leumund ,
m. fama, existimatio. ahd. hliumunt,
was nach seiner wurzel zu laut
sp. 366
gehört, der bildung nach aber zunächst zu altnord. hlio-mr
schall, ruf, sowie zu goth. hliu-ma
das ohr tritt, mit der allgemeinsten bedeutung des hörens oder gehörtwerdens, wird glossiert opinio, favor, testimonium, fama, rumor u. ähnl. die tieftonige zweite silbe des wortes hält sich zum theil durch das mhd. liumunt
bis in das nhd., wo leumund (
eine form deren sich Luther
bedient, vgl. unten 2
und 3)
als subst. jetzt allein schriftgemäsz geworden ist (
während eine gekürzte form den verben beleumden, verleumden
zu grunde liegt),
zum theil aber wird sie tonlos, schon ahd. liument
bei Notker,
mhd. liument,
verliert auch ihren nasal, was einen weiteren rückgang der form zur folge hat. und da das wort schon im ahd. allein steht und seiner abstammung nach dem verständnis entrückt ist, so ergibt sich nach und nach eine buntheit der formen, über welche wörterbücher auskunft geben: fama liumint, lumant, lumunt, lumut, lumelt, limunt, limut, limung, lainten, laimenten, laenten
neben leumat
und leümut Dief. 224
b; lünt, lümuot, liumat
nov. gloss. 166
a; leumund, leumut, leumat, leumde, leumden, leunten Schm. 1, 1472
Fromm.; verserung des leymuts. A. v. Eybe 41
a;
fama, das gerücht, der leümbde,
infamia ein böser leümbd Dasyp.; lümbden, ruom und wirde,
nomen, fama, claritudo, claritas, opinio Maaler 275
d;
wovon die zweiten silben der tieftonigen formen leumut
und leumund
schon seit langer zeit der umdeutung unterliegen (
selbst die umdeutung leutmund
findet sich: seinen leutmund bewaret. Mathes.
Sar. 1
b).
die gekürzte form schlägt auch ins feminine geschlecht um, im 17.
jahrh.: leumd,
m. rumor, die leumde
bona, fama Schottel 1357; der leumd, die leumde,
fama, rumor Stieler 1151;
wobei aber zu bemerken, dasz auch ahd. schon vereinzelt das fem. erscheint: argieng thô ûʒ thiu liumunt in alla thia erda (
exivit fama haec in universam terram illam).
Tat. 60, 18.
weitere belege zu den manigfachen formen im folgenden. Das wort bedeutet 11)
gerücht, hörensagen im allgemeinen, was sich die leute über einen oder etwas erzählen: liumunt ûʒgieng thurah alle thie lantscaf fon imo.
Tat. 17, 8 (
Luc. 4, 14,
bei Luther das gerüchte); und bin dur daʒ niht komen her daʒ ich beschouwe disiu lant; ... der liumet und daʒ mære, daʒ mir wart von iu geseit, hât mich in dise nôt geleit.
troj. krieg 21072; mein sun, ir sület es nit thun, wan es ist nit ein guter leumut, den ich hör, das ir machet übergan das volk des herren.
bibel 1483 126
a (
bei Luther das ist nicht ein gut geschrei das ich höre.
1 Sam. 2, 24); und da die künigin Saba gehört den leumut Salomonis, sie kam in Hierusalem. 201
a (da die königin von Reicharabia das gerücht Salomo höret.
2 chron. 9, 1); davon erhal (
erscholl) sein leunt überall in dem land.
gesta Rom. 3
Keller; (
ein zentschöffe soll) an die zent brengen und rugen, ein warheit fur ein warheit, ein lewmat für ein lewmat, nemlich diepstal, mordtgeschrei, fliszende wunden, und das ere und glimpf andreffen und beruren moge.
weisth. 3, 531 (
Franken, 15.
jh.); der jar und tag in einem offnen lumden (
einem '
gemeinen geschrei') were gesin und sich des nit versprochen hette. 4, 388 (
Luzern, 1408); so jemand einer ubelthat durch gemeinen leumuth berüchtiget ... würde.
Carolina art. 6; so dann die klagende parthey durch ein gerücht oder leumat, oder durch einen zeugen anzeigt (
die ursache des verdachts).
landfrieden von 1521, 7 § 8.
das gerücht wird fliegend gedacht: der liumet ûf der erden ist für alle vogele worden snel. reht als der windes briute mel kan er wol stieben über velt.
troj. krieg 24714; und der leumund seines namen wuchs teglich und flog durch die munder aller.
bibel 1483 247
a (
bei Luther sein gerüchte erschall in allen lendern wie er zuneme und gros würde.
