Mund nur Sg; fast die Hälfte der ca 550 Belege mit Flexionsallomorph -e im Dat A
anatom: multifunktionales, insbes der Nahrungsaufnahme u der Lautartikulation dienendes Körperorgan des Menschen, auch des Tieres 1
beim Menschen, vereinzelt mBez auf göttliche od mythol Wesen; vielfach bildh od in bildhaften Zshgn, auch in zahlreichen (usuellen od situativ gebildeten) Vbdgn u Wdgn sowie im Sprichwort a
physiol: meist unspezifisch im Hinblick auf die alltäglichen Funktionen; häufig im Zshg des Essens u Trinkens (‘in M. geben, nehmen’, ‘zum M. bringen, führen’ uä, einmal in personifizierender Anrede), vereinzelt mBez auf den Atemvorgang; in ‘Faust’ auch im Kontext eines Hexenzaubers1) [
im Zshg einer Zahn- u Mundhöhlenerkrankung2)] Mein
M. ist besser, ich hoffe bald wieder menschlich auszusehn GWBB7,220,14 ChStein 21.5.86 die Hände seines [
des Riesen] Schattens griffen..ein Kohlhaupt, eine Artischocke und eine Zwiebel..und brachten sie..zum M-e GWB18,239,23 Märchen [
Neffe, in Eigenansprache:] Du warst genährt,
M., was begehrst du? GWB45,26,16 RamNeffe Wenn sie [
Lotte]..näher zu mir rückt, daß der himmlische Athem ihres M-es meine Lippen erreichen kann. — Ich glaube zu versinken GWBAA43,4 Werth I [
Faust:] mitten im Gesange sprang|Ein rothes Mäuschen ihr [
der jungen Hexe] aus dem M-e GWB14,210 Faust I 4179 B3,172,3 ChStein [6.9.77] N12,205 Instrukt meteorolBeob [wohl Schrön] 50,249 HermDor VII 147 22,350,8 Lj VI SchöneSeele 39,386,18 Iph
1 IV 5~Iph
2,1750
uö(häufig) (bildh) in den redensartl Wdgn ‘aus der Hand in (den) M. (leben)’, ‘aus der Hand zum M.’, ‘von Hand zu M.’ uä [
betr Strumpfwirker in Apolda] Leute leben aus der Hand in
M. GWBT1,82,12 v 5.3.79 das größte Unheil unserer Zeit..daß man im nächsten Augenblick den vorhergehenden verspeis't, den Tag im Tage verthut und so immer aus der Hand in den
M. lebt, ohne irgend etwas vor sich zu bringen GWB42
2,171,17 MuR(479) N4,75,27 FlH VI B33,100,22 Schubarth 9.7.20
uö in der Vbdg ‘mit nüchternem M-e’ iSv Magen [
betr Gesuch eines Klienten] die Supplick für Arnsteinen..mit nüchternem M-e [〈Magen] so eben diktirt GWBB2,221,2 HPSchlosser 26.12.74 b
physiogn; als ausdrucksstarker Teil des Gesichts wie auch der gesamten körperlichen Erscheinung; meist bezogen auf die äußere Mundpartie, vereinzelt in Gegenüberstellung zu ‘Lippen’; häufig in subjektiv gefärbter (zugl charakterliche Eigenschaften indizierender) Beschreibung od Betrachtung, auch emotional unterlegt [
über Gellert] eine..schöne Stirn, eine nicht übertriebene Habichtsnase, ein feiner
M. GWB27,52,24 DuW 6 Böhmen..haben meist langgeschlitzte..Augen..die Oberwange ist etwas stark..der
M. lang, die Mittellinie fast ganz gerad, die Lippen flach GWB34
1,253,24 ReiseSchweiz 1797 [G/Eckerm] in dem M-e [
Klopstocks] liegt..Präcision, und in der Verbindung mit dem Kinne, Gewißheit GWB37,339,1 PhysiognFragm Dir leuchtet Klarheit frisch vom Angesicht,|Vom Auge Gutheit, Lieblichkeit vom M-e GWB2,152 Einer hohen Reisenden 3 [
Olimpia:] seht den lieben Onkel!|..Wie ist er so galant!|..Den
