlachtfest) küssen will, zuvor den mund sich wische! Uhland
ged. 66; vil haben sich des nicht geschembt, dasz sie ein ermel von eim hembdt ziehen herfür, und wischen sich, des soltu auch gebrauchen dich. dann trink mit wolgewischtem mund.
Grobian. M 4
a (
v. 3109);
sprichwörtlich: was gott nit auf den tisch gibt, das gibt er in den mund. S. Frank
paradoxa 156; ich hab dick gehört, das zwischen mund und suppen vil zwischen kommen mag. Steinhöwel
Esop (1569) 153
b. 7@bb) etwas dem munde bieten, entziehen, vom munde abbrechen, am munde absparen
u. ähnl.: sie nehmen es (
das brot) nicht allein dem armen Lazaro ausz dem munde, sondern auch gott vom altar hinweg. Schuppius 152; was wird denn denen begegnen, die dem armen nechsten seine alte kleider vom hals gerissen, und ihm den übrigen bissen brodt ausz dem munde gezogen haben? 248; ein geiziger zählt die bissen in den mund; man musz dem mund nur was bieten. Simrock
sprichw. 385; halt innen beide mundt und handt, das er nit mehr hie thu verzern, denn jm sein pfluge mag ernern. H. Sachs
fastn. sp. 4, 148, 327; oder leg für dein nebengast ein stück davon du gessen hast .. sprich, da lantzman, das ist dir gsundt, das brich ich ab von meinem mundt.
Grobian. D 1
a (
v. 791); (
wenn einer) im trinken langsam wer, so nimb den becher jm vom mund, sprich, hör es ist dir ungesund. N 2
a (
v. 3247). 7@cc)
den mund aufthun,
zum füllen: thu deinen mund weit auf, las mich jn füllen.
ps. 81, 11;
der volle mund,
der mit speise und trank gefüllte: thaʒ iagilîchen thannethoh foller mund uuerde. Otfrid 3, 6, 23; und wer dir noch kein backen lehr, so red mit vollem mund daher.
Grobian. N 3
a (
v. 3311);
entgegengesetzt ist der dürre, trockne mund,
der solcher entbehrt: (
der quell) darinnen mancher hirsch benetzt den dürren mund. P. Fleming 150; als ich mir den mund gewischt, war er leider trocken. Rückert 243. 7@dd)
wer ärmlich lebt, bringt den mund so eben hin, lebt von der hand in den mund,
vgl. unter hand
th. 4
2, 339;
dem glücklichen fliegt, fällt die nahrung in den mund;
kindern und hungrigen stopft man den mund,
indem man ihnen speise reicht; das kind stopfte sich den mund mit süszigkeiten voll. 88)
formelhafte wendungen, die von nr. 7
ausgehen, aber in die folgende bedeutung nr. 9
verlaufen; brei im munde haben,
eigentlich beim essen, bildlich für nicht deutlich reden können oder wollen: wo man so gar hinder dem berge haltet, wann man brei im mund hat, und dem kind nicht will den rechten namen geben.
Phil. Lugd. 1, 6; einem den mund schmieren,
wie das maul schmieren
sp. 1788; einem etwas in den mund schmieren,
vgl. ebenda: und dennoch sollen und müssen sich des herrn hauptpastors liebe kinder in Christo diesen beschnuffelten, beleckten brei wieder in den mund schmieren lassen. Lessing 10, 176; sich den mund verbrennen,
durch unbesonnenes reden: ich will mir in der sache nicht den mund verbrennen. 99) mund,
sprechend; aus der überfülle der beispiele nur eine auswahl: 9@aa)
worte sind im munde: drei worte hört man, bedeutungsschwer, im munde der guten und bösen. Schiller
worte des wahns; auch eigenschaften, sofern sie sich in worten äuszern: eine .. art zu philosophiren .. die in ihrem munde eine so einnehmende gestalt annahm. Wieland 27, 238; wahrhaftigkeit im mund. Hagedorn 1, 16;
von erwartungsvollen heiszt es, sie hängen an eines munde: Athen hing an dem weisen mund. Uz 1, 225; still wars, und jedes ohr hieng an Aeneens munde. Schiller
zerstörung von Troja v. 1; mit dem munde wird gesagt, gesprochen, erzählt
u. a.: zu jm riefe ich mit meinem munde.
ps. 66, 17; und heuchelten jm mit jrem munde, und logen jm mit jrer zungen. 78, 36;
gewöhnlich hebt hier das subst. den verbalbegriff ausdrücklicher hervor, in der formel mit eigenem munde: Zachäus, schneider in Tirlemont, der meinem selgen mann, was ich euch jetzt berichten will, mit eignem mund erzählt. H. v. Kleist
zerbr. krug, 7.
auftr.; mit munde,
mündlich, im gegensatz zu schriftlich: obwohl ich mich mit mund und feder zu dem gegentheile bekannt hatte. Göthe 26, 307; etwas mit munde sagen, zum munde sagen,
rede gegen rede: demnach mir diese meine botschaft mit munde saget.
Galmy 302; das erzählte dein vater der frau von W. zum munde. Hippel 2, 40; der bote sprach: herre, eʒ ist gesant ein brievelîn ouch bî mir deme von Prâbant, daʒ sol ich im antworten, mit dem munde sol ich im sagen ouch ein teil.
Lohengrin 4093; aus dem munde
gehen, kommen, entfahren worte: anderer götter namen solt jr nicht gedenken, und aus ewrem munde sollen sie nicht gehört werden.