Esther 9, 4). 22)
der ruf, in dem jemand wegen seines moralischen verhaltens steht: mîn liumet und daʒ mære, daʒ von mir fliuget über lant, sint luter und reine erkant, als wîbes êren wol gezimt.
troj. krieg 21526; ir erben an gut, leumut und eren müszen des entgelten.
d. städtechron. 3, 140, 9 (
mit den handschriftl. varianten leimet, leymat, leybett, lammat
und leymund);
gewöhnlich in den festen verbindungen guter leumund, böser leumund. 2@aa) guter leumund: als von der salben der guot wâʒ, als chumet von den guten werchen der guot leunt.
predigt (13.
jh.)
in den fundgr. 1, 73, 14; du bist eines guten leumbden. Keisersberg
sch. d. pen. 10
d; und derhalben das die freuntschaft hochgultiger ist weder ein guter leumbde oder eer.
sünden d. m. 48
c; besonder hast du belaidiget deinen nächsten an seinen eeren oder an seinem guoten laimden, als mit nachreden, so bist du schuldig ain benügen darumb zuo thuon.
granatapfel 1510 C 3
b; aber unser guter laimde ist uns notturft den wir haben müssen von wegen deren die pey uns wonent und unser leben beschawen. D 4
a; man sol eim seinen lümbden, der gut ist, behüten als lang man mag, wann ein guter lümbden ist besser dan alle reichtung (
reichthum).
evang. 1517 56
a; man sol ires guten limdes schonen, so vil es müglich ist, das man sie nit offentlich schend. 145
b; so ist diser arm man eines guoten leumbden allezeit gewesen. Steinhöwel 1487 94; weil ich kein fürsten so frembd acht, dem ich nicht diese wolmeinung und gebür verpflicht sei, sein ehre und guten leumbden meins vermügens zu erretten. Luther 2, 211
a; ohn fährlichkeit, oder verletzung seines leibs, lebens, ehr und guten leumuts.
Carolina art. 140; auch mein guter leimut sich nie gemindert hab.
Galmy 28; (
wenn die kaufleute) eines guten leumuts und glaubens seint.
Frankf. reform. 1, 31 § 12; ihr eigner guter leumund wird darüber verunglimpft. Lessing 8, 360; ich protestiere gegen gerüchte, die, ohne verunglimpfend zu sein, dennoch zum schaden meines guten leumunds ausgebeutet werden können. H. Heine 14, 314. 2@bb) böser leumund: du unreht bobest, sit din ingang ist mit vil meineiden beflecket und die heilge kirche und cristenheit von dinen bösen nuwen fünden ist vil geswechet und beswert und die wandelunge het einen bösen lymuot.
d. städtechron. 8, 434, 2; und koment die barfuoszen hievon in einen bösen lymuot und ruf durch alles lant. 9, 736, 26; das kein böser leimut auf dich fallen mag. Braunschweig
chirurg. (1498) 57
b; das wir unsern nehesten nicht felschlich beliegen, verrahten, afterreden, oder bösen leumund machen. Luther 8, 348
a; der eine von ihnen hatte bösen leumund wegen allerlei, .. aber beweisen vor dem richter konnte man ihm nichts. Hebel 2, 66; ihr steht in bösem ruf und leumund, vetter, dasz ihr der frauen schönste tugend schmäht. Schiller
jungfr. v. Orl. 3, 3; ob du verdienst des bösen leumunds schmach, zeig es. Freiligrath
dicht. 2, 138. 33) leumund
kann für sich den guten ruf bedeuten: dʒ du dem guoten man Luthero sein eer und christenlichen lümbden vor aller welt abstilest wider gott und die warheit.
Karsthans 190, 5
Kurz (
im anhange zu Murners luth. narren); darumb wil got des nehesten leumund, glimpf und gerechtigkeit, sowenig, als gelt und gut genomen, oder verkürzt haben. Luther 4, 404
a; an meinem, gott lob, ehrlichen namen, fam und leumund. Schuppius 620; genugthuung dem beklagten, dessen häusliche ruhe, geschäfte, ehre und leumund von ihm (
dem kläger) ... auf unzählige art gestört und angegriffen worden! Wieland 20, 153; (
eine frau) die von geschlecht ist hoch geporn, und nie irn leumut hat verlorn.
fastn. sp. 693, 25; der mensch beraubt den mensch an dem, das jhm gegeben von leumut, ehre, gut, gesundheit, wolfahrt, leben. Logau 1, 57, 33; dasz man, ohn gefahr, des nächsten leumuth raubt, und ihn dadurch verletzt. Brockes 4, 99; weil ich zugleich der weiber leumund rette. Hagedorn 2, 160; ich geh zum herzog. heut noch werd ich ihn auffordern, seinen leumund vor der welt zu retten. Schiller
Piccol. 5, 3. 44)
aber auch den bösen ruf: anno domini 1202 jar da bracht herzog Rudolf von Bayern sein muetter in einen groszen leinmuet mit einem ritter.
d. städtechr. 1, 345, 4; (
die zunge des menschen) ist ein woffen zu liegen und zu triegen, feintschaft leymut und alles ubel zu machen. A. v. Eybe 13
b; blibit er in dem lümüde stann, als mir die lude sagen gemeine, so gebe ich umb sin ere gar cleine.
Haupts zeitschr. 1, 436 (15.
jh.). 55)
die neuere sprache braucht leumund
wieder im sinne eines umlaufenden gerüchtes, doch, eingeengter als die alte (
oben 1),
nur, insofern es den moralischen ruf eines menschen beschlägt, und hier manchmal personificiert: sie sann darauf, wie sie diesen bösen leumund falscher zungen zerstreue. Arnim
kronenw. 1, 455; sicher hat der böse leumund mich verläumdet.
schaub. 1, 71; dasz schöne frauen aus bekannten gründen dem bösen leumund am meisten ausgesetzt sind. H. Heine 13, 159; wer ist sie, die mein herz begehrt, was lästernd auch der leumund spricht? Freiligrath
dicht. 2, 86.