M. ganz sanft verzogen;|Ach! herrlich! das ist scharmant! GWB12,257 VereitelteRänke 51 [G/Vulpius?] 1,308 Vs 22 VenEpigr 3 27,232,23u25 DuW 9 39,55,3 Götz
1 II 15
1,324 Faust II 11793
uö(häufig) wiederholt mit bildkünstlerischem Bezug Der
M. [
der Perserkönigin] ist weich..die Lippen roseblühend..die Öffnung mäßig und lieblich GWB49
1,85,17 Philostrat der Ausdruck des Gesichts [
einer Bronzefigur] ist..edel, die Ecken des halboffnen M-es ein wenig herunter gezogen GWBB11,74,4 Meyer 20./22.5.96 49
1,305,9 Rembrandt dDenker 32,39,19 ItR
uö c
als Zone des (intensiven) körperlichen Kontakts, insbes des Küssens; meist metonym für die Lippen, das Lippenpaar; auch in personifizierender Vorstellung; vereinzelt in relig Gebärde [
Versöhnung mit Käthchen] Sie!..mein ganzes Glück in meinen Armen..die Augen die sich zu drücken, so oft sich ihr
M. auf den meinigen drückt..das ist eine Seeligkeit GWBB1,143,3 Behrisch [11.11.]67 Sie umarmt ihn lächelnd stumm,|Und sein
M. genießt der Stunde,|Die ihm güt'ge Götter senden,|Hüpft vom Busen zu dem M-e,|Von dem M-e zu den Händen GWB1,51 Schadenfreude 14u16f Talisman in Carneol|Gläub'gen bringt er Glück und Wohl;|Steht er gar auf Onyx Grunde,|Küß ihn mit geweihtem M-e! GWB6,7 Div Segenspfänder 4 1,43 Laß mein Aug' 7 15
1,233 Faust II 9798
uö auch im Zshg des galanten Handkusses sowie im Gestus von Freundschaft u Ehrerbietung lag er [
der Hauptmann] zu ihren Füßen, drückte seinen
M. auf ihre Hand und rief: Charlotte, werden Sie mir vergeben? GWB20,139,20 Wv I 12 [
Sophie zu Alcest:] Ein schmerzerweichtes Herz in dieser sichern Zeit|Versagt dem Freunde nicht den
M. zu Freundschafftsküssen GWBDjG
31,387 Mitsch
2 483~DjG
31,322 Mitsch
1 151~9,74 Mitsch
3 495 AA157,18 Werth II
uö in redensartl Anklang: ‘jdm Hand und M. reichen’ iSv sich vermählen [
Mephisto zum Kaiser:] Wirf dich in's Meer wo es am wildsten tobt,|.. ..Schon wird es Thetis kund,|Dem zweiten Peleus reicht sie Hand und
M. GWB15
1,60 Faust II 6026 d
als Artikulations- u Sprechwerkzeug; auch in zahlreichen, mehr od minder festen Vbdgn, Wdgn u Redensarten od daran angelehnt sowie mehrf metonym α
funktional: im Zshg der Erzeugung von Geräusch, Sprache, Gesang; wiederholt in bildh Paarformeln (‘von M. zu M., von M. zu Ohr’ uä) Serlo gab..ein Feuerwerk, indem er mit dem M-e..den Ton der Raketen, Schwärmer und Feuerräder nachzuahmen wußte GWB22,209,4 Lj V 12 [
im Zshg der Schätzung eines Diamanten] Da that der Herzog einen großen Ausruf..machte mit dem M-e ein O..und sagte: Nun sehe ich, daß du [
Cellini] dich nicht darauf verstehst GWB44,168,17 Cell IV 3 Einige Auskunft über die Räthsel, welche in meinen kleinen Gedichten..vorkommen, ließe sich anmuthig von
M. zu
M. ..mittheilen GWBB47,25,16 Marianne 19.4.30 Glaubst du denn: von
M. zu Ohr|Sei ein redlicher Gewinnst?|Überliefrung, o du Thor,|Ist auch wohl ein Hirngespinnst! GWB6,109 Vs 1 Div Unmut 6,166 Vs 52 DivSuleika B4,306,6 ChStein 11.10.[80] 21,161,6 Lj II 4 40,338,7 Üb:Wunderhorn