2 Mos. 23, 13; das jm aus dem mund entferet, schaden oder guts zu thun.
3 Mos. 5, 4; aus seinem munde kömmt verstand. Hagedorn 1, 16;
daher eines mund hören: er sieht und hört der engel mund, sein mündlein selbst hilft singen. P. Gerhard 102, 65; aus eines munde hören, empfangen, erwerben: aus dem munde der jungen kinder und seuglingen hastu eine macht zugericht.
ps. 8, 3; empfangen sie aus meinem mund die huldigung der ganzen republik. Schiller
hist.-krit. ausg. 3, 339 (
Fiesko, bühnenbearb. 5, 3); wie süsz ist es, seine eigne überzeugung aus einem fremden munde zu hören. Göthe 20, 40; der gedanke, unter den augen dieses mannes zu streiten, aus seinem munde sich ruhm zu erwerben. Hauff
Lichtenstein 1, 78;
und mit besonderer hervorhebung aus eines munde, aus eines eigenem munde hören, erfahren
u. s. w. von ihm selbst mündlich, nicht durch dritte: ich hab von ihm selbst ausz dem mundt gehört. Fronsperger
kriegsb. 3, 138
a; ich machte mir doch selbst einen vorwurf darüber, dasz ich, nach allem was ich von dem unbekannten mit meinen augen gesehen und aus seinem munde gehört hatte, noch eines misztrauens gegen ihn fähig sei. Wieland 27, 285; wie ich in der folge aus seinem eigenen munde hörte. 28, 26; hast du das aus seinem munde? Göthe 8, 71; sie können dreist zu ihm gehen, er kennt sie aus meinem munde. Lenz 1, 220; aus eurem eignen munde habe ich die gesinnungen .. in diesem heere erfahren. Hauff
Lichtenstein 1, 80; aus eines munde richten,
nach den von ihm gesprochenen worten: aus deinem munde richte ich dich, du schalk (
ἐκ τοῦ στόματός σου κρινῶ σε).
Luc. 19, 22; aus eines munde etwas sagen, berichten, schreiben,
mit oder nach den worten desselben: wann wir .. ausz dem mund des herrn sagen. Schuppius 614; die erzählung, die er Danischmenden aus dem munde der schönen Aruja zu machen angefangen hatte. Wieland 8, 377; eine .. geschichte, die ich für dich aus dem munde eines wackern mannes aufgeschrieben habe. Göthe 21, 37; auch eure schreiber, Kurl und Nau, erhärten mit einem eid, dasz es die briefe seien, die sie aus eurem munde niederschrieben. Schiller
Maria Stuart 1, 7; durch eines andern mund reden: was er (
gott) durch den mund aller seiner propheten zuvor verkündiget hat.
ap. gesch. 3, 18; ihre stimme ist es, die durch den mund ihres Psammis mit euch redet. Wieland 6, 113; er .. redete zum menschlichen geschlechte durch weiser männer mund. Uz 2, 134;
oft gesprochenes lebt, ist in eines munde, kommt nicht vom munde eines: auf das des herrn gesetz sei in deinem munde. 2
Mos. 13, 9; las das buch dieses gesetzs nicht von deinem munde komen.
Jos. 1, 8; nim ja nicht von meinem munde das wort der warheit.
ps. 119, 43; in des feindes munde fort lebt ihm seines namens ehre. Schiller
das siegesfest; eine verbreitete nachricht, ein berühmter name ist in aller munde: sein name war in jedermanns munde. Schiller
hist.-krit. ausg. 9, 7; sein name war in aller munde. 302; die mariage ist ja in jedermanns munde.
kab. u. liebe 3, 2; alsdann erst werd ich in dem tode frewen mich, und in aller leut munde triumphieren weit. Zinkgref
bei Opitz (1624) 211;
worte werden in den mund gegeben, gelegt,
entweder indem sie von jemand vorgesagt, von einer stimmung eingegeben werden: wie kan ich etwas anders reden, denn das mir gott in den mund gibt?
4 Mos. 22, 38; der herr aber gab das wort dem Bileam in den mund. 23, 5; so schreibet euch nu dis lied, und leret es die kinder Israel, und legets in jren mund. 5
Mos. 31, 19; du sagtest scherzend, .. du seist ein gott, und was die lust noch sonst, die ausgelaszne, in den mund dir legte. H. v. Kleist
Amphitryon 2, 2;
oder indem einer sie einem andern unterschiebt: in der kleinen rede, .. welche Plato seinem bruder Glaukon in den mund legt. Wieland 36, 62 (
vgl. dazu: was versteht Glaukon, aus dessen munde Plato hier spricht, unter unrecht thun? 64);
gerüchte, nachrichten gehen von mund zu mund (
schon mhd. von munde ze munde Lexer 1, 2232), aus mund in mund: einige spöttereien, die von mund zu mund in der stadt herum gingen. Wieland 28, 170; es laufen nicht so aus mund in mund die interessantesten nachrichten. Knigge
umg. mit m. 1, 103; von munde zu munde pflanzte sich eine solche begebenheit durch eine lange folge von geschlechtern fort. Schiller
hist.-krit. ausg. 9, 93; glückliche dichter der glücklichen welt! von munde zu munde flog, von geschlecht zu geschlecht euer empfundenes lied. 11, 93; drei worte nenn ich euch, inhaltschwer, sie gehen von munde zu munde.
worte des glaubens; sie pflanzet von munde zu munde.
ebenda; so läufts von mund zu munde schnell: 'des Ibykus, den wir beweinen?'
kraniche des Ibykus. 9@bb)
mit bezug auf die worte heiszt es ein treuer, süszer, loser, falscher mund
u. a.: vernim mein gebet, das nicht aus falschem munde gehet.
ps. 17, 1; das were meines herzen freud und wonne, wenn ich dich mit frölichem munde loben solte. 63, 6; ein loser mensch, ein schedlicher man, gehet mit verkeretem munde.
spr. Sal. 6, 12; ein vernünftiger mund ist ein edel kleinot. 20, 15; giftiger mund und böses herz, ist wie ein scherben mit silberschaum uberzogen. 26, 23; wolberedter mund,
lepos oris flexanimi. Stieler 1306; glatter mund,
sermo blandus. ebenda; aus einem so glaubwürdigen munde. Wieland 28, 100; waʒ sol ein ungetriuwer munt, darin ein valschiu zunge?
minnes. 2, 260
a Hagen; falsch zeugnis erlognes munds. Melissus
ps. L 1
b; du falscher verlogener mund. P. Gerhard 5, 10; nahm er zu sich der zwölfe schaar und sprach mit treuem munde. 30, 15; der wüthende, er wagts noch, dich zu schmähn, dein mund sei voll betrugs. Schiller
Phädra 4, 4; ein halber mund,
mit dem man etwas nur halb sagt: nu kan ich doch keins sins gedenken, wie ich mit red mich mug gelenken, zu sagen, das mans klar verste und nit zu grob red darausz ge. doch kan ich es mit halben mund.