uö ‘mit/wie aus einem M-e’ iSv einhellig, in gleicher Art u Weise; auch mit dem Aspekt der Gleichzeitigkeit die..Gesellschaft, welche nach und nach herbei kam, und..die unaussprechlich schöne Gegend mit Einem M-e begrüßte GWB22,35,10 Lj IV 4~52,187,6 ThS V 14 [
betr Aufführung von Schillers ‘Glocke’] Nun folgt die Declamation der Feuersbrunst; diese Stelle muß sehr gut eingelernt werden, daß die verschiedenen Stimmen alle in einem Geiste und gleichsam aus einem M-e sprechen GWBB25,150,17 Leonhard 14.1.15 K Beilage
uö ‘in aller M-e’: sehr bekannt ist auch ein gutes Weinjahr in aller M-e GWB34
1,12,12 Rochusf β
prononciert im Zshg des Ausdrucks u der Bekundung von Gefühlen; wiederholt personifiziert Uneigennütz'ge Liebe kann der
M.|Mit Frechheit oft betheuern..|Die That allein beweis't der Liebe Kraft GWB10,382 NatT 2932 jeder
M.,|Der Romeo's geliebten Namen nennt,|Spricht, wie mit Engelzungen, Himmelsworte GWB9,222 RomJul 928 [
Nereus zu Thales u Homunculus:] Die Töchter hab' ich alle herbeschieden,|.. ..Hinweg! Es ziemt, in Vaterfreudenstunde,|Nicht Haß dem Herzen, Scheltwort nicht dem M-e GWB15
1,160 Faust II 8151 [
Stella zu Madame Sommer:] Ich fühle im ersten Anblick Vertrauen und Ehrfurcht gegen Sie..Was mein Herz gesteht, bekennt mein
M. gern GWB11,145,24 Stella II [
Gretchen über Faust:] Sein hoher Gang,|Sein' edle Gestalt,|Seines M-es Lächeln,|Seiner Augen Gewalt GWB14,171 Faust I 3396~39,289 Urfaust 1088 20,21,9 Wv I 2 1,4 Zueignung [1784] 33 16,317 KaiserinAbschied 9
uö in Abwandlung des Sprichworts ‘wes das Herz voll ist, des geht der M. über’ (nach Matth 12,34) [
betr Jenaer Aufenthalt der Brüder Humboldt im Jahre 1795] bei dieser Gelegenheit strömte der
M. über, wovon das Herz voll war GWBN8,131,16 ZwKnoch 1819 B11,15,16 Schiller 27.1.96
uö ‘den M. (etwas) voll nehmen’ iSv übertreiben tausende, und..auch dieser Bramine..wollten dann auf einmal orientalisiren..Wir wissen nicht, wie es dem Braminen zu Muthe war, da er zu diesen Dingen den
M. so voll nahm GWB38,391,23 FGA Weisheit 5
1,220 Xen 106(138)
uö(selten) γ
(schwach metonymisch) für die sprechende, sich äußernde Person; öfter ‘aus jds M-e’ iSv von jdm; wiederholt mit Genitivus possessivus; auch in Hypallage [
vor dem heimlichen Aufbruch nach Italien] Verwahre diesen Brief wohl, und läugne übrigens alles gegen alle; aus meinem M-e weis niemand ein Wort GWBB8,18,25 Seidel 2.9.86 [
Georg zu Götz, über Weislingen:] Ihr hättet ihn übereilt, er sey euch keine Pflicht schuldig.. [
Götz:] Hast du dass aus seinem M-e? GWB39,77,28 Götz
1 II Wir vernehmen [
in Wallensteins Lager] aus dem M-e leichtsinniger..Soldaten, aus dem M-e der beredten Marketenderin die Schilderung Deutschlands GWB40,5,24u26 WeimTheatSaal [
Kaiser zu den vier Fürsten:] Was ich euch zugedacht in dieser ernsten Stunde,|Vernahmt ihr mit Vertraun aus zuverlässigem M-e GWB15
1,284 Faust II 10926 ein Aufsatz..den wir unsern..Lesern bekannt wünschen, damit durch fremden
M. ausgesprochen werde, wie wir ungefähr selbst [
über die gegenwärtige Ausbildung der dt Sprache] denken GWB41
1,111,4 DtSprache B12,362,4 Schiller 25.11.97 23,157,12 Lj VIII 2 38,29,23 GöttHeldWieland 5
1,69 Liebe Mutter, es wird 7
uö auch in der Redensart ‘an jds M-e hängen’ Männer vom größten Rufe wurden [
an die Prager Universität] herbeigezogen, sie brachten einen Schweif von Schülern mit sich, damals hing man noch am M-e des Lehrers GWB42
1,29,28 Üb:Monatsschr Böhmen [G/Varnhagen] 17,186,1 GrCoph III 6
uö ─
‘wahrer M.’, in Kennzeichnung des zukunftsdeutenden, prophetischen Meeresgottes Nereus [
Thetis, mBez auf den geweissagten Tod ihres Sohnes Achill:] mir hat es zu fest der graue Vater verkündet,|Nereus, der wahre
M., des Künftigen göttlicher Forscher GWB50,278 Achilleis 211 δ
für die mündliche Sprachäußerung, auch für das Gesprochene selbst; wiederholt in Anlehnung an rechtssprachl Gebrauch iSv bezeugende Aussage, in der Paarformel ‘mit Hand und M.’ für ein mündlich gegebenes Versprechen, Gelöbnis3); auch im Zshg mystischer Offenbarung Von dieser letztern Überzeugung [
dem Keim des Guten im Menschen] war ich auf's innigste durchdrungen..obwohl ich mich mit
M. und Feder zu dem Gegentheile bekannt hatte GWB28,305,16 DuW 15 Feindes
M. frommt selten GWB50,8 ReinF I 92 [
Mephisto zu Marthe:] Ja, gute Frau, durch zweier Zeugen
M.|Wird allerwegs die Wahrheit kund GWB14,149 Faust I 3013 Der Knabe schied, versprach aber mit Hand und
M., heute Abend an dieser Waldecke meiner zu warten GWB25
1,45,17 Wj II 11 [
Faust:] Drum hab' ich mich der Magie ergeben,|Ob mir durch Geistes Kraft und
M.|Nicht manch Geheimniß würde kund GWB14,28 Faust I 378~39,220 Urfaust 25 B2,55,26 Kestner [Jan 73] 41
2,147,6 SerbLieder
uö wohl in Anlehnung an die Verdeutschung des besondere Wortgewandtheit, Beredsamkeit signalisierenden griech Beinamens Chrysostomus („Goldmund”)4): ‘der goldene M., mit goldenem M.’ im Hinblick auf die Autorität eines hohen kirchlichen Amtes; einmal pejor gefärbt zum Ausdruck inhaltsarmer Eloquenz Mich ergriff ein wunderbar Verlangen, das Oberhaupt der Kirche [
Papst Gregor] möge den goldenen
M. aufthun und, von dem unaussprechlichen Heil der seligen Seelen mit Entzücken sprechend, uns in Entzücken versetzen GWB30,201,4 ItR einen Pater Abraham a Sancta Clara, der..seinem schlechten Publicum mit goldenem M-e das dümmste Zeug vorsagt GWBB25,332,19 Zelter [17.5.15]
‘etw aus jds M-e (auf)schreiben’ iSv nach Diktat, als Nachschrift notieren [
Clavigo zu Beaumarchais:] Ich will die Erklärung schreiben, ich will sie schreiben aus Ihrem M-e GWB11,74,26 Clav II Vorstehende Notizen sind aus dem M-de des Böttchermeister Hänsgen zu Weimar aufgeschrieben und Beispiele solcher Holzwindungen vorzuzeigen versprochen worden GWBN7,242 SpiralTend Var 24,37,4 Wj I 3