fastn. sp. 387, 13; ein stummer mund,
der nicht redet: und hier hat nun der fuchs, der arge fuchs die ehre, dasz er mit stummem mund uns derer würde lehre, von denen Musa singt. Logau 3, 214; reiner mund,
mit dem nichts böses gesprochen wird: wenn kränkt sein reiner mund aus schmähsucht deine ruh? Gellert 2, 35,
wie mhd.: scham treit slüʒʒel reines mundes unt ouch des edeln herzen grundes.
minnes. 3, 440
a Hagen; auch der von verrat frei gehalten wird, in der formel reinen mund halten: sagte derowegen, er hätte zwar den inhalt gesehen, doch würde er bei dem Florindo grosze verantwortung bekommen, wenn er nicht reinen mund halten wolte. Chr. Weise
erzn. 30
Braune; reinen mund halten,
arcana tacere, er hältt reinen mund,
commissa celat. Steinbach 2, 82; dasz ihr von allem dem, was vorgegangen ist .. reinen mund haltet.
Felsenb. 3, 400; aber ich bitte sie, halten sie reinen mund. Wieland 11, 261; Essex ermahnt im abgehen den Cosme, wegen der schärpe reinen mund zu halten. Lessing 7, 282; die geschichte war zu reizend, als dasz man sie hätte bei sich behalten können, so sehr ich auch gebeten .. hatte, nur bis zur abreise reinen mund zu halten. Göthe 23, 113; wirst du jetzt reinen mund halten, guter freund! Schiller
hist.-krit. ausg. 4, 72; reinen mund! denn, mama, ich versprach stillschweigen dem thäter! Voss
Luise 2, 377;
andere beispiele unter halten
th. 4
2, 291. 9@cc)
der mund,
als organ des sprechens, in verbindung oder im gegensatz zu hand,
der beim zusagen mitwirkenden (
th. 4
2, 339),
zu herz
dem sitz der gedanken (
th. 4
2, 1215),
und zu sinn; hand und mund: wie trewlosz leut heiszen, die jr eid und pflicht und was sie mit hand und mund zugesagt, vergessen. Mathes.
Sar. 111
a; ich schwer ain aid mit mund und handen, das ich es wil dem pischoff clagen. H. Sachs
fastn. sp. 5, 94, 256; den alten Hilteprant, der listig ist mit mund und hant.
hürn. Seufr. 30, 840; herz und mund: ein herr hat wol in obacht zu nehmen, dasz ihm nicht allein mit dem mund und leib, sondern mit dem herzen gedient werde. Lehmann
floril. 1, 142; dasz die im herzen uns gemeiniglich verfluchten, welche uns mit dem munde das meiste gute wünschten. Rabener
sat. 4, 59; mund und herz sind eine spanne auseinander. Simrock
sprichw. 385; wer redt mit seinem mundt gleich wie steht seines herzen grundt, ohn betrug mit dem nechsten sein. H. Sachs
fastn. sp. 2, 137, 219; die der wahren religion mit mund und herzen zugethon. L. Sandrub
kurzweil 80; gib wachsen, gib bleiben, gib stehen, gib grund, herr, wie wir es wüntschen von herzen in mund. Logau 3, 214; herz und mund soll stets dich nennen unsern heiland, Jesulein! P. Gerhard 68, 27; der menschen gunst steht nur im mund, du aber liebst von herzengrund. 93, 51; ich singe dir mit herz und mund. 118, 1; und unser sind sie all mit herz und mund. Schiller
Tell 2, 2;
in einer sprichwörtlichen, bildlichen wendung: weise leute haben ihren mund im herzen. Simrock
sprichw. 386; nicht, wie wohl mancher pflegt, der mehr herz in dem mund, als mund im herzen trägt; der eh nicht ist ein mann, als bisz er kömmt zu frauen. Fleming 47; herz, mund und hand: wir weihen herz und mund und hand dem lieben deutschen vaterland! Stolberg 1, 351; mund und sinn: oftmals lassen diejenigen, so die hand an der thür haben, einen der nicht jres munds oder sinnes ist, nit gern in den garten. Kirchhof
wendunm. 452
a,
der nicht redet oder denkt wie sie; und treuw im mund, andersz im sinn, bringt einem herrn krebsgangs gewin. 11
a. 9@dd)
in der bibelsprache ist der mund
einer thüre verglichen: beware die thür deines mundes, fur der, die in deinen armen schleft.
Micha 7, 5; behüte meines mundes thür, dasz mir ja nicht entfahre ein solches wort. P. Gerhard 82, 14. 9@ee)
ganz unbildlich aber heiszt es den mund öffnen, aufthun,
zum sprechen: sihe, ich thu meinen mund auf, und meine zunge redet in meinem munde.
Hiob 33, 2; wie ein stum, der seinen mund nicht aufthut.
ps. 38, 14; ich wil schweigen und meinen mund nicht aufthun. 39, 10; ich wil meinen mund aufthun zu sprüchen. 78, 2; thu deinen mund auf und richte recht.
spr. Sal. 31, 9; und er that seinen mund auf, leret sie, und sprach.
Matth. 5, 2; wie auch der sohn gottes und seine propheten und aposteln, ihren mund in schönen gleichnüssen aufthun. Schuppius 831; nachdem ich meinen mund auch aufgethan.
Felsenb. 4, 323; er .. hat den mund schon auf, ihr auch die ganze geschichte ... zu erzehlen. Lessing 7, 282; Gebal ... öffnete den mund, bisz sich in die lippen und sagte — nichts. Wieland 7, 406; dürft ich den mund aufthun, Walter, ich könnte dir dinge sagen .. Schiller
kab. u. liebe 5, 7; als wir zu hause waren, öffnete er (
der prinz) zum ersten male wieder den mund. Schiller
hist.-krit. ausg. 4, 199; eine heitere laune .. muszte man an ihm, wie er aufs theater trat, wie er den mund öffnete, bewundern. Göthe 19, 84; gib nur acht! wie die den mund aufthut, wirds wieder über das arme haus hergehen. 11, 280; indet er thô then sînan mund: theist jâmer ubar uuorolt kund. Otfrid 2, 15, 19; sein herz stack jm vol scham und zorn, .. und mocht nit aufthon seinen mund.
Grobian. T 2
a (
v. 4847); itzt öffnet sie den mund; nun wird sichs zeigen müssen. ach, fängt sie heftig an, zu schrein: hört auf, und reiszt den plunder ein! Gellert 1, 182; der domherr öffnet den mund weit: die liebe sei nicht zu roh! H. Heine 15, 114;
in der bibelsprache den mund aufthun gegen, über, für einen
oder etwas: ich habe meinen mund aufgethan gegen dem herrn, und kans nicht widerrufen.
richt. 11, 35; mein mund hat sich weit aufgethan uber meine feinde, denn ich frewe mich deines heils.
1 Sam. 2, 1; thu deinen mund auf fur die stummen, und fur die sache aller die verlassen sind.
spr. Sal. 31, 8; einem den mund aufthun,
ihn sprechen machen: sie wird jn erhöhen uber seine nehesten, und wird jm seinen mund aufthun, in der gemeine.
Sir. 15, 5.
ungewöhnlich den mund regen,
zum sprechen: er regt den mund und spricht ein wort, so geht das werk und dringet fort. P. Gerhard 11, 12. 9@ff)
man führt worte im munde: (
er) meinet, es sei gar wohl auszgericht, wann er nur den nahmen gottes im munde führe, gesetzt, dasz er solchen in der that mehr als zu sehr verleugne. Chr. Weise
erzn. 154
Braune; es war eine von den maximen, die er immer im munde zu führen pflegte. Wieland 7, 66; recensent kennt unter den neuern dichtern keinen, der das sublimi feriam sidera vertice des Horaz mit solchem miszbrauch im munde führte, als herr B. Schiller
hist.-krit. ausg. 6, 328; wie wenig das schicksal ihrer glaubensgenossen, welches sie doch beständig im munde führten, den anführern der hugenotten wirklich zu herzen gieng. 9, 275; es ist die art dieses groszen mannes, die grundwahrheiten seiner wissenschaft selten im munde zu führen. Göthe 58, 228; disz fabelchen führt gold im munde (
eine goldene lehre): weicht aus dem recensentenhunde. Bürger 32
b; worte in den mund nehmen: so schmutzige ausdrücke nimmt kein gesitteter in den mund; dén namen nehm ich gar nicht mehr in den mund,
sagt ein erzürnter in bezug auf den namen seines feindes oder beleidigers, den er nicht mehr aussprechen will; worte aus dem munde nehmen,
auch einem die worte vom munde nehmen,
von einem, der dasselbe vor einem andern, sprechen wollenden, sagt: ist das nicht so ganz unser fall, liebe kleine? als wenn ihn die herren hundert jahre vorausgesehen, und ihnen die eigenen worte ihres gewissenszweifels aus dem munde genommen hätten? Thümmel 3, 263; auch musz ich gestehen, sie haben mir das wort aus dem munde genommen, und mich gerades wegs auf das anliegen gebracht, um dessen willen sie mich hier sehen. Göthe 10, 65; so blieb einem jeden, der etwas aus sich zu produciren gedachte, der nicht seinen vorgängern die worte und phrasen nur aus dem munde nehmen wollte, nichts weiter übrig, als sich früh und spät nach einem stoffe umzusehen, den er zu benutzen gedächte. 25, 101;
zwei übereinstimmende reden aus éinem munde: wir bitten alle aus éinem munde.
Felsenb. 4, 155; sî sprâchen mit eim munde: herre, ir habt missetâ
n. Iwein 4568; aus éinem munde ruft er und sie: herein! Gleim 3, 152; der ist in diesem land ein held, den alle redlichen aus éinem munde preisen. 388; da stehn um ihn, ergossen in jammer, mann und weib: als kracht in seinem grunde des Rothstocks felsgestell, erschallts aus éinem munde: der Tell ist todt, der Tell! Uhland
ged. 394;
worte werden im munde herumgedreht,
wenn ihnen von einem hörenden gewaltsam ein anderer sinn untergelegt wird: nur einem kinde, dem man ein gethanes versprechen nicht gern halten möchte, drehet man das wort im munde um, um es glauben zu machen, dasz es uns nunmehr ja selbst freiwillig von diesem versprechen lossage. Lessing 12, 483;
etwas wandelt sich im munde jemandes: o, wie glänzet die freud in Hochheims bechern! sie wandelt sich zum lied im munde des dichters! Stolberg 1, 208. 9@gg)
wer scharf spricht, führt ein schwert im munde: und (
er) hat meinen mund gemacht wie ein scharf schwert.
Jes. 49, 2; (
die weiber) führen das schwerdt im munde, und dessentwegen sind sie doppelt schuldig, den mund bei der abbitte zu brauchen. Chr. Weise
Isaacs opferung 1, 17;
wer leicht spricht, dem geht es gut, leicht vom munde: es geht ihm wohl von dem mund,
eloquens est. Frisch 1, 673
c; krieg! wiszt ihr auch, was ihr ruft? dasz es euch leicht vom munde geht, ist wohl natürlich. Göthe 8, 177; ich wundere mich nur .. über alle die gelehrten anspielungen, die euch da so vom munde stäuben, wie federn vom kissen, wenn das bett gemacht wird. Immermann
Münchh. 1, 78;
wer frei heraus spricht, redet wie der mund gewachsen ist: wenn sie (
eine schauspielerin) sich nur ein paar stunden überreden kann, das wirklich zu sein, was sie vorstellet, so darf sie nur reden, wie ihr der mund gewachsen, und alles wird gut gehen. Lessing 7, 71;
oder nimmt kein blatt vor den mund,
belege unter blatt,
th. 2, 74,
zur deutung der redensart vergl. unter maul sp. 1789;
oder endlich er hat den mund auf dem rechten flecke, ist nicht auf den mund gefallen;
einem schwätzer steht der mund nicht still; ir frouwen, ir lât iuwern munt nimmer gestê
n. Br. Berthold 448, 32;
der viel sprechende, behauptende und prahlende aber nimmt den mund voll: schwerlich gedachte er selbst ein werk zu verfassen, dessen werth in durchgängiger fleckenlosigkeit aller historischen angaben bestände, wenn er auch manchmal den mund etwas voll nimmt. Göthe 32, 92; wenn die verfasser nicht gewohnt wären, den mund meist ein wenig voll zu nehmen. 33, 69; sprache gab mir einst Ramler und stoff mein Cesar, da nahm ich meinen mund etwas voll (
die Spree spricht). Schiller
hist.-krit. ausg. 11, 111; hat den mund voll: die frömmste frau in unsrer stadt, .. die stets den mund voll andacht hat. Gellert 1, 32;
doch steht das bild auch in edlerem sinne: die sollen deines reichs gewalt und schöne regimentsgestalt mit vollem munde rühmen. P. Gerhard 300, 70. 9@hh)
der im reden vorsichtige bewahrt seinen mund, zäumt, zügelt den mund: ich wil meinen mund zeumen, weil ich mus den gottlosen so fur mir sehen.