uö ‘vom/aus dem M-e gehen, fließen, strömen’ uä für: (leicht, flüssig) ausgesprochen, artikuliert werden, (jdm) glatt über die Lippen gehen; auch in Beschreibung eines Wortschwalls od eines (stetig andauernden) Redeflusses; vereinzelt abwertend Wenn diesem jungen Menschen nur ein wahres Wort aus dem M-e ginge GWB23,16,13 Lj VII 2 Lange haben die Großen der Franzen Sprache gesprochen,|Halb nur geachtet den Mann, dem sie vom M-e nicht floß GWB1,321 Vs 290 VenEpigr 58 Portia's Traum recitirten wir um die Wette..Die..gräßlichen aber doch wohlklingenden Verwünschungen [
des Gesprächs zwischen Satan u Adramelech] flossen nur so vom M-e GWB26,125,3 DuW 2 Dieser Mann war unerschöpflich in Worten, es strömte nur so aus dem M-e GWB43,124,7 Cell I 9 7,127,24 DivNot
uö ‘etw (immer, beständig) im M-e führen, tragen, haben’ iSv wiederholt äußern; auch abwertend iS eines Lippenbekenntnisses das Bravo! Bravi! das die Italiäner immer im M-e führen GWB30,123,15 ItR~T1,270,6 v 5.10.86 Ackergeräthe..deren mitunter wunderliche Namen jeder neuere Öconom im M-e führt GWBB22,376,21 Voigt 29.4.12 er [
der Geheimrat von S.] hatte die Willkür der [
frz] Nation, die nur vom Gesetz sprach, kennen gelernt und den Unterdrückungsgeist derer die das Wort Freiheit immer im M-e führten GWB18,102,25 Unterhaltungen [
Rameau:] Wohl weiß ich, daß Ihr mir..allgemeine Grundsätze anführen werdet von einer gewissen Moral, die sie alle im M-e haben und niemand ausübt GWB45,50,19 RamNeffe 50,163 ReinF XI 252 N6,263,24 MetamPfl Wirkg 1830 [EMeyer/G] B36,66,18 Schultz 12.6.22
uö ‘jdm etw in den M. legen, geben’ iSv bestimmte Worte, Aussagen vorgeben, vereinzelt iSv jdm bestimmte Äußerungen (fälschlicherweise) zuschreiben Legen Sie mir in den
M., was ich von den bisherigen Negociationen [
Verhandlungen wegen der Übersiedlung nach Berlin] sagen soll GWBB27,285,11 Boisserée 24.12.16 bey mir war er [
Gf Belisle] nicht..Was die Worte sind, die mir der unselige Dramatiker in den
M. legt, so werden sie von solcher Art gefunden, daß Menschenkenntniß und Geschmack meiner lieben Freundin nothwendig daran..zweifeln mußte GWBB45,124,7 Chassepot 13.1.29 K 20,59,6 Wv I 5 10,68 Iph
2 1574 41
2,39,27 Eurip,PhaethonVersuch
uö ‘jdm nach dem M-e reden’: sich in seinem Sinne äußern, sich ihm anpassen; hier doppelsinnig bezogen auf den Gebrauch der Meißnischen Mundart Da ich..bald empfinden mußte, daß die [
Leipziger] Gesellschaft gar manches an mir auszusetzen hatte, und ich, nachdem ich mich ihrem Sinne gemäß gekleidet, ihr nun auch nach dem M-e reden sollte GWB27,62,22 DuW 6 ε
(deutlich kollokativ gebunden) in Betonung des Beginns, Verlaufs od Endes mündlicher Rede; auch im Hinblick auf ein (bewußtes, gezieltes (Ver-)Schweigen: ‘den M. eröffnen, auftun’ uä iSv (anheben zu) sprechen, das Schweigen beenden Die Genien eröffnen den
M. und kündigen die aufgehende Sonne an GWB16,502,11 Epimen Progr Endlich kann ich den
M. aufthun und Sie [
aus Rom] mit Freuden begrüßen, verzeihen Sie das Geheimniß [
der Abreise nach Italien] GWBB8,39,24 CarlAug 3.11.[86] 20,65,22 Wv I 6 B6,332,18 Merck 6.8.84
uö ‘(jdm) den M. lösen, öffnen’ uä, ‘den Finger vom M-e heben’ uä für die Erlaubnis zu reden [