ps. 39, 2; wer seinen mund und zungen bewaret, der bewaret seine seele fur angst.
spr. Sal. 21, 23;
im schrecken bleibt das wort im munde stecken; und allen leuten versagt das wort im munde. Göthe 10, 100;
der schweigsame gönnt den mund nicht: sie, ob sie zwar sich liesz die ganze gasz abgleiten, gab auf mein reden doch kein einig antwort mehr, wie heftig ich auch bat ... was? solt ich diese führen die mir den mund nicht gönnt? A. Gryphius (1698) 1, 242;
wer selbst nicht spricht oder sprechen kann, dem leiht ein anderer den mund: lord Burleigh leiht dienstfertig dem gerichte, dem er den geist geliehn, nun auch den mund. Schiller
M. Stuart 1, 7;
selbst er ist eines mund: er sol fur dich zum volk reden, er sol dein mund sein.
2 Mos. 4, 16; wann er als seinen herrn erkennt das vaterland, und ist nur, was er ist, des volkes mund und hand. Lessing 3, 341; was weiht den priester ein zum mund des herrn? Schiller
M. Stuart 5, 7; und ihr, mein diener einst, seid jetzt der diener des höchsten gottes und sein heilger mund!
ebenda. 9@ii)
manigfach sind die bilder für gebieten oder erzwingen des schweigens. man fährt einem über den mund,
ihn zur ruhe barsch verweisend; den mund bindet
schwur, gelöbnis, auch schrecken, angst; einem den mund verbieten: er hatte sich selbst den mund verboten, er schwieg und sann. Göthe 21, 149; den mund verschlieszen, verbinden, stopfen
u. ähnl. hat zunächst ganz sinnliche bedeutung: er verschlosz ihr den mund mit einem heiszen kusse; ein geharnischter mann, der ein fräulein bewachte, das läge geknebelt und mit verstopftem munde da. H. v. Kleist
Käthchen v. Heilbr. 2, 7; schnell ergriffen wird der zwerg, der mund wird ihm verstopft. Platen 325; mit den schärpen ihm den mund verbindend. 337;
ebenso den mund zuhalten, einem die hand auf den mund legen,
vgl. dazu unter hand
th. 4
2, 335; indem er weiter reden wolte, drückte sie ihre zarte hand auf seinen mund.
cav. im irrg. 236; das mädchen, das sie verbrannt zu feuerasche glauben, frisch und gesund am boden liegt sie da, die schürze kichernd vor dem mund, und lacht! H. v. Kleist
Käthchen von Heilbr. 3, 15;
häufiger aber nur als bild: ich wil predigen die gerechtigkeit in der groszen gemeine, sihe, ich wil mir meinen mund nicht stopfen lassen.
ps. 40, 10; das auch könige werden jren mund gegen jm zuhalten.
Jes. 52, 10; o das ich künde ein schlos an meinen mund legen.
Sir. 22, 33; du verzeunest deine güter mit dornen, warumb machstu nicht viel mehr deinem munde thür und riegel? 28, 28; er fuhr in dieser rede fort bisz ihm der schlaf den mund verschlosz. Chr. Weise
erzn. 123
Braune; nachdem das leid den mund zugeschlossen hat. 136; alles dies stopfte jedem zweifel den mund. Wieland 7, 207; das verschlieszt mir den mund auf einmahl. 25, 324; nun war seinen feinden der mund gestopft. 27, 15; er selbst ist nicht über die ehre erhaben, aber er kann ihren mund mit seinem gelde verstopfen. Schiller
kab. u. liebe 2, 3; verschlosznes munds ich auch nicht mum. Melissus
ps. R 1
b; scham hält ihren mund, so bald sie reden will. Wieland 18, 52; es ist des himmels wunderbare fügung, die mir den mund in dieser sache schlieszt. H. v. Kleist
zerbr. krug, 9.
auftr.; da gab es böse engel, die hielten mir zu den mund. H. Heine 15, 150;
wer schweigt, schlieszt den mund, thut den mund zu,
derber hält den mund; halt den mund!
etwas weniger grob als halt das maul,
sp. 1792. 9@kk)
strafe für beleidigendes oder lügnerisches reden ist der schlag auf den mund: das mädel jung aufflog, und ritz! ihm gab aufn mund so derb einn schlag, dasz (
ich) so der hälfte keinen mag. Gleim 3, 200; sich selbst auf den mund schlagen,
als strafe für solches reden (
es war einst eine öffentliche strafe, vergl. unter maul sp. 1793): kurz, ich sollte mich öffentlich auf den mund schlagen, oder amt und stadt meiden. Rabener
sat. 1, 153; gnade, madame! ich will mich auf den mund schlagen. nur noch das einzigemal wirken sie mir bei ihrem geschlechte vergebung aus. 4, 422; nun aber, da herr Basedow sein wort giebt, dasz herr Cramer wirklich gar nichts habe sagen wollen: musz ich mich freilich auf den mund schlagen. Lessing 6, 244; ein wort, dächt ich, so wär in ruh das ganze erdenrund! du maulwurf! dacht ich gleich hinzu (
in scham über den gedanken), mich schlagend auf den mund. Gleim 4, 221. 9@ll)
abhängigkeit eines redenden von den mit ihm lebenden oder ihn stützenden in der formel einem nach dem munde reden (
vgl. unter maul
sp. 1793): die grosz werk von königen machen, sie anzubeten, und nach dem munde zu reden.
pers. baumg. 6, 11; mancher meinet, der sei sein freund, der ihm nach dem munde redet, und alles, was er thut, lobet. Schuppius 230; da ich aber bald empfinden muszte, dasz die gesellschaft gar manches an mir auszusetzen hatte, und ich, nachdem ich mich ihrem sinne gemäsz gekleidet, ihr nun auch nach dem munde reden sollte, und dabei doch deutlich sehen konnte, dasz mir dagegen von alle dem wenig geleistet wurde, was ich mir ... versprochen hatte. Göthe 25, 61;
auch einem um den mund gehen,
reden nach seinem wohlgefallen. 1010)
bisweilen wendet sich mund
durch das mittelglied der sprach- oder gesangesgabe hindurch: denn ich wil euch mund und weisheit geben, welcher nicht sollen widersprechen mügen noch widerstehen alle ewre widerwertigen.
Luc. 21, 15 (
nach δώσω ὑμῖν στόμα καὶ σοφίαν,
vulg. os et sapientiam, ahd. ih gibu iu mund inti spâhida.
Tat. 145, 8); es ist ein wunder gewesen, zu sehen, mit welchen worten, mit was schöner und zierlicher rede, mit welchen argumenten, .. mit welchem munde und mit was türstikeit er (
Hieronymus von Prag) antwort gab synen widersechern.
N. v. Wyle
transl. 222, 11
Keller; so bildet er der kindheit zarten mund, und macht ihr früh der sprache wohllaut kund. Hagedorn 1, 80; ihm schenkte des gesanges gabe, der lieder süszen mund Apoll. Schiller
kraniche des Ibykus; völlig nach der bedeutung des gesprochenen hin; entweder =
behauptung, aussage: es wird solchen lügenern, ohrenbläsern und verläumbdern, wann ihr mund gegen meinen mund kommet (
wenn sie mit ihrer mündlichen behauptung mir gegenüber stehen), ergehen wie jenem groszsprecher. Schuppius 634;
vgl.munt wider munt,
persönlich und mündlich. Haltaus 1371; sol ich die sach nu machen schlecht (
schlichten), so musz ich horen munt gen munt. darumb thu man dem weib auch kunt, das sie uber acht tag kumen baid!
fastn. sp. 236, 25;
vgl. dazu oben 9,
a; mund
im gegensatz zur that:
die frau. mein lieber man, weistu dann nit, ich hab dich lieb im herzen grund.
der mann. dein that laut anders, denn dein mundt, da ich das heisz eisen must tragen. H. Sachs
fastn. sp. 3, 141, 142,
oder =
bestimmung, anordnung: und er sol treten fur den priester Eleasar, der sol fur jn rat fragen ... nach desselben mund sollen aus und ein ziehen, beide er und alle kinder Israel mit jm.
4 Mos. 27, 21; nach jrem (
der priester) mund sollen alle sachen und scheden gehandelt werden.
5. Mos. 21, 5; wir versprechen euch abermals alle treu und gehorsam. was ihr uns gebieten werdet, das wollen wir thun, .. wer eurem munde ungehorsam ist und euren worten nicht gehorchet, der sol sterben. Schuppius 662; mein wollen hängt an deinem mund, mein würken ist dein sagen. P. Gerhard 69, 23. 1111) mund,
in formeln der rechtssprache, die gewöhnlich auf dem begriffe 9
des wortes beruhen. 11@aa)
die wahrheit wird durch zweier zeugen mund
erkannt, nach biblischen wie nach deutschem rechte: auf zwei oder dreien zeugen mund sol sterben, wer des tods werd ist, aber auf eines zeugen mund sol er nicht sterben.
5 Mos. 17, 6; in dem mund zweier oder dreier zeugen sol die sache bestehen. 19, 15; auf das alle sache bestehe, auf zweier oder dreier zeugen munde.
Matth. 18, 16,
vgl. zu den beispielen oben nr. 10; ja, gute frau, durch zweier zeugen mund wird allerwegs die wahrheit kund. Göthe 12, 156. 11@bb)
versprochen, gelobt wird mit mund und hand,
vgl. th. 4
2, 332;
in ein eigenthum eingesetzt wird mit mund und halm,
vergl. th. 4
2, 239: (
wir) virzihin uoff alliʒ unser recht, daʒ wir an der vorgenanten huobe hatten, und han sie uoff gereichit und gelaʒsin dem vorgenanten comthuor und bruodern (
des deutschen ordens) ... mit halme und mit munde, als des vorgenanten dorfes und des landes gewonheit ist.
hessisches urkundenbuch 2, 652 (
vom jahre 1358;
vgl. dazu: centum libras hallensium bonorum .. do ore, manu et calamo. 2, 434,
von 1334); (
wenn erben) in die erbgüter sich einzusetzen .. begeren sollen, .. so sollen sie, die testamentserben, .. in kraft desselben testaments, mit mund und halm (wie bei uns herkommen) eingesetzt werden.
Frankf. reform. vi, 2, § 1;
belehnt wird mit handschlag und kuss, das heiszt hand und mund,
rechtsalt. 143;
eidschwören mit mund und hand. 903. 11@cc)
der gichtige mund,
der geständige (
vgl. dazu unten 13): urteil und recht uf des armen gichtigen mund geben. Schm. 1, 1622
Fromm.; der hofschulze fragte abermals: was giebt dem freischöffen fug und recht? die bauern murmelten dumpf: hebende hand, blinkender schein, gichtiger mund. Immermann
Münchh. 4, 56. 11@dd)
der todte mund: nach dem todten mund musz der kläger seine klage wider den erben beweisen. Pistorius
thes. par. 6, 49;
altes verfahren war beweisung über moltigen, melbigen mund,
sie geschah durch eidesleistung auf dem grabe dessen, gegen den eine schuldforderung zu beweisen war. rechtsalt. 880. Schm. 1, 1595
Fromm.; des toten mund ist erdig, und erde (molde
sp. 2477)
deckt ihn: zwei liegen dort im kalten grund, in ihrer brust ein stückchen blei; die feuchte scholle deckt den mund. A. v. Droste-Hülshoff
ged. 383. 1212)
eine formel vom mund aus, vom mund auf,
aus dem stegreife, unmittelbar: das dein seel von mund uf ungehindert far in ewige seligkeit. Keisersberg
seelenp. 26
a; wer das thut, der wird von mund auf gen himmel faren. Luther 2, 405
a; das auch die seelen dardurch (
durch den ablasz) von munde auf gen himel faren. 6, 91
a; von mund aus fähig sein, ein urtheil abzugeben. Fichte
sonnenkl. bericht 161;
bair. noch jetzt von mund auf gen himmel fahren. Schm. 1, 1622
Fromm.; meinst etwan, fahrst einst vom mund auf himmelan?