Polymetis:] Nach meinen Lippen dringt das schreckliche Geheimniß.|Entdeck' ich es, bin ich ein doppelter Verräther;|Entdeck' ich's nicht, so siegt der schändlichste Verrath..|O gebt ein Zeichen mir, ihr Götter!|Lös't meinen
M., verschließt ihn, wie ihr wollt! GWB11,37 Elp
2 820 [G/Riemer] [
Herzog:] Ihr [
der Fürstin] Tod eröffnet mir den
M., ich darf|Vor meinem König meine Tochter nennen GWB10,251 NatT 95 11,36 Elp
2 807 [G/Riemer]
uö ‘(jdm) den M. verschließen, verbieten, zuhalten’ uä, ‘den Finger, die Hand auf den M. legen, drücken’ uä für das Gebot des Stillschweigens, auch ‘zugeschlossener, verschlossener M.’; ‘den M. halten’, bes imperativisch Beste, wie konnten Sie Ihren Freund verletzen? Still, erwiederte sie, indem sie den Finger auf den
M. legte GWB22,132,27 Lj IV 20~52,274,11 ThS VI 12 Er hatte sich selbst den
M. verboten, er schwieg und sann GWB24,149,23 Wj I 8 [
Capulet zur Wärterin:] Haltet euren
M.,|Prophetin! Schnattert mit Gevatterinnen! GWB9,245 RomJul 1396 [
Goethe hält seinen Aufenthaltsort (Verona) noch geheim] Ein kleines Blätchen soll zu Euch kommen, und sagen daß ich wohl bin. Wo ich auch sey gedenck ich Eurer..Ich halte mir den
M. zu um nichts weiter zu sagen GWBB8,25,1 JG u CHerder [18.9.86] Gespr(FfA II 12,181,3) Eckerm 29.11.26 16,502,7 Epimen Progr 4,222 Feier dGeburtsstunde CarlFriedr 4
uö ‘reinen M. halten’: ein anvertrautes Geheimnis bewahren Die Geschichte [
der Scherz mit dem alten Herrn] war zu reizend, als daß man sie hätte bei sich behalten können; so sehr ich auch gebeten..hatte, nur bis zur Abreise des alten Herrn reinen
M. zu halten GWB25
1,175,1 Wj III 8 GefährlWette
‘jdm das Wort aus dem M. nehmen, vorm M. (weg)nehmen’: jds Äußerungen antizipieren, auch iSv wiederholen; einmal für den unmittelbaren Redeanschluß, die schnelle Folgerede, Stichomythie (im Gedichtvortrag) [
Beaumarchais zu Clavigo:] Sie haben mir das Wort aus dem M-e genommen, und mich gerades Wegs auf das Anliegen gebracht, um dessen willen Sie mich hier sehen GWB11,63,6 Clav II blieb einem jeden, der etwas aus sich zu produciren gedachte, der nicht seinen Vorgängern die Worte und Phrasen nur aus dem M-e nehmen wollte, nichts weiter übrig, als sich..nach einem Stoffe umzusehen, den er zu benutzen gedächte GWB27,101,23 DuW 7 [
betr Vortrag von Schillers ‘Glocke’] Bey der Recitation der Stelle, welche den Brand schildert, wünschte ich, daß sie [
die Schauspieler] in der Reihe stünden wie sie sprechen, so daß ein Nachbar dem andern immer das Wort aus dem
M. nimmt GWBB21,236,23 AGenast 17.4.10 18,90,5 MädchOberkirch I 2 5
2,423 Vs 1 Plp 154
uö ‘jdm versagt, stockt das Wort im M-e’ [
Carlos über Clavigo:] der Herr — und allen Leuten versagt das Wort im M-e — kommt..mit seiner trippelnden..Französin GWB11,99,10 Clav IV 27,364,13 DuW 10 2
beim Tier; das Freßwerkzeug, das Maul, die Schnauze; wiederholt in der Fabel Alle Glieder [
von Tieren] bilden sich aus nach ew'gen Gesetzen..|So ist jeglicher
M. geschickt die Speise zu fassen|Welche dem Körper gebührt, es sei nun..zahnlos|Oder mächtig der Kiefer gezahnt, in jeglichem Falle|Fördert ein schicklich Organ den übrigen Gliedern die Nahrung GWB3,89 MetamTiere 16 Die Adminicula des M-es [