fliegende blätter 1885,
nr. 2062;
wird von dem begriffe des mündlichen, im gegensatze zum schriftlichen ausgehen, da von mund
sonst diese bedeutung zeigt: von mund leeren,
catechizare Maaler 295
b; sagt ich: das will ich im woll von mund anzeigen. th. Platter 47
Boos; zeigt im den handel von mund an und worumb ich nit brief hette. 48;
vgl. dazu mit mund
unter 9,
a. 1313) mund
für den träger des mundes, das werkzeug für den, der es führt. den übergang zu dieser bedeutung bereiten in manigfacher weise, mehr oder weniger fühlbar, schon gegebene beispiele, namentlich die 9,
b sp. 2675
vor. 13@aa) mund,
der küssende: ein mund der küssen will und erst vom küssen spricht. Gleim 3, 71; mit vollen zügen schlürft sein nimmer satter mund ein herzberauschendes wollüstiges vergessen aus ihren lippen ein. Wieland 23, 14 (
Oberon 7, 16); so sprach ich, und der liebsten rother mund den schönsten kuss auf meine lippen drückte. H. Heine 15, 81; o dieser mund ist viel zu stolz und kann nur küssen und scherzen. 161. 13@bb) mund,
der verzehrende (
vgl. oben 7): für groszer herren mund gehört das allerbeste. Logau 1, 54, 17; die frische pfirsich glühte, schon reifend für des menschen mund. Uz 1, 346; wo noch des landmanns mund, nach art der alten welt, frucht, molken, käs und schmalz für haubtgerichte hält. Hagedorn 1, 23;
im sprichworte: trunkener mund, wahrer mund (
vgl. dazu c). Kotzebue
dram. sp. 2, 155; sie hand grosz pfrüenden, rent und gült, sind nach allem wollust erfüllt; mund was magst, herz was wit?
N. Manuel 56, 649
Bächtold; wie möcht dir bas uf ertrich sin, dann wärist im kloster zuo
s. Füllällen? da sind schon ietz zwo lerer zellen: da hettist 'herz, was magst, mund, was wit?' 137, 63;
in der rechtsregel so manig mund, so manig pfund: eheleibliche kindere, .. welche all zu gleich, so manig mund, so manig pfundt, erben.
Frankf. reform. v, 1, § 1; so erben die enigklein, als in gleichem grad, nach anzal der personen in die heupter, als manig mund als manig pfund.
Nürnberger reform. 213
a. 13@cc) mund,
der etwas ausdrückende, lächelnde, sprechende, schweigende (
vgl. 9): das herz ist gott zuo eng, der mund zuo wenig dise freüd zuo erzölen. S. Frank
weltb. 125
a; der mund redet, spricht: thô uuard mund sînersâr sprechanter. Otfrid 1, 9, 29; ir minneclîcher redender munt der machet daʒ man küssen muoʒ. Walther 43, 37; die erde höre die rede meins munds.
5 Mos. 32, 1; las dir wolgefallen die rede meines mundes.
ps. 19, 15; die worte deines mundes aufzufassen. Uhland
ged. 130; dein mund hat wider dich selbs geredt, und gesprochen, ich hab den gesalbten des herrn getödtet.
2 Sam. 1, 16; so (
sprechen) religion, sittenlehre, philosophie, und aller weisen einstimmiger mund. Schiller
hist.-krit. ausg. 1, 63; kein blödes kind wird mich gewinnen, das (
nur) reizt, so lang der mund nicht spricht. Uz 1, 133; durch ihn (
Christus) darf unser scheuer mund gott wieder unsern vater nennen. 316; doch du drängst mich selbst von hinnen, bittre worte spricht dein mund. H. Heine 15, 45; voller mund sagt des herzens grund. Simrock
sprichw. 385; was kommt in den dritten mund wird aller welt kund. 386; der mund sagt aus, lehrt: (
die welt) in ihren tausend plagen und groszen jammerlast, die kein mund kann aussagen. P. Gerhard 27, 39; wo dein mund, dein redlicher mund, der tugend schöne mich lehrte. Hölty 81
Halm; wie rauscht sein mund von weisen sittensprüchen! Uz 2, 291;
er singt, lacht, preist: diu mich twinget daʒ mîn munt singet manegen swæren tac.
minnes. 2, 64
a Hagen; der mund will kaum ein lächeln wagen. Uz 1, 17; und lieder der zufriedenheit ertönen aus dem freien munde.
s. 35; wie lang soll ieder rauher mund im ton Anakreons dich zu besingen wagen? 77; auch wenn mein mund nicht lacht und singet, bin ich in eurem arm beglückt. 138; dich kann mein mund nicht glücklich sprechen, so lang des feindes auge wacht. Schiller
ring des Polykrates; er bittet, wünscht, begehrt, verheiszt: auf das mein seligkeit und glück dir auch werdt offenbar und kundt, wie dir verheiszen hat mein mundt. H. Sachs
fastn. sp. 4, 117, 132; ihr götter, laszt geschehn, was itzt mein mund begehret! Uz 1, 27; seit mein kühnrer mund um spätes mitleid bat. 2, 154; was zu wünschen wird nun mein kecker mund versuchen? Tieck
Octavian. s. 100;
er klagt, tröstet: bereits entschlosz mein mund sich unvergnügter klage, als mit entwölkter stirn, gleich einem frühlingstage, die holde muse mir erschien. Uz 1, 97; kein unvergnügtes wort entfiel dem weisen munde. 232; kaum klag ichs ihm, was mich im stillen drücket: so hat sein blick oft schon mein herz erquicket, eh mich sein mund mit trost erfreut. Gellert 2, 64;
er prahlt, heuchelt: verstellung sei von diesem mund verbannt. Tieck
Octavian. 446; du zürnest meinem prahlerischen munde, von nie gewährtem glücke geb er kunde. Uhland
ged. 137;
er verstummt, schweigt, verschweigt: von dem dein stummer mund viel weisz, und dennoch schweigt. P. Fleming 656; sein mund verstummt, und seine thränen sprechen. Hagedorn 2, 178; du blaues auge, schmachtend vom verlangen, das Laurens mund verschweigen musz! Uz 1, 274; umsonst verschweigt der mund, was uns das auge klagt. 2, 38. 13@dd) mund
für die volle person, ohne solche verbindung mit verben, wenn die beziehung auf die thätigkeit des sprechens sonst vorhanden ist: thu von dir den verkereten mund, und las das lestermaul ferne von dir sein.