beim Schmetterling] können scharf genug sein um ein Gespinnst..durchzufressen GWBN6,438,17 EntomologStudien Zu Jupiters Hochzeit brachten alle Thiere Geschencke..die Schlange kam mit einer Rose im M-e..Zevs..sprach:..von deinem M-e nehme ich nichts GWB53,139,5u7 FabÄsop Erbärmlich..zu heulen begann der Wolf mit offenem M-e GWB50,179 ReinF XII 173 53,141,19 FabPhaedrus N7,203,21 PrincPhilZool II N6,429,26 EntomologStudien
uö 3
(euphem) übertr für Anus5) [
Zeremonienmeister:] Beliebt dem Herrn [
Satan] den hintern Theil zu küssen.. [
Teufelsanbeter:] seh ich unten hier ein Loch|Das Universum zu verschlingen|Was duftet aus dem kolossalen
M.!|So wohl kanns nicht im Paradiese riechen|Und dieser wohlgebaute Schlund|erregt den Wunsch hinein zu kriechen.. [
Satan:] Vasall, du bist erprobt|..wer des Teufels A.... so gut wie du gelobt|Dem soll es nie an Schmeichelphrasen fehlen GWB14,309 Faust I Plp Vs 105 4
metaphor für Erdöffnung, einmal für den Durchlaß zur Unterwelt; auch für den Eingang eines Grabgewölbes [
Herold:] Die Zwerge führen den großen Pan|Zur Feuerquelle sacht heran,|Sie siedet auf vom tiefsten Schlund,|Dann sinkt sie wieder hinab zum Grund,|Und finster steht der offne
M. GWB15
1,56 Faust II 5924 [
Faust, den Gifttrank in den Händen:] Vor jener dunkeln Höhle nicht zu beben,|In der sich Phantasie zu eigner Qual verdammt,|Nach jenem Durchgang hinzustreben,|Um dessen engen
M. die ganze Hölle flammt GWB14,40 Faust I 717 [
Lorenzo:] Ich schließe des [
Grab-]Gewölbes ehrnen
M.,|Er muß verstummen, bis ich uns gerettet GWB9,273 RomJul 2010 9,257 ebd 1643 B
techn: iSv Öffnungselement 1
Mundstück eines Musikinstruments [
dritter Hirt zum Schmied:] Künstlicher Schmiedegesell,|..Reich' uns ein ehern Rohr,|Zierlich zum
M. gespitzt,|Blätterzart angeschlitzt GWB50,310 Pand 286 2
Zuflußteil beim (künstlerischen) Erzgußverfahren an die..in der [
Guß-]Form gelassenen Öffnungen [
werden]..thönerne Röhren angelegt..mit einander verbunden und zuletzt in einen großen
M. vereinigt..Alsdann wird ein Canal von dem Ofen bis zu gedachtem M-e abhängig gepflastert und das..geschmolzene Erz in die Form gelassen GWB44,330,7u10 CellAnh IX 1 Erzguß
→ GWB
Giere- GWB
Gnaden- GWB
Kinder- GWB
Kindes- GWB
Lächel- GWB
Leu- GWB
Liebes- GWB
Ober- GWB
Rosen- GWB
Rubinen- GWB
Säuglings- GWB
Schweige- GWB
Vor- GWB
Vormünderin GWB
Vormundschaft GWB
Mündchen GWB
Mündlein GWB
bevormunden GWB
munden GWB
mundieren GWB
Mundierung GWB
mündig GWB
unmündig GWB
Unmündigkeit Syn zu A1
Lippe Maul zu A2 Maul Schnauze 1) s Komm in FfA I 72,359 u ASchöne, Götterzeichen, Liebeszauber, Satanskult, 1982,1732) dazu WNeuhauser, Die Leiden des alten Goethe. Zahnärztliche Mitteilungen 19(2006),44-513) zur sog Zweizeugenregel vgl Komm FfA I 72,302; zur Vertragsformel s Pierer2 11,3244) vgl Pierer2 3,408 s v Bardo u 7,50f s v Chrysostomos5) zum Ritual des Homogialkusses während der Satansmesse vgl ASchöne, aaO,147f u 151-155 Undine KramerU.K.