spr. Sal. 4, 24; (
ich) bin feind dem verkereten munde. 8, 13; heb dich weg, verlogner mund! P. Gerhard 233, 13; disz sag ich, als ein mund, der dein verdienst erkennt. Günther 603; kein fremder mund soll zwischen uns sich schieben, den guten feldherrn und die guten truppen. Schiller
Wallensteins tod 3, 15; denn mir hat es zu fest der graue vater verkündet, Nereus, der wahre mund, des künftigen göttlicher forscher. Göthe 40, 350. 1414) mund,
bildlich, bei personificationen der zeit und der elemente: morgenstunde hat gold im munde,
sp. 2583; seitdem du schwandest, trägt bitterkeit mir jeder tag im munde. Bürger 76
a; der winde mund erzählts dem meer, das meer verkündigts den gebirgen. Hagedorn 1, 5; verschwiegen blieb der lüfte mund, was er vernahm, es ward nicht kund. A. v. Droste-Hülshoff
ged. 403;
des gerüchtes: sogleich macht des gerüchtes mund die grauenvolle that mit tausendstimmgem heulen dem aufgedonnerten Karthago kund. Schiller
Dido v. 121;
auch kanonen, glocken wird ein mund
zugesprochen, durch den sie ihre stimme erheben: der mund der kanonen spricht, donnert,
vgl. die stelle aus Shakesp. Heinrich V 3, 1,
oben unter 1
und kanonenpredigt,
vgl. aber auch unten nr. 20; nur ewigen und ernsten dingen sei ihr (
der glocke) metallner mund geweiht. Schiller
glocke v. 407. 1515) mund,
spottend, von der menschlichen kehrseite: 'schweig, du ketzer, was zu unserm mund ausgehet, das sol man halten.' ich hör es, welchen mund meinstu? da die förze aus faren? Luther 8, 215
a. 1616) mund,
spalt, öffnung der erde: das die erde jren mund aufthut, und verschlinget sie mit allem das sie haben.
4 Mos. 16, 30; wie die erde jren mund aufthet, und verschlang sie, mit jrem gesinde, und hütten und alle jrem gut.
5 Mos. 10, 6;
aber der erde mund
auch, wenn sie einsaugend gedacht wird: denn der muttererde mund trank sein blut, da ich ihn schlug. Stolberg 1, 49; mund,
schlund eines meerstrudels: wer wagt es, rittersmann oder knapp, zu tauchen in diesen schlund? einen goldnen becher werf ich hinab, verschlungen schon hat ihn der schwarze mund. Schiller
taucher; mund,
öffnung einer höhle: zwischen den verwebten ranken, die um den mund der höhle sich ziehn. Wieland 4, 237 (
n. Amadis 10, 21); mund
des grabes, mhd. grabis munt Lexer 1, 2234; das war kein glücklich zeichen, dasz des grabes mund geöffnet blieb im hause der lebendigen. Schiller
braut von Messina v. 2613; nach jenem durchgang hinzustreben, um dessen engen mund die ganze hölle flammt. Göthe 12, 43. 1717) mund,
der spalt einer wunde. Shakesp. Jul. Cäsar 3, 2,
s. die stelle unter 1; aus weitgespaltnem munde pfeift unter ihrer brust die wunde. Schiller
Dido v. 126. 1818) mund,
die mündung eines flusses, vgl. gemünde,
münde,
münden und mündung: (
es sind) zuvor die schiffe in den linken arm der Dwina eingelaufen. weil aber durch auflaufenden sand der mund desselben flach geworden, hat man sich des rechten armes mehr gebrauchet.
pers. reisebeschr. 3, 1; die vestung lieget im munde des ladogaischen sees. 1, 4; gingen wir dem bächlein oder refier nach hinunter, bis an mund, da es sich ins meer ergeust.
Simpl. 2, 225
Kurz; aus denen am schwarzen meere gelegenen landschaften, die ihm alle bisz an den mund des flusses Tanais anvertrauet waren. Lohenstein
Arm. 1, 288
b; er segelte mit vierhundert schiffen über das deutsche meer an den mund der Elbe. 1155
b; als er an Ganges letztem munde das ziel von seinen thaten funde, war Philipps sohn von ruhm nicht satt. Haller
schweiz. ged. 15. 1919) mund,
an menschlichen inneren organen: orificium, deʒ magen munt. Dief. 400
b; die rœrn (
schlundröhre) haiʒt Aristotiles des magen munt. Megenberg 17, 30;
aber auch die magengrube: wenn man si (
holzbirnen) in regenwasser seudet und si legt auf des magen munt, daʒ ist auf daʒ grüebel, so vertreibent si die undäw. 340, 23; mund
der blase: Rasis spricht, daʒ auf der plâsen mund sein zwai mäuslein, die sich ze samen ziehen und wern, daʒ der prunn iht unwillicleich auʒ der plâter gê. 34, 14; mund der gebärmutter;
vgl. magenmund
sp. 1440, muttermund. 2020) mund
in gewerblicher sprache: mund
am backofen, ofenmunt,
praefurnium. Frisch 1, 673
b; mund
neben mündung
heiszt in der artillerie die vordere öffnung eines schieszgewehres, besonders eines stücks. Jacobsson 3, 104
b,
also mit anderem bilde als in dichterischer sprache, oben nr. 14; mund eines schachtes. Veith
bergwörterb. 344.